Alan Dean Foster: Bannsänger / Die Stunde des Tors / Der Tag der Dissonanz

c 2005 by area verlag gmbh, Erftstadt, c der deutschen Übersetzung: 1986 by Wilhelm Heyne Verlag GmbH & Co.KG, München; 2005 by Piper Verlag GmbH, München
Titel der Originalausgaben:
Bannsänger: Spellsinger – Übersetzung: Leo P. Kreysfeld
Die Stunde des Tors: The Hour of the Gate – Übersetzung: Leo P. Kreysfeld
Der Tag der Dissonanz: The Day of Dissonance – Übersetzung: Leo P. Kreysfeld und Ralph Tegtmeier

COVER:

Die ersten drei Romane des legendären Bannsänger-Zyklus – Das abenteuerliche Fantasy-Epos von Alan Dean Foster

Jon-Tom Meriweather, netter, tagträumender Durchschnittsstudent aus Kalifornien, gerät nach dem Genuß eines Joints in eine absonderliche Parallelwelt. Durch ein magisches Mißgeschick des greisen Schildkröten-Hexers Clodsahamps wird Jon-Tom zum unfreiwilligen Gast der Welt intelligenter, rücksichtsloser Tiere – Fledermäuse, Bären, Tiger und Orang-Utans. Doch schon bald muß er sich zwischen den Welten entscheiden: Das Land wird vom Volk der Gepanzerten, grausamen Insektenwesen, überfallen, und seine Anwesenheit könnte von großem Nutzen sein. Denn eine übersinnliche Gabe schlummert in Jon-Tom: Er ist ein Bannsänger!

REZENSION:

Mit diesem über 800 Seiten dicken Wälzer zeigt der Area-Verlag eine neue Richtung, die mir bis dahin nicht bekannt war. Bisher war dieser Verlag für mich ein Garant für anspruchsvolle Horrorliteratur und zeigt nun, dass er diesen Anspruch auch im Bereich des Fantasy-Genres zu erreichen versucht.
Mit Alan Dean Fosters “Bannsänger” ist ihm das bereits gelungen:
Es beginnt alles mit einer sehr guten Idee: Ein netter junger Student – ein wenig high vom Genuss eines Joints – wird von einem Zauberer in eine andere Welt gerufen bzw. unfreiwilligerweise geholt.
Bei dem Zauberer handelt es sich um eine Schildkröte und Jon Tom stellt fest, dass in dieser Welt noch mehreres anders ist: Die Menschen sind hier in einer starken Minderheit und die restlichen “Personen” sind alles intelligente und sprechen könnende Tiere.
Entgegen der anfänglichen Annahme, das Jon-Tom aus Versehen aus seiner Welt “geklaut” worden ist, stellt sich ziemlich schnell heraus, daß er eigentlich ebenfalls ein Zauberer ist – nämlich in Form eines Bannsängers.
Dies zeigt sich, in dem Jon-Tom Lieder unserer Zeit zum Besten gibt und dadurch je nach den Texten gewisse Dinge geschehen oder Wesen gerufen werden. Nachdem jedoch die Texte und deren Eigenheiten eher in unsere Welt als in diese Welt passen, ergeben sich daraus die unvorhersehbarsten Umstände und Probleme.
In diesem Sammelband des Area-Verlages befinden sich insgesamt drei Romane um den Bannsänger:
1. Bannsänger, 2. Die Stunde des Tors und 3. Der Tag der Dissonanz.
Die ersten beiden Bände ergeben zusammen eine abgeschlossene Geschichte, in der Jon-Tom mit Hilfe seiner Freunde, dem Zauberer, dem Otter und noch einigen anderen Helfern die Welt rettet. Im dritten Band “Der Tag der Dissonanz” wird Jon-Tom von dem Zauberer in Schildkrötengestalt aufgefordert ein Medikament zu besorgen, das es nur jenseits des Glittergeistmeeres gibt und welches der Zauberer zum Bekämpfen seiner Krankheit dringend benötigt.
Nachdem die ersten beiden Geschichten und die Rettung der Welt bereits voller Ideen strotzt und für so manchen “Schenkelklopfer” zu gebrauchen ist, zeigt Alan Dean Foster meisterlich in “Der Tag der Dissonanz” zu was er eigentlich fähig ist. Man merkt sehr deutlich den Erfolg der ersten beiden Geschichten und Foster konnte wohl deshalb in dem dritten Buch ein wenig spielerischer mit seinen Protagonisten umgehen. Er schreibt voller Ironie, Seitenhieben und der Fähigkeit, Personen und Tiere ( die den Personen gleichzustellen sind) in den unterschiedlichsten Facetten und Eigenheiten darzustellen. Dies alles, ohne jemals den Witz dieser Geschichte aus den Augen zu verlieren. Sicherlich ein Zyklus, der noch viele Leser überzeugen könnte – Einfach perfekt! (Außerdem würde ich wahrscheinlich die Schildkröte erwürgen, wenn ich herausgefunden hätte, um was für ein Medikament es sich handelte, hihi…)
Jürgen Seibold / 24.04.2005

Jasper Fforde: Im Brunnen der Manuskripte

Originaltitel: The Well of Lost Plots
Übersetzung: Joachim Stern
Deutsche Erstausgabe Juni 2005
c 2005 der deutschsprachigen Ausgabe: Deutscher Taschenbuch Verlag GmbH & Co.KG, München
ca. 412 Seiten

COVER:

Die Welt der Literatur gegen alle möglichen Missetäter zu verteidigen, ist eine ehrenvolle, aber auch nervenaufreibende Aufgabe. Wen wundert es also, dass Thursday Next sich zu ihrem Mutterschaftsurlaub in die tiefsten Tiefen des Brunnens der Manuskripte zurückzieht. Genauer gesagt auf ein gemütliches Flug-/Hausboot in einem drittklassigen, unlesbaren Krimi, der wahrscheinlich nie veröffentlicht wird. Hier kann sie sich auf die Große Dienstprüfung der Jurisfiktion vorbereiten. Aber das Leben im Brunnen der Manuskripte ist nicht ungefährlich: Es ist ein Mörder in diesem Roman unterwegs, der sich auf Jurisfiktion-Agenten spezialisiert hat. TextGrand-Central will das neue Betriebssystem Ultra-WordTM mit aller Gewlat durchsetzen.

Jasper Fforde ist Waliser (daher das markante doppelte F!) und wurde 1961 geboren. Seine Romane schrieb er 14 Jahre lang neben seiner Arbeit als Kameramann bei verschiedenen Filmproduktionen. Nach 76 Ablehnungen erschien im Jahre 2001 der erste Band der Abenteuer von Thursday Next, “Der Fall Jane Eyre”. Der zweite Band “In einem anderen Buch” folgte dann 2002. Jasper Fforde wurde 2004 aufgrund seiner literarischen Verdienste zum zeitweiligen Ehren-Bürgermeister von Swindon ernannt.

REZENSION:

Die Lektüre von „Im Brunnen der Manuskripte“ war auch ein Selbstversuch: Eignet sich der dritte Band einer Reihe, um in eine Serie einzusteigen?
Das Ergebnis sei gleich vorweg genommen – das geht hervorragend, macht vermutlich aber noch mehr Spaß, wenn man die vorhergehenden Bände kennt.
Die Serie an sich ist nämlich recht komplex aufgebaut, geht es doch um das versteckte Innenleben der Bücher. Wir „Aussenweltler“ leben ja in dem Glauben, Autoren würden Bücher schreiben – weit gefehlt! Bücher schreiben sich selbst in der BuchWelt, einer parallelen Ebene der Wirklichkeit, die durch ein kompliziertes, unseren Textverarbeitungsprogrammen nicht unähnliches System zusammengehalten wird. Hier gibt es eigene Helden (die durchaus darüber traurig sind, nichts als Romanfiguren zu sein) und Gegner (wie die Grammasiten, die Wörter fressen), eigene Regeln, Gesetze und Figuren, die über deren Einhaltung wachen.
In dieser Welt bewegt sich eine junge Frau namens Thursday Next als Agentin der buchinternen Sicherheitsbehörde. Da sie schwanger ist, soll sie aus Sicherheitsgründen in einem Buch untertauchen, das keinerlei literarische Bedeutung hat. Dazu begibt sie sich in den „Brunnen der Manuskripte“ – dem Ort, an dem alle hoffnungslosen Texte lagern und darauf warten, einmal gedruckt zu werden. Natürlich wird aus dem geplanten Erholungsurlaub nichts: Die drei Hexen aus Macbeth prophezeien Thursday dramatische Ereignisse, ihre Großmutter steht unverhofft vor der Tür, sie muss sich mit Mitbewohnern herumschlagen und zu allem Überfluss gibt es ja auch noch die Abschlussprüfung, der sie sich stellen muss…
Bevor die eigentlich Story rund um einen Mörder und das neue Textverarbeitungsprogramm „UltraWord“ los geht, vergeht auf diese Weise schon mal die erste Hälfte des Romans. Ein wenig Geduld muss man da schon mitbringen. Witzige Ideen wie das „Fußnotofon“, das im Text Fußnoten produziert oder munter eingestreute Anspielungen an Literaturklassiker lassen aber keine Langeweile aufkommen.
Weitaus spannender als die eigentliche Story ist die Welt, in der Thursday sich bewegt. Voller Anspielungen nicht nur auf große Werke der Literatur, sondern auch auf unsere moderne Gesellschaft und ihre Technik liest sich kaum eine Seite ohne Lacher. Der Stil lädt ein zu Vergleichen mit Fantasy-Größen wie Terry Pratchett oder Douglas Adams. Fforde punktet noch zusätzlich dadurch, dass er mit dieser Reihe eine Fantasy geschrieben hat, die ihre Genregrenzen weit hinter sich zurücklässt. Dass macht die Lektüre sowohl für Fantasy-Fans als auch für Leser mit Ahnung von Literaturgeschichte lohnenswert. Wirklich vermissen tut man aber auch nichts, wenn man Vorwissen dieser Art nicht mitbringt, es entgehen den Lesern dann „nur“ zusätzliche Lacher.
Wer mit dem dritten Band anfangen will, sollte sich bewusst sein, dass das Buch kein leichter Schmöker ist, sondern aufgrund der neuartigen Welt und ihrer Namen beständig die Konzentration und Aufmerksamkeit der Leser fordert. Vielleicht liest es sich ja leichter, wenn man die anderen Bände kennt. Vorwissen braucht man aber keines.
Lesern, die der englischen Sprache mächtig sind, würde ich jedoch in jedem Falle das Original ans Herz legen. Einige Gags muten im Deutschen reichlich seltsam an, weil sie auf englischen Sprachspielen beruhen. Ob in deutsch  oder englisch, mit dem dritten oder dem ersten Band – Spaß macht die Lektüre in jedem Fall!
Katja Angenent für Hysterika/01.03.2008

Philip José Farmer: Die Verkörperung des Bösen / Ausser Atem / Fleisch

c 2005 by area verlag gmbh, Erftstadt
Titel der Originalausgaben:
Die Verkörperung des Bösen: The Image of the Beast
Ausser Atem: Blown
Fleisch: Flesh
Übersetzung von Ronald M. Hahn

COVER:

Ein “Exorzismus in drei Ritualen” – drei erotische Fantasy-Romane von Philip José Farmer.

Sie gelten als die Enfants terribles des Science-Fiction-Genres: die Episoden um Detektiv Herald Childe, der einer grausamen Horde Außerirdischer anheimfällt, und die Abenteuer des Sonnenhelden Peter Bock, der in einem Fruchtbarkeitsritual unversehens zum Sexprotz mutiert..
Ende der sechziger Jahre erschienen, gehören die drei legendären Romane Philip José Farmers bis heute zu den Klassikern der Science-Fiction- und Fantasy-Literatur und bestechen nach wie vor durch verblüffende Tabu- und Respektlosigkeit genauso wie hintergündigen Humor und Satire.

REZENSION:

Der Band “Fleisch” der Fantasyreihe des Area-Verlages beinhaltet die drei Romane “Die Verkörperung des Bösen”, “Ausser Atem” und “Fleisch” von Philip José Farmer aus den Jahren 1968 und 1969.
Diese Jahreszahlen sollte man sich noch mehrmals auf der Zunge zergehen lassen, denn Farmer erzählt in einer brutalen und schamlosen, sowie vor sexuellen Eskapaden strotzenden Art und Weise, wie es für diese Zeit sicherlich noch nicht üblich wahr. Es gibt bestimmt genug Menschen in der heutigen Zeit, die damit noch Probleme haben würden.
Viele würden dieses Werk somit schlicht und einfach als Pornographie abtun und in dieser Ecke abstellen. Dies würde jedoch weder dem Autor noch den Geschichten gerecht werden.
“Die Verkörperung des Bösen” und “Ausser Atem” sind zwei zeitlich aufeinander folgende Episoden im Leben des Detektivs Herald Childe, der sich auf der Suche nach Mördern durch so ziemlich alles schlagen muss, was man einem nur entgegensetzen kann: Außerirdische, abgrundtiefe Bosheit, sexuelle und orgiastische Ausschweifungen, Vampire, Wolfsmenschen, und und und.
Und ich muss uneingeschränkt sagen: Diese Tour macht irre Spass!!
Herald Childe ist ein Mensch wie du und ich – bzw. wie ein John McClane in “Stirb langsam”: zur falschen Zeit am falschen Ort.
Philip José Farmer erzählt rasend schnell und trotzdem eingängig, sehr detailliert und glaubhaft. Seine mit einer übertriebenen Offenheit dargelegten sexuellen Abgründe sind sehr regelmäßig aber auch geschickt und passend in die Erzählstränge eingebaut und legen sich problemlos zur Handlungsauflösung gehörend dar.
Man fühlt sich wie auf einer durchgeknallten Geisterbahn, bei deren Ausfahrt man mit offenem Mund herauskommt und nur noch ein “WOW!” ausstossen kann.

Ein kleines Manko muß ich lediglich trotz der Lobpreisungen loswerden:
Erstens ist man bei dieser Tour de Force sehr stark auf die Figur Herald Childe fixiert (was sicherlich auch an der erzählerischen Qualität des Autors liegt), der leider bei der dritten Geschichte nicht mehr mitspielt, da diese eine Science-Fiction-Story losgelöst der vorangegangenen Romane darstellt.
Dadurch verspürt man eine gewisse Enttäuschung, die sich durch die nicht mehr so stark überzeugende dritte Geschichte auch leider nicht mehr gänzlich abstreifen lässt. Ich denke, hier wäre weniger mehr gewesen und es hätten die beiden Episoden um Herald Childe als Doppelband sicherlich auch gereicht.
Zweitens fehlt mir ein wenig der Bezug zur Fantasy und ich kann nicht ganz nachvollziehen, warum der Area-Verlag diese Romane unter dem Label Area-Fantasy veröffentlicht. “Fleisch” ist Science-Fiction und die beiden genialen Romane um Herald Childe spielen in der “heutigen” Zeit und sind nach meinem Empfinden eher in die mystische Thrillerecke mit Horrorelementen einzuordnen. Ich bin zwar kein großer Freund zu detaillierten Schubladendenkens, aber in diesem Fall befindet sich die Leserschaft wohl eher in der “grausamen” Ecke. Somit hätte ich mir diesen Band auch ganz gut in der Horror-Reihe des Area-Verlages vorstellen können.
Ich möchte aber nun die Qualitäten dieses Buches nicht schmälern und finde, dass es einen Buchtipp des Monats verdient hat. Diesen “Preis” verleihe ich aber ausschließlich den beiden Herald-Childe-Romanen!
Aber Vorsicht: Man muß ein sehr aufgeschlossener Leser sein, um dies alles ohne Probleme zu verkraften….;-)
Jürgen Seibold/01.01.2006

Jennifer Fallon: Der unsterbliche Prinz (Gezeitenstern Saga 01)

Die amerikanische Originalausgabe erschien 2007 unter dem Titel The Immortal Prince bei HarperCollinsPublishers Australia Pty Limited.
Copyright Jennifer Fallon 2007
Copyright der deutschsprachigen Erstausgabe April 2008 bei LYX verlegt durch EGMONT Verlagsgesellschaften mbH, Köln
Ins Deutsche übertragen von Katrin Kremmler und Rene Satzer

COVER:

Über viele Jahrhunderte herrschten die unsterblichen Gezeitenfürsten über die Welt von Amyrantha. Doch ihre Macht ist an den Gezeitenstern gebunden. Mit der kosmischen Ebbe ließen ihre Kräfte nach und verschwanden schließlich ganz. Inzwischen scheinen die Gezeitenfürsten nur noch in den althergebrachten Legenden zu existieren. Das Sklavenvolk der Crasii bewahrt die Erinnerungen an die mythischen Herrscher in seinen mündlichen Erzählungen auf. Eines Tages jedoch taucht ein Mann auf, der behauptet, Cayal, der unsterbliche Prinz, zu sein. Sind die Gezeitenfürsten zurückgekehrt?

Die junge Herzogin und Legendenforscherin Arkady wird hinzugezogen. Niemals würde sie an die Existenz mythischer Gestalten glauben, dennoch übt der Unbekannte eine unbeschreibliche Anziehungskraft auf sie aus. Ist er ein Hochstapler, ein Fantast oder gar ein ausländischer Agent? Sie lauscht seinen Geschichten und wird sich nach und nach bewusst, dass eine Gefahr von apokalyptischen Ausmaßen ihre Heimat Amyrantha bedroht……

REZENSION:

Wenn es  nach einem kurzen Prolog in einem Buch gleich mit einer erfolglosen Erhängung losgeht, dann darf sich der Leser auf einiges gefasst machen. Mit dem Anfang ihres Romans „Der unsterbliche Prinz“ hat die australische Schriftstellerin Jennifer Fallon einen schnellen Einstieg in die Handlung gewählt. Bereist auf den ersten Seiten erfährt der Leser, dass es sich bei Kyle Lakesh um den unsterblichen Prinz und Gezeitenfürsten Cayal handelt. 
Er spricht es ganz offen aus, aber im Kerker von Lebec schenkt man dem Mann kein Glauben. Die Gezeitenfürsten gelten als Legende und nur die Crasii, das Sklavenvolk, bewahren die alten Geschichten. Dieses Sklavenvolk ist eine seltsame Mischung als Mensch und Katze, aber es gibt noch weitere Absonderlichkeiten in der fantastischen Welt von Jennifer Fallon. Gekonnt wird eine Welt, bestehend aus verschiedenen Fürstentümern, unter der Führung eines Königs aufgezeigt. Einer der Fürsten heißt Stellan Desean und ist der Fürst von Lebec, eben jenem Ort, in dem der unsterbliche Prinz im Kerker weilt. Dessen Geschichte klingt zwar unglaubwürdig, aber sein Überleben am Galgen verleiht ihm dennoch einen besonderen Stand unter den Gefangenen. Als dann auch noch der erste Spion des Königs im Kerker erscheint und sich diesen ungewöhnlichen Mann näher anschaut, ahnt der Leser die Entwicklung des Romans voraus.
Doch bereits hier gelingt es der Autorin, ihre Leser mit geschickten Wendungen abzulenken. Nicht Declan Hawks, der erste Spion, sondern die Fürstin von Lebec wird zur entscheidenden Person in der weiteren Handlung. Lady Arkady Desean ist die genauso schöne, wie eigenwillige Frau an der Seite des Fürsten. Sie stammt wie Declan Hawks aus einfachsten Verhältnissen, ist studierte Historikerin, kennt die Geschichte der Gezeitenfürsten und teilt ein wichtiges Geheimnis mit dem Fürsten von Lebec. Sie und Declan sind alte Freunde, daher bittet er den Fürsten um die Unterstützung der Historikerin. Arkady Desean soll die Behauptungen des verurteilten Mörders Kyle Lakesh widerlegen, dass er der unsterbliche Prinz und damit ein Gezeitenfürst ist.
Nach einigem Zögern übernimmt die Fürstin den Auftrag, da sie keine Sekunde an dieser Behauptung glaubt. Sie ist überzeugt davon, den Schwindler in kürzester Zeit entlarven zu können. Mit der ersten Begegnung der Fürstin und dem undurchsichtigen Kyle oder Cayal nimmt die Handlung ihren fesselnden Lauf. Von Anfang erregt ein Casii die Aufmerksamkeit der Fürstin, da dieser riesige Ark den Angaben des Mörders uneingeschränkt Glauben schenkt. Als Crasii sollte Warlock, so der Name des Ark, aus purem Instinkt jedem Gezeitenfürst bedingungslos gehorchen. Doch bei den Arks hat sich über viele Jahre eine Lösung dieser instinktiven Gefolgschaft eingeschlichen, was sie auch für die Menschen sehr unbequem erscheinen lassen. Diese Crasii leben als freie Wesen, auch wenn man sie für Tiere hält und so behandelt. Als ein Mitgefangener von Kyle Lakesh, nimmt Warlock regen Anteil an den Treffen mit der Fürstin.
Die Fürstin kämpft permanent um den Schutz der Geheimnise ihres Mannes und gegen eine zunehmende emotionale Verbindung zu Kyle Lakesh. Dieser Mann ärgert und fasziniert Arkady gleichzeitig und so lässt sie sich von ihm die ganze unfassbare Geschichte der Gezeitenfürsten erzählen. Mehr und mehr entwickelt sich das Leben der Fürsten von Lebec zu einem Alptraum, der schließlich in der Fluchthilfe Arkadys für Cayal gipfelt.
Im letzten Drittel des umfangreichen Romans entwickelt die Handlung sich radikal und man erlebt mit der Protagonistin ein Wechselbad der Gefühle. Zum Schluss des ersten Bandes kennt der Leser sich in der fantastischen Welt von Jennifer Fallon hervorragend aus und ist mit der Legende der Gezeitenfürsten bestens vertraut. Die Bedrohung für Lady Arkady Desean persönlich sowie für die gesamte Menschheit wird anschaulich herausgearbeitet. Die Zeit der Ebbe, in der die Gezeitenfürsten ihre magischen Fähigkeiten einbüßen, ist nahezu vorbei. Was der Menschheit während der tausend Jahre anhaltenden Flut der Gezeiten blüht, steht dem Leser deutlich vor Augen. Aber es gibt Hoffnung, denn im Gegensatz zu vergangenen Epochen, haben einige kluge Menschen sich vorbereitet. Neben diesen tapferen Menschen werden im weiteren Verlauf der Gezeitenstern-Saga auch die Arks eine wichtige Rolle einnehmen.

Fazit:
Dem umtriebigen Lyx-Verlag ist mit der Gezeitenstern-Saga ein sehr unterhaltsames Fantasywerk gelungen.
Hier stimmen Verlagsbeschreibung und tatsächlicher Inhalt wirklich zusammen und den Lesern wird meines Erachtens großartige Unterhaltung geboten. Besonders die sprachliche Gestaltung durch Katrin Kremmler und Rene Satzer trägt zu dem Lesegenuss in hohem Maße bei.
Harald Jacobsen für hysterika.de / 08.07.2008

Melissa Fairchild: Himmelsauge – Die Geheimnisse des Brückenorakels

Aus dem Englischen von Karin Dufner
Ca. 383 Seiten / 14,95 €
Deutsche Erstausgabe Dezember 2009
c 2009 by Working Partners Two
c 2009 der deutschsprachigen Ausgabe bei PAN-Verlag.

COVER:

In einem Londoner Krankenhaus kommt ein Junge ohne Gedächtnis zu sich. Den Ärzten ist er unheimlich, denn er hat einen schweren Unfall überlebt – und nun heilen die Verletzungen mit übernatürlicher Geschwindigkeit. Doch diese Gabe nutzt ihm wenig, als er kurze Zeit später auf der Flucht vor einem mächtigen Gegner ist, der alles daransetzt, ihn in seine wahre Heimatwelt zurückzubringen, aus der er geflohen ist. Doch zum Glück ist der Junge nicht ganz allein: Hilfe bekommt er von Hannah, einem ganz normalen Mädchen, und den im Verborgenen lebenden magischen Bewohnern von London …

REZENSION:

Es gibt Bücher, bei denen ich nach Lektüre der kurzen Coverbeschreibung am Rücken des Buches bereits bis in die Haarspitzen ob des zu erwartenden Inhalts gespannt bin.
Voller Erwartung und eigenen kreativen Ideen widmete ich mich sogleich dem Inhalt.
Wie ich dabei feststellen musste, wurde die Geschichte jedoch in keinster Weise meinen Ideen und Erwartungen gerecht. Das klingt natürlich sehr hart – muß aber nun mal so gesagt werden, da der Inhalt dieses fantasiereichen Werkes meine Ideen als auch Erwartungen hundertprozentig übertroffen hat und mich mit einer sehr gelungen aufgebauten Mischung aus Realität und Fantasie durchweg überzeugen konnte.
Himmelsauge schafft es auch mit Leichtigkeit, sowohl als Jugendbuch zu wirken – ohne dabei den fantasievollen Erwachsenen beiseite zu legen. Für beide Klientel ein absolut spannendes, interessantes und ideenreiches Werk voll interessanter Wendungen.
Absolut empfehlenswert!
Jürgen Seibold / 20.09.2010

Charlotte Engmann: Kjartan, der Vitländer

Erstauflage: September 2004
c Charlotte Engmann
c Edition Nocturno im VirPriV Verlag
ca. 133 Seiten

INHALT:

”Wie ein Blitz aus heiterem Himmel fuhr das Schwert des Reiters auf Kjartan nieder. Instinktiv wehrte er den Angriff ab. Die Waffen schlugen aufeinander. Funken sprühten. Wie ein Glockenschlag hallte der Klang von Stahl auf Stahl über das Land.”

Ob tief unter der See oder hoch über dem Meer, der Recke Kjartan von Froda erlebt mehr als ein fantastisches Abenteuer auf seinen Reisen in die fernen Länder des Westens und Ostens. Aber auch auf seiner Heimatinsel Vitland muss er sich bewähren in Zeiten der Not und im Streit mit den Anhängern des alten und des neuen Glaubens.
Gefährliche Kreaturen, allein aus alten Legenden bekannt, stellen Kjartan vor harte Prüfungen, bis er erkennt, nicht alle magischen Geschöpfe sind Feinde der Menschen.

REZENSION:

Charlotte Engmann führt uns in ihrem Episodenroman in die Welt von Kjartan dem Vitländer und zeigt dabei geschickt gute erzählerische Fähigkeiten in diesem Genre.
Kjartan muss nicht nur die unterschiedlichsten Abenteuer bestehen sondern ist auch ein sehr sympathischer Hauptdarsteller und man ist ein wenig traurig, dass es sich hierbei lediglich um einzelne, zeitlich aufeinander folgende, Episoden handelt, die bereits nach ungefähr 130 Seiten das Schließen des Buches erfordern.
Charlotte Engmann baut sehr geschickt viele bekannte Mythen und Sagen in ihre Episoden ein, ohne diese jedoch zu kopieren oder lediglich neu zu erzählen.
Sie führt uns durch das gesamte Leben Kjartans und erschafft virtuos eine lebendige Figur, die sich vor dem Auge des Lesers entfaltet.
Dadurch entsteht eine schöne Atmosphäre und man leidet, freut sich und kämpft mit allen beteiligten Figuren als wäre man ein Teil des Ganzen.
Die Episoden lassen sich sehr schön lesen und wirken durch und durch glaubwürdig.
Somit ein sehr schönes kurzweiliges Buch für zwischendurch und ich denke Kjartan hätte auch das Zeug zu einem echten Romanhelden.
Jürgen Seibold/15.11.2005

David & Leigh Eddings: Belgarath der Zauberer

c 1996 by David & Leigh Eddings
Originaltitel: Belgarath the Sorcerer
Dt. Lizensausgabe 1997 Bastei-Verlag Gustav H. Lübbe GmbH & Co., Bergisch Gladbach
Band 28 301
Übersetzung: Susi Grixa

COVER:

Jahrhundertelang tobte der Krieg, nun ist er endlich beendet, und das Schicksal nimmt wieder seinen gewohnten Lauf. Es gibt nur noch einen Menschen, der von den fast vergessenen Zeiten zu erzählen weiß, als die Götter noch über die Erde wandelten. Einen Menschen, der noch weiß, wie der Dunkle Gott Torak das Auge Aldurs stahl und die Welt spaltete, wie die Menschen in einen erbarmungslosen Konflikt gezogen wurden, den Krieg der Götter. Einen einsamen letzten Zeugen, genannt der Alte Wolf: Belgarath der Zauberer. Und er war von Beginn an Teil dieser Geschichte…

In diesem lang erwarteten Roman, der die Vorgeschichte der berühmten Belgariad-Saga erzählt, greifen DAVID und LEIGH EDDINGS die Legende von Belgarath dem Zauberer auf: voller Spannung, geistreich, atmosphärisch dicht und mit der gewohnten Begeisterung, die sehr schnell auch den Leser packt.

REZENSION:

Belgarath der jahrtausendealte Zauberer erzählt in diesem Buch die Vorgeschichte der großangelegten Saga von David Eddings.
Dieses 1016 Seiten umfassendes Buch lässt sich unwahrscheinlich schnell lesen und der alte Zauberer sprüht vor Energie und einem Witz, das das Lesen sogleich doppelt soviel Spass macht.
Einziges Manko ist wohl, dass die Jahrhunderte wie im Flug vergehen und man wohl am Liebsten noch viel mehr Details lesen würde.
Alles in allem ein sehr gutes Buch zur kurzweiligen Unterhaltung.
Werde mir wohl demnächst “Polgara” zu Gemüte führen – Ich bin jetzt schon gespannt, wie die Geschichte aus der Sicht von Belgarath’s Tochter erzählt wird.
 Jürgen Seibold 29.11.2002

David & Leigh Eddings: Polgara die Zauberin

Copyright 1996 by David & Leigh Eddings
Originaltitel: Polgara the Sorceress
Dt. Lizenzausgabe c 1998 by Bastei-Verlag Gustav H. Lübbe GmbH & Co., Bergisch Gladbach
Band 28 312
Übersetzung: Susanne Tschirner

COVER:

Als ihr Vater sie zum erstenmal berührte, färbte sich eine Strähne von Polgaras Haar weiß.
Alles beginnt in Beldins Turm, wo Polgara, Tochter des Zauberers Belgarath und der Gestaltwandlerin Poledra, aufwächst. Hier nimmt sie die ersten Schritte auf dem gefahrvollen Pfad des Schicksals, das ihr die Rolle als Hüterin des Guten zugedacht hat, als Gegnerin von Torak, dem Einäugigen Drachengott, und als Wächterin der letzten Hoffnung der Menschheit: als Erbin des Throns von Rivan.

Die Belgariad und Malloreon Saga fand in BELGARATH DER ZAUBERER eine geniale Fortsetzung. Dort wurde die Vorgeschichte der großen Kriege um das Auge Aldurs erzählt, aus der Sicht des damals noch jungen Belgarath. Nun übernimmt dessen Tochter Polgara die Rolle der Erzählerin: ein Blick zurück auf ein abenteuerliches dreitausendjähriges Leben.

REZENSION:

Mit Polgara die Zauberin spinnt das Ehepaar Eddings die sagenhafte Geschichte weiter, die in den beiden bisherigen Reihen (Die Malloreon, sowie die Belgariad-Saga) entstanden ist.
Die Belgariad, sowie die Malloreon-Sage war ein genialer Schriftsteller-Streich David Eddings.
Mit den Fortsetzungsbänden, Belgarath der Zauberer und Polgara die Zauberin, geht das Ehepaar in die Vorgeschichte der bereits vorliegenden Sagas ein. Beide erzählen von den früheren Jahrtausenden, gehen jedoch auch in die bereits bekannten Gefilde der neuen Zeit über – was sehr stark beim Begreifen der ganzen, komplexen Welt hilft.
Das einzige Problem in beiden Büchern ist die Ich-Erzählweise, an die man sich erst einmal gewöhnen muss. Immerhin läuft hier eine Frau durch mehrere Jahrtausende und erzählt die Dinge sämtlichst aus ihrer Sicht. Dies wurde von Belgarion zwar so verlangt, baut jedoch beim Leser zwar eine interessante Geschichte auf, kann aber nicht so tief greifen, wie eine “von oben” erzählte Geschichte – die es möglich macht, auch die Sichtweisen der beteiligten Protagonisten zu beschreiben.
Davon jedoch abgesehen, liest sich dieses über eintausendseitige Buch ziemlich gut und ist ein gebührender Abschluss der jeweils 5-bändigen Sagas, sowie dem Erzählbuch von Belgarath.
Man sollte jedoch nicht mit diesem (oder Belgarath der Zauberer) Buch anfangen, bevor man die Sagas kennt – es sind einfach zuviele Gemeinsamkeiten und Verknüpfungen vorhanden, die einen unvorbereiteten Leser bestimmt zur Verzweiflung und dem “Wegwerfen” des buches bringt. Das hat es jedoch nicht verdient.
 Jürgen Seibold 23.12.2003

Peter David: Wählt König Arthur!

Originaltitel: Knight Life
Übersetzung: Michael Siefener
Deutsche Erstausgabe Februar 2007
c 2002 Secon Age, Inc.
c der deutschsprachigen Ausgabe: 2007 Piper Verlag GmbH, München
ca. 446 Seiten

COVER:

Nach 1500 Jahren ist der legendäre König Arthur zurückgekehrt, um die Herrschaft seines neuen Camelot anzutreten: New York City. Aus der Versenkung emporgestiegen, steht er plötzlich in den belebten Straßen der hektischen Metropole und möchte an der Wahl zum Bürgermeister teilnehmen. Als geborener Anführer, gut aussehend und charismatisch, ist sich Arthur der Stimmen seiner Wählerschaft sicher – erst recht mit der professionellen Unterstützung seines zehnjährigen Helfers Merlin. Und tatsächlich: Im Nu hart der smarte Arthur die Herzen der New Yorker Bürger erobert. Wenn da nicht seine Halbschwester Morgan Le Fey wäre, die bereits dunkle Pläne schmiedet und alles für ihren letzten Feldzug gegen Arthur vorbereitet. Ein rasanter Spaß über den legendärsten Helden der Fantasy und seine Abenteuer im Dschungel des Big Apple…

Peter David, geboren 1956, wurde vor allem durch seine Bücher zu TV- und Comicverfilmungen bekannt. Viele seiner Star-Trek-Romane waren auf den Bestsellerlisten. Darüber hinaus schrieb er zahlreiche Bände im Bereich Fantasy und Horror. Für das Kino und Fernsehen verfasste er diverse Drehbücher, entwickelte die TV-Serie “Space Cases” und schrieb etliche Bühnenstücke. Er lebt mit seiner Frau und seinen drei Töchtern in New York.

REZENSION:

Es gibt in der Literatur unzählige Geschichten um den legendären König Arthur. Mal historisch begründet, mal sagenhaft, mal in Verbindung mit Zeitreisenden, die sich plötzlich an Artus Hof wieder finden. Die Qualität dieser zahllosen Werke pendelt zwischen der absoluten Belanglosigkeit und genialen literarischen Höhepunkten.
Peter David legt nun eine gänzlich andere Variante vor und versetzt spielerisch den sagenumwobenen König in die Neuzeit. Dies erfolgt mit einer spritzigen und frechen Leichtigkeit, die dem Leser das ein oder andere Schmunzeln entlockt. Im Gegensatz zum Klappentext spielt Peter David nicht mit dem schrägen Pratchett-Humor, sondern schöpft seine komischen Elemente aus dem Zusammentreffen eines mittelalterlichen Herrschers und dem Großstadt-Moloch New York. Dadurch entstehen Szenen, die seinesgleichen suchen. Insbesondere die politischen Vorstellungen und die absolute Ehrlichkeit, gepaart mit einer unglaublichen Rednerbegabung führen zu einem politischen Erfolg und einem politischen Bild, wie man es sich nur wünschen kann. Allein dadurch kann man einen großen Teil der Geschichte sehr gut als Parabel zur heutigen Zeit betrachten.
Nichts desto trotz führt Peter David aber einige weitere bekannte Gestalten der Artussage mit in seine Geschichte ein und vergisst auch in keiner Weise, den ursprünglichen Handelsfaden inklusive den magischen Elementen der Sage zu beachten und zu verfolgen.
Seine gesamte Erzählweise und die spritzige Umsetzung mit der sehr gut integrierten Komik führt zu einem Lesefluss, wie man ihn selten bei Büchern erlebt.
Ich kann mir beileibe nicht vorstellen, dass jemand bei diesem Buch vorzeitig das Licht ausmacht.
Jürgen Seibold/11.04.2007

Julia Conrad: Der Aufstand der Drachen

Originalausgabe Juli 2007
c 2007 Piper Verlag GmbH, München
ca. 505 Seiten / € 8,95

COVER:

Als eines Tages die Blutstropfen eines ermordeten Kaisers durch die Felsen von Urchulaks Gefängnis sickern, erwacht der einst wegen Verrats aus dem Himmel verbannte Drache aus seiner Erstarrung. Von Vergeltungsgedanken erfüllt, plant er, seine alten Feinde für ihre Taten büßen zu lassen. Satt gefressen an den Seelen der Menschen, mutiert er schon bald zu einem mächtigen Koloss, der unbesiegbar scheint und alles verschlingt, was sich ihm in den Weg stellt. Doch auch die Hohen des Himmels sind nicht untätig und schicken sieben Auserwählte in den Kampf, darunter die Drachenjungfrau Miranda, um die Welt von der Bestie zu befreien…

REZENSION:

Barbara Büchner, wie Julia Conrad wirklich heißt, hat mit dem 2. Band der Drachentrilogie ein wunderbares Werk geschaffen, was sich wirklich toll liest.

Gleich zu Beginn fiel mir auf, dass ich mit dem 3. Band zuerst angefangen hatte, was aber weiter überhaupt nicht störte, weil man sich in die einzelnen Bände wunderbar neu einlesen kann. Die einzelnen Teile starten jeweils mit neuen Personen, dafür aber mit viel “bekannter” Welt.

Da ich nun also “Das Imperium der Drachen” zuvor gelesen habe, fällt mir erfreulicherweise auf, dass “Der Aufstand der Drachen” spannender geschrieben ist und vorallem die Handlung nicht von Worten erschlagen wird. In diesem 2. Band hat es Frau Conrad nicht nötig, sämtliche Grashalme Chatundras in Form und Farbe zu umschreiben, und man findet so genug Raum, um die eigene Fantasie spielen zu lassen.

Noch bevor man anfängt zu lesen, lohnt es sich, einen Blick auf die tolle Landkarte zu werfen, die die Bücher alle enthalten. Zwar noch klein und nur grob gezeichnet, dennoch lässt sie viel Spielraum für evtl. hoffentlich irgendwann noch folgende Erweiterungen dieser Karte.

Mein Rollenspielerherz schlägt natürlich in den höchsten Tönen, sobald ich so etwas sehe.
So klangvolle Namen wie “Gynnevise”, “Wyvern”, Tochtersohn” tragen den Leser durch das Buch. Leider findet man auch Namen wie “Miranda”, die doch eher an amerikanische Daily Soaps erinnern darin.

Insgesamt wird dem Leser auffallen, dass die Autorin hier noch nicht so extrem viele Handlungspersonen und Namen verwendet, wie sie das im 3. Teil ausleben wird.

Es lohnt sich auf jeden Fall zu lesen, wie die 7 Auserwählten sich durch allerhand brenzlige und spannende Situationen kämpfen, um den auf Rache sinnenden, grauen Drachen Urchulak und seine Anhänger  davon abzuhalten, die Welt zu vernichten und zu knechten.

Dieser 2. Band ist sehr spannend und fantasievoll geschrieben und besonders zu empfehlen, wenn man Drachen mag. Hier verdient das Buch wirklich den Namen “Der Aufstand der DRACHEN”.

Wenngleich mir die Autorin doch insgesamt lieber als Barbara Büchner durch ihre historischen Werke (zb.: “Die Frau des Ketzers”, “Der Pestarzt”) oder ihre spannenden Romane (zb.: “Das Hotel Agarthi”) in ihren Bann zieht.
Ina Orlamünder

Julia Conrad: Die Drachen

c Piper Verlag GmbH, München 2005

COVER:

Einst bändigten die Drachen die Urkräfte des Kosmos und lebten in ihrem blühenden Reich Chatundra einträchtig mit der Natur und ihren Geschöpfen. Während die stolzen Himmelsflügler auf Erden die Menschen schützten und sie mit der Kraft und Schönheit ihres Geistes inspirierten, wachte am Himmel das Dreigestirn der Drachengöttinnen über seine Schöpfung. Dann aber erhob sich Phuram der Gleißende, überwältigte das Dreigestirn und eroberte in einem Sonnensturm dessen Platz am Firmament.
So beginnt die Herrschaft des Sonnengottes, der fortan alles vernichtet, was nicht vor ihm im Staube kriecht. Wiesen und Wälder verbrennen, und die Menschen beugen sich der Allmacht eines gierigen Gottes. Viele Sonnenumläufe später zeichnet sich am Himmel eine schicksalhafte Konstellation ab: Das hell funkelnde Drachenauge und der schweflige Leichenstern stehen auf gleicher Höhe. Zur selben Zeit machen sich neun Auserwählte auf den Weg in die tote Stadt Luinflas, wo die Schöpferdrachin, von Phurams Schwert in drei Teile zerhauen, in den Tiefen des Berges Erebos ruht. Denn die Prophezeiung besagt, dass allein die Menschen die Kraft haben, Phurams Tat zu rächen und die Welt vor dem letzten, furchtbaren Krieg zu retten…

Julia Conrad, geboren 1950 in Wien, war Ghostwriterin, bevor sie unter eigenem Namen preisgekrönte Jugendbücher, Krimis und Fantasy-Romane schrieb. Sie tritt gern bis zur Anonymität hinter ihrem Werk zurück und hält ihre Bücher für wichtiger als ihre Person. Sie liebt starke Hunde, schöne Katzen und zahme Ratten. Die menschenscheue Einzelgängerin lebt im Herzen von Wien.

REZENSION:

Eine Welt voller Drachen die einträchtig mit den Menschen zusammen leben. Eine Welt voller Mystik und Magie. Eine Welt, deren Eintracht durch Phuram, den Sonnengott, zerstört wird. Ein Gott, der jeden vernichtet der sich gegen ihn stellt.
Übrig bleibt lediglich eine Prophezeiung, welche von auserwählten Menschen spricht, deren Aufgabe es sein wird Phuram zu bekämpfen und die drei Drachengöttinnen zurück an das Firmament zu holen…
Julia Conrad (=Barbara Büchner?) erschuf mit ihrem 509 Seiten umfassenden Werk “Die Drachen” einen exquisiten Fantasyroman in der diese weit verbreiteten Fabelwesen zur Hauptrolle werden.
Während des Prologs füllt sich des Lesers Gehirn ein wenig mit ausufernder Verwirrung, da Julia Conrad sehr tief in die Mythenkiste greift und den Leser zuerst in diese religiösen Tiefen zu leiten versucht.
Nach dem man jedoch während des Lesens die teilnehmenden Fabelwesen und Personen sowie deren Religion in sich aufnimmt, eröffnet sich ein phantasievoller, interessanter und umfangreich aufgebauter Plot der den Leser immer mehr in seinen Sog eintrudeln lässt.
Julia Conrad erreicht hierbei eine erzählerische Dichte, wie sie bisher eigentlich nur den Größen des Genres vorbehalten war.
Somit ein sehr zu empfehlendes Werk einer Autorin, die man nicht aus dem Auge verlieren sollte.
Jürgen Seibold/24.06.05

Julia Conrad: Das Imperium der Drachen

Originalausgabe Juni 2008
c 2008 Piper Verlag GmbH, München
ca. 506 Seiten / € 9,95

COVER:

Unheil braut sich über dem Imperium der Drachen zusammen. Angestiftet von einem Abtrünnigen, dem Leichenstern Gurundir, vereinen sich die bösen Mächte auf Chatundra zum Kampf gegen den doppelten Thron. Kaiserin Karenna und die Großdrachin Kylaila wählen den letzten Ausweg: Drei Menschen müssen zu einer waghalsigen Mission aufbrechen, um den Untergang abzuwenden. Doch die Zeit drängt, denn bald erreicht Gurundir den Zenit des Himmels und damit schier unbesiegbare Macht …

REZENSION:

Frau Conrad hat zweifelsohne eine Fantasie, die ihresgleichen sucht. Dies fällt dem Leser schon auf der ersten Buchseite auf, denn die Namen, die Handlungsorte und auch die Umschreibung derer, sind vollkommen anders, was sie von den typischen “Herr der Ringe”- Nachmachern gewaltig unterscheidet. Jedoch die Erwähnung Mittelerdes auf dem Buchrücken ist für mich nicht schlüssig, da es zwar Drachen gab, aber Chatundra doch eine vollkommen andere Welt ist.

Zur Handlung ist nur soviel zu sagen, als dass sich 3 Auserwählte (Menschen mit Helfer- Tieren und Ausrüstung) durch so allerhand unspannend gemachte Quests kämpfen müssen, durch die sie mithilfe der Gunst von mächtigen Unterstützern natürlich mehr oder weniger leicht getragen werden. Die beiden ersten Auserwählten können sofort gefunden werden, aber der Dritte braucht etwas mehr Aufwand. Als auch der 3. gefunden wurde, fängt die Autorin an, ein unterschwelliges Dreierverhältnis mit einzubasteln, was aber nie so ganz zum Vorschein kommt und nachweisbar wird. Zugegeben, teilweise kommen mir die Handlungen ein wenig als “Seitenfüller” vor, aber das liegt im Ermessen jedes Einzelnen.

Leider wird es vielen “Fantasy- Neulingen” schwer fallen befürchte ich, da die Vielzahl der Worte, die Dinge umschreibt fast übermächtig ist. Julia Conrad benötigt zuviele Worte um die Situation, die Umgebung und auch die Personen zu umschreiben, sodass es mir persönlich die Stimmung genommen hat. Nein, nicht nur die Stimmung, vielmehr auch die Spannung, welche ich leider im gesamten Werk nicht wiedergefunden habe.

Alles war selbst für den unerfahrenen Leser (man kann problemlos ohne Kenntnisse der anderen Teile einsteigen) sehr vorhersehbar und leider, wirklich LEIDER treten die Drachen irgendwann so merklich in den Hintergrund der Handlung, dass das Buch den Namen “Das Imperium der DRACHEN” irgendwie fast nicht mehr verdient. Zum Beispiel werden die Drachen irgendwann zu Drachendienern, die alles mögliche an Essen (und es wurde alles einzeln aufgezählt, siehe S. 117) auf Silberplatten servieren.

Wenn man die sprachliche Genialität der Autorin ausser Acht lässt, ist es ein wirklich “flaches” Buch mit einer Handlung, die interessant hätte sein können, wenn man sie nicht nahezu vollkommen in “Worten” erstickt hätte. Aber der doch eher epische Schreibstil macht Vieles kaputt und nimmt dem Leser jegliche Möglichkeit die eigene Fantasie während des Lesens mitspielen zu lassen.

Müsste ich Sternchen verteilen würde ich 2 von 5 geben, max. noch einen dazu für die wunderbare Art ihrer Umschreibungen, die allein mich dazu bewogen haben, das Buch nicht gleich wieder zu zuklappen, sondern mich weiter durch zustöbern, trotz schwindender Spannung und Konzentration.

Allerdings ist der Leser, der sich für magische, geheimnisvolle und fantasievolle Welten und wesen interessiert sehr gut beraten mit diesem Werk.

Ich würde mir Julia Conrad als Autorin eines Lexikons für Fantasywesen und Fantasywelten wünschen, denn das kann sie perfekt!
Ina Orlamünder

Maxime Chattam: Alterra – Die Gemeinschaft der Drei

Originaltitel: Autre Monde, L’Alliance des Trios
Aus dem Französischen von Maximilian Stadler und Nadine Püschel
c 2008 by Editions Albin Michel
c 2009 der deutschsprachigen Ausgabe by PAN Verlag.
ca. 390 Seiten / € 16,95

COVER:

Niemand sah ihn kommen, plötzlich war er über der Stadt: ein unheimlicher, eisig kalter Sturm. Als der 14-jährige Matt die blauen Blitze bemerkt, will er seine Eltern warnen – doch zu spät: Matt wird von einem Blitz getroffen und verliert das Bewusstsein. Als er wieder aufwacht, ist er allein. Seine Eltern sind verschwunden, ebenso die Nachbarn und die Menschen auf den Straßen … Was ist geschehen?
Zusammen mit seinem Freund Tobias macht sich Matt auf die Suche nach weiteren Überlebenden. New York wirkt menschenleer – doch sie sind keineswegs ganz allein: Seltsame Wesen mit gleißenden Augen jagen sie, und ihnen bleibt nur die Flucht aus der Stadt.
Die Welt, die Matt und Tobias nun betreten, ist gefährlich und wild geworden. Zuflucht finden sie schließlich auf einer abgelegenen Insel im Westen, bei einer Gruppe von Kindern, die sich “Die Pans” nennen. Und Ambre, ein ebenso schönes wie kluges Mädchen, wird den Jungen schnell zu einer unverzichtbaren Freundin.
Als “Die Gemeinschaft der Drei” wollen sie sich den Gefahren der neuen Welt stellen und die Pan-Gemeinschaft vor dem Untergang retten. Denn vom Norden aus nähert sich ein bedrohlicher Schatten, und die einzigen Erwachsenen, auf die die Kinder noch stoßen, sind zu Kinderjägern geworden …

REZENSION:

Maxime Chattam eröffnet mit „Alterra“ den neu gegründeten PAN-Verlag, der sich unter der Hoheit von Knaur wohl in erster Linie um die fantastischen Seiten der Literatur kümmern wird. Hierbei liegt der Fokus auf die jugendliche Klientel – dies jedoch in einer Wertigkeit, die sicherlich auch jeden erwachsenen Freund der fantastischen Leseecke uneingeschränkt überzeugen kann.
Chattam lässt in seinem Buch fast die ganze Welt draufgehen – durch einen Sturm mit dazugehörigen, zielgerichteten Blitzen werden fast alle Erwachsenen von der Erdoberfläche getilgt. Lediglich Kinder und Jugendliche bleiben von diesem ersten Schub verschont. Diese müssen sich nun den folgenden Gefahren stellen und nebenbei zeigen, dass sie für die weitere Zukunft unseres Planeten verantwortlich sind.
Das Buch strotzt förmlich vor Ideenreichtum und lässt sich durch die sehr eingängige und unterhaltsame Sprache wunderbar lesen. Die Kapitel sind – wie oft bei Jugendbüchern sehr häufig – relativ kurz gehalten, was unwahrscheinlich dazu verleitet, in jeder freien Minute erneut zu dem genialen Buch zu greifen. Die Geschichte ist durchsetzt mit fantastischen Elementen und kann uneingeschränkt überzeugen. Das unvermeidliche Ende des Buches klingt ein wenig nach einer möglichen Fortsetzung – und ehrlich gesagt: Ich hoffe darauf…
Anfangs macht der Autor darauf aufmerksam, dass es sich um ein Zauberbuch handelt, welches nur von Personen, die ihre Fantasie nicht verloren haben zu genießen ist – daran möchte ich mich anschließen und somit ist „Alterra“ ein vermeintliches Jugendbuch, das ohne jegliche Einschnitte ebenso für den fantasievollen Erwachsen zu empfehlen ist. Alle anderen Lebewesen, die ihre kindliche Fantasie verloren haben, sind in vielen Fällen eher zu bemitleiden und können solche interessanten Werke unter Umständen nicht vollumfänglich genießen.
Jürgen Seibold/18.01.10

Terry Brooks: Der Erbe von Shannara (Shannara Zyklus Band 3)

Originaltitel: The Sword of Shannara 3
1977, Random House, Inc.
Wilhelm Goldmann Verlag, München 1978 / 1992

COVER:
SHANNARA die Fantasy-Saga voll mystischer Wunder und heroischer Abenteuer.
Der Dämonen-Lord ruht nicht. Er weiß, daß das Schwert von Shannara in der Hand eines seiner Untertanen ist und die Südländer keine Möglichkeit haben, sich zu verteidigen. Also schickt er seine riesigen Armeen gen Süden, zuerst nach Kern, dann nach Tyrsis. Dort hält sich Prinz Palance auf, der von einem verräterischen Magier beeinflusst wird und deshalb unwissentlich dem Dämonen-Lord dient. Erst als die Getreuen Allanons den rechtmäßigen Thronerben Balinor auf den Thron setzen, beginnen die Südländer sich zu verteidigen.
Zur gleichen Zeit muß sich Shea, der ERBE VON SHANNARA der größten Gefahr von allen gegenüberstellen – dem Dämonen-Lord selbst …
SHANNARA – die internationalen Bestseller:
“… weit über der gewohnten Fantasy”
(New York Times Book Review)
“viele Nächte spannender Lektüre…”
(Chicago Daily News)

REZENSION:

Das dritte Buch des ersten, dreibändigen, Zyklus über das Schwert von Shannara bewegt sich mit einer riesigen Schlacht in der Gut gegen Böse kämpfen dem Ende der Geschichte zu. Wieder einmal baut Brooks die spannende Handlung weiter und schafft trotz einer gewissen Vorhersagbarkeit die Handlungsstränge sehr stimmig zu verknüpfen und mit einigen Wendungen zu überraschen. Gleichzeitig bietet dieses Buch, wie auch seine beiden Vorgänger, eine gewisse ironische Note, die beim Leser manchmal ein Schmunzeln hervorruft aber trotzdem nicht aufgesetzt zu sein scheint. An dem Problem, das man die Shannara-Reihe nicht aus der Hand legen kann, hat sich mit diesem Band nichts geändert.
Jürgen Seibold/16.11.03

Terry Brooks: Der Sohn von Shannara (Shannara Zyklus Band 2)

Originaltitel: The Sword of Shannara 2
1977, Random House, Inc.
Wilhelm Goldmann Verlag, München 1978 / 1993

COVER:
SHANNARA
die Fantasy-Saga voll mystischer Wunder und heroischer Abenteuer.
Der junge Shea, dem es obliegt, das Schwert von Shannara an sich zu nehmen und damit seine Heimat zu retten, ist zusammen mit seinen Gefährten auf dem Weg zur Druidenburg Paranor, als er von seinen Mitreisenden getrennt wird. Die übrigen setzen, trotz schwerer Bedenken, die Reise fort, können aber das Schwert in der Burg nicht finden.
Denn es obliegt dem SOHN VON SHANNARA zusammen mit seinen neuen Gefährten Panamon und Keltset das Schwert zu entdecken und seinem Träger nachzueilen – denn jener hat den Auftrag, es zur Burg des Dämonen-Lords zu bringen…
SHANNARA
die internationalen Fantasy-Bestseller
“…weit über der gewohnten Fantasy”
(New York Times Book Review)
“viele Nächte spannender Lektüre…”
(Chicago Daily News)

REZENSION:

Das zweite Buch des ersten, dreibändigen, Zyklus über das Schwert von Shannara strotzt vor einer extrem spannenden Handlung. Man merkt, das Brooks sich mit diesem Band langsam dem Höhepunkt entgegenarbeitet und man hat sichtlich Probleme, das Buch aus der Hand zu legen – solang nicht die letzte Seite gelesen wäre.
Kurz gesagt, kann diese Reihe vorbehaltlos jedem Fantasy-Freak ans Herz gelegt werden – trotz, oder obwohl es teilweise ein wenig mit Klischees vollgestopft zu sein scheint, die der spannenden Geschichte jedoch keinen Abbruch entgegensetzen können.
Jürgen Seibold/16.11.03