Ryan, Anthony: Das Erwachen des Feuers – Draconis Memoria 1

Originaltitel: The Waking Fire. Book One oft he Draconis Memoria
Aus dem Englischen von Sara Riffel & Birgit Maria Pfaffinger
©2016 by Anthony Ryan
Für die deutsche Ausgabe:
©2017 by J.G. Cotta’sche Buchhandlung Nachfolger GmBh, Stuttgart
ISBN 978-3-608-94974-2
ca. 724 Seiten

COVER:

Im riesigen Gebiet von Mandinorien gilt Drachenblut als das wertvollste Gut. Rote, grüne, blaue und schwarze Drachen werden gejagt, um an ihr Blut zu kommen.
Das daraus gewonnene Elixier verleiht den wenigen Gesegneten übernatürliche Kräfte.
Kaum jemand kennt die Wahrheit: Die Drachen werden immer weniger und schwächer. Sollten sie aussterben, wäre ein Krieg Mandinoriens mit dem benachbarten Corvantinischen Kaiserreich unausweichlich.

REZENSION:

Anthony Ryan war mir bis zu seinem Rabenschatten-Epos absolut kein Begriff. Sein Lied des Blutes konnte mich aber rundum zufrieden zurücklassen und somit konnte ich bei diesem neuen Start einer Trilogie natürlich nur zugreifen.
DAS LIED DES BLUTES war eine Geschichte, die zwar herausragend erzählt worden ist, dennoch dem normalen Schema eines Fantasyromans entsprach. In seinem aktuellen Werk geht Anthony Ryan auf eine sehr interessante Weise gänzlich anders vor. DAS ERWACHEN DES FEUERS ist zwar ebenso ein Fantasyroman unter Verwendung einer selbst erfundenen Welt. Gleichzeitig aber auch gewürzt mit Steampunkelementen und darüber hinaus eine Piratengeschichte als auch ein Spionageroman.
Diese geschickte Nutzung verschiedenster Elemente unter Verwendung von nur wenigen Hauptcharakteren, macht zwar unglaublich viel Spaß beim Lesen, sorgt aber auch für einen etwas schwierigen Einstieg in die Geschichte. Dies mag auch dem Umstand geschuldet sein, dass bereits der erste Band mit nicht gerade wenigen Seiten aufwartet. Dementsprechend weit holt Ryan aus und dementsprechend detailverliebt lässt er seine Geschichte langsam auferstehen.
Seine verschiedenen Drachenarten und die dazugehörigen Fähigkeiten durch Nutzung des Blutes sind eine sehr interessante Idee, die etwas Neues zum Drachengenre beitragen kann.
Sobald man einigermaßen die Fäden aufgenommen hat, kann man problemlos in die jeweiligen Erzählstränge abtauchen und sich dem reinen Genuss widmen.
Erneut erzählt Ryan literarisch hochwertig – etwas stärker sogar, als in seiner Rabenschatten-Trilogie – wodurch es unbedingt notwendig ist, immer konzentriert dabei zu bleiben. Nach und nach öffnet sich aber sein erzählerischer Fluss und es wird immer einfacher den weiteren Erlebnissen der Protagonisten zu folgen.
Es bleibt einem nach dem holprigen Start plötzlich nichts anderes mehr übrig, als dem weiteren Fortgang der Geschichte ungebremst zu folgen.
Anthony Ryan hat bereits sein Talent bei seiner Rabenschatten-Trilogie bewiesen – erstaunlich, dass er hier noch einen draufsetzen kann.
Alles in allem ein sehr empfehlenswerter Roman mit einer Vielzahl an erfrischenden und neu wirkenden Ideen. Man kann nur noch gespannt sein, wie sich die Geschichte weiter entwickeln wird. Band 1 wirkt ja beinahe – bis auf wenige Ausnahmen – wie ein abgeschlossener Roman. Aber wie man weiß, sollen ja noch zwei weitere folgen…
Jürgen Seibold/08.04.2018

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Krebber, Nils: Keine Helden – Piraten des Mahlstroms

©2017 Amrûn Verlag, Jürgen Eglseer, Traunstein
ISBN 978-3-95869-296-1
ca. 303 Seiten

COVER:

Eberhart Brettschneider ist Händler, Abenteurer und Entdecker – wenn man ihm glauben möchte. Tatsächlich jedoch ist er einer der erfolgreichsten Betrüger Kammerbads. Gemeinsam mit seiner Partnerin Aurelia schwindelt er sich durch die Straßen seiner Heimatstadt.
Als Eberhart glaubt, den großen Coup gefunden zu haben, geraten die beiden durch eine Intrige mitten in die Suche nach dem Schatz des Schreckenskapitäns. Durch Piraterie und Hexerei werden sie bis in die Tiefen des Mahlstroms getrieben, wo Eberhart Sturmgeborene, Magier, Totenbeschwörer und die Götter selbst hereinlegen muss, um zu überleben.

„Aber was soll schon passieren?“

REZENSION:

Nils Krebber legt mit KEINE HELDEN seinen ersten Roman vor. Dabei macht er trotz der nicht gerade epischen Seitenzahl einen wahren Rundumschlag. Er erzählt nicht nur eine Piratengeschichte mit interessanten Akteuren, sondern geht darüber hinaus auch noch tief in die Bereiche der Fantasy und schreckt vor keiner fantastischen Herausforderung zurück.
Ganz besonders interessant hielt ich in diesem Werk seinen wichtigsten Protagonisten: Eberhart Brettschneider. Dieser ist wahrlich mit allen Wassern gewaschen und seine geschickten Verhandlungen sind das absolute i-Tüpfelchen in dieser Geschichte.
Die Story von Krebber ist sehr stringent in seiner Vorgehensweise. Hierdurch verliert man niemals den Faden – womit man sich getrost einer gepflegten Unterhaltung widmen kann. Demgegenüber steht natürlich der fehlende Tiefgang, was aber in diesem Plot keineswegs als negativ zu betrachten ist. KEINE HELDEN ist einfach eine durchweg interessant aufgebaute Geschichte, die gut erzählt worden ist und somit für einige interessante Stunden sorgen kann.
Sehr deutlich erkennt man die Affinität des Autors zu Rollenspielen. Die Geschichte treibt sehr ähnlich voran und schweift nur selten in Bereiche außerhalb der eigentlichen Storyline ab. Für einen Erstling ein recht gut gelungenes und unterhaltsames Werk mit erfrischenden Charakteren und einer ebenfalls erfrischenden sowie interessanten Idee.
Einen kleinen Vorwurf muss ich aber an das Korrektorat machen: Je weiter man im Buch vorankommt, desto häufiger treten Fehler in der Rechtschreibung auf. Diese sind sehr oft allein durch Rechtschreibkorrekturhilfen auf Softwareseite nicht zu erkennen, da das fehlerhafte Wort meistens für eine Software ein richtig geschriebenes Wort darstellt (z.B.: „eine“ – „einen“, …). Hier hätte noch ein klein wenig mehr Detailarbeit nicht geschadet, da es doch etwas zu viele Fehler dieser Art waren – teilweise störte das den Lesefluss.
Nichts desto trotz ein passabler Roman, der einem guten Debüt entspricht und zeigt, dass einiges in Nils Krebber steckt. Wie gesagt: Kein spitzenmäßiger Plot, aber ein guter, teils witziger und somit ausreichend unterhaltsamer Plot.
Jürgen Seibold/06.04.2018

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Iggulden, Conn: Darien – Die Herrschaft der Zwölf

Originaltitel: Darien – Empire of Salt
Aus dem Englischen von Kirsten Borchardt
Deutsche Erstausgabe 09/2017
©2017 by Conn Iggulden
©2017 der deutschsprachigen Ausgabe by Wilhelm Heyne Verlag, München
ISBN 978-3-453-31880-9
ca. 413 Seiten

COVER:

Die Stadt Darien ist das Zentrum und die Hauptstadt des gleichnamigen Königreiches. Ihre beste Zeit hat sie allerdings schon hinter sich. Mit einer schwachen, willenlosen Marionette auf dem Königsthron liegt die eigentliche Macht in den Händen von zwölf Familien, die ihre Herrschaft über die Stadt und das Reich untereinander aufgeteilt haben – was sie jedoch nicht daran hindert, einander auszuspionieren, zu kontrollieren und zu bekämpfen. Das Volk von Darien lässt eine Intrige nach der anderen über sich ergehen. Als jedoch der König gestürzt werden soll, werden drei Personen in den Strudel der Ereignisse gezogen, die unterschiedlicher nicht sein könnten: Elias, der Jäger, ist eigentlich nur auf der Suche nach einem Heilmittel für seine todkranke Familie. Doch seine magische Gabe, die er bislang geheim gehalten hat, macht ihn für einen machthungrigen General zum wichtigsten Instrument seines Plans. Arthur, der Junge, taucht eines Tages unvermittelt bei der Schar von Straßenkindern auf, denen der alte Soldat Tellius ein Zuhause gibt. Der Junge spricht zwar nicht, aber er hütet ein Geheimnis, welches das Gleichgewicht der Macht der Stadt durcheinanderbringen wird. Und dann ist da noch Nancy, eine selbstbewusste junge Frau, die nicht an Magie glaubt – aber deren Kräfte ganz Darien zerstören könnten. Als das Mordkomplott beginnt, treffen alle drei in der Stadt aufeinander. Werden sie mit Darien untergehen, oder wird ihr Schicksal eine neue Zukunft für Stadt und Reich offenbaren?

REZENSION:

Bei Conn Igguldens DARIEN – Die Herrschaft der Zwölf ging ich aufgrund der Beschreibung am Rücken des Buches von einem absolut durchschnittlichen und typischen Fantasy-Roman aus. Einfach eine Geschichte, die vielleicht gefallen könnte, aber eben nichts Neues darlegen kann.
Nun, nach Genuss des Buches zeigt sich mir, dass Iggulden eine geschickt erzählte Story entwickelt hat, die mit sehr interessanten Figuren lebt und insbesondere deren Erlebnisse darstellt. Im Gegensatz zu anderen Romanen sind sich die drei hauptsächlichen Protagonisten untereinander absolut unbekannt. Jeder folgt seinem eigenen Weg – manch einer gezwungen, andere aus nicht nachvollziehbaren Motivationen oder durch eigene Begehrlichkeiten. Jede Figur besitz eine gewisse Fähigkeit, über die ich hier nichts sagen möchte. Prinzipiell klingt das schon sehr nach Rollenspiel als Vorlage für dieses Buch. Dies ist aber kein negativer Aspekt, da sich diese beiden unterschiedlichen Lebensarten bzw. Hobbies doch sehr oft die Hand geben.
Igguldens Schreibstil hat mir außerordentlich gut gefallen, da man sich ohne große Konzentration schlicht auf die Geschichte einlassen kann. Dies heißt aber nicht, dass die Story allzu einfach geschrieben wäre – nein, sie ist lediglich sehr eingängig und ohne große literarische Ansprüche als auch ohne eine Vielzahl an Handlungssträngen erzählt. Wie gesagt, einige Figuren, keine allzu detaillierte Zeichnung der ersonnenen Welt, dennoch eine durchweg fesselnde Geschichte zur Unterhaltung des Lesers. Oft möchte man ja nicht mehr und somit freute ich mich sehr über die Entwicklungen in diesem Buch. Darien hat einfach Spaß gemacht! Sehr erfrischend die drei verschiedenen Protagonisten, die absolut nichts miteinander zu tun haben, ihre jeweilige Rolle erfüllen und dann am Ende auch nur locker miteinander verwoben werden. Ebenfalls sehr interessant die untypische Vorgehensweise zum Ende des Buches hin, als die Stadt angegriffen wird. Hier entsteht eine Dynamik aus dem Volk, die ich nicht weiter ausführen möchte, da ich sonst etwas verraten müsste.
Alles in allem ein wunderschöner fantastischer Roman, der als Einzelband bereits ausreichend sein könnte – wie so oft in diesem Genre kommt aber noch etwas nach.
Jürgen Seibold/25.03.2018

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Jacobson, Howard: Pussy

Originaltitel: Pussy
Aus dem Englischen von Johann Christoph Maass
©2017 by Howard Jacobson
Illustrationen ©2017 by Chris Ridell
Für die deutsche Ausgabe: ©2018 by J.G. Cotta’sche Buchhandlung Nachfolger GmbH, Stuttgart
ISBN 978-3-608-50351-7
ca. 265 Seiten

COVER:

„Wenn Trumps Präsidentschaft irgendetwas positives bewirkt hat, dann ist es die Tatsache, dass einer der besten Schriftsteller unserer Zeit diese geschliffene und gnadenlose Satire verfasst hat.“
-Observer-

In der einst so friedlichen Republik Urbs-Ludus sind unruhige Zeiten angebrochen: Zu viele ausländische Brotbäcker bedrohen den Frieden in der Stadt. Alle Hoffnungen ruhen auf dem Prinzen mit dem senfgelben Haar. Doch weiß der, wie man ein Land regiert? Böse Zungen behaupten, er habe sogar Schwierigkeiten, vollständige Sätze zu bilden …

REZENSION:

Wie man dem Cover nicht unschwer entnehmen kann, handelt es sich bei diesem als Fantasy verpackten Buch um eine Satire, die den aktuellen US-amerikanischen Präsidenten aufs Korn nimmt.
Howard Jacobson ist nicht gerade als Autor meiner Lieblingsgenre bekannt – dennoch musste ich mir dieses Werk unbedingt zu Gemüte führen, da ich mit einem bitterbösen Witz gerechnet habe.
Zu einem großen Teil wurde ich dabei auch nicht enttäuscht. Jacobson schreibt sehr hochwertig – dadurch aber auch ab und an etwas schwer eingängig. Er spielt oft mit verschlungenen Sätzen und einer manchmal schwer greifenden Sprache. Nach einer gewissen Zeit kann man sich dem aber problemlos gedanklich anschließen und man fragt sich urplötzlich, ob es sich bei der gesamten Handlung in der Republik Urbs-Ludus mit ihrem Kronprinzen Fracassus nicht einfach um einen kurzen Fantasy-Roman handelt. Nun, ein Blick auf das Cover und schon wird man von der Realität wieder eingeholt.
Der ironische und bitterböse Bezug zur aktuellen Präsidentschaft hebt dieses Buch natürlich einige Ebenen nach oben.
Die Ironie als auch der dezente, aber immer wieder aufflackernde Wortwitz sind mit Sicherheit nicht jedermanns Sache. Ich fand es im Großen und Ganzen aber sehr geschickt und tiefgehend dargelegt.
Funktionieren würde die Story wohl auch ohne den Bezug zu Trump – mit dem Bezug wird es natürlich erschreckender.
Ein relativ kurzweiliges Buch, gespickt mit einer Vielzahl an Zitaten, die nicht nur der politischen Elite einen Spiegel vorhält, sondern auch vor uns – den Wählern bzw. Bürgern – keine Rücksicht nimmt.
Bei vielen aufgeführten Sätzen erkennt man auch die eigene Schuld. Es war aber trotzdem sehr erfrischend, dies in einer gesammelten Darbietung aufsaugen zu können. Man kann somit lachen und weinen zugleich. Schlussendlich macht dieses Buch dennoch mehr Freude als Angst und es ist gut, dass es solche Werke in einer so kuriosen Zeit wie heute gibt. Vielleicht können diese ein klein wenig in unseren Köpfen bewirken.
Zum Schluss noch ein sehr schönes Zitat aus dem Buch, welches den Finger in unsere Richtung lenkt und gleichzeitig damit aufzeigt, wie unwichtig wir durch unsere gedankenlose Vorgehensweise den Mächtigen am Allerwertesten vorbeigehen:
„Früher einmal hatten Volksentscheide verheerende Schäden in der Republik angerichtet, nun aber waren sie so alltäglich, dass er ihnen keine Beachtung mehr zu schenken brauchte. Die Leute machten von ihrer Macht Gebrauch, und das, wofür sie gestimmt hatten, geriet in der allgemeinen Begeisterung der Gebrauchmacherei wieder in Vergessenheit. Bereits am nächsten Tag war alles wieder beim Alten.“
Jürgen Seibold/23.03.2018

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Beagle, Peter S.: In Kalabrien

Originaltitel: In Calabria
Aus dem Amerikanischen von Oliver Plaschka
©2017 by Peter S. Beagle
Für die deutsche Ausgabe: ©2018 by J.G. Cotta’sche Buchhandlung Nachfolger GmbH, Stuttgart
ISBN 978-3-608-96217-8
ca. 164 Seiten

COVER:

So atemberaubend und wunderschön das Einhorn auch ist, es stellt Claudios Leben auf den Kopf. Der Plan, die Existenz des geheimnisvollsten aller Tiere geheim zu halten, scheitert. Und richtig gefährlich wird es, als neben aufdringlichen Journalisten auch gewalttätige Vertreter der Mafia sein abgeschiedenes Gut heimsuchen. Wie soll er, der nur den Postboten und seine anarchische Schwester als Freunde hat, das Einhorn schützen?
In Kalabrien ist eine grandiose Liebeserklärung des weltbekannten Fantasyautors Peter S. Beagle an sein schönstes Geschöpf!

REZENSION:

Auch wenn der im Jahre 1939 geborene Peter S. Beagle eine Vielzahl an literarischen Werken geschrieben hat und ebenfalls eine nicht gerade geringe Anzahl an Auszeichnungen erhielt, wird er mit Sicherheit den meisten – ebenso wie mir – nur als der Autor des weltberühmten, 1968 erschienenen, Buches “Das letzte Einhorn” bekannt sein.
“Das letzte Einhorn” fiel mir auch sofort ein, als ich zufällig gesehen habe, dass im Klett-Cotta-Verlag ein nicht gerade dickes Büchlein von eben diesem Autor mit dem Titel “In Kalabrien” erscheint.
Das Cover wirkt durch sein Design beinahe kitschig und die Farbgebung konnte diesem Eindruck nicht widersprechen.
Wenn ich ehrlich bin, spielte ich mit dem Gedanken, sang- und klanglos meinen Blick zu anderen Werken schweifen zu lassen. Somit einfach über diese Veröffentlichung hinweg zu gehen.
Interessanterweise meldete sich aber der Leser meiner Kindheit in meinen Gedanken und meinte: Es ist aber doch Peter S. Beagle! Außerdem mit einem Einhorn!
Dies allein war der Grund, warum ich mich mit “In Kalabrien” beschäftigen wollte.
Konnte mich als Kind doch bereits der Zeichentrickfilm so tiefgehend überzeugen, dass ich mich einige Jahre später unbedingt auch lesend seinem berühmtesten Werk widmen musste.
Rundum zufrieden mit diesem Klassiker der Weltliteratur dachte ich aber nicht weiter über diesen Autoren nach.
Mit dem Erscheinen von “In Kalabrien” sollte sich das ändern:
Hierin erzählt Beagle von einem in Kalabrien lebenden, bäuerlichen Einsiedler namens Claudio Bianchi, dessen einziger echter Kontakt zu seinem Postboten und dessen Schwester besteht.
Seine Tage vertreibt er mit seinen wenigen Tieren und dem mehr oder weniger heimlichen Dichten für die Schublade.
Eines Tages erscheint auf seinem Hof ein schwangeres Einhorn und das Leben Claudios nimmt eine Wendung, wie er es sich in seinen kühnsten Träumen nicht hätte vorstellen können.
Claudio ist unglaublich respektvoll gegenüber diesem Fabelwesen. Er kümmert sich einfühlsam unter Verwendung all seiner Möglichkeiten um dieses fabelhafte Wesen. Kurzum, es sollte dem Tier bis zur Entbindung an nichts fehlen…
Das Einhorn selbst spielt in diesem Werk beinahe eine Nebenrolle – dennoch wie ein roter Faden durchweg präsent.
Peter S. Beagle erzählt auf eine sehr entspannende und ruhige Art seine Geschichte und lässt uns mit seiner hochwertigen Sprache auf unnachahmliche Art am Leben Bianchis teilhaben. Natürlich ist vorherbestimmt und vorhersehbar, dass der geheime Gast auf Claudios Hof nicht lange geheim bleiben wird – auch wenn ihn kein Fremder (neben den Freunden Bianchis) zu Gesicht bekommen wird.
Die Gerüchte brodeln und nicht nur Journalisten machen sich auf den Weg zu Claudio – nein, auch die Mafia entwickelt ein starkes Interesse.
Eine sehr melancholische und zum Nachdenken anregende Geschichte, wenn nicht gar ein Märchen mit einem wunderbaren magischen Element.
Sämtliche Figuren überzeugen und in Richtung Ende gibt Beagle dann auch noch richtig Gas.
Ein Buch mit gerade mal etwas über 160 Seiten – dennoch eine Geschichte, dessen Sog man sich schlicht nicht entziehen kann. Einfach einmal etwas ganz anderes im Bereich der fantastischen Literatur: Ein kurzes Werk zum Abschalten, Mitfühlen und Mitleiden – somit eine Perle, um kurze Zeit dem Alltag zu entfliehen und am Ende dennoch mit einem positiven Gefühl zurück zu kommen.
Jürgen Seibold/22.03.2018

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El-Bahay, Akram: Bücherstadt

©2017 Bastei Lübbe AG, Köln
ISBN 978-3-404-20883-8
ca. 365 Seiten

COVER:

EINE RIESIGE UNTERIRDISCHE BIBLIOTHEK.
HALLENDE BÜCHERSCHLUCHTEN.
GEHEIMNISSE IN JEDEM BAND …

Sam ist ein Dieb – aber mit einer List gelingt es ihm trotzdem, in die Palastwache von Mythia aufgenommen zu werden. Er träumt von einem neuen Leben, von großen Aufgaben. Von Ruhm und Ehre als Wächter des Weißen Königs.
Diese Träume zerplatzen, als er erfährt, wo er Dienst tun soll: in der riesigen Bibliothek unterhalb der Stadt. Sam stellt sich auf tödliche Langeweile ein. Schließlich gibt es dort unten nichts als alte, staubige Bücher. Er ahnt nicht, wie sehr er sich irrt …

REZENSION:

Sam ist ein Dieb – und diese Fähigkeit lernen wir als Leser zugleich in den ersten Seiten virtuos kennen. Man erkennt sofort, dass Sam ein ausgezeichneter Dieb zu sein scheint – nichts desto trotz ist er dieses Lebens überdrüssig und möchte als anständiger Mensch neu anfangen und nicht weiter ein Lakai der Diebesgilde sein.
Er lässt alles hinter sich und heuert bei der Palastwache an. Er hat dabei die Rechnung ohne den Wirt gemacht, denn eine dem König zugeteilte Stadtwache nimmt natürlich nicht sofort jeden, um den König zu beschützen. Jeder Neuling muss sich erst einmal dorthin arbeiten. Sam wird somit aufgenommen, jedoch entgegen seines Wunsches als Wächter in der Bibliothek unterhalb der Stadt eingesetzt. Was könnte langweiliger sein, als auf Bücher aufzupassen?
Akram El-Bahay erschafft in seinem ersten Band über die Bibliothek der flüsternden Bücher ein Setting, wie ich es schon lange nicht mehr erleben durfte. Im Gegensatz zu anderen Fanatsybüchern wandeln wir hier nicht durch unendliche Weiten in atemberaubenden Welten – nein, bei El-Bahay befinden wir uns fast ausschließlich in den Grenzen einer atemberaubenden Stadt. Diese Stadt hat dabei noch eine Besonderheit in sich: In den Tiefen befindet sich eine dermaßen riesige und uralte Bibliothek, das man sich problemlos mehrere Tage, wenn nicht gar Wochen darin verirren kann.
Recht schnell stellt sich darüber hinaus heraus, dass viele der dort aufbewahrten Werke Geheimnisse in sich tragen und darüber hinaus, dass viele lediglich aus Geschichten und Sagen bekannte Figuren in den Tiefen dieser Bibliothek ein echtes Leben fristen…
Akram El-Bahay schreibt wunderbar eingängig und führt den Leser auf eine wunderschöne und atemberaubende Art in seine Welt ein. Natürlich ist man als Buchliebhaber sofort von den Dimensionen der Bibliothek erschlagen – sehr oft ertappt man sich dabei, wie es wohl wäre, in so einer Bibliothek ein wenig zu schmökern.
Genau dort packt er seinen Leser und vermischt geschickt westliche und orientalische Stilistik, um seine Geschichte ungebremst voran zu treiben.
So gebannt wie ich von Seite zu Seite jagte, hatte ich am Ende ein wenig das Gefühl, dass es dort etwas zu hektisch geworden ist. Bevor aber dieser Gedanke zu sehr auftauchen konnte, schaffte El-Bahay immer noch rechtzeitig die Kurve.
Darüber hinaus wirkt das Buch erstaunlich abgeschlossen und öffnet keinen schmerzhaften Cliffhanger für den Folgeband. Somit ist man zwar schon in freudiger Erwartung auf das nächste Buch aus der Welt dieser Bibliothek, dennoch nicht verärgert, weil es schlicht noch nicht auf dem Markt ist.
Alles in allem ein wirklich leidenschaftliches Buch über Bücher und fabelhaften Wesen, die diesen entsprungen zu sein scheinen. Darüber hinaus sehr interessante und detailliert gezeichnete Figuren mit allen Ecken und Kanten. Ein wahrhaft interessantes Buch voller Ideen und einem atemberaubenden Setting – sowohl oben als auch in den Tiefen Mythias.
Sehr empfehlenswert.
Jürgen Seibold/11.03.2018

Die Bibliothek der flüsternden Schatten – Bücherstadt: Roman – KAUFEN BEI AMAZON

Heitz, Markus: Wédora – Schatten und Tod

Deutsche Erstausgabe August 2017
©2017 Knaur Verlag
ISBN 978-3-426-65436-1
ca. 650 Seiten

COVER:

Eine geheimnisvolle Stadt inmitten der Wüste. Eine Million Einwohner, umgeben von Feinden. Und zwei Reisende, die Wédora retten oder vernichten können.

In der schwer befestigten Wüstenstadt Wédora warten gefährliche Herausforderungen auf die Freunde Liothan und Tomeija, die es auf magische Weise in die gewaltige Metropole verschlagen hat.
Als Tomeija vom geheimnisumwitterten Herrscher der Stadt zur obersten Gesetzeshüterin berufen wird, kann sie nicht ahnen, dass sie bald nicht nur gegen Verbrecher und mörderische Intrigen vorgehen muss, sondern auch gegen ihren Freund aus Kindeheitstagen – denn Liothan macht sich unterdessen in Wédoras Unterwelt einen Namen.
Doch damit nicht genug: Zwei benachbarte Reiche rüsten zum Krieg, und die neutrale Handelsstadt droht, darin verwickelt zu werden. Liothan und Tomeija werden plötzlich zu den entscheidenden Figuren in einem mörderischen Konflikt, der Wédoras Ende bedeuten könnte.

REZENSION:

Normalerweise ist die Chance sehr gering, dass ich mich einem Buch widme, dessen ersten Band ich noch nicht kenne. Wédora – Schatten und Tod hat jedoch seinen Weg zu mir gefunden und ich überlegte einige Monate, ob ich mich diesem Werk überhaupt widmen sollte. Viel zu groß hielt ich die Gefahr, etwas Essentielles nicht zu wissen oder gewisse Handlungsfäden einfach nicht aufnehmen zu können. Gleichzeitig sprach mein aktueller Stapel an ungelesenen Büchern eine klare Stimme und somit vermied ich es, mir den ersten Band nachträglich noch zu besorgen.
Einige Monate später nahm ich die Herausforderung dennoch an und hoffte einfach, dass es einem namhaften Autoren wie Markus Heitz schlichtweg möglich sein sollte, einen neuen Leser auch noch in einem Fortsetzungsband mitnehmen zu können.
Nun gut, anfangs dachte ich wirklich, diesmal hat er es nicht geschafft, denn ich hatte sehr viele Schwierigkeiten, in die Welt Wédoras eintauchen zu können. Neben der Welt war mir natürlich auch die Motivation und Hintergründe der beiden Hauptprotagonisten unklar – eine gewisse Seitenzahl blieb das auch so.
Erfreulicherweise hat sich dies jedoch im Laufe des Buches zugunsten der Geschichte gewandelt und ich konnte dem zweiten Band mehr und mehr folgen. Sicher, ab und an musste ich mich einfach auf die Welt ohne Erklärung einlassen. Es störte dann aber nicht mehr wirklich, da die Personen immer mehr Zeichnung erhielten und ich die beiden gegensätzlichen Strömungen von Tomeija und Liothan ausreichend interessant fand, um der Geschichte weiter folgen zu wollen.
Die Wege dieser beiden trennen sich relativ schnell komplett voneinander. Die eine wird zur obersten Gesetzeshüterin, der andere taucht immer stärker in die Unterwelt ein. Somit ist natürlich vorprogrammiert, dass die beiden Freunde eines Tages in ihrer jeweiligen Rolle aufeinandertreffen müssen. Dies wiederum macht Markus Heitz auf seine eigene, geschickte Art und schert sich keinen Deut über Ahnungen seiner Leser – nein, er lässt diese beiden Stränge in Abhängigkeit zueinander zulaufen.
Somit konnte mich dieses Buch sehr gut unterhalten und im Nachgang war ich dann wieder enttäuscht, nicht den ersten Band bereits genossen zu haben. Aber manchmal lässt sich einfach nicht alles lesen…
Das einzige, was mich ein wenig verwundert hatte in der Welt Wédoras war die Verwendung von Magie. Wenn ich mich so an frühere Aussagen von Markus Heitz erinnere (auch in meinem Podcast, in dem ich ein Interview mit ihm führe), dann hat er in seinen fantastischen Welten immer versucht, magische Elemente zu vermeiden, da diese zu schnell eine Geschichte zerstören können. Tja, egal was er mal gesagt hatte: Hier hat es einigermaßen gut funktioniert. Heitz hat somit auch dieses Element noch gut in seine Erzählung aufgenommen.
Alles in allem ein recht guter Roman, der sicher danach schreit, zuerst Band 1 zu genießen – dennoch auch einigermaßen gut als Stand-alone-Buch funktioniert. Mir hat es jedenfalls ziemlich gut gefallen.
Jürgen Seibold/11.03.2018

Wédora – Schatten und Tod: Roman (Die Sandmeer-Chroniken, Band 2) – KAUFEN BEI AMAZON

Perplies, Bernd: Der Drachenjäger – Die erste Reise ins Wolkenmeer

©2017 Bernd Perplies
©2017 S. Fischer Verlag GmbH, Frankfurt a.M.
ISBN 978-3-10-490205-0
ca. 376 Seiten

COVER:

In der Stadt Skargakar, an den Gestaden des geheimnisvollen Wolkenmeeres, leben die Bewohner von der Jagd auf Drachen, die es in den dunstig weißen Weiten jenseits der großen Klippe in schier endloser Zahl gibt. Auch Lian trägt seinen Teil bei. Als Kristallschleifer verarbeitet er magische Kyrilliane, die die Flugschiffe der Jäger in die Lüfte heben. Eines Tages jedoch macht sich Lian einen gefährlichen Mann zum Feind und ist gezwungen, aus Skargakar zu fliehen. In seiner Verzweiflung heuert er auf dem erstbesten Flugschiff an, dessen Kapitän ihn mitnimmt. Ein Fehler, wie sich bald herausstellt: Denn Adaron, der fanatische Kapitän der Carryola, jagt nicht irgendwelche Drachen. Sein Ziel ist der Urdrache Garganthuan selbst, ein Geschöpf der Legenden – und er ist bereit, für diese Jagd alles zu opfern.

REZENSION:

Bernd Perplies führt uns in seiner ersten Reise ins Wolkenmeer in eine fantastische Welt, in der Drachen die hauptsächliche Rohstoffquelle darstellen. Dementsprechend angesehen sind die Drachenjäger, die sich in ihren fliegenden Schiffen den Gefahren bei der Drachenjagd entgegenstellen.
Der junge Kristallschleifer Lian muss aus Sicherheitsgründen die Stadt verlassen und heuert aus diesem Grund ohne groß nachzudenken auf der Carryola an.
Wie sich dabei herausstellen sollte, besteht der einzige Antrieb des Kapitäns Adaron auf der Jagd nach einem der größten Drachen die es überhaupt gibt. Sein persönlicher Ansporn ist dabei nichts weiter als pure Rache: Hat doch dieser Drache vor langer Zeit seine Lebensgefährtin getötet.
Bernd Perplies ist etwas gelungen, worauf ich immer hoffe, es aber nicht oft vorkommt: Er hat mich überrascht! DerDrachenjäger ist eine rundum gelungene Geschichte mit einem atemberaubenden Setting und wunderbaren Figuren. sowohl Personen als auch Drachen.
Jede einzelne Seite ist pure Unterhaltung und man erkennt auch durch und durch die Hommage an den alten Litertaurklassiker MOBY DICK. Erstaunlich, wie es der Autor nahezu problemlos schafft, aus Ahab Adaron zu machen, aus Moby Dick den Drachen Garganthuan entstehen zu lassen. Dabei jedoch ohne eine platte Kopie des Klassikers zu generieren.
Der Drachenjäger ist eine wahrhaft rundum gelungene Fantasygeschichte, deren Sog ich mich schlichtweg nicht entziehen konnte und das Buch nahezu ungebremst verschlungen hatte. Perplies Schreibstil ist sehr zügig und eingängig. Dabei auch recht simpel und vollgepackt mit atemberaubenden Ideen. Er verliert dabei jedoch niemals die Story aus dem Auge und führt uns ungebremst zu dem von ihm geplanten Ende.
Der Drachenjäger ist natürlich erst der erste Band einer neuen Reihe – ich bin jetzt schon sehr gespannt, wie Perplies weiter vorgehen wird, denn das Thema Moby Dick ist abgehandelt und die Erwartungshaltung nach Genuß dieses Buches von meiner Seite aus bereits sehr hoch angesiedelt. Ich hoffe wirklich sehr, dass er mich auch weiterhin so positiv überraschen kann.
Der Drachenjäger ist jedenfalls eine absolute Empfehlung wert und ich freue mich schon sehr auf den Weltenfinder.
Jürgen Seibold/04.03.2018

Der Drachenjäger – Die erste Reise ins Wolkenmeer: Roman (Die Reise ins Wolkenmeer)

Islington, James: Das Erbe der Seher – Die Licanius-Saga 1

Originaltitel: The Shadow Of What Was Lost
Aus dem Englischen übersetzt von Ruggero Leò
Deutsche Erstausgabe Mai 2017
©2016 James Islington
©2017 Knaur Verlag
ISBN 978-3-426-52095-6
ca. 784 Seiten

COVER:

„Niemand wusste je genau, wozu die Auguren imstande waren, außer den Auguren selbst. Sie waren immer geheimnisvoll, und zu keiner Zeit herrschte mehr als ein Dutzend von Ihnen.“

Vor zwanzig Jahren gelang es den vereinigten Reichen in einem blutigen Krieg, die tyrannischen Auguren, mächtige Seher mit scheinbar unbegrenzter Macht, zu vernichten. Jene, die ihnen dienten – die Begabten -, wurden nur verschont, weil sie sich dem neuen Gesetz unterwarfen, das ihre Macht beschränkte. So wachsen der junge Begabte Davian und seine Freunde in einer Welt auf, die sie verachtet und strengstens überwacht. Doch als Davian herausfindet, dass er über die bei Todesstrafe verbotene Macht der Auguren verfügt, steht nicht nur sein eigenes Leben auf dem Spiel: Denn im Norden regt sich ein Feind, den man zu lange besiegt glaubte.

REZENSION:

Ein Autor ist begeistert von Fantasybüchern. Dabei sogleich von sehr großen Vorbildern angetan und für dieses Genre überzeugt, entscheidet er sich für die eigene Entwicklung eines fantastischen Romans. Als Debüt liegt nun „Das Erbe der Seher“ vor und ich bin nach Genuß dieses Werkes sichtlich überrascht, welch Ideenreichtum und Qualität sich hinter dieser Entscheidung befindet.
„Das Erbe der Seher“ enthält sehr viele dem Genre entsprechende Versatzstücke und kann somit das Genre nicht neu erfinden, aber ihm dennoch einen außerordentlich erfrischenden und hochwertigen Stempel aufdrücken.
Auch Islington arbeitet mit einer „Coming-Of-Age-Handlung“ –  und irgendwie kann ich davon einfach nicht genug bekommen.
Entsprechend der Dicke seines Debütromans baut er geflissentlich seine Welt auf und beginnt mit einer Vielzahl an Handlungssträngen. Interessanterweise verliert er sich dabei nicht ein einziges Mal und somit bleibt einem nichts weiter übrig, als den Erlebnissen Davians ungebremst zu folgen.
Wie so oft im Genre ist auch die Welt Islingtons nicht gerade harmlos. Davians Rolle wird einem recht schnell klar, dennoch ist er mit all seinen Höhen und Tiefen gezeichnet. Gleiches trifft für seine Gefährten als auch Antagonisten zu. James Islington spart nicht mit Details – wird dabei gleichzeitig nicht zu ausschweifend, wodurch keine Müdigkeit auftreten kann.
Trotz der über 800 Seiten entwickelten sich meiner Meinung nach nahezu keine Längen in der Geschichte. Im Gegenteil: Endlich wieder ein Werk, in welches man ungebremst eintauchen kann und die Gefahr besteht, die Umwelt zu vergessen.
Von Seite zu Seite gewinnt man das Gefühl, dass die Qualität der Geschichte steigt und steigt. Der Autor schafft es dabei, diese Steigerung aufrecht zu erhalten und seinen Leser nicht zu enttäuschen.
Die Geschichte spitzt sich natürlich immer mehr zu, um dann – wie es bei einem Band 1 üblich ist – mit einem fulminanten Cliffhanger zu enden. Der Drang nach dem zweiten Band ist beim Beenden dieses Werkes groß und man kann es fast nicht aushalten, hierauf zu warten. „Das Erbe der Seher“ ist wahrlich ein herausragendes Werk mit einer düsteren Atmosphäre, die dennoch immer ein kleines Lichtlein am Ende des Horizonts aufweisen kann.
Der Schreibstil ist sehr eingängig, wodurch man trotz der Vielzahl an Handlungssträngen niemals den Faden verliert. Seine Welt ist gefühlt ein wenig an manche Größen des Genres angelehnt, dennoch eigenständig genug, um für ausreichend Abwechslung zu sorgen.
In meinen Augen ein absolutes Highlight im Genre und ich hoffe doch sehr, dass der Folgeband nicht allzu lange auf sich warten lassen wird.
Jürgen Seibold/01.03.2018

Das Erbe der Seher: Die Licanius-Saga 1 – KAUFEN BEI AMAZON

Blake, Kendare: Der Schwarze Thron – Die Schwestern

Originaltitel: Three Dark Crowns
Übersetzt von Charlotte Lungstrass-Kapfer
©2016 by Kendare Blake
©2017 für die deutschsprachige Ausgabe: Penhaligon in der Verlagsgruppe Random House GmbH, München
ISBN 978-3-7645-3144-7
ca. 448 Seiten

COVER:

Sie sind Schwestern. Sie sind Drillinge, die Töchter der Königin. Jede von ihnen hat das Recht auf den Thron des Inselreichs Fennbirn, aber nur eine wird ihn besteigen. Mirabella, Katharine und Arsinoe wurden mit verschiedenen magischen Talenten geboren – doch nur, wer diese auch beherrscht, kann die anderen Schwestern besiegen und die Herrschaft antreten. Vorher aber müssen sie ein grausames Ritual bestehen. Es ist ein Kampf um Leben und Tod – und er beginnt in der Nacht ihres sechzehnten Geburtstages …

REZENSION:

Getrennt werden die drei Schwestern aufgezogen. Jede mit einer besonderen Gabe gesegnet. Jede eine geborene Königin. Doch die Tradition lässt nur eine Herrscherin zu und somit werden alle drei unabhängig voneinander auf das alles beherrschende Ritual vorbereitet, welches an ihrem sechzehnten Geburtstag abgehalten werden soll. Dort wird sich herausstellen, welche der drei Schwestern das Königreich übernehmen wird und welche beiden ihr Leben versiegt haben.
Jede Schwester wird aufgrund ihrer besonderen Eigenheit in einer dafür ausgerichteten Glaubenswelt erzogen und geschult. Jede lebt in einer eigenen Gegend auf der Insel Fennbirn.
Trotz des immer mitschleichenden Gefühls, dass bereits feststeht, wer das Zepter übernehmen wird, lassen die jeweiligen Priester nichts unversucht, ihre Königin auf den Thron setzen zu können. Man merkt sehr schnell, auch hier lassen sich Machtspiele nicht zur Seite wischen. Im Laufe des Buches fragt man sich sehr schnell, ob die drei Geschwister zu wirklichen Königinnen werden können, oder nur noch als Mittel zum Zweck verwendet werden und somit lediglich eine Rolle spielen. Das Gefühl bleibt immer etwas mitschwebend, auch wenn es von der Autorin nicht explizit aufgelöst wird. Durch diesen Umstand hätte ich mir sehr viel über die historische Entstehung dieser Vorgehensweise zur Wahl einer neuen Königin erwartet. Kendare Blake lässt sich darüber aber leider absolut gar nicht aus – vielleicht öffnet sie diese Kiste im Folgeband oder sie lässt ihre Leser unbeantwortet und damit selbst darüber nachdenkend zurück. Da kann man sich nur überraschen lassen.
Blake beginnt ihre gut durchdachte Geschichte ein wenig langsam und langatmig. Gleichzeitig gefällt aber die Idee und man erfreut sich an den unterschiedlichen Entwicklungen der drei Schwestern – mehr passiert lange Zeit ja auch leider nicht.
Man merkt nur, dass sich alles auf den 16. Geburtstag der Drillinge vorbereitet. Hier laufen alle Fäden zusammen und die Schwestern stellen sich ihren gezwungenen Gegnerinnen.
Die Welt ist grausam und düster – man fragt sich auch unentwegt, warum diese düstere Vorgehensweise notwendig ist. Eine Antwort gibt es ja leider nicht, scheint in dieser Welt aber auch kein Thema mehr zu sein. Einfach eine Selbstverständlichkeit.
Kendare Blakes Schreibstil ist unaufgeregt, leicht zur Emotionslosigkeit neigend, dennoch sehr eingängig. Manchmal wirkt das Buch beinahe wie ein Romantic-Fantasy-Werk. Blake bekommt aber erfreulicherweise immer wieder die Kurve, um mich dennoch zum Weiterlesen zu bringen. Sicher, die gesamte Story ist auf den Tag des 16. Geburtstags ausgerichtet. Somit ahnt man schon das gesamte Buch entlang, dass dort etwas Besonderes geschehen wird. Das ist dann natürlich auch so, dennoch sorgt der Weg dorthin für einigermaßen gute Unterhaltung.
Kendare Blake könnte noch ein wenig geheimnisvoller in ihren Ausführungen werden, aber im Großen und Ganzen ist „Die Schwestern“ eine gute erste Hälfte eines zweibändigen Epos um den Schwarzen Thron.
Jürgen Seibold/28.02.2018

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Newman, Peter: VAGANT – Vagant-Trilogie 1

Originaltitel: THE VAGRANT
Ins Deutsche übersetzt von Helga Parmiter
©2015 by Peter Newman
German translation © 2017 by Amigo Grafik GbR.
ISBN 978-3-95981-495-9
www.cross-cult.de
ca. 445 Seiten

COVER:

EIN EINSAMER WANDERER.
EIN SCHWERT.
EIN KIND.

In einer postapokalyptischen Fantasywelt macht sich der namenlose Vagant mit einem Säugling im Arm auf die Reise. Sein Ziel: die letzte Zuflucht der Menschheit. Dorthin soll er ein mächtiges Schwert bringen. Die einzige Waffe, die den dämonischen Ursupator vernichten kann.

REZENSION:

Die Grundstory in VAGANT wirkt relativ simpel: Ein namenloser Fremder macht sich gemeinsam mit einem Säugling auf den Weg, um die letzte Zuflucht der Menschheit zu erreichen. Lediglich ausgerüstet mit einem Schwert durchstreift er unsägliche Orte und muss sich diversen Gefahren entgegenstellen.
Der Plot allein wäre nichts Atemberaubendes, bekommt aber ein alleinstehendes Merkmal durch die Anwesenheit des Säuglings und im Besonderen den Umstand, das die Hauptfigur im gesamten Buch kein einziges Wort fallen lässt.
Hierdurch legt sich der Fokus stark auf die erzählerischen Elemente der teilnehmenden Personen, denen der Vagant auf seinem Weg begegnet. Manch einer dieser Personen wird Mitglied der kuriosen Reisegruppe und wir befinden uns in einer Welt, deren Elemente geschickt in Richtung Steampunk weisen. Diese Vorgehensweise sorgt dafür, dass Peter Newmans Geschichte erfrischend neu wirkt. Ein absoluter Genre-Mix, der seinesgleichen sucht und somit endlich mal wieder für frischen Wind im oft gleich aufgebauten Genre sorgt.
Leider war es mir dennoch nicht möglich, mich mit der Geschichte rundum zufriedengestellt zu fühlen. Warum ist mir aber nicht wirklich bewusst. Irgendwie hat sie mir unwahrscheinlich gut gefallen. Auf der anderen Seite hatte ich aber durch die mit kurzen Sätzen erzählte Darlegung der Umgebung und Gegebenheiten ein wenig Probleme um richtig eintauchen zu können.
Irgendwie ist das aber auch schon wieder ein Jammern auf hohem Niveau, denn die dargestellte Abhängigkeit des Vaganten mit dem Säugling und dem immer wieder aufblitzenden witzigen Elementen in Bezug auf die wirklich geniale Ziege sorgte für angemessene Unterhaltung. Vielleicht liegt es an der etwas anders vorgehenden Schreibweise des Autoren, die es mir nicht gerade leicht machte, in meinem Augen für ein Rundum-Bild der örtlichen Gegebenheiten zu sorgen.
Der Vagant selbst bleibt durchweg mystisch. Man erkennt seine Motivation nicht wirklich. Oft wird er lediglich durch das allgemeine Geschehen mitgerissen und lässt sich auch darauf ein. Ist er nun ein Kämpfer? Böse? Gut? Man kann es nicht wirklich greifen. Was hat überhaupt das Baby mit dem allen zu tun? Fragen, die dafür sorgen, dass man sich dem Werk nicht entziehen kann.
Sämtliche Figuren sind interessant gezeichnet und man würde des öfteren gerne eine begleitende Person im illustren Kreis der Reisenden sein.
Eine Geschichte, die nicht umsonst auf manch Bestenliste auftaucht. Dennoch auch eine Geschichte, die etwas anders vorgeht und somit nicht jeden rundum überzeugen kann. Ich fühle mich zwischen den Stühlen und versuche immer noch zu greifen, ob ich sie nun genial fand, oder eben einfach nur eine weitere gute Story aus dem Genre der Phantastik.
Jürgen Seibold/27.01.2018

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Scheib, Torsten: Götterschlacht

©2017 Amrûn Verlag, Jürgen Eglseer, Traunstein
ISBN 978-3-95869-562-7
ca. 365 Seiten

COVER:

Es hat begonnen.
Harmlos brach es herein. Keiner nahm die Zeichen am Himmel ernst. Man lachte, man zelebrierte, man staunte – und verspottete die mahnenden Stimmen.

Ohne Vorwarnung
Erst stürzte der Himmel ein, dann löschte ihn die Eiszeit. Begrub die Erinnerungen dieser Welt unter sich, labte sich an warmen Körpern; am Gaumenkitzel nackter Angst. Wer dennoch überlebte, wurde gejagt. Von den pelzigen und geflügelten Kreaturen, den flammenden und frostigen Geschöpfen. Den Streitarmeen Hels, der Fürstin der Unterwelt.

Erst kam die Dämmerung.
Unvermittelt fand sich eine Handvoll unbescholtener Menschen zwischen den Armeen der Unterwelt und des Asgards wieder: wurde zu Spielbällen in der womöglich alles entscheidenden Schlacht.

Dann – die Götterschlacht …
Wer wird obsiegen? Die diabolische Herrscherin über Firn und Finsternis? Oder doch die ehrbaren Asen? Wer wird überleben? Menschen – oder …?

Ragnarök.
Das Ende ist angebrochen.

REZENSION:

Dystopien gibt es in der heutigen Zeit wie Sand am Meer. Nachdem Literatur oft einen Spiegel der Gesellschaft darstellt, kann man sich dem Nachdenken über den Grund dieser Vielfalt sicher nicht entziehen.
Im Gegensatz zu den Weltuntergangsszenarien, die mit Zombies und/oder gesellschaftlichen Zusammenbrüchen zu glänzen versuchen, geht Torsten Scheib einen gänzlich anderen Weg: Er vermengt sein Szenario mit den alten nordischen Sagengestalten. Allein dieser Umstand sorgte für ein ausreichendes Interesse von meiner Seite, sich diesem Werk zu widmen. Endlich einmal eine neue Idee in den Weiten der von Zombies überrannten Geschichtserzählungen.
Scheib lässt seinem Leser von Anfang ein keine Ruhe und lässt nahezu ungebremst den Weltuntergang über seine Protagonisten hereinbrechen. Anfangs noch belächelnd den typischen Stimmen in irgendwelchen TV-Diskussionsrunden sprechenden „Experten“ lauschend, bricht urplötzlich alles zusammen und es bleibt einem nichts weiter übrig, als um das nackte Überleben zu kämpfen. Scheib erzählt uns von einer jungen Gruppe, die sich ziemlich schnell der auftretenden Gefahr bewusst wird und sich gemeinsam auf die Flucht macht. Ab diesem Augenblick begleiten wir sie auf ihrem rasanten Weg zu einer vermeintlichen Zufluchtsstätte.
Fulminant schafft es Torsten Scheib dabei, die Gefahren und somit auch die Spannung aufrecht zu erhalten. Gleichzeitig bekam ich dabei jedoch auch das Gefühl, lediglich eine Gruppe auf der Flucht vor irgendwas noch nicht greifbarem lesend zu begleiten.
Kurz bevor ich mit dem Gedanken spielte, Götterschlacht als weiteren „Ich-bin-dann-mal-auf-der-Flucht“-Roman zu betrachten und somit zu beenden, schwenkte Scheib in die nordische Sagenwelt und führte einige „Gottheiten“ in seinen Plot ein.
Erfreut darüber blitzte in meinen Augen wieder Hoffnung auf und ich musste dem Plot unbedingt weiter folgen.
Die Vermischung dieser alten Sagen und deren Grund für den anstehenden Weltuntergang hob die Geschichte wieder hervor vom üblichen Einheitsbrei.
Dabei ist sein Schreibstil auch eingängig und gut durchdacht. Darüber hinaus spiegelt sich unglaublich viel thematisches Wissen wieder. Gleichzeitig kann man dem Plot weiterhin gut folgen – vorausgesetzt, man hat zumindest ein klein wenig Wissen über diese Sagengestalten parat. Ich denke aber, bereits durch den ein oder anderen Wikingerfilm oder -serie ist man bereits gut darauf vorbereitet.
Nach der Rettung der Protagonisten durch die Asen bekommt man langsam heraus, dass diese Gruppe etwas Besonderes darstellt und somit wohl der Schlüssel zur Rettung der Welt sind. Dementsprechend werden sie wieder auf die eigentliche Welt entlassen und müssen sich erneut den Gegnern stellen.
Ab diesem Zeitpunkt hat mich der Autor ein wenig verloren: Mir wurde nicht ausreichend klar, warum dieses Team diese Rolle einnehmen musste. Darüber hinaus waren sie dann urplötzlich wieder auf der Flucht vor allen möglichen Gefahren und versuchten zu überleben, bis ihnen endlich Hilfe zur Seite eilt.
Götterschlacht hat mich sehr zwiespältig zurückgelassen. Zum einen gefiel mir Scheibs Schreibstil und besonders die Idee außerordentlich gut. Zum anderen waren mir aber seine Protagonisten etwas Platt dargestellt – im Gegensatz zu ihrem Helfer aus dem Volk der Asen. Dessen Stärken und Schwächen wirkten irgendwie eingängiger.
Alles in allem ein spannender Roman für Freunde von Geschichten, deren rasante Erzählweise fast keine Zeit zum Luftholen lässt. Etwas mehr Tiefgang und dafür vielleicht etwas weniger „Auf-der-Flucht-sein“ hätte mir wohl besser gefallen. Außerdem hätte mich noch sehr interessiert, warum gerade diese wenigen Menschen die Rolle zum Neuaufbau übernehmen mussten. Deren Besonderheiten hat sich mir leider nicht erschlossen.
Jürgen Seibold/27.01.2018

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Hogan, Mitchell: Die Feuer von Anasoma

Originaltitel: A Crucible Of Souls
Aus dem Englischen von Michael Siefener
©2015 by Mitchell Hogan
© 2017 der deutschsprachigen Ausgabe by Wilhelm Heyne Verlag, München
ISBN 978-3-453-31813-7
ca. 720 Seiten

COVER:

Caldan ist zehn Jahre alt, als seine Eltern von den Schergen des Kaisers ermordet werden. Er selbst entkommt seinen Verfolgern und findet in einem Kloster Unterschlupf, wo er von den Brüdern in den Grundlagen der Arkanen Magie unterrichtet wird – denn Caldan ist talentiert. Eines Tages, so hofft er, wird man ihn als Novizen in den Orden aufnehmen. Doch acht Jahre später zerbricht dieser Traum in tausend Scherben, als Caldan bei einer Prügelei einen Mitschüler, Sohn einer reichen Adelsfamilie, verletzt. Mit nichts in der Tasche außer einem Beutel Kupferdukaten und zwei geheimnisvollen, magischen Ringen, die angeblich seinen Eltern gehörten, wird er aus dem Kloster geworfen. Er muss den Ort verlassen, der ihm ein zweites Zuhause geworden ist. Die Ordensbrüder. Und Jemma – seine erste große Liebe. Verzweifelt schifft sich Caldan nach Anasoma ein, eine der mächtigsten und buntesten Städte des mahrusischen Reiches. Er bewirbt sich um die Aufnahme bei der Zauberergilde, denn dort glaubt er, mehr über die Ringe und das magische Erbe seiner Familie herausfinden zu können. Doch die Welt außerhalb der Klostermauern ist dunkel und gefährlich – und sie wird noch immer von den Mördern seiner Eltern beherrscht …

REZENSION:

Wie so oft im Fantasygenre begleiten wir einen Jungen auf seinem Weg in das Erwachsenenleben. Er muss dabei Schicksalsschläge hinnehmen, viel lernen und einer wachsenden Anzahl an Gefahren trotzen. Interessanterweise nutzen sich diese wiederkehrenden Plots aber einfach nicht ab und auch in dieser Geschichte kann man sich dem Werdegang von Caldan nicht entziehen. „Die Feuer von Anasoma“ ist der Auftakt einer wohl dreibändigen Serie, in der Caldan seinen Weg vom Novizen zu einem wohl (?) mächtigen Zauberer machen wird. Der Verlag hat leider auf seinem Buch nicht angegeben, dass es ein Auftakt ist. Hierdurch könnten einige Leser wohl etwas irritiert zurück gelassen werden, da das Werk nicht nur mit einigen Cliffhangern endet, sondern auch noch eine Vielzahl an Fragen und Erzählsträngen offen sind.
Die Verknüpfung von Fantasy mit magischen Elementen ist sehr oft zum Scheitern verurteilt, da man es sich als Autor durch das Hinzufügen von Zauberei im Erzählfluss oft recht einfach machen könnte. Mitchell Hogan umschifft diese Problematik jedoch auf eine interessante Art und Weise. Sobald Zauberei ins Spiel kommt, müssen einige Gegebenheiten vorherrschen, da die Zauberei nicht einfach durch eine Handbewegung oder das Aufsagen eines Spruches funktioniert. Im Gegenteil, der Zauberei muss vorher mit verschiedenen Rohstoffen kreativ tätig sein und somit seine magischen Fähigkeiten gezielt planen.
Viele Elemente im vorliegenden Buch hätte ich mir noch mit mehr Liebe zum Detail erhofft. Ganz besonders hierbei das beinahe gänzlich durch das Buch laufenden, taktisch hoch anspruchsvolle Gesellschaftsspiel mit dem Namen Dominion. Dieses spielt eine erhebliche Rolle, bleibt aber in seiner Darstellung als auch der Vorgehensweise recht dünn dargestellt.
Caldan selbst entwickelt sich erst im Laufe der Story zu einer detaillierter gezeichneten Person. Gleiches trifft auf Mitspieler bzw. Kontrahenten zu. Einige bleiben dennoch ohne Tiefe, was aber auch am Umstand eines ersten Bandes liegen kann. Eventuell ergibt sich da noch mehr im Laufe der Zeit.
Anasoma selbst ist nicht gerade ein Hort der Freundlichkeit. Insbesondere, wenn man zum ärmeren Personenkreis gehört. Nach und nach lernt man aber auch diese immer besser kennen, wodurch man sich immer besser aufgehoben fühlt.
Caldans Weg vom jungen, zufriedenen Klosterbewohner zum Auszubildenden bei en Protektoren macht einfach viel Spaß. Der Stil ist außerordentlich eingängig beschrieben, die Dialoge sind ab und an etwas simpel hingeworfen, wirken aber dennoch passend.
Mitchell Hogan erfindet mit seinem Werk sicherlich das Genre nicht neu, fügt aber ein schönes Werk hinzu, auf dessen Fortsetzung ich mich bereits sehr freue.
Ich bin schon sehr auf die weitere Entwicklung gespannt und kann bis dahin jedem lediglich den Einstig in dieses Werk nur empfehlen.
Jürgen Seibold/17.12.2017

Die Feuer von Anasoma: Roman (Sorcery Ascendant Sequence, Band 1) – KAUFEN BEI AMAZON

Bennett, Robert Jackson: Die Stadt der tausend Treppen

Originaltitel: City of Stairs
Aus dem Amerikanischen von Eva Bauche-Eppers
©2014 by Robert Jackson Bennett
Für die deutschsprachige Ausgabe: ©2017 by Bastei Lübbe AG, Köln
ISBN 978-3-404-20861-6
ca. 620 Seiten

COVER:

Einst besaß die Stadt Bulikov die Gunst der Götter – mit ihrer Macht eroberte sie die Welt. Bis ihre göttlichen Beschützer vernichtet wurden. Heute ist Bulikov nur eine weitere Kolonie Saypurs. Die heiligen Wunder und Schreine sind verschwunden, alles Göttliche wurde verboten.

In diese unterdrückte Stadt kommt Shara Thivani. Offiziell ist die bescheidene junge Frau nur eine weitere Nachwuchsdiplomatin, doch hinter der Fassade verbirgt sich eine Meisterspionin. Sie ist nach Bulikov gekommen, um den Mörder ihres Mentors zu fassen, doch eine Verbrecherjagd in Bulikov birgt ungeahnte Gefahren. Denn man weiß nie, wann eine Treppe im Nichts endet, sich plötzlich der nächste Abgrund auftut, wo vorher keiner war, oder ein Schritt zu viel einen in die Vergangenheit trägt …

REZENSION:

Es ist noch gar nicht so lange her, da wurde man beim Genuss eines Buches aus dem Genre der fantastischen Literatur eher belächelt denn ernst genommen. Mag sein, dass früher dieses Genre eher im Jugendbereich eine Rolle gespielt hatte und nur wenige Bücher im Erwachsenenbereich klar Stellung beziehen konnten.
Erfreulicherweise scheint diese Zeit jedoch vorüber gegangen zu sein – man hat eine schier unermessliche Auswahl an herausragender fantastischer Literatur.
Robert Jackson Bennett schließt sich dem mit „Die Stadt der tausend Treppen“ auf virtuose Art an und legt einen Fantasyroman vor, der anspruchsvoll, tiefgehend und darüber hinaus genreübergreifend neue Maßstäbe zu setzen scheint.
Seine Geschichte spielt in einer fantastischen Welt – gleichzeitig verknüpft er diese mit dem Genre des Steampunk und legt eine reinrassige Agentengeschichte als Oberbau darüber. Garniert mit politischen Strukturen, Machtkämpfen und daraus folgenden Intrigen ohne Rücksicht auf Verluste. Seine Stadt ist nicht gerade ein Ort, den man sich als Rückzugsort aussuchen würde: Im Gegenteil, die Bewohner haben es wahrlich nicht leicht, werden unterdrückt und Religionen, Gottheiten und bereits das darüber sprechen ist verboten.
Die Stadt Bulikov wird nicht von der Geschichte losgelöst im Detail aufgeführt und gezeichnet, sondern vom Autoren nach und nach in der Story langsam aufgebaut und erhält dadurch eingehendere Konturen, da man sich in diesem Fall gefühlt direkt darin befindet.
Man begleitet hauptsächlich Agentin Shara auf ihrer Suche nach dem Mörder ihres Mentors, einem herausragenden Wissenschaftler.
Anfangs viel mir persönlich der Einstieg ein klein wenig schwer. Nach und nach fiel es mir aber immer einfacher, mich mit den Gegebenheiten dieser Welt abzufinden, die Umstände besser zu erkennen und somit umfänglich in Bulikov eintauchen zu können. Ab diesem Augenblick konnte ich mich dem Ideenreichtum in dieser Geschichte nur noch schwer entziehen und freute mich auf jede weitere Seite.
Ein wahres Meisterstück mit erfrischend neu wirkenden Ideen, deren Zusammenfügen beinahe für ein neues Genre sorgen. Dezentes Crossover par excellence. Ein anspruchsvolles und dennoch eingängiges Werk mit Fokus auf die Umgebung und soziale als auch politische Strukturen.  Rundum empfehlenswert. Man kann nur noch hoffen, dass die Nachfolgebände dem in nichts nahestehen.
Jürgen Seibold/16.12.2017

Die Stadt der tausend Treppen: Roman (Die göttlichen Städte, Band 1) – KAUFEN BEI AMAZON

Frenz, Bernd: Der Groll der Zwerge

©2017 S. Fischer Verlag GmbH, Frankfurt a.M.
ISBN 978-3-10-4037578
ca. 480 Seiten

COVER:

Nach dem Großen Krieg herrschte dreißig Jahre lang Frieden im Lande Garon – doch damit ist jetzt Schluss. Als Steinmetze in der Zwergen-Nekropole Felsheim neue Grabkammern in den Berg schlagen und einen heiligen Fluss der Elfen zum Versiegen bringen, lebt der alte Zwist wieder auf. Dass just zu diesem Zeitpunkt der Ork Grimm aus dem Exil zurückkehren will, um mit alten Feinden abzurechnen, macht es nicht besser. Und auch die Menschen beweisen jeden Tag aufs Neue ihre Arglist. Und so heißt es schon bald: Elfen gegen Zwerge; Trolle gegen Orks; und alle gegen die Menschen.

REZENSION:

Die Heilige Quelle der Elfen versiegt eines Tages. Der Grund ist dafür schnell gefunden: Das kann nur das Volk der Zwerge gewesen sein.
Hiermit ist der grundsätzliche Konflikt genannt und Bernd Frenz nimmt diese Grundidee, um seine Fantasy-Saga zu beginnen. DER GROLL DER ZWERGE ist dabei mit sehr interessanten Personen und Begebenheiten gewürzt. Dabei sind aber diese leider nicht mit einer sehr tiefen Detailverliebtheit gewürzt. Nichts desto trotz kann man sich der Story nicht wirklich entziehen und somit bleibt einem nichts übrig, als ihr weiter zu folgen.
Frenz benutzt nahezu jedes genretypische Element und schreibt sehr eingängig. Manchmal zu eingängig, bzw. einfach gehalten. Dies macht es einfach, wenn man dieses Buch als lockeres Werk für eine gute Fantasyunterhaltung verwendet. Als High-Fantasy würde ich es jedoch nicht unbedingt betrachten, da diese Werke doch sehr viel mehr in die Tiefe gehen.
Interessanterweise schafft es Frenz, die jeweiligen Völker nicht einfach ziwschen Gut und Böse aufzuteilen: Irgendwie hat jeder einen negativen Punkt und somit Dreck am Stecken. Mir selbst waren die Zwerge im Gegensatz zu den Elfen in diesem Buch irgendwie sympathischer – mag wohl an der Selbstherrlichkeit und dem „wir-sind-was-besseres“ der Elfen liegen. Dadurch ergriff ich relativ schnell für das Zwergenvolk.
Die Story im Ganzen ist gut durchdacht und stimmig erzählt. Die Auflösung interessant und plausibel für so eine Geschichte.
Alles in allem ein unterhaltsamer Fanatsyroman für sehr unterhaltsame Stunden. Sehr oft reicht einem das ja schon…
Jürgen Seibold/07.12.2017

Der Groll der Zwerge: Die Völkerkriege 1 – KAUFEN BEI AMAZON