Terry Pratchett: Einfach göttlich

Originaltitel: Small Gods
Übersetzung: Andreas Brandhorst
c Terry und Lyn Pratchett 1992
deutsche Ausgabe: c 1995 by Wilhelm Goldmann Verlag, München

COVER:

Brutha hat prankenartige Hände, einen tonnenförmigen Leib und baumstammdicke Beine, die in Spreizfüßen enden. Und er ist nicht gerade helle. Aber irgendwas muß an ihm dran sein, denn Gott Om hat zu ihm gesprochen. Er sei der Erwählte. Doch auf einmal ist die Inquisition hinter ihm her und bringt Brutha jede Menge Ärger. Und so zerbricht sich der dicke Tempelgärtner seinen Schädel darüber, wie bei allen Göttern er sein Amt wieder loswerden kann…

Terry Pratchett, geboren 1948, verkaufte seine erste Geschichte im zarten Alter von dreizehn Jahren und ist heute einer der erfolgreichsten Fantasy-Autoren überhaupt. Neben Douglas Adams und Tom Sharpe gilt er als Großbritanniens scharfsinnigster und pointensicherster Komik-Spezialist. Time Out schrieb über ihn: “Terry Pratchett wird mit jedem Buch besser und besser. Er ist auf dem Höhepunkt seines Schaffens, und es gibt heute keinen einzigen Humoristen, der es auch nur annähernd mit ihm aufnehmen kann.”
Er lebt mit seiner Frau Lyn und seiner Tochter Rhianna in Wiltshire.

REZENSION:

Wie so oft ist der Glaube anders als die Kirche festlegt. Pratchett bringt in diesem Roman wieder einmal sehr viele reale Begebenheiten auf die Scheibenwelt, um diese mit seinem Witz in den Kakao zu ziehen. Gleichzeitig wird man fast nachdenklich über die Irrungen und Wirrungen der Kirchengeschichte.
Hierbei geht es um Brutha, einem kleinen Novizen, der in Omnien lebt, einem Land das von Vorbis dem Exquisitor geleitet wird. Der Gott Om wird dargestellt als Stier, der mit seinen Füßen die Ungläubigen zertritt – Leider ergibt es sich, dass der echte Gott Om zur Zeit als Schildkröte lebt und nur Brutha ihn hören kann. Dadurch ergeben sich viele Umstände, die Brutha mit Sicherheit nicht gewünscht hatte. -> Aber selber lesen…
Pratchett spannt in dieser Geschichte einen Glaubensbogen, der alles bisher dargewesene berührt: Die Exquisition, die mit Hilfe der Inquisition die Ungläubigen läutert, die Glaubenskriege, die unterschiedlichen Religionen, usw. usw.
Wieder einmal ein sehr gelungener Roman aus Pratchett’s Feder. Ich hoffe, die Scheibenwelt wird nie abgeschlossen.
Jürgen Seibold /04.12.2002

Terry Pratchett: Gevatter Tod / Wachen! Wachen!

c 2000 by Wilhelm Heyne Verlag GmbH & Co.KG, München

COVER:

Die Romane
Terry Pratchett entführt seine Leser zu spannenden Reisen, in die von ihm geschaffene bizarre Scheibenwelt.
Gevatter Tod
Der junge Mort, Bewohner der Scheibenwelt, macht seiner Familie große Sorgen. Er ist ungeschickt und nicht in der Lage im heimischen Betrieb mit reannueller Landwirtschaft zu helfen. Deshalb versucht sein Vater, eine Lehrstelle für ihn zu finden. Doch auch dieses Unterfangen ist vergeblich. Als letzter Ausweg bleibt der Gewerbemarkt, auf dem Lehrlinge vermittelt werden. Wenige Sekunden vor Mitternacht ist Mort noch immer ohne Lehrstelle. Da kommt ein geheimnisvoller Reiter, Gevatter Tod, der einen Gehilfen sucht, der ihm beim Geleit der Seelen Verstorbener ins Jenseits hilft. Mort macht sich voller Eifer ans Werk und wird seinem Meister immer ähnlicher.
Wachen! Wachen!
Durch einen Zauber hat ein Drache die Herrschaft in der Scheibenwelt-Stadt Ankh-Morpork übernommen. Die verängstigten Bürger lassen ihn regieren und geben ihm ihr ganzes Gold, solange er sie nur in Ruhe lässt. Doch eine kleine Gruppe, geführt von Hauptmann Mumm, unterstützt von der adeligen Sumpfdrachenzüchterin Lady Käsedick mit ihrem kleinen Drachen Erroll und dem zwei Meter großen Zwerg Karotte, macht sich auf, den feuerspeienden Herrscher zu vertreiben.

Der Autor
Der Brite Terry Pratchett wurde 1948 geboren. Nach dem Studium arbeitete er als Jornalist und Pressereferent, bevor er sich nach dem Erfolg seiner ersten Romane ganz dem Schreiben widmete. Vor allem mit seinen Büchern über die von ihm erfundene Scheibenwelt eroberte er sich weltweit ein Millionenpublikum.

REZENSION:

DER TOD ist für mich eine der besten Figuren im Pratchett-Universum. Fast genauso ins Herz geschlossen habe ich die Jungs von der Stadtwache.
Ich möchte jetzt hier auch nicht allzu viel über die Geschichten erzählen. Doch hat es Terry Pratchett einfach geschafft, mit diesen beiden Bänden eine unwahrscheinlich humorvolle Literatur entstehen zu lassen, die eigentlich jeder gelesen haben sollte. Egal ob man normalerweise was anderes liest.
Wer sich innerhalb der Scheibenwelt noch nicht auskennt und nicht unbedingt mit den noch etwas konfusen allerersten Bänden starten möchte, wäre mit diesem Doppelband wohl mehr als positiv bedient und ich denke der Flair dieser Geschichten könnte noch viele weitere Freunde finden.
Pratchett – mach weiter so….
Jürgen Seibold / 08.11.2002

Terry Pratchett: Helle Barden

Originaltitel: Men at Arms
Übersetzung: Andreas Brandhorst
c der Originalausgabe 1993 by Terry und Lyn Pratchett
c der deutschsprachigen Ausgabe 1996 by Wilhelm Goldmann Verlag, München

COVER:

Die Stadtwache soll effizienter werden, so will es der Patrizier, und neue Mitglieder aus sozialen Randgruppen aufnehmen: einen Troll, einen Zwerg und eine Werwölfin. Das sorgt für eine Menge Chaos. Erst recht, als eine neuartige Waffe gestohlen wird – das Gfähr. Und Edward d’Eath davon träumt, dem alten Adel zurück an die Macht zu verhelfen. Grauselige Morde geschehen, und die Stadtwache nimmt ihre Ermittlungen auf…

Die umwerfend komische Mischung aus Tolkien und Monty Python – an Einfallsreichtum, schrägem Humor und Hintersinn kaum zu überbieten.

“Das Phänomen Pratchett hat inzwischen auch Deutschland erobert!”
Focus

“Verdammt gut!”
Der Spiegel

REZENSION:

Terry Pratchett ist wirklich ein Phänomen. Seine Romane sprudeln förmlich vor einem Ideenreichtum, dem man manchmal beinahe nicht folgen kann.
Seine Romane kann man eigentlich nur lieben oder hassen. Auf jeden Fall sind sie voller Ironie und Seitenhieben zu unserer Zeit.
Es gibt oft Personen, die ähnlich zu Personen der Weltgeschichte dargestellt werden. In diesem Fall z.B. den Erfinder des Gfährs, einen durchgeknallten Menschen namens Leonard da Quirm, der immer spiegelverkehrt schreibt und Flugmaschinen erfindet – siehe Leonardo da Vinci.
Die Wache kämpft mit den typischen Vorurteilen, die man gegenüber anderen Gruppen leider zu oft hat. Hier sind es vorallem Trolle und Zwerge, die sich eigentlich nicht leiden können aber hier in der Wache zusammenarbeiten müssen.
Alles in allem ist dieser Roman wieder einmal sehr lustig, abwechslungsreich und doch relativ spannend. Man merkt, daß Terry Pratchett von Mal zu Mal besser wird.
Jürgen Seibold/März 2003

Stan Nicholls: Die Orks

Originaltitel: “Bodyguard of Lightning”, “Legion of Thunder”, “Warriors of the Tempest”
Übersetzung: Christian Jentzsch
c 1999, 2000 Stan Nicholls
c der deutschsprachigen Ausgabe: 2004 Piper Verlag GmbH, München
ca. 800 Seiten

COVER:

”Die Orks” –  das meistgelesene Fantasy-Werk seit “Der Herr der Ringe”: Geboren, um zu kämpfen, verbreitet das hässliche Volk der Orks seit jeher Angst und Schrecken. Die Vielfraße führen einen erbitterten Krieg gegen die Menschen, die die Erdmagie im Land Maras-Dantien aus dem Gleichgewicht gebracht haben. Nun muss sich Stryke, Anführer der besten Ork-Söldner, einem gefährlichen Auftrag stellen: Auf Geheiß der Königin Jennesta soll er ein verschwundenes magisches Artefakt wiederbeschaffen, mit dessen Hilfe es gelingen könnte, die Feinde zurückzuschlagen. Zunächst scheint die Mission Erfolg versprechend – doch dann wird das Artefakt von Kobolden geraubt, und eine dramatische Jagd beginnt…

Stan Nicholls, geboren in London, ist seit seiner Kindheit Fantasy-Fanatiker. Er arbeitete lange Jahre als Buchhändler und Journalist im Fantasy- und Science-Fiction-Bereich, bevor er sich dem Schreiben von phantastischen Romane widmete. Mit “Die Orks” landete er einen Überraschungsbestseller, der ihm über Nacht eine riesige Fangemeinde bescherte.

REZENSION:

Es gibt sehr viele Wesen aus dem tolkienschen Universum die man beim Genuß des Herrn-der-Ringe-Epos problemlos ins Herz schließt und deren Leben und Wirken durch viele spätere Erzählungen und Romane durch Autoren unserer Zeit weitergesponnen werden. Das sich jedoch ein Autor den abgrundtief bösen und berühmt berüchtigten Orks annimmt scheint auf den ersten Blick mehr als verwunderlich. Immerhin hat dieses kriegerische Volk nur sehr wenige Sympathisanten bei den Lesern dieses Genres.
In dem vorliegenden, 800seitigem Epos mit dem kurzen, aber sehr prägnantem deutschen Titel “Die Orks” könnte sich dies jedoch schlagartig ändern.
Sicherlich wird in diesem Buch unwahrscheinlich viel gekämpft, gelitten und zerstört – jedoch verliert Stan Nicholls niemals seinen Blick auf die Handlung und führt die Orks zu nichts geringerem als die Rettung und Rückkehr ihrer Rasse in ihr ursprüngliches Land bzw. ihre Welt.
Seine Art des Erzählens lässt absolut nichts missen und dadurch spürt man als Leser jeden Schwertschlag beim Kämpfen genauso, wie auch die teilweise vorhandene innere Zerrissenheit des Anführers Stryke als auch die Beweggründe der Truppe und ihren Feinden. Wie ein Maler erschafft Stan Nicholls vor des Lesers Augen eine fantastische und detaillierte Welt, nimmt aber erfreulicherweise niemals die eigene Möglichkeit des geistigen Aufbaus einer Fantasy-Welt der Person, die zum Umblättern der Seiten verdammt ist, da ein Loslassen schier unmöglich scheint.
Dadurch erreicht man das Ende dieses Buches sehr schnell und der Hunger nach weiteren Erzählungen der nun ins Herz geschlossenen Orks wächst ins Unermessliche.
Ein Buch, das durch seine Spannung, Dichte und auch Witz mit Leichtigkeit aus dem Dunstkreis der “Herr-der-Ringe-Ecke” hervortreten kann und sich beileibe nicht hinter anderen Werkes dieses Genres zu verstecken braucht.
Jürgen Seibold/16.06.2006

Joseph Nassise: Der Schattenseher

Originaltitel: Eyes to see (noch nicht fixiert – Amerikanische Ausgabe bis zum Erscheinen der vorliegenden Ausgabe noch nicht erschienen)
Aus dem Englischen von Heike Holtsch
c 2009 by Joseph Nassise
Deutsche Erstausgabe Dezember 2009
c 2009 der deutschsprachigen Ausgabe bei PAN-Verlag
ca. 350 Seiten / € 9,95

Cover:

Ich habe mein Augenlicht gegeben, um die Wahrheit sehen zu können. Hätte ich damals gewusst, was ich heute weiß, wäre ich diesen Teufelspakt niemals eingegangen.
Kennen Sie dieses Frösteln, das einen hin und wieder aus unerfindlichen Gründen überkommt? Das ist die Art der Geister, uns spüren zu lassen, dass sie da sind. Geister sehen, hören und wissen Dinge, die sie nichts angehen. Die Toten kennen unsere verborgensten, dunkelsten Geheimnisse. Sie zu verstehen, ist allerdings etwas ganz anderes.

Jeremiah Hunt hat gelernt, Geister aus den Häusern der Lebenden zu vertreiben, und wird von der Polizei um Hilfe gebeten, wenn normale Entwicklungen nicht mehr weiterkommen. Darum wird Hunt auch an einen besonderen Tatort gerufen, an dem sich merkwürdige Schriftzeichen finden. Hunt ist sicher, dass ein übernatürliches Wesen am Werk war – und erschüttert, als er neben dem Opfer einen kleinen Anhänger findet, den er kennt. Das Schmuckstück stammt von dem Bettelarmband, das seiner Tochter gehörte! Zur gleichen Zeit hat die junge Hexe Denise Clearwater eine Vision. Sie hat keine Ahnung, wer der blinde Mann ist, den sie darin sieht – aber sie weiß, dass er in großer Gefahr schwebt …

Rezension:

Jermiah Hunt ist blind. Aber er ist es nicht seit Geburt: Mit einem Ritual aus einem Buch versuchte er seine verschwundene Tochter zu finden und verlior dabei sein Augenlicht. Die Suchaktion der Polizei blieb jedoch erfolglos.
Das Ritual hatte jedoch auch seine gute Seite. Jeremiah ist nicht blind im klassischen Sinn. Er sieht nun eine Art andere Realität, in der Geister, magische Gestalten, Dämonen existieren, die unter uns leben. Seine Fähigkeit bietet er unter anderem auch der Polizei an, in Fällen wo diese in den Ermittlungen nicht vorwärts kommen. Da Detektiv Stanton auf seiner Suche nach einem psychotischen Killer, der in der Stadt sein Unwesen treibt, nicht weiter kommt, ruft er Hunt an und bittet ihn um Hilfe. Jeremiah findet auf dem ersten Schauplatz einen Anhänger, der seiner Tochter gehört hat. Ist der Killer auch am Verschwinden seiner Tochter beteiligt gewesen ? Wurde das Indiz extra auf dem Schauplatz hinterlassen ? Als Hunt auch auf einem zweiten Tatort einen solchen Gegenstand findet, beginnt er dahinter eine persönliche Einladung zu sehen. Die Jagd beginnt…
Die Figur von Jeremiah Hunt, durch alles was ihm widerfahren ist, bleibt ein einsamer, durch sein Handicap zurückgezogener Aussenseiter, der gerade dadurch sein volles Potential an Menschlichkeit zurück gewinnt. Der Zugang zu seiner wirklichen Gefühlswelt bleibt dem Leser jedoch vorenthalten.
Das Buch ist mit seinen 55 Kapitel auf gerade mal 349 Seiten etwas ungewöhnlich aufgebaut. Zum Glück befinden sich Vermerke bei den Kapitelüberschriften, welche dem Leser ermöglichen zu wissen, ob die Handlung des kommenden Abschnitts Heute oder Damals spielt. Und wenn es eine Kritik geben könnte, dann dass der Plot unübersichtlich gestaltet ist, dies jedoch in keiner Weise die Geschichte beeinträchtigt. Die Welt Jeremiahs ist düster und unerklärlich. Eine Logik gibt es ja oft bei übersinnlichen Phänomenen auch nicht. Die kurzen Kapitel tragen auch zur Schnelligkeit der Handlung bei und machen aus dem Buch einen Pageturner ohne gleichen.
Der Schreibstil ist einfach und gut zu lesen. Die Story temporeich und ausgeklügelt. Die Spannung wird nach und nach aufgebaut. Abschließend kann ich diesen Fantasy-Thriller jedem nur wärmstens empfehlen. Für mich ist es eine der Überraschungen des Jahres 2009. Doch auch wenn die Geschichte am Ende in sich abgeschlossen ist, gibt es, gemäss der Homepage des Autors (http://josephnassise.com/), weitere Folgebände.
Und ich warte schon gespannt auf die Fortsetzung!
Jean-Pascal Ansermoz / 22.02.2010

***

Joseph Nassise eröffnet mit “Der Schattenseher” eine neue Reihe mit einem Hauptdarsteller, der sein Augenlicht verloren hat und seitdem nun Dinge sehen kann, die normalen Menschen vorenthalten bleiben: Die Geister der Toten und die magischen Geschöpfe, die unerkannt unter uns leben.
Somit ist die Rahmenbedingung gesetzt und man ist gespannt auf den Inhalt eines Buches, dass sich laut Verlag in die Schublade “Magischer Thriller” einordnen möchte. Dieser Genrezuordnung wird der Inhalt auch absolut gerecht und man wird als Leser von einem Extrem ins andere geworfen. Ein absolut spannender Thriller, der mit allen möglichen Versatzstücken der fantastischen Ecke der Literatur spielt. Sämtliche übernatürlichen Dinge, Handlungen, Personen sind glaubhaft eingebaut und man liest endlich mal einen Thriller, der sich ein wenig von den klassischen Vertretern des Genres abhebt.
“Der Schattenseher” ist mit seinen recht kurzen Kapiteln und die darin aufgebaute Spannung ein echter Pageturner und lässt auf Folgebände hoffen, die dieses Buch zumindest erreichen, wenn nicht sogar toppen.
Schlichtweg ein durchweg spannendes Unterhaltungsbuch, das sich selbst nicht zu ernst nimmt und dadurch noch mehr zu überzeugen weiß.
Jürgen Seibold/02.11.2010

Daniele Nadir: Das dritte Testament

Originaltitel: Lo stagno di fuoco
Übersetzung: Claudia Franz
1. Auflage Taschenbuchausgabe August 2008
c der Originalausgabe 2005 by Daniele Nadir
c der deutschsprachigen Ausgabe 2008 by Wilhelm Goldmann Verlag, München
ca. 875 Seiten / € 12,–

COVER:

Nach dem Ende der Welt, als Gott mit seinen Engeln die Menschen gerichtet und mit den Frommen sein Himmelreich gegründet hat, bleiben nur noch wenige Bewohner auf der Erde zurück. Der Schriftsteller Joe Gould und die Lehrerin Sara Ferraris wurden nicht verurteilt; die drei Engel Nephilim, Raziel und der Erzengel Michael hingegen mussten zurückbleiben, weil ihnen beim Jüngsten Gericht unentschuldbare Fehler unterlaufen sind: Jeder von ihnen hat versehentlich eine unschuldige Seele in die Hölle verdammt. Um die göttliche Ordnung wiederherzustellen und doch noch mit Gott vereint zu werden, beschließen die drei Engel, eine Expedition in die Hölle zu wagen. Dort wollen sie, gemeinsam mit Joe Gould und Sara Ferraris, nach den drei unschuldig Verurteilten suchen und ihren Fehler korrigieren. Führen soll sie Judas Iskariot, der durch die Erdbeben des Jüngsten Gerichts aus der Hölle ausgespuckt und von Joe Gould gefangen genommen wurde. Was sich der Expeditionsgruppe jedoch aöls Hölle präsentiert, liegt jenseits ihrer Erwartungen. Vor allem die Machtverhältnisse sind deutlich anders verteilt, als sie angenommen hatten…

REZENSION:

Als ich die Beschreibung am Rücken dieses Buches las wurde mir beinahe schwindlig, da beinahe jeder Satz mit allen nur erdenklichen Klischees gefüttert ist. Nichts desto trotz musste ich aus reiner Neugierde einfach herausfinden, ob es sich beim Inhalt um schlichten “Mist” handelt, oder ob sich doch ein kreativer Autor dahinter verbirgt, der anhand dieser klassischen Klischees eine unnachahmliche Geschichte kreiert.
Nach dem Genuss der knappen 900 Seiten bin ich nur leidlich schlauer: Dieses Buch wird innerhalb des Genres zwei unterschiedliche Sichtweisen zur Folge haben.  Die eine wird jedes Wort für dümmsten Quatsch halten und die andere wird dieses Buch in ungeahnte Gefilde hochloben.
Ich muss mich zur zweiten Riege dazuzählen, gebe aber auch Mahnern recht, da man sich in diese Geschichte erst hineinfinden muss und der Autor sehr gerne hin und her springt. Trotzdem sind seine Ideen unglaublich gut umgesetzt und bauen nicht nur bereits gelesenes nach  sondern strotzen vor eigenem Ideenreichtum, was allein schon als sehr positiv zu betrachten ist.
Er schreibt anspruchsvoll, spannend und legt uns eine Hölle dar, wie noch nie zuvor gelesen.
Durch die Darlegung der höllischen Quälereien stumpft man als Leser zwar ein wenig ab – ich denke aber, das es erstens auf Dauer sicherlich auch für den Geschundenen abstumpfend wirkt und dadurch zweitens diese Vorgehensweise wohl Absicht des Autors war. Falls dem so sein sollte, erhöht das die Glaubwürdigkeit des Werkes enorm.
Übrig bleibt auf jeden Fall ein dicker Schmöker für alle Fantasyfans, die sich vor Grausamkeiten nicht scheuen und Interesse an einer noch nie da gewesenen Geschichte haben.
Allein für Nadirs Idee mit der Verkündigung des Jüngsten Gerichts per SMS müsste man dem Autor schon einen Preis geben.
Somit für mich ein absoluter Monatstipp!
Jürgen Seibold/August 2008

Wolfheinrich von der Mülbe: Die Zauberlaterne

Ungekürzte Taschenbuchausgabe Piper Verlag GmbH, München
August 2005
c 2003 Büchergilde Gutenberg, Frankfurt am Main, Wien und Zürich
ca. 440 Seiten

COVER:

Echte Ritter ziehen in die Schlacht, töten Drachen und heiraten liebreizende Prinzessinnen. Kunibert tut nichts dergleichen, und Frau Schute hat es satt, daß ihr Sohn faul auf Burg Scharfenstein herumsitzt. “Du bist ein Waschlappen!” ruft sie und schickt ihn bei Wind und Wetter vor die Tür. Ein echter Ritter, so weiß Kunibert, macht sich erst einmal auf die Suche nach einer Gemahlin. Und da er ein Sonntagskind ist, findet er bald die geeignete Prinzessin. Doch wie es sich gehört, hat der Held vor der Hochzeit drei Aufgaben zu erfüllen. In seinem Fall gilt es, das verwunschene Rasierzeug des zukünftigen Schwiegervaters wiederzufinden..
Kenntnisreich und ironisch spielt der Autor in diesem zauberhaften Roman mit Zitaten aus Märchen und phantastischer Literatur, immer mit einem Augenzwinkern und einem sehr liebevollen Blick auf seine Figuren.

Wolfheinrich von der Mülbe (1879 – 1965) war Übersetzer und Privatdozent für Kunstgeschichte. Neben seinem legendären Roman “Die Zauberlaterne” (1937), zu dem ihn die Werke von Erich Kästner und Kurt Tucholsky inspirierten, schrieb er Gedichte und zwei Kriminalromane. Nach längeren Aufenthalten im Ausland, unter anderem in Paris, Florenz und Kopenhagen, lebte er in München.

REZENSION:

Mit seinem 1937 veröffentlichten Roman “Die Zauberlaterne” zeigte Wolfheinrich von der Mülbe, daß er eigentlich seiner Zeit erheblich voraus war.
In “Die Zauberlaterne” spielt von der Mülbe mit so ziemlich allem, was man in der Märchen- und Fantasy-Ecke ergreifen kann.
Er befriedigt die klassischen Märchenklischees – der Ritter muss drei Prüfungen bestehen, um die Hand der Prinzessin zu erhalten – genauso, wie die gängigen Inhalte phantastischer Literatur. Dies alles unwahrscheinlich ironisch verpackt und eingängig erzählt.
Man denkt Anfangs, es handelt sich schlicht und einfach um Quatsch: Wo sonst muss ein Ritter ein verwunschenes RASIERZEUG(!) suchen?
Seine Erzählweise ist und bleibt aber von Anfang an erfrischend und voller Anspielungen auf die damals bekannte Fantasyliteratur und den, doch jedem bekannten, Erzählungen des Märchengenres.
Man merkt sehr deutlich, daß es eine nicht zu verachtende Zeit vor Harry Potter gab und aus diesem Grund werde ich dieses Buch auch im Kinderzimmer deponieren und meiner Tochter – noch kann sie nicht lesen – lange vor Harry Potter empfehlen.
Kurz gesagt: witzig, ironisch, spannend, erfrischend und ein wenig übertrieben – also alles was ein Märchen braucht und somit nur zu empfehlen…
Jürgen Seibold/02.10.05

John Moore: Handbuch für Helden

Originaltitel: Heroic for Beginners
Übersetzung: Birgit Reß-Bohusch
c 2004 John Moore
c der deutschsprachigen Ausgabe: 2005 Piper Verlag GmbH, München
363 Seiten

COVER:

Prinz Kevin von Rassendas liebt die Prinzessin Becky von Deserae. Doch sein Rivale General Logan gilt als aussichtsreichster Kandidat bei der Jagd auf Herz und Hand der Thronfolgerin, führt er doch einen mutigen Feldzug gegen den bösen Lord Voltmeter an. Voltmeter hat das “Artefakt Modell Sieben”, das mächtigste aller brandneuen Alt-Artefakte, gestohlen. In seiner Festung ersinnt er damit einen diabolischen Plan. Kevin und Becky müssen den magischen Apparat als Erste zurückerobern, wenn sie ihre Liebe retten wollen. Nur wie wird man auf die Schnelle ein Held? Die beiden finden Erste Hilfe im “Praktischen Ratgeber für Helden”. Doch dessen Tips gehen gehörig nach hinten los: Während sich Kevin als vermeintlicher Schornsteinfeger in die Festung Voltmeters einschleicht, wird Becky von den dunklen Mächten eingekerkert. Und Kevin sieht sich schon bald einer weitaus größeren Bedrohung ausgesetzt: Valerie, der unwiderstehlich schönen Assistentin des Bösen…

John Moore, geboren 1959, ist diplomierter Chemiker und arbeitete als Ölförderer und LKW-Fahrer in Texas, bevor er sich dem Schreiben widmete. Seit dem großen Erfolg seines humorvollen Fantasy-Debüts “Hauen und Stechen” wird er in einem Atemzug mit Terry Pratchett genannt. John Moore hat weder Kinder noch Haustiere und lebt als verantwortungsloser, verschwenderischer Single in Houston, Texas.

REZENSION:

Wenn man sich ein Buch für ein kurzweiliges Wochenende kaufen möchte und die Wahl auf “Handbuch für Helden” von John Moore fällt, sollte man sich besser gleich noch ein weiteres Buch zulegen.
Nicht, weil dieses Buch schlecht wäre – im Gegenteil: Man ist im Laufe des Samstags bereits fertig, da dieses Buch an den Händen festklebt und sich erst nach Genuß der letzten Seite wieder lösen lässt.
Ähnlich wie Terry Pratchett verwebt John Moore geschickt Fantasy mit allen erdenklichen Elementen der Neuzeit. Dies mit einem Augenzwinkern und ohne jeglichen Anspruch auf Seriösität oder literarische Ambitionen. Es handelt sich schlicht um humorvolle Fantasy, die – ebenso wie bei Pratchett – der absolute Brüller sind.
Allein schon Soldaten mit Urlaubssperre, der “praktische Ratgeber für Helden” oder Lord Voltmeter, der-beim-Namen-genannt-werden-muß (warum denkt man hierbei nur an Harry Potter…???) sind ein Zeichen für eine eigentlich unsinnige aber trotzdem überaus geniale Story.
John Moore fährt dabei geschickt im Fahrwasser von Terry Pratchett, schafft es aber mit Leichtigkeit diesen nicht zu kopieren und eine eigene sehr gute Adresse dieses humoristischen Ablegers des Fantasy-Genres zu werden.
Aus diesem Grund kann John Moore problemlos in einem Atemzug mit Pratchett genannt werden – findet aber durch seine Eigenständigkeit nicht nur viele eigene Anhänger, sondern sicherlich auch einen nicht zu kleinen Platz im Herzen der Pratchett-Fans.
Jürgen Seibold/29.05.05

John Moore: Blödprinz Charlie

Originaltitel: Bad Prince Charlie
Übersetzung: Birgit Reß-Bohusch
Deutsche Erstausgabe
September 2006
c 2006 John Moore
c der deutschsprachigen Ausgabe: 2006 Piper Verlag GmbH, München
ca. 364 Seiten / 8,95 €

COVER:

Als der König des Reichs Damask stirbt, begibt sich der Hofstaat auf die fieberhafte Suche nach einem Nachfolger. Leider kommt nur einer in Frage: der junge, unbedarfte Charlie, genannt “Blödprinz”. Charlies intrigante Onkel ersinnen einen hinterlistigen Plan. Mit Tyrannei und harter Hand soll Charlie das Land nach ihrem Willen zu Grunde richten. Der Blödprinz geht auf den Plan ein, erhofft er sich dadurch doch Chancen bei der verführerischen Catherine. Doch als Charlies Hofzauberer mit einer magischen Massenvernichtungswaffe türmt und Damask immer tiefer ins Chaos stürzt, kommt alles plötzlich ganz anders…
Niemand ersinnt so treffsichere Pointen und aberwitzige Verwicklungen wie John Moore, der bereits als der würdige Nachfolger Terry Pratchetts gehandelt wird.

John Moore, geboren 1959, ist diplomierter Chemiker und arbeitete als Ölförderer und LKW-Fahrer in Texas, bevor er sich dem Schreiben widmete. Seit dem großen Erfolg seiner Romane “Hauen und Stechen” und “Handbuch für Helden” zählt er zu den erfolgreichsten humorvollen Phantastik-Autoren neben Terry Pratchett und A. Lee Martinez. John Moore hat weder Kinder noch Haustiere und lebt als verantwortungsloser, verschwenderischer Single in Houston, Texas.

REZENSION:

Die Bücher von John Moore sind durchweg ähnlich den Büchern des famosen Terry Pratchett aufgemacht. Es fehlt auch niemals der Hinweis, dass Moore für alle Pratchett Fans geeignet ist. Dies wird sehr oft als Vergleich zu Pratchetts Werken gesehen, doch sollte man hierbei einfach ein Auge zudrücken. John Moore ist einfach kein zweiter Terry Pratchett – nichts desto trotz schafft er es durchweg als eine Alternative zu überzeugen und dies sollte man ihm auch hoch ankreiden. John Moore ist kein Nachmacher, sondern schafft es vielmehr, eine eigenständige Persönlichkeit in diesem Genre der humorvollen Fantasy zu sein.
Im vorliegenden Buch spielt er (wohl selbst um dies humorvoll zu bewerten) manchmal mit den ach so berühmten Fussnoten, was für alle Pratchett-Fans ein kleiner Seitenhieb ist, der nicht böse gemeint ist und beim Leser zu einem dezenten Schmunzeln führt.
Dies trifft auch auf die gesamte Geschichte zu: Moore ist nicht ganz so überdreht wie Pratchett – sorgt aber durch seine ihm eigene Art trotzdem zu einer Lektüre, die dem Leser durchweg ein Lächeln auf die Lippen zaubert.
In Blödprinz Charlie merkt man auch, dass sich langsam die Routine breit macht und John Moore mehr und mehr die Finessen des Humors erkannt hat. Im Gegensatz zu seinem letzten Buch ist Blödprinz Charlie humorvoller und dabei doch tiefgründiger geworden.
Somit ist John Moore und insbesondere auch Blödprinz Charlie sehr zu empfehlen und lässt auf die weiteren literarischen Ergüsse des Autors sehr hoffen: Es gibt noch ein Leben neben Pratchett…
Jürgen Seibold/03.11.2008

Michael Moorcock: I.N.R.I. oder Die Reise mit der Zeitmaschine

Originaltitel: Behold the Man
Übersetzung: Jürgen Langowksi
c 1969 Michael Moorcock
Neuübersetzte Taschenbuchausgabe Februar 2007
c der deutschsprachigen Ausgabe: 2007 Piper Verlag GmbH, München
ca. 191 Seiten / € 7,95

COVER:

Karl Glogauer entflieht seinem Schicksal und reist vom zwanzigsten Jahrhundert in die biblischen Zeiten. Er trifft auf Johannes den Täufer und glaubt sich der Wahrheit über die biblische Überlieferung näher. Doch Johannes hat noch nie von einem Jesus von Nazareth gehört, und auch sonst kennt niemand den angeblichen Heiland. Als Glogauer schließlich den Handwerker Joseph und seine Frau Maria ausfindig macht, erkennt er eine furchtbare Wahrheit und begreift, dass er nicht in seine eigene Zeit zurückkehren wird…
Mit I.N.R.I. hat Michael Moorcock den zweiten großen Zeitreise-Roman nach H.G. Wells “Die Zeitmaschine” erschaffen, einen visionären Klassiker, der unbestritten zu den wichtigsten phantastischen Werken des letzten Jahrhunderts zählt. Nun liegt I.N.R.I. erstmals in vollständig neuer Übersetzung und ergänzt durch ein Nachwort vor.

Michael Moorcock, geboren 1939 in London, ist einer der originellsten und beliebtesten phantastischen Autoren überhaupt und wurde mit allen bedeutenden Fantasy- und Science-Fiction-Preisen ausgezeichnet. Romane wie “I.N.R.I.” genießen den Status zeitloser Meisterwerke. Mit der weltberühmten “Elric”-Saga, die im Zentrum seiner Zyklen um den “Ewigen Helden” steht, schuf Moorcock einen modernen Klassiker der Fantasy-Literatur, dessen schöpferische Kraft bis heute unerreicht ist.

REZENSION:

Michael Moorcock erzählt in seinem viel zu kurzem Werk über den Zeitreisenden Karl Glogauer, der sich plötzlich in der Zeit Jesu wieder findet und sichtlich überrascht ist – denn keiner kennt einen nennenswerten Menschen namens Jesus.
Er trifft auf Johannes den Täufer und tritt dessen Gemeinschaft bei, in der Meinung, durch ihn Jesus zu finden. Leider trifft er lediglich auf einen sabbernden Jüngling namens Jesus, der Sohn eines frustrierten Zimmermanns namens Josef und einer Dorfhure namens Maria ist. Selbst überzeugt von der Bibelgeschichte übernimmt Karl Glogauer in Zusammenarbeit mit Johannes mehr und mehr die Rolle des Erlösers, um der ihm bekannten Geschichte den nötigen Verlauf zu geben.
Michael Moorcock erzählt seine Story in zwei zeitlich unabhängigen Strängen, die wechselweise die Geschehnisse des Karl in seiner eigenen Zeit und des Karl zur Zeit Jesu zeigen. Den interessanteren Part bilden dabei erwartungsgemäß die Erlebnisse in der Frühzeit, wobei aber die Belichtung des heutigen karl Glogauer sehr geschickt die schwierige Psyche dieses Menschen offenbart.
Die Erzählung zu Zeiten Jesu ist natürlich sehr polarisierend und wird sicherlich von dem ein oder anderen als absolute Blasphemie angesehen.
Nichts desto trotz erschuf Michael Moorcock einen zwar gänzlich anders gearteten Plot um Jesu, nimmt den Leser aber bei der Hand und offenbart eine hochwertige und interessante Science-Fiction-Geschichte, die sehr gut das zukünftige Potenzial dieses Autors aufdeckt. Leider ist die Geschichte sehr kurz und man wünscht sich erheblich mehr Lesestoff zu Zeiten Jesu.
Durch den Bezug zu Jesus wird dieser Inhalt natürlich zu sehr viel Unstimmigkeiten führen – immerhin handelt es sich dabei um eine Person, zu der jeder seine eigene Interpretation darlegen kann und womit Moorcock natürlich spielt – davon abgesehen würde diese Geschichte aber auch trotzdem wirken und ist somit ein sehr wichtiges Werk innerhalb der SF-Szene.
Jürgen Seibold/11.04.2007

Walter Moers: Die Stadt der Träumenden Bücher

c Piper Verlag GmbH, München 2004

COVER:

Als der Pate des jungen Dichters Hildegunst von Mythenmetz stirbt, hinterläßt er seinem Schützling nur wenig mehr als ein Manuskript. Dieses aber ist so makellos, daß Mythenmetz nicht widerstehen kann, dem Geheimnis seiner Herkunft nachzugehen. Die Spur führt nach Buchhaim, der Stadt der Träumenden Bücher. Als der Held sie betritt, ist es, als würde er die Tür zu einer gigantischen Buchhandlung aufreißen. Er riecht den Anflug von Säure, der an den Duft von Zitronenbäumen erinnert, das anregende Aroma von altem Leder und das scharfe, intelligente Parfüm der Druckerschwärze.
Einmal in den Klauen dieser buchverrückten Stadt wird Mythenmetz immer tiefer hineingesogen in ihre labyrinthische Welt, in der Lesen noch eine wirkliche Gefahr ist, in der rücksichtslose Bücherjäger nach bibliophilen Schätzen gieren, wo Buchlinge ihr Unwesen treiben und der mysteriöse Schattenkönig herrscht.

Walter Moers entführt uns in das Zauberreich der Literatur, wo Lesen ein letztes Abenteuer ist, wo einen Bücher nicht nur spannend unterhalten oder zum Lachen bringen, sondern auch in den Wahnsinn treiben oder sogar töten können. Nur wer bereit ist, für das Lesen derartige Risiken in Kauf zu nehmen, möge dem Autor folgen. Allen anderen wünschen wir ein gesundes, aber totlangweiliges Leben!

Walter Moers hat sich mit seinen phantastischen Romanen von “Die 13 1/2 Leben des Käpt’n Blaubär” bis “Rumo” in die Herzen eines großen Publikums geschrieben. Die Idee zu seinem neuen Roman kam ihm nach einer Expedition durch die Antiquariate der amerikanischen Ostküste. Er hat Charaktere geschaffen wie Käpt’n Blaubär, das Kleine Arschloch, den Alten Sack und die Comicfigur Adolf.

Pressestimmen zu “Rumo & Die Wunder im Dunkeln”:

“Erschreckend wie Hieronymus Bosch, fantasievoll wie Douglas Adams und witzig wie Woody Allen – Moers in Bestform.”
Facts

“Ein wunderbar spinnerter Abenteuerroman.”
Der Spiegel

“Bei Walter Moers sind die Abenteuer Poesie.”
Die Welt

“Zamonien ist ein alles verschlingender Strudel, in dem sich nur die Phantasie über Wasser halten kann. Und warum verschlingt der Leser Zamonien? Weil sich hier Präzision der Erfindung und Leichtigkeit der Sprache zu einem magischen Geflecht zusammengefunden haben, das trägt. Weil die Handlung nie albern wird, sondern auf dem Untergrund tiefer psychologischer Einsicht und enormer Bildung funktioniert.”
Focus

“Ein Roman, der vor Phantasie und bizarren Einfällen nur so strotzt.”
Max

REZENSION:

“Reiseerinnerungen eines sentimentalen Dinosauriers” ist ein über zehntausend Seiten umfassendes Werk des zamonischen Schriftstellers Hildegunst von Mythenmetz, von dem Walter Moers eine Übersetzung aus dem Zamonischen in unsere Sprache unter dem Titel “Die Stadt der Träumenden Bücher” veröffentlichte.
Hildegunst von Mythenmetz erzählt hierin, wie er sich auf die Suche nach dem Urheber eines genialen Manuskripts machte und aus diesem Grund in die Stadt Buchhaim kam. Er erzählt wie er durch eine Intrige in die Katakomben der Stadt kam und sich dort auf der Suche nach dem Ausgang immer mehr verirrte und daurch immer tiefer hinabstieg.
Er begegnete dort den seltsamsten Geschöpfen: Üble Lebewesen von abgrundtiefer Hässlichkeit und zerstörerischer Wut, mörderischen Bücherjägern, freundlichen Buchlingen, Lebenden Büchern, Insekten jedweder Art und noch vielem mehr; bis er sogar dem gefürchtetsten Geschöpf der Katakomben gegenübersteht: Homunkoloss, der Schattenkönig.
Der Erzählstil ist absolut berauschend und man blättert von einer Sucht befallen weiter und weiter, um das Ende des Buches zu erfahren. Dies alles, um am Schluß erschreckend festzustellen, daß die Geschichte zu Ende ist und man bereits beim Zuklappen des Buches die ersten Anzeichen von Entzugserscheinungen bemerkt. Um sich davon langsam zu befreien, muß man die Geschichte entweder nochmal lesen oder noch mehrmals das Werk durchblättern um die darin befindlichen, auf den Text bezogenen Zeichnungen Walter Moers als langsamen Ausklang auf sich wirken zu lassen.
Dies Erzählung in diesem Buch ist eine Thriller-, Abenteuer-, Horror- und was weiß ich noch was für eine -Geschichte; außerdem eine Hommage an alle Bücher dieser Welt, den Schriftstellern und ihren Lesern; aber wird mit Sicherheit von vielen als Schwachsinn abgetan – doch die wurden noch nie vom Orm durchdrungen (man kann auch als Leser vom Orm durchdrungen werden…) und können deshalb so ein geniales Werk gar nicht begreifen.
Lieber Hildegunst von Mythenmetz:
Essen, Schlafen, Leben – alles nur noch Unsinn und Nebensache!!
Ich will Lesen, Lesen, Lesen, ….!!
Lass mich teilhaben an Deinen weiteren Erlebnissen….!!!
Jürgen Seibold/12.09.04

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Der junge Schriftsteller Hildegunst von Mythenmetz kommt zufällig in den Besitz eines perfekten Manuskripts und möchte den Autor kennen lernen. Dafür reist er nach Buchhaim, einer Stadt, in der sich alles ausschließlich um Bücher dreht – hier treffen sich Autoren, Verleger, Buchbinder, aber auch dubiose Gestalten wie Bücherjäger. In den Katakomben unter der Stadt kommt Hildegunst von Mythenmetz dem Geheimnis des Manuskripts näher – und der grauenvollen Tat einer geheimen Organisation.

Walter Moers nimmt in einem Rundumschlag voller irrwitziger Situationskomik und seinem ganz persönlichen Humor alles aufs Korn, von Schriftstellern über Verleger und Antiquitäten-Händler bis zu moderner Musik, Drogenkonsum und Magie.

Außerdem werden literarische Neuheiten wie die „Mythenmetz’sche Ausschweifung“ eingeführt, die an den unpassendsten Stellen den Erzählfluss unterbricht – zum Schreien komisch.

Es gibt nur eines dazu zu sagen: Bücher können gefährlich sein, in den Wahnsinn treiben und sogar töten, und ganz besonders dieses: Man wird süchtig, vergisst das Essen und Trinken, und erleidet ein qualvollen Hunger-Tod, wenn man einmal angefangen hat.
Diana Becker für Hysterika.de / August 2009

Rand & Robyn Miller mit David Wingrove: Myst – Das Buch Atrus

Verlag: Bastei Lübbe; 8,90 €
deutschsprachige Ausgabe © 1996; Taschenbuchausgabe © 2004
Originalausgabe „MYST – The Book of Atrus“, © 1995
 

COVER:

Das Kultbuch zum Kultspiel – erstmal als Taschenbuch
Dies ist die Geschichte von Atrus, dessen Vater ganze Welten entstehen lässt, allein kraft des geschriebenen Wortes. Welten, in denen er als Gott verehrt und gefürchtet wird.
Atrus wagt es, sich gegen den selbstherrlichen Gott aufzulehnen, und wird von einem Abenteuer zum nächsten getrieben …
DAS BUCH ATRUS ist der Beginn einer schillernden Fantasy-Trilogie, eine Geschichte von Vater und Sohn, Gut und Böse, Liebe und Vergeltung.

REZENSION:

Atrus und seine Familie sind die letzten Überlebenden des untergegangenen Volkes der D’ni, die eine besondere Form der Magie entwickelt haben: Mit Hilfe besonderer Bücher konnten sie Welten erschaffen, in die sie reisten und aus denen sie Rohstoffe und Nahrungsmittel bekommen konnten. Atrus Vater Gehn entdeckte dieses Wissen neu und erschuf sich seine eigenen Welten. Atrus, der bei seiner Großmutter aufwuchs, soll ihm helfen, ein ganzes Imperium aufzubauen. Als Atrus feststellt, dass sein Vater dem Größenwahn verfällt, setzt er alles daran, Gehn aufzuhalten.
Allein schon diese Hintergrundidee ist es wert, „Das Buch Atrus“ zu lesen. Die Brüder Rand und Rbyn Miller und David Wingrove erschufen mit dem Computerspiel und dem Roman dazu eine neue Welt, in der alles möglich ist, und in der die Naturgesetze auf den Kopf gestellt werden können.
Atrus, Gehn und Großmutter Anna werden in vielen verschiedenen Facetten dargestellt, sie sind hochintelligent, haben ihre eigenen Vorstellungen von „richtig“ und „falsch“, haben Wünsche und Hoffnungen. Auch die Menschen in den von Gehn erschaffenen Welten werden in allen Schichten ihres Daseins beschrieben, und die Darstellungen der Landschaften werden in bunten Farben gemalt.
Leider bleibt der Erzählstil in großen Teilen auf der Strecke, vor allem der Anfang ist recht langatmig. Mit der Zeit gewinnt „Das Buch Atrus“ jedoch an Schwung und wird von Seite zu Seite besser und spannender. Am Ende war ich doch ein wenig enttäuscht, dass es schon zu Ende war. Jetzt bin ich gespannt auf den 2. und 3. Teil der Trilogie.
Diana Becker für HysterikA/15.04.2010

Thomas R.P. Mielke: Orlando Furioso

Rütten & Loening Berlin GmbH, 2002

COVER:
orlando furioso oder “Der rasende Roland” von Ludovico Ariosto gilt seit fünfhundert Jahren als das literarische Meisterwerk – ein Roman voller rätselhafter Verwicklungen, rasanter Verfolgungen, phantastischer Szenen und erotischer Abenteuer. Shakespeare, Goethe, Schelling und selbst Tolkien verehrten Ariost und ließen sich von ihm beeinflussen.
Thomas R. P. Mielke hat sich nun dieses einzigartigen Romans angenommen und ihn für unsere Zeit neu erzählt. Mit großer Kunstfertigkeit führt er in einen exotischen Kosmos der Magie und Liebe. Orlando, der erste Paladin Karls des Großen, wird zum stolzen und zugleich tragischen Held der Minne. Er hat sich in Angelica, die Tochter des Königs von Cathay, verliebt. Von ihr heißt es, sie sei die schönste Frau, die je das Antlitz der Welt erblickt habe. Kein Wunder, daß Orlando eine Vielzahl von Rivalen hat, die Angelica hinterher jagen und gleich ihm in einen gigantischen Irrgarten der Liebe geraten, der von Nymphen, Feen, Hexen und Dämonen bevölkert wird. Doch die Ritter Karls stehen nicht nur in Diensten der Minne, sondern müssen sich auch der sarazenischen Krieger erwehren, die das Frankenreich bedrohen – und am Ende ebenfalls dem Zauber der Liebe erliegen.

Thomas R.P. Mielke gehört zu den profiliertesten und erfolgreichsten Autoren historischer Romane in Deutschland. Seine Epen “Gilgamesch, König von Uruk” und “Inanna, Odyssee einer Göttin” standen monatelang auf allen Bestsellerlisten.
Zuletzt veröffentlichte er die Romane “Coelln – Stadt, Dom, Fluß” sowie “Die Kaiserin”.
Thomas R.P. Mielke lebt mit seiner Familie in Berlin.

REZENSION:

Mit Orlando furioso ist Thomas R.P. Mielke etwas gelungen, was man eigentlich nur aus der Filmbranche kennt: Er hat eine Neuverfilmung vorgelegt.
Bei Filmen besteht jedoch das Problem, daß Neuverfilmungen meistens bei weitem nicht an das Original heranreichen können. Im Gegensatz dazu hat Thomas R.P. Mielke etwas nicht nur neu abgeschrieben, sondern ein fünfhundert Jahre altes literarisches Meisterwerk von Ludovico Ariosto in Romanform für uns Sterbliche leicht verständlich und unterhaltsam neu erzählt.
Laut Umschlag handelt es sich bei Orlando furioso eher um einen historischen Roman, der zur Zeit Kaiser Karls dem Großen spielt, handelt. Aus diesem Grund hatte ich wohl anfangs etwas Schwierigkeiten dem Roman zu folgen. Nach und nach merkt man jedoch, das es sich eigentlich mehr um einen klassischen Fantasy-Roman handelt. Sobald man das erkennt, macht es erst richtig Spaß der Geschichte des Buches zu folgen.
Vielleicht sollte ich hierzu eine kurze Erklärung liefern: In meinem Fall ist es so, daß ich je nach Genre mit unterschiedlichen Grundeinstellungen an Bücher herangehe.
Bei einem Fantasy-Roman erwarte ich gute Unterhaltung, die jedoch keinen Anspruch auf Authentizität der handelnden Personen und Orte erheben muß.
Lese ich jedoch einen historischen Roman, erwarte ich jedoch auch, das zumindest ein Großteil der teilnehmenden Orte, Personen oder Rahmenbedingungen echt ist.
Bei Orlando furioso hatte ich anfangs diese authentische Erwartungshaltung und war doch etwas verwundert. Nach und nach schwenkte ich gedanklich um in die Fantasy-Ecke meines Gehirns. Und siehe da: Thomas R.P. Mielkes Unterhaltungsroman macht einfach Spaß.
Orlando furioso einfach als die Geschichte des rasend gewordenen Orlando zu betrachten wäre sehr undankbar. Das Buch bietet erheblich mehr: In diesem Roman werden unwahrscheinlich viele eigenständige Geschichten geöffnet, die je nach persönlicher Neigung für sicherlich viele Leser die ein oder andere Lieblings- geschichte innerhalb eines Romans enthält und ohne Probleme auch separiert zu lesen ist.
In welcher Zeit Orlando furioso spielt ist nebensächlich – könnte ohne Probleme jede Zeit sein, die es bisher gab oder noch geben wird. Aus historischer Sicht stimmt sowieso wenig, was ja wie oben erwähnt mit der aufgesetzten Fantasy-Brille wieder egal ist.
Das Interessante bei Orlando furioso ist eigentlich, daß man vieles kennt oder einem zumindest sehr bekannt vorkommt.
Das liegt daran, weil man bei Orlando furioso das Gefühl hat, daß jemand alle bisher bekannten Sagen und Legenden in einen großen Topf geworfen hat, eine Brise geschichtlicher Hintergrund dazu, die zeitliche Gleichsetzung aller Legenden dazu, alles stark umgerührt und als einen einzelnen Roman veröffentlicht hat.
Das ist extrem „witzig“ und steigert den Unterhaltungswert des Romans und seiner von Ariosta geschriebenen Grundlage erheblich.
Warum die Originalvorlage bereits von Tolkien verehrt wurde, ist somit leicht verständlich. Er hat wohl auch einige seiner Ideen bei Ariosta „geborgt“.
Es kommt in diesem Buch wirklich alles bekannte vor: fliegende Pferde, Zauberer, Ritter, Burgen, Zauberschwerter, Zauberrüstungen, unverletzliche Kämpfer oder Ritter, usw. usw. usw. – sogar Orks kommen kurz vor (die wohl Tolkien gut gefallen haben…).
Alles in allem sollte man Orlando furioso als einfachen, lockeren und nicht ernst zu nehmenden Unterhaltungsroman betrachten. Ich denke, mehr Anspruchs- denken erhob auch der ursprüngliche Autor nicht und dabei sollte man es auch belassen.
Kurzum: Ein wirklich guter Fantasyroman, mit viel Ehre (sehr, sehr, sehr viel Ehre), Ritterkämpfen, Liebe, Eifersucht, fantastische Figuren und großem Unterhaltungs- und Spaßfaktor. Außerdem auch mal gut: ohne erhobenem Zeigefinger.
Jürgen Seibold / 16.05.03

Kai Meyer & Christian Nauck: Die Wellenläufer – Band1: Muschelmagie

Originalausgabe
“Die Wellenläufer 1: Muschelmagie” von Kai Meyer, Yann Krehl, Christian Nauck
Nach dem Roman DIE WELLENLÄUFER von Kai Meyer
EHAPA COMIC EDITION
verlegt durch Egmont vgs verlagsgesellschaft mbH
c 2002 by Kai Meyer, Deutsche Erstausgabe 2002 im Loewe Verlag GmbH; Comic Ausgabe 2006 in der Egmont vgs verlagsgesellschaft mbH
€ 9,–

COVER:

Der Bestseller als Comic!
Kai Meyer, Schöpfer zahlreicher phantastischer Romanwelten, präsentiert die erste Comic-Adaption seiner WELLENLÄUFER-Trilogie.

In den Piratenhäfen der Karibik werden Kinder mit einem besonderen Talent geboren: Sie können über Wasser gehen!
Vierzehn Jahre später begegnen sich die beiden letzten überlebenden Wellenläufer inmitten eines furiosen Abenteuers. Jolly und Munk droht ein finsteres Schicksal: Mitten im Atlantik hat sich ein gigantischer Mahlstrom geöffnet und schleudert schreckliche Kreaturen in die karibische See.
Die Boten des Mahlstroms machen Jagd auf die Wellenläufer – denn nur Jolly und Munk besitzen die Macht, den Strudel zwischen den Welten zu schließen. Mithilfe der legendären Muschelmagie und einer Gruppe skurriler Gefährten stellen sie sich der Gefahr – und begeben sich auf eine epische Odyssee, die ihre Freundschaft auf eine grausame Probe stellen wird…

REZENSION:

Kai Meyer’s Bestseller DIE WELLENLÄUFER offenbart sich dem Leser im vorliegenden Buch als sehr interessant umgesetzte Comic-Adaption.
Es handelt sich in diesem ersten Band in erster Linie um die vierzehnjährige Wellenläuferin Jolly, die bei einer Seeschlacht mit ihren Piratenfreunden in eine Falle tappt und als einzige Überlebende das Schiff verlassen kann. Sie strandet daraufhin auf einer kleinen Insel und lernt dort Munk kennen – ebenfalls ein Wellenläufer.
Wie sich herausstellt, werden die beiden letzten Wellenläufer von unglaublichen Kreaturen aus den tiefsten Tiefen der See verfolgt und versuchen nun, nicht nur ihr Leben zu retten, sondern auch hinter die Gründe und Verursacher dieser Jagd zu kommen. Dadurch entsteht ein spannender Wettlauf mit furiosen Angriffen und Erlebnissen.
Die Comic-Adaption des Romans wurde mit einem sehr guten Gespür für das Wesentliche in liebevollen und fantastischen Bildern umgesetzt. Die Zeichnungen breiten sich fantasievoll, detailverliebt und stimmungsvoll vor dem Leser auf – der Text weiß zu fesseln und der Leser wird beinahe überfordert durch diese vielen spannenden Eindrücke, die ihm in diesem Buch vorgelegt werden.
Den Autoren ist die Umsetzung eines Romans in die bebilderte Comicwelt eindrucksvoll gelungen. Die Zeichnungen sind auf der Höhe der Zeit und man merkt auch sehr deutlich dabei eine gewisse Affinität zu den GROSSEN ALTEN aus der Welt des H.P. Lovecraft. Ich denke, dieser Ursprung war sicherlich sehr oft in den Gedanken des Romanautors, wie auch nun sichtbar in den Zeichnungen.
Somit eine wirklich gelungene Fantasy-Adaption, die den Leser mitfiebern lässt – leider erreicht man bei Comics sehr schnell den Schluss und in diesem Fall kann man den nächsten Band gar nicht mehr erwarten.
Sehr beeindruckende Umsetzung, die auf mehr hoffen lässt…
Jürgen Seibold/20.05.2006

Tobias O. Meißner: Die Dämonen

c Piper Verlag GmbH, München 2008
ca. 460 Seiten / € 14,90

COVER:

Sie sind Geschöpfe der Finsternis. Ihre Macht über die Menschen ist grenzenlos. Und nun ziehen sie aus, um eine ganze Welt zu unterwerfen …
Die Dämonen Irathindur und Gäus gelangen nach Jahrtausende währender Gefangenschaft in Freiheit. Ihr Ziel ist das Menschenreich Orison. Die Dämonen ergreifen von den Herrschern des Landes Besitz und teilen es unter sich auf. Bald allerdings erweist sich, dass die Welt der Menschen zu klein für zwei Dämonen ist. Einer muss den anderen vernichten, um zu überleben. Irathindur und Gäus versammeln gewaltige Heere hinter sich und beschwören einen apokalyptischen Krieg heruaf, der alles in den Schatten stellt, was das menschliche Auge je gesehen hat …

REZENSION:

Als dieses Buch seinen Weg über meine Türschwelle fand war ich erstmal sehr zwiespältig ob des Inhalts: Dämonen? Sollte das nun eine weitere der schon tausendfach gelesenen Geschichten sein, deren “Rassennamen” (Zwerge, Dämonen, Orks, Menschen, Ritter, Teufel, bla bla bla…) man simpelst austauschen könnte, da es sich im Großen und Ganzen jedesmal um die selbe Story handelt?
Nun heißt der Autor jedoch Tobias O. Meissner und dieser Name konnte mich bereits mit einem Buch namens “Das Paradies der Schwerter” mehr als überzeugen. Nun gut, widmen wir uns der Lektüre…
460 Seiten später schließe ich ein Buch, das mich nicht eine Sekunde zweifeln ließ. Meissner baut seine Geschichte sehr vielschichtig auf und ich habe bisher beinahe noch nie solch menschliche Wesen entdecken dürfen, wie diese beiden Kontrahenten aus dem Dämonenschlund.
Meissner schreibt gewohnt anspruchsvoll und vermeidet weiterhin geschickt das Anbiedern an andere Größen des Genres. Dies hebt ihn und führt lediglich dazu, dass er mehr und mehr beim Aufzählen der Genregrößen mit genannt werden muss.
Tobias O. Meissner vermeidet auch die vermeintlichen tolkienschen Ansprüche eines bei vielen Autoren sehr langweiligen Ausbreitens von Hintergründen, epischen Verlängerungen und so weiter…. (lediglich bei Tolkien bleiben diese Themen lebendig) – dies lenkt sein dämonisches Buch zwar in die Unterhaltungsecke, doch sollte man sich als Leser selbst um den eigenen Anspruch bewusst sein. Stellt sich sowieso die Frage, warum man einerseits pure, hochtrabende Literatur haben möchte, andererseits aber Fantasy liest?
Meissners Buch bleibt dadurch aber keineswegs uninteressant, sondern weiß vielmehr ohne jeglichen Tiefpunkt und ohne aufkommende Langeweile von Seite zu Seite zu fesseln. Dies ist meiner Meinung nach einer der wichtigsten Leseransprüche und dies wird von Meissner perfekt bedient.
“Die Dämonen” bleibt dauerhaft präsent und kann somit nur bestens empfohlen werden.
Ich freue mich schon auf den nächsten Meissner….
Jürgen Seibold/Oktober 2008