George Orwell: 1984

Originaltitel: 1984
Übersetzt von Michael Walter
© 1949 by The Estate of Eric Blair
© für die deutsche Ausgabe: Ullstein Buchverlage GmbH, Berlin 2004
ISBN 978-3-548-23410-6
ca. 384 Seiten

COVER:

Ozeanien, eine von drei Supermächten, die die Welt untereinander aufgeteilt haben, stützt sein System auf eine Ideologie, die auf der Veränderlichkeit der Vergangenheit beruht. Im Ministerium für Wahrheit, das für die Verfälschung der Geschichte nach Parteilinie zuständig ist, arbeitet der 39jährige Winston Smith. Eine Liebesaffäre mit Julia, Technikerin an einer Romanschreibmaschine und Aktivistin der Anti-Sex-Liga, wird für Winston zu einem Akt des Widerstands gegen das System. Trotz ständiger Überwachung durch die Gedankenpolizei können die beiden Liebenden sich heimlich in einem Zimmer in dem überwiegend “Proles” bewohnten Teil Londons treffen. Dort lernen sie auch den Widerstandskämpfer O’Brien kennen, der ihnen ein Buch von Emmanuel Goldstein gibt, dem Feind und Gegenstand des Volkshasses. Der Glaube, in ihrer Liebe innere Freiheit zu erlangen und durch die Lektüre des “geheimen Buches” das Wesen ihrer Gesellschaft verstanden zu haben, erweist sich als Trugschluß. Denn irgendwann gewinnt der “Große Bruder” auch Macht über Winston.

REZENSION:

1984 von George Orwell steht gemeinsam mit “Schöne Neue Welt” von Huxley alleine auf einem ganz besonderen Regal. Beide Werke sind Alleinstellungsmerkmal einer jeweils visionären Geschichte, deren Inhalt noch immer eine unbeschreibliche Bedeutung für die heutige Zeit hat.
Obwohl beide Werke gänzlich unterschiedlich vorgehen, wird man ihren Inhalt nicht mehr vergessen und hoffentlich den ein oder anderen gedanklich auf den richtigen Weg bringen.
1984 beschreibt dabei ein totalitäres System, in dem der Bürger durch und durch von der herrschenden Partei gelenkt und geführt wird. Eigene Gedanken sind nicht erwünscht. Die Bürger werden überwacht und können sich dieser Überwachung auch keineswegs entziehen.
Die Partei steht dabei nicht nur für die Gegenwart oder die Zukunft – sie legt auch fest, wie die Vergangenheit ausgesehen hat.
Kleinste Verfehlungen werden geahndet und somit kann es urplötzlich sein, dass jemand einfach verschwindet. “Verschwinden” heisst in diesem System aber gleichzeitig eine absolute Ausrottung sämtlicher Informationen über diesen Bürger – so, als ob er niemals existiert hätte.
Winston Smith versucht sich dem zu entziehen und öffnet sich einem vermeintlichen Widerstand. Nach und nach stellt sich jedoch heraus, dass der “Große Bruder” weit mehr Macht hat, als er sich jemals vorstellen konnte.
1984 ist ein absolutes Pflichtbuch für nahezu jeden Menschen auf diesem Planeten. Orwell hat es zwar mit Sicherheit in Gedanken an die totalitären Systeme des Zweiten Weltkriegs geschrieben, erschuf dabei aber einen sehr visionären Roman mit einer Doppelzüngigkeit, die seinesgleichen sucht.
Sicher, manchesmal wirkt es ein wenig steif und aus seiner Zeit gefallen. Dies stört diesem hintersinnigen Werk aber nicht eine Sekunde.
1984 ist dabei nichts anderes als die Drehung der Jahreszahl, in der Orwell das Buch geschrieben hat (1948), somit ist der Titel nicht wirklich wichtig – im Gegenteil, es bekommt von Tag zu Tag mehr Brisanz, als man sich bereits im Jahre 1984 vorstellen konnte.
Einfach ein Klassiker, den man gelesen haben muss.
Jürgen Seibold/22.03.2017
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George Orwell: Animal Farm

© 1945 by Eric Blair
This edition © the Estate of the late Sonia Brownell Orwell, 1987
ISBN 978-0-141-03613-7
ca. 95 Seiten

COVER:

‘All animals are equal. But some animals are more equal than others.’

Mr Jones of Manor Farm is so lazy and drunken that one day he forgets to feed his livestock. The ensuing rebellion under the leadership of the pigs Napoleon and Snowball leads to the animals taking over the farm. Vowing to eliminate the terrible inequities of the farmyard, the renamed Animal Farm is organized to benefit all who walk on four legs. But as time passes, the ideals of the rebellion are corrupted, then forgotten. And something new and unexpected emerges…

REZENSION:

Vorab gesagt: Im Gegensatz zu Orwells 1984 kommt man mit einem einigermaßen guten Englisch mit diesem Buch erheblich besser zurecht. Dies liegt sicherlich auch daran, dass Orwell bei 1984 viele erfundenen Wörter mit eingeflechtet hatte. Auch wenn dem nicht so sein sollte: Bei Animal Farm handelt es sich laut Orwell um ein Märchen und wohl auch deshalb ist das sprachliche Niveau ein wenig anders angesiedelt.
Das Büchlein ist jedenfalls recht dünn und könnte mit seinen knappen hundert Seiten in der heutigen Zeit sicher auch als etwas längere Kurzgeschichte durchgehen. Trotz dieser Kürze ist das Buch durchweg als absolut interessant und lehrreich zu betrachten. Sozusagen eine Parabel unserer Welt. Orwell hatte zwas damals im Jahre 1945 sicher noch die tiefgehenden Eindrücke des Zweiten Weltkriegs im Auge – insbesondere sicherlich die Strömungen Russlands als auch Nazideutschlands. Nichts desto trotz verliert Animal Farm absolut nichts an Bedeutung, denn scheinbar haben wir Menschen beim Übernehmen von Macht in den letzten 70 Jahren absolut nichts dazu gelernt. Es ist wahrlich kein Wunder, dass der Satz “Jeder ist gleich, manche sind gleicher” zum Sprachgebrauch geworden ist (interessant zu erfahren, dass dieser Sprachgebrauch seinen Ursprung in einem Buch hatte, welches sicherlich nicht jeder gelesen hat).
Es ist sicher immer noch der gleiche Weg: Es gibt eine Revolution mit den besten Absichten. Jemand wird zum neuen Anführer ernannt. Aufgrund seiner machtvollen Position rutscht dieser mehr und mehr in die gleichen Fahrwasser wie der damalige Herrscher. Alle hehren Ziele werden nach und nach demaskiert und anders – zugunsten des Herrschers – neu kommuniziert. Kurzum: Eine Revolution scheint der Wegbereiter zu einer erneuten Revolution zu sein. Geschichte ist wie ein Rad, das sich dreht und dreht – mal ist man oben, mal unten…
Animal Farm ist dadurch eine absolute Pflichtlektüre, die auf einfachem Wege und unter Benutzung von Tieren anstatt Menschen jedem Leser diese Problematik gegenüber hält. Wer es dann immer noch nicht kapiert, dem kann man wohl nicht mehr helfen.
Schlußendlich ein Standardwerk, welches wirklich jeder einmal gelesen haben sollte.
Jürgen Seibold/05.03.2017
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Claire North: Die vielen Leben des Harry August

North_AugustOriginaltitel: The first fifteen lives of Harry August
© 2014 by Claire North
© 2015 für die deutschsprachige Ausgabe by Bastei Lübbe AG, Köln
ISBN 978-3-431-03930-6

COVER:

MANCHMAL IST EIN LEBEN NICHT GENUG, UM DIE WELT ZU RETTEN! Harry August stirbt. Mal wieder. Es ist das elfte Mal, dass Harrys Leben ein Ende findet. Und er weiß genau, wie es weitergehen wird: Er wird erneut im Jahr 1919 geboren werden ― mit all dem Wissen seiner vorherigen Leben. Harry hat akzeptiert, dass er in dieser Zeitschleife festhängt, auch wenn er nicht weiß, wieso … Doch dann steht plötzlich ein junges Mädchen an seinem Sterbebett und überbringt ihm eine erschütternde Botschaft: Der Untergang der Welt steht bevor! Und das auslösende Ereignis findet vermutlich zu Beginn des 20. Jahrhunderts statt. Harry, der bald wieder im Jahr 1919 sein wird, muss nun nicht weniger tun, als diese Zukunft zu verhindern …

REZENSION:

Vorweg gesagt: Dieses Buch begleitete mich als Hörbuch und somit ist die Wahrnehmung mit Sicherheit ein wenig anders, als beim Lesen der gedruckten Wörter.
Bezogen auf das Hörbuch ziehe ich sogleich meinen Hut vor der großartigen Lesung Stefan Kaminskis, der es problemlos geschafft hat, diese Geschichte unter Berücksichtigung aller Facetten vor zu tragen. Man fühlt sich beinahe wie in einem Hörspiel mit verschiedenen Sprechern, da der Leser jeder Person seinen eigenen Stempel aufgedrückt hat und geschickt auf die jeweilige Stimmung achtete. Hierdurch konnte eine ausreichende Stimmung erzeugt werden, die mich sicherlich mit davon abhielt, nicht zum Ende zu kommen.
Zum Buch: Zeitreise-Romane beziehungsweise Zeitschleife-Romane gibt es mittlerweile einige auf dem Markt. Mal mehr, mal weniger gut. Ich konnte es mir dadurch auch nicht wirklich vorstellen, wie Claire North diesem Thema einen neuen Stempel aufdrücken möchte.

Der Plot ist dennoch außerordentlich interessant und zeugt von einer herausragenden Idee. Claire North schreibt sehr eingängig, legt aber dennoch ein sehr hohes und gut durchdachtes sprachliches Niveau vor. Ihre unterschiedlichen Themen sind sehr gut recherchiert und absolut jeder Satz sinnvoll dort platziert, wo er auch hingehört.
Leider springt sie recht oft zwischen den einzelnen Leben hin und her, was es einem in einem Hörbuch nicht gerade leicht macht, hier noch zu folgen. Darüber hinaus gibt es einige langatmige Stellen und man fragt sich in manchem Leben, warum Harry August so passiv wirkt. Sicher, er versucht das Problem seiner Wiedergeburten zu verstehen. Dennoch lässt er sich einige Leben zu viel vom Nichtstun treiben. Hier hätte die Autorin bestimmt etwas stringenter vorgehen können und eventuell die Thematik mit weniger Leben abhandeln können.
Wie bei vielen Zeitreise- oder Zeitschleifenromanen versucht man selbst gedanklich der Thematik haarklein zu folgen. Dabei entdeckt man sehr oft die berühmten Paradoxien, über die man geflissentlich philosophieren kann oder als gegeben hinnimmt. In diesem Buch stellt man sich diese Frage jedoch sehr oft, denn Harry August erfährt zum Beispiel, nicht gravierend einzugreifen in der Weltgeschichte. Ich glaube, eine Person, die immer wieder am exakt gleichen Tag mit dem gesamten Wissen auf die Welt kommt, würde doch nach einigen Leben doch das ein oder andere ausprobieren. Ist ja egal, man kommt ja wieder auf die erste Spur und hat lediglich eine Erfahrung mehr hinter sich.
Bei diesem Thema stellen sich somit sehr viele Fragen, was per se ja positiv für ein Buch ist. Aber wie gesagt: Etwas weniger wäre vielleicht mehr gewesen.
Natürlich bleibt die Geschichte trotzdem faszinierend – jedoch hätte ich mir persönlich etwas mehr Spannung und etwas weniger „durch die Leben springen“ gewünscht.
Sprachlich gibt es absolut gar nichts an der Autorin aus zu setzen: Sehr eingängig, philosophisch angehaucht und jeder Satz gut durchdacht und passend.
Das Ende war mir dann leider ein wenig zu schnell und zu konstruiert. Hier eröffnete sich erneut eine Vielzahl an Fragen, die schlussendlich leider nicht alle beantwortet worden sind.
Jürgen Seibold/02.08.2016
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David Bielmann: Freedom Bar

bielmann_Freedom© Riverfield Verlag, Basel
ISBN 978-3-9524523-4-9

COVER:

“Freedom Bar” entwirft eine modern-urbane Welt voller eigenwilliger und liebenswürdiger Alltagshelden, deren Wege und Sehnsüchte sich immer stärker kreuzen:

Der junge Bert Bucher sieht sich als künftiger Rockstar. Da kommt ihm der Tod seiner Großmutter gerade gelegen, so kann er in ihre leer stehende Wohnung in Freiburg ziehen und seine Karriere vorantreiben. Ein Vorhaben, das bald von der schönen Studentin Lana gestört wird.

Johann B. Grab ist Inhaber einer Buchhandlung und sehnt sich zurück in die Welt ohne Internet. Seine griechische Frau hingegen wünscht sich ein Kind, und der zeugungsunfähige Johann ist bereit, zu diesem Zweck einen Mann für sie zu suchen.

Henry Schweizer wohnt in seiner Bar, die er zu seinem persönlichen Sehnsuchtsort gemacht hat. Hier verwässern sich Sorgen im Rausch, abstruse Ideen reifen zu Taten heran und Verlierer werden zu Gewinnern.

REZENSION:

Normalerweise würde ich von einem Buch wie diesem die Finger lassen. Viel zu sehr bin ich in meinen Genre-Abgrenzungen unterwegs und lasse somit beim Schmökern lieber die Finger weg von Büchern, die keine Spannung zu garantieren scheinen.
Nun ist es jedoch so, dass ich bereits vor einigen Jahren etwas von David Bielmann gelesen habe und dabei von seiner Geschichte und dem darin befindlichen Witz sehr angetan war. Gleichzeitig überzeugte mich der Autor mit seinem schriftstellerischen Talent und eingängigen Schreibstil. Aus diesem Grund habe ich mich auch auf dieses Buch eingelassen – obwohl es doch absolut nichts interessantes zu beinhalten scheint. Geht es doch wohl lediglich um die persönlichen Erlebnisse einer Hand voll Protagonisten.
Tja, es geht tatsächlich nur um persönliche Erlebnisse einiger Personen. Diese Personen scheinen auf den ersten Blick auch nicht wirklich interessant zu sein: Ein Möchtegern-Rockstar, der viel zu oft seine Akkorde vergisst; ein Buchhändler, dessen Laden mehr schlecht als recht läuft und darüber hinaus zeugungsunfähig dem Kinderwunsch seiner geliebten Frau entgegensteht und der Inhaber der amerikanisch angehauchten “Freedom Bar” und seinem Traum der großen, weiten Welt, ohne jedoch den Schneid zu haben, den Fuß außerhalb Freiburgs zu setzen.
Klingt alles sehr langweilig: Keine Mörder, keine Psychopathen, kein Science Fiction, kein Horror.
Aber: David Bielmann schaffte es erneut mit seinem intensiven Stil das Leben dieser Personen außerordentlich interessant zu gestalten und ich war erstaunt, wie sehr mich dieses Werk von ihm gefesselt hat. Man taucht in sehr persönlich wirkende Leben unterschiedlicher Personen ein und lernt deren Gedanken und Intentionen bis ins Detail kennen. Ein sehr außergewöhnliches Werk voll Dramatik und Liebe zum Leben. Gleichzeitig eine unterschiedliche Darstellung auf der Suche nach dem täglichen Sinn.
Wahrlich ein absolut eingängiger, interessanter und doch spannend scheinender Geheimtipp, dessen Inhalt ohne jegliche Klischees auskommt und wohl gerade deshalb den Leser fesseln kann. Diesmal eben ohne Kriminalfall, Mörder und Ähnlichem – einfach eine rundum glaubwürdige Darstellung der Sehnsüchte, Träume und Erlebnisse verschiedener Charaktere, deren einziger gemeinsame Nenner das Wohnen unter einem Dach ist.
Dieses Werk kann definitiv nur empfohlen werden.
Jürgen Seibold/17.07.16
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Will Hofmann: Götter

hofmann_Goetter© 2016 b Will Hofmann
Fabulus Verlag
ISBN 978-3-944788-34-0
ca. 400 Seiten

COVER:

Mitten in Deutschland: Selbst ernannte Götter halten Menschen als Sklaven.

In Deutschland gibt es vier geheime Reservate, in denen, nach Geschlechtern getrennt, Männer und Frauen wie Sklaven gehalten und körperlich sowie sexuell durch sogenannte Götter ausgebeutet werden. Diese gebärden sich zu ihrem eigenen Vorteil als Herren über Leben und Tod und führen über ihre Untertanen ein strenges Regiment bis hin zur Todesstrafe. Diesem Terrorregime entfliehen unabhängig voneinander Agnes und Günter. Sie treffen sich zufällig in der Freiheit, tun sich zusammen und müssen das zivilisierte Leben von Grund auf neu lernen. Mithilfe von Freunden gelingt ihnen dieser Prozess erstaunlich schnell. Zugleich entsteht bei ihnen der Wunsch, die vermeintlichen Götter zu entmachten. Werden sie diesen Kampf erfolgreich bestehen?

REZENSION:

Bei Will Hofmanns Roman GÖTTER handelt es sich eine durchweg interessante Idee, die ihre Thematik natürlich ein wenig Plakativ darstellt, man sich aber trotzdem die ganze Zeit fragt, ob so etwas in unserem Umfeld prinzipiell möglich sein könnte. Gleichzeitig ist es eine schöne Parabel über die Abhängigkeiten, die in abgeschlossenen Sekten entstehen können.
GÖTTER handelt hauptsächlich von Agnes und Günter, die beide jeweils in einem von insgesamt vier geheimen Reservaten aufgewachsen und aufgezogen worden sind. Diese Reservate leben beinahe autark – lediglich besucht von ihren Göttern, die ab und an vorbeikommen, gebastelten Tand einsammeln und auch manchen Einwohner als etwas Besonderes auswählen und diesen mitnehmen. Einige Zeit wird die Bewohnerin oder der Bewohner wieder zurück gebracht – interessanterweise wächst dabei sehr oft etwas im Bauch der weiblichen Auserwählten heran. Kurz vorm Niedergang werden diese Frauen wieder geholt und einige Zeit ohne Bauch wieder zurückgebracht. Darüber hinaus gibt es etwas später einen kleinen neuen Mitbewohner, der von den Göttern gebracht wird.
Sehr schnell findet man heraus, dass es sich hierbei um eine moderne Sklaverei handelt und die Götter nichts weiter als Ausbeuter der Reservatsbewohner sind.
Unabhängig voneinander flüchten Agnes und Günter aus ihrem Reservat. Einige Zeit später treffen sie sich auch im relativ naheliegenden Wald und kommen sich näher.
Beim anfänglichen Überlebenskampf und dem Kennenlernen von ganz normalen Gegenständen oder gar Tieren macht die Geschichte am meisten Freude zum Lesen. Ein wenig fühlt man sich an vergangene Zeiten erinnert, als es in den 80ern ein kleiner Film zum Blockbuster gebracht hat: Die blaue Lagune. Mal davon abgesehen, dass dies gleichzeitig für viele Jugendliche beinahe ein Aufklärungsfilm war, erlebte man auch hier die Problematiken des Unbekannten. Der Vergleich hinkt natürlich gewaltig, nichts desto trotz gab es bei mir diesen kurzen Erinnerungsfetzen, da Agnes und Günter sehr ähnlich auch ihre ersten Gehversuche in Sachen Sex durchführen.
Die Idee der vier Reservate ist wirklich außerordentlich interessant. Die Geschichte eingängig erzählt und für ein Debüt wirklich nicht schlecht. Ein wenig störend waren die unterschiedlichen Zeitebenen, die man erst einmal verstehen musste – zum Glück fügte der Autor alles an der richtigen Stelle wieder zusammen.
Auf dem Weg zur Auflösung wirkte alles ein wenig konstruiert und schnell abgehandelt. Gleichzeitig aber mit historischen Aufklärungen, wieso es ein autarkes Gebiet in Deutschland gibt, einigermaßen plausibel dargestellt.
Alles in allem ein recht gelungener Roman, der mich sehr gut zu unterhalten wusste, dessen hektisches Ende jedoch noch etwas mehr Tiefe vertragen könnte.
Jürgen Seibold/31.03.2016
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Stephen King: Basar der bösen Träume

King_basarOrignaltitel: Bazaar of Bad Dreams
©2015 by Stephen King
©2016 der deutschsprachigen Ausgabe by Wilhelm Heyne Verlag, München
ISBN 978-3-641-16403-4
ca. 768 Seiten

COVER:

Abermals legt Stephen King, u. a. Träger des renommierten »O.-Henry-Preises«, eine umfassende und vielseitige Kurzgeschichtensammlung vor. Von den insgesamt 20 Storys wurden bislang erst drei auf Deutsch veröffentlicht. Die Originale erschienen teilweise in Zeitschriften; andere sind bislang gänzlich unveröffentlicht.

Nicht immer blanker Horror, aber immer psychologisch packend und manchmal schlicht schmerzhaft wie ein Schlag in die Magengrube – Geschichten, die uns einladen, Stephen Kings Meisterschaft im Erzählen aufs Neue beizuwohnen, oder, wie er selbst in seinem Basar der bösen Träume ausruft: »Hereinspaziert, ich habe die Geschichten eigens für Sie geschrieben. Aber seien Sie vorsichtig. Bestenfalls sind sie bissig und schnappen zu.«

REZENSION:

Im vorliegenden Band vereinen sich zwanzig Kurzgeschichten meines absoluten Lieblingsautors. In der Vergangenheit sah ich King jedoch nicht wirklich als Kurzgeschichtenerzähler, da mir seine ausschweifenden Romane nahezu durch die Bank erheblich mehr zusagten. Nun erneut ein Kurzgeschichtenband, in dem sich teils bereits veröffentlichte, teils neue Kurzgeschichten des Autors wiederfinden lassen. Die Geschichten selbst sind sehr unterschiedlich und somit kann ein Leser, dessen Meinung in Richtung Stephen King immer noch ausschließlich etwas von Horror sagt, hier nicht durchgehend zufrieden sein. Viel zu verschiedene Stimmungen und Genres baut King auf.
Nichts desto trotz schaffte er es erneut nicht umfassend, mich mit diesem Band zu überzeugen. Sicher: Einige Geschichten überzeugten mit jedem Wort – andere jedoch konnten mich in keinster Weise berühren.
Der Schreibstil Kings ist beileibe bei allen außerordentlich, aber trotzdem konnte der Funke nicht immer überspringen. Somit ein ganz netter Band für mich als 100%igen-King-Käufer-und-Leser, aber nun warte ich lieber auf den nächsten Roman.
Positiv sei zu erwähnen, dass Heyne in diesem Fall den Originaltitel einfach mal in das deutsche übersetzt hat und wohl weg ist vom unsäglichen “wir brauchen einen Titel mit nur einem Wort”. Endlich!
Negativ sei zu erwähnen, dass der namhafte Verlag aber ein wenig in der Übersetzung geschludert hat. Im Falle eines 2,99 € Buches eines aufstrebenden Selfpublishers schließe ich wohlwollend meine Augen und kann das akzeptieren – bei diesen doch recht hochpreisigen Büchern erwarte ich aber auch die notwendige Qualität. Hier muss definitiv darauf geachtet werden, insbesondere, da Verlage in der heutigen Zeit durch die aufkommende Konkurrenz immer das Argument bringen, dass bei ihnen eben eine andere Qualität dahinter steckt. Nun, dann möchte ich neben einigen Fehlern in Sätzen auch nicht so etwas offensichtliches lesen, wie “Rache” statt dem Namen “Rachel”. Das darf einfach nicht passieren.
Jürgen Seibold/04.02.2016
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Lena Greiner, Carola Padtberg-Kruse: Nenne drei Nadelbäume

nadelbaeume© Ullstein Buchverlage GmbH, Berlin 2015
ISBN 978-3-548-37562-5
ca. 220 Seiten

COVER:

Wenn Lothar Matthäus die Bibel übersetzt hat, waren Deutschlands Schüler mal wieder besonders kreativ.
Spiegel Online hat Lehrer dazu aufgerufen, die skurrilsten Stilblüten und Fehler aus Prüfungen, Klausuren und Unterrichtsstunden zu verraten und Hunderte von Einsendungen erhalten. Die besten davon sind in diesem Buch versammelt: Witzig, absurd und manchmal zum Verzweifeln – denn wer nichts weiß, kann alles raten.

Wie heißen die Nachkommen des Rehs?
Reh-Kids!

Das weibliche Sexualhormon?
Estragon.

Und der Autor von »Romeo und Julia«?
Philipp Reclam jun.

REZENSION:

Unterteilt in die verschiedenen Fächer beziehungsweise Themengebiete zeigen die Autorinnen eine Vielzahl an schrägen, kuriosen und witzigen Antworten unserer Bildungslandschaft. Sicher, das Werk zeigt nicht wirklich Problematiken im gesamten Bildungswesen auf – sind es doch nur Stilblüten, gesammelt auf Basis eines Aufrufs.
Nichts desto trotz sind manche Antworten wahrlich an den Haaren herbeigezogen oder zeugen von einer unwahrscheinlichen Kreativität der in diesem Augenblick unter Stress stehenden Schüler.
Manchmal fragt man sich natürlich schon, wie der ein oder andere Schüler wohl durch sein weiteres Leben kommen wird – andererseits erinnerte mich das Buch auch an Stilblüten aus meiner Schulzeit. Und oft genug hat es nichts mit grundsätzlichem Wissen zu tun, sondern schlicht und einfach um den lapidaren Umstand, wieder einmal nichts gelernt zu haben.
Die Autorinnen werfen erfreulicherweise nicht einfach nur dieses Sammelsurium vor des Lesers Augen, sondern bauten auch gelungene Einleitungen und viele Erklärungen mit ein. Dadurch wird dieses witzige Buch auch ein klein wenig tiefgehender und man ertappt sich ab und an beim Nachdenken, ob man denn selbst auf der richtigen Fährte gewesen wäre.
Ein sehr schöner Blick in die misslungenen Auswüchse des täglichen Schulstresses und dadurch eine gelungene, leichtgängige Literatur zum nebenbei Lesen.
Dabei fiel mir auch eine etwas umgedrehte Episode aus meinem Schülerleben ein:
Eines Tages waren meine Gedanken während einer Physik-Schulaufgabe nicht nur mangelhaft, sondern leer und somit war es kein Wunder, als ich diese Prüfung mit einer klaren 6 zurück bekommen hatte.
Komischerweise stand aber neben der Sechs ein Punkt, den ich wohl irgendwo in dieser Arbeit ergattert hatte. Gemeinsam mit meinem Sitznachbarn gingen wir jede Frage durch, fanden aber nirgendwo besagten Punkt – auch wenn dieser natürlich notentechnisch keine Rolle spiele, wollte ich doch wissen, woher denn dieser kam.
Ich fragte daraufhin meinen Lehrer und erhielt folgende Antwort: Den Punkt hast du auf deinen Namen bekommen, denn das war das einzige, was von dir fehlerfrei zu finden war. Chapeau!
Vielleicht kann man mit solchen Stilblüten eines Tages auch die Lehrertätigkeiten in einem ähnlichen Werk formulieren.
Jürgen seibold/27.10.2015
Nenne drei Nadelbäume: Tanne, Fichte, Oberkiefer: Die witzigsten Schülerantworten KAUFEN BEI AMAZON

Ken Grimwood: Replay – Das zweite Spiel

replayOriginaltitel: Replay
Deutsche Übersetzung von Norbert Stöbe
© 1986 by Ken Grimwood
© 2004 der deutschsprachigen Ausgabe by Wilhelm Heyne Verlag, München
eISBN 978-3-641-10549-5
ca. 411 Seiten

COVER:

Wie wäre es, wenn Sie noch einmal leben könnten? Und noch einmal? Und immer wieder …
Jeff Winston erleidet am 18. Oktober 1988 einen Herzanfall und stirbt. Doch er erwacht wieder zum Leben und befindet sich plötzlich im Schlafsaal seines alten Colleges. Es ist der 6. Mai 1963. Langsam begreift er, dass er sein Leben ein zweites Mal leben kann und er die einmalige Chance hat, diesmal alles besser zu machen. Durch geschickt platzierte Wetten und den Kauf von Aktien erlangt er ein Millionenvermögen. Aber seine Versuche, sein Schicksal und das der ganzen Welt positiv zu beeinflussen schlagen fehl. Auch die Liebe zu Pamela, einer anderen “Wiederkehrerin”, befreit ihn nicht aus dem Albtraum, aus dem es kein Entrinnen zu geben scheint: Denn das Sterben und Wiedererwachen nimmt für Jeff kein Ende …

REZENSION:

Replay – Das zweite Spiel von Ken Grimwood handelt von Jeff Winston, der nach seinem Herzanfall plötzlich wieder erwacht und sich in seiner eigenen Vergangenheit – 25 Jahre vorher – befindet. Das interessante dabei: Er verliert dabei nicht sein Wissen und kann somit sein Leben nicht nur erneut leben sondern auch dabei alles besser machen.
Wie es wohl jeder von uns tun würde, sorgt er erst einmal für ein finanziell ausgesorgtes Leben – es ist ja auch ein leichtes, durch die Kenntnisse der Zukunft zu Reichtum zu kommen.
Fünfundzwanzig Jahre später stirbt er erneut an einem Herzanfall, um sich abermals – nun mit dem Wissen zweier Leben – zurückversetzt zu finden.
Ken Grimwoods Geschichte erinnert hierbei sehr an den berühmten Film vom Murmeltier – das Buch ist jedoch schon vorher entstanden und stand mit Sicherheit als Ideengeber für diesen und manch anderen Film Pate.
In der Science-Fiction angesiedelt, denkt man sogleich an spannungsgeladene Zeitreisethematiken mit tiefgründigen Erklärungen unterschiedlicher Dimensionen. Grimwood lässt dabei jedoch geschickt die Finger weg und legt vielmehr ein sehr philosophisches Werk vor, in dessen Inhalt es über die verschiedenen Möglichkeiten des eigenen Lebens geht. Er zeigt uns seinen Protagonisten als wiederkehrenden und darüber Bescheid wissenden Akteur, der durch diese Begebenheiten nicht nur Erfahrungen sammelt, sondern auch seine Liebe findet.
Wer somit einfach einen Thriller sucht, wird mit diesem Buch definitiv nicht bedient. Lässt man sich aber auf die reine Erzählung ein und desselben Lebens unter verschiedenen Gesichtspunkten und verschiedenen Tätigkeitssträngen ein, dann entdeckt man in diesem Buch eine wahre Perle der Literatur.
Hierin geht es hauptsächlich um die Betrachtung des oft diskutierten Sinns des Lebens und gibt uns als Leser eine ganze Handvoll an verschiedensten Denkanstößen mit auf den Weg.
Wahrlich eine gelungene Abhandlung des Lebens voll Tiefgang, dem man sich trotz fehlender Spannung nahezu nicht entziehen kann.
Jürgen Seibold/03.09.2015
Replay – Das zweite Spiel: Roman KAUFEN BEI AMAZON

Lance Rubin: Bin mal kurz tot

rubin_malkurztotOriginaltitel: Denton Little’s Deathdate
Übersetzung aus dem amerikanischen Englisch von Frauke Meier
ISBN 978-3-492-96829-4
© Lance Rubin 2015
Deutschsprachige Ausgabe:
© ivi, ein Imprint der Piper Verlag GmbH, München/Berlin 2015
ca. 352 Seiten

COVER:

Nimm dir für morgen nicht zu viel vor. Immerhin wirst du sterben.

Wie alle anderen auch kennt der 17-jährige Denton seinen genauen Todestag. In der Zeit davor, der Todeswoche, tun die Menschen traditionell alles, was sie schon immer tun wollten. Am Tag vor seinem Tod erwacht Denton aber im Bett eines Mädchens, das definitiv nicht seine Freundin ist, die ihn irgendwie letzte Nacht verlassen haben muss. Das kann er kurz vor seiner Beerdigungszeremonie am Nachmittag eigentlich nicht gebrauchen. Auf welche Weise Denton den Tod finden wird, das weiß er noch nicht. Ein mysteriöser Fleck auf seiner Haut gibt jedoch einen ersten Hinweis. Doch dann taucht ein merkwürdiger Fremder auf seiner Beerdigung auf und erzählt allerhand Dinge, die Dentons bevorstehendes Ableben in ein ganz neues Licht rücken. Etwas stimmt hier nicht. Doch kann er noch herausfinden, was?

REZENSION:

Wir befinden uns in einer nicht allzu fernen Welt, in der die Menschen durch frühzeitig durchgeführte Tests exakt ihr Todesdatum kennen. Demzufolge werden auch die Beerdigungszeremonien rechtzeitig geplant: Es gibt eine Verabschiedungszeremonie am Vortag, sowie eine gemeinsame Beisitzung am Todestag, um sozusagen zusammen mit seinen Liebsten auf das finale Ereignis zu warten.
Dies allein ist schon eine sehr interessante Idee – Lance Rubin verpackt sie in einem Buch, welches eher in Richtung Jugendbuch tendiert und dort meines Wissens auch perfekt platziert werden kann.
Die Sprache ist einfach und Denton selbst ist gerade mal 17 Jahre alt. Somit sind wir als Leser sehr schnell mit den üblichen Problemen eines pubertierenden Protagonisten konfrontiert, der zuerst versucht, einfach seine letzten Tage allumfassend zu geniessen.
Man befindet sich sehr schnell innerhalb der letzten 48 Stunden vor Dentons Tod und unverzüglich stellt man sich die Frage, womit der Autor eigentlich noch aufwarten möchte – Denton ist doch bald Geschichte.
Lance Rubin schafft es aber scheinbar problemlos seinen Leser zu behalten – man möchte einfach wissen, wie es mit Denton weitergeht und ganz besonders: Auf welchem Wege wird er das Zeitliche segnen?
Wie gesagt ist “Bin mal kurz tot” eher ein Jugendbuch, deshalb sollte man als Leser der älteren Generation darauf auch Rücksicht nehmen. Wenn man sich aber darauf einlässt, macht dieses Buch irgendwie richtig viel Spaß. Denton und seine Freunde quälen sich mit den üblichen Jugendproblemen rum und der erste Sex sollte ja auch noch erledigt werden. Diese Erfahrung muss unbedingt noch gemacht werden…
Lange verfolgt man somit Denton auf seinem Weg zum letzten Stündlein – rechtzeitig genug wird einem aber klar, dass sich hier noch etwas Besonderes auftut, denn die Uhr am Todestag tickt mehr und mehr und gleichzeitig wächst ein roter Fleck unaufhaltsam über Dentons Körper.
Was hat es denn mit diesem auf sich? Und warum haben den auch plötzlich die nahen Freunde Dentons? Überhaupt: Welche Rolle spielen Erektions-Spam-Mails und Dinosaurier?
Alles in allem ein sehr unterhaltsames Werk, welches sicherlich Jugendliche durchweg begeistern kann – darüber hinaus selbstverständlich auch den Junggebliebenen.
Jürgen Seibold/17.07.2015

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Jasper Fforde: Der Fall Jane Eyre (Thursday Next 1)

Fforde_EyreKönnen Sie sich eine Welt vorstellen, in der Literatur so wichtig genommen wird, dass es eine Spezialpolizei gibt, um sie vor Fälschern zu schützen? Als Geheimagentin Thursday Next ihre neue Stelle in Swindon antritt, ahnt sie schon, daß ihr die größte Herausforderung ihrer Karriere bevorsteht: Niemand anderes als der Erzschurke Acheron Hades hat Jane Eyre aus dem berühmten Roman von Charlotte Brontë entführt, um Lösegeld zu erpressen. Eine Katastrophe für England, das mit dem seit 130 Jahren tobenden Krimkrieg schon genug Sorgen hat.

Aber Thursday Next ist eine Superagentin: clever und unerschrocken. Und wenn sie wirklich mal in die Klemme gerät, kommt aus dem Nichts ihr von den Chronoguards desertierter, ziemlich anarchistischer Vater, um für ein paar Minuten die Zeit anzuhalten…

>> Diese ungekürzte Hörbuch-Fassung wird Ihnen exklusiv von Audible präsentiert und ist ausschließlich im Download erhältlich.

©2011 Deutscher Taschenbuch Verlag GmbH & Co. KG. Übersetzung von Lorenz Stern (P)2014 Audible GmbH

Rezension:

Beim Genuss des ersten Bandes um die Superagentin Thursday Next blieb ich ziemlich zwiespältig zurück.
Als Erstes sei gesagt, dass die Umsetzung als Hörbuch der Sprecherin sehr gut gelungen ist und somit ihre Stimme und die jeweilige Betonung in meinen Ohren sehr positiv klang.
Die Geschichte selbst lässt jedoch den oben genannten Zwiespalt aufkommen: Zum Einen halte ich die Idee um die Literaturagenten als außerordentlich interessant – jedoch wurde ich mit der Umsetzung nicht ganz warm. Sicher ist die Geschichte vollgepackt mit einer unendlichen Vielzahl an witzigen Elementen und Verweisen in die Welt der Literatur. Andererseits benötigt man sehr detaillierte Kenntnisse der klassischen Literatur, um dies auch genießen zu können. Hinzu kommt, dass ich gerne noch ein klein wenig mehr Spannung auf der Jagd nach Acheron Hades erwartet hatte – diese aber leider nicht wirklich aufkommen wollte.
Jasper Fforde spielt durchweg mit seinem Ideenreichtum, der absolut einzigartig ist und somit kommen erfreulicherweise wirklich die abstrusesten Thematiken ums Eck. Nichts desto trotz konnte es mich trotzdem nicht rundweg überzeugen.
Jasper Ffordes Schreibstil ist eingängig – jedoch dachte ich, als belesener Mensch komme ich etwas öfter zum Schmunzeln. Nachdem die meisten seiner Literaturverbindungen jedoch aus Genregefilden kommen, die ich nicht wirklich lese, fehlt mir einiges, um dies verarbeiten zu können. Sollte man jedoch Literatur studieren, sind die Fälle um Thursday Next wohl absolute Höhepunkte.
Alles in allem kommt es also sehr auf den jeweiligen Background an, ob man mit dieser gut geschriebenen und hintergründigen Geschichte etwas anfangen zu können. Bei mir hat es leider nicht funktioniert.
Jürgen Seibold/19.04.2015
Der Fall Jane Eyre (Thursday Next 1) – Hörbuch KAUFEN BEI AMAZON

Anna Mocikat: MUC

81GA-d+Fa9L._SL1500_Originalausgabe Dezember 2014
© 2014 Knaur Taschenbuch
ISBN: 978-3-426-51540-2

Beschreibung:

München, 2120: Hundert Jahre nach dem großen Sterben, dem beinahe die gesamte Menschheit zum Opfer fiel, ist von dem Wohlstand der Stadt wenig übrig. Zerstörte Häuser, Müll und Dreck in den Straßen und Skelette in der U-Bahn, so präsentiert sich MUC, wie die Stadt mittlerweile heißt, der Kletterkünstlerin Pia.
Pia ist auf der Suche – nach ihrem Bruder, der vor Jahren verschollen ist, und nach Antworten. Denn das große Sterben haben nur Rothaarige überlebt, ihre Haare jedoch sind pechschwarz. Aber MUC ist kein Ort des Wissens und der Freiheit mehr, sondern eine ­gnadenlose Diktatur. Pia muss sich entscheiden, ob
sie auf der Seite der Unterdrücker oder der Unterdrückten stehen will.

Rezension:

Endzeitromane sieht momentan scheinbar sehr in, da sie wie Pilze aus dem Boden sprießen. Die meisten davon handeln von Zombies und spielen hauptsächlich weit weg – gerne in den Staaten. Nun hat sich Anna Mocikat in ihrem Debutroman ebenfalls einer Dystopie angenommen und möchte in diesem Genre ein Wörtchen mitreden.
Im Gegensatz zu anderen Werken dieses Genre bleibt sie jedoch in heimischen Gefilden und baut ihre Dystopie einfach in der bayerischen Hauptstadt auf. Allein dadurch entstand bei mir ein sehr hohes Interesse, diesen Roman zu lesen – bin ich doch selbst aus dieser Gegend, womit man den sonst vorherrschenden Abstand zum Buchinhalt abbauen kann.
Der Erzählstil Anna Mocikats ist sehr einfach gehalten. Durch diesen Umstand lässt sich das Buch sehr fließend lesen und ich könnte mir sehr gut vorstellen, dass es damit auch eine Brücke schlagen kann zwischen einem Jugendbuch und einem immer noch interessant wirkenden Buch für die etwas ältere Klientel.
Hauptsächlich lebt das Buch von der Reise Pias aus den Bergen in das sagenumwobene MUC –hier macht das Buch wirklich sehr viel Spaß und dort entsteht auch ein wenig Spannung, als Pia sich zuerst Wölfen stellen muss, um dann in einem Städtchen brutalen Hinterwäldlern gegenüber zu stehen.
Die Beschreibung der Reise lässt ansässige sehr gut den Weg erkennen, auch wenn die Autorin beschreibend tätig ist und nicht die Namen nennt. Ist natürlich klar, dass Pia den Namen des Sees mit den zwei Inseln nicht mehr kennen kann – sind ja seit dem großen Sterben mittlerweile 100 Jahre vergangen und sie ist in einem kleinen Dorf in den Bergen aufgewachsen.
MUC selbst trennt sich in drei Bereiche: Die Einwohner des Untergrunds, die Einwohner der Stadt und die regierenden in der Hochstadt.
Pia selbst ist leider ein wenig zu naiv in ihrer Vorgehensweise und die Spannung verliert sich etwas. Das Buch lebt durchweg von der bekannten Umgebung – was mich auch dazu bewogen hat, weiter dran zu bleiben.
So nach und nach entstand dann jedoch eine Liebesgeschichte, die in meinen Augen nicht unbedingt hätte sein müssen – insbesondere, da Pia sich auch dort sehr naiv verhält. Zum Ende hin bleiben leider einige Fragen offen. Ganz besonders die Auflösung der Handlung einer Person, die sich zwiespältig verhalten hat, zum Ende hin aber plötzlich einfach verschwunden ist. Hier beginnt man zu überlegen, was er vorhat – leider ist er dann einfach nicht mehr da…
Alles in allem ist MUC aber ein ganz gutes Debüt und insbesondere die frische Idee, eine Dystopie einfach mal in unsere Gefilde zu legen, ist gelungen.
Etwas mehr Spannungsspitzen hätten der Geschichte nicht geschadet – trotzdem ein ganz guter Roman, der es schafft den Leser einfach einigermaßen gut zu unterhalten.
Jürgen Seibold/29.01.2015
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Andreas Hock: Like mich am Arsch

Hock_Likemich© 2013 by riva Verlag, ein Imprint der Münchner Verlagsgruppe GmbH
www.riva-verlag.de
ISBN Print: 978-3-86883-330-0
ca. 198 Seiten

COVER:

Seit der Erfindung des Taschenrechners haben wir unser Gehirn immer weiter entmündigt. Heute überlassen wir unser ganzes Leben dem digitalen Fortschritt. Wir bezahlen mit dem Smartphone, kaufen uns virtuelle Freunde bei facebook, bejubeln talentfreie Nichtskönner auf Youtube und folgen mitteilungsbedürftigen Idioten auf Twitter. Doch je mehr Informationen wir ins unendliche Daten-Universum blasen, desto dümmer werden wir dabei. Und umso gefährlicher wird es für uns alle!

– Wie wir trotz 100 Freunden und mehr immer weiter vereinsamen
– Wie die Meinungsmafia unsere Digitalhörigkeit ausnutzt
– Wie das Handy vom Telefon zum Kommunikationskiller wurde
– Wie Facebook uns zu virtuellen Junkies erzieht
– Wie unser Beziehungs- und Sozialverhalten den Bach runtergeht

Andreas Hocks Blick auf die Digitalisierung unserer Gesellschaft ist witzig, erschreckend, bitterböse. Und garantiert analog!

REZENSION:

Als das Buch von Andreas Hock seinen Weg zu mir fand, war ich bereits ob des sehr direkten Titels angetan und man erkennt bereits ohne Lesen des etwas detaillierteren Untertitels, wohin der Weg innerhalb des orangen Einbandes gehen wird.
Nun bin ich selbst ein Nutzer eines Smartphones, spiele gerne Computerspiele und treibe mich auch in allen möglichen sozialen Netzwerken herum.
Gleichzeitig bin ich aber auch ein Kind, geboren in einer Zeit, in der man noch erleben durfte, wie das Leben so gänzlich ohne jeglichen dieses Schnickschnacks vonstatten gehen kann.
Nach meiner Meinung ist es immer der Nutzungsgrad, der darüber entscheidet, ob wir vereinsamen und verblöden oder noch einigermaßen „normal“ aus dieser Misere kommen können.
Interessanterweise war ich vor kurzem Zeuge eines Treffens von zwei Pärchen, die in einer Gaststätte absolut nichts anderes zu tun hatten, als jeder für sich mehrere Stunden lang in seine jeweiliges Gerät zu schauen – wir am Nebentisch hatten uns doch tatsächlich in der gleichen Zeit problemlos unterhalten – ohne Gesrpächsführung mit unseren Freunden aus der digitalen Welt.
Andreas Hock scheint in einer ähnlichen Zeit aufgewachsen zu sein – dementsprechend oft schwenkt er beinahe nachtrauernd in diese „digital-freie“ Zeit und hält damit seinen Lesern einen kleinen Spiegel vor.
Sein gesamtes Werk ist sehr ironisch geschrieben und er gibt auch zu, dass er keineswegs ein totalitärer Feind des digitalen ist, sondern versucht, diese Welt gezielt für sich zu beanspruchen.
Seine Gags, mit Bezug zur Vergangenheit werden bei manchem jüngeren Leser nicht immer ankommen – bei einem Leser meines Alters zaubert er ein Grinsen in das Gesicht.
Trotz seiner humorvollen Art schafft es Andreas Hock immer wieder ein wenig zu überraschen und streut geschickt Ergebnisse von Studien oder Nachrichtenmeldungen ein, die sein Thema extrem plastisch machen.
Mir persönlich waren die Inhalte durchweg klar – nichts desto trotz könnte dieses Buch dem ein oder anderen ein klein wenig das Auge öffnen und dafür sorgen, dass derjenige nicht bis in das kleinste Detail sein Leben in irgendeiner sozialen Digitalplattform ausbreitet. Insbesondere durch seine eingängige Erzählweise dürfte das Buch auch kein Problem für weniger versierte Menschen darstellen – dadurch ist sichergestellt, dass eine Wissensvermittlung dieser Art nicht nur durch ein schwer zu lesendes und knochentrockenes Sachbuch möglich ist, sondern auch durch Humor und plastischer Darstellung auch Themen vermittelt werden können.
Nun ja, ich werde trotzdem nicht den Weg des totalen Widerstandes gehen und wohl diese Rezension auch „posten“…
Aber: Es bestimmt immer die Dosis, ob eine Sucht die Chance zum Ausbreiten bekommt…
Jürgen Seibold/07.01.2014

 
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Nadia Budde: Großstadttiere

Budde_Grossstadttiere

COVER:

Ob Füchse oder Raben, Wildschweine oder Eichhörnchen, ob Affen oder Alligatoren: Die Tiere ziehen in die Stadt.
Mit Sachkenntnis, genialem Strich und warmem Humor führt uns Nadia Budde die schrulligen Eigenheiten der Tiere vor Augen und macht uns so mit unseren neuen Nachbarn bekannt.
Ein ganz besonderes Buch für die ganze Familie.

REZENSION:

Was kreucht und fleucht nicht alles in Großstädten?
Gemeint sind nicht die Politiker und Bänker, Kriminelle, nicht das Wirtschaftsrisiko Kinder und die daraus werdenden Jugendlichen, nicht die Studenten, die Gebildeten und Ungebildeten (die zweifelsohne in der Mehrzahl vertreten sind), nicht die, die ganz oben gelandet sind (abgesehen von den Planern und Erbauern des BER-Flughafens, auf dem wohl nie jemand landen wird), und denen, die ganz unten angekommen sind, nicht die Migranten, Asylbewerber, HARTZ IV Bezieher, nicht die Szeneleute, auch nicht die Künstler, und nicht die normale Bevölkerung …
Oh nein, Großstädte haben auch echte Schweine und richtige Ratten zu bieten! Ganz abgesehen von den Waschbären, Spatzen, Regenwürmern, Enten, Eichhörnchen, Möwen, Pfauen, Hunden, Tauben, Mardern, Elstern und Krähen, Schaben, Alligatoren, Fledermäusen, Wölfen, Staren, Füchsen, Schwänen, Raben, Affen und Mauereidechsen …

Natur war gestern – heute zieht es die Tiere weg vom Land, weg von den Pestiziden auf den Feldern, weg vom genmanipulierten Anbau, weg von den Hobbyjägern in den Wäldern, weg von kultivierter Bepflanzung und weg von begradigten Flussläufen.

Wer in einer sterilen Umgebung leben möchte, der braucht nur dorthin zu gehen, wo Architekten ach so moderne und ach wie hässliche Stahl-, Beton- und Glasbauten errichte(te)n. Nur dort erspart man sich garantiert den Lärm zirpender Grillen oder quakender Frösche. Autohupen kann auch melodisch sein … Anstatt im Morast steht man dann gelegentlich in einem vom Halter nicht entfernten Hundehaufen. Und ob man den Müll aus industrialisierter Produktion vertilgt oder ihn aus den Tonnen sammelt, wo er ohnehin hingehört, spielt dann auch keine erhebliche Rolle mehr …

„Großstadttiere“ von Nadia Budde ist ein mit liebevollem Sarkasmus und hämischen Texten bebildertes Buch, welches im Verlagshaus Jacoby & Stuart unter der ISBN 978-3-941087-85-9 erschien.

Es wird unter dem Genre Kinder- und Jugendbuch geführt.

Nicht allzu zimperliche Eltern werden kein Problem damit haben, es ihren Kleinen vorzulesen. Wer allerdings einen allzu zart besaiteten Nachwuchs hat, den er so lange wir möglich in einer heilen Märchenwelt aufwachsen lassen möchte, sollte besser die Finger von diesem Buch lassen.

Für Erwachsene ist „Großstadttiere“ uneingeschränkt empfehlenswert!

Miriam Stephanie Reese
(Januar 2014)

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Michael E. Vieten: Unheimliche Begegnungen – Aus der Zwischenwelt

vieten_zwischenweltISBN 978-3-00-040584-6
© 03/04/2013 Michael E. Vieten
www.mvieten.de

COVER:

Nachdem Theresa Kling verstorben ist, verliert ihr Mann Josef all seinen Lebensmut. Bis sie ihm eines Abends wieder auf ihrem Sessel in der Stube erscheint. Fortan begegnet Josef fremden Menschen, die ihm von ihren unheimlichen Begegnungen erzählen. Abends berichtet er davon seiner Theresa, die ihm interessiert zuhört.
Wieso begegnen Josef diese Menschen erst jetzt, wo er ein alter Mann ist? Hat Theresa etwas damit zu tun? Kennt sie all diese armen Seelen aus dem Jenseits, und führt sie die Menschen, die ihnen im Diesseits begegnet sind, zu ihm?
Josef verspottet die Fremden nicht, sondern hört ihnen aufmerksam zu und behandelt sie mit Respekt. Dann beginnt er damit, diese Geschichten aufzuschreiben.

REZENSION:

Abermals erreichte mich durch Zufall ein Kurzgeschichtenband und erneut war ich ein wenig zwiespältig, da ich Kurzgeschichten gegenüber etwas zwiespältig aufgestellt bin.
Unheimliche Begegnungen – Aus der Zwischenwelt ist jedoch nicht wirklich ein Kurzgeschichtenband der üblichen Sorte. Es handelt sich in meinen Augen vielmehr um einen Roman, der durchwoben von Kurzgeschichten ist. Dies klingt ein wenig irritierend, jedoch hat der Autor es auf geschickte Art und Weise geschafft, seine 10 in diesem Buch vorhandenen Geschichten miteinander zu verbinden.
Wir folgen somit Josef Kling, dessen verstorbene Frau dafür sorgt, dass sich andere Menschen ihm gegenüber problemlos öffnen. Sie erzählen ihm eigene Erlebnisse, die allesamt mit Begegnungen der besonderen Art zu tun haben. Diese Erzählungen sind somit als Kurzgeschichten zu betrachten und lassen mit Sicherheit keinen Leser unbeeindruckt zurück.
Wir treffen in diesem Buch auf sehr tiefgehende und berührende Geschichten, die absolut frei von reißerischen Elementen sind. Die Geschichten sind vielmehr sehr ruhig erzählt und man wird durchweg das Gefühl nicht los, das diese Erlebnisse der Realität entsprechen könnten.
Üblicherweise hat man mit Romanen oder Geschichten voll mit Geistern, Hexen und ähnlichem kein Problem – man weiß ja, dass es sich dabei um erfundenes handelt. Michael E. Vieten hat es aber problemlos geschafft, die oben erwähnte Glaubwürdigkeit dermaßen eingehend und nachvollziehbar zu erzählen, dass mir als Leser etwas sehr seltenes geschehen ist: Ich bekam bei nahezu jeder Geschichte eine Gänsehaut.
Ich möchte hier auch keineswegs eine Geschichte hervorheben, da dieses Buch eine sehr hochwertige und durchgehende Linie aufweist, die absolut keinen einzigen Negativpunkt aufweisen kann.
Ich bin sehr froh, dass dieses Buch den Weg zu mir fand und kann es wirklich jedem nur noch uneingeschränkt empfehlen. Ich denke nicht, dass jemand dermaßen abgebrüht sein kann, hiervon nicht auch berührt zu werden. Darüber hinaus öffnet es ein klein wenig die eigene Gedankenwelt und somit hoffentlich auch die ein oder andere Sicht auf Besonderheiten des Lebens. Ebenso könnte ich es mir als ein sehr hilfreiches Werk vorstellen, wenn man selbst schon manch Schicksalsschlag erleben musste.
Jürgen Seibold/07.11.2013

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Terry Pratchett: Dunkle Halunken

Pratchett_HalunkenOriginaltitel: Dodger
Aus dem Englischen von Andreas Brandhorst
ISBN 978-3-492-70301-7
© 2012, Terry and Lyn Pratchett
© ivi, ein Imprint der Piper Verlag GmbH, München 2013
ca. 380 Seiten / € 19,99 (HC)

COVER:

Dodger ist ein Straßenjunge – doch nicht irgendeiner. Während eines Überfalls in den nächtlichen Gassen Londons rettet er einer Unbekannten das Leben, der betörend schönen Simplicity. Fortan setzt er alles daran, mehr über die Tat und die Herkunft der jungen Frau herauszufinden.
Auf der Suche nach den Tätern bringt Dodger ganz nebenbei einen mörderischen Barbier namens Sweeney Todd zur Strecke und wird dadurch für ganz London zum Helden. Dies jedoch ruft einen geheimnisvollen Attentäter auf den Plan wie die Halunken, die Simplicity nach dem Leben trachten und ihren jungen Beschützer lieber früher als später tot sehen wollen …

Rezension:

Als mich dieses Buch erreichte, sorgte bereits ein Blick auf den Autorennamen für Entzücken – endlich mal was von der Scheibenwelt…
Dummerweise stellte sich beim näheren Betrachten des neuen Werkes von Terry Pratchett recht schnell heraus, dass DUNKLE HALUNKEN absolut gar nichts mit der sagenhaften Scheibenwelt zu tun hat – Pratchett entführt uns Leser mitten in das London der viktorianischen Zeit und lässt diese Stadt mit all ihrem Dreck, der hoffnungslosen Armut vieler Einwohner und dem Gestank der Kanalisation vor unseren Augen entstehen.
Anfangs benötigte ich einige wenige Seiten um voll in diese Geschichte einzutauchen – kurz danach hatte sie mich und es entstand eine virtuos und mit einer sprachlichen Leidenschaft erstellte Geschichte mit einem sehr sympathischen Helden, der üblicherweise sein tägliches Brot auf der Suche nach Münzen und manch anderen Schätzen in der dunklen Kanalisation Londons verdient.
Dieser Junge mit Namen Dodger rettet dabei beinahe nebenbei ein hübsches Mädchen und sorgt im weiteren Verlauf der Geschichte, detaillierter Informationen über die Halunken des feigen Anschlags heraus zu bekommen. Zur Seite steht ihm dabei manch bekannte reale Person der damaligen Zeit – insbesondere Charles Dickens steht ihm immer wieder hilfreich zur Seite und sorgt in seiner Funktion als Journalist für das Entstehen des Helden Dodger.
Dodger wiederum sorgt dafür, dass der berühmt berüchtigte Sweeney Todd gefasst wird und taucht nach und nach in gehobenere Stände der Einwohner Londons ab.
Terry Pratchett ist sehr geschickt in seiner Sprache und lässt nicht nur die damalige Zeit Londons problemlos vor einem auferstehen, sondern sorgt auch noch für dezent eingeworfenen Witz für genügend Schmunzler beim Leser. Sein Held ist absolut sympathisch und wird mit Sicherheit bei jedem Leser ungebremst ins Herz rasen und sich dort eine gemütliche Ecke suchen.
DUNKLE HALUNKEN ist eine wahrhaft gelungene Geschichte, zu der man einfach nur sagen kann: Eine sehr schöne und fabelhafte Geschichte, bei der es nichts einzuwenden gibt.
Jürgen Seibold/03.10.2013

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