Otfried Preußler: Krabat

c 1981 by Thienemann Verlag
ca. 256 Seiten

COVER:

leider nicht vorhanden…

REZENSION:

Otfried Preußler war mir während meiner Kindheit ein absoluter Begriff: Immerhin ist er Autor der berühmten kleinen Hexe, der Erfinder des kleinen Wassermanns, nicht zu vergessen, Das kleine Gespenst – und der absolute Höhepunkt: Die drei Bände um den berühmt, berüchtigten Räuber Hotzenplotz, der mir bewies, dass Kasperlgeschichten auch ganz anders sein können als immer im Kasperletheater erzählt…
Doch Krabat?
Obwohl ich schon seit meiner frühesten Kindheit ein absoluter Bücherwurm bin und bestimmt schon mehr verschlungene Bücher vergessen habe, als manch anderer jemals gelesen hat, ging trotzdem ein Buch namens Krabat gänzlich an mir vorbei.
Nun, im Jahre 2008 stelle ich fest, dass eine meiner absoluten Lieblingsbands (ASP) im August ein Album über Krabat veröffentlichen werden. …und wieder einmal stellte sich mir die Frage: Wer ist Krabat?
Nachdem ich Musik nicht nur zur Unterhaltung anhöre, sondern auch gerne Sinn und Zweck verstehen will, bleibt mir somit nichts anderes übrig als dieses Buch in meine vier Wände zu bringen.
256 Seiten später musste ich ein bezauberndes, mystisches Märchen um einen Müllersgesellen in der Mühle eines Zauberers mit einem weinenden Auge zuklappen. Das weinende Auge ergab sich schlicht durch den leider zu frühen Zeitpunkt des Erreichens der letzten Seite. Selten ist ein Jugendbuch gleichermaßen für Jugendliche als auch Erwachsene zu verwenden. Selten ist ein Buch so schön und voller Mystik wie das Werk dieses deutschen Kinder- und Jugenbuchautors.
Eine sehr magische Geschichte um die Freiheit eines Menschen, einfach erzählt aber so genial komponiert, dass normalerweise jeder davon bezaubert werden müsste.
Absolut empfehlenswert und für mich nebenbei auch noch der Einstieg in die folgende Welt des Liederzyklusses von ASP.
Jürgen Seibold / 14.08.2008

Terry Pratchett: Hohle Köpfe

Originaltitel: Feet of Clay
Ins Deutsche übertragen von Andreas Brandhorst
c Terry und Lyn Prachett 1996
c der deutschsprachigen Ausgabe 1998 by Wilhelm Goldmann Verlag, München
ca. 383 Seiten / € 9,00

COVER:

Als wabernde Herbstnebel Ankh-Morpork fest im Griff haben, beginnt jemand, harmlose alte Männer um die Ecke zu bringen. Die Wache muß den Mörder aufspüren. Vielleicht wissen die Golems etwas – doch die todernsten Geschöpfe aus Lehm, die immer nur arbeiten und eigentlich noch nie Ärger machten, haben begonnen, sich selbst aus dem Weg zu räumen…

REZENSION:

Mit „Hohle Köpfe“ legt Terry Pratchett diesmal einen reinrassigen Kriminalroman vor und lässt seine bereits aus „Wachen! Wachen!“ bekannte, irre Wächtertruppe einen versuchten Mord aufklären. Terry Pratchett wäre nicht Terry Pratchett, wenn dies komplikationsfrei geschehen würde.
Demzufolge rasant und irrwitzig lässt er seine Protagonisten durch eine umfangreiche Rahmenhandlung hetzen, um dabei keinen Stein mehr auf dem anderen stehen zu lassen. Erneut sprüht die Geschichte durchweg vor Ironie und aberwitzigen Ideen – was abermals zu einem komisch anzusehenden, grinsenden Leser führt.
Pratchett scheut dabei auch nicht zurück, alle möglichen Rassen gemeinsam auftreten zu lassen – immerhin sind in seiner Story sowohl Trolle, Zwerge, Drachen, Menschen, Werwölfe und noch viel mehr auf dem Weg –natürlich nicht zu vergessen: die in dieser Geschichte absolut fabelhaft dargestellten Golems!
Seine dabei auftretenden, unterschiedlichen „Rasseneigenschaften“ heben den Genuss ins Unermessliche und lassen auch die jeweils durchscheinenden Bezüge zur Realität in einem neuen, süffisanten Licht erscheinen.
Somit bleibt nur noch zu sagen, dass Terry Pratchett erneut ein durchweg zu empfehlendes Werk gelungen ist und dieser Schriftsteller trotz der Menge seines Outputs noch immer zu überzeugen weiß.
Jürgen Seibold/22.04.2009

Terry Pratchett: Mummenschanz

Originaltitel: Maskerade
Übersetzung: Andreas Brandhorst
Deutsche Erstveröffentlichung 10/97
c Terry und Lyn Pratchett 1995
c der deutschsprachigen Ausgabe 1997 by Wilhelm Goldmann Verlag, München
ca. 315 Seiten / € 9,–

COVER:

Im Opernhaus von Ankh-Morpork huschen maskierte Gestalten durch die Kulissen und führen Niederträchtiges im Schilde. Zwei alte Damen beobachten den Kronleuchter und murmeln dazu Sätze wie: “Da wartet ein Unglück darauf, dass es passiert…”
Ja, Oma Wetterwachs und Nanny Ogg, die größten Hexen der Scheibenwelt, haben ihren Auftritt.

REZENSION:

Erneut wendet sich Terry Pratchett einem Thema zu, dass sicherlich vielen zu einem großen Teil bekannt sein müsste: Dem Phantom der Oper.
Ohne Rücksicht auf Verluste zerhackt er unter Zuhilfenahme der beiden göttlichen Hexen Nanny Ogg und Oma Wetterwachs dieses literarische Urgestein und lässt dabei erneut eine durchweg gelungene Episode auf der kuriosen Scheibenwelt entstehen.
Wie schon so oft in seinen Werken ist man als Leser sehr bemüht, die Mundwinkel zusammenzuhalten, damit man nicht allzu komisch aussieht. Wie schon so oft ist dies sehr schwer, da man durch den Ideenreichtum und das Kuriositätenkabinett des Autors am Schmunzeln, Schenkelklopfen und gar Lachen nicht vorbeikommt.
Somit ein weiterer Beweis der Schaffenskraft Pratchetts und erneut ein Buch, dass dem Leser nicht nur die Zeit vertreibt, sondern auch noch ein Garant für absoluten Spaß ist.
Jürgen Seibold/19.04.2009

Terry Pratchett: Die dunkle Seite der Sonne / Strata

Ungekürzte Taschenbuchausgabe Dezember 2007
Übersetzung: Andreas Brandhorst
c 1976 und 1981 Colin Smythe Ltd., London
Titel der englischen Originalausgaben:
The Dark Side of the Sun
Strata
c der deutschsprachigen Ausgabe: 2007 Piper Verlag GmbH, München

COVER:

Mit den beiden Romanen “Die dunkle Seite der Sonne” und “Strata” kehren wir zu Terry Pratchetts turbulenten Anfängen zurück. In “Die dunkle Seite der Sonne” sagt die Wahrscheinlichkeitsrechnung dem reichen Erben Dom Sabalos ein baldiges Erbe voraus. Doch die Rechnung geht nicht auf, er wird gerettet und fortan von einem mysteriösen Auftragskiller und einer mörderischen Großmutter verfolgt.

Im Universum von “Strata” wacht die Planetengestalterin Kin Arad über den Bau neuer Welten. Dabei erlauben sich ihre Mitarbeiter immer wieder üble Scherze. Doch dann berichtet ein geheimnisvoller Fremder von einer flachen Welt voller Magier und Dämonen – der Scheibenwelt.

REZENSION:

Terry Pratchetts “Die dunke Seite der Sonne” ist sicherlich teilweise sehr schwer zu verdauen, da sich Pratchett voller Ideenreichtum mehr und mehr in die unterschiedlichsten Völker und Welten hinabführen lässt und dies alles haarklein und voller Witz dem Leser darlegen möchte. Allein seine Ideen sind schon wirr genug, um zu erkennen, dass seine Werke nicht für jeden geeignet sind. Wer kommt schon auf die simple Idee, dass ein berechneter Vorgang auch unbedingt eintreten muss – falls nicht: hilft mal halt ein wenig nach.
Sämtliche erscheinenden Personen (echt und künstlich) sind in einer Pratchettoresken Art und Weise dargelegt und sorgen teilweise erstmal zur Verwirrung beim Leser. Nichts desto trotz sollte man sich als Leser einfach fallen lassen und die Stories des (w)irren Autors einfach genießen.
Während “Die dunkle Seite der Sonne” gerade für Pratchett-Neulinge ein wenig zu konfus daherkommt und somit einen Einstieg in die Welt eines Terry Pratchett erheblich erschweren würde, zeigt das in diesem Buch ebenfalls vorhanden Werk “Strata” schon eher die Massentauglichkeit des Autors, die in den Folgejahren für den furiosen Erfolg seiner Werke stehen. Dies soll Strata nicht negativ darlegen – vielmehr ist Strata so eine Art Prequel zur Scheibenwelt und somit tauchen schon einige bekannte Gegebenheiten auf – was natürlich erheblich zur Eingängigkeit der Geschichte führt.
Davon abgesehen ist es aber mehr eine ScienceFiction-Geschichte denn ein klassischer Fantasyroman und somit eher für diese Klientel greifbar als für etwaige festgefahrene Genreleser.
Strata ist damit ein hochwertiger SF-Roman mit einem leicht abfallenden aber trotzdem einwandfreien Witz, der sehr stark die Qualitäten des Terry Pratchett darlegt und weiterhin auf viele neue Ideen und Erkenntnisse des Autoren hoffen lässt.
Pratchett bleibt aber weiterhin einer der typischen Man-hasst-ihn-oder-man-liebt-ihn-Autoren. Aber hierbei einfach unerreichbar!
Jürgen Seibold/28.12.2007

Terry Pratchett: Der ganze Wahnsinn

c Terry and Lyn Pratchett 1963 – 2007
c der deutschsprachigen Ausgabe: Piper Verlag GmbH, München 2007
Übersetzung: Andreas Brandhorst
ca. 377 Seiten / 19,90 €

COVER:

Nur wer sich wirklich im Universum Terry Pratchetts auskennt, darf sich zum Gefolge des Meisters zählen: Dieser Band vereint erstmals alle Erzählungen, Artikel und humorvollen Beiträge Pratchetts, vom Beginn seiner Karriere bis zu allerneuesten, bislang auf Deutsch unveröffentlichten Geschichten und schwer zu findenden Raritäten. Sie führen nach Ankh-Morpork, ins Kaufhaus der Nomen und in viele weitere haarsträubende Welten. Wahnsinn bis zur letzten Seite, illustriert mit den schönsten Werken von Josh Kirby, und ein unverzichtbares Standardwerk für jeden Scheibenweltbewohner!

REZENSION:

Terry Pratchett hat schon mal grundsätzlich etwas richtig gemacht: Er erfand die Scheibenwelt.
Es hat lange gedauert, bis ich selbst auf die kuriosen Werke des Pratchett aufmerksam geworden bin. Ich stöberte zwar schon mehrmals in unterschiedlichsten Büchern dieses Autors, war aber doch immer ein wenig abgeschreckt ob der überdrehten Covers oder den irrwitzigen Beschreibungen auf den jeweiligen Buchrücken. Somit ging ich meistens mit einem anderen Werk eines anderen Autoren aus dem Buchladen.
Eines Tages jedoch hörte ich so ganz beiläufig einen Kollegen sagen, er würde gerade die Scheibenwelt-Bücher durchwühlen und kann sich dem nicht mehr entziehen. So etwas lässt mich als hochgradigen Bücherwurm natürlich aufhorchen – ein WENIGLESER* kann sich MEHREREN (!) Büchern nicht mehr entziehen???
Okay, ab in den Laden – Her mit irgendeinem Pratchett-Band und ab nach Hause. Welcher es damals war, entzieht sich mittlerweile meiner Kenntnis – ich tippe so auf TOTAL VERHEXT oder ALLES SENSE, möchte dafür aber keineswegs meine Hand ins Feuer legen. Aber: Es ist geschehen! Wie kann jemand so etwas abgedrehtes, einmaliges und doch herausragendes schreiben, das sich jeglichem bisher da gewesenem entzieht und trotzdem von Band zu Band neue Ideen vorlegt?
Tja, Terry Pratchett hat es scheinbar drauf und so freue ich mich seit damals auf jeden Band, der sich in meine unwürdigen Hände verirrt.
Nun ist es erneut geschehen und es erreichte mich DER GANZE WAHNSINN – was man nicht nur als Titel betrachten sollte.
Immerhin ist dieses Buch sehr voll mit irrwitzigen Kurzgeschichten, lässt aber auch sehr in das Leben des Autors selbst blicken, da im vorliegenden Buch alle möglichen, unterschiedlichen Varianten von Erzählungen, Berichten und auch Reden vorhanden sind.
Nichts desto trotz macht das Lesen irre Spaß und lässt richtig schön teilhaben am Kosmos eines Autoren, wie es ihn kein zweites Mal zu geben scheint. Er schreibt einfach irre Stories und Sätze, die man sich teilweise mehrmals durchliest, da man diese gedanklichen Verwirrungen und Irrungen gerne auswendig kennen möchte.
Dies zieht sich durch alle seine Bände und witziger weise hat Pratchett auch keinerlei Skrupel, seinen genialen Sprachgebrauch auch in Reden oder Interviews zu verwenden – was ihn um so sympathischer macht.
Der vorliegende Band sei somit jedem Scheibenwelt-Liebhaber uneingeschränkt ans Herz gelegt – er wird darin viele neue kleine Schätzchen entdecken.
Leser ohne jeglichen Scheibenwelt-Background sollten aber doch am Besten erstmal die Finger davon lassen. Es ist nämlich nicht einfach, den Sinn und Zweck dieses Buches zu ergründen, wenn man die jeweiligen Umstände der flachen Welt und was sich so darauf befindet nicht kennt. Aber nicht traurig sein: Schnappt Euch einfach ein anderes Scheibenwelt-Buch: Ihr werdet Euch wundern, wie schnell Ihr diesem Kosmos verfallen seid….
…und dann klappts auch mit diesem hier 😉
Jürgen Seibold/11.11.2007

* (einer dieser Personen, die auf ihre kleinen Regale irgendwas drauf stellen, da sie nie mehr als zwei Bücher ihr eigen nennen, wobei eines davon meistens die Anleitung des Fernsehers ist)

Terry Pratchett: Schweinsgalopp

Originaltitel: Hogfather
Übersetzung: Andreas Brandhorst
Deutsche Erstveröffentlichung 10/98
c Terry und Lyn Pratchett 1996
c der deutschsprachigen Ausgabe 1998 by Wilhelm Goldmann Verlag, München, in der Verlagsgruppe Random House GmbH
ca. 382 Seiten / € 10,–

COVER:

Auch auf der Scheibenwelt gibt es einen dicken Mann, der mit einem Schlitten durch die Lüfte fliegt und sein alljährliches Kommen mit einem Ho, ho, ho, ankündigt. Doch dieses Mal bleibt er verschwunden. Während der Tod aushilfsweise seinen Job übernimmt, versucht seine Großtochter herauszufinden, wo er steckengeblieben ist. Daß allerdings die Zauberer der Unsichtbaren Universität in der Zwischenzeit gefährliche Experimente mit der Rechenmaschine anstellen, die von Ameisen angetrieben wird, erleichtert ihre Aufgabe nicht gerade…

Schweinsgalopp ist der neue Geniestreich von Terry Pratchett, dem Kultautor der Romane von der bizarren Scheibenwelt.

REZENSION:

Terry Pratchetts Erfolgsthema “Scheibenwelt” wird hoffentlich niemals ein Ende finden – zu sehr wird man mehr und mehr von einem Ideenreichtum des Autors überrascht und man kann eine weitere Lektüre folgender Romane nicht erwarten.
Nachdem ja Weihnachten 2006 vor der Tür stand und ich keine klassische Weihnachtsgeschichte lesen wollte, zog ich Pratchetts “Schweinsgalopp” aus dem Regal – immerhin handelt es sich dabei um eine weihnachtliche Geschichte.
Leider wurde der dicke Mann, der jährlich mit einem Schlitten durch die Lüfte düst und mit einem Ho, ho, ho seine Geschenke verteilt, von “Terroristen” entführt.
Während Susanne – Großtochter von Tod – sich auf die Suche nach seinem Verbleib macht, übernimmt Tod selbst die “Versorgung” der Kinder.
Wie man merkt, strotzt bereits der kurz dargelegte Plot vor unendlichem Einfallsreichtum und dies wird alles zum Brüllen komisch, wenn der eigentlich für ganz andere Tätigkeiten zuständige Sensenmann seine Tätigkeit als Weihnachtsmann aufnimmt. Allein für diese geschickte und nachvollziehbare Darlegung hätte der Autor einen Preis verdient.
Was das Buch im Allgemeinen betrifft, sollten Scheibenwelt-Neulinge aufgrund der diesmal etwas komplizierteren und zeitlich sehr oft springenden Schreibweise des Autoren nicht unbedingt mit diesem Buch beginnen, sondern sich vielleicht erstmal leichter eingängige Bücher, wie z.B. “Wachen! Wachen!” oder “Gevatter Tod” zu Gemüte führen – insbesondere bei “Gevatter Tod” lernt man TOD sehr gut kennen und man ist dadurch bestens für die oben genannte Geschichte gerüstet.
Nichts desto trotz bleibt auch Schweinsgalopp ein weiterer Meilenstein im fast eigenständigen Genre SCHEIBENWELT und kein einziger nur halbwegs an der Scheibenwelt Interessierter sollte dieses Buch im Regal verstauben lassen.
Jürgen Seibold/06.01.2007

Terry Pratchett: Darwin und die Götter der Scheibenwelt

Originaltitel: Science of Discworld 3: Darwin’s Watch
Übersetzung: Andreas Brandhorst und Erik Simon
c 2005 Terry und Lynn Pratchett, Joat Enterprises, Jack Cohen
c der deutschsprachigen Ausgabe: 2006 Piper Verlag GmbH, München
ca. 423 Seiten / €9,95

COVER:

Für den Zauberer Rincewind gibt es keinen Zweifel: Etwas ist faul auf der Rundwelt. Dort droht eine Eiszeit, doch die Menschen machen keine Anstalten, den Planeten zu verlassen. Der Fehler ist rasch entdeckt: Die Realitäten im Universum haben sich verschoben, und nun hat Charles Darwin eine Untersuchung verfasst, die die Evolution nicht als naturwissenschaftliches Phänomen, sondern als Werk Gottes begreift. Die Evolutionstheorie ist dahin, und die Welten geraten aus den Fugen. Rincewind und seine Mitstreiter setzen alles daran, die Realität zu korrigieren. Doch eine unbekannte Macht legt ihnen immer mehr Steine in den Weg. Und bald stehen die Zauberer nicht nur den leibhaftigen Naturgesetzen, sondern auch dem Gott der Evolution persönlich gegenüber…
Mit “Darwin und die Götter der Scheibenwelt” setzt das Team um Terry Pratchett den Erfolg der furiosen Bestseller “Die Gelehrten der Scheibenwelt” und “Die Philosophen der Rundwelt” fort.

Terry Pratchett, geboren 1948 in Beaconsfield, England, war Lokalredakteur und Sprecher der zentralen Elektrizitätserzeugungsbehörde. In den achtziger Jahren erfand er eine ungemein flache Welt, die auf dem Rücken von vier Elefanten und einer Riesenschildkröte ruht. Die “Scheibenwelt”-Romane sind allesamt Bestseller.
Ian Stewart ist Mathematikprofessor und verfasst regelmäßig Kolumnen in “Scientific American” und “Spektrum der Wissenschaft”. Bekannt wurde er als Autor des populärwissenschaftlichen Bestsellers “Spielt Gott Roulette?”.
Jack Cohen ist Genetiker und schrieb gemeinsam mit Ian Stewart zahlreiche Bücher über Evolution und Chaos.

REZENSION:

Darwin und die Götter der Scheibenwelt ist sicherlich für viele ein sehr zwiespältiges Buch.
Einerseits befinden sich hierin neue Erlebnisse der abgedrehten Zauberer der Scheibenwelt und andererseits handelt es sich um eine wissenschaftliche Abhandlung im besonderen Sinne.
Nachdem die von Terry Pratchett erzählten Kapitel eher Verbindungsglieder zu den jeweiligen Themen der beiden Wissenschaftler Ian Stewart und Jack Cohen sind, stellt sich die Frage, ob dieses Buch seine Klientel zu finden vermag.
Das Problem dabei ist, daß die Scheibenwelt-Freaks zu wenig Scheibenwelt vorfinden und die naturwissenschaftlich Interessierten schon allein anhand des Einbandes und der Zurodnung zur Fantasy so ein Buch nicht unbedingt beachten.
Diese Problematik wird diesem Buch aber bei weitem nicht gerecht, offenbart sich doch ein Inhalt, wie es definitiv üblicherweise nicht üblich ist: Wo sonst verschwimmen die Grenzen zwischen nicht allzu ernst zu nehmender Phantasie und einem genial erzählten Trip in die Welt der Quantenphysik, Kosmologie und Evolution auf unserer “Rundwelt”?
Lässt man sich also fallen, eröffnet sich dem Leser ein Kosmos mit schier unendlichen Ausmaßen. Man geniest auf einmal die Gedanken und Theorien zweier Wissenschaftler, die auf eine wahnsinnig geniale Art und Weise einen typischer weise knochentrockenen Stoff ähnlich eines Sturzbaches erzählen.
Am Ende schließt man ein sehr untypisches Buch – aber man kann guten Gewissens behaupten, ein Sachbuch gelesen zu haben und nicht wie sonst nur abgedrehte Fantasy!
Somit ein durch und durch interessantes Werk, voller skuriler und doch realer Ideen und Theorien, durch das beim Leser sicherlich das ein oder andere neue hinzugewonnene Wissen übrig bleibt.
Vielleicht sollten sich auch mal die nur trockenen Stoff kennenden Naturwissenschaftler – Inhalt unserer Universitäten; vom Studenten zum Prof – in die Fantasy-Abteilungen der örtlichen Buchhandlung verirren.
Jürgen Seibold/01.10.2006

Terry Pratchett: Die Schlacht der Nomen – Trucker / Wühler / Flügel

c der deutschsprachigen Ausgabe: 2005 Piper Verlag GmbH, München
Originaltitel: Truckers / Diggers / Wings
Übersetzung: Andreas Brandhorst

COVER:

Am Anfang schuf Arnold Bros das “Kaufhaus” – daran glauben die winzigen Nomen seit Generationen, denn so steht es im Buch der Nomen geschrieben. Friedlich leben die Wichte in dieser eigentümlichen Welt, wo die Jahreszeiten Winterschlußverkauf, Frühjahrsmode, Sommerschlußverkauf und Weihnachten heißen. Doch als eines Tages die Parole “Räumungsverkauf” ausgerufen wird, müssen sie ihr Zuhause so rasch wie möglich verlassen. Eine waghalsige Evakuierung mit einem Lastwagen beginnt – doch wie kann ein Winzling einen Truck steuern? Und auch in ihrem neuen Unterschlupf “Steinbruch” erwartet die Nomen kaum Ruhe. Bagger rücken an und vertreiben die Bewohner aufs neue. Schließlich stoßen die Flüchtlinge im Raumhafen auf einen Gott namens NASA. Und endlich winkt die Rettung: eine Reise ins All, die sie zu ihrer wahren Heimat führen wird… Dieser Band vereint die komplette Trilogie über die liebenswertesten Winzlinge der Fantasy, von denen wir Menschen vieles lernen können.

Terry Pratchett, geboren 1948 in Beaconsfield, England, war Sprecher der zentralen Elektrizitätserzeugungsbehörde. In den achtziger Jahren erfand er eine ungemein flache Welt, die auf dem Rücken von vier Elefanten und einer Riesenschildkröte ruht. Doch nicht nur mit dem “Scheibenwelt”-Zyklus, sondern auch mit den turbulenten Romanen über die “Nomen” begeistert Pratchett seine riesige Fangemeinde immer wieder aufs neue.
Josh Kirby (1928-2001) hat mit seinen kongenialen Umschlagbildern Terry Pratchetts Romanen ein unverwechselbares Aussehen von hohem Wiedererkennungswert gegeben.

REZENSION:

Terry Pratchett ist ein absolutes Phänomen. Durch die Erschaffung seiner Scheibenwelt hat er mir bereits unzählige Stunden versüßt.
Die Scheibenwelt hat jedoch ein Problem: Sie polarisiert – man hasst sie oder man liebt sie. Ein dazwischen ist schier unmöglich.
Nun wollen wir zu dem vorliegenden Nicht-Scheibenwelt-Buch “Die Schlacht der Nomen” kommen. Ein Band in dem sich die drei Romane “Trucker”, “Wühler” und “Flügel” befinden, die zusammen Pratchetts komplette Trilogie über die Nomen sind und eine weitere fantastische Idee aus einem wohl sehr kurios denkenden Gehirn darstellen.
Bei den Nomen handelt es sich eigentlich um vor circa 15.000 Jahren gestrandete Außerirdische, die sich dessen aber leider nicht mehr bewusst sind und glücklich und zufrieden in einem Kaufhaus leben. Ihrem Glauben nach wurde dieses Kaufhaus durch ihren “Gott” Arnold Bros. erschaffen, “auf das es für die Nomen eine Heimat sei für immer und ewig”.
Ihre Jahreszeiten heißen Winterschlußverkauf, Frühjahrsmode, Sommerschlußverkauf und Weihnachten. Als jedoch plötzlich die Jahreszeit “Räumungsverkauf” auftaucht und die Nomen herausfinden, das das Kaufhaus dem Erdboden gleich gemacht werden soll, starten sie eine waghalsige Evakuierung mit einem Lastwagen. Dies führt sie schließlich zu ihrem neuen Unterschlupf, dem Steinbruch.
Leider erwartet sie dort auch keine Ruhe und sie werden erneut vertrieben. Letztlich stoßen sie auf einen neuen Gott namens “NASA” und sie sehen ihre Chance zu einer Reise in ihre wahre Heimat.
Pratchetts Ideenreichtum ist wahrlich unerschöpflich und er erschuf mit den sympathischen Nomen sehr witzige und interessante Figuren, die sich unglaublich schnell ins Herz des Lesers einschleichen.
Ganz nebenbei erzählt uns Pratchett, daß die Nomen uns Menschen zu vielen Neuerungen gebracht haben, ohne die wir nicht da wären, wo wir in der Neuzeit nun sind.
Ebenso nebenbei nimmt er auch noch ein klein wenig die Religionen, ohne eine davon gezielt anzusprechen, aufs Korn und legt drei wunderbare Geschichten über wunderbare Wesen vor, die man durch die Leichtigkeit und der positiven Art auch bereits jüngeren Lesern offenbaren könnte.
Für Scheibenwelt-Liebhaber fehlt bei den Nomen leider ein wenig Pratchetts überspitze Ironie und der dazugehörige Biss – womit er aber die Brücke zu den “Scheibenwelt-Hassern” schlägt: Die Nomen sind ein einfacher Einstieg in die Welt des Terry Pratchett und kann sicherlich einige “Feinde” der Scheibenwelt auf den richtigen Pfad führen.
Jürgen Seibold/01.01.2006

Terry Pratchett: Lords und Ladies

Originaltitel: Lords and Ladies
Übersetzung: Andreas Brandhorst
c 1992 Terry und Lyn Pratchett
deutsche Ausgabe: 1995 by Wilhelm Goldmann Verlag, München

COVER:

Die junge Hexe Magrat Knobloch steht kurz vor ihrer Vermählung mit dem ehemaligen Narren Verence, der inzwischen König von Lancre geworden ist. Aber als ein paar Nachwuchs-Hexen auftauchen, wird die Mittsommernacht verhexter als je zuvor, und das kleine Königreich wird Schauplatz turbulenter Ereignisse. Vor allem die Elfen sind ganz schön gemein und sorgen dafür, daß TOD ein bisschen Arbeit bekommt.
“Ein Ende der Erfolgsstory Scheibenwelt ist nicht in Sicht.”
Der Spiegel

“Das Phänomen Pratchett hat inzwischen auch Deutschland erorbert!”
Focus

Terry Pratchett, geboren 1948, verkaufte seine erste Geschichte im zarten Alter von dreizehn Jahren und ist heute einer der erfolgreichsten Fantasy-Autoren überhaupt. Neben Douglas Adams und Tom Sharpe gilt er als Großbritanniens scharfsinnigster und pointensicherster Komikspezialist. Time Out schrieb über ihn: “Terry Pratchett wird mit jedem Buch besser und besser. Er ist auf dem Höhepunkt seines Schaffens, und es gibt heute keinen einzigen Humoristen, der es auch nur annähernd mit ihm aufnehmen kann.”
Er lebt mit seiner Frau Lyn und seiner Tochter Rhianna in Wiltshire.

REZENSION:

Wieder einmal schafft es Pratchett ganz leicht mich sehr gut zu unterhalten.
Diesmal jedoch ganz besonders: Ich freue mich jedesmal auf einen Roman in dem Oma Wetterwachs eine Rolle spielt. Mit dieser Person hat Pratchett ein eigenes Universum erschaffen.
Oma Wetterwachs hat einen unwahrscheinlich komplexen Charakter und durch ihre Ansichten erkennt man auch des öfteren seine eigenen Großmütter wieder. Einfach ein genialer Charakter aus der Feder des Scheibenwelt-Königs.
Eigentlich sollte jeder Fantasy-Fan auch Scheibenwelt lesen – nur so kann man auch mal sehr gute Fantasy mit viel Witz lesen. Oft sind ja andere sehr gute Fantasy-Romane ziemlich ernst und beschränken sich auf komplexe Handlungsstränge, was nicht negativ gemeint ist, da ich diese Bücher ebenfalls liebe. Pratchett schafft es jedoch immer wieder das komplette Fantasy-Universum mit allem was dazu gehört zu verarbeiten: Hexen, Elfen, Zauberer, komische Gestalten, Monster…………… usw…. usw…..
und das alles mit einem gelungenen Witz, der den Leser mit seinen Pointen immer wieder in die reale Welt entführt und Ähnlichkeiten aufzeigt.
Jürgen Seibold / 06.12.2002

Terry Pratchett: Einfach göttlich

Originaltitel: Small Gods
Übersetzung: Andreas Brandhorst
c Terry und Lyn Pratchett 1992
deutsche Ausgabe: c 1995 by Wilhelm Goldmann Verlag, München

COVER:

Brutha hat prankenartige Hände, einen tonnenförmigen Leib und baumstammdicke Beine, die in Spreizfüßen enden. Und er ist nicht gerade helle. Aber irgendwas muß an ihm dran sein, denn Gott Om hat zu ihm gesprochen. Er sei der Erwählte. Doch auf einmal ist die Inquisition hinter ihm her und bringt Brutha jede Menge Ärger. Und so zerbricht sich der dicke Tempelgärtner seinen Schädel darüber, wie bei allen Göttern er sein Amt wieder loswerden kann…

Terry Pratchett, geboren 1948, verkaufte seine erste Geschichte im zarten Alter von dreizehn Jahren und ist heute einer der erfolgreichsten Fantasy-Autoren überhaupt. Neben Douglas Adams und Tom Sharpe gilt er als Großbritanniens scharfsinnigster und pointensicherster Komik-Spezialist. Time Out schrieb über ihn: “Terry Pratchett wird mit jedem Buch besser und besser. Er ist auf dem Höhepunkt seines Schaffens, und es gibt heute keinen einzigen Humoristen, der es auch nur annähernd mit ihm aufnehmen kann.”
Er lebt mit seiner Frau Lyn und seiner Tochter Rhianna in Wiltshire.

REZENSION:

Wie so oft ist der Glaube anders als die Kirche festlegt. Pratchett bringt in diesem Roman wieder einmal sehr viele reale Begebenheiten auf die Scheibenwelt, um diese mit seinem Witz in den Kakao zu ziehen. Gleichzeitig wird man fast nachdenklich über die Irrungen und Wirrungen der Kirchengeschichte.
Hierbei geht es um Brutha, einem kleinen Novizen, der in Omnien lebt, einem Land das von Vorbis dem Exquisitor geleitet wird. Der Gott Om wird dargestellt als Stier, der mit seinen Füßen die Ungläubigen zertritt – Leider ergibt es sich, dass der echte Gott Om zur Zeit als Schildkröte lebt und nur Brutha ihn hören kann. Dadurch ergeben sich viele Umstände, die Brutha mit Sicherheit nicht gewünscht hatte. -> Aber selber lesen…
Pratchett spannt in dieser Geschichte einen Glaubensbogen, der alles bisher dargewesene berührt: Die Exquisition, die mit Hilfe der Inquisition die Ungläubigen läutert, die Glaubenskriege, die unterschiedlichen Religionen, usw. usw.
Wieder einmal ein sehr gelungener Roman aus Pratchett’s Feder. Ich hoffe, die Scheibenwelt wird nie abgeschlossen.
Jürgen Seibold /04.12.2002

Terry Pratchett: Gevatter Tod / Wachen! Wachen!

c 2000 by Wilhelm Heyne Verlag GmbH & Co.KG, München

COVER:

Die Romane
Terry Pratchett entführt seine Leser zu spannenden Reisen, in die von ihm geschaffene bizarre Scheibenwelt.
Gevatter Tod
Der junge Mort, Bewohner der Scheibenwelt, macht seiner Familie große Sorgen. Er ist ungeschickt und nicht in der Lage im heimischen Betrieb mit reannueller Landwirtschaft zu helfen. Deshalb versucht sein Vater, eine Lehrstelle für ihn zu finden. Doch auch dieses Unterfangen ist vergeblich. Als letzter Ausweg bleibt der Gewerbemarkt, auf dem Lehrlinge vermittelt werden. Wenige Sekunden vor Mitternacht ist Mort noch immer ohne Lehrstelle. Da kommt ein geheimnisvoller Reiter, Gevatter Tod, der einen Gehilfen sucht, der ihm beim Geleit der Seelen Verstorbener ins Jenseits hilft. Mort macht sich voller Eifer ans Werk und wird seinem Meister immer ähnlicher.
Wachen! Wachen!
Durch einen Zauber hat ein Drache die Herrschaft in der Scheibenwelt-Stadt Ankh-Morpork übernommen. Die verängstigten Bürger lassen ihn regieren und geben ihm ihr ganzes Gold, solange er sie nur in Ruhe lässt. Doch eine kleine Gruppe, geführt von Hauptmann Mumm, unterstützt von der adeligen Sumpfdrachenzüchterin Lady Käsedick mit ihrem kleinen Drachen Erroll und dem zwei Meter großen Zwerg Karotte, macht sich auf, den feuerspeienden Herrscher zu vertreiben.

Der Autor
Der Brite Terry Pratchett wurde 1948 geboren. Nach dem Studium arbeitete er als Jornalist und Pressereferent, bevor er sich nach dem Erfolg seiner ersten Romane ganz dem Schreiben widmete. Vor allem mit seinen Büchern über die von ihm erfundene Scheibenwelt eroberte er sich weltweit ein Millionenpublikum.

REZENSION:

DER TOD ist für mich eine der besten Figuren im Pratchett-Universum. Fast genauso ins Herz geschlossen habe ich die Jungs von der Stadtwache.
Ich möchte jetzt hier auch nicht allzu viel über die Geschichten erzählen. Doch hat es Terry Pratchett einfach geschafft, mit diesen beiden Bänden eine unwahrscheinlich humorvolle Literatur entstehen zu lassen, die eigentlich jeder gelesen haben sollte. Egal ob man normalerweise was anderes liest.
Wer sich innerhalb der Scheibenwelt noch nicht auskennt und nicht unbedingt mit den noch etwas konfusen allerersten Bänden starten möchte, wäre mit diesem Doppelband wohl mehr als positiv bedient und ich denke der Flair dieser Geschichten könnte noch viele weitere Freunde finden.
Pratchett – mach weiter so….
Jürgen Seibold / 08.11.2002

Terry Pratchett: Helle Barden

Originaltitel: Men at Arms
Übersetzung: Andreas Brandhorst
c der Originalausgabe 1993 by Terry und Lyn Pratchett
c der deutschsprachigen Ausgabe 1996 by Wilhelm Goldmann Verlag, München

COVER:

Die Stadtwache soll effizienter werden, so will es der Patrizier, und neue Mitglieder aus sozialen Randgruppen aufnehmen: einen Troll, einen Zwerg und eine Werwölfin. Das sorgt für eine Menge Chaos. Erst recht, als eine neuartige Waffe gestohlen wird – das Gfähr. Und Edward d’Eath davon träumt, dem alten Adel zurück an die Macht zu verhelfen. Grauselige Morde geschehen, und die Stadtwache nimmt ihre Ermittlungen auf…

Die umwerfend komische Mischung aus Tolkien und Monty Python – an Einfallsreichtum, schrägem Humor und Hintersinn kaum zu überbieten.

“Das Phänomen Pratchett hat inzwischen auch Deutschland erobert!”
Focus

“Verdammt gut!”
Der Spiegel

REZENSION:

Terry Pratchett ist wirklich ein Phänomen. Seine Romane sprudeln förmlich vor einem Ideenreichtum, dem man manchmal beinahe nicht folgen kann.
Seine Romane kann man eigentlich nur lieben oder hassen. Auf jeden Fall sind sie voller Ironie und Seitenhieben zu unserer Zeit.
Es gibt oft Personen, die ähnlich zu Personen der Weltgeschichte dargestellt werden. In diesem Fall z.B. den Erfinder des Gfährs, einen durchgeknallten Menschen namens Leonard da Quirm, der immer spiegelverkehrt schreibt und Flugmaschinen erfindet – siehe Leonardo da Vinci.
Die Wache kämpft mit den typischen Vorurteilen, die man gegenüber anderen Gruppen leider zu oft hat. Hier sind es vorallem Trolle und Zwerge, die sich eigentlich nicht leiden können aber hier in der Wache zusammenarbeiten müssen.
Alles in allem ist dieser Roman wieder einmal sehr lustig, abwechslungsreich und doch relativ spannend. Man merkt, daß Terry Pratchett von Mal zu Mal besser wird.
Jürgen Seibold/März 2003

Stan Nicholls: Die Orks

Originaltitel: “Bodyguard of Lightning”, “Legion of Thunder”, “Warriors of the Tempest”
Übersetzung: Christian Jentzsch
c 1999, 2000 Stan Nicholls
c der deutschsprachigen Ausgabe: 2004 Piper Verlag GmbH, München
ca. 800 Seiten

COVER:

”Die Orks” –  das meistgelesene Fantasy-Werk seit “Der Herr der Ringe”: Geboren, um zu kämpfen, verbreitet das hässliche Volk der Orks seit jeher Angst und Schrecken. Die Vielfraße führen einen erbitterten Krieg gegen die Menschen, die die Erdmagie im Land Maras-Dantien aus dem Gleichgewicht gebracht haben. Nun muss sich Stryke, Anführer der besten Ork-Söldner, einem gefährlichen Auftrag stellen: Auf Geheiß der Königin Jennesta soll er ein verschwundenes magisches Artefakt wiederbeschaffen, mit dessen Hilfe es gelingen könnte, die Feinde zurückzuschlagen. Zunächst scheint die Mission Erfolg versprechend – doch dann wird das Artefakt von Kobolden geraubt, und eine dramatische Jagd beginnt…

Stan Nicholls, geboren in London, ist seit seiner Kindheit Fantasy-Fanatiker. Er arbeitete lange Jahre als Buchhändler und Journalist im Fantasy- und Science-Fiction-Bereich, bevor er sich dem Schreiben von phantastischen Romane widmete. Mit “Die Orks” landete er einen Überraschungsbestseller, der ihm über Nacht eine riesige Fangemeinde bescherte.

REZENSION:

Es gibt sehr viele Wesen aus dem tolkienschen Universum die man beim Genuß des Herrn-der-Ringe-Epos problemlos ins Herz schließt und deren Leben und Wirken durch viele spätere Erzählungen und Romane durch Autoren unserer Zeit weitergesponnen werden. Das sich jedoch ein Autor den abgrundtief bösen und berühmt berüchtigten Orks annimmt scheint auf den ersten Blick mehr als verwunderlich. Immerhin hat dieses kriegerische Volk nur sehr wenige Sympathisanten bei den Lesern dieses Genres.
In dem vorliegenden, 800seitigem Epos mit dem kurzen, aber sehr prägnantem deutschen Titel “Die Orks” könnte sich dies jedoch schlagartig ändern.
Sicherlich wird in diesem Buch unwahrscheinlich viel gekämpft, gelitten und zerstört – jedoch verliert Stan Nicholls niemals seinen Blick auf die Handlung und führt die Orks zu nichts geringerem als die Rettung und Rückkehr ihrer Rasse in ihr ursprüngliches Land bzw. ihre Welt.
Seine Art des Erzählens lässt absolut nichts missen und dadurch spürt man als Leser jeden Schwertschlag beim Kämpfen genauso, wie auch die teilweise vorhandene innere Zerrissenheit des Anführers Stryke als auch die Beweggründe der Truppe und ihren Feinden. Wie ein Maler erschafft Stan Nicholls vor des Lesers Augen eine fantastische und detaillierte Welt, nimmt aber erfreulicherweise niemals die eigene Möglichkeit des geistigen Aufbaus einer Fantasy-Welt der Person, die zum Umblättern der Seiten verdammt ist, da ein Loslassen schier unmöglich scheint.
Dadurch erreicht man das Ende dieses Buches sehr schnell und der Hunger nach weiteren Erzählungen der nun ins Herz geschlossenen Orks wächst ins Unermessliche.
Ein Buch, das durch seine Spannung, Dichte und auch Witz mit Leichtigkeit aus dem Dunstkreis der “Herr-der-Ringe-Ecke” hervortreten kann und sich beileibe nicht hinter anderen Werkes dieses Genres zu verstecken braucht.
Jürgen Seibold/16.06.2006

Joseph Nassise: Der Schattenseher

Originaltitel: Eyes to see (noch nicht fixiert – Amerikanische Ausgabe bis zum Erscheinen der vorliegenden Ausgabe noch nicht erschienen)
Aus dem Englischen von Heike Holtsch
c 2009 by Joseph Nassise
Deutsche Erstausgabe Dezember 2009
c 2009 der deutschsprachigen Ausgabe bei PAN-Verlag
ca. 350 Seiten / € 9,95

Cover:

Ich habe mein Augenlicht gegeben, um die Wahrheit sehen zu können. Hätte ich damals gewusst, was ich heute weiß, wäre ich diesen Teufelspakt niemals eingegangen.
Kennen Sie dieses Frösteln, das einen hin und wieder aus unerfindlichen Gründen überkommt? Das ist die Art der Geister, uns spüren zu lassen, dass sie da sind. Geister sehen, hören und wissen Dinge, die sie nichts angehen. Die Toten kennen unsere verborgensten, dunkelsten Geheimnisse. Sie zu verstehen, ist allerdings etwas ganz anderes.

Jeremiah Hunt hat gelernt, Geister aus den Häusern der Lebenden zu vertreiben, und wird von der Polizei um Hilfe gebeten, wenn normale Entwicklungen nicht mehr weiterkommen. Darum wird Hunt auch an einen besonderen Tatort gerufen, an dem sich merkwürdige Schriftzeichen finden. Hunt ist sicher, dass ein übernatürliches Wesen am Werk war – und erschüttert, als er neben dem Opfer einen kleinen Anhänger findet, den er kennt. Das Schmuckstück stammt von dem Bettelarmband, das seiner Tochter gehörte! Zur gleichen Zeit hat die junge Hexe Denise Clearwater eine Vision. Sie hat keine Ahnung, wer der blinde Mann ist, den sie darin sieht – aber sie weiß, dass er in großer Gefahr schwebt …

Rezension:

Jermiah Hunt ist blind. Aber er ist es nicht seit Geburt: Mit einem Ritual aus einem Buch versuchte er seine verschwundene Tochter zu finden und verlior dabei sein Augenlicht. Die Suchaktion der Polizei blieb jedoch erfolglos.
Das Ritual hatte jedoch auch seine gute Seite. Jeremiah ist nicht blind im klassischen Sinn. Er sieht nun eine Art andere Realität, in der Geister, magische Gestalten, Dämonen existieren, die unter uns leben. Seine Fähigkeit bietet er unter anderem auch der Polizei an, in Fällen wo diese in den Ermittlungen nicht vorwärts kommen. Da Detektiv Stanton auf seiner Suche nach einem psychotischen Killer, der in der Stadt sein Unwesen treibt, nicht weiter kommt, ruft er Hunt an und bittet ihn um Hilfe. Jeremiah findet auf dem ersten Schauplatz einen Anhänger, der seiner Tochter gehört hat. Ist der Killer auch am Verschwinden seiner Tochter beteiligt gewesen ? Wurde das Indiz extra auf dem Schauplatz hinterlassen ? Als Hunt auch auf einem zweiten Tatort einen solchen Gegenstand findet, beginnt er dahinter eine persönliche Einladung zu sehen. Die Jagd beginnt…
Die Figur von Jeremiah Hunt, durch alles was ihm widerfahren ist, bleibt ein einsamer, durch sein Handicap zurückgezogener Aussenseiter, der gerade dadurch sein volles Potential an Menschlichkeit zurück gewinnt. Der Zugang zu seiner wirklichen Gefühlswelt bleibt dem Leser jedoch vorenthalten.
Das Buch ist mit seinen 55 Kapitel auf gerade mal 349 Seiten etwas ungewöhnlich aufgebaut. Zum Glück befinden sich Vermerke bei den Kapitelüberschriften, welche dem Leser ermöglichen zu wissen, ob die Handlung des kommenden Abschnitts Heute oder Damals spielt. Und wenn es eine Kritik geben könnte, dann dass der Plot unübersichtlich gestaltet ist, dies jedoch in keiner Weise die Geschichte beeinträchtigt. Die Welt Jeremiahs ist düster und unerklärlich. Eine Logik gibt es ja oft bei übersinnlichen Phänomenen auch nicht. Die kurzen Kapitel tragen auch zur Schnelligkeit der Handlung bei und machen aus dem Buch einen Pageturner ohne gleichen.
Der Schreibstil ist einfach und gut zu lesen. Die Story temporeich und ausgeklügelt. Die Spannung wird nach und nach aufgebaut. Abschließend kann ich diesen Fantasy-Thriller jedem nur wärmstens empfehlen. Für mich ist es eine der Überraschungen des Jahres 2009. Doch auch wenn die Geschichte am Ende in sich abgeschlossen ist, gibt es, gemäss der Homepage des Autors (http://josephnassise.com/), weitere Folgebände.
Und ich warte schon gespannt auf die Fortsetzung!
Jean-Pascal Ansermoz / 22.02.2010

***

Joseph Nassise eröffnet mit “Der Schattenseher” eine neue Reihe mit einem Hauptdarsteller, der sein Augenlicht verloren hat und seitdem nun Dinge sehen kann, die normalen Menschen vorenthalten bleiben: Die Geister der Toten und die magischen Geschöpfe, die unerkannt unter uns leben.
Somit ist die Rahmenbedingung gesetzt und man ist gespannt auf den Inhalt eines Buches, dass sich laut Verlag in die Schublade “Magischer Thriller” einordnen möchte. Dieser Genrezuordnung wird der Inhalt auch absolut gerecht und man wird als Leser von einem Extrem ins andere geworfen. Ein absolut spannender Thriller, der mit allen möglichen Versatzstücken der fantastischen Ecke der Literatur spielt. Sämtliche übernatürlichen Dinge, Handlungen, Personen sind glaubhaft eingebaut und man liest endlich mal einen Thriller, der sich ein wenig von den klassischen Vertretern des Genres abhebt.
“Der Schattenseher” ist mit seinen recht kurzen Kapiteln und die darin aufgebaute Spannung ein echter Pageturner und lässt auf Folgebände hoffen, die dieses Buch zumindest erreichen, wenn nicht sogar toppen.
Schlichtweg ein durchweg spannendes Unterhaltungsbuch, das sich selbst nicht zu ernst nimmt und dadurch noch mehr zu überzeugen weiß.
Jürgen Seibold/02.11.2010

Daniele Nadir: Das dritte Testament

Originaltitel: Lo stagno di fuoco
Übersetzung: Claudia Franz
1. Auflage Taschenbuchausgabe August 2008
c der Originalausgabe 2005 by Daniele Nadir
c der deutschsprachigen Ausgabe 2008 by Wilhelm Goldmann Verlag, München
ca. 875 Seiten / € 12,–

COVER:

Nach dem Ende der Welt, als Gott mit seinen Engeln die Menschen gerichtet und mit den Frommen sein Himmelreich gegründet hat, bleiben nur noch wenige Bewohner auf der Erde zurück. Der Schriftsteller Joe Gould und die Lehrerin Sara Ferraris wurden nicht verurteilt; die drei Engel Nephilim, Raziel und der Erzengel Michael hingegen mussten zurückbleiben, weil ihnen beim Jüngsten Gericht unentschuldbare Fehler unterlaufen sind: Jeder von ihnen hat versehentlich eine unschuldige Seele in die Hölle verdammt. Um die göttliche Ordnung wiederherzustellen und doch noch mit Gott vereint zu werden, beschließen die drei Engel, eine Expedition in die Hölle zu wagen. Dort wollen sie, gemeinsam mit Joe Gould und Sara Ferraris, nach den drei unschuldig Verurteilten suchen und ihren Fehler korrigieren. Führen soll sie Judas Iskariot, der durch die Erdbeben des Jüngsten Gerichts aus der Hölle ausgespuckt und von Joe Gould gefangen genommen wurde. Was sich der Expeditionsgruppe jedoch aöls Hölle präsentiert, liegt jenseits ihrer Erwartungen. Vor allem die Machtverhältnisse sind deutlich anders verteilt, als sie angenommen hatten…

REZENSION:

Als ich die Beschreibung am Rücken dieses Buches las wurde mir beinahe schwindlig, da beinahe jeder Satz mit allen nur erdenklichen Klischees gefüttert ist. Nichts desto trotz musste ich aus reiner Neugierde einfach herausfinden, ob es sich beim Inhalt um schlichten “Mist” handelt, oder ob sich doch ein kreativer Autor dahinter verbirgt, der anhand dieser klassischen Klischees eine unnachahmliche Geschichte kreiert.
Nach dem Genuss der knappen 900 Seiten bin ich nur leidlich schlauer: Dieses Buch wird innerhalb des Genres zwei unterschiedliche Sichtweisen zur Folge haben.  Die eine wird jedes Wort für dümmsten Quatsch halten und die andere wird dieses Buch in ungeahnte Gefilde hochloben.
Ich muss mich zur zweiten Riege dazuzählen, gebe aber auch Mahnern recht, da man sich in diese Geschichte erst hineinfinden muss und der Autor sehr gerne hin und her springt. Trotzdem sind seine Ideen unglaublich gut umgesetzt und bauen nicht nur bereits gelesenes nach  sondern strotzen vor eigenem Ideenreichtum, was allein schon als sehr positiv zu betrachten ist.
Er schreibt anspruchsvoll, spannend und legt uns eine Hölle dar, wie noch nie zuvor gelesen.
Durch die Darlegung der höllischen Quälereien stumpft man als Leser zwar ein wenig ab – ich denke aber, das es erstens auf Dauer sicherlich auch für den Geschundenen abstumpfend wirkt und dadurch zweitens diese Vorgehensweise wohl Absicht des Autors war. Falls dem so sein sollte, erhöht das die Glaubwürdigkeit des Werkes enorm.
Übrig bleibt auf jeden Fall ein dicker Schmöker für alle Fantasyfans, die sich vor Grausamkeiten nicht scheuen und Interesse an einer noch nie da gewesenen Geschichte haben.
Allein für Nadirs Idee mit der Verkündigung des Jüngsten Gerichts per SMS müsste man dem Autor schon einen Preis geben.
Somit für mich ein absoluter Monatstipp!
Jürgen Seibold/August 2008