John Moore: Blödprinz Charlie

Originaltitel: Bad Prince Charlie
Übersetzung: Birgit Reß-Bohusch
Deutsche Erstausgabe
September 2006
c 2006 John Moore
c der deutschsprachigen Ausgabe: 2006 Piper Verlag GmbH, München
ca. 364 Seiten / 8,95 €

COVER:

Als der König des Reichs Damask stirbt, begibt sich der Hofstaat auf die fieberhafte Suche nach einem Nachfolger. Leider kommt nur einer in Frage: der junge, unbedarfte Charlie, genannt “Blödprinz”. Charlies intrigante Onkel ersinnen einen hinterlistigen Plan. Mit Tyrannei und harter Hand soll Charlie das Land nach ihrem Willen zu Grunde richten. Der Blödprinz geht auf den Plan ein, erhofft er sich dadurch doch Chancen bei der verführerischen Catherine. Doch als Charlies Hofzauberer mit einer magischen Massenvernichtungswaffe türmt und Damask immer tiefer ins Chaos stürzt, kommt alles plötzlich ganz anders…
Niemand ersinnt so treffsichere Pointen und aberwitzige Verwicklungen wie John Moore, der bereits als der würdige Nachfolger Terry Pratchetts gehandelt wird.

John Moore, geboren 1959, ist diplomierter Chemiker und arbeitete als Ölförderer und LKW-Fahrer in Texas, bevor er sich dem Schreiben widmete. Seit dem großen Erfolg seiner Romane “Hauen und Stechen” und “Handbuch für Helden” zählt er zu den erfolgreichsten humorvollen Phantastik-Autoren neben Terry Pratchett und A. Lee Martinez. John Moore hat weder Kinder noch Haustiere und lebt als verantwortungsloser, verschwenderischer Single in Houston, Texas.

REZENSION:

Die Bücher von John Moore sind durchweg ähnlich den Büchern des famosen Terry Pratchett aufgemacht. Es fehlt auch niemals der Hinweis, dass Moore für alle Pratchett Fans geeignet ist. Dies wird sehr oft als Vergleich zu Pratchetts Werken gesehen, doch sollte man hierbei einfach ein Auge zudrücken. John Moore ist einfach kein zweiter Terry Pratchett – nichts desto trotz schafft er es durchweg als eine Alternative zu überzeugen und dies sollte man ihm auch hoch ankreiden. John Moore ist kein Nachmacher, sondern schafft es vielmehr, eine eigenständige Persönlichkeit in diesem Genre der humorvollen Fantasy zu sein.
Im vorliegenden Buch spielt er (wohl selbst um dies humorvoll zu bewerten) manchmal mit den ach so berühmten Fussnoten, was für alle Pratchett-Fans ein kleiner Seitenhieb ist, der nicht böse gemeint ist und beim Leser zu einem dezenten Schmunzeln führt.
Dies trifft auch auf die gesamte Geschichte zu: Moore ist nicht ganz so überdreht wie Pratchett – sorgt aber durch seine ihm eigene Art trotzdem zu einer Lektüre, die dem Leser durchweg ein Lächeln auf die Lippen zaubert.
In Blödprinz Charlie merkt man auch, dass sich langsam die Routine breit macht und John Moore mehr und mehr die Finessen des Humors erkannt hat. Im Gegensatz zu seinem letzten Buch ist Blödprinz Charlie humorvoller und dabei doch tiefgründiger geworden.
Somit ist John Moore und insbesondere auch Blödprinz Charlie sehr zu empfehlen und lässt auf die weiteren literarischen Ergüsse des Autors sehr hoffen: Es gibt noch ein Leben neben Pratchett…
Jürgen Seibold/03.11.2008

Michael Moorcock: I.N.R.I. oder Die Reise mit der Zeitmaschine

Originaltitel: Behold the Man
Übersetzung: Jürgen Langowksi
c 1969 Michael Moorcock
Neuübersetzte Taschenbuchausgabe Februar 2007
c der deutschsprachigen Ausgabe: 2007 Piper Verlag GmbH, München
ca. 191 Seiten / € 7,95

COVER:

Karl Glogauer entflieht seinem Schicksal und reist vom zwanzigsten Jahrhundert in die biblischen Zeiten. Er trifft auf Johannes den Täufer und glaubt sich der Wahrheit über die biblische Überlieferung näher. Doch Johannes hat noch nie von einem Jesus von Nazareth gehört, und auch sonst kennt niemand den angeblichen Heiland. Als Glogauer schließlich den Handwerker Joseph und seine Frau Maria ausfindig macht, erkennt er eine furchtbare Wahrheit und begreift, dass er nicht in seine eigene Zeit zurückkehren wird…
Mit I.N.R.I. hat Michael Moorcock den zweiten großen Zeitreise-Roman nach H.G. Wells “Die Zeitmaschine” erschaffen, einen visionären Klassiker, der unbestritten zu den wichtigsten phantastischen Werken des letzten Jahrhunderts zählt. Nun liegt I.N.R.I. erstmals in vollständig neuer Übersetzung und ergänzt durch ein Nachwort vor.

Michael Moorcock, geboren 1939 in London, ist einer der originellsten und beliebtesten phantastischen Autoren überhaupt und wurde mit allen bedeutenden Fantasy- und Science-Fiction-Preisen ausgezeichnet. Romane wie “I.N.R.I.” genießen den Status zeitloser Meisterwerke. Mit der weltberühmten “Elric”-Saga, die im Zentrum seiner Zyklen um den “Ewigen Helden” steht, schuf Moorcock einen modernen Klassiker der Fantasy-Literatur, dessen schöpferische Kraft bis heute unerreicht ist.

REZENSION:

Michael Moorcock erzählt in seinem viel zu kurzem Werk über den Zeitreisenden Karl Glogauer, der sich plötzlich in der Zeit Jesu wieder findet und sichtlich überrascht ist – denn keiner kennt einen nennenswerten Menschen namens Jesus.
Er trifft auf Johannes den Täufer und tritt dessen Gemeinschaft bei, in der Meinung, durch ihn Jesus zu finden. Leider trifft er lediglich auf einen sabbernden Jüngling namens Jesus, der Sohn eines frustrierten Zimmermanns namens Josef und einer Dorfhure namens Maria ist. Selbst überzeugt von der Bibelgeschichte übernimmt Karl Glogauer in Zusammenarbeit mit Johannes mehr und mehr die Rolle des Erlösers, um der ihm bekannten Geschichte den nötigen Verlauf zu geben.
Michael Moorcock erzählt seine Story in zwei zeitlich unabhängigen Strängen, die wechselweise die Geschehnisse des Karl in seiner eigenen Zeit und des Karl zur Zeit Jesu zeigen. Den interessanteren Part bilden dabei erwartungsgemäß die Erlebnisse in der Frühzeit, wobei aber die Belichtung des heutigen karl Glogauer sehr geschickt die schwierige Psyche dieses Menschen offenbart.
Die Erzählung zu Zeiten Jesu ist natürlich sehr polarisierend und wird sicherlich von dem ein oder anderen als absolute Blasphemie angesehen.
Nichts desto trotz erschuf Michael Moorcock einen zwar gänzlich anders gearteten Plot um Jesu, nimmt den Leser aber bei der Hand und offenbart eine hochwertige und interessante Science-Fiction-Geschichte, die sehr gut das zukünftige Potenzial dieses Autors aufdeckt. Leider ist die Geschichte sehr kurz und man wünscht sich erheblich mehr Lesestoff zu Zeiten Jesu.
Durch den Bezug zu Jesus wird dieser Inhalt natürlich zu sehr viel Unstimmigkeiten führen – immerhin handelt es sich dabei um eine Person, zu der jeder seine eigene Interpretation darlegen kann und womit Moorcock natürlich spielt – davon abgesehen würde diese Geschichte aber auch trotzdem wirken und ist somit ein sehr wichtiges Werk innerhalb der SF-Szene.
Jürgen Seibold/11.04.2007

Walter Moers: Die Stadt der Träumenden Bücher

c Piper Verlag GmbH, München 2004

COVER:

Als der Pate des jungen Dichters Hildegunst von Mythenmetz stirbt, hinterläßt er seinem Schützling nur wenig mehr als ein Manuskript. Dieses aber ist so makellos, daß Mythenmetz nicht widerstehen kann, dem Geheimnis seiner Herkunft nachzugehen. Die Spur führt nach Buchhaim, der Stadt der Träumenden Bücher. Als der Held sie betritt, ist es, als würde er die Tür zu einer gigantischen Buchhandlung aufreißen. Er riecht den Anflug von Säure, der an den Duft von Zitronenbäumen erinnert, das anregende Aroma von altem Leder und das scharfe, intelligente Parfüm der Druckerschwärze.
Einmal in den Klauen dieser buchverrückten Stadt wird Mythenmetz immer tiefer hineingesogen in ihre labyrinthische Welt, in der Lesen noch eine wirkliche Gefahr ist, in der rücksichtslose Bücherjäger nach bibliophilen Schätzen gieren, wo Buchlinge ihr Unwesen treiben und der mysteriöse Schattenkönig herrscht.

Walter Moers entführt uns in das Zauberreich der Literatur, wo Lesen ein letztes Abenteuer ist, wo einen Bücher nicht nur spannend unterhalten oder zum Lachen bringen, sondern auch in den Wahnsinn treiben oder sogar töten können. Nur wer bereit ist, für das Lesen derartige Risiken in Kauf zu nehmen, möge dem Autor folgen. Allen anderen wünschen wir ein gesundes, aber totlangweiliges Leben!

Walter Moers hat sich mit seinen phantastischen Romanen von “Die 13 1/2 Leben des Käpt’n Blaubär” bis “Rumo” in die Herzen eines großen Publikums geschrieben. Die Idee zu seinem neuen Roman kam ihm nach einer Expedition durch die Antiquariate der amerikanischen Ostküste. Er hat Charaktere geschaffen wie Käpt’n Blaubär, das Kleine Arschloch, den Alten Sack und die Comicfigur Adolf.

Pressestimmen zu “Rumo & Die Wunder im Dunkeln”:

“Erschreckend wie Hieronymus Bosch, fantasievoll wie Douglas Adams und witzig wie Woody Allen – Moers in Bestform.”
Facts

“Ein wunderbar spinnerter Abenteuerroman.”
Der Spiegel

“Bei Walter Moers sind die Abenteuer Poesie.”
Die Welt

“Zamonien ist ein alles verschlingender Strudel, in dem sich nur die Phantasie über Wasser halten kann. Und warum verschlingt der Leser Zamonien? Weil sich hier Präzision der Erfindung und Leichtigkeit der Sprache zu einem magischen Geflecht zusammengefunden haben, das trägt. Weil die Handlung nie albern wird, sondern auf dem Untergrund tiefer psychologischer Einsicht und enormer Bildung funktioniert.”
Focus

“Ein Roman, der vor Phantasie und bizarren Einfällen nur so strotzt.”
Max

REZENSION:

“Reiseerinnerungen eines sentimentalen Dinosauriers” ist ein über zehntausend Seiten umfassendes Werk des zamonischen Schriftstellers Hildegunst von Mythenmetz, von dem Walter Moers eine Übersetzung aus dem Zamonischen in unsere Sprache unter dem Titel “Die Stadt der Träumenden Bücher” veröffentlichte.
Hildegunst von Mythenmetz erzählt hierin, wie er sich auf die Suche nach dem Urheber eines genialen Manuskripts machte und aus diesem Grund in die Stadt Buchhaim kam. Er erzählt wie er durch eine Intrige in die Katakomben der Stadt kam und sich dort auf der Suche nach dem Ausgang immer mehr verirrte und daurch immer tiefer hinabstieg.
Er begegnete dort den seltsamsten Geschöpfen: Üble Lebewesen von abgrundtiefer Hässlichkeit und zerstörerischer Wut, mörderischen Bücherjägern, freundlichen Buchlingen, Lebenden Büchern, Insekten jedweder Art und noch vielem mehr; bis er sogar dem gefürchtetsten Geschöpf der Katakomben gegenübersteht: Homunkoloss, der Schattenkönig.
Der Erzählstil ist absolut berauschend und man blättert von einer Sucht befallen weiter und weiter, um das Ende des Buches zu erfahren. Dies alles, um am Schluß erschreckend festzustellen, daß die Geschichte zu Ende ist und man bereits beim Zuklappen des Buches die ersten Anzeichen von Entzugserscheinungen bemerkt. Um sich davon langsam zu befreien, muß man die Geschichte entweder nochmal lesen oder noch mehrmals das Werk durchblättern um die darin befindlichen, auf den Text bezogenen Zeichnungen Walter Moers als langsamen Ausklang auf sich wirken zu lassen.
Dies Erzählung in diesem Buch ist eine Thriller-, Abenteuer-, Horror- und was weiß ich noch was für eine -Geschichte; außerdem eine Hommage an alle Bücher dieser Welt, den Schriftstellern und ihren Lesern; aber wird mit Sicherheit von vielen als Schwachsinn abgetan – doch die wurden noch nie vom Orm durchdrungen (man kann auch als Leser vom Orm durchdrungen werden…) und können deshalb so ein geniales Werk gar nicht begreifen.
Lieber Hildegunst von Mythenmetz:
Essen, Schlafen, Leben – alles nur noch Unsinn und Nebensache!!
Ich will Lesen, Lesen, Lesen, ….!!
Lass mich teilhaben an Deinen weiteren Erlebnissen….!!!
Jürgen Seibold/12.09.04

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Der junge Schriftsteller Hildegunst von Mythenmetz kommt zufällig in den Besitz eines perfekten Manuskripts und möchte den Autor kennen lernen. Dafür reist er nach Buchhaim, einer Stadt, in der sich alles ausschließlich um Bücher dreht – hier treffen sich Autoren, Verleger, Buchbinder, aber auch dubiose Gestalten wie Bücherjäger. In den Katakomben unter der Stadt kommt Hildegunst von Mythenmetz dem Geheimnis des Manuskripts näher – und der grauenvollen Tat einer geheimen Organisation.

Walter Moers nimmt in einem Rundumschlag voller irrwitziger Situationskomik und seinem ganz persönlichen Humor alles aufs Korn, von Schriftstellern über Verleger und Antiquitäten-Händler bis zu moderner Musik, Drogenkonsum und Magie.

Außerdem werden literarische Neuheiten wie die „Mythenmetz’sche Ausschweifung“ eingeführt, die an den unpassendsten Stellen den Erzählfluss unterbricht – zum Schreien komisch.

Es gibt nur eines dazu zu sagen: Bücher können gefährlich sein, in den Wahnsinn treiben und sogar töten, und ganz besonders dieses: Man wird süchtig, vergisst das Essen und Trinken, und erleidet ein qualvollen Hunger-Tod, wenn man einmal angefangen hat.
Diana Becker für Hysterika.de / August 2009

Rand & Robyn Miller mit David Wingrove: Myst – Das Buch Atrus

Verlag: Bastei Lübbe; 8,90 €
deutschsprachige Ausgabe © 1996; Taschenbuchausgabe © 2004
Originalausgabe „MYST – The Book of Atrus“, © 1995
 

COVER:

Das Kultbuch zum Kultspiel – erstmal als Taschenbuch
Dies ist die Geschichte von Atrus, dessen Vater ganze Welten entstehen lässt, allein kraft des geschriebenen Wortes. Welten, in denen er als Gott verehrt und gefürchtet wird.
Atrus wagt es, sich gegen den selbstherrlichen Gott aufzulehnen, und wird von einem Abenteuer zum nächsten getrieben …
DAS BUCH ATRUS ist der Beginn einer schillernden Fantasy-Trilogie, eine Geschichte von Vater und Sohn, Gut und Böse, Liebe und Vergeltung.

REZENSION:

Atrus und seine Familie sind die letzten Überlebenden des untergegangenen Volkes der D’ni, die eine besondere Form der Magie entwickelt haben: Mit Hilfe besonderer Bücher konnten sie Welten erschaffen, in die sie reisten und aus denen sie Rohstoffe und Nahrungsmittel bekommen konnten. Atrus Vater Gehn entdeckte dieses Wissen neu und erschuf sich seine eigenen Welten. Atrus, der bei seiner Großmutter aufwuchs, soll ihm helfen, ein ganzes Imperium aufzubauen. Als Atrus feststellt, dass sein Vater dem Größenwahn verfällt, setzt er alles daran, Gehn aufzuhalten.
Allein schon diese Hintergrundidee ist es wert, „Das Buch Atrus“ zu lesen. Die Brüder Rand und Rbyn Miller und David Wingrove erschufen mit dem Computerspiel und dem Roman dazu eine neue Welt, in der alles möglich ist, und in der die Naturgesetze auf den Kopf gestellt werden können.
Atrus, Gehn und Großmutter Anna werden in vielen verschiedenen Facetten dargestellt, sie sind hochintelligent, haben ihre eigenen Vorstellungen von „richtig“ und „falsch“, haben Wünsche und Hoffnungen. Auch die Menschen in den von Gehn erschaffenen Welten werden in allen Schichten ihres Daseins beschrieben, und die Darstellungen der Landschaften werden in bunten Farben gemalt.
Leider bleibt der Erzählstil in großen Teilen auf der Strecke, vor allem der Anfang ist recht langatmig. Mit der Zeit gewinnt „Das Buch Atrus“ jedoch an Schwung und wird von Seite zu Seite besser und spannender. Am Ende war ich doch ein wenig enttäuscht, dass es schon zu Ende war. Jetzt bin ich gespannt auf den 2. und 3. Teil der Trilogie.
Diana Becker für HysterikA/15.04.2010

Thomas R.P. Mielke: Orlando Furioso

Rütten & Loening Berlin GmbH, 2002

COVER:
orlando furioso oder “Der rasende Roland” von Ludovico Ariosto gilt seit fünfhundert Jahren als das literarische Meisterwerk – ein Roman voller rätselhafter Verwicklungen, rasanter Verfolgungen, phantastischer Szenen und erotischer Abenteuer. Shakespeare, Goethe, Schelling und selbst Tolkien verehrten Ariost und ließen sich von ihm beeinflussen.
Thomas R. P. Mielke hat sich nun dieses einzigartigen Romans angenommen und ihn für unsere Zeit neu erzählt. Mit großer Kunstfertigkeit führt er in einen exotischen Kosmos der Magie und Liebe. Orlando, der erste Paladin Karls des Großen, wird zum stolzen und zugleich tragischen Held der Minne. Er hat sich in Angelica, die Tochter des Königs von Cathay, verliebt. Von ihr heißt es, sie sei die schönste Frau, die je das Antlitz der Welt erblickt habe. Kein Wunder, daß Orlando eine Vielzahl von Rivalen hat, die Angelica hinterher jagen und gleich ihm in einen gigantischen Irrgarten der Liebe geraten, der von Nymphen, Feen, Hexen und Dämonen bevölkert wird. Doch die Ritter Karls stehen nicht nur in Diensten der Minne, sondern müssen sich auch der sarazenischen Krieger erwehren, die das Frankenreich bedrohen – und am Ende ebenfalls dem Zauber der Liebe erliegen.

Thomas R.P. Mielke gehört zu den profiliertesten und erfolgreichsten Autoren historischer Romane in Deutschland. Seine Epen “Gilgamesch, König von Uruk” und “Inanna, Odyssee einer Göttin” standen monatelang auf allen Bestsellerlisten.
Zuletzt veröffentlichte er die Romane “Coelln – Stadt, Dom, Fluß” sowie “Die Kaiserin”.
Thomas R.P. Mielke lebt mit seiner Familie in Berlin.

REZENSION:

Mit Orlando furioso ist Thomas R.P. Mielke etwas gelungen, was man eigentlich nur aus der Filmbranche kennt: Er hat eine Neuverfilmung vorgelegt.
Bei Filmen besteht jedoch das Problem, daß Neuverfilmungen meistens bei weitem nicht an das Original heranreichen können. Im Gegensatz dazu hat Thomas R.P. Mielke etwas nicht nur neu abgeschrieben, sondern ein fünfhundert Jahre altes literarisches Meisterwerk von Ludovico Ariosto in Romanform für uns Sterbliche leicht verständlich und unterhaltsam neu erzählt.
Laut Umschlag handelt es sich bei Orlando furioso eher um einen historischen Roman, der zur Zeit Kaiser Karls dem Großen spielt, handelt. Aus diesem Grund hatte ich wohl anfangs etwas Schwierigkeiten dem Roman zu folgen. Nach und nach merkt man jedoch, das es sich eigentlich mehr um einen klassischen Fantasy-Roman handelt. Sobald man das erkennt, macht es erst richtig Spaß der Geschichte des Buches zu folgen.
Vielleicht sollte ich hierzu eine kurze Erklärung liefern: In meinem Fall ist es so, daß ich je nach Genre mit unterschiedlichen Grundeinstellungen an Bücher herangehe.
Bei einem Fantasy-Roman erwarte ich gute Unterhaltung, die jedoch keinen Anspruch auf Authentizität der handelnden Personen und Orte erheben muß.
Lese ich jedoch einen historischen Roman, erwarte ich jedoch auch, das zumindest ein Großteil der teilnehmenden Orte, Personen oder Rahmenbedingungen echt ist.
Bei Orlando furioso hatte ich anfangs diese authentische Erwartungshaltung und war doch etwas verwundert. Nach und nach schwenkte ich gedanklich um in die Fantasy-Ecke meines Gehirns. Und siehe da: Thomas R.P. Mielkes Unterhaltungsroman macht einfach Spaß.
Orlando furioso einfach als die Geschichte des rasend gewordenen Orlando zu betrachten wäre sehr undankbar. Das Buch bietet erheblich mehr: In diesem Roman werden unwahrscheinlich viele eigenständige Geschichten geöffnet, die je nach persönlicher Neigung für sicherlich viele Leser die ein oder andere Lieblings- geschichte innerhalb eines Romans enthält und ohne Probleme auch separiert zu lesen ist.
In welcher Zeit Orlando furioso spielt ist nebensächlich – könnte ohne Probleme jede Zeit sein, die es bisher gab oder noch geben wird. Aus historischer Sicht stimmt sowieso wenig, was ja wie oben erwähnt mit der aufgesetzten Fantasy-Brille wieder egal ist.
Das Interessante bei Orlando furioso ist eigentlich, daß man vieles kennt oder einem zumindest sehr bekannt vorkommt.
Das liegt daran, weil man bei Orlando furioso das Gefühl hat, daß jemand alle bisher bekannten Sagen und Legenden in einen großen Topf geworfen hat, eine Brise geschichtlicher Hintergrund dazu, die zeitliche Gleichsetzung aller Legenden dazu, alles stark umgerührt und als einen einzelnen Roman veröffentlicht hat.
Das ist extrem „witzig“ und steigert den Unterhaltungswert des Romans und seiner von Ariosta geschriebenen Grundlage erheblich.
Warum die Originalvorlage bereits von Tolkien verehrt wurde, ist somit leicht verständlich. Er hat wohl auch einige seiner Ideen bei Ariosta „geborgt“.
Es kommt in diesem Buch wirklich alles bekannte vor: fliegende Pferde, Zauberer, Ritter, Burgen, Zauberschwerter, Zauberrüstungen, unverletzliche Kämpfer oder Ritter, usw. usw. usw. – sogar Orks kommen kurz vor (die wohl Tolkien gut gefallen haben…).
Alles in allem sollte man Orlando furioso als einfachen, lockeren und nicht ernst zu nehmenden Unterhaltungsroman betrachten. Ich denke, mehr Anspruchs- denken erhob auch der ursprüngliche Autor nicht und dabei sollte man es auch belassen.
Kurzum: Ein wirklich guter Fantasyroman, mit viel Ehre (sehr, sehr, sehr viel Ehre), Ritterkämpfen, Liebe, Eifersucht, fantastische Figuren und großem Unterhaltungs- und Spaßfaktor. Außerdem auch mal gut: ohne erhobenem Zeigefinger.
Jürgen Seibold / 16.05.03

Kai Meyer & Christian Nauck: Die Wellenläufer – Band1: Muschelmagie

Originalausgabe
“Die Wellenläufer 1: Muschelmagie” von Kai Meyer, Yann Krehl, Christian Nauck
Nach dem Roman DIE WELLENLÄUFER von Kai Meyer
EHAPA COMIC EDITION
verlegt durch Egmont vgs verlagsgesellschaft mbH
c 2002 by Kai Meyer, Deutsche Erstausgabe 2002 im Loewe Verlag GmbH; Comic Ausgabe 2006 in der Egmont vgs verlagsgesellschaft mbH
€ 9,–

COVER:

Der Bestseller als Comic!
Kai Meyer, Schöpfer zahlreicher phantastischer Romanwelten, präsentiert die erste Comic-Adaption seiner WELLENLÄUFER-Trilogie.

In den Piratenhäfen der Karibik werden Kinder mit einem besonderen Talent geboren: Sie können über Wasser gehen!
Vierzehn Jahre später begegnen sich die beiden letzten überlebenden Wellenläufer inmitten eines furiosen Abenteuers. Jolly und Munk droht ein finsteres Schicksal: Mitten im Atlantik hat sich ein gigantischer Mahlstrom geöffnet und schleudert schreckliche Kreaturen in die karibische See.
Die Boten des Mahlstroms machen Jagd auf die Wellenläufer – denn nur Jolly und Munk besitzen die Macht, den Strudel zwischen den Welten zu schließen. Mithilfe der legendären Muschelmagie und einer Gruppe skurriler Gefährten stellen sie sich der Gefahr – und begeben sich auf eine epische Odyssee, die ihre Freundschaft auf eine grausame Probe stellen wird…

REZENSION:

Kai Meyer’s Bestseller DIE WELLENLÄUFER offenbart sich dem Leser im vorliegenden Buch als sehr interessant umgesetzte Comic-Adaption.
Es handelt sich in diesem ersten Band in erster Linie um die vierzehnjährige Wellenläuferin Jolly, die bei einer Seeschlacht mit ihren Piratenfreunden in eine Falle tappt und als einzige Überlebende das Schiff verlassen kann. Sie strandet daraufhin auf einer kleinen Insel und lernt dort Munk kennen – ebenfalls ein Wellenläufer.
Wie sich herausstellt, werden die beiden letzten Wellenläufer von unglaublichen Kreaturen aus den tiefsten Tiefen der See verfolgt und versuchen nun, nicht nur ihr Leben zu retten, sondern auch hinter die Gründe und Verursacher dieser Jagd zu kommen. Dadurch entsteht ein spannender Wettlauf mit furiosen Angriffen und Erlebnissen.
Die Comic-Adaption des Romans wurde mit einem sehr guten Gespür für das Wesentliche in liebevollen und fantastischen Bildern umgesetzt. Die Zeichnungen breiten sich fantasievoll, detailverliebt und stimmungsvoll vor dem Leser auf – der Text weiß zu fesseln und der Leser wird beinahe überfordert durch diese vielen spannenden Eindrücke, die ihm in diesem Buch vorgelegt werden.
Den Autoren ist die Umsetzung eines Romans in die bebilderte Comicwelt eindrucksvoll gelungen. Die Zeichnungen sind auf der Höhe der Zeit und man merkt auch sehr deutlich dabei eine gewisse Affinität zu den GROSSEN ALTEN aus der Welt des H.P. Lovecraft. Ich denke, dieser Ursprung war sicherlich sehr oft in den Gedanken des Romanautors, wie auch nun sichtbar in den Zeichnungen.
Somit eine wirklich gelungene Fantasy-Adaption, die den Leser mitfiebern lässt – leider erreicht man bei Comics sehr schnell den Schluss und in diesem Fall kann man den nächsten Band gar nicht mehr erwarten.
Sehr beeindruckende Umsetzung, die auf mehr hoffen lässt…
Jürgen Seibold/20.05.2006

Tobias O. Meißner: Die Dämonen

c Piper Verlag GmbH, München 2008
ca. 460 Seiten / € 14,90

COVER:

Sie sind Geschöpfe der Finsternis. Ihre Macht über die Menschen ist grenzenlos. Und nun ziehen sie aus, um eine ganze Welt zu unterwerfen …
Die Dämonen Irathindur und Gäus gelangen nach Jahrtausende währender Gefangenschaft in Freiheit. Ihr Ziel ist das Menschenreich Orison. Die Dämonen ergreifen von den Herrschern des Landes Besitz und teilen es unter sich auf. Bald allerdings erweist sich, dass die Welt der Menschen zu klein für zwei Dämonen ist. Einer muss den anderen vernichten, um zu überleben. Irathindur und Gäus versammeln gewaltige Heere hinter sich und beschwören einen apokalyptischen Krieg heruaf, der alles in den Schatten stellt, was das menschliche Auge je gesehen hat …

REZENSION:

Als dieses Buch seinen Weg über meine Türschwelle fand war ich erstmal sehr zwiespältig ob des Inhalts: Dämonen? Sollte das nun eine weitere der schon tausendfach gelesenen Geschichten sein, deren “Rassennamen” (Zwerge, Dämonen, Orks, Menschen, Ritter, Teufel, bla bla bla…) man simpelst austauschen könnte, da es sich im Großen und Ganzen jedesmal um die selbe Story handelt?
Nun heißt der Autor jedoch Tobias O. Meissner und dieser Name konnte mich bereits mit einem Buch namens “Das Paradies der Schwerter” mehr als überzeugen. Nun gut, widmen wir uns der Lektüre…
460 Seiten später schließe ich ein Buch, das mich nicht eine Sekunde zweifeln ließ. Meissner baut seine Geschichte sehr vielschichtig auf und ich habe bisher beinahe noch nie solch menschliche Wesen entdecken dürfen, wie diese beiden Kontrahenten aus dem Dämonenschlund.
Meissner schreibt gewohnt anspruchsvoll und vermeidet weiterhin geschickt das Anbiedern an andere Größen des Genres. Dies hebt ihn und führt lediglich dazu, dass er mehr und mehr beim Aufzählen der Genregrößen mit genannt werden muss.
Tobias O. Meissner vermeidet auch die vermeintlichen tolkienschen Ansprüche eines bei vielen Autoren sehr langweiligen Ausbreitens von Hintergründen, epischen Verlängerungen und so weiter…. (lediglich bei Tolkien bleiben diese Themen lebendig) – dies lenkt sein dämonisches Buch zwar in die Unterhaltungsecke, doch sollte man sich als Leser selbst um den eigenen Anspruch bewusst sein. Stellt sich sowieso die Frage, warum man einerseits pure, hochtrabende Literatur haben möchte, andererseits aber Fantasy liest?
Meissners Buch bleibt dadurch aber keineswegs uninteressant, sondern weiß vielmehr ohne jeglichen Tiefpunkt und ohne aufkommende Langeweile von Seite zu Seite zu fesseln. Dies ist meiner Meinung nach einer der wichtigsten Leseransprüche und dies wird von Meissner perfekt bedient.
“Die Dämonen” bleibt dauerhaft präsent und kann somit nur bestens empfohlen werden.
Ich freue mich schon auf den nächsten Meissner….
Jürgen Seibold/Oktober 2008

Tobias O. Meißner: Das Paradies der Schwerter

Piper Verlag GmbH, München – Januar 2006
Ungekürzte Taschenbuchausgabe / ca. 362 Seiten / 9,95 €
c 2004 Eichborn AG, Frankfurt am Main

COVER:

In einer fernen bizarren Welt ziehen sechzehn Männer einem Turnier entgegen: Es geht um Ehre, aber nur für einen von ihnen. Es geht um Geld, aber nicht um viel. Bedeutsam ist nur das Leben – oder der Tod. Einige nehmen aus Abenteuerlust an dem Duell teil, andere aus Lebensüberdruß, aus Verzweiflung oder Not. Schicksale kreuzen sich mit scharfer Klinge vor den Augen sensationsgieriger Zuschauer, und allmählich geraten alle in den Bann des blutrünstigen Schauspiels. Doch am Ende wird nur einer den Sieg davontragen – oder gar keiner?
Mit “Das Paradies der Schwerter” legt der junge Berliner Autor Tobias O. Meißner einen verstörenden Roman vor, der schnell ist wie ein Degenstreich und brutal wie ein Axthieb.

Tobias O. Meißner, geboren 1967, studierte Kommunikations- und Theaterwissenschaften. Er verdiente seinen Lebensunterhalt als Fabrikarbeiter, nun arbeitet er als freiberuflicher Schriftsteller. Die Romane “Starfish Rules”, “Neverwake”, “Hiobs Spiel” und “Das Paradies der Schwerter” wurden von der Kritik hochgelobt. 2005 begann er seinen neuen großen Fantasy-Zyklus “Im Zeichen des Mammuts” mit dem Band “Die dunkle Quelle”. Der Autor lebt in Berlin.

REZENSION:

Mit “Das Paradies der Schwerter” erreichte mich ein Fantasyroman, der eigentlich keinem klassischem Typus des Fantasygenres entspricht.
Im Prinzip baut Tobias Meißner einen Episodenroman auf, in dem sich 16 unterschiedliche Personen aus den unterschiedlichsten Gründen auf den Weg zu einem Turnier auf Leben und Tod machen.
Tobias Meißner stellt dem Leser jeden einzelnen Protagonisten sehr detailliert mit allen seinen Stärken und Schwächen vor. Nebenbei sorgt er dafür, dass jeder Leser seinen eigenen Favoriten in diesen zukünftigen Turnierteilnehmern findet. Im späteren Teil seiner Geschichte lässt er geschickt den Leser an der Turnierauslosung teilhaben und man ist beinahe gewillt, einem Buchmacher sein Geld zu geben, um auf einen Kämpfer zu setzen.
Im Laufe des Buches stellt sich immer mehr heraus, wie Träume zerplatzen, vermeintliche Sieger demontiert werden und wie unsinnig eigentlich solche Turniere sein können.
Dies alles in einer unnachahmlichen Art und Weise, sowie einer meisterhaft dargestellten und lebendigen Sprache.
Es kommt sehr selten vor, dass man als Leser so in den Sog einer Geschichte hineingezogen wird, wie in diesem Fall. Somit bleibt bei diesem Buch ein einziger Wermutstropfen übrig: Die Geschichte ist irgendwann zu Ende und man muss das Buch zuklappen.
Fazit:
Auf der Rückseite des Buches steht ein beinahe typischer Werbespruch: “Ein Kultbuch der neuen Generation”. Sehr oft sind solche Sätze nichts weiter als Kaufanreize und werden ihrem Inhalt in keinster Weise gerecht. Bei “Das Paradies der Schwerter” sei nur soviel gesagt: Noch nie hat ein solcher Satz in seiner Kürze so untertreiben können! Schlicht klasse!
Jürgen Seibold/25.03.06

Eva Mehrbrey: Die Herrin der Drachen: Die Zehn Kelche

c 2009 Spielberg Verlag, Regensburg
ca. 488 Seiten / € 16,90

COVER:

Sie war eine legendäre Kriegerin mit der Macht über alle Drachen der Welt Sildar. Sie wurde zu einem Mythos, doch ihr Tod blieb ein niemals gelüftetes Geheimnis …

Tausend Jahre später erfährt eine junge Frau namens Aruna, dass in ihr der Geist der Drachenherrin wiedergeboren wurde. Um ihr Erbe antreten zu können, macht sie sich auf die Suche nach dem sagenumwobenen Schwert Drachenzahn. Auf Arunas Reise durch die geheimnisvollen Wälder und großen Städte des Kontinents Nyathár schließen sich ihr neun Weggefährten an, die unterschiedlicher nicht sein könnten: Elfen und Halblinge, Freunde mit orkischem, drachischem und sogar dämonischem Blut. Zehn magische Kelche besiegeln diesen Bund, eine mythische Gemeinschaft, die die Herrin der Drachen bereits tausend Jahre zuvor gegründet hatte.

Doch schon bald deuten rätselhafte Angriffe und andere Vorzeichen darauf hin, dass auch Arunas alte Widersacherin, die Herrin der Schatten, zurückgekehrt ist. Und mehr und mehr wird Aruna auf dieser Reise klar, dass sie nicht nur nach ihrem Schwert sucht, sondern auch nach dem Guten in sich selbst. Vielleicht ist das, was sie am meisten fürchtet, ihr eigenes Herz …

Erster Teil der Fantasy-Reihe “Die Herrin der Drachen”

Rezension:

Warum nur klingen bei den meisten Fantasy-Romanen die Coverbeschreibungen nach “Herr der Ringe”?
Ich persönlich bin dadurch zumeist ein wenig abgeschreckt, da ich mich mit jedem neuen Buch innerhalb des Fantasy-Genres auf der Suche nach etwas Neuem befinde. Kurz gesagt: Wenn ich “Der Herr der Ringe” erneut lesen möchte, dann greife ich in mein Regal und lese den Schmöker eines Autors namens Tolkien – wenn ich jedoch was neues Lesen möchte, stöbere ich durch die Buchhandlungen oder Bibliotheken und kann mich als erstes nur durch die Beschreibungen auf den Covern lenken lassen.
Bei Eva Mehrbrey würde es in diesem Fall zwei Punkte geben, die mich von einem Genuss abhalten könnten:
Erstens klingt das Cover verdächtigt nach besagtem Blockbuster und zweitens handelt es sich um eine gänzlich unbekannte Autorin, die bestimmt nur einen Abklatsch veröffentlicht, um auf der Woge mit zu reiten.
Was bin ich froh, dieses Buch als Rezensionsexemplar erhalten zu haben!

“Der Herr der Ringe” ist eine Bibel des Genres – Eva Mehrbreys “Die Herrin der Drachen” hat damit relativ wenig zu tun, konnte mich jedoch trotzdem – oder gerade deshalb? – absolut überzeugen.
Sämtliche Protagonisten sind glaubhaft und lebendig gezeichnet, die Stimmung passt exakt zur Handlung und die Handlung lässt nichts vermissen – höchstens das Erscheinen der noch versprochenen Bänder.
Fantasyromane konnten mich schon seit einiger Zeit nicht mehr zu hundert Prozent überzeugen – Eva Mehrbrey hat es geschafft und ich bin wieder ein Stück mehr in das Genre gerutscht und kann den Folgeband schon beinahe nicht mehr erwarten.
So sollte lebendige Fantasy sein – ein absolutes Muss des Genres und ich denke, die Zeiten der unbekannten Autorin sind vorbei – den Namen sollte man sich merken!!
Ein uneingeschränkter Lesetipp des Genres!
Jürgen Seibold/02.11.2010

Oisín McGann: Im Namen der Götter

Originaltitel: The Gods and their Machines
Aus dem Englischen von Irene Bonhorst.
Deutsche Erstausgabe November 2006
c der deutschsprachigen Ausgabe: 2006 Piper Verlag GmbH, München
ca. 314 Seiten / € 8,95

COVER:

Oisín McGann legt mit diesem Roman einen hoch brisanten Fantasy-Thriller vor, in dem zwei Welten aufeinander prallen: Der Albtraum des jungen Chamus beginnt, als er ein Massaker überlebt. Selbstmordattentäter des benachbarten Bartokhrin terrorisieren seine Heimat Altima und machen das Leben dort zu einer ständigen Gefahr. Als Chamus nach einem Flug im Feindgebiet notlanden muss, wird er von dem rebellischen Mädchen Rhiadni entdeckt. Diese verrät ihn an die Terrorgruppe Hadram Cassal. Für sie sind die Männer heldenhaft und mutig, stets bereit, für ihr Land zu sterben. Doch als sie den völlig unschuldigen Chamus töten wollen, erkennt sie, dass ihr Volk den falschen Weg geht. Sie befreit Chamus aus der Todesgefahr, und eine Hetzjagd durch die Wälder Bartokhrins beginnt.

Oisín McGann, geboren 1973, verbrachte seine Kindheit in Dublin und Drogheda. Seine künstlerische Laufbahn begann er mit sechs Jahren. Heute arbeitet er als freier Illustrator und Künstler in den Bereichen Verlagswesen, Design, Werbung und Filmanimation in England und Irland. “Im Namen der Götter” ist sein sensationelles Debüt, das in den USA und Großbritannien ein Überraschungserfolg wurde.

REZENSION:

“Im Namen der Götter” von Oisin McGann wird vom Piper Verlag in der Reihe Phantasy vertrieben. Dieses Buch sollte jedoch nicht in irgendwelche Schubladen eingeordnet werden, da es meiner Meinung nach erheblich mehr Leser als eine reine Genreklientel verdient hat.
Oisin McGann legt eine fast typische Gut-Böse-Geschichte vor – er schafft es aber erfreulicherweise nicht nur zu polarisieren, sondern beide Blickwinkel gut zu beleuchten und dem Leser somit viel eigenen Entscheidungsspielraum zur Hand zu geben.
Grundsätzlich entwickelt sich seine eingängig und leserfreundlich dargelegte Erzählung mehr und mehr zu einer Metapher, die den Leser gedanklich zu Begebenheiten des aktuellen Zeitgeschehens führt. Man könnte die beiden Kontrahenten-Orte jederzeit gegen echte Länder austauschen (Man denke nur an Amerika und die “Achse des Bösen”).
Es handelt sich in seinem Roman um die klassischen und leider zu oft vorkommenden Racheaktionen, die sich über so viele Jahre hinziehen, dass eigentlich keiner mehr weiß, woher denn der Ursprung der Fehde kam.
Das einzig “unechte” in seinem Buch sind die künstlichen Ortsnamen – alles andere wird von ihm mit typischen “Gegenwartssachen” erzählt. Aus diesem Grund bin ich auch gegen die Fantasy-Schublade und ich kann mich nur wiederholen: Dieses absolut spannende und überzeugend erzählte Buch führt nebenbei zum Nachdenken und sollte sich somit vor jedem Leser ausbreiten – es wird ihn nicht enttäuschen.
Jürgen Seibold/05.12.2006

A. Lee Martinez: Die Kompagnie der Oger – Sterben und sterben lassen!

Originaltitel: In the Company of Ogres
Übersetzung: Karen Gerwig
Deutsche Erstausgabe
Mai 2007
c 2006 A. Lee Martinez
c der deutschsprachigen Ausgabe: 2007 Piper Verlag GmbH, München

COVER:

Nach “Diner des Grauens” der neue Wahnsinnsspaß des Shooting-Stars A. Lee Martinez – ein Fest für alle Fans von Shrek, Terry Pratchett und Douglas Adams: Never Dead Ned schiebt eine ruhige Kugel als Buchhalter bei einer Söldnerarmee. Nun soll er neuer Kommandant der Oger-Kompanie werden. Alle bisherigen Vorgesetzten dieses intriganten Haufens sind bei mysteriösen Unfällen ums Leben gekommen. Doch Ned ist anders – er kann nicht sterben. Und seine neue Mission hat es in sich: Zur Truppe gehören nicht nur der schüchterne Ork Gabel, der aussieht wie ein Kobold, sondern ebenso Baumwesen, Totengräber und ein blindes Orakel, das die Zukunft vorherriechen kann. Auch liefern sich Amazonen und Sirenen einen erbitterten Kampf um Neds Zuneigung. Und ein Dämonenkönig ist Ned auf den Fersen, um den Weltuntergang einzuläuten. Ausgerechnet auf der Chaos-Truppe ruht die letzte Hoffnung…

A. Lee Martinez wurde mit seinem humorvollen Debüt “Diner des Grauens” über Nacht zum Shooting-Star. Er lebt in Dallas, Texas, wo er schreibt, jongliert, Videospiele spielt und Zeitreisen unternimmt. Vielleicht ist er ein Geheimzauberer (das wäre allerdings geheim), und es könnte sein, dass er Gartenarbeit mag. Sicher ist jedoch, dass er Lebensläufe nicht ausstehen kann. Und eigentlich hat er auch keinen Spaß an Gartenarbeit. Alles andere an dieser Biographie ist jedoch absolut korrekt.

REZENSION:

Bereits mit seinem Debut “Diner des Grauens” konnte A. Lee Martinez uneingeschränkt überzeugen. Nun liegt mit “Die Kompanie der Oger” sein Nachfolger vor und geht in eine etwas andere Richtung. Martinez bleibt zwar weiterhin dem grob umrissenen Genre treu – verlässt aber nun gänzlich den Vampirbereich und widmet sich nun einer ganzen Reihe von anderen Wesen, die uns aus den unterschiedlichsten Märchen, Sagen, Stories,… und woher auch immer, bekannt sind.
Allein seine Hauptfigur weiß schon zu überzeugen und sorgt bereits durch den Umstand, dass er schlicht und einfach ein Problem mit dem Sterben hat – oder vielmehr damit, tot zu bleiben – für einen neuen amüsanten Witz, zu dessen Art Martinez sich ja bereits mit seinem Erstlingswerk einen Namen machen konnte.
In “Die Kompanie der Oger” fängt der Autor ein wenig ruhiger an und lässt anfangs dabei etwas seine Vorzüge missen. Nach und nach merkt man aber, dass er diese Zeit zur detaillierten Bekanntmachung seiner Protagonisten verwandt hat und dem Leser dadurch sehr viel Einblick in die bizarre und irgendwie durch und durch liebhafte Welt und deren Charakteren eröffnet wird.
Nach einer gewissen Zeit fängt Martinez an, auf das Gas zu treten und man wird mehr und mehr in den Sog der Geschichte gezogen – abermals sitzt man mit einem nicht mehr verschwindenden Lächeln vor den Buchstaben und lässt sich fulminant und höchst amüsant die Zeit vertreiben.
Martinez spielt sehr geschickt mit allen Vorurteilen, Charaktervorgaben oder einfach dem, wie man sich die Gestalten vorstellt. Er treibt es sogar weiter und gibt seinen Protagonisten das Wissen um diese Vorurteile teilweise mit – somit ist eine Amazone männerfeindlich aber trotzdem brutal(!) hübsch.
Im Gegensatz zu den berühmteren Namen, wie z.B. Terry Pratchett, bleibt A. Lee Martinez aber auf einer eigenen Schiene. Sein Witz ist absolut nicht mit den anderen Größen vergleichbar – bleibt er doch viel zynischer und auch erheblich schwärzer als die anderen bekannten Autoren des humorvollen Fantasyromans. Martinez treibt es rabenschwarz und hintergründig auf die Spitze und schert sich dabei weder um ethische Befindlichkeiten noch um sonst irgendwas – und genau dies hebt ihn als etwas Anderes hervor. Diese Art des Romans hat den Fans von bösartigeren Geschichten definitiv gefehlt und lässt auch noch auf sehr viel mehr erfreuliche und dabei böse Ergüsse des Autors hoffen.
Jürgen Seibold

A. Lee Martinez: Diner des Grauens

Originaltitel: Gil’s All Fright Diner; Tor Books, New York 2005
Übersetzung: Karen Gerwig
Deutsche Erstausgabe Mai 2006
c der deutschsprachigen Ausgabe: 2006 Piper Verlag GmbH, München
ca. 345 Seiten / €9,95

COVER:

Willkommen in “Gil’s All Fright Diner”, einem schäbigen Imbiss irgendwo in der Wüste. Hierher verschlägt es die texanischen Kumpels Earl und Duke in ihrem uralten Pickup. Eigentlich wollen sie nur einen Happen essen. Doch Loretta, die schwergewichtige Restaurant-Besitzerin, bietet hundert Dollar, wenn sie sich ihres Zombie-Problems annehmen. Und weil Earl ein Werwolf, Duke ein Vampir und beide knapp bei Kasse sind, schlagen sie ein. Doch die Zombie-Kühe und singenden Yucca-Palmen, mit denen sie es zu tun bekommen, sind nur die Spitze des Eisbergs. Denn auch ein Vampir kann sich unsterblich verlieben. Und ein monströser Kult setzt offenbar alles daran, ein altes Unheil unter dem Gebäude zum Leben zu erwecken…
Newcomer A. Lee Martinez legt mit seinem Überraschungserfolg ein rasantes und amüsantes Debüt vor, wie es Fantasy und Horror bisher nicht gesehen haben.

A.Lee Martinez lebt in Terell, Texas. “Diner des Grauens” ist sein erster Roman”

REZENSION:

Was soll man über so ein Buch sagen?
Ein Buch, in dem so ziemlich alle Horror- / Gruselklischees vorkommen, abgehakt oder sogar verworfen werden?`Ein Buch, in dem die beiden Hauptdarsteller ein Vampir und ein Werwolf sind? Ein Buch, in dem selbst Kühe zu Zombies werden? Ein Buch, in dem sich ein Vampir in einen Friedhofsgeist verliebt?
Man könnte so noch endlos weitermachen – A. Lee Martinez hat in diesem Buch wirklich alles eingebaut, was ihm zwischen die Finger kam.
Übrig beibt ein brutales, lustiges, extrem blutiges Buch, das einem die Mundwinkel nach oben zieht und man definitiv nicht weiß, ob man die Augen vor der Brutalität oder dem schwarzen Humor verschließen soll oder ob man sich einfach die Tränen vor lauter Lachen abwischen soll.
Ich persönlich kann dieses Buch nur jedem empfehlen: Einzige Voraussetzung: man sollte sich ein klein wenig im Genre zu hause fühlen um die beschriebenen Klischees zu kennen (Knoblauch, Pfahl im Herzen, “wie wird man Werwolf?”, ….) – als Ergebnis liest man eine Geschichte, wie es sie vorher wohl noch nie gab und schwer zu erreichen sein wird.
A. Lee Martinez reiht sich mit seinem furiosem Debüt in die Riege grosser Kultautoren, wie z.B. Douglas Adams oder Terry Pratchett ein – endlich aber auch für den Horrorfreak!
Für mich ein absoluter Monatstipp!
Jürgen Seibold/20.05.2006

Peter Lancester: Unterm Doppelmond – Die Chroniken der Anderwelten 2

c 2005 der deutschsprachigen Ausgabe: Eldur Verlag, Aachen.
ca. 370 Seiten

COVER:

Zum Buch:
“Unterm Doppelmond” setzt die Geschichte fort, wo “Das blaue Portal” endete: Eva, Otto, Friedrich und Ander sind auf dem Weg nach Unterhessen; mit dem Ziel, die Welt jenseits der unterirdischen Stadt zu erforschen.

Bereits auf dem Weg gibt es einen Zwischenfall, doch die wirklichen Probleme beginnen bei ihrer Ankunft: Friedrich wird festgesetzt, Ander verschwindet. Otto und Eva sind gefangen in einer fremden Welt, die sie nicht verstehen, und die darauf auch keinerlei Rücksicht nimmt. Während Otto Pläne für eine Flucht zu zweit schmiedet, will Eva unter allen Umständen Friedrich befreien und die Expedition fortsetzen.

Als keiner mehr damit rechnet, taucht Ander wieder auf und überredet Eva, in die Garde einzutreten. Doch die militärische Grundausbildung ist die Hölle. Überhaupt scheint Ander ein falsches Spiel zu spielen, und schon bald gerät alles außer Kontrolle.

Am Ende bleibt nur die kopflose Flucht – in die Anderwelt.

Zum Autor:
Peter Lancester stammt aus einem namenlosen Dorf in Osteuropa, welches inzwischen aufgrund seiner Verdienste in der Schädlingsbekämpfung nach ihm benannt wurde.
1980 wanderte er nach Frankreich aus und gründete ein Büro zur Vermittlung arbeitsloser Werwölfe.
Sein erster Roman wurde nie veröffentlicht, da sein Agent verstarb, bevor er den Namen des Verlages nennen konnte, an den er das Manuskript vermittelt hatte.
Peter Lancester lebt heute in Bonn und versorgt die medizinische Universität mit Frischfleisch.
Gerüchten zufolge hat Lancester zweieinhalb Kinder.

REZENSION:

Mit “Unterm Doppelmond” erreichte mich der zweite Band der perfekt eröffneten, fünfbändigen Reihe “Die Chroniken der Anderwelten”.
Durch den gelungenen Start “Das blaue Portal”, war ich sichtlich froh, mit Eva, Otto und Friedrich nun in die Anderwelten hinab zu steigen.
Dort angekommen stellt sich ziemlich schnell heraus, daß sich “Unterhessen” wohl doch ein wenig anders darstellt, als sie von ihrem Begleiter Ander erfahren haben:
Es herrscht eine starke, rassistisch anmutende Zweiklassengesellschaft zwischen den Menschen und den zu niederen Tätigkeiten verurteilten und ausgebeuteten Pferden.
Ziemlich schnell zeigt sich auch ein sehr kurioses Rechtssystem, das nicht nur Friedrich zum Verhängnis wird, sondern auch noch für mehrere Verwicklungen und Probleme der übrigen Beteiligten verantwortlich ist.
“Unterm Doppelmond” wird in erster Linie aus der Sicht Evas erzählt, die sich in diesem Band immer mehr vom jungen, pubertierenden, unbedarften “Dummchen” zur toughen, ideenreichen Frau, wenn nicht sogar zur “Kämpferin” entwickelt.
Hinzu kommt die unerwartete aber notwendige Rückkehr Leslys (das Pferd aus Band 1 – sollte es jemand noch nicht wissen…), der für die gut dargestellte Auflehnung der Pferde sorgt.
Allzu viel möchte ich hier nicht vom Inhalt ausbreiten, da ich – wie auch beim ersten Band – die Fortsetzung als eingängig, glaubwürdig und spannend erzählte Geschichte halte und somit erneut nur jedem Liebhaber der etwas düstereren Fantasy uneingeschränkt empfehlen kann.
Ich glaube hier entwickelt sich so nach und nach ein Dark-Fantasy-Zyklus der noch lange nach seines gleichem suchen muss.
Jürgen Seibold/02.10.05

Peter Lancester: Das blaue Portal – Die Chroniken der Anderwelten 1

c 1988 Peter Lancester
c 2004 der deutschsprachigen Ausgabe: Eldur Verlag, Aachen

COVER:

Zum Buch:
Eine Burg in Hessen zu Beginn der 80er Jahre. Sitz einer verschrobenen Adelsfamilie, deren jüngster Sproß die fünfzehnjährige Eva ist. Mit dem Auftauchen merkwürdiger Wesen im Keller hält der Wahnsinn im Gemäuer Einzug. Eine scheinbar unendlich in die Tiefe reichende Treppe führt zurück ins Mittelalter – und noch weiter, tief in das Herz uralter Sagen, Mythen und Legenden.

“Das blaue Portal” ist der Auftakt eines abgeschlossenen, fünfteiligen Epos um eine Parallelwelt, die mit der unseren eng verbunden ist. Die geheimen Zugänge sind in der ganzen Welt verstreut, doch nur wer die Bücher ihrer Erbauer besitzt, kann sie finden.

Abenteuergeschichte, Fantasy und historischer Roman verschmelzen hier zu einem farbig-düsteren Universum, das Sie nicht mehr loslassen wird: Wenn Sie einmal in die Abgründe der Anderwelten eingetaucht sind, werden Sie dieses Buch nicht mehr aus der Hand legen können.

Zum Autor:
Peter Lancester wurde 1960 in London geboren, verbrachte seine Kindheit jedoch in Hüllendorf, wo seine Mutter für den britischen Geheimdienst tätig war.

Nach einigen glücklosen Versuchen als Rechtsmediziner, Neurochirurg, Computerspieleprogrammierer und Sektengründer, beschloß er, sich der Schriftstellerei zu widmen.

Er lebt heute zurückgezogen im Untergeschoß einer schottischen Burgruine und züchtet Dämonen.

Gerüchten zufolge hat Lancester zweieinhalb Kinder.

REZENSION:

“Das blaue Portal” ist der erste Band einer fünfteiligen Reihe, in der es wieder einmal um eine Parallelwelt geht. Dieses “wieder einmal” war mein erster Eindruck und das für mich leicht comichafte Cover hat dies nur bestätigt. Lediglich die Coverbeschreibung fand ich ganz interessant und somit habe ich gemütlich mit der Lektüre begonnen…
Los gehts mit einem Alkoholiker, der plötzlich im Keller – auf der Jagd nach der nächsten Flasche – Pferde zu sehen meint. Wie sich herausstellt sind tatsächlich Pferde im Haus unterwegs.
Okay, dachte ich mir – scheint wohl etwas abgedreht wenn nicht sogar regelrechter Quatsch zu sein. Wie ich aber bei Büchern so bin: Ich lese munter weiter.
Und genau das sollte man tun.
Plötzlich findet man sich in einer Geschichte, die sich nicht nur gut lesen lässt, sondern auch trotz der kleinen sprechenden (!) Pferde absolut zu überzeugen weiß und den Leser in einen regelrechten Bann zieht.
Der Autor zeigt sehr geschickt die Probleme seiner Protagonisten, ihre teils leichtsinnigen aber auch mutigen Exkursionen in die Tiefen der im Keller gefundenen Treppe, die über mehrere tausend Stufen in das sagenhafte “Unterhessen” führt; baut aber auch gleichzeitig eine im Mittelalter begonnene Side-Story auf, die den Leser immer mehr in die Hintergründe der Entstehung von “Unterhessen” – und auch den Pferden – führt.
Seine Darstellung ist einschließlich der Fantasyelemente absolut glaubhaft und baut beim Leser mit Leichtigkeit eine Sucht zur weiteren Lektüre auf. Durch die erfreulicherweise manchmal recht düster gehaltene Stimmung erschuf er ein Dark-Fantasy-Werk, das schon als Einstieg alleine zu überzeugen weiß. Ich hoffe nur, die weiteren Bände stehen dem nicht nach. Sind sie nur halb so gut, gibt es einen neuen Lichtblick am Fantasy-Markt.
Somit für mich ein absolut zu empfehlendens Buch!
Jürgen Seibold/25.04.2005

Peter Lancester: Dämonentränen – Die Chroniken der Anderwelten 3

vollständige Taschenbuchausgabe 2005
c 1990: Peter Lancester
c 2005 der deutschsprachigen Ausgabe: Eldur Verlag, Aachen
ca. 385 Seiten / 9,95 €

COVER:

“Dämonentränen” schlägt ein neues Kapitel der Anderwelten-Chroniken auf. Es ist die Geschichte von Mona, die versucht, in unserer Welt ein normales Leben zu führen. Dazu gehört auch die Verdrängung ihrer unrühmlichen Vergangenheit. Doch eben diese holt sie ein, als eine namenlose Organisation sie entführt, um eine bestimmte Information aus ihr herauszupressen: Die Lage eines der Portale, die in die Anderwelt führen.

Dazu müssen zunächst Monas verschüttete Erinnerungen reaktiviert werden. Allerdings geht dies nicht ohne Nebenwirkungen vonstatten. Schon bald zahlen die Entführer einen hohen Preis.

Das dritte Buch der fünfteiligen Reihe ist ein Buch der Extreme. Düster, blutig und erotisch weckt es Mitleid und Sympathien für ein Wesen, das eigentlich weder das eine noch das andere verdient. Sollte man meinen.

Zum Autor:
Peter Lancester schreibt vorwiegend Horrorgeschichten, doch es ist schwer, für diese einen Verleger zu finden, denn jeder, der sie liest, erkrankt alsbald an einem grünlichen Hautausschlag und stirbt nach einer Woche.

REZENSION:

Wie bitte? – Die Chronik der Anderwelten geht in die dritte Runde und es gibt keine Eva, keinen Friedrich oder Otto?
Sämtliche ins Herz geschlossene Protagonisten der ersten beiden Bände sollen nun im vorliegenden Buch keine Rolle spielen? Wo ich mich im ersten Band noch über die neunmalkluge und ein wenig übertrieben “jugendlich und pubertierend” gezeichnete Eva geärgert, im zweiten Buch aber glaubhafter und nun langsam erwachsen werdend dargestellt und somit von mir fieberhaft begleitet worden ist?
Naja – wende ich mich halt trotz sämtlicher Vorbehalte und Bedenken diesem Buch zu und laß mich einfach mal überraschen:
Der Autor breitet vor dem Leser die Geschichte von Mona aus und bewegt sich dabei in einem zeitlichen Wechselspiel, betritt aber so gut wie nie die Anderwelten, sondern hält sich überwiegend “bei uns” auf.
Man springt in seinem Buch zwischen zwei (etwa 30 Jahre auseinander liegenden) unterschiedlichen Zeiten und man hat dabei positiver weise das Gefühl, dass Peter Lancester die jeweils spannendsten Erlebnisse aus diesen beiden unterschiedlichen “Epochen” hervorholt um den Leser in virtuoser Art an das Buch zu fesseln.
Er vermeidet dabei anfangs auch sehr geschickt die zu frühe Offenbarung, um was es sich bei Mona handelt und man wäre dadurch erstmal sehr verwirrt und danach auch sehr überrascht, würde man nicht schon aufgrund des Buchcovers die richtigen Schlüsse ziehen.
Ich denke, ohne diesem Wissen würde das Buch noch mehr wirken – aber ich kann natürlich auch das sehr gute Cover verstehen, da nunmal Coverbilder ebenfalls zum Kauf verleiten. Eine “Geheimhaltung” der wahren Mona würde aber nichts desto trotz die Geschichte noch intensiver machen.
Somit kann man hier verraten, dass es sich bei Mona eigentlich um einen Flugteufel handelt, der aus nachzulesenden Gründen sozusagen bei uns “gestrandet” ist und mit Sicherheit keinerlei Mitgefühl des Lesers verdient hätte, nun aber in unserer Welt mehr und mehr menschliche Erfahrungen sammelt und den Leser dadurch erobert.
Es geht sogar weiter: Man ist versucht, die anderen beteiligten Menschen zu verfluchen, da diese Mona aus egoistischen Gründen festhalten und in übelster Weise behandeln bzw. misshandeln. Nebenbei schafft es Lancester in seiner Geschichte sogar, eine sehr glaubhafte Liebesgeschichte mit einzubauen, die die menschlichen Züge Monas noch mehr hervorholen.
Peter Lancester dreht somit im vorliegenden Werk die Leserbeziehung Mensch – Monster gänzlich um und erzählt uns eine Lebensgeschichte mit einer neuartigen Intensität und ungeahnten Dramaturgie, die nicht nur thematisch sondern auch schriftstellerisch ein neues Kapitel dieser Chroniken aufschlägt.
Dämonentränen ist somit für mich der absolute Höhepunkt des bisher veröffentlichten Teils des Anderwelten-Epos und lässt sich sicherlich nur noch schwer toppen!
Jürgen Seibold/24.06.2006