A. Lee Martinez: Die Kompagnie der Oger – Sterben und sterben lassen!

Originaltitel: In the Company of Ogres
Übersetzung: Karen Gerwig
Deutsche Erstausgabe
Mai 2007
c 2006 A. Lee Martinez
c der deutschsprachigen Ausgabe: 2007 Piper Verlag GmbH, München

COVER:

Nach “Diner des Grauens” der neue Wahnsinnsspaß des Shooting-Stars A. Lee Martinez – ein Fest für alle Fans von Shrek, Terry Pratchett und Douglas Adams: Never Dead Ned schiebt eine ruhige Kugel als Buchhalter bei einer Söldnerarmee. Nun soll er neuer Kommandant der Oger-Kompanie werden. Alle bisherigen Vorgesetzten dieses intriganten Haufens sind bei mysteriösen Unfällen ums Leben gekommen. Doch Ned ist anders – er kann nicht sterben. Und seine neue Mission hat es in sich: Zur Truppe gehören nicht nur der schüchterne Ork Gabel, der aussieht wie ein Kobold, sondern ebenso Baumwesen, Totengräber und ein blindes Orakel, das die Zukunft vorherriechen kann. Auch liefern sich Amazonen und Sirenen einen erbitterten Kampf um Neds Zuneigung. Und ein Dämonenkönig ist Ned auf den Fersen, um den Weltuntergang einzuläuten. Ausgerechnet auf der Chaos-Truppe ruht die letzte Hoffnung…

A. Lee Martinez wurde mit seinem humorvollen Debüt “Diner des Grauens” über Nacht zum Shooting-Star. Er lebt in Dallas, Texas, wo er schreibt, jongliert, Videospiele spielt und Zeitreisen unternimmt. Vielleicht ist er ein Geheimzauberer (das wäre allerdings geheim), und es könnte sein, dass er Gartenarbeit mag. Sicher ist jedoch, dass er Lebensläufe nicht ausstehen kann. Und eigentlich hat er auch keinen Spaß an Gartenarbeit. Alles andere an dieser Biographie ist jedoch absolut korrekt.

REZENSION:

Bereits mit seinem Debut “Diner des Grauens” konnte A. Lee Martinez uneingeschränkt überzeugen. Nun liegt mit “Die Kompanie der Oger” sein Nachfolger vor und geht in eine etwas andere Richtung. Martinez bleibt zwar weiterhin dem grob umrissenen Genre treu – verlässt aber nun gänzlich den Vampirbereich und widmet sich nun einer ganzen Reihe von anderen Wesen, die uns aus den unterschiedlichsten Märchen, Sagen, Stories,… und woher auch immer, bekannt sind.
Allein seine Hauptfigur weiß schon zu überzeugen und sorgt bereits durch den Umstand, dass er schlicht und einfach ein Problem mit dem Sterben hat – oder vielmehr damit, tot zu bleiben – für einen neuen amüsanten Witz, zu dessen Art Martinez sich ja bereits mit seinem Erstlingswerk einen Namen machen konnte.
In “Die Kompanie der Oger” fängt der Autor ein wenig ruhiger an und lässt anfangs dabei etwas seine Vorzüge missen. Nach und nach merkt man aber, dass er diese Zeit zur detaillierten Bekanntmachung seiner Protagonisten verwandt hat und dem Leser dadurch sehr viel Einblick in die bizarre und irgendwie durch und durch liebhafte Welt und deren Charakteren eröffnet wird.
Nach einer gewissen Zeit fängt Martinez an, auf das Gas zu treten und man wird mehr und mehr in den Sog der Geschichte gezogen – abermals sitzt man mit einem nicht mehr verschwindenden Lächeln vor den Buchstaben und lässt sich fulminant und höchst amüsant die Zeit vertreiben.
Martinez spielt sehr geschickt mit allen Vorurteilen, Charaktervorgaben oder einfach dem, wie man sich die Gestalten vorstellt. Er treibt es sogar weiter und gibt seinen Protagonisten das Wissen um diese Vorurteile teilweise mit – somit ist eine Amazone männerfeindlich aber trotzdem brutal(!) hübsch.
Im Gegensatz zu den berühmteren Namen, wie z.B. Terry Pratchett, bleibt A. Lee Martinez aber auf einer eigenen Schiene. Sein Witz ist absolut nicht mit den anderen Größen vergleichbar – bleibt er doch viel zynischer und auch erheblich schwärzer als die anderen bekannten Autoren des humorvollen Fantasyromans. Martinez treibt es rabenschwarz und hintergründig auf die Spitze und schert sich dabei weder um ethische Befindlichkeiten noch um sonst irgendwas – und genau dies hebt ihn als etwas Anderes hervor. Diese Art des Romans hat den Fans von bösartigeren Geschichten definitiv gefehlt und lässt auch noch auf sehr viel mehr erfreuliche und dabei böse Ergüsse des Autors hoffen.
Jürgen Seibold

A. Lee Martinez: Diner des Grauens

Originaltitel: Gil’s All Fright Diner; Tor Books, New York 2005
Übersetzung: Karen Gerwig
Deutsche Erstausgabe Mai 2006
c der deutschsprachigen Ausgabe: 2006 Piper Verlag GmbH, München
ca. 345 Seiten / €9,95

COVER:

Willkommen in “Gil’s All Fright Diner”, einem schäbigen Imbiss irgendwo in der Wüste. Hierher verschlägt es die texanischen Kumpels Earl und Duke in ihrem uralten Pickup. Eigentlich wollen sie nur einen Happen essen. Doch Loretta, die schwergewichtige Restaurant-Besitzerin, bietet hundert Dollar, wenn sie sich ihres Zombie-Problems annehmen. Und weil Earl ein Werwolf, Duke ein Vampir und beide knapp bei Kasse sind, schlagen sie ein. Doch die Zombie-Kühe und singenden Yucca-Palmen, mit denen sie es zu tun bekommen, sind nur die Spitze des Eisbergs. Denn auch ein Vampir kann sich unsterblich verlieben. Und ein monströser Kult setzt offenbar alles daran, ein altes Unheil unter dem Gebäude zum Leben zu erwecken…
Newcomer A. Lee Martinez legt mit seinem Überraschungserfolg ein rasantes und amüsantes Debüt vor, wie es Fantasy und Horror bisher nicht gesehen haben.

A.Lee Martinez lebt in Terell, Texas. “Diner des Grauens” ist sein erster Roman”

REZENSION:

Was soll man über so ein Buch sagen?
Ein Buch, in dem so ziemlich alle Horror- / Gruselklischees vorkommen, abgehakt oder sogar verworfen werden?`Ein Buch, in dem die beiden Hauptdarsteller ein Vampir und ein Werwolf sind? Ein Buch, in dem selbst Kühe zu Zombies werden? Ein Buch, in dem sich ein Vampir in einen Friedhofsgeist verliebt?
Man könnte so noch endlos weitermachen – A. Lee Martinez hat in diesem Buch wirklich alles eingebaut, was ihm zwischen die Finger kam.
Übrig beibt ein brutales, lustiges, extrem blutiges Buch, das einem die Mundwinkel nach oben zieht und man definitiv nicht weiß, ob man die Augen vor der Brutalität oder dem schwarzen Humor verschließen soll oder ob man sich einfach die Tränen vor lauter Lachen abwischen soll.
Ich persönlich kann dieses Buch nur jedem empfehlen: Einzige Voraussetzung: man sollte sich ein klein wenig im Genre zu hause fühlen um die beschriebenen Klischees zu kennen (Knoblauch, Pfahl im Herzen, “wie wird man Werwolf?”, ….) – als Ergebnis liest man eine Geschichte, wie es sie vorher wohl noch nie gab und schwer zu erreichen sein wird.
A. Lee Martinez reiht sich mit seinem furiosem Debüt in die Riege grosser Kultautoren, wie z.B. Douglas Adams oder Terry Pratchett ein – endlich aber auch für den Horrorfreak!
Für mich ein absoluter Monatstipp!
Jürgen Seibold/20.05.2006

Peter Lancester: Unterm Doppelmond – Die Chroniken der Anderwelten 2

c 2005 der deutschsprachigen Ausgabe: Eldur Verlag, Aachen.
ca. 370 Seiten

COVER:

Zum Buch:
“Unterm Doppelmond” setzt die Geschichte fort, wo “Das blaue Portal” endete: Eva, Otto, Friedrich und Ander sind auf dem Weg nach Unterhessen; mit dem Ziel, die Welt jenseits der unterirdischen Stadt zu erforschen.

Bereits auf dem Weg gibt es einen Zwischenfall, doch die wirklichen Probleme beginnen bei ihrer Ankunft: Friedrich wird festgesetzt, Ander verschwindet. Otto und Eva sind gefangen in einer fremden Welt, die sie nicht verstehen, und die darauf auch keinerlei Rücksicht nimmt. Während Otto Pläne für eine Flucht zu zweit schmiedet, will Eva unter allen Umständen Friedrich befreien und die Expedition fortsetzen.

Als keiner mehr damit rechnet, taucht Ander wieder auf und überredet Eva, in die Garde einzutreten. Doch die militärische Grundausbildung ist die Hölle. Überhaupt scheint Ander ein falsches Spiel zu spielen, und schon bald gerät alles außer Kontrolle.

Am Ende bleibt nur die kopflose Flucht – in die Anderwelt.

Zum Autor:
Peter Lancester stammt aus einem namenlosen Dorf in Osteuropa, welches inzwischen aufgrund seiner Verdienste in der Schädlingsbekämpfung nach ihm benannt wurde.
1980 wanderte er nach Frankreich aus und gründete ein Büro zur Vermittlung arbeitsloser Werwölfe.
Sein erster Roman wurde nie veröffentlicht, da sein Agent verstarb, bevor er den Namen des Verlages nennen konnte, an den er das Manuskript vermittelt hatte.
Peter Lancester lebt heute in Bonn und versorgt die medizinische Universität mit Frischfleisch.
Gerüchten zufolge hat Lancester zweieinhalb Kinder.

REZENSION:

Mit “Unterm Doppelmond” erreichte mich der zweite Band der perfekt eröffneten, fünfbändigen Reihe “Die Chroniken der Anderwelten”.
Durch den gelungenen Start “Das blaue Portal”, war ich sichtlich froh, mit Eva, Otto und Friedrich nun in die Anderwelten hinab zu steigen.
Dort angekommen stellt sich ziemlich schnell heraus, daß sich “Unterhessen” wohl doch ein wenig anders darstellt, als sie von ihrem Begleiter Ander erfahren haben:
Es herrscht eine starke, rassistisch anmutende Zweiklassengesellschaft zwischen den Menschen und den zu niederen Tätigkeiten verurteilten und ausgebeuteten Pferden.
Ziemlich schnell zeigt sich auch ein sehr kurioses Rechtssystem, das nicht nur Friedrich zum Verhängnis wird, sondern auch noch für mehrere Verwicklungen und Probleme der übrigen Beteiligten verantwortlich ist.
“Unterm Doppelmond” wird in erster Linie aus der Sicht Evas erzählt, die sich in diesem Band immer mehr vom jungen, pubertierenden, unbedarften “Dummchen” zur toughen, ideenreichen Frau, wenn nicht sogar zur “Kämpferin” entwickelt.
Hinzu kommt die unerwartete aber notwendige Rückkehr Leslys (das Pferd aus Band 1 – sollte es jemand noch nicht wissen…), der für die gut dargestellte Auflehnung der Pferde sorgt.
Allzu viel möchte ich hier nicht vom Inhalt ausbreiten, da ich – wie auch beim ersten Band – die Fortsetzung als eingängig, glaubwürdig und spannend erzählte Geschichte halte und somit erneut nur jedem Liebhaber der etwas düstereren Fantasy uneingeschränkt empfehlen kann.
Ich glaube hier entwickelt sich so nach und nach ein Dark-Fantasy-Zyklus der noch lange nach seines gleichem suchen muss.
Jürgen Seibold/02.10.05

Peter Lancester: Das blaue Portal – Die Chroniken der Anderwelten 1

c 1988 Peter Lancester
c 2004 der deutschsprachigen Ausgabe: Eldur Verlag, Aachen

COVER:

Zum Buch:
Eine Burg in Hessen zu Beginn der 80er Jahre. Sitz einer verschrobenen Adelsfamilie, deren jüngster Sproß die fünfzehnjährige Eva ist. Mit dem Auftauchen merkwürdiger Wesen im Keller hält der Wahnsinn im Gemäuer Einzug. Eine scheinbar unendlich in die Tiefe reichende Treppe führt zurück ins Mittelalter – und noch weiter, tief in das Herz uralter Sagen, Mythen und Legenden.

“Das blaue Portal” ist der Auftakt eines abgeschlossenen, fünfteiligen Epos um eine Parallelwelt, die mit der unseren eng verbunden ist. Die geheimen Zugänge sind in der ganzen Welt verstreut, doch nur wer die Bücher ihrer Erbauer besitzt, kann sie finden.

Abenteuergeschichte, Fantasy und historischer Roman verschmelzen hier zu einem farbig-düsteren Universum, das Sie nicht mehr loslassen wird: Wenn Sie einmal in die Abgründe der Anderwelten eingetaucht sind, werden Sie dieses Buch nicht mehr aus der Hand legen können.

Zum Autor:
Peter Lancester wurde 1960 in London geboren, verbrachte seine Kindheit jedoch in Hüllendorf, wo seine Mutter für den britischen Geheimdienst tätig war.

Nach einigen glücklosen Versuchen als Rechtsmediziner, Neurochirurg, Computerspieleprogrammierer und Sektengründer, beschloß er, sich der Schriftstellerei zu widmen.

Er lebt heute zurückgezogen im Untergeschoß einer schottischen Burgruine und züchtet Dämonen.

Gerüchten zufolge hat Lancester zweieinhalb Kinder.

REZENSION:

“Das blaue Portal” ist der erste Band einer fünfteiligen Reihe, in der es wieder einmal um eine Parallelwelt geht. Dieses “wieder einmal” war mein erster Eindruck und das für mich leicht comichafte Cover hat dies nur bestätigt. Lediglich die Coverbeschreibung fand ich ganz interessant und somit habe ich gemütlich mit der Lektüre begonnen…
Los gehts mit einem Alkoholiker, der plötzlich im Keller – auf der Jagd nach der nächsten Flasche – Pferde zu sehen meint. Wie sich herausstellt sind tatsächlich Pferde im Haus unterwegs.
Okay, dachte ich mir – scheint wohl etwas abgedreht wenn nicht sogar regelrechter Quatsch zu sein. Wie ich aber bei Büchern so bin: Ich lese munter weiter.
Und genau das sollte man tun.
Plötzlich findet man sich in einer Geschichte, die sich nicht nur gut lesen lässt, sondern auch trotz der kleinen sprechenden (!) Pferde absolut zu überzeugen weiß und den Leser in einen regelrechten Bann zieht.
Der Autor zeigt sehr geschickt die Probleme seiner Protagonisten, ihre teils leichtsinnigen aber auch mutigen Exkursionen in die Tiefen der im Keller gefundenen Treppe, die über mehrere tausend Stufen in das sagenhafte “Unterhessen” führt; baut aber auch gleichzeitig eine im Mittelalter begonnene Side-Story auf, die den Leser immer mehr in die Hintergründe der Entstehung von “Unterhessen” – und auch den Pferden – führt.
Seine Darstellung ist einschließlich der Fantasyelemente absolut glaubhaft und baut beim Leser mit Leichtigkeit eine Sucht zur weiteren Lektüre auf. Durch die erfreulicherweise manchmal recht düster gehaltene Stimmung erschuf er ein Dark-Fantasy-Werk, das schon als Einstieg alleine zu überzeugen weiß. Ich hoffe nur, die weiteren Bände stehen dem nicht nach. Sind sie nur halb so gut, gibt es einen neuen Lichtblick am Fantasy-Markt.
Somit für mich ein absolut zu empfehlendens Buch!
Jürgen Seibold/25.04.2005

Peter Lancester: Dämonentränen – Die Chroniken der Anderwelten 3

vollständige Taschenbuchausgabe 2005
c 1990: Peter Lancester
c 2005 der deutschsprachigen Ausgabe: Eldur Verlag, Aachen
ca. 385 Seiten / 9,95 €

COVER:

“Dämonentränen” schlägt ein neues Kapitel der Anderwelten-Chroniken auf. Es ist die Geschichte von Mona, die versucht, in unserer Welt ein normales Leben zu führen. Dazu gehört auch die Verdrängung ihrer unrühmlichen Vergangenheit. Doch eben diese holt sie ein, als eine namenlose Organisation sie entführt, um eine bestimmte Information aus ihr herauszupressen: Die Lage eines der Portale, die in die Anderwelt führen.

Dazu müssen zunächst Monas verschüttete Erinnerungen reaktiviert werden. Allerdings geht dies nicht ohne Nebenwirkungen vonstatten. Schon bald zahlen die Entführer einen hohen Preis.

Das dritte Buch der fünfteiligen Reihe ist ein Buch der Extreme. Düster, blutig und erotisch weckt es Mitleid und Sympathien für ein Wesen, das eigentlich weder das eine noch das andere verdient. Sollte man meinen.

Zum Autor:
Peter Lancester schreibt vorwiegend Horrorgeschichten, doch es ist schwer, für diese einen Verleger zu finden, denn jeder, der sie liest, erkrankt alsbald an einem grünlichen Hautausschlag und stirbt nach einer Woche.

REZENSION:

Wie bitte? – Die Chronik der Anderwelten geht in die dritte Runde und es gibt keine Eva, keinen Friedrich oder Otto?
Sämtliche ins Herz geschlossene Protagonisten der ersten beiden Bände sollen nun im vorliegenden Buch keine Rolle spielen? Wo ich mich im ersten Band noch über die neunmalkluge und ein wenig übertrieben “jugendlich und pubertierend” gezeichnete Eva geärgert, im zweiten Buch aber glaubhafter und nun langsam erwachsen werdend dargestellt und somit von mir fieberhaft begleitet worden ist?
Naja – wende ich mich halt trotz sämtlicher Vorbehalte und Bedenken diesem Buch zu und laß mich einfach mal überraschen:
Der Autor breitet vor dem Leser die Geschichte von Mona aus und bewegt sich dabei in einem zeitlichen Wechselspiel, betritt aber so gut wie nie die Anderwelten, sondern hält sich überwiegend “bei uns” auf.
Man springt in seinem Buch zwischen zwei (etwa 30 Jahre auseinander liegenden) unterschiedlichen Zeiten und man hat dabei positiver weise das Gefühl, dass Peter Lancester die jeweils spannendsten Erlebnisse aus diesen beiden unterschiedlichen “Epochen” hervorholt um den Leser in virtuoser Art an das Buch zu fesseln.
Er vermeidet dabei anfangs auch sehr geschickt die zu frühe Offenbarung, um was es sich bei Mona handelt und man wäre dadurch erstmal sehr verwirrt und danach auch sehr überrascht, würde man nicht schon aufgrund des Buchcovers die richtigen Schlüsse ziehen.
Ich denke, ohne diesem Wissen würde das Buch noch mehr wirken – aber ich kann natürlich auch das sehr gute Cover verstehen, da nunmal Coverbilder ebenfalls zum Kauf verleiten. Eine “Geheimhaltung” der wahren Mona würde aber nichts desto trotz die Geschichte noch intensiver machen.
Somit kann man hier verraten, dass es sich bei Mona eigentlich um einen Flugteufel handelt, der aus nachzulesenden Gründen sozusagen bei uns “gestrandet” ist und mit Sicherheit keinerlei Mitgefühl des Lesers verdient hätte, nun aber in unserer Welt mehr und mehr menschliche Erfahrungen sammelt und den Leser dadurch erobert.
Es geht sogar weiter: Man ist versucht, die anderen beteiligten Menschen zu verfluchen, da diese Mona aus egoistischen Gründen festhalten und in übelster Weise behandeln bzw. misshandeln. Nebenbei schafft es Lancester in seiner Geschichte sogar, eine sehr glaubhafte Liebesgeschichte mit einzubauen, die die menschlichen Züge Monas noch mehr hervorholen.
Peter Lancester dreht somit im vorliegenden Werk die Leserbeziehung Mensch – Monster gänzlich um und erzählt uns eine Lebensgeschichte mit einer neuartigen Intensität und ungeahnten Dramaturgie, die nicht nur thematisch sondern auch schriftstellerisch ein neues Kapitel dieser Chroniken aufschlägt.
Dämonentränen ist somit für mich der absolute Höhepunkt des bisher veröffentlichten Teils des Anderwelten-Epos und lässt sich sicherlich nur noch schwer toppen!
Jürgen Seibold/24.06.2006

Stephen King & Peter Straub: Der Talisman

Originaltitel: The Talisman
Übersetzung: Christel Wiemken
c 1984 by Stephen King and Peter Straub
c der deutschen Übersetzung 1986 by Wilhelm Heyne Verlag GmbH & Co.KG, München

COVER:

Stephen King und Peter Straub, die beiden bedeutendsten zeitgenössischen Horror- und Fantasy-Autoren schrieben gemeinsam diesen spannenden Roman, in dem Idyll und Entsetzen nahe beieinanderliegen.

Quer durch die Vereinigten Staaten, aber auch quer durch ihre imaginäre, bizarre, mittelalterliche Gegenwelt – die “Region” – führt die abenteuerliche Reise des zwölfjährigen Jack Sawyer auf der Suche nach dem geheimnisvollen Gegenstand, der beiden Welten das Heil zurückbringt: dem Talisman.
In beiden Welten hat Jack Gefahren zu überwinden, aus denen ihn oft nur das “Flippen” rettet: der Sprung in die jeweils andere Welt. Horror und Fantasy durchdringen sich in einer Geschichte von faszinierendem Bilderreichtum und atemberaubender Spannung.

REZENSION:

Das ist eines der Bücher, die ich immer wieder aus dem Regal ziehe und nochmal lese und nochmal lese und nochmal lese….
Die Geschichte des jungen Jack, auf seinem Weg durch zwei verschieden Welten um den Talisman zur Rettung seiner kranken Mutter zu finden fasziniert einfach.
Komisch, das dieses Buch keinen allzu starken Bekanntheitsgrad aufweisen kann – obwohl hiermit doch eine wahre Fantasy-Bibel entstanden ist. Vielleicht liegt es aber genau daran: Zwei als Horrorautoren bekannte Schreiber lassen eine Welt entstehen, wie es sonst nur die großen Fantasyschreiber zustande bringen.
Um es kurz zu sagen:
FANTASY-FREAKS: LEST DIESES BUCH!
Jürgen Seibold / 06.12.2002

Anna Kashina: Das erste Schwert

Originaltitel: The First Sword
Übersetzung: Martin Baresch
Deutsche Erstausgabe September 2008
c 2008 Anna Kashina
c 2008 der deutschsprachigen Ausgabe: Deutscher Taschenbuch Verlag GmbH & Co. KG, München
ca. 638 Seiten / € 9,95

COVER:

Das Shandorianische Reich befindet sich in einer Krise: Der König liegt im Sterben, und das Konzil der Edlen ist zusammengetreten, um einen Nachfolger zu bestimmen. Herzog Evan steht unter Druck: Die Kirche und seine Rivalen fordern, dass er für immer auf die Krone verzichtet, weil er keinen Erben hat. Da erreicht ihn eine unerwartete Botschaft: Der Sohn, den er vor siebzehn Jahren seinen Mördern überlassen musste, ist gar nicht tot!
Unterdessen finden Skip, Erle und Ellah, die Kinder eines Hufschmieds, in der Ruine ihres abgebrannten Hauses ein herrliches Schwert. Der schwer verletzte Vater beschwört sie, die Waffe in die Weiße Zitadelle zu bringen.

REZENSION:

Zwei Dinge verändern das Leben von Skip, Erle und Ellah tiefgreifend. Erst beobachten sie einen Mord an einem Adligen, dann wird die Schmiede ihres Vaters von Unbekannten durchwühlt und niedergebrannt, und die drei Jugendlichen müssen fliehen.
Wem können sie noch trauen? Was hat es mit dem Schwert auf sich, das sie in der Schmiede entdecken? Warum werden sie von einem Assassinen gejagt? Wer ist die Söldnerin Kara wirklich? Fragen über Fragen, sobald man eine davon beantwortet zu haben glaubt, gibt es eine Wende und man stellt sich immer mehr Fragen.
Anna Kashina entführt die Leser in eine bunte und vielfältige Welt, in der ein grausamer Despot über seine Untertanen herrscht, in der die Kirche und die Inquisition alle, die anders sind, als „verflucht“ aus der Gesellschaft ausstößt und Kinder mit besonderen Gaben töten lässt.
Die Erzählung findet an zahlreichen Nebenschauplätzen statt, viele Figuren treten auf, die alle ihren Teil zu der Verschwörung um Skip beitragen. Es gibt keine „Guten“ oder „Bösen“, auch in den Reihen der Inquisition gibt es Priester, die viel Herz zeigen, Skip, Erle und Ellah machen viele Fehler und schlittern dadurch immer wieder in gefährliche Situationen.
Die Geschichte ist von Anfang bis Ende geradlinig erzählt und durchdacht, die Wendungen sind teilweise etwas vorhersehbar, meist aber recht überraschend. Erst wenn man im Nachhinein darüber nachdenkt, wird klar, dass es so kommen musste. Am Ende kommt es zum großen „Show-Down“ und zum „Happy End“, wenn auch völlig anders, als ich vorher gedacht hätte.
Ich hoffe, bald eine Fortsetzung lesen zu können.
Diana Becker / 02.03.2010

Wolfgang und Heike Hohlbein: Das Buch

Wilhelm Heyne Verlag
c deutsche Ausgabe 2009

COVER:

Ein Kampf auf Leben und Tod

Seit Jahrhunderten wachen die geheimnisvollen Hüterinnen über das Archiv, in dem das Leben der Menschen aufgezeichnet wird. Doch jetzt kommt es zur Katastrophe, da Unbekannte in das Bücherlabyrinth eindringen und die Vergangenheit und damit die Gegenwart umschreiben. Leonie, die junge Erbin einer Buchhandlung, erkennt, dass auch sie der uralten Gemeinschaft der Hüterinnen angehört und dazu ausersehen ist, die Wirklichkeit zu retten. Doch kann sie diesen fast aussichtlosen Kampf gewinnen?

„850 Seiten Hochspannung.“ Buch Journal

REZENSION:

Leonies erfährt nach dem tragischen Tod ihrer Großmutter, dass die Buchhandlung nur die Tarnung für ein großes Geheimnis darstellt: Im Keller des Antiquariats befindet sich der Eingang zu einem riesigen Archiv, in dem jede Minute von jedem vernunftbegabten Wesen in jeder Welt von seltsamen Kreaturen aufgezeichnet wird. Leonies Vater entwendet das Familienbuch und beginnt, die Familiengeschichte umzuschreiben. Das lässt sich der Archivar nicht gefallen und setzt alles daran, das Buch zurück zu bekommen. Es entbrennt ein verzweifelter Kampf um die Realität der gesamten Welt.
Es ist – leider – typisch für Wolfgang Hohlbein: die Idee ist klasse, der Anfang ist sucht-gefährdend, leider gleitet es ab etwa 2/3 ab und wird selbst für eine mystische Welt, in der die Realität auf dem Kopf steht, überdimensional und immer weiter unrealistisch.
Es gibt immer wieder unerwartete Wendungen, scheinbare – aber durchaus gewollte – Widersprüche und skurrile Situationen. Scheinbare Freunde entpuppen sich als Feinde, undurchsichtige Personen werden – meist unfreiwillig – zu Helfern. Eine Frage bleibt mir ein besonderes Rätsel: Warum kann Leonies Vater in das Archiv eindringen und die Familienchronik umschreiben, wenn doch die „Gabe“ und der Schlüssel zum Archiv ausschließlich nur von der Mutter auf die Tochter vererbt wird?
Nach der Beschreibung auf dem Cover hatte ich mir unter der Geschichte sehr viel mehr versprochen und wurde ein wenig enttäuscht. „Das Buch“ ist dennoch spannend erzählt, und man fiebert bis zur letzten Seite mit Leonie mit, weil man bis zum Schluss nicht weiß, was Realität ist bzw. wer wirklich auf ihrer Seite steht, und wer nicht.
Diana Becker für Hysterika.de / August 2009

Wolfgang Hohlbein: Die Tochter der Himmelsscheibe

c Piper Verlag GmbH, München 2005

COVER:

Feuer, Sturm und Siebengestirn – in Arris Träumen vermischt sich alles: die Katastrophe, die ihre Heimat verschlang, die Geheimnisse um ihre Mutter Lea, der Tod des Vaters, der sein Leben opferte, um das ihre zu retten …

In dem Dorf, das Mutter und Tochter wie Schiffbrüchige aufgenommen hat, fühlt sich Arri als Fremde. Und doch kann sie sich nicht vorstellen, anderswo als in der Hütte am Rand des Verbotenen Walds zu leben. Die vermeintliche Idylle schlägt um, als der Hohepriester von Goseg erscheint und Arri unter Druck setzt – und damit die kämpferische Mutter in die Knie zwingen will. Seinen Drohungen zum Trotz reift in Lea ein gewagter Plan, der sich der Tochter erst nach und nach erschließt.
Doch da ist es fast zu spät. Die Jäger des Dorfs werden angegriffen, und die Kunde von den Fremden, die über die Berge kommen, um sich das Land untertan zu machen, greift wie ein Lauffeuer um sich. Sarn, der Schamane, beschuldigt Lea des Komplotts mit den Fremden – und in Arri keimt der Verdacht, dass diese Anschuldigung nicht völlig aus der Luft gegriffen ist. Als ihre Mutter in aller Hast zu einem weit entfernten Handelsplatz aufbricht, heftet sie sich ihr an die Fersen – und erlebt eine böse Überraschung. Die Menschen, zu denen die beiden gelangen, halten sich Wölfe als Haustiere und pflegen Umgang mit Kriegern, die es nicht nur auf Leas Zauberschwert abgesehen haben, sondern auch auf Arri selbst…

Wolfgang Hohlbein, Jahrgang 1953, gewann 1982 mit seinem phantastischen Roman “Märchenmond” einen Autorenwettbewerb. Seitdem erreichen seine Bücher Millionenauflagen, und er gilt als der Großmeister der deutschen Phantastik. Für die Recherche zu seinem Roman “Die Tochter der Himmelsscheibe” besuchte er die Archäologen des Landesmuseums für Vorgeschichte in Halle und durfte die Himmelsscheibe persönlich in den Händen halten. Wolfgang Hohlbein lebt mit seiner Familie und vielen Haustieren in der Nähe von Düsseldorf.

REZENSION:

Wolfgang Hohlbein ist und bleibt ein Phänomen. Sein schriftstellerische Ausfluss scheint unermüdlich und bewegt sich weiterhin in den unterschiedlichsten Genren. Das vorliegende Buch “Die Tochter der Himmelsscheibe” ist eine Mischung zwischen Fantasy und historischem Roman. Wir bewegen uns darin in der Frühzeit der Menschen und erleben viel zu Zeiten der sagenhaften Himmelsscheibe von Nebra.
Somit hätte dieses Buch unwahrscheinlich viel erzählerisches Potenzial zu bieten gehabt und dementsprechend hoch war auch meine Erwartung beim Öffnen dieses knapp 1000-seitigen Werkes.
Diese Erwartungen wurden leider absolut enttäuscht. Wolfgang Hohlbein hat in diesem Epos leider überwiegend nur die Mutter-Tochter-Beziehung ausgebreitet und erzählt und erzählt und erzählt….
Dies wird mehr und mehr ermüdend und man blättert nur noch weiter, da man Hohlbein ja eigentlich als Spannungsgarant kennen und lieben gelernt hat.
Leider kommt er in diesem Werk nicht zur Sache. Es fehlt jegliche Tiefe und Dramaturgie. Ein eventuell dezent angedeuteter Spannungsaufbau verpufft ohne besondere Wirkung und man kann beinahe locker einige Seiten überblättern, ohne irgendetwas zu verpassen.
Wolfgang Hohlbein bleibt also weiterhin ein Phänomen – denn er kann genauso gut absolut spannende und faszinierende Geschichten schreiben, wie auch nichts sagende und langatmige Stories abliefern.
Schade, denn der historische Hintergrund hätte sehr viel zu bieten gehabt…
Jürgen Seibold/15.08.06

Markus Heitz: Judassohn

c 2010 by Knaur Verlag
ca. 680 Seiten / € 14,95

COVER:

Ich habe mir alles genommen, mich selbst darum gebracht.

Kein Raubtier vermag solche Wunden zu schlagen und so zu verstümmeln wie ich. Mein Glück ist unwiederbringlich verloren.
Zerfetzt.

Doch bin ich schuldlos an dem, was ich tat. Mein Wesen veränderte sich zweifach, mit jedem meiner Tode.

Ich kenne die Frau, die wahre Täterin, die mich zum Opfer dieser Mächte werden ließ, anstatt mich davor zu bewahren.

Jetzt habe ich sie gefunden. Endlich gefunden!

Und ich werde ihr rauben, was ihr am Herzen liegt, damit sie mein Leid nachempfindet! Bevor ich auch sie auslösche …

Im Frankreich des ausgehenden 18. Jahrhunderts, im tiefsten bretonischen Sumpfland, liegt der Geburtsort einer Gestalt, die ihre tödlichen Fänge bis in die Gegenwart streckt. Das Böse ergriff ganz langsam Besitz von ihr – in einer Verkettung von Zufällen, Wandlungen, Bündnissen. Und durch einen unauslöschlichen Fluch, der über allem liegt …

Markus Heitz erzählt die Geschichte der Judaskinder weiter – von ihrer teuflischen Jagd nach Unsterblichkeit und Erlösung, einst und jetzt.

Rezension:

Vampirromane sind zur Zeit ja in – erstaunlich, dass durch eine Hinzufügung von viel Liebe und Romantik auch die weibliche Leserschaft endlich “gekidnappt” werden konnte.
War nicht schon immer viel Liebe und Romantik in den frühen Werken der Vampirliteratur?
Ich habe mir jahrelang den Mund fusselig geredet, um festgefahrene Mitbürger (meist weiblichen Geschlechts) vom Kosmos des Vampirismus zu überzeugen. Leider vollführte ich dies durchweg ohne jeglichen Erfolg. Nun ja, vielleicht war das auch ganz gut so – immerhin konnte ich mich lange Zeit mit dem “echten” Vampirismus beschäftigen und dafür hielt ich auch durchweg die Lanze hoch.
Heutzutage verlieben sich Vampire ja nicht nur, sondern gehen wohl auch tagsüber in die High School – ich denke, bei Unsterblichkeit würde ich das wohl bleiben lassen…
Wie man merkt, bin ich eher ein Kind des ursprünglichen Vampirismus – ganz oben steht bei mir immer noch unangefochten Bram Stokers DRACULA als literarisches Kunststück und Christopher Lee als dessen filmische Personifizierung.
Dadurch sind meine Grenzen doch recht eng gesetzt – egal, wenden wir uns nun dem neuen Werk von Markus Heitz zu:
Will er auch auf dieser neumodischen Welle mitschwimmen?
MITNICHTEN!
Ich habe eher das Gefühl, Markus Heitz besitzt eine ähnliche Grundlage und schafft es sogar, dem Vampirtum glaubwürdig neue Rassen als auch neue Fähigkeiten zuzuschreiben um trotzdem in keinster Weise den Blick auf den Ursprung zu verlieren und ihn dadurch in eher lächerliche Ecken zu treiben.
Judassohn ist Band 2 seiner Saga und erneut unglaublich interessant, spannend und glaubhaft erzählt – warum nur werden solche Werke nicht ebenso hoch gelobt wie manch andere Autorenergüsse, die einen 300jährigen, fürchterlichen Ruf mehr zerstören als ihn weiter zu erzählen.
Nun, genug gemeckert: Judassohn spielt bei einer ganz besonderen Riege mit: gab es für mich doch bisher nur DRACULA von Bram Stoker (sehr intensives Werk!) und Stephen Kings SALEM’S LOT (eine gelungene Hommage an Stoker) als die großen Vertreter des Genres.
Nun scheint es eine weitere Reihe geschafft zu haben.
Herr Heitz – Ich danke Ihnen!!!
Jürgen Seibold / 19.09.2010

Markus Heitz: Die Legenden der Albae – Gerechter Zorn

c Piper Verlag GmbH, München 2009
ca. 585 Seiten / € 15,00

COVER:

Die Albae sind gefährlich, grausam und scheuen keinen Krieg. Ihre Feinde fürchten sie, und ihre Sklaven folgen ihnen bedingungslos. Doch die dunklen Geschöpfe bergen ungeahnte Geheimnisse und ihre Macht ist nicht unbegrenzt. Das Reich der Albae ist bedroht, und die ungleichen Krieger Sinthoras und Caphalor erhalten den Auftrag, einen mächtigen Dämon für ihr Volk zu gewinnen. Es stellt sich aber schnell heraus, dass jeder der Albae eigene Pläne verfolgt. Der Kampf um Ehre, Leidenschaft und Macht bringt sie in höchste Gefahr – und das Schicksal ihres Volkes steht auf dem Spiel…

REZENSION:

Markus Heitz wird scheinbar immer aktiver – anders kann ich mir die aktuelle Anzahl an Veröffentlichungen schlichtweg nicht erklären. Sehr oft führt jedoch ein rasant aufeinander folgender Output eines Autors zu einer Verschlechterung seiner Geschichten. Gibt es doch sehr viele Autoren, die regelmäßig Bücher veröffentlichen, jedoch in ihren Werken absolut nichts Neues mehr zu erzählen haben.
Nun erreichte mich also ein neuer Markus Heitz – und abermals eröffnet er eine neue Serie über die sehr interessanten Albae – ein Stamm, der jedem Zwerge-Leser bekannt sein müsste. Der Umschlag sieht klassisch nach Fantasy aus – wollen wir mal sehen, was der Inhalt so her gibt…
Fünfhundertvierundachtzig Seiten später musste ich notgedrungen ein Fantasybuch schließen, wie ich es leider schon lange nicht mehr lesen konnte. Hat mich doch die Geschichte über die relativ bösartigen Albae zutiefst gefesselt, berührt und überzeugt. Sicherlich, sie könnten noch etwas bösartiger sein – nichts desto trotz wird Markus Heitz in meinem Augen mehr und mehr zum Godfather der deutschen Fantasy- und Horrorliteratur.
Scheinbar spielerisch lässt er die Welt der Albae aufleben, geht hierbei sehr detailliert zu Werke und führt seine Protagonisten sehr lebendig ein, ohne den Blick auf das Wesentliche zu verlieren. Man erkennt förmlich die Liebe des Autors zur Schriftstellerei und insbesondere zu den Genrebereichen, in denen er sich aufhält.
„Die Legenden der Albae“ ist ein absolut überzeugender Dark-Fantasy-Roman, der nicht eine einzige Seite ohne Sinn und Zweck vorzuweisen hat – man muss wirklich stark aufpassen, nicht den Bezug zur Realität zu verlieren – ist es doch schier unmöglich, aus den Tiefen Ishím Voróo’s wieder aufzutauchen.
Alles was dem Leser bleibt ist ein zombieartiger Gang zum nächsten Buchhandel, um auf die Veröffentlichung des nächsten Bandes – gleich einem Drogensüchtigen auf Entzug – zu warten, um dann dieses dem Händler aus den Händen zu reißen…
Buchtipp des Monats Juni bei Hysterika.de
Jürgen Seibold / 30.05.09

Markus Heitz: Blutportale

ca. 666 Seiten / € 14,95
Originalausgabe Dezember 2008
c 2008 bei Knaur Verlag.

COVER:

„Du kannst nicht jeden retten“, sagte sie ernst. „Es scheint dir im Moment vielleicht unerträglich zu sein, dass du ihn geopfert hast, aber glaub mir, es war die richtige Entscheidung.“

Genau wie Will führt auch Saskia, eine leidenschaftliche Fechterin, ein ganz normales Leben. Das ändert sich, als sie bei einem Turnier gegen den geheimnisvollen Maitre antritt: Mit seinem Rapier fügt er ihr tiefe Schnitte zu, die bald danach zu Brandzeichen werden. Saskia ahnt nicht, dass ihr Gegner bereits seit Jahrhunderten nach ihr sucht – denn in ihr schlummert eine Gabe, die er sich nun zunutze machen will. Doch niemand hat die junge Frau auf ihr dunkles Talent vorbereitet, und so stößt sie unbeabsichtigt Türen auf, die nie geöffnet werden sollten.
Bevor sie weiß, wie ihr geschieht, ist Saskia gemeinsam mit Will auf der Flucht vor Dämonendienern, die sie zu ihren Zwecken missbrauchen wollen. Die beiden müssen alles, was sie bisher für real, für gut und für falsch gehalten haben, vergessen, um überleben zu können – und bekommen ebenso unerwartete wie ungewöhnliche Hilfe …

Dunkle Geheimnisse, rasante Action und ein Wiedersehen der besonderen Art: Der neue Bestseller von Markus Heitz!

Markus Heitz, geboren 1971, studierte Germanistik und Geschichte. Seit er mehrfach mit dem Deutschen Phantastikpreis ausgezeichnet wurde, gilt er zu Recht als Großmeister der deutschen Fantasy. Mit seiner Bestsellerserie um Die Zwerge setzte er einen neuen Standard im Bereich der klassischen Fantasy und eroberte mit dem Werwolf-Zweiteiler Ritus und Sanctum sowie dem Vampirthriller Kinder des Judas auch die Urban Fantasy. Markus Heitz lebt mit seiner Familie in Zweibrücken.

REZENSION:

Markus Heitz ist einer meiner deutschen Lieblingsautore – konnte er doch durch eine hohe Zahl an Büchern uneingeschränkt überzeugen. Dementsprechend gefreut habe ich mich, als Blutportale seinen Weg zu mir fand.
Erneut handelt es sich um ein nicht gerade dünnes Buch – dies hat in der Vergangenheit regelmäßig für den Autor gesprochen, da er sich in dickeren Büchern eher wohl gefühlt hatte und vor dem Leser wahre Symphonien ausbreitete.
Bei Blutportale scheint dies jedoch eher nicht gelungen zu sein. Es ist jedoch schwer zu greifen, woran das liegen mag. Erneut lässt er seinen Hauptprotagonisten durch spannende Begebenheiten laufen – insbesondere die Idee mit der geheimen und illegalen „Fechtbruderschaft“ finde ich sehr ansprechend und hat am Anfang unwahrscheinlich viel Spaß gemacht. Ich denke, alleine darüber würde sich ein Buch schon lohnen.
Im Laufe der Geschichte erklomm mich jedoch mehr und mehr das Gefühl, dass sich Markus Heitz etwas verzettelt hat – dadurch schwand in meinen Augen mehr und mehr der Faden, der den Leser durch das Buch geleitet.
Somit ist bei mir etwas einmaliges geschehen: Ich legte zum ersten Mal ein Buch von Markus Heitz unbefriedigt und unabgeschlossen auf die Seite. Nichts desto trotz wird auch Blutportale sicherlich auch viele Freunde finden – aus meiner Sicht ist es leider ein etwas unausgegorenes Werk, das Anfangs mit hoher Geschwindigkeit startet und dann leider zu lange dieses Tempo nicht mehr aufrechterhalten kann. Schade – ich freue mich aber trotzdem auf seine weiteren Werke.
Jürgen Seibold/22.01.2010

Markus Heitz: Kinder des Judas

Originalausgabe September 2007
c 2007 by Knaur Verlag
ca. 704 Seiten / € 14,90

COVER:

Ich kenne die Melodie des Lebens. Sie variiert selten, und wenn doch, dann ist es meistens nicht gut.

Jung sein, schön, gesund – und das bis in alle Ewigkeit: Was sich für viele nach einem Traum anhört, ist für Sia schon vor langer Zeit zum Fluch geworden. Sie sehnt sich nur nach einem: einschlafen und nie wieder aufwachen müssen. Doch das darf sie nicht. Zu groß ist die Schuld, die Sia auf sich geladen hat, zu groß die Verantwortung, die sie gegenüber der Menschheit trägt. Und noch etwas anderes verfolgt sie: die Erinnerung an ein besonderes Mädchen.

Um ihren Schmerz zu lindern, schreibt Sia in einer langen, einsamen Nacht Scyllas Geschichte nieder. Diese beginnt 1670 und ist untrennbar verbunden mit den dunklen Machenschaften der Kinder des Judas, einem mächtigen Bündnis von Wissenschaftlern – und Vampiren!

REZENSION:

Ein weiterer Vampirroman?
Gibt es nicht schon mehr als genug?
Kann einem Autor in der heutigen Zeit mit einer unendlichen Vielfalt an Vampirgeschichten überhaupt noch etwas einfallen, dass einen Leser erneut an die Seiten fesselt und mit neuen Ideen aufwartet?
Einer kanns!
Markus Heitz’ neuestes Werk “Kinder des Judas” ist eine weitere Geschichte im Kosmos um die (nicht tot zu bekommenden) Vampire – und eine Geschichte, die diese mystischen “Lebewesen” ganz neu entdeckt und voller Atmosphäre vor des Lesers Augen ausbreitet.
“Kinder des Judas” erzählt von der Vampirin Scylla, die ihre Lebensgeschichte aufschreibt und dabei über Jahrhunderte voller Grauen, Schmerz, Verlust und – viel Blut – berichtet.
Anhand der Erzählung Scyllas verwebt Markus Heitz in seinem 700seitigen Buch die beiden Genre Mystik und Historik in genialer Weise. Er vergisst dabei weder detailreiche Beschreibungen des 18. Jahrhunderts noch die Notwendigkeiten der Spannung, wie es ein Genreleser im Bereich des Vampirismus erwartet.
Seine Geschichte ist – trotz der untoten Schattengestalten – ein Buch voller Leben und seine Protagonisten zeigen sich glaubhaft und detailverliebt gezeichnet. Markus Heitz vergisst diesen Detailreichtum weder in den historischen Begebenheiten und Orten der Vergangenheit noch in der Darstellung der Gegenwart. Hier geht er sogar so weit, seine Affinität zur Gothic-Szene geschickt in seine Geschichte mit einzuweben und wird damit hoffentlich einige Leser dazu führen, sich ein wenig mehr Gedanken über die Musik/Szenen außerhalb des Mainstreams zu machen. Vielleicht gibt es sogar den ein oder anderen Leser, der sich – angespornt durch diese Geschichte – ein oder mehrere CD’s von 69 Eyes oder gar Das Ich besorgt – Es wird sein Schaden nicht sein…
Aber zurück zum Buch: Erneut wurde durch Heitz gezeigt, dass er wohl der echte Fantasy- und Horrorkönig unseres Landes ist – im Gegensatz zu manch anderen, mittlerweile sehr vorhersagbaren Autoren dieser Genre, schafft es Heitz immer wieder, zu überraschen und legt dabei zusätzlich einen Pageturner nach dem anderen vor. Ein Autor, der weiß wovon er schreibt und wie er damit den Leser nicht nur erreichen sondern auch befriedigen kann.
Absolut empfehlenswert!
Jürgen Seibold/05.02.2008

Markus Heitz: Die Mächte des Feuers

c Piper Verlag GmbH, München 2006
ca.574 Seiten / 16,90 €

COVER:

Machtgierige Drachen säen seit Anbeginn der Zeit Hass und Intrigen zwischen den Völkern und stürzen die Menschheit immer wieder in Kriege. Im Jahr 1925 arbeitet die Drachentöterin Silena für das Officium, einen Bund, der sich der Jagd auf die geflügelten Geschöpfe verschworen hat. Doch nicht nur durch die Drachen droht Silena und ihren Verbündeten Gefahr: In vielen Städten Europas häufen sich zerstörerische Angriffe eines unsichtbaren Feinds. In London wird das Zepter des Marduk gestohlen, ein Artefakt von unvorstellbarer Macht. Und grausame Todesfälle unter den Drachentötern weben ein unheimliches Muster. Silena setzt alles daran, die Geschehnisse aufzuklären. Doch sie ahnt nicht, dass sie damit die Pläne eines Gegners durchkreuzt, der mächtig genug ist, um die Welt endgültig in den Abgrund zu stürzen…

Markus Heitz, geboren 1971, gehört seit den sensationellen Romanen um “Die Zwerge”, die wochenlang auf den Bestsellerlisten standen, und seinem “Ulldart”-Zyklus zu den erfolgreichsten deutschen Fantasy-Autoren. “Die Mächte des Feuers” führt ihn zu neuen phantastischen Ufern. Markus Heitz ist verheiratet und lebt in Zweibrücken. Wenn er nicht schreibt, schenkt er in seinem irischen Pub “Killarney” Guiness und andere Köstlichkeiten aus.

REZENSION:

Markus Heitz wird immer mehr zu einem Phänomen. Dies liegt insbesondere daran, dass er sehr virtuos zwischen den Genren switcht und sich trotzdem immer treu bleibt.
Mit “Die Mächte des Feuers” eröffnet er einen relativ untypischen Plot im Fantasy-Genre, bleibt er doch trotz der Kämpfe mit Drachen in einer realen Welt und verliert sich nicht in die typischen Fantasywelten.
Er führt uns in seinem Buch in unterschiedliche Städte des Europa im Jahre 1925, in dem die Nachfahren der heiligen Drachentöter den Kampf gegen die mächtigen, geflügelten Geschöpfe fortsetzen.
Wie von Markus Heitz verwöhnt, ist seine Schreibweise erneut sehr eingängig, interessant und glaubwürdig. Des weiteren schafft es Markus Heitz scheinbar spielerisch, die damalige Zeit vor des Lesers Augen auferstehen zu lassen. Seine Drachentöter als auch die Drachen selbst werden in einer Tiefe dargestellt, wie man es bereits von Heitz’ Zwergenromanen kennt.
Leider verläuft er sich ein wenig und man hat bei der Lektüre ein sehr zwiespältiges Gefühl: Es ist schwer, sich dem Buch und dessen Verlauf zu entziehen – andererseits wird der Leser nicht an die Seiten gefesselt, wie es zum Beispiel bei seiner Zwergenreihe oder auch bei “Ritus” ist.
Nichts desto trotz bleibt ein sehr schönes, detailliertes Sittengemälde der 20er Jahre, welches durch die Elemente der eingewobenen Phantastik um so interessanter wirkt.
Jürgen Seibold/19.10.2007

Markus Heitz: Die Rache der Zwerge

c Piper Verlag GmbH, München 2005

COVER:

Die Schlacht um das Geborgene Land geht weiter – das furiose neue Abenteuer um Tungdil, den tapfersten aller Zwerge! Furcht erregende, unbekannte Kreaturen machen Jagd auf den magischen Diamanten, der unermessliche Macht in sich birgt. Die Bestien, halb Ork, halb Alb, scheinen magische Fähigkeiten zu besitzen und gebrauchen seltsame Maschinen. Doch sie sind nicht die Einzigen, die nach dem Artefakt trachten. Eine neue Gattung Ork erscheint im Geborgenen Land, und plötzlich gehen Gerüchte um von bartlosen, fremden Zwergen, die ihr eigenes Ziel verfolgen. Machtlose stehen die Herrscher des Geborgenen Landes den unheimlichen Gegnern gegenüber. Auch in den Zwergenreichen kommt es zu Zwischenfällen. Zwerge werden vergiftet, gejagt und getötet. Die Dritten schreien nach Rache. Und ist den Elben zu trauen, die eine neue Ära der Gemeinschaft zwischen den Völkern beschwören? Zusammen mit seinen Gefährten greift Tungdil erneut zur Doppelaxt. Aber um das Unheil abzuwehren, muss er über das Gebirge – ins gefährliche Jenseitige Land. Mit diesem rasanten Zwergen-Thriller hält Markus Heitz seine Leser ein weiteres Mal in Atem.

Markus Heitz, geboren 1971, studierte Germanistik und Geschichte und arbeitete als Journalist bei der Saarbrücker Zeitung. Sein Aufsehen erregender Debütroman “Schatten über Ulldart”, der Auftakt zum Epos “Ulldart – Die dunkle Zeit”, wurde mit dem Deutschen Phantastik Preis ausgezeichnet. Seit den sensationellen Bestsellern “Die Zwerge” und “Der Krieg der Zwerge” gehört Markus Heitz zu den erfolgreichsten deutschen Fantasy-Autoren. Er lebt in Zweibrücken und versucht in seiner Freizeit gelegentlich, aus den Pralinenrezepten von König Perdor echte Pralinen zu machen.

REZENSION:

Mit “Die Rache der Zwerge” legt Markus Heitz den dritten Band seiner erfolgreichen Geschichte um Tungdil Goldhand vor.
Erneut handelt es sich bei dem Buch um einen dicken Brocken, mit dem man Leute erschlagen könnte.
Man sollte dies jedoch tunlichst sein lassen, denn der Inhalt zwischen den Buchdeckeln zeigt erneut, was für ein Phänomen Markus Heitz mittlerweile geworden ist.
Sehr oft sind weitere Bände einer erfolgreichen Geschichte nichts weiter als Aufgüsse, um den Geldbeutel weiter auf halten zu können – der Inhalt meist nebensächlich und nicht mehr auf dem Niveau des Erstlings.
Markus Heitz ist jedoch ein Autor mit unwahrscheinlich viel Output – schafft es dabei aber unterbrechungslos, die Qualität seiner Geschichten in den unterschiedlichsten Zeiten und/oder Welten auf einem konstant hohen Niveau zu halten.
Mit dem dritten Zwergenband ist ihm dies erneut gelungen und man hat als Leser das Gefühl, über dem Geborgenen Land zu schweben, um alles mit zu erleben. Abermals ist seine Geschichte hochspannend, interessant und ein weiterer Schritt auf den Fantasy-Thron.
Markus Heitz vergisst dabei auch nicht seinen bekannten und geschickt eingebauten Witz – nebenbei erkennt man erneut den immensen Ideenreichtum des Autors und ich gehe davon aus (und hoffe!), man wird noch viel von ihm zu lesen bekommen.
Sicherlich mittlerweile einer der besten Fantasy-Autoren, den unser Land aufbieten kann.
Jürgen Seibold/22.07.07