McGuire, Seanan: Der Atem einer anderen Welt

Originaltitel: Every Heart a Doorway
Aus dem amerikanischen Englisch von Ilse Layer
Fischer Tor 02/2019
©2016-2018 Seanan McGuire
Für die deutschsprachige Ausgabe: ©2018 S. Fischer Verlag GmbH, Frankfurt a.M.
ISBN 978-3-596-29884-6
ca. 462 Seiten

COVER:

Kinder und Jugendliche sind zu allen Zeiten in Kaninchenlöcher gefallen, durch alte Kleiderschränke ins Zauberland vorgestoßen oder mit einer Dampflok in magische Welten gereist.
Aber… was geschieht eigentlich mit denen, die zurückkommen?
Mit Nancy, die die Hallen der Toten besucht hat und den Rest ihres Lebens am liebsten still wie eine Statue verbringen würde.
Und mit Christopher, dem Jungen mit der Knochenflöte, der die Toten für sich tanzen lassen kann.
Mit Sumi, die das Chaos braucht wie die Luft zum Atmen, weil sie aus einer Unsinnswelt kommt, oder mit Jack & Jill, die mit Vampiren und Wissenschaftlern unter einem blutig-roten Mond aufgewachsen sind.
Als sie sich in „Eleanor Wests Haus für Kinder auf Abwegen“ treffen, ahnen sie nicht, dass ihnen ihr größtes Abenteuer noch bevorsteht…

REZENSION:

Es gibt eine unglaubliche Vielzahl an Geschichten, in denen Kinder durch Türen schreiten und dabei andere Welten entdecken. Wenn ich mich nicht ganz täusche, ist Alice im Wunderland einer der ganz alten Klassiker. Die folgende Zeit ließ dabei aber keineswegs nach und somit wurden wir mit fantastischen Geschichten beglückt, die dieses Thema aufgriffen und neu erzählten.
Seanan McGuire geht mit ihrem fantastischen Werk „Der Atem einer anderen Welt“ auf diese verschiedenen Welten ein. Sie versucht dabei jedoch keineswegs eine neue Welt zu erschaffen und ein weiteres Kapitel in diesem Genre aufzuschlagen – nein, sie widmet sich den Kindern, die aus diesen Welten zurückgekommen sind.
Der Besuch anderer Welten führt oft zu einem parallelen Leben. Die Zeit scheint voranzuschreiten, bei einer Rückkehr ist aber nur ein Teil davon vergangen. Je nach Ziel verändern sich die Kinder. Die einen waren in Zuckerwelten, Nancy zum Beispiel in der Welt der Toten. Das Internat von Eleanor nimmt sich diesen von ihren Eltern nicht verstandenen Kindern an und hilft ihnen, einigermaßen in der „normalen“ Welt klar zu kommen. Dies führt selbstverständlich zu diversen Komplikationen – insbesondere, da nahezu jedes Kind gerne wieder in die besuchte Welt abtauchen möchte, nur momentan den Zugang nicht zu finden in der Lage ist.
McGuires „Der Atem einer anderen Welt“ ist ein Episodenroman mit drei Geschichten, die locker zusammen hängen. Ihr Schreibstil und besonders ihre fantastische Idee sprechen für sich und lassen nicht wirklich viel missen.
Dennoch konnte mich das Werk nicht rundum überzeugen. Dies ist aber wohl dem Umstand geschuldet, dass meine eigene Erwartung in eine andere Richtung abgedriftet ist und mehr Verknüpfungen zu bekannten literarischen Klassikern gewünscht hätte.
Darüber hinaus gehöre ich mit meinem Literaturgeschmack sicher nicht mehr zur eigentlichen Zielgruppe für einen Wohlfühlroman dieser Art. Somit bin ich mir absolut sicher, dass dieser prinzipiell grandios geschriebene Roman einer nicht gerade geringen Anzahl an Lesern gefallen wird.
Jürgen Seibold/20.08.2019

Fforde, Jasper: Eiswelt

Originaltitel: Early Riser
Aus dem Englischen von Kirsten Borchardt
Deutsche Erstausgabe 12/2018
©2018 by Jasper Fforde
Für die deutschsprachige Ausgabe: ©2018 Wilhelm Heyne Verlag, München
ISBN 978-3-453-31969-1
ca. 654 Seiten

COVER:

Die Eiswelt ist unserer zum Verwechseln ähnlich – nur dass hier die Eiszeit niemals aufgehört hat. Deshalb hat die Menschheit die Fähigkeit entwickelt, Winterschlaf zu halten, um jedes Jahr die schlimmsten drei Monate zu überstehen. Temperaturen von minus vierzig, minus fünfzig Grad, schneidender Wind und Tiere, die in der Dunkelheit Jagd machen auf alles, was sich bewegt – das sind nur einige der Gefahren, die im Winter draußen lauern. Um zu überleben, ziehen sich die Menschen in große Dormitorien genannte Schlaftürme zurück. Einzig die Winterkonsuln bleiben wach und beschützen die Schlafenden. Der junge Charlie Worthing ist einer dieser Winterkonsuln. Er hat dieses harte Los zwar gewählt, aber auf das, was er gleich in seinem ersten Winter erlebt, hat ihn niemand und nichts vorbereitet. Denn seltsame Träume gehen um, Träume, die schlafende Menschen in seelenlose Untote verwandeln. Und es ist bei allen derselbe Traum. Zunächst hält Charlie das für eine der typischen Wintergeschichten – bis er selbst anfängt, diesen Traum zu träumen. Doch Charlie ist aus härterem Holz geschnitzt, als er ahnt …

REZENSION:

Jasper Fforde ist ein Garant für außerordentlich interessante Ideen. Auch in diesem Werk steht er dem in nichts nach:
Wir befinden uns in einer Welt, die es durch ihre harten Bedingungen notwendig gemacht hat, dass sich die Menschheit während der extrem kalten Wintermonate eine Auszeit nehmen muss und sich dem Winterschlaf widmet, um überhaupt eine Überlebenschance zu haben.
Einige wenige Ausgewählte müssen eine Art Wacht übernehmen. Diese als Winterkonsul betitelte Rolle ist sehr angesehen, dennoch führt sie bei oft zu psychischen Problemen, wenn nicht gar einige Schritte weiter…
Die Erschaffung dieser Welt ist wahrlich grandios und dies war auch der Grund, warum ich mich unbedingt diesem Werk widmen wollte. Scheinbar endlich eine neue erfrischende Idee.
Leider konnte mich die Vorgehensweise des nicht gerade unbekannten Jasper Fforde abermals nicht uneingeschränkt überzeugen.
Sicher, Ffordes Schreibstil ist in Ordnung und recht eingängig. Hier lässt sich wirklich nichts Negatives sagen – gleichzeitig plätschert er jedoch sehr lange in seiner Erzählung vor sich hin. Ein klein wenig Würze durch Spannungselemente hätte da einiges beheben können. Spannung war auch mein erster Gedanke beim Lesen der Buchbeschreibung. Gedanklich fast ein Horrorroman zeigte sich aber nicht einmal ein kleines Pflänzchen dieses wichtigen Elements.
Ffordes virtuos kreierte Sätze konnten diese fehlende Essenz nicht mehr füllen, um mich als Leser rundum zufrieden zu stellen.
Sehr nachteilig im vorliegenden Buch sind die vielen Fußnoten, die leider zusätzlich dafür sorgen, dass ein aufkommender Lesefluss wieder ins Stocken gerät.
Eiswelt war somit ein Buch, mit dem ich nicht wirklich warm geworden bin.
Der guten Ordnung halber möchte ich aber anmerken, das dies auch schlicht am gesamten Vorgehen beziehungsweise Konzept des Autors liegen könnte, denn Eiswelt war nach dem ersten Thursday-Next-Roman mein zweiter Versuch, mich diesem Autoren zu widmen. Bereits zu Thursday Next fand ich keinen Bezug und wurde nicht überzeugt.
Somit scheint wohl Jasper Fforde meinen Geschmack nicht treffen zu können. Schade, da seine Ideen wirklich herausragend klingen.
Jürgen Seibold/20.08.2019

Valente, Catherynne M.: Space Opera

Originaltitel: Space Opera
Aus dem Amerikanischen von Kirsten Borchardt
Fischer Tor 05/2019
©2018 Catherynne M. Valente
Für die deutschsprachige Ausgabe: ©2019 S. Fischer Verlag GmbH, Frankfurt a.M.
ISBN 978-3-596-70444-6
ca. 346 Seiten

COVER:

Vor knapp hundert Jahren hat sich die Galaxis entzweit – ein Krieg löschte beinahe sämtliches Leben aus. In der Folge erfand man eine gemeinschaftsbildende Tradition. Etwas Schönes und Unterhaltsames, um den Frieden, die Liebe und das Leben zu feiern. Und so wurde der metagalaktische Grand Prix geboren, in dem alle empfindungsfähigen Zivilisationen friedliche gegeneinander antreten. Seitdem muss jede neue Spezies, die Mitglied der kosmischen Gemeinschaft werden will, an der Show teilnehmen.
Das Ganze ist ein Riesenspaß, das Problem ist nur: Auf dem letzten Platz wartet die völlige Vernichtung – und die Aliens haben ganz eigene Vorstellungen davon, wer für die Erde antreten soll ….

REZENSION:

Die grundsätzliche Idee von Space Opera – der neueste Roman der bereits mit mehreren Auszeichnungen honorierten Autorin Catherynne M. Valente – ist sehr erfrischend und herausragend. Man verlegt den doch auch teils etwas politisch angehauchten Grand Prix unseres Planeten in die ferne Zukunft, vermischt dies mit verschiedenen Zivilisationen aus unterschiedlichen Galaxien und schon lässt sich eine humorvoll angehauchte Geschichte erzählen.
Bei diesem Setting ist mir ungebremst bewusst, dass der Gedanke an den Großmeister Douglas Adams nicht weit ist und somit überraschte mich seine Namensnennung auf dem Cover nicht wirklich. Gleichzeitig sind dessen Fußstapfen natürlich nur schwer zu füllen – und genau so geht es auch der Autorin mit dem vorliegenden Werk.
Space Opera ist prinzipiell eine sehr schöne Idee und beginnt auch dementsprechend. Leider versucht die Autorin zu häufig diesem Vorbild gerecht zu werden und verliert sich dabei in langen, verschwurbelten Sätzen. Diese sind geschickt eingesetzt sehr witzig und ihr einzeln betrachteter Inhalt zeugt von einer hohen schriftstellerischen Qualität der Autorin. Mir ist es jedoch durch die zu häufige Verwendung dieser langen Sätze etwas zu viel geworden und somit ließ die anfängliche Begeisterung leider nach.
Schade, da der grundsätzliche Gedanke dieser Geschichte sehr viel Unterhaltungspotenzial hat – bei mir jedoch nach einigen Seiten jedoch nicht mehr zünden konnte. Hier scheint der verwendete Humor bei mir wohl nicht mehr zu greifen. Ich bin mir aber sicher, dass es für diese Geschichte auch Fans geben wird – der Rahmen ist interessant und eine schöne Allegorie, wodurch Space Opera ein klein wenig Nachdenklichkeit mit auf den Weg gegeben wird. Man muss sich halt darauf einlassen können.
Jürgen Seibold/19.08.2019

Eames, Nicholas: Könige der Finsternis

Originaltitel: Kings of the Wyld
Aus dem Amerikanischen von Michael Siefener
Deutsche Erstausgabe 03/2019
©2017 Nicholas Eames
©2019 der deutschsprachigen Ausgabe und der Übersetzung by Wilhelm Heyne Verlag, München
ISBN 978-3-453-31887-8
ca. 636 Seiten

COVER:

Einst war Clay Cooper ein Held, eine lebende Legende. Als Mitglied der berühmt-berüchtigten Söldnertruppe Die Saga erlegte Clay gemeinsam mit seinen Gefährten Gabe, Ganelon, Matrick und dem Zauberer Moog Drachen, kämpfte gegen Riesen und brach reihenweise die Herzen der Frauen. Nun, beinahe zwanzig Jahre später, hat Clay grau meliertes Haar, arbeitet bei der Stadtwache in Decktal und führt mit seiner Frau Ginny und seiner Tochter Tally ein ruhiges, bescheidenes Leben. Doch mit der Idylle ist es schnell vorbei, als eines Abends sein alter Freund Gabe vor Clays Tür steht und ihn um Hilfe bittet: Im fernen Königreich Castia wütet ein grausamer Krieg, und ausgerechnet dort hält sich Gabes Tochter Rose auf. Gabe ist fest entschlossen, sie zu retten, und dazu möchte er Die Saga wieder zusammenbringen. Werden sich Clay und die alten Gefährten auf diese Herausforderung einlassen, die riskanter ist, als jedes Abenteuer, das sie bisher bestehen mussten? Schließlich führt der Weg nach Castia direkt durch das Herzwyld – ein undurchdringliches Dickicht voller magischer Kreaturen und tödlicher Gefahren -, und ab einem gewissen Alter ist es nicht mehr so leicht, ein Held zu sein …

REZENSION:

Nicholas Eames legt mit Könige der Finsternis sein Debüt vor und möchte somit auch im dicht besiedelten Wald der Fantasy eine Rolle spielen.
Seine Idee, Helden nicht wie gewohnt entstehen zu lassen, sondern diese etwa 20 Jahre nach ihrer Blütezeit erneut losmarschieren zu lassen spricht bereits für sich. Die Saga ist dabei ein eher witziger Haufen alter Herren, die sich zur Rettung der Tochter eines ihrer Gefährten aufmachen. Alle fünf sind dabei bereits über den Zenit ihres Lebens geschritten. Die Haare grau meliert, das Familienleben in Ordnung, ein bescheidener Job als Stadtwächter – dies allein würde Clay Cooper ausreichen und er fühlt sich sichtlich wohl in dieser konservativen Rolle.
Dennoch lässt er sich nicht lange bitten und schon befinden sich die ersten Mitglieder der sagenhaften Gruppe auf der Reise, um die anderen drei ebenfalls von der Notwendigkeit der Rettung Roses und somit dem erneuten Aufleben der Söldnertruppe DIE SAGA zu überzeugen.
Vom Leben gelangweilt, lassen sich die anderen nicht bitten – okay: Einer musste dabei gerettet werden, aber davon mehr im Buch.
Eames Story ist sehr witzig erzählt und lebt von ihrer herausragenden Idee, einfach mal die Jahre nach den großen Heldentaten zu beleuchten. Sein Trupp ist ausreichend interessant aufgestellt, um überzeugend zu wirken und für erfrischende Abwechslung zu sorgen.
Nicholas Eames scheint sich lange durch Recherchetätigkeiten im Fantasygenre vorbereitet zu haben; also: er hat wohl viele Bücher gelesen und sicherlich auch manches Rollenspiel ausprobiert. Denn genau das merkt man diesem Debütroman deutlich an: Es ist liebevoll geschrieben, gespickt mit einer Vielzahl an sagenhaften Gestalten, gleichzeitig aber auch ein wenig zu geradlinig und vorhersehbar erzählt. Kommen die Helden an eine Leistungsgrenze, zieht der Autor buchstäblich eine Karte und sorgt somit für den nötigen Drall, um den Helden nicht nur als Erschaffer beizustehen, sondern ihnen gar ein wenig behilflich zu sein.
Sehr positiv sei anzumerken, dass Nicholas Eames einen abgeschlossenen Roman in diesem Genre hinterlassen hat und nicht auf den Trilogie-Zug mit aufspringen musste.
Könige der Finsternis ist eine locker erzählte Geschichte mit interessanten Protagonisten, die von der Midlife-Crisis deutlich geschüttelt werden. Ein somit ganz ordentlich erzählter, humorvoller Roman ohne großartige Überraschungen.
Jürgen Seibold/19.08.2019

Lawrence, Mark: Waffenschwestern – Das erste Buch des Ahnen

Originaltitel: Red Sister
Aus dem Englischen von Frank Böhmert
©2017 by Bobalinga Ltd.
Für die deutschsprachige Ausgabe:
©2018 S. Fischer Verlag GmbH, Frankfurt a.M.
ISBN 978-3-596-70110-0
ca. 637 Seiten

COVER:

„Will man eine Nonne töten, so gilt es sicherzustellen, dass man über ein Heer von hinreichender Größe verfügt.“

Das Kloster zur süßen Gnade ist kein gewöhnlicher Konvent. Hier leben Mystikerinnen, die das Gewebe der Welt manipulieren, Schwestern der Verschwiegenheit, die sich der Kunst der Täuschung widmen, und hier werden Mädchen zu tödlichen Kriegerinnen ausgebildet. Als die junge Nona von einer Äbtissin in den Konvent geholt wird, ahnt sie nicht, dass ihre Ausbildung sie bis an ihre Grenzen führen wird – und weit darüber hinaus.
Nona durchläuft ein rigides Trainingsprogramm, das sie mit dem mystischen Pfad vertraut macht, den geheimen Künsten des geräuschlosen Tötens und der Fähigkeit, mit den verschiedensten Waffen zu kämpfen. Mit den anderen Novizinnen ist sie in Freundschaft und Liebe – und manchmal auch leidenschaftlichem Hass – verbunden. Nicht alle werden es schaffen, aber diejenigen, die ihren Weg bis zu Ende gehen, werden Teil der Schwesternschaft. Sie werden die gefährlichsten Klingen des Reiches, sie werden Waffenschwestern sein.

REZENSION:

Bei diesem Buch bin ich von Anfang an wahrlich hin- und hergerissen gewesen. Eine Vielzahl an unterschiedlichsten Emotionen und Gedanken rasten durch mich hindurch beziehungsweise an mir vorbei.
Die Geschichte selbst ist in ihrem übergeordneten Gebilde prinzipiell nichts unbedingt Neues. Dennoch schafft es Mark Lawrence diesem Coming-Of-Age-Konzept einiges erfrischendes hinzuzufügen.
Waffenschwestern ist nebenbei zwar Fantasy, dennoch lässt Lawrence klassische Spielarten wie Drachen, Zwerge, Zauberkräfte und so weiter einfach links liegen. Seine handelnden Personen sind beinahe „normal“ – außer eben, dass sie etwas Besonderes in einem Kloster lernen.
Anfangs war ich auch voll dabei:
Die Rettung Nonas zu Beginn und Ihr Eintritt in das Kloster – einfach perfekt.
Dann jedoch tröpfelt die Handlung gemütlich vor sich hin. Meine Gedanken legten sich in Richtung Abbruch des Buches – rechtzeitig musste sich Nona aber einer Prüfung unterweisen, die erzählerisch rasant und tiefgehend dargelegt worden ist. Hierbei ließ ich mich trotz meiner aufkommenden Gedanken in Richtung „Schließen des Werkes“ wieder überzeugen und an die Seiten fesseln.
Während dieser groß und breit erzählten Episode im Leben Nonas stellte ich mir mehrmals die Frage, warum ich überhaupt mit diesem frevelhaften Gedanken zu spielen begann.
Mark Lawrence zeigte in diesem detailliert erzählten Teil seiner Geschichte, dass er prinzipiell zu einem wahren Meister seines Faches zählt.
Leider scheint es jedoch so zu sein, dass er dieses Tempo und den Drive nicht über längere Strecken aufrechterhalten kann.
Nonas Weg als Schülerin in diesem rundum interessanten Kloster wirkt oberflächlich betrachtet wie Harry Potter für Erwachsene – aber plätschert viel zu viel einfach nur so vor sich hin. Womit sich meine Aufmerksamkeit erneut in Richtung „Abbruch“ verlagerte, da die reine und langatmige Darstellung eines „Schullebens“ spannend sein kann, hier jedoch nicht spannend dargelegt worden ist.
Dem Gegenüber halte ich es für außerordentlich erfrischend, dass endlich einmal fast nur weibliche Personen die Hauptrolle spielen. Dafür gibt es von meiner Seite einen Bonus – dies, obwohl ich bereits einige Stimmen zur Kenntnis nehmen musste, die davon sprachen, das diese Mädchen recht burschikos auftreten. Irgendwie kann man es wohl niemandem recht machen – ich stehe bei diesem Punkt geflissentlich einfach darüber, denn über so etwas habe ich mir schlicht keine Gedanken gemacht. Ich hielt es einfach nur für gut und Punkt!
Nichts desto trotz konnte mich Mark Lawrence mit dieser prinzipiell sehr interessanten Idee und Geschichte nicht bis zum Ende überzeugen. Seine Qualität blitzt oft hervor – es stellte sich mir dennoch die Frage, ob hier der Autor im ersten Buch seiner Reihe etwas zu sehr ausholen wollte und dafür im Nachfolgeband Gas gibt.
Keine Ahnung und davon abgesehen muss auch der erste Band überzeugen, da sonst der Griff zum Zweiten vom Leser nicht vollzogen wird.
Wie bereits angemerkt, bin ich hin- und hergerissen, denn einerseits halte ich die Idee inklusive den teilnehmenden Figuren für absolut zufriedenstellend und klasse dargestellt – andererseits hat mir einfach ein klein wenig gefehlt. Ich bin mir aber sicher, dass Waffenschwestern seine Klientel finden wird, denn mein dezentes Meckern ist auf einem etwas hohen Niveau angesiedelt und die Figur der Nona ist durchweg liebevoll gezeichnet, um eine Vielzahl an Freunden der Fantasy zu überzeugen.
Jürgen Seibold/31.07.2019

Reeve, Philip: Mortal Engines – Jagd durchs Eis

Originaltitel: Predator’s Gold
Aus dem Englischen von Nadine Püschel und Gesine Schröder
©2003 Philip Reeve
Für die deutschsprachige Ausgabe: ©2018 S. Fischer Verlag GmbH, Frankfurt a.M.
ISBN 978-3-596-70213-8
ca. 360 Seiten

COVER:

Im zweiten Teil der „Mortal Engines“-Reihe verschlägt es Tom und Hester mit ihrem Luftschiff Jenny Haniver in die Eisstadt Anchorage, die von der jungen Margrabina Freya Rasmussen auf einen abenteuerlichen Kurs geführt wird: Ihr Ziel ist Amerika, der vergessene Kontinent, wo sie eine neue Heimat für ihre Stadt finden möchte. Doch die Reise ist riskant und das Ziel vielleicht nur eine Illusion: Was wird sie in der Alten Welt erwarten?

Aus dem Bericht des Forschungsreisenden Nimrod Beauregard Pennyroyal: „Nordamerika ist ein toter Kontinent. Das ist allseits bekannt. Nach seiner Entdeckung durch den großen Forscher und Detektiv Christoph Columbo im Jahre 1924 mauserte es sich zu einem Weltreich, das allerdings im Sechzig-Minuten-Krieg restlos zerstört wurde. Zurück blieben geisterhafte rote Wüsten, toxischer Morast, Atombombenkrater, Rost und totes Gestein. Nur die Wenigsten wagen sich dorthin, und doch halten sich Gerüchte, Geschichten. Das Raunen betrunkener alter Lufthunde in abgewirtschafteten Karawansereien. Berichte von Luftschiffen, die vom Kurs abkamen und ein ganz anderes Amerika unter sich erblickten: grüne Landschaften, Wälder und Wiesen, riesige blaue Seen.“

REZENSION:

Philip Reeves Reihe um die sagenhaften Städte, die sich rasend durch die Welt bewegen geht mit dem zweiten Band beinahe nahtlos weiter. Gut, es ist eine gewisse Zeit vergangen – ich denke etwa 2 Jahre, wenn mich gerade nicht alles täuscht. Dennoch ist zwischenzeitlich nichts Nennenswertes geschehen und das Pärchen Hester und Tom bereits in ihrem Luftschiff die Welt als Händler und Abenteurer.
Eines Tages nehmen sie den Historiker Pennyroyal als Passagier auf und schon befinden sie sich in einem neuen Abenteuer, dass sich gewaschen hat und sie bis an ihre persönlichen Grenzen bringt.
Nachdem sich die beiden Protagonisten Tom und Hester im ersten Buch dieser Reihe erst kennen- und lieben lernten, sind sie nun im Nachfolgeband die beiden wichtigsten Hauptfiguren. Dieser kleine Umstand führt zum sofortigen Eintauchen des Lesers, da kein langes Erklären und Ausholen des Autors stattfindet. Philip Reeve legt vielmehr sofort los und lässt keine Zeit zum gemütlichen Ein- und Ausatmen.
„Jagd durchs Eis“ ist Programm in diesem Buch und die besage Jagd macht richtig viel Spaß beim Lesen.
Gut, ich bin nicht mehr wirklich die Zielgruppe dieses eher auf Jugendliche abgerichtete Buch – dennoch konnte es mich auf seine eigene Art gut unterhalten.
Natürlich halte ich einige Aspekte ein wenig zu impulsiv – insbesondere, als Hester heimlich eine kleine Besonderheit sieht und wutentbrannt eine Entscheidung trifft, die nicht gerade gut überlegt ist und darüber hinaus eher kindisch wirkt. Nimmt man sich als Mitglied der doch schon etwas älteren Generation ein wenig zurück und lässt die Gedanken in Richtung Jugend schweifen, dann nimmt man dem Autor dieses Vorgehen auch sofort wieder ab und akzeptiert es als glaubhaft, da doch immer wieder ähnliche Reaktionen bei jüngeren Generationen auftreten und oft auch nicht plausibel nachvollziehbar geschweige denn wohlüberlegt sind.
Ich schweife ab, wollte damit aber nur darlegen, dass man dieses Werk als Jugendbuch mit dementsprechenden Inhalten betrachten sollte. Lässt man dies zu, gefällt es einem auch als älteren Leser und ich bin im Anschluss froh, dass es weiterhin so herausragende Geschichten auf dem Markt gibt, die vielleicht den ein oder anderen neuen Leser zur Folge haben.
Während der erste Band in meinen Augen noch ein wenig suchend wirkte, legte der Autor hier wohl mit stolz geschwellter Brust deutlich nach. Dementsprechend halte ich den zweiten Band um Längen stärker, rasanter und spannender als den Ersten. Die Storyline ist zwar auch hier leicht vorhersagbar und zielgerichtet, nichts desto trotz ist es eine absolut gelungene Fortsetzung und ich freue mich schon auf die weiteren Erlebnisse dieses kuriosen Paares.
Jürgen Seibold/22.07.2019

Islington, James: Das Echo der Zukunft – Die Licanius-Saga 2

Originaltitel: The Echo Of Things To Come
Ins Deutsche übertragen von Ruggero Leò
Deutsche Erstausgabe November 2018
©2017 James Islington
©2018 der deutschsprachigen Ausgabe Knaur Verlag
ISBN 978-3-426-52138-0
ca. 800 Seiten

COVER:

EINE VERBOTENE MACHT WIRD ZUR GRÖSSTEN HOFFNUNG – DIE LICANIUS-SAGA GEHT WEITER!

Der Fein im Norden hat sich erhoben – nichts steht mehr zwischen ihm und den Fürstentümern der Menschen.
Nichts außer den Begabten, die über die verbotene Macht der Seher verfügen.
Gemeinsam mit neuen Verbündeten bricht der junge Begabte Davian zur nördlichen Grenze auf, ohne zu wissen, ob er noch rechtzeitig eintreffen wird. Währenddessen setzt Davians Freund Caeden alles daran, sein verräterisches Abkommen mit den geheimnisvollen Lyth zu erfüllen. Doch als seine Erinnerungen langsam zurückkehren, muss er sich mehr und mehr fragen, wer Freund und wer Feind ist …

REZENSION:

Der erste Band der Licanius-Saga von James Islington mit dem Titel „Das Erbe der Seher“ konnte mich problemlos überzeugen. James Islington kreierte eine sehr interessante Welt mit ebenso interessanten Personen. Diese wiederum überzeugten durch ihre Taten und Fähigkeiten.
„Das Echo der Zukunft“ führt die sagenhafte Geschichte nahtlos weiter und wird sicherlich Kenner des ersten Bandes weiterhin überzeugen.
Nachdem seit Veröffentlichung des ersten Bandes bereits einige Zeit vergangen ist, stellt man sich natürlich auch hier die Frage, ob man sich noch irgendwie an die Geschehnisse erinnern kann. Islington löst dieses Problem auf eine simple Art und Weise, bei der ich nicht verstehen kann, warum dies nicht in jedem mehrbändigen Fantasyroman so vorgenommen wird: Das Buch startet mit einem knappen, dennoch mehrseitigen „Was-bisher-geschah…“.
Scheinbar angelehnt an oder inspiriert von TV-Serien ist dieses Instrument doch eine fabelhafte Idee, um Viellesern auf einfach Weise die bisherigen Geschehnisse erneut nahezubringen. Danke dafür – ich glaube nicht, dass ich mich noch ausreichend an die Erlebnisse innerhalb des ersten Bandes hätte erinnern können.
„Das Echo der Zukunft“ hinkt aber dennoch dem ersten Band nach und wirkt auf mich sehr chaotisch in seiner Erzählweise. Sicher, Islingtons Stil ist einem bewusst und funktioniert auch weiterhin. Lediglich seine Geschichte scheint hier unbedingt mit einer Vielzahl an neuen Personen und vielem weiter glänzen zu wollen. Hier hätte er wahrlich etwas dezenter vorgehen können – seine Geschichte hat doch ausreichend Potenzial, um in sich selbst funktionieren und wirken zu können.
Die zeitlichen Sprünge machen es einem nicht leichter, sich einen Weg durch dieses chaotische Dickicht schlagen zu können. Darüber hinaus scheint Islington viel vor zu haben und verliert sich hier ein wenig in Erklärungen und dem erneuten Aufbau seiner gedanklichen Welt. Vielleicht, um im dritten Band dann die Keule herausholen zu können – keine Ahnung, ob dem so ist, dennoch macht er es dem Leser damit etwas schwer, da die notwendigen Spannungselemente dementsprechend reduziert in Erscheinung treten.
Nun, irgendwie ist das auch meckern auf hohem Niveau, denn ein begnadeter Autor ist Islington jedenfalls – vielleicht sollte man einfach von der Notwendigkeit der mehrbändigen Fantasyromane absehen und den Autoren die Aufgabe geben, ihre Geschichten in einem Band überzeugend zu erzählen. Es kommt nämlich in letzter Zeit sehr oft vor, dass der mittlere Band schwächer ist – als Vielleser glaube ich, dass dies auch die Anzahl der Leser reduziert. Vielleicht irre ich mich, dennoch steigt bei mir die Anzahl der nicht beendeten Fantasyreihen, da der zweite Band Federn gelassen hatte.
Jürgen Seibold/21.07.2019

Ruocchio, Christopher: Das Imperium der Stille

Originaltitel: Empire Of Silence – Sun Eater, Book One
Aus dem Amerikanischen von Kirsten Borchardt
Deutsche Erstausgabe 11/2018
©2018 by Christopher Ruocchio
©2019 der deutschsprachigen Ausgabe by Wilhelm Heyne Verlag, München
ISBN 978-3-453-31828-1
ca. 989 Seiten

COVER:

„Das Licht der gemordeten Sonne verbrennt mich noch immer. Ich weiß, was ich bin. Man gab mir viele Namen, und ich bin vieles gewesen – Adliger und Diener, Gladiator und Soldat, Gelehrter und Held. Alles aber beginnt mit meinem Namen: Hadrian Marlowe.“

In einer weit entfernten Zukunft hat die Menschheit die Galaxie besiedelt und ein gewaltiges Sternenreich errichtet. Seit Jahrhunderten befindet sich das Imperium nun schon im Krieg gegen die außerirdische Zivilisation der Cielcin, die mit ihren Eisschiffen bereits Tausende Planeten zerstört und Milliarden von Menschen getötet und versklavt haben. Weder die genetisch optimierten Adligen noch die Imperiale Legion haben die Cielcin besiegen können, und niemand weiß, woher sie überhaupt kommen und was sie wollen. Als der jungen Adlige Hadrian Marlowe dem Schicksal entfliehen will, das sein grausamer Vater für ihn vorgesehen hat, verschlägt es ihn an den Rand des Imperiums. Verraten und von allen verlassen, muss er sich als Diener und Gladiator durchkämpfen – bis er eines Tages in den uralten Ruinen auf einer fremden Welt eine Entdeckung macht, die sein Schicksal und die Zukunft des Imperiums für immer wenden wird. Dies ist die Geschichte von Hadrian Marlowe, dem Sonnenfresser.

RESENSION:

„Das Imperium der Stille“ von Christopher Ruocchio ist der erste Band einer Reihe über den Sonnenfresser Hadrian Marlowe.
Die Geschichte findet in einer weit entfernten Galaxie statt und schafft es nahezu problemlos des Lesers Gedanken an eine Vielzahl bekannter Romane des Genres aufblitzen zu lassen. Ruocchio scheint eine Vorliebe zu haben für das Römische Reich oder das unerreichbare Werk Herberts mit dem dezenten Titel „Dune“.
Den dabei eingeschlagenen Weg beschreitet der Autor nahezu problemlos. Sein Stil ist sehr eingängig und die Erlebnisse Marlowes glaubwürdig dargelegt. Gleichzeitig ist Christopher Ruocchio aber auch ein schreibender „Schwätzer“ und dementsprechend verliert er sich in seiner Erzählung.
Sein Worldbuilding ist nahezu perfekt und gefällt durch und durch. Seine Hauptfigur ist aber dermaßen selbstverliebt, dass seine Tätigkeiten nur noch unsympathisch wirken. Hier ist dem Schriftsteller ein Fauxpas unterlaufen und er verliert den geneigten Leser, der mitleidend die Erlebnisse erleben möchte. Nichts ist schlimmer, als ein in der Ich-Form erzählender Hauptdarsteller mit dessen Charakter man nicht wirklich etwas anfangen kann. Darüber hinaus gibt es keine echten Gegner und Bedrohungen. Hadrian Marlowe tappst von Erlebnis zu Erlebnis ohne richtungsweisenden Blick auf das Ziel.
Darüber hinaus verliert sich der Autor in Darstellungen und Erzählungen – ich bin mir sicher, dass dieses Werk bei weitem besser funktionieren würde, wenn der erste Band eben keine 1.000 Seiten benötigen würde.
Schade, da die grundsätzliche Idee wirklich außerordentlich interessant ist und die Vorbilder stets erkennbar sind. Nichts desto trotz muss auch eine lange Geschichte den Leser von Anfang an bei der Hand nehmen und dafür sorgen, dass er sich mit den Geschehnissen identifizieren kann. Dies fehlte mir hier leider.
Jürgen Seibold/21.07.2019

Tolkien, J.R.R.: DER HERR DER RINGE

© J.G. Cotta’sche Buchhandlung
ISBN 978-3-608-93984-2
Band 1: Die Gefährten – ca. 608 Seiten
Band 2: Die zwei Türme – ca. 510 Seiten
Band 3: Die Rückkehr des Königs – ca. 444 Seiten

COVER:

Die Gefährten

Ein beschauliches Dorf im Auenland.
Alles ist ruhig und friedlich, bis der jungen Hobbit Frodo einen unvorstellbar gefährlichen Auftrag bekommt: Er muss eine Fahrt quer durch Mittelerde ins düstere Morder antreten, um dort den Einen Ring der Macht zu zerstören …
Denn nur so kann die dunkle Herrschaft Saurons gebrochen werden.

Die zwei Türme

Die Gefährten mussten sich trennen: Frodo und Sam ziehen ganz alleine weiter den Fluss Anduin hinab. Ganz allein? Eine zwielichtige Gestalt schleicht ihnen nach, wohin sie auch gehen.

Die Rückkehr des Königs

Die Armeen des dunklen Herrschers Sauron dringen immer weiter vor. Endlich schließen sich Menschen, Zwerge, Elben und Ents zusammen, um gemeinsam in die Schlacht gegen das Böse zu ziehen. Und währenddessen kämpfen Frodo und Sam sich weiter in Mordor vor, um den Einen Ring für immer zu zerstören.

REZENSION:

Ich bin mir absolut sicher, dass es keine Worte über den Inhalt dieser sagenhaften Geschichte von J.R.R. Tolkien bedarf. Jedem Kenner der phantastischen Literatur war dieses Buch per se ein Begriff – nach Erscheinen der wahrhaft gut umgesetzten Verfilmung wurde diese fantastische Welt mit Sicherheit auch dem Rest der Welt nahegebracht.
Man könnte nun viel über den Unterschied Film / Buch diskutieren – aber hier geht es nicht um Filme.
Davon abgesehen stellt sich überhaupt die Frage, ob nicht sowieso schon ausreichend über dieses Werk geschrieben worden ist.
Nun, auch ich möchte einige Worte verlieren:
DER HERR DER RINGE war mir bereits als Kind ein Begriff. Ich kann überhaupt nicht mehr nachvollziehen, wie oft ich dieses Werk aus diversen Regalen gezogen und darin geblättert habe. Es zog mich immer wieder an – allein schon wegen seiner Fülle und meinem dementsprechenden Respekt vor diesem dicken Werk.
Als ich das Buch wiederum zum ersten Mal gelesen hatte, war ich schon ein wenig älter – somit schon in einem sehr reifen Jugendalter. Sozusagen bereits an der Tür des Erwachsenwerdens anklopfend.
Auch mich hatte es relativ schnell gefesselt und es ist und bleibt die unumstrittene Bibel der Fantasy – da führt schlicht kein Weg daran vorbei.
Noch heute steht das berühmte rote Buch in meinem Regal. Damals für teures Geld gekauft und bis heute absolut stolz darauf.
Dieses Werk hatte ich dann natürlich nicht nur einmal gelesen – sehr genau kann ich mich noch daran erinnern, es erneut vor meinen Augen ausgebreitet zu haben, als der Film von Peter Jackson veröffentlicht worden ist. Nebenbei erwähnt: Ja, das Buch ist natürlich tiefgründiger und detaillierter, somit besser – nichts desto trotz halte ich auch den Film in seiner Umsetzung für absolut fabelhaft. Ist eben ein anderes Medium.
Als dann zu Zeiten des Films die Übersetzung von Wolfgang Krege auf den Markt kam, bekam ich sehr viel über die teils kontrovers geführten Diskussionen innerhalb der Fangemeinde mit. Ein wahres Feuerwerk an Beschimpfungen wurde losgelassen.
Ich hielt mich da geflissentlich raus – entschied mich aber dazu, mir die Übersetzung von Krege nicht an zu tun. So wirklich gab es auch keine Notwendigkeit, hatte ich doch die alte Übersetzung in einer wunderschönen Ausgabe weiterhin in meinem Fundus.
Nun befinden wir uns im Jahre 2019 und es ist – wie vom Verlag mitbekommen – ein besonderes Jahr, denn DER HERR DER RINGE feiert Jubiläum.
Durch diesen Umstand fand die neu aufgelegte Krege-Übersetzung seinen Weg zu mir.
Gedanklich an die früheren Diskussionen erinnert, wusste ich nicht wirklich, ob ich mir dieses Werk antun soll.
Nun, hätte ich es nicht getan, wäre es ein Fehler gewesen!
Ja, die frühere Übersetzung ist getragener und wie aus einer anderen Zeit gefallen. Dies spricht stark für die Geschehnisse in Mittelerde. Gleichzeitig lässt sich die Krege-Übersetzung aber ausgesprochen flüssig und erheblich eingängiger lesen, was mir persönlich unglaublich gut gefallen und auch gutgetan hat.
DER HERR DER RINGE war trotz seines Glanzes ein Werk mit hohem Anspruch und man musste sich diesem auch konzentriert beugen. Dies lässt sich auch weiterhin jederzeit vornehmen, da die alte Übersetzung nicht von der Welt ist. Nichts desto trotz kann man bei Kreges Übersetzung förmlich über die Seiten fliegen und hierdurch bekam dieses mir bereits bekannte und mehrfach gelesene Werk einen interessanten neuen Schwung, der dafür sorgte, dass ich diese Vielzahl an Seiten in kürzester Zeit gelesen hatte.
Doch darüber hinaus hat die neue Übersetzung auch dafür gesorgt, dass nun DER HERR DER RINGE auch weiterhin mein absolutes Lieblingsbuch in diesem Genre bleibt. Hier scheint das dezente Abstauben wahrlich gute Arbeit geleistet zu haben.
Ehrlich gesagt verstehe ich auch das harte Herangehen der Fans nicht: Es geht keineswegs die Welt unter, wenn ein Übersetzer einen dezent neuen Weg zur Verjüngung einer sagenhaften Geschichte wagt. Sollte man damit nicht einverstanden sein, ist es wirklich nicht notwendig, wutentbrannt los zu schreiten – nein, man kann einfach weiterhin die bisherige Version lesen und lesen und lesen…
Somit einfach akzeptieren, genießen oder bleiben lassen.
Ich persönlich halte nun beide Versionen für sinnvoll: Die eine, falls man hochkonzentriert und etwas getragen in Tolkiens Welt abtauchen möchte, die andere, falls man relativ flüssig, rasant und eingängig eine tolle Geschichte lesen möchte.
Die Entscheidung bleibt jedem selbst überlassen. Schlecht ist wahrlich keine der beiden Varianten.
Jürgen Seibold/09.07.2019

Ilisch, Maja: Die Spiegel von Kettlewood Hall

Originalausgabe April 2018
© 2018 Knaur Verlag
© 2018 Maja Ilisch
ISBN 978-3-426-52078-9
ca. 447 Seiten

COVER:

England 1886: Kettlewood Hall. Mehr als den Namen kennt Iris nicht. Ihre Mutter verliert kein Wort über das Herrenhaus, in dem sie früher als Dienstmädchen gearbeitet hat. Doch als Iris nach dem Tod ihrer Mutter eine kostbare alte Schachfigur findet, ahnt sie, woher diese stammt. Iris träumt von einem besseren Leben als dem einer Fabrikarbeiterin, und diese Figur ist der Schlüssel dazu – und zu dem Geheimnis ihrer eigenen Herkunft. Nur mit ihrer Hoffnung und der Schachfigur im Gepäck macht Iris sich auf den Weg nach Kettlewood. Doch seltsame Dinge gehen im Haus vor, und hinter den Spiegeln scheint etwas zu leben.
Was verschweigen die Kettlewoods? Bevor sie weiß, wie ihr geschieht, ist Iris Teil eines Spiels um Leben, Tod – und Liebe.

REZENSION:

Es ist schon einige Zeit vergangen, seit ich mich diesem Buch widmete. Das Buch liegt seitdem auf einem Bücherstapel, der nicht als üblicher „Stapel ungelesener Bücher“ fungiert, sondern als „Stapel unrezensierter Bücher“. Dies liegt an dem Umstand, dass ich mir zwar viele Werke durch meine Jury-Tätigkeiten zu Gemüte führe, jedoch es einige Monate gab, in denen ich mir nicht sicher war, ob ich weiterhin über alles gelesene Rezensionen veröffentlichen möchte. Da die Entscheidung für den momentanen Zeitabschnitt zu Gunsten der Rezensionen gefallen ist, versuche ich nun diesen Stapel im Nachgang einigermaßen gut ab zu arbeiten.
Natürlich ist es leichter, sich über ein Buch aus zu lassen, wenn man es gerade geschlossen hat und der Eindruck noch rundum frisch durch das eigene Gehirn wabert.
Als ich dabei „Die Spiegel von Kettlewood Hall“ zur Hand nahm, konnte ich mir zuerst nicht wirklich daran erinnern, es überhaupt gelesen zu haben – der Blick auf die Coverbeschreibung öffnete urplötzlich eine gedankliche Schublade und sämtliche Empfindungen wurden erneut herausgelassen.
Oberflächlich betrachte würde ich das Buch von Maja Ilisch als typisches Frauenbuch einordnen. In Zeiten der Diversität wäre das natürlich ein klein wenig zu kurz gesprungen und würde manche oberflächlichen Gedanken nur bestätigen. Nichts desto trotz geht es mir einfach ab und an so, wenn sich das Wort „Liebe“ auf der Coverbeschreibung befindet.
Natürlcih widmete ich mich trotzdem diesem Werk und ich war sehr schnell gefesselt von der liebevollen und detailliert gezeichneten Welt des ausgehenden 19. Jahrhunderts.
Beim Schreiben dieser Worte sah ich Iris deutlich vor meinen Augen: Die kleine Fabrikarbeiterin, die sich beinahe ihrem Schicksal beugt und lediglich durch eine hochwertige und somit teuer wirkende Schachfigur von einem besseren Leben träumt.
Iris macht sich auf den Weg nach Kettlewood Hall und wird dort sogar positiv begrüßt und als nahezu gleichwertige aufgenommen.
Maja Ilisch schafft es dabei sehr geschickt, sowohl die vergangene Zeit als auch das dazugehörige Leben mit allen Höhen und Tiefen aufleben zu lassen. Ihre Geschichte wirkt beinahe wie die alten Klassiker und lässt ihren Leser somit die Tür in diese Zeiten öffnen.
Ehrlich gesagt hat es mich selbst ein wenig überrascht, aber Maja Ilisch konnte mich fangen und dementsprechend fixiert war ich auf den Fortgang dieser sehr klassisch und leicht düster wirkenden Geschichte.
Ich persönlich liebe es, wenn es jemand schafft, dieses Gefühl von alten Gruselfilmen mit alten, gruseligen Häusern zu wecken. Ich war sichtlich erstaunt, dass gerade eine deutsche und frische Autorin dazu nahezu problemlos in der Lage zu sein scheint.
Jürgen Seibold/07.06.2019

Heitz, Markus: Die Klinge des Schicksals

Originalausgabe März 2018
© 2018 Knaur Verlag
ISBN 978-3-426-65448-4
ca. 571 Seiten

COVER:

Ein Kontinent vor der Vernichtung – nur eine Kriegerin kann die Bedrohung aufhalten. Doch wem kann sie vertrauen?

Die gealterte Kriegerin Danèstra ist in ihrer Heimat Nankán eine lebende Legende. In unzähligen Schlachten hat sie Siege errungen und so den Beinamen Die Klinge des Schicksalserhalten. Doch als sie die geheimnisvolle Kalenia vor dem sicheren Tod bewahrt und die Geschichte der jungen Frau erfährt, muss sich Danèstra ihrer bislang größten Aufgabe stellen. Nichts weniger als das Überleben von Nankán steht auf dem Spiel, und Kalenia scheint der Schlüssel zur Rettung des ganzen Kontinents zu sein. Doch kann Danèstra ihr wirklich trauen?

REZENSION:

Wenn jemand ein Garant für gute Bücher ist, dann ja wohl der aktuell mit Sicherheit erfolgreichste Fantasyautor des Landes. Nun, Fantasyautor ist etwas kurz getreten, da Heitz auch die spannenderen Gefilde abgrast und dabei zu überzeugen weiß. Hier handelt es sich jedoch erneut um einen Fantasyroman und somit ist erneut die Erwartung nicht gerade niedrig, da es sich ja um einen reinrassigen Markus Heitz handelt.
Die Klinge des Schicksal fängt auch ausgesprochen gut an und ich war sichtlich erfreut, wieder einmal bei einem Heitz zugeschlagen zu haben. Nach und nach stieg jedoch das unsägliche Gefühl, dass mit steigender Anzahl an Seiten auch die Oberflächlichkeit sich Bahn bricht. Nachdem es sich um einen Roman eines meiner liebsten Autoren handelt, versuchte ich mich dennoch noch einige Zeit diesem Buch zu widmen – nichts desto trotz fehlte die Überzeugung, die Heitz bei anderen Werken problemlos mitführte. Aus diesem blieb mir nach 200 Seiten schlicht nichts anderes übrig, als mich von diesem Buch zu verabschieden – was mir prinzipiell wirklich schwergefallen ist, da meine Hoffnung doch sehr hoch war. Schade, scheinbar eines der schwächeren Werke von Markus Heitz. Wollen wir mal hoffen, dass sich dies in Grenzen hält…
Jürgen Seibold/07.06.2019

Hennen, Bernhard: Die Chroniken von Azuhr – Der Verfluchte

© 2017 by Bernhard Hennen
Deutsche Erstausgabe: © 2017 S. Fischer Verlag GmbH, Frankfurt a.M.
ISBN 978-3-596-29726-9
ca. 572 Seiten

COVER:

DER BEGINN EINES NEUEN MAGISCHEN ZEITALTERS

Der junge Milan Tormeno ist dazu ausersehen, seinem Vater Nandus in das Amt des Erzpriesters zu folgen: Er soll einer jener mächtigen Auserwählten werden, die die Geschicke der Welt Azuhr lenken.

Doch Milan kann nicht akzeptieren, dass sein Schicksal vorherbestimmt ist. Er rebelliert – und verstrickt sich mit der Meisterdiebin Felicia und der geheimnisvollen Konkubine Nok in ein gefährliches Netz von Intrigen.

Gemeinsam geraten sie in den Bann einer alten Prophezeiung – einer Prophezeiung, nach der die Ankunft des „Schwarzen Mondes“ in Azuhr ein neues Zeitalter der Magie einläuten wird …

REZENSION:

Vor noch nicht allzu langer Zeit veröffentlichte ich die Rezension zum zweiten Band der „Chroniken von Azuhr“. In dieser Rezension machte ich darauf aufmerksam, dass ich den ersten Band wahrlich gefeiert habe und dementsprechend euphorisch auf den Zweiten wartete. Meine Meinung zum Zweiten lasse ich hier nun außen vor, dies lässt sich recht leicht auf meiner Seite nachlesen – nichts desto trotz ist mir gerade erschreckend aufgefallen, dass ich noch nicht eine Silbe über den ersten Band dieser Reihe geschrieben hatte. Nun gut, das möchte ich nun hiermit nachholen und versuche, den zweiten Wurf dabei zu vergessen und mich ausschließlich dem Gefühl des Buches mit dem Untertitel „Der Verfluchte“ zu widmen.
Nachdem nun schon einige Zeit vergangen ist, seit dem ich mich dem oben genannte Buch von Bernhard Hennen widmete, möchte ich gar nicht allzu sehr auf irgendwelche Inhaltsbeschreibungen eingehen. Ich denke, dies lässt sich sicherlich in den üblichen Plattformen nachholen – ich selbst würde nur Band 1 und 2 verwechseln und somit manch Begebenheit falsch einsortieren.
„Die Chroniken von Azuhr – Der Verfluchte“ ist jedenfalls ein absolut herausragendes Werk des „Elfenkönigs“ Bernhard Hennen. Wie man nun jedoch weiß, konnte mich Band 2 leider absolut nicht überzeugen – ich behalte diesen ersten Band dennoch in meinem Herzen und bin außerordentlich froh, ihn gelesen zu haben. Da es sich hier um eine Trilogie handelt, muss natürlich jeder für sich selbst entscheiden – ich kann jedenfalls Buch 1 uneingeschränkt empfehlen. Vielleicht funktioniert Buch 2 auch besser, wenn man dieses nahtlos anschließt. In meinem Fall lag zwischen ihnen eine nicht unerhebliche Zeit mit einer nicht unerheblichen Vielzahl an anderen Büchern und somit schien der Abstand zwischen beiden schon zu groß geworden zu sein.
Wer kein Problem damit hat, vielleicht nur den Beginn eines neuen Zeitalters zu genießen, dem sei dieses Buch jedenfalls unbedingt nahe zu legen. Genießt es…
Jürgen Seibold/07.06.2019

Scalzi, John: Frontal

Originaltitel: Head On
Aus dem Amerikanischen von Bernhard Kempen
© 2018 by John Scalzi
Für die deutschsprachige Ausgabe: © 2018 S. Fischer Verlag GmbH, Frankfurt a.M.
ISBN 978-3-596-29979-9
ca. 365 Seiten

COVER:

Ein Spiel mit tödlichem Ausgang

Kennen Sie Hilketa? Bei dieser Sportart gehen die Spieler mit Schwertern und Hämmern aufeinander los. Das Hauptziel des Spiels: Erbeute den Kopf deines Gegners und befördere ihn durch die Torpfosten. Für gewöhnliche Menschen wäre ein solcher Sport unmöglich. Aber alle Spieler sind „Threeps“, roboterartige Körper, die ferngesteuert werden. Alles ist erlaubt.
Bis ein Starathlet, der einen solchen Threep steuert, während eines Spiels zu Tode kommt. Ist es ein Unfall oder Mord? Die beiden FBI-Agenten Chris Shane und Leslie Vann ermitteln.

REZENSION:

John Scalzi konnte mich schon oft mit seinen Romanen nahezu uneingeschränkt unterhalten. Gerade wenn ich zum Beispiel an KOLLAPS denke, bin ich immer noch ganz angetan von diesem eingängig erzählenden Schriftsteller.
Dementsprechend freute ich mich auf FRONTAL. Ich bin dann immer wieder sehr überrascht, wenn ich ziemlich vorbehaltlos einen Roman öffne, dennoch bereits nach einiger Zeit merke, dass sich die Tür nicht öffnet, die zum notwendigen Zugang zur Geschichte führt.
Ich mache Bücher nur sehr ungern zu. Gleichzeitig gibt es mittlerweile eine schier unendliche Vielzahl an Geschichten. Warum also sich mit Werken aufhalten, von denen man nicht von Anfang an überzeugt ist?
Auch hier blieb mir leider nichts anderes übrig, als es zu schließen – da es sich um Scalzi handelte, hielt ich sogar knapp über 100 Seiten durch. Üblicherweise sollte es ein Buch mit einer normalen „Dicke“ schaffen, mich bereits nach etwa 50 Seiten zu haben. Somit gab es hier einen doppelten Bonus und die verlängerte Hoffnung, dass mich Scalzi noch zu überzeugen weiß. Leider schaffte er es nicht und somit kann ich nichts tiefgehenderes darüber erzählen, da bei mir kein besonderer Eindruck zurückgeblieben ist. Nichts desto trotz werde ich diesen Autor weiterhin im Auge behalten – es muss ja nicht jedes Rezept schmecken…
Jürgen Seibold/03.06.2019

Gibson, William: Peripherie

Originaltitel: The Peripheral
Vollständige Taschenbuchausgabe Oktober 2018
© 2014 William Gibson
© 2016 der deutschsprachigen Ausgabe Tropen – J.G. Cotta’sche Buchhandlung Nachf. GmbH, Stuttgart
Ein Imprint der Verlagsgruppe Droemer Knaur GmbH & Co. KG, München
ISBN 978-3-426-52206-6
ca. 602 Seiten

COVER:

Flynne ist die einzige Zeugin eines grausamen Verbrechens – doch sie ahnt nicht, dass die Tat erst in 100 Jahren geschehen wird.

Getrennt durch die Apokalypse, die einen Großteil der Menschheit ausgelöscht hat, leben Flynne und Wilf zu unterschiedlichen Zeiten in grundverschiedenen Welten. Als Flynne eines Tages ein düster-futuristisches Spiel testen soll, wird sie Zeugin eines Mordes – ohne zu wissen, was sie da sieht. Genauso wenig ahnt sie, dass das „Spiel“ keines ist – sondern die Zukunft, in der Wilf lebt.

REZENSION:

Die Geschichte dieses Buches des herausragenden Schriftstellers William Gibson hat mich sehr angesprochen. Dementsprechend euphorisch begann ich mit den ersten Seiten dieses Romans und freute mich auf eine postapokalyptische Welt, die sich in unterschiedlichen Zeiten abspielt und dementsprechend übereinander gelagert funktioniert oder sich sogar auf Basis dieser beiden zeitlichen Ebenen gegenseitig unterstützt und auflöst.
Leider konnte Gibson meinem Anspruch nicht gerecht werden. Vielleicht würde er diesem sogar gerecht werden, denn seine prinzipielle Qualität und der anspruchsvoll erzählte Inhalt könnten dafür sprechen. Nichts desto trotz schaffte er es nicht, mich als enthusiastischen Leser bei der Hand zu nehmen. Seine Mischung wäre außerordentlich interessant – leider konnte ich zu Anfang dem Autor schlicht nicht folgen und dementsprechend schwer fiel es mir einen Anker zu greifen, der mich durch die Geschichte führt.
Dementsprechend schnell war ich nur noch irritiert und hatte erhebliche Schwierigkeiten, die nicht näher erklärten Ebenen zu greifen und ihnen adäquat zu folgen.
Aus diesem Grund entschied ich mich nach einer gewissen Zeit, mich anderen Werken zu widmen und dieses Buch beiseite zu legen. Schade, da die grundsätzliche Idee doch ganz gut mein Interesse wecken konnte.
Jürgen Seibold/07.06.2019

Leibig, Timo: Nanos – Sie bestimmen was du denkst

© 2018 by Timo Leibig
© 2018 by Penhaligon in der Verlagsgruppe Random House GmbH, München
ISBN 978-3-7645-3190-4
ca. 510 Seiten
COVER:

Sie sind überall.
Sie beherrschen jeden.
Nur ein Mann ist frei.
Nur er kann sie bekämpfen.

Deutschland 2028: Die Bevölkerung ist hörig.
Dank Nanoteilchen in Lebensmitteln und im Trinkwasser glauben die Menschen alles, was ihnen die Regierungspartei weismacht. Nur wenige sind „free“, also resistent gegen die manipulativen Nanos – und sie sammeln sich im Untergrund zu einer Rebellion.

Unter ihnen befindet sich der geflohene Sträfling Malek, ein Mann, der nur ein Ziel hat: überleben.
Das macht ihn gefährlich für die Regierung und wertvoll für die Rebellion. Doch wer wie er nichts zu verlieren hat, den kümmert kein Freiheitskampf – wäre da nicht jenes Versprechen, das er seinem besten Freund auf dem Totenbett gab …

REZENSION:

Es ist schon einige Zeit vergangen, seit ich dieses Buch von Timo Leibig gelesen habe. Ein Blick in meine kleine Aufzeichnung offenbarte mir, dass dies bereits im August des letzten Jahres geschehen ist. Zu der Zeit war ich jedoch zeitlich dermaßen stark eingebunden, dass es mir bei einer nicht gerade geringen Anzahl an Büchern bis heute nicht möglich war, darüber zu schreiben. Vielmehr spielte ich sogar mit dem Gedanken, das Rezensieren ganz bleiben zu lassen. Nachdem sich dieser traurige Gedanke erfreulicherweise in Luft aufgelöst hatte, versuche ich nun nach und nach die offenen Kritiken nachzuholen. Da ich mich bereits im Nachfolgeband von Timo Leibigs Nanos befinde, dachte ich, das wäre ein sehr guter Grund, mich noch schnell auf den ersten Band gedanklich einzulassen.
Der zeitliche Abstand macht es einem dabei natürlich nicht gerade leicht. Nichts desto trotz konnte ich nachvollziehen, dass ich für den Genuss von Nanos gerade mal ein paar wenige Tage benötigte – dies allein spricht schon für das erste Buch Leibigs bei einem namhaften großen Verlag, da dieses mit seinen 510 Seiten nicht gerade dünn ist und sich zu der Zeit mein Lesevergnügen auf das kurze, tägliche Pendeln reduzierte.
Timo Leibigs bisherige Bücher standen dem Buch in einem „großen“ Verlag in nichts nach – dementsprechend freute ich mich für ihn, dass er eben gerade diesen wichtigen Schritt eines Autors geschafft hat und dabei auch noch bei einem sehr bekannten Verlag unterkommen konnte.
Nanos klingt erst einmal recht simpel und man erwartet einen guten, dennoch nicht gerade tiefgehenden Thriller, welcher laut Coverbeschreibung in der nahen Zukunft spielt. Der gerade mal 10 Jahre entfernte Zeitraum des Geschehens lässt seine Geschichte extrem greifbar erscheinen. Darüber hinaus scheint das Prinzip der Nanoteilchen eine Art Analogie zu den aktuellen politischen Begebenheiten zu sein: Jeder versucht den anderen zu beeinflussen und nur einige wenige scheinen dagegen resistent zu sein und versuchen dagegen zu rebellieren.
Dies klingt sehr stark nach den aktuellen politischen Diskussionen in nahezu jedem wichtigen Land auf diesem Planeten und dem Versuch, hierbei für Änderungen zu sorgen.
Diesen Umbruch spiegelt Leibig in seiner Geschichte wider – dabei erfreulicherweise ohne in irgendeiner Art und Weise aufdringlich zu wirken.
Im Gegenteil, das geschieht vielmehr nebensächlich, da im Vordergrund die klassischen Thrillerelemente die tragende Rolle spielen.
Auch wenn ich Leibigs bisherige Bücher immer noch als herausragend betrachte: Mit Nanos ist ihm ein erneuter Wurf gelungen, der für gelungene und spannende Unterhaltung sorgt und dabei noch ganz nebenbei ein klein wenig nachdenklich stimmt.
Jürgen Seibold/03.06.2019