Tolkien, J.R.R.: Der Fall von Gondolin

Originaltitel: „The Fall of Gondolin“
Aus dem Englischen von Helmt W. Pesch
©2018 The Tolkien Estate Limited
©2018 der deutschsprachigen Ausgabe J.G. Cotta`sche Buchhandlung Nachfolger GmbH, Stuttgart
ISBN 978-3-608-96378-6
ca. 352 Seiten

COVER:

Mit Gondolin hat Tolkien die geheimnisvollste und schönste Stadt von Mittelerde geschaffen. Aber die Heimat der Elben ist in Gefahr und ihr König schlägt alle Warnungen Tuors, der von Ulmo gesandt wurde, in den Wind. Dafür gibt er ihm seine anmutige Tochter Idirl zur Frau.
Sie gebiert Earendil, dem es vorherbestimmt ist, einmal der berühmteste Seefahrer des Ersten Zeitalters zu werden. Durch einen eifersüchtigen gemeinen Verräter erfährt Morgoth, wie er einen vernichtenden Angriff gegen Gondolin führen kann: Eine Armee von Balrogs, Drachen und Orks macht sich auf, die fürchterliche Mission zu erfüllen …

Nach Beren und Lúthienund Die Kinder Húrinsgibt Christopher Tolkien mit Der Fall von Gondolindie letzte der drei Großen Geschichten des Ersten Zeitalters heraus. Sie reicht in ihrer Entstehung bis zu den ersten Entwürfen von Mittelerde zurück.

REZENSION:

Der Sohn des großen Erfinders des wohl wichtigsten Werkes der fantastischen Literatur hat es sich zu seinem Lebenswerk gemacht, alle möglichen Skizzen, Notizen, Fragmente und Geschichten seines Vaters zu sichten, zu bearbeiten und der Öffentlichkeit zur Verfügung zu stellen. Dies allein ist bereits erstaunlich, da J.R.R. Tolkien eine rundum eigene Welt erschaffen hat und mit Sicherheit ein nahezu undurchdringliches Dickicht an Gedanken und Notizen zurückgelassen hatte. Eine wahre Sisyphusarbeit, die von Christopher Tolkien bis zum vorliegenden Werk mit Bravour erledigt worden ist.
Christopher Tolkien selbst ist bereits beinahe 100 Jahre alt. Aufgrund dessen meinte er im Vorwort des davor veröffentlichten Bandes bereits, dass es ihm wohl nicht mehr möglich sein wird, sich auch noch der Geschichte „Der Fall von Gondolin“ zu widmen.
Wie das vorliegende Buch beweist, war es ihm erfreulicherweise noch möglich.
„Der Fall von Gondolin“ ist eine Art Mischung zwischen Sachbuch und einem Werk mit Erzählungen. Dies macht es dem Leser natürlich nicht gerade einfach – dennoch halte ich es für eine unglaubliche Leistung, Entstehungsgeschichten und Gedanken Tolkiens zu sammeln und im Großen und Ganzen eingängig vor des Lesers Augen aus zu breiten.
Natürlich musste auch hier Christopher Tolkien einige Kompromisse eingehen. Man erkennt gleichzeitig im vorliegenden Buch eine unglaubliche Freude Christophers, hier doch noch einen finalen Band mit der angeblich letzten großen Geschichte Tolkiens auf den Markt bringen zu können.
Viele Kritiker werfen in diesem Zusammenhang den Verlagen in dieser Art der Nachlassverwaltung oft Geldmacherei vor – ich kann mich dem definitiv nicht anschließen, da ich davon ausgehe, dass ein über 90 jähriger dies sicher nicht mehr für den schnöden Mammon alleine macht. Man erkennt dies diesem Buch auch uneingeschränkt an, denn es ist in meinen Augen das am geschicktesten und interessantesten klingende Werk der drei letzten Veröffentlichungen. Insbesondere die im Buch als „ursprüngliche Geschichte“ dargelegte Erzählung fesselte mich von Anfang an und führte mich wieder problemlos in die Welt Tolkiens.
Selbstverständlich gibt es auch hier einige Passagen, die ich nur quer gelesen habe – dies liegt aber wenn dann nur daran, dass ich die tiefsten Details nicht benötige. Ich genieße lieber reine Geschichten. Briefe von Tolkien selbst sind davon ausgenommen, da in den hier angeschnittenen Fragmenten sehr schön die Gedankenwelt des Autors zu Tage kommt.
Viele Sachen sind somit für den tiefgehenden Tolkien-Mittelerde-Fan – nichts desto trotz findet man auch als „oberflächlicher“ Fan ausreichend interessantes Material plus erneut einige kleine Geschichten des Ersten Zeitalters.
Ich war somit sehr von diesem erneut herausragenden Werk angetan und spiele zur Zeit stark mit dem Gedanken, mich wohl kurzfristig mal wieder der Bibel namens „Der Herr der Ringe“ zu widmen.
Jürgen Seibold/04.05.2019

Jemisin, N.K.: Zerrissene Erde

Originaltitel: „The Fifth Season“
Übersetzt von Susanne Gerold
©2015 N.K. Jemisin
Deutsche Erstausgabe August 2018
©2018 der deutschsprachigen Ausgabe Knaur Verlag, München
ISBN 978-3-426-52178-6
ca. 494 Seiten

COVER:

Inmitten einer sterbenden Welt hat die verzweifelte Essun nur ein Ziel: ihre Tochter aus den Händen eines Mörders zu befreien, den sie nur zu gut kennt.
Seit sich im Herzen des Landes Sansia ein gewaltiger Riss voll brodelnder Lava aufgetan hat, scheinen immer mehr Menschen dem Wahnsinn zu verfallen. So lässt der Herrscher seine eigenen Bürger ermorden. Doch nicht Soldaten haben Essuns kleinen Sohn erschlagen und ihre Tochter entführt – sondern ihr eigener Ehemann! Essun folgt den beiden durch ein Land, das zur Todesfalle geworden ist. Und der Krieg ums nackte Überleben steht erst noch bevor.

REZENSION:

Auf dieses Buch hatte ich mich unglaublich gefreut: Eine interessant klingende und dystopische Welt, darüber hinaus laut allen bei mir eingehenden Informationen eine absolut gelungene Perle im Genre.
Meine Kollegen in der Jury der Phantastik-Bestenliste sorgten mehrmals dafür, dass dieses Buch seinen Platz darin fand. Ich selbst hinkte ein klein wenig zeitlich nach, freute mich deshalb aber um so mehr auf den Genuss der Buchstaben in diesem erfolgreichen und mit dem Hugo-Award prämierten Roman.
Bereits nach einigen Seiten war ich hin- und hergerissen, ob der Vielzahl an positiven Meinungen. Kann es sein, dass ich der Einzige bin, der noch nichts damit anfangen kann?
Ich gab N.K. Jemisin noch weitere Seiten, da ich hoffte, noch den unvermeidlichen Zugang in ihre Geschichte zu bekommen. Der Wille war da – die Story beziehungsweise die Art und Weise der Umsetzung konnte mich aber nicht bei der Hand nehmen und überzeugen.
„Zerrissene Erde“ ist nun für mich ein echtes Zeichen, dass der Genuss von Büchern, Filmen, Geschichten, Kunstwerken, etc. nichts weiter als eine pure Geschmackssache sind. Bei dem Einen funktioniert es, bei dem Anderen nicht.
In diesem Fall war mir die unterschiedliche Erzählweise zu sehr aufgesetzt. Die „Du“-Form funktioniert bei vielen Lesern – ich habe (wie auch bei der „Ich“-Form) damit oft ein Problem und in diesem Fall ganz besonders, da ich den Zugang zur Person noch nicht gefunden hatte.
Ich könnte mir sehr gut vorstellen, dass ZERRISSENE ERDE eine extrem gute Geschichte zu erzählen weiß – ich hatte aber das Problem, nach fast einhundert Seiten noch nicht wirklich den für mich notwendigen Faden aufnehmen zu können. Schlicht und ergreifend ein Problem mit dem eigenen Verständnis und Umgang mit dem Schreibstil der Autorin.
Somit bleibe ich unbeendet zurück und finde es aufgrund der interessanten Idee außerordentlich schade, dass die Autorin meinen persönlichen Geschmack leider nicht getroffen hat.
Jürgen Seibold/01.05.2019

Hudson, Gabe: Gork der Schreckliche

Originaltitel: „Gork, The Teenage Dragon“
Aus dem Englischen von Wieland Freund und Andrea Wandel
©2017 by Gabe Hudson
Für die deutsche Ausgabe © 2018 by J.G. Cotta’sche Buchhandlung Nachf. GmbH, Stuttgart
ISBN 978-3-608-96268-0
ca. 432 Seiten

COVER:

Gork ist nicht wie die anderen Drachen an der Militärakademie WarWings. Er hat winzige Hörner und fällt gelegentlich in Ohnmacht. Sein Spitzname ist „Weichei“ und sein WILLE-ZUR-MACHT-Ranking liegt bei „Kuschelbär“ – das niedrigste in seinem Jahrgang.
Aber er ist wild entschlossen, sich von nichts aufhalten zu lassen, als die wichtigste Mission seines Lebens beginnt: Am Vorabend seiner Abschlussfeier muss er einen weiblichen Drachen fragen, ob sie seine Queen sein will. Sagt sie ja, wird er mit ihr einen Planeten unterwerfen und mit seinen Nachkommen bevölkern. Sagt sie nein, – dann wird Gork leider versklavt.

REZENSION:

Als ich das Cover sah und den dazugehörigen Pressetext, war ich gleich hin und weg und wollte die Erlebnisse des Drachen Gork unbedingt lesen.
Humorvolle Romane sind meiner Meinung nach eine wundervolle Abwechslung und sorgen mit ihren Zoten oft für schmunzelnde Leser. Man denkt sogleich an namhafte Autoren wie etwa Terry Pratchett und ähnlich gelagerte Schreiberlinge der tiefsinnigen und trotzdem witzigen Art.
Gabe Hudson scheint einen ähnlichen Ansatz geplant zu haben. Leider bleibt er in seiner Erzählung auf einem Niveau, welches bei mir nur Anfangs funktionierte. Zu Beginn ist man noch froher Dinge und unvoreingenommen. Dementsprechend interessiert widmet man sich der Lektüre. Dabei konnte er auch ab und an für das wohlfühlende Schmunzeln sorgen. Leider beginnen dann recht schnell die Wiederholungen und der tiefgründige Sprachwitz taucht nicht auf. Dieser hätte eventuell noch für ein Wohlwollen sorgen können – aber Gork blieb leider eine Art Slapstick-Roman und konnte mich somit nicht bis zum finalen Ende zwischen den Buchdeckeln führen.
Schade, da ich zwischendurch sehr gerne fantastische Romane der witzigen Art vor meinen Augen ausbreiten möchte – in diesem Fall hielt ich zusätzlich die Vermengung von Fantasy und Science Fiction als eine rundum interessante Idee. Leider hapert es an der Auführung oder ich bin für diese Umsetzung bereits zu alt, da hier ausschließlich auf vermeintlich witzige Begebenheiten geachtet worden ist und die viel interessantere Spielart der Ironie und Tiefsinnigkeit dabei komplett auf der Strecke geblieben ist.
Schade…
Jürgen Seibold/01.05.2019

Adeyemi, Tomi: Children of Blood and Bone – Goldener Zorn

Originaltitel: Children of Bood and Bone
Aus dem Amerikanischen von Andrea Fischer
©2018 by Tomi Adeyemi Books Inc.
Für die deutschsprachige Ausgabe: ©2018 S. Fischer Verlag GmbH, Frankfurt a.M.
ISBN 978-3-8414-4029-7
ca. 623 Seiten

COVER:

Sie töteten meine Mutter.
Sie raubten uns die Magie.
Sie zwangen uns in den Staub.
Jetzt erheben wir uns.

Zélies Welt war einst voller Magie. Flammentänzer spielten mit dem Feuer, Geistwandler schufen schillernde Träume, und Seelenfänger wie Zélies Mutter wachten über Leben und Tod. Bis zu der Nacht, als ihre Kräfte versiegten und der machthungrige König von Orisha jeden einzelnen Magier töten ließ. Die Blutnacht beraubte Zélie ihrer Mutter und nahm einem ganzen Volk die Hoffnung.

Jetzt hat Zélie eine einzige Chance, die Magie nach Orisha zurückzuholen. Ihre Mission führt sie über dunkle Pfade, wo rachedurstige Geister lauern, und durch glühende Wüsten, die ihr alles abverlangen. Dabei muss sie ihren Feinden immer einen Schritt voraus sein. Besonders dem Kronprinzen, der mit allen Mitteln verhindern will, dass die Magie je wieder zurückkehrt …

REZENSION:

Children of Blood and Bone ist das Debüt von Tomi Adeyemi, einer amerikanischen Autorin mit nigerianischen Wurzeln. Dieser Umstand wäre mir im Prinzip absolut egal – er wurde aber beim Marketing jeweils hervorgehoben. Somit handelt es sich hier um einen Fantasyroman mit afrikanischen Wurzeln. Gleichzeitig angeblich eine klare Ansage gegen Rassismus.
Nun, alles in allem schon mal eine hoch angelegte Latte für einen Roman, der dabei auch noch mehr in die Richtung Jugendbuch zu schielen scheint.
Ich persönlich bin oft irritiert, in welche Richtung man als Leser gedrängt werden soll. Dabei stellte ich in meinem nicht gerade kurzen Leseleben viel zu oft fest, dass hoch gelobte Ansätze meistens dem dann folgenden Inhalt nicht gerecht werden.
Nichts desto trotz wollte ich auch diesem Werk eine Chance geben und widmete mich nahezu euphorisch dem Inhalt.
Die Geschichte hatte mich bereits nach einige Seiten in den Fängen. Der Umstand, dass hier nebenbei eine Story gegen Rassismus entstehen sollte, kann aber von mir nicht bestätigt werden. Gut, die beiden gegeneinander agierenden Fronten sind Weiße gegen Schwarze. Die Schwarzen sind dabei das unterdrückte Volk. Soviel passt, um ein Zeichen zu setzen. Ich kann dem dennoch nicht uneingeschränkt folgen, da nur kurz am Anfang darauf hingewiesen wird, dass das Volk Zélies dunkelhäutig ist und somit recht schnell im Laufe der Geschichte als unwesentlich wahrgenommen wird. Man liest somit von zwei Völkern, von denen eines unterdrückt worden ist und sich nun erhebt. Sehr viele Fantasyromane erzählen ähnlich angesiedelte Geschichten.
Desweiteren erzählt mir Tomi Adeyemi zu wenig von der eigentlichen Welt und insbesondere zu wenig vom Volk der Magier. Sie sind für den Leser zwar unglaublich sympathisch und man ist sofort auf der Seite der Unterdrückten – dennoch erfährt man einfach zu wenig über sie. Das ist etwas enttäuschend, da die Autorin sich doch in ihrem Studium auch der afrikanischen Mythologie und Kultur widmete.
Die Geschichte selbst konnte mich trotzdem in der ersten Hälfte einigermaßen gut unterhalten – leider ließ das aber in der zweiten Hälfte stark nach. Sie entwickelte sich sehr klischeehaft und der weitere Verlauf war stark vorhersagbar. Die Protagonisten wirken sehr stereotypisch und als dann auch noch eine „überkreuz-Liebesgeschichte“ integriert worden ist, wollte ich nur noch das unvermeidliche und nicht überraschende Ende erreichen.
Wenn ich gedanklich einen Schritt zurück gehe und das Buch nun versuche mit den Augen eines lesenden Jugendlichen zu betrachten, komme ich leider auch nicht zu einem wirklich besseren Ergebnis: Ja, es könnte gefallen und als Fantasyroman funktionieren. Die Sperrspitze gegen Rassismus ist aber definitiv zu schwach besetzt. Hier helfen nur noch die flammenden Schlussworte der Autorin, in der sie eine Kampfansage gegen Unterdrückung formuliert. Warum nicht gleich auf fingerzeigende Art und Weise direkt in ihrer Story?
Ich hatte mich wirklich sehr gefreut – war aber schlicht zu wenig und zu simpel umgesetzt.
Es gibt jedoch noch einen weiteren Kritikpunkt, der mich im Lesefluss ziemlich störte: Die Geschichte ist ausschließlich in der Ich-Form erzählt. Dies wäre noch ganz in Ordnung, wenn man nicht mit mehreren Personen zu tun hätte. Der Kapitelüberschrift kann man die aktuell in der Ich-Form dargestellte Person entnehmen. Mir persönlich fiel das sehr schwer, da durch die nicht sehr langen Kapitel der Lesefluss meiner Meinung nach stark gelitten hat. Kaum konnte ich mich mit einer Person einigermaßen gut identifizieren, war „ich“ schon wieder eine andere. Somit ein plötzlicher Break, der regelmäßig irritierte. Darüber hinaus musste ich im seltenen Falle eines nicht abgeschlossenen Kapitels jeweils nachsehen, wer ich denn nun gerade war.
Die Ich-Form halte ich von Grund auf schon für recht anstrengend. Vor allem, wenn man es gewohnt ist, in eine Geschichte einzutauchen, man aber sich mit der gerade gelesenen Figur nicht wirklich identifizieren kann. Dann auch noch mehrere verschiedene Personen mit nicht sehr leicht zu greifenden Namen?
Auch wenn diese Rezension nun ein wenig negativ klingt: Children of Blood and Bone ist dennoch ein einigermaßen guter Fantasyroman. Er wird lediglich aus meiner Sicht seinem Hype nicht gerecht und die Autorin könnte noch viel mehr auf die kulturelle, mythologische und gegen Unterdrückung kämpfende Pauke hauen. Gerade als Lesestoff für Jugendliche sollte man nicht zu zimperlich vorgehen. Hier müssen klare und eindringliche Ansagen kommen (wurde mir auch im Zuge des Buchtestes von einigen Jugendlichen so bestätigt).
Vielleicht legt sie ja in den Folgebänden noch eine Schippe drauf – ich würde es ihr jedenfalls gönnen.
Jürgen Seibold/20.04.2019

Perplies, Bernd: Der Weltenfinder

Erschienen bei Fischer Tor; Frankfurt a.M., Mai 2018
©2018 S. Fischer Verlag GmbH, Frankfurt a.M.
ISBN 978-3-596-70116-2
ca. 430 Seiten

COVER:

Jenseits des Landfalls, so heißt es gemeinhin, endet die Welt. Dahinter liegen nur noch das endlose Wolkenmeer und das Nichts. Vor Tausenden von Jahren aber gab es noch keine Wolken. Die Legenden besagen, dass eine gewaltige Zivilisation in den Tieflanden lebte, deren Reichtum nur von ihrem Wissensschatz übertroffen wurde. Die ArChaon erforschten die Magie und die Schöpfung auf eine Weise, die sich heute niemand mehr vorstellen kann – doch ihre Neugierde wurde ihr Untergang, und die Nebel verschlangen sie. Niemand hat jemals nach dieser verlorenen Welt gesucht, denn niemand wagte sich in die Tiefen des Wolkenmeers. Bis heute …

REZENSION:

Es ist noch gar nicht so lange her, da konnte ich mich dem ersten Buch über die Geschehnisse im Wolkenmeer widmen. Es handelte sich dabei um die erste Reise in das Wolkenmeer mit dem Titel „Der Drachenjäger“.
Nun liegt mit „Der Weltenfinder“ das zweite Buch über diese sagenhafte Welt vor und somit kann man sich als Leser abermals an die Reling stellen und den Weg über die Wolken genießen.
Doch genießen ist hier wohl das falsche Wort: Auch im zweiten Buch müssen wir uns einer Vielzahl an Gefahren stellen – nichts desto trotz steht auch dieser Band dem ersten in keiner Weise nach.
Während „Der Drachenjäger“ mich noch sehr stark an die Erlebnisse in „Moby Dick“ erinnerte, erzählt Bernd Perplies hier nun eine neue und gänzlich eigenständige Geschichte.
Allein dafür sollte er bereits einen Preis bekommen: Weder für den ersten noch für den zweiten Band benötigt er die im Genre oft notwendigen knappen 1.000 Seiten. Im Gegenteil, er erzählt seine Story jeweils mit knapp über 400 Seiten. Dabei schafft er es trotz der vermeintlich geringen Seitenzahl, sein Worldbuilding problemlos entstehen zu lassen und so ganz nebenbei eine rundum interessante und spannende Fantasygeschichte zu erzählen.
Hinzu kommt ein ganz besonderes Alleinstellungsmerkmal beziehungsweise ein Umstand, der nur sehr selten im Genre vorkommt: Band 2 ist auch ohne Kenntnis über Band 1 zu genießen. Ja, die Welt ist die gleiche. Ja, einige Personen kennt man noch ein klein wenig aus den Erlebnissen des ersten Buches. Dennoch befinden wir uns hier auf einer komplett losgelösten Reise mit einem komplett anderen Ziel. Endlich ein Autor, der trotz reduzierter Seitenzahl zu unterhalten weiß und scheinbar problemlos eine weitere eigenständige Geschichte vorlegen kann.
Während Buch 1 noch Richtung „Moby Dick“ schielt, erinnern mich die Abenteuer in „Der Weltenfinder“ eher an eine Art Indiana Jones. Etwas weniger überdreht, aber der Schluss schreit doch ein wenig danach. Die Wolkenwelt hat mich jedenfalls gefangen genommen und ich würde mich außerordentlich freuen, wenn der Autor hier noch öfter seine Flug-Schiffe treiben lassen könnte.
Natürlich ist der Anspruch hoch und manch Geheimnis dieser Welt unter den Wolken bereits gelöst. Dennoch: Ich glaube, ich würde absolut gerne erneut die Planken unter meinen Füßen spüren und den Blick gen Wolken schweifen lassen…
Jürgen Seibold/09.04.2019

Pala, Ivo: Schwarzes Blut

©2018 Knaur Verlag
Originalausgabe Mai 2018
ISBN 978-3-426-52134-2
ca. 394 Seiten

COVER:

In der unbarmherzigen Welt der ewigen Nacht nimmt eine Kriegerin grausame Rache für den Mord an ihrem Geliebten.

Was gilt ein einzelnes Leben in einer Welt, in der die Felder in Kälte und ewiger Nacht verdorren, Menschen auf den Straßen verhungern und ein erbitterter Krieg um die letzten Ressourcen entbrannt ist? Der Kriegerin Szuma bleibt wenig Zeit für die Trauer um ihren ermordeten Geliebten: Getrieben von einem Hass, der dunkler ist als die Nacht selbst, agt sie den Killer durch Chaos und Zerstörung, auf der Suche nach der einen Sache, die sie sich selbst vom Ende der Welt nicht wird nehmen lassen: Rache!

REZENSION:

„Schwarzes Blut“ ist bereits der dritte Band der Dark World Saga von Ivo Pala. Gleichzeitig nach meinem Kenntnisstand auch der abschließende. Nachdem mich die beiden ersten bereits an die Seiten fesselten und für eine außerordentlich gelungene und erfrischende Unterhaltung sorgten, war ich auf den vorliegenden Band schon sehr gespannt. Gleichzeitig trug ich aber auch die Sorge in mir, dass der Autor entweder sein Pulver bereits verschossen hat, oder ich durch die lange Wartezeit nach dem zweiten Buch nicht mehr in die Geschichte reinfinden werden. Dies ist mir schon öfter passiert und aus diesem Grund bin ich auch weiterhin kein großer Freund von lang angelegten Reihen, die den Lesern hauptsächlich mit Wartezeiten konfrontieren.
Nun, die positive Hoffnung siegte bei mir, da im Gegensatz zu anderen Werken bisher jedes Buch dieser Welt einen absoluten Lesehöhepunkt darstellte. Sehr oft sind ja die Zwischenbände in dreibändigen Werken eher Mittel zum Zweck und nur wenige Autoren schaffen hier eigenständige Werke mit durchweg interessantem Fortschritt der Erzählung.
Ivo Pala hatte das jedenfalls geschafft und nun versuchte ich mich dementsprechend euphorisiert dieses Gefühl wieder auftauchen zu lassen.
Sehr schnell stellte sich beim Lesen heraus, dass mich die Story trotz der vergangenen Zeit wieder einfangen konnte. Pala vermeidet es, auf die Vorgänger erzählend einzugehen. Somit wird man davon nicht abgelenkt, gleichzeitig ist es aber natürlich auch notwendig, die davor angesiedelten Bücher zu kennen.
Der dritte Band ist im Großen und Ganzen dem Rachefeldzug Szumas gewidmet. Dabei entstehen Begebenheiten, für die das vordergründige Genre alleine gar nicht ausreicht – Pala streift auch geschickt Horrorelemente und lässt auch Actionelemente in aller Ausführlichkeit breiten Raum. Zauberei, Hexerei kommt ebenso vor uns seine in Dunkelheit erstarrte Welt mit den darin befindlichen Bosheiten der Menschen spricht für sich.
Sein Setting ist dementsprechend düster und irgendwie fühlt man sich wie ein Wanderer in einer postapokalyptischen Umgebung.
Ivo Palas Schreibstil ist sehr eingängig und von einem angenehmen Niveau. Das heißt, hierin findet sich keine hochtrabende schriftstellerische Kunst mit allen möglichen Facetten der schreibenden Zunft – dafür bekommt man aber einen rundum unterhaltenden und absolut kurzweiligen Plot, der einen mitnimmt und somit nicht mehr loslässt. Ich persönlich halte solche Geschichten für außerordentlich wichtig. Nur so lässt es sich wirklich abschalten und wenn es nach mir gehen würde, wäre die Dunkle Welt-Saga ein wunderbarer Plot für die aktuellen Serienplattformen. Obwohl: Lest einfach diese drei Bücher. Sie sind alle zusammen rundum gelungen, kurzweilig, bieten ein interessantes Setting, interessante Personen und sorgen für spannende, atemberaubende Unterhaltung.
Jürgen Seibold/10.03.2019

Abbott, James: Höllenkönig

Originaltitel: The Never King
Deutsch von Ole Johan Christiansen
©2017 by James Abbott
©2018 der deutschsprachigen Ausgabe by Penhaligon in der Verlagsgruppe Random House GmbH, München
ISBN 978-3-7645-3199-7
ca. 602 Seiten

COVER:

Die Höllenfest ist ein schreckliches Gefängnis: Auf dem Gipfel eines Berges gelegen, umgeben von einer feindlichen Wildnis, die mit übernatürlichen Gefahren gespickt ist, war es bislang unmöglich, aus der Höllenfeste auszubrechen. Einem Gefangenen muss es nun gelingen: Xavir Argentum, dem gefeierten Kriegshelden von einst. Seit Jahren sitzt er freiwillig in Haft, um Sühne zu leisten für die dunklen Taten seiner Vergangenheit. Als der Meisterspion Landrill die Höllenfeste erreicht und Xavir eine unheilvolle Nachricht überbringt, beschließt der Höllenkönig, sein Schicksal zu wenden. Doch das größte Hindernis ist noch nicht genommen: Xavir muss aus dem Gefängnis entkommen – und ist dabei auf die Hilfe von Mördern, Verbrechern und Schurken angewiesen…

REZENSION:

Bereits nach diesem Satz in der Coverbeschreibung hatte mich das Buch: „Die Höllenfest ist ein schreckliches Gefängnis: Auf dem Gipfel eines Berges gelegen, umgeben von einer feindlichen Wildnis, die mit übernatürlichen Gefahren gespickt ist, war es bislang unmöglich, aus der Höllenfeste auszubrechen.“
Das klingt doch mal richtig nach einem tollen Gefängnisroman. Dann auch noch innerhalb des Genres Fantasy und somit mit allen möglichen, tiefgehenden Gefahren gespickt und durch die Seitenzahl von 600 auch noch detailliert ausgearbeitet.
Das kann doch nur funktionieren, dachte ich bei mir und freute mich auf den Genuss dieses Werkes von James Abbott.
Tja, es tut mir wahnsinnig leid, aber nach 89 Seiten war es vorbei mit dem weiteren Lesen dieses Werkes.
Doch was ist geschehen?
Klappentexte sind dafür bekannt, ab und an etwas zu übertreiben. Dennoch kann man sich zumeist ein einigermaßen gutes Bild über den Inhalt des Buches machen. Ein Klappentext erweckt dadurch gewisse Erwartungen und man möchte sich diesen stellen.

Bei „Höllenkönig“ passt jedoch in Bezug auf diesen Text absolut gar nichts, denn bereits nach 80 Seiten ist der Höllenkönig aus diesem Hochsicherheitsgefängnis ausgebrochen.
Natürlich würde ich weiterlesen und auf den Text des Covers einfach verzichten. Leider geht das in diesem Buch nicht, da auf jeder Seite das Gefühl auftritt – und stärker wird -, dass hier ein zwar sehr ideenreicher Autor unterwegs war, dieser sich aber nicht ausreichend Zeit für seine Erzählung gegeben hat.
Es ist einfach nicht glaubwürdig, dass der bereits 5 Jahre im Knast sitzende „Höllenkönig“ seine Gang leitet und dabei eines Tages ganz locker zu seinem einzigen Erzfeind innerhalb des Gefängnis geht und ihn darum bittet, gemeinsam den Ausbruch zu wagen. Beide durften bisher aufgrund ihres gegenseitigen Hasses nicht einmal gemeinsam in den Gefängnishof – nun ein simples Gespräch und schon agieren sie als Partener? Hallo? Das nimmt keiner ab.
Okay – drücken wir ein Auge zu und gehen weiter: Wir befinden uns in dem sichersten Gefängnis aller Zeiten – aber: auf Seite 80 sind wir schon erfolgreich ausgebrochen? Ach ja, der noch folgende Hexen-Zauber-Sicherheitsgürtel wird auch durch ein nettes Gespräch von den Hexen aufgelöst. Man will den Ausbrechern ja nicht im Wege stehen, hatte der Höllenkönig doch so nett danach gefragt, bzw. ein wichtiges Steinchen dabei, auf das die Hexen schon lange wieder hofften.
Nun, hier passt es einfach nicht – grundsätzlich ein tolle Idee, jedoch zu oberflächlich dargelegt. Der Autor hat viele Ideen, die sicher in einer guten Ausarbeitung den Leser fesseln könnten – leider spielt er damit nicht und lässt alles absolut blass in seiner Aufarbeitung.
Nun, weiter möchte ich gar nicht mehr ins Detail gehen, da es dem Buch nicht wirklich gerecht wird. Vielleicht könnte es als einfachstes Jugendbuch funktionieren – obwohl ich das auch nicht glauben kann, da die Jugendlichen in meinem Leseumkreis oft noch kritischer sind als ich selbst.
Jürgen Seibold/07.03.2019

Lockwood, Todd: Der Sommerdrache

Originaltitel: The Summer Dragon
Aus dem Amerikanischen von Franca Fritz und Heinrich Koop
©2016 Todd Lockwood
Für die deutschsprachige Ausgabe:
©2018 S.Fischer Verlag GmbH, Frankfurt a.M.
ISBN 978-3-596-29860-0
ca. 654 Seiten

COVER:

Der Sommerdrache ist ein mythisches Wesen, fast ein Gott. Wann immer er auftaucht, kündigen sich große Veränderungen an – für das ganze Reich und alle seine Bewohner.

Als Maia und ihr Bruder auf einem Ausflug in die Wildnis dem Sommerdrachen begegnen, versetzt ihr Bericht davon nicht nur die Familie in Aufregung, sondern auch die hohen Gäste aus der Hauptstadt, die zum Nesttag in den Drachenhorst angereist sind: Die religiösen und militärischen Autoritäten streiten darüber, wie der Sommerdrache gedeutet werden soll.

Maia hat an all dem wenig Interesse. Genau wie ihr Bruder Darian wartet sie gespannt auf den Tag, an dem sie ihr eigenes Drachenjunges bekommen wird. Doch sie hat Pech: Eine Delegation des Kaisers requiriert sämtliche Jungtiere für das Militär, und auch die Sichtung des Sommerdrachen ändert daran nichts. Schlimmer noch: Der angereiste Priester besteht darauf, dass Maia ihn in die Hauptstadt begleitet. Maia beschließt, sich erneut in die Wildnis aufzumachen – denn sie hat dort noch etwas gesehen, das sie niemandem verraten hat.

REZENSION:

Ehrlich gesagt hatte ich dieses Buch einige Zeit schlichtweg links liegen gelassen. Dies lag insbesondere daran, dass es im Genre der Fantasy sicherlich nichts klischeehafteres geben kann als Drachen. Dem Klischee entsprechend ging ich von einer typischen Geschichte aus und somit musste das Werk einige Zeit auf das gelesen werden warten.
„Der Sommerdrache“ von Todd Lockwood geht aber erfrischend anders vor: Hier sind die Drachen keine bösartigen Wesen, die feuerspeiend für Dezimierung während Schlachten oder ähnlichem sorgen – nein, Lockwood führt uns zu einer Familie, die Drachen züchtet und somit mit ihnen zusammenlebt. Die Vorgehensweise hat sehr viel Ähnlichkeit mit einer Pferdezucht – in diesem Falle sind es aber Drachen und dementsprechend interessant entwickelt sich Lockwoods Geschichte.
Er baut dabei seine Story einerseits dem Genre entsprechend auf und wird dadurch etwas vorhersagbar – andererseits ist aber sein Schreibstil außerordentlich eingängig und die dazugehörige Geschichte durchweg erfrischend, wodurch man eventuell aufkommende, negative Punkte als irrelevant betrachtet und man einfach die Geschichte zu genießen beginnt.
„Der Sommerdrache“ sorgt für eine ideenreiche und erfrischend neu wirkende Unterhaltung. Zum Ende hin verliert sich Todd Lockwood ein klein wenig in der Abarbeitung dem Fantasy-Klischee entsprechend, sorgt aber dafür, dass man als Leser dennoch an der weiteren Entwicklung interessiert bleibt.
„Der Sommerdrache“ lässt sich somit nahezu problemlos empfehlen und man wünscht sich beim Blättern jedesmal ebenfalls diese tolle Möglichkeit, einen Drachen als „Haustier“ halten zu können.
Sehr gut erzählt und ein guter Einstieg in „Die ewigen Gezeiten“.
Jürgen Seibold/02.03.2019

Kristoff, Jay: Nevernight – Das Spiel

Originaltitel: Godsgrave
Aus dem Englischen von Kirsten Borchardt
©2017 Neverafter PTY LTD.
Für die deutschsprachige Ausgabe:
©2018 S.Fischer Verlag GmbH, Frankfurt a.M.
ISBN 978-3-596-29759-7
ca. 697 Seiten

COVER:

Kein Licht ohne Schatten.
Keine Rache ohne Schmerz.
Kein Leben ohne Tod.

Die epische Rachegeschichte geht weiter. Nachdem Mia einen der Männer umgebracht hat, die für die Zerstörung ihrer Familie verantwortlich sind, bleiben noch zwei übrig: Kardinal Duomo und Konsul Scaeva. Beide sind jedoch vor der Öffentlichkeit abgeschirmt und für Mia unerreichbar. Schlimmer noch: Die Rote Kirche selbst scheint Scaeva zu schützen, und allmählich beschleicht Mia ein furchtbarer Verdacht …

Um an Scaeva heranzukommen, geht Mia ein großen Risiko ein: Sie kehrt der Kirche den Rücken und begibt sich selbst in die Sklaverei, um als Gladiatorin an den Großen Spielen in Gottesgrab teilzunehmen. Denn dem Gewinner, so heißt es, wird eine private Audienz beim Konsul gewährt. Doch Mia merkt schnell, dass sie diesmal zu weit gegangen ist, denn auf dem blutigen Sand der Arena gibt es keine Gnade und nur eine Regel: Ruhm und Ehre – oder Tod.

REZENSION:

Der erste Band mit dem Titel „Nevernight – Die Prüfung“ konnte mich schon außerordentlich gut unterhalten. Nun also der zweite Band dieser als Trilogie angelegten Geschichte. Ehrlich gesagt hatte ich aus diesem Grund keine hohen Erwartungen in dieses Werk gelegt. Viel zu oft sind zweite Bände eher Mittel zum Zweck und verknüpfen im Besten Fall als Talabschnitt zwei Berge.
Gleichzeitig begeisterte mich der Schreibstil von Jay Kristoff und somit dachte ich mir zumindest, dass es nicht schaden kann, auch dieses Buch zu öffnen.
Bevor ich nun meine persönliche Meinung ausbreiten werde, möchte ich einen kleinen Schritt zurücktreten und ein wenig auf die Geschichte eingehen:
Wir treffen hier erneut die nun zur Assassine ausgebildete Mia auf ihrem weiteren Rachefeldzug. Mia möchte die Mörder ihrer Eltern zur Strecke bringen und macht dafür alles, was ihr irgendwie auf diesem Wege behilflich sein könnte. Im vorliegenden Buch lässt sie sich als Sklavin verkaufen, um in einem Gladiatorenstall ihren Weg fortsetzen zu können. Sie hörte nämlich, dass einer ihrer Feinde eine nahezu ungeschützte Audienz demjenigen gibt, der den finalen Kampf lebendig überlebt. Wie in einer Liga ist der Weg dorthin jedoch hart und jeder einzelne Kampf kann ihr letzter sein.
Wie man nun bereits ein wenig herauslesen kann, handelt Mia doch ein wenig blauäugig – aber genau das macht sie sympathisch und persönlicher. Sie schwenkt immer wieder zwischen hartgesotten, rücksichtslos, zielorientiert und langsamem Aufbau tiefer Freundschaften. Mia ist eigentlich eine dramatische Figur – und wohl aus diesem Grund schließt man sie sofort ungebremst in das eigene Herz.
Der Stil Kristoffs lässt erneut nichts missen und bereits nach wenigen Seiten tauchte ich in eine sagenhafte und tiefgründige Geschichte ab. Das eigentliche Rachethema zeigt sich erfreulicherweise eher als loser Faden, um der Figur ein Ziel auf den Weg zu geben. Somit muss man nicht über positive oder negative Auswirkungen von Rache diskutieren bzw. nachdenken – man kann sich trotz dieses Themas einfach dieser wunderschönen und rundum gut durchdachten Geschichte widmen.
Darüber hinaus ist sie erfreulicherweise mit Inhalten gewürzt, die dafür sorgen, dass „Nevernight“ bei jeder Altersklasse funktionieren sollte: Kristoff nimmt kein Blatt vor den Mund und konfrontiert uns Gewalt, Düsternis sowie spritzendem Blut ebenso wie mit lang ausschweifenden und bis in das kleinste Detail beschriebenen Sex-Szenen.
Diese gesamte Melange sorgt uneingeschränkt für einen Lesegenuss der besonderen Art.
„Nevernight – Das Spiel“ ist somit eines meiner absoluten Highlights, die ich in der letzten Zeit gelesen habe. Ich hoffe sehr, Kristoff hat noch genug Ideen und Pulver für den abschließenden Band, da die Latte durch diesen außerordentlich genial erzählten, zweiten Band von ihm unglaublich weit hoch gehängt worden ist.
Ein absolut zu empfehlendes Werk, dass noch eine Schippe besser ist als bereits sehr gute erste Band.
Jürgen Seibold/23.02.2019

Stephens, Anna: Wächter und Wölfe – Das Ende des Friedens

Originaltitel: Godblind
Aus dem Amerikanischen von Michaela Link
©2017 by Anna Stephens
Copyright der deutschsprachige Ausgabe ©2018 by Blanvalet in der Verlagsgruppe Random House GmbH, München
ISBN 978-3-7341-6130-8
ca. 511 Seiten

COVER:

Die junge Sklavin Rillirin flieht vom Hofe König Liris von Mirak, bevor die Hohepriesterin der roten Götter sie als nächstes Menschenopfer erwählen kann. Sie erreicht das Nachbarkönigreich Rilpor und erhält Unterschlupf bei den Grenzwächtern. Diese misstrauen ihr zwar, doch der junge Seher Dom verbürgt sich für sie. Er glaubt Rillirins Warnung, dass sich die Barbaren von Mirak auf einen Krieg vorbereiten.
Die Wächter erbitten von König Rastoth Unterstützung gegen die Invasion. Doch der einstmals gütige König ist seit der Ermordung seiner Frau ein vom Verfolgungswahn besessener grausamer Herrscher geworden, der die Grenzwächter nicht erhört. Denn auch am Hof von Rilpor huldigen mächtige Männer den roten Göttern und hintertreiben die Bemühungen der Wächter, das Reich zu schützen.
Plötzlich sind Dom, Rillirin und ihre Gefährten nicht nur auf sich allein gestellt, sondern in ihrem Rücken wächst darüber hinaus eine zusätzliche Bedrohung heran.

REZENSION:

Wächter und Wölfe ist ein Buch, welches ich interessanterweise einige Zeit vor mich hingeschoben habe. Irgendwie wollte beim regelmäßigen Lesen des Covers der Drang zum Lesen nicht richtig aufkommen. Wie so oft kam dann doch der Tag, an dem ich nicht mehr anders konnte oder wollte und somit widmete ich mich einigermaßen vorbehaltlos diesem Buch. Dabei stellte sich heraus, dass die mir bis dato unbekannte Autorin Anna Stephens ein einigermaße gutes Händchen beim Erzählen ihrer Geschichte hatte.
Gut, es ist kein absolutes Highlight im Genre der Fantasy. Nichts desto trotz eine durchweg gelungene Geschichte, die ausreichend für Unterhaltung sorgen kann und somit ihrem Ziele gerecht wird.
Natürlich erkennt man auch einige Anleihen aus berühmteren Werken – Stephens schaffte es aber auch, diese nicht platt zu kopieren, sondern den dezenten Anleihen ihren eigenen Stempel aufzudrücken.
Die Handlung ist durchweg interessant, die handelnden Personen detailliert und eingehend beschrieben. Ich selbst konnte mich am Besten auf den Seher Dom einlassen – alle weiteren Teilnehmer stehen ihm aber nicht wirklich irgendwie nach.
Wächter und Wölfe ist somit ein gut gelungenes Fantasy-Handwerk zur lockeren Unterhaltung seiner Leserschaft. Dies gelingt perfekt – mehr scheint aber nicht gefordert gewesen zu sein. Der Stil Anna Stephens ist sehr eingängig und gut zu lesen. Somit ein rundum gut gelungener Roman mit einem interessanten Plot für einige angenehme Lesestunden.
Jürgen Seibold/19.02.2019

Shusterman, Neal: Scythe – Der Zorn der Gerechten

Originaltitel: Thunderhead – Arc of a Scythe
Aus dem Amerikanischen von Kristian Lutze und Pauline Kurbasik
©2017 by Neal Shusterman
Für die deutschsprachige Ausgabe:
©2018 S. Fischer Verlag GmbH
ISBN 978-3-7373-5507-0
ca. 524 Seiten

COVER:

In einer fast perfekten Welt entscheiden die Scythe nach festen Regeln, wer sterben muss – zum Wohle aller Lebenden.
Scythe sind hochgeehrt, doch nicht alle sind gerechte Richter. Die Scythe der neuen Ordnung sind kaltblütige Mörder, die Spaß am Töten haben …

Citra und Rowan haben die Ausbildung zum Scythe absolviert. Aus Citra ist die ehrenwerte Scythe Anastasia geworden, aus Rowan der gefürchtete Scythe Luzifer.
Im Untergrund macht er Jagd auf die Scythe der neuen Ordnung. In Citras Augen ist er deswegen zum Mörder geworden. Als ein Anschlag auf sie verübt wird, fällt der Verdacht sofort auf ihn. Doch Citra weiß es besser: Niemals würde Rowan sie in Gefahr bringen, oder?

REZENSION:

Der zweite Band der Scythe-Trilogie knüpft nahezu nahtlos an die Vorgänge des ersten Buches an. Die beiden Protagonisten sind fertig ausgebildete Scythe, gehen jedoch – wie bereits im ersten Buch dargelegt – ziemlich unterschiedliche Wege.
Während Citra sich gänzlich ihrer Tätigkeit verschrieben hat, hält sich Rowan im Verborgenen auf und bekämpft als im Untergrund wirkender Streiter die Scythes der Neuen Ordnung. Diese nehmen es mit den ursprünglichen Regeln nicht sehr ernst, sind machtbesessen und wirken egoistisch, um den eigenen Ruhm zu steigern.
Die beiden Lager sind mittlerweile streng getrennt und dienen dem Autor zur Bildung der notwendigen Fronten.
Die Strukturtrennung lässt es gleichzeitig zu, dass Shusterman philosophischer werden darf. Die Scythe besitzen trotz der fehlenden Staatsstruktur eine ungeheure Fülle an Macht – sie sind es ja, die über Leben und Tod in einer nicht-sterbenden Gesellschaft entscheiden.
Bereits der erste Band – mit der Ausbildung der Beiden als grundsätzliches Thema – konnte einwandfrei überzeugen. Hier im zweiten Band lässt Neal Shusterman nun noch etwas mehr die Zügel los und schreibt sehr befreit seine Geschichte weiter.
Dabei gewinnt einiges in dieser Geschichte: Die Spannung steigt, die Action wieder verstärkt, die politischen Strukturen werden in Frage gestellt und ausreichend Gedanken werden dem Umstand von allumfassender Macht gewidmet.
Dennoch bleibt Scythe – Der Zorn der Gerechten ein rundum gut funktionierender Unterhaltungsroman, der generationenübergreifend funktioniert und Lust auf den dritten Band macht.
Jürgen Seibold/17.02.2019

Hamannt, Michael: Die Dämonenkriege

©2018 by Michael Hamannt
©2018 dieser Ausgabe by Wilhelm Heyne Verlag, München
ISBN 978-3-453-31838-0
ca. 751 Seiten

COVER:

Ryk starrte in die Schwärze unter dem Portal. Nichts. Nur die dumpfe Vorahnung, dass dort etwas lauerte. Er griff nach seinem Seelenfeuer. Die Magie loderte auf, jagte durch seinen Körper und berauschte ihn für einen Moment wie ein Schluck hochprozentiger Branntwein. Er kniff die Augen zusammen und konzentrierte sich auf das Portal. Seltsam. Trotz seiner Magie vermochte er die Dunkelheit nicht zu durchdringen. So etwas war noch nie vorgekommen …

Einst herrschte Krieg zwischen Dämonen und Menschen. Nur durch ein besonderes Opfer der Ersten Magier konnte eine Barriere zwischen den Welten errichtet werden, und seitdem herrscht Frieden in den Schwebenden Reichen. Fast scheinen die Menschen ihre wahren Feinde vergessen zu haben – Fürsten schmieden Ränke, die einen Prinzen den Vater und den Thron kosten. Und eine Assassine macht sich in einem fernen Königreich auf den Weg, mächtige Gegenspieler zu töten.

in dieser unsicheren Zeit wird der Dämonenjäger Ryk bei einem scheinbar ganz gewöhnlichen Auftrag urplötzlich von einem Humanos angegriffen. Menschendämonen wie ihn dürfte es in den Schwebenden Reichen gar nicht geben. Magie verhindert ihren Übertritt durch die Barriere. Dennoch ist er da und tötet Ryks Jagdgefährten. Getrieben von dem Wunsch nach Rache schwört Ryk, den Dämon zu finden und zu vernichten. Zusammen mit seiner ehemaligen Komplizin macht er sich auf die Suche nach dem dunkelsten Geheimnis der Schwebenden Reiche …

REZENSION:

„Dämonenkriege“ von Michael Hamannt legte sich auf meinen Stapel ungelesener Bücher und wurde von mir einige Zeit mit Missachtung bestraft. Sehr oft hatte ich es in der Hand, legte es jedoch wieder zur Seite, da die Lust auf einen Roman mit Dämonen irgendwie nicht aufkommen konnte. Hier spielte auch die eigene, wohl fehlgeleitete, Erwartungshaltung ebenfalls eine nicht geringe Rolle: Dämonen? Das wird doch sicherlich nur alle möglichen Klischees treffen. Ob das funktioniert?
Nun, eines Tages war es dann doch so weit: Ich öffnete das Werk von Michael Hamannt (wer ist das überhaupt?) und wollte ihm eine etwa 50seitige Chance geben.
Tja, weit gefehlt: Das Buch hatte mich in seinen dämonischen Klauen und es war mir die reinste Freude, mich hungrig von Seite zu Seite satt zu lesen.
Michael Hamannt (nochmal: Wer ist das?) legt hier einen Fantasyroman vor, der mit nahezu sämtlichen Superlativen spielt und dabei dennoch erfrischend neu wirkt.
Sicher, die Dämonen sind zumindest teilweise – unseren ursprünglichen Vorgaben – geschuldet dargestellt; dennoch sieht man darüber hinweg und folgt einer Geschichte, deren gesamter stringenter Verlauf den Leser bei der Hand nimmt und über die Schwebenden Lande gleiten lässt.
Die wichtigsten Protagonisten sind ausgezeichnet dargelegt und können vom Leser trotz ihrer unterschiedlichen Charaktere auf einfachste Weise ins Herz geschlossen werden. Man folgt ihnen und kann sich gar nicht satt lesen.
Ebenfalls vollziehen sie einen persönlichen Weg, der nicht plötzlich auftaucht, sondern auch eine gewisse Entwicklung beinhaltet. Ich denke da insbesondere an den naiven Prinzen, dessen Charakter sich erst im Laufe der Geschichte eigenständig entwickelt und dabei immer stärker wird.
Allzu tief möchte ich durch die bereits vergangene Zeit (ich hinke etwas mit meinen Rezensionen nach) nicht in dieser Kritik eintauchen. Ich kann aber immer noch voller Überzeugung auf dieses Buch verweisen und hoffe sehr, mehr von Michael Hamannt in nächster Zukunft noch lesen zu können. Allein „Die Dämonenkriege“ ist ja erneut nur der Start einer Reihe. Ich finde diese Vorgehensweise zwar aufgrund der Masse nicht mehr sehr positiv – in diesem Fall werde ich aber wohl zugreifen müssen. Ich hoffe dabei aber sehr, dass Hamannt nicht auch vom Sog der nichtssagenden Verlängerungen erfasst wird und diesem dezenten Denkmal dann einen Stoß versetzt. Ich wünsche es ihm jedenfalls in keiner Weise und hoffe, dass er mit dem Folgeband mindestens genauso gut für eine fantastische Unterhaltung sorgen kann. Noch besser wird ja bereits schwierig.
Jürgen Seibold/27.12.2018

Wilckens, Carl: 13 – Das Tagebuch, Band 2: Die Anstalt

©acabus Verlag, Hamburg 2018
ISBN 978-3-86282-572-1
ca. 298 Seiten

COVER:

Godric End, ehemaliger Auftragsmörder auf der Swimming Island, erzählt den Insassen von Zellenblock 13 seine Geschichte:

Die Suche nach meiner Schwester führt mich nach Treedsgow. Ich bin halb erfroren und ausgehungert, als ich dort ankomme. Die einst wohlhabende Stadt wird von Banditen beherrscht. In der Nervenheilanstalt Sankt Laplace macht der Leiter fragwürdige Experimente an Menschen.

Ich vertraue niemandem, aber ich wage zu hoffen. Ich bin ein Lügner. Ein Dieb. Ein Killer. Um meine Ziele zu erreichen, ist mir jedes Mittel recht. Trotzdem nennt man mich einen Helden. Aber die Wahrheit über mich ist ein scheues und manchmal hässliches Tier.

Wer immer noch glaubt, die Magie sei ein Mythos, hat die Zeichen nicht gesehen. Sie war lange verschollen, aber jetzt wagt sie sich langsam hervor und zeigt mir die Welt hinter den Spiegeln. Währenddessen verlöschen die Sterne.

Ihr sollt meine Geschichte hören. Von meiner Zeit in Treedsgow und meiner Begegnung mit dem König der Banditen. Von meinen unfassbaren Entdeckungen in der Nervenheilanstalt Sankt Laplace, von der Welt hinter den Spiegeln und dem Untergang der Welt.

REZENSION:

Godric End sitzt weiterhin im Zellenblock 13 und erzählt seinen Mitinsassen für kleine Gefälligkeiten, wie zum Beispiel einer Kippe, seine eigene Lebensgeschichte.
Man fragt sich, warum seine Mitgefangenen daran so interessiert sind – bereits im ersten Band lernte man Godric End als untypischen Helden kennen, dessen Ruf ihm vorauseilt und dabei für viele verzweifelte Menschen zu einer Art Lichtgestalt mit gewissem Hoffnungsschimmer geworden ist. Godric selbst sieht sich in keiner Weise innerhalb so einer Rolle – im Gegenteil, er agiert sehr zielstrebig und sucht auch hier lediglich weiterhin seine Schwester. Dabei ist ihm auch nahezu jedes Mittel recht.
Godric End ist wahrlich ein Zeitgenosse, dessen Freundschaft man nicht unbedingt haben möchte – seine Feindschaft aber gleich noch weniger. Dennoch kann man sich als Leser seiner Geschichte ebenfalls nicht wirklich entziehen. Man fühlt sich beinahe wie einer seiner Zellengenossen.
Der zweite Band von Carl Wilckens über den Antihelden Godric End ist in seiner Gänze tatsächlich noch besser als der erste Wurf des Autors. Erneut glänz er mit einer spannenden und gut konstruierten Geschichte. Man kann sich der Suche Godrics nicht entziehen – die Erlebnisse wirken interessanter und ausgegorener.
Ich hoffe hier sehr, dass Wilckens nicht den Fehler vieler mehr-Bände-Autoren macht und seine Geschichte mit steigender Anzahl an Bänden eines Tages nur noch ein Schatten seiner selbst ist. Hält er jedoch dieses Niveau, könnte ich mir vorstellen, dem Leben Godrics noch einige wenige Bände folgen zu wollen – wie gesagt: Zu viel sollte es meiner Meinung nach jedoch nicht werden. Dies sei nur ein gut gemeinter Rat eines Viellesers, der langsam ein wenig genervt vom unsäglichen Serienwahn ist. Mir persönlich wäre es lieber, wenn qualitativ hochwertige Erzähler ihre Geschichten auf diesem Niveau auch zu Ende bringen können. Ich hoffe, Carl Wilckens kann diesem Anspruch gerecht werden – bis jetzt hat es ja geklappt.
Jürgen Seibold/25.11.2018

 

Tolkien, J.R.R.: Die Geschichte von Kullervo

Originaltitel The Story of Kullervo
Herausgegeben von Verlyn Flieger
©The Tolkien Estate Limited 2010, 2015
Aus dem Englischen von Joachim Kalka
Für die deutsche Ausgabe ©2018 by J.G. Cotta’sche Buchhandlung Nachfolger GmbH, Stuttgart.
ISBN 978-3-608-96090-7
ca. 240 Seiten

COVER:

Kullervo hat niemanden mehr außer seiner Zwillingsschwester Wanona und dem schwarzen Hund Musti, der ihn mit seinen magischen Fähigkeiten beschützt. Als er in die Sklaverei verkauft wird, schwört er, dass er sich an seinem Onkel Untamo rächen wird. Aber je weiter Kullervo von seinem eigenen Handeln fortgerissen wird, desto mehr stellt sich die Frage, ob es ein Entkommen vor dem eigenen Schicksal gibt. Die auf der finnischen Kalevala-Sage basierende Geschichte ist nicht nur das erste Dokument von Tolkiens außergewöhnlicher Erzählkunst, Tolkienkenner sehen in Kullervo auch einen Wesensverwandten und Vorläufer von Tùrin Turambar aus Die Kinder Húrins. Neben der Übersetzung von Joachim Kalka ist hier im Hauptteil auch die englische Originalerzählung wiedergegeben.

REZENSION:

Ich fürchte, dieses Buch wird die Geister scheiden. Einerseits ist es ein Zeitdokument – andererseits ist es auch ein „aufgeblasenes“ Buch, um einer Kurzgeschichte einen Buchrahmen mit einer Gesamtseitenzahl von 240 Seiten zu geben – ohne diesem Beiwerk wären es nur knapp über 30 Seiten.
Aus diesem Grund verstehe ich auch viele negative Stimmen, die dem Verlag schlichte Geldmacherei vorwerfen. Kann ich verstehen, kann dem aber gleichzeitig nicht wirklich zustimmen, denn sonst hätte der Verlag dies besser in seinen Beschreibungen versteckt.
Im vorliegenden Buch befindet sich eine ganze Menge Tolkien – jedoch eher aus einer wissenschaftlichen Betrachtung. Dementsprechend vorsichtig sollte man auch beim Erwerb dieses Buches sein.
Sicherlich gibt es eine sehr daran interessierte Klientel, die sich einen Blick über die Entstehung einer Geschichte von Tolkien machen möchten. Studenten der sprachlichen Fächer und weitere tiefgehend interessierte Personen können dieser Arbeit mit absoluter Sicherheit eine Vielzahl an Informationen entnehmen. Als Beispiel sei allein die vorliegende Kurzgeschichte erwähnt, die nicht nur in der Übersetzung aufgeführt ist, sondern eben auch im Tolkischen Original auf Englisch. Darüber hinaus eine interessantes Vorwort, eine detaillierte Einleitung, Handlungsentwürfe, Kommentare, Aufsätze und so weiter. Ein Füllhorn an hochgestochenem Material – aber: Nur für den absoluten Hardcore-Tolkien-Fan geeignet.
Dementsprechend schwer fiel es mir, mich dem Werk in adäquater Weise zu widmen. Ich liebe zwar den Herrn der Ringe, ebenso den Hobbit und auch Das Silmarillion konnte mich problemlos überzeugen.
Aber hierin fanden sich fantastische Geschichten – gewürzt mit etwas Anhang. Hier in diesem Buch findet sich eine nicht ganz vollendete Geschichte und fast nur Anhang. Somit kann ich jedem nur raten, sich zuerst im Buchladen des Vertrauens ein eigenes Bild davon zu machen. Ein blinder Kauf kann nur für Frust sorgen.
Ich habe dieses Werk übrigens abgebrochen, da mir das tiefgehende Interesse dazu fehlt und ich lediglich auf der Jagd nach einer weiteren Geschichte war.
Dennoch halte ich den Grund der Veröffentlichung als angemessen, richtig und keineswegs als simple Geldmacherei.
Somit eine klare Empfehlung für wirkliche „Nerds“ – Normalleser (wie auch ich) sollten aber die Finger davon lassen.
Jürgen Seibold/03.11.2018

Gwynne, John: Jähzorn (Die Getreuen und die Gefallenen 3)

Originaltitel: Ruin – The Faithful and the Fallen 3
Aus dem Englischen von Wolfgang Thon
©2015 by John Gwynne
© der deutschsprachigen Ausgabe: 2017 by Blanvalet in der Verlagsgruppe Random House GmbH, München
ISBN 978-3-7341-6121-6
ca. 927 Seiten

COVER:

Chaos und Krieg beherrschen die Verfemten Lande. Die durchtriebene Königin Rhin hat den Westen erobert, während Hochkönig Nathair das mächtigste Artefakt der Sieben Kostbarkeiten an sich gebracht hat: den Kessel. Hinter Nathair steht Calidus und sein dämonisches Heer, die Kadoshim. Ihr Plan ist es, den dunklen Gott Asroth und seine Gefallenen in die Welt der Sterblichen einzulassen. Doch nur, wenn alle Sieben Kostbarkeiten vereint sind, kann der finstere Plan gelingen. Nathair kennt die Wahrheit über seine Bestimmung und muss Entscheidungen treffen, die da Schicksal der Verfemten Lande verändern werden.
Andernorts wächst der Widerstand. Königin Edana findet in den Sümpfen von Ardan Verbündete, während Maquin auf einer halsbrecherischen Flucht ist. Corban selbst versucht, vor der hereinbrechenden Dunkelheit um ihn herum zu fliehen, und findet schließlich den Mut, sich ihr zu stellen. Mithilfe seiner ungleichen Gefährten – Freunde, Familienmitglieder, Giganten, fanatische Krieger, einem Engel und einer sprechenden Krähe – begibt er sich auf die Reise nach Drassil. Denn in der sagenumwobenen Festung, wo laut Prophezeiung die Schwarze Sonne auf den Strahlenden Stern treffen wird, muss Corban eine der Sieben Kostbarkeiten finden: den Speer von Skald.

REZENSION:

Nach den fulminanten ersten beiden Bänden der Sage mit dem Obertitel „Die Getreuen und die Gefallenen“ konnte ich es beinahe nicht erwarten, bis der dritte Band das Licht der Welt erblickt und es sich in meinen Händen gemütlich macht.
Erneut handelt es sich dabei um ein fast 1.000 seitiges Buch und man stellt sich die Frage, woher die Autoren solcher Reihen nur immerzu ihren Ideen herholen – insbesondere, wenn sie es schaffen, nicht nur als Kopie anderer Werke zu wirken.
Wie bereits erwähnt, hielt ich die ersten beiden Bücher dieser auf vier Bände ausgelegten Reihe absolut sagenhaft. Sie stellten für mich einen neuen Stern im fantastischen Himmel dar. Das Lesen war dementsprechend rasant und man stürzte von einer spannenden als auch interessanten Handlung zur Nächsten.
Nun bin ich mir nicht sicher, ob es am bereits vergangenen Zeitraum liegt bis zum Erhalt von Band 3 oder einfach am Umstand, das es dann doch zu viel Stoff geworden ist, denn JÄHZORN schaffte es leider nicht, mich erneut mit diesem Feuer und Leidenschaft zu überzeugen. Interessanterweise habe ich es dennoch bis zum Ende durchgelesen – an der dabei verbrachten Zeit konnte ich bereits erkennen, dass der Reiz nachgelassen hat: Viel zu oft musste ich mich ein wenig zum Lesen zwingen – dennoch interessierte mich der weitere Fortgang in Corbans Leben.
Ich gebe auch gerne zu, dass JÄHZORN nach einer langen Durststrecke auch wieder stark an Fahrt aufgenommen hat. Gleichzeitig bin ich aber davon überzeugt, dass ich es vorab abgebrochen hätte, wären die ersten beiden Bände in meinen Augen nicht dermaßen gut gewesen.
JÄHZORN ist natürlich weiterhin eine recht gute Unterhaltung. Leider sehr langatmig und es fiel mir durchweg schwer, wieder in die Geschichte hinein zu finden. Das halte ich für unwahrscheinlich schade, da mich die grundsätzliche Geschichte dahinter wahrlich überzeugen konnte. Vielleicht sollten entweder die Zeiträume zwischen den Veröffentlichungen nicht zu lange sein oder aber: vielleicht könnten sich die Autoren auch etwas kürzer halten, damit jeglicher Handlungsschritt etwas stringenter vonstatten geht und es nur schwer zur Langatmigkeit führen kann.
Natürlich halte ich weiterhin John Gwynne für einen ausgezeichneten Fantasy-Autoren – nichts desto trotz fehlt mir nun der durchgehende Drang, mich schlussendlich auch dem vierten Band zu widmen.
Jürgen Seibold/02.11.2018