Thomas, F. I.: Glühender Zorn – Krieg der Drachen 1

Originalausgabe November 2017
ISBN 978-3-492-28135-5
©Piper Verlag GmbH, München 2017
ca. 479 Seiten

COVER:

Jahrhunderte sind vergangen, seit sich die Bewohner der Jungen Königreiche von der Schreckensherrschaft der Drachen befreit haben. Sechs Magier gebieten nun über das kostbare Vermächtnis der Drachen, die Zauberei. Doch dieser Orden der Stäbe hegt nicht nur gute Absichten … Denn noch während sie sich auf ihre Große Weihe vorbereiten, finden die Novizen der Ordensmagier Erschreckendes heraus: Statt Tandurin, Dania, Geron, Kyrell, Boltan und Ambra zu vollwertigen Magiern zu machen, wollen ihre skrupellosen Lehrmeister sie töten, um selbst unsterblich zu werden. Gejagt von den mächtigsten Zauberern der Welt, kann den jungen Magiern auf ihrer Flucht nur noch eines helfen: Wissen. Doch je mehr Geheimnisse der Zauberei sie ergründen, desto näher kommen sie einer furchtbaren Wahrheit, die hinter der Magie steckt – und deren Entdeckung die alten Zauberer um jeden Preis zu verhindern suchen. Ein magischer Krieg voller Verrat und Intrigen beginnt. Werden Tandurin, Dania, Geron, Kyrell, Boltan und Ambra ihn gewinnen?

REZENSION:

Ich könnte jetzt abermals zum Philosophieren anfangen, ob die Verwendung eines Pseudonyms wirklich sinnvoll ist. Ich stehe dem sehr zwiespältig gegenüber, da ich gerne wissen möchte, welche Bücher ein mir bekannter Autor veröffentlicht. Wenn zum Beispiel ein von mir geliebter Horrorautor plötzlich einen Heimatroman schreibt, dann würde ich auf Basis einer dann hoffentlich sinnvollen Coverbeschreibung leicht entscheiden können, ob ich einen Genrewechsel lesen möchte. Eventuell kann es dabei sogar sein, dass allein die mir bekannte Qualität eines Autors dazu führt, ein neues Genre kennen zu lernen.
Im vorliegenden Fall handelt es sich ebenfalls um die Verwendung eines Pseudonyms. Ganz ehrlich: Hätte ich nicht gewusst, wer dieses Buch geschrieben hat, hätte es sehr stark sein können, dass ich mich diesem Werk nicht zugewendet hätte. Nachdem das gerade sehr viele „hätte“ waren, merkt man sehr deutlich, dass ich mich dem Glühenden Zorn widmete.
Erneut handelt es sich um einen ersten Band einer Reihe. Mir persönlich wäre es lieber, wenn sich die Zeit so langsam in Richtung Einzelwerke zurückdrehen könnte. Aber das ist Geschmackssache. Sicher ist es wunderschön, immer wieder in eine geliebte Welt abtauchen zu können – wenn ich aber an die Anzahl der bereits begonnenen Fantasywerke denke, stellt sich mir immer wieder die Frage, ob es denn wirklich sein muss. Hinzu kommt die lange Wartezeit, die schon sehr oft dafür gesorgt hat, dass ich in einen Nachfolger einfach nicht mehr richtig eintauchen konnte.
Aber genug Abschweifung in dieser Rezension. Gehen wir zu „Glühender Zorn“: Es handelt sich um den ersten Band des Epos „Krieg der Drachen“ von F.I. Thomas – einem zumeist eher dem Horrorsektor zuzuordnenden Schriftsteller, der hier nun in die Welt der Fantasy abtaucht,
Horror und Fantasy sind meiner Meinung nach nicht unbedingt wie voneinander entfernt. Somit konnte ich mir bereits vor Öffnen des Buches gut vorstellen, dass der Autor auch in diesem Genre seine positive Leistung darbieten kann.
Genau das ist auch geschehen. Anfangs wirkte die Geschichte nach meinem Empfinden noch etwas holprig und es ließen sich nur schwer die Fäden zusammenhalten. Nach und nach löste sich der gedankliche Knoten aber auf. Dies geschieht erfreulicherweise nicht allzu spät – funktioniert bereits recht gut bei dem Punkt, an dem die Novizen erkennen, dass sie wohl Opfer ihrer Meister werden sollen.
An diesem Punkt wird einem auch klar, dass der holprige, nicht rundum greifbare Beginn der Geschichte notwendig war. Die Protagonisten wurden dadurch geschickt als Individuen eingeführt und man konnte sich bereits dort für den ein oder anderen Liebling des Buches entscheiden.
Die Story ist sehr interessant aufgebaut und die grundsätzliche Idee wirkt sehr erfrischend. Die erschaffene Welt ist recht düster, macht aber definitiv Lust auf weitere Erlebnisse.
F.I. Thomas‘ Erzählweise ist – wie in allen seinen Büchern – sehr eingängig und geht ohne große Umwege vorwärts. Die Story wirkt absolut lebendig. Dies, obwohl der Autor nicht haarklein alles Mögliche erklärt und erzählt. Dadurch bleibt einem die Möglichkeit, die eigene Fantasie spielen zu lassen.
Alles in allem ein sehr interessanter Auftakt, der das Interesse nach dem nächsten Band weckt. Erneut würde man gerne einfach nahtlos weiterlesen – aber auch bei diesem Werk kommt als Erstes eine nicht gerade kurze Wartezeit. Ich bin gespannt, ob die Geschichte dann durch den zeitlichen Versatz noch funktioniert, bzw. ob ich mich dann noch an die Begebenheiten des ersten Bandes ausreichend erinnern kann.
Jürgen Seibold/28.09.2018

Falk, David: Blutsbande – Krieger des Nordens 1

Originalausgabe Oktober 2017
© Piper Verlag GmbH, München 2017
ISBN 978-3-492-28160-7
ca. 557 Seiten

COVER:

Die Brüder Seran und Kayo entstammen einer Linie nordischer Krieger. Als Kinder wurden sie ihrer Familie entrissen, nachdem ihr Dorf vom Volk der Thebaner erobert wurde, aber daran erinnern sie sich kaum. Während Kayo als Sklave niederste Dienste verrichten muss, macht der junge Seran Karriere als Offizier im thebanischen Heer. Doch dann wird sein Bruder ermordet, und die Stämme des Nordens erheben sich zum Aufstand gegen das Kaiserreich. Seran muss sich entscheiden: Will er als Feldherr in die Fußstapfen seines thebanischen Ziehvaters treten oder sein Volk befreien?

REZENSION:

Bei David Falks erstem Band seines Epos mit dem übergeordneten Titel „Krieger des Nordens“ passt die Coverbeschreibung nur oberflächlich. Sicher, oberflächlich betrachtet scheint die Geschichte kurz abgesteckt zu sein – die handelnden Personen bekommen manches aber erst erheblich später mit.
Prinzipiell positiv, da man dadurch als Leser beinahe von anderen Voraussetzungen ausgeht. Für mich klang die Beschreibung auf dem Buchrücken fast nach einer Neuauflage von Conan – zum Glück ist das in keinster Weise der Fall.
Die Geschichte selbst lässt nichts neues im Genre der Fantasy entstehen. Dies sehe ich aber nicht als negativen Aspekt, da eine gänzliche Neuerfindung des Genres ja wirklich eher eine Ausnahme ist.
Man könnte dennoch dem Autoren vorwerfen, dass er es sich etwas einfach gemacht hat: Seine Story scheint sich viele Anleihen aus der vorhandenen Welt der Fantasyliteratur ebenso zu holen, wie auch aus dem Geschichtsunterricht unserer realen Welt.
Falks Weltenbau ist stimmig und beinahe typisch: Zwei konkurrierende Stämme, Nord gegen Süd.
Aber was solls – im Gegenzug dazu offenbart sich eine rundum flüssig und eingängig erzählte Geschichte, die vom Grundsatz her der puren Unterhaltung dienen möchte – und dies auch absolut überzeugend, spannend und an die Seiten fesselnd durchzieht.
In meinen Augen ein richtig gutes Highlight des Genres. Wie gesagt: Keine Neuerfindung – dennoch durch den überzeugenden Schreibstil eine Geschichte, die für rundum zufriedenstellende Unterhaltung sorgt. Mehr erwarte ich in erster Linie auch gar nicht. Lediglich die Zeit zum nächsten Band könnte kürzer sein, da man nach Beenden des Buches am Liebsten direkt darauf zugreifen würde.
Als kleines Fazit, ein gelungener Serienauftakt. Ich freue mich schon auf Band 2 und hoffe, dieser wird seinem Erstling in nichts nachstehen.
Jürgen Seibold/26.09.2018

 

Zelazny, Roger: Die Chroniken von Amber – Die neun Prinzen von Amber

Originaltitel: Nine Princes in Amber
Aus dem Englischen von Thomas Schlück
©1970 by The Amber Corporation
Für die deutsche Ausgabe:
©2017 by J.G. Cotta’sche Buchhandlung Nachfolger GmbH, Stuttgart
ISBN 978-3-608-98127-8
ca. 268 Seiten

COVER:

Der Schlüssel zu allem liegt in Amber.

Amber ist die unsterbliche Stadt, nach deren Vorbild alle anderen Städte geformt wurden. Alle anderen Welten, auch die Erde, sind nur Schatten dieser einen Realität. Mal näher, mal weiter entfernt haben sie nur einen Mittelpunkt: Amber.

Nach einem Autounfall wacht Corwin in einer obskuren Klinik im Staate New York auf – er ist in unserer Welt gestrandet. Schnell findet er heraus, dass er Teil der großen Königsfamilie von Amber ist. Von nun an unternimmt er alles, um in sein Reich zurückzukehren und seinen Bruder Eric vom Thron zu stürzen.
Der Auftaktband zu der einzigartigen Fantasyreihe DIE CHRONIKEN VON AMBER.

REZENSION:

Beim Lesen der Beschreibung auf dem rückwärtigen Cover des Buches und der eigenen Freude am Lesen von klassischen, fantastischen Werken, die mir in meiner Kindheit entgangen sind, freute ich mich unglaublich auf diesen ersten Auftaktband zu den Chroniken von Amber.
Bereits die Idee der Verknüpfung verschiedener Welten und dem Erwachen des Prinzen in unserer Welt ohne jegliche Erinnerung an sich selbst.
Leider sollte diese selbstauferlegte Euphorie vom Inhalt des Buches nicht befriedigt werden. Somit war ich nach etwa der Hälfte des Werkes gezwungen, dieses unbeendet beiseite zu legen.
Doch woran mag dies gelegen haben?
Nun, ich denke in diesem Falle war es schlicht und einfach der Schreibstil als auch die Erzählweise von Roger Zelazny. Mir persönlich waren zu wenig detailverliebte Informationen vorhanden – demgegenüber eine Vielzahl an Dialogen, anhand deren der Autor die Geschichte voran treibt. Manchmal funktioniert so eine Vorgehensweise – in diesem Fall kam es mir jedoch ein wenig zu konstruiert vor. Gleichzeitig konnte er mich dadurch nicht an die Geschehnisse innerhalb der beiden Buchdeckel als Leser fixieren, wenn nicht gar fesseln.
Mir ist bewusst, dass es erst ein Auftaktband zu einer berühmten Reihe ist – dennoch war es nicht mein Geschmack und konnte mich nicht überzeugen. Sehr gerne hätte ich noch viel mehr über die Erlebnisse des Prinzen in unserer Welt gelesen – diese verwoben mit einer Vielzahl an kuriosen Details. Tja, hat leider nicht sollen sein – aber genau deshalb sind Geschmäcker einfach unterschiedlich. Während der eine davon rundum überzeugt ist, findet der andere absolut keinen Zugang. Ich finde es schade, da mich die Idee gereizt hat und ich mich gerne auf eine weitere Reihe aus vergangener schriftstellerischer Zeit eingelassen hätte.
Jürgen Seibold/02.09.2018

Die neun Prinzen von Amber: Die Chroniken von Amber 1 – KAUFEN BEI AMAZON

Bardugo, Leigh: Das Lied der Krähen

Originaltitel: Six Of Crows
Aus dem amerikanischen Englisch von Michelle Gyo
Deutsche Erstausgabe Oktober 2017
©2015 Leigh Bardugo
©2017 der deutschsprachigen Ausgabe Knaur Verlag
ISBN 978-3-426-65443-9
ca. 585 Seiten

COVER:

Sechs unberechenbare Außenseiter – eine unmögliche Mission

Ein Dieb mit der Begabung, aus jeder Falle zu entkommen.
Eine Spionin, die nur „das Phantom“ genannt wird.
Ein Verurteilter mit einem unstillbaren Verlangen nach Rache.
Eine Magierin, die ihre Kräfte nutzt, um in den Slums zu überleben.
Ein Scharfschütze, der keiner Wette widerstehen kann.
Ein Ausreißer aus gutem Hause mit einem Händchen für Sprengstoff.

Höchst unterschiedliche Motive treiben die sechs Außenseiter an, die einen gefährlichen Magier aus dem bestgesicherten Gefängnis der Welt befreien sollen. Kaz Brekker, Meisterdieb und Mastermind, ist nicht der Einzige, der Geheimnisse vor den anderen verbirgt – und natürlich steckt weitaus mehr hinter dem Auftrag, als die sechs „Krähen“ ahnen können …

REZENSION:

Es stellt sich natürlich die Frage, ob man – oberflächlich betrachtet -, einer Geschichte folgen möchte, deren einziges Ziel die Rettung eines Magiers aus einem Hochsicherheitsgefängnis ist.
Tja, dennoch hat es der erste Band von Leigh Bardugo auf nahezu sämtliche nennenswerten Buchlisten geschafft. Der Kelch sollte auch nicht an mir vorübergehen und somit widmete ich mich vorbehaltlos dem ersten Band dieser neuen Reihe.
Leigh Bardugo lässt eine sehr unterschiedlich gezeichnete Schar an Protagonisten an uns los. Alle dabei rundum detailliert vor des Lesers Augen ausgebreitet und mit den unterschiedlichsten Charakterzügen als auch Motivationen belegt. Allein dies sorgte – insbesondere durch die liebevolle Zeichnung und sehr eingängige Schreibweise – bereits dafür, mich als Leser die meiste Zeit bei der Stange zu halten.
Die Story selbst hielt ich dabei vordergründig ein wenig dünn und manchmal sehr dem Zufall überlassend konstruiert. Interessanterweise ist es aber in diesem Fall absolut kein Problem hier ein Auge zu zu drücken, da die einzelnen Erlebnisse sehr niveauvoll geschrieben sind und durch die jeweilige Handlung beinahe für sich selbst stehen können. Da spielt es dann schon fast keine Rolle mehr, dass der hauptsächliche Handlungsstrang etwas uninspiriert wirkt.
Das Buch von Bardugo lebt einfach durch die sehr flüssige Weise und dem außerordentlich interessanten Setting. Zusätzlich verliebt man sich in beinahe jede einzelne teilnehmende Figur und man kann allein deshalb schon nicht mehr loslassen.
Sicher, ab und an fragte ich mich, warum ich das Buch nicht einfach auf die Seite lege – spätestens dann gab es jedoch wieder ein liebevoll beschriebenes Seitenerlebnis, welches schlussendlich jeden dazugehörigen Gedanken problemlos auf die Seite schob.
„Das Lied der Krähen“ wird seinem guten Ruf gerecht und dementsprechend freue ich mich auf den Bachfolgeband. Erhoffe mir dabei dennoch einen etwas stärkeren Haupt-Handlungsstrang. Nichts desto trotz lässt sich „Das Lied der Krähen“ getrost empfehlen. Liebhaber von phantastischer Literatur – gemischt mit ein wenig Abenteuer – finden ausreichend Material innerhalb der Buchdeckel, um jede Seite genießen zu können.
Jürgen Seibold/27.07.2018

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Zimmermann, Cornelius: Rocking The Forest

©2017 S. Fischer Verlag GmbH
ISBN 978-3-596-29927-0
ca. 364 Seiten

COVER:

Iggy der Wolfmorf ist einer der begnadetsten Forest-Doom-Musiker im ganzen Müützelwald. Klar, dass er mit seiner Band, den Müützel Monotones, beim diesjährigen Rocking the Forest Band Contest unbedingt die „Goldene Dolde“ gewinnen will. Zu dumm nur, dass seine Bandkollegen ihn nur elf Tage vor dem Festival sitzen lassen.
Dem Wolfmorf bleibt nichts anderes übrig, als sich auf eine Odyssee durch den Wald zu begeben, um den erfolgreichsten und legendärsten aller Musikproduzenten zu finden: Blubb die Pfütze. Denn nur er kann Iggy helfen, seinen großen Traum zu verwirklichen. Dabei begegnet er allen möglichen und unmöglichen Wesen und zu allem Überfluss auch noch der allerschönsten und wunderbarsten Wolfmörfin der Welt, die ihm völlig den Kopf verdreht …

REZENSION:

Die grundsätzliche Idee von Cornelius Zimmermann sorgte dafür, dass ich mich unbedingt diesem Werk widmen wollte. Der Verweis auf dem Buch, dass dieses Werk gut für Terry-Pratchett-Leser geeignet ist, erhöhte diesen Wunsch nur noch – sorgte aber natürlich auch für das Auftreten gewisser Erwartungen.
Bereits zu Beginn sorgt der Autor für einige Schmunzeleien während dem Lesen. Der unfreiwillige Abgang Iggys aus dem Proberaum bzw. –baum gefiel mir außerordentlich gut und war witzig als auch nachvollziehbar erzählt.
Die eingestreuten Fußnoten des Autors entsprechen dem oben genannten Vorbild. Gleichzeitig weiß man spätestens dann, dass es hier nicht um einen literarischen Höhepunkt gehen soll, sondern ausschließlich um eine humoristisch erzählte Geschichte.
Die weiteren Seiten – Iggy auf dem Weg – sorgten aber leider dafür, dass ich mich letztendlich doch dazu entscheiden musste, die weitere Lektüre aufzugeben. Ich bin mir aber immer noch nicht ganz sicher, woran das lag, glaube aber, dass ich entweder nicht zur expliziten Zielgruppe gehöre oder andere Gründe dafür ausschlaggeben waren. Hier fällt mir zum Beispiel die nach und nach auftretende Langatmigkeit ein – ebenso wie eine fehlende Spannung, die man aber durch einen konsequenten und strikten Vorwärts-Antrieb innerhalb der Story beheben könnte. Irgendwas hatte mir einfach gefehlt, um mich weiterhin auf Iggys Weg einzulassen.
Sicher, der Schreibstil ist absolut gelungen, Iggy als Figur durchweg sympathisch und man findet immer wieder einen Grund für ein Hochziehen der Mundwinkel – aber: ich verlor schlichtweg den persönlichen Halt an einer vorwärtstreibenden Handlung und somit an der Story selbst.
Das persönliche und notwendige Eintauchen in die Geschichte wollte einfach nicht gelingen.
Schade, da es viel mehr solcher Romane geben sollte und die grundsätzliche Idee doch recht witzig ist.
Jürgen Seibold/27.07.2018

Rocking the Forest: Ein Müützelwald-Roman – KAUFEN BEI AMAZON

Graßhoff, Marie: Die Schöpfer der Wolken

© 2017 by Drachenmond Verlag
ISBN: 978-3-95991-098-9
Ca. 523 Seiten

COVER:

Ciara kann in den Träumen anderer Menschen lesen wie in Büchern. Ihr ältester Bruder, der Schriftsteller Koba, ist der Einzige, der davon weiß. Als dieser jedoch auf unerklärliche Weise verstirbt, ändert sich für die junge Frau alles.

Kobals letztem Wunsch folgend, reist sie mit seinem neusten Manuskript nach Shanghai, um es dort einem dubiosen Verleger zu überreichen. Doch in der fremden Stadt kreuzen Menschen ihre Wege, die so sind wie sie. Menschen mit besonderen Fähigkeiten.

Als Erdbeben beginnen, den ganzen Planeten zu erschüttern, die Uhren verrückt spielen und fremde Dimensionen aus den Spiegeln dringen, begeben sich die jungen Erwachsenen gemeinsam auf die Suche nach dem wahren Grund ihrer Talente – und nach dem Grund dafür, warum die Welt um sie herum nach und nach zerbricht.

REZENSION:

Bei manchen Büchern wird man als Leser erfreulicherweise wahrlich vom Inhalt überrascht. Als ausgesprochener Vielleser lässt man sich leider viel zu oft nicht mehr von laufenden Handlungen überraschen – vieles ähnelt sich doch sehr in ihrer Vorgehensweise. Deshalb gibt man aber das Lesen nicht auf, sondern man erfreut sich an detaillierten Beschreibungen und interessanten Ideen.
In diesem Fall war ich jedoch wirklich überrascht – dies auch noch durchweg positiv. Sicher, die Geschichte ist durch ihre Aufmachung und dem Schreibstil eine Gratwanderung zwischen Jugend- und Erwachsenenbuch. Dennoch fühlte ich mich als alter Hase uneingeschränkt wohl.
Ab und an ertappt man sich beim Schmunzeln, urplötzlich schwenkt die Autorin dann ab in dunklere Gefilde. Bei ihrer Story fragt man sich beizeiten, welche bewusstseinsverändernden Drogen die Schriftstellerin wohl genommen hat – oder kann es gar sein, dass dies alles einem vor sich hinträumenden Gehirn entspringt? Dabei aber dennoch kongruent in der Handlung bleibt und die irre dargestellte Geschichte zu einem glaubhaften Ende führt.
Ein Endzeitszenario dem nichts entgegen zu setzen ist – dabei gepaart mit Menschen, deren besondere Fähigkeiten die gesamte Story fantastisch abdriften lässt. Dystopien gibt es wie Sand am Meer – aber eine so geschickte Mischung lässt sich nur selten finden.
Sämtliche Charaktere wurden liebevoll und eigenständig gezeichnet. Jeder besitzt seine Eigenheiten und lässt sich auch nur selten davon abbringen. Ausreichend Witz ist ebenso vorhanden, wie nachdenklich machende Szenen.
Kurzum eine flotter und außerordentlich ideenreicher Roman, der jeden mit einem für Phantastik offenen Herz überzeugen sollte.
Mir hat dieses Werk einer bis dato für mich unbekannte Autorin jedenfalls nahezu uneingeschränkt gefallen. Eine sehr empfehlenswerte Perle eines Verlages, auf den ich wohl öfter ein Auge werfen sollte.
Jürgen Seibold/04.07.2018

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Kay, Guy Gavriel: Das Reich Kitai: Am Fluss der Sterne

Originaltitel: River of Stars
©2013 Guy Gavriel Kay
Für die deutschsprachige Ausgabe: ©2017 S. Fischer Verlag GmbH, Frankfurt a.M.
ISBN: 978-3-10-403713-4
Ca. 720 Seiten

COVER:

Ren Daiyan ist kaum dem Kindesalter entwachsen, als er im Dienste eines kaiserlichen Magistrats sieben Männer tötete und zum Geächteten wurde. Niemand ahnt, dass er einmal zu einem der mächtigsten Männer des Reiches werden soll.
Lin Shan ist die Tochter eines Gelehrten, und sie lernt Dinge, die anderen Frauen verwehrt bleiben. Der Kaiser ist von ihrem Intellekt fasziniert, die anderen Damen am Hofe sind neidisch. Und als das Leben ihres Vaters gefährdet ist, muss sie allen Mut und all ihr Wissen einsetzen, um ihn zu retten.
In dem gespaltenen Land herrscht ein Kaiser, der sich mehr für die Künste interessiert als für das Regieren. Bis eine neue Gefahr alles unter dem Fluss der Sterne auszulöschen droht …

REZENSION:

Nachdem ich das Vorgängerbuch mit dem Titel „Im Schatten des Himmels“ nahezu verschlungen habe, sprach absolut nichts dagegen, erneut in das Reich Kitai ein zu tauchen.
Im Gegensatz zu der üblichen Vorgehensweise im Genre der phantastischen Literatur handelt es sich bei vorliegendem Werk nicht um eine nahtlose Fortsetzung zum eben genannten Werk des Autors. Beide Werke spielen zwar in der gleichen Welt, sind aber inhaltlich absolut voneinander losgelöst und somit problemlos einzeln zu betrachten.
Das Reich Kitais lehnt sich sehr stark an das vergangene chinesische Reich an, wodurch die Bücher Guy Gavriel Kays fast wie historische Romane lesen lassen. Nichts desto trotz ist Kitai erfunden und vom Autor bildgewaltig dargestellt.
„Am Fluss der Sterne“ steht in der sprachlichen Qualität seinem Vorgängerband in nichts nach. Dennoch war es mir im Gegensatz zum Vorgängerband nicht möglich, einen ausreichenden Zugang zu diesem Buch zu finden.
„Im Schatten des Himmels“ hatte mich ab der ersten Seite mit in die Geschichte gerissen und es war mir nahezu unmöglich, das Buch beiseite zu legen.
Demgegenüber zeigte mir sich „Am Fluss der Sterne“ als zwar erneut schön und detailliert geschriebenes Werk – dennoch schaffte es die Story zu keiner Zeit mich bei der Hand zu nehmen.
Lediglich auf Basis des Vorgängers gab ich dem Buch mehrere hundert Seiten, bis ich es leicht frustriert zur Seite legte.
In diesem Fall ist es meiner Meinung nach sehr schade, dass es Kay nicht geschafft hatte, mich mit der von ihm vorgelegten Handlung zu überzeugen. Qualitativ hochwertig genug ist seine Art des Erzählens und somit war ich doppelt enttäuscht: Einerseits gefällt mir seine Art des Erzählens, andererseits fehlte mir hier innerhalb der Handlungsstränge der nötige Drang zum Weiterlesen.
Schade eigentlich, dennoch werde ich diesen Autoren weiterhin im Auge behalten und hoffe sehr, dass er mich eines Tages wieder genauso intensiv überzeugen kann, wie bereits mit „Im Schatten des Himmels“.
Jürgen Seibold/26.06.2018

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Niemann, Swantje: Drúdir – Dampf & Magie

©2017 by Edition Roter Drache
ISBN 978-3-946425-36-6
ca. 410 Seiten

COVER:

Ein neues Zeitalter ist angebrochen – aber die dunkle Magie der Vergangenheit kehrt zurück!

Dampfkraft und die genialen Maschinen der zwergischen Erfinder haben die Welt unwiderruflich verändert. Magie gilt als Relikt einer Zeit, in der Zauberei und Religion Werkzeuge der Unterdrückung waren. Deshalb ist es dem jungen Uhrmacher Drúdir nahezu unmöglich, seine magische Begabung zu akzeptieren. Doch als sein bester Freund ermordet wird, kann er nicht tatenlos bleiben.

Die Suche nach der Wahrheit führt ihn in die unterirdische Seestadt Schwarzspiegel. Dort begegnet er unerwarteten Verbündeten und entdeckt, wie fragil der innere Frieden der neugegründeten Zwergenrepublik ist. Seine Ermittlungen bringen ihn auf die Spur einer Verschwörung, die die Freiheit aller bedroht. Drúdir muss in eine Welt der Geheimnisse, Intrigen und Gewalt eintauchen, um das Unheil abzuwenden …

Drúdir kombiniert eine von Magie und uralten Mythen durchdrungene Fantasywelt in der Tradition Tolkiens mit dezenten Steampunk-Elementen und entwirft sein ganz eigenes Zwergenbild. Die Handlung entfaltet sich vor einem komplexen Hintergrund sozialer und politischer Spannungen, der an das Europa des ausgehenden 19. Jahrhunderts erinnert.

REZENSION:

Bei Swantje Niemanns Debütroman Drúdir bin ich durch und durch zwiegespalten in meiner Meinung. Einerseits finde ich die Idee außerordentlich klasse, Steampunk-Elemente mit klassischer Fantasy zu vermengen. Allein dafür ziehe ich vor der Autorin meinen Hut. Andererseits war es mir trotz dieser genialen Idee und dem absolut durchdachten und perfekt ausgearbeiteten Plot nicht durchweg möglich, ihrem Plot zu folgen.
Es schwankte zwischen fesselnden Kapiteln und Themen, denen ich dann plötzlich nicht folgen konnte. Ich könnte mir aber auch gut vorstellen, dass es bei diesem Werk durch die tiefgehende und durchdachte Erzählweise einfach notwendig ist, sich diesem Werk ungestört zu widmen. Vielleicht war das der Grund, warum ich immer wieder gedanklich herausgerissen worden bin und somit nicht zur Gänze eintauchen konnte.
Wie bereits erwähnt ist Niemanns Geschichte um Drúdir bis in den kleinsten Winkel herausragend durchdacht und dargelegt. Die Vermengung der Genres hat mir außerordentlich gut gefallen und hätte sogar noch etwas stärker sein können. Es ist sehr interessant, wenn magische Elemente plötzlich nicht im Vordergrund stehen, sondern eher verpönt zu sein scheinen – gleichzeitig sich aber bei einigen Personen immer noch als Eigenschaft herauskristallisieren.
Vielleicht hätte es mir geholfen, wenn die Jagd nach dem Mörder etwas rasanter vonstatten gegangen wäre. Außerdem musste ich mich durch die verwendete Schrift doch sehr arg auf die Buchstaben konzentrieren (bin einfach nicht mehr der Jüngste…).
Alles in allem ist Swantje Niemann ein herausragendes Debüt mit einer erfrischenden Idee gelungen. Ich bin davon überzeugt, dass sie damit ihre Klientel finden wird. Ich würde es ihr jedenfalls sehr wünschen – auch wenn ich mich nicht ganz bis zum Ende des Buches durchgepflügt habe.
Jürgen Seibold/21.05.2018

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Williams, Tad: Die Hexenholzkrone 2 – Der letzte König von Osten Ard 1

Originaltitel: The Witchwood Crown. The Last King of Osten Ard Volume 1
Aus dem Amerikanischen von Cornelia Holfelder-von der Tann und Wolfram Ströle
©2017 by Tad Williams
Für die deutsche Ausgabe:
©2017 by J.G. Cotta’sche Buchhandlung Nachfolger GmbH, Stuttgart
ISBN 978-3-608-96196-6
ca. 555 Seiten

COVER:

Die Nornenkönigin streckt ihre Hand nach der sagenumwobenen Hexenholzkrone aus und der Schatten eines aufziehenden Krieges legt sich über Osten Ard. Eine Gesandte der Sithi, die mit einer Nachricht für den König Simon und Königin Miriamel unterwegs war, wurde schwer verwundet im Wald nahe dem Palast gefunden. Und ein Attentat auf einen alten Gefährten innerhalb der Palastmauern sorgt für noch größere Unruhe. Der Angreifer erwähnt immer wieder die Morriga, eine uralte Kriegsgöttin. Um mehr über die Bedrohung durch die Nornen herauszufinden, schickt das Herrscherpaar schweren Herzens Prinz Morgan zu dem alten Volk der Sithi. Wird er wohlbehalten zurückkehren von seiner Mission? Ist ein Krieg gegen die Nornen noch abzuwenden?

REZENSION:

Beim zweiten Band mit dem Titel „Die Hexenholzkrone“ handelt es sich weiterhin um den ersten Band der neuen Tad Williams-Saga „Der letzte König von Osten Ard“.
Auf dem deutschen Markt wurde der erste Band in zwei Teilen veröffentlicht. Ohne großartig nachzudenken, könnte man jetzt dem Klett-Cotta – Verlag Geldmacherei vorwerfen. Ich würde aber definitiv nicht so weit gehen, denn zum einen handelt es sich um zwei sehr schön wirkende Bände und zum anderen wäre der Verlag dann gezwungen gewesen, bei einem Gesamtumfang von ca. 1.300 Seiten erheblich dünneres Papier zu verwenden, um ein einigermaßen noch händelbares Gewicht bieten zu können.
Ich persönlich halte erheblich mehr von guter Lesbarkeit und dementsprechend gutem Papier. Somit lohnt sich in diesem Fall definitiv der Kauf von zwei separaten Bänden.
Wie bereits in meiner Rezension zum ersten Band beschrieben, fühlt man sich als Kenner der früheren Saga, als ob man wieder nach Hause gekommen wäre. Einfach ein durchweg wohliges und heimeliges Gefühl, während man einer atemberaubenden und sehr interessanten Geschichte aus der Welt Osten Ards folgt.
Wie bei Tad Williams oft üblich, fängt er sehr detailliert und somit für manchen etwas langatmig wirkend an. Wie meiner letzten Rezension zu entnehmen, konnte ich mich aber dennoch dem Sog des ersten Bandes nicht entziehen. Nun, in der zweiten Hälfte, wird das Tempo vom Autor erheblich beschleunigt, somit spannender und somit nicht weniger interessant – im Gegenteil.
Bevor ich hier in der Rezension zur zweiten Hälfte der neuen Saga um Osten Ard erneut weit aushole, verweise ich lieber auf meine erste Rezension und möchte nur noch hinzufügen, dass sich mit der Hexenholzkrone eine sagenhafte Geschichte vor dem Leser ausbreitet, die nichts geringeres leistet, als das gesamte Fantasy-Genre zu feiern und dabei beinahe nebenbei mit einer durchweg hochwertigen schriftstellerischen Qualität glänzt.
Der einzige Wermutstropfen: Es dauert nun leider einige Zeit, bis die Geschichte fortgeführt wird. Man würde ja am liebsten einfach ungebremst weiterlesen…
Jürgen Seibold/16.05.2018

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Williams, Tad: Die Hexenholzkrone 1 – Der letzte König von Osten Ard 1

Originaltitel: The Witchwood Crown. The Last King of Osten Ard Volume 1
Aus dem Amerikanischen von Cornelia Holfelder-von der Tann und Wolfram Ströle
©2017 by Tad Williams
Für die deutsche Ausgabe: ©2017 by J.G. Cotta’sche Buchhandlung Nachfolger GmbH, Stuttgart
ISBN 978-3-608-94953-7
ca. 745 Seiten

COVER:

Osten Ard ist in Aufruhr. Seit dreißig Jahren regieren König Simon und Königin Miriamel mit Weisheit und Güte über ihr Land. Doch die dunklen Mächte sammeln sich um die Nornenkönigin und wollen sich Osten Ard untertan machen. Vor allem Prinz Morgan ist in Gefahr, denn die Feinde wollen seine Thronbesteigung verhindern und selbst die Macht erlangen. Da ruft König Simon seine alten Freunde zu Hilfe und Binabiq, Tiamak, Eolair und Jeremias treten gemeinsam mit ihm gegen die Nornen und andere Widersacher an. Wird es einen gerechten Kampf geben? Können die Freunde Osten Ard verteidigen? Und wird Prinz Morgan unversehrt aus der Schlacht zurückkehren?

REZENSION:

Es sind mittlerweile einige Jahrzehnte vergangen, seitdem ich mich nach Osten Ard gewagt habe. Damals war ich übermäßig begeistert von den Erlebnissen des Küchenjungen Simon Mondkalb, der in der Saga um den Drachenbeinthron auf interessante und spannende Weise seinen Weg zur Regentschaft erklimmen sollte.
Die Drachenbeinsaga (heutzutage: Das Geheimnis der Großen Schwerter) ist auch immer noch Gegenstand meines Bücherregals, da diese großangelegte Saga einfach nicht weggegeben werden kann, sondern allein durch das Betrachten immer wieder an eine wunderschöne Lesezeit erinnert.

Als dann im letzten Jahr Tad Williams mit seinem Roman „Das Herz der verlorenen Dinge“ erneut seine Leser nach Osten Ard entführen wollte, war ich mir ob der langen Abstinenz nicht sicher, ob damit ein neuer Zugang möglich sein kann. Gleichzeitig ist man auch noch – ähnlich wie Simon – älter und vielleicht sogar ein wenig reifer geworden.
„Das Herz der verlorenen Dinge“ war aus meiner Sicht zwar ein guter Fantasyroman, konnte aber durch seine lediglich locker vorhandenen Fäden zu Simon nicht mehr gänzlich überzeugen. Irgendwie fühlte man sich zwar wieder daheim, aber der erwartete Besuch wollte partout nicht an der Tür anklopfen.
Mir war aber bewusst, dass „Das Herz der verlorenen Dinge“ nur eine Schnittstelle sein sollte. Der Autor hat sich wohl damit auf geschickte Weise einen eigenen erneuten Zugang nach Osten Ard kreiert.
Wir können darin ein wenig durch Osten Ard wandeln und lernen, dass Simon mit seiner Frau Miriamel weiterhin regiert und diese Regentschaft seinem damaligen Charakter entsprechend wohl im Großen und Ganzen positiv für sein Volk vollzogen wurde.
Nun sollte mit „Hexenholzkrone“ die Tür zu Simon komplett geöffnet werden und Tad Williams bittet uns freundlich, erneut einzutreten und den weiteren Erlebnissen des nun gealterten Königspaars zu folgen.
Bereits beim Betrachten des Buches stellt sich die Frage, ob das Durchschreiten dieser Tür nach etwa 30 Jahren noch funktionieren kann. Hinzu kommt der Umstand, dass man sich gefühlt nur noch rudimentär an die damaligen Erlebnisse Simons erinnern kann. Tad Williams geht auch in seinem Vorwort auf diese Problematik ein und versucht seinen Leser mit der Information zu beruhigen, dass er notwendige Dinge locker erklären wird und somit sein neues Epos ohne das Wissen um die früheren Bücher funktionieren kann und soll.
Nun gut, ganz kann ich ihm dabei nicht zustimmen, denn ich glaube, ein absoluter Neuling wird es schon ein wenig wenig schwerer haben, als jemand, dessen Erinnerungen im Laufe der Seiten des vorliegenden Buches immer weiter aufgefrischt werden und somit für eine nicht unerhebliche Anzahl an Aha-Effekten sorgen.
Nichts desto trotz möchte ich niemanden abschrecken, denn rein vom Verständnis her funktioniert die Hexenholzkrone natürlich auch ohne die früheren Bücher. Gleichzeitig könnte es aber sein, dass ein Neueinsteiger diesen ersten Band ein wenig langweilig findet. Kenner der früheren Bände sind einfach froh, wieder in Osten Ard zu sein und diesem königlichen und dennoch sympathischen Ehepaar zu folgen. Das etwas lange Ausholen und die dafür notwendige, detaillierte Ausschmückung jeglicher Szene kennt und liebt man bereits seit Anbeginn dieser Saga – somit hatte Tad Williams mich bereits nach wenigen Seiten rundum überzeugen können. Über die Seiten hinweg erwachten alte Erinnerungen und man tauchte immer tiefer in dieser Welt ab. Das schöne Gefühl breitete sich wieder aus, zu Hause angekommen zu sein.
Tad Williams blieb sich in diesem Buch abermals durchweg treu und schaffte es auf virtuose Weise, allen Wünschen des Lesers gerecht zu werden.
Kurzum: Hier wird Fantasy wahrlich gefeiert und somit mit einer absolut hochwertigen Qualität vor des Lesers Augen ausgebreitet. In sämtlichen Bereichen sehr liebevoll und detailliert ausgearbeitet.

Tad Williams hat laut seinen eigenen Worten lange mit sich gehadert (erkennt man ja schon an der langen Zeitspanne), ob er sich erneut diesem Blockbuster widmen soll. Ich bin jedenfalls froh, dass er dieses Abenteuer eingegangen ist und auch mich als Leser daran teilhaben lässt.
Nachdem es sich bei der Hexenholzkrone erst um den Anfang eines – wieder einmal – groß angelegten Epos handelt, bin ich schon jetzt  gespannt, wie es weitergehen wird und ob Williams es schafft, dieses Niveau durchgehend aufrecht zu halten.
Jürgen Seibold/27.04.2018

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Ryan, Anthony: Das Erwachen des Feuers – Draconis Memoria 1

Originaltitel: The Waking Fire. Book One oft he Draconis Memoria
Aus dem Englischen von Sara Riffel & Birgit Maria Pfaffinger
©2016 by Anthony Ryan
Für die deutsche Ausgabe:
©2017 by J.G. Cotta’sche Buchhandlung Nachfolger GmBh, Stuttgart
ISBN 978-3-608-94974-2
ca. 724 Seiten

COVER:

Im riesigen Gebiet von Mandinorien gilt Drachenblut als das wertvollste Gut. Rote, grüne, blaue und schwarze Drachen werden gejagt, um an ihr Blut zu kommen.
Das daraus gewonnene Elixier verleiht den wenigen Gesegneten übernatürliche Kräfte.
Kaum jemand kennt die Wahrheit: Die Drachen werden immer weniger und schwächer. Sollten sie aussterben, wäre ein Krieg Mandinoriens mit dem benachbarten Corvantinischen Kaiserreich unausweichlich.

REZENSION:

Anthony Ryan war mir bis zu seinem Rabenschatten-Epos absolut kein Begriff. Sein Lied des Blutes konnte mich aber rundum zufrieden zurücklassen und somit konnte ich bei diesem neuen Start einer Trilogie natürlich nur zugreifen.
DAS LIED DES BLUTES war eine Geschichte, die zwar herausragend erzählt worden ist, dennoch dem normalen Schema eines Fantasyromans entsprach. In seinem aktuellen Werk geht Anthony Ryan auf eine sehr interessante Weise gänzlich anders vor. DAS ERWACHEN DES FEUERS ist zwar ebenso ein Fantasyroman unter Verwendung einer selbst erfundenen Welt. Gleichzeitig aber auch gewürzt mit Steampunkelementen und darüber hinaus eine Piratengeschichte als auch ein Spionageroman.
Diese geschickte Nutzung verschiedenster Elemente unter Verwendung von nur wenigen Hauptcharakteren, macht zwar unglaublich viel Spaß beim Lesen, sorgt aber auch für einen etwas schwierigen Einstieg in die Geschichte. Dies mag auch dem Umstand geschuldet sein, dass bereits der erste Band mit nicht gerade wenigen Seiten aufwartet. Dementsprechend weit holt Ryan aus und dementsprechend detailverliebt lässt er seine Geschichte langsam auferstehen.
Seine verschiedenen Drachenarten und die dazugehörigen Fähigkeiten durch Nutzung des Blutes sind eine sehr interessante Idee, die etwas Neues zum Drachengenre beitragen kann.
Sobald man einigermaßen die Fäden aufgenommen hat, kann man problemlos in die jeweiligen Erzählstränge abtauchen und sich dem reinen Genuss widmen.
Erneut erzählt Ryan literarisch hochwertig – etwas stärker sogar, als in seiner Rabenschatten-Trilogie – wodurch es unbedingt notwendig ist, immer konzentriert dabei zu bleiben. Nach und nach öffnet sich aber sein erzählerischer Fluss und es wird immer einfacher den weiteren Erlebnissen der Protagonisten zu folgen.
Es bleibt einem nach dem holprigen Start plötzlich nichts anderes mehr übrig, als dem weiteren Fortgang der Geschichte ungebremst zu folgen.
Anthony Ryan hat bereits sein Talent bei seiner Rabenschatten-Trilogie bewiesen – erstaunlich, dass er hier noch einen draufsetzen kann.
Alles in allem ein sehr empfehlenswerter Roman mit einer Vielzahl an erfrischenden und neu wirkenden Ideen. Man kann nur noch gespannt sein, wie sich die Geschichte weiter entwickeln wird. Band 1 wirkt ja beinahe – bis auf wenige Ausnahmen – wie ein abgeschlossener Roman. Aber wie man weiß, sollen ja noch zwei weitere folgen…
Jürgen Seibold/08.04.2018

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Krebber, Nils: Keine Helden – Piraten des Mahlstroms

©2017 Amrûn Verlag, Jürgen Eglseer, Traunstein
ISBN 978-3-95869-296-1
ca. 303 Seiten

COVER:

Eberhart Brettschneider ist Händler, Abenteurer und Entdecker – wenn man ihm glauben möchte. Tatsächlich jedoch ist er einer der erfolgreichsten Betrüger Kammerbads. Gemeinsam mit seiner Partnerin Aurelia schwindelt er sich durch die Straßen seiner Heimatstadt.
Als Eberhart glaubt, den großen Coup gefunden zu haben, geraten die beiden durch eine Intrige mitten in die Suche nach dem Schatz des Schreckenskapitäns. Durch Piraterie und Hexerei werden sie bis in die Tiefen des Mahlstroms getrieben, wo Eberhart Sturmgeborene, Magier, Totenbeschwörer und die Götter selbst hereinlegen muss, um zu überleben.

„Aber was soll schon passieren?“

REZENSION:

Nils Krebber legt mit KEINE HELDEN seinen ersten Roman vor. Dabei macht er trotz der nicht gerade epischen Seitenzahl einen wahren Rundumschlag. Er erzählt nicht nur eine Piratengeschichte mit interessanten Akteuren, sondern geht darüber hinaus auch noch tief in die Bereiche der Fantasy und schreckt vor keiner fantastischen Herausforderung zurück.
Ganz besonders interessant hielt ich in diesem Werk seinen wichtigsten Protagonisten: Eberhart Brettschneider. Dieser ist wahrlich mit allen Wassern gewaschen und seine geschickten Verhandlungen sind das absolute i-Tüpfelchen in dieser Geschichte.
Die Story von Krebber ist sehr stringent in seiner Vorgehensweise. Hierdurch verliert man niemals den Faden – womit man sich getrost einer gepflegten Unterhaltung widmen kann. Demgegenüber steht natürlich der fehlende Tiefgang, was aber in diesem Plot keineswegs als negativ zu betrachten ist. KEINE HELDEN ist einfach eine durchweg interessant aufgebaute Geschichte, die gut erzählt worden ist und somit für einige interessante Stunden sorgen kann.
Sehr deutlich erkennt man die Affinität des Autors zu Rollenspielen. Die Geschichte treibt sehr ähnlich voran und schweift nur selten in Bereiche außerhalb der eigentlichen Storyline ab. Für einen Erstling ein recht gut gelungenes und unterhaltsames Werk mit erfrischenden Charakteren und einer ebenfalls erfrischenden sowie interessanten Idee.
Einen kleinen Vorwurf muss ich aber an das Korrektorat machen: Je weiter man im Buch vorankommt, desto häufiger treten Fehler in der Rechtschreibung auf. Diese sind sehr oft allein durch Rechtschreibkorrekturhilfen auf Softwareseite nicht zu erkennen, da das fehlerhafte Wort meistens für eine Software ein richtig geschriebenes Wort darstellt (z.B.: „eine“ – „einen“, …). Hier hätte noch ein klein wenig mehr Detailarbeit nicht geschadet, da es doch etwas zu viele Fehler dieser Art waren – teilweise störte das den Lesefluss.
Nichts desto trotz ein passabler Roman, der einem guten Debüt entspricht und zeigt, dass einiges in Nils Krebber steckt. Wie gesagt: Kein spitzenmäßiger Plot, aber ein guter, teils witziger und somit ausreichend unterhaltsamer Plot.
Jürgen Seibold/06.04.2018

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Iggulden, Conn: Darien – Die Herrschaft der Zwölf

Originaltitel: Darien – Empire of Salt
Aus dem Englischen von Kirsten Borchardt
Deutsche Erstausgabe 09/2017
©2017 by Conn Iggulden
©2017 der deutschsprachigen Ausgabe by Wilhelm Heyne Verlag, München
ISBN 978-3-453-31880-9
ca. 413 Seiten

COVER:

Die Stadt Darien ist das Zentrum und die Hauptstadt des gleichnamigen Königreiches. Ihre beste Zeit hat sie allerdings schon hinter sich. Mit einer schwachen, willenlosen Marionette auf dem Königsthron liegt die eigentliche Macht in den Händen von zwölf Familien, die ihre Herrschaft über die Stadt und das Reich untereinander aufgeteilt haben – was sie jedoch nicht daran hindert, einander auszuspionieren, zu kontrollieren und zu bekämpfen. Das Volk von Darien lässt eine Intrige nach der anderen über sich ergehen. Als jedoch der König gestürzt werden soll, werden drei Personen in den Strudel der Ereignisse gezogen, die unterschiedlicher nicht sein könnten: Elias, der Jäger, ist eigentlich nur auf der Suche nach einem Heilmittel für seine todkranke Familie. Doch seine magische Gabe, die er bislang geheim gehalten hat, macht ihn für einen machthungrigen General zum wichtigsten Instrument seines Plans. Arthur, der Junge, taucht eines Tages unvermittelt bei der Schar von Straßenkindern auf, denen der alte Soldat Tellius ein Zuhause gibt. Der Junge spricht zwar nicht, aber er hütet ein Geheimnis, welches das Gleichgewicht der Macht der Stadt durcheinanderbringen wird. Und dann ist da noch Nancy, eine selbstbewusste junge Frau, die nicht an Magie glaubt – aber deren Kräfte ganz Darien zerstören könnten. Als das Mordkomplott beginnt, treffen alle drei in der Stadt aufeinander. Werden sie mit Darien untergehen, oder wird ihr Schicksal eine neue Zukunft für Stadt und Reich offenbaren?

REZENSION:

Bei Conn Igguldens DARIEN – Die Herrschaft der Zwölf ging ich aufgrund der Beschreibung am Rücken des Buches von einem absolut durchschnittlichen und typischen Fantasy-Roman aus. Einfach eine Geschichte, die vielleicht gefallen könnte, aber eben nichts Neues darlegen kann.
Nun, nach Genuss des Buches zeigt sich mir, dass Iggulden eine geschickt erzählte Story entwickelt hat, die mit sehr interessanten Figuren lebt und insbesondere deren Erlebnisse darstellt. Im Gegensatz zu anderen Romanen sind sich die drei hauptsächlichen Protagonisten untereinander absolut unbekannt. Jeder folgt seinem eigenen Weg – manch einer gezwungen, andere aus nicht nachvollziehbaren Motivationen oder durch eigene Begehrlichkeiten. Jede Figur besitz eine gewisse Fähigkeit, über die ich hier nichts sagen möchte. Prinzipiell klingt das schon sehr nach Rollenspiel als Vorlage für dieses Buch. Dies ist aber kein negativer Aspekt, da sich diese beiden unterschiedlichen Lebensarten bzw. Hobbies doch sehr oft die Hand geben.
Igguldens Schreibstil hat mir außerordentlich gut gefallen, da man sich ohne große Konzentration schlicht auf die Geschichte einlassen kann. Dies heißt aber nicht, dass die Story allzu einfach geschrieben wäre – nein, sie ist lediglich sehr eingängig und ohne große literarische Ansprüche als auch ohne eine Vielzahl an Handlungssträngen erzählt. Wie gesagt, einige Figuren, keine allzu detaillierte Zeichnung der ersonnenen Welt, dennoch eine durchweg fesselnde Geschichte zur Unterhaltung des Lesers. Oft möchte man ja nicht mehr und somit freute ich mich sehr über die Entwicklungen in diesem Buch. Darien hat einfach Spaß gemacht! Sehr erfrischend die drei verschiedenen Protagonisten, die absolut nichts miteinander zu tun haben, ihre jeweilige Rolle erfüllen und dann am Ende auch nur locker miteinander verwoben werden. Ebenfalls sehr interessant die untypische Vorgehensweise zum Ende des Buches hin, als die Stadt angegriffen wird. Hier entsteht eine Dynamik aus dem Volk, die ich nicht weiter ausführen möchte, da ich sonst etwas verraten müsste.
Alles in allem ein wunderschöner fantastischer Roman, der als Einzelband bereits ausreichend sein könnte – wie so oft in diesem Genre kommt aber noch etwas nach.
Jürgen Seibold/25.03.2018

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Jacobson, Howard: Pussy

Originaltitel: Pussy
Aus dem Englischen von Johann Christoph Maass
©2017 by Howard Jacobson
Illustrationen ©2017 by Chris Ridell
Für die deutsche Ausgabe: ©2018 by J.G. Cotta’sche Buchhandlung Nachfolger GmbH, Stuttgart
ISBN 978-3-608-50351-7
ca. 265 Seiten

COVER:

„Wenn Trumps Präsidentschaft irgendetwas positives bewirkt hat, dann ist es die Tatsache, dass einer der besten Schriftsteller unserer Zeit diese geschliffene und gnadenlose Satire verfasst hat.“
-Observer-

In der einst so friedlichen Republik Urbs-Ludus sind unruhige Zeiten angebrochen: Zu viele ausländische Brotbäcker bedrohen den Frieden in der Stadt. Alle Hoffnungen ruhen auf dem Prinzen mit dem senfgelben Haar. Doch weiß der, wie man ein Land regiert? Böse Zungen behaupten, er habe sogar Schwierigkeiten, vollständige Sätze zu bilden …

REZENSION:

Wie man dem Cover nicht unschwer entnehmen kann, handelt es sich bei diesem als Fantasy verpackten Buch um eine Satire, die den aktuellen US-amerikanischen Präsidenten aufs Korn nimmt.
Howard Jacobson ist nicht gerade als Autor meiner Lieblingsgenre bekannt – dennoch musste ich mir dieses Werk unbedingt zu Gemüte führen, da ich mit einem bitterbösen Witz gerechnet habe.
Zu einem großen Teil wurde ich dabei auch nicht enttäuscht. Jacobson schreibt sehr hochwertig – dadurch aber auch ab und an etwas schwer eingängig. Er spielt oft mit verschlungenen Sätzen und einer manchmal schwer greifenden Sprache. Nach einer gewissen Zeit kann man sich dem aber problemlos gedanklich anschließen und man fragt sich urplötzlich, ob es sich bei der gesamten Handlung in der Republik Urbs-Ludus mit ihrem Kronprinzen Fracassus nicht einfach um einen kurzen Fantasy-Roman handelt. Nun, ein Blick auf das Cover und schon wird man von der Realität wieder eingeholt.
Der ironische und bitterböse Bezug zur aktuellen Präsidentschaft hebt dieses Buch natürlich einige Ebenen nach oben.
Die Ironie als auch der dezente, aber immer wieder aufflackernde Wortwitz sind mit Sicherheit nicht jedermanns Sache. Ich fand es im Großen und Ganzen aber sehr geschickt und tiefgehend dargelegt.
Funktionieren würde die Story wohl auch ohne den Bezug zu Trump – mit dem Bezug wird es natürlich erschreckender.
Ein relativ kurzweiliges Buch, gespickt mit einer Vielzahl an Zitaten, die nicht nur der politischen Elite einen Spiegel vorhält, sondern auch vor uns – den Wählern bzw. Bürgern – keine Rücksicht nimmt.
Bei vielen aufgeführten Sätzen erkennt man auch die eigene Schuld. Es war aber trotzdem sehr erfrischend, dies in einer gesammelten Darbietung aufsaugen zu können. Man kann somit lachen und weinen zugleich. Schlussendlich macht dieses Buch dennoch mehr Freude als Angst und es ist gut, dass es solche Werke in einer so kuriosen Zeit wie heute gibt. Vielleicht können diese ein klein wenig in unseren Köpfen bewirken.
Zum Schluss noch ein sehr schönes Zitat aus dem Buch, welches den Finger in unsere Richtung lenkt und gleichzeitig damit aufzeigt, wie unwichtig wir durch unsere gedankenlose Vorgehensweise den Mächtigen am Allerwertesten vorbeigehen:
„Früher einmal hatten Volksentscheide verheerende Schäden in der Republik angerichtet, nun aber waren sie so alltäglich, dass er ihnen keine Beachtung mehr zu schenken brauchte. Die Leute machten von ihrer Macht Gebrauch, und das, wofür sie gestimmt hatten, geriet in der allgemeinen Begeisterung der Gebrauchmacherei wieder in Vergessenheit. Bereits am nächsten Tag war alles wieder beim Alten.“
Jürgen Seibold/23.03.2018

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Beagle, Peter S.: In Kalabrien

Originaltitel: In Calabria
Aus dem Amerikanischen von Oliver Plaschka
©2017 by Peter S. Beagle
Für die deutsche Ausgabe: ©2018 by J.G. Cotta’sche Buchhandlung Nachfolger GmbH, Stuttgart
ISBN 978-3-608-96217-8
ca. 164 Seiten

COVER:

So atemberaubend und wunderschön das Einhorn auch ist, es stellt Claudios Leben auf den Kopf. Der Plan, die Existenz des geheimnisvollsten aller Tiere geheim zu halten, scheitert. Und richtig gefährlich wird es, als neben aufdringlichen Journalisten auch gewalttätige Vertreter der Mafia sein abgeschiedenes Gut heimsuchen. Wie soll er, der nur den Postboten und seine anarchische Schwester als Freunde hat, das Einhorn schützen?
In Kalabrien ist eine grandiose Liebeserklärung des weltbekannten Fantasyautors Peter S. Beagle an sein schönstes Geschöpf!

REZENSION:

Auch wenn der im Jahre 1939 geborene Peter S. Beagle eine Vielzahl an literarischen Werken geschrieben hat und ebenfalls eine nicht gerade geringe Anzahl an Auszeichnungen erhielt, wird er mit Sicherheit den meisten – ebenso wie mir – nur als der Autor des weltberühmten, 1968 erschienenen, Buches “Das letzte Einhorn” bekannt sein.
“Das letzte Einhorn” fiel mir auch sofort ein, als ich zufällig gesehen habe, dass im Klett-Cotta-Verlag ein nicht gerade dickes Büchlein von eben diesem Autor mit dem Titel “In Kalabrien” erscheint.
Das Cover wirkt durch sein Design beinahe kitschig und die Farbgebung konnte diesem Eindruck nicht widersprechen.
Wenn ich ehrlich bin, spielte ich mit dem Gedanken, sang- und klanglos meinen Blick zu anderen Werken schweifen zu lassen. Somit einfach über diese Veröffentlichung hinweg zu gehen.
Interessanterweise meldete sich aber der Leser meiner Kindheit in meinen Gedanken und meinte: Es ist aber doch Peter S. Beagle! Außerdem mit einem Einhorn!
Dies allein war der Grund, warum ich mich mit “In Kalabrien” beschäftigen wollte.
Konnte mich als Kind doch bereits der Zeichentrickfilm so tiefgehend überzeugen, dass ich mich einige Jahre später unbedingt auch lesend seinem berühmtesten Werk widmen musste.
Rundum zufrieden mit diesem Klassiker der Weltliteratur dachte ich aber nicht weiter über diesen Autoren nach.
Mit dem Erscheinen von “In Kalabrien” sollte sich das ändern:
Hierin erzählt Beagle von einem in Kalabrien lebenden, bäuerlichen Einsiedler namens Claudio Bianchi, dessen einziger echter Kontakt zu seinem Postboten und dessen Schwester besteht.
Seine Tage vertreibt er mit seinen wenigen Tieren und dem mehr oder weniger heimlichen Dichten für die Schublade.
Eines Tages erscheint auf seinem Hof ein schwangeres Einhorn und das Leben Claudios nimmt eine Wendung, wie er es sich in seinen kühnsten Träumen nicht hätte vorstellen können.
Claudio ist unglaublich respektvoll gegenüber diesem Fabelwesen. Er kümmert sich einfühlsam unter Verwendung all seiner Möglichkeiten um dieses fabelhafte Wesen. Kurzum, es sollte dem Tier bis zur Entbindung an nichts fehlen…
Das Einhorn selbst spielt in diesem Werk beinahe eine Nebenrolle – dennoch wie ein roter Faden durchweg präsent.
Peter S. Beagle erzählt auf eine sehr entspannende und ruhige Art seine Geschichte und lässt uns mit seiner hochwertigen Sprache auf unnachahmliche Art am Leben Bianchis teilhaben. Natürlich ist vorherbestimmt und vorhersehbar, dass der geheime Gast auf Claudios Hof nicht lange geheim bleiben wird – auch wenn ihn kein Fremder (neben den Freunden Bianchis) zu Gesicht bekommen wird.
Die Gerüchte brodeln und nicht nur Journalisten machen sich auf den Weg zu Claudio – nein, auch die Mafia entwickelt ein starkes Interesse.
Eine sehr melancholische und zum Nachdenken anregende Geschichte, wenn nicht gar ein Märchen mit einem wunderbaren magischen Element.
Sämtliche Figuren überzeugen und in Richtung Ende gibt Beagle dann auch noch richtig Gas.
Ein Buch mit gerade mal etwas über 160 Seiten – dennoch eine Geschichte, dessen Sog man sich schlicht nicht entziehen kann. Einfach einmal etwas ganz anderes im Bereich der fantastischen Literatur: Ein kurzes Werk zum Abschalten, Mitfühlen und Mitleiden – somit eine Perle, um kurze Zeit dem Alltag zu entfliehen und am Ende dennoch mit einem positiven Gefühl zurück zu kommen.
Jürgen Seibold/22.03.2018

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