Markus Heitz: Ritus

Originalausgabe April 2006
c 2006 by Knaur Taschenbuch
ca. 520 Seiten / 12,95 €

COVER:

Zwei Männer, die nur ein Ziel kennen.
Ein Fluch, der die Jahrhunderte überdauert.

Frankreich im Jahre 1764.
Die Menschen leben in Angst und Schrecken – denn ihre Kinder werden gehetzt und getötet. Was ist das für eine Bestie, die kein Jäger stellen kann?
Unter den vielen Männern, die sich auf die Jagd begeben, ist auch der Wildhüter Jean Chastel.
Er selbst birgt ein dunkles Geheimnis – und niemand ahnt, dass der gnadenlose Ritus der Bestie auch zweihundert Jahre später noch Opfer fordern wird…

Markus Heitz, geboren 1971, studierte Germanistik und Geschichte und lebt als freier Autor in Zweibrücken. Sein Aufsehen erregender Erstling “Schatten über Ulldart”, der Auftakt zum sechsbändigen Epos “Ulldart – Die Dunkle Zeit”, wurde mit dem Deutschen Phantastik Preis 2003 als “Bestes Roman-Debüt National” ausgezeichnet – einer Auszeichnung, der viele weitere folgen sollten. Spätestens seit seiner Bestseller-Trilogie “Die Zwerge”, “Die Rache der Zwerge” und “Der Krieg der Zwerge” gehört Markus Heitz zu den erfolgreichsten deutschen Fantasy-Autoren.

REZENSION:

Markus Heitz widmet sich in seinem Roman “Ritus” einem Thema, das nach meiner Meinung eigentlich bereits seit vielen Jahres “ausgelutscht” ist. Wer in Gottes Namen interessiert sich noch für Werwölfe? Diese Spezies zeugte in der Literatur und dem Film nicht gerade von recht viel Einfallsreichtum geschweige denn eigenem Intellekt (Natürlich gibt es Ausnahmen…).
Nun hat sich der Zwerge-Autor Markus Heitz diesen Wesen angenommen, die mittlerweile ein ähnlich ausdauerndes Leben vorzuweisen haben wie zum Beispiel die Vampire.
Markus Heitz bedient sich dabei bei einem historischen Fall bzw. einer Legende und verknüpft diese mit der heutigen Zeit in einem wunderbar aufgebauten Wechselspiel.
Dadurch bewegt man sich als Leser abwechselnd in den Jahren 1764 und 2004 – und verfolgt dabei eine Familie auf der Jagd nach dem Monster.
Dies wird von Heitz in einer sehr spannenden und atemberaubenden Art und Weise vorgelegt und man fegt von Seite zu Seite, um leider viel zu früh ans Ende des Buches zu gelangen.
Ritus ist ein absolut fesselnder Thriller, in dem ein totgeglaubtes Wesen wieder zu neuen Ehren findet. Lediglich bei der von Markus Heitz bekannten ausufernden Tiefe in seinen groß ausgelegten Romanen und Reihen muss man in diesem vorliegenden Band einige Abstriche machen. Die in dieser Geschichte vorhandenen Personen, Begebenheiten und Handlungsstränge sind bei weitem nicht so detailliert gezeichnet, wie z.B. bei seinem “Zwerge-Zyklus”.
Es bleibt aber trotzdem ein sehr guter Thriller bei dem sich sicherlich jeder Leser auf den angekündigten zweiten Band “Sanctum” freut.
Jürgen Seibold/24.06.2006

Markus Heitz: Die Rache der Zwerge

c Piper Verlag GmbH, München 2005

COVER:

Die Schlacht um das Geborgene Land geht weiter – das furiose neue Abenteuer um Tungdil, den tapfersten aller Zwerge! Furcht erregende, unbekannte Kreaturen machen Jagd auf den magischen Diamanten, der unermessliche Macht in sich birgt. Die Bestien, halb Ork, halb Alb, scheinen magische Fähigkeiten zu besitzen und gebrauchen seltsame Maschinen. Doch sie sind nicht die Einzigen, die nach dem Artefakt trachten. Eine neue Gattung Ork erscheint im Geborgenen Land, und plötzlich gehen Gerüchte um von bartlosen, fremden Zwergen, die ihr eigenes Ziel verfolgen. Machtlose stehen die Herrscher des Geborgenen Landes den unheimlichen Gegnern gegenüber. Auch in den Zwergenreichen kommt es zu Zwischenfällen. Zwerge werden vergiftet, gejagt und getötet. Die Dritten schreien nach Rache. Und ist den Elben zu trauen, die eine neue Ära der Gemeinschaft zwischen den Völkern beschwören? Zusammen mit seinen Gefährten greift Tungdil erneut zur Doppelaxt. Aber um das Unheil abzuwehren, muss er über das Gebirge – ins gefährliche Jenseitige Land. Mit diesem rasanten Zwergen-Thriller hält Markus Heitz seine Leser ein weiteres Mal in Atem.

Markus Heitz, geboren 1971, studierte Germanistik und Geschichte und arbeitete als Journalist bei der Saarbrücker Zeitung. Sein Aufsehen erregender Debütroman “Schatten über Ulldart”, der Auftakt zum Epos “Ulldart – Die dunkle Zeit”, wurde mit dem Deutschen Phantastik Preis ausgezeichnet. Seit den sensationellen Bestsellern “Die Zwerge” und “Der Krieg der Zwerge” gehört Markus Heitz zu den erfolgreichsten deutschen Fantasy-Autoren. Er lebt in Zweibrücken und versucht in seiner Freizeit gelegentlich, aus den Pralinenrezepten von König Perdor echte Pralinen zu machen.

REZENSION:

Mit “Die Rache der Zwerge” legt Markus Heitz den dritten Band seiner erfolgreichen Geschichte um Tungdil Goldhand vor.
Erneut handelt es sich bei dem Buch um einen dicken Brocken, mit dem man Leute erschlagen könnte.
Man sollte dies jedoch tunlichst sein lassen, denn der Inhalt zwischen den Buchdeckeln zeigt erneut, was für ein Phänomen Markus Heitz mittlerweile geworden ist.
Sehr oft sind weitere Bände einer erfolgreichen Geschichte nichts weiter als Aufgüsse, um den Geldbeutel weiter auf halten zu können – der Inhalt meist nebensächlich und nicht mehr auf dem Niveau des Erstlings.
Markus Heitz ist jedoch ein Autor mit unwahrscheinlich viel Output – schafft es dabei aber unterbrechungslos, die Qualität seiner Geschichten in den unterschiedlichsten Zeiten und/oder Welten auf einem konstant hohen Niveau zu halten.
Mit dem dritten Zwergenband ist ihm dies erneut gelungen und man hat als Leser das Gefühl, über dem Geborgenen Land zu schweben, um alles mit zu erleben. Abermals ist seine Geschichte hochspannend, interessant und ein weiterer Schritt auf den Fantasy-Thron.
Markus Heitz vergisst dabei auch nicht seinen bekannten und geschickt eingebauten Witz – nebenbei erkennt man erneut den immensen Ideenreichtum des Autors und ich gehe davon aus (und hoffe!), man wird noch viel von ihm zu lesen bekommen.
Sicherlich mittlerweile einer der besten Fantasy-Autoren, den unser Land aufbieten kann.
Jürgen Seibold/22.07.07

Markus Heitz: Der Krieg der Zwerge

c 2004 Piper Verlag GmbH, München

COVER:

Schärft Äxte und Schwerter – die Zwerge sind zurück!

Im Geborgenen Land herrscht Festtagsstimmung. Während Zwerg Tungdil mit seinen Freunden den Sieg über den verräterischen Magus Nôd’onn feiert, wälzt sich ein Heer hinterhältiger Orks heran, um das Zwergenreich zu zermalmen. Das Schwarze Wasser, ein düsteres Geheimnis, hat sie unsterblich gemacht, und schon bald müssen Tungdil und seine Gefährten ihre ganze Tapferkeit aufbieten, um sich den Bösewichtern entgegenzuwerfen. Inzwischen braut sich ein entsetzliches Unheil zusammen: Elf Verkörperungen eines gefallenen Gottes erheben sich mit ihrem Heer an der Westgrenze des Landes. Doch ein Zwerg gibt niemals auf, selbst wenn die Übermacht erdrückend scheint…

Wer “Die Zwerge” gelesen hat, wird die Fortsetzung verschlingen – ein neues Meisterwerk aus der Bestseller-Schmiede von Markus Heitz.

“Für alle Zwergen-Fans ein Muss!”
amazon.de

REZENSION:

Die Geschichte um Tungdil und dessen Gefährten, die um den Fortbestand ihrer Heimat, dem Geborgenen Land, kämpfen und hierbei nicht nur mit unsterblichen Orks zu tun haben, sondern auch gegen das elbenähnliche Volk, den Albaen, sowie vielen Intrigen antreten müssen, eröffnete sich mir anfangs etwas schwer. Nachdem ich aber bei Büchern selten aufgebe und voller Geduld einfach weiterlas öffnete sich mir nach und nach der Kosmos des Markus Heitz.
Sicherlich hat er versucht, den Nachfolgeband zu “Die Zwerge” so zu schreiben, daß auch Neulinge in seine Welt hineinfinden. Es ist ihm auch gelungen, benötigt aber etwas Geduld und Hartnäckigkeit beim Lesen dieser Lektüre.
Hat man diesen Punkt überschritten und die beteiligten Personen in sich aufgesogen, öffnet sich ein Plot, der die beliebten Zwerge, die Menschen, die unbeschreiblichen Elben und die brutalen Orks unvergleichlich weiterleben lässt. Heitz erzählt aber nicht einfach die Geschichte um den oder nach dem Ringkrieg weiter, nein, er erschafft eine eigene Welt mit eigenen Charakteren, die absolut nichts mit dem oft herangezogenen Monumentalwerk “Der Herr der Ringe” zu tun haben.
“Der Krieg der Zwerge” kann aber trotzdem oder gerade deshalb überzeugen und ist für jeden Leser dieses Genres ein absolut notwendiges Werk.
Ich würde nur jedem raten, mit dem Erstlingswerk “Die Zwerge” zu starten um nicht wie ich über das Verpassen des ersten Buches traurig zu sein.
Schade, daß ich nur “Der Krieg der Zwerge” gelesen habe….
Jürgen Seibold/30.12.2004

Jonathan Hayes: Martyrium

Originaltitel: Precious Blood
Übersetzung: Christine Gaspard
Deutsche Erstausgabe August 2008
c 2007 by Jonathan Hayes
c 2008 für die deutschsprachige Ausgabe by Knaur Taschenbuch
ca. 511 Seiten / € 8,95

COVER:

Im New Yorker East Village wird eine Studentin in ihrem Apartment mit dem Kopf nach unten gekreuzigt. Dem Pathologen Jenner genügt ein Blick auf das Opfer, um das Tatmuster eines Serienkillers zu vermuten. Sein Verdacht bestätigt sich, als man in Pennsylvania die verstümmelte Leiche eines anderen Mädchens findet. Und dabei bleibt es nicht, weitere bizarr zugerichtete Frauenleichen sorgen für Aufsehen. Der Killer scheint besessen von einem religiösen Wahn, denn seine Morde sind dem Märtyrertod von Heiligen nachempfunden. Am Ehrentag der Heiligen schlägt der Wahnsinnige zu. Und Jenners Freundin Ana hat bald Namenstag…

REZENSION:

Jonathan Hayes legt mit seinem Thriller Martyrium ein Erstlingswerk vor, das den Leser durchgehend bei der Stange hält.
Es handelt sich zwar in seiner Geschichte um die klassische Vorgehensweise – fieser Serienmörder wird gejagt – durch die eigene Affinität als Forensiker wird seine Darstellung der Hauptfigur für den Leser sehr persönlich und absolut glaubwürdig.
Nichts desto trotz gibt es sicherlich viele dichtere Thriller auf dem Markt – für ein Debüt strotzt Martyrium jedoch schon voller Ideen und dies sollte dazu führen, dass man den Namen Jonathan Hayes nicht unbedingt aus dem Auge verliert.
Seine Story bleibt relativ vorher schaubar für den ambitionierten und regelmäßigen Thrillerleser – trotzdem bin ich der Meinung, dass Hayes schlicht ein Unterhaltungsbuch auflegen wollte, das den Leser an die Seiten kettet und zu überzeugen weiß.
Dies ist ihm uneingeschränkt gelungen und aus diesem Grund gebe ich gerne zu, dass dieses Werk von der Dichte etwas intensiver sein könnte, jedoch als spannender und glaubwürdiger Thriller zu überzeugen weiß.
Nachdem man aus meiner Sicht mit Büchern entweder in andere Welten abtauchen möchte (dafür gibt es Fantasy oder SF) oder schlicht eine gute Unterhaltung zum Abschalten aus dem Irrsinn des Tages gesucht wird, ist dieses Buch als spannende Alternative durch und durch zu empfehlen. Selten hat mich eine Jagd nach einem Serienmörder so gefesselt und die mysteriösen, religiösen Spielereien des Mörders machten dies nur noch intensiver.
Somit ein sehr lesenswerter Thriller der für einige schöne, spannende Stunden sorgt und keine einzige Sekunde zu enttäuschen weiß.
Jürgen Seibold/01.11.2008

John Harvey: Schau nicht zurück

Originaltitel: Ash & Bone
Übersetzung: Sophie Kreutzfeldt
c 2005 John Harvey
Deutsche Erstausgabe September 2007
c 2007 der deutschsprachigen Ausgabe: Deutscher Taschenbuchverlag GmbH & Co. KG, München
ca. 445 Seiten / € 8,95

COVER:

Maddy Birch ist eine erfahrene Kriminalbeamtin. Sie gehört zu einer Spezialeinheit der Londoner Polizei, die einen seit Jahren beobachteten Gangsterboss fassen soll. Aber die Verhaftung geht schrecklich schief. Am Ende ist der Verbrecher tot – aber auch ein junger Kollege. Und Maddy wird das Gefühl nicht los, dass jemand sie beobachtet… Detective Inspector Elder, der sich nach einer persönlichen Katastrophe frühzeitig vom Dienst zurückgezogen hat und in Cornwall ein einsames Leben voller Dämonen aus der Vergangenheit führt, wird zur Mitarbeit an dem Fall überredet. Es fällt ihm nicht leicht, sich den brutalen Fragen zu stellen, die nicht nur die Londoner Polizei, sondern auch sein eigenes Leben – und das seiner Tochter – betreffen.

REZENSION:

John Harvey: Schau nicht zurück – ein empfehlenswerter, spannender Krimi – zumindest nach den ersten 80 Seiten. Anfangs steigert sich die Spannung etwas gemächlich. Ein Gangsterboss, William Grant, der bei einem dubiosen Polizeieinsatz erschossen wird, bei dem auch ein junger Polizist ums Leben kommt. Gerade als man sich einen Überblick über die zahlreichen Charaktere verschafft, wird die scheinbare Hauptakteurin Maddy Birch brutal missbraucht und ermordet. Sie war bei dem Einsatz gegen Grant dabei, eine gute Polizistin, die gerade vertraut erschien und den Leser während des ganzen Romans begleiten wird. Parallel dazu ein ehemals erfolgreicher Kriminalinspektor, im Ruhestand, Frank Elder, der nach einem schrecklichen Verbrechen an seiner eigenen Tochter Katherine in die Einsamkeit nach Cornwall geflohen ist. Er kehrt wegen dem Mord an Birch zurück in den Dienst, um die ergebnislosen Ermittlungen von Karen Shields zum Erfolg zu bringen. Noch weniger erfolgreich als die anfänglichen Ermittlungen von Shields ist das Leben von Elders Tochter.
Hervorragend, aber nicht zu langatmig beschriebene Darsteller. Ihre Lebensgeschichten beginnen sich auf kurzweilige Art miteinander zu vereinen, die Ermittlungen laufen rasant zu, abgerundet von einer nicht ganz passenden Liebesbeziehung (…)

Harvey hat im Gesamtbild einen gelungenen Thriller geschrieben. Anfangs etwas zäh, aber dann mit Überraschungsmoment. Ab hier wächst die Spannung unaufhörlich. Er bedient sich eines schönen schnörkellosen Stils, der trotzdem oder gerade deshalb die Geschichte für den Leser greifbar macht. Personen werden auf den Seiten lebendig. Der Hauptdarsteller, Elder, nimmt phasenweise beinahe eine Nebenrolle ein. Harvey gelingt es, die Nebenrollen authentisch darzustellen und in den Fokus zu rücken. Selbst die Ermordete, Birch, erhält während des Verlaufs immer mehr ein Gesicht für den Leser. Positiv ist, dass „Schau nicht zurück“ problemlos ohne Kenntnis des ersten Teils „Schrei nicht so laut“ gelesen werden kann. Die Ausführungen über das jetzige Leben von Franks Tochter, hätten etwas kürzer gehalten werden können, hier versucht der Autor einen Bezug zum ersten Teil herzustellen.
Barbara Weber für Hysterika.de / 01.03.2009

John Harvey: Schrei nicht so laut

Originaltitel: Flesh and blood
Übersetzung: Sophie Kreutzfeldt
c 2004 John Harvey
Deutsche Erstausgabe Januar 2007
c 2007 der deutschsprachigen Ausgabe: Deutscher Taschenbuch Verlag, München
ca. 448 Seiten / € 9,90

COVER:

Vierzehn Jahre sind vergangen, seit Susan Blacklock, eine junge Frau aus Chesterfield, spurlos verschwunden ist. Detective Frank Elder, frühzeitig pensioniert und selbst Vater einer fast erwachsenen Tochter, geht der noch immer ungeklärte Fall nicht aus dem Sinn. Er beschließt, ihn noch einmal aufzurollen.
Kaum hat er mit seinen Ermittlungen begonnen, findet die Polizei die geschundene Leiche einer jungen Frau. Hat Shane Donald, ein soeben aus der Haft entlassener Vergewaltiger und Mörder, etwas damit zu tun? Ist er vielleicht auch für Susans Verschwinden verantwortlich? Die gründlichen Nachforschungen des Detective scheinen den Täter jedenfalls zu provozieren. Bringt Elder sich selbst und seine Familie in Gefahr?

John Harvey, Jahrgang 1938, Vater dreier Kinder, lebte lange Zeit in Nottingham, bevor er nach London zog. Er war als Englischlehrer tätig und unterrichtete an der University of Nottingham Literatur und Film. Für sein umfangreiches Werk, vor allem Krimis, aber auch Kurzgeschichten und Radioadaptionen, wurde er vielfach ausgezeichnet.

REZENSION:

John Harveys Krimi/Thriller ist sehr zwiespältig zu betrachten. Einerseits ist es positiv, dass ein Autor auch mal in sehr reißerischer Manier zu überzeugen weiß – andererseits fehlt seinem Buch das gewisse Etwas, welches einem eine Geschichte noch längere Zeit im Kopf herumschwirren lässt.
Er schreibt zwar sehr atmosphärisch dicht, vergisst dabei aber ein wenig die notwendigen Spannungselemente, die bei einem ansonsten sehr reißerischem Buch noch als Tüpfelchen notwendig wären. Eine alleinige Darstellung von brutalen Elementen reicht nun mal nicht aus. Nachdem er aber mit der Darstellung seiner Grausamkeiten doch sehr authentisch und glaubhaft bleibt, wird die Geschichte sehr bedrückend und real aufgenommen.
Dadurch ist dieses Buch zumindest teilweise empfehlenswert – aber sicherlich kein außergewöhnliches Werk.
Jürgen Seibold/02.06.2007

Madeleine Harstall: Die Brückenbauerin

Originalausgabe März 2006
c 2006 by Knaur Taschenbuch
ca. 446 Seiten / € 8,95

COVER:

Thea stößt bei Recherchen zu ihrer Abschlussarbeit über Brückenbau auf den Namen ihrer eigenen Ururgroßmutter Fedora. Deren Mann hatte einst auf der Insel Usedom eine berühmte Brücke gebaut, die später einstürzte und unzählige Menschen in den Tod riss. Allmählich wird Thea klar, welche Rolle Fedora damals spielte, und sie entdeckt das Geheimnis ihrer Vorfahrin, das wie ein Fluch noch auf ihren Töchtern und Enkelinnen zu lasten scheint…

REZENSION:

„Die Brückenbauerin“ ist klassisch auf zwei Erzählebenen angelegt. Da ist einmal die Geschichte von Thea und Janek, die in der Gegenwart angesiedelt ist, und auf der anderen Seite die Familienchronik ihrer gemeinsamen Vorfahrin, Fedora, die Ende des 19. Jahrhunderts beginnt. Doch was sonst oft spannungsfördernd ist, wirkt hier eher störend. Das mag daran liegen, dass mich persönlich die Geschichte von Thea und Janek nicht besonders zu fesseln vermochte, und ich zu den beiden Figuren keinerlei Beziehung aufbauen konnte und letztendlich auch nicht wollte. Es wird nicht so ganz klar, ob es sich nun eigentlich um einen Liebes- oder doch eher einen Spionageroman handeln soll, doch beide Genres sind nicht besonders überzeugend umgesetzt. Die Familienchronik von Fedora hingegen fand ich sehr spannend, denn da wird ziemlich anschaulich das Leben in einer äußerst aufregenden Zeit beschrieben – es gibt noch keine Glühbirnen, Kühlschränke oder Staubsauger, dafür liegt aber ein ungeheurer Wissens- und Forscherdrang in der Luft, der auch für den Leser von heute noch spürbar wird. All die Dinge, die für uns heute so selbstverständlich sind, wurden dank der Neugier und Experimentierfreudigkeit dieser Menschen erfunden, die sich auch von unvermeidlichen Rückschlägen nicht entmutigen ließen. Das gilt natürlich nicht nur für die Technik sondern auch für die Medizin. Obwohl diese Zeit eigentlich noch gar nicht so weit zurück liegt, glaubt man sich in eine andere, ferne Welt versetzt, wenn man miterlebt, mit welchen Schwierigkeiten Frauen zu kämpfen hatten, die ihr Leben ebenfalls der Wissenschaft verschreiben wollten – Fedora als Ingenieurin und ihre Tochter Elsie als Ärztin – und welchen hohen Preis diese intelligenten und mutigen Frauen für diese Entscheidung bezahlen mussten. Wenn dann die Erzählung wieder in die Gegenwart zu Thea und Janek wechselt, war ich manchmal fast ein bisschen ungehalten und habe mich von den beiden regelrecht gestört gefühlt.
Fazit: „Die Brückenbauerin“ ist auf jeden Fall ein spannendes Buch, das auch ein bisschen nachdenklich macht – über die Rolle der Frau in der Gesellschaft und darüber, wie sich Schicksale oder zumindestens bestimmte Muster innerhalb einer Familie über Generationen hinweg wiederholen können, was oft erst durch eine intensive Auseinandersetzung mit der Familiengeschichte – so wie Thea das für ihre Diplomarbeit macht – erkennbar wird.
Susanne Mayer für Hysterika, 16. Juli 2006

Madeleine Harstall: Das Geheimnis der Gräfinnen

c 2004 by Knaur Taschenbuch

COVER:

Im Sommer 2004 reisen Richard und Zilla von Genf nach Zingst in Nordvorpommern, wo Zillas Mutter, die Gräfin Rosalie, ein Trakehnergestüt leitet. In der Ehe der beiden kriselt es, und Zilla ahnt nicht, dass Richard ein düsteres Familiengeheimnis vor ihr verbirgt. Zillas Verhältnis zu ihrer Mutter ist schwierig, denn Zilla hat ihr nie verziehen, dass sie ihre Tochter in den 80er-Jahren in den Westen geschmuggelt hatte, so dass diese nicht nur ihre Mutter, sondern auch ihre Kindheit an der Ostsee zwischen Dünen, Meer und Wolken verlor. Und nun hat ihre Mutter vor, ihrem Schwiegersohn die Leitung des Gestüts anzuvertrauen. Dieser aber wehrt sich zunächst. Der Grund: Richards Großvater hat in Ostpreußen ein furchtbares Verbrechen begangen…

Madeleine Harstall wurde 1958 in Genf geboren. Sie studierte Germanistik und Sprachen und lebt in Wangen im Allgäu.

REZENSION:

Die im Klappentext angekündigten Themen: dunkles Familiengeheimnis und Mutter-Tochter-Konflikt lassen eine spannende Lektüre erwarten. Als Leser freut man sich auf eine Geschichte, die auf zwei Ebenen – Gegenwart und Vergangenheit – erzählt wird, und die sich erst nach und nach wie ein Puzzle zusammensetzt, so dass man das Buch erst wieder aus der Hand legen möchte, wenn man das ganze Bild kennt. Im Prinzip trifft das auch auf diesen Roman zu, allerdings wird die Geduld des Lesers streckenweise doch auf eine ziemlich harte Probe gestellt, denn bevor man zum nächsten Puzzle-Teil kommt, muss man – teilweise ziemlich langatmige – Ausführungen über die Landschaft (Nordvorpommern) und die Pferdezucht über sich ergehen lassen. Vielleicht habe ich mich aber auch nur deshalb durch diese Exkurse so ausgebremst gefühlt, weil diese Themen mich persönlich nicht unbedingt fesseln. Doch damit nicht genug, der Leser wird zudem noch mit jeder Menge geschichtlicher Daten und Details zum 2. Weltkrieg überschüttet, Stoff genug für einen eigenen – wahrscheinlich sogar ziemlich interessanten – Roman. Aber ich wollte ja eigentlich einem Familiengeheimnis auf die Spur kommen und diesen Mutter-Tochter-Konflikt verstehen, und nicht meine Geschichtskenntnisse erweitern. Man hat das Gefühl, dass Frau Harstall befürchtet haben könnte, dass sie in ihrem ganzen Leben nur ein einziges Buch schreiben kann oder wird, und deshalb in diese 414 Seiten alles hineinpacken muss, was sie auf dieser Welt für wichtig, interessant und erzählenswert hält. Dem Leser wird dadurch einiges an Flexibilität und Toleranz abverlangt. Kaum glaubt man aus diesem Informationswust ein weiteres Puzzle-Teil herausgepickt zu haben, muss man erkennen, dass alles dann doch ganz anders ist, als man – und auch die Protagonisten des Romans – gedacht hat. Irgendwie gelingt es der Autorin aber dennoch, immer wieder gerade noch rechtzeitig zur „eigentlichen“ Geschichte zurückzukommen, so dass man dann doch bis zum Ende dabei bleibt.
Fazit: Für meinen Geschmack wäre weniger auf jeden Fall mehr gewesen. Doch trotz der epischen Abschweifungen ein ziemlich spannendes Buch.
Susanne Mayer für Hysterika, 28.09.2006

Johan Harstad: Darlah

Originaltitel: Darlah. 172 timer pa manen.
Aus dem Norwegischen von Gabriele Haefs
Deutsche Erstausgabe März 2010
c 2008 Cappelen Damm AS, Oslo
Für die deutschsprachige Ausgabe:
c 2010 Deutscher Taschenbuch Verlag GmbH & Co.KG, München
ca. 412 Seiten / € 14,90

COVER:

Im Weltraum kann dich niemand schrehen hören.

Mia aus Norwegen, Midori aus Japan und Antoine aus Frankreich – sie sind die drei Gewinner eines weltweiten Preisausschreibens der NASA und dürfen am ersten bemannten Mondflug seit 1976 teilnehmen. Ihre Motivationen könnten unterschiedlicher nicht sein: Midori will weg aus Japan, Antoine weg von seiner Ex. Mia will eigentlich gar nicht weg, aber ihre Eltern und der Rest der Welt finden, das sei eine einzigartige Chance, ein Sprungbrett in die Berühmtheit. Dass die Ausschreibung nicht mehr ist als ein billiger Trick, um Sponsoren anzuwerben, da für die Expedition das Geld fehlt, ahnt kaum jemand. Und der einzige Mensch, der weiß, was in Wahrheit dahintersteckt und dass dieser Mondflug das Ende von allem sein kann, ist ein an Alzheimer erkrankter, alter Mann, dem niemand Glauben schenkt. Der Countdown läuft…

REZENSION:

Johan Harstad legt mit Darlah einen Science Fiction Thriller mit Horrorelementen für die jüngere Lesergeneration vor. Seine Geschichte ist auch durchweg glaubwürdig und interessant erzählt. Seine Spannungselemente sind geschickt eingewoben und lassen an nichts zu wünschen übrig. Nichts desto trotz darf man die Klientel nicht vergessen – und dies hat der Autor auch in keinster Weise getan. Im Rahmen eines anspruchsvollen “Erwachsenenbuches” würde ich eine detailliertere Beschreibung mancher Inhalte sehr wünschen – auch die lediglich als Nebenrolle dargestellte Idee mit dem an Alzheimer erkrankten ehemaligen Mitarbeiter der “Area 51” hätte noch mehr Potenzial.
Bleiben wir aber bei der Zielgruppe: Und hierbei erkennt man, dass es sich doch tatsächlich um eine rasante Science Fictiongeschichte handelt, die voller Ideen und verwoben mit vielen Anspielungen dargelegt wird. Es gibt keinen einzigen Augenblick, der nicht die Aufmerksamkeit des Lesern aufrecht erhält. Somit kann man dieses gelungene Werk jedem jüngeren Lesern uneingeschränkt empfehlen. Der einzige Nachteil dieser Klientel besteht darin, dass diese allein aufgrund ihres Alters eventuell nicht jede Anspielung greifen können, da die dafür verwendeten Vorbilder sich überwiegend bei anderen Generationen aufhielten. Dies beeinträchtigt aber sicherlich in keinster Weise den Lesensfluss.
Jürgen Seibold/05.04.2010

Cynthia Harrod-Eagles: Lügen, verdammte Lügen

Originaltitel: Blood Sinister
Deutsch von Susanne Aeckerle
Deutsche Erstausgabe August 2007
c 1999 Cynthia Harrod-Eagles
c 2007 der deutschsprachigen Ausgabe bei Deutscher Taschenbuch Verlag GmbH & Co. KG, München
ca. 381 Seiten / 8,95 €

COVER:

Ob es wirklich ein allzu leidenschaftlicher Liebhaber war, der Phoebe Agnew, halb nackt und ans Kopfteil des Bettes gefesselt, nach einem intimen Dinner erwürgt hat? So ganz kann das Detective Inspector Slider nicht glauben. Schließlich war die als Fürsprecherin der sozial Schwachen bekannte Journalistin eine gefürchtete Frau: Oft genug hatte sie der Polizei mit ihren kritischen Artikeln eingeheizt und zudem etliche korrupte Kriminalbeamte auffliegen lassen. Sliders Leute dürfen während ihrer Ermittlungen deshalb keinerlei Zweifel an ihrer Unparteilichkeit aufkommen lassen. Keine leichte Aufgabe, zumal ihnen auch noch das Innenministerium zusetzt. EIner der Verdächtigen ist nämlich ein Regierungsbeamter: Josh Prentiss, ein alter Freund der Toten…

REZENSION:

Cynthia Harrod-Eagles legt mit der Kriminalgeschichte “Lügen, verdammte Lügen” ein genregerechtes Stück vor, das insbesondere durch den eingängigen und fließenden Schreibstil sowie den klassisch anmutenden in sich widersprechenden Zeugenaussagen zu überzeugen weiß.
In ihrer Geschichte jagt ein Lügengespinst hinter dem anderen her und man tappt als Leser dadurch sehr lange im Dunkeln – insbesondere, was die Person des Mörders betrifft: Sobald man eine Ahnung zu haben scheint, wendet sich das Blatt erneut um hundertachtzig Grad und man irrt weiterhin der echten Auflösung hinterher.
Nebenbei führt Cynthia Harrod-Eagles einen sympathischen Detective Inspector ein, dessen eigene Probleme absolut realistisch sind und ihn somit menschlich und verletzlich machen. Dadurch entsteht ein kleiner Nebenplot zum eigentlichen Kriminalfall, der sich mehr und mehr als nette zusätzliche Unterhaltung herausstellt. Harrod-Eagles Schreibweise bildet scheinbar nebenbei sehr witzige und interessante Dialoge heraus, was der Geschichte absolut gut bekommt.
Somit eigentlich ein typischer Krimi, der aber doch überzeugen kann und damit etwas heraussticht. Sehr schöne Unterhaltung!
Jürgen Seibold/05.02.2008

Charlaine Harris: Ein eiskaltes Grab

Originaltitel: An Ice Cold Grave
Deutsch von Christiane Burkhardt
Deutsche Erstausgabe Februar 2010
c 2007 Charlaine Harris
c 2010 der deutschsprachigen Ausgabe: Deutscher Taschenbuch Verlag GmbH & Co. KG, München
ca. 302 Seiten / € 8,95

COVER:

Die junge Harper Connelly hat, seit sie einmal vom Blitz getroffen wurde, eine etwas unheimliche Gabe: Sie kann Tote finden. Jetzt soll sie in Doraville, North Carolina, einen verschwundenen Jungen aufspüren. Es stellt sich heraus, dass dort in den letzten Jahren noch mehr Teenager verschwunden sind. Und Harper findet sie – zu ihrem Entsetzen. Danach möchte sie so schnell wie möglich aus Doraville verschwinden, doch nach einem brutalen Überfall ist sie gezwungen, zu bleiben. So erfährt sie mehr über die Einwohner und deren Geheimnisse, als gut für sie ist. Aber ist wirklich einer von ihnen ein Serienmörder?

REZENSION:

„An der Ostküste wimmelt es nur so von Toten“  .
Beim Lesen dieses ersten Satzes musste ich an meinen früheren Deutschlehrer denken, der uns damals erzählt hat dass man Bücher aufgrund des ersten Satzes schon ein Stück weit analysieren und interpretieren kann. Ich machte mich also auf einiges gefasst… und wurde  nicht enttäuscht. Die Ostküste Amerikas wimmelt in diesem Buch tatsächlich von Toten.
In dieser Geschichte wird von einer jungen Frau erzählt, die in jüngeren Jahren vom Blitz getroffen wurde (und das ist durchaus wörtlich zu nehmen). Dieser Blitzschlag hat ihr die Fähigkeit Tote zu finden verliehen. Und darüber hinaus sogar noch die letzten Minuten der Toten zu „sehen“ und somit herauszufinden ob dieser gewaltsam oder eines natürlichen Todes gestorben ist.
Zugeben: das klingt alles sehr fantastisch – ist es auch.
Böse Zungen könnten behaupten: typisch amerikanisch.  Ja, ein stück weit tatsächlich auch das.
Trotzdem hat dieses Buch einen gewissen Spannungsfaktor, dem ich mich nicht entziehen konnte. Wenn auch, um ehrlich zu sein, nicht genügend für die Tatsache dass es von Leichen wimmelt.
Dennoch denk ich, dass das Buch einen Leser, der weder auf besondere Spannung noch auf „spritzendes Blut“ Wert legt, durchaus begeistern kann.
Birgit Grunwald für hysterika.de/22.12.2010

Charlaine Harris: Der Vampir, der mich liebte

Originaltitel: Dead to the World
Übersetzung: Britta Mümmler
c 2004 Charlaine Harris Schulz
Deutsche Erstausgabe September 2005
c 2005 Deutscher Taschenbuch Verlag GmbH & Co.KG, München

COVER:

Sookie Stackhouse ist Kellnerin in einer Bar in Louisiana. Sie ist hübsch, jung, ihr Job macht ihr Spaß. Viele Freunde hat sie allerdings nicht – denn nicht jedermann weiß Sookies besondere Gabe zu schätzen: Sie kann Gedanken lesen. Eines Nachts trifft sie auf dem Nachhauseweg auf einen herumirrenden Vampir. Er hat kaum einen Faden am Leib und außerdem sein Gedächtnis verloren. Zum Glück kennt ihn Sookie: Es ist Eric, der Boss ihres Ex-Freunds. Eric hat ein gewaltiges Problem: Ein Hexenzirkel ist in die kleine Stadt eingefallen und verlangt Schutzgeld von Eric, der ein erfolgreicher Vampir-Bar-Unternehmer ist. Er weigert sich zu zahlen, mit desaströsen Folgen. Sookie nimmt ihn bei sich auf – und bald jagt eine gefährliche Situation die andere. Außerdem ist Eric ein sehr attraktiver Vampir…

“Harris hat eine kleine Stadt in Louisiana erschaffen, die voller eigenwilliger, lebendiger Figuren ist und in die der Leser nur zu gern immer wieder zurückkehren wird.”
Crescent Blues

Charlaine Harris lebt in Arkansas, gemeinsam mit ihrem Mann, ihren drei Kindern, zwei Hunden, zwei Frettchen und einer Ente. Sie ist eine unersättliche Leserin, gemäßigte Cineastin und gelegentliche Gewichtheberin. Charlaine Haris hat zahlreiche Kriminalromane veröffentlicht und wurde für ihre Vampirromane mit dem begehrten Anthony Award ausgezeichnet.

REZENSION:

Zugegeben, der deutsche Titel ist ein bisschen unglücklich gewählt, denkt man doch automatisch an einen kitschigen Groschenheftroman mit der üblichen Formel: arme, schwache Menschenfrau verfällt attraktiven Vampir, wird von ihm aus allem unmöglichen Situationen gerettet bis sie am Ende dann zusammen in den Sarg sinken. Doch weit gefehlt: Hauptheldin Sookie ist kein naives Anhängsel, sondern eine Powerfrau, die ihren Mann zu stehen weiß. Und die kurze aber knackige Liebesgeschichte zwischen ihr und Eric nur eine Zutat in diesem sympathischem Genremix aus Krimi, Mystery und Komödie.
Eigentlich ist dies bereits der vierte Band einer ganzen Serie um die leicht lakonische Kellnerin, doch der erste, der auch in Deutschland veröffentlicht wurde. Für die in sich geschlossene Geschichte werden aber keine Vorkenntnisse benötigt, Beziehungen und Vergangenheit der Hauptpersonen erschließen sich nebenbei. Allgemein ist das Buch sehr flüssig zu lesen, auf detailverliebte seitenlange Beschreibungen wird zugunsten der rasanten Geschichte verzichtet, ohne jedoch oberflächlich zu werden. Gerade die Bewohner des kleinen Südstaatenstädtchens – eine düstere Version des amerikanischen Traums – sind mit sehr viel Liebe ausgearbeitet: eine wilde Mischung aus Menschen, Vampiren, Werwölfen und noch allerhand anderen magischen Gestalten. Sicher, Klischees sind nicht immer zu vermeiden werden aber gekonnt und mit einem Augenzwinkern auf die Spitze getrieben.
Wer einen modernen Vampirroman, der sich selber nicht all zu ernst nimmt, sucht, der ist mit “Der Vampir, der mich liebte” bestens versorgt.Bleibt die Hoffnung dass DTV ein Einsehen hat und den Leser auch bald in den Genuss der anderen Bücher der Serie kommen lässt.
Update zur deutschen Übersetzung: Die drei ersten Bände sind bei Feder & Schwert erschienen, ab Band 4 hat DTV die Serie übernommen – und “Der Vampir, der mich liebte” zwar ein neues Cover aber immer noch keinen besseren Titel verpasst.
Bis jetzt (2008) sind 6 Bände der Serie übersetzt wurden, der siebente Band “Vampire schlafen fest” wird im Juni 2008 erscheinen.
Marie-Luise Führ für Hysterika.de/19.02.2008

Gisbert Haefs: Alexander der Grosse

Coverbild: Heyne-Verlag (ISBN 3453866630)
Vorliegendes Exemplar: Sonderausgabe mit den beiden zuvor im Haffmans Verlag erschienenen Bänden Alexander “Hellas” und Alexander “Asien”
Weltbild Verlag GmbH, Augsburg 1998
c 1992, 1993, 1995, 1997 by Gisbert Haefs

COVER:

Nach seinem großen Karthago-Roman Hannibal legt Gisbert Haefs den gewaltigen Weltreich-Roman Alexander vor: die farbenprächtige, lebendige Auferstehung der Antike.
Der erste Teil umspannt die Zeit von der Einigung Griechenlands unter Alexanders Vater Philipp II. bis zur Meerfahrt des jungen Königs über den Hellespont. Der zweite Teil führt von der Schlacht am Granikos zur Eroberung und Neuordnung des ersten Weltreichs der Weltgeschichte, das ein Zusammenleben vieler Völker unter einem Gesetz möglich machte: Perser, Ägypter, Babylonier, Araber, Inder, Griechen, Makedonier hatten unter Alexanders Herrschaft gleiche Rechte und gleiche Chancen. Der große Roman verleiht einem Lidschlag der Historie, einer menschgewordenen Utopie, anschauliche Gegenwart.

GISBERT HAEFS
Alexander der Große

“Gisbert Haefs hatte schon einen historischen Roman über Hannibal vorgelegt. Dieser erweist sich nun als Probestück, dem ein Meisterwerk in der gleichen Art gefolgt ist.”
Jürgen Busche/Süddeutsche Zeitung

“Haefs’ Antike ist kein glatter Marmor, sie lebt, frißt, grölt, lacht, liebt und verreckt. Sie lebt auch literarisch.
‘Alexander’ ist ein veritabler Spionageroman, ein Politthriller, Schlachtengemälde, Helden_Epos und Schelmenstück, Parodie auf antike Chroniken, selbst antike Chronik, wundersames Mysterienspiel, philosophischer Diskurs, Reisebeschreibung und anderes, oft ironisch gebrochen, mit Anspielungen von Schiller bis Asterix durchsetzt. Aber beileibe kein unernster Bilderbogen für kindliche Gemüter.
Denn es ist durchaus eine ernsthafte Intention von Haefs, die Antike, deren Wahrnehmung oft von mythischer Verklärung verstellt ist, plausibel zu machen. Dementsprechend enorm ist auch der Recherche-Aufwand, der beispielsweise zum Thema antike Musik etliches Neues zu sagen hat oder die zukünftige Historiographie überzeugend korrigieren kann und eine Detailgenauigkeit erzeugt, die erstaunlich ist.”
Thomas Wörtche/Frankfurter Rundschau

“Antikes Leben wird anschaulich. Selbst kritisch gestimmte Wissenschaftler, die Haefs’ aristotelischer Geschichtssicht die Zustimmung wahrscheinlich versagen, werden ihren respekt nicht verweigern.”
Rudolf Pförtner/Die Welt

GISBERT HAEFS (sprich: Haafs), geboren am 9.1.1950 in Wachtendonk am Niederrhein; studierte Anglistik und Romanistik, war während des Studiums Komponist, Chansonnier und Kneipier; lebt als Autor, Übersetzer und Herausgeber in Bad Godesberg.

REZENSION:

Gisbert Haefs Werk lag nun schon 10 Jahre in meinem Bücherregal und staubte vor sich hin. Vor ungefähr 6 Jahren nahm ich es mal in die Hand und begann eher zögerlich mit der Lektüre. Irgendwie kam ich jedoch nicht rein und legte es wieder in das besagte Regal.
Nun, im Jahre 2009 fiel es mir wieder in die Hände und mein Gefühl sagte mir, es wäre nun an der richtigen Zeit.
Den Fehler des Beiseitelegens bereute ich nun mehr als stark – konnte mich doch tatsächlich dieser knapp tausendseitige Wälzer durch und durch überzeugen.
Haefs erschafft ein Bildnis, das durchgehend stimmig ist und diese verwirrende Zeit der alten Griechen farbenfroh mit allen Ecken und Kanten vor dem Leser ausbreitet. Man fühlt sich beinahe als stiller Beobachter einer Zeit, die voller Intrigen, Machtkämpfe, Dreck, Wein, Hurerei steckt und man ist fasziniert ob der detailreichen Fülle eines Autors, der sich meiner Meinung nach noch erheblich mehr solchen Personen widmen sollte.
Der Großteil der Protagonisten ist historisch gesichert, ironischerweise habe ich eine nicht reale Person ins Herz geschlossen: den Khitaristen Dymas, der als Musiker diversen Spionagetätigkeiten nachkommt und mich einfach überzeugen konnte. Selbst der mir lediglich als trockener Schulstoff bekannt gewordene Aristoteles fand seinen Weg in meine Gehirnwindungen – und wenn dieser Philosoph nur annähernd so gewesen sein sollte, wie dargestellt, dann war Aristoteles ein verdammt “cooler Typ”.
Sicherlich werden einige Historiker die Haare raufen – jedoch schaffen es diese leider selten, geschichtliche Hintergründe und Begebenheiten so lebendig darzustellen, wie es Haefs im vorliegenden Buch macht.
Warum nur ist Geschichte oft so trocken und ein Abzählen von Daten (“333 vor Issos Keilerei”) – es geht doch auch ganz anders!
Jürgen Seibold / 01.09.2009

Stephan Grundy: Rheingold

Originaltitel: The Rhinegold
Übersetzung: Manfred Ohl und Hans Sartorius
vorliegendes Exemplar: Lizenzausgabe der Bertelsmann Club GmbH, Gütersloh
c 1992 Stephan Grundy
deutsche Ausgabe: c 1992 S.Fischer Verlag GmbH, Frankfurt a.M.

COVER:

RHEINGOLD erzählt von einer Welt, in der das Schicksal von Menschen und Göttern noch eng miteinander verknüpft ist – ein Kosmos voller Zauber, Fabelwesen und Geheimnisse.
Sigfrid, der Held, verfügt zwar wie im Mythos über Stärke und scheinbare Unverwundbarkeit, zeigt sich aber in seiner ganzen widersprüchlichen Menschlichkeit: in seiner Naivität, seiner Unfähigkeit, Menschen und Mächte zu durchschauen, und damit in seiner Unterlegenheit gegenüber Gunter, Hagen und Krimhild – in seinem unschuldigen Wunsch nach Freundschaft und Zuverlässigkeit und seiner heimlichen Sehnsucht nach Liebe und Geborgenheit. Ein furchtloser Held, ein unbesiegbarer Drachentöter nach außen, innen ein noch unreifer und unsicherer, leicht zu beeinflussender Mann.

RHEINGOLD wie es Stephan Grundy ausfabuliert, ist mehr als ein phantastisch-mysthischer Roman über das Schicksal der Nibelungen. Grundy hat viele alte Geschichten aus dem nordeuropäischen Kulturraum miteinander verwoben und verknüpft, um eine unendliche Geschichte zu erzählen von Liebe und Versagen, Macht, Geheimnis und Tod.

Der Amerikaner Stephan Grundy studiert nordische Literatur an der Universität Cambridge in England. Er spricht deutsch, schreibt Gedichte, spielt die keltische Harfe, singt Schubert- und Wagner-Lieder. Grundy arbeitete als Goldschmied und ging bei dem bayerischen Holzschnitzer Ludwig Kienig in eine fünfjährige Lehre. Seine Hobbys sind Fechten, Karate, Met- und Bierbrauen.

REZENSION:

In Rheingold erzählt Stephan Grundy die komplette Nibelungensage von den Wälsungen über Sigfrid zu Gudrun. Dies schafft Grundy so detailliert und interessant, das dem Leser das Umblättern aufgezwungen wird und man nach der Lektüre fast versucht ist, sich auf die Suche nach dem berühmten Schatz im Rhein zu machen.
Das Nibelungenlied wurde schon sehr oft verfilmt, neu erzählt und weitergewoben – jedoch selten in dieser Dichte. Er verwebt hierbei nicht nur die alte Sage von Sigfrid dem Drachentöter, sondern auch alte Geschichten und Mythen aus unserem europäischen Kulturraum. Das alles so gut erzählt, das sich vor dem Leser die alten Zeiten wieder auftun und man sich unversehens bei den Burgundern, den Franken und dem Rhein befindet.
Selten gelingt es einem Autor bei der Nacherzählung einer Sage so zu fesseln und die Geschichte hierbei so zu erzählen, als ob das alles genau so geschehen wäre.
Dadurch ist ein Buch entstanden, das man fast als historischen Roman bezeichnen müsste, obwohl doch viele Vorgänge eher der Fantasy zuzuschreiben wären.
Somit nicht nur ein Werk für den Nibelungen-Interessierten, sondern für alle die gute historische Romane verschlingen, als auch für alle Fantasy-Freaks, die in einer andere Welt eintauchen möchten.
Das alles ist Stephan Grundy problemlos gelungen und lässt auf mehr Ergüsse von diesem Autor hoffen.
Jürgen Seibold

Alexander Grin / Stephen Gilbert / Harald Howart / H. J. Alpers: Tod durch Ratten (4 Romane in einem Band)

Alexander Grin: Der Rattenfänger
Titel der russischen Originalausgabe: Krysolov
Übersetzung aus dem Russischen von Waltraud Ahrndt
c 2004 by area verlag gmbh, Erftstadt

Stephen Gilbert: Aufstand der Ratten
Titel der englischen Originalausgabe: Ratman’s Notebook
Übersetzung aus dem Englischen von Walter Erev
Lizenzausgabe der area verlag gmbh, Erftstadt
c 1968 by Stephen Gilbert
c der deutschen Übersetzung by Marion von Schröder, Berlin

Harald Howart: Tod durch Ratten
c 1971 by Harald Howart
c 2004 der deutschsprachigen Ausgabe by area verlag gmbh, Erftstadt

Hans Joachim Alpers: Zwei schwarze Männer graben ein Haus für dich
c 2004 by Hans Joachim Alpers und area verlag gmbh, Erftstadt

COVER:

Vier fulminante Rattenhorror-Werke erstmals in einem Band! Szenarien des Grauens, in denen die Ratten ihren eigenen Plänen folgen, sich über den Menschen stellen und zu einer entsetzlichen Bedrohung für ihn werden – die Horrorgeschichten aus der Feder internationaler und deutscher Kultautoren lassen eines zur grausigen Gewissheit werden: Unsere Angst vor Ratten ist berechtigt.

Vier Romane in einem Band:
Alexander Grin: “Der Rattenfänger”
Stephen Gilbert: “Aufstand der Ratten”
Harald Howart: “Tod durch Ratten”
Hans Joachim Alpers: “Zwei schwarze Männer graben ein Haus für dich”

REZENSION:

Der area-Verlag legt mit dem Band „Tod durch Ratten“ ein 800 Seiten starkes Buch vor, in dem sich 2 Kurzgeschichten und 2 ganzwertige Romane mit Ratten als Hauptthema finden.
Als erstes findet man Alexander Grin’s knapp 90seitige Kurzgeschichte „Der Rattenfänger“:
Diese Geschichte ist sehr spannend geschrieben und kann sehr viel positive Eindrücke beim Lesen hinterlassen. Einziges Manko: Die Geschichte konnte sich mir nicht wirklich erschließen. Dies klingt zwar nach einem Widerspruch, zeigt aber zumindest daß Alexander Grin weiß, wie man den Leser bei der Stange hält.
Als zweites folgt Stephen Gilbert’s „Aufstand der Ratten“. In diesem Buch erreicht der Hauptdarsteller, daß ihm eine nicht unerhebliche Anzahl Ratten gehörig sind und seinen Befehlen nahezu fehlerfrei folgen. Durch seine beruflichen und allgemeinen Probleme setzt er diese immer mehr zu räuberischen Tätigkeiten ein, was zu einem gewissen Reichtum führt, jedoch den Weg zu seinem ersten befohlenen Mord führt. Dieses Thema spitzt sich immer mehr zu bis…..
Stephen Gilbert schuf hiermit einen Plot, der nicht nur spannend zu Lesen ist sondern auch zeitweise eine sehr interessante Beziehung zwischen dem Leser, dem Hauptakteur sowie den Ratten schafft. Dieser Roman befriedigt jeden Horrorleser und ist allein schon das Geld für diesen günstigen Rattensammelband wert.
Weiter geht es dann mit „Tod durch Ratten“ von Harald Howart, in dem ein Wissenschaftler durch seine Gehirnforschungen an Ratten ebenfalls die Kontrolle über zumindest eine Ratte erhält. Nachdem er jedoch von seinem Professor als Scharlatan verhöhnt wird und sowieso nicht gerade angesehen war, verliert er sich in klassische Rachegedanken und setzt hierzu mörderisch seine von ihm gesteuerte Ratte ein. Dieser Roman strotzt ebenfalls vor Spannung und lässt sich in beinahe einem Zug durchlesen, da man diese Geschichte nicht mehr loslassen kann. Einziges Manko an diesem Roman ist der absolut plötzliche Schluß, der sich so schnell und endgültig darlegt, daß man das Gefühl hat es würden noch ein paar Seiten fehlen oder der Autor wurde beim Schreiben gestört und musste sofort damit aufhören. Schade eigentlich, da man ansonsten nichts negatives über diese Geschichte sagen könnte.
Als letztes folgt noch eine recht kurze Geschichte von Hans Joachim Alpers mit dem Titel „Zwei schwarze Männer graben ein Haus für dich“, in dem jemand Briefe von seinem bereits vor mehreren Jahren verstorbenen Freund erhält und bei dessen Lektüre in einen mystischen und wahnsinnigen Strudel gerissen wird. Mehr kann man über den Inhalt nicht sagen, da man sonst etwas zuviel verraten könnte. Es ist auf jeden Fall ein sehr guter Abschluß dieses Buches, da diese Kurzgeschichte in der Spannung und Eingängigkeit in nichts den anderen nachsteht.
Somit hat der area-verlag erneut ein sehr gutes Näschen für spannende Geschichten bewiesen, die sich in diesem Fall zumindest überwiegend über ein Thema ranken.
Schadet nicht, damit die Horror-Sammlung des area-verlages zu erweitern.
JS/14.10.04