Wolfgang Hohlbein: Die Tochter der Himmelsscheibe

c Piper Verlag GmbH, München 2005

COVER:

Feuer, Sturm und Siebengestirn – in Arris Träumen vermischt sich alles: die Katastrophe, die ihre Heimat verschlang, die Geheimnisse um ihre Mutter Lea, der Tod des Vaters, der sein Leben opferte, um das ihre zu retten …

In dem Dorf, das Mutter und Tochter wie Schiffbrüchige aufgenommen hat, fühlt sich Arri als Fremde. Und doch kann sie sich nicht vorstellen, anderswo als in der Hütte am Rand des Verbotenen Walds zu leben. Die vermeintliche Idylle schlägt um, als der Hohepriester von Goseg erscheint und Arri unter Druck setzt – und damit die kämpferische Mutter in die Knie zwingen will. Seinen Drohungen zum Trotz reift in Lea ein gewagter Plan, der sich der Tochter erst nach und nach erschließt.
Doch da ist es fast zu spät. Die Jäger des Dorfs werden angegriffen, und die Kunde von den Fremden, die über die Berge kommen, um sich das Land untertan zu machen, greift wie ein Lauffeuer um sich. Sarn, der Schamane, beschuldigt Lea des Komplotts mit den Fremden – und in Arri keimt der Verdacht, dass diese Anschuldigung nicht völlig aus der Luft gegriffen ist. Als ihre Mutter in aller Hast zu einem weit entfernten Handelsplatz aufbricht, heftet sie sich ihr an die Fersen – und erlebt eine böse Überraschung. Die Menschen, zu denen die beiden gelangen, halten sich Wölfe als Haustiere und pflegen Umgang mit Kriegern, die es nicht nur auf Leas Zauberschwert abgesehen haben, sondern auch auf Arri selbst…

Wolfgang Hohlbein, Jahrgang 1953, gewann 1982 mit seinem phantastischen Roman “Märchenmond” einen Autorenwettbewerb. Seitdem erreichen seine Bücher Millionenauflagen, und er gilt als der Großmeister der deutschen Phantastik. Für die Recherche zu seinem Roman “Die Tochter der Himmelsscheibe” besuchte er die Archäologen des Landesmuseums für Vorgeschichte in Halle und durfte die Himmelsscheibe persönlich in den Händen halten. Wolfgang Hohlbein lebt mit seiner Familie und vielen Haustieren in der Nähe von Düsseldorf.

REZENSION:

Wolfgang Hohlbein ist und bleibt ein Phänomen. Sein schriftstellerische Ausfluss scheint unermüdlich und bewegt sich weiterhin in den unterschiedlichsten Genren. Das vorliegende Buch “Die Tochter der Himmelsscheibe” ist eine Mischung zwischen Fantasy und historischem Roman. Wir bewegen uns darin in der Frühzeit der Menschen und erleben viel zu Zeiten der sagenhaften Himmelsscheibe von Nebra.
Somit hätte dieses Buch unwahrscheinlich viel erzählerisches Potenzial zu bieten gehabt und dementsprechend hoch war auch meine Erwartung beim Öffnen dieses knapp 1000-seitigen Werkes.
Diese Erwartungen wurden leider absolut enttäuscht. Wolfgang Hohlbein hat in diesem Epos leider überwiegend nur die Mutter-Tochter-Beziehung ausgebreitet und erzählt und erzählt und erzählt….
Dies wird mehr und mehr ermüdend und man blättert nur noch weiter, da man Hohlbein ja eigentlich als Spannungsgarant kennen und lieben gelernt hat.
Leider kommt er in diesem Werk nicht zur Sache. Es fehlt jegliche Tiefe und Dramaturgie. Ein eventuell dezent angedeuteter Spannungsaufbau verpufft ohne besondere Wirkung und man kann beinahe locker einige Seiten überblättern, ohne irgendetwas zu verpassen.
Wolfgang Hohlbein bleibt also weiterhin ein Phänomen – denn er kann genauso gut absolut spannende und faszinierende Geschichten schreiben, wie auch nichts sagende und langatmige Stories abliefern.
Schade, denn der historische Hintergrund hätte sehr viel zu bieten gehabt…
Jürgen Seibold/15.08.06

Markus Heitz: Judassohn

c 2010 by Knaur Verlag
ca. 680 Seiten / € 14,95

COVER:

Ich habe mir alles genommen, mich selbst darum gebracht.

Kein Raubtier vermag solche Wunden zu schlagen und so zu verstümmeln wie ich. Mein Glück ist unwiederbringlich verloren.
Zerfetzt.

Doch bin ich schuldlos an dem, was ich tat. Mein Wesen veränderte sich zweifach, mit jedem meiner Tode.

Ich kenne die Frau, die wahre Täterin, die mich zum Opfer dieser Mächte werden ließ, anstatt mich davor zu bewahren.

Jetzt habe ich sie gefunden. Endlich gefunden!

Und ich werde ihr rauben, was ihr am Herzen liegt, damit sie mein Leid nachempfindet! Bevor ich auch sie auslösche …

Im Frankreich des ausgehenden 18. Jahrhunderts, im tiefsten bretonischen Sumpfland, liegt der Geburtsort einer Gestalt, die ihre tödlichen Fänge bis in die Gegenwart streckt. Das Böse ergriff ganz langsam Besitz von ihr – in einer Verkettung von Zufällen, Wandlungen, Bündnissen. Und durch einen unauslöschlichen Fluch, der über allem liegt …

Markus Heitz erzählt die Geschichte der Judaskinder weiter – von ihrer teuflischen Jagd nach Unsterblichkeit und Erlösung, einst und jetzt.

Rezension:

Vampirromane sind zur Zeit ja in – erstaunlich, dass durch eine Hinzufügung von viel Liebe und Romantik auch die weibliche Leserschaft endlich “gekidnappt” werden konnte.
War nicht schon immer viel Liebe und Romantik in den frühen Werken der Vampirliteratur?
Ich habe mir jahrelang den Mund fusselig geredet, um festgefahrene Mitbürger (meist weiblichen Geschlechts) vom Kosmos des Vampirismus zu überzeugen. Leider vollführte ich dies durchweg ohne jeglichen Erfolg. Nun ja, vielleicht war das auch ganz gut so – immerhin konnte ich mich lange Zeit mit dem “echten” Vampirismus beschäftigen und dafür hielt ich auch durchweg die Lanze hoch.
Heutzutage verlieben sich Vampire ja nicht nur, sondern gehen wohl auch tagsüber in die High School – ich denke, bei Unsterblichkeit würde ich das wohl bleiben lassen…
Wie man merkt, bin ich eher ein Kind des ursprünglichen Vampirismus – ganz oben steht bei mir immer noch unangefochten Bram Stokers DRACULA als literarisches Kunststück und Christopher Lee als dessen filmische Personifizierung.
Dadurch sind meine Grenzen doch recht eng gesetzt – egal, wenden wir uns nun dem neuen Werk von Markus Heitz zu:
Will er auch auf dieser neumodischen Welle mitschwimmen?
MITNICHTEN!
Ich habe eher das Gefühl, Markus Heitz besitzt eine ähnliche Grundlage und schafft es sogar, dem Vampirtum glaubwürdig neue Rassen als auch neue Fähigkeiten zuzuschreiben um trotzdem in keinster Weise den Blick auf den Ursprung zu verlieren und ihn dadurch in eher lächerliche Ecken zu treiben.
Judassohn ist Band 2 seiner Saga und erneut unglaublich interessant, spannend und glaubhaft erzählt – warum nur werden solche Werke nicht ebenso hoch gelobt wie manch andere Autorenergüsse, die einen 300jährigen, fürchterlichen Ruf mehr zerstören als ihn weiter zu erzählen.
Nun, genug gemeckert: Judassohn spielt bei einer ganz besonderen Riege mit: gab es für mich doch bisher nur DRACULA von Bram Stoker (sehr intensives Werk!) und Stephen Kings SALEM’S LOT (eine gelungene Hommage an Stoker) als die großen Vertreter des Genres.
Nun scheint es eine weitere Reihe geschafft zu haben.
Herr Heitz – Ich danke Ihnen!!!
Jürgen Seibold / 19.09.2010

Markus Heitz: Die Legenden der Albae – Gerechter Zorn

c Piper Verlag GmbH, München 2009
ca. 585 Seiten / € 15,00

COVER:

Die Albae sind gefährlich, grausam und scheuen keinen Krieg. Ihre Feinde fürchten sie, und ihre Sklaven folgen ihnen bedingungslos. Doch die dunklen Geschöpfe bergen ungeahnte Geheimnisse und ihre Macht ist nicht unbegrenzt. Das Reich der Albae ist bedroht, und die ungleichen Krieger Sinthoras und Caphalor erhalten den Auftrag, einen mächtigen Dämon für ihr Volk zu gewinnen. Es stellt sich aber schnell heraus, dass jeder der Albae eigene Pläne verfolgt. Der Kampf um Ehre, Leidenschaft und Macht bringt sie in höchste Gefahr – und das Schicksal ihres Volkes steht auf dem Spiel…

REZENSION:

Markus Heitz wird scheinbar immer aktiver – anders kann ich mir die aktuelle Anzahl an Veröffentlichungen schlichtweg nicht erklären. Sehr oft führt jedoch ein rasant aufeinander folgender Output eines Autors zu einer Verschlechterung seiner Geschichten. Gibt es doch sehr viele Autoren, die regelmäßig Bücher veröffentlichen, jedoch in ihren Werken absolut nichts Neues mehr zu erzählen haben.
Nun erreichte mich also ein neuer Markus Heitz – und abermals eröffnet er eine neue Serie über die sehr interessanten Albae – ein Stamm, der jedem Zwerge-Leser bekannt sein müsste. Der Umschlag sieht klassisch nach Fantasy aus – wollen wir mal sehen, was der Inhalt so her gibt…
Fünfhundertvierundachtzig Seiten später musste ich notgedrungen ein Fantasybuch schließen, wie ich es leider schon lange nicht mehr lesen konnte. Hat mich doch die Geschichte über die relativ bösartigen Albae zutiefst gefesselt, berührt und überzeugt. Sicherlich, sie könnten noch etwas bösartiger sein – nichts desto trotz wird Markus Heitz in meinem Augen mehr und mehr zum Godfather der deutschen Fantasy- und Horrorliteratur.
Scheinbar spielerisch lässt er die Welt der Albae aufleben, geht hierbei sehr detailliert zu Werke und führt seine Protagonisten sehr lebendig ein, ohne den Blick auf das Wesentliche zu verlieren. Man erkennt förmlich die Liebe des Autors zur Schriftstellerei und insbesondere zu den Genrebereichen, in denen er sich aufhält.
„Die Legenden der Albae“ ist ein absolut überzeugender Dark-Fantasy-Roman, der nicht eine einzige Seite ohne Sinn und Zweck vorzuweisen hat – man muss wirklich stark aufpassen, nicht den Bezug zur Realität zu verlieren – ist es doch schier unmöglich, aus den Tiefen Ishím Voróo’s wieder aufzutauchen.
Alles was dem Leser bleibt ist ein zombieartiger Gang zum nächsten Buchhandel, um auf die Veröffentlichung des nächsten Bandes – gleich einem Drogensüchtigen auf Entzug – zu warten, um dann dieses dem Händler aus den Händen zu reißen…
Buchtipp des Monats Juni bei Hysterika.de
Jürgen Seibold / 30.05.09

Markus Heitz: Blutportale

ca. 666 Seiten / € 14,95
Originalausgabe Dezember 2008
c 2008 bei Knaur Verlag.

COVER:

„Du kannst nicht jeden retten“, sagte sie ernst. „Es scheint dir im Moment vielleicht unerträglich zu sein, dass du ihn geopfert hast, aber glaub mir, es war die richtige Entscheidung.“

Genau wie Will führt auch Saskia, eine leidenschaftliche Fechterin, ein ganz normales Leben. Das ändert sich, als sie bei einem Turnier gegen den geheimnisvollen Maitre antritt: Mit seinem Rapier fügt er ihr tiefe Schnitte zu, die bald danach zu Brandzeichen werden. Saskia ahnt nicht, dass ihr Gegner bereits seit Jahrhunderten nach ihr sucht – denn in ihr schlummert eine Gabe, die er sich nun zunutze machen will. Doch niemand hat die junge Frau auf ihr dunkles Talent vorbereitet, und so stößt sie unbeabsichtigt Türen auf, die nie geöffnet werden sollten.
Bevor sie weiß, wie ihr geschieht, ist Saskia gemeinsam mit Will auf der Flucht vor Dämonendienern, die sie zu ihren Zwecken missbrauchen wollen. Die beiden müssen alles, was sie bisher für real, für gut und für falsch gehalten haben, vergessen, um überleben zu können – und bekommen ebenso unerwartete wie ungewöhnliche Hilfe …

Dunkle Geheimnisse, rasante Action und ein Wiedersehen der besonderen Art: Der neue Bestseller von Markus Heitz!

Markus Heitz, geboren 1971, studierte Germanistik und Geschichte. Seit er mehrfach mit dem Deutschen Phantastikpreis ausgezeichnet wurde, gilt er zu Recht als Großmeister der deutschen Fantasy. Mit seiner Bestsellerserie um Die Zwerge setzte er einen neuen Standard im Bereich der klassischen Fantasy und eroberte mit dem Werwolf-Zweiteiler Ritus und Sanctum sowie dem Vampirthriller Kinder des Judas auch die Urban Fantasy. Markus Heitz lebt mit seiner Familie in Zweibrücken.

REZENSION:

Markus Heitz ist einer meiner deutschen Lieblingsautore – konnte er doch durch eine hohe Zahl an Büchern uneingeschränkt überzeugen. Dementsprechend gefreut habe ich mich, als Blutportale seinen Weg zu mir fand.
Erneut handelt es sich um ein nicht gerade dünnes Buch – dies hat in der Vergangenheit regelmäßig für den Autor gesprochen, da er sich in dickeren Büchern eher wohl gefühlt hatte und vor dem Leser wahre Symphonien ausbreitete.
Bei Blutportale scheint dies jedoch eher nicht gelungen zu sein. Es ist jedoch schwer zu greifen, woran das liegen mag. Erneut lässt er seinen Hauptprotagonisten durch spannende Begebenheiten laufen – insbesondere die Idee mit der geheimen und illegalen „Fechtbruderschaft“ finde ich sehr ansprechend und hat am Anfang unwahrscheinlich viel Spaß gemacht. Ich denke, alleine darüber würde sich ein Buch schon lohnen.
Im Laufe der Geschichte erklomm mich jedoch mehr und mehr das Gefühl, dass sich Markus Heitz etwas verzettelt hat – dadurch schwand in meinen Augen mehr und mehr der Faden, der den Leser durch das Buch geleitet.
Somit ist bei mir etwas einmaliges geschehen: Ich legte zum ersten Mal ein Buch von Markus Heitz unbefriedigt und unabgeschlossen auf die Seite. Nichts desto trotz wird auch Blutportale sicherlich auch viele Freunde finden – aus meiner Sicht ist es leider ein etwas unausgegorenes Werk, das Anfangs mit hoher Geschwindigkeit startet und dann leider zu lange dieses Tempo nicht mehr aufrechterhalten kann. Schade – ich freue mich aber trotzdem auf seine weiteren Werke.
Jürgen Seibold/22.01.2010

Markus Heitz: Kinder des Judas

Originalausgabe September 2007
c 2007 by Knaur Verlag
ca. 704 Seiten / € 14,90

COVER:

Ich kenne die Melodie des Lebens. Sie variiert selten, und wenn doch, dann ist es meistens nicht gut.

Jung sein, schön, gesund – und das bis in alle Ewigkeit: Was sich für viele nach einem Traum anhört, ist für Sia schon vor langer Zeit zum Fluch geworden. Sie sehnt sich nur nach einem: einschlafen und nie wieder aufwachen müssen. Doch das darf sie nicht. Zu groß ist die Schuld, die Sia auf sich geladen hat, zu groß die Verantwortung, die sie gegenüber der Menschheit trägt. Und noch etwas anderes verfolgt sie: die Erinnerung an ein besonderes Mädchen.

Um ihren Schmerz zu lindern, schreibt Sia in einer langen, einsamen Nacht Scyllas Geschichte nieder. Diese beginnt 1670 und ist untrennbar verbunden mit den dunklen Machenschaften der Kinder des Judas, einem mächtigen Bündnis von Wissenschaftlern – und Vampiren!

REZENSION:

Ein weiterer Vampirroman?
Gibt es nicht schon mehr als genug?
Kann einem Autor in der heutigen Zeit mit einer unendlichen Vielfalt an Vampirgeschichten überhaupt noch etwas einfallen, dass einen Leser erneut an die Seiten fesselt und mit neuen Ideen aufwartet?
Einer kanns!
Markus Heitz’ neuestes Werk “Kinder des Judas” ist eine weitere Geschichte im Kosmos um die (nicht tot zu bekommenden) Vampire – und eine Geschichte, die diese mystischen “Lebewesen” ganz neu entdeckt und voller Atmosphäre vor des Lesers Augen ausbreitet.
“Kinder des Judas” erzählt von der Vampirin Scylla, die ihre Lebensgeschichte aufschreibt und dabei über Jahrhunderte voller Grauen, Schmerz, Verlust und – viel Blut – berichtet.
Anhand der Erzählung Scyllas verwebt Markus Heitz in seinem 700seitigen Buch die beiden Genre Mystik und Historik in genialer Weise. Er vergisst dabei weder detailreiche Beschreibungen des 18. Jahrhunderts noch die Notwendigkeiten der Spannung, wie es ein Genreleser im Bereich des Vampirismus erwartet.
Seine Geschichte ist – trotz der untoten Schattengestalten – ein Buch voller Leben und seine Protagonisten zeigen sich glaubhaft und detailverliebt gezeichnet. Markus Heitz vergisst diesen Detailreichtum weder in den historischen Begebenheiten und Orten der Vergangenheit noch in der Darstellung der Gegenwart. Hier geht er sogar so weit, seine Affinität zur Gothic-Szene geschickt in seine Geschichte mit einzuweben und wird damit hoffentlich einige Leser dazu führen, sich ein wenig mehr Gedanken über die Musik/Szenen außerhalb des Mainstreams zu machen. Vielleicht gibt es sogar den ein oder anderen Leser, der sich – angespornt durch diese Geschichte – ein oder mehrere CD’s von 69 Eyes oder gar Das Ich besorgt – Es wird sein Schaden nicht sein…
Aber zurück zum Buch: Erneut wurde durch Heitz gezeigt, dass er wohl der echte Fantasy- und Horrorkönig unseres Landes ist – im Gegensatz zu manch anderen, mittlerweile sehr vorhersagbaren Autoren dieser Genre, schafft es Heitz immer wieder, zu überraschen und legt dabei zusätzlich einen Pageturner nach dem anderen vor. Ein Autor, der weiß wovon er schreibt und wie er damit den Leser nicht nur erreichen sondern auch befriedigen kann.
Absolut empfehlenswert!
Jürgen Seibold/05.02.2008

Markus Heitz: Die Mächte des Feuers

c Piper Verlag GmbH, München 2006
ca.574 Seiten / 16,90 €

COVER:

Machtgierige Drachen säen seit Anbeginn der Zeit Hass und Intrigen zwischen den Völkern und stürzen die Menschheit immer wieder in Kriege. Im Jahr 1925 arbeitet die Drachentöterin Silena für das Officium, einen Bund, der sich der Jagd auf die geflügelten Geschöpfe verschworen hat. Doch nicht nur durch die Drachen droht Silena und ihren Verbündeten Gefahr: In vielen Städten Europas häufen sich zerstörerische Angriffe eines unsichtbaren Feinds. In London wird das Zepter des Marduk gestohlen, ein Artefakt von unvorstellbarer Macht. Und grausame Todesfälle unter den Drachentötern weben ein unheimliches Muster. Silena setzt alles daran, die Geschehnisse aufzuklären. Doch sie ahnt nicht, dass sie damit die Pläne eines Gegners durchkreuzt, der mächtig genug ist, um die Welt endgültig in den Abgrund zu stürzen…

Markus Heitz, geboren 1971, gehört seit den sensationellen Romanen um “Die Zwerge”, die wochenlang auf den Bestsellerlisten standen, und seinem “Ulldart”-Zyklus zu den erfolgreichsten deutschen Fantasy-Autoren. “Die Mächte des Feuers” führt ihn zu neuen phantastischen Ufern. Markus Heitz ist verheiratet und lebt in Zweibrücken. Wenn er nicht schreibt, schenkt er in seinem irischen Pub “Killarney” Guiness und andere Köstlichkeiten aus.

REZENSION:

Markus Heitz wird immer mehr zu einem Phänomen. Dies liegt insbesondere daran, dass er sehr virtuos zwischen den Genren switcht und sich trotzdem immer treu bleibt.
Mit “Die Mächte des Feuers” eröffnet er einen relativ untypischen Plot im Fantasy-Genre, bleibt er doch trotz der Kämpfe mit Drachen in einer realen Welt und verliert sich nicht in die typischen Fantasywelten.
Er führt uns in seinem Buch in unterschiedliche Städte des Europa im Jahre 1925, in dem die Nachfahren der heiligen Drachentöter den Kampf gegen die mächtigen, geflügelten Geschöpfe fortsetzen.
Wie von Markus Heitz verwöhnt, ist seine Schreibweise erneut sehr eingängig, interessant und glaubwürdig. Des weiteren schafft es Markus Heitz scheinbar spielerisch, die damalige Zeit vor des Lesers Augen auferstehen zu lassen. Seine Drachentöter als auch die Drachen selbst werden in einer Tiefe dargestellt, wie man es bereits von Heitz’ Zwergenromanen kennt.
Leider verläuft er sich ein wenig und man hat bei der Lektüre ein sehr zwiespältiges Gefühl: Es ist schwer, sich dem Buch und dessen Verlauf zu entziehen – andererseits wird der Leser nicht an die Seiten gefesselt, wie es zum Beispiel bei seiner Zwergenreihe oder auch bei “Ritus” ist.
Nichts desto trotz bleibt ein sehr schönes, detailliertes Sittengemälde der 20er Jahre, welches durch die Elemente der eingewobenen Phantastik um so interessanter wirkt.
Jürgen Seibold/19.10.2007

Markus Heitz: Die Rache der Zwerge

c Piper Verlag GmbH, München 2005

COVER:

Die Schlacht um das Geborgene Land geht weiter – das furiose neue Abenteuer um Tungdil, den tapfersten aller Zwerge! Furcht erregende, unbekannte Kreaturen machen Jagd auf den magischen Diamanten, der unermessliche Macht in sich birgt. Die Bestien, halb Ork, halb Alb, scheinen magische Fähigkeiten zu besitzen und gebrauchen seltsame Maschinen. Doch sie sind nicht die Einzigen, die nach dem Artefakt trachten. Eine neue Gattung Ork erscheint im Geborgenen Land, und plötzlich gehen Gerüchte um von bartlosen, fremden Zwergen, die ihr eigenes Ziel verfolgen. Machtlose stehen die Herrscher des Geborgenen Landes den unheimlichen Gegnern gegenüber. Auch in den Zwergenreichen kommt es zu Zwischenfällen. Zwerge werden vergiftet, gejagt und getötet. Die Dritten schreien nach Rache. Und ist den Elben zu trauen, die eine neue Ära der Gemeinschaft zwischen den Völkern beschwören? Zusammen mit seinen Gefährten greift Tungdil erneut zur Doppelaxt. Aber um das Unheil abzuwehren, muss er über das Gebirge – ins gefährliche Jenseitige Land. Mit diesem rasanten Zwergen-Thriller hält Markus Heitz seine Leser ein weiteres Mal in Atem.

Markus Heitz, geboren 1971, studierte Germanistik und Geschichte und arbeitete als Journalist bei der Saarbrücker Zeitung. Sein Aufsehen erregender Debütroman “Schatten über Ulldart”, der Auftakt zum Epos “Ulldart – Die dunkle Zeit”, wurde mit dem Deutschen Phantastik Preis ausgezeichnet. Seit den sensationellen Bestsellern “Die Zwerge” und “Der Krieg der Zwerge” gehört Markus Heitz zu den erfolgreichsten deutschen Fantasy-Autoren. Er lebt in Zweibrücken und versucht in seiner Freizeit gelegentlich, aus den Pralinenrezepten von König Perdor echte Pralinen zu machen.

REZENSION:

Mit “Die Rache der Zwerge” legt Markus Heitz den dritten Band seiner erfolgreichen Geschichte um Tungdil Goldhand vor.
Erneut handelt es sich bei dem Buch um einen dicken Brocken, mit dem man Leute erschlagen könnte.
Man sollte dies jedoch tunlichst sein lassen, denn der Inhalt zwischen den Buchdeckeln zeigt erneut, was für ein Phänomen Markus Heitz mittlerweile geworden ist.
Sehr oft sind weitere Bände einer erfolgreichen Geschichte nichts weiter als Aufgüsse, um den Geldbeutel weiter auf halten zu können – der Inhalt meist nebensächlich und nicht mehr auf dem Niveau des Erstlings.
Markus Heitz ist jedoch ein Autor mit unwahrscheinlich viel Output – schafft es dabei aber unterbrechungslos, die Qualität seiner Geschichten in den unterschiedlichsten Zeiten und/oder Welten auf einem konstant hohen Niveau zu halten.
Mit dem dritten Zwergenband ist ihm dies erneut gelungen und man hat als Leser das Gefühl, über dem Geborgenen Land zu schweben, um alles mit zu erleben. Abermals ist seine Geschichte hochspannend, interessant und ein weiterer Schritt auf den Fantasy-Thron.
Markus Heitz vergisst dabei auch nicht seinen bekannten und geschickt eingebauten Witz – nebenbei erkennt man erneut den immensen Ideenreichtum des Autors und ich gehe davon aus (und hoffe!), man wird noch viel von ihm zu lesen bekommen.
Sicherlich mittlerweile einer der besten Fantasy-Autoren, den unser Land aufbieten kann.
Jürgen Seibold/22.07.07

Markus Heitz: Der Krieg der Zwerge

c 2004 Piper Verlag GmbH, München

COVER:

Schärft Äxte und Schwerter – die Zwerge sind zurück!

Im Geborgenen Land herrscht Festtagsstimmung. Während Zwerg Tungdil mit seinen Freunden den Sieg über den verräterischen Magus Nôd’onn feiert, wälzt sich ein Heer hinterhältiger Orks heran, um das Zwergenreich zu zermalmen. Das Schwarze Wasser, ein düsteres Geheimnis, hat sie unsterblich gemacht, und schon bald müssen Tungdil und seine Gefährten ihre ganze Tapferkeit aufbieten, um sich den Bösewichtern entgegenzuwerfen. Inzwischen braut sich ein entsetzliches Unheil zusammen: Elf Verkörperungen eines gefallenen Gottes erheben sich mit ihrem Heer an der Westgrenze des Landes. Doch ein Zwerg gibt niemals auf, selbst wenn die Übermacht erdrückend scheint…

Wer “Die Zwerge” gelesen hat, wird die Fortsetzung verschlingen – ein neues Meisterwerk aus der Bestseller-Schmiede von Markus Heitz.

“Für alle Zwergen-Fans ein Muss!”
amazon.de

REZENSION:

Die Geschichte um Tungdil und dessen Gefährten, die um den Fortbestand ihrer Heimat, dem Geborgenen Land, kämpfen und hierbei nicht nur mit unsterblichen Orks zu tun haben, sondern auch gegen das elbenähnliche Volk, den Albaen, sowie vielen Intrigen antreten müssen, eröffnete sich mir anfangs etwas schwer. Nachdem ich aber bei Büchern selten aufgebe und voller Geduld einfach weiterlas öffnete sich mir nach und nach der Kosmos des Markus Heitz.
Sicherlich hat er versucht, den Nachfolgeband zu “Die Zwerge” so zu schreiben, daß auch Neulinge in seine Welt hineinfinden. Es ist ihm auch gelungen, benötigt aber etwas Geduld und Hartnäckigkeit beim Lesen dieser Lektüre.
Hat man diesen Punkt überschritten und die beteiligten Personen in sich aufgesogen, öffnet sich ein Plot, der die beliebten Zwerge, die Menschen, die unbeschreiblichen Elben und die brutalen Orks unvergleichlich weiterleben lässt. Heitz erzählt aber nicht einfach die Geschichte um den oder nach dem Ringkrieg weiter, nein, er erschafft eine eigene Welt mit eigenen Charakteren, die absolut nichts mit dem oft herangezogenen Monumentalwerk “Der Herr der Ringe” zu tun haben.
“Der Krieg der Zwerge” kann aber trotzdem oder gerade deshalb überzeugen und ist für jeden Leser dieses Genres ein absolut notwendiges Werk.
Ich würde nur jedem raten, mit dem Erstlingswerk “Die Zwerge” zu starten um nicht wie ich über das Verpassen des ersten Buches traurig zu sein.
Schade, daß ich nur “Der Krieg der Zwerge” gelesen habe….
Jürgen Seibold/30.12.2004

Markus Gerwinski: Das Lied der Sirenen (Magic-Edition Band 6)

Originalveröffentlichung
c 2005 BLITZ-Verlag GmbH
ca. 256 Seiten

COVER:

Seit sich die Sirenen auf der Insel Valstrom niedergelassen haben, ist die Fahrt durch die Meerenge für jeden Seefahrer ein Wagnis auf Leben und Tod. Die ruhelosen Seelen der Ertrunkenen suchen die Küste heim.
Der junge Magier Jeral Nerigon lässt sich auf die gefahrvolle Mission ein, die Sirenen zu studieren und ein Mittel gegen ihr todbringendes Lied zu suchen.
Als er sich in einem Dorf an der Küste vor Valstrom einquartiert, wird er schon bald in Kämpfe mit Untoten, Kobolden und Gespenstern verwickelt.
Auch unter den Dorfbewohnern scheint er sich Feinde zu machen. Doch sein gefährlichster Gegner verfolgt ihn aus den Tiefen seines eigenen Herzens heraus.

REZENSION:

Der junge Magier Jeral beschließt aus Liebeskummer, die Nachfolge des vor 4 Jahren bei einem mysteriösen Unfall verstorbenen Magiers Drahnier anzutreten und das Lied der Sirenen zu entschlüsseln. Dabei eckt er bei vielen Dorfbewohnern an, an der Küste wimmelt es von Geistern und Kobolden, und auch der Söldner Varamur, der zu seiner Unterstützung mitkommt, ist nicht gut auf Jeral zu sprechen. Immer deutlicher wird es, dass sich Jeral mit seinem Liebeskummer abschließen muss, wenn er sich den Sirenen stellen will.

Markus Gerwinski spielt mit Worten und „malt“ auf einmalige Weise eindrucksvolle Bilder, die die Landschaften, Personen und Situationen lebendig werden lassen. Dabei sind Jeral und Varamur keine schillernden Helden, sondern „normale“ Menschen mit Fehlern und Schwächen, die beim Lesen nur umso sympathischer werden.

„Das Lied der Sirenen“ gehört zu den Büchern, die ich gerne auch ein 2. und 3. Mal lesen werde. Es ist spannend vom Anfang bis zum Ende, auch wenn es nicht für alle ein „Happy End“ gibt.
Diana Becker, August 2009

Susanne Gerdom: Der Nebelkönig

Gebundene Ausgabe: 334 Seiten
Verlag: Ueberreuter (Juli 2010)
Vom Hersteller empfohlenes Alter: 14 – 15 Jahre

COVER:

In Sallies Welt geht alles seinen scheinbar gewohnten Gang: Sie ist Küchenmädchen in einem Herrenhaus, so gross, verwinkelt und weitläufig, dass Sallie nur einen winzigen Bruchteil davon kennt. Am liebsten hält sie sich ohnedies in der Bibliothek auf, um zu lesen. Denn die Geschichte vom ewigen Kampf des Nebelkönigs gegen die Katzenkönigin lässt sie nicht mehr los. Doch schon bald wird Sallie herausfinden, dass diese Geschichte viel mehr mit ihr zu tun hat, als sie sich auch nur vorstellen kann. Sie beginnt Türen zu öffnen und Fragen zu stellen derweil kriecht der Nebel unaufhörlich ins Haus…

REZENSION:

Wer in Susanne Gerdoms Roman eintaucht, findet sich in der düsteren Umgebung eines (englischen?) Herrenhauses wieder, in welchem Sallie, die Hauptfigur dieses Buches, als Küchenmädchen von morgens bis abends arbeitet. Ihre freie Zeit verbringt das Mädchen in der grossen Bibliothek. Als ihr eines Tages ein Buch geschenkt wird, dass vom Nebelkönig spricht, entscheidet sie sich, dem Geheimnis des Hauses auf den Grund zu gehen, denn gewisse Umstände lassen das Mädchen vermuten, dass es sich beim Nebelkönig nicht einfach um eine Figur aus einem Buch handelt. Dabei trifft sie auf Gestaltwandler, sprechende Katzen und andere sonderbare Mitbewohner, verirrt sich in den schier endlosen Gängen des Hauses, wie auch in Erinnerungen an Geschehnisse, die scheinbar nicht vorgefallen sind. Die Autorin spielt geschickt mit Fakten und falschen Pisten, was dazu führt, dass man das Buch nicht mehr aus den Händen legen kann.

Trotz allem, bedingt vielleicht durch die Titelwahl und den Cover (Katze), kann der Leser bald schon der Hauptfigur einen Schritt voraus sein. Auch das Ende des Buches bietet nichts sonderlich Überraschendes. Der Nebelkönig ist beim Überreuter Verlag als Jugendbuch ab 12 Jahren erschienen, was ich angesichts gewisser Szenen als gewagt empfinde. Nichtsdestotrotz bleibt das Buch ein gute Lektüre mit eindeutig packendem Handlungsaufbau, undurchsichtigen Figuren und Orte, welches ständig zwischen Fantasy, Horror und gotischer Literatur hin und her pendelt. Wer dunkle Geschichten mag und auch nicht davor scheut, ein „Jugenbuch“ zu lesen, dem kann ich den Roman nur wärmstens empfehlen
Jean-Pascal Ansermoz / 31.08.2010

Laura Gallego García: Geheime Welt Idhún – Die Verschwörung

Originaltitel: Memorias de Idhún – La Resistencia (2004; Ediciones SM, Madrid)
Übersetzung: Ilse Layer
c der deutschsprachigen Ausgabe: 2006 Deutscher Taschenbuch Verlag GmbH & Co.KG, München
ca. 510 Seiten / € 12,50

COVER:

Die geheime Welt Idhún leidet unter dem Regiment des Schwarzmagiers Ashran. Nur wenige Bewohner Idhúns konnten vor seiner Schreckensherrschaft auf die Erde fliehen. Dort entbrennt ein Wettlauf auf der Suche nach dem letzten Einhorn und dem letzten Drachen. Denn nur wenn die Energie dieser Tiere miteinander verschmolzen wird, kann Ashrans Macht gebrochen werden. In Ashrans Diensten sucht Kirtash, trotz seiner Jugend ein unbarmherziger, aber charismatischer Kämpfer, nach diesen Geschöpfen. Ihm entgegen stellen sich die beiden Jugendlichen Victoria und Jack. Für Victoria ist Jack bald mehr als ein Kampfgefährte gegen Ashran – aber auch von Kirtash ist sie fasziniert…

Laura Gallego García wurde 1977 bei Valencia in Spanien geboren. Sie hat Geschichte und Spanische Literatur studiert und sich auf Themen des Mittelalters spezialisiert.
Für ihren ersten Roman >Finis Mundi< bekam sie den renommierten Preis >El Barco de Vapor<. Seither hat sie zwölf Bücher veröffentlicht. Heute lebt sie in einem kleinen Ort in der Nähe von Valencia.

REZENSION:

Die Autorin nimmt den Leser in diesem 1. Teil einer Trilogie mit auf eine Reise, die einen aufgrund des wunderschön 3-farbig und schlicht gestalteten Umschlages vermuten lässt, was das Buch von Seite 1 an auch zu halten verspricht. Eine Reise in eine Märchenwelt von Feen, Drachen, Magiern, fliegenden Schlangen und so einigen anderen Arten von Fantasyfiguren. Man entflieht mit Jack, der zu Beginn harte Verluste einstecken muss und eine gewisse „unnatürliche“ Begabung hat, aus einem schrecklichen Alltag und taucht tief ein in die Welt der Magie. Liest man zu Beginn das Zitat von Paul Coelho, so wird man während man das Buch verschlingt, weil man es – wie magisch- einfach nicht wieder zur Seite legen kann, dieses Zitat immer wieder im Kopf umher schwirren haben. Ein Passenderes hätte man nicht wählen können.

Gleichgültig, was ein Mensch tut,
er steht jederzeit im Mittelpunkt der Weltgeschichte.
Doch meist weiß er es nicht.“
(Paul Coelho, der Alchimist)

 
Auffallend ist, dass man all das Geschriebene auch auf den normalen heutigen Alltag beziehen könnte, ein wenig „modifiziert“ zwar, aber dennoch stecken viele Weisheiten in diesem wunderbaren Werk.
 Laura Gallego García hat mit diesem einmalig plastisch geschriebenen Buch eine Welt geschaffen, die man sich perfekt vorstellen kann und in die manch einer gern entfliehen würde. In seinen ganz persönlichen Rückzugsraum, durch eine Seele, die erkennt, wen man darin haben will und wer nicht willkommen ist.
Da es hier nun aber um ein Fantasywerk geht, will ich meine Rezension auch wieder in diese Bahn lenken.
Der erste Teil einer Trilogie, die zeitgleich auch meine erste Begegnung mit dem Genre Fantasy ist, bietet auf 508 Seiten Spannung, Entspannung, Abenteuer und Erlebnis pur.
Das Buch ist gegliedert in 2 Teile mit jeweils 14 Kapiteln und einem Epilog. Jack, eine der letztendlich 2 Hauptpersonen, hat man das 1. Kapitel gewidmet, während man sein Schicksal verfolgt, welches überhaupt erst dazu führt, dass er diese fremde, und noch so vertraute Welt Idhún kennen lernen darf.
Es gibt eben jenen Ort, an den die „Verschwörung“ – anfänglich bestehend aus  dem Magier Shail, dem Krieger Alsan und dem jungen Waisenmädchen Victoria, die ebenfalls seltsame Kräfte ihr Eigen nennt, sich in den Künsten von den beiden Anderen unterrichten lässt und die Hauptfigur Nr. 2 ist- sich mithilfe einer, aus dem vom Schwarzmagier Ashran belagerten Idhún, geretteten Seele , zurückziehen kann.
Diese Seele kann die Mitglieder, welche alle aus der Welt Idhún stammen, aber ins Exil geschickt oder teilweise auch geflohen sind, erkennen und bietet Ihnen Schutz vor Ashran und seinem Sohn Kirtash, der Halb-Magier (Mensch) ist und Halb-Shek (fliegende Schlange), indem er dieses Team in alle Teile sämtlicher Welten schicken kann und sie auch wieder zurück in die kleine, aber wunderschöne Welt, genannt Limbhad zurückholen kann.
In diese Welt können Ihnen die Bösewichte nicht folgen. Man lernt im Verlauf des Werkes sämtliche Emotionen kennen, die Mensch sich vorstellen kann. Besonders an diesem Buch, bzw. am Schreibstil Garcías ist, dass man das Gefühl hat, man wäre Teil jeglicher Neuentdeckung und jeglichen Kampfes der Helden, Teil der „Verschwörungsgruppe“, einfach Teil der Fantasywelt Limbhad. Dieser 1. Band ist eine tolle Mischung aus Freundschaft, Vertrauen, Stärke, Fantasy und Mut. Es gibt überraschende Wendungen, die zwar teilweise ein wenig vorhersehbar sind für jeden aufmerksamen Leser, die aber gleichzeitig neue Geheimnisse offenbaren und neue Fragen aufwerfen, die man als Leser unbedingt noch wissen muss, was dann schon einmal dazu führen kann, dass man in diese 508 Seiten so tief versinkt, dass man nicht wieder aufhören kann zu lesen und – so wie ich- das Abenteuer in knapp 5h verschlingt.
Wie Profi- Fantasyfans dieses Buch einordnen würden, vermag ich nicht zu beurteilen, aber mir als „Neuling“ in diesem Genre und als Pen&Paper- Rollenspielerin hat es den Einstieg in diese Welt sehr versüßt und Lust auf mehr gemacht! Daher finde ich es sehr empfehlenswert und werde mich sicher bald in Band 2 vertiefen.
Ina O. für Hysterika.de / 01.05.2009

Cornelia Funke: Tintenherz

cDv Dressler Verlag
19,90 € (HC)

Cover:

„Die Dunkelheit war blass vom Regen und der Fremde war kaum mehr als ein Schatten. Nur sein Gesicht leuchtete zu Meggie herüber.“
Wer ist Staubfinger, der Fremde, wirklich? Und wer ist Capricorn, wer Zauberzunge? Antworten findet Meggie in einem alten ligurischen Bergdorf – und in einem Buch.

Rezension:

Meggies Vater Mortimer, kurz Mo genannt, hat eine besondere Fähigkeit. Wenn er aus einem Buch vorliest, wird der Text regelrecht lebendig, im wahrsten Sinn des Wortes: Er hat die Macht, Figuren aus Büchern herauszulesen. Für sein Talent muss er jedoch einen hohen Preis bezahlen.
Allein schon die Idee fand ich so faszinierend, dass ich Tintenherz unbedingt lesen musste, und ich wurde mit einem Leckerbissen sonder Gleichen belohnt. Cornelia Funke versteht es, den Leser dermaßen zu fesseln, dass man das Buch unbedingt an einem Tag durchlesen möchte.
Die einzelnen Figuren werden bis in jede noch so kleine Einzelheit liebevoll beschrieben. Meggie, Mo und Tante Elinor teilen meine Liebe zu Büchern und spannenden Geschichten.
Cornelia Funke zitiert aus vielen Abenteuer-Romanen, von „Tom Sawyer und Huckleberry Finn“, über „Alice im Wunderland“ bis hin zum „Herr der Ringe“ und beschreibt in farbigen Bildern die Gefühle und Gedanken, die dem Leser dabei durch den Kopf gehen, ohne dabei langweilig oder abgedroschen zu werden.
Alles in Allem ist Tintenherz ein Gesamtkunstwerk, das eine wahre Liebeserklärung an Bücher darstellt. Schade, dass es in Buchhandlungen unter „Kinderbücher“ einsortiert wird – es ist für Erwachsene genau so spannend und fantastisch zu lesen.
Diana Becker / 02.03.2010

Alan Dean Foster: Bannsänger / Die Stunde des Tors / Der Tag der Dissonanz

c 2005 by area verlag gmbh, Erftstadt, c der deutschen Übersetzung: 1986 by Wilhelm Heyne Verlag GmbH & Co.KG, München; 2005 by Piper Verlag GmbH, München
Titel der Originalausgaben:
Bannsänger: Spellsinger – Übersetzung: Leo P. Kreysfeld
Die Stunde des Tors: The Hour of the Gate – Übersetzung: Leo P. Kreysfeld
Der Tag der Dissonanz: The Day of Dissonance – Übersetzung: Leo P. Kreysfeld und Ralph Tegtmeier

COVER:

Die ersten drei Romane des legendären Bannsänger-Zyklus – Das abenteuerliche Fantasy-Epos von Alan Dean Foster

Jon-Tom Meriweather, netter, tagträumender Durchschnittsstudent aus Kalifornien, gerät nach dem Genuß eines Joints in eine absonderliche Parallelwelt. Durch ein magisches Mißgeschick des greisen Schildkröten-Hexers Clodsahamps wird Jon-Tom zum unfreiwilligen Gast der Welt intelligenter, rücksichtsloser Tiere – Fledermäuse, Bären, Tiger und Orang-Utans. Doch schon bald muß er sich zwischen den Welten entscheiden: Das Land wird vom Volk der Gepanzerten, grausamen Insektenwesen, überfallen, und seine Anwesenheit könnte von großem Nutzen sein. Denn eine übersinnliche Gabe schlummert in Jon-Tom: Er ist ein Bannsänger!

REZENSION:

Mit diesem über 800 Seiten dicken Wälzer zeigt der Area-Verlag eine neue Richtung, die mir bis dahin nicht bekannt war. Bisher war dieser Verlag für mich ein Garant für anspruchsvolle Horrorliteratur und zeigt nun, dass er diesen Anspruch auch im Bereich des Fantasy-Genres zu erreichen versucht.
Mit Alan Dean Fosters “Bannsänger” ist ihm das bereits gelungen:
Es beginnt alles mit einer sehr guten Idee: Ein netter junger Student – ein wenig high vom Genuss eines Joints – wird von einem Zauberer in eine andere Welt gerufen bzw. unfreiwilligerweise geholt.
Bei dem Zauberer handelt es sich um eine Schildkröte und Jon Tom stellt fest, dass in dieser Welt noch mehreres anders ist: Die Menschen sind hier in einer starken Minderheit und die restlichen “Personen” sind alles intelligente und sprechen könnende Tiere.
Entgegen der anfänglichen Annahme, das Jon-Tom aus Versehen aus seiner Welt “geklaut” worden ist, stellt sich ziemlich schnell heraus, daß er eigentlich ebenfalls ein Zauberer ist – nämlich in Form eines Bannsängers.
Dies zeigt sich, in dem Jon-Tom Lieder unserer Zeit zum Besten gibt und dadurch je nach den Texten gewisse Dinge geschehen oder Wesen gerufen werden. Nachdem jedoch die Texte und deren Eigenheiten eher in unsere Welt als in diese Welt passen, ergeben sich daraus die unvorhersehbarsten Umstände und Probleme.
In diesem Sammelband des Area-Verlages befinden sich insgesamt drei Romane um den Bannsänger:
1. Bannsänger, 2. Die Stunde des Tors und 3. Der Tag der Dissonanz.
Die ersten beiden Bände ergeben zusammen eine abgeschlossene Geschichte, in der Jon-Tom mit Hilfe seiner Freunde, dem Zauberer, dem Otter und noch einigen anderen Helfern die Welt rettet. Im dritten Band “Der Tag der Dissonanz” wird Jon-Tom von dem Zauberer in Schildkrötengestalt aufgefordert ein Medikament zu besorgen, das es nur jenseits des Glittergeistmeeres gibt und welches der Zauberer zum Bekämpfen seiner Krankheit dringend benötigt.
Nachdem die ersten beiden Geschichten und die Rettung der Welt bereits voller Ideen strotzt und für so manchen “Schenkelklopfer” zu gebrauchen ist, zeigt Alan Dean Foster meisterlich in “Der Tag der Dissonanz” zu was er eigentlich fähig ist. Man merkt sehr deutlich den Erfolg der ersten beiden Geschichten und Foster konnte wohl deshalb in dem dritten Buch ein wenig spielerischer mit seinen Protagonisten umgehen. Er schreibt voller Ironie, Seitenhieben und der Fähigkeit, Personen und Tiere ( die den Personen gleichzustellen sind) in den unterschiedlichsten Facetten und Eigenheiten darzustellen. Dies alles, ohne jemals den Witz dieser Geschichte aus den Augen zu verlieren. Sicherlich ein Zyklus, der noch viele Leser überzeugen könnte – Einfach perfekt! (Außerdem würde ich wahrscheinlich die Schildkröte erwürgen, wenn ich herausgefunden hätte, um was für ein Medikament es sich handelte, hihi…)
Jürgen Seibold / 24.04.2005

Jasper Fforde: Im Brunnen der Manuskripte

Originaltitel: The Well of Lost Plots
Übersetzung: Joachim Stern
Deutsche Erstausgabe Juni 2005
c 2005 der deutschsprachigen Ausgabe: Deutscher Taschenbuch Verlag GmbH & Co.KG, München
ca. 412 Seiten

COVER:

Die Welt der Literatur gegen alle möglichen Missetäter zu verteidigen, ist eine ehrenvolle, aber auch nervenaufreibende Aufgabe. Wen wundert es also, dass Thursday Next sich zu ihrem Mutterschaftsurlaub in die tiefsten Tiefen des Brunnens der Manuskripte zurückzieht. Genauer gesagt auf ein gemütliches Flug-/Hausboot in einem drittklassigen, unlesbaren Krimi, der wahrscheinlich nie veröffentlicht wird. Hier kann sie sich auf die Große Dienstprüfung der Jurisfiktion vorbereiten. Aber das Leben im Brunnen der Manuskripte ist nicht ungefährlich: Es ist ein Mörder in diesem Roman unterwegs, der sich auf Jurisfiktion-Agenten spezialisiert hat. TextGrand-Central will das neue Betriebssystem Ultra-WordTM mit aller Gewlat durchsetzen.

Jasper Fforde ist Waliser (daher das markante doppelte F!) und wurde 1961 geboren. Seine Romane schrieb er 14 Jahre lang neben seiner Arbeit als Kameramann bei verschiedenen Filmproduktionen. Nach 76 Ablehnungen erschien im Jahre 2001 der erste Band der Abenteuer von Thursday Next, “Der Fall Jane Eyre”. Der zweite Band “In einem anderen Buch” folgte dann 2002. Jasper Fforde wurde 2004 aufgrund seiner literarischen Verdienste zum zeitweiligen Ehren-Bürgermeister von Swindon ernannt.

REZENSION:

Die Lektüre von „Im Brunnen der Manuskripte“ war auch ein Selbstversuch: Eignet sich der dritte Band einer Reihe, um in eine Serie einzusteigen?
Das Ergebnis sei gleich vorweg genommen – das geht hervorragend, macht vermutlich aber noch mehr Spaß, wenn man die vorhergehenden Bände kennt.
Die Serie an sich ist nämlich recht komplex aufgebaut, geht es doch um das versteckte Innenleben der Bücher. Wir „Aussenweltler“ leben ja in dem Glauben, Autoren würden Bücher schreiben – weit gefehlt! Bücher schreiben sich selbst in der BuchWelt, einer parallelen Ebene der Wirklichkeit, die durch ein kompliziertes, unseren Textverarbeitungsprogrammen nicht unähnliches System zusammengehalten wird. Hier gibt es eigene Helden (die durchaus darüber traurig sind, nichts als Romanfiguren zu sein) und Gegner (wie die Grammasiten, die Wörter fressen), eigene Regeln, Gesetze und Figuren, die über deren Einhaltung wachen.
In dieser Welt bewegt sich eine junge Frau namens Thursday Next als Agentin der buchinternen Sicherheitsbehörde. Da sie schwanger ist, soll sie aus Sicherheitsgründen in einem Buch untertauchen, das keinerlei literarische Bedeutung hat. Dazu begibt sie sich in den „Brunnen der Manuskripte“ – dem Ort, an dem alle hoffnungslosen Texte lagern und darauf warten, einmal gedruckt zu werden. Natürlich wird aus dem geplanten Erholungsurlaub nichts: Die drei Hexen aus Macbeth prophezeien Thursday dramatische Ereignisse, ihre Großmutter steht unverhofft vor der Tür, sie muss sich mit Mitbewohnern herumschlagen und zu allem Überfluss gibt es ja auch noch die Abschlussprüfung, der sie sich stellen muss…
Bevor die eigentlich Story rund um einen Mörder und das neue Textverarbeitungsprogramm „UltraWord“ los geht, vergeht auf diese Weise schon mal die erste Hälfte des Romans. Ein wenig Geduld muss man da schon mitbringen. Witzige Ideen wie das „Fußnotofon“, das im Text Fußnoten produziert oder munter eingestreute Anspielungen an Literaturklassiker lassen aber keine Langeweile aufkommen.
Weitaus spannender als die eigentliche Story ist die Welt, in der Thursday sich bewegt. Voller Anspielungen nicht nur auf große Werke der Literatur, sondern auch auf unsere moderne Gesellschaft und ihre Technik liest sich kaum eine Seite ohne Lacher. Der Stil lädt ein zu Vergleichen mit Fantasy-Größen wie Terry Pratchett oder Douglas Adams. Fforde punktet noch zusätzlich dadurch, dass er mit dieser Reihe eine Fantasy geschrieben hat, die ihre Genregrenzen weit hinter sich zurücklässt. Dass macht die Lektüre sowohl für Fantasy-Fans als auch für Leser mit Ahnung von Literaturgeschichte lohnenswert. Wirklich vermissen tut man aber auch nichts, wenn man Vorwissen dieser Art nicht mitbringt, es entgehen den Lesern dann „nur“ zusätzliche Lacher.
Wer mit dem dritten Band anfangen will, sollte sich bewusst sein, dass das Buch kein leichter Schmöker ist, sondern aufgrund der neuartigen Welt und ihrer Namen beständig die Konzentration und Aufmerksamkeit der Leser fordert. Vielleicht liest es sich ja leichter, wenn man die anderen Bände kennt. Vorwissen braucht man aber keines.
Lesern, die der englischen Sprache mächtig sind, würde ich jedoch in jedem Falle das Original ans Herz legen. Einige Gags muten im Deutschen reichlich seltsam an, weil sie auf englischen Sprachspielen beruhen. Ob in deutsch  oder englisch, mit dem dritten oder dem ersten Band – Spaß macht die Lektüre in jedem Fall!
Katja Angenent für Hysterika/01.03.2008

Philip José Farmer: Die Verkörperung des Bösen / Ausser Atem / Fleisch

c 2005 by area verlag gmbh, Erftstadt
Titel der Originalausgaben:
Die Verkörperung des Bösen: The Image of the Beast
Ausser Atem: Blown
Fleisch: Flesh
Übersetzung von Ronald M. Hahn

COVER:

Ein “Exorzismus in drei Ritualen” – drei erotische Fantasy-Romane von Philip José Farmer.

Sie gelten als die Enfants terribles des Science-Fiction-Genres: die Episoden um Detektiv Herald Childe, der einer grausamen Horde Außerirdischer anheimfällt, und die Abenteuer des Sonnenhelden Peter Bock, der in einem Fruchtbarkeitsritual unversehens zum Sexprotz mutiert..
Ende der sechziger Jahre erschienen, gehören die drei legendären Romane Philip José Farmers bis heute zu den Klassikern der Science-Fiction- und Fantasy-Literatur und bestechen nach wie vor durch verblüffende Tabu- und Respektlosigkeit genauso wie hintergündigen Humor und Satire.

REZENSION:

Der Band “Fleisch” der Fantasyreihe des Area-Verlages beinhaltet die drei Romane “Die Verkörperung des Bösen”, “Ausser Atem” und “Fleisch” von Philip José Farmer aus den Jahren 1968 und 1969.
Diese Jahreszahlen sollte man sich noch mehrmals auf der Zunge zergehen lassen, denn Farmer erzählt in einer brutalen und schamlosen, sowie vor sexuellen Eskapaden strotzenden Art und Weise, wie es für diese Zeit sicherlich noch nicht üblich wahr. Es gibt bestimmt genug Menschen in der heutigen Zeit, die damit noch Probleme haben würden.
Viele würden dieses Werk somit schlicht und einfach als Pornographie abtun und in dieser Ecke abstellen. Dies würde jedoch weder dem Autor noch den Geschichten gerecht werden.
“Die Verkörperung des Bösen” und “Ausser Atem” sind zwei zeitlich aufeinander folgende Episoden im Leben des Detektivs Herald Childe, der sich auf der Suche nach Mördern durch so ziemlich alles schlagen muss, was man einem nur entgegensetzen kann: Außerirdische, abgrundtiefe Bosheit, sexuelle und orgiastische Ausschweifungen, Vampire, Wolfsmenschen, und und und.
Und ich muss uneingeschränkt sagen: Diese Tour macht irre Spass!!
Herald Childe ist ein Mensch wie du und ich – bzw. wie ein John McClane in “Stirb langsam”: zur falschen Zeit am falschen Ort.
Philip José Farmer erzählt rasend schnell und trotzdem eingängig, sehr detailliert und glaubhaft. Seine mit einer übertriebenen Offenheit dargelegten sexuellen Abgründe sind sehr regelmäßig aber auch geschickt und passend in die Erzählstränge eingebaut und legen sich problemlos zur Handlungsauflösung gehörend dar.
Man fühlt sich wie auf einer durchgeknallten Geisterbahn, bei deren Ausfahrt man mit offenem Mund herauskommt und nur noch ein “WOW!” ausstossen kann.

Ein kleines Manko muß ich lediglich trotz der Lobpreisungen loswerden:
Erstens ist man bei dieser Tour de Force sehr stark auf die Figur Herald Childe fixiert (was sicherlich auch an der erzählerischen Qualität des Autors liegt), der leider bei der dritten Geschichte nicht mehr mitspielt, da diese eine Science-Fiction-Story losgelöst der vorangegangenen Romane darstellt.
Dadurch verspürt man eine gewisse Enttäuschung, die sich durch die nicht mehr so stark überzeugende dritte Geschichte auch leider nicht mehr gänzlich abstreifen lässt. Ich denke, hier wäre weniger mehr gewesen und es hätten die beiden Episoden um Herald Childe als Doppelband sicherlich auch gereicht.
Zweitens fehlt mir ein wenig der Bezug zur Fantasy und ich kann nicht ganz nachvollziehen, warum der Area-Verlag diese Romane unter dem Label Area-Fantasy veröffentlicht. “Fleisch” ist Science-Fiction und die beiden genialen Romane um Herald Childe spielen in der “heutigen” Zeit und sind nach meinem Empfinden eher in die mystische Thrillerecke mit Horrorelementen einzuordnen. Ich bin zwar kein großer Freund zu detaillierten Schubladendenkens, aber in diesem Fall befindet sich die Leserschaft wohl eher in der “grausamen” Ecke. Somit hätte ich mir diesen Band auch ganz gut in der Horror-Reihe des Area-Verlages vorstellen können.
Ich möchte aber nun die Qualitäten dieses Buches nicht schmälern und finde, dass es einen Buchtipp des Monats verdient hat. Diesen “Preis” verleihe ich aber ausschließlich den beiden Herald-Childe-Romanen!
Aber Vorsicht: Man muß ein sehr aufgeschlossener Leser sein, um dies alles ohne Probleme zu verkraften….;-)
Jürgen Seibold/01.01.2006