Markus Kastenholz: Malteserblut (Breisgauer Geschichten)

Kastenholz_Malteserblut© Markus Kastenholz
Edition Nocturno
Bezug: Markus Kastenholz, St. Ulrich-Str. 33, 79189 Bad Krozingen
ca. 142 Seiten / € 9,90 (Paperback)

COVER:

Heitersheim, Bad Krozingen Staufen, der Altrhein und Freiburg – das sind nur einige Schauplätze dieses Bandes der Breisgauer Geschichten.
Geschichten aus der Region voller Charme, Spannung und Humor.

REZENSION:

Prinzipiell bin ich ja der Meinung, dass man ein Buch niemals nach dessen Cover beurteilen sollte – viel zu oft hatten sich vor meinen Augen Geschichten entfaltet, die sich zwischen Buchdeckeln befanden, die nicht schlechter gewählt sein konnten.
Bei MALTESERBLUT ist es für jemanden, der nicht aus der Breisgauer Region kommt sicherlich ähnlich. Sicherlich wirkt der Titel bei Urlaubern, die gerade einige schöne Wochen im Breisgau erlebt hatten und noch schnell eine Kleinigkeit als Erinnerung mitnehmen möchten. Wenn ich aber an den typischen Käufer denke, der einfach durch den Buchladen streift und nach ein wenig Unterhaltung sucht – nun, dann hat es dieses Cover nicht wirklich einfach.
Andererseits: Ein anderes Cover zur ordnungsgemäßen Betitelung dieses Buches würde mir jetzt auf Anhieb auch nicht einfallen – viel zu unterschiedlich sind die darin enthaltenen Kurzgeschichten.
Ich bin natürlich ein klein wenig im Vorteil, da ich bereits das ein oder andere Werk von Markus Kastenholz lesen durfte und bis dato noch niemals enttäuscht werden sollte.
MALTESERBLUT setzt dem nur noch ein Krönchen auf: Die Geschichten sind durchweg interessant und absolut abwechslungsreich. Ihr Inhalt pendelt zwischen Melancholie, Humor, Mystik, Spannung und Fantasy. Somit ist für absolut jeden etwas in diesem leider viel zu dünnen Büchlein enthalten.
Man trifft auf die letzte Nymphe, auf Mephisto höchstpersönlich, auf einen explodierten Ehegatten und einer angehenden Archäologin, deren Erfolg ich gerne miterlebt hätte. Gerade eben befindet man sich im Erleben eines interessanten sexuellan Aktes ohne jegliche Vorwarnung, um bereits einige Zeilen weiter eine Hommage an Michael Endes Unendliche Geschichte zu entdecken.
Die in diesem Büchlein enthaltenen 8 einhalb Geschichten (die letzte “halbe” ist eher ein Schlusswort des Autors) lassen absolut nichts missen und konnten mich durchweg überzeugen – obwohl ich prinzipiell eher Spannungsliteratur bevorzuge; Markus Kastenholz hat es aber erneut spielerisch geschafft, hier Grenzen einzureissen und über Tellerränder hinausgehende Geschichten zu kreieren, deren (ich muss es einfach nochmal sagen) Cover ihnen nicht gerecht wird.
Vielleicht sollte man Bücher einfach prinzipiell neutral gestallten, dann hätten solche Perlen sicherlich mehr Chancen auf dem Markt. Lasst Euch somit nicht von der Darstellung beeinflussen, sondern geniesst einfach jeden einzelnen Buchstaben.
Jürgen Seibold/16.07.2013

 

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Jörg Schneider: So komme ich in die Hölle

Schneider_Hoelle© 2012 by U-Line & Jörg Schneider
ISBN: 978-3-939239-32-1
www.u-line-verlag.de
ca. 220 Seiten / € 9,95

COVER:

Der Weg in die Hölle ist leichter als man gemeinhin denkt. Ein kleiner Fehltritt im Leben und schon wartet die ewige Verdammnis. Zumindest droht uns so die Kirche.
Jörg Schneider hat sich auf den Weg gemacht und noch nie gestellte Fragen ein für alle Mal beantwortet.

– Warum ist Gott kein Hippie?
– Dürfen evangelikale Christen Blitzableiter verwenden?
– Was hat es mit der Zahl des Antichristen auf sich?
– Warum musste ausgerechnet Charlton Heston die 10 Gebote entgegennehmen?
– Wohnt der Papst tatsächlich im Vakuum?
– Welchen Einfluss hat der Fleischverzehr an einem Freitag auf die Besetzungspolitik der Hölle?
– Wie fest darf man beim Steinigen werfen?

Dieses Buch klärt endlich die nebulösen Sachverhalte und zeigt Ihnen den mehrspurig ausgebauten Weg in das doppelt unterkellerte Glaubensgemäuer der kirchlichen Wahnvorstellung Hölle.
Aber Vorsicht, es besteht Einsturzgefahr.

REZENSION:

Es ist immer wieder erstaunlich, mit welchen Veröffentlichungen die etwas “kleineren” Verlage so aufwarten. Man spürt hier regelrecht die Liebe an dem Geschriebenen und zugleich den Mut, etwas kontroversere Themen zu veröffentlichen.
Jörg Schneider ist ein Protagonist dieser Verlagsszene und veröffentlicht beim U-Line-Verlag ein Buch mit dem provokanten Titel “So komme ich in die Hölle”. Bereits beim Lesen des Untertitels “Ein Streifzug durch den Irrsinn der Religion”, erkennt man, dass es hier jemand mit einer oder mehreren großen und mächtigen Institutionen aufnehmen möchte. Wie sich zeigt, gelingt ihm das auch problemlos und gut durchdacht. Jörg Schneiders “So komme ich in die Hölle” ist eher ein Sachbuch denn eine leicht zu lesendes Irgendwas und wäre dieses Buch von einem anderen – vermeintlich “hochwertigeren” – Verlag, würde ich mir Sorgen machen, denn dann wäre der Inhalt zwar gut durchdacht, gut recherchiert aber staubtrocken dargelegt. Jörg Schneider wiederum hat gut recherchiert, gut darüber nachgedacht und schafft durch seine ironischen Sprenkel und seine leicht süffisante Art jederzeit die Kurve zu bekommen, bevor der Leser sich ein wenig verloren fühlen würde.
“So komme ich in die Hölle” nimmt es wahrlich mit jedem auf – natürlich insbesondere mit den Religionen und deren Inhalten. Somit ist das Buch eine “Ich-habs-schon-immer-gewusst-Anleitung” für alle Atheisten dieser Welt – gleichzeitig halte ich den Inhalt aber umfassend genug, um es auch “gläubigen” Menschen als Lektüre vorzuschlagen – ich denke, ein wenig über die Inhalte der eigenen Religion nachzudenken würde ja nicht schaden.
J.S. 23.03.2013

 

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David Bielmann als Pierre Paillasse: Gastspiel

BielmannPaillasse-Gastspiel1. Auflage 2013
© by WOA Verlag, Zürich
www.woaverlag.ch
ISBN 978-3-9523657-7-9
ca. 120 Seiten / € 15,40

COVER:

«Diese Liste ist eine wahre Bibel für Einbrecher! Sie enthält für uns unbezahlbare Informationen. Sie sagt uns nämlich, zu welchem Zeitpunkt über 5000 Leute nicht zu Hause sind.»

Der Kleinkriminelle Big Bad Boy plant den grossen Coup. Während eines Eishockeyspiels des HC Freiburg Gottéron will er bei wohlhabenden Leuten einbrechen, die sich gerade im Eisstadion befinden. Helfen soll ihm dabei Fredi Egger, der ebenfalls mehr Geld brauchen könnte. Fredi ist allerdings selbst ein grosser Anhänger des Clubs und verpasst sonst unter keinen Umständen ein Heimspiel. Widerwillig macht er mit, doch schon in der ersten Wohnung warten die ersten Hindernisse auf die beiden, zum Beispiel eine Leiche.

REZENSION:

David Bielmann war mir bisher lediglich als Autor eines sehr melancholischen und nachdenklichen Buches bekannt. Gleichzeitig zeigte er aber auch mit “Flucht eines Toten” seine erzählerische Stärke.
Nun liegt mir ein weiteres Werk dieses Autoren vor: “Gastspiel”, welches lose an die von ihm unter dem Pseudonym Pierre Paillasse veröffentlichte Trilogie mit den Titeln “Nachspiel”, “Nachschuss” und “Nachruhm” anknüpft.
“Gastspiel” verkauft sich ein klein wenig als Krimi – ist aber irgendwie doch kein Krimi. In Krimis geschieht üblicherweise irgendetwas und irgendjemand ist auf der Suche nach den Tätern oder versucht einen Fall jeglicher Art zu lösen. “Gastspiel” handelt jedoch schlicht von zwei mehr oder weniger sympathischen Personen, die auf eine ziemlich dumme Räuberidee kommen.
Der eine von ihnen nennt sich Big Bad Boy, was schon beinahe für sich spricht, wenn man sich selbst so einen Namen gibt – da kann es mit einer tiefgründigen Gedankenwelt nicht weit her sein. Sein Kompagnon ist Fredi, seines Zeichens überzeugter Sozialhilfeempfänger und absoluter Eishockeyfan des HC Freiburg Gottéron..
Nun hat Big Bad Boy durch Zufall eine Liste gefunden, auf der sich die Adressen der Jahreskartenbesitzer dieses Vereins befinden. Daraufhin reift in ihm die irrsinnige Idee, einen Beutezug durchzuführen, sind doch die in dieser Liste genannten Personen während eines Heimspiels sicherlich im Stadion und somit die Häuser bereit, ausgeraubt zu werden.
Wie man bereits merkt, ist dieser Plan eher als dünn zu betrachten – nichts desto trotz gehen die beiden so vor.
David Bielmann schafft nun in lediglich etwa 120 Seiten einen durchweg komödiantischen Plot darzulegen, in dem die beiden Protagonisten von einer Panne in die nächste tapsen.
Schmunzelnd folgt man der Erzählung und leicht verärgert ob der Kürze muss man das Buch viel zu früh schließen. Eine durchweg gelungene, liebevoll erzählte und aberwitzige Geschichte um zwei irgendwie sympathische Protagonisten, deren Vorgehensweise und Tölpelhaftigkeit seinesgleichen sucht und irgendwie nach mehr verlangt. Ein sehr gelungenes und durch die durchweg interessante Geschichte beinahe zu kurzes Buch. Absolut empfehlenswert!
Jürgen Seibold/24.03.2013

 

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T.A. Wegberg: Klassenziel

WEGBERG_KLasseISBN 978-3-499-21624-4
€ 8,99

COVER:

Siebzehn Leben hat Dominik bei einem Amoklauf in der Schule ausgelöscht – und am Ende auch sein eigenes verloren. Schuldgefühle, Trauer, Medienrummel und die Trennung seiner Eltern bringen Dominiks Bruder Jamie an seine Grenzen.
In Berlin muss er wieder bei Null anfangen und versuchen, sich ein neues Leben aufzubauen. Nicht ganz einfach, wenn die eigene Familie in Trümmern liegt und man ständig Angst haben muss, als Bruder eines Massenmörders erkannt zu werden. Doch dann lernt er Kenji kennen, der Musikmachen genauso liebt wie Jamie und sogar eine eigene Band hat…

REZENSION:

Ist es ein Außenseiter zu sein, die Abgegrenztheit, die einen zu einem Amoklauf treibt? Die Aggression, die sich aus der Verzweiflung entwickelt nie irgendwo anzukommen oder angenommen zu werden? Oder letztlich der Hass Ziele verpeilt zu haben? Ziele im Leben, die man dadurch erreichen möchte, indem man Menschen zu Zielen macht und ihre Leben damit auslöscht.

Letztlich erreicht man dadurch meistens den eigenen Tod, ob Selbstmord oder von einem Sondereinsatzkommando niedergestreckt.

Und trotzdem bleibt ein Stück Unvergänglichkeit – denn keiner wird die Opfer so schnell vergessen und jeder der Angehörigen wird sich an den Täter erinnern, der ein zusätzliches Grab in den Medienberichten finden wird, sobald diese nicht mehr die Presse und das Fernsehen überfluten. Und wer kann schon von sich behaupten, sein Name sei archiviert?

Wie aber fühlt man sich als Bruder eines solchen Amokläufers? Wie ergeht es einem, wenn plötzlich alle über einen herfallen, als hätte man selbst die Waffe abgedrückt, mit der Freunde, Klassenkameraden, Schüler anderer Stufen und Lehrer verletzt oder getötet wurden?

Wie soll man es ertragen, wenn die eigenen Eltern sich ausgerechnet zu diesem Zeitpunkt trennen?

Und wie soll man darauf reagieren, wenn die eigene Welt plötzlich zusammenbricht? Ein neues Leben aufbauen, während der Bruder das alte und zig andere beendet hat?

Aber wie?

Genau das muss Jamie im Roman „Klassenziel“ von T. A. Wegberg herausfinden.

Eine Suche nach Antworten auf nicht mehr zu beantwortende Fragen …

Dieser Thematik widmet sich das im Rowohlt Verlag erschienene Taschenbuch mit beeindruckender Sensibilität.
Dieses Buch kommt ohne ausschweifende Grausamkeit klar, ohne dabei die Brutalität zu verschleiern.

Erschienen ist es unter der ISBN 978-3-499-21624-4 für € 8.99 und wirklich lesenswert …

Miriam Stephanie Reese

Dezember 2012 

 

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Timur Vermes: Er ist wieder da

© 2012 by Bastei Lübbe GmbH & Co. KG, Köln
ISBN 978-3-8479-0517-2
ca. 396 Seiten / € 19,33

COVER:

Er ist wieder da – aber was könnte Adolf Hitler denn heute noch anrichten? Diese bitterböse Satire probiert es einfach aus, indem sie ihn im heutigen Berlin wiedererweckt. Und sie trifft deshalb von der ersten Seite an so schmerzhaft, weil ihr Protagonist der echte Hitler ist. Nicht der TV-Ulkhitler, nicht Hollywoods Haudraufhitler, sondern der Mann, der seine Umwelt eigenwillig analysiert. Der messerscharf und blitzartig die Schwächen der Menschen erkennt. Der sturheil seiner bizarren Logik folgt, verbohrt, aber eben nicht bescheuert.
Dieses Buch über Adolf Hitlers Weg von einem leeren Grundstück in Berlin-Mitte über einen Kiosk und eine türkische Reinigung bis hinein ins deutsche Fernsehen ist ein atemberaubendes Lesevergnügen, so boshaft wie perfide: Weil der Leser sich zunehmend ertappt, wie er nicht mehr über Hitler lacht. Sondern mit ihm. Lachen mit Hitler – geht das? Darf man das überhaupt?
Findesn Sie’s selbst raus. Dies ist schließlich ein freies Land.
Noch.

REZENSION:

Es ist natürlich schon sehr gewagt, einen der größten Psychopathen dieser Erde zum Hauptthema eines deutschen Romans zu machen. Sicher, ER IST WIEDER DA soll eine Satire sein und somit stellt sich natürlich die Frage, ob man Adolf Hitler dafür in der heutigen Zeit verwenden darf?
Ehrlich gesagt: Warum nicht?

Sich über jemanden lächerlich machen ist zum Einen ein Selbstschutz und zum Anderen führt dies dazu, das eine Gestalt wie Adolf Hitler nicht nur voller krankhaftem Respekt betrachtet wird sondern einfach ins Lächerliche gezogen wird – und genau das würde den selbsternannten Führer doch bestimmt am Meisten ärgern. Somit prinzipiell eine sehr gute Idee.
Nun kommt also eine Timur Vermes ums Eck und sorgt in seinem satirischen Roman dafür, dass besagter Adolf Hitler – ganze 70 Jahre nach seinem glücklicherweise nicht geklappten Endsieg – im heutigen Berlin erwacht.
Ab diesem Augenblick könnte Vermes den geneigten Leser mit Klamauk bedienen und man hätte sicherlich hierbei schon genug Spaß damit. Aber erfreulicherweise wird genau dies nicht gemacht, da Vermes einen sehr anspruchsvollen Satireroman erschaffen hat, der den Leser zwar schmunzeln lässt, aber keineswegs notwendiges Nachdenken negiert.
Somit entsteht ein sehr umfangreiches Bild über einen Hitler, der sich selbst treu bleibt und dabei geradezu hofiert wird – jedoch keineswegs von irgendwelchen rechtsgesinnten Gestalten sondern von Medien, die in ihm einen sehr gelungenen Komödianten erkennen und ihm eine Plattform im Fernsehen bieten.
Hitler bleibt hierbei immer Hitler und durch diesen Umstand wird einem Leser mehr und mehr bewusst, auf welch dünnem Eis wir uns in unserer ach so modernen Landschaft bewegen. Timur Vermes kommt mit dem berühmten Spiegel ums Eck und lässt uns dabei ungeschminkt hineinblicken – sehr schnell wird einem dabei klar, dass ein Hitler somit leichtes Spiel hätte und sowohl Pressevertreter als auch unsere Politiker für diesen Redner ein leichtes Spiel wären.
Sehr interessant hierbei, dass eine NPD dabei sang- und klanglos verliert und gar von Adolf Hitler ins Lächerliche gezogen wird.
Lediglich durch eine kleine Seitenepisode macht uns Vermes darauf aufmerksam, dass der wieder gekehrte Adolf Hitler nichts weiter macht als den gleichen Mist zu verbreiten, den er schon in den 40ern erzählte: Macht uns doch in diesem Buch eine ergraute Jüdin kurz darauf aufmerksam, das der Komödiant Adolf Hitler genau das Gleiche erzählt wie das vermeintliche Original.
Es bleibt aber bei diesem kurzen Hinweis – insbesondere, da Hitler selbst diese Frau bekehrt und seinen Weg weitergeht.
Wer ein Buch mit irgendwelchen Kriegsgeschehnissen erwartet ist bei ER IST WIEDER DA gänzlich falsch – hier handelt es sich lediglich um einen Adolf Hitler, der seinen Weg in der heutigen Zeit sucht und seine Reden als angenommener Komödiant unter die Leute bringt. Seine Sichtweise ist klar – die der „normalen“ Menschen ist wahrlich interessant in diesem Werk zu entdecken.
Alles in allem ist mit ER IST WIEDER DA eine absolut geniale und anspruchsvolle Satire entstanden, deren Hauptprotagonist zwar Hitler ist, ich aber irgendwie den Gedanken nicht los werde, das dieser gar nicht die Hauptrolle darstellt.
Egal: Das Buch macht Spaß, regt zum Nachdenken an und lässt sich sehr angenehm lesen. Was will man mehr?
J.Seibold/01.11.2012

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Jeff Burk: Shatnerquake

© 2012 by Voodoo Press
Aus dem Amerikanischen von Torsten Scheib
ISBN 978-3-902802-13-2
ca. 86 Seiten / € 9,95

COVER:

Es ist die erste Shatnercon mit William Shatner als Ehrengast! Nach dem fehlgeschlagenen Attentat der Campbellianer, einem durchgeknallten Bruce Campbell verehrenden Terroristen Kult, geraten alle Charaktere die William Shatner je gespielt hat, in unsere Welt. Ihre Mission, den echten William Shatner zu jagen und zu vernichten.

Featuring: Captain Kirk, TJ Hooker, Denny Crane, Rescue 911 Shatner, Sänger Shatner, Shakespearean Shatner, Twilight Zone Shatner, Cartoon Kirk, Esperanto Shatner, Priceline Shatner, SNL Shatner, und – natürlich – William Shatner!

Kein kostümierter Conbesucher wird von der Welle der Zerstörung verschont. Kein Träger eines roten T-Shirts kann sich gegen den irren Captain Kirk mit seinem Lichtschwert wehren. Aber die Shatner Klone lernen dabei eine harte Lektion … der wahre William Shatner übernimmt nicht jedermanns Charaktereigenschaften. Nichtmal von sich selbst.

Es ist Shatnertastisch!

REZENSION:

Stellen sie sich einfach mal vor, sie besuchen eine Veranstaltung, die einem Schauspieler gewidmet ist, der nicht nur als Ehrengast höchstpersönlich daran teilnimmt, sondern dessen Alter-Egos aus sämtlichen Auftritten plötzlich ebenfalls in der realen Welt erscheinen.
Klingt schon ein wenig abstrakt, oder?
Nun stelle man sich auch noch vor, dass diese Gestalten die Jagd nach ihrem Original eröffnen – das Original sich dem entgegenstellt und eine wahre Schlacht beginnt; ganz ohne jegliche Rücksicht auf beteiligte Besucher dieser Veranstaltung.
In SHATNERQUAKE geschieht dies alles und noch viel mehr. SHATNERQUAKE ist eine Geschichte, zu deren Genuß man besser nicht auf Drogen sein sollte – die Geschichte selbst ist wie ein Kurzroman auf Speed.
Viele würden den Inhalt dieses Buches als absoluten Irrsinn, Blödsinn oder einfach nur als sinnentleerten Quatsch abtun – aber Leute: SHATNERQUAKE macht verdammt viel Spaß!
Man muss sich dem Wahnsinn einfach nur hingeben und schon hat man eine Story vor sich, in der die Shatner-Welt nicht nur auf verrückte Kopien von sich selbst trifft, sondern auch noch Terroristen auf dem Weg sind, die sich als Gottheit auf Bruce Campbell beziehen und die ShatnerConvention durch ihren Irrsinn stören beziehungsweise schuld am Erscheinen der unterschiedlichen Shatners – von Captain James T. Kirk bis T.J. Hooker – sind.
Somit eine absolut kranke und sinnlose Geschichte voll Blut und Wahnsinn, die aber aus nicht nachvollziehbaren Gründen viel zu viel Spaß machte, um nach leider nur 80 Seiten bereits zu Ende zu sein.
Wahnsinn…
Abschließend möchte ich auch noch auf das erhellende Nachwort des Übersetzers verweisen – auch dieses ist bereits sein Geld wert.
Jürgen Seibold/04.09.2012

Shatnerquake: Bizarro Fiction KAUFEN BEI AMAZON

Cameron Pierce: Die eingelegte Apokalypse der Pfannkucheninsel

Aus dem Amerikanischen von Michael Preissl
© 2012 by Voodoo Press
ISBN 978-3-902802-12-5
ca. 85 Seiten / € 9,95

COVER:

Es ist Gaston Glews sechzehnter Trauertag – der sechzehnte traurigste Tag seines Lebens. Sein Geburtstag – und jener Tag, an dem seine Eltern sich das Leben nehmen. Gaston Glew hat die Traurigkeit satt. Deswegen konstruiert er eine Rakete, um mit ihr hinaus in den Weltraum zu reisen, in der Hoffnung, dem salzigen Schicksal zu entkommen.

Captain Pickle sagt: “Befreie dich selbst aus dem salzigen Schicksal, oh eingelegter Gefangener, und lies Cameron Pierces Die eingelegte Apokalypse der Pfannkucheninsel. Eine Tragödie für Leute die Nahrung zu sich nehmen!”

REZENSION:

An einem Buch mit dem Titel “Die eingelegte Apokalypse der Pfannkucheninsel” geht man normalerweise in einem Buchladen mit relativ großer Sicherheit vorbei – auch, wenn das Cover durch seine Darstellung doch für ein bizarres Interesse sorgt. Nichts desto trotz ist es sicherlich schwierig, sich mit dem Inhalt eines dermaßen betitelten Buches zu beschäftigen – oder: man lässt sich einfach darauf ein, um eine gänzlich andere Welt zu entdecken.
Sicherlich sind die teilnehmenden Figuren in diesem Buch mehr als merkwürdig:  Eine depressive Salzgurke, glückliche Pfannkuchen – klingt doch schon mal ziemlich verrückt.
Nun würde ich aber vorschlagen, diese ganze Geschichte eher als Metapher zu betrachten – und ab diesem Augenblick sieht man den Inhalt unter anderen Vorzeichen. Jetzt hat man eher das Gefühl, dass ein depressives Lebewesen ganz einfach auf der Suche nach Glück oder gar Liebe ist – hierbei jedoch durch seine tieftraurigen Eigenheiten andere Lebewesen zerstört und ganze Lebensräume vernichtet – eher unfreiwillig aber entstanden durch das Unverständnis den Pfannkuchen und ihrem Leben gegenüber. Somit befinden wir uns hiermit plötzlich in einer gänzlich anderen Ebene, die darauf hinzielt, dass man durch Toleranz oder Interesse an anderen Kulturen manches Verderben vermeiden könnte.
Vielleicht hole ich auch ein wenig zu weit aus – aber bei diesem Buch wird sich mit Sicherheit mancher Leser nach dem Sinn und Zweck fragen. Die Geschichte ist absolut bizarr – besitzt aber einen gewissen Reiz. Nichts desto trotz werden viele Leser den Inhalt dieses Buches hassen oder als irrelevant verurteilen – manch andere werden sich aber einer gewissen Abhängigkeit nicht entziehen können.
Jürgen Seibold / 02.09.2012

Die eingelegte Apokalypse der Pfannkucheninsel: Bizarro Fiction KAUFEN BEI AMAZON

Stephen King: Der Anschlag (11/22/63)

Deutschsprachige Ausgabe:
Aus dem Amerikanischen von Wulf Bergner
(c) 2011 by Stephen King
(c) der deutschsprachigen Ausgabe by Wilhelm Heyne Verlag, München in der Verlagsgruppe Random House GmbH
ISBN 978-3-453-26754-1
ca. 1.056 Seiten

Englische Originalausgabe:
ISBN 978-1-4516-2728-2

COVER:
Jake Epping lebt ein normales Leben, bis sein Freund Al ihm ein großes Geheimnis enthüllt: Er kennt ein Portal, das ins Jahr 1958 führt. Und Al gewinnt ihn für eine wahnsinnige Mission. Jake soll in die Vergangenheit zurückkehren und das Attentat auf John F. Kennedy vereiteln, um den Gang der Geschichte positiv zu korrigieren. Und so beginnt für Jake ein neues Leben in einer für ihn neuen Welt. Es ist die Welt von Elvis und JFK, von großen amerikanischen Autos und beschwingten Highschool-Tanzveranstaltungen. Es ist die Welt des gequälten Einzelgängers Lee Harvey Oswald, aber auch die der Bibliothekarin Sadie Dunhill, die Jakes große Liebe seines Lebens wird – eines Lebens, das gegen alle normalen Regeln der Zeit verstößt. Und je näher Jake seinem Ziel kommt, den Mord an Kennedy rückgängig zu machen, desto bizarrer wehrt sich die Vergangenheit dagegen – mit aller gnadenlosen Gewalt, die sich auch gegen Jakes neue Liebe richtet …

REZENSION:

Das Attentat auf John F. Kennedy war mindestens für die amerikanische Bevölkerung ein sehr traumatisches Erlebnis, welches eine Vielzahl von Verschwörungstheorien nach sich zog. Dieses Trauma breitete sich zu einem großen Teil über die ganze Welt aus und wird auch immer wieder gerne neu diskutiert, neu belichtet und mit vielen Facetten – von irrsinnig über plausibel – neu betrachtet und abgehandelt.
Nun hat sich auch einer der erfolgreichsten Autoren unserer Gegenwart diesem Thema angenommen und legt dabei sogleich einen Roman vor, den man aufgrund seiner 4-stelligen Seitenzahl nicht einfach mal so nebenbei lesen kann.
Stephen King war schon seit jeher ein großartiger Erzähler und schaffte es unwahrscheinlich oft, vermeintlich unwichtiges Zeug lebhaft und voll Detailreichtum vor seinem geneigten Leser auszubreiten – dies erfreulicherweise fast immer ohne dabei zu langweilen.
In DER ANSCHLAG spielt er mit dem Gedanken, was für Auswirkungen es denn haben könnte, wenn man in die Vergangenheit reist um dieses Attentat zu verhindern.
Dies allein könnte man sicherlich in einen ganz normalen Zeitreisethriller packen, der seine Antworten nach etwa 300 bis 400 Seiten offenbart und damit den Leser auf simple Weise überzeugt und unterhält. Stephen King geht jedoch einen Schritt weiter und lässt seinen Protagonisten fünf Jahre vor besagtem Attentat in dieser Zeit auftauchen und erzählt haarklein die Geschehnisse, die in diesen fünf Jahren folgen. Dadurch entstand ein sehr dichter und reif erzählter Roman, der nicht nur als Hommage an diese Zeit seine Wirkung zeigt sondern auch noch eine sehr tiefgehende Liebesgeschichte in sich birgt.
Die eigentliche Thematik wird mehr und mehr zur Nebensache und es offenbart sich vor dem Leser ein durchweg bildhaft erzählter Roman, der trotz seiner Länge in keinster Weise langweilig wird.
King entwickelt sich hierin mehr und mehr zu einem Erzähler, der nur noch fassettenweise seinem Ruf als Horrorautor gerecht wird. King erweitert sein Imperium vielmehr mit Romanen, die bereits allein durch ihre erzählerische Kraft wirken – sicherlich gibt es auch genug eingeflochtene Spannungselemente, da sich die Vergangenheit gegen diese allumfassenden Änderungen wehrt, aber die Story um das Attentat scheint hierbei nur noch Mittel zum Zweck zu sein.
In meinen Augen ist DER ANSCHLAG ein uneingeschränkt zu empfehlendes Werk, das einen sehr reif gewordenen Autor aufzeigt und somit nicht mehr nur für die eingefleischten King-Fans eine Rolle spielen sollte.
Fans des Autors werden den ein oder anderen Aha-Effekt haben und können sich auch auf das abermalige Treffen mit bekannten und lieb gewordenen Personen freuen.
Auf den Schluss der Geschichte möchte ich hier natürlich nicht eingehen, aber er ist schlüssig erzählt und lässt nichts zu wünschen übrig. Davon abgesehen wird das letzte Kapitel auch bei allen Lesern, die noch ein klein wenig Sensibilität oder Sentimentalität in sich tragen für eine wohlige Gänsehaut sorgen – und dies ganz ohne irgendwelche Spannungs- oder gar Horrorelemente.
Absolute Spitzenklasse!
Jürgen Seibold / 23.04.2012

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11/22/63: A Novel KAUFEN BEI AMAZON

Rita Falk: Winterkartoffelknödel

Ungekürzte Ausgabe 2012
(c) 2010 Deutscher Taschenbuch Verlag GmbH & Co. Kg, München
ISBN 978-3-423-21330-1
ca. 235 Seiten / € 8,95

COVER:

Nachdem der Eberhofer Franz seinen Dienst bei der Münchner Polizei quittieren musste und in sein niederbayerisches Heimatdorf Niederkaltenkirchen strafversetzt wurde, schiebt er eine ruhige Kugel. Seine Streifegänge führen ihn meist direkt zum Wolfi auf ein Bier oder zurück an den Esstisch seiner stocktauben Großmutter. Erstklassig erholsam, bei all dem Zoff mit seinem hanfanbauenden Vater, der den Franz mit Beatles-Dauerbeschallung noch in den Wahnsinn treibt. Und manchmal muss der Franz auch in ziemlich grausligen Fällen ermitteln. Wie zum Beispiel in der Sache mit den Neuhofers  …

REZENSION:

Nachdem ich bereits die beiden Folgebände DAMPFNUDELBLUES und SCHWEINSKOPF AL DENTE geniessen durfte, konnte ich bereits Franz Eberhofer – den Dorfpolizisten aus Niederkaltenkirchen – bei seinen Ermittlungstätigkeiten zur Seite stehen.
Der erste Fall Eberhofers steht seinen folgenden Bänden auch in nichts nach und somit ist man abermals über den Witz in diesen Geschichten erstaunt.
Irgendwie ist es aber so, dass man bei diesen Büchern zum Einen mit einem Lächeln auf den Lippen den Fortgang der Geschehnisse begleitet – zum Anderen hat man aber als bayrischer Mitbürger durchweg das Gefühl, dass es vielleicht doch nicht so lustig ist – vielmehr sind wir doch eher so auf dem Land.
Somit sind bei Rita Falks Bücher doch nur die Kriminalfälle Fiktion – das provinzielle Leben jedoch kenn ich irgendwie von meiner Oma und somit ist da nix erfunden…
Am Schluss ko ma eigentlich bloss no sogn, dass a jeder Band vo den Eberhofer-Biacha einfach guad zum Lesn is und vui Spaß macht.
Somit bloabt oam nix anders übre ois olle Biacha nachanand zu lesn…
Pfiat Eich!
Jürgen Seibold/22.04.2012

 

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Corinna Engel, Christian Kaiser: Seelenvernichter

1. Auflage März 2012
(c) 2012 by Corinna Engel und Christian Kaiser
Ubooks Verlag, Mossautal
ISBN 978-3-939239-00-0
ca. 174 Seiten / € 9,95

COVER:

Anja ist dreizehn und geht in die achte Klasse. An ihrer Schule kursieren demütigende und bloßstellende Fotos und Videos von ihr.
Alina und ihre Clique haben es auf sie abgesehen. Anja wird gemobbt und misshandelt und niemand scheint sich darum zu kümmern.
Beschimpfungen, Prügel, Tritte, Drogen und Gewalt – Anja wird zum Spielball ihrer Klassenkameraden. Ihr Leben wird zu einem Spießrutenlauf, einem  Teufelskreis an dessen Ende nur eines steht: eine vernichtete Seele.

Corinna Engel und Christian Kaiser haben aus den Berichten des Opfers eine eindringliche und schockierende Collage gearbeitet, die das Schicksal eines Mobbingopfers in nie gekannter Deutlichkeit portraitiert.

Rezension:

Anja ist dreizehn Jahre alt und teilt mit unwahrscheinlich vielen Personen jeglicher Alters- und Sozialgruppe ein Problem, dass gerne verniedlicht und als nicht allzu dramatisch betrachtet wird: Sie nahm aus unerfindlichen Gründen eine Aussenseiterrolle ein und wird von ihren Mitschülern auf das übelste gemobbt.
Mobbing wird zwar mehr und mehr zu einem Thema innerhalb der Medienlandschaft – es ist dennoch so, dass lediglich die Spitze des Eisbergs bekannt zu werden scheint. Man mag sich gar nicht vorstellen, wie viele Menschen gemobbt werden und sich dabei nicht offenbaren wollen oder gar können.
Über Anja kursieren die bei ihr vorgenommenen Verletzungen körperlicher als auch seelischer Art dem Zeitgeist entsprechend auch noch als schockierende Videos und bloßstellende Fotos, die in der gesamten Schule ihre Runde machen – Dadurch wird das Problem noch verstärkt, da man sich als Opfer darbietet und genügend Trittbrettfahrer aufspringen und in das selbe Horn blasen.
Anja wird dabei überwiegend von einer Mädchenclique fertig gemacht – dies geht über Beschimpfungen, Prügel, Tritte, Drogen bis hin zu Vergewaltigungen der übelsten Art. All dies zur Freude und zum Zeitvertreib der Gruppe.
Corinna Engel und Christian Kaiser führen den Leser direkt in das Geschehen – ihre Sprache ist weder hochgestochen noch anklagend – vielmehr lenken sie den Leser exakt in die Betrachterrolle und man ist mehr und mehr über das brutale Geschehen schockiert.
Während der Lektüre von Seelenvernichter fragt man sich andauernd, ob es Lösungen zur Beseitigung dieses Dilemmas geben kann. Leider finden sich hier nur Ansätze, da man weiß, wie leicht es ist, zu Mobben und  wie froh man ist, in diesem Augenblick nicht in der Opferrolle auftreten zu müssen. Ich denke, jeder kennt einige der beschriebenen Situationen. Gibt es doch absolut keinen Lebensabschnitt und keinen sozialen Stand, in dem Mobbing in irgendeiner Art und Weise nicht vertreten wäre.
Anja ist eine reale Person und die Inhalte dieses Buches beruhen auf Erzählungen von ihr. Corinna Engel und Christian Kaiser führten dies in einen Kontext, der komplett auf die üblichen Romanbeschreibungen verzichtet. Sie erzählen schonungslos und detailgetreu das Geschehen und öffnen somit diesen Lebensabschnitt Anjas der Öffentlichkeit, um auf diese Missstände hinzuweisen. Die Sprache ist perfekt geeignet, dieses Buch zur Pflichtlektüre an allen Schulen zu machen. Nur so könnte zumindest der ein oder anderen Person ein Auge aufgehen – und jede(r), der sich von der Täterrolle wegbewegt wäre ein Erfolg ohne Gleichen.
Die beiden Autoren schildern neben den Brutalitäten auch das innere Leben Anjas, die mehr und mehr zerfällt und sich auf die Opferrolle wehrungslos einlässt, in der Hoffnung, dadurch entweder Anerkennung zu bekommen oder sehr schnell ihre Ruhe zu haben.
Die Situation spitzt sich mehr und mehr zu und man erhofft ein beruhigendes Ende, in dem sich alle Knoten auflösen und die rettende Antwort dargelegt wird. Dies wird jedoch nicht geschehen und somit ist man als Leser mit der Situation konfrontiert und man ist gewillt, Antworten auf anderen Wegen zu suchen.
Dieser Umstand hebt das Buch ungemein – ein allumfassender Lösungsansatz ist nicht vorhanden und genau aus diesem Grund können die Autoren auch keinen vorstellen.
Man Man steht somit alleine mit der Erfahrung des Gelesenen und kann nur noch ein verstärktes Auge auf die Umgebung werfen, in der Hoffnung, erste Mobbingansätze zu erkennen und zu vermeiden versuchen.
Wie gesagt, sollte dieses Buch eine Pflichtlektüre des Kultusministerium werden – ich denke, dies würde erheblich mehr helfen als beschönigende, sozialpädagogische Ansätze, die doch nur am Rande in den Schülers Gedanken fruchtbar sein können. Ebenso wie die Autoren bin ich auch der Meinung, dass nur diese schonungslose Darstellung manch Auge öffnen kann.
Ich hoffe, dass Anja ihren Weg gefunden hat und möchte dieses Buch vorbehaltlos jedem nur noch ans Herzen legen.
Jürgen Seibold/05.04.2012

 

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Peter Anders: Was vom Tode übrig bleibt

4. Auflage
Originalausgabe 06/2011
(c) 2011 by Wilhelm Heyne Verlag, München
ISBN 978-3-453-60184-0
ca. 255 Seiten / € 8,99

COVER:

Er kommt, wenn das Leben gegangen ist

Peter Anders ist Tatortreiniger. Er beseitigt, was der Tod hinterlassen hat. Jetzt schildert er erstmals seine spektakulärsten Fälle. Er erzählt von den Begegnungen mit den Angehörigen, von den Schicksalen, die sich hinter den Wohnungstüren verbergen, vom Geruch des Todes, den man nie wieder vergisst – spannende Kriminalfälle, bewegende Schicksale, Grenzerfahrungen!

REZENSION:

Durch einen Zufall erhielt ich dieses Buch – insbesondere, da ich als Thriller- und Horrorleser bekannt bin und mein Umkreis bei allem, was mit Tod zu tun hat, sagen, dass wäre doch was für mich…
Nun, normalerweise lese ich fiktive Werke – habe mich aber trotzdem auf dieses Buch eingelassen. “Was vom Tode übrig bleibt” handelt nicht nur von dem Tatortreiniger Peter Anders, sondern ist zugleich von ihm geschrieben worden. Allein dadurch erhält dieses Buch bereits unwahrscheinlich viel Authentizität. Peter Anders ist Feuerwehrmann und fing als Schädlingsbekämpfer an zu arbeiten. Er kam dann durch diese Tätigkeiten über zu dem oben genannten Einsatzgebiet und arbeitet nun auch als einer der wenigen Tatortreiniger Deutschlands.
Peter Anders erzählt unverblümt seine Geschichte und man ist zuweilen schockiert, betrübt, mitgenommen, jedoch auch durchweg mit dem Drang beseelt, die weiteren Seiten zu erforschen. Sicherlich, durch die unverblümte Art des Autors riecht es teilweise durch die Seiten und man hat das Gefühl, während der Sisyphusarbeit an seiner Seite zu stehen um ihm über die Schulter zu schauen.
Glücklicherweise besitzt der Autor auch einen dezenten Humor, den er in seiner Geschichte an den richtigen Stellen einfügt und dadurch nicht nur die Glaubwürdigkeit erhöht sondern auch den Leser wieder bei der Hand nimmt und aus den schrecklichen oder gar abstoßenden Einsatzorten wider mit nach draussen nimmt.
Es ist erstaunlich, dass sich jemand die Mühe zum Schreiben dieses Buches machte – vielmehr bin ich aber der Meinung, dass so ein Buch auch absolut notwendig ist und mit Sicherheit sehr vielen Menschen – ob dieses besonderen Themas – manches Auge öffnen kann.
Ein absoluter Tipp für die etwas andere Lektüre, die durchweg interessant, humorvoll und voller Einfühlsamkeit aber auch Ironie erzählt worden ist. Nur zu empfehlen!
Jürgen Seibold/01.04.2012

 

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Jussi Adler-Olsen: Das Alphabethaus

Originaltitel: Alphabethuset
Aus dem Dänischen von Hannes Thiess und Marieke Heimburger
Deutsche Erstausgabe 2012
(c) 2007 Jussi Adler-Olsen
(c) 2012 der deutschsprachigen Ausgabe: Deutscher Taschenbuch Verlag GmbH & Co. KG, München
ISBN 978-3-423-24894-5
ca. 590 Seiten / € 15,90

COVER:

“Als Bryan das Rote Kreuz auf den Dächern sah, atmete er tief durch. Trotz der vielen Sandsäcke, trotz der vergitterten Fenster im ersten und zweiten Stock und trotz etlicher Wachen mit Hunden wirkte die Anlage tatsächlich wie ein ganz normales Krankenhaus. ‘Aber lass dich nicht täuschen’, dachte Bryan, als man ihn zu den Gebäuden brachte. Wer ihn in diesem Moment anlächelte, konnte im nächsten Augenblick schon sein Henker sein …”

1944. Nach einem Flugzeugabsturz über deutschem Territorium retten sich die beiden britischen Soldaten Bryan und James in einen Lazarettzug, der verletzte deutsche Soldaten von der Ostfront nach Hause bringt.

Unter falscher Identität landen die Piloten als Patienten im “Alphabethaus”, einem Krankenhaus in der Nähe von Freiburg im Breisgau. Bryans und James’ einzige Chance, dort zu überleben, besteht darin, sich selbst als psychisch krank auszugeben. Doch können sie das, ohne Schaden zu nehmen an Leib und Seele? Und: Sind sie die einzigen Simulanten?

Jahrzehnte später werfen entsetzliche Ereignisse der Vergangenheit noch einmal ihre brutalen Schatten auf die Überlebenden …

REZENSION:

Als ich DAS ALPHABETHAUS erhielt, war ich sofort voller Freue, erneut ein Werk über das von mir mittlerweile ins Herz geschlossene Sonderdezernat Q lesen zu können.
Wie ich leider ziemlich schnell feststellen musste, handelt es sich bei DAS ALPHABETHAUS weder um einen weiteren Roman über Carl Morck, noch um einen neuen Roman von Jussi Adler-Olsen. DAS ALPHABETHAUS ist interessanterweise das ursprüngliche Debüt des Autors und wurde nun durch den Erfolg der Morck-Reihe in Deutschland ebenfalls aufgelegt.
DAS ALPHABETHAUS beginnt im 2. Weltkrieg und lässt zwei englische Flieger notlanden und lediglich der Eintritt in ein Irrenhaus als Simulanten lässt die beiden weiter am Leben. Dieser Teil ist von Jussi Adler-Olsen absolut niveauvoll und trotz dem Simulantentum sehr glaubwürdig erzählt. In meinen Augen hätte die Episode ruhig in dieser dunklen zeit weiter fortgeführt werden können.
Jussi Adler-Olsen lässt jedoch den Krieg bereits nach dem ersten Drittel seines Werkes hinter sich und springt sogleich 30 Jahre in die Zukunft. In den siebzigern ist immer noch einer der beiden englischen Soldaten auf der Suche nach seinem Freund, den er durch seine Flucht aus dem Alphabethaus im Stich lassen musste.
Hier entsteht nun nicht nur eine Geschichte um Freundschaft sondern auch ein klassischer Thriller, der mit einer gut erzählten und spannenden Darbietung geschickt die im Krieg entstandenen Fäden weiterspinnt und beinahe zu schnell auflöst.
Das Buch ist anfangs bedrückend und lässt die unsägliche Zeit des Zweiten Weltkrieges in einem kleinen Bereich neu auferstehen – die folgenden zwei Drittel des ALPHABETHAUSES sorgen für eine geschickte Unterhaltung des Thrillerlesers – ohne dabei in starke Spannungsbögen zu springen, glücklicherweise jedoch ebenfalls ohne zu langweilen. Somit bleibt ein sehr interessanter Roman über die Erlebnisse zweier Freunde während der dunkelsten Zeit Europas und einer Suche nach einem Freund, um nicht nur das eigene Gewissen zu bereinigen sondern auch, um diese Freundschaft neu aufleben zu lassen.
Jürgen Seibold/04.03.2012

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David Bielmann: Flucht eines Toten

1. Auflage 2011
(c) by WOA Verlag, Zürich
ISBN 978-3-9523657-2-4
ca. 255 Seiten / € 19,90

COVER:

“Es war eine weitere unsterbliche Melodie von Albert. Und doch war sie sterblich, denn mit ihm würde auch sie die Welt auf immer verlassen. Es war Alberts Todesmelodie, sein Requiem. Es war gut. Teuflisch gut.”

Albert Leblanc führt ein trostloses Leben als Koch in der verrauchten Dorfbeiz von Rechthalten. Ständig wird er vom Wirt erniedrigt und von betrunkenen Gästen verhöhnt, Anerkennung erhält er kaum. Die wenigen Freuden in seinem Alltag sind das Gitarrenspiel, der Absinth – und die Serviertochter Mona, die ihm als einzige etwas Sympathie entgegenbringt.

In einsamen Momenten hängt er immer öfter morbiden Gedanken nach. Er beschliesst, in vier Tagen all den Bosheiten ein Ende zu setzen. Albert macht sich an sein schauriges Werk …

Ob sich heute in Rechthalten noch jemand an Albert Leblanc zu erinnern vermag? Wer seinerzeit regelmässig in die Wirtschaft pilgerte, wird sich womöglich noch ein Bild seiner schmächtigen Gestalt machen können. Es würde allerdings nicht erstaunen, wenn er vollends in Vergessenheit geraten wäre. Dies ist seine so verwegene wie tragische Geschichte.

REZENSION:

Durch einen eher als Zufall zu betrachtenden Umstand erreichte mich “Flucht eines Toten”  – ein unbekanntes Werk eines mir unbekannten Autoren. Darüber hinaus scheint die Beschreibung so gar nicht zu meinen persönlichen Vorlieben zu passen. Nichts desto trotz versprach ich die Lektüre und musste mich somit diesem Buch widmen.
Interessanterweise wurde ich in einen Roman gezogen, der bedrückender aber auch interessanter nicht sein konnte.
Ich verfolgte die Geschichte einer Person, die nur von Trostlosigkeit getrieben von Tag zu Tag lebte. Sehr unscheinbar verdingte er sich als Koch und war lediglich dem Hohn und Spott seiner Mitbürger ausgesetzt.
Innerhalb kürzester Zeit versteht man seinen Drang nach einem Abschluss dieses unwerten Daseins. Albert Leblanc, der Hauptdarsteller dieser Geschichte, machte sich daran, seine letzten Tage zu planen. Ironischerweise funktioniert sein Ableben nicht – und er muss sich als vermeintlich Toter auf die Flucht machen…
David Bielmann schreibt auf virtuose Art und lässt den Leser über die Schulter Albert Leblancs schauen. Sein erster Teil – bis zum “Ableben” Alberts – trieft förmlich vor Depression; komischerweise kann man sich als Leser trotz der drückenden Stimmung dem weiteren Geschehen in keiner Weise entfliehen.
Die weiteren Erlebnisse Albert Leblancs entwickeln sich beinahe zu einem Roadmovie in dem jemand nach und nach mehr Lust zum Leben entwickelt – natürlich nicht, ohne weitere Schicksalsschläge der besonderen Art zu erleben.
Bielmann erzählt dies alles in einer unglaublich farbigen Sprache und baut sehr geschickt dezente Spannungsbögen ein. Im Großen und Ganzen entstand hierbei eine Geschichte voll Dramatik, Depression aber auch viel Liebe, die zart wie eine Knospe aufgeht und doch die Dornen nicht vermissen lässt.
Ganz nebenbei hält uns David Bielmann einen Spiegel vor Augen: Ist es nicht oft so, dass man durch unbedachte Äußerungen anderen Menschen Schmerz zufügt? Ist es dann nicht zu spät für Reue, wenn man am Grab dieser Person steht?
“Flucht eines Toten” war für mich eine gänzlich andere Art der üblicherweise konsumierten Literatur – trotzdem ist es ein ganz besonderes Buch das nach Möglichkeit nicht in der Masse des Marktes untergehen sollte. Ich kann es jedenfalls definitiv nur empfehlen!
Jürgen Seibold/11.12.2012

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Claudius Pläging: Häkchen-Harakiri – Die To-do-Liste des Konrad Roth

1. Auflage April 2011
(c) 2011 Periplaneta – Verlag und Mediengruppe, Berlin
ISBN 978-3-940767-66-0
ca. 132 Seiten / € 12,–

COVER:

Konrad könnte glücklich sein.
Stattdessen vergrault er seine Freundin und schmeißt im Affekt seinen ungeliebten Job als Pressetexter hin.
Wenn schon bei Null anfangen, dann auf ganzer Linie – Männerlogik eben.
Nur kurz badet er in Selbstmitleid, dann schreibt er eine To-do-Liste:
zehn Dinge, die er noch nie getan hat, aber schon immer tun wollte – oder auch nicht.
Es gibt eben Dinge, die ein Mann tun muss.
Auf der Jagd nach Häkchen stürzt er sich in das Abenteuer seines Lebens und stolpert von einer skurrilen Situation in die nächste:
Wie trinkt man mit der soeben verstorbenen Nachbarin einen Kaffee?
Wie bricht man ohne jeden Grund eine Prügelei vom Zaun?
Und wie hält man sich bei alldem seine besorgten Eltern vom Leib?
Konrad ist stets um Haltung und Würde bemüht – doch die Liste kennt keine Gnade.
Ein erfrischender Roman – mal locker-leicht, mal bitter-süß, doch immer höchst amüsant.
Und, mal ehrlich: Sind wir nicht alle ein bisschen Konrad?

REZENSION:

Mit Häkchen-Harakiri erreichte mich ein recht interessant klingendes Buch eines Verlages, der mich bisher bereits durch manch anderes Werk überzeugen konnte. Nun, das vorliegende Buch klingt zwar interessant – aber: der Inhalt muss noch überzeugen. Somit kann ich mir erst ein Bild machen, wenn ich mich diesen 130 Seiten widme.
Normalerweise arbeite ich nicht mit Zitaten, aber in diesem Fall möchte ich die ersten Zeilen dieses Buches keinem vorenthalten:
“Alles fing damit an, dass Henriette ihn im Wohnzimmer beim Onanieren erwischte.
Sie stieß ein entsetztes “Du meine Güte, was ist denn hier los?” aus, woraufhin Konrad sich reflexartig zusammenrollte und versuchte, Beweisstück A in der Hose verschwinden zu lassen. Das war angesichts des erigierten Zustandes von Beweisstück A gar nicht so einfach. Im Fernsehen lief gerade SpongeBob, was bei Henriette noch zusätzliche Fragen aufwarf.”…
Ab diesem Augenblick war es um mich geschehen: Ich kugelte mich bereits vor Lachen und spielte mit dem Gedanken, rein versuchsweise natürlich, mit diesem Test mal die Reaktion meiner holden Dame zu testen.
Wer jetzt glaubt, Claudius Pläging legt hier nun eine schlüpfrige und billige Geschichte dar, der hat sich weiter getäuscht als je möglich ist. Vielmehr überzeugt der Autor mit einer Geschichte um einen absoluten Durchschnittstypen der sich nach dieser Schocksequenz – verlassen von seiner Liebsten – auf einem Selbstfindungstrip befindet und eine To-do-Liste mit 10 Punkten erstellt, die er schon immer mal machen wollte oder einfach mal machen will, weil ihn seine Ängste bisher von solchen oder ähnlichen Situationen abhielten.
Die Abarbeitung dieser Punkte werden nun zum Programm und man begleitet Konrad Roth von Punkt zu Punkt.
Nun entsteht vor des Lesers Augen eine Gesellschaftssatire voll Witz aber auch Nachvollziehbarkeit, was teilweise so ganz nebenbei neben den Schmunzeleffekten auch zum Nachdenken animiert.
Alles in allem eine durchweg gelungene Satire über einen Typen, in den man sich (leider) sehr leicht hineinversetzen kann(!). Dies erhöht ein wenig die Ernsthaftigkeit der Story und man bekommt dadurch eine Unterhaltungslektüre angereichert mit vielen Aha-Effekten und Erkenntnissen, die hoffentlich dem ein oder anderen behilflich sein werden. Das klingt jetzt dramatischer als es ist, da die Bauchmuskeln auch noch was mit zu reden haben und aufgrund der humorvollen Erzählweise und dem tappsigen Vorgehen Konrad Roths auch gestählert nach der Lektüre dieses leider viel zu kurzen Buches hervorgehen werden.
Ich freue mich sehr, dieses Buch gelesen zu haben …
Jürgen Seibold/03.09.11

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Thomas Manegold: Ich war ein Grufti – Ein Pamphlet für Eltern und missratene Kinder

(c) 2008 periplaneta.com
(c) der 1. Auflage: 2006 bei Thomas Manegold
ISBN 978-3-940767-05-9

COVER:

Thomas Manegold nimmt Dich mit auf einen Trip durch die Hölle des Normalen aus der Sicht eines Freaks. Dabei tritt er zuweilen wütend auf das gaspedal. Er streift den Glauben, kollidiert mit der Religion, stößt mit der Wiedervereinigung zusammen und beleuchtet die Jugendszenarien unserer Zeit. Egal ob sorgende Mutter, rebellierender Teenager oder sinnsuchender Endzwanziger, hier kommt jeder auf seine Kosten und hier bekommt jeder seinen Denkzettel:
“Unsere Kinder haben keine Selbstachtung mehr und keine Tradition, sie beginnen kurz nachdem sie im Auto vorn sitzen dürfen, verzweifelt herumzuvögeln und suchen, bis sie selbst Eltern werden, nach irgendeinem Kick, der weder christlich noch zivilisiert ist. Sie suchen in den importierten Popkulturen mit digitalen Daumenkinos vergeblich nach irgendeiner Identität. Und sie greifen nach jedem noch so dünnen Strohhalm, egal ob das ein Rapper, eine Tittenmaus, ein Prediger oder eine neue Droge ist. ihr treibt sie dorthin. Ihr seid der Feind! Nicht irgendein Rockmusiker, kein Ballerspiel und auch kein Horrorfilm und schon gar nicht irgendein gehörnter Gott. Ihr seid der Feind!”

REZENSION:

Bei Thomas Manegold’s ICH WAR EIN GRUFTI handelt es sich keineswegs um einen Insider-Roman über eine vermeintlich “böse” Szene, in die sich alle verwirrten Gestalten verirren, um todessehnsüchtig das aktuelle Leben zu bedauern und das Ende der Welt herbei zu sehnen.
Bevor nun alle “Gruftis” – und ja, damals durfte man das noch sagen – nun aufschreien: Ich darf alles nun folgende sagen, war ich doch selbst Teil dieser Szene und versuche es noch immer zu sein, da ich vom ehrlichen Grundgedanken immer noch überzeugt bin und nebenbei auch bis dato trotz meines fortgeschrittenen Alters noch immer von den musikalischen Inhalten dieser Szene uneingeschränkt überzeugt bin und lautstark genieße.
Die Szene hat sich jedoch natürlich auch in den letzten 20 Jahren sehr verändert – hat doch der Mainstream im Laufe dieser Zeit auch diesen kleinen aber feinen Lebensbereich entdeckt, und versucht diesen nun durch diverse Aktivitäten auszuschlachten. Ich persönlich finde es schade, möchte aber nun in keinster Weise ein weiteres Pamphlet beginnen, da wir uns ja um das vorliegende von Thomas Manegold kümmern möchten.
ICH WAR EIN GRUFTI ist ein kleines Buch von gerade mal 124 Seiten in dem sich ein Bürger in leider lediglich 76 Seiten über die Gesellschaft im Allgemeinen echauffiert. Dieser Bürger – Thomas Manegold – bewegte sich erst in der Metal-, dann in der Gothicszene, womit der Zusammenhang zum Titel hergestellt wäre. Sein Pamphlet möchte aber nicht auf diese Szene reduziert werden – Thomas Manegold erstellt vielmehr eine Abrechnung mit dem Spießertum und dem Mainstream als auch der Vermarktung der heutigen Zeit. Wie kleine Kinder folgen wir dem Rattenfänger blind, da er ja nur unser Bestes möchte – überwiegend handelt es sich dabei um den schnöden Mammon – nichts desto trotz werden wir vom Rattenfänger dezent geimpft, um Personen, die dem entfliehen möchten und damit eigene Szenen erschaffen, diesen Halt zu nehmen versuchen.
Es gibt in diesem Werk sicherlich einige Themen, mit denen nicht jeder Leser konform gehen kann – aber einige Sachen sind auch absolut nachvollziehbar und regen zum Denken an. Andere sind in ihrer Einfachheit plausibel und gültig; als Beispiel sei nur der Verweis auf die Bibel genannt: Liebe Deinen Nächsten wie Dich selbst – jedoch: wie soll man den Nächsten lieben können, wenn man mit sich selbst nicht im Reinen ist (von Liebe gar nicht zu sprechen).
Diese Gedanken tragen im Fazit überwiegend nur einen Wunsch: Seit euch selbst treu!
Somit bleibt der Titel weiterhin irreführend, da hierbei überwiegend Gruftis zugreifen, um etwas über sich selbst zu lernen(?) – Vielmehr ist im Gegenteil dazu dieses kurz gehaltene Pamphlet jedoch für absolut jedem des Lesens Mächtigen geeignet, der ein klein wenig über den Tellerrand schauen möchte und nicht nur als Lemming über die Klippe springen möchte – auf der Jagd nach etwas, was er nie auf diesem Weg finden wird.
Durch diverse, eingestreute Bandinformationen und einem sehr ehrlichen Nachruf an den verstorbenen Sänger Layne Staley erhält ICH WAR EIN GRUFTIE natürlich doch noch etwas mehr Nähe an die benannte Szene – nichts desto trotz ist der Inhalt allgemein betrachtet für jeden Leser dieses Landes (dieser Welt?) geeignet und vielleicht gar notwendig. Die Gedanken würden zumindest angeregt werden. Ob es demjenigen hilft, steht auf einem anderen Blatt.
Jürgen Seibold/07.08.2011

Ich war ein Grufti: Ein Pamphlet für Eltern und missratene Kinder KAUFEN BEI AMAZON