Stephen King: Der Anschlag (11/22/63)

Deutschsprachige Ausgabe:
Aus dem Amerikanischen von Wulf Bergner
(c) 2011 by Stephen King
(c) der deutschsprachigen Ausgabe by Wilhelm Heyne Verlag, München in der Verlagsgruppe Random House GmbH
ISBN 978-3-453-26754-1
ca. 1.056 Seiten

Englische Originalausgabe:
ISBN 978-1-4516-2728-2

COVER:
Jake Epping lebt ein normales Leben, bis sein Freund Al ihm ein großes Geheimnis enthüllt: Er kennt ein Portal, das ins Jahr 1958 führt. Und Al gewinnt ihn für eine wahnsinnige Mission. Jake soll in die Vergangenheit zurückkehren und das Attentat auf John F. Kennedy vereiteln, um den Gang der Geschichte positiv zu korrigieren. Und so beginnt für Jake ein neues Leben in einer für ihn neuen Welt. Es ist die Welt von Elvis und JFK, von großen amerikanischen Autos und beschwingten Highschool-Tanzveranstaltungen. Es ist die Welt des gequälten Einzelgängers Lee Harvey Oswald, aber auch die der Bibliothekarin Sadie Dunhill, die Jakes große Liebe seines Lebens wird – eines Lebens, das gegen alle normalen Regeln der Zeit verstößt. Und je näher Jake seinem Ziel kommt, den Mord an Kennedy rückgängig zu machen, desto bizarrer wehrt sich die Vergangenheit dagegen – mit aller gnadenlosen Gewalt, die sich auch gegen Jakes neue Liebe richtet …

REZENSION:

Das Attentat auf John F. Kennedy war mindestens für die amerikanische Bevölkerung ein sehr traumatisches Erlebnis, welches eine Vielzahl von Verschwörungstheorien nach sich zog. Dieses Trauma breitete sich zu einem großen Teil über die ganze Welt aus und wird auch immer wieder gerne neu diskutiert, neu belichtet und mit vielen Facetten – von irrsinnig über plausibel – neu betrachtet und abgehandelt.
Nun hat sich auch einer der erfolgreichsten Autoren unserer Gegenwart diesem Thema angenommen und legt dabei sogleich einen Roman vor, den man aufgrund seiner 4-stelligen Seitenzahl nicht einfach mal so nebenbei lesen kann.
Stephen King war schon seit jeher ein großartiger Erzähler und schaffte es unwahrscheinlich oft, vermeintlich unwichtiges Zeug lebhaft und voll Detailreichtum vor seinem geneigten Leser auszubreiten – dies erfreulicherweise fast immer ohne dabei zu langweilen.
In DER ANSCHLAG spielt er mit dem Gedanken, was für Auswirkungen es denn haben könnte, wenn man in die Vergangenheit reist um dieses Attentat zu verhindern.
Dies allein könnte man sicherlich in einen ganz normalen Zeitreisethriller packen, der seine Antworten nach etwa 300 bis 400 Seiten offenbart und damit den Leser auf simple Weise überzeugt und unterhält. Stephen King geht jedoch einen Schritt weiter und lässt seinen Protagonisten fünf Jahre vor besagtem Attentat in dieser Zeit auftauchen und erzählt haarklein die Geschehnisse, die in diesen fünf Jahren folgen. Dadurch entstand ein sehr dichter und reif erzählter Roman, der nicht nur als Hommage an diese Zeit seine Wirkung zeigt sondern auch noch eine sehr tiefgehende Liebesgeschichte in sich birgt.
Die eigentliche Thematik wird mehr und mehr zur Nebensache und es offenbart sich vor dem Leser ein durchweg bildhaft erzählter Roman, der trotz seiner Länge in keinster Weise langweilig wird.
King entwickelt sich hierin mehr und mehr zu einem Erzähler, der nur noch fassettenweise seinem Ruf als Horrorautor gerecht wird. King erweitert sein Imperium vielmehr mit Romanen, die bereits allein durch ihre erzählerische Kraft wirken – sicherlich gibt es auch genug eingeflochtene Spannungselemente, da sich die Vergangenheit gegen diese allumfassenden Änderungen wehrt, aber die Story um das Attentat scheint hierbei nur noch Mittel zum Zweck zu sein.
In meinen Augen ist DER ANSCHLAG ein uneingeschränkt zu empfehlendes Werk, das einen sehr reif gewordenen Autor aufzeigt und somit nicht mehr nur für die eingefleischten King-Fans eine Rolle spielen sollte.
Fans des Autors werden den ein oder anderen Aha-Effekt haben und können sich auch auf das abermalige Treffen mit bekannten und lieb gewordenen Personen freuen.
Auf den Schluss der Geschichte möchte ich hier natürlich nicht eingehen, aber er ist schlüssig erzählt und lässt nichts zu wünschen übrig. Davon abgesehen wird das letzte Kapitel auch bei allen Lesern, die noch ein klein wenig Sensibilität oder Sentimentalität in sich tragen für eine wohlige Gänsehaut sorgen – und dies ganz ohne irgendwelche Spannungs- oder gar Horrorelemente.
Absolute Spitzenklasse!
Jürgen Seibold / 23.04.2012

Der Anschlag KAUFEN BEI AMAZON

11/22/63: A Novel KAUFEN BEI AMAZON

Ursula Niehaus: Die Tochter der Seidenweberin

(c) 2011 Knaur Verlag
ISBN 978-3-426-66359-2
ca. 556 Seiten / € 16,99

COVER:

Silvester 1499 in Köln. Ein neues Jahrhundert beginnt und hält für Lisbeth, die Tochter der erfolgreichen Seidenweberin Fygen Lützenkirchen, so manches Ungemach und leid bereit. Ihre Mutter hat sich unlängst aus dem Geschäft zurückgezogen und nach dem Tod ihres geliebten Mannes in Spanien ein neues Glück gefunden. So steht Lisbeth nun allein der schwierigen Aufgabe gegenüber, ihre Weberei gegen die Konkurrenz zu behaupten. In der mächtigen Seidmacherinnenzunft haben Frauen das Zepter übernommen, die um des eigenen Vorteils willen sogar vor Verleumdung und Mord nicht zurückschrecken.
Doch das sind nicht die einzigen Sorgen der jungen Seidmacherin. Obwohl sie mit ihrem Gemahl Mertyn eine glückliche Ehe führt, hat sich ihr sehnlicher Wunsch nach einem Kind bislang nicht erfüllt. Als Lisbeth eine folgenschwere Entscheidung trifft, gerät ihr Glück in höchste Gefahr …

REZENSION:

Ursula Niehaus konnte bereits mit ihrem Debut eine gelungene und glaubhafte Geschichte veröffentlichen, die sich in keinster Weise hinter den etablierten Autoren des historischen Genres verstecken musste.
Im vorliegenden Buch mit dem Titel “Die Tochter der Seidenweberin” spinnt sie die Geschichte um die Seidenweberin weiter. Abermals zeigt Ursula Niehaus ihr persönliches Interesse sowohl an der Zeit als auch dem Ort und lässt detailverliebt und detailgetreu das ausgehende 15. Jahrhundert vor des Lesers Augen erscheinen. Die Geschichte ist interessant erzählt und sorgt mit Leichtigkeit für gute Unterhaltung. Insbesondere, da einige aktuelle Autoren dieses Genres mehr und mehr zu einem Schatten ihrer selbst werden, erfreut es, dass neue Besen problemlos das Kehren übernehmen können. Somit ist und bleibt Ursula Niehaus weiterhin ein Name, der diesem Genre seinen Stempel auf zu drücken weiß und für gute Unterhaltung sorgt.
Jürgen Seibold/17.09.11

Die Tochter der Seidenweberin – KAUFEN BEI AMAZON

Helmut Werner: Tyranninnen – Grausame Frauen der Weltgeschichte (Sachbuch)

c 2005 by Helmut Werner und area verlag gmbh, Erftstadt

COVER:

Diese Sammlung von Biografien ungewöhnlicher Herrscherinnen spannt den Bogen von der dunklen, nur durch archäologische Quellen bezeugten Frühzeit über die orientalischen Hochkulturen, das chinesische Kaiserreich, die Antike, das europäische Mittelalter, die frühe Neuzeit bis zum 19. Jahrhundert. Unter den ausgewählten Frauengestalten finden sich nicht nur “starke Frauen”, welche die regierenden Männer ihrer Zeit das Fürchten lehrten, sondern ausgesprochen grausame und blutrünstige Tyranninnen, die ihre Ziele mit Unmenschlichkeit zu erreichen suchten. Vom Weltreich der Amazonen über die mächtigsten Frauen Roms – Livia, Messalina und Agrippina – , Englands “Bloody Mary”, die ungarische Blutgräfin Bathory bis hin zu Katharina der Großen, die einen Mordanschlag an ihrem Mann verübte, um Zarin von Russland zu werden, geben die verschiedenen Porträts Zeugnis von bizarren Formen weiblichen Herrschens.

Helmut Werner, 1942 geboren, studierte Orientalistik, Klassische Philologie und Romanistik in Frankfurt und Göttingen. Er ist Verfasser zahlreicher Sachbücher, u.a. zu den Themen “Esoterik” und “erotische Literatur”.

REZENSION:

Viele Grausamkeiten der Weltgeschichte wurden von Frauen durchgeführt und jeder weiß auch, dass es sicherlich einige Kriege weniger gegeben hätte, wenn es die Führung oder den Einfluß eines weiblichen Wesens nicht gegeben hätte.
Diesem dunklen Thema widmet sich der Sachbuchautor Helmut Werner in seinem vorliegenden Buch “Tyranninnen – Grausame Frauen der Weltgeschichte” und spannt dabei in seinen 13 Kapiteln einen natürlich nicht lückenlosen aber bei den dargestellten Damen einen sehr gut recherchierten Bogen von der archäologischen Frühzeit bis in die frühe Neuzeit im 19. Jahrhundert.
Durch seine aufsatzähnliche Darlegung und dem für den Leser sehr vorteilhaften Umstand, die jeweilige Geschichte ähnlich einer Erzählung darzulegen, findet man dieses Sachbuch im Gegensatz zu seinen oft sehr “trockenen Kollegen” sehr lebendig und plastisch. Dadurch nimmt man die gesamten Informationen sehr leicht auf und man lernt sehr viel über diese nicht so netten Damen der Weltgeschichte.
Einige der Tyranninnen sind uns heute zumindest ihrem Namen nach noch sehr geläufig: z.B. die Amazonen, Agrippina, Bloody Mary, Katharina II., …
Andere wiederum bewiesen ebenfalls ein gelungenes Händchen und Ideenreichtum um ihre abgrundtiefe Bosheit zu entfalten: Fredegunde, Hatschepsut, die Blutgräfin Bathory, usw.
Durch diese geschickte Vermengung werden bekanntere Themen wieder aufgefrischt und neue erschlossen.
Ein Sachbuch mit einem ungewöhnlichen aber auch sehr intensivem und interessantem Thema!
Jürgen Seibold/17.06.2006

Thomas Vaucher: Der Löwe von Burgund

•Verlag: Stämpfli Verlag; Auflage: 1 (August 2010)
•Gebundene Ausgabe: 304 Seiten

COVER:

Als der junge Adrian von Bubenberg dem Grafen Karl von Charolais am burgundischen Hof das Leben rettet, legt er dabei den Grundstein für eine lebenslange Freundschaft. Doch durch widrige Umstände stehen sich die beiden dreissig Jahre später bei Murten auf dem Schlachtfeld gegenüber. Und während der Stern Karls des Kühnen unaufhaltsam sinkt, beginnt die glorreiche Zeit der Eidgenossen…

REZENSION:

Zu den jungen Schweizer Autoren gehört auch der 1980 geborene Thomas Vaucher, der hauptberuflich als Lehrer tätig ist, sich aber der Musik, dem Theater und seit kurzem auch der Literatur widmet. Seine Kurzgeschichte „Tyrions Wacht“ erreichte den 2. Platz in der Kategorie Beste Deutschsprachige Kurzgeschichte beim Deutschen Phantastik Preis 2009.
Der gebürtige Freiburger legt nun nach der Publikation mehrerer Kurzgeschichten und Heftromanen im Bereich Fantasy/SF mit „Der Löwe von Burgund“ seinen ersten historischen Roman vor und zeigt damit, dass auch die Schweiz über historische Stoffe verfügt, die sich durchaus für einen Film eignen würden:
Als der junge Adrian von Bubenberg dem Grafen Karl von Charolais am burgundischen Hof das Leben rettet, legt er dabei den Grundstein für eine ewige Freundschaft. Doch durch widrige Umstände stehen sich die beiden dreißig Jahre später bei Murten auf dem Schlachtfeld gegenüber. Während der Stern Karls des Kühnen unaufhaltsam sinkt, beginnt die glorreiche Zeit der Eidgenossen, denn Adrian von Bubenberg ist gewillt sein Leben für deren Freiheit aufs Spiel zu setzen…
„Der Löwe von Burgund“ erzählt die Geschichte vom Aufstieg und Niedergang des burgundischen Reiches unter Karl dem Kühnen im 15. Jahrhundert. Doch es ist auch die Geschichte von Rudolf Stalder und Georg Wyler, zwei Berner Soldaten, die in die Wirren der Burgunderkriege geraten und letztendlich das Schicksal ganz Europas mit verändern.
In szenenartigen Ausschnitten aus dem Leben der Hauptfiguren fügt sich für den Leser nach und nach das Bild einer Epoche zusammen. Baustein um Baustein baut Vaucher die Intrige auf, welche mit dem Gegenüberstehen des Grafen Adrian von Bubenberg und Karl dem Kühnen ihren Höhepunkt erreicht. Dabei geht der Autor sehr vorsichtig vor, orientiert sich immerzu an gut recherchierten, historischen Begebenheiten, welche er in die Geschichte einzufließen weiß ohne dass sie der Erzählung in irgendeiner Form schaden. Auch in den eingewobenen, erfundenen Handlungssträngen wie zum Beispiel dem Duell zwischen Friedrich und Karl um dessen Aufnahme in den Orden des Goldenen Vlieses, beweist der Autor sehr viel Fingerspitzengefühl und Liebe zum Detail. „Der Löwe von Burgund“ ist eine der guten Überraschungen in diesem Herbst und trumpft durch einen erfrischenden Schreibstil und einem gut durchdachten Aufbau der Handlung.

Das gebundene Buch wird durch Schlachtpläne, Namensverzeichnis, Ortsverzeichnis, Worterklärungen und Literaturhinweisen sehr gut ergänzt. Einzige Beanstandung trifft in meinen Augen der hohe Preis ( 28 €/ CHF 44.– ), welcher mir in Anbetracht der gerade mal 360 Seiten unangebracht erscheint.

Fazit: Es handelt sich um eine historische und abwechslungsreiche Geschichte, welche sich wie ein guter Roman lesen lässt. Wer sich für diese Epoche interessiert, wird wohl nicht um dieses Buch herum kommen. Ich freue mich bereits, den Autor auch im Fantasy Bereich lesen zu dürfen. Laut meiner Anfrage hat er bereits so seine kleine Idee, was als nächstes kommen wird. Für all diejenigen, welche mehr über ihn erfahren möchten, verweise ich auf seine Homepage http://www.thomasvaucher.ch/

4.Oktober 2010 Jean-Pascal Ansermoz

Simon Taylor: Der Mönch

Originaltitel: Mortimer’s Deep
Übersetzung: Rainer Schmidt
Genehmigte Lizenzausgabe für Weltbild Verlag GmbH, Augsburg
Copyright 1992 der Originalausgabe by Simon Taylor
Copyright 1994 für die deutsche Ausgabe by Schneekluth Verlag GmbH, München

COVER:

Herbst 1178: Duscath, ein schottischer Bauernjunge und Schildknappe des Landesherrn Sir William Mortimer, flieht vor dessen Nachstellungen zu den Augustinermönchen auf die Klosterinsel Inchcolm und wird als Novize aufgenommen.

Sommer 1224: Simon de Quincy, der skandalumwitterte Prior des Klosters, ist bei einem Brand umgekommen. Der junge Mönch Martin begibt sich auf die Insel, um die mysteriösen Vorgänge auf Inchcolm zu untersuchen. Duscath, alias Bruder Michael, erzählt ihm die Geschichte seines Lebens, das mit dem Simons schicksalhaft verbunden war – so eng wie Licht und Schatten.

Vor den Augen des Lesers entfaltet sich ein bewegtes Fresko der politischen, religiösen und geistigen Konflikte im hohen Mittelalter: das klösterliche Leben mit seinen strengen Regeln und Intrigen, die Machtkämpfe zwischen König und römischer Kurie, Klerus und Adel, zwischen englischem und schottischem Königshof. Die geistige Befindlichkeit jener Zeit kristallisiert sich in den beiden Antipoden Michael und Simon.

Jener ist ein naiver, integrer Klosterbruder, der aufrichtig um seinen Glauben und einen moralischen Lebenswandel ringt, dieser ein zynischer “Macchiavelli”, der kühl kalkulierend und manipulierend seine Karriere verfolgt und auch vor Mord nicht zurückschreckt – er ist zugleich der Repräsentant des modernen, kritisch-rationalen Denkens, das ihn den einfacher strukturierten, religiös verwurzelten Menschen seiner Umgebung überlegen macht. Aus seiner Perspektive wird die Geschichte im letzten Teil des Buches in geraffter Form erzählt: Bruder Martin findet das Manuskript Simons, das die Bekenntnisse Duscaths ergänzt und neu beleuchtet.

Simon Taylor, 1950 geboren, lebt in Edinburgh. Er studierte Germanistik und Romanistik, gab “The Anglo-Saxon Chronicle” heraus und die größte schottische Chronik des Mittelalters, das “Scotichronicon” von Walter Bower.

REZENSION:

In diesem Roman erzählt ein Mönch seine Lebensgeschichte in allen Details. Dieser spannende Ausflug zeigt alle Facetten des mittelalterlichen Klosterlebens mit seinen Intrigen, Sünden und was sonst noch dazugehört. Dieses Buch ist sehr homoerotisch aufgebaut, da die Akteure relativ oft die Sünde kennenlernen. Die Liebe untereinander ist ein grosses Thema – verzweigt aber gleichzeitig in die Probleme, die ein Mönch in dieser Zeit mit seinen Neigungen zu meistern hatte. Immerhin konnte man bei Verfehlungen dieser Art mit der Exkommunikation rechnen.
Simon Taylor schafft mit diesem Roman ein kurzweiliges, relativ spannendes Sittengemälde, das einem viel Wissen nahe bringt und trotzdem sehr gut und einfach zu lesen ist.
Jürgen Seibold/21.01.2003

Susanne Stein: Die Mätresse des Kaisers

Originalausgabe September 2007
c 2007 by Knaur Taschenbuch
ca. 477 Seiten / 8,95 €

COVER:

Jerusalem im 13. Jahrhundert: Als der Stauferkaiser Friedrich II. vom Sultan eine junge Frau als “Gastgeschenk” angeboten bekommt, ist es um ihn geschehen. Die unbekannte Schöne ist die piemontesische Gräfin Bianca, die nach einer dramatischen Flucht zur Gefangenen im Harem des Sultans wird. Auch sie ist vom ersten Augenblick an fasziniert von dem charismatischen Herrscher. Beide spüren, dass sie füreinander bestimmt sind – doch immer wieder siegt die Staatsräson über die Gefühle. Lange müssen die Liebenden warten, bis sich ihr Schicksal endlich erfüllt…

REZENSION:

Susanne Stein legt mit “Die Mätresse des Kaisers” einen farbenprächtigen, historischen Roman vor, der nicht nur von seiner Liebesgeschichte lebt sondern auch sehr detailliert auf die Geschehnisse und das damalige Umfeld eingeht.
Ihr Schreibstil bleibt durchweg flüssig und sorgt somit für eine sehr gute Leser-Unterhaltung. Die Geschichte ist bewegend und kurzweilig – dies insbesondere für weibliche Leser, die sich in der damaligen intriganten Welt wohl fühlen und mit einer toughen Hauptfigur mitleiden möchten.
Somit ein gelungener Unterhaltungsroman der vielen problemlos die Zeit vertreiben kann.
Jürgen Seibold/01.11.2008

Wolf Serno: Die Hitzkammer

c 2004 Droemer Verlag

COVER:

Der Alchemist Lapidius, der erst seit kurzem in dem Städtchen Kirchrode im Harz lebt, wird um medizinische Hilfe in einem schwierigen Fall gebeten. Das junge Kräuterweib Freyja Säckler, das der Hexerei angeklagt wird, ist zusammengebrochen.
Lapidius ahnt, dass es nicht die Folter ist, die der Frau so zugesetzt hat, sondern dass sie infiziert ist mit der Syphilis, die in jenen Tagen ganz Europa überzieht.
Lapidius beschließt, um das Leben der jungen Frau zu kämpfen, denn er ist davon überzeugt, dass sie zu Unrecht angeklagt ist. Und er weiß auch, wie er sie von ihrer schweren Krankheit heilen kann: durch eine Kur in seiner Hitzkammer. Man gewährt ihm zwanzig Tage, doch die Zeit wird knapp, als Frauenleichen gefunden werden, in die Freyjas Iniialen eingeritzt sind. Die Einwohner von Kirchrode fordern Freyjas Kopf…

Ein spannender Kriminalroman von einem Meister der historischen Fabulierkunst.

Wolf Serno hat lange als Werbetexter und 20 Jahre lang als Creative Director in großen Agenturen gearbeitet. Doch seine Leidenschaft ist die Geschichte, die er in seinen Romanen meisterhaft verarbeitet. Wolf Serno lebt mit seiner Frau und seinen zwei Hunden in Hamburg.
“Der Wanderchirurg”, sein erster Roman, war ein Bestseller, ebenso wie “Der Chirurg von Campodios”. Im Knaur Taschenbuch erschien im November sein historischer Kriminalroman “Tod im Apothekenhaus”.

REZENSION:

Wolf Serno legt mit “Die Hitzkammer” einen stilsicheren und historisch glaubwürdigen Kriminalroman vor, der sehr flüssig zu lesen und spannend dargestellt ist.
Es handelt sich hierbei um insgesamt 21 Tage im Leben des Alchemisten Lapidius im kleinen Städtchen Kirchrode des Jahres 1547. Lapidius wird als Vertretung des erkrankten Medicus in die örtliche Folterkammer gerufen, um die dort zusammengebrochene, der Hexerei beschuldigte, Freyja Säckler zu behandeln.
Hierbei merkt Lapidius, das Freyja an der Franzosenkrankheit (Syphilis) leidet und beschließt sie bei sich zu Hause zu behandeln.
Während der 20-tägigen Behandlungsdauer in der Hitzkammer versucht der Alchemist alles, um die Schuldvorwürfe gegen seine Patientin zu entkräften. Dies erweist sich jedoch sonderlich schwer, da Frauenleichen mit den Initialen der vermeintlichen Hexe auftauchen und die Bürger der Stadt ihre Verbennung fordern.
Wolf Serno lässt seinen Protagonisten innerhalb dieser 20-tägigen Behandlung hinter unverrückbaren Beweisen herjagen und erschafft einen immens spannenden Plot, der jeglichen Leser fesselt und dem Ende mit seiner Auflösung entgegenfiebern lässt.
Durch diese Aufteilung in 20 Tage hat man als Leser, wie auch Lapidius, da Gefühl, das die Zeit extrem schnell verrinnt.
Allein dadurch kann Wolf Serno schon fesseln. Er belässt es jedoch nicht dabei, sondern baut jeden einzelnen Behandlungstag neben der spannenden Beweissuche noch mit viel historischer und medizinischer Fachkenntnis der damaligen Zeit aus.
Somit entsteht ein historischer, leicht medizinisch angehauchter, Kriminalroman, der durch die rasante Entwicklung und seinem dramatischen Ende vollständig zu überzeugen weiß und bestimmt ein weiterer Meilenstein des Autors wird.
Jürgen Seibold/28.02.04

Ulrike Schweikert: Das Kreidekreuz

c 2004 Knaur Verlag

COVER:

Auf Drängen ihrer Familie und nicht aus Liebe hat Anne Katharina Vogelmann den Haller Salzsieder und Ratsherrn Michel Seyboth geheiratet.
Als die Unruhen der Bauernkriege und ihre zu allem entschlossenen Anhänger nach Schwäbisch-Hall vordringen, befindet sich unter ihnen auch Rugger, Katharinas große Jugendliebe. Plötlich steht sie ihm wieder gegenüber, jenem Mann, der ihr den ersten Kuss raubte, – und kann sich der wieder aufflammenden Leidenschaft nicht entziehen. Michel, ein strenger Befürworter der alten Gesellschaftsordnung, beäugt Rugger äußerst misstrauisch, und bald gerät Anne Katharina zwischen die Fronten der verfeindeten Parteien. Sie muss sich entscheiden – nicht nur, auf welcher Seite sie steht, sondern auch zwischen ihrem Ehemann und ihrer Jugendliebe.
Ulrike Schweikerts neuer historischer Roman schildert auf ungemein packende Weise ein Stück deutscher Geschichte und erzählt gleichzeitig vom Schicksal einer Frau, die das Leben vor eine fast unmenschliche Entscheidung stellt.

Ulrike Schweikert, 1966 in Schwäbisch-Hall geboren, gab nach sechs Jahren ihren Job als Wertpapierhändlerin auf und studierte zunächst Geologie, später Journalismus. Nebenher begann sie über die Geschichte ihrer Heimatstadt zu recherchieren. So entstand ihr Roman Die Tochter des Salzsieders, der genau wie Die Hexe und die Heilige und Die Herrin der Burg ein großer Erfolg wurde.

REZENSION:

Die Geschichte der Salzsiedersgattin Anne Katharina legt nicht nur ihre unglückliche Ehe mit Michel Seyboth und ihre verbotene Liebe zu dem Landsknecht Rugger Beltz dar, sondern beleuchtet sehr detailliert, spannend und intensiv die Unruhe im Land, die Bauernkriege und deren Folgen zu Beginn des 16.Jahrhunderts.
Ulrike Schweikert zeigt in diesem Roman sehr deutlich, daß historische Ereignisse auch spannend und interessant sein können, wenn diese in beinahe unmittelbarer Nähe geschahen.
Man braucht also nicht immer Kreuzzüge, Helden, namhafte Kriege,… – ein historisches Ereignis in der Schwäbischen- und Fränkischen Alb genügt völlig.
Man ist bei solchen Romanen immer wieder erstaunt, wie leichtgläubig, festgefahren, hartnäckig, traditionsverliebt und borniert die Menschen damals waren. Sobald sich jemand darüber hinwegzusetzen versucht – egal, ob es sich um die Bauern oder um Anne Katharina handelt – können die dagegen angehenden sich fast immer nur mit Gewalt von dieser vermeintlichen Bedrohung befreien.
Ob sich da bis heute viel geändert hat??
Endlich mal wieder ein historisches Buch zum Verschlingen und somit für mich Tipp des Monats.
Den einzigen Vorwurf, den ich machen kann, betrifft die Beschreibung auf dem Cover dem Buches:
Es ist wieder einmal so, daß ich als potenzieller Käufer dieses Buch niemals zur Kasse getragen hätte, da ich bei einer solchen Darstellung an eine romantischen Geschichte denken und niemals mit einem so guten historischen Roman rechnen würde.
Bitte versucht bei eurer Beschreibung auch männliche Leser zu erreichen!!!!
Jürgen Seibold / 30.12.2004

Stephan M. Rother: Der Weg nach Altamura

Erstausgabe 2005
c 2005 Zauberfeder Verlag, Buchmann & Schmal GbR, Braunschweig
ca. 400 Seiten / € 14,90

COVER:

Im Jahre des Herrn 1293. Magister Wasmod von dem Knesebeck reist durch ein Italien, das in banger Erwartung dem Kaiser der Endzeit entgegensieht. Auf seiner Mission, die ihn über Sirmione und Mantua auch in Dantes Florenz führt, häufen sich beunruhigende Vorkommnisse. Unter mysteriösen Umständen trifft ein junger Besucher aus Deutschland ein. Ein finsterer Fluch, den der Magister gebannt glaubte, ist zu neuem Leben erwacht. Doch auf wen beziehen sich die Prophezeiungen? Und auf welcher Seite steht die undurchschaubare Botin Oda? Bald geraten nicht nur Wasmods geheime Pläne, sondern auch sein Leben in tödliche Gefahr.

REZENSION:

Fangen wir doch mal einfach bei Äußerlichen an:
Der Weg nach Altamura wurde scheinbar mit viel Liebe und dem damit verbundenen Aufwand auf den Markt gebracht. Zeigt sich doch eine sehr hochwertige Klappenbroschur und teilweise abgesetzte Schrift. Weiterhin lässt sich die hintere Klappe zu einer Karte des nördlichen Italiens aufklappen.
Am Ende des Buches befindet sich außerdem ein hilfreiches und interessantes Glossar mit Personen und Figuren, Orte und Sachbegriffe. Dies lässt sich während der Lektüre des Romans verwenden oder aber als schöner und lehrreicher Ausklang des davor gelesenen Romans.
Nach dem man sich nun ein Bild des Romans machen konnte, wenden wir uns dem Inneren zu – dem eigentlichen Sinn und Zweck eines Buches: Der Geschichte!
“Der Weg nach Altamura” ist ein sehr anspruchsvoller Roman, der langsam seine Handlungsstränge vor dem Leser aufbaut und immer weiter zu verflechten weiß.
Die Geschichte beginnt sehr realistisch und historisch auf Fakten basierend, wird aber durch mehr und mehr mystische Details verstärkt und gewinnt dadurch erheblich an Tiefe ohne jemals unglaubwürdig zu werden.
Des weiteren zeigt Stephan M. Rother sehr viel Liebe zum Detail. Dieses und der sehr hohe mittelalterliche Kenntnisstand des Autors fügt sich zwar durch den auch an die damalige Zeit angelehnten Schreibstil sehr schön in die Geschichte ein – führt aber durch das strikte Einhalten des hohen Niveaus und der Detailversessenheit so manches Mal zu Ermüdungserscheinungen beim Leser. Ich denke, dies trifft insbesondere die klassischen “Kurz-vorm-schlafen-Leser”.
Bleibt man jedoch konzentriert und lässt man sich von diesem Buch an der Hand nehmen, taucht man spielerisch hinab in vergangene Zeiten, die sich ohne wenn und aber vor einem auszubreiten wissen und den Leser gekonnt nach Altamura führen.
Somit ein Mittelalterroman, der sich in seiner Qualität von anderen Werken abhebt. Außerdem ein Autor, der in diesem Thema sehr stark zu sein scheint und dem ich noch viel Erfolg prophezeien kann – Sollte er auch noch die charakterliche Zeichnung und damit die Beziehung seiner Protagonisten zu seinen Lesern verstärken, wird er sich bald auf den Thron der MA-Autoren setzen können.
Jürgen Seibold/01.11.2006

Ursula Niehaus: Die Seidenweberin

c 2007 Knaur Verlag
ca. 639 Seiten / 16,90 €

COVER:

Als Fygen in doe große Stadt Köln kommt, ist sie sofort fasziniert von den Stoffen, mit denen sie nun tagtäglich umgehen darf. Bald schon stellt sich heraus, dass in ihr eine begabte Seidenweberin steckt – was ihrer Tante und deren Tochter gar nicht behagt, die alles daransetzen, Fygen das Leben zur Hölle zu machen. Allen Widerständen zum Trotz wächst Fygen zu einer mutigen jungen Frau heran, die keine Auseinandersetzung scheut – nicht mal die mit Peter Lützenkirchen, dem wortgewandten Vorsitzenden des Seidamts. Ihm imponiert die selbstbewusste junge Seidenweberin. Keiner ahnt, dass ihre Herkunft von einem Geheimnis umgeben ist…

Sinnlich, atmosphärisch und voller Zeit- und Lokalkolorit.

Die Autorin:

Ursula Niehaus wurde 1965 geboren. Ihre Leidenschaft für Stoffe führte dazu, dass sie sich nach dem Studium mit einem Stoffgeschäft selbständig machte. Heute lebt sie mit ihrem Mann in einem kleinen historischen Winzerstädtchen am Rhein, doch in ihrem Herzen ist die gebürtige Kölnerin ihrer Heimatstadt treu geblieben. Mit ihrem ersten Roman hat sie sich einen seit Jugendzeiten gehegten Traum erfüllt.

REZENSION:

Ursula Niehaus führt uns in ihrem Buch “Die Seidenweberin” in ein erfreulicherweise mal nicht so düsteres Mittelalter, wie viele ihrer Kollegen des selben Genres. Sie lässt geschickt das Köln des 15. Jahrhunderts wieder auferstehen und zeigt dabei sehr viel Liebe zum Detail, was dem Genuss dieses Buches sehr gut tut. Sie bleibt in ihrer Erzählweise durchweg anschaulich und nimmt den Leser beinahe an der Hand, um ihn durch die kurzweiligen Seiten ihres hochwertigen Erstlingsromans zu führen. Man erkennt sehr deutlich ihre eigene Affinität zur Seidenweberei – ebenso, dass sie sich mit diesem Werk einen eigenen Jugendtraum erfüllen wollte.
Die Geschichte bringt – wie zumeist in diesem Genre – nicht allzu viel neues zu Tage, zeigt aber gleichzeitig, dass sich die Autorin nicht hinter den vermeintlichen Größen dieses Genres zu verstecken braucht. Dies insofern, da es sich hier ja um ein Debüt handelt und bereits mehr Potenzial erkennen lässt, als so manches fortgeschrittenere Werk der “Konkurrenz”. Die meisten historischen Romane leben manchmal weniger von der Geschichte selbst – die ja zumeist ähnlich und somit austauschbar ist – vielmehr kommt es sehr stark darauf an, wie vor den Augen des Lesers die damalige Zeit entsteht und für ein Eintauchen geöffnet wird. Diese Hürde hat Ursula Niehaus mit ihrer Seidenweberin überwunden und es lässt auf weitere Veröffentlichungen eines neuen Namens in der historischen Welt der Literatur hoffen.
Jürgen Seibold/19.05.08

Ursula Niehaus: Das Heiligenspiel

c 2008 Knaur Verlag
ca. 570 Seiten

COVER:

Die junge Anna entspricht nicht gerade dem Schönheitsideal ihrer Zeit, aber mit Klugheit und Witz schlägt sie sich tapfer durchs Leben. Als sie das Opfer einer Intrige wird, wird sie aus ihrer geliebten Heimatstadt verjagt. Erst bei Oda, einem alten Kräuterweib, das mitten im Wald lebt, findet Anna Aufnahme und lernt bei ihr alles über die heilende Kraft der Natur. Nur Oda ist es auch zu verdanken, dass Anna schließlich nach Augsburg zurückkehren darf. Doch bald droht neues Unheil, denn durch einen unglücklichen Zufall kommt das Gerücht auf, Anna sei eine Hungerheilige. Mehrfach versucht Anna den Irrtum richtigzustellen, doch der Glaube ihrer Mitbürger, die ihre klugen Ratschläge und ihre Heilkunst zu schätzen wissen, ist stärker. Bald pilgern die Menschen von weit her zu ihr, von der sie sich Genesung und Trost erhoffen. Doch Anna weckt bei den Menschen auch noch andere Gefühle als Verehrung und Anbetung: Als sie den reichen Kaufmann Anton Welser kennenlernt, ist er nicht nur von Annas ungewöhnlicher Klugheit fasziniert – und das Verhängnis nimmt seinen Lauf…

Ursula Niehaus verwandelt in diesem Roman die in der Geschichtsschreibung umstrittene Figur der Anna Laminit in eine faszinierende Frauengestalt.
Ursula Niehaus wurde 1965 geboren. Ihre Leidenschaft für Stoffe führte dazu, dass sie sich nach dem Studium mit einem Stoffgeschäft selbständig machte. Heute lebt sie mit ihrem Mann in einem kleinen historischen Winzerstädtchen am Rhein.
Das Heiligenspiel ist nach Die Seidenweberin ihr zweiter Roman.

REZENSION:

Ursula Niehaus legt nach ihrem fulminanten Debut “Die Seidenweberin” mit “Das Heiligenspiel” erneut einen umfangreichen historischen Roman vor, der sich diesmal um die in der Geschichtsschreibung recht umstrittene Figur der Anna Laminit handelt.
Man erkennt abermals sehr deutlich die Affinität der Autorin zum ausgehenden Mittelalter. Dies zeigt sich insbesondere durch die sehr detailreiche Darstellung der damaligen Zeit und brilliert durch einen Faktenreichtum, den man in vielen historischen Romanen vergeblich suchen muss. Man merkt einfach, dass ein Roman nicht nur durch die Nennung seiner Zeit zu Leben erwacht, sondern dies viel stärker von statten geht, wenn sich der Autor – wie in diesem Frau Ursula Niehaus – mit den Begebenheiten und Darstellungen der betreffenden Epoche befasst und diese auch detailverliebt vor des Lesers Augen darlegt.
Man erkennt förmlich den Aufwand der Autorin während des Recherche-Prozesses zu diesem Werk – dementsprechend gut ist auch das Leben in dieser interessanten Epoche dargestellt.
Im Gegensatz zu ihrem Erstlingswerk kommt man aber nicht sanft gleitend in die Geschichte hinein, da man trotz der lebendigen Darstellung und Erzählweise nicht so schnell Zugang zu ihrer Hauptdarstellerin findet. Dies sorgte leider dafür, dass meiner Meinung nach “Die Seidenweberin” weiterhin unangefochten auf dem ersten Platz der Autorin stehen bleibt – “Das Heiligenspiel” aber nicht allzu weit davon entfernt ist und zeigt, dass nicht nur die Quantität der deutschen Autoren im historischen Genre steigt, sondern auch die Qualität, was die Auswahl des Lesers  nicht gerade einfacher macht.
Kurz gesagt: Ein sehr interessanter, stimmiger, fundierter und lebendiger Schmöker für jeden Fan dieses Genres.
Jürgen Seibold / 05.09.2009

Iny Lorentz: Die Pilgerin

c 2007 by Knaur Verlag
ca. 700 Seiten / 16,90 €

COVER:

Als ihr Vater, ein begüterter Kaufherr, stirbt, bricht für Tilla eine Weilt zusammen. Ihr geldgieriger und intriganter Bruder übernimmt die Herrschaft im Hause – und schert sich nicht um den letzten Willen des Vaters und um seinen Wunsch, Tilla mit Damian, dem Sohn des Bürgermeisters, zu verheiraten. Stattdessen zwingt er sie zur Ehe mit seinem besten Freund und dem ärgsten Feind des Stadtoberhaupts.
Doch Tillas ungeliebter Ehemann stirbt noch in der Hochzeitsnacht, und seine Verwandten haben nur ein Ziel: Sie wollen die junge Witwe in den Wahnsinn treiben, um an ihr Vermögen zu gelangen. Tilla bleibt nur die Flucht, wenn sie diese heimtückischen Pläne vereiteln will. Als Mann verkleidet verlässt sie ihre Heimatstadt – im Gepäck das Herz ihres Vaters. Ihr Ziel heißt Santiago de Compostela…

REZENSION:

Nach dem leider nicht sehr gut rezensiertem Buch “Die Löwin” scheint Iny Lorentz nun endlich wieder auf dem richtigen Weg zu sein.
In ihrem Buch “Die Pilgerin” erzählt sie zwar wieder von einer starken Frau, die gegen viele Unbilligkeiten des Lebens kämpfen muss, kann dies aber auf ihre bereits bekannte, flüssige Art geschickt umsetzen. Sie begibt sich dabei sehr detailliebend und historisch fundiert auf eine Pilgerreise und nimmt dabei den Leser geschickt bei der Hand.
Die Darlegung der Pilgerreise mit den damals vorhandenen Strapazen ist sehr wirklichkeitsgetreu und glaubhaft dargestellt. Des weiteren kann sie erneut mit ihrer umfangreichen, detaillierten aber trotzdem erzählerisch sehr eingängigen Schreibweise die vergangene Zeit vor des Lesers Augen erwecken.
Iny Lorentz vergisst in diesem Buch auch nicht mehr den nötigen Gehalt an Spannung und baut diesen auch sehr geschickt und überzeugend ein.
Es ist somit ein historisch fundierter und sehr unterhaltender Schmöker, der nicht nur Iny Lorentz-Fans überzeugen kann, sondern nebenbei zeigt, dass die Autorin nicht nur anhand der Wanderhure zu messen ist.
Sonja Seibold/02.06.2007

Iny Lorentz: Die Löwin

Originalausgabe September 2006
c 2006 by Knaur Taschenbuch
ca. 570 Seiten / € 8,95

COVER:

Italien im 14. Jahrhundert: Nachdem die Familie des jungen Edelfräuleins Caterina einer groß angelegten Intrige zum Opfer gefallen ist, muss sie sich alleine durchs Leben schlagen. Der zwielichtige Fabrizio will ihr angeblich das Söldnerheer abkaufen, das sie geerbt hat. Doch schon bald schöpft Caterina Verdacht, er könnte etwas mit dem Tod ihrer Angehörigen zu tun haben, und führt das Heer selber in die Schlacht. Doch unter der Rüstung der Kämpferin schlägt das Herz einer liebeshungrigen Frau, die den Werbungen eines feindlichen Verehrers zu erliegen droht…

REZENSION:

Iny Lorentz beginnt in ihren neuen Buch “Die Löwin” genauso, wie ich es von einem historischen Roman erwarte, da sie bereits am Anfang sehr spannend in ihre – im 14. Jahrhundert lokalisierte – Geschichte einsteigt. Aus diesem Grund ist man während der Lektüre der ersten einhundert Seiten davon überzeugt, dass Iny Lorentz ein neues fulminantes Werk zur Welt brachte. Leider schafft es Iny Lorentz im Gegensatz zu ihrem durchgehend atemberaubenden Buch “Die Goldhändlerin” in diesem Fall nicht, diesen Drang zum Umblättern aufrecht zu erhalten.
Während der Lektüre der folgenden Teile verliert man mehr und mehr den Handlungsfaden der Geschichte, sowie die jeweiligen Rollen der darin beteiligten Protagonisten.
Dadurch ist es (untypischerweise für ein Iny Lorentz Buch) unwahrscheinlich schwer am Ball zu bleiben und die Geschichte als Leser zu beenden.
Die von Iny Lorentz selbst sehr hoch gelegte Messlatte kann leider mit diesem Buch nicht erreicht werden.
Hoffentlich handelt es sich hierbei nur um einen kleinen literarischen Durchhänger der Autorin – die Zukunft wird es zeigen…
Sonja Seibold für Hysterika/25.09.2006

Iny Lorentz: Die Kastellanin

c 2005 by Knaur Verlag
ca. 589 Seiten

COVER:

Marie lebt zufrieden mit ihrem Ehemann Michel Adler, den sie innig liebt. Ihr Glück scheint vollkommen, als sie ein Kind von ihm erwartet. Doch dann muss Michel im Auftrag seines Pfalzgrafen in den Kampf gegen die aufständischen Hussiten ziehen. Er beweist so viel Mut, dass er zum Ritter geschlagen wird – und verschwindet nach einem grausamen Gemetzel spurlos.
Nachdem er für tot erklärt wird, ist Marie ganz allein auf sich gestellt und sieht sich täglich neuen Demütigungen und Beleidigungen ausgesetzt. Schließlich bleibt ihr nur ein Ausweg: Sie muss von ihrer Burg fliehen.
Marie hat die Hoffnung nicht aufgegeben, dass Michel noch leben könnte, und schließt sich als Marketenderin einem neuen Heerzug an. Es beginnt das Abenteuer ihres Lebens…

Ein bunter Mittelalter-Roman voller Abenteuer, Intrigen und Sinnlichkeit.

Iny Lorentz wurde in Köln geboren. Seit den frühen achtziger Jahren hat sie mehrere Kurzgeschichten veröffentlicht. “Die Kastellanin” ist nach der “Kastratin”, der “Goldhändlerin”, der “Wanderhure” und der “Tatarin” ihr fünfter Roman.

REZENSION:

“Die Kastellanin” erzählt von der ehemaligen Wanderhure Marie, die glücklich und zufrieden mit ihrem Ehemann Michel Adler lebt. Nachdem er jedoch gegen die aufständischen Hussiten in den Krieg ziehen muß und nach seinem Verschwinden für tot erklärt wird, steht Marie ganz alleine da und hat sich unentwegt gegen alle möglichen Demütigungen und Beleidigungen zu wehren.
Nachdem sie alles andere als überzeugt vom Tod ihres Mannes ist und sich einer unfreiwilligen Verehelichung konfrontiert sieht, flüchtet sie von ihrer Burg, um sich als Marketenderin einem Heerzug anzuschließen. Dies alles in der Hoffnung, ihren Mann Michel doch wieder lebend aufzufinden…
Nachdem ich dieses Buch erhalten habe, hatte ich Sorge nicht hineinzufinden, da ich die vorgelagerte Geschichte der Autorin – “Die Wanderhure” – nicht kannte.
Ich habe mich pflichtschuldig natürlich trotzdem diesem Buch zugewandt und kann nun nur noch von Glück reden.
Iny Lorentz schafft es, wie schon bei “Die Goldhändlerin”, erneut den Leser an die Seiten zu binden und führt ihn dabei in eine längst vergangene Zeit, die von Vergewaltigungen, Kriegswirren, Mord und Totschlag geprägt ist und doch unser aller Vergangenheit aufzeigt. Iny Lorentz beschreibt dies alles in einer absolut glaubwürdigen und sehr detailverliebten Art und Weise, das man als Leser den Geruch der angespannten Ochsen sowie das unbequeme Poltern und Rütteln des Karrens wahrnimmt.
Sie verliert hierbei natürlich nicht den Blick auf ihren Handlungsfaden, der in einer extrem spannungsreichen Darstellung den Weg der Marie Adler auf der Suche nach ihrem totgesagten Mann auslegt und beim Leser die Angst vor der letzten unvermeidlichen Buchseite aufkommen lässt.
Durch ihre gut recherchierte, detaillierte und sehr lebendige Schreibweise gehört Iny Lorentz nun sicherlich zu den Oberen des historischen Romans.
Lediglich eine Karte über den geographischen Wirkungskreis hätte mir noch sehr gut am Anfang des Buches gefallen.
Ach ja: Man braucht “Die Wanderhure” nicht als Background um diesem Buch zu folgen, aber ich bin nun erst recht darüber enttäuscht es nicht gelesen zu haben…
Jürgen Seibold/21.06.2005

Iny Lorentz: Die Goldhändlerin

c 2004 by Knaur Taschenbuch

COVER:

Deutschland im Jahre 1485 – für die junge Jüdin Lea ein Jahr der Katastrophen:
Ihr Vater und ihr jüngerer Bruder Samuel kommen bei einem Pogrom ums Leben. Um das Erbe ihres Vaters und damit ihr Überleben zu sichern, muss Lea sich fortan als Samuel ausgeben. In ihrer Doppelrolle drohen ihr viele Gefahren, nicht nur von christlicher Seite, sondern auch von ihren Glaubensbrüdern, die “Samuel” unbedingt verheiraten wollen. Doch sie verliebt sich ausgerechnet in den mysteriösen Roland, der sie zu einer mehr als abenteuerlichen Mission verleitet…

Ein farbenprächtiger, aufregender historischer Roman von der Autorin der “Kastratin” und der “Wanderhure”.

REZENSION:

Es gibt Bücher, bei denen lese ich die Coverbeschreibung und würde sie daraufhin niemals kaufen. Das liegt daran, das es mich manchmal abschreckt, wenn zwei Faktoren zusammentreffen: Zum Ersten, wenn es sich um eine Autorin handelt und zum Zweiten, wenn auf dem Cover zusätzlich etwas von “Sie hat sich in den … verliebt” erscheint. Meine bisherige Erfahrung hat nämlich gezeigt, das es sich dann um typische romantische Romane handelt, die bestimmt manchmal gut sind – jedoch selten meinen Geschmack treffen.
Bei “Die Goldhändlerin” von Iny Lorentz treffen diese beiden Faktoren aufeinander und ich war sichtlich schockiert – habe mich aber trotzdem der Lektüre zugewandt.
Ich kann nur sagen: Zum Glück!!
Die Coverbeschreibung wird diesem Roman absolut nicht gerecht, den es handelt sich um einen spannenden, interessanten und sehr gut recherchierten Historienroman, der seinesgleichen sucht. Selten habe ich 600 Seiten in einer so kurzen Zeit verschlungen.
Die Geschichte über die Jüdin Lea und ihrem Weg durch die Engstirnigkeit der damaligen Zeit – egal ob es sich um Juden oder Christen handelt – alles verstärkt durch den Umstand, das sie fast nur als Mann verkleidet agiert, ist sehr glaubhaft erzählt und lässt beinahe nebenbei den Leser sehr viel über diese harten Zeiten erfahren.
Die Autorin geht historisch korrekt durch das alte Deutschland und Spanien, zeigt die Judenverfolgungen, die Inquisition und lässt an den Handlungsvorgängen des ausgehenden 15. Jahrhunderts teilhaben. Die Romanze zwischen Lea und Roland entwickelt sich eigentlich erst richtig im letzten Drittel des Buches und wird nicht als aufdringlich wahrgenommen. Einzig der Schluß war mir ein klein wenig zu schnell abgehandelt, dies konnte aber den Gesamteindruck des Buches nicht mehr schmälern.
Übrig bleibt ein sehr guter historischer Roman, der mit Sicherheit noch weitere hundert Seiten verdient hätte, trotzdem aber zu den wichtigen Romanen seines Genres zu zählen ist.
Jürgen Seibold/02.09.04