Robert Löhr: Der Schachautomat

c Piper Verlag GmbH, München 2005

COVER:

Wien, 1770.
In Schloß Schönbrunn findet eine selbst zur Zeit der Aufklärung aufsehenerregende Premiere statt: Hofrat Wolfgang von Kempelen präsentiert vor den Augen Kaiserin Maria Theresias seine neueste Erfindung, einen Schach spielenden Automaten. Schon bald wird die von da an in Preßburg ausgestellte Sensation zum beliebtesten Schauobjekt im ungarischen Königreich. Was der Habsburgische Hof zur größten Erfindung des Jahrhunderts ausruft, ist jedoch nichts weiter als eine brillante Täuschung: Das Gehirn des Automaten ist ein Mensch – der zwergwüchsige Italiener Tibor lenkt den “Schachtürken” aus dem Innern. Bisher aus der Gemeinschaft ausgestoßen, genießt er in der fremden Haut die Anerkennung der Männer und die Bewunderung der Frauen. Denn für die Rokokogesellschaft ist Kempelens Geschöpf aus Holz und Metall Lustobjekt und mechanischer Wunschtraum zugleich. Der Traum wird jedoch zum Alptraum, als eine schöne Aristokratin unter mysteriösen Umständen im Beisein des “Türken” zu Tode kommt. Der Maschinenmensch wird das Ziel von Spionage, kirchlicher Hetze und adligen Intrigen – und Tibor muß über sich hinauswachsen, um nicht mit dem Schachautomaten unterzugehen.

Robert Löhr, Jahrgang 1973, wuchs in Berlin, Bremen und Santa Barbara auf. Er war Journalist, bis er sich dem fiktionalen Schreiben zuwandte. Inzwischen hat er zahlreiche Drehbücher für Film und Fernsehen sowie Bühnenstücke verfaßt. Er lebt in Berlin und arbeitet neben dem Schreiben als Regisseur, Schauspieler und Puppenspieler. “Der Schachautomat” ist sein erster Roman.

REZENSION:

Die Geschehnisse um den Schachtürken faszinierten mich bereits vor langer Zeit, als ich in einem Buch über unglaubliche Geschehnisse einen kurzen Artikel darüber lesen durfte. Bei dem Schachautomaten handelt es sich um einen vermeintlichen Roboter, der 1769 von dem österreichisch-ungarischen Hofbeamten Wolfgang von Kempelen gebaut wurde. Er ließ mit diesem Automaten bei den Zuschauern den Eindruck entstehen, dass sein Schachtürke selbständig und vollautomatisch Schach spielt. In Wirklichkeit war jedoch ein zwergenwüchsiger Mensch darin versteckt, der dieses Gerät bediente.
Kempelen besaß dabei sogar die Frechheit, seinen Schachautomaten auf dem Kaiserhof zu Wien vorzuführen und somit ist ein sehr interessanter und wahnwitziger “Betrug” entstanden, den sich Robert Löhr als Basis seines Romanes vornahm.
Im Gegensatz zu den sehr häufigen historischen Romanen, die in erster Linie zumeist Liebesromane sind, führt uns Löhr schlicht und einfach in die Geschichte des Schachautomaten ein und lässt sie vor seinem Leser aufblühen – ohne den üblichen Schnickschnack anderer Romane zu verwenden.
Durch diesen Umstand und seiner gelungenen Herausarbeitung der Hauptdarsteller – vom kleinwüchsigen Tibor mit all seinen Zweifeln; den lebensfrohen Juden Jakob und natürlich nicht zu vergessen: von Kempelen, der mit seinem Automaten ein sehr großes Risiko eingeht – ist Robert Löhr ein historischer Roman gelungen, dem man absolut jedes Wort abnimmt. Selbst die hinzugedichteten Teile der vorliegenden Geschichte (es sind wahrlich wenige, wie man nach ein wenig Recherche über den Schachtürken herausfindet) sind so geschickt und glaubwürdig eingewoben, dass man den Roman sehr leicht mit einem erzählten Sachbuch verwechseln könnte.
Nichts desto trotz vergisst Löhr natürlich nicht einige notwendige Romanelemente und führt damit auf spannende Weise seine Geschichte fort und man ist beinahe enttäuscht, ob des schnellen Endes nach Erreichen der letzten Seite.
Somit endlich mal wieder ein historischer Schmöker, der zu überzeugen weiß und auch wieder mal die männliche Klientel anspricht.
Jürgen Seibold/17.02.2008

Sandra Lessmann: Die Sündentochter

Originalausgabe Mai 2006
c 2006 by Knaur Taschenbuch
ca. 605 Seiten / € 8,95

COVER:

Ein düsterer Abend im London des Jahres 1666: Hilflos muss Richter Orlando Trelawney mit ansehen, wie eine Hebamme kaltblütig ermordet wird. Nur um Haaresbreite entgeht Anne, die Tochter des Opfers, ebenfalls dem Tod.
Voll Entsetzen über die grausame Tat wendet sich Orlando an seinen Freund, den Arzt Jeremy Blackshaw. Zunächst steht Jeremy vor einem Rätsel – zumal Anne beharrlich schweigt. Und doch scheint das junge Mädchen mehr über die Hintergründe der Bluttat zu wissen. Wen aber schützt Anne? Was steckt hinter dem scheinbar sinnlosen Mord?
Während Jeremy und Orlando noch nach einer Antwort auf diese Fragen suchen, bricht der große Brand von London aus, der die Lösung des Falls fast unmöglich macht…

REZENSION:

Mit ihrem neuen Buch “Die Sündentochter” ist der Autorin Sandra Lessmann ein herausragendes Werk zwischen historischem Roman und Kriminalgeschichte gelungen.
Bereits die ersten Seiten der Lektüre beginnen sehr spannend und man ist sofort in die Geschichte mit eingebunden.
Doch es geht in ihrem Roman nicht nur um Mord. Auch die Liebe und Romantik kommt nicht zu kurz.
Darüber hinaus beschreibt die Autorin sehr wirklichkeitsgetreu  die katastrophalen Bedingungen in den damaligen Gefängnissen, die Schlacht zwischen Holland und England, sowie die Konflikte zwischen den Religionen. Obwohl sich in dieser Geschichte ein Ereignis an das andere fügt, wirkt ihr Buch trotzdem nicht überladen.
Auch der große Brand von London und vor allem die Schicksale der einzelnen Romanfiguren werden sehr lebendig, detailverliebt und fesselnd beschrieben.
Alles in allem eine sehr vielseitige Geschichte und was am wichtigsten ist: Bis zur letzten Seite durch und durch spannend.
Sonja Seibold/24.10.2006

Wolf Kunik: Der Katalane

c 2004 Knaur Taschenbuch

COVER:

Spanien im 15. Jahrhundert:
Nach dem Tod seines Vaters flüchtet der Katalane Xavier de la Valle mit seiner Mutter und seiner Schwester vor seinem grausamen und tyrannischen Onkel in die Stadt seiner Träume, nach Granada. Doch im letzten maurischen Königreich auf spanischem Boden scheint nichts mehr so wie in den schwärmerischen Berichten seines Vaters – ganz im Gegenteil:
Es herrscht erbitterter Krieg zwischen Christen und Moslems. Als sich sein Herz zwischen der Tochter des Emirs von Granada und der schönen Christin Maria entscheiden muss, gerät er in höchste Gefahr…

REZENSION:

Wolf Kunik’s „Der Katalane“ handelt von Xavier de la Valle, der nach dem Tod seines Vaters mit seiner Mutter und seiner Schwester vor seinem Onkel nach Granada flüchtet. Dort angekommen zeigt sich jedoch, daß das Leben in dieser von seinem Vater geliebten Stadt nicht mehr so ist, wie es nach seinen Erzählungen wohl mal war. Er schafft es aber trotzdem, dort einigermaßen Fuß zu fassen und wird der Zögling eines anerkannten Meisters der Universität. Nachdem er durch seine Liebe zur Christin Maria die Verbindung zur Tochter des Emirs nicht eingehen möchte, befindet er sich abermals auf der Flucht vor ihrem erzürnten Bruder.
Dieser Plot wird von Wolf Kunik routiniert erzählt und fesselt den Leser an die 400 Seiten des Buches. Die Geschichte ist spannend erzählt und das einzige Problem ist die leicht ungenügende Aufbereitung der damaligen Zeit. Man hätte durch den eingängigen Lesefluss gerne noch viel mehr über die Unruhen und Probleme dieser Zeit erfahren – was jedoch leider nicht tiefergehend vom Autor ausgebaut wird. Übrig bleibt trotzdem ein spannender historischer Roman, der viele Bosheiten der damaligen Zeit (man denke nur wieder einmal an die „gute alte“ Inquisition) anschneidet und den Leser dazu verleitet, daß Licht noch ein wenig länger anzulassen.
Jürgen Seibold/20.09.04

Lea Korte: Die Nonne mit dem Schwert

Originalausgabe April 2007
c 2007 by Knaur Taschenbuch, München
ca. 478 Seiten / € 8,95

COVER:

Spanien im 17. Jahrhundert: Die 15-jährige baskische Adlige Catalina de Erauso wird von ihren Eltern ins Kloster gesteckt, doch kurz vor der Weihe gelingt ihr die Flucht in die Freiheit.
Schnell mekrt Catalina, dass sie in der Welt als Frau nicht überleben kann. Sie verkleidet sich als Mann – ein unverzeihlicher Frevel im Zeitalter der Inquisition – und lässt sich ein auf ein Leben voller Gefahren, das sie bis nach Südamerika führt. Sie sucht dort ihren Geliebten, der von ihrer wahren Identität selbst dann noch nichts ahnt, als sie Seite an Seite mit ihm in der königlichen Armee kämpft…

Der Roman einer mutigen Frau, die das Unmögliche wagte und deren Leben ein einziges Abenteuer war.

REZENSION:

“Die Nonne mit dem Schwert” führt in das Spanien des 17. Jahrhunderts und erzählt in tief gehender Art und Weise über das Leben der baskischen Adligen Catalina de Erauso.
Lea Korte ist dabei eine herausragende historische Geschichte gelungen, deren geschichtliche Hintergründe durch die eingängige und spannende Erzählweise beinahe nebenbei durch den Leser aufgesogen werden.
Der Umstand, dass die Hauptfigur nicht nur frei erfunden, sondern einer realen Person entspricht, macht den Inhalt dieses Buches nur noch um so interessanter. Durch Catalinas Flucht aus dem Kloster beginnt die Geschichte auch sofort abenteuerlich und spannend. Man fühlt sich beinahe in einen Krimi versetzt, der den Leser atemlos vor den Seiten sitzen lässt und das weg legen des Buches erschwert – man will ja schließlich wissen, was sich im nächsten Kapitel befindet.
Lea Korte schreibt relativ leicht und eingängig – dadurch wird man nicht durch vollgestopftes Wissens und deren Trockenheit erschlagen, wie es manch andere Autoren zum Leidwesen der Leser ab und zu vornehmen. Wissensvermittlung innerhalb eines historischen Romans ist sicherlich wünschenswert – aber man sollte den Leser dabei perfekt unterhalten und nicht in einen Dornröschenschlaf versetzen. Dies ist Lea Korte erstaunlich gut gelungen und die historischen Hintergründe sind nicht nur gut recherchiert, sondern werden dem Leser absolut lebendig nahegebracht. Man fühlt sich körperlich hineinversetzt.
Natürlich gibt es auch im vorliegenden Buch eine unvermeidliche Liebesgeschichte – sehr typisch in diesem Genre – aber durch den hohen Spannungsbogen, den Lea Korte wie einen Webteppich in den Verlauf der Geschichte einbaut, bleibt dies nicht nur glaubwürdig, sondern in diesem Fall tatsächlich unvermeidlich.
Lea Korte zeigt somit den anderen Größen dieses Genres, dass die Konkurrenz nicht schläft und sich der ein oder andere sogar sehr warm anziehen muss, um seinem eventuellen Status weiterhin gerecht zu werden.
Absolut empfehlenswert!
Sonja Seibold/20.10.2007

Jörg Kastner: Das wahre Kreuz

c 2007 bei Knaur Verlag
ca. 428 Seiten / 18,90 €

COVER:

1798. Napoleon hat Kairo erobert. In seiner Begleitung befinden sich Künstler und Wissenschaftler, die die Geheimnisse des fremden Landes ergründen sollen – unter ihnen auch der junge Zeichner Bastien Topart. Bald bricht er mit einer Eskorte zu einem Wüstentempel auf, vor dem die Einheimischen panische Angst haben.
Die Franzosen werden dort Zeugen einer grausigen Zeremonie: Auf einem Altar wollen Männer im Kostüm mittelalterlicher Kreuzritter eine junge Frau opfern. Mit Müh und Not gelingt es den Forschern, die falschen Ritter zurückzuschlagen und das Leben der geheimnisvollen Fremden namens Ourida zu retten – von der sich Bastien magisch angezogen fühlt.
Im Kampf erbeutet Bastiens Onkel ein mysteriöses Schwert. Es scheint im Nahen Osten gefertigt worden zu sein, trägt jedoch Zeichen der abendländischen Kultur – auf dem Griff sind Kreuze eingraviert. Was verbirgt sich hinter diesen Symbolen?
Die Franzosen nehmen Ourida mit nach Kairo, wo überall Gefahr zu lauern scheint: Seltsame Gestalten schleichen um das Haus, ein Mord geschieht. Und vor allem wird Bastien von intensiven Träumen heimgesucht, in denen er ein mittelalterlicher Ritter ist und gegen eine Übermacht von Arabern kämpft; Träumen, die um eine mächtige Reliquie kreisen – ein Kreuz und seine Rettung.
Bastien wird klar, dass er durch ein geheimnisvolles Band aus der Vergangenheit mit den Ereignissen im Tempel verbunden ist. Auf ihn wartet die fast unlösbare Aufgabe, an diese Vergangenheit anzuknüpfen, sich den tödlichen Bedrohungen der Gegenwart zu stellen – und seine große Liebe zu retten…

Jörg Kastner, geboren 1962 in Minden an der Weser, hat nach erfolgreichem Jurastudium aus der Liebe zum Schreiben einen Beruf gemacht. Genaue Recherche und die Kunst, unwiderstehlich spannend zu erzählen, zeichnen seine Romane aus. Zu seinen größten Erfolgen bei Knaur zählen seine Trilogie von Vatikanthrillern – Engelspapst, Engelsfluch und Engelsfürst – sowie der historische Rembrandt-Roman “Die Farbe Blau”.
Jörg Kastner lebt mit seiner Frau in Hannover.

REZENSION:

Jörg Kastner führt uns ins seinem historischen Roman “Das wahre Kreuz” in die Zeit Napoleons – eine Epoche vor den Toren Ägyptens, die sich nicht allzu oft in historische Romane verirrt.
Demzufolge interessant ist der vorliegende Band und man taucht ein in vergangene Zeiten voller Mystic und orientalischen Besonderheiten – voll mit Glauben, Kriegen – und der unvermeidlichen großen Liebe des Bastien.
Jörg Kastner versteht es hierin fehlerfrei, erneut den Leser an den abenteuerlichen Erlebnissen seiner Darsteller teilhaben zu lassen und lässt einen förmlich den Wüstensand vor den erhabenen Pyramiden spüren.
Wie bereits in seinem Buch “Die Farbe Blau” spinnt Kastner historische Fakten zu einem spannungsvollen Plot zusammen und lässt den Leser – ähnlich einem Archäologen – längst vergangene und doch neue Welten entdecken. Die Flüssigkeit und Spannung seiner “Farbe Blau” erreicht er zwar mit dem vorliegendem Buch nicht so ganz – nimmt den Leser aber trotzdem an der Hand und führt von Seite zu Seite tiefer in die Mysterien einer Reliquie und einer ebenso mysteriösen Schönheit – was beim Leser ein Wohlgefühl sowie ein Interesse auslöst, das über das nicht ganz so hoe Spannungsniveau hinweg täuscht.
Sehr empfehlenswert für alle historischen Fans.
Jürgen Seibold/05.02.2008

Jörg Kastner: Die Farbe Blau

c 2005 bei Knaur Verlag

COVER:

Amsterdam im 17. Jahrhundert. Der junge Maler Cornelis Suythof, ein großer Bewunderer des Meisters Rembrandt, arbeitet als Aufseher in einer Besserungsanstalt, um seine bislang brotlose Kunst zu finanzieren. Da geschieht etwas, das sein ruhiges Leben von Grund auf verändern wird: Ein angesehener Kaufmann wird eingeliefert, weil er heimtückisch seine ganze Familie ermordet hat. Schlimmer noch für Cornelis: Gleich darauf wird sein bester Freund Ossel in die Nachbarzelle geworfen. Auch er hat gemordet, auch er war bislang die Gutmütigkeit selbst. Beide Täter sind vollkommen verwirrt – und Cornelis schwört, der Sache auf den Grund zu gehen.
Er findet heraus, daß ein und dasselbe Ölgemälde sich zur Zeit der Tat in der Nähe der Männer befand; ein harmloses Porträt wie von Rembrandts Hand, farblich jedoch von einem intensiven Blau, das Rembrandt nie benutzte.
Als das “Todesbild” auf rätselhafte Weise verschwindet, weiß sich Cornelis keinen anderen Rat, als bei dem alten, verbitterten Meister als Schüler anzuheuern. Er knüpft zarte Bande zu Rembrandts Tochter Cornelia und verdient sein Geld damit, von Bürgermädchen Porträts zu malen – die, wie er entsetzt feststellen muß, in einem Freudenhaus Verwendung finden. Ganz Amsterdam ist aus den Fugen, so scheint es Cornelis, denn die Mordserie reißt nicht ab. Während er Schritt für Schritt beängstigenden Machenschaften auf die Spur kommt, bemächtigt sich etwas Ungreifbares der Stadt und ihrer Menschen, verwirrt ihre Sinne – und die Farbe des Dämons ist Blau…

Jörg Kastner hat einen hochspannenden historischen Roman um die Geheimnisse der Kunst geschrieben, der die Welt der alten Niederländer in einem dunklen Licht erstrahlen lässt.

Jörg Kastner, geboren 1962 in Minden an der Weser, hat nach erfolgreichem Jurastudium aus der Liebe zum Schreiben einen Beruf gemacht. Genaue Recherche und die Kunst, unwiderstehlich spannend zu erzählen, zeichnen seine Romane aus. Bei Knaur erschienen mit großem Erfolg “Im Schatten von Notre Dame”, “Der Sonnenkreis”, “Engelspapst” und “Engelsfluch”. Jörg Kastner lebt mit seiner Frau in Hannover.

REZENSION:

Jörg Kastner führt uns in seinem Roman “Die Farbe Blau” in das Amsterdam des 17.Jahrhunderts.
Der Autor erschuf hiermit einen ausgewachsenen Kriminalroman, der von mythischen Elementen genauso lebt, wie durch die geschickt eingebrachte Verknüpfung zur real vorhandenen Person Rembrandts.
Jörg Kastner verbindet scheinbar locker und leicht Wahrheit und Fiktion zu einem malerischen Gesamtkunstwerk in dem die Farbe Blau Dreh- und Angelpunkt des Kriminalfalles darstellt.
Seine historisch sehr brillant recherchierte Darstellung des alten Amsterdam und dem Leben und Treiben der Bürger dieser Stadt, sowie die erfolgreiche Hinzufügung der Kunst eines Rembrandt und vielen weiteren Exkursionen in die Malerei führen zu einem spannungsgeladenen historischen Kriminalroman mit sympathischen, glaubhaften Hauptdarstellern und dem Drang nach Abschließen eines Kapitels sofort das Nächste zu beginnen.
Somit ein Gesmatkunstwerk, welches geschickt eine Brücke zwischen historischem Roman und Kriminalroman schlägt und dadurch jeden Leser dieser Genres bestens unterhalten kann.
Jürgen Seibold/21.6.2005

Jörg Kastner: Die Tulpe des Bösen

COVER:

Amsterdam, Mitte des 17. Jahrhunderts. Bis vor kurzem hielt das „Tulpenfieber“ die Niederlande in Atem – hochriskante Spekulationen mit wertvollen Tulpenzwiebeln kosteten nicht wenige Bürger die Existenz. Doch noch immer treffen sich wöchentlich die „Verehrer der Tulpe“, eine exklusive Gesellschaft wichtiger Bürger der Stadt.
Als sich eines Abends ein ehrenwertes Mitglied, Bankier de Koning, auf den Heimweg macht, wird er von einer fremden Frau angehalten – und brutal niedergestochen. Amsterdam ist in Aufruhr. Er ist der zweite Ermordete, der ein seltenes Blütenblatt in der Hand hält…
Inspektor Jeremias Katoen führt die Ermittlungen, und ihm eröffnet sich eine rätselhafte Welt. Fanatische Tulpenliebhaber und ebenso fanatische Tulpenhasser bringen ihn auf die Spur eines extrem raren und gefährlichen Exemplars, das einst im Osmanischen Reich gestohlen wurde – ein dämonisches Gewächs von schillernder Farbe, dem sich noch niemand ungestraft genähert hat.
Nun scheint die Tulpe des Bösen in falsche Hände geraten zu sein. Und wären da nicht ein kleiner, ihm blind ergebener Betteljunge und eine fechtkundige junge Frau, Jeremias Katoens Leben hinge bald schon am seidenen Faden…
Jörg Kastner, geboren 1962 in Minden an der Weser, hat nach erfolgreichem Jurastudium aus der Liebe zum Schreiben einen Beruf gemacht. Genaue Recherche und die Kunst, unwiderstehlich spannend zu erzählen, zeichnen seine Romane aus. Bislang in zwölf Sprachen übersetzt, sind seine Bücher auch im Ausland sehr erfolgreich. Jörg Kastner lebt mit seiner Frau, der Schriftstellerin Corinna Kastner, in Hannover.

REZENSION:

Ein historischer Roman aus den Niederlanden des 17. Jahrhunderts:
In der Welthandelsstadt Amsterdam hat bis vor kurzem das „Tulpenfieber“ die Geschäfte bestimmt. Der Handel mit der Tulpe entschied über Aufstieg und Niedergang der Kaufleute.
Noch immer treffen sich die „Verehrer der Tulpe“ wöchentlich in einem Gasthaus. Doch plötzlich werden zwei Mitglieder der hochrangigen Vereinigung ermordet aufgefunden. In ihrer rechten Hand findet sich jeweils das gleiche merkwürdige Zeichen: Ein Tulpenblatt der legendären „Tulpe des Bösen“, einer äußerst seltenen Pflanze, die schwarze Blätter mit blutroten Tupfern aufweist.
Um die intelligenten Morde aufzudecken, wird Inspektor Jeremias Katoen auf den Plan gerufen. Er ist einer der fähigsten Männer in Amsterdam und verfolgt schon bald eine heiße Spur. Katoens  eifriger Gerechtigkeitssinn lässt ihm keine Ruhe, und bald ist er auch privat in die Tulpengeschichten verwickelt. Doch auch die Gegenseite versucht mit aller Macht, den fähigen Inspektor aus dem Weg zu schaffen, und ohne die Hilfe eines Betteljungens und einer kampferfahrenen Frau würde auch er sich schon bald in einem Netz aus Intrigen und Verrat verfangen. Zu diesen Schwierigkeiten kommen seine privaten Sorgen und Nöte, wenn er sich zwischen zwei attraktiven Frauen entscheiden muss, ihm ein Waisenkind zuläuft oder er gegen seinen Willen in die schwierige Politik jener Tage hineingezogen wird.

Historische Kriminalromane bilden mittlerweile zu recht ein eigenes Genre und „Die Tulpe des Bösen“ ist einer ihrer typischen Vertreter. Die Story ist solide erzählt; es kommt an keiner Stelle Langeweile auf. Viele verschiedene Dimensionen des Problems, das mit den Morden eigentlich nur seinen Anfang nimmt, kommen im Verlauf der Geschichte ans Licht. Historisch Belegtes wird dabei gekonnt mit schriftstellerischer Fiktion zu einer Geschichte für Leser von heute verwoben.
Leider fehlt es der Erzählung dabei jedoch an Tiefe. Hier wäre weniger eindeutig mehr gewesen. Der Leser verliert im Dschungel der Personen schon mal den Überblick, und auch der Inspektor hetzt von einem Ereignis zum nächsten.
Das frühneuzeitliche Amsterdam hätte noch weitaus atmosphärischer in Szene gesetzt werden können. Die Charaktere sind an jeder Stelle des Romans absolut vorhersagbar und bergen keine Überraschungen. Selbst die Hauptfigur Katoen ist ein Langeweiler ohne Ecken und Kanten. Auch ist die plakative „Tulpe des Bösen“ keine überzeugende Erfindung des Autors. Sie hätte eher in einen Fantasy- als in einen Historienroman gepasst.
Positiv hervorzuheben ist allerdings die Ausstattung des Hardcovers: Hier gibt es gewissermaßen als „Bonus“  nicht nur eine kleine geschichtliche Abhandlung über den Tulpenhandel in den Niederlanden, sondern auch eine historische Karte von Amsterdam. Eine Übersicht beteiligter Personen hilft, zwischendurch die Orientierung zu bewahren, und die wichtigsten Maße und die Währung werden ebenfalls kurz erläutert. Am Ende des Textes erwartet die Leser außerdem eine Auflistung der historisch belegten Ereignisse, um die herum Jörg Kastner seine Geschichte gesponnen hat. Er selbst erklärt im Nachwort, was erfunden ist und was nicht.
Wer leichte Unterhaltung will, greife bedenkenlos zu diesem Roman, intelligente Krimis jedoch finden sich woanders.
Katja Angenent für Hysterika / 19.01.2009

Birgit Jaeckel: Die Druidin

c 2008 bei Knaur Verlag
ca. 560 Seiten

COVER:

Für ihren Vater empfindet Talia nur Hass – und trotzdem nimmt sie eine Anstellung bei ihm an. Schnell findet sie sich in dem geschäftigen Haushalt in Alte-Stadt zurecht und genießt es sogar, zu Carans mächtiger und wohlhabender Sippe zu zählen. Die junge Frau wird von allen geschätzt, auch von Caran, der ihr mit großer Freundlichkeit begegnet. Doch Talia meidet ihn, wo sie nur kann. Nur für den germanischen Söldner Atharic empfindet sie mehr, und lange ist er der Einzige, der um ihre besonderen Fähigkeiten weiß. Ohnedass sie es will, gerät sie in die Intrigen und Machtkämpfe der keltischen Fürsten. Als sie begreift, dass ihr Vater in seiner eigenen Sippe Feinde hat und in Lebensgefahr gerät, muss sich die jungen Druidin entscheiden: Will sieihre Rache – oder nutzt sie ihre Gabe, um ihn vor dem sicheren Tod zu retten?

REZENSION:

Der Titel macht erst einmal skeptisch: „Die Druidin“ suggeriert das historische Vorhandensein weiblichen Druidentums, das leider wissenschaftlich bislang nicht belegt werden konnte und lässt schnell an einfach gestrickte Esoterik-Lektüre denken. Doch dann wandert der Blick weiter zum Klappentext, und der verrät, dass die Autorin Birgit Jaeckel Ur- und Frühgeschichte studiert hat und somit eigentlich wissen müsste, über was sie schreibt. Ich habe das Buch also trotz meiner Vorbehalte zur Hand genommen und bin nicht enttäuscht worden – im Gegenteil.
Die Leser werden mitgenommen auf eine Reise nach Süddeutschland in die Zeit vor der Christianisierung: Die verschiedenen germanischen Stämme pflegen untereinander und mit den Römern und Griechen die vielfältigsten Handelsbeziehungen. Ganze Völkerwanderungen sind nicht selten. Über Krieg und Frieden entscheidet nicht nur die Politik, sondern auch die Druiden und Seher, die aus den Zeichen der Natur die Zukunft deuten. In diese Zeit wird Talia, eine junge Waise, hineingeboren. Sie verfügt über die ungewöhnliche Gabe, „Seelen sehen“ zu können und vermag so, Menschen zu heilen oder zu töten. Bald schon wird ihre Gabe als Gefahr für die führenden Druiden des Stammes erkannt, und Talia muss fliehen. Der Zufall führt sie an den Hof ihres Vaters Caran, einer der mächtigsten Stammesfürsten seiner Zeit. Obwohl die verstoßene Tochter nichts als Hass und Verachtung für ihren Vater empfindet, nimmt sie eine Anstellung bei ihm an. Talia verschweigt ihm jedoch, dass sie seine Tochter ist. Schon bald wird sie in das Intrigenspiel am Hofe hineingezogen und sie übernimmt schnell eine wichtigere Rolle in der Politik, als ihr lieb ist….

Zu Beginn des seitenstarken Textes dauert es ein wenig, bis Fahrt in die Geschichte kommt. Dann jedoch lässt einen das farbenprächtige Spiel der Protagonisten nicht mehr los. Vieles ist nicht so, wie es zunächst scheint, und mit Talia verfolgt man die Pfade einer eigenwilligen, nicht immer rational handelnden Frau, die ihren eigenen Weg geht. Auch die anderen Charaktere haben diese Bezeichnung wirklich verdient, sie besitzen alle Stärken und Schwächen und ein eigenes Profil – einer der Pluspunkte, der die Geschichte so mitreissend macht.

Der Aspekt des „Seelen Sehens“ ist zwar eindeutig der Fantasy entlehnt, jedoch stört die genrefremde Nutzung in diesem Fall nicht, denn sie wird wohldosiert eingesetzt und trägt dazu bei, das Buch spannend und lesbar zu halten.

Dieses Buch ist ein unbedingtes Muss für alle, die sich für die Frühgeschichte interessieren. Anhand zahlreicher Details und dank der großen Erzählfreude der Autorin taucht man richtig ein in die fremde Welt vor der Christianisierung, die immer noch ein zu wenig beachtetes Zeitfenster bei den historischen Romanen darstellt. Dabei werden keine Plattitüden und Klischees bemüht, sondern ein fundierter und abwechslungsreicher Einblick in jene uns heute so fremd erscheinende Welt geboten. Dazu vermag Jaeckel, eine spannende und überraschende Geschichte zu erzählen, die an keiner Stelle langweilt. Ein starkes Debüt von einer jungen Autorin!
Wenn das ganze Buch dann ausgelesen ist, hat man auch eine Erklärung für den Titel: Vermutlich brauchte der Verlag ein griffiges Schlagwort, um dieses Kaleidoskop von Eindrücken unter einen Hut zu bringen. Mit dem Inhalt hat der Titel jedenfalls nur am Rande etwas zu tun – und das ist gut so.
Katja Angenent für Hysterika.de/26.08.2009

Christian Jacq: Im Bann des Pharaos

Scherzverlag 2002

COVER:

Ein junger, mittelloser Tiermaler und ein milliardenschwerer englischer Lord – was können diese zwei Menschen gemeinsam haben?

Lord Carnarvon und Howard Carter sind beide große Liebhaber der alten ägyptischen Kultur, Schon früh hat Carter seinen Beruf gewechselt und als Archäologe unzählige alte Gräber entdeckt. Doch sein großer Traum blieb bisher unerfüllt: Das Grab des legendären Tutenchamun zu finden.
Auf dem Grab des Pharaos scheint jedoch ein Fluch zu liegen …

REZENSION:

Wenn sich jemand für Geschichte interessiert, insbesondere für die sagenhafte Entdeckung des unglaublichen Schatzes Tutenchamuns, und Probleme mit den trockenen Fachbüchern hat, der ist mit diesem Buch gut beraten.
„Im Bann des Pharaos“ ist ein Roman der gleichzeitig perfekt als Fachbuch fungieren kann. Man kann mit diesem Buch in die Geschichte Lord Carnavons und Howard Carters einsteigen und erfährt so nebenbei alle Schwierigkeiten, Probleme und Wirren der Zeit in der diese beiden Akteure lebten.
Es ist unwahrscheinlich interessant, welche Steine dem Archäologen in den Weg gelegt wurden und wie er trotz des berühmtesten Schatzes nicht als professioneller Archäologe anerkannt wird, da er sich die Forschung autodidaktisch beigebracht hat.
Man merkt, wie borniert die Menschen sein können – keiner seiner „Fachkollegen“ hat gemerkt, das Carter eigentlich die Archäologie erst in die richtige Richtung gebracht hat. Vor ihm handelte es sich nur um ein Ausplündern von Gräbern und nicht um wissenschaftliche Feinarbeit.
Man merkt, wie korrupt Menschen (insbesondere Politiker) sein können und man merkt jedoch auch, wie es jemand mit einem starken persönlichen Einsatz und Kampf trotzdem schafft.
Ich ziehe meinen Hut vor Howard Carter!!!
Das Buch ist sachlich geschrieben und natürlich nicht mit einem reinen Fiction-Buch zu vergleichen. Es baut aber trotzdem eine gewisse Spannung auf: Man will förmlich an der Entdeckung des Grabes dabeisein.
Christian Jacq schafft es hiermit locker, einen Geschichtsunterricht abzuhalten, bei dem die Kids nicht in der hinteren Bank einpennen – hier bleibt man am Ball!
Wer sich nur ein bißchen für die Entdeckung des Grabes interessiert, kann an diesem Buch nicht vorbeigehen.
JS/10.06.03

Christian Jacq: Stein des Lichts 2: Die weise Frau

Originaltitel: La Pierre de Lumière. La Femme Sage
Übersetzung: Gaby Wurster
c XO Editions, 2000
vorl. Exemplar: Lizenzausgabe der RM Buch und Medien Vertrieb GmbH

COVER:

Der Tod des großen Ramses stürzt Theben, besonders aber die “Stätte der Wahrheit”, in tiefe Unsicherheit. Im Dorf der Handwerker herrscht große Sorge. Wie wird sich Ramses’ Sohn und Nachfolger Merenptah, der immer im Schatten seines übermächtigen Vaters stand, zur Bruderschaft und ihren Traditionen stellen? Nefer der Schweigsame ist inzwischen neuer Vorsteher des Dorfes, und seine Frau Ubechet wurde durch den Kuss der Königskobra zur Obersten der Hathorpriesterinnen und Mutter der Bruderschaft erwählt. Paneb der Feurige ist endlich als Zeichner aufgenommen und erweist sich als listenreicher Beschützer des Dorfes. Die Hoffnungen des machtgierigen Mehi und seiner skrupellosen Frau Serketa sowie ihres Kumpanen Dakter erfüllen sich nicht. Der neue Pharao stärkt die Stellung der Bruderschaft. Doch Mehi, dessen verräterisches Doppelspiel um die Macht in Ägypten niemand durchschaut, giert nach dem Geheimnis der Pharaonen und erhält schon bald eine Chance: Der Herrscher erkrankt schwer. Wieder wird es erbitterte Kämpfe um die Nachfolge geben…

Christian Jacq, 1847 bei Paris geboren, promovierte in Ägyptologie an der Sorbonne. Neben seiner wissenschaftlichen Arbeit veröffentlichte er höchst erfolgreich belletristische Werke. Weltberühmt wurde er mit seinem Romanzyklus Ramses.
Der Romanzyklus Stein des Lichts ist auf vier Bände angelegt.

REZENSION:

Entgegen dem ersten Teil, den ich nicht sehr ägyptisch und fesselnd fand, bekam Christian Jacq hier nun die Kurve.
Vielleicht muss man den ersten Band auch als langsamen Beginn der Geschichte erfahren und wird dann mit dem zweiten immer mehr in den altägyptischen Strudel hineingerissen.
Langsam entwickeln sich die Intrigen und das Buch wird von mal zu mal interessanter und auch spannender.
Man merkt es auch an der Lesegeschwindigkeit: Band zwei kann man schon fast nicht mehr loslassen.
Jürgen Seibold/17.02.2003

Christian Jacq: Stein des Lichts 4: Die Stätte der Wahrheit

Originaltitel: La Pierre de Lumière. La Place de Vérité
Übersetzung: Gaby Wurster
c XO Éditions, 2000
deutsche Ausgabe: 2001 by Bertelsmann Verlag, München

COVER:

Der große Pharao Ramses ist seit Jahren tot, doch noch immer tobt der Kampf um seine Nachfolge. Das gewaltige Reich droht zu zerfallen. Set Maat (“Stätte der Wahrheit”), das abgeschirmte Dorf von auserwählten Handwerkern und Künstlern, die die Pharaonengräber von Theben ausgestalten und hüten, ist nach dem gewaltsamen Tod von Nefer dem Schweigsamen schutzlos allen Anfeindungen ausgesetzt. Haben der machtgierige General Mehi und seine intrigante Frau Serketa ihr Ziel endlich erreicht? Doch die Hüter des sagenumwobenen Stein des Lichts wissen um ihre geheime Kraft und wählen Paneb den Feurigen zu ihrem neuen Führer. Der frühere Hitzkopf zeigt sich seiner neuen Aufgabe großartig gewachsen. Selbst der Verlust seines nichtsnutzigen Sohnes Aperti kann ihn nicht zerbrechen. Währenddessen müssen Taousert, Ägyptens heimliche Regentin, und ihr Wesir Bai all ihre Klugheit einsetzen, um das Reich des großen Ramses zu erhalten. Geschickt bindet Taousert den streitbaren General Seth-Nakht in die Regierung ein. Und selbst als der kränkelnde Pharao Siptah stirbt, hat die weitsichtige Taousert noch einen Trumpf in der Hand. General Mehi muss zusehen, wie seine intriganten Pläne zunichte werden. Und im Dorf der Handwerker kann der Aufbruch in eine neue Zeit endlich gewagt werden.

Christian Jacq, studierter Ägyptologe, gelang mit seinem Ramses-Zyklus ein sensationeller Erfolg. Der anerkannte Wissenschaftler fesselte weltweit mehr als 11 Millionen Menschen mit seiner speziellen Mischung aus historischen Fakten und Fantasie. Das jetzt komplett vorliegende Epos um den Stein des Lichts braucht den Vergleich mit dem Ramses-Bestseller nicht zu scheuen.

REZENSION:

Der vierte Band der Baumeister-Saga an der Stätte des Lichts ist zugleich der spannendste. Dies liegt aber wohl vor allem daran, das hier nun alle Intrigen und Feindseligkeiten zu einem Ende kommen.
Der Untergang Mehis, der seit Band eins sehr gut zu intrigieren wusste, ging mir in diesem Band fast zu simpel von Statten.
Der vierte Band ist aber trotzdem unerlässlich, interessant und mit dem leichten Spannungstouch a’la Christian Jacq geschrieben.
Manchmal bin ich etwas enttäuscht, da er als Ägyptologe ein wenig die Hintergründe vermissen lässt. Eigentlich könnte er etwas mehr aus dem Nähkästchen plaudern.
Jacq könnte auch ein wenig spannender schreiben, was jetzt aber bei dieser Geschichte auch wie dargestellt ganz okay ist.
Sehr gut finde ich, dass die Geschichte direkt strotzt vor den alten Mythen und vieles durch die Mythen gelöst wird. Dies scheint in der heutigen Zeit fast unglaublich – und man kann manche Vorgehensweise auch nicht glauben – ist aber trotzdem eine gute Lösung in diesen Romanen.
Dies gibt den Büchern auch gleichzeitig einen sehr mysthischen Touch, der einfach Spaß macht.
Man liest ja auch Fantasy, wo manches nicht mit rechten Dingen zu geht – warum also nicht auch im Alten Ägypten?
Jürgen Seibold / 26.02.03

Markus Heitz: Sanctum

Originalausgabe September 2006
c 2006 by Knaur Taschenbuch
ca. 607 Seiten / 12,95 €

COVER:

Rom, Ewige Stadt, Hort uralter Geheimnisse. Hierhin führen die Spuren einer Verschwörung, in deren Mittelpunkt Eric von Kastell steht, der Werwolfjäger. Immer wieder trifft er auf das Vermächtnis einer Frau, die im 18. Jahrhundert um ihr Leben kämpfte: Gregoria, die Äbtissin eines entweihten Klosters. Eric und Gregoria sind untrennbar verbunden durch die heiligste Substanz, die sich auf Erden findet: Das Sanctum kann Wunder wirken – oder den Tod bringen…

Die Fortsetzung des Bestsellers RITUS

REZENSION:

Mit RITUS öffnete Markus Heitz eine sehr alte und lange verschlossene Kiste, um der vermeintlich verstorbenen Gestalt des Werwolfs neues Leben ein zu hauchen.
Dies glückte ihm damit bereits einwandfrei und war sowohl interessant als auch sehr spannend zu lesen.
Mit SANCTUM folgt nun der zweite Part der Geschichte, da dieses Buch nahtlos an das erste anknüpft.
In diesem Werk wird die Geschichte der von Kastels und ihrer zeitumfassenden Werwolfjagd virtuos weitergesponnen. Erfreulicherweise legt Heitz hierbei seine Fähigkeiten sehr stark in die Details und offenbart mehr und mehr Hintergründe, die Grundlage zu den Tätigkeiten des Eric von Kastell der heutigen Zeit sind. Dadurch ist neben den Geschehnissen in unserem Jahrhundert ein detailreicher historischer Plot entstanden, wie er nur selten zu finden ist. Alle Begebenheiten und insbesondere die Darstellung der historischen Details sind absolut glaubwürdig und flüssig erzählt.
Markus Heitz legt seinen Fokus in SANCTUM auch verstärkt auf den Beginn der Jagd und flechtet geschickt echte historische Ereignisse mit ein. Dadurch erhält das Buch eine Dramatik und Spannung, die sich scheinbar locker und leicht über seinen ersten Band hinwegsetzt.
Markus Heitz ist mittlerweile ein Ausnahmeautor und hat dem Werwolfthema mit SANCTUM ein Denkmal gesetzt, dessen Sockel RITUS ist.
Außerdem ist man sich nun nach der Lektüre dieser beiden Bände gar nicht mehr so ganz sicher, das es diese Wesen nicht geben sollte.
Jürgen Seibold/11.04.2007

Markus Heitz: Ritus

Originalausgabe April 2006
c 2006 by Knaur Taschenbuch
ca. 520 Seiten / 12,95 €

COVER:

Zwei Männer, die nur ein Ziel kennen.
Ein Fluch, der die Jahrhunderte überdauert.

Frankreich im Jahre 1764.
Die Menschen leben in Angst und Schrecken – denn ihre Kinder werden gehetzt und getötet. Was ist das für eine Bestie, die kein Jäger stellen kann?
Unter den vielen Männern, die sich auf die Jagd begeben, ist auch der Wildhüter Jean Chastel.
Er selbst birgt ein dunkles Geheimnis – und niemand ahnt, dass der gnadenlose Ritus der Bestie auch zweihundert Jahre später noch Opfer fordern wird…

Markus Heitz, geboren 1971, studierte Germanistik und Geschichte und lebt als freier Autor in Zweibrücken. Sein Aufsehen erregender Erstling “Schatten über Ulldart”, der Auftakt zum sechsbändigen Epos “Ulldart – Die Dunkle Zeit”, wurde mit dem Deutschen Phantastik Preis 2003 als “Bestes Roman-Debüt National” ausgezeichnet – einer Auszeichnung, der viele weitere folgen sollten. Spätestens seit seiner Bestseller-Trilogie “Die Zwerge”, “Die Rache der Zwerge” und “Der Krieg der Zwerge” gehört Markus Heitz zu den erfolgreichsten deutschen Fantasy-Autoren.

REZENSION:

Markus Heitz widmet sich in seinem Roman “Ritus” einem Thema, das nach meiner Meinung eigentlich bereits seit vielen Jahres “ausgelutscht” ist. Wer in Gottes Namen interessiert sich noch für Werwölfe? Diese Spezies zeugte in der Literatur und dem Film nicht gerade von recht viel Einfallsreichtum geschweige denn eigenem Intellekt (Natürlich gibt es Ausnahmen…).
Nun hat sich der Zwerge-Autor Markus Heitz diesen Wesen angenommen, die mittlerweile ein ähnlich ausdauerndes Leben vorzuweisen haben wie zum Beispiel die Vampire.
Markus Heitz bedient sich dabei bei einem historischen Fall bzw. einer Legende und verknüpft diese mit der heutigen Zeit in einem wunderbar aufgebauten Wechselspiel.
Dadurch bewegt man sich als Leser abwechselnd in den Jahren 1764 und 2004 – und verfolgt dabei eine Familie auf der Jagd nach dem Monster.
Dies wird von Heitz in einer sehr spannenden und atemberaubenden Art und Weise vorgelegt und man fegt von Seite zu Seite, um leider viel zu früh ans Ende des Buches zu gelangen.
Ritus ist ein absolut fesselnder Thriller, in dem ein totgeglaubtes Wesen wieder zu neuen Ehren findet. Lediglich bei der von Markus Heitz bekannten ausufernden Tiefe in seinen groß ausgelegten Romanen und Reihen muss man in diesem vorliegenden Band einige Abstriche machen. Die in dieser Geschichte vorhandenen Personen, Begebenheiten und Handlungsstränge sind bei weitem nicht so detailliert gezeichnet, wie z.B. bei seinem “Zwerge-Zyklus”.
Es bleibt aber trotzdem ein sehr guter Thriller bei dem sich sicherlich jeder Leser auf den angekündigten zweiten Band “Sanctum” freut.
Jürgen Seibold/24.06.2006

Gisbert Haefs: Alexander der Grosse

Coverbild: Heyne-Verlag (ISBN 3453866630)
Vorliegendes Exemplar: Sonderausgabe mit den beiden zuvor im Haffmans Verlag erschienenen Bänden Alexander “Hellas” und Alexander “Asien”
Weltbild Verlag GmbH, Augsburg 1998
c 1992, 1993, 1995, 1997 by Gisbert Haefs

COVER:

Nach seinem großen Karthago-Roman Hannibal legt Gisbert Haefs den gewaltigen Weltreich-Roman Alexander vor: die farbenprächtige, lebendige Auferstehung der Antike.
Der erste Teil umspannt die Zeit von der Einigung Griechenlands unter Alexanders Vater Philipp II. bis zur Meerfahrt des jungen Königs über den Hellespont. Der zweite Teil führt von der Schlacht am Granikos zur Eroberung und Neuordnung des ersten Weltreichs der Weltgeschichte, das ein Zusammenleben vieler Völker unter einem Gesetz möglich machte: Perser, Ägypter, Babylonier, Araber, Inder, Griechen, Makedonier hatten unter Alexanders Herrschaft gleiche Rechte und gleiche Chancen. Der große Roman verleiht einem Lidschlag der Historie, einer menschgewordenen Utopie, anschauliche Gegenwart.

GISBERT HAEFS
Alexander der Große

“Gisbert Haefs hatte schon einen historischen Roman über Hannibal vorgelegt. Dieser erweist sich nun als Probestück, dem ein Meisterwerk in der gleichen Art gefolgt ist.”
Jürgen Busche/Süddeutsche Zeitung

“Haefs’ Antike ist kein glatter Marmor, sie lebt, frißt, grölt, lacht, liebt und verreckt. Sie lebt auch literarisch.
‘Alexander’ ist ein veritabler Spionageroman, ein Politthriller, Schlachtengemälde, Helden_Epos und Schelmenstück, Parodie auf antike Chroniken, selbst antike Chronik, wundersames Mysterienspiel, philosophischer Diskurs, Reisebeschreibung und anderes, oft ironisch gebrochen, mit Anspielungen von Schiller bis Asterix durchsetzt. Aber beileibe kein unernster Bilderbogen für kindliche Gemüter.
Denn es ist durchaus eine ernsthafte Intention von Haefs, die Antike, deren Wahrnehmung oft von mythischer Verklärung verstellt ist, plausibel zu machen. Dementsprechend enorm ist auch der Recherche-Aufwand, der beispielsweise zum Thema antike Musik etliches Neues zu sagen hat oder die zukünftige Historiographie überzeugend korrigieren kann und eine Detailgenauigkeit erzeugt, die erstaunlich ist.”
Thomas Wörtche/Frankfurter Rundschau

“Antikes Leben wird anschaulich. Selbst kritisch gestimmte Wissenschaftler, die Haefs’ aristotelischer Geschichtssicht die Zustimmung wahrscheinlich versagen, werden ihren respekt nicht verweigern.”
Rudolf Pförtner/Die Welt

GISBERT HAEFS (sprich: Haafs), geboren am 9.1.1950 in Wachtendonk am Niederrhein; studierte Anglistik und Romanistik, war während des Studiums Komponist, Chansonnier und Kneipier; lebt als Autor, Übersetzer und Herausgeber in Bad Godesberg.

REZENSION:

Gisbert Haefs Werk lag nun schon 10 Jahre in meinem Bücherregal und staubte vor sich hin. Vor ungefähr 6 Jahren nahm ich es mal in die Hand und begann eher zögerlich mit der Lektüre. Irgendwie kam ich jedoch nicht rein und legte es wieder in das besagte Regal.
Nun, im Jahre 2009 fiel es mir wieder in die Hände und mein Gefühl sagte mir, es wäre nun an der richtigen Zeit.
Den Fehler des Beiseitelegens bereute ich nun mehr als stark – konnte mich doch tatsächlich dieser knapp tausendseitige Wälzer durch und durch überzeugen.
Haefs erschafft ein Bildnis, das durchgehend stimmig ist und diese verwirrende Zeit der alten Griechen farbenfroh mit allen Ecken und Kanten vor dem Leser ausbreitet. Man fühlt sich beinahe als stiller Beobachter einer Zeit, die voller Intrigen, Machtkämpfe, Dreck, Wein, Hurerei steckt und man ist fasziniert ob der detailreichen Fülle eines Autors, der sich meiner Meinung nach noch erheblich mehr solchen Personen widmen sollte.
Der Großteil der Protagonisten ist historisch gesichert, ironischerweise habe ich eine nicht reale Person ins Herz geschlossen: den Khitaristen Dymas, der als Musiker diversen Spionagetätigkeiten nachkommt und mich einfach überzeugen konnte. Selbst der mir lediglich als trockener Schulstoff bekannt gewordene Aristoteles fand seinen Weg in meine Gehirnwindungen – und wenn dieser Philosoph nur annähernd so gewesen sein sollte, wie dargestellt, dann war Aristoteles ein verdammt “cooler Typ”.
Sicherlich werden einige Historiker die Haare raufen – jedoch schaffen es diese leider selten, geschichtliche Hintergründe und Begebenheiten so lebendig darzustellen, wie es Haefs im vorliegenden Buch macht.
Warum nur ist Geschichte oft so trocken und ein Abzählen von Daten (“333 vor Issos Keilerei”) – es geht doch auch ganz anders!
Jürgen Seibold / 01.09.2009

Stephan Grundy: Rheingold

Originaltitel: The Rhinegold
Übersetzung: Manfred Ohl und Hans Sartorius
vorliegendes Exemplar: Lizenzausgabe der Bertelsmann Club GmbH, Gütersloh
c 1992 Stephan Grundy
deutsche Ausgabe: c 1992 S.Fischer Verlag GmbH, Frankfurt a.M.

COVER:

RHEINGOLD erzählt von einer Welt, in der das Schicksal von Menschen und Göttern noch eng miteinander verknüpft ist – ein Kosmos voller Zauber, Fabelwesen und Geheimnisse.
Sigfrid, der Held, verfügt zwar wie im Mythos über Stärke und scheinbare Unverwundbarkeit, zeigt sich aber in seiner ganzen widersprüchlichen Menschlichkeit: in seiner Naivität, seiner Unfähigkeit, Menschen und Mächte zu durchschauen, und damit in seiner Unterlegenheit gegenüber Gunter, Hagen und Krimhild – in seinem unschuldigen Wunsch nach Freundschaft und Zuverlässigkeit und seiner heimlichen Sehnsucht nach Liebe und Geborgenheit. Ein furchtloser Held, ein unbesiegbarer Drachentöter nach außen, innen ein noch unreifer und unsicherer, leicht zu beeinflussender Mann.

RHEINGOLD wie es Stephan Grundy ausfabuliert, ist mehr als ein phantastisch-mysthischer Roman über das Schicksal der Nibelungen. Grundy hat viele alte Geschichten aus dem nordeuropäischen Kulturraum miteinander verwoben und verknüpft, um eine unendliche Geschichte zu erzählen von Liebe und Versagen, Macht, Geheimnis und Tod.

Der Amerikaner Stephan Grundy studiert nordische Literatur an der Universität Cambridge in England. Er spricht deutsch, schreibt Gedichte, spielt die keltische Harfe, singt Schubert- und Wagner-Lieder. Grundy arbeitete als Goldschmied und ging bei dem bayerischen Holzschnitzer Ludwig Kienig in eine fünfjährige Lehre. Seine Hobbys sind Fechten, Karate, Met- und Bierbrauen.

REZENSION:

In Rheingold erzählt Stephan Grundy die komplette Nibelungensage von den Wälsungen über Sigfrid zu Gudrun. Dies schafft Grundy so detailliert und interessant, das dem Leser das Umblättern aufgezwungen wird und man nach der Lektüre fast versucht ist, sich auf die Suche nach dem berühmten Schatz im Rhein zu machen.
Das Nibelungenlied wurde schon sehr oft verfilmt, neu erzählt und weitergewoben – jedoch selten in dieser Dichte. Er verwebt hierbei nicht nur die alte Sage von Sigfrid dem Drachentöter, sondern auch alte Geschichten und Mythen aus unserem europäischen Kulturraum. Das alles so gut erzählt, das sich vor dem Leser die alten Zeiten wieder auftun und man sich unversehens bei den Burgundern, den Franken und dem Rhein befindet.
Selten gelingt es einem Autor bei der Nacherzählung einer Sage so zu fesseln und die Geschichte hierbei so zu erzählen, als ob das alles genau so geschehen wäre.
Dadurch ist ein Buch entstanden, das man fast als historischen Roman bezeichnen müsste, obwohl doch viele Vorgänge eher der Fantasy zuzuschreiben wären.
Somit nicht nur ein Werk für den Nibelungen-Interessierten, sondern für alle die gute historische Romane verschlingen, als auch für alle Fantasy-Freaks, die in einer andere Welt eintauchen möchten.
Das alles ist Stephan Grundy problemlos gelungen und lässt auf mehr Ergüsse von diesem Autor hoffen.
Jürgen Seibold