Anthologie: Phantastischer Oberrhein

Erzählungen, herausgegeben von Jörg Weigand
c der einzelnen Beiträge bei den Autoren
Herstellung: Schillinger Verlag GmbH, Freiburg
168 Seiten / € 18,80

COVER:

15 phantastische Geschichten von 11 Autoren zeigen das Oberrheingebiet zwischen Basel und Straßburg in einer ganz ungewöhnlichen Sicht. Es werden dabei so gut wie alle Genres der phantastischen Literatur bedient: Märchenhaft-Wunderbares, klassische Fantasy, Science Fiction, sogar Historisches – die Autorinnen und Autoren, alle wohnen in der Region, hatten freie Wahl, in welchem Teilgebiet sie ihre Erzählung ansiedeln wollten.
Das Buch will mitnehmen in eine Region, die geradezu prädestiniert ist als Schauplatz phantastischer Ereignisse und als solcher vielleicht noch viel zu wenig erkannt bzw. ausgelotet.

Inhalt:

Rainer Schorm: HUNGER
Klaus N. Frick: DIE RHEIN-LINIE
Ursula Isbel: IM WUNDERLAND
Karla Weigand: SIMON ODER: EINE ANDERE ART VON UNSTERBLICHKEIT
Frank G. Gerigk: DER SCHACHT
Daniel Walther: DER ANDERE ZUG
Rainer Schorm: MAGNITUDE
Jörg Weigand: VRENELI
Markus Kastenholz: CELPHIA
Helmut Ehls: VERPASS’ NICHT DIE ZUKUNFT
Jörg Weigand: FAHRT IN DIE INNERE FREIHEIT
Markus Kastenholz: DAHEIM
Karla Weigand: QUELL DER KRAFT
Frank Borsch: LUCKY
Manfred Borchard: MEI LETZSCHDE SCHDORIE
REZENSION:

Mit dem Ruf eine idyllische Gegend zu sein, schallt dennoch auch das Echo vom Oberrhein mit, welches von Hexen, Henkern, Spuk und Fabelwesen kündet.
Genau dies ist der Mystizismus, der diese Region in meinen Augen nicht nur schön, sondern auch spannend erscheinen lässt – der etwas andere Blick, wenn man so will, hinter die Fachwerkfassaden des Breisgaus und der Umgebung, dessen Geschichten entweder eine Sichtweite zeigen, die nicht immer die heile Welt spiegelt oder dieser gerade weitere Märchen hinzufügt.
Ob man nun schauerliches sucht oder sich in romantischen Landschaften wiederfindet, das ist Sache des Betrachters – oder des Lesers dieser Anthologie, denn dieses Buch bietet in seinen Geschichten beides.
Was mir beim Schmökern etwas fehlte waren Aspekte der alten Sagen rund um den Oberrhein, die leider von keinem der Autoren aufgegriffen wurden; dafür verfasste jeder einen modernen Beitrag, der, wie das zweite Wort des Titel richtig vermuten lässt, einen Bezug zu der Gegend hat.
Wie man das Buch findet liegt im Auge des Betrachters, doch ich kann jedem nur nahe legen mal einen Blick hineinzuwerfen – auch denen, die nicht vom Oberrhein stammen (wie ich).
Von ihrer Machart ist diese Anthologie unvergleichlich und bisher die Einzige mit diesem Thema.
Bloß wer von phantastisch auf Fantasy schließt, wird enttäuscht sein. Die Beiträge sind so vielseitig, dass sich das Buch nur schwerlich einem Genre zuordnen lässt – vom Science Fiction Freak, über den Horrorfan, bis hin zum Leser von Thrillern oder Dramen wird hier jeder zufriedengestellt.
Unter der Redaktion von Markus Kastenholz ist Jörg Weigand mit dieser Anthologie jedenfalls ein phantastisches Buch über den Oberrhein gelungen…
Ein besonderes Lob verdient hierbei auch die Titelgestaltung von Rainer Schorm.

Unter der ISBN 978-3-89155-339-9 sind die Erzählungen im Schillinger Verlag Freiburg erschienen.

Miriam Stephanie Reese
(Oktober 2010)

Anthologie: Tolkiens Erbe

Herausgegeben von Erik Simon und Friedel Wahren
c der deutschsprachigen Ausgabe: Piper Verlag GmbH, München 2005
ca. 651 Seiten

COVER:

Mit seinem Epos “Der Herr der Ringe” verhalf J.R.R. Tolkien der Fantasy zu einem beispiellosen Siegeszug. Der Autor des “Buchs des Jahrhunderts” und des beliebtesten Buchs der Deutschen hatte nicht nur zahlreiche Weggefährten, sondern sein Werk rief auch unendlich viele Nachfolger auf den Plan. Und ebenso gibt es so manchen Großmeister der Fantasy, der sich Tolkien und seinen Geschöpfen lieber auf humorvoll-sarkastische Weise nähert. Zwölf der bekanntesten Zeitgenossen und Erben Tolkiens haben zu diesem Buch beigetragen. Es enthält phantastische Abenteuer, magische Märchen und skurrile Geschichten von Lord Dunsany, Stephen R. Donaldson, Michael Moorcock, Ursula K. Le Guin, Terry Pratchett und sieben anderen Kultautoren, so von Andrzej Sapkowski, dem Star der polnischen Fantasy.

REZENSION:

Mit “Tolkiens Erbe” veröffentlicht der Piper-Verlag einen Sammelband gefüllt mit hochkarätigen Autoren der Fantasyszene.
Das Buch unterteilt sich in drei Bereiche:
Es beginnt mit “Zwei Zeitgenossen”, hinter dem sich je eine Story von Lord Dunsany und E.R. Eddison befinden.
Der zweite Abschnitt nennt sich “Tolkiens Erben” und widmet sich mit sieben beteiligten Autoren sehr umfangreich den aktuellen Schriftstellern des Fantasy-Genres. Man findet hierin so glanzvolle Namen wie Andrzej Sapkowski, Jack Vance, Stephen R. Donaldson, Ursula K. LeGuin, Barrington J. Bayley, den sagenhaften Michael Morrcock und eine Erzählung von Tanith Lee, deren “Tochter des Magiers” bereits den Kauf dieses Buches rechtfertigt.
Im dritten Teil dieser Anthologie wenden wir uns den “Tollkühnheiten” zu, in dem sich diese Art von Autoren versteckt, die es sich zur Aufgabe machten, die Fantasy vollgestopft mit Irrsinn, Ironie und Spaß zu erzählen:
Beard + Kennedy, Esther M. Friesner und der erfolgreiche Scheibenwelt-Guru Terry Pratchett mit “Der Zauber des Wyrmbergs”.
Die Lektüre des Buchrückens lenkt ein wenig vom eigentlichen Thema ab: Immerhin wird dabei suggeriert, man befände sich in dieser Anthologie ausschließlich auf Mittelderde. Dem ist natürlich keineswegs so – viel zu eigenständig und einfallsreich sind die beteiligten Autoren.
Nichts desto trotz bleibt eine hochwertige, interessante, teils spannende und mit namhaften Autoren des Genres durchsetzte Anthologie, durch die man mit Sicherheit neue Autoren kennenlernen und somit neue Lesequellen aufspüren und entdecken kann.
Eine sehr breit gefächerte und somit zu empfehlende Anthologie für den Fanatasy-Kenner als auch den Einsteiger.
Jürgen Seibold / 28.05.2007

Anthologie: Drachennächte

Herausgeber: Roman Sander
April 2005 Deutscher Taschenbuch Verlag GmbH & Co. KG, München

COVER:

Inmitten eines tobenden Sturmes, unter dem Heulen der Geister, wird ein Kind geboren, dem man magische Kräfte zuschreibt…
Fantasy – das sind Geschichten wie aus uralten Zeiten: die sturmgepeitschte Nacht über dem Rhein, der Wald, der sich dem Zorn eines Knaben beugt, die einsame Gebirgskluft, die ein Ungeheuer beherbergt, der Rand der Weltenscheibe, unter der sich das Sternenmeer erstreckt, und, ja, auch einen richtigen Drachen gibt es hier, von jeher ein Symbol für Urkräfte, für das Böse, aber auch für Weisheit…
Zehn spannende Fantasy-Geschichten, sieben davon erscheinen hier erstmals auf Deutsch.

Autoren:
Uschi Zietsch / Terry Pratchett / Anna Kashina / Uwe Luserke / David Case / David C. Smith / Hans Dieter Römer / Lucius Shepard / Chris Naylor / Marion Zimmer Bradley & Ted White

REZENSION:

Drachennächte beinhaltet zehn Kurzgeschichten aus dem Fantasy-Genre, die – entgegen dem Buchtitel – nur vereinzelt von Drachen handeln. Davon abgesehen hat es der Herausgeber Roman Sander perfekt geschafft einen großen Teil der Creme-de-la-creme dieses Genres zu vereinen.
Darüber hinaus schafft es jede einzelne Geschichte zu fesseln und den Leser virtuos in fantastische Welten und Zeiten zu entführen.
Die Geschichten sind sehr geschickt ausgewählt und reichen von zarten und märchenhaften bis hin zu bitterbösen Erzählungen. Jede einzelne ist bereits ihr Geld wert und es offenbart sich ein sehr hohes erzählerisches Niveau, das durch keine einzige Geschichte unterbrochen wird.
Der Vorteil bei Kurzgeschichten liegt ja daran, daß man mal nebenbei ohne viel zeitlichen Aufwand die Umwelt vergessen oder sogar verlassen kann. Bei diesem Buch wird man aber weiterlesen und weiterlesen und weiter…. – bis man leider nach zu kurzer Zeit alle zehn Perlen gelesen hat.
Was kommt dann? – Man liest es nochmal und …
Ein Buch, das im Regal nicht verstauben kann…
Jürgen Seibold/25.03.05

Poul Anderson: Das zerbrochene Schwert

Originaltitel: The Broken Sword
Übersetzung: Rosemarie Hundertmarck
c 1971 Poul Anderson
c der deutschsprachigen Ausgabe: 2005 Piper Verlag GmbH, München
303 Seiten

COVER:

In einem mythischen Zeitalter wird der Menschensohn Skafloc von den Elfen großgezogen. Gemäß einer alten Prophezeiung ist er als Einziger in der Lage, das legendäre zerbrochene Schwert wieder zusammenzufügen. Und nur er kann die Waffe schwingen, die im Krieg der Elfen gegen die Trolle die Entscheidung bringen soll. Doch durch den Gebrauch des Schwerts erfüllt sich ein tragisches Schicksal…
Zeitgleich mit “Der Herr der Ringe” erschienen, gilt “Das zerbrochene Schwert” als das düstere Gegenstück zu Tolkiens Werk. Meisterhaft verarbeitet Poul Anderson die Sagen und Mythen des Nordens zu einem fesselnden und sprachlich dichten Fantasy-Epos.

Poul Anderson, geboren 1926 in Bristol, Pennsylvania, und dort 2001 verstorben, zählt zu den beliebtesten und bedeutendsten phantastischen Autoren des 20. Jahrhunderts. Der Sohn skandinavischer Einwanderer studierte Physik und schloss die Universität mit Auszeichnung ab. Fortan widmete er sich dem Schreiben und gewann während seiner fünfzig Jahre überdauernden Schriftsteller-Karriere unzählige Preise. Die nordische Sagenwelt faszinierte Anderson von Beginn an und übte großen Einfluss auf sein Werk aus.

REZENSION:

“Das zerbrochene Schwert” von Poul Anderson erschien erstmals 1954 – somit im selben Jahr, in dem der erste Herr-der-Ringe-Band ‘Die Gefährten’ von J.R.R. Tolkien das Licht der Welt erblickte.
Beide Werke arbeiten mit ziemlich ähnlichen Figuren und Themen. Während jedoch Tolkien eine absolut eigenständige Welt erschuf, legte Poul Anderson seine Elfen und Trolle in uns bekannte Gefilde, wie z.B. England.
Während bei Tolkien ein über 1000-seitiges Werk entstand, ein Volumen dem viele spätere Fantasy-Autoren manchmal erfolgreich – manchmal verzweifelt hinterherlaufen, beweist Poul Anderson die Unnötigkeit eines heutzutage oft unnütz aufgeblasenen Werkes (was nicht heißen soll, daß “Der Herr der Ringe” aufgeblasen wäre!!!).
“Das zerbrochene Schwert” ergiest sich über lediglich 303 Seiten, womit man zwar das gefühl hat, es könnte ruhig noch mehr sein, aber Poul Anderson hat damit absolut einwandfrei erzählt was er erzählen wollte.
Im Gegensatz zu Tolkien geht Anderson ein wenig düsterer und brutaler zur Sache und mangels meiner Kenntnis über ältere Fantasyromane dieser Art ist “Das zerbrochene Schwert” sicherlich einer der Begründer des Dark-Fantasy-Genres.
Grundsätzlich sei dieses Buch neben jedem Tolkien-Leser auch jedem Fantasyfan an sich uneingeschränkt ans Herz zu legen.
Meiner Meinung nach sollten sich noch viel mehr Fantasy-Autoren daran versuchen, eine Geschichte trotz der für das Genre doch recht geringen Seitenzahl zu erschaffen, die trotzdem oder gerade deshalb voller Spannung, Dichte, detaillierter Zeichnung und Glaubwürdigkeit steckt.
Jürgen Seibold/16.10.05