Stephen King: Colorado Kid

Originaltitel: The Colorado Kid
Aus dem Amerikanischen von Andrea Fischer
c 2005 by Stephen King
c 2006 der deutschen Ausgabe Ullstein Buchverlage
c 2009 dieser Ausgabe by Wilhelm Heyne Verlag, München
ca. 160 Seiten / € 7,95

COVER:

Am Strand einer Insel im Bundesstaat Maine wird ein Toter gefunden. Außer ein paar Münzen und einem Päckchen Zigaretten trägt er nichts bei sich. Woran er starb, kann nicht eindeutig geklärt werden. Nur der Hartnäckigkeit zweier Lokalreporter und eines jungen Gerichtsmediziners ist es zu verdanken, dass der Unbekannte – über ein Jahr später – identifiziert wird. Doch damit beginnt das Rätsel erst. Denn je mehr sie über den Toten und seine Herkunft herausfinden, umso weniger verstehen sie den Fall: anscheinend ein unmögliches Verbrechen …

REZENSION:

Bei Colorado Kid handelt es sich meines Wissens im Grundsatz eher um einen Versuch als um einen Roman, wie man es üblicherweise gewohnt ist.
Colorado Kid soll darstellen, daß eine Geschichte ohne echtem Anfang als auch ohne erzähltem, abschließenden Ende möglich ist.
Durch diesen Umstand polarisiert das Werk natürlich extrem und es würde sicherlich in keinster Weise funktionieren, würde es sich hierbei nicht um einen der berühmtesten Autoren der gegenwärtigen Spannungsliteratur handeln.
Ich persönlich nehme nach Lektüre des Buches ganz bewusst eine Seite ein: Ich war nicht nur gänzlich fasziniert, sondern förmlich an die Seiten geklebt.
Es ist für einen Romanleser sehr unnatürlich, absolut kein Ergebnis bei Erreichen der letzten Seite erkennen zu können. Alle aufgetretenen Fragen bleiben unbeantwortet – aber allein durch das hoch interessante Gefühl, Abends am Lagerfeuer zu sitzen und einer örtlichen Begebenheit, erzählt durch einen erfahrenen, älteren Mitbürger zu lauschen, fesselt ungemein und führte bei mir zur uneingeschränkten Überzeugung.
Ein Buch, dass nur erzählt ohne irgendetwas zu offenbaren – Trotzdem: In meinen Augen ein echter Leckerbissen für die etwas andere Art der Unterhaltung.
Jürgen Seibold/17.09.2010

Stephen King: Brennen muss Salem

Originaltitel: Salem’s Lot
Aus dem Amerikanischen von Peter Robert
Ungekürzte Buchgemeinschafts-Lizenzausgabe der Bertelsmann Club GmbH
(c) 1975 by Stephen King
(c) 1995 der deutschen Übersetzung by Zsolnay Verlag G.m.b.H., Wien
o.g. Coverbild: Heyne-Verlag
ca. 478 Seiten

COVER:

Salem’s Lot ist eine Kleinstadt an der amerikanischen Ostküste. Alles geht dort seinen ruhigen, gemächlichen Gang, bis Ben Mears, ein mittelmäßiger Schriftsteller und Sohn der Stadt, nach langen Jahren zurückkehrt. Er interessiert sich auffällig für das Marsten-Haus, ein sogenanntes Spukhaus, das seit dem rätselhaften Tod seiner Bewohner im Jahre 1939 leer steht. Bald schon stellt sich heraus, dass eine unheimliche Kraft in Salem’s Lot ihr Unwesen treibt, die sich schließlich als Vampir entpuppt. Ben Mears nimmt den Kampf auf, aber es scheint fast aussichtslos.
Stephen King gelingt es in seinem – fast schon als klassisch zu bezeichnenden – Werk, dem Vampir-Mythos neue Seiten abzugewinnen. In keinem Moment hat der Leser den Eindruck, Vampire und elektrisches Licht, zumal in Amerika der 70er Jahre, würden einander ausschließen. Ganz zu Recht begründete dieser Roman den weltweiten Ruhm des wohl bedeutendsten lebenden Horrorautors.

REZENSION:

„Brennen muss Salem“ ist der zweite Roman eines Schriftstellers, der noch weit weg war, zu glauben, jemals der erfolgreichste Horrorschriftsteller aller Zeiten zu werden.
Erstaunlicherweise konnte er jedoch bereits mit seinem zweiten Werk seine Qualitäten vollumfänglich vor des Lesers Augen ausbreiten.
Er bediente sich dabei einem ganz besonderen Genre: den Vampiren!
In meinen Augen ein absolut schwierig zu behandelndes Genre – gibt es doch ein Unzahl an Autoren, die sich hier bereits die Finger verbrannten – von aktuell sehr angesagten, romantischen Geschichten möchte ich gar nicht sprechen. Stephen King ließ sich davon nicht beeindrucken und erschuf einen Roman, der nicht nur eine geniale Hommage an Bram Stoker‘s Kultbuch „Dracula“ darstellt, sondern auch im selben Atemzug mit diesem Buch genannt werden kann.
Ich kenne selbst eine Vielzahl an Vampirromanen – die wenigsten schaffen es nur annähernd, einem Stoker gerecht zu werden. Das vorliegende Buch hat es bereits vor 35 Jahren geschafft und ist ganz oben auf der Liste meiner all-time-Lieblingsbücher.
Jürgen Seibold / 24.08.2010

Stephen King: Die Arena

Originaltitel: Under The Dome
Aus dem Amerikanischen von Wulf Bergner
c 2009 by Stephen King
c der deutschsprachigen Ausgabe by Wilhelm Heyne Verlag, München
ca. 1280 Seiten / € 26,95 (HC)

COVER:

An einem ganz normalen schönen Herbsttag wird die Stadt Chester’s Mill plötzlich auf unerklärliche Weise durch ein unsichtbares Kraftfeld vom Rest der Welt abgeriegelt. Flugzeuge zerschellen daran und fallen als brennende Trümmer vom Himmel, einem Gärtner wird beim Herabsausen “der Kuppel” die Hand abgehauen, Tiere werden zweigeteilt, Menschen, die gerade in Nachbarorten unterwegs sind, werden von ihren Familien getrennt, und Autos explodieren, wenn sie auf die mysteriöse Wand prallen. Es ist allen ein Rätsel, worum es sich bei dieser unsichtbaren Wand handelt, wo sie herkommt und wann – falls überhaupt – sie wieder verschwindet. Es gibt kein Entrinnen – und je mehr die Vorräte zur Neige gehen, desto stärker tobt der bestialische Kampf ums Überleben in dieser unerwünschten Arena …

REZENSION:

Rechtzeitig zu Weihnachten konnte ich mir noch auf die Schnelle Stephen Kings neuestes Werk Die Arena” besorgen und war sichtlich überrascht, ein 1280seitiges Werk in Händen zu halten. Da hatte wohl mal wieder jemand eine Idee…
Diese Idee entpuppt sich als eine Kuppel, die urplötzlich ein kleines Städtchen umstülpt und nichts und niemanden mehr hinaus- noch hineinlässt. Nachdem Stephen King sehr bekannt für seine Kleinstadtgeschichten ist, in denen er absolut schmerzfrei sämtliche teilnehmenden Personen haarklein vor des Lesers Augen ausbreitet (mit allen Stärken und Schwächen), konnte ich das Öffnen des Buches nicht hinauszögern. Ab diesem Augenblick hielten mich alle lieben Menschen in meinem Umkreis für nicht ganz normal – nutzte ich doch jede freie Minute, um in diesem Buch zu schmökern.
King hat es auch erneut sehr virtuos geschafft, eine epische Geschichte zu erschaffen, die zu 95% absolut überzeugen kann. Lediglich das schon beinahe philosophische Ende hätte durch andere Ursachen sicherlich etwas dramatischer gewirkt. Andererseits ist es schon wieder typisch King, mit etwas aufzufahren, mit dem man gar nicht gerechnet hat. Dies konnte auch nicht mehr die Qualität seines Werkes schmälern.
Übrig bleibt ein absolut überzeugendes und zu empfehlendes Werk, das sich in keinster Weise hinter seinen anderen Werken verstecken muss.
Aus irgendeinem Grund lese ich es in diesem Augenblick bereits zum zweiten Mal.
Einzig der deutsche Titel Die Arena” führt zur Verwirrung – handelt es sich doch um eine Kuppel. Man merkt auch in der Übersetzung des Romans, dass selbst hier niemals Arena” als Bezeichnung für dieses Phänomen vorkommt – blieb der Übersetzer doch überwiegend beim Original und nannte es einfach Dome”. Mir ist wohl bewusst, dass in Deutschland die King-Titel aus irgendwelchen Gründen kurzgehalten werden – Die Kuppel” würde dem aber auch gerecht werden.
Jürgen Seibold/22.01.2010

Stephen King: Love

Originaltitel: Lisey’s Story
Übersetzung: Wulf Bergner
C 2006 by Stephen King
c der deutschsprachigen Ausgabe by Wilhelm Heyne Verlag, München in der Verlagsgruppe Random House GmbH
ca. 733 Seiten / € 22,95

COVER:

Lisey ist seit zwei Jahren Witwe. Bereits lange vor seinem Tod hat ihr Mann Scott Landon – ein hochangesehener Romanautor – für sie eine Spur mit Hinweisen ausgelegt, die sie nun immer tiefer in seine von Dämonen bevölkerte Vergangenheit führt. Stück für Stück werden sorgsam verdrängte Erinnerungen in ihr wach: an eine andere Welt, die sie einst mit Scott besucht hat, tagsüber ein märchenhaftes Paradies, während nachts überall das Böse lauert. Ob Scott dort auf sie wartet, damit sie ihn ins Leben zurückholt? Plötzlich tritt ein Verrückter auf den Plan, der sich Zack McCool nennt und es auf Scotts schriftstellerischen Nachlass abgesehen hat. Und um seine Forderungen zu bekräftigen, verletzt er Lisey auf bestialische Weise…

In Stephen Kings vielleicht dichtestem und persönlichstem Roman geht es um die Geheimsprache der Liebe und die Allgegenwart des Wahnsinns.

REZENSION:

Was soll man von diesem Buch halten? Kennt man doch King in erster Linie als Horrorautor par excellence – zumindest sein Ruf spricht von nichts anderem. Seine literarischen Fähigkeiten werden von Nichtkennern schlichtweg nicht akzeptiert – schreibt er doch vermeintlich leichte Kost für blutrünstige Leser…
Warum aber gibt es auch Werke wie z.B. Dolores, Das Bild, … um nur zwei zu benennen, deren Inhalt nicht mit einem ES, Shining oder gar Friedhof der Kuscheltiere zu vergleichen sind.
Alle Nichtkenner sind teilweise verwundert, wenn sie sich Filme mit einer Oscarprämierten Kathy Bates als Dolores anschauen – ganz zu schweigen von “Die Verurteilten” oder gar “Stand by me”. Alle mir bekannten Leute hielten mich für einen Märchenerzähler, wenn ich sie anhand dieser Beispiele auf die Qualitäten eines King hinweisen wollte.
Nun erhielt dieser Autor auch noch einen Literaturpreis in den Staaten und viele der Nichtkenner waren schlichtweg sauer – schreibt dieser Mensch doch nur Horror….
Tja, vielleicht sollten diese Leute mal versuchen, das Phänomen King selbst zu ergründen, dann werden sie sicherlich feststellen, dass selbst seine gruseligsten Werke mit mehr Eleganz und literarischem Anspruch geschrieben worden sind als so manches als Literatur festgelegtes Werk anderer Autoren.
Wollen wir nun zu dem vorliegenden Buch kommen: Auch hier werden sich erneut die Geister sehr scheiden:
King-Horror-Fans werden ein wenig enttäuscht sein – King-Kenner werden erneut die Kraft in diesem Buch erkennen – und King-Hasser werden es erneut nicht lesen und weiterhin der Meinung sein er wäre ein reiner Horror-Autor.
LOVE war auch für mich sehr zwiespältig: Selbst Fan der bösen Geschichten, aber trotzdem Kenner seiner gesamten Werke – aus diesem Grund zwar ein klein wenig enttäuscht, dass King mich nicht erneut mit einem fiesen Blockbuster überrascht hat, aber trotzdem erstaunt, welche sprachliche Gewandtheit und Stärke er in einem gänzlich anderen Werk aufbauen kann.
Aus meiner Sicht werde ich LOVE zwar nicht in einem Atemzug mit meinen Lieblings-King-Büchern nennen – aber nichts desto trotz zeigt LOVE sehr deutlich, dass eine Geschichte auch allein durch die Geschichte leben kann.
Sicherlich schweben einige King-Elemente vorbei und er startet sehr ruhig in diesem Buch – hat man aber einige Seiten überwunden und das Interesse beibehalten, eröffnet sich eine Beinahe-Liebesgeschichte, deren Kraft seinesgleichen sucht und auch nicht als klassisch zu bezeichnen ist. Vielmehr zeigt King wie die Liebe den Tod überwindet und führt den Leser damit in eine Gedankenwelt außerhalb jeder Klischees, wie sie sonst die Bezeichnung “Liebe” so mit sich trägt.
Seine Sätze lassen den Leser durch die geniale Sprachgewandtheit teils schmunzeln, teils mitfiebern und führen den Autor erneut an literarische Höhen, an denen manch andere nur hochblicken können.
Man muss sich diesem Buch auf jeden Fall hingeben, ist es doch gänzlich anders als die Erwartung so mit sich bringt.
Es schadet aber keineswegs, da eine sehr dicht gewobene Geschichte voller Liebe und Erkenntnis übrig bleibt, in der King mit Sicherheit einiges an Herzblut eingewoben hat.
Also: Einerseits uneingeschränkt zu empfehlen, andererseits sehr von der Erwartungshaltung des Lesers abhängig.
Jürgen Seibold/19.05.08

Stephen King: Puls

Originaltitel: Cell
Übersetzung: Wulf Bergner
c 2006 by Stephen King
c 2006 der deutschsprachigen Ausgabe by Wilhelm Heyne Verlag, München in der Verlagsgruppe Random House GmbH
Vorliegendes Buch:
Ungekürzte Lizenzausgabe der RM Buch und Medien Vertrieb GmbH und der angeschlossenen Buchgemeinschaften.

COVER:

Clayton Riddell ist geschäftlich in Boston, hat schon Geschenke für seine Familie besorgt und möchte sich vor der Heimfahrt gerade bei einem Straßenhändler ein Eis kaufen, als die Welt untergeht.
Geschäftsfrauen, Schüler, Busfahrer, alle Menschen, die in diesem Moment ein Handy am Ohr haben, laufen wie auf einen geheimen Befehl hin Amok, fallen übereinander her, schlachten sich gegenseitig ab, stürzen sich ins Verderben. Irgendwie können Clay, ein kleiner Mann mit Schnurrbart, und ein junges Mädchen, da beinahe von seiner Mutter umgebracht worden wäre, sich in ein Hotel retten. Sie sind völlig abgeschnitten von der Außenwelt. Clay muss herausfinden, wie es um seine Frau und vor allem um seinen Sohn Johnny steht, der gerade in der Schule gewesen sein muss, als der mörderische Irrsinn losging. Zu ihm muss Clay Kontakt aufnehmen, bevor es ein anderer tut. Die Suche nach Johnny wird zur Schreckensmission durch eine apokalyptische Welt.

REZENSION:

Ich bin mir sicher, dass sich die Geister wieder einmal bei diesem Buch sehr stark scheiden werden: Die einen werden es als billigen, effekthaschenden Horrorroman betrachten, die anderen als ein weiteres Highlight des wohl erfolgreichsten Horror-Autors unserer Zeit.
Ich werde mich nun ein wenig dazwischen stellen:
Puls ist ein Horrorroman ohne Wenn und Aber.
Dies dachte und hoffte ich bereits bei der Lektüre der ersten Wörtern des Buches: “Für Richard Matheson und George Romero” – und ich wurde glücklicherweise auch nicht enttäuscht. Puls ist neben einem sehr gelungenen und sehr spannenden Endzeitthriller auch eine hochwertige Hommage an die Werke von Matheson und Romero, die sich mit dem vorliegenden Buch sicherlich sehr geehrt fühlen werden.
Dadurch ist aber der literarische Anspruch manch anderer Leser – den es auch in dem ein oder anderen King-Buch gibt – zu den Akten gelegt.
Ist aber meiner Meinung nach auch bei einem Roman, der sich ein wenig Richtung Zombie-Ecke bewegt auch nicht notwendig und vielleicht gar nicht gewünscht.
Wer auf Literatur steht muss in diesem Fall in andere Regale greifen.
Wer auf einen flüssig erzählten, spannenden und endlich mal wieder etwas “rohen” Horror Kings steht, der sollte in diesem Regal zugreifen, zuhause das Licht etwas dimmen und in die Geschichte eintauchen – er wird sicherlich nicht enttäuscht…
Jürgen Seibold/06.01.2007

Stephen King: Atlantis

Originaltitel: Hearts in Atlantis
Übersetzung: Peter Robert
c 1999 by Wilhelm Heyne Verlag, München
vorl. Exemplar: Lizenzausgabe der RM Buch und Medien Vertrieb GmbH

COVER:

1960, Harwich, ein idyllisches Vorstädtchen in Connecticut: In der Broad Street 149 wohnt Bobby Garfield mit seiner strengen Mutter Liz. Seine Freunde sind der kräftige Sully-John und die hübsche Carol, die über beide Ohren in Bobby verliebt ist. An seinem elften Geburtstag zieht in die Wohnung über den Garfields ein neuer Mieter ein. Ted Brautigan, ein freundlicher älterer Herr, wird Bobbys bester Freund und Lehrmeister, aber der Junge merkt rasch, daß mit Ted etwas nicht stimmt. Der Mann ist ständig auf der Hut, und eines Tages bittet er Bobby um Hilfe: Er möge ihm gegen seine Feinde beistehen – Männer in senfgelben Mänteln, bösartige gefährliche Wesen, als Menschen getarnte Außerirdische. Was Bobby anfangs als Marotte seines väterlichen Freundes abtut, wird bald zu einer realen Bedrohung, die das Leben in der Kleinstadt für immer verändert.

Verrat, Gewalt und Schrecken werden für Bobby und seine Freunde zu festen Bestandteilen ihres Alltags in den wilden sechziger Jahren. Überall triumphiert der ganz normale Wahnsinn – sei es auf dem College, in den Dschungeln Südostasiens oder in den Straßenschluchten New Yorks.

“Stephen King beherrscht die Dramaturgie des Schreckens ganz unvergleichlich.”
Die Zeit

Stephen King ist der populärste Schriftsteller der Vereinigten Staaten; überall auf der Welt findet er beim Publikum und bei der Kritik gleichermaßen Anerkennung. Viele seiner Romane wurden erfolgreich verfilmt; z.B. Shining, ES und SIE. Zuletzt erschienen sein Roman Sara und das Originaldrehbuch Der Sturm des Jahrhunderts.

REZENSION:

”Atlantis” ist eines der wenigen Bücher des Gruselmeisters, das mich nur zum Teil überzeugen konnte.
Die erste Hälfte des Romans ist relativ spannend und sehr interessant erzählt. Die Geschichte über Bobby, seinem Nachbarn Ted und den mysteriösen Niederen Männern lässt sich flüssig lesen und wird überzeugend dargelegt. Mehr noch: Man beginnt das Buch zu verschlingen.
Leider ist man dadurch aber auch sehr schnell bei der zweiten Hälfte des Romans und somit ergibt sich eine Wendung, mit der man anfangs nicht rechnen konnten. Die Geschichte wandelt sich in ein Sittengemälde über das Leben am College, dem Vietnamkrieg, den Hippies und so weiter – Sicherlich spannend und interessant für alle, die sich dafür zu begeistern wissen. Mir persönlich fehlte jedoch der Sinn und Zweck dieser vom ersten Teil losgelösten Handlung – und war dementsprechend enttäuscht. Ich blätterte nur noch in der Hoffnung weiter, noch etwas von den Niederen Männern zu erfahren.
Stephen King konnte schon sehr oft mit spannungsfreien Büchern überzeugen – Diese waren wenigstens Interessant und zwangen zum Weiterblättern. Bei “Atlantis” konnte sich dieser Kosmos jedoch nicht öffnen.
Jürgen Seibold/20.08.04

Stephen King: Der Buick

Originaltitel: From a Buick 8
Übersetzung: Jochen Schwarzer
c 2002 Stephen King
deutsche Ausgabe: c 2002 Econ Ullstein List Verlag GmbH & Co.KG

COVER:

Der junge Ned Wilcox, dessen Vater vor genau einem Jahr im Polizeidienst ums Leben kam, jobbt im Sommer 2002 bei derselben Polizeieinheit. Er fühlt sich wohl im Kreise der ehemaligen Kollegen seines Vaters, da sie ihm helfen, seinen Schmerz zu verarbeiten. Doch schon bald beschäftigt Ned anderes, denn als er durch die Fenster eines alten Schuppens blickt, kann er dort einen mit einer Plane abgedeckten Wagen erkennen, der offenbar schon lange da steht. Plötzlich hört er ein schleifendes Geräusch und traut seinen Augen nicht: Die Plane ist vom Wagen gerutscht. Und Ned wird das komische Gefühl nicht los, dass der alte Buick, der nun zum Vorschein kommt, die Plane abgeschüttelt hat, um ihn beobachten zu können. Total verrückt! Er kann nicht glauben, was ihm da widerfahren ist, und spricht Sandy, den Sergeant der Truppe, darauf an. Von ihm bekommt er eine gruselige Geschichte zu hören: über einen nachtblauen Buick Roadmaster ‘58, der eines Morgens im Jahre 1979 an einer Tankstelle auftauchte und genauso wenig ein Buick wie sein Fahrer im schwarzen Mantel ein Mensch war…

Stephen King wurde 1947 in Portland, Maine, geboren. Er war zunächst als Englischlehrer tätig, bevor ihm 1973 mit seinem ersten Roman CARRIE der Durchrbuch gelang. Seither hat er um die 50 Romane geschrieben und über 100 Kurzgeschichten verfasst. King gilt als einer der erfolgreichsten Schriftsteller weltweit.

REZENSION:

Dieses Buch schreckte mich zuerst aufgrund des Themas ein wenig ab. Ich dachte nämlich, jetzt fällt ihm doch tatsächlich nichts mehr ein, da er schon wieder eine Geschichte mit einem Auto veröffentlicht.
Tja, aber ich habe es trotzdem gelesen und war mehr als positiv überrascht.
Stephen King hat es in diesem Buch geschafft, eine Hauptrolle zu schaffen (das Auto), die eigentlich immer mehr zur Nebenrolle und nur dem eigentlichen Faden der Geschichte wird.
Man liest über die Geschehnisse, die dem jungen Ned erzählt werden und kann dadurch das Buch nicht mehr aus der Hand legen, da man andauernd wissen möchte, was denn noch so mit diesem Buick geschehen ist.
King baut hier ein sehr gelungenes Psychogramm der einzelnen Akteure auf und lässt den Wagen fast zum netten Beiwerk werden.
Das ist auch die eigentliche Crux dieses Buches:
Ein Leser, der unter King nur Horror versteht sollte hiervon die Finger lassen, da dieses Buch absolut kein typisches Horrorbuch ist. Wer so etwas braucht, sollte was älteres von ihm lesen.
Wer aber an einer einfach guten Geschichte mit interessanten Personen und einer fesselnden Grundidee interessiert ist, dem sei dieses Buch sehr stark ans Herzen gelegt.
Es baut einen “Suspense” auf, das heisst man kann nicht aufhören obwohl die typischen King-Elemente fehlen, aber im Nachhinein nicht vermisst werden.
Jürgen Seibold / 13.01.2003

Stephen King: Es

Übersetzung: Alexandra von Reinhardt
vorl. Exemplar: Lizenzausgabe mit Genehmigung des Wilhelm Heyne Verlages, München. 1986 für die Bertelsmann Club GmbH, Gütersloh
c 1986 by Stephen King
deutsche Ausgabe c 1986 by Wilhelm Heyne GmbH & Co.KG

COVER:

“Georgie streckte seinen Arm aus. Der Clown packte ihn am Arm. Und Georgie sah, wie das Gesicht des Clowns sich veränderte. Was er sah, war so fürchterlich, daß seine schlimmsten Fantasievorstellungen von dem Wesen im Keller dagegen nur süße Träume waren; was er sah, brachte ihn schlagartig um den Verstand…”
1957 hat alles begonnen: Der kleine Georgie ist das erste Opfer. Und dann bricht ES wie die Pest über die Stadt Derry herein, eine Greueltat folgt der anderen…
Über 25 Jahre später: Mike Hanlon ruft seine sechs Freunde zusammen und erinnert sie an den Schwur, den sie getan haben. Sollte ES, sollte das namenlose Böse noch einmal auftauchen, wollen sie sich wieder in Derry treffen. Damals sind die Freunde in die Abwasserschächte gestiegen, als Kinder haben sie ES gejagt und zu töten versucht. Aber ES wurde nur verletzt. Und jetzt geht das Grauen wieder um, daran besteht kein Zweifel. Einer der Freunde kann zum Treffen nicht mehr kommen. Er liegt blutverschmiert in seiner Badewanne. Offensichtlich Selbstmord…
ES ist ein Albtraum, eine Vision des Schreckens; ein Horror-Roman, wie ihn nur Stephen King schreiben kann.

Stephen King wurde 1947 in Portland (Maine) geboren. Sein erstes Buch CARRIE, 1973 erscheinen, erreichte eine Auflage von nur 13000 Exemplaren. Als drei Jahre später der berühmte Regisseur Brian de Palma die Story verfilmte, wurde Stephen King beinahe über Nacht ein bekannter Autor.
Inzwischen hat allein die amerikanische Taschenbuchausgabe von CARRIE 3 Millionen erreicht…
Alle weiteren Romane wurden zu Bestsellern und zum großen Teil verfilmt. King ist mit einer Auflage von beinahe 60 Millionen der erfolgreichste lebende US-Autor – zumindest in der Sparte Horror. “Der Meister des Grauens”, der “Horror vom Feinsten” schreibt (stern) und sich zuweilen selbst vor seinen Geschichten gruselt, lebt zusammen mit seiner Frau Tabitha und drei Kindern in einer abgeschieden gelegenen 24-Zimmer-Villa in Bangor (Maine). Eine Erklärung für seinen gigantischen Erfolg hat King nicht, außer vielleicht, daß er jeden Tag vor seinem Schreibcomputer sitzt und sich grausige Storys ausdenkt – nur nicht an Weihnachten, seinem Geburtstag und dem amerikanischen Unabhängigkeitstag. Fast immer entwickelt sich in seinen Romanen das Schreckliche aus dem Alltäglichen, lauern Abgründe hinter unscheinbaren Fassaden und Gesichtern. Eine heile Welt kennt Stephen King nicht…

REZENSION:

Es war einmal ein kleiner 14jähriger Junge, der den Namen Stephen King noch nicht wargenommen hatte. Es ergab sich aber, das er jeden Tag von Schulkameraden auf diesen Autor und die Genialität von ES hingewiesen wurde. Also ging dieser Junge in die örtliche Bücherei um mal reinzuschauen. Geschockt über die Dicke dieses Buches las dieser kleine Junge erstmal ein bischen rein. Wie er jedoch feststellen musste, wurde er gleich gefesselt und entschied sich sogleich dazu, dieses Buch auszuleihen.
Was als nächstes geschah: ES war für mich das erste “Erwachsenenbuch”, mit für mich unwahrscheinlich vielen Seiten, das ich innerhalb kürzester Zeit verschlungen habe.
Nun sind bereits seitdem viele Jahre vergangen und ich habe seit dieser Zeit sämtliche Stephen King Bücher gekauft, die erhältlich waren – Leider hat es nicht ein einziger Band Kings mehr zu dieser Dichte und nahezu Genialität geschafft. Stephen King schrieb noch viele Highlights, wie Friedhof der Kuscheltiere, Salems Lot, The Stand,… um nur einige zu nennen – jedoch ist und bleibt ES “the top of the hill”
Jürgen Seibold / 08.11.2002

Stephen King: Christine

Originaltitel: Christine
Übersetzung: Bodo Baumann
c 1983 by Stephen King
deutsche Ausgabe: c 1986 Bastei-Verlag Gustav H. Lübbe GmbH & Co., Bergisch-Gladbach
Wilhelm Heyne Verlag GmbH & Co. KG, München

COVER:

Arnie Cunningham ist der geborene Verlierer: Er ist intelligent, aber schüchtern und hat ein Gesicht, das mit Pickeln übersät ist. Sein einziges Talent besteht in seinen außerordentlichen Fähigkeiten als Automechaniker. Doch seine Eltern bestehen darauf, daß er aufs College geht. Arnie hat nur einen einzigen Freund – Dennis, den strahlenden Helden der College-Footballmannschaft, der ihn auch vor den Nachstellungen verschiedener Schlägertypen beschützt. Eines Tages sieht Arnie im Vorgarten eines Hauses einen alten, heruntergekommenen 58er Plymouth Fury stehen, in den er sich auf Anhieb verliebt. Er kauft das Auto und bringt es mit harter Arbeit wieder zurück in den Ursprungszustand. Dabei verändert sich Arnies Persönlichkeit mehr und mehr – er wird härter und kann sich plötzlich zur Wehr setzen. Auch seine Haut wird besser, und er findet eine Freundin, das bestaussehendste Mädchen weit und breit. Doch Dennis sieht Arnies Veränderung mit Entsetzen, er erkennt seinen Freund kaum wieder, der immer vulgärer und brutaler wird. Besonders wenn es gegen sein Auto “Christine” geht, versteht Arnie keinen Spaß, und sein Fanatismus scheint das Böse schlechthin zu verkörpern. Christine und Arnie werden zu einem Team der Rache, und Christine scheint darüber hinaus ein gefährliches Eigenleben zu entwickeln.

Stephen King alias Richard Bachman gilt weltweit unbestritten als der Meister der modernen Horrorliteratur. Seine Bücher haben eine Weltauflage von 100 Millionen weit überschritten. Seine Romane wurden von den besten Regisseuren verfilmt.
Stephen King lebt mit seiner Frau, der Schriftstellerin Tabitha King, und drei Kindern in Bangor/Maine.
“Stephen King ist ein Geschichtenerzähler, ein intelligenter, gewitzter, hochspezialisierter Handwerker – der Handwerker des Schreckens.”
Süddeutsche Zeitung

REZENSION:

Die Geschichte eines Autos!
Die Geschichte einer Liebe zu einem Wagen.
Die Liebesbeziehung eines Wagens zu seinem Eigentümer.
Und ganz besonders:
Die Geschichte einer Jugendfreundschaft.

Dies ist in meinen Augen auch der Hauptteil des Buches:
Eine Jugendfreundschaft (wie so oft bei Stephen King), die sich immer mehr auseinanderlebt.
King schafft bei Christine wieder einmal den schmalen Pfad zwischen Horrorgeschichte und der Verbindung zweier Freunde.
Arnie Cunningham wird dem Wagen absolut hörig und geht dadurch über Leichen. Er selbst hat immer ein wasserdichtes Alibi, da der Wagen ein Eigenleben entwickelt, das seines gleichen sucht.
Am interessantesten ist jedoch der Weg der beiden Freunde, der soweit geht, das Michael versucht seinem Freund zu helfen, in dem er den Wagen “killt”.
Der Spannungsbogen und die einzelnen Charaktere sind von S.K. sehr gut aufgebaut und man blättert wild von einer Seite zur anderen.
Ich finde, Christine ist eines der guten Bücher Kings. Auf jeden Fall schafft es eine gute, spannende und trotzdem interessante Geschichte aufzubauen, die kurzweilig ist und Spaß zum Lesen macht.
Das Buch zieht sich im Gegensatz zum Film über einen doch recht langen Zeitraum und baut mehr interessante Momente auf.
Wer nur auf den nackten Gruseleffekt setzt, sollte sich nur John Carpenters Film ansehen, der auch gut ist, jedoch nicht (wie so oft) annähernd an das Buch rankommt.
Jürgen Seibold / 03.03.2003

Stephen King: Im Kabinett des Todes

Originaltitel: Everything’s Eventual
c 2003 by Ullstein Heyne List GmbH & Co.KG
vorliegendes Exemplar: ungek. Lizenzausgabe der RM Buch und Medien Vertrieb GmbH

COVER:

Stephen King schrieb seine erste Kurzgeschichte mit 21 Jahren. Seitdem hat er eine Vielfalt von Romanen veröffentlicht, die ihren Siegeszug um die Welt angetreten haben. Doch seine Story-Bände waren bei Kritik und Publikum nicht minder erfolgreich als seine Romane. Das beweist er auch mit seiner neuen Sammlung von Kurzgeschichten.
IM KABINETT DES TODES enthält vierzehn düstere Geschichten, die für jeden Leser etwas bereithalten. Die Geschichten dieser Sammlung sind atemberaubend und ziehen den Leser in ihren Bann, egal ob er sich mit Howard Cottrell als Scheintoter im “Autopsieraum vier” befindet oder in “Alles endgültig” mit dem jungen Dinky Earnshaw leidet, dessen Traumjob sich als höllische Sackgasse entpuppt. In “Der Mann im schwarzen Anzug” zeigt King seine literarische Meisterschaft und erhielt für diese Geschichte den O’Henry Award. Und egal, ob es sich um Treffen mit Toten, fast Toten, Ehekrisen oder Albträume anderer Art handelt, Stephen King ist wieder einmal in Höchstform.

Stephen King wurde 1947 in Portland, Maine, geboren. Er war zunächst als Englischlehrer tätig, bevor ihm 1973 mit seinem ersten Roman “Carrie” der Durchbruch gelang. Seither hat er um die 30 Romane und über 100 Kurzgeschichten geschrieben und gilt als einer der erfolgreichsten Schriftsteller weltweit.

REZENSION:

Stephen King war bis auf wenige Ausnahmen immer ein Garant für sehr gute Romane.
Meiner Meinung traf das leider für einen sehr hohen Anteil seiner Kurzgeschichten nicht zu. Dies hat sich nun grundlegend geändert.
Die 14 Kurzgeschichten in dieser Sammlung strotzen vor einem unwahrscheinlichen Ideenreichtum und bewegen sich innerhalb einer Bandbreite, die für jeden Leser mindestens ein Kleinod bereithält.
Das Buch startet mit einem kurzweiligen Vorwort Kings, in dem er sich über die Kurzgeschichten, dem Schreiben und seiner Kundschaft auslässt.
Zu den jeweiligen Geschichten gibt es dann noch jeweils ein Vorwort bzw. Nachwort, was das Entstehen oder zuweilen auch die Gedanken des Autors erklärt (Zitat: “Ich habe auch einen Roman über ein Bild geschrieben, das sich verändert. Er heißt “Das Bild – Rose Madder” und ist von allen meinen Romanen wahrscheinlich der lesenswerteste.”).
Sämtliche Geschichten sind entweder unglaublich spannend oder unglaublich interessant. Dies ist der erste Kurzgeschichtenband von King, in dem ich keine “schlechte” Geschichte vorfand. Im Gegenteil: Das Lesen machte bei jeder Story unwahrscheinlich viel Spaß. Sollte King auch nur annähernd so weiter machen, wird sein Stern niemals sinken.
Nebenbei erwähnt:
Mit “Die kleinen Schwestern von Eluria” befindet sich in dieser Sammlung eine spannende Episode aus dem Leben von Roland, den bestimmt viele auf seiner Suche nach dem Dunklen Turm begleiten.
Jürgen Seibold/01.02.2004

Stephen King: Der Werwolf von Tarker Mills

c 1986/1991 by Verlagsgruppe Lübbe GmbH & Co.KG, Bergisch Gladbach
Band 13 299

COVER:

Nachts, wenn der Vollmond aufsteigt, kannst du sein Heulen hören. Dann ist es bereits zu spät für dich …
Dieses Buch enthält die vollständige Geschichte DAS JAHR DES WERWOLFS, die Stephen King im Stil alter Kalendergeschichten erzählt und die sein Freund Berni Wrightson großartig illustriert hat (Zwölf Farb-Tafeln und sechsundreißig Schwarzweiß-Zeichnungen); ein Vorwort von Stephen King, wie es zu der Geschichte und zu der Verfilmung kam, das vollständige von Stephen King verfasste Drehbuch zum Film DER WERWOLF VON TARKER MILLS, sowie zahlreiche Bilder aus dem Film.

“King ist stets ein wahrhaft ‘entsetzliches’ Lesevergnügen.”
Library Journal

REZENSION:

Die Idee, einen Monatskalender zu erstellen, auf dem sich auf jeder Seite ein Absatz eines Romans befindet ist ziemlich genial – Wer würde hierbei nicht weiterblättern um die Auflösung im Dezember zu erfahren?
Wer Stephen King kennt, weiß das solche Ideen bei ihm sicherlich fruchtbar sind – es ist nur genau das passiert, was bei einem großen Autor passieren musste: Er fängt zu schreiben an und die Geschichte entwickelt sich so stark, daß er sich nicht mehr an die vorgegebene Länge halten kann, die anhand der einzelnen Größe der Kalenderblätter vorgeschrieben ist. Aus diesem Grund ist aus der Kalender-Idee doch ein Roman entstanden, der dadurch zwar leider relativ kurz gehalten ist, jedoch trotzdem spannend aber leider auch etwas simpel erzählt dargelegt wird.
“Der Werwolf von Tarker Mills” ist bei weitem kein Highlight im King-Kosmos, stellt sich aber trotzdem als ganz gute klassische Werwolf-Geschichte dar. Durch die Kürze lässt sich die Geschichte auch sehr schnell mal nebenbei lesen und zeigt dabei, das King wohl auch selbst mal so ganz nebenbei eine Geschichte entstehen lassen kann.
Um das Ganze zu garnieren – und um das Buchformat zu füllen, wurde noch das Originaldrehbuch zu dem leidlich guten Film mitveröffentlicht. Dies ist zwar ein ganz netter Zug, da man Drehbücher bestimmt als interessant bezeichnen kann, leider ist das aber schon alles. Ein Drehbuch ist nun mal ein Drehbuch und somit stört es ein wenig beim Lesen, da sämtliche Beschreibungen fehlen, die einen guten Roman ausmachen. Nur Dialoge sind doch ein wenig anstrengend. Für einen Fan ist es trotzdem ein unerlässliches Buch in der sich ausweitenden, aber mit einigen besseren Büchern gefüllten Stephen-King-Bibliothek.
Ein King-Neueinsteiger sollte jedoch lieber mit den berühmteren Romanen beginnen.
Jürgen Seibold/22.08.04

Stephen King: Duddits – Dreamcatcher

Originaltitel: Dreamcatcher
Ullstein Verlag, München 2001
vorliegendes Exemplar:
RM Buch und Medien Vertrieb GmbH

COVER:

Ein Jagdausflug in die Wälder von Maine wird für die Jugendfreunde Pete, Henry, Jonesy und Biber zu einem Horrortrip … Denn kurz nachdem sie bei ihrer Jagdhütte angekommen sind, läuft ihnen Richard McCarthy über den Weg, ein Jäger, der vor zwei Tagen von seinem Weg abgekommen ist und nun ziellos durch die Gegend irrt. Alles an Richard ist merkwürdig: Er wirkt eigenartig verwirrt, benimmt sich wie ein sechsjähriges Kind und leidet unter qualvollen Schmerzen. Und es kommt noch schlimmer: Als sich Richard im Badezimmer einschließt und von dort unmenschliche Laute zu hören sind, brechen die Freunde die Tür auf und blicken dem Grauen ins Gesicht. Die vier wollen nichts wie weg – doch dann erfahren sie, dass das Militär die gesamte Region unter Quarantäne gestellt hat!
Was geht vor? Was hat das Horrorszenario zu bedeuten? Es scheint nur einen Menschen zu geben, der ihnen helfen kann: Duddits, ihr alter Freund, der über hellseherische Fähigkeiten verfügt…

Stephen King wurde 1947 in Portland, Maine, geboren und wuchs zusammen mit seinem Bruder David bei der Mutter auf. Während seines Studiums lernte er seine zukünftige Frau kennen: Tabitha Spruce. Nach der Heirat verdiente Stephen King den Lebensunterhalt für die Familie zunächst als Englischlehrer, bis ihm 1973 mit seinem ersten Roman Carrie der Durchbruch gelang. Seither hat er um die 50 Romane und über 100 Kurzgeschichten verfasst und gilt als einer der erfolgreichsten Schriftsteller weltweit.

REZENSION:

Besser als so manches davor….
In diesem, zwischen November 1999 und Mai 2000 geschriebenen, Buch greift Stephen King ein weiteres Mal das Thema „außerirdische Invasion” auf. Gleichzeitig schreibt er ein weiteres Mal über die Beziehung zwischen Kindern bzw. Jugendlichen.
Diese Beziehung zwischen den vier Freunden Pete, Henry, Jonesy, Biber und ihrem in der Kindheit dazugewonnenen, mongoloiden Freund Duddits ist der Faden und bei weitem interessanteste Aspekt dieses wieder einmal sehr spannnenden Buches des von der Presse ernannten „King des Horrors”.
Das Buch erinnert ein wenig an „Tommyknockers” und die jugendliche Freundschaftsbeziehung an seine Kurzgeschichte „Die Leiche” (verfilmt als „Stand By Me”).
In Duddits, das zu einem großen Teil wieder in King’s erfundenem Städtchen Derry spielt (mit einigen Anlehnungen, Verweisen zu „ES”), zeigt der Autor jedoch auch viele neue Ideen und eine Geschichte mit großem Unterhaltungswert. Es kommt nicht mehr an seine großen Erfolge heran, ist aber weitaus besser als manch einer der letzten Ergüsse des Autors.
In Duddits schreibt Stephen King selbst für seine Verhältnisse sehr vulgär, was sicherlich den ein oder anderen Leser verschrecken könnte. Andererseits ist das wohl die Sprache der Menschen, die von einer Sch… zur nächsten tappen. Ich würde wohl in diesem Fall ähnlich reden.
Sehr oft merkt man auch dem Buch den damaligen Zustand des Autors an und wie er versucht, seinen Unfall und die wohl zur Zeit des Schreibens starken Schmerzen zu verarbeiten. Andererseits hat er aus diesem Grund das Buch laut seiner Nachbemerkung komplett mit der Hand geschrieben. Sollte das stimmen, müsste er eigentlich so weiter machen, damit er eventuell wieder an seine alten Erfolge anknüpfen kann. Mit Duddits wäre auf jeden Fall der erste Schritt getan.
Nachdem sich Stephen King laut meiner Information jedoch vom Schreiben zurückzieht, wird wohl nicht mehr allzuviel an Highlights folgen. Na, wir werden sehen..
JS/25.10.02.

Stephen King: Danse Macabre – Die Welt des Horrors

Originaltitel: Danse Macabre
Econ Ullstein List Verlag, München 2000

COVER:

Das Buch:
Nur die Tapfersten sollten dieses Buch lesen: In Danse Macabre zeigt uns Stephen King, was ein Alptraum ist. Aus einer Reihe von Vorträgen, die der King des Horrors an der University of Maine hielt, entstand das vorliegende Kompendium über Horror in Literatur und Film. Eine einzigartige Zusammenstellung der Meilensteine des Genres, geprägt von den persönlichen Vorlieben und Interessen des Meisters. Stephen King analysiert alle Kniffe seiner Kollegen, enthüllt ihre Tricks und beschreibt die Entwicklung des Genres während der letzten vierzig Jahre. Mit Danse Macabre wissen Sie, warum Sie keinen Schlaf finden. Ein brillant formuliertes und umfassend recherchiertes Buch.

Der Autor:
Stephen Edwin King wurde 1947 in Portland, Maine, geboren. Während seines Studiums an der University of Maine lernte er seine zukünftige Frau Tabitha Spruce kennen. Er fand Arbeit als Englischlehrer an der Hampden Academy, Maine. Geschrieben hat er nach Feierabend. 1974 veröffentlichte er seinen ersten Roman Carrie. Seitdem hat er mehr als dreißig Bücher geschrieben, die alle zu Weltbestsellern wurden. Zuletzt erschienen auf Deutsch sein Roman Das Mädchen und der autobiographische Text Das Leben und das Schreiben. Stephen King lebt zusammen mit seiner Frau in Bangor, Maine.

REZENSION:

Stephen King legte 1981 mit Danse Macabre ein sehr interessantes Sachbuch über den Horror in Film und Buch vor, das lange Zeit bei uns nicht mehr aufgelegt wurde und nun endlich mit zum Teil neuen Kommentaren wieder veröffentlicht wurde.
Der Autor behandelt in seinem Werk die Entwicklung des Horrors von den Anfängen bis in das Jahr 1980.
Es ist sehr sachlich aufgebaut, aber trotzdem unwahrscheinlich interessant geschrieben. Außerdem erfährt man sehr viel über den mittlerweile erfolgreichsten Autor in diesem Genre.
Er gibt viele Film- und Buchtipps und zeigt einen tiefgehenden Sachverstand und seine Freude in dieser Kategorie der Film- und Literaturbranche. Leider sind einige der vorgestellten Werke bei uns nicht erhältlich, was aber den Spaß an diesem Buch nicht mindert, da noch viel bekanntes übrigbleibt.
Er erzählt viele interessante Pointen und Geschichten der unterschiedlichsten Autoren. Man merkt jedoch auch stark seine persönlichen Vorlieben und die persönliche Nähe zu manchem Autor.
Davon abgesehen habe ich noch nie ein so spannendes, informatives und interessantes Sachbuch gelesen. Es kann jedem, der sich für dieses Genre interessiert, nur ans Herz gelegt werden.
JS/26.05.03

John Katzenbach: Die Rache

Originaltitel: Day of Reckoning
Übersetzung: Anke und Eberhard Kreutzer
Vollständig neu übersetzte Ausgabe Juni 2009
c 1989 by John Katzenbach
c 2009 für die deutschsprachige Ausgabe bei Knaur Taschenbuch
Ca. 507 Seiten / € 9,95

COVER:

Megan und Duncan Richards haben Karriere gemacht und sich in ihrem bürgerlichen Wohlstand bequem eingerichtet – aber das war nicht immer so: Als naive Weltverbesserer hatten sie sich in ihrer Studentenzeit einer radikalen Gruppe angeschlossen und bei dem Überfall auf einen Geldtransporter mitgemacht. Doch nur Olivia Barrow, die Rädelsführerin, war dafür ins Gefängnis gewandert. Nun wird sie aus der Haft entlassen und hat sich geschworen, an den Verrätern von damals erbarmungslos Rache zu nehmen…

REZENSION:

John Katzenbach führt den Leser in seinem neuen Werk „Die Rache“ sehr geschickt ein, indem er seine jeweiligen Protagonisten detailliert vorstellt und deren Charaktereigenschaften geschickt ausbreitet.
Er führt uns dabei anfangs in die Vergangenheit, um die Hintergründe der jeweiligen Vorgehensweisen dar zu legen.
Er benutzt in seinem Thriller einen durchweg einfachen und flüssigen Schreibstil – versteht es dabei dennoch, eine hohe Spannung aufzubauen und auch zu halten. Dies gelingt ihm sehr geschickt durch diverse Sprünge zwischen seinen Protagonisten. Gefühle, wie Angst, Hoffnungslosigkeit, Ohnmacht und Rache werden dabei sehr glaubwürdig vor des Lesers Augen dargestellt.
Zum Ende hin kommt natürlich der unvermeidliche Showdown, bei dem sich die Ereignisse regelrecht überschlagen und dabei ein Garant für einen Pageturner sind. Leider bleiben unzählige Fragen offen, die sich jeder Leser selbst in seiner eigenen Art beantworten muss.
„Die Rache“ ist durchweg eine spannende Story, die sicherlich keine Probleme hat, Thriller-Fans zu überzeugen.
Jürgen Seibold / 04.09.2009

Jörg Kastner: Das wahre Kreuz

c 2007 bei Knaur Verlag
ca. 428 Seiten / 18,90 €

COVER:

1798. Napoleon hat Kairo erobert. In seiner Begleitung befinden sich Künstler und Wissenschaftler, die die Geheimnisse des fremden Landes ergründen sollen – unter ihnen auch der junge Zeichner Bastien Topart. Bald bricht er mit einer Eskorte zu einem Wüstentempel auf, vor dem die Einheimischen panische Angst haben.
Die Franzosen werden dort Zeugen einer grausigen Zeremonie: Auf einem Altar wollen Männer im Kostüm mittelalterlicher Kreuzritter eine junge Frau opfern. Mit Müh und Not gelingt es den Forschern, die falschen Ritter zurückzuschlagen und das Leben der geheimnisvollen Fremden namens Ourida zu retten – von der sich Bastien magisch angezogen fühlt.
Im Kampf erbeutet Bastiens Onkel ein mysteriöses Schwert. Es scheint im Nahen Osten gefertigt worden zu sein, trägt jedoch Zeichen der abendländischen Kultur – auf dem Griff sind Kreuze eingraviert. Was verbirgt sich hinter diesen Symbolen?
Die Franzosen nehmen Ourida mit nach Kairo, wo überall Gefahr zu lauern scheint: Seltsame Gestalten schleichen um das Haus, ein Mord geschieht. Und vor allem wird Bastien von intensiven Träumen heimgesucht, in denen er ein mittelalterlicher Ritter ist und gegen eine Übermacht von Arabern kämpft; Träumen, die um eine mächtige Reliquie kreisen – ein Kreuz und seine Rettung.
Bastien wird klar, dass er durch ein geheimnisvolles Band aus der Vergangenheit mit den Ereignissen im Tempel verbunden ist. Auf ihn wartet die fast unlösbare Aufgabe, an diese Vergangenheit anzuknüpfen, sich den tödlichen Bedrohungen der Gegenwart zu stellen – und seine große Liebe zu retten…

Jörg Kastner, geboren 1962 in Minden an der Weser, hat nach erfolgreichem Jurastudium aus der Liebe zum Schreiben einen Beruf gemacht. Genaue Recherche und die Kunst, unwiderstehlich spannend zu erzählen, zeichnen seine Romane aus. Zu seinen größten Erfolgen bei Knaur zählen seine Trilogie von Vatikanthrillern – Engelspapst, Engelsfluch und Engelsfürst – sowie der historische Rembrandt-Roman “Die Farbe Blau”.
Jörg Kastner lebt mit seiner Frau in Hannover.

REZENSION:

Jörg Kastner führt uns ins seinem historischen Roman “Das wahre Kreuz” in die Zeit Napoleons – eine Epoche vor den Toren Ägyptens, die sich nicht allzu oft in historische Romane verirrt.
Demzufolge interessant ist der vorliegende Band und man taucht ein in vergangene Zeiten voller Mystic und orientalischen Besonderheiten – voll mit Glauben, Kriegen – und der unvermeidlichen großen Liebe des Bastien.
Jörg Kastner versteht es hierin fehlerfrei, erneut den Leser an den abenteuerlichen Erlebnissen seiner Darsteller teilhaben zu lassen und lässt einen förmlich den Wüstensand vor den erhabenen Pyramiden spüren.
Wie bereits in seinem Buch “Die Farbe Blau” spinnt Kastner historische Fakten zu einem spannungsvollen Plot zusammen und lässt den Leser – ähnlich einem Archäologen – längst vergangene und doch neue Welten entdecken. Die Flüssigkeit und Spannung seiner “Farbe Blau” erreicht er zwar mit dem vorliegendem Buch nicht so ganz – nimmt den Leser aber trotzdem an der Hand und führt von Seite zu Seite tiefer in die Mysterien einer Reliquie und einer ebenso mysteriösen Schönheit – was beim Leser ein Wohlgefühl sowie ein Interesse auslöst, das über das nicht ganz so hoe Spannungsniveau hinweg täuscht.
Sehr empfehlenswert für alle historischen Fans.
Jürgen Seibold/05.02.2008