Mac P. Lorne: Der Pirat – Ein Francis-Drake-Roman

lorne_PiratOriginalausgabe Juli 2016
© 2016 Knaur Taschenbuch
ISBN 978-3-426-51748-2
ca. 654 Seiten

COVER:

DER KÖNIG DER MEERE

England im 16. Jahrhundert: Der berühmt-berüchtigte Pirat der Königin, Francis Drake, kehrt von seiner Weltumseglung zurück. Nach fast drei Jahren läuft die Golden Hind als einziges von ursprünglich fünf Schiffen wieder in den Hafen von Plymouth ein.
Während die anderen Mitglieder der Mannschaft voller Freude von ihren Frauen begrüßt werden, steht Drake ein schwerer Gang bevor: Er muss seiner Frau Mary mitteilen, dass er in Patagonien Thomas Doughty, einen seiner Kapitäne, aus einem vorgeschobenen Grund hinrichten ließ. Mary hatte sich vor seiner Abreise von Doughty verführen lassen und wird von Drake fortan aus seinem Leben verbannt, da er den Gedanken an die Schmach nicht erträgt. Doch lange kann der Pirat nicht bei seinen privaten Angelegenheiten verweilen, denn seine Königin schickt ihn erneut auf große Fahrt – die zu seiner größten Mission werden soll …

REZENSION:

Von historischen Romanen habe ich in letzter Zeit vermehrt Abstand genommen. Das lag vor allem daran, dass die (aus meiner Sicht) meisten Romane dieses Genres den historischen Zeitrahmen nur noch als Hintergrund für eine erfundene Geschichte verwenden. Dabei geht es auch sehr oft um reine Liebesgeschichten vor historischer Kulisse.
Selbst „Der Pirat“ hätte mich beim Lesen des Covers abgeschreckt, da auch hier – wohl aus Marketinggründen – erneut auf ein Beziehungsthema hingewiesen wird.
Nun, ich habe mich trotzdem diesem Buch gewidmet, da ich davon ausging, dass eine Lebensgeschichte über Francis Drake sicher nicht nur eine reine Liebesgeschichte sein kann.
Was für ein Glück, denn Mac P. Lorne legt mit seinem Werk eine authentische Geschichte über diesen sagenumwobenen Freibeuter der Majestät vor und schafft es dabei nahezu problemlos den Leser in die Zeit Elisabeth I. zu entführen.
Mac P. Lorne bewegt sich geschickt durch den zeitlichen Rahmen und versucht anhand der vorhandenen Informationen ein umfangreiches Bildnis Francis Drakes zu erstellen. Dies gelingt ihm auch ohne dabei nach trockenem Geschichtsbuch zu klingen – vielmehr handelt es sich bei „Der Pirat“ um einen beinahe biographischen Roman, bei dem einem der Wind um die Ohren säuselt. Francis Drake bekommt von Mac P. Lorne ausreichend Ecken und Kanten, um nicht zu einer reinen Lobpreisung dieser Gestalt zu werden. Seine Darstellung und Erklärung der Schiffe als auch der Städte (insbesondere Venedig) ist liebevoll und detailliert gezeichnet, ohne dabei den nicht wissenden Leser mit zu vielen Fachbegriffen zu langweilen.
Bei dem ein oder anderen Charakter hätte Lorne ruhig noch ein wenig mehr ausholen können – manche davon würden sicher Stoff für ein eigenes Buch geben. Aber gut, es soll hier ja hauptsächlich über das Leben Francis Drake‘ gehen.
Die am Cover – wohl zum Leserinnen-Fang –  avisierte Liebesthematik ist im Buch recht schnell abgehandelt und somit könnte man diesen Verweis auch einfach weglassen um vielleicht einfach mehr männliche Leser zu animieren.
„Der Pirat“ ist definitiv kein Liebesroman sondern bleibt eine sehr gut und eingängig lesbare sowie historisch authentisch wirkende Beschreibung des Lebens dieses Freibeuters. Solche historischen Romane sollte es erheblich öfter geben, da hier die Kulisse nicht nur Mittel zum Zweck ist sondern der Lebenszeit der besprochenen Person geschuldet ist.
Geschichtsunterricht kann somit auch wirklich Spaß machen und es war wirklich schön und außerordentlich unterhaltsam mit diesem Buch in das lebendig dargestellte 16. Jahrhundert abzutauchen.
Nebenbei erwähnt: Die Aufmachung des Romans ist sehr gelungen. Was mir persönlich noch gefallen hätte, wäre eine bildliche Darstellung der verschiedenen verwendeten Schiffe, damit man als Seefahrer-Laie noch etwas mehr Informationen über diesen nicht unerheblichen Teil der Geschichte bekommt.
Jürgen Seibold/30.08.2016
Der Pirat: Ein Francis-Drake-Roman – KAUFEN BEI AMAZON

Connie Willis: Die Jahre des schwarzen Todes

willis_schwarzenTodesOriginaltitel: Doomsday Book
Übersetzung von Walter Brumm
Überarbeitete Neuausgabe 12/2011
© 1992 by Connie Willis
© 2011 der überarbeiteten Neuausgabe by Wilhelm Heyne Verlag GmbH & Co. KG, München
eISBN 9783641074890
ca. 784 Seiten

COVER:

Es sollte das größte Abenteuer ihres Lebens werden: Die junge Kivrin wird aus dem Jahr 2054 ins mittelalterliche England geschickt. Doch bei der Übertragung kommt es zu Problemen, und so landet die Geschichtsstudentin nicht wie geplant im Jahr 1320, sondern im Jahr 1348 – dem Todesjahr, in dem die Pest England entvölkerte. Und eine Rückkehr in die Zukunft scheint unmöglich zu sein …

REZENSION:

Wir befinden uns im Jahre 2054 und es besteht die Möglichkeit der Zeitreisen. Verwendet werden diese jedoch ausschließlich zur historischen Forschung. Mit Hilfe dieser Möglichkeit werden Historiker in unterschiedliche Zeiten geschickt, um direkt vor Ort ihre Feldforschung vornehmen zu können.
Das Mittelalter ist dabei jedoch noch nicht berücksichtigt worden, da diese Epoche für den Zeitreisenden als zu gefährlich eingestuft worden ist. Doch auch in dieser Universität gibt es diverse Machtkämpfe und so nutzt der stellvertretende Dekan Mr. Gilchrist die Abwesenheit seines Vorgesetzten, um seine Studentin Kivrin eben doch in die dunkle Zeit des Jahres 1320 zu senden. Dem gegenüber steht ihr Mentor, Mr. Dunworthy, der die schützende Hand auf Kevrin legt und sich dagegen ausspricht.
Die Reise findet natürlich trotz aller Vorbehalte statt und dabei geschieht ein fataler Fehler: Kivrin landet nicht im geplanten 1320 sondern im Jahre 1348. Grundsätzlich wäre das wohl kein großer Lapsus, wäre das nicht exakt die Zeit, in der sich die Pest ausbreitet und dabei die halbe Bevölkerung Europas zu Tode kommen lässt.
Nebenbei erwähnt ist Kivrin von einem Virus befallen worden und landet bewusstlos in besagtem Jahr des Mittelalters. Sie wird dabei von jemandem gefunden und zu einem Landsitz verbracht.
Man kümmert sich dort sehr gut um sie, jedoch weiß sie durch ihre Bewusstlosigkeit ihren Ankunftsort nicht mehr – benötigt diesen aber zu einer bestimmten Zeit, um wieder vom „Netz“ zurückgeholt werden können.
Kivrin versucht sich nun erst einmal zurecht zu finden und geht dabei noch lange davon aus, im ursprünglich geplanten Jahr zu sein.
Während sie sich im Mittelalter befindet plagt sich ihr Mentor mit ganz anderen Problemen: Er möchte Kivrin so schnell wie möglich zurückholen, wird dabei aber nicht nur von Mr. Gilchrist angehalten sondern auch noch von einem plötzlich aufgetretenen Virus, der zur Folge hatte, dass die gesamte Stadt unter Quarantäne gestellt worden ist…
Connie Willis Roman ist durch diese beiden zeitlichen Ebenen etwas zwiespältig in meiner Betrachtungsweise. Sämtliche Begebenheiten im Mittelalter fesselten mich ungemein und ich war jedesmal froh, wenn in ihrem Werk ein Kapitel in der Zukunft von einem in der Vergangenheit abgelöst worden ist. Die Geschehnisse bei Kivrin waren sehr detailliert beschrieben und scheinen bis auf wenige Ausnahmen auch durchweg historisch korrekt dargestellt zu sein. Man liest hier von einem ehrlichen und dreckigen Mittelalter ohne jegliche Beschönigung oder Romantik. Das Jahr 1348 ist dreckig und düster. Gleichzeitig vollgestopft mit Vorurteilen, Meinungen bis hin zum religiösen Wahn. Connie Willis kommt dabei gänzlich ohne die typischen mittelalterlichen Themen wie zum Beispiel Ritter, Turniere, Burgen etc. aus – nein, wir befinden uns immer in dem kleinen Dorf und lernen die dort befindlichen Personen im Detail kennen.
Dieser Bereich ist absolut fesselnd und berührend. Jedes einzelne Wort kann man fast als so geschehen hinnehmen und es hat mir wirklich jeder einzelne Part darin gefallen.
Im Umkehrschluss jedoch der andere, sich mit den Mittelalter-Kapiteln abwechselnde Part: die Geschehnisse in der Zukunft: Rasant und leicht zu lesen, jedoch wirkt das alles sehr stark konstruiert. Los geht es dabei mit dem plötzlichen Virus, bei dem ich noch ein Auge zudrücken konnte – aber, dass Mr. Dunworthy gefühlte tausendmal durch ein Besetztzeichen am Telefon ausgebremst worden ist, strengte dann doch sehr an. Die „Hatz“ Dunworthys ließ sich zwar leicht und sehr eingängig lesen, die Kraft des Buches liegt jedoch im Mittelalter. Nichts desto trotz ist die Genreverknüpfung im Großen und Ganzen sehr gut gelungen. Fans des SF-Genres werden zwar wenig technisch Originelles finden, da das Jahr 2054 – bis auf die Möglichkeit der Zeitreisen – sehr stark unserem ähnelt. Durch Verwendung von Smartphones wirkt unser aktuelles Jahr sogar moderner. Technische Details des Genres hat sich die Autorin sogleich komplett gespart, was ich positiv fand, manchen Fan des Genres aber wohl nicht ausreichend sein dürfte. Fans des Historik-Genres können mit diesem Buch ganz sachte an das SF-Genre zugeführt werden. Selbst wenn ihnen dieser Teil nicht gefallen sollte: Die Erlebnisse Kivrins werden das wieder wettmachen.
Alles in allem ein schöner Brückenschlag zwischen zwei sehr weit auseinander stehenden Genreabgrenzungen, mit einem sehr detailliertem, pestgeladenen Mittelalter und einem etwas arg konstruiertem Ursprung in der Zukunft. „Die Jahre des schwarzen Todes“ hat aber in seiner Gänze trotzdem außerordentlich gut funktioniert, mich unterhalten und dabei mit wenigen Abstrichen durchweg überzeugt.
Jürgen Seibold/30.08.2016
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Scott McLeary: In die Finsternis

Leary_Finsternis© 2015 Scott McLeary
epubli GmbH, Berlin
ISBN 978-3-7375-4238-8

COVER:

Als die Anomalie am Himmel erschien, ahnten die Gambrianer nicht, dass viele von ihnen dem Tod geweiht waren. Aus welcher Welt die Bestie stammte, vermochte niemand zu sagen, doch sobald sie ihren Fuß auf die Planetenoberfläche gesetzt hatte, begann das Sterben.
Die Streitkräfte Gambrias erlitten schwerste Verluste, und letztendlich mussten sie erkennen, dass sie niemals zuvor einem Feind wie diesem gegenübergestanden hatten. Erst als die gesamte gambrianische Zivilisation am Rande der Auslöschung stand, gelang es in einer verzweifelten Operation, die Bestie gefangen zu nehmen.

Jahrmillionen später – auf der Erde tobt der Erste Weltkrieg – wird eine französische Spezialeinheit in Marsch gesetzt, um das Geheimnis einer deutschen Ausgrabung zu ergründen.
Wonach haben die Deutschen gesucht, und warum sind sie so plötzlich verschwunden?
Nachdem die Spezialeinheit durch die Hölle der Schlacht von Verdun gegangen ist, erreicht sie schließlich die Grabungsstätte. Hier stößt sie auf einen Tunnel, der zu einem tief unter der Erde verborgenen Tor führt. Dutzende grausam verstümmelte Leichen liegen vor den weit geöffneten Torflügeln.
Die Deutschen haben etwas freigelassen. Etwas, das nie mehr das Licht der Sonne hätte sehen dürfen. Eine furchtbare Bestie, die von einer technologisch hochentwickelten Zivilisation nur unter großen Opfern gefangen genommen werden konnte.
Getrieben von einer unbändigen Gier nach Blut wütet diese Kreatur nun über das Angesicht der Erde und lässt nichts als Tod und Zerstörung hinter sich zurück.

Gambria war stark. Die Menschheit jedoch … ist schwach.
Aber sie steht nicht allein.

REZENSION:

Bei Scott McLeary handelt es sich um einen neuen Autoren, der mit diesem Titel seine ersten Fußstapfen hinterlassen möchte. Ich könnte jetzt gleich enden und schlicht sagen: Ja, er hinterlässt seine ersten Spuren und diese sind tief genug, um Bestand zu haben.
McLeary führt uns nach seiner Science-Fiction-Einleitung ungebremst zur Schlacht von Verdun und lässt diese deutlich vor des Lesers Augen erscheinen. In der sicheren Umgebung eines historischen Romanes fragt man sich recht schnell, was der Autor mit seiner Einleitung bezwecken wollte und ganz besonders: Wie bekommt er die Kurve vom realen Weltkrieg zu den bereits kurz angerissenen Aliens?
Interessanterweise schafft er das nahezu problemlos und es entsteht ein absolut gelungener Genre-Mix aus historischem Roman, Science-Fiction-Roman und last but not least einem Horror-Roman. Klingt irrsinnig, funktioniert aber und macht einfach nur Spaß.
Natürlich kann man jetzt darüber philosophieren, ob Leser mit einem Genre-Mix klarkommen. Andererseits stellt man sich die Frage, ob es somit auch ein Genremix wäre, wenn plötzlich Aliens auf unserem Himmelzelt erscheinen würden. Ich persönlich finde es immer wieder sehr interessant, wenn sich Autoren verschiedener Genre annehmen und aus diesen einen Crossover-Roman entstehen lassen. Manchmal geht sowas daneben – manchmal funktioniert es. Bei Scott McLeary jedenfalls hat es funktioniert.
Gleichzeitig sind seine Protagonisten detailliert erzählt und jeder bekommt einen glaubwürdigen und eigenen Charakter ohne Übertreibungen. Die realen Geschehnisse wirken gut recherchiert und sind glaubwürdig erzählt. Gut, die Deutschen waren wieder einmal ein wenig dämlich – aber anders gehört es uns ja irgendwie auch nicht; erinnerte ein klein wenig an die dümmlichen Nazis der Indiana-Jones-Reihe.
Schlussendlich hat es mir persönlich jedenfalls außerordentlich gut gefallen und ich hatte definitiv viel Spaß beim Lesen dieser Geschichte. Ich bin wirklich gespannt, mit welchen Ideen Scott McLeary noch so ums Eck kommen wird – bis dahin kann ich jedenfalls schon einmal dieses Buch ohne jeglichen Vorbehalt empfehlen. Für ein Debüt absolut gelungen.
Jürgen Seibold/17.07.16
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GEWINNSPIEL: The World of Vikings – GEWONNEN HAT…

So, der Einsendeschluss ist vergangen und die Spamordner zur Sicherheit noch einmal gegen gecheckt.
Vielen herzlichen Dank an alle Teilnehmer an diesem Gewinnspiel.
Ehrlich gesagt wurde ich schon des öfteren mal angesprochen, ob ich nicht Lust auf ein Gewinnspiel hätte. Hatte dabei aber immer Angst, dass einfach nicht genug Personen daran teilnehmen. Man kann es ja leider so schlecht greifen, wieviele Leute hier vorbeischauen oder den Podcast anhören.
Trotzdem habe ich es diesmal gewagt und freue mich sehr, dass doch eine sehr schöne Zahl an Teilnehmern die richtige Antwort herausfand (war aber auch schwer…) und nun auf den Gewinn hofft.

Für die Bereitstellung des Gewinnes bedanke ich mich noch einmal sehr beim Zauberfeder-Verlag, die eigentlich auch die Idee dazu hatten 🙂

Als Glücksfee musste meine Frau herhalten – ich war für die Vorbereitung zuständig:
Foto 21.12.15, 11 09 13

Gezogen wurde:
Foto 21.12.15, 11 09 32Ich gratuliere somit sehr der Gewinnerin Claudia S. aus Frankfurt!!!

Auch wenn jetzt einige leer ausgingen sei Euch allen noch einmal mein Dank für die rege Teilnahme mitgeteilt. Dies führt sicherlich dazu, dass ich nun vermehrt solche Spielchen mit Euch machen werde.

Schöne Weihnachtsfeiertage und einen Guten Rutsch ins Neue Jahr wünscht Euch allen Eure HysterikA

Zu gewinnen gab es mit freundlicher Unterstützung des Zauberfeder-Verlages 1 x das aufwendig gestaltete Begleitbuch zur erfolgreichen Serie Vikings im Wert von 34,90:

vikings

Justin Pollard
The World of Vikings

Seit 2013 begeistert die kanadisch-irische Erfolgsserie Vikings rund um die Abenteuer des Nordmanns Ragnar Lothbrok ein Millionenpublikum. Ihr Erfolgsrezept ist die gekonnte Kombination von historischen Tatsachen und fiktionalen Elementen.

Im offiziellen Begleitbuch beleuchtet Historiker Justin Pollard auf 160 Seiten reale historische Hintergründe und wirft einen Blick hinter die Kulissen der Produktion. Er beschreibt Kultur, Religion, Schiffbau und Navigation der Nordmänner und berichtet über die faszinierende Geschichte ihrer Raub-, Handels- und Entdeckerfahrten. Interviews mit Schauspielern und dem Filmteam zeigen darüber hinaus, wie aus einer spannenden Geschichte eine dramatische Verfilmung wurde.

Reich bebildert und mit zahlreichen grafisch aufwendig gestalteten Seiten sowie knapp 100 Skizzen und Fotos ausgestattet, ist The World of Vikings ein Muss für Fans der Serie und Geschichtsinteressierte gleichermaßen.

 

Thomas Thiemeyer: Devil`s River

thimeyer_Devil(c) 2015 Knaur Verlag, München
ISBN 978-3-426-51715-4
ca. 512 Seiten

COVER:

Es bedarf eines Ungeheuers, um ein Ungeheuer zu töten…
Kanada 1878. River, eine junge Frau vom Stamm der Ojibwe, muss miterleben, wie ihr Dorf von etwas heimgesucht wird, das kein Mensch sein kann. Die Hütten von einer gewaltigen Kraft zerstört, Männer und Frauen grausam ermordet, scheint eine uralte Legende zum Leben erwacht zu sein. River schwört Rache – und verbündet sich mit einem gesuchten Mörder.
England 2015. Durch den Tod ihrer Großmutter aufgerüttelt, begibt sich die Studentin Eve auf die Spur eines Familiengeheimnisses, das in der kanadischen Wildnis wurzelt …

REZENSION:

Thomas Thiemeyer ist ja spätestens seit seinen spannenden Abenteuerromane ein absoluter Garant für gute Unterhaltung. Dementsprechend euphorisch widmete ich mich seinem neuesten Werk mit dem spannend klingenden Titel DEVIL`S RIVER.
Seine Geschichte geht auch recht interessant los – insbesondere die unterschiedlichen und auch in unterschiedlichen Zeiten stattfindenden Erzählstränge sind genau das richtige für mich.
Man kommt dadurch auch ziemlich schnell in die Geschichte rein. Mehr und mehr hatte ich aber das Gefühl, dass Thiemeyer in diesem Fall mich als Zielgruppe wohl ausgeschlossen hat – ich erwartete mir einen spannungsgeladenen Roman voll mit mystischen Elementen. Leider kamen diese nicht in der ersten Hälfte des Buches und somit folgte ich einer angenehm erzählten Westerngeschichte, die durch die geschickte Erzählweise des Autors gut zu lesen ist, jedoch aus meiner Sicht keine besonderen Höhepunkte zu Stande bringt.
Ob sich das alles noch dreht, beziehungsweise spannender wird, entzieht sich meiner Kenntnis, da ich das Buch dann doch abgebrochen habe, da mir schlichtweg was fehlte.
Hierbei hatte Thiemeyer auch noch einen persönlichen Bonus, da er mich schon des öfteren sehr positiv unterhalten konnte und somit schloss ich dieses Werk nicht bereits nach einhundert Seiten, sondern gab ich noch weitere einhundert eine Chance.
Schade eigentlich, denn allein von der Beschreibung des Buches hielt ich die Idee per se schon einmal für Klasse – alles in allem scheint sich aber hinter DEVIL`S RIVER ein Western für eine Klientel zu befinden, die eher auf hohe Spannungslevel verzichten kann.
Nichts desto trotz werde ich Thomas Thiemeyer im Auge behalten und hoffe ernsthaft auf einen neuen und spannungsgeladenen, abenteuerlichen Forschungsroman.
Jürgen Seibold/22.06.2015
Devil’s River: Thriller KAUFEN BEI AMAZON

Christian Baier: Die Wiedergänger

baier_wiedergänger© Luzifer-Verlag 2014
Klappenbroschur, SoftCover
€ 13,95, ISBN: 978-3-943408-17-1

COVER:

Serbien, Anfang des 18. Jahrhunderts. Nach dem Krieg gegen die Türken ist das Land verwüstet. Hunger und Krankheiten regieren an der schwach befestigten Militärgrenze gegen das osmanische Reich.
Gerüchte werden laut: In vielen Dörfern verlassen die Toten ihre Gräber und treiben unter den Lebenden ihr Unwesen. Nachzehrer werden sie genannt, Neuntöter, Moroi. Sie kehren zurück, so heißt es, um sich zu holen, was ihnen im Leben verwehrt geblieben ist. Die Religion redet von der Auferstehung, die Wiedergänger leben sie.
An der Schwelle zur Aufklärung streiten sich in ganz Europa Wissenschaftler, Philosophen und Theologen über das Phänomen. Staat und Kirche greifen hart gegen die „Gemütsseuche“ durch.
Dies ist die Geschichte von Micula und Amna, verdächtigt, Nachfahren eines Wiedergängers zu sein.
Dies ist die Geschichte des Mönchs Guido de Torrenti, der den Glauben an Gott verlor und das ewige Leben fand.
Dies ist die Geschichte des Kameralprovisors Heinrich Ignaz Frommenthal, der erfahren musste, was er nie erfahren wollte.
Dies ist die wahre Geschichte der Vampire.

REZENSION:

Christian Baier transferiert dem Leser in das 18. Jahrhundert und erklärt anhand seiner als Tatsachenberichte erzählten Geschichte die “wahre” Geschichte der Vampire.
Diese Idee ist grundsätzlich betrachtet exakt das, was ein Freund gepflegter Gruselgeschichten und Erzählungen über Vampire uneingeschränkt liebt und dementsprechend gespannt war ich auf den Inhalt dieses Buches.
Cristian Baiers Erzählstil lässt den Leser sogleich noch etwas mehr in die damalige Zeit eintauchen, da dieser sehr geschickt der damaligen Sprache angepasst worden ist.
“Die Wiedergänger” wird aber trotz dieser positiven Grundsätzlichkeiten nicht jeden überzeugen können, da im Laufe des Buches das Gefühl nicht verschwinden möchte, dass dieser als Bericht getarnter Roman auch darin gefangen ist und somit die Steigerung der Spannung nicht stattfindet.
Für Freunde reiner Darlegungen von Erlebnissen kann das Werk jedoch trotzdem wirken – mich hat es jedoch durch meine Erwartung leider nicht überzeugen können und somit musste ich das Werk nach etwa der Hälfte beiseitelegen – obwohl ich immer noch etwas zwiespältig bin, ob des Inhaltes und somit immer wieder darüber nachdenke, trotzdem noch einmal rein zu schauen und weiter zu lesen. Bin mal gespannt, ob dies trotz meiner bisher erlebten Vorbehalte passieren wird.
Jürgen Seibold/07.06.2014
Die Wiedergänger – Ein Bericht aus dem 18. Jahrhundert: Dies ist die wahre Geschichte der Vampire. KINDLE EDITION KAUFEN BEI AMAZON

Dan Simmons: Terror

Simmons_TerrorOriginaltitel: The Terror
Aus dem Amerikanischen von Friedrich Mader
© Heyne Verlag
ISBN: 978-3-453-40613-1
€ 10,95

COVER:

England im Jahr 1845: Unter dem Kommando von Sir John Franklin brechen die modernsten Schiffe ihrer Zeit – die „Terror“ und die „Erebus“ – auf, um die legendäre Nord-West-Passage zu finden: den Weg durch das ewige Eis der Arktis in den Pazifik. 130 Männer nehmen an der Expedition teil. Keiner von ihnen wird je zurückkehren. Dies ist ihre Geschichte.

Mit „Terror“ lässt Bestsellerautor Dan Simmons eine der geheimnisumwobensten Entdeckerfahrten der Menschheitsgeschichte lebendig werden: John Franklins Suche nach der Nord-West-Passage. Warum ist diese Expedition gescheitert? Wie konnten 130 Männer und zwei Schiffe verschwinden, ohne irgendwelche Spuren zu hinterlassen? Welchem Schrecken, welchem Terror sind sie im ewigen Eis begegnet? Aus diesen bis heute ungeklärten Fragen formt Dan Simmons eine atemberaubend spannende Geschichte, einen Roman, der Sie auf eines der größten Abenteuer mitnimmt, das es je gegeben hat …

REZENSION:

In den Jahren 1945 bis 1848 fand die in die Geschichte eingegangen Franklin-Expedition statt, bei der es sich um die letzte große Forschungsreise des Polarforschers Sir John Franklin handelte. Leider ist dabei jeder Beteiligte ums Leben gekommen.
Bei der Expedition wurden zwei Schiffe verwendet, die dem damals aktuellen Stand der Technik entsprachen: die HMS Erebus und die dem Buch den Namen gebende HMS Terror.
Wie der Geschichtsschreibung zu entnehmen ist, hatten die Expeditionsteilnehmer mit unsäglichen Problemen zu kämpfen, wobei unter anderem die Nahrungsmittelversorgung mit bleihaltigen Konserven nur eine von vielen darstellt.
Selbst umfassende und wiederkehrende Rettungsmaßnahmen konnten über den Verbleib und die Geschehnisse während der unglücklichen Expedition nur vage Auskunft geben.
Dan Simmons nahm sich dieser Thematik an und erschuf einen 1.000seitigen Roman, dessen Polarkälte beinahe spürbar ist.
Geschickt verwebt er dabei tiefgründiges und im Detail recherchiertes Wissen mit Legenden aus der Sagenwelt der Inuit, um nicht nur die Dramatik dieser Reise offen zu legen sondern auch genreübergreifend ein Wesen der Inuit mit daran beteiligen zu lassen.
Mit der Hinzufügung dieses Wesens als zusätzliche Gefahr auf dem Eis kann dieser absolut detailliert dargelegte Historienroman auch den ein oder anderen Leser weiterer Genre bei der Stange halten. Sicher: Es bringt auch ein wenig Unglaubwürdigkeit hinein, was aber die eigentliche Geschichte nicht sonderlich berührt – insbesondere, da man über die genauen Schicksale der Teilnehmer nicht viel weiß.
TERROR ist sehr hochwertig geschrieben und lässt einen direkt an dieser unsäglichen Expedition teilnehmen. Man weiß, dass diese Forschungsreise keinen Überlebenden birgt, möchte aber trotzdem die Geschehnisse begleiten.
Somit ist TERROR ein perfekt recherchierter historischer Roman, dem man – bis auf das ab und an auftretende „Monster“ – jede Zeile problemlos abnimmt. Man leidet förmlich mit und kann auch den zum Ende hin auftretenden Kannibalismus (der sich nach Angaben diverser Quellen auch tatsächlich abspielte) problemlos verstehen und akzeptieren.
Jürgen Seibold/04.10.2013 

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Terry Pratchett: Dunkle Halunken

Pratchett_HalunkenOriginaltitel: Dodger
Aus dem Englischen von Andreas Brandhorst
ISBN 978-3-492-70301-7
© 2012, Terry and Lyn Pratchett
© ivi, ein Imprint der Piper Verlag GmbH, München 2013
ca. 380 Seiten / € 19,99 (HC)

COVER:

Dodger ist ein Straßenjunge – doch nicht irgendeiner. Während eines Überfalls in den nächtlichen Gassen Londons rettet er einer Unbekannten das Leben, der betörend schönen Simplicity. Fortan setzt er alles daran, mehr über die Tat und die Herkunft der jungen Frau herauszufinden.
Auf der Suche nach den Tätern bringt Dodger ganz nebenbei einen mörderischen Barbier namens Sweeney Todd zur Strecke und wird dadurch für ganz London zum Helden. Dies jedoch ruft einen geheimnisvollen Attentäter auf den Plan wie die Halunken, die Simplicity nach dem Leben trachten und ihren jungen Beschützer lieber früher als später tot sehen wollen …

Rezension:

Als mich dieses Buch erreichte, sorgte bereits ein Blick auf den Autorennamen für Entzücken – endlich mal was von der Scheibenwelt…
Dummerweise stellte sich beim näheren Betrachten des neuen Werkes von Terry Pratchett recht schnell heraus, dass DUNKLE HALUNKEN absolut gar nichts mit der sagenhaften Scheibenwelt zu tun hat – Pratchett entführt uns Leser mitten in das London der viktorianischen Zeit und lässt diese Stadt mit all ihrem Dreck, der hoffnungslosen Armut vieler Einwohner und dem Gestank der Kanalisation vor unseren Augen entstehen.
Anfangs benötigte ich einige wenige Seiten um voll in diese Geschichte einzutauchen – kurz danach hatte sie mich und es entstand eine virtuos und mit einer sprachlichen Leidenschaft erstellte Geschichte mit einem sehr sympathischen Helden, der üblicherweise sein tägliches Brot auf der Suche nach Münzen und manch anderen Schätzen in der dunklen Kanalisation Londons verdient.
Dieser Junge mit Namen Dodger rettet dabei beinahe nebenbei ein hübsches Mädchen und sorgt im weiteren Verlauf der Geschichte, detaillierter Informationen über die Halunken des feigen Anschlags heraus zu bekommen. Zur Seite steht ihm dabei manch bekannte reale Person der damaligen Zeit – insbesondere Charles Dickens steht ihm immer wieder hilfreich zur Seite und sorgt in seiner Funktion als Journalist für das Entstehen des Helden Dodger.
Dodger wiederum sorgt dafür, dass der berühmt berüchtigte Sweeney Todd gefasst wird und taucht nach und nach in gehobenere Stände der Einwohner Londons ab.
Terry Pratchett ist sehr geschickt in seiner Sprache und lässt nicht nur die damalige Zeit Londons problemlos vor einem auferstehen, sondern sorgt auch noch für dezent eingeworfenen Witz für genügend Schmunzler beim Leser. Sein Held ist absolut sympathisch und wird mit Sicherheit bei jedem Leser ungebremst ins Herz rasen und sich dort eine gemütliche Ecke suchen.
DUNKLE HALUNKEN ist eine wahrhaft gelungene Geschichte, zu der man einfach nur sagen kann: Eine sehr schöne und fabelhafte Geschichte, bei der es nichts einzuwenden gibt.
Jürgen Seibold/03.10.2013

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Markus Kastenholz: Malteserblut (Breisgauer Geschichten)

Kastenholz_Malteserblut© Markus Kastenholz
Edition Nocturno
Bezug: Markus Kastenholz, St. Ulrich-Str. 33, 79189 Bad Krozingen
ca. 142 Seiten / € 9,90 (Paperback)

COVER:

Heitersheim, Bad Krozingen Staufen, der Altrhein und Freiburg – das sind nur einige Schauplätze dieses Bandes der Breisgauer Geschichten.
Geschichten aus der Region voller Charme, Spannung und Humor.

REZENSION:

Prinzipiell bin ich ja der Meinung, dass man ein Buch niemals nach dessen Cover beurteilen sollte – viel zu oft hatten sich vor meinen Augen Geschichten entfaltet, die sich zwischen Buchdeckeln befanden, die nicht schlechter gewählt sein konnten.
Bei MALTESERBLUT ist es für jemanden, der nicht aus der Breisgauer Region kommt sicherlich ähnlich. Sicherlich wirkt der Titel bei Urlaubern, die gerade einige schöne Wochen im Breisgau erlebt hatten und noch schnell eine Kleinigkeit als Erinnerung mitnehmen möchten. Wenn ich aber an den typischen Käufer denke, der einfach durch den Buchladen streift und nach ein wenig Unterhaltung sucht – nun, dann hat es dieses Cover nicht wirklich einfach.
Andererseits: Ein anderes Cover zur ordnungsgemäßen Betitelung dieses Buches würde mir jetzt auf Anhieb auch nicht einfallen – viel zu unterschiedlich sind die darin enthaltenen Kurzgeschichten.
Ich bin natürlich ein klein wenig im Vorteil, da ich bereits das ein oder andere Werk von Markus Kastenholz lesen durfte und bis dato noch niemals enttäuscht werden sollte.
MALTESERBLUT setzt dem nur noch ein Krönchen auf: Die Geschichten sind durchweg interessant und absolut abwechslungsreich. Ihr Inhalt pendelt zwischen Melancholie, Humor, Mystik, Spannung und Fantasy. Somit ist für absolut jeden etwas in diesem leider viel zu dünnen Büchlein enthalten.
Man trifft auf die letzte Nymphe, auf Mephisto höchstpersönlich, auf einen explodierten Ehegatten und einer angehenden Archäologin, deren Erfolg ich gerne miterlebt hätte. Gerade eben befindet man sich im Erleben eines interessanten sexuellan Aktes ohne jegliche Vorwarnung, um bereits einige Zeilen weiter eine Hommage an Michael Endes Unendliche Geschichte zu entdecken.
Die in diesem Büchlein enthaltenen 8 einhalb Geschichten (die letzte “halbe” ist eher ein Schlusswort des Autors) lassen absolut nichts missen und konnten mich durchweg überzeugen – obwohl ich prinzipiell eher Spannungsliteratur bevorzuge; Markus Kastenholz hat es aber erneut spielerisch geschafft, hier Grenzen einzureissen und über Tellerränder hinausgehende Geschichten zu kreieren, deren (ich muss es einfach nochmal sagen) Cover ihnen nicht gerecht wird.
Vielleicht sollte man Bücher einfach prinzipiell neutral gestallten, dann hätten solche Perlen sicherlich mehr Chancen auf dem Markt. Lasst Euch somit nicht von der Darstellung beeinflussen, sondern geniesst einfach jeden einzelnen Buchstaben.
Jürgen Seibold/16.07.2013

 

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Rainer M. Schröder: Die Farben von Florenz

Originalausgabe Mai 2012
(c) 2012 Knaur Taschenbuch
ISBN 978-3-426-50990-6
ca. 414 Seiten / € 9,99

COVER:

1489 im Florenz der Medici. Seit Wochen bangt der angesehene Freskenmaler Pater Angelico um eine Lieferung Lapislazuli, die er zur Herstellung der kostbaren Farbe Ultramarin benötigt. Doch dann findet Angelico seinen säumigen Lieferanten erhängt auf. Selbstmord? Das kann und darf nicht sein, auch wenn es die gefürchtete Geheimpolizei gerne so hätte …
Mit Scharfsinn und florentinischem Witz beginnt der streitbare Dominikanermönch zu ermitteln – und schwebt kurz darauf in Todesgefahr.

Der Auftakt zu einer Reihe mitreißender Kriminalromane aus dem Florenz der Renaissance.

REZENSION:

Manchmal scheint es einfach simpel zu sein: Die Farben von Florenz bieten durchgängige und spannende Unterhaltung für alle Krimifans, die in vergangene Zeiten eintauchen möchten. Darüber hinaus schafft es Rainer M. Schröder spielend, nicht nur einen gelungenen Kriminalroman unter Verwendung vergangener Zeiten zu kreieren, sondern gleichzeitig einen Protagonisten vor des Lesers Augen dar zu legen, der durchweg sympathisch wirkt und mit Sicherheit so ziemlich jedem Leser innerhalb kürzester Zeit ans Herz wächst. Pater Angelico ist beileibe kein bornierter, vom tiefgehenden Glaubensgrundsatz fixierter Bruder, der sich benebeld von altertümlichen Grundsätzen einem Fall hinnimmt – nein, er ist ein gläubiger, aber doch durch und durch offener Pater, der es mit manch vorherrschender Meinung nicht unbedingt allzu ernst nimmt und somit in manch dezentes “Töpfchen” hineintappt, um dabei den vorliegenden Fall zu lösen.
Somit ein wahrlich gelungener Trip in vergangene Zeiten mit einem durchweg sympathischen Held, dessen Untertitel “Pater Angelicos erster Fall” erfreulicherweise auf mehr hoffen lässt.
Sonja Seibold / 16.06.2013

Die Farben von Florenz: Pater Angelicos erster Fall (Knaur TB) KAUFEN BEI AMAZON

George R.R. Martin: Das Lied von Eis und Feuer 04 – Die Saat des goldenen Löwen

Die amerikanische Originalausgabe erschien 1996 unter dem Titel “A Clash Of Kings” (Pages 332-728 + Appendix)
Ins Deutsche übertragen von Andreas Helwig. Vollständig durchgesehen und überarbeitet von Sigrun Zühlke und Thomas Gießl
Taschenbuchausgabe Oktober 2011 bei Blanvalet
© 1999 by George R.R. Martin
© der deutschsprachigen Ausgabe 2000 by Verlagsgruppe Random House GmbH
ISBN 978-3-442-26821-4
ca. 672 Seiten / € 15,00

COVER:

Der Bürgerkrieg um die Herrschaft über die Sieben Königreiche hat ganz Westeros zerrissen und entsetzliche Verheerungen angerichtet. Die Ernten sind vernichtet, und die großen und kleinen Häuser haben einen schrecklichen Blutzoll entrichtet.
Der grausame Kindkönig auf dem Eisenthron erweist sich als unfähig zu regieren, und seine Mutter, die Regentin, ist vor allem damit beschäftigt, ihre Macht gegen vermeintliche und echte Rivalen abzusichern.
Arya Stark nutzt das Durcheinander am Königshof, um zu fliehen, doch der Weg nach Hause, nach Winterfell ist weit – und gefährlich. Und das liegt nicht nur an den Soldaten der verschiedenen Kriegsparteien, die noch immer durch die Lande ziehen.
Denn während Westeros sich im Innern selbst zerfleischt, formieren sich jenseits seiner Grenzen weitere Gegner. Einer dieser Gegner ist noch weit entfernt, auf einem anderen Kontinent – doch Daenerys Targaryen, die Mutter der Drachen, ist gewillt, jedes erdenkliche Risiko einzugehen, um die Krone zurückzugewinnen, die rechtmäßig die ihre ist …

REZENSION:

Nun ist bereits der vierte Band dieser scheinbar nicht enden wollenden Saga an meinen Augen vorübergezogen – und abermals kann man sich dem Inhalt dieses Werkes in keinster Weise entziehen.
Über die preisliche Politik des deutschen Verlages möchte ich mich nicht mehr auslassen, da der Inhalt schlichtweg zu überzeugen weiß und somit wohl jeden Cent wert ist.
In “Die Saat des Goldenen Löwen” lässt George R.R. Martin seine politischen Ränkespiele immer detaillierter aufleben und man fiebert mit jedem einzelnen seiner Protagonisten mit. Manch einen hasst man, manch einen liebt man – hier sollte man aber die Fantasie des Autors nicht unterschätzen: Es kann sein, dass manch geliebter Protagonist das Zeitliche segnet, was den Leser kurzzeitig bedrückt – im Gegensatz dazu besteht aber die Gefahr, dass sich plötzlich ein gehasster Teilnehmer zu einem geliebten wandelt und erneut ist man durch und durch gefesselt.
Es kommt wahrlich sehr selten vor, dass ein Autor über mehrere tausend Seiten zu unterhalten weiß – hier befinde ich mich erst im vierten Band und man kann den fünften schlichtweg nicht mehr erwarten.
Nachdem ich schon ein klein wenig weiter bin, habe ich das Gefühl, dass Martin in diesem band lediglich ein wenig Luft holt, um dann im Folgeband den Leser fester an die Zügel zu nehmen.
Alles in allem eine dermaßen umfangreiche Saga, deren Geschichte man sich schlichtweg nicht entziehen kann. Ich jedenfalls kann diese Werke jedem nur ans Herz legen – würde mich wundern, wenn hier jemand enttäuscht werden sollte.
Jürgen Seibold / 02.09.2012

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George R.R. Martin: Das Lied von Eis und Feuer 03 – Der Thron der Sieben Königreiche

Originaltitel: A Clash of Kings (Pages 1-332 + Appendix)
Ins Deutsche übertragen von Andreas Helweg
7. Auflage
Taschenbuchausgabe Juli 2011
(c) 1999 by George R.R. Martin
(c) der deutschsprachigen Ausgabe 2000 by Verlagsgruppe Random House GmbH
ISBN 978-3-442-26822-1
ca. 576 Seiten / €15,–

COVER:

Zehn Jahre dauerte der Sommer in Westeros, und genauso lange währte die Zeit des Friedens in den Sieben Königreichen. Doch nun hält der grimmige Winter Einzug, und in seinem Gefolge brechen schlimme Zeiten an. Robert Baratheon, der König auf dem Eisenthron, und Lord Eddard Stark, der Lord von Winterfell, sind tot. Sie wurden Opfer einer Intrige, deren Ausmaß noch gar nicht abzuschätzen ist.
Für Eddards Sohn Robb bedeutet dies, dass er im Alter von gerade einmal fünfzehn Jahren die Herrschaft über Winterfell – und damit über den ganzen Norden von Westeros –  antreten muss. Und noch während er um die Anerkennung und den Respekt seiner Untertanen ringt, bricht im Reich ein Bürgerkrieg aus.
Joffrey, der grausame Sohn von Königin Cersei, hat den Thron bestiegen, auf dem vor ihm Robert Baratheon gesessen hatte. Doch auch Stannis und Renly Baratheon, seine Brüder, machen ihre Ansprüche geltend – und nicht nur sie. Überall in den Sieben Königreichen werden Pläne geschmiedet, denn die Anwärter auf den Eisenthron sind zahlreich – und keiner von ihnen schreckt vor Krieg und Aufruhr zurück, um seine Pläne in die Tat umzusetzen. Robb Stark hat keine andere Wahl, als sich in dem Konflikt zunächst auf Joffreys Seite zu schlagen, denn der junge König hält seine Schwestern als Geiseln. Und während die mächtigen Häuser um die Macht in dem zerrissenen Land streiten und ein verhängnisvolles Omen am Himmel erscheint, wächst hoch im Norden, jenseits der Mauer, eine noch viel größere Gefahr heran …

REZENSION:

Nun folgte nach Band 2 schlagartig der dritte Streich…
Selten, dass mich eine so umfassende und vor Seiten strotzende Reihe so lange bei Laune hält. Irgendwie muss man jedoch sofort nach Schließen des Vorgängers zum nächsten Band greifen – genau so sollte es ein. Manche Autoren können einen nicht mal über 200 läppische Seiten fordern und unterhalten – George R.R. Martin scheint dies wohl problemlos zu beherrschen. Sicher, die Geschichte um Westeros lässt in diesem Band ein klein wenig an Spannung verlieren – es wirkt jedoch durchweg so, als ob die Sieben Königreiche einfach mal Luft holen, um den Leser in absehbarer Zeit wieder mit vielen neuen Wendungen zu überraschen.
Ich persönlich möchte hierüber gar nicht allzu viel schreiben – ich lese einfach weiter und möchte dies auch jedem ans Herz legen.
Jürgen Seibold/18.08.2012

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George R.R. Martin: Das Lied von Eis und Feuer 02 – Das Erbe von Winterfell

Originaltitel: A Game of Thrones (Pages 360-674 + Appendix)
Ins Deutsche übertragen von Jörn Ingwersen
9. Auflage
Taschenbuchausgabe April 2010
(c) 1996 by George R.R. Martin
(c) der deutschsprachigen Ausgabe 1997 by Verlagsgruppe Random House GmbH
ISBN 978-3-442-26781-1
ca. 542 Seiten / €15,–

COVER:

Eddard Stark, der Lord von Winterfell, ist dem Ruf seines Königs und alten Freundes Robert Baratheon gefolgt und hat seine kalte Heimat im hohen Norden verlassen, um bei Hof in Königsmund als Hand – als Roberts Berater und Stellvertreter – zu dienen. Doch was schon beim Besuch seines Freundes auf Winterfell zu erkennen war, wird am Königshof noch viel deutlicher: Robert Baratheon ist nicht mehr der Mann, der er früher war – der mutige und instinktsichere Feldherr, der einst gemeinsam mit Eddard Stark die Herrschaft über die Sieben Königreiche eroberte. Stattdessen ist er ein schwacher König, der nicht in der Lage ist, den Intrigen rund um den Eisenthron Einhalt zu gebieten.
Und in diese Intrigen wird Eddard Stark als die rechte Hand Robert Baratheons immer tiefer hineingezogen. Der Lord von Winterfell ist ein geradliniger, tapferer und aufrechter Mann, der sich jeder Gefahr mit dem Schwert entgegenstellen würde – aber die Ränke der Mächtigen sind nichts, was man mit einem Schwert bekämpfen kann. Auch dann nicht, wenn man die Hand des Königs ist …

Rezension:

DAS ERBE VON WINTERFELL ist lediglich in unseren Gefilden der zweite Band der Geschichte namens “Das Lied von Eis und Feuer”. Wie sich sicherlich schon fast überall herumgesprochen hat, teilt der Verlag die Originalromane in jeweils zwei Bücher – warum, dies scheint wohl jedem klar zu sein ….
Nichts desto trotz scheint diese Vorgehensweise aufgrund der Qualität der Geschichte für den Verlag wohl aufzugehen – viel zu sehr entsteht nach Lektüre eines dieser Bücher der Drang, sogleich das nächste zu besorgen, um den Intrigen auf Westeros weiter zu folgen.
Hier im zweiten Band dieser absolut hochwertigen Saga nimmt George R.R. Martin ein wenig Fahrt auf und sorgt dadurch ohnegleichen für das Fesseln des Lesers an seine Seiten.
Die Geschichte wird intriganter und verworrener – nichts desto trotz verliert man sich als Leser in keinster Weise, da Martin eine sehr eingängige Erzählweise darbietet und zugleich mit seinen Kapiteln jeweils personenbezogen arbeitet. Hierdurch fühlt man sich in den Weiten dieser Geschichte niemals verloren – im Gegenteil, man nähert sich den Protagonisten mehr und mehr von Kapitel zu Kapitel. Wie sich leider herausstellt, sollte man aber manchen Helden nicht zu sehr ins Herz schließen – G.R.R. Martin scheut sich nicht, den ein oder anderen ins Nirvana zu schicken. So schlimm dies klingt – hierdurch entsteht ein Epos, das sich komplett auf die einzelnen Schicksale einlassen kann und man ist vor keiner Gefahr geschont: Sowohl Kämpfe als auch Intrigen können ein Ende herbeirufen.
Für mich war der zweite Band nun lediglich ein weiterer Pfad in den Weiten dieser fulminanten Saga – bereits vor Erreichen der Hälfte musste ich mich um die Beschaffung des dritten Bandes kümmern. Einerseits ärgert es mich dabei sehr stark, das der Verlag mit seiner Strategie zu gewinnen scheint – andererseits scheint mich das Erlebnis zwischen den Buchdeckeln mehr als gedacht zu belohnen. Somit werde ich wohl gezwungenermaßen weiterlesen und weiterlesen und weiterlesen…
Perfekt!
Jürgen Seibold/21.07.2012

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George R.R. Martin: Das Lied von Eis und Feuer 01 – Die Herren von Winterfell

Originaltitel: A Game of Thrones ( Pages 1-359 + Appendix)
Ins Deutsche übertragen von Jörn Ingwersen
Vollständig durchgesehen und überarbeitet von Sigrun Zühlke und Thomas Gießl
Taschenbuchausgabe Januar 2010
(c) 1996 by George R. R. Martin
(c) der deutschsprachigen Ausgabe 1997 by Verlagsgruppe Random House GmbH
ISBN 978-3-442-26774-3
ca. 572 Seiten / 15,– €

COVER:

Die letzten Tage des Sommers sind gekommen.

Eddard Stark, der Lord von Winterfell, lebt mit seiner Familie im kalten Norden des Königreichs Westeros, und er weiß, dass der nächste Winter Jahrzehnte dauern wird. Als der engste Vertraute seines Königs und alten Freundes Robert Baratheon stirbt, soll Eddard  an dessen Stelle treten. Für die Zeit, die er am Königshof zubringen muss, überträgt Eddard die Herrschaft über Winterfell an seinen Erben Robb – während sich sein Bastardsohn Jon den Kriegern der Nachtwache anschließt. Doch Robert Baratheon ist nicht mehr der starke Herrscher, der er einst war, und um den Eisernen Thron scharren sich Intriganten und feige Meuchler. Eddard sieht sich plötzlich von mächtigen Feinden umzingelt und muss hilflos zusehen, wie seine vielköpfige Familie in alle Winde verstreut wird. Die Zukunft des gesamten Reiches Westeros steht auf dem Spiel …

REZENSION:

Durch Zufall stieß ich auf die Werbung einer neuen TV-Serie mit dem Titel “GAME OF THRONES” und entschloss mich, hier ein wenig herein zu schauen.
Aus zeitlichen Gründen konnte ich jedoch nur einige wenige Teile ansehen – nichts desto trotz hatte ich das Gefühl, dass hier nach langer Zeit mal erneut eine gute Geschichte erzählt wird.
Wie sich herausstellen sollte, handelte es sich hierbei um eine Literaturverfilmung über DAS LIED VON EIS UND FEUER, das bereits vor 15 Jahren das Licht der Welt aus der Feder eines Autors namens George R. R. Martin erblickte.
Nachdem die oben genannte Serie für einen Hype in Bezug auf die Bücher sorgte, war ich einige Zeit eher abgeneigt, mich auch diesen Werken zu zu wenden – sehr oft handelt sich ein Hype dieser Art nur um eine gelungene Marketingstrategie.
Durch eine scheinbar göttliche Fügung hatte sich vor kurzem dieses Blatt jedoch gewandelt: Völlig entspannt saß ich am Rande eines Pools, den vergehendes urlaub genießend und mit einem guten Buch in der Hand. Während eines Kapitelwechsels schweiften meine Augen kurz über die mir fremden aber dennoch anwesenden Personen und ich blieb bei einem Jungen hängen, dessen Blick fasziniert in ein recht dickes Buch vertieft war.
Voll Interesse achtete ich auf den Umschlag und erkannte, dass dieser Junge wohl von oben genannten Buch ganz hin und weg zu sein scheint.
Ich entschied mich somit zu einem Versuch und bestellte mir DIE HERREN VON WINTERFELL – ab diesem Zeitpunkt war es um mich geschehen:
Die Geschichte faszinierte mich von Anfang am und ich tauchte ein in eine mittelalterlich erzählte Welt voll Intrigen und einer Vielzahl an teilnehmenden Personen, die ohne jegliche Einschränkung absolut glaubhaft und wirklichkeitsgetreu dargestellt werden.
Über die Geschichte soll hier nicht allzu viel gesagt werden – DAS LIED VON EIS UND FEUER ist jedenfalls ein absoluter Höhepunkt im Fantasygenre und kann nur gehasst oder geliebt werden – ich scheine es jedenfalls zu lieben: Der zweite Band ist schon unterwegs …
Jürgen Seibold/10.06.2012

 

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Stephen King: Der Anschlag (11/22/63)

Deutschsprachige Ausgabe:
Aus dem Amerikanischen von Wulf Bergner
(c) 2011 by Stephen King
(c) der deutschsprachigen Ausgabe by Wilhelm Heyne Verlag, München in der Verlagsgruppe Random House GmbH
ISBN 978-3-453-26754-1
ca. 1.056 Seiten

Englische Originalausgabe:
ISBN 978-1-4516-2728-2

COVER:
Jake Epping lebt ein normales Leben, bis sein Freund Al ihm ein großes Geheimnis enthüllt: Er kennt ein Portal, das ins Jahr 1958 führt. Und Al gewinnt ihn für eine wahnsinnige Mission. Jake soll in die Vergangenheit zurückkehren und das Attentat auf John F. Kennedy vereiteln, um den Gang der Geschichte positiv zu korrigieren. Und so beginnt für Jake ein neues Leben in einer für ihn neuen Welt. Es ist die Welt von Elvis und JFK, von großen amerikanischen Autos und beschwingten Highschool-Tanzveranstaltungen. Es ist die Welt des gequälten Einzelgängers Lee Harvey Oswald, aber auch die der Bibliothekarin Sadie Dunhill, die Jakes große Liebe seines Lebens wird – eines Lebens, das gegen alle normalen Regeln der Zeit verstößt. Und je näher Jake seinem Ziel kommt, den Mord an Kennedy rückgängig zu machen, desto bizarrer wehrt sich die Vergangenheit dagegen – mit aller gnadenlosen Gewalt, die sich auch gegen Jakes neue Liebe richtet …

REZENSION:

Das Attentat auf John F. Kennedy war mindestens für die amerikanische Bevölkerung ein sehr traumatisches Erlebnis, welches eine Vielzahl von Verschwörungstheorien nach sich zog. Dieses Trauma breitete sich zu einem großen Teil über die ganze Welt aus und wird auch immer wieder gerne neu diskutiert, neu belichtet und mit vielen Facetten – von irrsinnig über plausibel – neu betrachtet und abgehandelt.
Nun hat sich auch einer der erfolgreichsten Autoren unserer Gegenwart diesem Thema angenommen und legt dabei sogleich einen Roman vor, den man aufgrund seiner 4-stelligen Seitenzahl nicht einfach mal so nebenbei lesen kann.
Stephen King war schon seit jeher ein großartiger Erzähler und schaffte es unwahrscheinlich oft, vermeintlich unwichtiges Zeug lebhaft und voll Detailreichtum vor seinem geneigten Leser auszubreiten – dies erfreulicherweise fast immer ohne dabei zu langweilen.
In DER ANSCHLAG spielt er mit dem Gedanken, was für Auswirkungen es denn haben könnte, wenn man in die Vergangenheit reist um dieses Attentat zu verhindern.
Dies allein könnte man sicherlich in einen ganz normalen Zeitreisethriller packen, der seine Antworten nach etwa 300 bis 400 Seiten offenbart und damit den Leser auf simple Weise überzeugt und unterhält. Stephen King geht jedoch einen Schritt weiter und lässt seinen Protagonisten fünf Jahre vor besagtem Attentat in dieser Zeit auftauchen und erzählt haarklein die Geschehnisse, die in diesen fünf Jahren folgen. Dadurch entstand ein sehr dichter und reif erzählter Roman, der nicht nur als Hommage an diese Zeit seine Wirkung zeigt sondern auch noch eine sehr tiefgehende Liebesgeschichte in sich birgt.
Die eigentliche Thematik wird mehr und mehr zur Nebensache und es offenbart sich vor dem Leser ein durchweg bildhaft erzählter Roman, der trotz seiner Länge in keinster Weise langweilig wird.
King entwickelt sich hierin mehr und mehr zu einem Erzähler, der nur noch fassettenweise seinem Ruf als Horrorautor gerecht wird. King erweitert sein Imperium vielmehr mit Romanen, die bereits allein durch ihre erzählerische Kraft wirken – sicherlich gibt es auch genug eingeflochtene Spannungselemente, da sich die Vergangenheit gegen diese allumfassenden Änderungen wehrt, aber die Story um das Attentat scheint hierbei nur noch Mittel zum Zweck zu sein.
In meinen Augen ist DER ANSCHLAG ein uneingeschränkt zu empfehlendes Werk, das einen sehr reif gewordenen Autor aufzeigt und somit nicht mehr nur für die eingefleischten King-Fans eine Rolle spielen sollte.
Fans des Autors werden den ein oder anderen Aha-Effekt haben und können sich auch auf das abermalige Treffen mit bekannten und lieb gewordenen Personen freuen.
Auf den Schluss der Geschichte möchte ich hier natürlich nicht eingehen, aber er ist schlüssig erzählt und lässt nichts zu wünschen übrig. Davon abgesehen wird das letzte Kapitel auch bei allen Lesern, die noch ein klein wenig Sensibilität oder Sentimentalität in sich tragen für eine wohlige Gänsehaut sorgen – und dies ganz ohne irgendwelche Spannungs- oder gar Horrorelemente.
Absolute Spitzenklasse!
Jürgen Seibold / 23.04.2012

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11/22/63: A Novel KAUFEN BEI AMAZON