Elea Brandt: Opfermond

Deutsche Erstauflage
©2017  Mantikore-Verlag Nicolai Bonczyk
Text ©Elea Brandt
eISBN 978-3-945493-37-3
ca. 330 Seiten

COVER:

In der Stadt des Blutigen Gottes herrscht das Recht des Stärkeren. Als der Assassine Varek angeheuert wird, einen Mord aufzuklären, klingt das nach einer willkommenen Abwechslung von seinem verhassten Tagewerk. Doch die einzige Zeugin, das Freudenmädchen Idra, weiß mehr, als sie preisgeben will. Um an ihre Informationen zu gelangen, geht Varek ein Bündnis mit ihr ein, das ihn schmerzhaft an bessere Zeiten erinnert. Die Spur des goldenen Skarabäus führt ihn schließlich zu einem grausamen Kult, der mehr als nur ein Blutopfer verlangt …

REZENSION:

Der Assassine Varek wird üblicherweise angeheuert, um gezielt dafür zu sorgen, dass irgendjemand vom Auftraggeber Unerwünschter das Zeitliche segnet. Varek beherrscht sein Handwerk gleichermaßen, wie er es auch hasst. Eines Tages bekommt er den Auftrag, einen Mord aufzuklären. Abwechslungsreicher kann es ja beinahe nicht gehen, und somit nimmt Varek diesen Auftrag hochmotiviert an.
Als zweiten Erzählstrang lernen wir bereits ganz am Anfang das Freudenmädchen Idra kennen. Mit ihr fängt auch dieses Buch an und wir begleiten sie durch die düsteren Gassen dieser dreckigen Stadt und schauen ihr über die Schulter, als sie einen Mord beobachtet.
Beide Protagonisten sind von Elea Brandt rundum lebendig dargestellt. Gleichzeitig sind beide nicht gerade als anständige Menschen zu betrachten – dennoch betrachtet man sie recht schnell als die positiven Pole in diesem Buch und fiebert ihren jeweiligen Auftritten und Tätigkeiten entgegen.
Die Stadt des Blutigen Gottes ist alles andere als ein Ort der Behaglichkeit. Im Gegenteil: Man hat das Gefühl, wenn man irgendwohin auswandern möchte, dann sicherlich nicht dorthin. Es herrscht Brutalität, eine unbarmherzige Regierung und ausschließlich das Recht des Stärkeren.
Idra beisst sich durch und findet nur wenig Personen, die man als Freund betrachten könnte. Varek ist zwiespältig ob seines bisherigen Lebens und versucht das Beste aus seinem Auftrag zu machen.
Nach und nach kreuzen sich die Wege der beiden und man merkt als Leser deutlich den Schwenk in tiefere Ebenen der phantastischen Literatur.
Ein Ewachsenen-Fantasy-Thriller, der es wahrlich in sich hat. Die Geschichte ist brutal – dennoch exakt so brutal, wie man es auch vorfinden würde, wäre die Geschichte ein Tatsachenbericht. Dementsprechend glaubwürdig wirkt der gesamte Plot. Elea Brandt schreckt weder vor expliziter Sprache noch vor detailliert dargestellter Gewalt zurück. Sexuelle Ausbeutungen werden nicht mit einem rosa Schleifchen dargestellt, sondern finden unverblümt ihren Weg in des Lesers Gehirnwindungen.
Varek als auch Idra sind nicht gerade Sympathieträger. Trotzdem der einzige positive Anker in dieser verruchten und brutalen Welt.
Genau dafür verneige ich mich vor der Autorin: Wir sprechen hier von einem Debütroman und es gibt prinzipiell absolut nichts negatives darüber zu sagen.
Eine sehr interessante Welt bzw. Stadt, gefüllt mit vielen Details trifft auf einen beinahe typischen Thrillerplot – hebt diesen aber dadurch über typische, genrespezifische Romane hinaus. Einfach ein nahezu perfektes Fantasyerlebnis mit guten Ideen.
Am Ende wurde die Geschichte ein wenig hektisch und schnell abgeschlossen – hier hätte ein klein wenig mehr Ruhe vielleicht noch für das ein oder andere interessante Detail sorgen können. Nichts desto trotz ein sehr empfehlenswerter Roman.
Ich bin sehr gespannt, ob es sich dabei um eine Eintagsfliege handelt, oder ob wir mit Elea Brandt das Entstehen einer neuen Perle im Genre der Fantasy kennen lernen durften.
Jürgen Seibold/19.11.2017

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John Gwynne: Bosheit (Die Getreuen und die Gefallenen 2)

Originaltitel: Valour – The Faithful and the Fallen 2
Aus dem Englischen von Wolfgang Thona
©2014 John Gwynne
© der deutschsprachigen Ausgabe by Blanvalet in der Verlagsgruppe Random House GmbH, München
ISBN 978-3-7341-6120-9
ca. 832 Seiten

COVER:

Der Krieg ist ausgebrochen und hat die Verfemten Lande in Chaos gestürzt. Während der fehlgeleitete Hochkönig Nathair sich für den Avatar des Schöpfergottes Elyon hält, muss Corban aus seiner Heimar fliehen.
Denn der Hochkönig glaubt, in dem jungen Krieger die Schwarze Sonne zu erkennen – den Paladin des dunklen Gottes Asroth. Corban kümmert all das wenig – schließlich hat er seine Familie verloren und trauert. Doch seine Schwester Cywen hat überlebt. Sie ist allerdings in die Hände Nathairs gefallen, der sie nun einsetzt, um Corban aus der Deckung zu locken. Schließlich würde ihr Bruder jeden Preis bezahlen, um Cywen zu retten.
An der Seite der Woelven Sturm und seiner treuen Gefährten reist Corban seiner Bestimmung entgegen – durch ein dunkles Land, voller Giganten, Monster und dunkler Mächte.

REZENSION:

Nach dem wahrlich fulminanten Beginn der Saga um “Die Getreuen und die Gefallenen”, bleibt einem wirklich nichts übrig, als sich auch dem nächsten Band mit dem Titel “Bosheit” zu widmen.
Schon mal eines vorweg: Wer Band 1 (Macht) nicht kennt, sollte sogleich die Finger vom zweiten Band  lassen und sich zuerst seinem Vorgänger widmen. Man hat sonst definitiv keine Chance dieser Geschichte einigermaßen folgen zu können. Viel zu viele Personen wurden in ihrer Detailtiefe bereits im ersten Buch eingeführt und Handlungsstränge werden in “Bosheit” lediglich weiter fort geführt.
Hat man “Macht” gelesen und für gut befunden, wird man sowieso keine andere Möglichkeit haben, als sich diesem Buch zu widmen.
Nahezu nahtlos geht es in “Bosheit” weiter. Corban befindet sich auf der Flucht, was aus seiner Schwester geworden ist, entzieht sich seiner Kenntnis. Vielmehr geht er von ihrem Tode aus und füllt sich dementsprechend schlecht in seinen weiteren Zukunftsgedanken.
Es ist erstaunlich, wieviele Charaktere John Gwynne detailliert vorgestellt vom Stapel lässt – gleichzeitig ist erstaunlich, wieviele er davon auch relativ schnell wieder hopps gehen lässt.
Sicher, dadurch blinzelt ein klein wenig die Vorgehensweise beim momentanen Blockbuster Game Of Thrones durch – dennoch entwickelt sich “Die Getreuen und die Gefallenen” zu einer hochwertigen und durchgehend gut durchdachten Fantasysage, der man sich schlicht nicht entziehen kann.
Sicher, im Gegensatz zu seinem ersten Band wirkt Buch 2 ein wenig wie der Drache, der vor seinem Angriff erst einmal Luft holen muss. Dennoch kann man weiterhin mit den Figuren mitfiebern und sie auf ihren jeweiligen Reisen begleiten.
Herrscher werden machthungriger als sie bereits waren, Intrigen werden ungebremst weiter gesponnen. Manchmal scheinen die Fäden nicht mehr greifbar zu sein – kurz danach werden sie jedoch wieder aufgenommen und knotenfrei dargelegt.
Wie sehr oft in zweiten Bänden einer längeren Saga steht auch “Bosheit” seinem Vorgänger etwas nach. Dies liegt aber wohl im Besonderen daran, dass in “Macht” für einen Leser noch alles neu und bereit zum Entdecken war. Nun geht die Story weiter – die Personen sind bekannt. Dennoch wusste ich bald gar nicht mehr, wer denn nun gegen wen kämpft, wer noch nicht gekämpft hat und warum überhaupt. Aber da sind wir wieder bei den Fäden: Alles löst sich nach und nach und man ist als Leser plötzlich wieder mittendrin in einer mittelalterlich wirkenden, fantastischen Welt.
John Gwynnes Geschichte entspricht beinahe dabei nahezu sämtlichen Fantasy-Klischees – aber verdammt: Das macht trotzdem richtig viel Spaß beim Lesen und es muss ja nun wirklich niemand andauernd versuchen, ein etabliertes Genre neu zu erfinden.
Auch wenn ich mich zwischendurch fragte, wann denn nun alle gegeneinander gekämpft haben, wer noch nicht dem Wahnsinn verfallen ist, welche Rolle X, welche Rolle Y spielt, wer bei dieser Vielzahl an Toten eigentlich noch übrig bleibt, wer nun mit wem paktiert – lässt sich auch Buch 2 problemlos empfehlen und ich freue mich schon sehr auf den Folgeband, der demnächst erscheinen wird.
Jürgen Seibold/05.11.2017

Bosheit – Die Getreuen und die Gefallenen 2: Roman – KAUFEN BEI AMAZON

Carl Wilckens: 13 – Das Tagebuch (Band 1)

© acabus Verlag, Hamburg 2017
ISBN 978-3-86282-473-1
ca. 255 Seiten

COVER:

Godric End, Symbolfigur des Bürgerkriegs in Dustrien, ist in Gefangenschaft geraten. Für eine Zigarette pro Tag erzählt er den Insassen von Zellenblock 13 seine Geschichte:

Ich war elf, als ich zum ersten Mal tötete. Meine Jugend verbrachte ich in einer Drogenhölle ohne Sonnenlicht. Mein einziger Freund war der Hunger. Worte wie Freundschaft, Vertrauen oder Hoffnung bedeuten mir nichts. Das Leben eines Menschen ist für mich nicht mehr wert als das einer Ratte. Ich kann euch töten, ohne mit der Wimper zu zucken. Ich bin mehr Bestie denn Mann und giere nach einer Droge namens Perl.
Trotzdem nennt man mich einen Helden. Ihr habt von mir gehört, von Godric End, dem Freiheitskämpfer. Aber die Wahrheit über mich kennt ihr nicht. Sie ist ein scheues und manchmal hässliches Tier.
Ihr sollt meine Geschichte hören. Die Geschichte von meinem Dasein im Rumpf der Swimming Island, von meiner Zeit als Auftragsmörder und von meiner ersten Liebe. Von der Suche nach meiner Schwester und dem Untergang der Welt.

REZENSION:

Als Carl Wilckens das Licht der Welt erblickte, musste ich mich bereits dem täglichen Irrsinn des Berufslebens widmen. Laut Beschreibung entspringt er somit einer Generation, die von Fantasyliteratur geprägt aufgewachsen ist. Nun, das würde ich nicht unbedingt unterschreiben. Sicher, diese Generation hatte es sicherlich leichter, da zu meiner Zeit Fantasy in den Augen unserer Eltern lediglich Papier für den Müll war. Trotzdem ist es uns gelungen, uns der Phantastik zu widmen – ausreichend Werke waren auch damals bereits vorhanden. Man musste nur etwas tiefer wühlen, gab ja keine Onlinemöglichkeit…
Na egal, es soll ja in dieser Rezension eher um 13 gehen. Der erste Band eines Tagebuches über Godric End. Godric End ist eigentlich nicht wirklich ein Sympathieträger. Im Gegenteil, ich würde unverzüglich und ohne zu Zögern die Strassenseite wechseln, nur um ihm aus dem Weg gehen zu können.
Irgendwie ist es im Laufe des Buches dennoch ein wenig irritierend, dass einem dieser Kerl immer mehr ans Herz wächst. Man lauscht mit ebenso spitzen Ohren wie seine Zellengenossen der Erzählung Godrics. Innerhalb kürzester Zeit fühlt man sich in den Zellenblock 13 versetzt und sucht nach Zigaretten – nur, damit Godric weiterhin damit bestochen werden kann und uns noch mehr von seinem Leben erzählt.
Wie gesagt, Godric ist nicht gerade ein Sympathieträger – drogensüchtig, hinterfotzig, mörderisch – aber: ein verdammt interessantes Leben in einer teils realen, teils phantastischen Welt.
Gleichzeitig ein Genremix und nebenbei auch ein wenig Steampunk.
Carl Wilckens erzählt eingehend und doch recht detailliert. Es gibt verschiedene Ebenen, die der Geschichte ausreichend Tiefe und Abwechslung liefern. Teilweise ein brutaler Überlebensroman, teilweise ein mystisch angehauchter LIebesroman. Alles so geschickt vermengt, dass wahrlich für jeden etwas dabei ist. Man fühlt sich einfach an die Wand seiner Zelle gelehnt und lauscht den Worten Godric Ends und hofft, dass er noch lange damit weitermacht. Gleichzeitig steigt auch die Hoffnung der Insassen, dass sie in Godric ihren lange erwarteten Retter vor sich haben.
Nun, abwarten und einfach dieses sowie die nächsten Tagebücher genießen.
Jürgen Seibold/22.10.2017

Dreizehn. Das Tagebuch: Band 1. Roman (Dreizehn -13-) – KAUFEN BEI AMAZON

John Gwynne: Macht – Die Getreuen und die Gefallenen 1

Originaltitel: Malice – The Faithful and the Fallen 1
Aus dem Englischen von Wolfgang Thon
Deutsche Erstveröffentlichung Juni 2017 bei Blanvalet, einem Unternehmen der Random House GmbH, München
©John Gwynne 2012
© der deutschsprachigen Ausgabe: 2017 by Blanvalet
ISBN 978-3-7341-6119-3
ca. 832 Seiten

COVER:

Das, was die Menschen die Verfemten Lande nennen, war einst das Reich der Giganten. Aber der Krieg hat die Welt verändert und die Giganten fast ausgelöscht. Einzig ihre uralten Bauwerke prägen als Ruinen das neue Reich der Menschen. Doch was einst Legende war, bahnt sich erneut den Weg in die Verfemten Lande: Wesen aus Mythen werden lebendig, Steine weinen Blut, und eine Prophezeiung erzählt von der Wiederkehr der Götter.
Der junge Corban ben Thannon ahnt nichts von alledem. Er begehrt nur eines: Endlich der Hufschmiede seines Vaters zu entfliehen und das Kriegshandwerk zu lernen. An der Seite König Brenins will er Heldentaten verrichten. Aber an dem Tag, als er alles verliert, was er liebt, beginnt Corban zu ahnen, dass wahrer Mut, bedingungslose Treue und blutiger Sieg einen hohen Preis fordern.

REZENSION:

John Gwynnes Debüt-Fantasy-Epos hat bereits einige wenige Jahre auf dem Buckel. Nun gibt es seit diesem Jahr dieses Werk auch auf dem deutschen Markt und bereits wegen der Beschreibung und der schönen Buchgestaltung war ich sehr an dem Inhalt interessiert.
Mit seinen etwas über 800 Seiten bereits ein nicht gerade dünnes Buch ist es gleichzeitig erst der erste Band über Corban und seine Welt.
Corban ist ein Junge, der in einer mittelalterlich wirkenden Welt lebt und sich – wie eigentlich jeder Junge seines Alters – danach sehnt, das Kriegshandwerk zu erlernen und für seinen König in den Kampf zu ziehen.
John Gwynne erschafft eine Welt, der man deutlich anmerkt, dass hier der Game-Of-Thrones-Hype nicht nur eine Rolle spielte, sondern wohl auch Pate stand. Die Geschichte selbst entspricht den üblichen Fantasywerken und erfindet nichts wirklich neues. Dennoch konnte mich das Buch absolut überzeugen und ich versank direkt in den Seiten.
Gwynne erschafft eine rundum durchdachte Welt, gefüllt mit Menschen, die stark dem Mittelalter entnommen zu sein scheinen und Wesen, die scheinbar direkt aus alten Legendenerzählungen entsprungen sind. 800 Seiten sind normalerweise ein Zeitvertreib, der einige Zeit in Anspruch nimmt – aber bereits am ersten Tag war es mir nicht mehr möglich, damit auf zu hören und somit verschlang ich da bereits die ersten 300 Seiten. Bei meiner täglichen U-Bahn-Fahrt war ich jedesmal enttäuscht: Nicht, weil das Buch schlecht wäre, sondern einzig deshalb, weil mein Ausstiegspunkt gefühlt einfach zu schnell erschien und ich gezwungenermaßen das Buch schließen musste.
Ich kann nicht genau differenzieren, woran es bei diesem Werk lag, denn eine Geschichte mit diesem Inhalt gibt es bereits in einer Vielzahl unterschiedlichster Fantasy-Romane. Dennoch hat es der Autor in meinen Augen virtuos geschafft, seine Personen als auch die jeweiligen Königreiche und Kontrahenten plastisch, tiefgehend und mehrdimensional gezeichnet wirken zu lassen. Seine Kapitel sind nicht allzu lang und tragen durchweg den Namen der aktuell im Vordergrund handelnden Person. Antagonisten sind nicht immer sofort zu erkennen – Protagonisten können manchmal auch eine andere Entwicklung durchleben als gedacht. Neben Corban verliebt man sich in eine Vielzahl an handelnden Personen und ganz besonders hat es mir Sturm angetan, die Woelven Corbans.
Es ist schier unglaublich, dass es sich hierbei um ein Debüt handeln soll. Hierin steckt Qualität und eine perfekt durchdachte Geschichte. Ich bin beinahe enttäuscht, dass ich das Buch nun bereits beendet habe – freue mich aber auch dementsprechend auf die Folgebände. Dabei hoffend, dass Corban nicht zu schnell sein jugendliches Alter verliert, denn als Erwachsener könnte er unter Umständen manche Eigenschaft verlieren.
Kurzum: Ein verdammt gelungenes, spannendes und mit Intrigen sowie Reichskämpfen gefülltes Buch. Rundum empfehlenswert!
Jürgen Seibold/14.10.2017

Macht – Die Getreuen und die Gefallenen 1: Roman – KAUFEN BEI AMAZON

Christian Günther: Die Aschestadt

©2016 Amrûn Verlag, Traunstein
ISBN 978-3-95869-256-5
ca. 384 Seiten

COVER:

Ein verlorener Kontinent, der im Ozean zu versinken droht.
Ein uraltes Königreich, dessen Bewohner das Meer und seine Kreaturen fürchten.
Eine düstere Stadt, beherrscht von einer Bruderschaft, die ihre strengen Glaubensregeln brutal durchsetzt.

Alaris, die Hauptstadt des Reiches, hat ihren einstigen Glanz eingebüßt – statt Gold und Geschmeiden sind in den Straßen nun stählerne Klingen zu Hause.

Ein Mörder geht in den Straßen von Alaris seinem blutigen Handwerk nach.

Der junge Kartograf Harmis, der unsterbliche Seelenkrieger Gor und Alix, die Frau ohne Erinnerung, jagen ihm hinterher. Steckt die Bruderschaft hinter den Morden? Oder die verhassten Meermenschen? Schon bald stellen sie fest, dass die wahnsinnigen Morde nur Teil eines viel größeren Plans sind.

Das Schicksal der ganzen Stadt steht auf dem Spiel.

REZENSION:

“Die Aschestadt” ist der erste Roman einer neuen Reihe von Christian Günther. Wir betreten dabei die Welt von Faar und lernen diese sogleich als alles andere als brave, ruhige und saubere Fantasywelt kennen. Christian Günther lässt uns unverzüglich teilhaben bei der Flucht von Alix vor einem vermeintlichen Mörder. Wir rasen dabei durch die engen Gassen einer dreckigen, dunklen Stadt und lernen dadurch die beiden wichtigsten Protagonisten seines Werkes kennen: die mysteriöse Alix und den drogenabhängigen Kartografen Harmis, der mit seinem Auftritt Alix vor dem sicheren Tod bewahren konnte. Bereits jetzt fühlt man sich als Leser schon ganz gut aufgehoben. Christian Günther legt aber noch eine Schippe drauf und führt auch noch weitere interessante Personen und Rassen ein, wie zum Beispiel Gor, einen Seelenkrieger und die von allen verhassten Meermenschen.
Prinzipiell könnte man “Die Aschestadt” auch als fantastischen Krimi abtun – dies würde dem Buch aber nicht gerecht werden, da sich erheblich mehr dahinter verbirgt als lediglich die Jagd nach einem Unbekannten.
Christian Günthers Welt spielt fast eine größere Rolle als seine Protagonisten. Diese wiederum sind aber durchweg glaubhaft, detailliert und interessant dargestellt. Seine Welt hingegen ist dreckig und strotzt vor einem schwelenden Rassismus gegenüber den Meermenschen und einer Bruderschaft, deren einziges Ziel die alleinige Herrschaft darstellt.
Günthers Setting ist erfreulich kurios, gut durchdacht und wirkt fast wie aus der Feder eines H.P. Lovecraft. Die Dialoge sind den Personen entsprechend in den Mund gelegt und somit auch unter Umständen sexistisch, brutal oder dreckig. Aber genau so soll es auch sein: Warum Rücksicht nehmen, wenn diese Klientel auch im wirklichen Leben so reden würde. Ich denke da besonders an die Söldner, die mir irgendwie besonders gut gefallen haben.
“Die Aschestadt” ist ein Auftaktband zu einer neuen Reihe über Faar – dennoch in sich ausreichend abgeschlossen, um auch als Einzelband zu funktionieren.
Kurzum: Ein leicht zu empfehlendes Werk, welches noch kein Blockbuster ist, aber sich eventuell dazu entwickeln könnte. Mir hat es jedenfalls recht gut gefallen.
Jürgen Seibold/02.10.2017

FAAR – Das versinkende Königreich: Die Aschestadt (Band 1): Fantasyroman – KAUFEN BEI AMAZON

Jay Kristoff: Nevernight – Die Prüfung

Originaltitel: Nevernight
Aus dem Englischen von Kirsten Borchardt
©2016 Jay Kristoff
Für die deutschsprachige Ausgabe: ©2017 S. Fischer Verlag GmbH, Frankfurt a.M.
(Fischer Tor 09/2017)
ISBN 978-3-596-29757-3
ca. 702 Seiten

COVER:

In einer Welt mit drei Sonnen, in einer Stadt, errichtet auf dem Grab eines toten Gottes, sinnt eine junge Frau, die mit den Schatten sprechen kann, auf Rache.

Mia Corvere ist sechzehn Jahre alt, und sie kennt nur ein Ziel: Rache. Als sie noch ein kleines Mädchen war, haben die mächtigsten Männer des Reiches – Francesco Duomo, Justicus Remus, Julius Scaeva – ihren Vater als Verräter an der Itreyanischen Republik hinrichten und ihre Mutter einkerkern lassen. Mia selbst entkam den Häschern nur knapp und wurde unter fremdem Namen vom alten Mercurio, einem Antiquitätenhändler, großgezogen. Mercurio ist jedoch kein gewöhnlicher Bürger der Republik, er bildet Attentäter für einen Assassinenorden aus, die “Rote Kirche”. Und Mia ist auch kein gewöhnliches Kind, sie ist eine Dunkelinn: Seit dem Tag, an dem ihre Familie ausgelöscht wurde, wird sie von einer Katze begleitet, die in ihrem Schatten lebt und sich von ihren Ängsten nährt. Mercurio bringt Mia vieles bei, doch um ihre Ausbildung abzuschließen, muss sie sich auf den Weg zur geheimen Enklave der “Roten Kirche” machen, wo sie eine gefährliche Prüfung erwartet …

REZENSION:

Die Geschichte um Mia hat es mir bereits beim Lesen der Buchbeschreibung angetan. Hier scheint jemand einige nette und neue Ideen aufwarten zu wollen. Dementsprechend gespannt war ich auf den Inhalt dieses recht umfangreichen Fantasy-Schmökers von Jay Kristoff.
Die Handlung seines Werkes ist relativ einfach umrissen: Die Eltern eines jungen Mädchens werden als Verräter hingerichtet bzw. weggeschlossen, das Mädchen musste die Hinrichtung im zarten Alter von zehn Jahren mit ansehen und hat seitdem nur noch einen Gedanken im Sinne: Rache!
Sie wird von einem Antiquitätenhändler aufgenommen, der sich als Mitglied des Assassinenordens “Rote Kirche” herausstellt und ihr die ersten Verteidigungstricks beibringt. Ab einem gewissen Punkt macht sich Mia auf den Weg zur Assassinenkirche und beginnt dort ihre Ausbildung zum absoluten Killer. Ihr Ziel ist dabei weiterhin ihre Rachlust, dennoch hinterlässt die Ausbildung auch ihre Spuren an der 16jährigen.
Die ersten Seiten hatte ich unglaublich viele Probleme in dieses Werk hinein zu finden. Hauptsächlich lag das wohl an der vom Autor in einer unglaublichen Vielzahl verwendeten Fußnoten, die dabei auch noch recht umfangreich geschrieben sind: Teilweise bis zu einer halben Seite und dabei in einer erheblich kleineren Schrift als der eigentliche Storytext.
Man wird dadurch als Leser einfach zu sehr abgelenkt und somit aus der Geschichte heraus gerissen. Nach einiger Zeit beschloss ich für mich, einfach über diese Fußnoten hinweg zu gehen – und siehe da: Ab diesem Augenblick ließ sich diese Geschichte auch flüssig lesen und ich konnte in die Tiefen Mias Welt eintauchen.
Als Gesamteindruck bekam ich zeitweise das Gefühl, bei Nevernight handelt es sich um eine Art Harry Potter für den etwas blutigeren und erwachseneren Geschmack. Insbesondere, da Kristoff wahrlich kein Blatt vor den Mund nimmt und somit seine Geschichte recht “erwachsen” klingt. Der Harry Potter-Vergleich hinkt natürlich ein wenig, dennoch lesen wir hier eine Geschichte eines Mädchens, die eine Ausbildung zu durchlaufen hat. Diese wiederum bildet das Mädchen in verschiedenen Fächern zu einem ausgewachsenen Assassinen aus – sofern sie natürlich die jeweiligen Prüfungen auch überlebt, denn bei dieser Schule werden die nicht so guten Schüler schlicht durch ihren eigenen Tod ausgesiebt, wenn sie eine Prüfung nicht schaffen. Dementsprechend gefährlich sind diese Prüfungen.
Nichts desto trotz entwickeln sich verschiedene Freundschaften und Feindschaften in der “Schule”.
Kristoff baut darüber hinaus magische und mystische Elemente ebenso ein und somit ist für jeden Anspruch etwas vorhanden. Seine Welt ist stimmig dargelegt, sein Schreibstil nach einer gewissen Zeit auch eingängig und flüssig zu lesen, die Fußnoten – wie gesagt – vernachlässigbar.
Sehr interessant auch die Rolle der Nicht-Katze, die im Schatten Mias lebt und sich von ihren Ängsten ernährt – dabei auch mit ihr des öfteren im Gespräch auftritt.
Alles in allem ein wunderschöner und erfreulich anders aufgebauter fantastischer Roman, der mich rundum überzeugen konnte. Darüber hinaus von Zeit zu Zeit auch witzig im Dialog erzählt, dennoch immer mit dem Blick auf die notwendigen Mechanismen, um die Story anzutreiben.
Ein wirklich sehr spezielles Werk und gerade deshalb sehr zu empfehlen. Ich bin auch froh, dass ein Autor vor nichts zurückschreckt und mit einigen Konventionen bricht. Somit auch ein blutiges Werk mit einer Vielzahl an unterschiedlichen Möglichkeiten, das Zeitliche zu segnen. Gleichzeitig eine Enklave, die mit Räumen und Personen aufwartet, die auch den etwas älter gewordenen Harry-Potter-Fan überzeugen kann. Ich denke dabei ganz besonders an die sehr interessante Bibliothek und ihren Bibliothekar.
Kurz gesagt: Ein absoluter Tipp und ich freue mich bereits sehr auf den Folgeband.
Aber: Lasst es doch bitte mit den zwar witzigen, dennoch ablenkenden Fußnoten.
Jürgen Seibold/02-10-2017

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Michael J. Sullivan: Rebellion (The First Empire)

Originaltitel: Age of Myth. Book One of The Legends of the First Empire
Aus dem Englischen von Marcel Aubron-Bülles
Deutsche Erstausgabe April 2017
© 2016 Michael J. Sullivan
© 2017 Knaur Verlag
ISBN 978-3-426-52033-8
c. 520 Seiten

COVER:

WAS GESCHIEHT, WENN DU HERAUSFINDEST, DASS DIE GÖTTER STERBLICH SIND?

Seit Anbeginn der Zeit leben die Menschen im Schatten der Fhrey, ewig junger Wesen, die sie als Götter verehren. Die glanzvollen Städte der Fhrey und ihre Magie bleiben den Menschen jedoch verschlossen, ihre Clans fristen ein erbärmliches Dasein.
Als der jungen Raithe mit seinem Vater in einem verbotenen Waldstück jagt und von einem Fhrey angegriffen wird, tut der das Undenkbare: Er schlägt zurück – und tötet das Wesen, das er für einen Gott gehalten hat. Raithe flieht, doch dem Ruf eines Mannes, der einen Gott getötet hat, kann er nicht entkommen …

REZENSION:

Allein bei der Coverbeschreibung hatte mich dieses Buch schon. Der Gedanke, dass man plötzlich entdeckt, dass die Götter wohl doch nicht das sind, was sie seit Jahrtausenden vorgaben, klingt interessant und führt zu verschiedensten Gedankenspielen.
Nun, wollen wir mal nicht die Gedanken schweifen lassen, sondern einfach die Umsetzung dieser Idee im ersten Band einer neuen Fantasyreihe erforschen.
Michael J. Sullivan war mir bis dahin in keinster Weise ein Begriff. Somit ließ sich dadurch auch ein für mich neuer Autor entdecken.
Wie sich dabei recht schnell herausstellen sollte, scheint hier jemand sein Handwerk zu verstehen.
Die Geschichte beginnt recht schnell mit der Tötung der besagten Gottheit. Gleichzeitig erkennt man als Leser auch, dass es sich hier wohl einfach um unterschiedlich entwickelte Völker handelt. Die einen leben fast alterslos mehrere tausende Jahre, die anderen entsprechen eher unserem Menschsein und wirken in der Vergangenheit stehengeblieben und dementsprechend wenig weiter entwickelt.
Nun ist also einer von ihnen einen Weg zu weit gegangen und hat aus Versehen einen Gott erschlagen. Raithe selbst wirkt dabei eher wie ein Held, der kein Held sein möchte. Im Gegenteil, er verzieht sich in die Wälder und befindet sich fortan eigentlich auf der Flucht, da er unglaubliche Angst vor Repressalien der Götter hat. Gleichzeitig folgt ihm sein Ruf als Gottestöter und somit bleibt ihm eines Tages nichts weiter übrig, als die Rolle eines Helden einzunehmen.
Prinzipiell wird hier das Genre sicherlich nicht neuerfunden, dennoch recht gut belebt und ergänzt. Sullivan schreibt flüssig und spielt mit sehr gelungenen und zum Teil auch witzigen Dialogen. Seine Welt ist meisterhaft dargelegt und man freut sich über magische Elemente ebenso wie über das unfreiwillige Heldsein seines Protagonisten.
Rebellion hat es geschafft, dass ich oft verärgert war, wenn ich lesend in der U-Bahn sitzend an meiner Station ankam und somit das Buch leider schließen musste. Das allein ist bereits ein sehr starkes Argumet für dieses außerordentlich gut erzählte Buch. Gleichzeitig zeigt der Inhalt, dass man nicht einfach alles so hinnehmen sollte, wie es ohne weitere Betrachtung zu sein scheint. Es gibt in diesem Zusammenhang auch kein wirkliches Gut-Böse-Bild, denn in Richtung Ende helfen Personen der unterschiedlichsten Völker – inklusive einiger Fhrey – zusammen, um sich der ankommenden Gefahr zu erwehren.
Rebellion ist somit durchweg zu empfehlen – gleichzeitig stellt sich mir (trotz aller Vorfreude auf Band 2) die Frage, wie der Autor weiter vorgehen wird. Der “Götter-sind-verletzlich”-Gedanke ist ja nun obsolet und stellt nichts neues mehr da. Aber ich lasse mich sehr gerne überraschen.
Jürgen Seibold/24.09.2017

Rebellion: The First Empire 1 (Zeit der Legenden, Band 1) – KAUFEN BEI AMAZON

Charlie Human: Apocalypse Now Now. Schatten über Cape Town

© Fischer Tor
ISBN 978-3596034987
ca. 352 Seiten

COVER:

Mit ›Apocalypse Now Now‹ hat Charlie Human »ein verrücktes, finsteres, respektloses und wunderbar abgedrehtes Debüt« (Lauren Beukes) geschrieben, das in seiner Heimatstadt Cape Town spielt. Südafrikanische Mythologie + magiebegabte Kopfgeldjäger + Rock’n’Roll-Highschool = punkige Urban Fantasy vom Allerfeinsten.

Eigentlich läuft für den 16-jährigen Baxter gerade alles rund. Sein kleines Pornobusiness an der Highschool boomt, die Eltern lassen ihn in Frieden, und er ist über beide Ohren in die zauberhafte Kleptomanin Esmé verliebt. Doch als diese von einem wahnsinnigen Serienmörder entführt wird, laufen die Dinge aus dem Ruder. Zusammen mit dem Kopfgeldjäger Jackie Ronin macht Baxter sich auf die Suche nach ihr und entdeckt hinter dem gewöhnlichen Alltag von Kapstadt eine Schattenwelt der Ungeheuer und Magie.

Ein anarchisches, übersteuertes und verdammt witziges Fantasy-Debüt mit Kultbuchpotenzial. Mit ›Apocalypse Now Now‹ und der Fortsetzung ›Kill Baxter‹ macht Charlie Human den ganz Großen der Urban Fantasy – Neil Gaiman, Jim Butcher und Ben Aaronovitch – ernsthaft Konkurrenz.

REZENSION:

Der 16-jährige Baxter lebt relativ unbeschadet vor sich hin. Seine Eltern stellen für ihn absolut kein Problem dar und sein eigenes kleines Unternehmen läuft nahezu problemlos und sorgt für ein ausreichendes Einkommen. Dies, obwohl sein Business nicht gerade unangreifbar wäre: Handelt er doch in der Highschool mit Pornos für jeglichen abartigen Geschmack. Ganz neu im Programm sind Pornos mit irgendwelchen Monstern oder ähnlichem unglaublichen Getier.
Nebenbei ist er mit Esme liiert und freut sich seines Lebens. Aufgrund seiner Art ist er zwar einigermaßen angesehen, gleichzeitig nutzt er seine Mitschüler aber je nach Gebrauch schlichtweg aus.
Plötzlich wird jedoch seine Freundin entführt – angeblich von einem Serienmörder. Ab diesem Augenblick wird ihm klar, dass sich hinter dieser Beziehung für ihn wohl doch erheblich mehr dahinter verbirgt. Scheinbar spielt “Liebe” doch eine Rolle in seinem Leben.
Angestachelt von seinen erwachten Gefühlen macht er sich auf die Suche nach ihr und wird dabei von einem sehr kuriosen Kopfgeldjäger unterstützt.
Ab diesem Augenblick steht die gesamte Welt Baxters auf dem Kopf: Wie er feststellen muss, gibt es in Kapstadt eine verborgene Welt voll unglaublicher Wesen und magische Elemente.
Charlie Human legt wahrlich eine rasante Achterbahnfahrt voll interessanter Begebenheiten vor. Allein der Ideenreichtum macht unglaublich viel Spaß und man ist durchgehend interessiert, zu welchem Ende diese abgedrehte Geschichte wohl führen wird. Gleichzeitig nimmt der Autor absolut kein Blatt vor den Mund und somit sollte man als Leser schon einiges aushalten können.
Dies klingt alles schon einmal sehr positiv – nichts desto trotz hatte ich einige Probleme mit der Geschichte. Diese gingen aber nicht so weit, dass ich da Buch abgebrochen hätte. Nein, dafür war die Story doch zu interessant und voll wirrer und dennoch an die Seiten fesselnden Begebenheiten.
Ich glaube, es liegt einfach daran, dass die Geschichte hauptsächlich in der Ich-Form geschrieben ist und ich immer wieder irgendwie mit diesem Stil Probleme zu haben scheine. Es fällt mir einfach eher schwer, in solche Geschichten ein zu tauchen.
Alles in allem ist Apocalypse Now Now dennoch eine recht interessante Story, die mit einer relativ frischen und erfreulich abgedrehten Idee aufwartet.
Wer somit mit der Erzählung in Ich-Form keine Probleme hat und einfach mal mit einer sehr punkigen und abgedrehten Story seinen Alltag versüßen möchte, der kann hier sicherlich einiges für sich herausholen. Mir hat es jedenfalls einigermaßen gut gefallen – schaffte es aber nicht, mich rundum zufrieden zurück zu lassen.
Jürgen Seibold/15.09.2017
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Anthony Ryan: Das Lied des Blutes (Rabenschatten 1)

Originaltitel: Blood Song. A Raven’s Shadow Novel
Aus dem Englischen übersetzt von Sara und Hannes Riffel
©2011 by Anthony Ryan
Für die deutsche Ausgabe: ©2014, 2016 by J.G. Cotta’sche Buchhandlung Nachfolger GmbH, Stuttgart
ISBN 978-3-608-94971-1
ca. 776 Seiten

COVER:

Vaelin al Sorna, der berühmteste Gefangene des Reichs und sein größter Kämpfer, erzählt die atemberaubende Geschichte seines Lebens. Er ist an Bord eines Schiffs, das ihn zu dem Ort bringen soll, an dem es für ihn um Leben und Tod geht. Einst war er von seinem Vater als Zögling in das Kloster des Sechsten Ordens gebracht worden, wo er zum Krieger ausgebildet wurde. Nun sind die Namen, die er sich im Kampf verdient hat, über alle Grenzen hin bekannt: Schwert des Königs, Dunkelklinge, Rabenschatten und am gefürchtetsten: Hoffnungstöter.

REZENSION:

Der junge Vaelin wird unvorbereitet von seinem Vater vor den Toren des Sechsten Ordens abgegeben.
Dieser Orden bildet Krieger aus und unterstützt damit – als Kämpfer des Glaubens – den Herrscher bei der Sicherung seines Reiches.
Vaelin wird dabei zu einem der Größten von ihnen. Sein Name wird im gesamten Reich und noch darüber hinaus bekannt. In Anthony Ryans erstem Rabenschatten-Band erfahren wir einen großen Teil über das Leben und Wirken Vaelin al Sornas.
Prinzipiell könnte man sich natürlich als geneigter Fantasy-Leser auch bei diesem Schmöker fragen, warum man sich so etwas überhaupt antut. Erneut ein erster Band mit bereits weit über 700 Seiten. Eine nicht gerade neu klingende Geschichte und somit wohl auch diesmal Stoff, der zum Träumen und Abtauchen anregt.

Ist das wirklich so? – Mitnichten!
Ja, Anthony Ryan erzählt lediglich die Geschichte einer Person von A bis Z: Der junge Vaelin lernt ausschweifend beschrieben sein blutiges Handwerk, fällt eines Tages in die Abhängigkeit des Königs und macht sich auf den Weg zu diversen Kämpfen – immer begleitet von manch einer dezent eingeflochtenen Intrige des Königshauses.
Aber: Es gibt im Genre der Fantasy ab und an Werke, die einen Leser wieder von seinem bevorzugten Genre überzeugen können. Teilweise muss man dafür Jahre voll Hoffnung hinter sich bringen und wenn ich so zurück denke, ist es wahrlich schon lange her, dass mich ein Fantasyroman absolut und uneingeschränkt so überzeugen konnte, wie vorliegendes Lied des Blutes.
Vor vielen Jahren ging es mir mit Williams’ Drachenbeinthron recht ähnlich, danach wurde es dünn, bis Martin mit seinem Song Of Ice And Fire ums Eck kam. Dieser war mir dann aber nach dem achten Band dann doch zu langatmig und ich schwenkte meine Nase lieber in andere Werke des Genres der phantastischen Literatur.
Nun jedoch Anthony Ryan – und dieser Name sagte mir bis dato leider absolut gar nichts. Beschämt kann ich somit lediglich dieses Werk jedem an das Herz legen, der sich für etwas anspruchsvollere und sehr intelligent geschriebene Fantasy interessiert. Nebenbei erwähnt: Es gibt hier keine Wesen, Drachen, etc. Das ganze Buch wirkt eher wie ein Tatsachenbericht aus einer mittelalterlich angehauchten Welt.
Ryan ist wohl der einzige Autor, der es bisher geschafft hatte, mal locker 300 Seiten einfach nur über die täglichen Tätigkeiten seines Protagonisten zu erzählen. Recht viel mehr passiert zuerst einmal nicht – dennoch war ich wie schon lange nicht mehr an die Seiten gefesselt.
Ich ziehe wahrlich meinen Hund vor diesem rundum virtuos erzählenden Autor. Herzlichen Dank für diese geniale Geschichte, die mich mehrere Stunden in weit entfernte Welten entführen konnte.
Jürgen Seibold/07.09.2017
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Guy Gavriel Kay: Im Schatten des Himmels

Originaltitel: Under Heaven
©2010 Guy Gavriel Kay
Für die deutschsprachige Ausgabe:
©2016 S.Fischer Verlag GmbH, Frankfurt a.M.
ISBN 978-3-10-403712-7
ca. 720 Seiten

COVER:

Guy Gavriel Kay ist der Großmeister der historischen Fantasy. Mit ›Im Schatten des Himmels‹ hat er ein bildgewaltiges und fesselndes Epos geschrieben, das in einem phantastischen Reich der Mitte spielt. Kay beschwört das China der Tang-Dynastie herauf und erzählt eine grandiose Fantasy-Geschichte voller Intrigen, Abenteuer und Magie.

»250 sardianische Pferde, Geschöpfe von unvergleichlicher Schönheit und Seltenheit!« Als der Kriegermönch und Gelehrte Shen Tai für seine Heldentaten von der Jadeprinzessin des Nachbarreiches belohnt wird, macht ihn das überaus großzügige und gefährliche Geschenk auf einen Schlag zu einem der mächtigsten Männer im Reich der Mitte.

Die Herrschenden von Kitai – eine Fantasy-Version des Chinas der Tang-Dynastie – wollen jedoch keinen neuen Konkurrenten neben sich dulden und senden Mörder aus, um Shen Tai aus dem Weg zu räumen. Nach einem ersten Attentatsversuch beschließt Shen Tai, in die Hauptstadt zu reisen, um die Pferde dem Kaiser zum Geschenk zu machen. Begleitet wird er von der jungen Kriegerin Wen Song, die geschworen hat, ihn mit ihrem Leben zu beschützen, und dem berühmten Dichter und Trunkenbold Sima Zian, der seinem jungen Freund mit Rat und Tat zur Seite steht. Die Gefährten erwartet eine abenteuerliche und gefährliche Reise, auf der sich das Schicksal des Reiches entscheiden wird.

Mit seiner unvergleichlichen Charakterentwicklung und der großartigen Handlung wird Kays neuestes Werk Liebhaber von historischen Romanen ebenso begeistern wie Fantasy-Fans.

REZENSION:

Der Fantasy-Autor mit dem nicht gerade leicht zu merkenden Namen Guy Gavriel Kay führt uns mit seinem Buch “Im Schatten des Himmels” in das Land der Mitte und schafft es dabei, trotz Verwendung einer eigenen Dynastie, die reale Tang-Dynastie wieder aufleben zu lassen.
Man könnte sein Werk beinahe als historischen Roman bezeichnen – nachdem der Autor jedoch seine eigene Welt entwickelt, bleibt er seinem ursächlichen Genre treu und kann somit per Leichtigkeit seine eigene Geschichte erzählen, ohne auf historische Besonderheiten im Detail Wert legen zu müssen.
Er erzählt dabei eine wunderschöne Geschichte voll Intrigen, Tradition, Werte, Liebe, Krieg und Macht. Dies alles in einer glaubwürdig dargelegten Welt mit Kulissen, die ich gerne sofort selbst besuchen wollen würde.
Sein Erzählstil ist eingängig, detailreich, tiefgehend, spannend und dennoch frei von irgendwelcher “Hetze”, wodurch sein chinesisches Setting von Seite zu Seite immer mehr an Glaubwürdigkeit gewinnt. Wüsste ich nicht, dass es sich um eine Fantasy-Welt handelt, ich würde ihm jedes Wort uneingeschränkt glauben und dieses Buch als historischen Roman weiter empfehlen. Natürlich ist es ein Fantasyroman – dennoch kann “Im Schatten des Himmels” mit Leichtigkeit auch bei Lesern von historischen Romanen perfekt funktionieren. Ich kann jedem nur raten, es einfach selbst auszuprobieren.
Das Buch ist – wie so oft in diesem Genre – nicht gerade dünn. Sobald man aber die ersten paar Seiten hinter sich hat, merkt man überhaupt nicht mehr, wie viele Seiten man noch vor sich hat – im Gegenteil: Man wundert sich, warum dieses über 700 Seiten dicke Buch plötzlich zu Ende ist.
Dies ist somit wieder einmal ein Buch, dessen Ende man herbeisehnt, um dann leider traurig zu sein, dass es nun bereits erfolgt ist und man das Buch beenden muss.
Ein absolutes Meisterwerk in dem wahrlich alles richtig gemacht worden ist.
Ich freue mich schon sehr auf den bald erscheinenden Fortsetzungsband.
Jürgen Seibold/27.08.2017
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Charlie Jane Anders: Alle Vögel unter dem Himmel

Originaltitel: All the Birds in the Sky
©2016 Charlie Jane Anders
Für die deutschsprachige Ausgabe:
©2017 S.Fischer Verlag GmbH, Frankfurt am Main
ISBN 978-3-10-403838-4
ca. 330 Seiten (eBook)

COVER:

›Alle Vögel unter dem Himmel‹ von Charlie Jane Anders ist vieles: ein magischer Science-Fiction-Roman, eine unvergessliche Liebesgeschichte zwischen einer Hexe und einem Nerd – und eine feinsinnige Bestandsaufnahme des modernen Lebens.

Patricia Delfine merkt früh, dass sie eine Hexe ist. Schließlich kann sie mit den Vögeln sprechen – oder konnte es früher zumindest einmal (an jenem warmen Sommertag). Laurence Armstead ist ein Nerd: Schon als Highschool-Schüler erfindet er in seinem Kinderzimmer eine Zeitmaschine, die es ihm erlaubt, zwei Sekunden in die Zukunft zu reisen. Obwohl sie unterschiedlicher nicht sein könnten, werden sie schnell Freunde.
Gegen Ende der Schulzeit verlieren sie sich aus den Augen, nur um sich einige Jahre später in San Francisco wiederzutreffen: Doch der Zeitpunkt ist denkbar ungünstig: Die Welt wird gerade von einer ökologischen Katastrophe heimgesucht: Ganze Regionen versinken im Meer, Flüchtlingsströme durchziehen die Welt. Wissenschaftler wie Hexen suchen nach einem Ausweg, können sich jedoch nicht einigen. Laurence und Patricia finden sich auf unterschiedlichen Seiten der Auseinandersetzung wieder und müssen sich fragen: Wem können wir trauen, wenn die Welt aus den Fugen gerät, dem Verstand oder dem Gefühl?

REZENSION:

Ich muss ganz ehrlich sagen, dass man hier das Buch definitiv nicht auf Basis des Covers beurteilen kann. Ganz schlicht prangt darauf lediglich der Autorenname sowie der Titel des Buches. Beides platzfüllend und ohne jegliche bildhafte Unterstützung.
Somit lässt sich durch den Umschlag schon einmal nichts über das gedruckte Wort zwischen den Deckeln erahnen. Ich könnte mir sehr gut vorstellen, dass es ein solches Werk auf dem üblichen Büchertisch in einem Laden recht schwer haben könnte. Nichts desto trotz hat es dieses Buch definitiv verdient, von seinem zukünftigen Leser nach Hause genommen zu werden.
Ich greife jedoch vorweg: Ich konnte mir absolut keinen Reim auf den Inhalt machen, wusste lediglich, dass es wohl eine Art Crossover zwischen Fantasy und Science Fiction zu sein scheint. Nun, dies klingt doch allein schon recht vielversprechend und somit siegte meine Neugierde zu Gunsten des ersten umfänglichen Romans von Charlie Jane Anders.
Anfangs war ich dennoch sehr skeptisch, ob ich nun eine für mich Interessante Geschichte oder gar ein Jugend-, wenn nicht sogar ein Kinderbuch in meinen Händen halte. Der Grund liegt am Anfang: Lese ich doch in einer recht einfach gehaltenen Sprache von einem jungen Mädchen, welches plötzlich mit den Vögeln sprechen kann und mit ihnen gemeinsam zu einer Vogelversammlung geht.
Nach und nach steigt jedoch die Story in eine Ebene, die dafür sorgt, dass man einfach nicht mehr davon loskommt. Wir begleiten die beiden Außenseiter durch ihr Leben – eine der Natur verbundene Hexe und ein Wissenschaftsnerd, der sich der technischen Entwicklung verschrieben hat. Beide exzentrische Außenseiter, die von ihren Mitschülern dementsprechend gemobbt werden. Nach und nach entwickelt sich eine zarte Liebesgeschichte mit allen möglichen Höhen und Tiefen zwischen diesen Beiden. Gleichzeitig sind sie Konkurrenten auf ihrem jeweils eingeschlagenen Weg.
Charlie Jane Anders entwickelt nach und nach recht rasante und dennoch sehr philosophische Geschichte, deren Inhalt einfach als wunderschön zu betrachten ist.

Prinzipiell würde ich jetzt nicht unbedingt von Fantasy vs. Science Fiction sprechen – spielt die Geschichte doch gefühlt in unserer Zeit und die technischen Errungenschaften, die von den Nerds gerade entwickelt werden oder wurden, klingen recht plausibel. Gut, die Fähigkeiten einer Hexe klingen nach Fantasy – aber was soll‘s? Könnte doch ein Quentchen Wahrheit sein…
Alles in allem kann ich dieses Buch jedem wirklich nur ans Herz legen. Es handelt sich darin einfach um eine durchweg gelungene Geschichte, die erfrischend neu wirkt und in der viele Sätze zum Nachdenken anregen. Diese sind dabei so nebenbei eingestreut, dass sie einfach zur Story gehören und dem Leser in kleinster Weise irgendeinen erhobenen Finger vor die Augen halten möchten. Trotzdem könnte man sich sehr gut vorstellen, dass die beiden Bereiche gemeinsam wohl sinnvoller wären – aber darum geht es hier nicht.
Kurzum: Genießt einfach dieses Buch, es lässt einen wirklich auf außerordentlich interessante Art vom Alltag abtauchen. Ein wahrlich perfektes Debüt.
Jürgen Seibold/11.08.2017
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Michael Peinkofer: Kampf der Könige

©2014 Piper Verlag GmbH, München/Berlin
ISBN 978-3-492-70211-9
Ca. 541 Seiten

COVER:

Mit „Die Könige“ führte Michael Peinkofer uns in die düstere Ära der Geschichte des Kontinents Erdwelt. Nun kehren die Helden um den Krieger Dag und seine Gefährtin Aryanwen zurück, um die nächste Schlacht zu schlagen: Das Reich ist zersplittert. Alchemisten betreiben dunkle Magie, und die Stadt Tirgas Winmar erzittert unter der Schreckensherrschaft des Dunklen Königs. Dag und Aryanwen ziehen durch das Land auf der Suche nach ihrem Kind, das sie eins den Orks Balbok und Rammar anvertrauten.
Doch vor ihnen liegt nicht nur ein gefahrvoller Weg, sonder auc das finsterste Geheimnis Erdwelts …

REZENSION:

„Kampf der Könige“ ist der zweite Band der als Trilogie geplanten Reihe mit dem Obertitel „Die Könige“. Zwischen dem ersten Buch und dem vorliegenden liegen in der Geschichte selbst ein Zeitraum von etwa 2 Jahren. Dadurch konnte Peinkofer sehr geschickt ein wenig Gras über die Geschehnisse in „Die Könige“ wachsen lassen. Hierdurch wirken die nun vor dem Leser ausgebreiteten Plots in „Kampf der Könige“ gleich ein wenig glaubwürdiger – ansonsten würde ein Land ja nicht einmal kurz zur Ruhe kommen.
Gleichzeitig ist Alannah, die Tochter Aryanwens nun ganze zwei Jahre älter. Wie man dem Klappentext entnehmen kann, befindet sich Aryanwen mit ihrem königlichen Liebhaber auf der Suche nach ihr. Das lässt bereits beim Lesen der kurzen Klappentextsequenz auf sehr viele neue Begegnungen mit den beiden früheren Hauptfiguren der Orkreihe – Balbok und Rammar – hoffen, denn diesen beiden kuriosen Gestalten gab sie ihr Kind, in der Hoffnung, ihrer Tochter aus der Schusslinie zu bekommen.
Ganze zwei Jahre bei den beiden mehr oder weniger brüderlichen Orks? Das wird doch bestimmt wieder für viele interessante Ereignisse sorgen…
Darüber hinaus ist es natürlich immer noch notwendig, dass die entstehende Dunkle Macht vernichtet werden müsste, damit Erdwelt nach langer Zeit wieder einen angenehmen König bekommt und schlußendlich eine friedvolle Ruhe einkehrt.
Tja, wir sind ja erst im Mittelteil der gesamten Geschichte. Nichts desto trotz erzählt Michael Peinkofer seine Story ungebremst weiter. Dabei schwenkt er sehr schön zwischen Ernsthaftigkeit, düsteren Begebenheiten und witzigen Episoden. Selbstverständlich ist auch „Kampf der Könige“ weiterhin nicht so witzig, wie die ursprüngliche Geschichte über die beiden Orks. Davon abgesehen handelt es sich bei der Königsreihe um eine absolut gelungene, weitere Episode auf Erdwelt. Dies dann sogar noch geschickt mit den anderen Werken verknüpft. Was will man eigentlich mehr?
„Kampf der Könige“ ist weiterhin sehr eingängig und durchweg interessant erzählt. Wie bereits im ersten Band, sind auch hierin sämtliche teilnehmenden Figuren ausreichend detailliert gezeichnet und man schließt uneingeschränkt jede Figur ins Herz. Natürlich manche mehr, manche weniger. Dabei aber ganz egal, ob es sich um eine positive oder eine negative Rolle handelt.
Sehr schön weiterhin natürlich die beiden Ork-Brüder, nun in Kombination mit einer kleinen, selbstbewussten und doch erst 2 Jahre alten Göre, die es in sich hat und mit Sicherheit noch in sich haben wird. Ich könnte mir sehr gut vorstellen, mit ihr gemeinsam noch viel zu erleben.
Wie bereits beim ersten Band gesagt, wird auch weiterhin das Genre nicht neu erfunden. Aber das braucht es auch nicht. Bücher sind zum Unterhalten da, und wenn jemand seine Leser sehr gut unterhalten kann, dann ist das wohl Michael Peinkofer.
Eine gelungene Fortsetzung der Könige, die hier noch kein Ende finden, aber den Weg in Richtung Band 3 sehr gut vorgegeben hat.
Jürgen Seibold/06.08.2017
Kampf der Könige: Roman (Die Könige, Band 2) – KAUFEN BEI AMAZON

Aliette de Bodard: Das Haus der gebrochenen Schwingen

Originaltitel: The House of Shattered Wings
Aus dem Englischen von Simon Weinert
Deutsche Erstausgabe August 2017
© 2015 Aliette de Bodard
© 2017 der deutschsprachigen Ausgabe Knaur Verlag, München
ISBN 978-3-426-51986-8
ca. 478 Seiten

COVER:

“Alles, was dir lieb und wert ist, wird zerschmettert; alles, was du erbaut hast, wird zu Staub zerfallen; alles, was du gesammelt hast, wird der Sturm davontragen …”

Paris liegt in Trümmern. Menschen, Magier und gefallene Engel kämpfen um die Herrschaft über die zerstörte Stadt. Silberspitzen, einst das mächtigste magische Haus der Stadt, steht vor dem Untergang. Von seinem Anführer Luzifer Morgenstern fehlt jede Spur, und ein tödlicher Fluch fordert immer mehr Opfer unter seinen Anhängern. Drei Außenseiter könnten die Rettung sein: der gefangene Magier Philippe, die junge Gefallene Isabelle und die Alchemistin Madeleine, die abhängig ist von einer zerstörerischen magischen Droge. Doch mit ihrem Wissen könnten die drei Haus Silberspitzen auch endgültig zu Fall bringen …

REZENSION:

Wenn man sich das Cover dieses Buches durchliest, fühlt man sich als Freund guter fantastischer Literatur wie ein Mensch, der seit Wochen nichts gegessen hat und dem nun im Angesicht seiner Leibspeise das Wasser im Munde zusammenläuft.
Hinzu kommt eine Vielzahl an außerordentlich namhaften Auszeichnungen. Was kann man als Leser da einfach mehr erwarten?
Dementsprechend freudestrahlend widmete ich mich diesem Buch und hoffte auf eine nicht enden wollende fantastische Unterhaltung mit einem Plot, der es in sich hat.
Nun, vielleicht bin ich zu anspruchsvoll oder erwartete einfach etwas anderes. In meinen Augen soll eine Geschichte aber grundsätzlich den Leser nicht nur mit einer interessanten Idee überzeugen, sondern diese auch in aller bildlichen Pracht und voller Spannung dem Leser vor Augen führen. Wenn man dann auch noch mit offenem Mund den Blick nicht mehr von den Seiten abwenden kann, hat es ein Autor geschafft und seinen Leser an die Hand genommen.
Tja, all dies schafft leider “Das Haus der gebrochenen Schwingen” trotz der unglaublich interessant klingenden Idee auf keiner Seite – beziehungsweise auf keiner Seite, bis ich das Werk nach wohlwollenden 120 Seiten zur Seite legte, um mich anderen Büchern widmen zu können.
Ich kann nicht nachvollziehen, warum dieses Werk einige namhafte Preise einheimsen konnte – vielleicht ist deren Ansatz ein anderer, als der eines Lesers, der gut geschriebene Geschichten verwendet, um vom normalen Alltag Abstand zu finden.
Vielleicht liegt es an einer holprigen Übersetzung? Dies jedenfalls glaube ich eher nicht und somit liegt es wohl an der Story selbst.
Irgendwie liest man nur von irgendwelchen Personen, die in irgendwelchen ausschweifenden Dialogen von irgendwelchen vergangenen Zeiten labern. Die Sätze dabei sehr oft sehr lang und mit Bindestrichen verknüpft in unermessliche Längen gezogen. Dabei wurde jegliches Auftreten eines kleinen, dezenten Spannungsbogens sofort wieder in die Kiste zurückgerufen. Darüber hinaus sorgte dieser Stil dafür, dass man sich mit absolut keiner Person identifizieren konnte und der eigentliche Handlungsfaden immer wieder verloren ging.
Kurzum gesagt: Ich habe den Inhalt dieses Buches selbst nach 120 Seiten immer noch nicht wirklich verstanden.
Schade, denn die Geschichte hätte unglaublich viel Potenzial zu einer herausragenden Story. Hat jedoch in dieser Ausführung in meinen Augen nicht funktioniert.
Jürgen Seibold/26.08.2017
Das Haus der gebrochenen Schwingen: Roman – KAUFEN BEI AMAZON

Michael Peinkofer: Die Könige – Orknacht

© Piper Verlag GmbH, München 2013
ISBN 978-3-492-70209-6
ca. 512 Seiten

COVER:

Michael Peinkofers “Orks”-Saga um Balbok und Rammar stand regelmäßig auf den Bestsellerlisten. Nun beginnt ein neues Zeitalter in Erdwelt – die Ära der Könige. Sie kündet vom Kampf der Orks und der Menschen gegen ihren bislang mächtigsten Feind …

Ein kalter Schatten liegt über Erdwelt. Die Reiche der Orks und Menschen wurden von dem Zwergenkönig Winmar und seinen grausamen Schöpfungen unterworfen, metallenen Kolossen, die überall Tod verbreiten. Unterdrückung und Schrecken beherrschen das Land und seine Bewohner. Der menschliche Thronfolger Daghan, geblendet und von seiner geliebten Aryanwen getrennt, verbirgt sich in den Weiten der Wälder vor Winmars Häschern. Doch das Schicksal und ein geheimnisumwitterter alter Prediger halten andere Aufgaben bereit – für Dag ebenso wie für die letzten Helden der Orks…

REZENSION:

Die Geschichten um die beiden Ork-Brüder Rammar und Balbok konnten mich insbesondere wegen ihrer Leichtigkeit und ihres Witzes bereits außerordentlich gut unterhalten. Diese beiden Krieger – eine Hommage an Stan Laurel und Oliver Hardy – standen einfach für sich und man konnte trotz der sehr umfangreichen Werke einfach nicht mehr loslassen.
Nun begeben wir uns mit “Die Könige – Orknacht” – dem ersten Band einer neuen Trilogie – erneut nach Erdwelt und verfolgen die weiteren Geschehnisse.
Im Gegensatz zu den Orkbüchern wird hier etwas weniger Wert auf Witz gelegt, dafür die Schraube im Bereich der düsteren Elemente etwas angezogen. Es dauert wahrlich nicht lange und schon befindet man sich als Leser mitten in Erdwelt und hofft auf spannende Erlebnisse.
Sämtliche Protagonisten als auch Antagonisten sind stimmig dargelegt und gehen uneingeschränkt in das Herz des Lesers. Natürlich erfindet Peinkofer mit diesem Werk das Genre nicht neu – dennoch handelt es sich um einen absolut eingängigen High-Fantasy-Roman, der schlicht und einfach für einige sehr unterhaltsame Unterhaltungsstunden sorgen kann.
Als Fan der beiden Orks freute ich mich natürlich ganz besonders auf den Auftritt dieser beiden unterschiedlichen und durchweg sympathischen Brüder. So wie es scheint, entwickelt sich für die beiden eine ganz besondere Rolle und ich bin bereits sehr gespannt, ob sie auch ausreichend Platz in den beiden Folgebänden bekommen werden.
“Die Könige – Orknacht” ist alles in allem ein interessanter und sehr eingängig geschriebener Fantasyroman, der mit Leichtigkeit dafür sorgt, dass man als Leser einfach abschalten und in Erdwelt abtauchen kann.
Gut und Böse ist relativ sauber definiert und man kann problemlos den Alltag abschalten und den Geschehnissen auf Erdwelt folgen.
Ich freue mich jedenfalls sehr auf die beiden Folgebände, da noch ausreichend weiteres Potenzial besteht und die Geschichte nicht einmal ansatzweise zu einem abschließenden Ende geführt worden ist.
In meinen Augen jedenfalls eine klare Empfehlung für den Genuss eines nicht zu anspruchsvollen aber dennoch einwandfreien Fantasyromans, mit dem man definitiv keinen Fehler macht.
Jürgen Seibold/03.08.2017
Die Könige: Roman – KAUFEN BEI AMAZON

Aleš Pickar: Kalion – Die dunkle Wunde

@2017 Periplaneta – Verlag und Mediengruppe
www.periplaneta.com
ISBN 978-3-95996-042-7
ca. 326 Seiten

COVER:

Unter dem gebrochenen Glanz des Stillen Mahners am Firmament dräut großes Unheil. Denn die Peleori schlagen die Kriegstrommeln – was niemand so recht ernstnehmen will. Das Volk vergnügt sich weiterhin sorglos in Arenen und Freudenhäusern, nur ein zierliches Mädchen, dem die Göttin Niobe erschienen ist, predigt Enthaltsamkeit. Die eigensinnige Prinzessin Linederion trifft nach langer Reise auf ihren Bräutigam, allerdings ist der Herrscher des Ostreichs anders als erwartet. Währenddessen treibt Tausende Meilen entfernt die Schwägerin des Königs Belkar ihre umstürzlerischen Pläne voran. Doch alle Mächtigen des rauen Kontinents Neroè entsenden in diesen Zeiten heimlich Spitzel, Assassine und Legaten. Wer kann es da wagen, zwischen ehrlicher Hingabe und eilfertiger Dienstbeflissenheit, zwischen Freund und Feind zu unterscheiden …

Aleš Pickar erschuf mit KALION ein facettenreiches, geheimnisvolles und vor allem düsteres Epos.
DIE DUNKLE WUNDE ist der zweite Teil einer Reise in eine rätselhafte und raue Welt und ein spannender Roman der mit den Normen des High-Fantasy-Genres bricht.

REZENSION:

Wie man meiner Rezension über den ersten Teil dieser Trilogie entnehmen kann, berührte mich zuerst die persönliche Zwiespältigkeit. Diese wurde als nichtsahnend beiseite geschoben und nach Abschluss des ersten Bandes blieb mir nichts anderes übrig, als das unvermeidliche Warten auf Band 2.
Erfreulicherweise erreichte mich dieser und ich konnte erneut in die Welt Neroè eintauchen. Durch den zeitlichen Versatz fiel es mir einige Seiten ein klein wenig schwer, wieder den Weg zurück zu finden. Nachdem jedoch alle gedanklichen Fäden wieder aus der Schublade herauskamen und sich mit den neu entstehenden Fäden im vorliegenden Buch zu verbinden begannen, eröffnete sich mir erneut der virtuos durchdachte Horizont dieser Trilogie.
Im Gegensatz zum ersten Buch verzichtete der Autor zumeist auf geschichtliche Einleitungen zu seinen Kapiteln – immerhin ist das Setting dem geneigten Leser mittlerweile klar. Der kleine Nebeneffekt: Man wird nicht abgelenkt und kann noch rasanter von Kapitel zu Kapitel hetzen – denn nichts anderes bleibt einem bei diesem fantastischen Epos übrig. Pickar lässt uns teilhaben an einer Vielzahl unterschiedlichster Begebenheiten und fortgeführten Intrigen an den unterschiedlichsten Höfen beziehungsweise in den unterschiedlichsten Städten. Nach und nach drückt sich auch das Thema Religion etwas in den Vordergrund und dementsprechend besorgt zeigen sich machthungrige Politiker, die Angst vor dem Verlieren ihrer Pfründe haben.
Die Ehe Linederions wird gänzlich anders vollzogen, als man sich in den schlimmsten Träumen vor zu stellen wagt. DIE DUNKLE WUNDE geht treibend voran und konnte mich erneut der Qualität dieser Geschichte in keiner Sekunde entziehen. Mit Pickar scheint sich ein hochwertiger und wunderbar strahlender Stern am Fantasyhimmel zu entwickeln und man kann nur hoffen, dass er im unvermeidlichen Ende seiner Geschichte in der Lage ist, sämtliche Fäden zu einem plausiblen, gut durchdachten und vor allem spannenden Ende zu bringen.
Bis dahin muss man leider erneut einige Monate warten – ich bin mir aber nach dem erfreulichen Genuss der beiden bisher erschienen Bände sicher, dass sich die Zeit des Wartens lohnen wird.
Ein bis jetzt wahrlich gelungenes und durchweg gut erzähltes Fantasy-Epos mit einer rundum durchdachten Welt. Ich bedanke mich für einige sehr unterhaltsame Stunden der Auszeit.
Jürgen Seibold/16.07.2017
KALION. Die dunkle Wunde: 2 (Edition Drachenfliege) – KAUFEN BEI AMAZON