Mats Strandberg: Die Überfahrt

Aus dem Schwedischen von Antje Rieck-Blankenburg
©2015 Mats Strandberg
©2017 für die deutschsprachige Ausgabe: S. Fischer Verlag GmbH, Frankfurt a.M.
ISBN 978-3-10-490132-9
ca. 512 Seiten

COVER:

Die Passagiere an Bord der schwedischen Ostsee-Fähre Baltic Charisma wollen vor allem eins: sich amüsieren, und zwar um jeden Preis. Ob sie mit der besten Freundin tanzen gehen oder Junggesellenabschiede feiern, ob sie nach der Liebe ihres Lebens suchen oder vor den Dämonen des Alltags fliehen – die Nacht ist lang, und der Alkohol fließt reichlich.
Fast bleiben dabei die beiden dunklen Gestalten unbemerkt, die sich übers Autodeck an Bord schleichen: eine Mutter und ihr Kind. Mit ihnen betritt ein uraltes Grauen das riesige Schiff, und es wird zur tödlichen Falle. Die Angst geht um auf der Baltic Charisma …

REZENSION:

Wenn sich auf einem Roman ein Aufkleber befindet, auf dem der vorliegende Autor als der Schwedische Stephen King vermarktet wird, steigt natürlich die Erwartungshaltung enorm. Nur durch den Umstand, einen Horror-Roman abzuliefern, befindet man sich noch lange nicht in der Riege dieses namhaften Schriftstellers.
Auch Mats Strandberg wird diesem mit seinem Roman „Die Überfahrt“ leider nicht gerecht. Sicher, man erkennt einige Anleihen, lässt er sich doch auch einige Zeit, bevor das Grauen in den Alltag tritt. Strandberg versucht hier seinem Vorbild gerecht zu werden und lädt uns auf eine Fahrt ein, die üblicherweise von seinen Gästen zur Befriedigung deren Feierlaune benutzt wird. Nach und nach stellt er uns seine Protagonisten ausreichend detailliert vor. Familientragödien werden ausgebreitet, unzufriedene Personen mit all ihren Schwächen dargestellt.
Die Enge eines begrenzten Raums führt nicht nur dazu, dass sich gewisse Personen nicht richtig aus dem Weg gehen können, sondern auch noch, dass man sich dem langsam auftretenden Grauen natürlich nicht entziehen kann.
Strandbergs „Die Überfahrt“ ist ein Vampirroman mit erfrischenden Ideen. Gleichzeitig aber keine Besonderheit im bereits vielfältig ausgebreiteten Vampir-Genre. Die Gefahr verdichtet sich, die Opfer mehren sich und die Wiedergeburten erweisen sich als zombiehafte Gestalten.
Anfangs noch relativ interessant und beinahe als Fährenstudie wirkendes Werk, befindet man sich plötzlich nur noch in einer Hatz auf der Flucht vor den Vampiren.
Hier hat es sich Strandberg leider viel zu einfach und oberflächlich gemacht, wodurch das Buch zwar ganz nett als Lektüre zwischendurch funktionieren kann, dennoch mit nichts erfrischendem aufweisen kann. Schade eigentlich, denn wie man seinem Vorbild entnehmen kann, lassen sich auch Vampirromane als etwas ganz besonderes verpacken. „Die Überfahrt“ ist hier jedoch sehr weit entfernt und wirkt eher wie ein B-Film, der nach Schema F erstellt worden ist. Es ergaben sich leider keinerlei Überraschungen und somit vermochte mich das Buch nicht zu begeistern. Schade eigentlich, wäre schön gewesen, wenn Vampire mal wieder für etwas Neues gesorgt hätten.
Jürgen Seibold/12.02.2018

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Bordage, Pierre: Die Sphären

Originaltitel: Les Dames Blanches
Aus  dem Französischen von Carola Fischer
©2015 Librairie Atalante, Nantes
©2017 der deutschsprachigen Ausgabe by Wilhelm Heyne Verlag, München
ISBN 978-3-453-31848-9
ca. 443 Seiten

COVER:

Eines Tages entdeckt man im Westen Frankreichs eine riesige weiße Kugel. Niemand weiß, woher sie kommt oder was es mit diesem eigenartigen Phänomen auf sich hat. Dann verschwindet der dreijährige Léo beim Spielen spurlos. Seine Mutter Èlodie ist verzweifelt, denn die weiße Kugel scheint ihren Sohn regelrecht verschluckt zu haben. Doch Léos Fall ist erst der Anfang – auf der ganzen Welt tauchen diese sogenannten „weißen Damen“ auf, auf der ganzen Welt verschwinden Kinder. Alle Versuche, das Rätsel zu lösen und die Kinder von diesem geheimnisvollen Phänomen fernzuhalten, scheitern – die Kleinen werden geradezu magisch von den „weißen Damen“ angezogen. Der französischen Regierung ist schnell klar, dass die Kugeln zerstört werden müssen, bevor alle Kinder in ihnen verschwinden. Doch so einfach sind die „weißen Damen“ nicht zu besiegen, und schon bald versinkt das ganze Land in Chaos …

REZENSION:

Ohne jegliche Vorwarnung befindet sich eines Tages in der Nähe des Hauses von Èlodie eine weiße Kugel. Léo, ihr Kind, läuft auf diese zu und ist urplötzlich verschwunden. Recht schnell ist das Gebiet vom Militär eingegrenzt. Nachdem man aber keinerlei Möglichkeit hat, irgendwo an dieser Kugel eine Unregelmäßigkeit zu entdecken, geht man noch einige Zeit davon aus, dass Èlodie etwas mit dem Verschwinden ihres Kindes zu tun hat.
Dies löst sich recht schnell auf. Erscheinen doch weltweit immer mehr Kugel wie aus heiterem Himmel. Recht schnell wird klar: Man muss diese Kugeln vernichten.
Es stellt sich dabei heraus, dass es absolut nicht möglich ist, den Kugeln irgendetwas an zu tun. Nicht einmal ein Kratzer erscheint auf der makellosen, weißen Oberfläche.
Man ist ratlos und weiterhin verschwinden Kinder unter vier Jahren in diesen Gebilden.
Recht schnell vereinigen sich die Regierungen und erlassen ein menschenunwürdiges Gesetz: Familien müssen dafür sorgen, dass ausreichend Kinder unter vier Jahren als Kanonenfutter zur Verfügung stehen. Bepackt mit Sprengstoff entlässt man diese Kinder in diese Kugeln und hofft dadurch, für eine Vernichtung zu sorgen…
Pierre Bordage legt mit Die Sphären einen durchweg interessant erzählten Science-Fiction-Plot vor, der mehr oder weniger in unserer Zeit spielt und überwiegend ohne jegliche außerirdische Aktivität funktioniert. Seine „weiße Damen“ zeigen sich ausschließlich durch Präsenz. Sie sind einfach da und werden immer größer.
Dabei zerbricht nebenbei unser Kommunikationssystem und die Menschen spalten sich in Befürworter der neuen Gesetze als auch in Gegner.
Bordage spielt dabei stark mit den Gefühlen seines Lesers. Gleichzeitig konfrontiert er die Menschheit mit einem Spiegel, um die Frage aufzuwerfen, ob wir in der Lage wären, exakt so zu handeln. Zählt nur die Allgemeinheit oder hat das Individuum auch seine Berechtigung?
Bordage erzählt seinen Plot auf Basis einer nicht unerheblichen aber dennoch begrenzten Zahl an Protagonisten. Man darf aber dabei nie vergessen, dass sein Phänomen der weißen Kugeln weltweit aufgestellt ist. Im Laufe des Buches ist die gesamte Zahl der vorhandenen Kugeln in das Unermessliche gestiegen. Dabei findet die Menschheit trotz ihres theoretischen Überlegenheitsgedankens keine sinnvolle Möglichkeit, sich diesem inaktiven Feind zu entledigen.
Ich möchte hier nun nicht weiter in die Geschichte eintauchen, da sonst die Gefahr bestehen könnte, ein wenig zu viel zu verraten. Die Sphären ist jedenfalls ein SF-Thriller, der rundum für absolut gelungene Unterhaltung sorgt. Dabei versucht er auch uns allen einen Spiegel vor zu halten und man stellt sich des Öfteren die Frage, wie man sich selbst in dieser Situation fühlen würde.
Die Geschichte ist durchweg spannend und sehr eingängig erzählt. Ein absoluter Pageturner, der das Science-Fiction-Genre einfach mal so nebenbei in unseren Garten verlegt.
Als einziger Wermutstropfen in dieser Story zeigte sich das Ende. Pierre Bordage wollte hier sehr philosophisch agieren. Das war auch notwendig und löst den gesamten Plot nachhaltig und glaubwürdig auf. Dennoch wunderte ich mich, warum er sich dabei nicht etwas mehr Zeit lassen konnte. Seine Auflösung ist plötzlich da, kurz erklärt und schon wieder weg. Hier hätte ich mir definitiv etwas mehr Detail oder Ausschweifung gewünscht. Insbsondere, da die Geschichte auf dieses Ende hinlief und er exakt dort seine Moral darlegen wollte.
Schade, aber so richtig abwerten konnte das Ende die gelungene Story dann doch nicht mehr. Mir hat sie jedenfalls ziemlich gut gefallen.
Jürgen Seibold/27.01.2018

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Newman, Peter: VAGANT – Vagant-Trilogie 1

Originaltitel: THE VAGRANT
Ins Deutsche übersetzt von Helga Parmiter
©2015 by Peter Newman
German translation © 2017 by Amigo Grafik GbR.
ISBN 978-3-95981-495-9
www.cross-cult.de
ca. 445 Seiten

COVER:

EIN EINSAMER WANDERER.
EIN SCHWERT.
EIN KIND.

In einer postapokalyptischen Fantasywelt macht sich der namenlose Vagant mit einem Säugling im Arm auf die Reise. Sein Ziel: die letzte Zuflucht der Menschheit. Dorthin soll er ein mächtiges Schwert bringen. Die einzige Waffe, die den dämonischen Ursupator vernichten kann.

REZENSION:

Die Grundstory in VAGANT wirkt relativ simpel: Ein namenloser Fremder macht sich gemeinsam mit einem Säugling auf den Weg, um die letzte Zuflucht der Menschheit zu erreichen. Lediglich ausgerüstet mit einem Schwert durchstreift er unsägliche Orte und muss sich diversen Gefahren entgegenstellen.
Der Plot allein wäre nichts Atemberaubendes, bekommt aber ein alleinstehendes Merkmal durch die Anwesenheit des Säuglings und im Besonderen den Umstand, das die Hauptfigur im gesamten Buch kein einziges Wort fallen lässt.
Hierdurch legt sich der Fokus stark auf die erzählerischen Elemente der teilnehmenden Personen, denen der Vagant auf seinem Weg begegnet. Manch einer dieser Personen wird Mitglied der kuriosen Reisegruppe und wir befinden uns in einer Welt, deren Elemente geschickt in Richtung Steampunk weisen. Diese Vorgehensweise sorgt dafür, dass Peter Newmans Geschichte erfrischend neu wirkt. Ein absoluter Genre-Mix, der seinesgleichen sucht und somit endlich mal wieder für frischen Wind im oft gleich aufgebauten Genre sorgt.
Leider war es mir dennoch nicht möglich, mich mit der Geschichte rundum zufriedengestellt zu fühlen. Warum ist mir aber nicht wirklich bewusst. Irgendwie hat sie mir unwahrscheinlich gut gefallen. Auf der anderen Seite hatte ich aber durch die mit kurzen Sätzen erzählte Darlegung der Umgebung und Gegebenheiten ein wenig Probleme um richtig eintauchen zu können.
Irgendwie ist das aber auch schon wieder ein Jammern auf hohem Niveau, denn die dargestellte Abhängigkeit des Vaganten mit dem Säugling und dem immer wieder aufblitzenden witzigen Elementen in Bezug auf die wirklich geniale Ziege sorgte für angemessene Unterhaltung. Vielleicht liegt es an der etwas anders vorgehenden Schreibweise des Autoren, die es mir nicht gerade leicht machte, in meinem Augen für ein Rundum-Bild der örtlichen Gegebenheiten zu sorgen.
Der Vagant selbst bleibt durchweg mystisch. Man erkennt seine Motivation nicht wirklich. Oft wird er lediglich durch das allgemeine Geschehen mitgerissen und lässt sich auch darauf ein. Ist er nun ein Kämpfer? Böse? Gut? Man kann es nicht wirklich greifen. Was hat überhaupt das Baby mit dem allen zu tun? Fragen, die dafür sorgen, dass man sich dem Werk nicht entziehen kann.
Sämtliche Figuren sind interessant gezeichnet und man würde des öfteren gerne eine begleitende Person im illustren Kreis der Reisenden sein.
Eine Geschichte, die nicht umsonst auf manch Bestenliste auftaucht. Dennoch auch eine Geschichte, die etwas anders vorgeht und somit nicht jeden rundum überzeugen kann. Ich fühle mich zwischen den Stühlen und versuche immer noch zu greifen, ob ich sie nun genial fand, oder eben einfach nur eine weitere gute Story aus dem Genre der Phantastik.
Jürgen Seibold/27.01.2018

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King, Stephen / King, Owen: Sleeping Beauties

Originaltitel: Sleeping Beauties
Aus dem Amerikanischen von Bernhard Kleinschmidt
©2017 by Stephen King und Owen King
© der deutschsprachigen Ausgabe by Wilhelm Heyne Verlag, München
ISBN 978-3-453-27144-9
ca. 960 Seiten

COVER:

Die Welt sieht sich einem so erschreckenden wie faszinierenden Phänomen gegenüber. Sobald Frauen einschlafen, umhüllt sie am ganzen Körper ein spinnwebartiger Kokon. Wenn man sie weckt oder das unheimliche Gewebe entfernen will, werden sie zu barbarischen Bestien. Sind sie im Schlaf etwa an einem schöneren Ort? Die zurückgebliebenen Männer überlassen sich zunehmend ihren primitiven Instinkten. Eine Frau allerdings, die mysteriöse Evie, scheint gegenüber der Pandemie immun zu sein. Ist sie eine genetische Anomalie, die sich zu Versuchszwecken eignet? Oder ist sie gar ein Dämon, den man vernichten muss? Schauplatz und Brennpunkt ist ein kleines Städtchen in den Appalachen, wo ein Frauengefängnis den größten Arbeitgeber stellt.

REZENSION:

Es war wohl nur eine Frage der Zeit, bis sich seine Hoheit Stephen King dem Thema „Frauen“ annimmt. Ihm ist ebenfalls nicht entgangen, dass es in vielen Ländern ein frauenfeindliches Klima gibt, die #metoo-Bewegung immer weitere Kreise zieht und Frauen kurzum immer noch von vielen als nicht gleichwertig betrachtet werden.
Mit Sleeping Beauties nimmt er sich gemeinsam mit seinem Sohn diesem Thema an und man kann dieses Buch wahrlich als eine Hommage an das weibliche Geschlecht betrachten.
Per se halte ich diesen Umstand schon einmal für eine sehr gute Idee meines Lieblingsautors. Dennoch geht es auch um die Geschichte an sich – und wie bei jedem neuen Buch hoffte ich auch bei vorliegendem wieder etwas Prickelndes von ihm lesen zu dürfen.
Seine Story ist gut durchdacht. Gleichzeitig macht er es sich zusammen mit seinem Sohnemann abermals recht einfach in der notwendigen Ausarbeitung. Breitet er doch seine Story – wie schon oft – in einem kleinen Örtchen aus, um nicht zu weit ausholen zu müssen. Nichts desto trotz hat man das Gefühl, absolut jeden hier lebenden Einwohner persönlich kennen zu lernen. Dies ist sogleich die Stärke dieses Buches und es wird auch sehr schnell klar, dass eine Welt ohne Frauen nicht erstrebenswert sein kann. Tja, wer hätte das gedacht?
Die beiden Kings legen ihren Plot in üblicher Qualität vor. Das prickelnde Gefühl konnte aber nicht überspringen. Viel zu sehr erinnert das Einschlafen der Frauen und die jeweils dazugehörige Dramatik an die atemberaubend erzählten Sterbenden in Kings THE STAND. Dieses bösartige Erzählen und dabei emotional unberührt darüber hinweggehen sorgte bei THE STAND für eine Gänsehaut, die man nur noch mit dem immer wieder aufflackernden schwarzen Humor zur Seite wischen konnte.
In Sleeping Beauties ist dies gut erzählt – darüber hinaus wird man aber das Gefühl nicht los, dass hier irgendetwas fehlt. Kurz gesagt: Die Qualität Kings blitzt auf, entflammt aber nicht.
Sleeping Beauties ist beinahe 1.000 Seiten dick. Dies ist für einen King-Leser kein Problem, sind doch viele grandiose Werke von ihm so umfangreich und detailliert erzählt, dass diese Seitenzahlen schlichtweg einfach notwendig zu sein scheinen.
Hier war es mir leider etwas zu langatmig. Gleichzeitig vermisste ich den schwätzerischen King, der weit ausholend irgendwelche personenbezogenen Stories einfügt, die absolut nichts mit dem eigentlichen Plot zu tun haben, dennoch den Leser in seinen Bann ziehen. Mann, was habe ich das geliebt und bei vorliegendem Buch allein durch die Anwesenheit von 1.000 Seiten erhofft als auch erwartet.
Die Enttäuschung wuchs im Laufe der Geschichte: Seine Sätze waren kurzgehalten (Hat die alle sein Sohn geschrieben? Seit wann kann S.K. kurze Sätze?). Der daraus resultierende Plot wirkte nur noch langatmig und es kamen keine nennenswerten und tiefgehenden Details an die Oberfläche. Liegt das am Übersetzer? Oder hat Stephen King das Zepter etwas locker an der Hand gehalten?
Nun, Fragen über Fragen. Sleeping Beauties ist dennoch ein gutes Buch. Gleichzeitig eine typisch King’sche Kleinstadtgeschichte und diesem Fall auch noch eine sehr mystisch angehauchte Geschichte. Somit alles, was das Herz begehrt. King-Fans werden es ja sowieso lesen. Neueinsteigern würde ich aber zu früheren Werken des Autors raten. Diese sind definitiv effektiver und fräsen sich in des Lesers Gehirn.
Alles in allem eine relativ gute Geschichte, deren Grundgedanke wichtig ist. Trotzdem kein neuer leuchtender Stern im Kosmos Stephen Kings.
Jürgen Seibold/27.01.2018

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Scheib, Torsten: Götterschlacht

©2017 Amrûn Verlag, Jürgen Eglseer, Traunstein
ISBN 978-3-95869-562-7
ca. 365 Seiten

COVER:

Es hat begonnen.
Harmlos brach es herein. Keiner nahm die Zeichen am Himmel ernst. Man lachte, man zelebrierte, man staunte – und verspottete die mahnenden Stimmen.

Ohne Vorwarnung
Erst stürzte der Himmel ein, dann löschte ihn die Eiszeit. Begrub die Erinnerungen dieser Welt unter sich, labte sich an warmen Körpern; am Gaumenkitzel nackter Angst. Wer dennoch überlebte, wurde gejagt. Von den pelzigen und geflügelten Kreaturen, den flammenden und frostigen Geschöpfen. Den Streitarmeen Hels, der Fürstin der Unterwelt.

Erst kam die Dämmerung.
Unvermittelt fand sich eine Handvoll unbescholtener Menschen zwischen den Armeen der Unterwelt und des Asgards wieder: wurde zu Spielbällen in der womöglich alles entscheidenden Schlacht.

Dann – die Götterschlacht …
Wer wird obsiegen? Die diabolische Herrscherin über Firn und Finsternis? Oder doch die ehrbaren Asen? Wer wird überleben? Menschen – oder …?

Ragnarök.
Das Ende ist angebrochen.

REZENSION:

Dystopien gibt es in der heutigen Zeit wie Sand am Meer. Nachdem Literatur oft einen Spiegel der Gesellschaft darstellt, kann man sich dem Nachdenken über den Grund dieser Vielfalt sicher nicht entziehen.
Im Gegensatz zu den Weltuntergangsszenarien, die mit Zombies und/oder gesellschaftlichen Zusammenbrüchen zu glänzen versuchen, geht Torsten Scheib einen gänzlich anderen Weg: Er vermengt sein Szenario mit den alten nordischen Sagengestalten. Allein dieser Umstand sorgte für ein ausreichendes Interesse von meiner Seite, sich diesem Werk zu widmen. Endlich einmal eine neue Idee in den Weiten der von Zombies überrannten Geschichtserzählungen.
Scheib lässt seinem Leser von Anfang ein keine Ruhe und lässt nahezu ungebremst den Weltuntergang über seine Protagonisten hereinbrechen. Anfangs noch belächelnd den typischen Stimmen in irgendwelchen TV-Diskussionsrunden sprechenden „Experten“ lauschend, bricht urplötzlich alles zusammen und es bleibt einem nichts weiter übrig, als um das nackte Überleben zu kämpfen. Scheib erzählt uns von einer jungen Gruppe, die sich ziemlich schnell der auftretenden Gefahr bewusst wird und sich gemeinsam auf die Flucht macht. Ab diesem Augenblick begleiten wir sie auf ihrem rasanten Weg zu einer vermeintlichen Zufluchtsstätte.
Fulminant schafft es Torsten Scheib dabei, die Gefahren und somit auch die Spannung aufrecht zu erhalten. Gleichzeitig bekam ich dabei jedoch auch das Gefühl, lediglich eine Gruppe auf der Flucht vor irgendwas noch nicht greifbarem lesend zu begleiten.
Kurz bevor ich mit dem Gedanken spielte, Götterschlacht als weiteren „Ich-bin-dann-mal-auf-der-Flucht“-Roman zu betrachten und somit zu beenden, schwenkte Scheib in die nordische Sagenwelt und führte einige „Gottheiten“ in seinen Plot ein.
Erfreut darüber blitzte in meinen Augen wieder Hoffnung auf und ich musste dem Plot unbedingt weiter folgen.
Die Vermischung dieser alten Sagen und deren Grund für den anstehenden Weltuntergang hob die Geschichte wieder hervor vom üblichen Einheitsbrei.
Dabei ist sein Schreibstil auch eingängig und gut durchdacht. Darüber hinaus spiegelt sich unglaublich viel thematisches Wissen wieder. Gleichzeitig kann man dem Plot weiterhin gut folgen – vorausgesetzt, man hat zumindest ein klein wenig Wissen über diese Sagengestalten parat. Ich denke aber, bereits durch den ein oder anderen Wikingerfilm oder -serie ist man bereits gut darauf vorbereitet.
Nach der Rettung der Protagonisten durch die Asen bekommt man langsam heraus, dass diese Gruppe etwas Besonderes darstellt und somit wohl der Schlüssel zur Rettung der Welt sind. Dementsprechend werden sie wieder auf die eigentliche Welt entlassen und müssen sich erneut den Gegnern stellen.
Ab diesem Zeitpunkt hat mich der Autor ein wenig verloren: Mir wurde nicht ausreichend klar, warum dieses Team diese Rolle einnehmen musste. Darüber hinaus waren sie dann urplötzlich wieder auf der Flucht vor allen möglichen Gefahren und versuchten zu überleben, bis ihnen endlich Hilfe zur Seite eilt.
Götterschlacht hat mich sehr zwiespältig zurückgelassen. Zum einen gefiel mir Scheibs Schreibstil und besonders die Idee außerordentlich gut. Zum anderen waren mir aber seine Protagonisten etwas Platt dargestellt – im Gegensatz zu ihrem Helfer aus dem Volk der Asen. Dessen Stärken und Schwächen wirkten irgendwie eingängiger.
Alles in allem ein spannender Roman für Freunde von Geschichten, deren rasante Erzählweise fast keine Zeit zum Luftholen lässt. Etwas mehr Tiefgang und dafür vielleicht etwas weniger „Auf-der-Flucht-sein“ hätte mir wohl besser gefallen. Außerdem hätte mich noch sehr interessiert, warum gerade diese wenigen Menschen die Rolle zum Neuaufbau übernehmen mussten. Deren Besonderheiten hat sich mir leider nicht erschlossen.
Jürgen Seibold/27.01.2018

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Golden, Christopher: Der Fährmann

Originaltitel: The Ferryman
Aus dem Amerikanischen von Bernhard Kleinschmidt
©2002 by Christopher Golden
©2017 Buchheim Verlag
ISBN 978-3-946330-01-1
ca. 366 Seiten

COVER:

Die Ebenen der Realität verschieben sich, als ein uralter Mythos auf furchtbare Weise lebendig wird.
David und Janine, die nach einem quälenden Verlust wieder zueinander finden, müssen sich den Dämonen ihrer Vergangenheit stellen und den brüchig gewordenen Glauben an sich und ihre Welt wiederfinden.

REZENSION:

Bereits am Anfang führt Christopher Golden seinen Protagonisten an die Schwelle des Todes. Janine verliert ihr Baby und ist selbst auf dem Weg in das Jenseits. Während ihrer Nahtoderfahrung begegnet sie dem Fährmann, verweigert sich jedoch auf eine sehr vehemente Art, mit ihm den Weg über den Fluß des Todes anzutreten.
Dem Tod entkommen häufen sich mysteriöse Geschehnisse in ihrem Leben. Gleichzeitig findet sie wieder mit ihrem früheren Freund, David, zusammen. Beide stellen sich ihren eigenen Dämonen, merken dann jedoch, dass sich noch erheblich mehr ihrer aufflammenden Partnerschaft entgegenstellt.
Golden fängt in Der Fährmann rasant an, tritt dann jedoch auf die Bremse und baut in einer unglaublichen Seelenruhe seinen Plot auf. Dadurch hat man fast das Gefühl, sich in einer reinen Liebesgeschichte zu befinden, wäre da nicht das immer wieder aufflackernde, mystische Element dieser Geschichte.
Nach und nach baut Golden seine notwendigen Spannungselemente ein. Gleichzeitig werden seine Figuren von ihm sehr detailliert gezeichnet und in ihrer gesamten, der Geschichte entsprechenden, Tiefe dargelegt.
Der Fährmann wirkt dadurch sehr ruhig, wodurch reine Horrorfans leicht abgeschreckt werden können – gibt es doch lange Phasen ohne großartige Elemente dieses Genres.
Nichts desto trotz möchte man seinen Personen uneingeschränkt folgen, wodurch das erst langsam ansteigende und spät kommende Grauen keinen negativen Eindruck zur Folge hat.
Die Story lässt sich sehr flüssig lesen und die Aufmachung des gedruckten Buches wirkt liebevoll und interessant gestaltet.
Absolut eigenständig und dementsprechend interessant wirkt in meinen Augen der Umstand, dass Golden sämtliche bestehende Religionen auf sehr virtuose Art und Weise miteinander verknüpft hatte. Auf die von ihm dargelegte Idee muss man erst einmal kommen.
Alles in allem wirkt dieses Werk natürlich an alte Klassiker des Genres angelehnt. Insbesondere „Der Exorzist“ würde mir dabei einfallen. Gleichzeitig ist Goldens Werk aber nicht einfach ein simpler Abklatsch längst vergangener Werke.
In meinen Augen endlich einmal wieder ein hochinteressanter und geschickt erzählter Roman aus dem Horrorgenre. Legt man Wert auf reine Elemente des Horrors, ist es sicher nicht das geeignete Buch, möchte man aber eine tiefgehende Geschichte, garniert mit dezenten Horrorelementen, dann liegt man hier definitiv richtig.
Jürgen Seibold/21.01.2018

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Martin, George R. R.: Armageddon Rock

Originaltitel: Armageddon Rag
Deutsche Übersetzung von Peter Robert
©1983 by George R.R. Martin
©2014 der deutschsprachigen Ausgabe by Golkonda Verlag GmbH.
©2016 dieser Ausgabe by Wilhelm Heyne Verlag, München
ISBN 978-3-641-19772-8
ca. 576 Seiten

COVER:

In einer apokalyptischen Nacht des Jahres 1971 stirbt eine Band – und mit ihr eine ganze Generation. Tausende von Zuschauern erleben live mit, wie der Sänger der legendären Nazgûl, von der Kugel eines Scharfschützen getroffen, auf offener Bühne tot zusammenbricht. Der Sommer der Liebe ist endgültig vorbei. Doch zehn Jahre später geschieht etwas Unglaubliches: Die Nazgûl sind zurück! Aber ihre Musik hat sich in ein rasendes Requiem verweandelt und kündet von Wahnsinn und Tod …

REZENSION:

George R.R. Martin ist ja durch seine sagenhafte und weit ausgeholte Geschichte über die Geschehnisse auf Westeros wohl mittlerweile jedermann ein Begriff.
Man könnte dieses Autoren somit problemlos auf seine Rolle im Genre der Fantasy reduzieren – gäbe es da nicht zusätzlich noch das ein oder andere Werk, dessen Inhalt nicht zu verachten ist und dabei eine weitgefächerte Kreativität des Autors belegen kann.
ARMAGEDDON ROCK ist ein früheres Werk Martins und wendet sich dem Ende der friedvollen, von Drogen, Sex und Leidenschaft getriebenen Welt des Rock and Roll zu. Er erzählt von einer Band namens Nazgûl, dessen Sänger auf dem Höhepunkt ihrer Karriere per Kopfschuss während eines sagenhaften Liveauftritts von einem Scharfschützen erschossen wird. Die Band löste sich natürlich nach dieser Grausamkeit auf und schien nur noch zu einer kleinen Notiz im Universum der Rockgeschichte zu werden.
Zehn Jahre später wird der abgehalfterte Musikjournalist und Möchtegernautor von seinem früheren Verleger dazu überredet, einen Artikel über die Nazgûl zu schreiben. Hintergrund ist ein Mordfall, bei dem der damalige Manager der Nazgûl auf brutale Weise getötet worden ist. Er macht sich auf den Weg, um die früheren Mitglieder zu finden, zu interviewen und dabei nach und nach heraus zu finden, dass erheblich mehr dahintersteckt, als man in seinen kühnsten Gedanken erwarten konnte. Zusätzlich macht das Gerücht seinen Weg, die Nazgûl würden einen Reunion-Tour planen – interessanterweise wissen lange Zeit nicht einmal die Bandmitglieder etwas davon, bis sie sich dann doch eines Tages gemeinsam wieder auf der Bühne finden. Doch wer übernimmt die Rolle des ermordeten Sängers? Nun, davon kann sich jeder Leser selbst überzeugen…
George R.R. Martin bietet uns mit diesem Werk eine liebevolle Hommage an den Rock der ausgehenden 60 und beginnenden 70er Jahre. Gleichzeitig wirkt Armageddon Rock auch als Abgesang auf diese Zeit. Man könnte somit sagen, es handelt sich um ein Musikbuch – und ja, um ein verdammt gutes Musikbuch, welches mit einem Lebensgefühl aufwartet und darlegt, wie es wohl seit Ende der „Blumenzeit“ wohl nicht mehr wirklich gegeben hat.
Eine Geschichte, die als Widmung zu vielen vergangenen Bands verstanden werden möchte. Dabei aber gleichzeitig ein grotesker Horrorroman, der die Reunion auf eine ganz andere Ebene hebt.
Sein Werk dient liebevoll als Reisebricht des unglücklichen Journalisten durch die Staaten, als epochales Rockbuch und fast sogar als Musikdokumentation längst vergangener Zeiten.
Er schafft es dabei auf geniale Weise, ein Lebensgefühl zu transportieren und man ertappt sich dabei, wie man plötzlich gitarrenlastige Musik als Hintergrundmusik zum Lesen benötigt.
Seine Personen sind durchweg detailliert eingefügt und glaubhaft dargestellt. Man erkennt schon ein wenig seine zukünftige Art des Ausschweifens – jedoch ist es in diesem Werk noch angenehm aufgebaut.
In meinen Augen ein nicht zu verachtendes Werk eines Autoren, der heutzutage im Großen und Ganzen auf sein epochales Game-Of-Thrones reduziert wird. Wie man merkt, gibt es da auch in der Vergangenheit bereits manch Perle von ihm.
Ein sehr empfehlenswertes Werk.
Jürgen Seibold/07.01.2018

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Kristoff, Jay / Kaufman, Amie: Illuminae – Die Illuminae Akten_01

Originaltitel: Illuminae. The Illuminae Files_01
Aus dem amerikanischen Englisch von Gerald Jung & Katharina Orgaß
©2015 LaRoux Industries Pty Ltd. Und Neverafter Pty Ltd.
Deutsche Erstausgabe 2017
© für die deutschsprachige Ausgabe: 2017 dtv Verlagsgesellschaft mbH & Co. KG, München
ISBN 978-3-423-76183-3
ca. 600 Seiten

COVER:

Gestern noch dachte Kady, das Schlimmste, was ihr bevorsteht, ist die Trennung von ihrem Freund Ezra. Heute dann wird ihr Planet angegriffen.

Kady und Ezra verlieren sich bei der Flucht und gelangen auf unterschiedliche Raumschiffe. Doch die Fliehenden werden immer noch von dem feindlichen Kampfschiff verfolgt. Und damit nicht genug: Ein XXX, freigesetzt bei dem Angriff mit biochemischen Waffen, mutiert mit grauenhaften Folgen. Und dann ist da noch AIDAN, die Künstliche Intelligenz der Flotte, die von Raumtemperatur über Antrieb bis Nuklearwaffen alles an Bord steuert. Eigentlich soll AIDAN sie beschützen, aber er verhält sich mehr als seltsam.

All das und noch viel mehr wird von dem Führungsstab vertuscht. Kady versucht herauszufinden, was vor sich geht, doch dazu braucht sie Ezras Hilfe. Und so wendet sich Kady an den Jungen, mit dem sie nie wieder ein Wort sprechen wollte …

REZENSION:

Wenn man das Buch ILLUMINAE in der Hand hält und oberflächlich durchblättert, sieht man nur Textfragmente, Dialoge, Zeichnungen, weggeschwärzte Textstellen, vermeintliche Dokumente, kurze Statusmeldungen.
Hätte mich Jay Kristoff mit einem seiner Fantasyepen nicht bereits von sich überzeugen können, wäre ich mir recht sicher, mich nicht an dieses Buch getraut zu haben. Schlußendlich stellte sich aber heraus, dass es sich doch auf eine erfrischende und gänzlich neuartige Art gelohnt hat, sich diesem eher für den Jugendbereich gedachten Buch zu widmen.
Das Buch erzählt seine Geschichte anhand von Protokollen, Dokumenten und „Dateien“. Textstellen sind teilweise geschwärzt, was hauptsächlich für Kraftausdrücke vorgenommen worden ist, dennoch die Dokumente etwas realistischer machen.
Man folgt somit einem Sammelsurium an aufgetauchten Unterlagen zu einem Angriff einer Gesellschaft auf einen kleinen Planeten. Dabei lernt man die beiden hauptsächlichen Protagonisten kennen, die ihre Kommunikation überwiegend im geheimen durch Nutzung von Logins anderer Schiffsbewohner vornehmen. Meistens „reiten“ sie dabei auf einer unserer E-Mail angelehnten Kommunikationsart.
Ich fragte mich wirklich lange, ob sich so ein Konzept durchgehend über eine Bandbreite von nahezu 600 Seiten durchhalten lässt. Insbesondere, ob dabei auch ein klein wenig Spannung aufkommen kann. Sicher, ab und an gab es schon Augenblicke, an denen es mir fast zu schwer geworden ist, mich weiterhin dieser untypischen Erzählart zu folgen. Bin ich doch eher ein Freund des ausholenden erzählerischen Textes. Nach und nach entwickelt sich aber interessanterweise dennoch eine sehr gelungene Story, die gleichzeitig Fasetten unterschiedlicher Genre zusammenfügt: Wir treffen hier auf eine sich liebendes Jugendpärchen in einem ScienceFiction-Roman und dürfen auch vor Zombies nicht zurückschrecken. Als Sahnehäubchen noch ein allumfassender Schiffscomputer, der nicht mehr alle Tassen im Schrank zu haben scheint und immer mehr zu einer Gefahr für alle noch lebenden Menschen wird.
ILLUMINAE wird sicherlich nicht jedem gefallen. Ich konnte mich aber nach und nach mit dieser Idee anfreunden und irgendwie entwickelt sich beim Lesen von lediglich „Dokumenten“ eine Art Voyeurismus, dem man sich nicht mehr entziehen kann.
Die gesamte Story ist in einem Fluss auf Basis dieser Dokumente erzählt. Beide Autoren schafften es dabei sogar, diesen Stil bis zum Ende durchzuhalten und dennoch für einen ausgesprochen gut erzählten Schluss zu sorgen.
Funktionieren wird dieses Buch wohl hauptsächlich in der gedruckten Version. So kann ich es auch einigermaßen gut empfehlen. Man muss sich aber darüber im Klaren sein, dass hier eine gänzlich andere Art des Erzählens vorgenommen wird und es darüber hinaus wohl eher in Richtung Jugendbuch geht. Dennoch ist es ein ausgesprochen interessantes Konzept, eine geniale Idee und ich finde es auch klasse, dass sich ein Verlag auf so eine Veröffentlichung einlässt. Ist ja eben etwas Anderes und nicht für jeden geeignet. Ich fand es schlußendlich sehr interessant, bin mir aber gleichzeitig nicht sicher, ob ich noch weitere solche Bücher lesen könnte. Trotzdem ein sehr gelungenes Experiment.
Jürgen Seibold/20.12.2017

Illuminae. Die Illuminae-Akten_01 – KAUFEN BEI AMAZON

King, Stephen / Chizmar, Richard: Gwendys Wunschkasten

Originaltitel: Gwendy’s Button Box
Aus dem Englischen von Ulrich Blumenbach
©2017 by Stephen King und Richard Chizmar
© 2017 der deutschsprachigen Ausgabe by Wilhelm Heyne Verlag, München
ISBN 978-3-453-43925-2
ca. 127 Seiten

COVER:

Wiedersehen mit Castle Rock

Die kleine Stadt Castle Rock in Maine hat die seltsamsten Dinge erlebt. Warum sollte es der jungen Gwendy anders ergehen? Eines Tages schenkt ein schwarz gekleideter Unbekannter ihr einen Holzkasten mit lauter Schaltern und Hebeln. Wozu er dient? Gwendy probiert es aus, und ihr Leben verändert sich von Grund auf.

REZENSION:

Mit Gwendys Wunschkasten kommt eine in meinen Augen sehr kurze Geschichte von lediglich knappen 130 Seiten auf den Markt. Die Bindung als Hardcover wirkt handlich und macht sich gut im Stephen-King-Regal.
Bei dieser Seitenzahl kann natürlich der normalerweise ausschweifend erzählende Autor nicht ausholen, wie man es von ihm kennt und zu schätzen weiß.
Bereits nach einigen Seiten musste ich schmunzeln, da Gwendy von einem Fremden namens Richard Farris einen Kasten mit Tasten bekommt. Nun, wer King kennt, weiß, das er gerne mit seinen Figuren bücherübergreifend spielt und sogar in Initialen Bedeutungen verborgen sind. Nun, Richard Farris = R.F. = Randall Flagg. Somit scheint sich hinter diesem Kasten sicherlich mehr zu verbergen, als es oberflächlich den Anschein zu haben scheint.
Die Story selbst ist eine wunderschöne Parabel über das Erwachsenwerden (wohl eine Leidenschaft Kings), als auch über die auftretenden Probleme beim Übernehmen von großer Verantwortung.
Sicher, durch die begrenzte Seitenzahl kann hier nicht allzu sehr ausgeholt werden, dennoch war es wieder einmal ganz schön, nach Castle Rock zurück zu kommen.
Gwendys Wunschkasten ist jedenfalls ein gelungenes Häppchen, bevor man sich dem nächsten 1000-Seiten-Blocker Kings widmet. Das Ende ist diskussionswürdig, aber auch wieder typisch für einen King.
Gwendys Wunschkasten besitzt einen dezenten Grusel, regt zum Nachdenken an und sorgt für ein behagliches Wiedersehen mit der fiktiven Stadt. Ein, zwei Verweise auf andere Werke konnte der Autor trotz der kurzen Möglichkeit auch noch hinterlassen.
Ein nettes, kleines Büchlein mit einer Geschichte, die mich ausreichend überzeugen konnte. Es gibt schlechtere King-Kurzgeschichten, aber es gibt auch bessere. Nichts desto trotz konnte Gwendys Wunschkasten überzeugen und ich freue mich bereits auf den Genuss seines neuesten Romans.
Jürgen Seibold/17.12.2017

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Hogan, Mitchell: Die Feuer von Anasoma

Originaltitel: A Crucible Of Souls
Aus dem Englischen von Michael Siefener
©2015 by Mitchell Hogan
© 2017 der deutschsprachigen Ausgabe by Wilhelm Heyne Verlag, München
ISBN 978-3-453-31813-7
ca. 720 Seiten

COVER:

Caldan ist zehn Jahre alt, als seine Eltern von den Schergen des Kaisers ermordet werden. Er selbst entkommt seinen Verfolgern und findet in einem Kloster Unterschlupf, wo er von den Brüdern in den Grundlagen der Arkanen Magie unterrichtet wird – denn Caldan ist talentiert. Eines Tages, so hofft er, wird man ihn als Novizen in den Orden aufnehmen. Doch acht Jahre später zerbricht dieser Traum in tausend Scherben, als Caldan bei einer Prügelei einen Mitschüler, Sohn einer reichen Adelsfamilie, verletzt. Mit nichts in der Tasche außer einem Beutel Kupferdukaten und zwei geheimnisvollen, magischen Ringen, die angeblich seinen Eltern gehörten, wird er aus dem Kloster geworfen. Er muss den Ort verlassen, der ihm ein zweites Zuhause geworden ist. Die Ordensbrüder. Und Jemma – seine erste große Liebe. Verzweifelt schifft sich Caldan nach Anasoma ein, eine der mächtigsten und buntesten Städte des mahrusischen Reiches. Er bewirbt sich um die Aufnahme bei der Zauberergilde, denn dort glaubt er, mehr über die Ringe und das magische Erbe seiner Familie herausfinden zu können. Doch die Welt außerhalb der Klostermauern ist dunkel und gefährlich – und sie wird noch immer von den Mördern seiner Eltern beherrscht …

REZENSION:

Wie so oft im Fantasygenre begleiten wir einen Jungen auf seinem Weg in das Erwachsenenleben. Er muss dabei Schicksalsschläge hinnehmen, viel lernen und einer wachsenden Anzahl an Gefahren trotzen. Interessanterweise nutzen sich diese wiederkehrenden Plots aber einfach nicht ab und auch in dieser Geschichte kann man sich dem Werdegang von Caldan nicht entziehen. „Die Feuer von Anasoma“ ist der Auftakt einer wohl dreibändigen Serie, in der Caldan seinen Weg vom Novizen zu einem wohl (?) mächtigen Zauberer machen wird. Der Verlag hat leider auf seinem Buch nicht angegeben, dass es ein Auftakt ist. Hierdurch könnten einige Leser wohl etwas irritiert zurück gelassen werden, da das Werk nicht nur mit einigen Cliffhangern endet, sondern auch noch eine Vielzahl an Fragen und Erzählsträngen offen sind.
Die Verknüpfung von Fantasy mit magischen Elementen ist sehr oft zum Scheitern verurteilt, da man es sich als Autor durch das Hinzufügen von Zauberei im Erzählfluss oft recht einfach machen könnte. Mitchell Hogan umschifft diese Problematik jedoch auf eine interessante Art und Weise. Sobald Zauberei ins Spiel kommt, müssen einige Gegebenheiten vorherrschen, da die Zauberei nicht einfach durch eine Handbewegung oder das Aufsagen eines Spruches funktioniert. Im Gegenteil, der Zauberei muss vorher mit verschiedenen Rohstoffen kreativ tätig sein und somit seine magischen Fähigkeiten gezielt planen.
Viele Elemente im vorliegenden Buch hätte ich mir noch mit mehr Liebe zum Detail erhofft. Ganz besonders hierbei das beinahe gänzlich durch das Buch laufenden, taktisch hoch anspruchsvolle Gesellschaftsspiel mit dem Namen Dominion. Dieses spielt eine erhebliche Rolle, bleibt aber in seiner Darstellung als auch der Vorgehensweise recht dünn dargestellt.
Caldan selbst entwickelt sich erst im Laufe der Story zu einer detaillierter gezeichneten Person. Gleiches trifft auf Mitspieler bzw. Kontrahenten zu. Einige bleiben dennoch ohne Tiefe, was aber auch am Umstand eines ersten Bandes liegen kann. Eventuell ergibt sich da noch mehr im Laufe der Zeit.
Anasoma selbst ist nicht gerade ein Hort der Freundlichkeit. Insbesondere, wenn man zum ärmeren Personenkreis gehört. Nach und nach lernt man aber auch diese immer besser kennen, wodurch man sich immer besser aufgehoben fühlt.
Caldans Weg vom jungen, zufriedenen Klosterbewohner zum Auszubildenden bei en Protektoren macht einfach viel Spaß. Der Stil ist außerordentlich eingängig beschrieben, die Dialoge sind ab und an etwas simpel hingeworfen, wirken aber dennoch passend.
Mitchell Hogan erfindet mit seinem Werk sicherlich das Genre nicht neu, fügt aber ein schönes Werk hinzu, auf dessen Fortsetzung ich mich bereits sehr freue.
Ich bin schon sehr auf die weitere Entwicklung gespannt und kann bis dahin jedem lediglich den Einstig in dieses Werk nur empfehlen.
Jürgen Seibold/17.12.2017

Die Feuer von Anasoma: Roman (Sorcery Ascendant Sequence, Band 1) – KAUFEN BEI AMAZON

Bennett, Robert Jackson: Die Stadt der tausend Treppen

Originaltitel: City of Stairs
Aus dem Amerikanischen von Eva Bauche-Eppers
©2014 by Robert Jackson Bennett
Für die deutschsprachige Ausgabe: ©2017 by Bastei Lübbe AG, Köln
ISBN 978-3-404-20861-6
ca. 620 Seiten

COVER:

Einst besaß die Stadt Bulikov die Gunst der Götter – mit ihrer Macht eroberte sie die Welt. Bis ihre göttlichen Beschützer vernichtet wurden. Heute ist Bulikov nur eine weitere Kolonie Saypurs. Die heiligen Wunder und Schreine sind verschwunden, alles Göttliche wurde verboten.

In diese unterdrückte Stadt kommt Shara Thivani. Offiziell ist die bescheidene junge Frau nur eine weitere Nachwuchsdiplomatin, doch hinter der Fassade verbirgt sich eine Meisterspionin. Sie ist nach Bulikov gekommen, um den Mörder ihres Mentors zu fassen, doch eine Verbrecherjagd in Bulikov birgt ungeahnte Gefahren. Denn man weiß nie, wann eine Treppe im Nichts endet, sich plötzlich der nächste Abgrund auftut, wo vorher keiner war, oder ein Schritt zu viel einen in die Vergangenheit trägt …

REZENSION:

Es ist noch gar nicht so lange her, da wurde man beim Genuss eines Buches aus dem Genre der fantastischen Literatur eher belächelt denn ernst genommen. Mag sein, dass früher dieses Genre eher im Jugendbereich eine Rolle gespielt hatte und nur wenige Bücher im Erwachsenenbereich klar Stellung beziehen konnten.
Erfreulicherweise scheint diese Zeit jedoch vorüber gegangen zu sein – man hat eine schier unermessliche Auswahl an herausragender fantastischer Literatur.
Robert Jackson Bennett schließt sich dem mit „Die Stadt der tausend Treppen“ auf virtuose Art an und legt einen Fantasyroman vor, der anspruchsvoll, tiefgehend und darüber hinaus genreübergreifend neue Maßstäbe zu setzen scheint.
Seine Geschichte spielt in einer fantastischen Welt – gleichzeitig verknüpft er diese mit dem Genre des Steampunk und legt eine reinrassige Agentengeschichte als Oberbau darüber. Garniert mit politischen Strukturen, Machtkämpfen und daraus folgenden Intrigen ohne Rücksicht auf Verluste. Seine Stadt ist nicht gerade ein Ort, den man sich als Rückzugsort aussuchen würde: Im Gegenteil, die Bewohner haben es wahrlich nicht leicht, werden unterdrückt und Religionen, Gottheiten und bereits das darüber sprechen ist verboten.
Die Stadt Bulikov wird nicht von der Geschichte losgelöst im Detail aufgeführt und gezeichnet, sondern vom Autoren nach und nach in der Story langsam aufgebaut und erhält dadurch eingehendere Konturen, da man sich in diesem Fall gefühlt direkt darin befindet.
Man begleitet hauptsächlich Agentin Shara auf ihrer Suche nach dem Mörder ihres Mentors, einem herausragenden Wissenschaftler.
Anfangs viel mir persönlich der Einstieg ein klein wenig schwer. Nach und nach fiel es mir aber immer einfacher, mich mit den Gegebenheiten dieser Welt abzufinden, die Umstände besser zu erkennen und somit umfänglich in Bulikov eintauchen zu können. Ab diesem Augenblick konnte ich mich dem Ideenreichtum in dieser Geschichte nur noch schwer entziehen und freute mich auf jede weitere Seite.
Ein wahres Meisterstück mit erfrischend neu wirkenden Ideen, deren Zusammenfügen beinahe für ein neues Genre sorgen. Dezentes Crossover par excellence. Ein anspruchsvolles und dennoch eingängiges Werk mit Fokus auf die Umgebung und soziale als auch politische Strukturen.  Rundum empfehlenswert. Man kann nur noch hoffen, dass die Nachfolgebände dem in nichts nahestehen.
Jürgen Seibold/16.12.2017

Die Stadt der tausend Treppen: Roman (Die göttlichen Städte, Band 1) – KAUFEN BEI AMAZON

Michael E. Vieten: Handbuch zur Rettung der Welt

©2017 Vieten, Michael E..
ISBN 978-3740733766
ca.286 Seiten

COVER:

„Schaue nicht nach Westen, schaue nach Osten. Dort geht jeden Morgen eine neue Sonne auf.“

Was erwartet die Menschheit, wenn sie weitermacht, wie bisher?
Anthropozän 2050. Ende des Industriezeitalters.
Es ist genau das passiert, was jeder Mensch hätte wissen müssen. Die Menschen haben die Erde der Gier, der Selbstsucht und der Ignoranz geopfert. Die Umwelt ist größtenteils zerstört. Unbesiegbare Keime, Kriege, Hungersnöte und eine verheerende Pandemie haben den überwiegenden Teil der Menschheit dahingerafft. Der Rest kämpft allein oder in kleinen Gruppen ums Überleben. Jeder ist sich selbst der Nächste. In dieser feindlichen Umgebung lebt die junge Mila in der Hoffnung auf ein fernes Hochtal, in dem die Natur noch intakt sein soll. Mit dem alten Josh macht sie sich auf den gefährlichen Weg und kämpft mit den schrecklichen Folgen des Unterlassens und der Ignoranz der Menschen des 21. Jahrhunderts.

Ein Roman über ein großes Abenteuer, verzweifelte Hoffnung, grenzenlose Zuversicht und aufrichtige Freundschaft.

REZENSION:

Es gibt eine schier unermessliche Vielzahl an dystopischen Romanen. Man begegnet dabei vor allem Zombies, Seuchen, Aliens oder gar Vampiren. Die Ursachen sind zumeist nicht konsequent geklärt, dennoch schwingt oft ein kleines Unbehagen bei diesen Stories mit, die einen irgendwie andauernd darüber nachdenken lassen, ob wir als Menschheit dabei nicht gerade eine unerhebliche Rolle auf dem Weg zur beschriebenen Dystopie hatten.
Nachdem es aber meistens lediglich Überlebensromane sind, kann man da relativ simpel darüber hinwegsehen. Die Spannung allein reicht und warum es plötzlich Zombies gibt, ist doch egal.
Jede Geschichte möchte aber nicht nur etwas erzählen, sondern auch oft etwas vermitteln. Sehr häufig leider gut versteckt und deswegen macht man sich keine großartigen Gedanken als Leser eines typischen Dystopie-Spannungsromans.
Michael E. Vieten legt ebenfalls mit „Handbuch zur Rettung der Welt“ einen kleinen, knackigen Dystopie-Roman vor. Wir begleiten die junge Mila auf ihrem Weg durch eine karge Welt. Sie trifft dabei auf den über 70jährigen Josh, der sich als hilfreicher Zeitgenosse herausstellt und somit bleiben beide zusammen und suchen ein traumhaftes Tal, welches Mila lediglich auf einer alten Postkarte gesehen hat.
Im Gegensatz zu Mila kennt Josh aufgrund seines Alters die Welt, wie wir sie kennen – also: Vor dem Untergang. Diese Verknüpfung nimmt der Autor, greift sich einen Spiegel und lässt uns Menschen der heutigen Zeit nicht nur hineinschauen, sondern haut ihn uns förmlich in die Fresse. Genau so kann es geschehen, wenn wir nicht endlich unseren Allerwertesten hochbekommen und etwas tun.
Die Geschichte selbst lebt exakt von diesem immer wieder auftretenden Vergleich beziehungsweise den Erzählungen Joshs. Mila selbst – Kind der Neuzeit – kann diese Ignoranz nicht verstehen, geschweige denn nachvollziehen.
Michael E. Vieten möchte mit diesem Buch exakt diesen Umstand vermitteln und versucht uns ganz geschickt und nebenbei einiges klar zu machen.
Die Wanderung und der Überlebenskampf der beiden Protagonisten ist dabei lediglich Beiwerk und in meinen Augen eher Mittel zum Zweck.
Würde man „Handbuch zur Rettung der Welt“ auf die eigentliche Wanderschaft in einer dystopischen Welt reduzieren, müsste ich sagen, hier gibt es erheblich bessere Werke, mit erheblich mehr Spannung und anspruchsvollerem Überlebenskampf. Aber: Man darf dieses Buch nicht darauf reduzieren. „Handbuch zur Rettung der Welt“ ist unglaublich lehrreich und versucht, das ein oder andere Auge zu öffnen. Allein deshalb lohnt es sich bereits und somit bleibt mir nichts Anderes übrig, als dieses eingängig und einfach geschriebene Werk zu empfehlen. Lässt man es zu, kann man sehr viel daraus lernen und man bekommt auf unterhaltsame Art und Weise die Fehler unserer aktuellen Generation vorgelegt.
Es muss somit nicht immer ein Fachbuch sein, um jemanden aufrütteln zu können.
Jürgen Seibold/07.12.2017

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Frenz, Bernd: Der Groll der Zwerge

©2017 S. Fischer Verlag GmbH, Frankfurt a.M.
ISBN 978-3-10-4037578
ca. 480 Seiten

COVER:

Nach dem Großen Krieg herrschte dreißig Jahre lang Frieden im Lande Garon – doch damit ist jetzt Schluss. Als Steinmetze in der Zwergen-Nekropole Felsheim neue Grabkammern in den Berg schlagen und einen heiligen Fluss der Elfen zum Versiegen bringen, lebt der alte Zwist wieder auf. Dass just zu diesem Zeitpunkt der Ork Grimm aus dem Exil zurückkehren will, um mit alten Feinden abzurechnen, macht es nicht besser. Und auch die Menschen beweisen jeden Tag aufs Neue ihre Arglist. Und so heißt es schon bald: Elfen gegen Zwerge; Trolle gegen Orks; und alle gegen die Menschen.

REZENSION:

Die Heilige Quelle der Elfen versiegt eines Tages. Der Grund ist dafür schnell gefunden: Das kann nur das Volk der Zwerge gewesen sein.
Hiermit ist der grundsätzliche Konflikt genannt und Bernd Frenz nimmt diese Grundidee, um seine Fantasy-Saga zu beginnen. DER GROLL DER ZWERGE ist dabei mit sehr interessanten Personen und Begebenheiten gewürzt. Dabei sind aber diese leider nicht mit einer sehr tiefen Detailverliebtheit gewürzt. Nichts desto trotz kann man sich der Story nicht wirklich entziehen und somit bleibt einem nichts übrig, als ihr weiter zu folgen.
Frenz benutzt nahezu jedes genretypische Element und schreibt sehr eingängig. Manchmal zu eingängig, bzw. einfach gehalten. Dies macht es einfach, wenn man dieses Buch als lockeres Werk für eine gute Fantasyunterhaltung verwendet. Als High-Fantasy würde ich es jedoch nicht unbedingt betrachten, da diese Werke doch sehr viel mehr in die Tiefe gehen.
Interessanterweise schafft es Frenz, die jeweiligen Völker nicht einfach ziwschen Gut und Böse aufzuteilen: Irgendwie hat jeder einen negativen Punkt und somit Dreck am Stecken. Mir selbst waren die Zwerge im Gegensatz zu den Elfen in diesem Buch irgendwie sympathischer – mag wohl an der Selbstherrlichkeit und dem „wir-sind-was-besseres“ der Elfen liegen. Dadurch ergriff ich relativ schnell für das Zwergenvolk.
Die Story im Ganzen ist gut durchdacht und stimmig erzählt. Die Auflösung interessant und plausibel für so eine Geschichte.
Alles in allem ein unterhaltsamer Fanatsyroman für sehr unterhaltsame Stunden. Sehr oft reicht einem das ja schon…
Jürgen Seibold/07.12.2017

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Stefán Máni: Der Stier und das Mädchen

Aus dem Isländischen von Karl-Ludwig Wetzig
©2015 by Stefán Máni
© der deutschsprachigen Ausgabe 2017 by Karl-Ludwig Wetzig
Edition M Verlag
ISBN 978-1-542-04969-6
ca. 240 Seiten

COVER:

In einer verlassenen Ecke Islands, wo der weite Himmel bis zur Erde reicht und nur das Brausen des fernen Meeres zu hören ist, haben zwei junge Touristinnen eine Autopanne. Zu Fuß erreichen sie einen einsamen Bauernhof. Auf ihrer Suche nach den Bewohnern entdecken sie in der Scheune zwei Tote, grausam zugerichtet. Auch im Wohnhaus machen sie einen ähnlich entsetzlichen Fund. Aber bevor sie fliehen können, merken sie, dass sie nicht allein auf dem Hof sind …

REZENSION:

Als ich das erste Kapitel dieses doch recht düsteren Thrillers gelesen hatte, dachte ich, es handelt sich ganz schlicht und einfach um einen typischen „da-sind-zwei-junge-Damen-zur-falschen-Zeit-am-falschen-Ort“-Thriller. Somit schweiften die Gedanken gleich in Gefilde, die bereits durch eine Vielzahl an Horrorthrillern ausgelutscht worden sind. Interessanterweise verlässt man diese beiden Freundinnen, denn urplötzlich ändert sich die Perspektive und man kann als Leser nicht mehr richtig greifen, wo man sich denn nun eigentlich in dieser Story befindet.
Der Autor springt beinahe bei jedem Kapitel nicht nur innerhalb verschiedener Zeiten sonder wechselt dabei auch regelmäßig die Perspektive. Lange Zeit dachte ich, was will Stefán Máni mir denn nun eigentlich sagen? Wie sich jedoch herausstellen sollte, löst sich der gedankliche Knoten in den Lesers Hirn (bei ausreichender und notwendiger Aufmerksamkeit) nach und nach auf. Teilweise – vor allem, wenn man zeitlich begrenzt nur Häppchen lesen kann – fällt es schwer dran zu bleiben und eine gewisse Zeit war ich mir deshalb nicht wirklich sicher, ob mir das Buch denn nun gefallen soll oder eben nicht.
Aber wie gesagt, der Knoten löst sich nach und nach auf und die jeweiligen Kapitel allein sind bereits ausreichend interessant, um am Ball bleiben zu können.
Im Laufe der Seiten verdichtet sich die Story unter Verwendung dieser verschiedenen Ebenen mehr und mehr und man erkennt die Zusammenhänge. Diese wiederum sorgen dafür, dass die Geschichte eine gewisse Tiefe erreicht, der man sich auch nicht mehr wirklich entziehen kann. Man möchte einfach wissen, wohin das alles führen soll.
Die Story funktionierte immer besser, dennoch war ich noch lange am Überlegen, ob sie lediglich in einem guten Mittelfeld landen soll. Stefán Máni schafft es aber zum Ende einen gewissen Twist einzubauen, denn ich lange nicht vorhergesehen hatte, mich aber mit seiner Deftigkeit sehr gut überzeugen konnte.
Kurzum: Man rechnet mit etwas ganz Anderem zum Anfang der Story, versucht lange Zeit Sinn und Zweck der Geschichte zu folgen, erkennt plötzlich die Hintergründe und Motivationen, um dann ungebremst in eine gänzlich andere Richtung und neue Motivation geschubst zu werden.
Somit ein doch recht gut zu empfehlender Thriller, bei dem man sich nebenbei auch noch gefühlt in einem wunderschönen Land befindet, über das der Autor sich meiner Meinung nach noch erheblich mehr hätte auslassen können.
Jürgen Seibold/07.12.2017

Der Stier und das Mädchen – Ein Island-Thriller – KAUFEN BEI AMAZON

Tad Williams: Das Herz der verlorenen Dinge

Originaltitel: The Heart of What was Lost
Aus dem Amerikanischen von Cornelia Holfelder-von der Tann
©2017 by Tad Williams
Für die deutsche Ausgabe: ©2017 by J.G. Cotta’sche Buchhandlung Nachfolger GmbH, Stuttgart
ISBN 978-3-608-96144-7
ca. 380 Seiten

COVER:

Nach dem Tod des Sturmkönigs Ineluki flohen die Nornen hinter die schützenden Mauern ihrer Burg Nakkiga im Norden, um dort erneut Kräfte zu sammeln. Viyeki, ihr Herresvormann, sucht verzweifelt nach einer Möglichkeit, sein Volk vor der endgültigen Auslöschung durch Herzog Isgrimnur und seinen Truppen zu retten. Den Truppen Isgrimnurs haben sich zwei einfache Soldaten angeschlossen, Porto und Endri, deren Freundschaft angesichts der Grausamkeit der Kämpfe auf eine harte Probe gestellt wird. Und unter den Elben spielt ein Amulett eine immer wichtigere Rolle: Es trägt den Namen „Das Herz der verlorenen Dinge“ und erinnert an das einstige Paradies dieses uralten Volkes.

REZENSION:

Es gibt nicht viele Bücher, die einen Leser noch lange Zeit nach dem Lesen des letzten Wortes noch beschäftigen. Es gibt auch nicht viele Bücher, die man ohne dem geringsten Zucken uneingeschränkt weiter empfehlen kann. Es gibt auch nicht viele Bücher, die selbst beim großzügigsten Ausmisten von Regalen weiterhin wie in Stein gegossen dort stehen bleiben.
In meinem Fall trifft dies auf die gesamte Drachenbeinthron-Saga von Tad Williams zu: Immer noch stehen diese wunderschönen Bücher im Regal und werden in unregelmäßigen Abständen liebevoll betrachtet. Weder Umzüge noch notwendige Maßnahmen, um der Vielzahl an Büchern Herr zu werden, konnten ihnen etwas anhaben. Sie stehen da und beglücken einfach mit ihrer Anwesenheit.
Nun hat also ihr höchstpersönlicher Autor ein Buch mit dem sagenhaften Titel „Das Herz der verlorenen Dinge“ geschrieben – das allein wäre noch kein Problem, ist er doch seines Zeichens ein Autor und somit sollte er so etwas auch tunlichst tun. Von irgendwas muss auch ein Tad Williams leben. In diesem Falle legt der Autor jedoch nicht einfach irgendeinen neuen Roman oder eine neue Sage vor, sondern er betritt damit erneut seine damalige Welt: Osten Ard.
Kann das funktionieren? Mehr als zwanzig Jahre sind bereits vergangen. Somit stellt sich nicht nur die Frage, ob ich als Leser den erneuten Zugang zu einer vor langer Zeit gelesenen Welt finde, sondern auch, ob sich der Autor damit überhaupt einen Gefallen machen kann – immerhin ist die Saga um Simon ein in meinen Augen nahezu unerreichbarer Fantasyroman mit allem, was so dazu gehört.
„Das Herz der verlorenen Dinge“ setzt fast nahtlos an die damalige Sage an und genau dies schien Anfangs mein Problem zu sein. Nur langsam konnte ich in die Geschichte finden. Vor allem, weil mir vom Ursprung lediglich noch im Kopfe hängen geblieben ist, dass Simon nun Herrscher über Osten Ard ist – mir aber partout sonst nicht mehr wirklich tiefgehendes einfallen wollte. Nun lässt Williams aber Simon nahezu außen vor: Man „hört“ nur manchmal, dass er eben der neue, junge König ist.
Es war somit wirklich schwer, in diese Geschichte ein zu tauchen. Nach und nach hat es dennoch funktioniert und erneut blieb mir nichts weiter übrig, als dieser schönen Geschichte zu folgen.
Tad Williams bleibt sich treu und erfreut seinen Leser mit einer gut durchdachten Geschichte und sehr interessanten als auch detailliert gezeichneten Personen.
Nichts desto trotz kommt „Das Herz der verlorenen Dinge“ nicht an seine Vorgänger heran. Aber das ist auch schon ein gewaltiges Jammern auf sehr hohem Niveau.
Kurzum ist „Das Herz der verlorenen Dinge“ eine doch recht interessant und gut gelungene Nahtstelle zwischen dem Drachenbeinthron und den mittlerweile auf dem Markt befindlichen Werken mit dem Obertitel „Die Hexenholzkrone“, auf die ich mich bereits unwahrscheinlich freue.
Stellt sich schlussendlich die Frage, ob man „Das Herz der verlorenen Dinge“ benötigt: Nun, als Freund Osten Ards stellt sich die Frage gar nicht – einem Neueinsteiger sei geraten, entweder die Hexenholkrone-Bücher zu lesen oder einfach mit dem Drachenbeinthron zu beginnen. Zeitlos sind die Bücher jedenfalls.
Jürgen Seibold/30.11.2017

Das Herz der verlorenen Dinge: Ein Roman aus Osten Ard – KAUFEN BEI AMAZON