Kai Meyer & Christian Nauck: Die Wellenläufer – Band1: Muschelmagie

Originalausgabe
“Die Wellenläufer 1: Muschelmagie” von Kai Meyer, Yann Krehl, Christian Nauck
Nach dem Roman DIE WELLENLÄUFER von Kai Meyer
EHAPA COMIC EDITION
verlegt durch Egmont vgs verlagsgesellschaft mbH
c 2002 by Kai Meyer, Deutsche Erstausgabe 2002 im Loewe Verlag GmbH; Comic Ausgabe 2006 in der Egmont vgs verlagsgesellschaft mbH
€ 9,–

COVER:

Der Bestseller als Comic!
Kai Meyer, Schöpfer zahlreicher phantastischer Romanwelten, präsentiert die erste Comic-Adaption seiner WELLENLÄUFER-Trilogie.

In den Piratenhäfen der Karibik werden Kinder mit einem besonderen Talent geboren: Sie können über Wasser gehen!
Vierzehn Jahre später begegnen sich die beiden letzten überlebenden Wellenläufer inmitten eines furiosen Abenteuers. Jolly und Munk droht ein finsteres Schicksal: Mitten im Atlantik hat sich ein gigantischer Mahlstrom geöffnet und schleudert schreckliche Kreaturen in die karibische See.
Die Boten des Mahlstroms machen Jagd auf die Wellenläufer – denn nur Jolly und Munk besitzen die Macht, den Strudel zwischen den Welten zu schließen. Mithilfe der legendären Muschelmagie und einer Gruppe skurriler Gefährten stellen sie sich der Gefahr – und begeben sich auf eine epische Odyssee, die ihre Freundschaft auf eine grausame Probe stellen wird…

REZENSION:

Kai Meyer’s Bestseller DIE WELLENLÄUFER offenbart sich dem Leser im vorliegenden Buch als sehr interessant umgesetzte Comic-Adaption.
Es handelt sich in diesem ersten Band in erster Linie um die vierzehnjährige Wellenläuferin Jolly, die bei einer Seeschlacht mit ihren Piratenfreunden in eine Falle tappt und als einzige Überlebende das Schiff verlassen kann. Sie strandet daraufhin auf einer kleinen Insel und lernt dort Munk kennen – ebenfalls ein Wellenläufer.
Wie sich herausstellt, werden die beiden letzten Wellenläufer von unglaublichen Kreaturen aus den tiefsten Tiefen der See verfolgt und versuchen nun, nicht nur ihr Leben zu retten, sondern auch hinter die Gründe und Verursacher dieser Jagd zu kommen. Dadurch entsteht ein spannender Wettlauf mit furiosen Angriffen und Erlebnissen.
Die Comic-Adaption des Romans wurde mit einem sehr guten Gespür für das Wesentliche in liebevollen und fantastischen Bildern umgesetzt. Die Zeichnungen breiten sich fantasievoll, detailverliebt und stimmungsvoll vor dem Leser auf – der Text weiß zu fesseln und der Leser wird beinahe überfordert durch diese vielen spannenden Eindrücke, die ihm in diesem Buch vorgelegt werden.
Den Autoren ist die Umsetzung eines Romans in die bebilderte Comicwelt eindrucksvoll gelungen. Die Zeichnungen sind auf der Höhe der Zeit und man merkt auch sehr deutlich dabei eine gewisse Affinität zu den GROSSEN ALTEN aus der Welt des H.P. Lovecraft. Ich denke, dieser Ursprung war sicherlich sehr oft in den Gedanken des Romanautors, wie auch nun sichtbar in den Zeichnungen.
Somit eine wirklich gelungene Fantasy-Adaption, die den Leser mitfiebern lässt – leider erreicht man bei Comics sehr schnell den Schluss und in diesem Fall kann man den nächsten Band gar nicht mehr erwarten.
Sehr beeindruckende Umsetzung, die auf mehr hoffen lässt…
Jürgen Seibold/20.05.2006

Markus Heitz / Bruno Kramm / Rebecca Jeltsch / Anne Delseit: DAS ICH

(c) 2010 bei New Ground Publishing GmbH, Berlin
Dieser Titel wird unter Lizenz von Knaur Taschenbuch veröffentlicht.
Illustration: Rebecca Jeltsch
Text: Anne Delseit (Koma), Markus Heitz (Erwachen)
Redaktion: Anne Delseit
ca. 150 Seiten / € 6,95

COVER:

Teufelskreis aus Wahn und Realität

“Warum bin ich überhaupt aufgestanden?”, fragt sich Christian, ahnend, dass dieser Tag nicht anders wird als die üblichen – verseucht durch Wahnsinn und Dunkelheit. Auch Soschas Zustand scheint nicht der Realität entsprungen. Oder doch? Was ist Wahn, Traum, Wirklichkeit?
Beide verlieren sich in ihren Geschichten, in den surrealen Welten ihrer Persönlichkeiten.

Zwei faszinierend düstere Geschichten, mit der Kult-Gothic-Band “Das Ich” als einzig realer Konstante.

REZENSION:

Es ist erfreulich, aber auch erstaunlich, zu erkennen, wie sich doch manchmal in einem Leben ein Kreis schließt.
War es mir doch erlaubt, durch meine Tätigkeit als Herausgeber des Gothic-Magazins “HysterikA” die sympathischen Personen hinter der düsteren Band “Das Ich” kennen zu lernen. Damals (tatsächlich schon 20 Jahre her!) noch ganz frisch im Geschäft und gerade mit ihrem Tanzflächenknaller “Gottes Tod” auf der Jagd nach Liebhabern, die sich mit dieser neu klingenden Musik identifizieren konnten.
Dies ist ihnen wahrlich gelungen – sind sie doch nun eine Band, die jeder Hörer dieses Genres beim Aufzählen auf den Lippen hat.
Nun, lang ist es her – und plötzlich liegt vor mir ein Comic mit dem Titel “Das Ich” und bereits ohne Blättern konnte ich durch die Nennung von Bruno Kramm erkennen, dass es sich wohl auch um diese Band zu drehen scheint.
Wie bei Comics so üblich, blättert man einfach mal durch um die Zeichnungen ohne jegliche Inhaltsberührung wirken zu lassen. Diese sind absolut genregerecht und legen durch ihre Darstellung bereits die Latte recht hoch.
Im Buch befinden sich zwei Geschichten verstörender Art, die sehr stark zum Nachdenken anregen:
Die erste Story nennt sich KOMA und wurde – wie auch der noch folgende Strip – von Rebecca Jeltsch gezeichnet.
Der sehr kurze, aber stimmige Text wurde von Anne Delseit den bedrückenden Zeichnungen hinzugefügt.
Man verliert sich bereits in dieser Geschichte sehr stark im Geschehen und die Grenzen zwischen Realität und wahnhaften Gedanken des Protagonisten verschwimmen mehr und mehr. Einzig die drei auftauchenden Bandmitglieder scheinen als feste Konstante aufzutauchen.
Leider ist diese Geschichte viel zu schnell beendet – somit folgt der nächste Streich: Ein Werk, bei dem niemand Geringerer als der aktuell sehr erfolgreiche Autor Markus Heitz als Geschichtenerzähler mitwirkt und dies neben den Zeichnungen von Rebecca Jeltsch auch in seiner ihm bekannten Weise virtuos durchführt. Hier geht leider ein klein wenig der Comicgedanke verloren, da es sich bei der zweiten Story eher um eine Kurzgeschichte mit “Hintergrundbildern” handelt – glücklicherweise wurde dies aber ziemlich geschickt gelöst und die Bilder fungieren eher als eine Art “Steigerung” der Irrealität. Erneut treten hier DAS ICH auf und beweisen somit, das sie die auftretende Konstante sind – wie bereits anfangs gedacht.
Mit dem vorliegenden Buch ist somit ein verstörendes, zum Nachdenken anregendes Werk entstanden, das sicherlich nicht nur von Szenekennern gelesen werden sollte. Einzig das etwas sparsame Auftreten der Band könnte ich bemängeln – es passt zwar jeweils sehr gut zu den Geschichten, aber als Namensgeber für  dieses Buch erwartet man als Leserdoch etwas mehr als eine geschickt eingebaute Nebenrolle.
Nun, dies ist jedoch das einzige Manko und es fällt sicherlich auch nur Kennern dieser Band auf – diese sind jedoch auch die als Erstes angesprochene Klientel.
Das Buch bleibt trotzdem (oder gerade deshalb?) sehr empfehlenswert und es war mir eine Freude, dadurch mal wieder einen Kontakt (wenn auch virtuell) zu dieser Band gehabt zu haben.
Jürgen Seibold / 24.08.2010

Anthologie – Philip Petit / Mazan / Cécile Chicault: Grimms Märchen

Übersetzung aus dem Französischen: Klaus Jöken und Judith Holfelder
1. Auflage Ehapa Comic Collection verlegt durch Egmont vgs verlagsges. mbH
c der deutschsprachigen Ausgabe: Egmont vgs verlagsges. mbH, Köln 2006
ca. 128 Seiten / € 18,–

COVER:

Es war einmal…

… ein märchenhaftes Comicbuch, das in vielen bunten Bildern vier der schönsten Märchen der Gebrüder Grimm erzählte. Das Buch machte sich auf die Suche nach seinen Lesern. Von der Druckerei bis zur Buchhandlung erlebte es vielerlei Abenteuer und gelangte schließlich in die Hände eines sehr lieben Menschen. Das Buch sprach: “Du bist nett, willst du mein Leser sein? Ich verspreche dir auch viele Bilder und schöne Geschichten!”
Da war der Gute ganz erstaunt und rief: “Ein Buch, dass sprechen kann und noch dazu mit so vielen Bildern! Wie wunderbar! Dich will ich mitnehmen!” Der Leser nahm das überglückliche Buch mit nach Hause und dort blättern sie noch heute.

REZENSION:

Mit dem Comicband “Grimms Märchen” veröffentlicht Ehapa ein wunderschön gestaltetes und hochwertig wirkendes Hardcoverbuch in dem sich die Comicadaptionen von vier berühmten und sehr unterschiedlichen Märchen der Gebrüder Grimm befinden:
Hänsel und Gretel,
Das tapfere Schneiderlein,
Der Teufel mit den drei goldenen Haaren und
Von einem, der auszog, das Fürchten zu lernen.
Diese vier Märchen werden auf 128 Seiten sehr lebhaft und liebevoll umgesetzt erzählt – ohne dabei den Blick und Respekt auf den literarischen Ursprung zu verlieren.
Teilweise ist die Sprache ein wenig durch moderne Dialoge erweitert worden – was Anfangs einen Kenner der original Geschichte etwas verwundert und leicht verwirrt. Gleichzeitig wird aber der Charme des Originals beibehalten und lediglich um eine ganz eigene, dem Comic vorbehaltene, charmante Art erweitert.
Die Zeichnungen sind sehr detailverliebt und von einem Niveau, welches den Ruf von Comics allgemein mit Sicherheit erheblich heben kann. Man lässt immer wieder die Augen schweifen, um auch kein einziges Detail zu übersehen.
Positiv zu erwähnen sind auch einige zum Schmunzeln führende Dialoge oder Begebenheiten, wie z.B. der Vater, der seinen Söhnen Grimms Rotkäppchen vorliest.
Somit ein sehr zu empfehlender Band für Märchen- und Comic-Fans – egal ob jung oder alt!
Wäre auch ein gelungener Auftakt für eine Serie.
Jürgen Seibold/17.06,2006