Andreas Hock: Like mich am Arsch

Hock_Likemich© 2013 by riva Verlag, ein Imprint der Münchner Verlagsgruppe GmbH
www.riva-verlag.de
ISBN Print: 978-3-86883-330-0
ca. 198 Seiten

COVER:

Seit der Erfindung des Taschenrechners haben wir unser Gehirn immer weiter entmündigt. Heute überlassen wir unser ganzes Leben dem digitalen Fortschritt. Wir bezahlen mit dem Smartphone, kaufen uns virtuelle Freunde bei facebook, bejubeln talentfreie Nichtskönner auf Youtube und folgen mitteilungsbedürftigen Idioten auf Twitter. Doch je mehr Informationen wir ins unendliche Daten-Universum blasen, desto dümmer werden wir dabei. Und umso gefährlicher wird es für uns alle!

– Wie wir trotz 100 Freunden und mehr immer weiter vereinsamen
– Wie die Meinungsmafia unsere Digitalhörigkeit ausnutzt
– Wie das Handy vom Telefon zum Kommunikationskiller wurde
– Wie Facebook uns zu virtuellen Junkies erzieht
– Wie unser Beziehungs- und Sozialverhalten den Bach runtergeht

Andreas Hocks Blick auf die Digitalisierung unserer Gesellschaft ist witzig, erschreckend, bitterböse. Und garantiert analog!

REZENSION:

Als das Buch von Andreas Hock seinen Weg zu mir fand, war ich bereits ob des sehr direkten Titels angetan und man erkennt bereits ohne Lesen des etwas detaillierteren Untertitels, wohin der Weg innerhalb des orangen Einbandes gehen wird.
Nun bin ich selbst ein Nutzer eines Smartphones, spiele gerne Computerspiele und treibe mich auch in allen möglichen sozialen Netzwerken herum.
Gleichzeitig bin ich aber auch ein Kind, geboren in einer Zeit, in der man noch erleben durfte, wie das Leben so gänzlich ohne jeglichen dieses Schnickschnacks vonstatten gehen kann.
Nach meiner Meinung ist es immer der Nutzungsgrad, der darüber entscheidet, ob wir vereinsamen und verblöden oder noch einigermaßen „normal“ aus dieser Misere kommen können.
Interessanterweise war ich vor kurzem Zeuge eines Treffens von zwei Pärchen, die in einer Gaststätte absolut nichts anderes zu tun hatten, als jeder für sich mehrere Stunden lang in seine jeweiliges Gerät zu schauen – wir am Nebentisch hatten uns doch tatsächlich in der gleichen Zeit problemlos unterhalten – ohne Gesrpächsführung mit unseren Freunden aus der digitalen Welt.
Andreas Hock scheint in einer ähnlichen Zeit aufgewachsen zu sein – dementsprechend oft schwenkt er beinahe nachtrauernd in diese „digital-freie“ Zeit und hält damit seinen Lesern einen kleinen Spiegel vor.
Sein gesamtes Werk ist sehr ironisch geschrieben und er gibt auch zu, dass er keineswegs ein totalitärer Feind des digitalen ist, sondern versucht, diese Welt gezielt für sich zu beanspruchen.
Seine Gags, mit Bezug zur Vergangenheit werden bei manchem jüngeren Leser nicht immer ankommen – bei einem Leser meines Alters zaubert er ein Grinsen in das Gesicht.
Trotz seiner humorvollen Art schafft es Andreas Hock immer wieder ein wenig zu überraschen und streut geschickt Ergebnisse von Studien oder Nachrichtenmeldungen ein, die sein Thema extrem plastisch machen.
Mir persönlich waren die Inhalte durchweg klar – nichts desto trotz könnte dieses Buch dem ein oder anderen ein klein wenig das Auge öffnen und dafür sorgen, dass derjenige nicht bis in das kleinste Detail sein Leben in irgendeiner sozialen Digitalplattform ausbreitet. Insbesondere durch seine eingängige Erzählweise dürfte das Buch auch kein Problem für weniger versierte Menschen darstellen – dadurch ist sichergestellt, dass eine Wissensvermittlung dieser Art nicht nur durch ein schwer zu lesendes und knochentrockenes Sachbuch möglich ist, sondern auch durch Humor und plastischer Darstellung auch Themen vermittelt werden können.
Nun ja, ich werde trotzdem nicht den Weg des totalen Widerstandes gehen und wohl diese Rezension auch „posten“…
Aber: Es bestimmt immer die Dosis, ob eine Sucht die Chance zum Ausbreiten bekommt…
Jürgen Seibold/07.01.2014

 
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Nadia Budde: Großstadttiere

Budde_Grossstadttiere

COVER:

Ob Füchse oder Raben, Wildschweine oder Eichhörnchen, ob Affen oder Alligatoren: Die Tiere ziehen in die Stadt.
Mit Sachkenntnis, genialem Strich und warmem Humor führt uns Nadia Budde die schrulligen Eigenheiten der Tiere vor Augen und macht uns so mit unseren neuen Nachbarn bekannt.
Ein ganz besonderes Buch für die ganze Familie.

REZENSION:

Was kreucht und fleucht nicht alles in Großstädten?
Gemeint sind nicht die Politiker und Bänker, Kriminelle, nicht das Wirtschaftsrisiko Kinder und die daraus werdenden Jugendlichen, nicht die Studenten, die Gebildeten und Ungebildeten (die zweifelsohne in der Mehrzahl vertreten sind), nicht die, die ganz oben gelandet sind (abgesehen von den Planern und Erbauern des BER-Flughafens, auf dem wohl nie jemand landen wird), und denen, die ganz unten angekommen sind, nicht die Migranten, Asylbewerber, HARTZ IV Bezieher, nicht die Szeneleute, auch nicht die Künstler, und nicht die normale Bevölkerung …
Oh nein, Großstädte haben auch echte Schweine und richtige Ratten zu bieten! Ganz abgesehen von den Waschbären, Spatzen, Regenwürmern, Enten, Eichhörnchen, Möwen, Pfauen, Hunden, Tauben, Mardern, Elstern und Krähen, Schaben, Alligatoren, Fledermäusen, Wölfen, Staren, Füchsen, Schwänen, Raben, Affen und Mauereidechsen …

Natur war gestern – heute zieht es die Tiere weg vom Land, weg von den Pestiziden auf den Feldern, weg vom genmanipulierten Anbau, weg von den Hobbyjägern in den Wäldern, weg von kultivierter Bepflanzung und weg von begradigten Flussläufen.

Wer in einer sterilen Umgebung leben möchte, der braucht nur dorthin zu gehen, wo Architekten ach so moderne und ach wie hässliche Stahl-, Beton- und Glasbauten errichte(te)n. Nur dort erspart man sich garantiert den Lärm zirpender Grillen oder quakender Frösche. Autohupen kann auch melodisch sein … Anstatt im Morast steht man dann gelegentlich in einem vom Halter nicht entfernten Hundehaufen. Und ob man den Müll aus industrialisierter Produktion vertilgt oder ihn aus den Tonnen sammelt, wo er ohnehin hingehört, spielt dann auch keine erhebliche Rolle mehr …

„Großstadttiere“ von Nadia Budde ist ein mit liebevollem Sarkasmus und hämischen Texten bebildertes Buch, welches im Verlagshaus Jacoby & Stuart unter der ISBN 978-3-941087-85-9 erschien.

Es wird unter dem Genre Kinder- und Jugendbuch geführt.

Nicht allzu zimperliche Eltern werden kein Problem damit haben, es ihren Kleinen vorzulesen. Wer allerdings einen allzu zart besaiteten Nachwuchs hat, den er so lange wir möglich in einer heilen Märchenwelt aufwachsen lassen möchte, sollte besser die Finger von diesem Buch lassen.

Für Erwachsene ist „Großstadttiere“ uneingeschränkt empfehlenswert!

Miriam Stephanie Reese
(Januar 2014)

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Michael E. Vieten: Unheimliche Begegnungen – Aus der Zwischenwelt

vieten_zwischenweltISBN 978-3-00-040584-6
© 03/04/2013 Michael E. Vieten
www.mvieten.de

COVER:

Nachdem Theresa Kling verstorben ist, verliert ihr Mann Josef all seinen Lebensmut. Bis sie ihm eines Abends wieder auf ihrem Sessel in der Stube erscheint. Fortan begegnet Josef fremden Menschen, die ihm von ihren unheimlichen Begegnungen erzählen. Abends berichtet er davon seiner Theresa, die ihm interessiert zuhört.
Wieso begegnen Josef diese Menschen erst jetzt, wo er ein alter Mann ist? Hat Theresa etwas damit zu tun? Kennt sie all diese armen Seelen aus dem Jenseits, und führt sie die Menschen, die ihnen im Diesseits begegnet sind, zu ihm?
Josef verspottet die Fremden nicht, sondern hört ihnen aufmerksam zu und behandelt sie mit Respekt. Dann beginnt er damit, diese Geschichten aufzuschreiben.

REZENSION:

Abermals erreichte mich durch Zufall ein Kurzgeschichtenband und erneut war ich ein wenig zwiespältig, da ich Kurzgeschichten gegenüber etwas zwiespältig aufgestellt bin.
Unheimliche Begegnungen – Aus der Zwischenwelt ist jedoch nicht wirklich ein Kurzgeschichtenband der üblichen Sorte. Es handelt sich in meinen Augen vielmehr um einen Roman, der durchwoben von Kurzgeschichten ist. Dies klingt ein wenig irritierend, jedoch hat der Autor es auf geschickte Art und Weise geschafft, seine 10 in diesem Buch vorhandenen Geschichten miteinander zu verbinden.
Wir folgen somit Josef Kling, dessen verstorbene Frau dafür sorgt, dass sich andere Menschen ihm gegenüber problemlos öffnen. Sie erzählen ihm eigene Erlebnisse, die allesamt mit Begegnungen der besonderen Art zu tun haben. Diese Erzählungen sind somit als Kurzgeschichten zu betrachten und lassen mit Sicherheit keinen Leser unbeeindruckt zurück.
Wir treffen in diesem Buch auf sehr tiefgehende und berührende Geschichten, die absolut frei von reißerischen Elementen sind. Die Geschichten sind vielmehr sehr ruhig erzählt und man wird durchweg das Gefühl nicht los, das diese Erlebnisse der Realität entsprechen könnten.
Üblicherweise hat man mit Romanen oder Geschichten voll mit Geistern, Hexen und ähnlichem kein Problem – man weiß ja, dass es sich dabei um erfundenes handelt. Michael E. Vieten hat es aber problemlos geschafft, die oben erwähnte Glaubwürdigkeit dermaßen eingehend und nachvollziehbar zu erzählen, dass mir als Leser etwas sehr seltenes geschehen ist: Ich bekam bei nahezu jeder Geschichte eine Gänsehaut.
Ich möchte hier auch keineswegs eine Geschichte hervorheben, da dieses Buch eine sehr hochwertige und durchgehende Linie aufweist, die absolut keinen einzigen Negativpunkt aufweisen kann.
Ich bin sehr froh, dass dieses Buch den Weg zu mir fand und kann es wirklich jedem nur noch uneingeschränkt empfehlen. Ich denke nicht, dass jemand dermaßen abgebrüht sein kann, hiervon nicht auch berührt zu werden. Darüber hinaus öffnet es ein klein wenig die eigene Gedankenwelt und somit hoffentlich auch die ein oder andere Sicht auf Besonderheiten des Lebens. Ebenso könnte ich es mir als ein sehr hilfreiches Werk vorstellen, wenn man selbst schon manch Schicksalsschlag erleben musste.
Jürgen Seibold/07.11.2013

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Terry Pratchett: Dunkle Halunken

Pratchett_HalunkenOriginaltitel: Dodger
Aus dem Englischen von Andreas Brandhorst
ISBN 978-3-492-70301-7
© 2012, Terry and Lyn Pratchett
© ivi, ein Imprint der Piper Verlag GmbH, München 2013
ca. 380 Seiten / € 19,99 (HC)

COVER:

Dodger ist ein Straßenjunge – doch nicht irgendeiner. Während eines Überfalls in den nächtlichen Gassen Londons rettet er einer Unbekannten das Leben, der betörend schönen Simplicity. Fortan setzt er alles daran, mehr über die Tat und die Herkunft der jungen Frau herauszufinden.
Auf der Suche nach den Tätern bringt Dodger ganz nebenbei einen mörderischen Barbier namens Sweeney Todd zur Strecke und wird dadurch für ganz London zum Helden. Dies jedoch ruft einen geheimnisvollen Attentäter auf den Plan wie die Halunken, die Simplicity nach dem Leben trachten und ihren jungen Beschützer lieber früher als später tot sehen wollen …

Rezension:

Als mich dieses Buch erreichte, sorgte bereits ein Blick auf den Autorennamen für Entzücken – endlich mal was von der Scheibenwelt…
Dummerweise stellte sich beim näheren Betrachten des neuen Werkes von Terry Pratchett recht schnell heraus, dass DUNKLE HALUNKEN absolut gar nichts mit der sagenhaften Scheibenwelt zu tun hat – Pratchett entführt uns Leser mitten in das London der viktorianischen Zeit und lässt diese Stadt mit all ihrem Dreck, der hoffnungslosen Armut vieler Einwohner und dem Gestank der Kanalisation vor unseren Augen entstehen.
Anfangs benötigte ich einige wenige Seiten um voll in diese Geschichte einzutauchen – kurz danach hatte sie mich und es entstand eine virtuos und mit einer sprachlichen Leidenschaft erstellte Geschichte mit einem sehr sympathischen Helden, der üblicherweise sein tägliches Brot auf der Suche nach Münzen und manch anderen Schätzen in der dunklen Kanalisation Londons verdient.
Dieser Junge mit Namen Dodger rettet dabei beinahe nebenbei ein hübsches Mädchen und sorgt im weiteren Verlauf der Geschichte, detaillierter Informationen über die Halunken des feigen Anschlags heraus zu bekommen. Zur Seite steht ihm dabei manch bekannte reale Person der damaligen Zeit – insbesondere Charles Dickens steht ihm immer wieder hilfreich zur Seite und sorgt in seiner Funktion als Journalist für das Entstehen des Helden Dodger.
Dodger wiederum sorgt dafür, dass der berühmt berüchtigte Sweeney Todd gefasst wird und taucht nach und nach in gehobenere Stände der Einwohner Londons ab.
Terry Pratchett ist sehr geschickt in seiner Sprache und lässt nicht nur die damalige Zeit Londons problemlos vor einem auferstehen, sondern sorgt auch noch für dezent eingeworfenen Witz für genügend Schmunzler beim Leser. Sein Held ist absolut sympathisch und wird mit Sicherheit bei jedem Leser ungebremst ins Herz rasen und sich dort eine gemütliche Ecke suchen.
DUNKLE HALUNKEN ist eine wahrhaft gelungene Geschichte, zu der man einfach nur sagen kann: Eine sehr schöne und fabelhafte Geschichte, bei der es nichts einzuwenden gibt.
Jürgen Seibold/03.10.2013

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Anthologie: Kranke Geschichten

KrankeGeschichten © Ubooks Verlag

COVER:

Das Leben ist unberechenbar und schier unglaublich. Und manchmal ist es auch ziemlich krank. Davon berichten die Autoren dieses Buches.
In dieser Anthologie geht es unter anderem um Menschen, die sich in Kunden verwandeln, ein verlassenes Huhn am Straßenstrich, einen freiberuflichen Engelmacher mit Gewissen und Automaten mit seltsamen Vorlieben.
Außerdem gibt es Erzählungen über die hässliche Seite des Landlebens, einen Berliner, der jede Nacht in einem anderen Bett landet, und über zartrosafarbene Dämonen im Hasenkostüm.

Die mal finsteren, mal humorvollen Geschichten erlauben einen Einblick in weitere Titel des Verlagsprogramms, viele davon wurden exklusiv für diese Anthologie verfasst. Die Anthologie enthält Beiträge von:

. Ramona Ambs . Ina Brinkmann . Stiff Chainey . Oliver Flesch . Markolf Hoffmann . Alexander Kaschte . Boris Koch . Andreas Kurz . Christoph Straßer . Luci van Org . Christian von Aster

REZENSION:

So wirklich konnte ich mit der Genrebezeichnung ANTI-POP des UBooks-Verlages nichts anfangen – darüber hinaus bin ich kein Freund großartig entwickelter Schubladen, mir ist aber bewusst, dass man die ein oder andere Schublade kreieren muss, um Leser darauf aufmerksam machen zu können.
KRANKE GESCHICHTEN ist also Anti-Pop – der erste Gedanke: Also nichts populäres, sondern irgendwie anders oder gar das Gegenteil. Mal sehen, was die darin befindlichen Geschichten so gänzlich anders machen soll.
Kaum befindet man sich in diesem Buch eröffnen sich unterschiedlichste Erzählungen vor des Lesers Augen, deren Inhalt man definitiv nicht vorhersagen kann – viel zu sehr unterscheiden sie sich vom Mainstream und lassen urplötzlich etwas gänzlich anderes oder gar unpassendes ums Eck kommen.
Nichts desto trotz sind alle Geschichten durchweg als interessant ein zu stufen und man ist am Ende einer Geschichte bereits auf den Inhalt der nächsten eines anderen Autors gespannt.
Innerhalb meines Lesespektrums war Luci van Orgs Geschichte das absolute Highlight in dieser Anthologie – glücklicherweise befand sich diese Hommage an das Ausleben der eigenen Sexualität ganz am Ende dieses Bandes und somit steigerte sich der Inhalt von Geschichte zu Geschichte. Alle Stories regen trotz ihrer nicht gerade konventionellen Erzählweise zum Nachdenken an und sorgen darüber hinaus für das ein oder andere Schmunzeln.
Ganz schön fand ich auch die Geschichte der sorgenvollen Prostituierten, die sich aufopferungsvoll um ein Huhn kümmert, dessen Ende einem schier die Nackenhaare ob der vorher erlebten Zeilen aufrichten lässt.
KRANKE GESCHICHTEN ist wahrlich mal etwas gänzlich anderes – lässt aber einen trotz der oft sehr komisch wirkenden Erzählungen am echten Leben teilnehmen. Hier sind wohl sämtliche Ideen erlaubt gewesen und man kann sich trotz der Irrsinnigkeit mancher Geschichten dem Einhalt dieses Buches nicht entziehen.
Durchweg ein komisches Werk, das jedoch schon wieder so wirr ist, das man als Leser davon zu hundert Prozent geplättet und überzeugt zu sein scheint.
Irrsinn pur aber durchweg interessant, teils melancholisch, teils nachdenklich und immer mit einem kleinen Schelm auf dem Buch sitzend.
Jürgen Seibold/03.09.2013

 

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Markus Kastenholz: Lichterfest (Breisgauer Geschichten)

Kastenholz_Lichterfest© Markus Kastenholz
Bezug: Markus Kastenholz, St. Ulrich-Str. 33, 79189 Bad Krozingen
ca. 146 Seiten / € 9,90

COVER:

Bad Krozingen, Heitersheim, Staufen und Freiburg – das sind nur einige Schauplätze dieses Bandes der Breisgauer Geschichten.
Geschichten aus der Region voller Charme, Spannung und Humor.

REZENSION:

Nun der zweite Streich: Nachdem mich bereits – entgegen des für mich etwas abschreckenden, regionalen Covers – das ähnlich aufgebaute Kastenholz-Buch MALTESERBLUT durchweg überzeugen konnte, war es mir ein Leichtes, mich diesem LICHTERFEST zuzuwenden.
LICHTERFEST beinhaltet abermals ein Potpourri an verschiedenen Kurzgeschichten, die spielerisch den Abwechslungsreichtum eines Markus Kastenholz widerspiegeln.
Erhalten sind erneut 8 Geschichte – wobei ich sowohl das Vorwort als auch das Schlusswort als Geschichte bezeichnen möchte.
Sämtliche Geschichten lassen sich mit einem dezenten Schmunzeln lesen – gleichwohl Markus Kastenholz in diesem Band ein klein wenig melancholischer wirkt als im MALTESERBLUT. Nichts desto trotz sind hier wieder einige Perlen vertreten, die insbesondere hervortreten, wenn Kastenholz dezent mystische Elemente hineinrieseln lässt. Sehr schön finde ich VILLA GERMANICA, AUF DIE HARTE TOUR und ganz besonders das Lovecraftsche DIE BÜCHER DER TOTEN – in dieser Geschichte wäre ich gerne noch einige hundert Seiten versunken. Kastenholz spielt jedoch auch ab und an mit seinem Leser und somit bleibt einem manches Mal nichts übrig als am Ende einer Geschichte noch ein wenig die eigene Fantasie walten zu lassen, bevor man sich der nächsten Geschichte zuwendet.
Wie bereits MALTESERBLUT ein kleiner Kurzgeschichtenband, der die Grenzen des Breisgaus überwinden sollte, da hier fast jeder Leser regionsunabhängig eintauchen kann.
Jürgen Seibold/02.08.2013

 

LICHTERFEST … und weitere phantastisch-amüsante Geschichten aus dem Breisgau KINDLE EDITION KAUFEN BEI AMAZON

Markus Kastenholz: Malteserblut (Breisgauer Geschichten)

Kastenholz_Malteserblut© Markus Kastenholz
Edition Nocturno
Bezug: Markus Kastenholz, St. Ulrich-Str. 33, 79189 Bad Krozingen
ca. 142 Seiten / € 9,90 (Paperback)

COVER:

Heitersheim, Bad Krozingen Staufen, der Altrhein und Freiburg – das sind nur einige Schauplätze dieses Bandes der Breisgauer Geschichten.
Geschichten aus der Region voller Charme, Spannung und Humor.

REZENSION:

Prinzipiell bin ich ja der Meinung, dass man ein Buch niemals nach dessen Cover beurteilen sollte – viel zu oft hatten sich vor meinen Augen Geschichten entfaltet, die sich zwischen Buchdeckeln befanden, die nicht schlechter gewählt sein konnten.
Bei MALTESERBLUT ist es für jemanden, der nicht aus der Breisgauer Region kommt sicherlich ähnlich. Sicherlich wirkt der Titel bei Urlaubern, die gerade einige schöne Wochen im Breisgau erlebt hatten und noch schnell eine Kleinigkeit als Erinnerung mitnehmen möchten. Wenn ich aber an den typischen Käufer denke, der einfach durch den Buchladen streift und nach ein wenig Unterhaltung sucht – nun, dann hat es dieses Cover nicht wirklich einfach.
Andererseits: Ein anderes Cover zur ordnungsgemäßen Betitelung dieses Buches würde mir jetzt auf Anhieb auch nicht einfallen – viel zu unterschiedlich sind die darin enthaltenen Kurzgeschichten.
Ich bin natürlich ein klein wenig im Vorteil, da ich bereits das ein oder andere Werk von Markus Kastenholz lesen durfte und bis dato noch niemals enttäuscht werden sollte.
MALTESERBLUT setzt dem nur noch ein Krönchen auf: Die Geschichten sind durchweg interessant und absolut abwechslungsreich. Ihr Inhalt pendelt zwischen Melancholie, Humor, Mystik, Spannung und Fantasy. Somit ist für absolut jeden etwas in diesem leider viel zu dünnen Büchlein enthalten.
Man trifft auf die letzte Nymphe, auf Mephisto höchstpersönlich, auf einen explodierten Ehegatten und einer angehenden Archäologin, deren Erfolg ich gerne miterlebt hätte. Gerade eben befindet man sich im Erleben eines interessanten sexuellan Aktes ohne jegliche Vorwarnung, um bereits einige Zeilen weiter eine Hommage an Michael Endes Unendliche Geschichte zu entdecken.
Die in diesem Büchlein enthaltenen 8 einhalb Geschichten (die letzte “halbe” ist eher ein Schlusswort des Autors) lassen absolut nichts missen und konnten mich durchweg überzeugen – obwohl ich prinzipiell eher Spannungsliteratur bevorzuge; Markus Kastenholz hat es aber erneut spielerisch geschafft, hier Grenzen einzureissen und über Tellerränder hinausgehende Geschichten zu kreieren, deren (ich muss es einfach nochmal sagen) Cover ihnen nicht gerecht wird.
Vielleicht sollte man Bücher einfach prinzipiell neutral gestallten, dann hätten solche Perlen sicherlich mehr Chancen auf dem Markt. Lasst Euch somit nicht von der Darstellung beeinflussen, sondern geniesst einfach jeden einzelnen Buchstaben.
Jürgen Seibold/16.07.2013

 

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Jörg Schneider: So komme ich in die Hölle

Schneider_Hoelle© 2012 by U-Line & Jörg Schneider
ISBN: 978-3-939239-32-1
www.u-line-verlag.de
ca. 220 Seiten / € 9,95

COVER:

Der Weg in die Hölle ist leichter als man gemeinhin denkt. Ein kleiner Fehltritt im Leben und schon wartet die ewige Verdammnis. Zumindest droht uns so die Kirche.
Jörg Schneider hat sich auf den Weg gemacht und noch nie gestellte Fragen ein für alle Mal beantwortet.

– Warum ist Gott kein Hippie?
– Dürfen evangelikale Christen Blitzableiter verwenden?
– Was hat es mit der Zahl des Antichristen auf sich?
– Warum musste ausgerechnet Charlton Heston die 10 Gebote entgegennehmen?
– Wohnt der Papst tatsächlich im Vakuum?
– Welchen Einfluss hat der Fleischverzehr an einem Freitag auf die Besetzungspolitik der Hölle?
– Wie fest darf man beim Steinigen werfen?

Dieses Buch klärt endlich die nebulösen Sachverhalte und zeigt Ihnen den mehrspurig ausgebauten Weg in das doppelt unterkellerte Glaubensgemäuer der kirchlichen Wahnvorstellung Hölle.
Aber Vorsicht, es besteht Einsturzgefahr.

REZENSION:

Es ist immer wieder erstaunlich, mit welchen Veröffentlichungen die etwas “kleineren” Verlage so aufwarten. Man spürt hier regelrecht die Liebe an dem Geschriebenen und zugleich den Mut, etwas kontroversere Themen zu veröffentlichen.
Jörg Schneider ist ein Protagonist dieser Verlagsszene und veröffentlicht beim U-Line-Verlag ein Buch mit dem provokanten Titel “So komme ich in die Hölle”. Bereits beim Lesen des Untertitels “Ein Streifzug durch den Irrsinn der Religion”, erkennt man, dass es hier jemand mit einer oder mehreren großen und mächtigen Institutionen aufnehmen möchte. Wie sich zeigt, gelingt ihm das auch problemlos und gut durchdacht. Jörg Schneiders “So komme ich in die Hölle” ist eher ein Sachbuch denn eine leicht zu lesendes Irgendwas und wäre dieses Buch von einem anderen – vermeintlich “hochwertigeren” – Verlag, würde ich mir Sorgen machen, denn dann wäre der Inhalt zwar gut durchdacht, gut recherchiert aber staubtrocken dargelegt. Jörg Schneider wiederum hat gut recherchiert, gut darüber nachgedacht und schafft durch seine ironischen Sprenkel und seine leicht süffisante Art jederzeit die Kurve zu bekommen, bevor der Leser sich ein wenig verloren fühlen würde.
“So komme ich in die Hölle” nimmt es wahrlich mit jedem auf – natürlich insbesondere mit den Religionen und deren Inhalten. Somit ist das Buch eine “Ich-habs-schon-immer-gewusst-Anleitung” für alle Atheisten dieser Welt – gleichzeitig halte ich den Inhalt aber umfassend genug, um es auch “gläubigen” Menschen als Lektüre vorzuschlagen – ich denke, ein wenig über die Inhalte der eigenen Religion nachzudenken würde ja nicht schaden.
J.S. 23.03.2013

 

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David Bielmann als Pierre Paillasse: Gastspiel

BielmannPaillasse-Gastspiel1. Auflage 2013
© by WOA Verlag, Zürich
www.woaverlag.ch
ISBN 978-3-9523657-7-9
ca. 120 Seiten / € 15,40

COVER:

«Diese Liste ist eine wahre Bibel für Einbrecher! Sie enthält für uns unbezahlbare Informationen. Sie sagt uns nämlich, zu welchem Zeitpunkt über 5000 Leute nicht zu Hause sind.»

Der Kleinkriminelle Big Bad Boy plant den grossen Coup. Während eines Eishockeyspiels des HC Freiburg Gottéron will er bei wohlhabenden Leuten einbrechen, die sich gerade im Eisstadion befinden. Helfen soll ihm dabei Fredi Egger, der ebenfalls mehr Geld brauchen könnte. Fredi ist allerdings selbst ein grosser Anhänger des Clubs und verpasst sonst unter keinen Umständen ein Heimspiel. Widerwillig macht er mit, doch schon in der ersten Wohnung warten die ersten Hindernisse auf die beiden, zum Beispiel eine Leiche.

REZENSION:

David Bielmann war mir bisher lediglich als Autor eines sehr melancholischen und nachdenklichen Buches bekannt. Gleichzeitig zeigte er aber auch mit “Flucht eines Toten” seine erzählerische Stärke.
Nun liegt mir ein weiteres Werk dieses Autoren vor: “Gastspiel”, welches lose an die von ihm unter dem Pseudonym Pierre Paillasse veröffentlichte Trilogie mit den Titeln “Nachspiel”, “Nachschuss” und “Nachruhm” anknüpft.
“Gastspiel” verkauft sich ein klein wenig als Krimi – ist aber irgendwie doch kein Krimi. In Krimis geschieht üblicherweise irgendetwas und irgendjemand ist auf der Suche nach den Tätern oder versucht einen Fall jeglicher Art zu lösen. “Gastspiel” handelt jedoch schlicht von zwei mehr oder weniger sympathischen Personen, die auf eine ziemlich dumme Räuberidee kommen.
Der eine von ihnen nennt sich Big Bad Boy, was schon beinahe für sich spricht, wenn man sich selbst so einen Namen gibt – da kann es mit einer tiefgründigen Gedankenwelt nicht weit her sein. Sein Kompagnon ist Fredi, seines Zeichens überzeugter Sozialhilfeempfänger und absoluter Eishockeyfan des HC Freiburg Gottéron..
Nun hat Big Bad Boy durch Zufall eine Liste gefunden, auf der sich die Adressen der Jahreskartenbesitzer dieses Vereins befinden. Daraufhin reift in ihm die irrsinnige Idee, einen Beutezug durchzuführen, sind doch die in dieser Liste genannten Personen während eines Heimspiels sicherlich im Stadion und somit die Häuser bereit, ausgeraubt zu werden.
Wie man bereits merkt, ist dieser Plan eher als dünn zu betrachten – nichts desto trotz gehen die beiden so vor.
David Bielmann schafft nun in lediglich etwa 120 Seiten einen durchweg komödiantischen Plot darzulegen, in dem die beiden Protagonisten von einer Panne in die nächste tapsen.
Schmunzelnd folgt man der Erzählung und leicht verärgert ob der Kürze muss man das Buch viel zu früh schließen. Eine durchweg gelungene, liebevoll erzählte und aberwitzige Geschichte um zwei irgendwie sympathische Protagonisten, deren Vorgehensweise und Tölpelhaftigkeit seinesgleichen sucht und irgendwie nach mehr verlangt. Ein sehr gelungenes und durch die durchweg interessante Geschichte beinahe zu kurzes Buch. Absolut empfehlenswert!
Jürgen Seibold/24.03.2013

 

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T.A. Wegberg: Klassenziel

WEGBERG_KLasseISBN 978-3-499-21624-4
€ 8,99

COVER:

Siebzehn Leben hat Dominik bei einem Amoklauf in der Schule ausgelöscht – und am Ende auch sein eigenes verloren. Schuldgefühle, Trauer, Medienrummel und die Trennung seiner Eltern bringen Dominiks Bruder Jamie an seine Grenzen.
In Berlin muss er wieder bei Null anfangen und versuchen, sich ein neues Leben aufzubauen. Nicht ganz einfach, wenn die eigene Familie in Trümmern liegt und man ständig Angst haben muss, als Bruder eines Massenmörders erkannt zu werden. Doch dann lernt er Kenji kennen, der Musikmachen genauso liebt wie Jamie und sogar eine eigene Band hat…

REZENSION:

Ist es ein Außenseiter zu sein, die Abgegrenztheit, die einen zu einem Amoklauf treibt? Die Aggression, die sich aus der Verzweiflung entwickelt nie irgendwo anzukommen oder angenommen zu werden? Oder letztlich der Hass Ziele verpeilt zu haben? Ziele im Leben, die man dadurch erreichen möchte, indem man Menschen zu Zielen macht und ihre Leben damit auslöscht.

Letztlich erreicht man dadurch meistens den eigenen Tod, ob Selbstmord oder von einem Sondereinsatzkommando niedergestreckt.

Und trotzdem bleibt ein Stück Unvergänglichkeit – denn keiner wird die Opfer so schnell vergessen und jeder der Angehörigen wird sich an den Täter erinnern, der ein zusätzliches Grab in den Medienberichten finden wird, sobald diese nicht mehr die Presse und das Fernsehen überfluten. Und wer kann schon von sich behaupten, sein Name sei archiviert?

Wie aber fühlt man sich als Bruder eines solchen Amokläufers? Wie ergeht es einem, wenn plötzlich alle über einen herfallen, als hätte man selbst die Waffe abgedrückt, mit der Freunde, Klassenkameraden, Schüler anderer Stufen und Lehrer verletzt oder getötet wurden?

Wie soll man es ertragen, wenn die eigenen Eltern sich ausgerechnet zu diesem Zeitpunkt trennen?

Und wie soll man darauf reagieren, wenn die eigene Welt plötzlich zusammenbricht? Ein neues Leben aufbauen, während der Bruder das alte und zig andere beendet hat?

Aber wie?

Genau das muss Jamie im Roman „Klassenziel“ von T. A. Wegberg herausfinden.

Eine Suche nach Antworten auf nicht mehr zu beantwortende Fragen …

Dieser Thematik widmet sich das im Rowohlt Verlag erschienene Taschenbuch mit beeindruckender Sensibilität.
Dieses Buch kommt ohne ausschweifende Grausamkeit klar, ohne dabei die Brutalität zu verschleiern.

Erschienen ist es unter der ISBN 978-3-499-21624-4 für € 8.99 und wirklich lesenswert …

Miriam Stephanie Reese

Dezember 2012 

 

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Timur Vermes: Er ist wieder da

© 2012 by Bastei Lübbe GmbH & Co. KG, Köln
ISBN 978-3-8479-0517-2
ca. 396 Seiten / € 19,33

COVER:

Er ist wieder da – aber was könnte Adolf Hitler denn heute noch anrichten? Diese bitterböse Satire probiert es einfach aus, indem sie ihn im heutigen Berlin wiedererweckt. Und sie trifft deshalb von der ersten Seite an so schmerzhaft, weil ihr Protagonist der echte Hitler ist. Nicht der TV-Ulkhitler, nicht Hollywoods Haudraufhitler, sondern der Mann, der seine Umwelt eigenwillig analysiert. Der messerscharf und blitzartig die Schwächen der Menschen erkennt. Der sturheil seiner bizarren Logik folgt, verbohrt, aber eben nicht bescheuert.
Dieses Buch über Adolf Hitlers Weg von einem leeren Grundstück in Berlin-Mitte über einen Kiosk und eine türkische Reinigung bis hinein ins deutsche Fernsehen ist ein atemberaubendes Lesevergnügen, so boshaft wie perfide: Weil der Leser sich zunehmend ertappt, wie er nicht mehr über Hitler lacht. Sondern mit ihm. Lachen mit Hitler – geht das? Darf man das überhaupt?
Findesn Sie’s selbst raus. Dies ist schließlich ein freies Land.
Noch.

REZENSION:

Es ist natürlich schon sehr gewagt, einen der größten Psychopathen dieser Erde zum Hauptthema eines deutschen Romans zu machen. Sicher, ER IST WIEDER DA soll eine Satire sein und somit stellt sich natürlich die Frage, ob man Adolf Hitler dafür in der heutigen Zeit verwenden darf?
Ehrlich gesagt: Warum nicht?

Sich über jemanden lächerlich machen ist zum Einen ein Selbstschutz und zum Anderen führt dies dazu, das eine Gestalt wie Adolf Hitler nicht nur voller krankhaftem Respekt betrachtet wird sondern einfach ins Lächerliche gezogen wird – und genau das würde den selbsternannten Führer doch bestimmt am Meisten ärgern. Somit prinzipiell eine sehr gute Idee.
Nun kommt also eine Timur Vermes ums Eck und sorgt in seinem satirischen Roman dafür, dass besagter Adolf Hitler – ganze 70 Jahre nach seinem glücklicherweise nicht geklappten Endsieg – im heutigen Berlin erwacht.
Ab diesem Augenblick könnte Vermes den geneigten Leser mit Klamauk bedienen und man hätte sicherlich hierbei schon genug Spaß damit. Aber erfreulicherweise wird genau dies nicht gemacht, da Vermes einen sehr anspruchsvollen Satireroman erschaffen hat, der den Leser zwar schmunzeln lässt, aber keineswegs notwendiges Nachdenken negiert.
Somit entsteht ein sehr umfangreiches Bild über einen Hitler, der sich selbst treu bleibt und dabei geradezu hofiert wird – jedoch keineswegs von irgendwelchen rechtsgesinnten Gestalten sondern von Medien, die in ihm einen sehr gelungenen Komödianten erkennen und ihm eine Plattform im Fernsehen bieten.
Hitler bleibt hierbei immer Hitler und durch diesen Umstand wird einem Leser mehr und mehr bewusst, auf welch dünnem Eis wir uns in unserer ach so modernen Landschaft bewegen. Timur Vermes kommt mit dem berühmten Spiegel ums Eck und lässt uns dabei ungeschminkt hineinblicken – sehr schnell wird einem dabei klar, dass ein Hitler somit leichtes Spiel hätte und sowohl Pressevertreter als auch unsere Politiker für diesen Redner ein leichtes Spiel wären.
Sehr interessant hierbei, dass eine NPD dabei sang- und klanglos verliert und gar von Adolf Hitler ins Lächerliche gezogen wird.
Lediglich durch eine kleine Seitenepisode macht uns Vermes darauf aufmerksam, dass der wieder gekehrte Adolf Hitler nichts weiter macht als den gleichen Mist zu verbreiten, den er schon in den 40ern erzählte: Macht uns doch in diesem Buch eine ergraute Jüdin kurz darauf aufmerksam, das der Komödiant Adolf Hitler genau das Gleiche erzählt wie das vermeintliche Original.
Es bleibt aber bei diesem kurzen Hinweis – insbesondere, da Hitler selbst diese Frau bekehrt und seinen Weg weitergeht.
Wer ein Buch mit irgendwelchen Kriegsgeschehnissen erwartet ist bei ER IST WIEDER DA gänzlich falsch – hier handelt es sich lediglich um einen Adolf Hitler, der seinen Weg in der heutigen Zeit sucht und seine Reden als angenommener Komödiant unter die Leute bringt. Seine Sichtweise ist klar – die der „normalen“ Menschen ist wahrlich interessant in diesem Werk zu entdecken.
Alles in allem ist mit ER IST WIEDER DA eine absolut geniale und anspruchsvolle Satire entstanden, deren Hauptprotagonist zwar Hitler ist, ich aber irgendwie den Gedanken nicht los werde, das dieser gar nicht die Hauptrolle darstellt.
Egal: Das Buch macht Spaß, regt zum Nachdenken an und lässt sich sehr angenehm lesen. Was will man mehr?
J.Seibold/01.11.2012

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Jeff Burk: Shatnerquake

© 2012 by Voodoo Press
Aus dem Amerikanischen von Torsten Scheib
ISBN 978-3-902802-13-2
ca. 86 Seiten / € 9,95

COVER:

Es ist die erste Shatnercon mit William Shatner als Ehrengast! Nach dem fehlgeschlagenen Attentat der Campbellianer, einem durchgeknallten Bruce Campbell verehrenden Terroristen Kult, geraten alle Charaktere die William Shatner je gespielt hat, in unsere Welt. Ihre Mission, den echten William Shatner zu jagen und zu vernichten.

Featuring: Captain Kirk, TJ Hooker, Denny Crane, Rescue 911 Shatner, Sänger Shatner, Shakespearean Shatner, Twilight Zone Shatner, Cartoon Kirk, Esperanto Shatner, Priceline Shatner, SNL Shatner, und – natürlich – William Shatner!

Kein kostümierter Conbesucher wird von der Welle der Zerstörung verschont. Kein Träger eines roten T-Shirts kann sich gegen den irren Captain Kirk mit seinem Lichtschwert wehren. Aber die Shatner Klone lernen dabei eine harte Lektion … der wahre William Shatner übernimmt nicht jedermanns Charaktereigenschaften. Nichtmal von sich selbst.

Es ist Shatnertastisch!

REZENSION:

Stellen sie sich einfach mal vor, sie besuchen eine Veranstaltung, die einem Schauspieler gewidmet ist, der nicht nur als Ehrengast höchstpersönlich daran teilnimmt, sondern dessen Alter-Egos aus sämtlichen Auftritten plötzlich ebenfalls in der realen Welt erscheinen.
Klingt schon ein wenig abstrakt, oder?
Nun stelle man sich auch noch vor, dass diese Gestalten die Jagd nach ihrem Original eröffnen – das Original sich dem entgegenstellt und eine wahre Schlacht beginnt; ganz ohne jegliche Rücksicht auf beteiligte Besucher dieser Veranstaltung.
In SHATNERQUAKE geschieht dies alles und noch viel mehr. SHATNERQUAKE ist eine Geschichte, zu deren Genuß man besser nicht auf Drogen sein sollte – die Geschichte selbst ist wie ein Kurzroman auf Speed.
Viele würden den Inhalt dieses Buches als absoluten Irrsinn, Blödsinn oder einfach nur als sinnentleerten Quatsch abtun – aber Leute: SHATNERQUAKE macht verdammt viel Spaß!
Man muss sich dem Wahnsinn einfach nur hingeben und schon hat man eine Story vor sich, in der die Shatner-Welt nicht nur auf verrückte Kopien von sich selbst trifft, sondern auch noch Terroristen auf dem Weg sind, die sich als Gottheit auf Bruce Campbell beziehen und die ShatnerConvention durch ihren Irrsinn stören beziehungsweise schuld am Erscheinen der unterschiedlichen Shatners – von Captain James T. Kirk bis T.J. Hooker – sind.
Somit eine absolut kranke und sinnlose Geschichte voll Blut und Wahnsinn, die aber aus nicht nachvollziehbaren Gründen viel zu viel Spaß machte, um nach leider nur 80 Seiten bereits zu Ende zu sein.
Wahnsinn…
Abschließend möchte ich auch noch auf das erhellende Nachwort des Übersetzers verweisen – auch dieses ist bereits sein Geld wert.
Jürgen Seibold/04.09.2012

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Cameron Pierce: Die eingelegte Apokalypse der Pfannkucheninsel

Aus dem Amerikanischen von Michael Preissl
© 2012 by Voodoo Press
ISBN 978-3-902802-12-5
ca. 85 Seiten / € 9,95

COVER:

Es ist Gaston Glews sechzehnter Trauertag – der sechzehnte traurigste Tag seines Lebens. Sein Geburtstag – und jener Tag, an dem seine Eltern sich das Leben nehmen. Gaston Glew hat die Traurigkeit satt. Deswegen konstruiert er eine Rakete, um mit ihr hinaus in den Weltraum zu reisen, in der Hoffnung, dem salzigen Schicksal zu entkommen.

Captain Pickle sagt: “Befreie dich selbst aus dem salzigen Schicksal, oh eingelegter Gefangener, und lies Cameron Pierces Die eingelegte Apokalypse der Pfannkucheninsel. Eine Tragödie für Leute die Nahrung zu sich nehmen!”

REZENSION:

An einem Buch mit dem Titel “Die eingelegte Apokalypse der Pfannkucheninsel” geht man normalerweise in einem Buchladen mit relativ großer Sicherheit vorbei – auch, wenn das Cover durch seine Darstellung doch für ein bizarres Interesse sorgt. Nichts desto trotz ist es sicherlich schwierig, sich mit dem Inhalt eines dermaßen betitelten Buches zu beschäftigen – oder: man lässt sich einfach darauf ein, um eine gänzlich andere Welt zu entdecken.
Sicherlich sind die teilnehmenden Figuren in diesem Buch mehr als merkwürdig:  Eine depressive Salzgurke, glückliche Pfannkuchen – klingt doch schon mal ziemlich verrückt.
Nun würde ich aber vorschlagen, diese ganze Geschichte eher als Metapher zu betrachten – und ab diesem Augenblick sieht man den Inhalt unter anderen Vorzeichen. Jetzt hat man eher das Gefühl, dass ein depressives Lebewesen ganz einfach auf der Suche nach Glück oder gar Liebe ist – hierbei jedoch durch seine tieftraurigen Eigenheiten andere Lebewesen zerstört und ganze Lebensräume vernichtet – eher unfreiwillig aber entstanden durch das Unverständnis den Pfannkuchen und ihrem Leben gegenüber. Somit befinden wir uns hiermit plötzlich in einer gänzlich anderen Ebene, die darauf hinzielt, dass man durch Toleranz oder Interesse an anderen Kulturen manches Verderben vermeiden könnte.
Vielleicht hole ich auch ein wenig zu weit aus – aber bei diesem Buch wird sich mit Sicherheit mancher Leser nach dem Sinn und Zweck fragen. Die Geschichte ist absolut bizarr – besitzt aber einen gewissen Reiz. Nichts desto trotz werden viele Leser den Inhalt dieses Buches hassen oder als irrelevant verurteilen – manch andere werden sich aber einer gewissen Abhängigkeit nicht entziehen können.
Jürgen Seibold / 02.09.2012

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Stephen King: Der Anschlag (11/22/63)

Deutschsprachige Ausgabe:
Aus dem Amerikanischen von Wulf Bergner
(c) 2011 by Stephen King
(c) der deutschsprachigen Ausgabe by Wilhelm Heyne Verlag, München in der Verlagsgruppe Random House GmbH
ISBN 978-3-453-26754-1
ca. 1.056 Seiten

Englische Originalausgabe:
ISBN 978-1-4516-2728-2

COVER:
Jake Epping lebt ein normales Leben, bis sein Freund Al ihm ein großes Geheimnis enthüllt: Er kennt ein Portal, das ins Jahr 1958 führt. Und Al gewinnt ihn für eine wahnsinnige Mission. Jake soll in die Vergangenheit zurückkehren und das Attentat auf John F. Kennedy vereiteln, um den Gang der Geschichte positiv zu korrigieren. Und so beginnt für Jake ein neues Leben in einer für ihn neuen Welt. Es ist die Welt von Elvis und JFK, von großen amerikanischen Autos und beschwingten Highschool-Tanzveranstaltungen. Es ist die Welt des gequälten Einzelgängers Lee Harvey Oswald, aber auch die der Bibliothekarin Sadie Dunhill, die Jakes große Liebe seines Lebens wird – eines Lebens, das gegen alle normalen Regeln der Zeit verstößt. Und je näher Jake seinem Ziel kommt, den Mord an Kennedy rückgängig zu machen, desto bizarrer wehrt sich die Vergangenheit dagegen – mit aller gnadenlosen Gewalt, die sich auch gegen Jakes neue Liebe richtet …

REZENSION:

Das Attentat auf John F. Kennedy war mindestens für die amerikanische Bevölkerung ein sehr traumatisches Erlebnis, welches eine Vielzahl von Verschwörungstheorien nach sich zog. Dieses Trauma breitete sich zu einem großen Teil über die ganze Welt aus und wird auch immer wieder gerne neu diskutiert, neu belichtet und mit vielen Facetten – von irrsinnig über plausibel – neu betrachtet und abgehandelt.
Nun hat sich auch einer der erfolgreichsten Autoren unserer Gegenwart diesem Thema angenommen und legt dabei sogleich einen Roman vor, den man aufgrund seiner 4-stelligen Seitenzahl nicht einfach mal so nebenbei lesen kann.
Stephen King war schon seit jeher ein großartiger Erzähler und schaffte es unwahrscheinlich oft, vermeintlich unwichtiges Zeug lebhaft und voll Detailreichtum vor seinem geneigten Leser auszubreiten – dies erfreulicherweise fast immer ohne dabei zu langweilen.
In DER ANSCHLAG spielt er mit dem Gedanken, was für Auswirkungen es denn haben könnte, wenn man in die Vergangenheit reist um dieses Attentat zu verhindern.
Dies allein könnte man sicherlich in einen ganz normalen Zeitreisethriller packen, der seine Antworten nach etwa 300 bis 400 Seiten offenbart und damit den Leser auf simple Weise überzeugt und unterhält. Stephen King geht jedoch einen Schritt weiter und lässt seinen Protagonisten fünf Jahre vor besagtem Attentat in dieser Zeit auftauchen und erzählt haarklein die Geschehnisse, die in diesen fünf Jahren folgen. Dadurch entstand ein sehr dichter und reif erzählter Roman, der nicht nur als Hommage an diese Zeit seine Wirkung zeigt sondern auch noch eine sehr tiefgehende Liebesgeschichte in sich birgt.
Die eigentliche Thematik wird mehr und mehr zur Nebensache und es offenbart sich vor dem Leser ein durchweg bildhaft erzählter Roman, der trotz seiner Länge in keinster Weise langweilig wird.
King entwickelt sich hierin mehr und mehr zu einem Erzähler, der nur noch fassettenweise seinem Ruf als Horrorautor gerecht wird. King erweitert sein Imperium vielmehr mit Romanen, die bereits allein durch ihre erzählerische Kraft wirken – sicherlich gibt es auch genug eingeflochtene Spannungselemente, da sich die Vergangenheit gegen diese allumfassenden Änderungen wehrt, aber die Story um das Attentat scheint hierbei nur noch Mittel zum Zweck zu sein.
In meinen Augen ist DER ANSCHLAG ein uneingeschränkt zu empfehlendes Werk, das einen sehr reif gewordenen Autor aufzeigt und somit nicht mehr nur für die eingefleischten King-Fans eine Rolle spielen sollte.
Fans des Autors werden den ein oder anderen Aha-Effekt haben und können sich auch auf das abermalige Treffen mit bekannten und lieb gewordenen Personen freuen.
Auf den Schluss der Geschichte möchte ich hier natürlich nicht eingehen, aber er ist schlüssig erzählt und lässt nichts zu wünschen übrig. Davon abgesehen wird das letzte Kapitel auch bei allen Lesern, die noch ein klein wenig Sensibilität oder Sentimentalität in sich tragen für eine wohlige Gänsehaut sorgen – und dies ganz ohne irgendwelche Spannungs- oder gar Horrorelemente.
Absolute Spitzenklasse!
Jürgen Seibold / 23.04.2012

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11/22/63: A Novel KAUFEN BEI AMAZON

Rita Falk: Winterkartoffelknödel

Ungekürzte Ausgabe 2012
(c) 2010 Deutscher Taschenbuch Verlag GmbH & Co. Kg, München
ISBN 978-3-423-21330-1
ca. 235 Seiten / € 8,95

COVER:

Nachdem der Eberhofer Franz seinen Dienst bei der Münchner Polizei quittieren musste und in sein niederbayerisches Heimatdorf Niederkaltenkirchen strafversetzt wurde, schiebt er eine ruhige Kugel. Seine Streifegänge führen ihn meist direkt zum Wolfi auf ein Bier oder zurück an den Esstisch seiner stocktauben Großmutter. Erstklassig erholsam, bei all dem Zoff mit seinem hanfanbauenden Vater, der den Franz mit Beatles-Dauerbeschallung noch in den Wahnsinn treibt. Und manchmal muss der Franz auch in ziemlich grausligen Fällen ermitteln. Wie zum Beispiel in der Sache mit den Neuhofers  …

REZENSION:

Nachdem ich bereits die beiden Folgebände DAMPFNUDELBLUES und SCHWEINSKOPF AL DENTE geniessen durfte, konnte ich bereits Franz Eberhofer – den Dorfpolizisten aus Niederkaltenkirchen – bei seinen Ermittlungstätigkeiten zur Seite stehen.
Der erste Fall Eberhofers steht seinen folgenden Bänden auch in nichts nach und somit ist man abermals über den Witz in diesen Geschichten erstaunt.
Irgendwie ist es aber so, dass man bei diesen Büchern zum Einen mit einem Lächeln auf den Lippen den Fortgang der Geschehnisse begleitet – zum Anderen hat man aber als bayrischer Mitbürger durchweg das Gefühl, dass es vielleicht doch nicht so lustig ist – vielmehr sind wir doch eher so auf dem Land.
Somit sind bei Rita Falks Bücher doch nur die Kriminalfälle Fiktion – das provinzielle Leben jedoch kenn ich irgendwie von meiner Oma und somit ist da nix erfunden…
Am Schluss ko ma eigentlich bloss no sogn, dass a jeder Band vo den Eberhofer-Biacha einfach guad zum Lesn is und vui Spaß macht.
Somit bloabt oam nix anders übre ois olle Biacha nachanand zu lesn…
Pfiat Eich!
Jürgen Seibold/22.04.2012

 

Winterkartoffelknödel: Ein Provinzkrimi KAUFEN BEI AMAZON