Grumley, Michael: Breakthrough

Originaltitel: Breakthrough
Aus dem Amerikanischen von Wally Anker
Deutsche Erstausgabe 10/2017
©2013 by Michael Grumley
©2017 der deutschsprachigen Ausgabe by Wilhelm Heyne Verlag, München
ISBN 978-3-453-31875-5
ca. 382 Seiten

COVER:

Mitten in der Karibik muss die Triton II, ein U-Boot der US-Marine, von einer Sekunde auf die andere ihre Mission abbrechen. Dann verschwindet sie spurlos. Die Besatzung bleibt verschollen, die näheren Umstände des Vorfalls sind ungeklärt. In ihrer Verzweiflung kontaktieren die beiden Navy-Sonderermittler John Clay und Steve Caesare die Meeresbiologin Alison Shaw, der das scheinbar Unmögliche gelungen ist: Sie hat einen Weg gefunden, mit Delfinen zu sprechen. Clay und Caesare setzen Alisons Schützlinge im Meer aus, in der Hoffnung, die hochintelligenten Tiere könnten etwas über den Verbleib der Triton II herausfinden. Doch was sie stattdessen auf dem Grund des Ozeans entdecken, wird die Menschheit in ihren Grundfesten erschüttern …

REZENSION:

Der Wissenschaftsthriller von Michael Grumley ist der erste Teil einer Geschichte, die sich nach aktuellem Stand über drei Bücher ausbreiten wird.
Aus unerfindlichen Gründen muss ein amerikanisches U-Boot seinen Auftrag abbrechen. Der Grund ist auf den ersten Blick nicht gerade als dramatisch zu betrachten: Sie sind urplötzlich laut ihren Geräten über 15 Seemeilen vom Kurs abgekommen. Nachdem dieser Vorgang trotz aller Nachforschungen jedoch nicht auflösbar ist, versuchen sie durch den Einsatz eines Tauchbootes einen greifbaren Grund heraus zu finden. Dieses Boot verschwindet jedoch und somit scheint sich doch mehr als eine reine technische Panne dahinter zu verbergen.
Die Ermittler versuchen Hilfe durch das Meeresbiologenteam um Alison Shaw zu bekommen. Diese hat gemeinsam mit ihrem Team eine Möglichkeit entwickelt, um mit Delphinen sprachlich zu kommunizieren. Gemeinsam versucht man nun, die Geschehnisse auf dem Meeresboden in der Karibik zu ergründen und das verschollene U-Boot zu finden.
Michael Grumleys Thriller ist sehr rasant erzählt und fühlt sich beinahe wie ein Film an. Wenn man daran denkt, dass BREAKTHROUGH erst der Auftaktband ist, könnte man sich auch ganz gute eine Serie vorstellen. Diese würde auch problemlos dem Buch entsprechen, da Grumley kein allzu großes Risiko eingeht und nahezu alle notwenigen Mittel verwendet, die den Leser wie auf der Couch sitzend und in den Kasten sehend zur Hand nimmt.
BREAKTHROUGH funktioniert aber wohl auch gerade deswegen ausreichend gut. Sicher, es ist kein herausragendes Werk aus dem Genre der Wissenschaftsthriller – dennoch sorgt es problemlos für unterhaltsame und spannende Stunden.
Am stärksten funktionieren dabei die Delphine und man frägt sich ohne Unterlass, ob die Tiere wohl in Wirklichkeit eine ähnliche Empathie und Nachdenklichkeit aufweisen, wie in diesem Buch beschrieben. Ich würde es jedenfalls sehr begrüßen.
Die Behörden – allen voran die US-Army und Regierung – spielt die klassische Serien-Rolle: Hier befinden sich die machthungrigen und über Leichen gehenden Menschen, deren einziges Ziel die Vernichtung von unbekannten Begebenheiten ist. Koste es, was es wolle.
Mir stellt sich da die Frage, ob es nicht ab und an sinnvoll sein könnte, dass diese Klientel einfach auch mal den ein oder anderen Thriller mit Verwendung von Behörden lesen sollte.
Naja, ob die das noch lernen werden, ist eine andere Frage und hat nichts mit dem Buch zu tun.
BREAKTHROUGH macht jedenfalls recht viel Spaß und lässt einen auf unterhaltsame Art und Weise an den Begebenheiten teilhaben. Ein typisches Buch für den Weg in die Arbeit oder das gemütliche Abschalten im Flieger bzw. ähnlichen Zeitvernichtungsplätzen. Allzu stark braucht man sich als Leser nicht konzentrieren – nichts desto trotz sind solche Bücher auch immer wieder notwendig und dementsprechend freue ich mich bereits auch die Fortsetzung.
Jürgen Seibold/15.04.2018

Breakthrough: Roman (Breakthrough-Serie, Band 1) – KAUFEN BEI AMAZON

Ryan, Anthony: Das Erwachen des Feuers – Draconis Memoria 1

Originaltitel: The Waking Fire. Book One oft he Draconis Memoria
Aus dem Englischen von Sara Riffel & Birgit Maria Pfaffinger
©2016 by Anthony Ryan
Für die deutsche Ausgabe:
©2017 by J.G. Cotta’sche Buchhandlung Nachfolger GmBh, Stuttgart
ISBN 978-3-608-94974-2
ca. 724 Seiten

COVER:

Im riesigen Gebiet von Mandinorien gilt Drachenblut als das wertvollste Gut. Rote, grüne, blaue und schwarze Drachen werden gejagt, um an ihr Blut zu kommen.
Das daraus gewonnene Elixier verleiht den wenigen Gesegneten übernatürliche Kräfte.
Kaum jemand kennt die Wahrheit: Die Drachen werden immer weniger und schwächer. Sollten sie aussterben, wäre ein Krieg Mandinoriens mit dem benachbarten Corvantinischen Kaiserreich unausweichlich.

REZENSION:

Anthony Ryan war mir bis zu seinem Rabenschatten-Epos absolut kein Begriff. Sein Lied des Blutes konnte mich aber rundum zufrieden zurücklassen und somit konnte ich bei diesem neuen Start einer Trilogie natürlich nur zugreifen.
DAS LIED DES BLUTES war eine Geschichte, die zwar herausragend erzählt worden ist, dennoch dem normalen Schema eines Fantasyromans entsprach. In seinem aktuellen Werk geht Anthony Ryan auf eine sehr interessante Weise gänzlich anders vor. DAS ERWACHEN DES FEUERS ist zwar ebenso ein Fantasyroman unter Verwendung einer selbst erfundenen Welt. Gleichzeitig aber auch gewürzt mit Steampunkelementen und darüber hinaus eine Piratengeschichte als auch ein Spionageroman.
Diese geschickte Nutzung verschiedenster Elemente unter Verwendung von nur wenigen Hauptcharakteren, macht zwar unglaublich viel Spaß beim Lesen, sorgt aber auch für einen etwas schwierigen Einstieg in die Geschichte. Dies mag auch dem Umstand geschuldet sein, dass bereits der erste Band mit nicht gerade wenigen Seiten aufwartet. Dementsprechend weit holt Ryan aus und dementsprechend detailverliebt lässt er seine Geschichte langsam auferstehen.
Seine verschiedenen Drachenarten und die dazugehörigen Fähigkeiten durch Nutzung des Blutes sind eine sehr interessante Idee, die etwas Neues zum Drachengenre beitragen kann.
Sobald man einigermaßen die Fäden aufgenommen hat, kann man problemlos in die jeweiligen Erzählstränge abtauchen und sich dem reinen Genuss widmen.
Erneut erzählt Ryan literarisch hochwertig – etwas stärker sogar, als in seiner Rabenschatten-Trilogie – wodurch es unbedingt notwendig ist, immer konzentriert dabei zu bleiben. Nach und nach öffnet sich aber sein erzählerischer Fluss und es wird immer einfacher den weiteren Erlebnissen der Protagonisten zu folgen.
Es bleibt einem nach dem holprigen Start plötzlich nichts anderes mehr übrig, als dem weiteren Fortgang der Geschichte ungebremst zu folgen.
Anthony Ryan hat bereits sein Talent bei seiner Rabenschatten-Trilogie bewiesen – erstaunlich, dass er hier noch einen draufsetzen kann.
Alles in allem ein sehr empfehlenswerter Roman mit einer Vielzahl an erfrischenden und neu wirkenden Ideen. Man kann nur noch gespannt sein, wie sich die Geschichte weiter entwickeln wird. Band 1 wirkt ja beinahe – bis auf wenige Ausnahmen – wie ein abgeschlossener Roman. Aber wie man weiß, sollen ja noch zwei weitere folgen…
Jürgen Seibold/08.04.2018

Das Erwachen des Feuers: Draconis Memoria Buch 1 – KAUFEN BEI AMAZON

Krebber, Nils: Keine Helden – Piraten des Mahlstroms

©2017 Amrûn Verlag, Jürgen Eglseer, Traunstein
ISBN 978-3-95869-296-1
ca. 303 Seiten

COVER:

Eberhart Brettschneider ist Händler, Abenteurer und Entdecker – wenn man ihm glauben möchte. Tatsächlich jedoch ist er einer der erfolgreichsten Betrüger Kammerbads. Gemeinsam mit seiner Partnerin Aurelia schwindelt er sich durch die Straßen seiner Heimatstadt.
Als Eberhart glaubt, den großen Coup gefunden zu haben, geraten die beiden durch eine Intrige mitten in die Suche nach dem Schatz des Schreckenskapitäns. Durch Piraterie und Hexerei werden sie bis in die Tiefen des Mahlstroms getrieben, wo Eberhart Sturmgeborene, Magier, Totenbeschwörer und die Götter selbst hereinlegen muss, um zu überleben.

„Aber was soll schon passieren?“

REZENSION:

Nils Krebber legt mit KEINE HELDEN seinen ersten Roman vor. Dabei macht er trotz der nicht gerade epischen Seitenzahl einen wahren Rundumschlag. Er erzählt nicht nur eine Piratengeschichte mit interessanten Akteuren, sondern geht darüber hinaus auch noch tief in die Bereiche der Fantasy und schreckt vor keiner fantastischen Herausforderung zurück.
Ganz besonders interessant hielt ich in diesem Werk seinen wichtigsten Protagonisten: Eberhart Brettschneider. Dieser ist wahrlich mit allen Wassern gewaschen und seine geschickten Verhandlungen sind das absolute i-Tüpfelchen in dieser Geschichte.
Die Story von Krebber ist sehr stringent in seiner Vorgehensweise. Hierdurch verliert man niemals den Faden – womit man sich getrost einer gepflegten Unterhaltung widmen kann. Demgegenüber steht natürlich der fehlende Tiefgang, was aber in diesem Plot keineswegs als negativ zu betrachten ist. KEINE HELDEN ist einfach eine durchweg interessant aufgebaute Geschichte, die gut erzählt worden ist und somit für einige interessante Stunden sorgen kann.
Sehr deutlich erkennt man die Affinität des Autors zu Rollenspielen. Die Geschichte treibt sehr ähnlich voran und schweift nur selten in Bereiche außerhalb der eigentlichen Storyline ab. Für einen Erstling ein recht gut gelungenes und unterhaltsames Werk mit erfrischenden Charakteren und einer ebenfalls erfrischenden sowie interessanten Idee.
Einen kleinen Vorwurf muss ich aber an das Korrektorat machen: Je weiter man im Buch vorankommt, desto häufiger treten Fehler in der Rechtschreibung auf. Diese sind sehr oft allein durch Rechtschreibkorrekturhilfen auf Softwareseite nicht zu erkennen, da das fehlerhafte Wort meistens für eine Software ein richtig geschriebenes Wort darstellt (z.B.: „eine“ – „einen“, …). Hier hätte noch ein klein wenig mehr Detailarbeit nicht geschadet, da es doch etwas zu viele Fehler dieser Art waren – teilweise störte das den Lesefluss.
Nichts desto trotz ein passabler Roman, der einem guten Debüt entspricht und zeigt, dass einiges in Nils Krebber steckt. Wie gesagt: Kein spitzenmäßiger Plot, aber ein guter, teils witziger und somit ausreichend unterhaltsamer Plot.
Jürgen Seibold/06.04.2018

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Shusterman, Neal: Scythe – Die Hüter des Todes

Originaltitel: Scythe – Arc of a Scythe
Aus dem Amerikanischen von Pauline Kurbasik und Kristian Lutze
©2016 by Neal Shusterman
Für die deutschsprachige Ausgabe:
©2017 S. Fischer Verlag GmbH, Frankfurt a.M.
ISBN 978-3-7373-5506-3
ca. 516 Seiten

COVER:

Die Scathe sind auserwählt, um zu töten. Sie entscheiden, wer lebt und wer stirbt. Sie sind die Hüter des Todes in einer fast perfekten Welt.
Als Citra und Rowan – gegen ihren Willen – für die Ausbildung zum Scythe berufen werden, bleiben ihnen nur zwei Dinge: ihre Freundschaft, die vielleicht mehr als Freundschaft ist, und die hohen moralischen Regeln der Scythe, die das Töten irgendwie erträglich machen. Doch nicht alle Hüter des Todes halten sich noch an die uralten Regeln der Gilde, und aus einem Grund, der für Citra unbegreiflich bleibt, fühlt Rowan sich von diesen dunklen Scythe angezogen.

Bald stehen Citra und Rowan auf unterschiedlichen Seiten und kämpfen doch um das Gleiche: das perfekte Leben, das richtige Sterben, ihre Liebe.

REZENSION:

Wir befinden uns bei diesem Buch von Neal Shusterman in einer nahezu perfekten Welt in einer nicht allzu weit entfernten Zukunft. In dieser nahezu perfekten Welt gibt es keine Kriege und als Sahnehäubchen: Man stirbt nicht mehr! Als Mensch altert man zwar ganz normal, man kann sich aber in gewissen Intervallen zu einem Wunschalter zurück resetten lassen. Man wird somit älter, ohne irgendwelche körperlichen Gebrechen zu bekommen. Sollte man zum Beispiel überfahren und somit getötet werden, kommt man einfach in ein besonderes Krankenhaus, welches einen wieder zurückholt. Regierungen sind abgeschafft – lediglich eine übergeordnete künstliche Intelligenz wacht über die Menschheit. Diese ist autark, human und ausgesprochen sozial.
Wie gesagt: Eine nahezu perfekte Welt.
Selbstverständlich spricht das Bevölkerungswachstum gegen das unendliche Leben. Aus diesem Grund gibt es eine Gilde mit dem Namen SYTHE, deren Mitglieder dafür zuständig sind, Menschen „nach zu lesen“ – das heißt, diese Gildenmitglieder sind die einzigen Menschen, die die Macht haben, andere Menschen zu töten. Dies allein, um dem Bevölkerungswachstum entgegentreten zu können.
Dies entspricht dem früheren Sensenmann, der sich um das ordnungsgemäße Ableben von Menschen kümmerte. In Scythe ist es eine weltweit aufgestellte Gilde.
Natürlich ist es auch für eine Gilde dieser Art notwendig, für Nachwuchs zu sorgen. Aus diesem Grund werden Citra und Rowan als Auszubildende berufen – beide hatten dies ehrlich gesagt nicht wirklich vor…
Während ihrer Ausbildung kommen die beiden sich nach und nach näher – sie wissen aber auch, dass nur einer von beiden am Ende ausgewählt werden wird. Die erste Amtshandlung des dann neu Ausgewählten soll dabei darin bestehen, den anderen hinzurichten.
Allein diese kurze Beschreibung hätte schon ausreichend Potenzial für einen Roman. Neal Shusterman lässt es aber dabei nicht bewenden und führt uns auch die unterschiedlichen Ströme der Scythe vor. Die Einen sind sehr konservativ und hassen selbst das Töten. Dementsprechend vorsichtig und umsichtig gehen sie vor. Die Anderen wiederum sehen im Töten eine Art Sport oder gar Spiel und sorgen skrupellos und nach eigenem Gutdünken für das Ableben einer Vielzahl von Menschen, bleiben dabei aber immer haarscharf den Regeln der Scythe treu – beugen diese aber so weit es geht.
Recht viel mehr sollte hier nicht gesagt sein – man möchte ja nicht zu viel verraten.
Scythe ist vom erzählerischen Stil Shustermans her sowohl als Jugend- wie auch Erwachsenenbuch einzuordnen. Für Erwachsene ist der Schreibstil dementsprechend als leicht und überaus eingängig zu empfinden. Nichts desto trotz funktioniert die Geschichte bravourös und ich konnte mich ihr einfach nicht mehr entziehen. Im Gegenteil, sofort nach Beendigen des Buches musste ich es meinem gesamten Umfeld altersunabhängig empfehlen.
Es handelt sich einfach um einen absoluten Pageturner mit einer sehr interessanten und erfrischenden Geschichte. Darüber hinaus eine ausgesprochen tolle Idee, die aus einer Dystopie eine Utopie macht und dennoch eine perfekte Welt ein klein wenig unperfekt macht.
Das Buch funktioniert sehr gut als Einzelband, auch wenn ich davon ausgehe, dass man sich unbedingt auch die beiden noch folgenden Bände zu Gemüte führen möchte. Man kann dabei nur hoffen, dass der Autor dabei dieses extrem hohe Level auch weiterhin einhalten kann und somit mit seiner gesamten Trilogie zu überzeugen weiß.
Scythe ist jedenfalls in meinen Augen ein absolutes Highlight für nahezu jede Altersgruppe ab etwa 16 Jahren. Man kann nur hoffen, dass die Hüter des Todes nicht zu schnell zu einem selbst kommen und man somit noch viele hochwertige Bücher wie dieses genießen kann.
Kurzum: Eine absolute Empfehlung!
Jürgen Seibold/29.03.2018

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Golden, Christopher: Snowblind – Tödlicher Schnee

Originaltitel: Snowblind
Ins Deutsche übersetzt von Stephanie Pannen
©2014 by Christopher Golden
©2017 für die deutsche Ausgabe by Amigo Grafik GbR.
ISBN 978-3-95981-194-1
ca. 455 Seiten

COVER:

Das kleine Städtchen Coventry in Neuengland hat schon Tausende Schneestürme erlebt … aber noch keinen wie diesen, Menschen gingen in das Unwetter und kamen nie mehr zurück.

Jetzt, zwölf Jahre später, zieht ein weiterer Sturm herauf und die Bewohner von Coventry erinnern sich an diejenigen, die sie im Schnee verloren haben. Ein Fotograf trauert um seinen kleinen Bruder – auch heute Nacht wird wieder ein kleiner Junge vermisst. Der Tod der Frau eines Gelegenheitsdiebs hat tiefe Narben in seinem Leben hinterlassen. Und auf der anderen Seite des Landes erhält eine junge Frau einen Anruf … von einem Mann, der seit zwölf Jahren tot ist.

Dieser Sturm wird sich als noch schrecklicher als der letzte erweisen. Und die Erkenntnis bringen, dass der Albtraum gerade erst anfängt.

REZENSION:

Innerhalb kürzester Zeit befindet sich mit SNOWBLIND bereits das dritte Buch von Christopher Golden auf dem deutschen Markt. Scheinbar macht er sich mehr und mehr einen Namen in unseren Gefilden.
Im Gegensatz zu seinen Büchern „Der Fährmann“ und „Sieben Pfeifer“ nimmt er sich im vorliegenden Werk keine alte Legende als Grundlage für seine Geschichte vor, sondern ließ wohl ausschließlich sein Gehirn als Ideengeber arbeiten.
In SNOWBLIND geht es sofort rasant los und wir lernen bereits in den ersten Kapiteln einige der wichtigsten Protagonisten kennen. Diese werden von einem unglaublich starken Blizzard mit irren Mengen an Schnee überrascht. Während dieses Blizzards sterben einige Menschen auf sehr untypische Art – zumindest wir Leser wissen dies. In den Augen der Verwandten/Bekannten handelt es sich schlicht um Opfer dieses Unwetters.
!2 Jahre später spielt in Goldens Buch die eigentliche Geschichte – und erneut stehen wir vor dem Eintreffen eines ähnlich starken Blizzards. Die Menschen sind bereits im Vorfeld sehr angespannt – insbesondere, wenn diese von den damaligen Erlebnissen und Todesfällen beeinflusst waren.
Dass sich hinter den Todesfällen mehr verbirgt als einfache Schneeunfälle müsste ja jedem Leser bereits nach dem Intro klar sein. Dementsprechend rechnet man mit ähnlichen Vorkommnissen beziehungsweise dem Herausfinden der Ursache und der dazugehörigen Lösung, um das Grauen zukünftig abwenden zu können.
Hierdurch ist das Buch natürlich ein wenig vorhersehbar – nichts desto trotz macht es Spaß, endlich mal wieder ein einigermaßen gut konstruiertes Buch aus der mystisch angehauchten Horrorecke lesen zu können. In diesem Genre lassen momentan viele Verlage – insbesondere große – aktuell sehr stark zu wünschen übrig. Dabei wäre doch sicher der Markt vorhanden. Aber vielleicht kommt ja irgendwann wieder eine neue Horrorwelle, die dafür sorgt, dass auch Publikumsverlage sich diesem Thema wieder annehmen: Oder noch besser, die kleineren Verlage schwappt es dadurch hoch.
Aber zurück zum Buch:
Goldens SNOWBLIND sorgt für kurzweilige und angenehme Unterhaltung für den Zeitvertreib. An sein erheblich tiefgehender erzähltes „Der Fährmann“ kommt SNOWBLIND leider nicht ganz heran. Dennoch kann man da ein Auge zudrücken und sich einfach dieser Story widmen. Langweilig wird es einem dabei nicht und eingängig sowie ausreichend plausibel erzählt ist sie auch.
Einige Protagonisten sind liebevoll detailliert aufgebaut, andere etwas dünn dargestellt. Dies ist aber kein Vorwurf, da es sonst wohl zu viel des Guten werden würde. Alles in allem ein wunderbarer und spannender Unterhaltungsroman, der aber der Aussage des Stephen King auf dem Cover nicht ganz gerecht werden kann. Wie gesagt, gefallen hat es aber trotzdem und ich bin bereits sehr darauf gespannt, mit welchen Ideen Golden auf unserem Markt noch aufwarten wird.
Jürgen Seibold/29.03.2018

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Iggulden, Conn: Darien – Die Herrschaft der Zwölf

Originaltitel: Darien – Empire of Salt
Aus dem Englischen von Kirsten Borchardt
Deutsche Erstausgabe 09/2017
©2017 by Conn Iggulden
©2017 der deutschsprachigen Ausgabe by Wilhelm Heyne Verlag, München
ISBN 978-3-453-31880-9
ca. 413 Seiten

COVER:

Die Stadt Darien ist das Zentrum und die Hauptstadt des gleichnamigen Königreiches. Ihre beste Zeit hat sie allerdings schon hinter sich. Mit einer schwachen, willenlosen Marionette auf dem Königsthron liegt die eigentliche Macht in den Händen von zwölf Familien, die ihre Herrschaft über die Stadt und das Reich untereinander aufgeteilt haben – was sie jedoch nicht daran hindert, einander auszuspionieren, zu kontrollieren und zu bekämpfen. Das Volk von Darien lässt eine Intrige nach der anderen über sich ergehen. Als jedoch der König gestürzt werden soll, werden drei Personen in den Strudel der Ereignisse gezogen, die unterschiedlicher nicht sein könnten: Elias, der Jäger, ist eigentlich nur auf der Suche nach einem Heilmittel für seine todkranke Familie. Doch seine magische Gabe, die er bislang geheim gehalten hat, macht ihn für einen machthungrigen General zum wichtigsten Instrument seines Plans. Arthur, der Junge, taucht eines Tages unvermittelt bei der Schar von Straßenkindern auf, denen der alte Soldat Tellius ein Zuhause gibt. Der Junge spricht zwar nicht, aber er hütet ein Geheimnis, welches das Gleichgewicht der Macht der Stadt durcheinanderbringen wird. Und dann ist da noch Nancy, eine selbstbewusste junge Frau, die nicht an Magie glaubt – aber deren Kräfte ganz Darien zerstören könnten. Als das Mordkomplott beginnt, treffen alle drei in der Stadt aufeinander. Werden sie mit Darien untergehen, oder wird ihr Schicksal eine neue Zukunft für Stadt und Reich offenbaren?

REZENSION:

Bei Conn Igguldens DARIEN – Die Herrschaft der Zwölf ging ich aufgrund der Beschreibung am Rücken des Buches von einem absolut durchschnittlichen und typischen Fantasy-Roman aus. Einfach eine Geschichte, die vielleicht gefallen könnte, aber eben nichts Neues darlegen kann.
Nun, nach Genuss des Buches zeigt sich mir, dass Iggulden eine geschickt erzählte Story entwickelt hat, die mit sehr interessanten Figuren lebt und insbesondere deren Erlebnisse darstellt. Im Gegensatz zu anderen Romanen sind sich die drei hauptsächlichen Protagonisten untereinander absolut unbekannt. Jeder folgt seinem eigenen Weg – manch einer gezwungen, andere aus nicht nachvollziehbaren Motivationen oder durch eigene Begehrlichkeiten. Jede Figur besitz eine gewisse Fähigkeit, über die ich hier nichts sagen möchte. Prinzipiell klingt das schon sehr nach Rollenspiel als Vorlage für dieses Buch. Dies ist aber kein negativer Aspekt, da sich diese beiden unterschiedlichen Lebensarten bzw. Hobbies doch sehr oft die Hand geben.
Igguldens Schreibstil hat mir außerordentlich gut gefallen, da man sich ohne große Konzentration schlicht auf die Geschichte einlassen kann. Dies heißt aber nicht, dass die Story allzu einfach geschrieben wäre – nein, sie ist lediglich sehr eingängig und ohne große literarische Ansprüche als auch ohne eine Vielzahl an Handlungssträngen erzählt. Wie gesagt, einige Figuren, keine allzu detaillierte Zeichnung der ersonnenen Welt, dennoch eine durchweg fesselnde Geschichte zur Unterhaltung des Lesers. Oft möchte man ja nicht mehr und somit freute ich mich sehr über die Entwicklungen in diesem Buch. Darien hat einfach Spaß gemacht! Sehr erfrischend die drei verschiedenen Protagonisten, die absolut nichts miteinander zu tun haben, ihre jeweilige Rolle erfüllen und dann am Ende auch nur locker miteinander verwoben werden. Ebenfalls sehr interessant die untypische Vorgehensweise zum Ende des Buches hin, als die Stadt angegriffen wird. Hier entsteht eine Dynamik aus dem Volk, die ich nicht weiter ausführen möchte, da ich sonst etwas verraten müsste.
Alles in allem ein wunderschöner fantastischer Roman, der als Einzelband bereits ausreichend sein könnte – wie so oft in diesem Genre kommt aber noch etwas nach.
Jürgen Seibold/25.03.2018

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Benson, Amber & Golden, Christopher: Sieben Pfeifer

Originaltitel: The Seven Whistlers
Aus dem Amerikanischen von Bernhard Kleinschmidt
Deutsche Erstausgabe
©2018 Buchheim Verlag, Olaf Buchheim, Grimma
www.buchheim-verlag.de
ISBN 978-3-946330-05-9
ca. 168 Seiten

COVER:

In alten Legenden heißt es, man höre in stürmischen Nächten manchmal ein seltsames Pfeifen, gefolgt vom Erscheinen riesiger schwarzer Hunde. Aber dies sind keine gewöhnlichen Kreaturen, sondern dämonische Wesen, entfesselt von der wilden Jagd auf verlorene Seelen. Nur selten sieht man mehr als einen von ihnen zur selben Zeit, doch wenn alle sieben gemeinsam erscheinen sollten, sei das Ende der Welt gekommen.

In der malerischen Stadt Kingsbury mitten in Vermont betrauert Rose Kerrigan den Tod ihres Großvaters, eines liebenswürdigen, aber seltsamen alten Mannes. Schon bald wird sie von der Legende der Sieben Pfeifer erfahren, denn die gespenstischen Hunde sind nach Kingsbury gekommen und jagen eine Seele, die man vor ihnen verborgen hat. Zuerst ist es nur einer, doch es werden mehr, je länger sie nicht finden, wonach sie suchen.

Und wenn alle sieben Dämonen zusammenkommen …

REZENSION:

Kurz vor Weihnachten des vergangenen Jahres widmete ich mich einem Buch namens DER FÄHRMANN von Christopher Golden. Der Name des Autors war mir bis dato interessanterweise absolut kein Begriff – sein Fährmann konnte mich aber zu einhundert Prozent überzeugen und ich nahm mir vor, mir diesen Namen für eventuelle, zukünftige Veröffentlichungen auf dem deutschen Markt zu merken.
Kurz vor der Leipziger Buchmesse erhielt ich dann als Vorbereitung zu einer geplanten Moderation eine frisch veröffentlichte Novelle mit dem Titel „Sieben Pfeifer“.
Diese gerade einmal etwas über 160 Seiten kurze Novelle wurde von Christopher Golden in Zusammenarbeit mit Amber Benson entwickelt.
Ebenso wie im Fährmann, nimmt sich das Autorengespann hier eine alte Legende vor und erweckt diese zum Leben. Die Legende um die Sieben Pfeifer ist nach meiner Information britischen Ursprungs und man sollte geflissentlich darauf hoffen, dass die Pfeifer, welche verborgene Seelen holen müssen, nicht in ihrer Gesamtheit von sieben Pfeifern zu sehen sind. Denn dann ist unsere Welt dem Untergang geweiht.
Die Geschichte ist rundum eingängig von den beiden Autoren geschrieben. Trotz der geringen Seitenzahl schaffen sie es, den agierenden Personen ausreichend Detailtiefe zu verpassen und somit in keiner Weise oberflächlich zu wirken.
Der Vorteil der geringen Seitenzahl zeigt sich natürlich in der Notwendigkeit, dass die Geschichte sehr rasant fortschreiten muss, da sich das Ende des Werkes recht schnell nähert. Aber auch dies scheint für die beiden Autoren absolut kein Hindernis zu sein und dementsprechend zielstrebig gehen sie vor und bauen ihren Plot unglaublich geschickt und dennoch sehr ausführlich und tiefgehend auf.
SIEBEN PFEIFER ist ein durchweg gelungener Mystik-Horror-Roman mit einer absolut interessanten Idee unter Verwendung einer Legende, bei der ich froh bin, das es sich dabei nicht um eine aus meiner Region handelt – beinhaltet doch jede Legende irgendwo einen wahren Kern.
Ebenso wie auch DER FÄHRMANN ein absolut zu empfehlendes Werk, dem ich mich noch stundenlang hätte widmen können, wäre da nicht die etwas begrenzte Seitenzahl, welche aber der Geschichte definitiv nicht schadet.
Des weiteren muss man sich hier auf dem deutschen Markt wohl den Namen Golden hinter die Ohren schreiben und hoffen, dass sich die Verlage weiterhin diesem US-amerikanischen Horrorautoren annehmen werden. Momentan sieht es ja ganz danach aus…
Jürgen Seibold/25.03.2018

Sieben Pfeifer – KAUFEN BEI AMAZON

Jacobson, Howard: Pussy

Originaltitel: Pussy
Aus dem Englischen von Johann Christoph Maass
©2017 by Howard Jacobson
Illustrationen ©2017 by Chris Ridell
Für die deutsche Ausgabe: ©2018 by J.G. Cotta’sche Buchhandlung Nachfolger GmbH, Stuttgart
ISBN 978-3-608-50351-7
ca. 265 Seiten

COVER:

„Wenn Trumps Präsidentschaft irgendetwas positives bewirkt hat, dann ist es die Tatsache, dass einer der besten Schriftsteller unserer Zeit diese geschliffene und gnadenlose Satire verfasst hat.“
-Observer-

In der einst so friedlichen Republik Urbs-Ludus sind unruhige Zeiten angebrochen: Zu viele ausländische Brotbäcker bedrohen den Frieden in der Stadt. Alle Hoffnungen ruhen auf dem Prinzen mit dem senfgelben Haar. Doch weiß der, wie man ein Land regiert? Böse Zungen behaupten, er habe sogar Schwierigkeiten, vollständige Sätze zu bilden …

REZENSION:

Wie man dem Cover nicht unschwer entnehmen kann, handelt es sich bei diesem als Fantasy verpackten Buch um eine Satire, die den aktuellen US-amerikanischen Präsidenten aufs Korn nimmt.
Howard Jacobson ist nicht gerade als Autor meiner Lieblingsgenre bekannt – dennoch musste ich mir dieses Werk unbedingt zu Gemüte führen, da ich mit einem bitterbösen Witz gerechnet habe.
Zu einem großen Teil wurde ich dabei auch nicht enttäuscht. Jacobson schreibt sehr hochwertig – dadurch aber auch ab und an etwas schwer eingängig. Er spielt oft mit verschlungenen Sätzen und einer manchmal schwer greifenden Sprache. Nach einer gewissen Zeit kann man sich dem aber problemlos gedanklich anschließen und man fragt sich urplötzlich, ob es sich bei der gesamten Handlung in der Republik Urbs-Ludus mit ihrem Kronprinzen Fracassus nicht einfach um einen kurzen Fantasy-Roman handelt. Nun, ein Blick auf das Cover und schon wird man von der Realität wieder eingeholt.
Der ironische und bitterböse Bezug zur aktuellen Präsidentschaft hebt dieses Buch natürlich einige Ebenen nach oben.
Die Ironie als auch der dezente, aber immer wieder aufflackernde Wortwitz sind mit Sicherheit nicht jedermanns Sache. Ich fand es im Großen und Ganzen aber sehr geschickt und tiefgehend dargelegt.
Funktionieren würde die Story wohl auch ohne den Bezug zu Trump – mit dem Bezug wird es natürlich erschreckender.
Ein relativ kurzweiliges Buch, gespickt mit einer Vielzahl an Zitaten, die nicht nur der politischen Elite einen Spiegel vorhält, sondern auch vor uns – den Wählern bzw. Bürgern – keine Rücksicht nimmt.
Bei vielen aufgeführten Sätzen erkennt man auch die eigene Schuld. Es war aber trotzdem sehr erfrischend, dies in einer gesammelten Darbietung aufsaugen zu können. Man kann somit lachen und weinen zugleich. Schlussendlich macht dieses Buch dennoch mehr Freude als Angst und es ist gut, dass es solche Werke in einer so kuriosen Zeit wie heute gibt. Vielleicht können diese ein klein wenig in unseren Köpfen bewirken.
Zum Schluss noch ein sehr schönes Zitat aus dem Buch, welches den Finger in unsere Richtung lenkt und gleichzeitig damit aufzeigt, wie unwichtig wir durch unsere gedankenlose Vorgehensweise den Mächtigen am Allerwertesten vorbeigehen:
„Früher einmal hatten Volksentscheide verheerende Schäden in der Republik angerichtet, nun aber waren sie so alltäglich, dass er ihnen keine Beachtung mehr zu schenken brauchte. Die Leute machten von ihrer Macht Gebrauch, und das, wofür sie gestimmt hatten, geriet in der allgemeinen Begeisterung der Gebrauchmacherei wieder in Vergessenheit. Bereits am nächsten Tag war alles wieder beim Alten.“
Jürgen Seibold/23.03.2018

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Beagle, Peter S.: In Kalabrien

Originaltitel: In Calabria
Aus dem Amerikanischen von Oliver Plaschka
©2017 by Peter S. Beagle
Für die deutsche Ausgabe: ©2018 by J.G. Cotta’sche Buchhandlung Nachfolger GmbH, Stuttgart
ISBN 978-3-608-96217-8
ca. 164 Seiten

COVER:

So atemberaubend und wunderschön das Einhorn auch ist, es stellt Claudios Leben auf den Kopf. Der Plan, die Existenz des geheimnisvollsten aller Tiere geheim zu halten, scheitert. Und richtig gefährlich wird es, als neben aufdringlichen Journalisten auch gewalttätige Vertreter der Mafia sein abgeschiedenes Gut heimsuchen. Wie soll er, der nur den Postboten und seine anarchische Schwester als Freunde hat, das Einhorn schützen?
In Kalabrien ist eine grandiose Liebeserklärung des weltbekannten Fantasyautors Peter S. Beagle an sein schönstes Geschöpf!

REZENSION:

Auch wenn der im Jahre 1939 geborene Peter S. Beagle eine Vielzahl an literarischen Werken geschrieben hat und ebenfalls eine nicht gerade geringe Anzahl an Auszeichnungen erhielt, wird er mit Sicherheit den meisten – ebenso wie mir – nur als der Autor des weltberühmten, 1968 erschienenen, Buches “Das letzte Einhorn” bekannt sein.
“Das letzte Einhorn” fiel mir auch sofort ein, als ich zufällig gesehen habe, dass im Klett-Cotta-Verlag ein nicht gerade dickes Büchlein von eben diesem Autor mit dem Titel “In Kalabrien” erscheint.
Das Cover wirkt durch sein Design beinahe kitschig und die Farbgebung konnte diesem Eindruck nicht widersprechen.
Wenn ich ehrlich bin, spielte ich mit dem Gedanken, sang- und klanglos meinen Blick zu anderen Werken schweifen zu lassen. Somit einfach über diese Veröffentlichung hinweg zu gehen.
Interessanterweise meldete sich aber der Leser meiner Kindheit in meinen Gedanken und meinte: Es ist aber doch Peter S. Beagle! Außerdem mit einem Einhorn!
Dies allein war der Grund, warum ich mich mit “In Kalabrien” beschäftigen wollte.
Konnte mich als Kind doch bereits der Zeichentrickfilm so tiefgehend überzeugen, dass ich mich einige Jahre später unbedingt auch lesend seinem berühmtesten Werk widmen musste.
Rundum zufrieden mit diesem Klassiker der Weltliteratur dachte ich aber nicht weiter über diesen Autoren nach.
Mit dem Erscheinen von “In Kalabrien” sollte sich das ändern:
Hierin erzählt Beagle von einem in Kalabrien lebenden, bäuerlichen Einsiedler namens Claudio Bianchi, dessen einziger echter Kontakt zu seinem Postboten und dessen Schwester besteht.
Seine Tage vertreibt er mit seinen wenigen Tieren und dem mehr oder weniger heimlichen Dichten für die Schublade.
Eines Tages erscheint auf seinem Hof ein schwangeres Einhorn und das Leben Claudios nimmt eine Wendung, wie er es sich in seinen kühnsten Träumen nicht hätte vorstellen können.
Claudio ist unglaublich respektvoll gegenüber diesem Fabelwesen. Er kümmert sich einfühlsam unter Verwendung all seiner Möglichkeiten um dieses fabelhafte Wesen. Kurzum, es sollte dem Tier bis zur Entbindung an nichts fehlen…
Das Einhorn selbst spielt in diesem Werk beinahe eine Nebenrolle – dennoch wie ein roter Faden durchweg präsent.
Peter S. Beagle erzählt auf eine sehr entspannende und ruhige Art seine Geschichte und lässt uns mit seiner hochwertigen Sprache auf unnachahmliche Art am Leben Bianchis teilhaben. Natürlich ist vorherbestimmt und vorhersehbar, dass der geheime Gast auf Claudios Hof nicht lange geheim bleiben wird – auch wenn ihn kein Fremder (neben den Freunden Bianchis) zu Gesicht bekommen wird.
Die Gerüchte brodeln und nicht nur Journalisten machen sich auf den Weg zu Claudio – nein, auch die Mafia entwickelt ein starkes Interesse.
Eine sehr melancholische und zum Nachdenken anregende Geschichte, wenn nicht gar ein Märchen mit einem wunderbaren magischen Element.
Sämtliche Figuren überzeugen und in Richtung Ende gibt Beagle dann auch noch richtig Gas.
Ein Buch mit gerade mal etwas über 160 Seiten – dennoch eine Geschichte, dessen Sog man sich schlicht nicht entziehen kann. Einfach einmal etwas ganz anderes im Bereich der fantastischen Literatur: Ein kurzes Werk zum Abschalten, Mitfühlen und Mitleiden – somit eine Perle, um kurze Zeit dem Alltag zu entfliehen und am Ende dennoch mit einem positiven Gefühl zurück zu kommen.
Jürgen Seibold/22.03.2018

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HYS093 – Im Gespräch mit CHRISTOPHER GOLDEN auf der #LBM2018

Auf der Leipziger Buchmesse 2018 hatte ich die Gelegenheit, im Rahmen der Veröffentlichungen von
DER FÄHRMANN und DIE SIEBEN PFEIFER des amerikanischen Autoren CHRISTOPHER GOLDEN ein Gespräch mit ihm zu führen.
So gut es in diesem begrenzten Zeitrahmen möglich war, streiften wir beide Bücher und gingen sogar ein wenig darüber hinaus.
Leider ist im Video Christopher Golden nicht richtig auf der Leinwand zu sehen – was aber wohl den unterschiedlichen Bildfrequenzen (Leinwand – Kamera) geschuldet ist.
Nichts desto trotz entwickelte sich ein schönes Gespräch mit einem sehr sympathischen und interessanten Autor.
Vielen Dank an den Buchheim-Verlag, der mich hierzu eingeladen hatte und selbstverständlich unserem Übersetzer, der Anfangs aufgrund der lauten Umgebungsgeräusche einen echt harten Job hatte.

El-Bahay, Akram: Bücherstadt

©2017 Bastei Lübbe AG, Köln
ISBN 978-3-404-20883-8
ca. 365 Seiten

COVER:

EINE RIESIGE UNTERIRDISCHE BIBLIOTHEK.
HALLENDE BÜCHERSCHLUCHTEN.
GEHEIMNISSE IN JEDEM BAND …

Sam ist ein Dieb – aber mit einer List gelingt es ihm trotzdem, in die Palastwache von Mythia aufgenommen zu werden. Er träumt von einem neuen Leben, von großen Aufgaben. Von Ruhm und Ehre als Wächter des Weißen Königs.
Diese Träume zerplatzen, als er erfährt, wo er Dienst tun soll: in der riesigen Bibliothek unterhalb der Stadt. Sam stellt sich auf tödliche Langeweile ein. Schließlich gibt es dort unten nichts als alte, staubige Bücher. Er ahnt nicht, wie sehr er sich irrt …

REZENSION:

Sam ist ein Dieb – und diese Fähigkeit lernen wir als Leser zugleich in den ersten Seiten virtuos kennen. Man erkennt sofort, dass Sam ein ausgezeichneter Dieb zu sein scheint – nichts desto trotz ist er dieses Lebens überdrüssig und möchte als anständiger Mensch neu anfangen und nicht weiter ein Lakai der Diebesgilde sein.
Er lässt alles hinter sich und heuert bei der Palastwache an. Er hat dabei die Rechnung ohne den Wirt gemacht, denn eine dem König zugeteilte Stadtwache nimmt natürlich nicht sofort jeden, um den König zu beschützen. Jeder Neuling muss sich erst einmal dorthin arbeiten. Sam wird somit aufgenommen, jedoch entgegen seines Wunsches als Wächter in der Bibliothek unterhalb der Stadt eingesetzt. Was könnte langweiliger sein, als auf Bücher aufzupassen?
Akram El-Bahay erschafft in seinem ersten Band über die Bibliothek der flüsternden Bücher ein Setting, wie ich es schon lange nicht mehr erleben durfte. Im Gegensatz zu anderen Fanatsybüchern wandeln wir hier nicht durch unendliche Weiten in atemberaubenden Welten – nein, bei El-Bahay befinden wir uns fast ausschließlich in den Grenzen einer atemberaubenden Stadt. Diese Stadt hat dabei noch eine Besonderheit in sich: In den Tiefen befindet sich eine dermaßen riesige und uralte Bibliothek, das man sich problemlos mehrere Tage, wenn nicht gar Wochen darin verirren kann.
Recht schnell stellt sich darüber hinaus heraus, dass viele der dort aufbewahrten Werke Geheimnisse in sich tragen und darüber hinaus, dass viele lediglich aus Geschichten und Sagen bekannte Figuren in den Tiefen dieser Bibliothek ein echtes Leben fristen…
Akram El-Bahay schreibt wunderbar eingängig und führt den Leser auf eine wunderschöne und atemberaubende Art in seine Welt ein. Natürlich ist man als Buchliebhaber sofort von den Dimensionen der Bibliothek erschlagen – sehr oft ertappt man sich dabei, wie es wohl wäre, in so einer Bibliothek ein wenig zu schmökern.
Genau dort packt er seinen Leser und vermischt geschickt westliche und orientalische Stilistik, um seine Geschichte ungebremst voran zu treiben.
So gebannt wie ich von Seite zu Seite jagte, hatte ich am Ende ein wenig das Gefühl, dass es dort etwas zu hektisch geworden ist. Bevor aber dieser Gedanke zu sehr auftauchen konnte, schaffte El-Bahay immer noch rechtzeitig die Kurve.
Darüber hinaus wirkt das Buch erstaunlich abgeschlossen und öffnet keinen schmerzhaften Cliffhanger für den Folgeband. Somit ist man zwar schon in freudiger Erwartung auf das nächste Buch aus der Welt dieser Bibliothek, dennoch nicht verärgert, weil es schlicht noch nicht auf dem Markt ist.
Alles in allem ein wirklich leidenschaftliches Buch über Bücher und fabelhaften Wesen, die diesen entsprungen zu sein scheinen. Darüber hinaus sehr interessante und detailliert gezeichnete Figuren mit allen Ecken und Kanten. Ein wahrhaft interessantes Buch voller Ideen und einem atemberaubenden Setting – sowohl oben als auch in den Tiefen Mythias.
Sehr empfehlenswert.
Jürgen Seibold/11.03.2018

Die Bibliothek der flüsternden Schatten – Bücherstadt: Roman – KAUFEN BEI AMAZON

Dath, Dietmar: Der Schnitt durch die Sonne

©2017 S. Fischer Verlag GmbH, Frankfurt a.M.
ISBN 978-3-10-397306-8
ca. 361 Seiten

COVER:

Sechs Menschen – eine Schülerin, ein Koch, ein Finanzberater, eine Mathematikerin, ein Gitarrist und eine Pianistin – reisen zur Sonne. Ihr Auftrag: drei Aufgaben zu lösen, die mit dem Verschwinden des sogenannten Koronakindes zu tun haben. Das Koronakind ist ein hochintelligentes Wesen, das einen gewaltigen Konflikt auf der Sonne entfacht und die Gemeinschaft schließlich verlassen hat. Die Menschen geraten zwischen die Fronten dieses Konflikts und weiten ihn sogar auf die Erde aus.

REZENSION:

Bei diesem Buch scheinen sich wirklich die Geister zu scheiden. Sehr hochgelobt von diversen Kritikern, platziert in der Phantastik-Bestenliste (durch die ich darauf aufmerksam geworden bin) und gleichzeitig auch einige Stimmen, die exakt das Gegenteil beschreiben.
Neben diesen unterschiedlichen Aussagen und der interessanten Coverbeschreibung war es natürlich für mich unbedingt notwendig, mich auch diesem Werk zu widmen.
Wie sich dabei jedoch leider herausstellen sollte, gehöre ich wohl zur zweiten Kategorie an Kritikern: Die, denen das Buch nicht zusagen konnte.
Sicherlich, der Schreibstil Dietmar Dath‘ war meiner Meinung nach sehr interessant und konnte mich auch einige Zeit lang an den Seiten festhalten. Nichts desto trotz konnte ich absolut keinen Zugang zur Geschichte finden und entschied mich dann zu einer Tätigkeit, die ich als Vielleser immer noch unglaublich ungern durchführe: Ich habe das Buch bei knapp der Hälfte abgebrochen.
Nichts desto trotz kann man dadurch sehr schön erkennen, dass Meinungen immer die Betrachtung einer einzelnen Person ist und Geschmäcker schlichtweg unterschiedlich sind. In diesem Fall hat es bei mir einfach nicht funktioniert – gleichzeitig erkenne ich aber durch meine Recherche sehr deutlich, dass „Der Schnitt durch die Sonne“ dennoch scheinbar problemlos seine Klientel begeistern kann.
Ich finde es auch schade, dass es bei mir nicht zu einer Wirkung führte, da mich das grundsätzliche Konzept der Geschichte sehr interessiert hat. Aber manchmal sollen manche Dinge einfach nicht sein.
Jürgen Seibold/11.03.2018

Der Schnitt durch die Sonne: Roman – KAUFEN BEI AMAZON

Heitz, Markus: Wédora – Schatten und Tod

Deutsche Erstausgabe August 2017
©2017 Knaur Verlag
ISBN 978-3-426-65436-1
ca. 650 Seiten

COVER:

Eine geheimnisvolle Stadt inmitten der Wüste. Eine Million Einwohner, umgeben von Feinden. Und zwei Reisende, die Wédora retten oder vernichten können.

In der schwer befestigten Wüstenstadt Wédora warten gefährliche Herausforderungen auf die Freunde Liothan und Tomeija, die es auf magische Weise in die gewaltige Metropole verschlagen hat.
Als Tomeija vom geheimnisumwitterten Herrscher der Stadt zur obersten Gesetzeshüterin berufen wird, kann sie nicht ahnen, dass sie bald nicht nur gegen Verbrecher und mörderische Intrigen vorgehen muss, sondern auch gegen ihren Freund aus Kindeheitstagen – denn Liothan macht sich unterdessen in Wédoras Unterwelt einen Namen.
Doch damit nicht genug: Zwei benachbarte Reiche rüsten zum Krieg, und die neutrale Handelsstadt droht, darin verwickelt zu werden. Liothan und Tomeija werden plötzlich zu den entscheidenden Figuren in einem mörderischen Konflikt, der Wédoras Ende bedeuten könnte.

REZENSION:

Normalerweise ist die Chance sehr gering, dass ich mich einem Buch widme, dessen ersten Band ich noch nicht kenne. Wédora – Schatten und Tod hat jedoch seinen Weg zu mir gefunden und ich überlegte einige Monate, ob ich mich diesem Werk überhaupt widmen sollte. Viel zu groß hielt ich die Gefahr, etwas Essentielles nicht zu wissen oder gewisse Handlungsfäden einfach nicht aufnehmen zu können. Gleichzeitig sprach mein aktueller Stapel an ungelesenen Büchern eine klare Stimme und somit vermied ich es, mir den ersten Band nachträglich noch zu besorgen.
Einige Monate später nahm ich die Herausforderung dennoch an und hoffte einfach, dass es einem namhaften Autoren wie Markus Heitz schlichtweg möglich sein sollte, einen neuen Leser auch noch in einem Fortsetzungsband mitnehmen zu können.
Nun gut, anfangs dachte ich wirklich, diesmal hat er es nicht geschafft, denn ich hatte sehr viele Schwierigkeiten, in die Welt Wédoras eintauchen zu können. Neben der Welt war mir natürlich auch die Motivation und Hintergründe der beiden Hauptprotagonisten unklar – eine gewisse Seitenzahl blieb das auch so.
Erfreulicherweise hat sich dies jedoch im Laufe des Buches zugunsten der Geschichte gewandelt und ich konnte dem zweiten Band mehr und mehr folgen. Sicher, ab und an musste ich mich einfach auf die Welt ohne Erklärung einlassen. Es störte dann aber nicht mehr wirklich, da die Personen immer mehr Zeichnung erhielten und ich die beiden gegensätzlichen Strömungen von Tomeija und Liothan ausreichend interessant fand, um der Geschichte weiter folgen zu wollen.
Die Wege dieser beiden trennen sich relativ schnell komplett voneinander. Die eine wird zur obersten Gesetzeshüterin, der andere taucht immer stärker in die Unterwelt ein. Somit ist natürlich vorprogrammiert, dass die beiden Freunde eines Tages in ihrer jeweiligen Rolle aufeinandertreffen müssen. Dies wiederum macht Markus Heitz auf seine eigene, geschickte Art und schert sich keinen Deut über Ahnungen seiner Leser – nein, er lässt diese beiden Stränge in Abhängigkeit zueinander zulaufen.
Somit konnte mich dieses Buch sehr gut unterhalten und im Nachgang war ich dann wieder enttäuscht, nicht den ersten Band bereits genossen zu haben. Aber manchmal lässt sich einfach nicht alles lesen…
Das einzige, was mich ein wenig verwundert hatte in der Welt Wédoras war die Verwendung von Magie. Wenn ich mich so an frühere Aussagen von Markus Heitz erinnere (auch in meinem Podcast, in dem ich ein Interview mit ihm führe), dann hat er in seinen fantastischen Welten immer versucht, magische Elemente zu vermeiden, da diese zu schnell eine Geschichte zerstören können. Tja, egal was er mal gesagt hatte: Hier hat es einigermaßen gut funktioniert. Heitz hat somit auch dieses Element noch gut in seine Erzählung aufgenommen.
Alles in allem ein recht guter Roman, der sicher danach schreit, zuerst Band 1 zu genießen – dennoch auch einigermaßen gut als Stand-alone-Buch funktioniert. Mir hat es jedenfalls ziemlich gut gefallen.
Jürgen Seibold/11.03.2018

Wédora – Schatten und Tod: Roman (Die Sandmeer-Chroniken, Band 2) – KAUFEN BEI AMAZON

Falk, Rita: Kaiserschmarrndrama

©2018 dtv Verlagsgesellschaft mbH & Co. KG, München
ISBN 978-3-423-26192-0
ca. 300 Seiten

COVER:

Und ob man das jetzt glaubt oder nicht, das Opfer liegt exakt auf meiner Runde, die wo ich mit dem Ludwig täglich durch den Wald lauf und immer unsere Zeit mitstoppe …

Im Wald von Niederkaltenkirchen wird eine nackte Tote gefunden. Sie war erst kurz zuvor beim Simmerl in den ersten Stock gezogen und hat unter dem Namen „Mona“ Stripshows im Internet angeboten. Der Eberhofer steht vor höchst pikanten Ermittlungen, denn zum Kreis der Verdächtigen zählen rasch auch ein paar ihrer Kunden, darunter der Leopold, der Simmerl und der Flötzinger. Und auch den Bruder der Toten, einen evangelischen Pfarrer mit seiner frommen Gattin, sollte der Franz sich besser mal vorknöpfen. – Harte Zeiten für den Franz, auch privat: Das Doppelhaus vom Leopold und der Susi wächst im selben Tempo wie Franz‘ Unlust auf das traute Familienglück. Der Rudi wird aus der Reha geworfen und quartiert sich im Saustall ein. Und zu allem Unglück droht dem Saustall die Abrissbirne!
Dann: die zweite Tote im Wald. Das gleiche Beuteschema. Ein Serienmörder? Zumindest ein Fall für die Soko Niederkaltenkirchen. Angeführt ausgerechnet von Franz‘ Lieblingsfeindin Thin Lizzy …

REZENSION:

Wer hätte sich damals zu Beginn dieser Reihe jemals denken können, dass die Geschichten um Franz Eberhofer einen so großen Hype auslösen werden?
Mittlerweile gibt es Filme dazu – die ich ehrlich gesagt nur zum Teil kenne – und zusätzlich noch Bücher zum Kochen oder einfach mit Alltagstipps der Oma.
Inhaltlich sind die Bücher sehr einfach gestrickt und triefen förmlich vor bayrischen Klischees. Aber: Exakt das macht es in dieser Reihe einfach aus und mittlerweile kann ich es schlichtweg nicht mehr abwarten, bis der jeweils nächste Band erscheint.
Nun liegt also bereits der neunte Fall aus Niederkaltenkirchen vor und erneut stellte sich mir die Frage vor dem Öffnen des Buches, ob Rita Falk noch ausreichend Ideenreichtum und interessante Kuriositäten aus besagtem Ort mit den ans Herz gewachsenen Personen vorweisen kann.
Und ja: Sie kann es auch im neunten Fall und abermals macht man es sich mit diesem Buch gemütlich und kann die Augen nicht mehr von den Seiten lassen.
Den einzigen Vorwurf den ich ihr leider machen muss: In diesem Buch gab es eine sehr traurige Begebenheit, über die ich jetzt nichts verraten möchte. Ein Vorwurf deshalb, weil es Rita Falk doch tatsächlich geschafft hat, mir als gestandenes Mannsbild die Tränen in die Augen zu bringen. Das musste doch nicht sein, oder? Obwohl, nach so langer Zeit ist das auch wieder nachvollziehbar – aber wie gesagt, gehe ich nicht näher darauf ein.
Kaiserschmarrndrama ist jedenfalls wieder einmal ein weiteres einwandfreies Häppchen und viel zu schnell war das Ende dieses Buches erreicht.
Ich kann jedenfalls nur hoffen, dass Band 10 nicht zu lange auf sich warten lässt (diese Bücher machen einen echt süchtig) und die Autorin noch genug Einfallsreichtum besitzt, um Niederkaltenkirchen nicht langweilig werden zu lassen.
Kurzum: Erneut eine Empfehlung der witzigen Art und weiterhin die einzige Krimireihe, die ich seit Band 1 lese und nahezu abgöttisch liebe.
Danke jedenfalls für die netten, unterhaltsamen Stunden.
Jürgen Seibold/06.03.2018

Kaiserschmarrndrama: Ein Provinzkrimi (Franz Eberhofer) – KAUFEN BEI AMAZON

Perplies, Bernd: Der Drachenjäger – Die erste Reise ins Wolkenmeer

©2017 Bernd Perplies
©2017 S. Fischer Verlag GmbH, Frankfurt a.M.
ISBN 978-3-10-490205-0
ca. 376 Seiten

COVER:

In der Stadt Skargakar, an den Gestaden des geheimnisvollen Wolkenmeeres, leben die Bewohner von der Jagd auf Drachen, die es in den dunstig weißen Weiten jenseits der großen Klippe in schier endloser Zahl gibt. Auch Lian trägt seinen Teil bei. Als Kristallschleifer verarbeitet er magische Kyrilliane, die die Flugschiffe der Jäger in die Lüfte heben. Eines Tages jedoch macht sich Lian einen gefährlichen Mann zum Feind und ist gezwungen, aus Skargakar zu fliehen. In seiner Verzweiflung heuert er auf dem erstbesten Flugschiff an, dessen Kapitän ihn mitnimmt. Ein Fehler, wie sich bald herausstellt: Denn Adaron, der fanatische Kapitän der Carryola, jagt nicht irgendwelche Drachen. Sein Ziel ist der Urdrache Garganthuan selbst, ein Geschöpf der Legenden – und er ist bereit, für diese Jagd alles zu opfern.

REZENSION:

Bernd Perplies führt uns in seiner ersten Reise ins Wolkenmeer in eine fantastische Welt, in der Drachen die hauptsächliche Rohstoffquelle darstellen. Dementsprechend angesehen sind die Drachenjäger, die sich in ihren fliegenden Schiffen den Gefahren bei der Drachenjagd entgegenstellen.
Der junge Kristallschleifer Lian muss aus Sicherheitsgründen die Stadt verlassen und heuert aus diesem Grund ohne groß nachzudenken auf der Carryola an.
Wie sich dabei herausstellen sollte, besteht der einzige Antrieb des Kapitäns Adaron auf der Jagd nach einem der größten Drachen die es überhaupt gibt. Sein persönlicher Ansporn ist dabei nichts weiter als pure Rache: Hat doch dieser Drache vor langer Zeit seine Lebensgefährtin getötet.
Bernd Perplies ist etwas gelungen, worauf ich immer hoffe, es aber nicht oft vorkommt: Er hat mich überrascht! DerDrachenjäger ist eine rundum gelungene Geschichte mit einem atemberaubenden Setting und wunderbaren Figuren. sowohl Personen als auch Drachen.
Jede einzelne Seite ist pure Unterhaltung und man erkennt auch durch und durch die Hommage an den alten Litertaurklassiker MOBY DICK. Erstaunlich, wie es der Autor nahezu problemlos schafft, aus Ahab Adaron zu machen, aus Moby Dick den Drachen Garganthuan entstehen zu lassen. Dabei jedoch ohne eine platte Kopie des Klassikers zu generieren.
Der Drachenjäger ist eine wahrhaft rundum gelungene Fantasygeschichte, deren Sog ich mich schlichtweg nicht entziehen konnte und das Buch nahezu ungebremst verschlungen hatte. Perplies Schreibstil ist sehr zügig und eingängig. Dabei auch recht simpel und vollgepackt mit atemberaubenden Ideen. Er verliert dabei jedoch niemals die Story aus dem Auge und führt uns ungebremst zu dem von ihm geplanten Ende.
Der Drachenjäger ist natürlich erst der erste Band einer neuen Reihe – ich bin jetzt schon sehr gespannt, wie Perplies weiter vorgehen wird, denn das Thema Moby Dick ist abgehandelt und die Erwartungshaltung nach Genuß dieses Buches von meiner Seite aus bereits sehr hoch angesiedelt. Ich hoffe wirklich sehr, dass er mich auch weiterhin so positiv überraschen kann.
Der Drachenjäger ist jedenfalls eine absolute Empfehlung wert und ich freue mich schon sehr auf den Weltenfinder.
Jürgen Seibold/04.03.2018

Der Drachenjäger – Die erste Reise ins Wolkenmeer: Roman (Die Reise ins Wolkenmeer)