Tad Williams: Der Engelsturm (Zyklus von Osten Ard Band 4)

Originaltitel: To Green Angel Tower (Der Engelsturm umfasst die zweite Hälfte der amerikanischen Originalausgabe)
Übersetzung: V.C. Harksen
c 1993 Tad Williams
deutsche Ausgabe: c 1994 S. Fischer Verlag GmbH, Frankfurt a.M.

COVER:

Simon, der mit Prinzessin Miriamel, seiner großen Liebe, heimlich den Stein des Abschieds verlassen hat, will für Prinz Josua die beiden letzten Großen Schwerter gewinnen, Hellnagel, das in König Johans Grab liegen soll, und Leid, das an Elias’ Gürtel hängt. Miriamel sucht das Gespräch mit ihrem Vater. Sie glaubt jetzt zu wissen, daß ihn nur blinde Liebe zu seiner verstorbenen Gemahlin, ihrer Mutter, zum Pakt mit dem Sturmkönig getrieben hat, und will versuchen, ihn auf den Boden der Vernunft zurückzuführen.
Aber als die beiden den Hochhorst erreichen, ist das Grab leer. Wieder gerät Simon in das entsetzliche Labyrinth, das tief in der Erde unter dem Engelsturm liegt. Dort tauchen auch der verschollene Mönch Cadrach und die Unterirdischen wieder auf. Vor den Toren der Feste erscheint endlich Josuas Heer. Zusammen mit Binabik dringt auch Miriamel in die grausigen Gänge ein. Oben im Turm kommt es zur Konfrontation zwischen Elias, Pryrates dem Priester, Simon und Miriamel.
Es erweist sich, daß weder Elias noch König Johan noch Josua noch der alte Ritter Camaris das sind, was sie zu sein scheinen, und selbst hinter Simon steckt ein Geheimnis, von dem er nichts wusste. Auch die Rolle der drei Großen Schwerter, die nun endlich zusammenkommen, wie es der wahnsinnige Priester Nisses vor 500 Jahren geweissagt hat, ist eine ganz andere, als vermutet.

“Der literarisch qualitätsvollste Fantasy-Roman sein Jahren”
Brigitte

“Farbenprächtig und phantasievoll.”
BuchJournal

Tad Williams, 1957 in San José geboren, arbeitete nach dem Besuch der University of California in Berkeley als Journalist, Schriftsteller, Musiker, Illustrator und regelmäßiger Gastgeber einer Radio-Talkshow. Er ist Autor der Bestseller Traumjäger und Goldpfote, Der Drachenbeinthron, Der Abschiedsstein und Die Nornenkönigin.

REZENSION:

In diesem, letzten, Band spitzt sich der gesamte Zyklus in einer Art und Weise zu, das dem Leser die Luft zum Atmen wegbleibt. Dieser Band kettet den Leser an sich und man ist wie bei einer Droge gezwungen, noch mehr in sich aufzunehmen.
Fast unglaublich, wie ein Autor einen so umfangreichen Zyklus so überzeugend und abwechslungsreich zu erzählen weiß, ohne sich in insgesamt viertausend Seiten zu wiederholen oder zu langweilen.
Gäbe es den Herrn der Ringe nicht – Osten Ard wäre die Bibel der Fantasy!!

Dieser vierte Band hat nur einen Nachteil: Es ist der letzte!!
Jürgen Seibold

Tad Williams: Die Nornenkönigin (Zyklus von Osten Ard Band 3)

Originaltitel: To Green Angel Tower
Übersetzung: V.C. Harksen
c 1993 Tad Williams
deutsche Ausgabe: c 1994 S.Fischer Verlag GmbH, Frankfurt a.M.

COVER:

Die Suche nach dem letzten der drei Großen Schwerter beginnt. Uralte Schriften vermuten es im Grab des toten Königs Johan in den dunklen Katakomben unter dem Hochhorst…
Auf dem Abschiedsstein, dem uralten Schicksalsberg der Elben, sammeln sich die Streiter gegen den Sturmkönig. Prinz Josua Ohnehand ist ihr Anführer. Mit von der Partie sind der kleine, weise Troll Binabik mit seiner Wölfin Qantaqa, der kluge Graf Eolair, der Rimmersmann Sludig und sogar der Elfenprinz Jiriki mit seiner zauberschönen Schwester Aditu – und natürlich Simon, Ex-Küchenjunge, Elbenfreund und Mondkalb. Zuletzt trifft auch Prinzessin Miriamel ein. Sie alle haben unendliche Gefahren und Abenteuer bestanden, um diesen Zufluchtsort zu erreichen. Viele Male sind sie nur um Haaresbreite dem Tod entgangen.
Nun studieren sie mit verstärktem Eifer die Schriften des alten Magiers Morgenes. Immer deutlicher zeigt sich, daß der Schlüssel zu allen Geheimnissen im fernen Erkynland liegen muss, im Grab des toten Königs Johan und in den Katakomben unter dem Hochhorst. Heimlich entschließt sich Miriamel zu einem Alleingang. Simon, der sie liebt, folgt ihr. Nachts verlassen sie den Abschiedsstein, um das letzte der drei Großen Schwerter zu suchen.

“Endlich wieder ein erstklassiger Fantasy-Roman!”
Brigitte

“Farbenprächtig und phantasievoll.”
BuchJournal

“Ein Seitenfresser”
Rhein-Zeitung

Tad Williams, 1957 in San José geboren, arbeitete nach dem Besuch der University of California in Berkeley als Journalist, Schriftsteller, Musiker, Illustrator und regelmäßiger Gastgeber einer Radio-Talkshow. Er ist Autor der Bestseller Traumjäger und Goldpfote, Der Drachenbeinthron und Der Abschiedsstein.

REZENSION:

Im dritten Band beginnt die Suche nach dem letzten der drei Schwerter. Es sammeln sich die Streiter gegen den Sturmkönig. Mit von der Partie (neben Prinz Josua Ohnehand, der Troll Binabik, der Graf Eolair, der Rimmersmann Sludig, der Elfenprinz Jiriki und Prinzessin Miriamel) naürlich Simon, der sich mittlerweile vom tölpelhaften Küchenjungen zum ebenbürtigen Streiter gegen den Sturmkönig entwickelt hat.
Mittlerweile befindet man sich auf dem Weg zu Seite 3.000 und man befürchtet, daß dem Autor langsam die Ideen ausgehen müssten. Dem ist jedoch in keiner Weise so – Mir ist bisher noch keine Geschichte untergekommen, die trotz der Länge und Fülle noch immer zu überzeugen weiß und keinerlei Durststrecken beinhaltet. Ich muss nun abermals bei diesem dritten Band meinen Hut vor Tad Williams ziehen und kann schon gar nicht mehr das Öffnen des vierten Bandes erwarten…
Jürgen Seibold

Tad Williams: Der Abschiedsstein (Zyklus von Osten Ard Band 2)

Originaltitel: Stone of Farewell
Übersetzung: V.C. Harksen
c 1990 Tad Williams
deutsche Ausgabe: c 1993 S.Fischer Verlag GmbH, Frankfurt a.M.

COVER:

Über dem einst so schönen Land Osten Ard liegt düster drohend der Schatten des untoten Elbenprinzen Ineluki, der als Sturmkönig die Herrschaft der Elben in Osten Ard erneuern und, um altes Unrecht zu rächen, die Menschheit ausrotten will. Seine Verbündete ist die Nornenkönigin Utuk’ku, die ihre Jahrtausende hinter einer Silbermaske verbirgt. Auf dem Hochhorst, einst stolzem Mittelpunkt eines blühenden Reiches, herrschen Inelukis Kreaturen: der finstere Hochkönig Elias und sein unheimlicher Ratgeber, der scharlachrote Priester Pryrates, beide kaum noch menschlich. Durch hinterhältigen Mord und offenen Krieg haben sie den größten Teil des Landes in ihre Gewalt gebracht, unterstützt von Inelukis Kriegern, den bleichen Nornen, und einem grausamen Winter, der alle anderen Jahreszeiten verdrängt hat; Inelukis Zauberkraft hat ihn hervorgebracht.
Aber noch regt sich Widerstand in Osten Ard. Prinz Josua Ohnehand, der jüngere Bruder des Hochkönigs, hat die Zerstörung seiner Festung Naglimund überlebt und ein Häuflein Getreuer um sich geschart. Zu seinen Helfern zählt auch Simon Schneelocke, ein junger Mann von geheimnisvoller Herkunft, einst Küchenjunge auf dem Hochhorst, jetzt ein Verbannter. Er hat für Josua das Zauberschwert Dorn vom Drachenberg geholt. Auf dem gefahrvollen Rückweg nach Süden befreit er auf dem Berg Mintahoq seine Freunde Binabik und Sludig aus der Gefangenschaft der Trolle, entgeht mit knapper Not dem Mordanschlag der dämonischen Skodi und wird schließlich von Jiriki, dem Elbenprinzen, gerettet. In der verborgenen Stadt der Sithi verwirrt Jirikis Schwester Aditu seine Sinne. Aber noch hat Simon Miriamel nicht vergessen, Elias’ einzige Tochter, die als Novize verkleidet durchs Land irrt. Ihr Begleiter ist der undurchsichtige Mönch Cadrach, der nicht verhindern kann, daß die junge Prinzessin ihre Unschuld an den aalglatten Schönling Graf Aspitis verliert. An Josuas Seite wiederum kämpft die schöne, wilde Vara, ein Kind der Steppe, das für den einhändigen Prinzen Leben und Ehre aufs Spiel setzt.
Sie alle führt der Weg in die uralte Feste der Sithi auf dem Abschiedsstein, einem steilen Felsberg mitten im Grasland. Von dort aus beginnt der letzte Kampf um Osten Ard.

Tad Williams, 1957 in San José geboren, arbeitete nach dem Besuch der University of California in Berkeley als Journalist, Schriftsteller, Musiker, Illustrator und regelmäßiger Gastgeber einer Radio-Talkshow. Er ist Autor des Bestsellers “Traumjäger und Goldpfote”.

REZENSION:

Die zweiten knappen tausend Seiten des Osten Ard-Zyklusses gehen erheblich leichter von der Hand – dies liegt sicherlich daran, das man sich schon mit der Welt und dem jungen Simon Mondkalb (der mittlerweile zu Simon Schneelocke geworden ist) auseinandergesetzt hat und man von der Dichte, Spannung und dem Ideenreichtum des Autors schier gefesselt ist.
In diesem Zyklus gibt es so ziemlich alles, was einen guten Fantasyroman ausmacht – ohne jedoch nur zu kopieren. Im Gegenteil, Tad Williams erschafft eine eigene Welt voller Mythen, Völker, jedoch auch bekannter Figuren, wie Trolle oder Elben.
Mit dieser Fortsetzung fängt Williams schon an, am Thron des Fantasykönigs Tolkien zu kratzen….
Jürgen Seibold

Tad Williams: Der Drachenbeinthron (Zyklus von Osten Ard Band 1)

Originaltitel: The Dragonbone Chair
Übersetzung: V.C. Harksen
c 1988 Tad Williams
Deutsche Ausgabe: c 1991 S.Fischer Verlag GmbH, Frankfurt a.M.

COVER:

Dies ist die Geschichte von Simon Mondkalb und Ineluki Sturmkönig und von ihrer tödlichen Feindschaft im Lande Osten Ard.
Auf der uralten Feste Hochhorst wächst der rotschöpfige, wenig anstellige, aber ungemein wißbegierige Küchenjunge Simon auf. Von dem skurrilen, greisen Doktor Morgenes als Lehrling angenommen, lernt er Lesen, Schreiben und die Geschichte seines Landes.
Einst herrschten in Osten Ard die Sithi, ein Elbenvolk, bis aus dem hohen Norden die Menschen kamen und sie mit kaltem Eisen vertrieben. Nur mit Hilfe schwärzester Magie vermochte Ineluki, der Sohn des Elbenkönigs, einige wenige seines Volkes zu retten. Er selber gilt als tot.
Simon wird in die letzten Jahre der Regierung des siebten Königs seit jener großen Schlacht hineingeboren. Es ist der schon zu Lebzeiten sagenumwobene Johan Presbyter, der den Feuerdrachen Shurakai erschlug. Aus dessen Knochen ließ sich der König einen Thron aus Drachenbein bauen. Als Johan mit über hundert Jahren stirbt, hinterlässt er zwei Söhne; Elias, der ältere, wird neuer Hochkönig von Osten Ard. Er gerät immer mehr unter den Einfluß seines Ratgebers Pryrates, eines machtgierigen und skrupellosen Zauberpriesters. Aus Mißtrauen gegenüber seinem Bruder Josua schließt Elias zur Sicherheit seiner Herrschaft einen Bund mit den Nornen. Von diesen bleichen, schwarzverhüllten Wesen erhält der junge König das Schwert “Leid”, eines der drei magischen Schwerter von Osten Ard.
Ohne Elias’ Wissen hat Pryrates als Gegenleistung Josuas Leben versprochen. Der Prinz wird von ihm in einem der unterirdischen Verliese des Hochhorstes gefangengehalten. Durch Zufall entdeckt ihn dort der stets neugierige Simon und befreit ihn mit Morgenes’ Hilfe. Als Pryrates davon erfährt, muß auch Simon fliehen: In letzter Sekunde kann der Doktor ihn in einen Geheimgang schicken, dann setzt er sich und das Haus in Brand.
Der Fünfzehnjährige weiß, daß er jetzt auf sich allein gestellt ist, denn Pryrates fordert seinen Kopf. Von nun an kämpft Simon um sein Leben – und um Osten Ard.

Tad Williams, 1957 in San José geboren, arbeitet nach dem Besuch der University of California in Berkeley als Journalist, Schriftsteller, Musiker, Illustrator und regelmäßiger Gastgeber einer Radio-Talkshow. Er ist Autor des Bestsellers “Traumjäger und Goldpfote”.

REZENSION:

„Geheimnis und Abenteuer in einer Welt voller Zauber und Magie“ – dieser auf dem Buchrücken stehende Satz schreckte mich ein bisschen ab, da er doch ein wenig kitschig klingt.
Ich wagte mich trotzdem in dieses nahezu tausendseitige Buch und wurde glücklicherweise nicht enttäuscht.
Tad Williams beginnt in diesem Band einen insgesamt etwas viertausendseitigen Zyklus über Simon Mondkalb und seinem Weg zur Rettung von Osten Ard.
„Der Drachenbeinthron“ beginnt recht zaghaft und man hat leichte Probleme in diesen sehr dicht gewebten Stoff einzutauchen. Man lernt jedoch recht schnell diesen jungen, anfangs noch recht tölpelhaften Simon zu lieben und Williams schafft es spielerisch das man sich als Leser, nach dem vollständigen hineintauchen in diese fremde Welt, mit Simon Mondkalb identifiziert und ihn auf seinem weiteren Weg durch Osten Ard begleitet. Simon erlebt in diesem Band die unwahrscheinlichsten Abenteuer in einer Welt, die sich in ihrer Dichte nicht vor den anderen Größen der Fantasy wie zum Beispiel Tolkiens Mittelerde zu verstecken braucht.
Nach dem vollständigen Eintauchen in diese Geschichte, was anfangs ein wenig dauert, schmelzen die tausend Seiten einfach dahin und es gibt sicherlich niemanden, der danach nicht automatisch den zweiten Band zur Hand nimmt, um Simon auf seiner beschwerlichen Reise weiter zu begleiten….
Jürgen Seibold

Jo Walton: Der Clan der Klauen

Originaltitel: Tooth and Claw
Übersetzung: Andreas Decker
Deutsche Erstausgabe / November 2005 / c 2003 Jo Walton
c der deutschsprachigen Ausgabe: 2005 Piper Verlag GmbH, München
ca. 375 Seiten

COVER:

In einem viktorianischen Zeitalter voller religiöser Ränkespiele und dunkler Intrigen: Als der Drache Bon Agornin stirbt, versammelt sich die Familie um das Sterbebett. In seinem Testament hat Agornin das Vermögen seinen Nachkommen zu gleichen Teilen hinterlassen, was bedeutet, daß jedem der Kinder ein gleichgroßer Teil seiner Leiche zusteht. Doch auch de machthungrige Daverak ist zugegen, als Agornin stirbt. Er schert sich nicht um das Testament und beißt den größten Teil der Leiche für sich ab. Denn das gegenseitige Fressen verschafft Größe und Macht in der Gesellschaft. Da wagt Agornins Sohn Avan das Undenkbare: Er zerrt den mächtigen Daverak vor Gericht und stürzt sich und seine Familie in größte Not. Denn seine Schwester gerät in die Klauen des skrupellosen Drachen… Ein einzigartiger, warmherziger und humorvoller Roman über die ganz unbekannte Seite der legendärsten Geschöpfe der Fantasy.

Jo Walton, geboren 1964 in Wales, gewann 2002 den John W. Campbell Award als beste neue Autorin. Ihr Roman “Der Clan der Klauen” wird von Kritikern und Lesern als originellstes Fantasy-Werk der letzten Jahre gefeiert und wurde 2004 mit dem World Fantasy Award ausgezeichnet, einem der wichtigsten Preise des Genres. Jo Walton lebt heute in Montreal.

REZENSION:

Jo Walton’s Roman “Der Clan der Klauen” wartet mit einer grundsätzlich sehr guten Idee auf: Seine Hauptdarsteller sind durchweg Drachen.
Durch solche Werke kann man als Leser meistens in komplett fremde Arten, Lebewesen und Lebeweisen eintauchen und den eigenen Alltag für einige Stunden als vergessen betrachten.
Jo Walton schafft dies leider nicht, da er vielmehr einen viktorianischen Roman kreiert hat, der uns zwar geschickt das Leben der damaligen Zeit vor die Augen führt und dabei auch zu überzeugen wüsste – leider wirkt dies alles nicht durch die ledigliche Änderung der Protagonisten von Menschen in Drachen. Dieses Buch würde seine Überzeugungskraft und eventuell auch seine Botschaft mit den integrierten Intrigen, Heiratsplänen, etc. viel stärker durch eine “normale” Ablichtung im viktorianischen Zeitalter unter Zuhilfenahme von Menschen darlegen können.
Fantasy- und Drachenliebhaber werden aber leider bei der Lektüre dieses Buches enttäuscht sein, da diese sicherlich erheblich mehr erwarten als ein simples Austauschen einer Art in eine andere.
Jürgen Seibold/06.01.2007

J. R. R. Tolkien: Der Herr der Ringe

Klett Cotta
Die Originalausgabe erschien 1954 und 1955 unter dem Titel “The Lord of the Rings”
c 1966 by George Allen & Unwin Ltd., London
Aus dem Englischen übersetzt von Margaret Carroux
c J.G. Cotta’sche Buchhandlung Nachfolger GmbH, Stuttgart 1991 (Vierte Auflage 1994)
Vorliegendes Bild: Zur Zeit erhältliche Variante der Carroux-Übersetzung.

COVER:

”Shakespeare schuf Charaktere und Entwicklungen, Tolkien dagegen Welten und Mythen.”
W.H. Auden

Das legendäre Rote Buch der Westmark ist längst verschollen, und nur Teile davon existieren in verschiedenen späteren Abschriften. Eigentlich war es Bilbos Tagebuch, das er nach Bruchtal mitnahm und das später Frodo zusammen mit eigenen Notizen ins Auenland zurückbrachte. Diese Fragmente und Anhänge, vor allem die Hobbits betreffend, und dazu einzelne Lieder und Gedichte, die häufig an den Rand der Manuskriptseiten gekritzelt waren, sind die wichtigsten Quellen für die Geschichte des Ringkriegs.
Tolkien spielt mit diesen fiktiven Quellenverweisen, gibt vor, sein epischer Roman einer Abenteuerreise vierer Hobbits ins Land des Bösen sei ein historischer Bericht. So wird Mittelerde ein reales Land. Seine Grenzen sind im Norden die Eisenberge, das Graue Gebirge und die Eisbucht von Frochel; dahinter liegt nur noch die nördliche Wüste. Ganz im Süden ist Haradwaith, das Land eines dunklen und wilden Volkes; im Westen ist das Meer, und weit über das Meer ist das unsterbliche Land von Westernis, woher die altvorderen Völker kamen und wohin sie alle zurückkehren werden. Im Osten liegt Mordor, und das war immer ein böses und verlorenes Land.
Die Tolkien-Rezeption heute und vor fast 25 Jahren, als der Herr der Ringe zum erstenmal in deutscher Übersetzung erschien, hat sich gewandelt. War der Roman anfangs Aussteigerlektüre einer studentenbewegten Zeit, ist er heute die Grundlage für eine neue Art der Kreativität: In den Landschaften, den Wäldern, Burgen und Dörfern von Mittelerde tummeln sich neuerdings junge Leute, die in die Rolle Frodos oder Sams oder Merrys schlüpfen und eigene Abenteuer bestehen. Dieses Phänomen des Rollenspiels hat Anke Doberauer, Absolventin der Meisterklasse für Bildende Kunst in Braunschweig, fasziniert. Sie hatte die Idee, sich von Mitgliedern verschiedener Fantasy-Clubs Szenen aus dem Ringkrieg vorspielen zu lassen, photographierte diese und malte sie dann. Das Pathos der Gesten und die schrille Kostümierung zeigen den Einfluß herkömmlicher “Fantasy”-Illustrationen. Beides hat die Künstlerin in ihrer malerischen Umsetzung vollends auf die Spitze getrieben. So findet Trivialisierung von Tolkiens grandiosem Werk durch lapidare Rollenspiel-Anleitungen, durch Verkitschungen und Verengungen ein ironisches Echo in den hochkünstlerischen Figurentafeln.

Rezension:

Über dieses Buch wollte ich eigentlich absolut gar nichts schreiben, da mittlerweile mit Sicherheit schon mehr als genug darüber geschrieben wurde.
Nachdem ich aber nach mittlerweile zehn Jahren (und im Zuge des sehr erfolgreichen Films) dieses Buch zum zweiten Mal “erforscht” habe, werde ich nun doch noch meinen (kurzen) Beitrag dazu abliefern.
Der Herr der Ringe ist schon immer der Übervater aller Fantasygeschichten. Was beim Hobbit noch leicht beginnt, findet in diesem Epos eine ungeheure Dichte und Vielfalt, die seinesgleichen sucht.
Die zur Zeit von allen gesehene Verfilmung wird dem Buch nur teilweise gerecht – was aber daran liegt, das so ein Werk schlichtweg in seiner gesamten Komplexität nicht zu verfilmen ist. (Der Film ist trotzdem genial).
Das Buch ist ja in der letzten Zeit sehr oft verkauft worden – was mit Sicherheit am Film liegt – jedoch bin ich der Meinung, daß Leute die ungern lesen damit sicherlich überfordert sind. Viele werden ein schlichtes Fantasywerk erwarten und werden dann von diesem epochalem Werk erschlagen. Nichts desto trotz handelt es sich bei diesem Buch noch immer um die Bibel der Fantasy und wird mit großer Warscheinlichkeit auch so bald nicht mehr erreicht werden.
Mehr sei dazu nicht gesagt.
Jürgen Seibold/02.05.04

Sean Stewart: Der Schwarze Dolch

Originaltitel: Nobody’s Son, Ace Books / Berkley Publ. Group, New York 1995
Übersetzung: Hannes Riffel
c der deutschsprachigen Ausgabe: 2000 Argument Verlag, Hamburg
ungekürzte Taschenbuchausgabe Piper Verlag GmbH, München
Februar 2005

COVER:

Zu diesem Buch:
Seit vielen Jahrhunderten belegt die sagenumwobene Rote Festung inmitten des Gespensterwaldes das Land mit einem Bann. Eine fürstliche Belohnung winkt dem Helden, der den Wald durchquert und den grausamen Bann bricht. Beherzt macht sich der junge Tagelöhner Mark auf den Weg, und mit Mut und Verstand gelingt ihm, woran unzählige Männer vor ihm gescheitert sind. Der König beschenkt ihn mit Ländereien und gibt ihm seine Tochter zur Frau. Doch die schöne Prinzessin hat ihre eigenen Vorstellungen vom Leben, und Marks Heldentat ruft zudem uralte Geister auf den Plan, die plündern durch das Land streifen. Diesmal lassen sich seine Widersacher nicht so leicht besiegen…

Sean Stewart, 1965 in Texas geboren, gilt als eine der originellsten Stimmen des Magischen Realismus – als angloamerikanisches Pendant zu Gabriel García Márquez. Seine Romane wurden mehrfach mit begehrten Genre-Preisen ausgezeichnet, unter anderem mit dem Arthur Ellis Award, dem Sunburst Award und dem World Fantasy Award. Sean Stewart lebt mit seiner Frau und zwei Töchtern in Davis, Kalifornien. Zuletzt erschien von ihm auf deutsch “Hexensturm”.

REZENSION:

“Der Schwarze Dolch” von Sean Stewart handelt von dem jungen Tagelöhner Mark, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, das Land von dem Bann der Roten Festung inmitten des Gespensterwaldes zu befreien. An dieser Aufgabe scheiterten vor ihm bereits viele berühmte und namhafte Ritter und Edelleute. Er macht sich trotzdem auf den Weg und schafft, was den anderen verwehrt blieb.
Als Dank für diese Befreiung erhielt er einen freien Wunsch seines Königs und wünscht sich dabei frecherweise die Hand der jüngsten Tochter des Königs. Nachdem natürlich nur ein Edelmann eine Königstochter ehelichen darf, erhält er somit ganz nebenbei einen Titel und großzügige Ländereien am Rand des Gespensterwaldes.
Nun entpuppt sich jedoch seine Heldentat als Fluch, da damit uralte Geister geweckt wurden und dem Land neue Gefahren aufdrängen. Nicht nur, daß er als vermeintlicher Held von den Bürgern und vom königlichen Hof zur erneuten Rettung aufgefordert wird, hat er auch noch erhebliche Probleme mit seiner Frau, der Prinzessin. Denn wie sich zeigt, besitzt sie einen sehr starken, eigenen Kopf und möchte vieles anders erleben als er es sich vorgestellt hat…
Sean Stewart schuf hiermit einen Fantasy-Roman, der die Rahmenhandlung eines Märchens hat und dieses mit unglaublich viel Witz und Ironie erzählt.
Von Seite zu Seite steigert sich der Spaß an der Darstellung der Eigenheiten von Edelleuten und der allgemeinen höfischen Gesellschaft mit ihren Intrigen und Verrücktheiten. Ebenso erfreulich ist das Zusammenprallen Marks mit der Prinzessin, welche sich fast immer und mit einer typisch weiblichen Leichtigkeit durchzusetzen weiß.
Hinzu kommen die offenbarten Gedanken Marks, der sich selbst weder als Held betrachtet, noch glaubt, jemals das Leben am Hofe zu verstehen und zu durchschauen.
Somit entstand ein schöner, märchenhaft anmutender Roman, der zu überzeugen weiß und ganz nebenbei zeigt, das man als “kleines Licht” viel menschlicher ist und sein kann, als die hochnäsigen “Oberen” der Gesellschaft.
JS/04.03.05

Andreas Steinhöfel: Der mechanische Prinz

Piper Verlag GmbH, München – Februar 2005
c 2003 Carlsen Verlag GmbH, Hamburg

COVER:

Zu diesem Buch:
Auf die Frage, was mit seinem Leben nicht in Ordnung sei, würde Max antworten, er sei der egalste Junge der Welt. Er ist elf Jahre alt und nicht nur das egalste Kind der Welt, sondern auch das traurigste und sprachloseste. Da er kaum Freunde hat und seine Eltern immer nur streiten, verbringt Max unzählige Stunden damit, U-Bahn zu fahren und durch Berlin zu streifen. Eines Morgens macht ihm ein einarmiger Bettler ein unglaubliches Geschenk – ein goldenes Ticket. “Gute Fahrt. Und hüte dich vor dem mechanischen Prinzen”, wünscht der Bettler. Max steigt in den nächsten Zug und gelangt an einen unbekannten Ort. Er ahnt, dass sich hier, in den Refugien, ein neues, besseres Leben für ihn auftun kann, und steigt aus. Doch der Bettler hat ihn nicht ohne Grund vor dem mechanischen Prinzen gewarnt …
Nach seinem preisgekrönten Roman “Die Mitte der Welt” gelingt es Steinhöfel meisterhaft, so unterschiedliche Genres wie Fantasy-, Abenteuer- und Entwicklungsroman zu einer Geschichte zu verweben, die vor Überraschungen nur so birst.

Andreas Steinhöfel, 1962 geboren, studierte Anglistik, Amerikanistik und Medienwissenschaften. Heute arbeitet er als freier Autor und Übersetzer, schreibt Drehbücher und rezensiert Jugendliteratur für die Frankfurter Allgemeine Zeitung und für Die Zeit. Seine zahlreichen Kinder- und Jugendbücher wurden mehrfach mit preisen ausgezeichnet.

REZENSION:

Max ist elf Jahre alt und lebt, wie wohl leider sehr viele Kinder dieser Welt, von seinen Eltern nahezu unbeachtet vor sich hin. Um diesem Egalsein und der Traurigkeit zumindest zeitweise zu  entfliehen, fährt er U-Bahn und erkundet Berlin.
Nachdem er eines Tages von einem einarmigen Bettler ein goldenes Ticket erhält, öffnet sich ihm eine gänzlich neue Welt.
Hierin muß er mehrere Refugien durchschreiten um sich am Ende den Prüfungen des mechanischen Prinzen zu stellen…
Andreas Steinhöfel schrieb mit “Der mechanische Prinz” einen Fantasy-Roman, der sprachlich eher als Jugendliteratur eingestuft werden müsste.
Dies würde diesem Werk jedoch nur einerseits gerecht werden.
Und zwar, in dem es allen Kindern und Jugendlichen helfen kann, dem Egalsein und der Traurigkeit ihres Lebens zumindest für eine gewisse Zeit zu entfliehen.
Nichtsdestotrotz sollte dieses Buch von allen Erwachsenen gelesen werden, die sich noch gut an ihre eigene Kindheit erinnern und somit mit Leichtigkeit in dieser Geschichte versinken können.
Als letztes sollte dieses Buch von allen Eltern gelesen werden, die ihre Kinder nicht beachten und somit erhebliche Schuld an deren Traurigkeit und dem empfundenen “Egalsein” tragen.
Wenn noch nicht alle Hoffnung verloren ist, könnte diese Erzählung dem ein oder anderen die Augen öffnen.
Als Fazit sei noch soviel gesagt:
Ich bin sehr abgebrüht, was Bücher betrifft. Ich lese blutrünstigen Horror genauso wie fantastische Werke mit Schwertkämpfern, Drachen und Orks. Niemals jedoch hat es ein Buch geschafft, mich soweit zu bringen:
Am Ende, als Max endlich erheblich selbstbewusster durchs Leben ging, wurden meine Augen feucht und ich hatte sichtlich Mühe, meine Tränen zurückzuhalten.
JS/04.03.05

Andrzej Sapkowski: Die Zeit der Verachtung

Originaltitel: Czas pogardy
Aus dem Polnischen von Erik Simon
Deutsche Erstausgabe Juni 2009
c 1995 Andrzej Sapkowski
c 2009 der deutschsprachigen Ausgabe: Deutscher Taschenbuch Verlag GmbH & Co. KG, München
Ca. 397 Seiten / € 14,90

COVER:

„Die Gefahr –die Gefahr ist leise. Du wirst sie nicht hören, wenn sie auf grauen Federn geflogen kommt…“
Krieg kündigt sich an. Ein Konvent der Zauberer soll klären, wie sie sich in dem bevorstehenden Konflikt verhalten werden. Am Vorabend der Besprechungen sieht sich Geralt, der Hexer, einem Dickicht undurchsichtiger Intrigen und Bündnisse gegenüber. Mit Mühe schafft er es, sich selbst aus allen Allianzen herauszuhalten. Doch Freunde macht er sich damit nicht. Und auf welcher Seite steht eigentlich Yennefer, die immer noch geliebte Zauberin? – Der undurchsichtige Rience, Geralts alter Gegenspieler, verfolgt Ciri, die Prinzessin von Cintra, die unter Geralts Schutz steht. Es kommt zu einer blutigen Konfrontation. Ciri gelingt die Flucht, doch dann findet sie sich in einer entsetzlichen, wasserlosen Wüste wieder. Ein verirrtes Einhorn ist ihr einziger Gefährte…

Der zweite Roman der Hexer-Saga

REZENSION:

Nachdem die Nilfgaarder Armee ihre Heimat überfallen hat, ist die Prinzessin Ciri Waise und wird als Thronerbin von Cintra von Fürsten, Königen, Elfen und Zauberern gejagt. Alle wollen sich ihrer bemächtigen und sie für ihre Zwecke benutzen. Geralt und Yennefer versuchen alles, um Ciri zu beschützen.
Während Geralt dafür Advokaten zweifelhaften Rufes beschäftigt, möchte Yennefer Ciri zur Zauberin ausbilden lassen und bringt sie auf die Zauberer-Insel Thanedd zur Akademie Aretusa.
Dort geraten Geralt, Yennefer und Ciri zwischen die Fronten, als die Zauberer einen Aufstand anzetteln. Geralt wird schwer verletzt, Yennefer verschwindet spurlos und Ciri wird durch ein Portal in eine ihr unbekannte Wüste teleportiert.
Der vierte Teil der Geralt-Saga hat zwar etwas an Schwung und Wortwitz verloren, ist aber dennoch spannend von der ersten bis zur letzten Seite.
Andrej Sapkowski verliert sich leider teilweise etwas in Einzelheiten, der Gala-Abend der Zauberer und die anschließende Revolte werden dadurch etwas langatmig. Dennoch bleibt Geralt der von den Zauberern mit Argwohn betrachtete Hexer, Ungeheuer-Jäger und Kämpfer, der mit seinen derben Sprüchen beim Leser viele Sympathien erntet, weil er so „normal“ ist und sich nicht die Intrigen der Zauberer verwickeln lassen will, sondern dem das Wohl von Ciri und Yennefer am Herzen liegt.
Diana Becker, August 2009

Andrzej Sapkowski: Das Schwert der Vorsehung

Originaltitel: Miecz przeznaczenia
Aus dem Polnischen von Erik Simon
Ungekürzte Ausgabe Juni 2008
c 1992 Andrzej Sapkowski
c 2008 der deutschsprachigen Ausgabe: Deutscher Taschenbuch Verlag GmbH & Co. KG, München
ca. 461 Seiten / € 8,95

COVER:

”Was soll man von dir halten – ein Hexer, der jeden zweiten Tag ein einträgliches Angebot ausschlägt? Die  Hirikka tötest du nicht, weil die am Aussterben sind, den Streitling nicht, weil er unschädlich ist, die Nächtin nicht, weil sie nett ist, den Drachen nicht, weil’s der Kodex verbietet….”
Der Hexer Geralt von Riva verdient seinen Lebensunterhalt recht und schlecht mit dem Beseitigen von allerlei Ungeheuern. Nicht selten begegnen ihm die Leute, die ihn anheuern, mit tiefem Argwohn. Doch damit kann er leben. Obwohl es sein Ehrenkodex eigentlich verbietet, schließt er sich einer Gruppe von Drachenjägern an – denn die Zauberin Yennefer, seine verlorengeglaubte Geliebte, ist unter ihnen. Aber die Interessen der Jäger sind zu unterschiedlich: Es beginnt ein Kampf jeder gegen jeden. Und ganz allmählich wird eine Bedrohung der festgefügten Ordnung spürbar…

REZENSION:

Geralt von Riva ist Hexer und besitzt übermenschliche Fähigkeiten – was die meisten Leute mit Argwohn und Missfallen betrachten. Er verdingt sich als Ungeheuer-Jäger; leider hat er jedoch ein zu weiches Herz: jeden zweiten Auftrag schlägt er aus, weil die Ungeheuer zu klug sind, vom Aussterben bedroht oder ihm einfach nur leid tun. Dabei ist seine Art der Lösung nicht immer das, was der Auftraggeber von Geralt erwartet.

Sein Herz gehört der schönen Zauberin Yennefer, sein bester Freund ist Troubadour und gerät immer wieder in Schwierigkeiten. Letzten Endes ist es ein 11-jähriges rotznasiges Kind, das ihm klar macht, was wirklich wichtig ist.

Ein wunderbares Buch, Geralt von Riva schlägt sich mit skurrilen Dialogen, Wortwitz (ich vermute, im polnischen Original ist es noch besser …) und irrwitziger Situationskomik durch sechs in sich abgeschlossene Episoden, die jedoch aufeinander aufbauen. Dabei steht meist die Moral von so genannten „vernunftbegabten“ Wesen im Vordergrund, die mit viel Sarkasmus und Zynismus aufs Korn genommen wird.

Das letzte Kapitel steht ein wenig gesondert. Hier vermischen sich Traum und Erinnerungen von Geralt zu einem surrealen Kauderwelsch, das für sich allein betrachtet keinen Sinn macht.

Leider fehlt es im zweiten Band ein wenig an Hintergrundinformationen, die vermutlich im ersten Teil ausführlich dargestellt wurden, so dass es anfangs etwas mühsam zu lesen ist, gewinnt aber mehr und mehr an Schwung.
Diana Becker, August 2009

Andrzej Sapkowski: Das Erbe der Elfen

Originaltitel: Krew elfów
Übersetzung: Erik Simon
Deutsche Erstausgabe Dezember 2008
Deutscher Taschenbuch Verlag GmbH & Co. KG, München
c 1994 Andrzej Sapkowski
c 2008 der deutschsprachigen Ausgabe: Deutscher Taschenbuch Verlag GmbH & Co. KG, München
ca. 380 Seiten / € 24,90

COVER:

”Wer ist dieses Kind? Wer ist dieses Mädchen?”
“Sie ist…” Geralt stockte. Das Mädchen fühlte seine kräftigen Hände auf den Schultern. Und plötzlich war die Furcht weg. “Sie ist unsere Vorherbestimmung.”

Seit dem blutigen Überfall auf Cintra ist die Erbin des Reiches verschollen. Es gehen Gerüchte um, dass sie nicht tot ist, sondern von Geralt, dem Hexer, entführt und an einen entlegenen Ort gebracht wurde… In dem fast verwaisten Stammsitz der Hexer soll sie in den geheimen Künsten ausgebildet werden. Schon bald zeigt sich, dass sie großes magisches Potential besitzt. Dann aber wird sie immer öfter zum Medium einer geheimnisvollen Macht, die allen in ihrer Umgebung ein böses Ende voraussagt…

Der erste Roman der Hexer-Pentalogie.

REZENSION:

“Das Erbe der Elfen” führt uns in die klassische Fantasy mit Hexern und Zauberern. Diese werden aber nicht kindisch als “Zauberspruchklopfer” dargestellt, sondern als fast ganz normale Personen, die ihre Rolle gemäß ihrer Bestimmung zu spielen haben.
Hinzu kommt ein junges Mädchen, die durch ihre Vorherbestimmung eine sehr wichtige Rolle im Dunstkreis des Hexerzirkels zu spielen hat.
In diesem Bereich spielt Sapkowski sehr schön mit einer gehörigen Portion Witz in dem er den Leser die Problematik von einigen “alten Knackern” erkennen lässt, die sich um ein junges Mädchen zu kümmern haben und selbst so natürlich Vorgänge wie z.B. die erste Periode Ciris von ihnen nicht erkannt wird. Erst eine weibliche Zauberin kann die Hexer zur umsichtigen Vorgehensweise überzeugen und übernimmt die Rolle der Betreuerin selbst.
Dieser Witz ist das positive am vorliegenden Roman. Leider versteckt er sich manchmal sehr gut und klopft nicht so direkt an, wie bei so manch anderem Fantasyroman.
Sapkowski verliert sich vielmehr ein wenig zu stark in den Diskussionen der beteiligten Personen, was sich zwar einerseits relativ interessant lesen lässt – andererseits aber durch die fehlende Spannung zu Ermüdung führt.
Sicherlich kann es auch daran liegen, dass “Das Erbe der Elfen” der erste Band einer ganzen Reihe ist und sich die Geschichte erst in der ENtwicklung befindet. Nichts desto trotz habe ich ein Problem damit, wenn ich bei einem knapp 400seitigen Werk nach der Hälfte immer noch keine fesselnden Vorgänge aufgetreten sind.
Literarisch bleibt Sapkowski auf seinem gewohnt hohem Niveau und weiß inhaltlich gut zu überzeugen. Wenn sich die Geschichte nun noch in eine spannendere Richtung entwickelt, wird daraus sicherlich eine kultige Reihe um eine neue Hexergestalt im Fantasysektor. Losgelöst betrachtet habe ich aber ein Problem, den vorliegenden Band bereits zu loben, da sich der Autor leider sehr stark bei den langatmigen Themen aufhält und nicht in abwechslungsreichere Gefilde abdriftet.
Jürgen Seibold/01.11.2008

Stephan M. Rother: Der Stein des Raben

Originalausgabe März 2010
c 2010 cbj Verlag, München
ca. 256 Seiten / € 9,95

COVER:

Fischerjunge Skagen hat den sehnlichen Wunsch, ein großer Barde zu werden! Auf unerwartete Weise kommt er seinem Traum näher, als er mithilfe der Zauberin Ormuz in den Besitz des geheimnisvollen Rabensteins gelangt – um fortan am königlichen Hof von Ehrengrund als bewunderter Sänger zu leben. Doch dann wird seine Heimat von wilden Trollen überfallen und verwüstet. Nur die Magie des Rabensteins kann sie noch aufhalten …

REZENSION:

Es ist erstaunlich, wie schnell man erneut von einem Autor hören bzw. was lesen kann. Nicht mehr als gefühlte fünf Minuten ist es her, als ich den genialen Thriller „Die letzte Offenbarung“ in den Händen halten durfte – nun erreicht mit ein neues Werk des Autoren mit dem Titel „Der Stein des Raben“.
Wie man bereits an der Aufmachung und natürlich dem Titel entnehmen kann, scheint es sich um ein Fantasybuch zu handeln – wie kann man nur so schnell „umschalten“ und vom Thrillerautor zu einem durchweg anderen Genre wechseln? Naja, bisher gefiel mir so gut wie jedes Buch des Magisters Rother und somit nehme ich die Lektüre dieses vornehmlich für Jugendliche gedachte Buch auf.
Der Stein des Raben handelt von dem Fischerjungen Skagen, der nichts lieber als ein berühmter Barde werden möchte. Mit Hilfe eines magischen Steins gelingt ihm dies auch und er wird mehr und mehr zu einem Popstar in einer Zeit und Welt, die sehr dem uns bekannten Mittelalter ähnelt. Was wäre jedoch die Geschichte, wenn sich der Held nun lediglich auf Tournee begibt und manch Mädchenherzen erobern würde – nein, wir befinden uns natürlich im Genre der Märchen und Fantasy und somit entwickeln vermeintlich helfende Kräfte sehr gerne ein Eigenleben, die zum Fluch werden.
Durch diese Erfahrung wird reift die Figur des Skagen enorm und man hat das Gefühl, ihm beim Erwachsenwerden zu zuschauen – er erkennt, das sich sein Traum nicht nur mit Hilfe von Magie erreichen lässt, sondern dass die Kraft in einem selbst steckt.
Somit ist „Der Stein des Raben“ nicht nur ein fantastischer Roman, sondern auch ein Märchen, welches wunderbar als Parabel funktioniert und sich auch die Zielgruppe der 10/12-jährigen gut wieder findet. Nichts desto trotz wirkt die Geschichte auch bei Erwachsenen und sie lässt sehr auf weitere Bände hoffen.
Erneut ein sehr gelungenes Buch eines Autoren, den man nicht vergessen sollte. Ich denke, ich werde dieses Buch in das Zimmer meiner Tochter stellen, bis sie alt genug für die Lektüre ist – sie wird es sicherlich nicht bereuen.
Jürgen Seibold/18.05.2010

Philip Pullman: Das magische Messer

Carlsen Verlag GmbH
© deutsche Ausgabe 2003

COVER:

Zehn Jahre ist es her, dass Wills Vater bei einer Polarexpedition verschwand. Jetzt plötzlich interessieren sich zwielichtige Gestalten für den Forscher – und für Will. Doch der Junge findet durch Zufall das perfekte Versteck: eine andere Welt. Hier begegnet er Lyra, die wie er einem großen Geheimnis auf der Spur ist. Gemeinsam geraten die Kinder in einen erbitterten Kampf, bei dem die Zukunft ihrer Welten auf dem Spiel steht …

Mehr von Will und Lyra in „Der Goldene Kompass“ und „Das Bernstein-Teleskop“

REZENSION:

Der zweite Teil der Trilogie ist ebenso spannend von der ersten bis zur letzten Seite, genau wie „Der Goldene Kompass“. Philip Pullman beschreibt in liebevoll gestalteten Einzelheiten völlig neue Welten und beweist, dass Physik, Religion und Fantasy gar nicht so weit auseinander liegen.

Die Welt, in der sich Will und Lyra treffen, ist so völlig anders, als sie es sich vorstellen können. Auch hier treffen sie dubiose Gestalten, auch hier wissen sie nicht, wem sie trauen können und wem nicht. Sie finden weitere „Fenster“ in andere Welten und treffen auf Personen, die offensichtlich zwischen den Welten reisen können.

„Das Magische Messer“ ist deutlich kürzer als der 1. Teil, fast schon zu kurz – man hätte sicher auch den 2. und 3. Teil zusammenfassen können. Dennoch macht es Lust auf mehr von Philip Pullman.
Diana Becker, August 2009

Philip Pullman: Der goldene Kompass

Heyne Taschenbuch
© deutsche Ausgabe 2007

COVER:

Der Auftakt der sagenhaften Fantasy-Trilogie

In einer Welt, die der unseren sehr ähnlich ist, lebt das Mädchen Lyra, das an einem College aufwächst. Als immer wieder Kinder aus der Gegend verschwinden, machen grässliche Geschichten die Runde. Bis sich Lyra entschließt, sich auf die Suche nach den verschollenen Freunden zu machen. Hinter dem Polarlicht betritt sie eine unbekannte, märchenhafte Welt.

New Line („Der Herr der Ringe“) verfilmte die preisgekrönte Fantasy-Trilogie mit Nicole Kidman, Daniel Craig und Eva Green in den Hauptrollen.

„Diese packende, fesselnde Fantasy-Geschichte lässt nicht wieder los!“ Welt am Sonntag

REZENSION:

Lyra wächst elternlos in einem College in Oxford auf. Einzig ihr Onkel Lord Asrael scheint sich für sie zu interessieren. Lord Asrael erforscht ein seltsames Phänomen, das Kinder von Erwachsenen unterscheidet. Gleichzeitig verschwinden Kinder aus Oxford auf rätselhafte Weise. Lyra beschließt, beides zu untersuchen und gerät in der Arktis in Fänge der „Gobbler“, ein Geheimbund der Kirche, der Kinder für Experimente missbraucht.
Spannende Fantasy in einer Welt, die unseren auf den ersten Blick ähnlich zu sein scheint, aber doch völlig anders ist. Dabei trifft Lyra immer wieder auf seltsame Gestalten, findet Freunde, wo sie sie nicht erwartet hat und stellt fest, dass die Menschen oft nur ihre eigenen Interessen verfolgen und dabei notfalls über Leichen gehen.
Der Kommentar von der „Welt am Sonntag“ ist völlig treffend, einmal angefangen, kann man den „Goldenen Kompass“ nicht mehr weg legen. Das Buch schreit förmlich danach, sich den 2. und 3. Teil gleich auch noch zu kaufen.
Erfrischend ist vor allem, dass Philip Pullman aus der Sicht von Lyra schreibt. Auch als kluges Kind ist ihr vieles ein Rätsel, was für Erwachsene völlig selbstverständlich ist. Die Erwachsenen behandeln sie oft als „nerviges Dummchen“, das sie aber nicht ist und es sich und der Welt auch beweisen will.
Alle Charaktere werden in bunten Farben beschrieben, jeder hat seine „Ecken und Kanten“, niemand lässt wirklich erkennen, wer wo steht, auch Lyra selbst hat Fehler und Schwächen. Gerade das macht alle Personen so sympathisch, auch wenn sie eigentlich zu den „Bösen“ gehören, andererseits sind die „Guten“ oft auch nicht besser.
Diana Becker, August 2009

Sally Prue: Elfenhauch

Originaltitel: Cold Tom
Übersetzung: Ute Mihr
Deutsche Erstausgabe September 2006
Deutscher Taschenbuch Verlag GmbH & Co. KG, München
c Sally Prue 2001
c der deutschsprachigen Ausgabe: Carl Hanser Verlag München Wien
ca. 189 Seiten / 7,50 €

COVER:

Tom ist anders, anders als die anderen seines Volkes. Er ist nicht schnell genug, nicht leise genug, er hört und sieht nicht so gut wie sie. Und er sieht auch ein wenig anders aus. Er sei wie Edrin, sagen die Elfen, und Edrin war eine Gefahr für die anderen. Also haben sie sie getötet.
Aus Angst flieht Tom in die Stadt der Dämonen und findet Unterschlupf in einem Gartenhäuschen. Nur dumm, dass manchmal eines der Dämonenwesen dorthin kommt und ihn schließlich entdeckt. Es heißt Anna und es hat einen feindseligen Bruder. Zum Glück nimmt die Nachbarin Edie Mackintosh Tom zu sich.
Bald macht sich ein unheimlicher Gedanke in Toms Kopf breit: Ist er vielleicht ein bisschen wie die Dämonen? Und ist Edie vielleicht ein bisschen wie er selbst?

Sally Prue dachte sich bereits als Teenager Geschichten aus. Aber immer, wenn sie sie in der Schule aufschreiben sollte, kam nur eine große Unordnung dabei heraus. Also nahm sie wie fast ihre ganze Familie eine Stelle in der nahen Papierfabrik an und heiratete schließlich den Mann, der ihr dort gegenübersaß. Mit ihm und ihren zwei Töchtern lebt sie heute in Hertfordshire in England.

REZENSION:

Elfen, so dachte ich, sind anmutige Wesen von schlanker Gestalt und mit spitzen Ohren. Sie besitzen nicht nur besondere empathische Fähigkeiten, sondern auch ein sanftmütiges und naturverbundenes Wesen.
Von ganz anderen Elfen erzählt aber Sally Prue in ihrem „Elfenhauch“. Hier sind die edlen Wesen zwar ebenfalls recht menschenähnlich, essen aber ausschließlich rohes Fleisch, schlafen in Nestern, trauen niemandem und haben Freude an grausamer Jagd. Ihre Körpertemperatur von unter dem Gefrierpunkt lässt sich auch auf ihren seelischen Zustand übertragen. Zu dieser Sorte von gar nicht netten Elfen gehört auch der junge Tom. Er ist ein Außenseiter in ihrer Gesellschaft, denn er kann nicht so gut hören und sehen wie die anderen. Als er Wache hält, wird sein Volk fast von Menschen entdeckt. Das bleibt nicht ohne Folgen – wer zu einer Gefahr für das Volk wird, muss getötet werden.
Tom flieht vor seinen Peinigern an den einzigen Ort, an den sie sich nicht trauen: In die nahe liegende Stadt. Menschen werden von Elfen als „Dämonen“ bezeichnet und entsprechend gefürchtet; für sie sind sie ungehobelt, laut und stinkend. Tom kommt also vom Regen in die Traufe und gerade, als er überhaupt nicht mehr weiter weiß, findet er ein Gartenhäusschen, in dem er sich versteckt. Aber er hat Hunger und ist allein, und so weicht sein anfänglicher Widerstand schnell auf, als ihn schließlich die jugendliche Anna in ihrem Garten entdeckt. Sie versorgt ihn nicht nur mit Essen, sondern entwickelt schnell auch echte Zuneigung für ihren Gast. Aber Annas ungeliebter Halbbruder kommt schneller hinter ihr Geheimnis, als den beiden lieb ist, und die Elfen haben ihren Plan mit Tom auch noch nicht aufgegeben….
„Eines der seltenen und seltsamen wundervollen Bücher, nach denen man die Welt mit anderen Augen sieht“, urteilte der britische Guardian. Auf so ein Buch hatte ich gehofft, doch leider vermag es dieses Buch nicht, die Leser in andere Welten zu versetzen.
Zivilisationskritik in eine Fabel von Elfen und Menschen zu verpacken, ist zwar eine gute Idee, aber die Umsetzung lässt im „Elfenhauch“ zu wünschen übrig. Da sich das Buch als Jugendlektüre versteht, werden viele Probleme nur angerissen. Die Charaktere sind recht flach und der Ausgang der Geschichte für erfahrene Leser einfach zu erraten. Als Jugendbuch würde ich es jedoch auch nicht uneingeschränkt empfehlen, denn mehr als ein Mal kommt es zu expliziten Schilderungen von Gewalt, und das ganze Buch durchzieht ein markanter Pessimismus, der auch am Ende eine ungewisse Zukunft verspricht. So bleibt „Elfenhauch“ ein schriftstellerischer Versuch mit Potential, aber ohne nennenswertes Ergebnis.
Katja Angenent für Hysterika.de / 19.02.2008