Wilckens, Carl: 13 – Das Tagebuch, Band 3: Das Spielbild

©2019 acabus Verlag, Hamburg
ISBN 978-3-86282-700-8
ca. 467 Seiten

COVER:

Godric End, meistgesuchter Widerstandskämpfer Dustriens, erzählt den Insassen von Zellenblock 13 seine Geschichte.

Ich stehe im Hafen von Treedsgow. Der Wind zerrt an den Papieren in meiner Hand und Dunkelheit senkt sich über mich herab. Was auf der zweiten Seite von Williams Tagebuch steht, droht mich um den Verstand zu bringen. Die Worte öffnen in meinem Innern die Tore zu etwas Bösem und ich werde wieder zu dem, der ich auf der Swimming Island war. Zu einem Mörder. Zum Redscarf Butcher.
Mein Weg fürht mich zur Universität und ich helfe, eine uralte Technologie zum Leben zu erwecken. Die Himmelsschiffe, die Gothin bombardieren, die Golems, die für uns auf dem Schlachtfeld kämpfen … sie alle entspringen der jahrtausendalten Technologie der Segovia.

Ihr sollt meine Geschichte hören. Von den Fortschritten an der Treedsgow University und von meinem Krieg gegen den König der Banditen. Wie ich beinahe dem, Wahnsinn verfiel, von einem Wesen aus reiner Energie und dem Untergang der Welt.

REZENSION:

In den letzten Monaten ist mir immer mehr aufgefallen, dass ich nicht mehr wirklich gewillt bin, langatmige Geschichten zu lesen, welche über mehrere Bände ausgebreitet werden. Viel zu oft bin ich seit einiger Zeit enttäuscht worden. Insbesondere, wenn man einige Zeit auf den Nachfolgeband warten muss und dabei unter Umständen den Zugang zur Geschichte verliert.
Nun, die Serie um Godrics End von Carl Wilckens ist dabei eine rühmliche Ausnahme und ich bin immer wieder erfreut, wenn ich höre, dass ein neuer Band das Licht der Welt erblicken wird.
Mit 13 – Das Spiegelbild befinden wir uns nun bereits beim dritten Band und das grundsätzliche Prinzip hat sich in keinster Weise geändert: Godric sitzt in seiner Zelle und erzählt seinen Mitgefangenen über sein Leben.
Interessanterweise entspricht Godric überhaupt nicht den üblichen Protagonisten in fantastischen Geschichten. Godric End ist eher eine Art Antiheld und glänzt nicht gerade mit Sympathie. Nichts desto trotz folgt man seinen Erzählungen und dem dazugehörigen Leben voller Gewalt, phantastischen Wesen, Irrungen und Wirrungen, seine persönlichen Fehden, sowie den dazugehörigen skrupellosen Kämpfen.
Carl Wilckens erzählt auch im vorliegenden, dritten Band virtuos seine Geschichte und bedient sich dabei weitläufig in der Welt der Phantastik. Sein Ideenreichtum steht beinahe allein in weiter Flur und seine detaillierte als auch liebevolle Art des Erzählens zeugt von einem ungebremsten Schaffensreichtum, der hoffentlich noch lange nicht abbrechen wird.
Das düstere Leben von Godric End ist nicht nur interessant – nein, man möchte auch immer wissen, wie es denn nun weitergeht. Einerseits wünscht man sich ein stilvolles Ende herbei, andererseits möchte man weiterhin den Erlebnissen folgen und folgen und folgen.
13 ist mittlerweile so ziemlich die einzige Reihe, bei der ich mich bereits sehnsüchtig nach dem nächsten Band verzerre. Ich hoffe dabei sehr, dass Wilckens‘ Ideenreichtum auch weiterhin das bestehende Niveau als auch den Abwechslungsreichtum aufrecht erhalten kann und somit ein weiteres Spitzenwerk abliefern wird.
Auch 13 – Band 3 ist somit ein Highlight dieser Crossover-Serie und ich finde es absolut klasse, dass der Autor es bisher scheinbar problemlos geschafft hatte, seinen Plot immer besser zu entwickeln und keinen einzigen langweiligen Buchstaben zu integrieren.
Weiter so!
Godrics Erlebnisse sind und bleiben eine ganz besondere Empfehlung – wer ihn noch nicht kennt, sollte einfach beim ersten Buch zuschlagen, dieses herausragende Werk genießen und dabei berücksichtigen, dass die Reihe bisher immer besser geworden ist.
Jürgen Seibold/07.12.2019

Heitz, Markus: Die dunklen Lande

©2019 Knaur Verlag
ISBN 978-3-426-22676-6
ca. 540 Seiten

COVER:

EIN BLUTIGER KRIEG,
FINSTERE MÄCHTE UND MAGIE
ZWEI MUTIGE FRAUEN
STELLEN SICH DEM BÖSEN

1629. Der Dreißigjährige Krieg erschüttert Europa und tobt besonders gnadenlos in Deutschland. Die junge Abenteurerin Aenlin Kane reist in die neutrale Stadt Hamburg, um das Erbe ihres berühmten Vaters Solomon Kane zu finden. Dazu nimmt sie zusammen mit ihrer Freundin Tahmina, einer persischen Mystikerin, den folgenschweren Auftrag der West-Indischen Compagnie an: Eine zusammengewürfelte Söldnertruppe soll sich nach Bamberg durchschlagen und fünf Personen abholen, um sie sicher in die Hansestadt zu eskortieren. Was sie nicht wissen: Bamberg ist die Stadt grausamster Hexenprozesse. Und der Anführer der Truppe, Nicolas, verbirgt ein düsteres Geheimnis. Schon bald geht es für die Söldner nicht länger nur um den Auftrag, sondern um alles oder nichts. Um zu überleben, müssen Aenlin und Tahmina ihre Klingen mit der dämonischen Macht kreuzen, die die Wirren des Krieges zu ihrem Vorteil nutzen will.

REZENSION:

Schon mal vorweg: Das Buch „Die dunklen Lande“ bekommt durch die Integration von ausklappbaren Bildern aus der beschriebenen Zeit nicht nur einen Touch Wertigkeit, sondern auch das Gefühl der Darbietung von realen Begebenheiten.
Der Dreißigjährige Krieg wütete gnadenlos in unseren Gefilden. Neben den kriegerischen Gräueltaten wurden die Bürger auch noch mit der Pest konfrontiert. Als ob das nicht bereits an Gefahren ausgereicht hätte, zeigte sich zu dieser Zeit zusätzlich noch die Kirche von ihrer nicht gerade besten Seite und schon musste man sich in Acht nehmen, um sich nicht plötzlich auf dem Scheiterhaufen wieder zu finden.
Eine wahrlich düstere Zeit, die sich Markus Heitz als Setting für seinen Roman vornahm. Dieses Setting und die hinzugefügten, jedoch erfreulich dezent gehaltenen, fantastischen Elemente verwob der Autor zu einer prinzipiell rundum interessant klingenden Geschichte.
Als ich dabei auch noch feststellte, dass seine Protagonistin nicht nur den Namen Kane trägt, sondern auch noch die Tochter der sagenhaften, fiktiven (von Robert E. Howard erschaffenen) Figur Solomon Kane sein soll, war ich mir sicher, dass hier grundsätzlich nichts mehr falsch gemacht werden könnte.
Markus Heitz Einstieg hielt ich dabei sogleich gefangen: Er geht detailliert auf die Zeit ein, führt geschickt seine Personen ein und würfelt die Gruppe auf sehr humorvolle Weise zusammen. Ab diesem Augenblick wurde die weitere Vorgehensweise leider stark nachvollziehbar und es verlor sich ein wenig der Überraschungseffekt. Darüber hinaus schwenkte der Fokus stark in Richtung Söldnertruppe, wodurch die beiden außerordentlich interessanten und starken Frauenfiguren eher bass blieben. Schade, da diese sehr interessant klingend eingeführt worden sind und man sich als Leser problemlos komplett und uneingeschränkt auf sie einlassen konnte.
Durch den Schwenk auf die sehr linear gezeichneten Figuren der Söldnertruppe verlor sich jeglicher Überraschungseffekt, da deren Vorgehensweise durch ihre festgelegten, persönlichen Eigenschaften vorgegeben waren und dementsprechend von ihnen gelebt wurden.
Ab diesem Augenblick hatte man das Gefühl, dass die schriftstellerische Leidenschaft etwas verloren gegangen ist. Nichts desto trotz halte ich die grundsätzliche Idee weiterhin für herausragend und interessant. Ich finde, es sollte noch erheblich mehr Romane geben, die reale Begebenheiten mit dezenten Einflüssen aus der Fantastik vermischen. Da gibt es sicherlich noch sehr viel Potenzial. Bei „Die Dunklen Lande“ funktioniert es auch stellenweise und ich bin davon überzeugt, dass der Roman auch bei einer bestimmten Klientel absolut uneingeschränkt funktioniert. Etwas weniger Vorhersagbarkeit und ich könnte mich diesem Leserkreis problemlos anschließen.
Jürgen Seibold/23.11.2019

Tolkien, J.R.R.: Geschichten aus dem gefährlichen Königreich

Originaltitel: Tales from the Perilous Realm
Für die deutsche Ausgabe: ©1975/1984/1999/2011/2019 by J.G. Cotta’sche Buchhandlung Nachf. GmbH, gegr. 1659, Stuttgart
ISBN 978-3-608-96449-3
ca. 336 Seiten

COVER:

Alle Geschichten jenseits von Mittelerde zum ersten Mal im Taschenbuch.

Die von dem bekannten Tolkien-Künstler Alan Lee illustrierte Ausgabe enthält:
Bauer Giles von Ham,
Roverandum,
Die Abenteuer des Tom Bombadil,
Der Schmied von Großholzingen,
Blatt von Tüftler.

REZENSION:

Bei „Geschichten aus dem gefährlichen Königreich“ von J.R.R. Tolkien fragte ich mich als erstes, ob hier erneut Fragmente aus dem Vermächtnis des großartigen Schriftstellers hervor gekramt worden sind und man viel persönliche Liebe zur Welt des Autors benötigt, um dem Buch etwas abgewinnen zu können.
Erfreulicherweise hatte ich mich getäuscht, denn in diesem Buch treffen wir auf fünf märchenhafte Erzählungen, von denen zumindest vier absolut nichts mit dem Herr-der-Ringe-Kosmos zu tun haben. Lediglich Tom Bombadil ist eine bekannte Figur aus Mittelerde – die hier aufgeführte Geschichte ist in diesem Werk – zumindest aus meiner Sicht – auch die schwächste. Dies liegt aber ausschließlich an der Erzählform, da es sich bei „Die Abenteuer des Tom Bombadil“ um mehrere in Gedichtform erzählte Werke handelt. Dieser Art des Erzählens konnte ich bereits als Schüler nicht viel abgewinnen und so begeisterte mich auch dieser Part nicht besonders – dennoch: sprachlich gibt es nichts einzuwenden und die Erlebnisse Bombadils sind nicht uninteressant.
Wahrlich gigantisch sind im vorliegenden Buch die übrigen vier Kurzgeschichten. Jede davon losgelöst von der Mittelerde und jede davon alleine in sich funktionierend und wahrlich sagenhaft.
„Bauer Giles von Ham“ ist dabei mein absoluter Favorit. Ich habe schon lange nicht mehr eine generationsübergreifend funktionierende Geschichte gelesen, die rundum überraschend und voller Witz ausgebreitet ist. Ich hätte noch erheblich mehr über den von Glück verfolgten Bauern lesen können. Hut ab vor dieser Geschichte. Dem gefolgt kommt „Roverandom“, bei der ich mich bereits fragte, wie die bereits vorhandene Qualität aufrechterhalten werden könnte. Tolkien scheint aber auch ein König der vordergründig simplen Geschichte zu sein, handelt es sich dabei doch um eine Art „Gute-Nacht-Geschichte“ für Kinder, die aber ebenso bei mir problemlos Wirkung zeigen konnte. Ich kann mich gar nicht mehr erinnern, wann mich zum letzten Mal eine Geschichte mit einem Hund als Hauptdarsteller dermaßen begeistern konnte. Hier trifft man wirklich auf alles Mögliche: Der Mann im Mond spielt eine zentrale Rolle, wir begegnen Zauberern, Meereswesen und noch vielem mehr. Eine echte Fabel mit einem dezenten Nachhall, der dem Ganzen eine Krone aufsetzt und somit ebenfalls bei jedem Eindruck hinterlassen sollte.
Nach den Abenteuern von Tom Bombadil folgt „Der Schmied von Großholzingen“. Eine Geschichte in der Tolkien sein Faible für elbische Einflüsse geschickt aufblitzen lässt. Voller Witz schafft er es auch hier, für eine dezente Nachdenklichkeit zu sorgen, ohne dabei irgendeinen Finger heben zu wollen. Last but not least noch die fast am Anspruchsvollsten wirkende Geschichte mit dem Titel „Blatt von Tüftler“. Hierin scheint Tolkien seinem Leser etwas mehr mitgeben zu wollen. Nichts desto trotz verströmt sie einen Charme, wie er besser nicht sein kann.
„Geschichten aus dem gefährlichen Königreich“ ist in meinen Augen ein Abschluss wie er besser nicht sein kann. „Abschluss“ meine ich bewusst in Hinblick auf die letzten Veröffentlichungen, die zum Teil nur schwer verdaulich waren, beziehungsweise nur bei echten Fans funktionieren konnten.
„Geschichten aus dem gefährlichen Königreich“ funktioniert uneingeschränkt bei jedem einigermaßen menschlich gebliebenen Leser – ein klein wenig erhaltene Kindheit wäre jedoch hilfreich. Ich werde jedenfalls mindestens 4 dieser 5 Geschichten in meinem Herzen behalten, wobei ich ein absoluter Fan von Bauer Giles geworden bin…
Jürgen Seibold/15.10.2019

Jones, Diana Wynne: Fauler Zauber

Originaltitel: The Dark Lord of Derkholm
Überarbeitete Neuausgabe Januar 2019
©1998 by Diana Wynne Jones
©2019 der deutschsprachigen Ausgabe Knaur Verlag, München
ISBN 978-3-426-52290-5
ca. 480 Seiten

COVER:

Ausnahmslos alle – die Zauberer, Soldaten, Bauern, Drachen und Elfen – haben die Nase voll von Mr. Chesneys Pilgerfahrten. Jahr für Jahr fallen Touristengruppen aus einer benachbarten Welt in Derkholm ein, um ein klassisches Fantasy-Abenteuer zu erleben – mit allem, was dazu gehört: bösen Magierinnen, gefährlichen Drachen und dem furchteinflößenden Dunklen Fürsten. Stets werden andere Bewohner des Reiches dazu auserwählt, diese Rollen zu übernehmen.

Aber dieses Jahr reicht es den Leuten. Mr. Chesney mag einen mächtigen Dämon an seiner Seite haben, doch ein Orakel weiß Rat. Nun ist es an Zauberer Derk und seiner Familie aus Menschen und Greifen, den Verwüstungen Einhalt zu gebieten und ihre Welt zu retten.

REZENSION:

Die leider schon von uns gegangene Autorin Diana Wynne Jones veröffentlichte bereits im Jahre 1998 den vorliegenden Roman mit dem deutschen Titel „Fauler Zauber“.
Ich bin mir nicht ganz sicher, ob der Roman schon vor einiger Zeit auf dem deutschsprachigen Markt erhältlich war – laut Beschreibung im Impressum handelt es sich jedenfalls um eine überarbeitete Neuausgabe.
Nun, mir ist er bisher jedenfalls noch nicht untergekommen und somit widmete ich mich gänzlich vorbehaltlos dieser Ausgabe.
Die von Diana Wynne Jones ersonnene Geschichte strotzt vor Einfallsreichtum. Man stelle sich nur vor: Wir befinden uns in einer Fantasy-Welt und diese wiederum wird als Touristenziel ausgebeutet. Dabei ist es jedoch keineswegs so, dass sich schlicht Touristen in diese Welt aufmachen – nein, die Bewohner der Fantasywelt müssen dabei auch noch sämtliche Klischees befriedigen und spielen somit trotz ihrer eigentlichen Eigenschaft als fantastisches Wesen eine aufgesetzte Rolle, um den Erwartungen gerecht zu werden. Somit müssen alle nur erdenklichen Klischees bedient werden – bis hin zum Endgegner, dem Dunklen Fürsten, der gegen die Touristen antreten muss, damit deren teures Erlebnis zu einem gelungenen Ende führt.
Diese Ausbeutung ist den Einwohnern ein Greuel und somit versuchen sie sich immer wieder dagegen zu stellen. Bisher ohne jeglichen Erfolg – doch nun scheint auch das Orakel auf ihrer Seite zu sein…
Der Inhalt dieses Werkes ist wahrlich fantastisch. Eine rundum gelungene Idee, die trotz der klischeebehafteten Ausarbeitung innerhalb des Genres problemlos unserer Gesellschaft einen Spiegel vorhält. Allein dafür kann man vor dieser Autorin den Hut ziehen. „Fauler Zauber“ ist zwar zu Anfang ein wenig langatmig und man findet nur nach und nach den Zugang zur Geschichte – sobald man sich jedoch auf dem von der Autorin eingeschlagenen Weg befindet, machen die Erlebnisse in dieser Welt einfach nur noch Spaß.
Die sprachlichen Feinheiten zeugen von hoher Qualität und der darin befindliche Witz ist geschickt eingewoben.
Eine wohltuende und wundervolle Geschichte, die trotz ihrer sympathischen und humorvollen Ausarbeitung ein klein wenig Nachdenklichkeit hinterlässt. Somit eine Story, die nicht nur zu unterhalten weiß, sondern eben auch seinem Leser etwas mitgeben möchte. Mehr lässt sich doch nicht wünschen…
Jürgen Seibold/24.08.2019

Oden, Matthias: Die Krone der Elemente

Originalausgabe 01/2019
©2019 by Matthias Oden
©2019 dieser Ausgabe by Wilhelm Heyne Verlag, München
ISBN 978-3-453-31956-1
ca. 731 Seiten

COVER:

„Knie“, sagte er. „Du bist auf heiligem Boden.“ Sie tat wie geheißen. Lyndemans Hände verwehrten ihr den Blick auf das, was im Erdreich steckte, aber sie sah, dass es leicht schimmerte. „Ist es das?“, fragte sie. Der Hüter gab ihr keine Antwort, zu versunken war er in den Anblick des Reifs in seinen Händen.

Viele Jahrhunderte wuchs das Heilige Reich Salischer Völker, bis es beinahe ganz Elyrdan umschloss. Nun ist der Vormarsch seiner Armeen zum Erliegen gekommen. Sein Herrscher, der alte Kaiser, ist gebrechlich, die Fürsten streiten sich um ihre Pfründe, und die Seher kehren immer öfter ohne Antworten von den Traumfeldern zurück. Doch die eigentliche Gefahr ahnt noch niemand. Denn unbemerkt hat die ehrgeizige Oberbefehlshaberin des Nachbarlandes Chimrien ein Artefakt erlangt, das ihr unbegrenzte Macht zu verheißen scheint – eine seltsam schimmernde Krone. Als sie mit ihrem Heer über den Grenzfluss Tern zieht und das Kaiserreich angreift, ist niemand dort auf diesen Überfall vorbereitet, erst recht nicht auf die gewaltigen Kräfte, die sie mithilfe der Krone entfesselt. Eine Stadt nach der anderen fällt, und schon bald brennt der Chimmgau, die Westgrenze des Salenreiches. Und während die Fürsten eilends Truppen mobilisieren, droht von einer ganz anderen Seite neue Gefahr – denn auf den Traumfeldern, wo die Seher nach den Ewigen Wispern der Prophezeiung suchen, mehren sich unheilvolle Zeichen. Das Ende eines Zeitalters dämmert herauf …

REZENSION:

Matthias Oden, bekannt als Autor des sehr interessanten und recht ungewöhnlichen Romans „Junktown“ wechselt mit „Die Krone der Elemente“ das Genre und möchte auch in der Fantasy seinen Abdruck hinterlassen.
Laut einem Zitat des Autors in der Presseinformation hält Matthias Oden die Zeit simpler Fantasy als vorbei. Das platte „Schwarz-Weiß-Schema“ hält er für ausgelutscht und möchte somit in seiner Fantasy Themen unserer Zeit mit aufnehmen.
Dieser Gedanke des Autors ging mir auch schon des Öfteren durch den Kopf. Immer mehr enttäuscht mich die übliche Fantasy-Quest – viele Geschichten nur noch eine andere Darbietung relativ gleicher Vorgehensweisen.
Matthias Oden scheint jedenfalls tatsächlich dieses Konzept zu verlassen und somit einen eigenen Weg zu beschreiten.
Seine Art des Schreibens lässt an der bereits in „Junktown“ kennengelernten Virtuosität und Eingängigkeit nichts missen. Der qualitative Maßstab ist weiterhin angenehm hoch und anspruchsvoll angesiedelt. Dennoch fiel es mir außerordentlich schwer, der eigentlichen Geschichte uneingeschränkt folgen zu können. Ich befürchte fast, dass Oden in seinem ersten Band ein wenig zu weit mit dem Ausholen begonnen hatte und somit den prinzipiell notwendigen Weg der Handlung zu oft aus den Augen verlor.
Diese Vorgehensweise kann bei Lesern mit einem langen Atem wahrlich funktionieren – ich persönlich halte es auch durch die Darbietung einer interessanten Sprache recht lange aus – aber ab einem gewissen Punkt treibt es mich doch vorwärts beziehungsweise zurück auf den Weg. Sehe ich diesen nicht, so fühle ich mich verloren und finde keinen Halt mehr in der interessant anmutenden Geschichte.
Nichts desto trotz bin ich überzeugt, dass Oden seine Geschichte gelungen weitererzählen wird und dabei auch manche neue Tür des Genres öffnet. Ein etwas kürzerer Start mit etwas weniger Ausschweifungen hätten dem ersten Band meiner Meinung nach gut getan und es wäre dann ein leichtes gewesen, sich auf die Geschichte einzulassen und die Freude auf den nächsten Band auftauchen zu lassen. Mir fiel es leider etwas zu schwer und somit bin ich ganz hin- und hergerissen, werde dennoch vorerst die Finger davonlassen.
Jürgen Seibold/24.08.2019

 

McGuire, Seanan: Der Atem einer anderen Welt

Originaltitel: Every Heart a Doorway
Aus dem amerikanischen Englisch von Ilse Layer
Fischer Tor 02/2019
©2016-2018 Seanan McGuire
Für die deutschsprachige Ausgabe: ©2018 S. Fischer Verlag GmbH, Frankfurt a.M.
ISBN 978-3-596-29884-6
ca. 462 Seiten

COVER:

Kinder und Jugendliche sind zu allen Zeiten in Kaninchenlöcher gefallen, durch alte Kleiderschränke ins Zauberland vorgestoßen oder mit einer Dampflok in magische Welten gereist.
Aber… was geschieht eigentlich mit denen, die zurückkommen?
Mit Nancy, die die Hallen der Toten besucht hat und den Rest ihres Lebens am liebsten still wie eine Statue verbringen würde.
Und mit Christopher, dem Jungen mit der Knochenflöte, der die Toten für sich tanzen lassen kann.
Mit Sumi, die das Chaos braucht wie die Luft zum Atmen, weil sie aus einer Unsinnswelt kommt, oder mit Jack & Jill, die mit Vampiren und Wissenschaftlern unter einem blutig-roten Mond aufgewachsen sind.
Als sie sich in „Eleanor Wests Haus für Kinder auf Abwegen“ treffen, ahnen sie nicht, dass ihnen ihr größtes Abenteuer noch bevorsteht…

REZENSION:

Es gibt eine unglaubliche Vielzahl an Geschichten, in denen Kinder durch Türen schreiten und dabei andere Welten entdecken. Wenn ich mich nicht ganz täusche, ist Alice im Wunderland einer der ganz alten Klassiker. Die folgende Zeit ließ dabei aber keineswegs nach und somit wurden wir mit fantastischen Geschichten beglückt, die dieses Thema aufgriffen und neu erzählten.
Seanan McGuire geht mit ihrem fantastischen Werk „Der Atem einer anderen Welt“ auf diese verschiedenen Welten ein. Sie versucht dabei jedoch keineswegs eine neue Welt zu erschaffen und ein weiteres Kapitel in diesem Genre aufzuschlagen – nein, sie widmet sich den Kindern, die aus diesen Welten zurückgekommen sind.
Der Besuch anderer Welten führt oft zu einem parallelen Leben. Die Zeit scheint voranzuschreiten, bei einer Rückkehr ist aber nur ein Teil davon vergangen. Je nach Ziel verändern sich die Kinder. Die einen waren in Zuckerwelten, Nancy zum Beispiel in der Welt der Toten. Das Internat von Eleanor nimmt sich diesen von ihren Eltern nicht verstandenen Kindern an und hilft ihnen, einigermaßen in der „normalen“ Welt klar zu kommen. Dies führt selbstverständlich zu diversen Komplikationen – insbesondere, da nahezu jedes Kind gerne wieder in die besuchte Welt abtauchen möchte, nur momentan den Zugang nicht zu finden in der Lage ist.
McGuires „Der Atem einer anderen Welt“ ist ein Episodenroman mit drei Geschichten, die locker zusammen hängen. Ihr Schreibstil und besonders ihre fantastische Idee sprechen für sich und lassen nicht wirklich viel missen.
Dennoch konnte mich das Werk nicht rundum überzeugen. Dies ist aber wohl dem Umstand geschuldet, dass meine eigene Erwartung in eine andere Richtung abgedriftet ist und mehr Verknüpfungen zu bekannten literarischen Klassikern gewünscht hätte.
Darüber hinaus gehöre ich mit meinem Literaturgeschmack sicher nicht mehr zur eigentlichen Zielgruppe für einen Wohlfühlroman dieser Art. Somit bin ich mir absolut sicher, dass dieser prinzipiell grandios geschriebene Roman einer nicht gerade geringen Anzahl an Lesern gefallen wird.
Jürgen Seibold/20.08.2019

Fforde, Jasper: Eiswelt

Originaltitel: Early Riser
Aus dem Englischen von Kirsten Borchardt
Deutsche Erstausgabe 12/2018
©2018 by Jasper Fforde
Für die deutschsprachige Ausgabe: ©2018 Wilhelm Heyne Verlag, München
ISBN 978-3-453-31969-1
ca. 654 Seiten

COVER:

Die Eiswelt ist unserer zum Verwechseln ähnlich – nur dass hier die Eiszeit niemals aufgehört hat. Deshalb hat die Menschheit die Fähigkeit entwickelt, Winterschlaf zu halten, um jedes Jahr die schlimmsten drei Monate zu überstehen. Temperaturen von minus vierzig, minus fünfzig Grad, schneidender Wind und Tiere, die in der Dunkelheit Jagd machen auf alles, was sich bewegt – das sind nur einige der Gefahren, die im Winter draußen lauern. Um zu überleben, ziehen sich die Menschen in große Dormitorien genannte Schlaftürme zurück. Einzig die Winterkonsuln bleiben wach und beschützen die Schlafenden. Der junge Charlie Worthing ist einer dieser Winterkonsuln. Er hat dieses harte Los zwar gewählt, aber auf das, was er gleich in seinem ersten Winter erlebt, hat ihn niemand und nichts vorbereitet. Denn seltsame Träume gehen um, Träume, die schlafende Menschen in seelenlose Untote verwandeln. Und es ist bei allen derselbe Traum. Zunächst hält Charlie das für eine der typischen Wintergeschichten – bis er selbst anfängt, diesen Traum zu träumen. Doch Charlie ist aus härterem Holz geschnitzt, als er ahnt …

REZENSION:

Jasper Fforde ist ein Garant für außerordentlich interessante Ideen. Auch in diesem Werk steht er dem in nichts nach:
Wir befinden uns in einer Welt, die es durch ihre harten Bedingungen notwendig gemacht hat, dass sich die Menschheit während der extrem kalten Wintermonate eine Auszeit nehmen muss und sich dem Winterschlaf widmet, um überhaupt eine Überlebenschance zu haben.
Einige wenige Ausgewählte müssen eine Art Wacht übernehmen. Diese als Winterkonsul betitelte Rolle ist sehr angesehen, dennoch führt sie bei oft zu psychischen Problemen, wenn nicht gar einige Schritte weiter…
Die Erschaffung dieser Welt ist wahrlich grandios und dies war auch der Grund, warum ich mich unbedingt diesem Werk widmen wollte. Scheinbar endlich eine neue erfrischende Idee.
Leider konnte mich die Vorgehensweise des nicht gerade unbekannten Jasper Fforde abermals nicht uneingeschränkt überzeugen.
Sicher, Ffordes Schreibstil ist in Ordnung und recht eingängig. Hier lässt sich wirklich nichts Negatives sagen – gleichzeitig plätschert er jedoch sehr lange in seiner Erzählung vor sich hin. Ein klein wenig Würze durch Spannungselemente hätte da einiges beheben können. Spannung war auch mein erster Gedanke beim Lesen der Buchbeschreibung. Gedanklich fast ein Horrorroman zeigte sich aber nicht einmal ein kleines Pflänzchen dieses wichtigen Elements.
Ffordes virtuos kreierte Sätze konnten diese fehlende Essenz nicht mehr füllen, um mich als Leser rundum zufrieden zu stellen.
Sehr nachteilig im vorliegenden Buch sind die vielen Fußnoten, die leider zusätzlich dafür sorgen, dass ein aufkommender Lesefluss wieder ins Stocken gerät.
Eiswelt war somit ein Buch, mit dem ich nicht wirklich warm geworden bin.
Der guten Ordnung halber möchte ich aber anmerken, das dies auch schlicht am gesamten Vorgehen beziehungsweise Konzept des Autors liegen könnte, denn Eiswelt war nach dem ersten Thursday-Next-Roman mein zweiter Versuch, mich diesem Autoren zu widmen. Bereits zu Thursday Next fand ich keinen Bezug und wurde nicht überzeugt.
Somit scheint wohl Jasper Fforde meinen Geschmack nicht treffen zu können. Schade, da seine Ideen wirklich herausragend klingen.
Jürgen Seibold/20.08.2019

Eames, Nicholas: Könige der Finsternis

Originaltitel: Kings of the Wyld
Aus dem Amerikanischen von Michael Siefener
Deutsche Erstausgabe 03/2019
©2017 Nicholas Eames
©2019 der deutschsprachigen Ausgabe und der Übersetzung by Wilhelm Heyne Verlag, München
ISBN 978-3-453-31887-8
ca. 636 Seiten

COVER:

Einst war Clay Cooper ein Held, eine lebende Legende. Als Mitglied der berühmt-berüchtigten Söldnertruppe Die Saga erlegte Clay gemeinsam mit seinen Gefährten Gabe, Ganelon, Matrick und dem Zauberer Moog Drachen, kämpfte gegen Riesen und brach reihenweise die Herzen der Frauen. Nun, beinahe zwanzig Jahre später, hat Clay grau meliertes Haar, arbeitet bei der Stadtwache in Decktal und führt mit seiner Frau Ginny und seiner Tochter Tally ein ruhiges, bescheidenes Leben. Doch mit der Idylle ist es schnell vorbei, als eines Abends sein alter Freund Gabe vor Clays Tür steht und ihn um Hilfe bittet: Im fernen Königreich Castia wütet ein grausamer Krieg, und ausgerechnet dort hält sich Gabes Tochter Rose auf. Gabe ist fest entschlossen, sie zu retten, und dazu möchte er Die Saga wieder zusammenbringen. Werden sich Clay und die alten Gefährten auf diese Herausforderung einlassen, die riskanter ist, als jedes Abenteuer, das sie bisher bestehen mussten? Schließlich führt der Weg nach Castia direkt durch das Herzwyld – ein undurchdringliches Dickicht voller magischer Kreaturen und tödlicher Gefahren -, und ab einem gewissen Alter ist es nicht mehr so leicht, ein Held zu sein …

REZENSION:

Nicholas Eames legt mit Könige der Finsternis sein Debüt vor und möchte somit auch im dicht besiedelten Wald der Fantasy eine Rolle spielen.
Seine Idee, Helden nicht wie gewohnt entstehen zu lassen, sondern diese etwa 20 Jahre nach ihrer Blütezeit erneut losmarschieren zu lassen spricht bereits für sich. Die Saga ist dabei ein eher witziger Haufen alter Herren, die sich zur Rettung der Tochter eines ihrer Gefährten aufmachen. Alle fünf sind dabei bereits über den Zenit ihres Lebens geschritten. Die Haare grau meliert, das Familienleben in Ordnung, ein bescheidener Job als Stadtwächter – dies allein würde Clay Cooper ausreichen und er fühlt sich sichtlich wohl in dieser konservativen Rolle.
Dennoch lässt er sich nicht lange bitten und schon befinden sich die ersten Mitglieder der sagenhaften Gruppe auf der Reise, um die anderen drei ebenfalls von der Notwendigkeit der Rettung Roses und somit dem erneuten Aufleben der Söldnertruppe DIE SAGA zu überzeugen.
Vom Leben gelangweilt, lassen sich die anderen nicht bitten – okay: Einer musste dabei gerettet werden, aber davon mehr im Buch.
Eames Story ist sehr witzig erzählt und lebt von ihrer herausragenden Idee, einfach mal die Jahre nach den großen Heldentaten zu beleuchten. Sein Trupp ist ausreichend interessant aufgestellt, um überzeugend zu wirken und für erfrischende Abwechslung zu sorgen.
Nicholas Eames scheint sich lange durch Recherchetätigkeiten im Fantasygenre vorbereitet zu haben; also: er hat wohl viele Bücher gelesen und sicherlich auch manches Rollenspiel ausprobiert. Denn genau das merkt man diesem Debütroman deutlich an: Es ist liebevoll geschrieben, gespickt mit einer Vielzahl an sagenhaften Gestalten, gleichzeitig aber auch ein wenig zu geradlinig und vorhersehbar erzählt. Kommen die Helden an eine Leistungsgrenze, zieht der Autor buchstäblich eine Karte und sorgt somit für den nötigen Drall, um den Helden nicht nur als Erschaffer beizustehen, sondern ihnen gar ein wenig behilflich zu sein.
Sehr positiv sei anzumerken, dass Nicholas Eames einen abgeschlossenen Roman in diesem Genre hinterlassen hat und nicht auf den Trilogie-Zug mit aufspringen musste.
Könige der Finsternis ist eine locker erzählte Geschichte mit interessanten Protagonisten, die von der Midlife-Crisis deutlich geschüttelt werden. Ein somit ganz ordentlich erzählter, humorvoller Roman ohne großartige Überraschungen.
Jürgen Seibold/19.08.2019

Lawrence, Mark: Waffenschwestern – Das erste Buch des Ahnen

Originaltitel: Red Sister
Aus dem Englischen von Frank Böhmert
©2017 by Bobalinga Ltd.
Für die deutschsprachige Ausgabe:
©2018 S. Fischer Verlag GmbH, Frankfurt a.M.
ISBN 978-3-596-70110-0
ca. 637 Seiten

COVER:

„Will man eine Nonne töten, so gilt es sicherzustellen, dass man über ein Heer von hinreichender Größe verfügt.“

Das Kloster zur süßen Gnade ist kein gewöhnlicher Konvent. Hier leben Mystikerinnen, die das Gewebe der Welt manipulieren, Schwestern der Verschwiegenheit, die sich der Kunst der Täuschung widmen, und hier werden Mädchen zu tödlichen Kriegerinnen ausgebildet. Als die junge Nona von einer Äbtissin in den Konvent geholt wird, ahnt sie nicht, dass ihre Ausbildung sie bis an ihre Grenzen führen wird – und weit darüber hinaus.
Nona durchläuft ein rigides Trainingsprogramm, das sie mit dem mystischen Pfad vertraut macht, den geheimen Künsten des geräuschlosen Tötens und der Fähigkeit, mit den verschiedensten Waffen zu kämpfen. Mit den anderen Novizinnen ist sie in Freundschaft und Liebe – und manchmal auch leidenschaftlichem Hass – verbunden. Nicht alle werden es schaffen, aber diejenigen, die ihren Weg bis zu Ende gehen, werden Teil der Schwesternschaft. Sie werden die gefährlichsten Klingen des Reiches, sie werden Waffenschwestern sein.

REZENSION:

Bei diesem Buch bin ich von Anfang an wahrlich hin- und hergerissen gewesen. Eine Vielzahl an unterschiedlichsten Emotionen und Gedanken rasten durch mich hindurch beziehungsweise an mir vorbei.
Die Geschichte selbst ist in ihrem übergeordneten Gebilde prinzipiell nichts unbedingt Neues. Dennoch schafft es Mark Lawrence diesem Coming-Of-Age-Konzept einiges erfrischendes hinzuzufügen.
Waffenschwestern ist nebenbei zwar Fantasy, dennoch lässt Lawrence klassische Spielarten wie Drachen, Zwerge, Zauberkräfte und so weiter einfach links liegen. Seine handelnden Personen sind beinahe „normal“ – außer eben, dass sie etwas Besonderes in einem Kloster lernen.
Anfangs war ich auch voll dabei:
Die Rettung Nonas zu Beginn und Ihr Eintritt in das Kloster – einfach perfekt.
Dann jedoch tröpfelt die Handlung gemütlich vor sich hin. Meine Gedanken legten sich in Richtung Abbruch des Buches – rechtzeitig musste sich Nona aber einer Prüfung unterweisen, die erzählerisch rasant und tiefgehend dargelegt worden ist. Hierbei ließ ich mich trotz meiner aufkommenden Gedanken in Richtung „Schließen des Werkes“ wieder überzeugen und an die Seiten fesseln.
Während dieser groß und breit erzählten Episode im Leben Nonas stellte ich mir mehrmals die Frage, warum ich überhaupt mit diesem frevelhaften Gedanken zu spielen begann.
Mark Lawrence zeigte in diesem detailliert erzählten Teil seiner Geschichte, dass er prinzipiell zu einem wahren Meister seines Faches zählt.
Leider scheint es jedoch so zu sein, dass er dieses Tempo und den Drive nicht über längere Strecken aufrechterhalten kann.
Nonas Weg als Schülerin in diesem rundum interessanten Kloster wirkt oberflächlich betrachtet wie Harry Potter für Erwachsene – aber plätschert viel zu viel einfach nur so vor sich hin. Womit sich meine Aufmerksamkeit erneut in Richtung „Abbruch“ verlagerte, da die reine und langatmige Darstellung eines „Schullebens“ spannend sein kann, hier jedoch nicht spannend dargelegt worden ist.
Dem Gegenüber halte ich es für außerordentlich erfrischend, dass endlich einmal fast nur weibliche Personen die Hauptrolle spielen. Dafür gibt es von meiner Seite einen Bonus – dies, obwohl ich bereits einige Stimmen zur Kenntnis nehmen musste, die davon sprachen, das diese Mädchen recht burschikos auftreten. Irgendwie kann man es wohl niemandem recht machen – ich stehe bei diesem Punkt geflissentlich einfach darüber, denn über so etwas habe ich mir schlicht keine Gedanken gemacht. Ich hielt es einfach nur für gut und Punkt!
Nichts desto trotz konnte mich Mark Lawrence mit dieser prinzipiell sehr interessanten Idee und Geschichte nicht bis zum Ende überzeugen. Seine Qualität blitzt oft hervor – es stellte sich mir dennoch die Frage, ob hier der Autor im ersten Buch seiner Reihe etwas zu sehr ausholen wollte und dafür im Nachfolgeband Gas gibt.
Keine Ahnung und davon abgesehen muss auch der erste Band überzeugen, da sonst der Griff zum Zweiten vom Leser nicht vollzogen wird.
Wie bereits angemerkt, bin ich hin- und hergerissen, denn einerseits halte ich die Idee inklusive den teilnehmenden Figuren für absolut zufriedenstellend und klasse dargestellt – andererseits hat mir einfach ein klein wenig gefehlt. Ich bin mir aber sicher, dass Waffenschwestern seine Klientel finden wird, denn mein dezentes Meckern ist auf einem etwas hohen Niveau angesiedelt und die Figur der Nona ist durchweg liebevoll gezeichnet, um eine Vielzahl an Freunden der Fantasy zu überzeugen.
Jürgen Seibold/31.07.2019

Reeve, Philip: Mortal Engines – Jagd durchs Eis

Originaltitel: Predator’s Gold
Aus dem Englischen von Nadine Püschel und Gesine Schröder
©2003 Philip Reeve
Für die deutschsprachige Ausgabe: ©2018 S. Fischer Verlag GmbH, Frankfurt a.M.
ISBN 978-3-596-70213-8
ca. 360 Seiten

COVER:

Im zweiten Teil der „Mortal Engines“-Reihe verschlägt es Tom und Hester mit ihrem Luftschiff Jenny Haniver in die Eisstadt Anchorage, die von der jungen Margrabina Freya Rasmussen auf einen abenteuerlichen Kurs geführt wird: Ihr Ziel ist Amerika, der vergessene Kontinent, wo sie eine neue Heimat für ihre Stadt finden möchte. Doch die Reise ist riskant und das Ziel vielleicht nur eine Illusion: Was wird sie in der Alten Welt erwarten?

Aus dem Bericht des Forschungsreisenden Nimrod Beauregard Pennyroyal: „Nordamerika ist ein toter Kontinent. Das ist allseits bekannt. Nach seiner Entdeckung durch den großen Forscher und Detektiv Christoph Columbo im Jahre 1924 mauserte es sich zu einem Weltreich, das allerdings im Sechzig-Minuten-Krieg restlos zerstört wurde. Zurück blieben geisterhafte rote Wüsten, toxischer Morast, Atombombenkrater, Rost und totes Gestein. Nur die Wenigsten wagen sich dorthin, und doch halten sich Gerüchte, Geschichten. Das Raunen betrunkener alter Lufthunde in abgewirtschafteten Karawansereien. Berichte von Luftschiffen, die vom Kurs abkamen und ein ganz anderes Amerika unter sich erblickten: grüne Landschaften, Wälder und Wiesen, riesige blaue Seen.“

REZENSION:

Philip Reeves Reihe um die sagenhaften Städte, die sich rasend durch die Welt bewegen geht mit dem zweiten Band beinahe nahtlos weiter. Gut, es ist eine gewisse Zeit vergangen – ich denke etwa 2 Jahre, wenn mich gerade nicht alles täuscht. Dennoch ist zwischenzeitlich nichts Nennenswertes geschehen und das Pärchen Hester und Tom bereits in ihrem Luftschiff die Welt als Händler und Abenteurer.
Eines Tages nehmen sie den Historiker Pennyroyal als Passagier auf und schon befinden sie sich in einem neuen Abenteuer, dass sich gewaschen hat und sie bis an ihre persönlichen Grenzen bringt.
Nachdem sich die beiden Protagonisten Tom und Hester im ersten Buch dieser Reihe erst kennen- und lieben lernten, sind sie nun im Nachfolgeband die beiden wichtigsten Hauptfiguren. Dieser kleine Umstand führt zum sofortigen Eintauchen des Lesers, da kein langes Erklären und Ausholen des Autors stattfindet. Philip Reeve legt vielmehr sofort los und lässt keine Zeit zum gemütlichen Ein- und Ausatmen.
„Jagd durchs Eis“ ist Programm in diesem Buch und die besage Jagd macht richtig viel Spaß beim Lesen.
Gut, ich bin nicht mehr wirklich die Zielgruppe dieses eher auf Jugendliche abgerichtete Buch – dennoch konnte es mich auf seine eigene Art gut unterhalten.
Natürlich halte ich einige Aspekte ein wenig zu impulsiv – insbesondere, als Hester heimlich eine kleine Besonderheit sieht und wutentbrannt eine Entscheidung trifft, die nicht gerade gut überlegt ist und darüber hinaus eher kindisch wirkt. Nimmt man sich als Mitglied der doch schon etwas älteren Generation ein wenig zurück und lässt die Gedanken in Richtung Jugend schweifen, dann nimmt man dem Autor dieses Vorgehen auch sofort wieder ab und akzeptiert es als glaubhaft, da doch immer wieder ähnliche Reaktionen bei jüngeren Generationen auftreten und oft auch nicht plausibel nachvollziehbar geschweige denn wohlüberlegt sind.
Ich schweife ab, wollte damit aber nur darlegen, dass man dieses Werk als Jugendbuch mit dementsprechenden Inhalten betrachten sollte. Lässt man dies zu, gefällt es einem auch als älteren Leser und ich bin im Anschluss froh, dass es weiterhin so herausragende Geschichten auf dem Markt gibt, die vielleicht den ein oder anderen neuen Leser zur Folge haben.
Während der erste Band in meinen Augen noch ein wenig suchend wirkte, legte der Autor hier wohl mit stolz geschwellter Brust deutlich nach. Dementsprechend halte ich den zweiten Band um Längen stärker, rasanter und spannender als den Ersten. Die Storyline ist zwar auch hier leicht vorhersagbar und zielgerichtet, nichts desto trotz ist es eine absolut gelungene Fortsetzung und ich freue mich schon auf die weiteren Erlebnisse dieses kuriosen Paares.
Jürgen Seibold/22.07.2019

Islington, James: Das Echo der Zukunft – Die Licanius-Saga 2

Originaltitel: The Echo Of Things To Come
Ins Deutsche übertragen von Ruggero Leò
Deutsche Erstausgabe November 2018
©2017 James Islington
©2018 der deutschsprachigen Ausgabe Knaur Verlag
ISBN 978-3-426-52138-0
ca. 800 Seiten

COVER:

EINE VERBOTENE MACHT WIRD ZUR GRÖSSTEN HOFFNUNG – DIE LICANIUS-SAGA GEHT WEITER!

Der Fein im Norden hat sich erhoben – nichts steht mehr zwischen ihm und den Fürstentümern der Menschen.
Nichts außer den Begabten, die über die verbotene Macht der Seher verfügen.
Gemeinsam mit neuen Verbündeten bricht der junge Begabte Davian zur nördlichen Grenze auf, ohne zu wissen, ob er noch rechtzeitig eintreffen wird. Währenddessen setzt Davians Freund Caeden alles daran, sein verräterisches Abkommen mit den geheimnisvollen Lyth zu erfüllen. Doch als seine Erinnerungen langsam zurückkehren, muss er sich mehr und mehr fragen, wer Freund und wer Feind ist …

REZENSION:

Der erste Band der Licanius-Saga von James Islington mit dem Titel „Das Erbe der Seher“ konnte mich problemlos überzeugen. James Islington kreierte eine sehr interessante Welt mit ebenso interessanten Personen. Diese wiederum überzeugten durch ihre Taten und Fähigkeiten.
„Das Echo der Zukunft“ führt die sagenhafte Geschichte nahtlos weiter und wird sicherlich Kenner des ersten Bandes weiterhin überzeugen.
Nachdem seit Veröffentlichung des ersten Bandes bereits einige Zeit vergangen ist, stellt man sich natürlich auch hier die Frage, ob man sich noch irgendwie an die Geschehnisse erinnern kann. Islington löst dieses Problem auf eine simple Art und Weise, bei der ich nicht verstehen kann, warum dies nicht in jedem mehrbändigen Fantasyroman so vorgenommen wird: Das Buch startet mit einem knappen, dennoch mehrseitigen „Was-bisher-geschah…“.
Scheinbar angelehnt an oder inspiriert von TV-Serien ist dieses Instrument doch eine fabelhafte Idee, um Viellesern auf einfach Weise die bisherigen Geschehnisse erneut nahezubringen. Danke dafür – ich glaube nicht, dass ich mich noch ausreichend an die Erlebnisse innerhalb des ersten Bandes hätte erinnern können.
„Das Echo der Zukunft“ hinkt aber dennoch dem ersten Band nach und wirkt auf mich sehr chaotisch in seiner Erzählweise. Sicher, Islingtons Stil ist einem bewusst und funktioniert auch weiterhin. Lediglich seine Geschichte scheint hier unbedingt mit einer Vielzahl an neuen Personen und vielem weiter glänzen zu wollen. Hier hätte er wahrlich etwas dezenter vorgehen können – seine Geschichte hat doch ausreichend Potenzial, um in sich selbst funktionieren und wirken zu können.
Die zeitlichen Sprünge machen es einem nicht leichter, sich einen Weg durch dieses chaotische Dickicht schlagen zu können. Darüber hinaus scheint Islington viel vor zu haben und verliert sich hier ein wenig in Erklärungen und dem erneuten Aufbau seiner gedanklichen Welt. Vielleicht, um im dritten Band dann die Keule herausholen zu können – keine Ahnung, ob dem so ist, dennoch macht er es dem Leser damit etwas schwer, da die notwendigen Spannungselemente dementsprechend reduziert in Erscheinung treten.
Nun, irgendwie ist das auch meckern auf hohem Niveau, denn ein begnadeter Autor ist Islington jedenfalls – vielleicht sollte man einfach von der Notwendigkeit der mehrbändigen Fantasyromane absehen und den Autoren die Aufgabe geben, ihre Geschichten in einem Band überzeugend zu erzählen. Es kommt nämlich in letzter Zeit sehr oft vor, dass der mittlere Band schwächer ist – als Vielleser glaube ich, dass dies auch die Anzahl der Leser reduziert. Vielleicht irre ich mich, dennoch steigt bei mir die Anzahl der nicht beendeten Fantasyreihen, da der zweite Band Federn gelassen hatte.
Jürgen Seibold/21.07.2019

Tolkien, J.R.R.: DER HERR DER RINGE

© J.G. Cotta’sche Buchhandlung
ISBN 978-3-608-93984-2
Band 1: Die Gefährten – ca. 608 Seiten
Band 2: Die zwei Türme – ca. 510 Seiten
Band 3: Die Rückkehr des Königs – ca. 444 Seiten

COVER:

Die Gefährten

Ein beschauliches Dorf im Auenland.
Alles ist ruhig und friedlich, bis der jungen Hobbit Frodo einen unvorstellbar gefährlichen Auftrag bekommt: Er muss eine Fahrt quer durch Mittelerde ins düstere Morder antreten, um dort den Einen Ring der Macht zu zerstören …
Denn nur so kann die dunkle Herrschaft Saurons gebrochen werden.

Die zwei Türme

Die Gefährten mussten sich trennen: Frodo und Sam ziehen ganz alleine weiter den Fluss Anduin hinab. Ganz allein? Eine zwielichtige Gestalt schleicht ihnen nach, wohin sie auch gehen.

Die Rückkehr des Königs

Die Armeen des dunklen Herrschers Sauron dringen immer weiter vor. Endlich schließen sich Menschen, Zwerge, Elben und Ents zusammen, um gemeinsam in die Schlacht gegen das Böse zu ziehen. Und währenddessen kämpfen Frodo und Sam sich weiter in Mordor vor, um den Einen Ring für immer zu zerstören.

REZENSION:

Ich bin mir absolut sicher, dass es keine Worte über den Inhalt dieser sagenhaften Geschichte von J.R.R. Tolkien bedarf. Jedem Kenner der phantastischen Literatur war dieses Buch per se ein Begriff – nach Erscheinen der wahrhaft gut umgesetzten Verfilmung wurde diese fantastische Welt mit Sicherheit auch dem Rest der Welt nahegebracht.
Man könnte nun viel über den Unterschied Film / Buch diskutieren – aber hier geht es nicht um Filme.
Davon abgesehen stellt sich überhaupt die Frage, ob nicht sowieso schon ausreichend über dieses Werk geschrieben worden ist.
Nun, auch ich möchte einige Worte verlieren:
DER HERR DER RINGE war mir bereits als Kind ein Begriff. Ich kann überhaupt nicht mehr nachvollziehen, wie oft ich dieses Werk aus diversen Regalen gezogen und darin geblättert habe. Es zog mich immer wieder an – allein schon wegen seiner Fülle und meinem dementsprechenden Respekt vor diesem dicken Werk.
Als ich das Buch wiederum zum ersten Mal gelesen hatte, war ich schon ein wenig älter – somit schon in einem sehr reifen Jugendalter. Sozusagen bereits an der Tür des Erwachsenwerdens anklopfend.
Auch mich hatte es relativ schnell gefesselt und es ist und bleibt die unumstrittene Bibel der Fantasy – da führt schlicht kein Weg daran vorbei.
Noch heute steht das berühmte rote Buch in meinem Regal. Damals für teures Geld gekauft und bis heute absolut stolz darauf.
Dieses Werk hatte ich dann natürlich nicht nur einmal gelesen – sehr genau kann ich mich noch daran erinnern, es erneut vor meinen Augen ausgebreitet zu haben, als der Film von Peter Jackson veröffentlicht worden ist. Nebenbei erwähnt: Ja, das Buch ist natürlich tiefgründiger und detaillierter, somit besser – nichts desto trotz halte ich auch den Film in seiner Umsetzung für absolut fabelhaft. Ist eben ein anderes Medium.
Als dann zu Zeiten des Films die Übersetzung von Wolfgang Krege auf den Markt kam, bekam ich sehr viel über die teils kontrovers geführten Diskussionen innerhalb der Fangemeinde mit. Ein wahres Feuerwerk an Beschimpfungen wurde losgelassen.
Ich hielt mich da geflissentlich raus – entschied mich aber dazu, mir die Übersetzung von Krege nicht an zu tun. So wirklich gab es auch keine Notwendigkeit, hatte ich doch die alte Übersetzung in einer wunderschönen Ausgabe weiterhin in meinem Fundus.
Nun befinden wir uns im Jahre 2019 und es ist – wie vom Verlag mitbekommen – ein besonderes Jahr, denn DER HERR DER RINGE feiert Jubiläum.
Durch diesen Umstand fand die neu aufgelegte Krege-Übersetzung seinen Weg zu mir.
Gedanklich an die früheren Diskussionen erinnert, wusste ich nicht wirklich, ob ich mir dieses Werk antun soll.
Nun, hätte ich es nicht getan, wäre es ein Fehler gewesen!
Ja, die frühere Übersetzung ist getragener und wie aus einer anderen Zeit gefallen. Dies spricht stark für die Geschehnisse in Mittelerde. Gleichzeitig lässt sich die Krege-Übersetzung aber ausgesprochen flüssig und erheblich eingängiger lesen, was mir persönlich unglaublich gut gefallen und auch gutgetan hat.
DER HERR DER RINGE war trotz seines Glanzes ein Werk mit hohem Anspruch und man musste sich diesem auch konzentriert beugen. Dies lässt sich auch weiterhin jederzeit vornehmen, da die alte Übersetzung nicht von der Welt ist. Nichts desto trotz kann man bei Kreges Übersetzung förmlich über die Seiten fliegen und hierdurch bekam dieses mir bereits bekannte und mehrfach gelesene Werk einen interessanten neuen Schwung, der dafür sorgte, dass ich diese Vielzahl an Seiten in kürzester Zeit gelesen hatte.
Doch darüber hinaus hat die neue Übersetzung auch dafür gesorgt, dass nun DER HERR DER RINGE auch weiterhin mein absolutes Lieblingsbuch in diesem Genre bleibt. Hier scheint das dezente Abstauben wahrlich gute Arbeit geleistet zu haben.
Ehrlich gesagt verstehe ich auch das harte Herangehen der Fans nicht: Es geht keineswegs die Welt unter, wenn ein Übersetzer einen dezent neuen Weg zur Verjüngung einer sagenhaften Geschichte wagt. Sollte man damit nicht einverstanden sein, ist es wirklich nicht notwendig, wutentbrannt los zu schreiten – nein, man kann einfach weiterhin die bisherige Version lesen und lesen und lesen…
Somit einfach akzeptieren, genießen oder bleiben lassen.
Ich persönlich halte nun beide Versionen für sinnvoll: Die eine, falls man hochkonzentriert und etwas getragen in Tolkiens Welt abtauchen möchte, die andere, falls man relativ flüssig, rasant und eingängig eine tolle Geschichte lesen möchte.
Die Entscheidung bleibt jedem selbst überlassen. Schlecht ist wahrlich keine der beiden Varianten.
Jürgen Seibold/09.07.2019

Heitz, Markus: Die Klinge des Schicksals

Originalausgabe März 2018
© 2018 Knaur Verlag
ISBN 978-3-426-65448-4
ca. 571 Seiten

COVER:

Ein Kontinent vor der Vernichtung – nur eine Kriegerin kann die Bedrohung aufhalten. Doch wem kann sie vertrauen?

Die gealterte Kriegerin Danèstra ist in ihrer Heimat Nankán eine lebende Legende. In unzähligen Schlachten hat sie Siege errungen und so den Beinamen Die Klinge des Schicksalserhalten. Doch als sie die geheimnisvolle Kalenia vor dem sicheren Tod bewahrt und die Geschichte der jungen Frau erfährt, muss sich Danèstra ihrer bislang größten Aufgabe stellen. Nichts weniger als das Überleben von Nankán steht auf dem Spiel, und Kalenia scheint der Schlüssel zur Rettung des ganzen Kontinents zu sein. Doch kann Danèstra ihr wirklich trauen?

REZENSION:

Wenn jemand ein Garant für gute Bücher ist, dann ja wohl der aktuell mit Sicherheit erfolgreichste Fantasyautor des Landes. Nun, Fantasyautor ist etwas kurz getreten, da Heitz auch die spannenderen Gefilde abgrast und dabei zu überzeugen weiß. Hier handelt es sich jedoch erneut um einen Fantasyroman und somit ist erneut die Erwartung nicht gerade niedrig, da es sich ja um einen reinrassigen Markus Heitz handelt.
Die Klinge des Schicksal fängt auch ausgesprochen gut an und ich war sichtlich erfreut, wieder einmal bei einem Heitz zugeschlagen zu haben. Nach und nach stieg jedoch das unsägliche Gefühl, dass mit steigender Anzahl an Seiten auch die Oberflächlichkeit sich Bahn bricht. Nachdem es sich um einen Roman eines meiner liebsten Autoren handelt, versuchte ich mich dennoch noch einige Zeit diesem Buch zu widmen – nichts desto trotz fehlte die Überzeugung, die Heitz bei anderen Werken problemlos mitführte. Aus diesem blieb mir nach 200 Seiten schlicht nichts anderes übrig, als mich von diesem Buch zu verabschieden – was mir prinzipiell wirklich schwergefallen ist, da meine Hoffnung doch sehr hoch war. Schade, scheinbar eines der schwächeren Werke von Markus Heitz. Wollen wir mal hoffen, dass sich dies in Grenzen hält…
Jürgen Seibold/07.06.2019

Hennen, Bernhard: Die Chroniken von Azuhr – Der Verfluchte

© 2017 by Bernhard Hennen
Deutsche Erstausgabe: © 2017 S. Fischer Verlag GmbH, Frankfurt a.M.
ISBN 978-3-596-29726-9
ca. 572 Seiten

COVER:

DER BEGINN EINES NEUEN MAGISCHEN ZEITALTERS

Der junge Milan Tormeno ist dazu ausersehen, seinem Vater Nandus in das Amt des Erzpriesters zu folgen: Er soll einer jener mächtigen Auserwählten werden, die die Geschicke der Welt Azuhr lenken.

Doch Milan kann nicht akzeptieren, dass sein Schicksal vorherbestimmt ist. Er rebelliert – und verstrickt sich mit der Meisterdiebin Felicia und der geheimnisvollen Konkubine Nok in ein gefährliches Netz von Intrigen.

Gemeinsam geraten sie in den Bann einer alten Prophezeiung – einer Prophezeiung, nach der die Ankunft des „Schwarzen Mondes“ in Azuhr ein neues Zeitalter der Magie einläuten wird …

REZENSION:

Vor noch nicht allzu langer Zeit veröffentlichte ich die Rezension zum zweiten Band der „Chroniken von Azuhr“. In dieser Rezension machte ich darauf aufmerksam, dass ich den ersten Band wahrlich gefeiert habe und dementsprechend euphorisch auf den Zweiten wartete. Meine Meinung zum Zweiten lasse ich hier nun außen vor, dies lässt sich recht leicht auf meiner Seite nachlesen – nichts desto trotz ist mir gerade erschreckend aufgefallen, dass ich noch nicht eine Silbe über den ersten Band dieser Reihe geschrieben hatte. Nun gut, das möchte ich nun hiermit nachholen und versuche, den zweiten Wurf dabei zu vergessen und mich ausschließlich dem Gefühl des Buches mit dem Untertitel „Der Verfluchte“ zu widmen.
Nachdem nun schon einige Zeit vergangen ist, seit dem ich mich dem oben genannte Buch von Bernhard Hennen widmete, möchte ich gar nicht allzu sehr auf irgendwelche Inhaltsbeschreibungen eingehen. Ich denke, dies lässt sich sicherlich in den üblichen Plattformen nachholen – ich selbst würde nur Band 1 und 2 verwechseln und somit manch Begebenheit falsch einsortieren.
„Die Chroniken von Azuhr – Der Verfluchte“ ist jedenfalls ein absolut herausragendes Werk des „Elfenkönigs“ Bernhard Hennen. Wie man nun jedoch weiß, konnte mich Band 2 leider absolut nicht überzeugen – ich behalte diesen ersten Band dennoch in meinem Herzen und bin außerordentlich froh, ihn gelesen zu haben. Da es sich hier um eine Trilogie handelt, muss natürlich jeder für sich selbst entscheiden – ich kann jedenfalls Buch 1 uneingeschränkt empfehlen. Vielleicht funktioniert Buch 2 auch besser, wenn man dieses nahtlos anschließt. In meinem Fall lag zwischen ihnen eine nicht unerhebliche Zeit mit einer nicht unerheblichen Vielzahl an anderen Büchern und somit schien der Abstand zwischen beiden schon zu groß geworden zu sein.
Wer kein Problem damit hat, vielleicht nur den Beginn eines neuen Zeitalters zu genießen, dem sei dieses Buch jedenfalls unbedingt nahe zu legen. Genießt es…
Jürgen Seibold/07.06.2019

Weitze, Torsten: Nebula Convicto – Grayson Steel und die Magische Hanse von Hamburg

© acabus Verlag, Hamburg 2018
ISBN 978-3-86282-644-5
ca. 425 Seiten

COVER:

Quaestor Grayson Steel hat Gefallen an der Arbeit als Ermittler in der magischen Gemeinschaft, der Nebula Convicto, gefunden. Seine Quadriga und er suchen weiterhin nach den Hintermännern rund um Sophias Entführung, welche beinahe zu einem Zusammenbruch der magischen Weltordnung geführt hätte.

Während sie im Schwarzwald nach einem entlaufenen Basilisken suchen, werden Grayson und sein Team plötzlich unfreiwillig in eine abenteuerliche Schnitzeljagd hineingerissen. Bis zum nächsten Neumond sollen sie ein gestohlenes Artefakt zurückholen. Die Spur des Diebesguts führt quer durch Deutschland bis nach Hamburg. Dort steht Grayson Steel schließlich den Dienern eines totgeglaubten, uralten Wesens gegenüber, das die Welt schon einmal verfinstert hat.

An Meermenschen und Klabautermännern vorbei, muss er die Erweckung des Altvorderen verhindern, sonst wird Hamburg in einem Sturm aus Gewalt und Feuer untergehen.
Und mit der Stadt die Magische Hanse, die Lebensader der Nebula Convicto

REZENSION:

Bereits mit dem ersten Band um den Ermittler Grayson Steel konnte mich der mir bis dahin unbekannte Autor Torsten Weitze uneingeschränkt unterhalten und überzeugen.
Er schafft es auf eine unglaublich interessante Art und Weise, seinen Ermittler auf eine für ihn recht unbekannte Welt los zu lassen. Dabei verlassen wir aber keineswegs unsere eigene Welt – nein, diese ist lediglich durchsetzt von allen möglichen magischen Gestalten und Organisationen.
Während Grayson Steel im ersten Band noch seinen Weg vom „normalen“ Scotland Yard-Ermittler zum Quaestoren in der Nebula Convicto finden musste, sind diese Vorgänge natürlich nun zu Beginn des zweiten Bandes bereits abgeschlossen. Sehr oft verliert man sich dann in solchen Werken, da der Weg zumeist als das Interessanteste wahrgenommen wird. Hier scheint dies jedoch keine Rolle zu spielen, da Weitze bereits von Beginn an seinen Leser in die Handlung hineinwirft und das erste Kapitel mit Vollgas losstarten lässt.
Oberflächlich betrachtet handelt es bei dieser Reihe um eine reinrassige Krimireihe – wären da nicht die Gestalten aus alten Sagen und Erzählungen, die hierin zum Leben gefunden haben. Weitze zeigt ein unglaubliches „Fachwissen“ bezogen auf die Mythen von Jahrtausenden. Dementsprechend vielfältig sind die Gegner und Helfer Grayson Steels. Erfrischend ist dabei der Umstand, dass Steel bis auf eine besondere Fähigkeit nur durch sein Ermittlernäschen auftrumpfen zu können scheint. Die sagenhaften Gestalten liegen ihm nicht gerade nah und somit sind wir mit einer Vielzahl an witzigen und kuriosen Begebenheiten beteiligt.
Torsten Weitze schafft es durch diesen teils humoristischen, teils klassisch angehauchten Stil seinen Leser rundum zu begeistern. Es ist wahrlich unglaublich, mit welch erzählerischer Normalität er uns bekannte Dinge, Orte, Gebäude mit sagenhaften Ingredienzen füllt. Wüsste man es nicht anders, würde man dies auch noch als glaubhaft dargestellt akzeptieren. Nun, vielleicht sind aber doch gerade deshalb die Kosten der Elbphilharmonie so explodiert?
Grayson Steel ist jedenfalls ein absoluter Tipp und ich bin schon jetzt unglaublich gespannt auf den nächsten Band – dabei hoffend, dass Weitze den beiden bereits vorliegenden auch dort in nichts nachstehen wird.
Wäre Grayson Steel kein Ermittler sondern Schüler, würde ich fast sagen, dass es sich hierbei um den Harry Potter für Erwachsene handelt.
Jürgen Seibold/02.06.2019