Wolfgang Hohlbein: Die Tochter der Himmelsscheibe

c Piper Verlag GmbH, München 2005

COVER:

Feuer, Sturm und Siebengestirn – in Arris Träumen vermischt sich alles: die Katastrophe, die ihre Heimat verschlang, die Geheimnisse um ihre Mutter Lea, der Tod des Vaters, der sein Leben opferte, um das ihre zu retten …

In dem Dorf, das Mutter und Tochter wie Schiffbrüchige aufgenommen hat, fühlt sich Arri als Fremde. Und doch kann sie sich nicht vorstellen, anderswo als in der Hütte am Rand des Verbotenen Walds zu leben. Die vermeintliche Idylle schlägt um, als der Hohepriester von Goseg erscheint und Arri unter Druck setzt – und damit die kämpferische Mutter in die Knie zwingen will. Seinen Drohungen zum Trotz reift in Lea ein gewagter Plan, der sich der Tochter erst nach und nach erschließt.
Doch da ist es fast zu spät. Die Jäger des Dorfs werden angegriffen, und die Kunde von den Fremden, die über die Berge kommen, um sich das Land untertan zu machen, greift wie ein Lauffeuer um sich. Sarn, der Schamane, beschuldigt Lea des Komplotts mit den Fremden – und in Arri keimt der Verdacht, dass diese Anschuldigung nicht völlig aus der Luft gegriffen ist. Als ihre Mutter in aller Hast zu einem weit entfernten Handelsplatz aufbricht, heftet sie sich ihr an die Fersen – und erlebt eine böse Überraschung. Die Menschen, zu denen die beiden gelangen, halten sich Wölfe als Haustiere und pflegen Umgang mit Kriegern, die es nicht nur auf Leas Zauberschwert abgesehen haben, sondern auch auf Arri selbst…

Wolfgang Hohlbein, Jahrgang 1953, gewann 1982 mit seinem phantastischen Roman “Märchenmond” einen Autorenwettbewerb. Seitdem erreichen seine Bücher Millionenauflagen, und er gilt als der Großmeister der deutschen Phantastik. Für die Recherche zu seinem Roman “Die Tochter der Himmelsscheibe” besuchte er die Archäologen des Landesmuseums für Vorgeschichte in Halle und durfte die Himmelsscheibe persönlich in den Händen halten. Wolfgang Hohlbein lebt mit seiner Familie und vielen Haustieren in der Nähe von Düsseldorf.

REZENSION:

Wolfgang Hohlbein ist und bleibt ein Phänomen. Sein schriftstellerische Ausfluss scheint unermüdlich und bewegt sich weiterhin in den unterschiedlichsten Genren. Das vorliegende Buch “Die Tochter der Himmelsscheibe” ist eine Mischung zwischen Fantasy und historischem Roman. Wir bewegen uns darin in der Frühzeit der Menschen und erleben viel zu Zeiten der sagenhaften Himmelsscheibe von Nebra.
Somit hätte dieses Buch unwahrscheinlich viel erzählerisches Potenzial zu bieten gehabt und dementsprechend hoch war auch meine Erwartung beim Öffnen dieses knapp 1000-seitigen Werkes.
Diese Erwartungen wurden leider absolut enttäuscht. Wolfgang Hohlbein hat in diesem Epos leider überwiegend nur die Mutter-Tochter-Beziehung ausgebreitet und erzählt und erzählt und erzählt….
Dies wird mehr und mehr ermüdend und man blättert nur noch weiter, da man Hohlbein ja eigentlich als Spannungsgarant kennen und lieben gelernt hat.
Leider kommt er in diesem Werk nicht zur Sache. Es fehlt jegliche Tiefe und Dramaturgie. Ein eventuell dezent angedeuteter Spannungsaufbau verpufft ohne besondere Wirkung und man kann beinahe locker einige Seiten überblättern, ohne irgendetwas zu verpassen.
Wolfgang Hohlbein bleibt also weiterhin ein Phänomen – denn er kann genauso gut absolut spannende und faszinierende Geschichten schreiben, wie auch nichts sagende und langatmige Stories abliefern.
Schade, denn der historische Hintergrund hätte sehr viel zu bieten gehabt…
Jürgen Seibold/15.08.06

Wolfgang Hohlbein: Der Hexer 03 – Das Haus am Ende der Zeit

Genehmigte Sonderausgabe für Sammler-Editionen in der Verlagsgruppe Weltbild GmbH
C 2003 by Wolfgang Hohlbein

COVER:

Gemeinsam mit seinem Freund und Mentor H.P. Lovecraft reist Robert Craven von London nach Schottland, um die magischen Bücher seines Vaters aus einem gesunkenen Schiffswrack zu bergen. Aber der Fluch, der schon seinem Vater zum Verhängnis wurde, ereilt auch ihn. Zwar gelingt es ihm, einen der GROSSEN ALTEN zu töten, aber die Kreatur lebt weiter – in ihm. Plötzlich wird Roberts eigener Schatten zu einer tödlichen Gefahr und das Schicksal des Hexers scheint besiegelt…

REZENSION:

In diesem Buch befinden sich folgende Gespensterkrimi:
Nr. 579: Das Haus am Ende der Zeit,
Nr. 583: Im Schatten der Bestie und
Nr. 587: Bücher, die der Satan schrieb.

Es handelt sich weiterhin um jeweils 100 Seiten umfassende mystische Gruselgeschichten, die den Flair der früheren Originalausgabe erfolgreich in unsere Zeit transportieren können.
Wie bereits bei den anderen beiden Bänden ist das Vorwort von Wolfgang Hohlbein und man erfährt wieder das ein oder andere Interessante zur Entstehung dieser Reihe.
Robert Craven ist weiterhin auf der Jagd nach den GROSSEN ALTEN und die mystische Atmosphäre bleibt ebenso wie die Grundlage der von Lovecraft erfundenen “GROSSEN ALTEN” bestehen.
In diesem Band kommt als weiterer Aspekt das sagenumwobene Buch “NECRONOMICON” hinzu, welches ebenfalls eine Erfindung Lovecrafts war – aber von sehr vielen Lesern als bare Münze betrachtet worden ist.
Die Geschichten beginnen (wie damals bei den Gespensterkrimis üblich) immer sehr spannend. Darauf folgt die Nachforschung, sowie der spannende Schlussakt.
Langsam entwickelt sich Robert Craven auch immer mehr zum Nachfolger seines Vaters – welcher in diesem Band ebenfalls trotz seines Todes noch einer sehr starke Rolle spielt.
Somit ein weiterer Band, der den Leser in die Abgründe führt und das Zepter des Hexers erfolgreich hoch hält.
Bin gespannt, wie es weiter geht und vor allem, welche realen oder literarischen Personen und Begebenheiten noch mit eingebaut werden…
JS/13.03.05

Wolfgang Hohlbein: Der Hexer 02 – Als der Meister starb

c 2003 by Wolfgang Hohlbein
Genehmigte Sonderausgabe für Sammler-Editionen in der Verlagsgruppe Weltbild GmbH, Augsburg.

COVER:

Im Jahre 1883 verlässt Robert Craven in Begleitung des zwielichtigen Hexers Roderick Andara Amerika und begibt sich auf eine Schiffsreise nach England. Während der Überfahrt erfüllt sich der Fluch, der seit langem auf Andara lastet.
Yog-Sothoth, einer der schrecklichen GROSSEN ALTEN, greift das Schiff an. Sterbend offenbart Andara, dass Robert Craven sein Sohn ist. Auch Robert verfügt über die Kräfte eines Hexers, und die GROSSEN ALTEN werden nicht eher ruhen, bis sie auch ihn getötet haben.

REZENSION:

“Als der Meister starb”, der zweite Band der neu aufgelegten Hexer-Reihe des Weltbild-Verlages war damals bei Entstehung dieser Reihe eigentlich der erste Band. Das vorherige Buch wurde ursprünglich viel später geschrieben, jedoch aufgrund der chronologischen Zuordnung, dem hier vorliegenden Band vorgeschoben.
Bei “Als der Meister starb” handelt es sich um die Gespensterkrimi-Hefte “Als der Meister starb”, “Tyrann aus der Tiefe” und “Die Hexe von Salem”.
In diesem Buch wird Robert Craven durch den Tod seines Vaters Roderick Andara zum Erben des Hexers – und nun zum eigentlichen Hexer dieser Reihe.
Man merkt sehr deutlich, wie die Geschichte so langsam entsteht und an Form gewinnt. Ausserdem zeigt sich sehr deutlich, wie Wolfgang Hohlbein den Cthulhu-Mythos des ebenfalls in diesem Buch mit agierenden H.P. Lovecraft auferstehen und weiterleben lässt.
Der Spaß bleibt bestehen und der alte Flair der früheren Heftromane wabert nebulös um einen herum…
JS/04.03.05

Wolfgang Hohlbein: Der Hexer 01 – Die Spur des Hexers

c 2003 by Wolfgang Hohlbein
Genehmigte Sonderausgabe für Sammler-Editionen in der Verlagsgruppe Weltbild GmbH, Augsburg.

COVER:

Aufgrund eines Fluches wird Roderick Andara, genannt der Hexer, von schrecklichen Kreaturen aus den Dimensionen jenseits von Raum und Zeit gejagt. Schweren Herzens entschließt er sich, seinen Sohn Robert in die Obhut einer Pflegemutter zu geben. Zu spät erst erkennt er, dass er in eine Falle geraten ist. Der Junge wird entführt.

Um das Leben seines Sohnes zu retten, muss Andara sich einem grenzenlos überlegenen Gegner stellen. Sein einziger Helfer ist der geheimnisvolle H.P. Lovecraft, doch mehr und mehr befallen Andara Zweifel, ob er Lovecraft wirklich vertrauen kann.

REZENSION:

Mit der Hexer-Reihe entstand eine Heftserie, die es zum absoluten Kult schaffte und mit Sicherheit einer der Hauptgründe für die Popularität Wolfgang Hohlbeins ist.
Nach mehreren Neuauflagen, Umschreibungen, etc. in Buchform gibt es nun vom Weltbild-Verlag eine schöne Sammelreihe, die es sich, in Zusammenarbeit mit Wolfgang Hohlbein, zur Aufgabe gemacht hat, sämtliche Hexer-Folgen in der ursprünglichen, chronologischen und unveränderten Form neu zu veröffentlichen.
Der erste Band, “Die Spur des Hexers”, erzählt von dem Hexer Roderick Andara, seinem Sohn Robert, seiner Bekanntschaft mit H.P. Lovecraft und dem Fluch, der ihn seit mehr als zehn Jahren in Form des Bösen verfolgt und ihn somit nicht zur Ruhe kommen lässt.
Hohlbein startete hiermit eine kongeniale Reihe, die mit sehr vielen Bekannten des Genres spielt und führt gleichzeitig das Erbe Lovecrafts mit seinem erschaffenen Cthulhu-Mythos weiter.
Somit entsnad eine schöne Serie, die jeden Genrefan mit Leichtigkeit bei der Stange hält und durch seine Verstrickungen mit literarischen und echten Personen für ein Augenzwinkern sorgt.
Freue mich schon auf Band 2 – “Als der Meister starb”.
Jürgen Seibold/20.02.05

Wolfgang Hohlbein: Feuer

c 2004 bei Knaur Verlag

COVER:

Wehe dem, der mit dem Feuer spielt…

Will Lokkens ist ein Kleinkrimineller, der vom Verkauf gestohlener Autos lebt. Auf dem Weg zu seinem Hauptkunden, dem Bordellbesitzer Georg, macht er eines Tages den Fehler seines Lebens: Er fährt in einer Kölner Villengegend ein etwa zwölfjähriges Mädchen an, das verängstigt in den Trümmern eines kürzlich ausgebrannten Hauses verschwindet. Von schlechtem Gewissen geplagt, durchforstet er den Keller der Ruine. Die Wände der Villa scheinen Unheimliches zu bergen: Die ungebändigte Wut des Feuers glüht noch immer in den geschwärzten Mauern. Und das Mädchen, Duffy, scheint mit der Macht des Feuers im Bunde…

Wills Leben wird nach diesem Ereignis völlig aus der Bahn geworfen. Seine Exfreundin und große Liebe Martina stellt sich als Mutter des unheimlichen Mädchens heraus. Dann wird Duffy plötzlich entführt. Und Georg, der Zuhälter, ist ganz und gar nicht, was er scheint…

Während Will verzweifelt versucht, das entführte Kind aufzuspüren, flammen in der Stadt immer neue Brände auf – gezielt, aggressiv, verheerend. Und langsam, ganz langsam erkennt Will, dass nicht nur das Leben Duffys und aller anderen, die mit ihr zu tun haben, in Gefahr ist. Er selbst ist die zentrale Figur in einem Kampf, in dem seine Ahnen seit mythischen Zeiten die Hauptrolle spielen. Es geht um Feuer – um das Drachenfeuer und seine weltzerstörende Macht…

Wolfgang Hohlbein, 1953 in Weimar geboren, ist einer der erfolgreichsten deutschsprachigen Autoren überhaupt, gleichermaßen beliebt bei jugendlichen und erwachsenen Lesern. Wolfgang Hohlbein lebt mit seiner Frau, seinen fünf Kindern und einem Enkelkind, umgeben von einer Schar Katzen, Hunde und anderer Haustiere in der Nähe von Neuss.

REZENSION:

Mit “Feuer” erschuf der wohl bekannteste deutsche Fantasy-/Horror-Autor einen neuen apokalyptischen Thriller, in dem das Feuer die Millionenstadt Köln bedroht.
Seine Hauptperson in diesem Plot ist ein Kleinkrimineller namens Will Lokkens, der, ähnlich wie McClane in der bekannten “Stirb-Langsam-Reihe”, eher zur falschen Zeit am falschen Ort auftaucht und somit in etwas hineingezogen wird, womit er mit Sicherheit nichts zu tun haben möchte und sich als eine beinahe zu große Nummer für ihn herausstellt.
Nichtsdestotrotz nimmt er widerwillig die Herausforderung an und den Kampf gegen diese uralten Mächte auf und wird dem Leser von Seite zu Seite immer sympathischer und von Hohlbein sehr detailliert und glaubwürdig mit allen seinen Problemen dargestellt.
Wolfgang Hohlbein beginnt sehr dezent, driftet sehr schön in die Mystik-Ecke um dann den größten Teil des Romans als beinahe klassisch anmutenden Thriller zu erzählen. Glücklicherweise bekommt er jedoch die Kurve in die mythischen Abgründe der Geschichte und verwebt seinen Roman geschickt mit alten germanischen Sagen und Legenden. Somit entstand endlich mal wieder ein echter Hohlbein, der absolut zu überzeugen weiß und beweisst, daß er in den fantastischen, mystischen und gruseligen Bereichen zu Hause ist und dort am Besten zu überzeugen weiß.
Jürgen Seibold/20.02.05

Wolfgang Hohlbein: Flut

Schneekluth Verlag 2001
vorliegendes Exemplar: Weltbild Verlag 2002

COVER:

Das Firmament hatte Feuer gefangen und der Himmel seit Wochen alle seine Schleusen geöffnet. Es war wie die Generalprobe zu einer neuen Sintflut…

Bald merkt aber die junge Rachel, dass es mehr sein muss als eine Schlechtwetterfront oder ein ausgedehntes Tief. Denn scheinbar grundlos wird sie von fremden Männern verfolgt, wird auf sie geschossen, gerät sie in einen Strudel von unbegreiflichen, mysteriösen Ereignissen. Und schnell wird ihr klar, dass sie nicht einmal weiß, wo die Guten und wo die Bösen in diesem Spiel auf Leben und Tod stehen. Nur Benedikt Darkov, der plötzlich auftaucht, scheint auf ihrer Seite zu sein, auch wenn sie aus seinen dunklen Andeutungen nicht schlau wird. Nichts ist wie es scheint, alles deutet auf eine unaufhaltsame Katastrophe hin, und Rachel ist offenbar die Einzige, die den Lauf der Ereignisse aufhalten kann.

Wolfgang Hohlbein, 1953 in Weimar geboren, ist heute einer der erfolgreichsten deutschsprachigen Autoren überhaupt. Seit den spektakulären Erfolgen von “Das Druidentor” und “Märchenmond” (geschrieben zusammen mit seiner Frau Heike), ist er gleichermaßen beliebt bei jugendlichen und erwachsenen Lesern. Wolfgang Hohlbein lebt mit seiner Frau , seinen fünf Kindern umgeben von einer Schar Katzen, Hunde und anderer Haustiere in der Nähe von Neuss.

REZENSION:

Wieder so ein Buch, daß immense Erwartungen schürt, diese aber nicht ganz einhalten kann.
Dies liegt aber nicht an diesem Roman, sondern einzig an der Art und Weise wie die Verlage die Gestaltung und insbesondere den Inhalt des Buches im Umschlagtext beschreiben.
Hier handelt es sich sozusagen um die Sintflut im klassischen Sinne. Und nicht nur das: der Weltuntergang (das jüngste Gericht) steht vor der Tür!!
Super, solche Geschichten liebe ich – her damit.
Nun, Hohlbein hat wieder einmal ein sehr spannendes Buch abgeliefert. Ein richtig guter Thriller mit einem Hauch von Mystik und der oben genannten Weltuntergangsstimmung. Leider jedoch ohne großen Tiefgang und ohne beschriebene Personenhintergründe bzw. -beweggründe – also etwas simpel!
Leider hatte ich wie schon bei „Das Druidentor” das Problem, das die Beschreibung am Buchrücken und im Umschlag meine Erwartungen erheblich höher schraubten, bzw. in eine andere Richtung lenkten. Dafür kann Hohlbein nichts. Vielleicht sollten die Verlage einfach nicht so reißerisch sein, dann klappts auch mit dem Leser.
Alles in allem war es ein ziemlich gutes Hohlbein-Buch, reicht aber bei weitem nicht an eine Anzahl anderer Bücher des wohl berühmtesten deutschen Horror- und Fantasyautors ran.
Es handelt sich schlicht um einen guten Thriller, mit einigen Wendungen und einem doch ziemlich guten Schluß, der die vorherigen Geschehnisse nochmal drehen lässt. (Man wird doch manchmal mit den Bestimmungen der einzelnen Personen in die Irre geführt). Der Handlungsrahmen bzw. die Idee hätte sicherlich noch einiges mehr hergeben können.

Wolfgang Hohlbein: Das Druidentor

Weitbrecht Verlag 1993

COVER:

Fatale Ereignisse überschatten die Tunnelarbeiten am Bergmassiv bei Ascona, die unter der Leitung des jungen Ingenieurs Frank Warstein durchgeführt werden. Arbeiter verschwinden spurlos, mehrere Abschnitte des Tunnels stürzen aus unerklärlichen Gründen ein, und die Lasermeßgeräte spielen verrückt. Was hat es auf sich mit diesem Unglückstunnel, der die Menschen so snderbar verändert, und in dem die Zeit anders läuft? Wer sind die seltsamen Gestalten, die sich plötzlich in einem kleinen Bergdorf versammeln? Was stimmt nicht mit dem Berg und seinem Umfeld?

Als Frank Warstein auf eigene Faust Nachforschungen anstellt, stößt er auf solch großen Widerstand, daß es ihn seine Karriere kostet. Erst mit Angelika Berger, einer jungen attraktiven Frau, die ihn um Hilfe bittet, kommt er einer erschreckenden Erkenntnis auf die Spur. Und nun beginnt ein Abenteuer voller unglaublicher Begebenheiten und unfaßbarer Ereignisse…

Wolfgang Hohlbein konfrontiert den Leser mit der Welt des Unbegreiflichen, die die Grenzen des verstandes zu sprengen droht. Die Suche nach einer Erklärung für die mysteriösen Vorfälle wird für den Helden auch zu einer inneren Reise durch Zeit, Raum und Geschichte.

Wolfgang Hohlbein, 1953 in Weimar geboren, ist ein geborenes Erzähltalent. Seit 1982, als er gemeinsam mit seiner Frau den Roman Märchenmond publizierte, ist er Autor von Beruf. Mittlerweile ist er auch der erfolgreichste deutsche Vertreter des Genre Fantasy und hat sich mit seinen phantastischen Romanen einen großen Leserkreis erobert. Wolfgang Hohlbein gilt als Garant für gute und spannende Unterhaltung.

REZENSION:

DAS DRUIDENTOR – Welch ein Titel
DAS DRUIDENTOR – Die Erklaerung am Buchruecken erweckte hohe Erwartungen in dieses Buch. Ich malte mir bereits mystische Begebenheiten mit Druiden und was sonst noch alles dazu gehoert aus.
Leider hat dieses Buch meine mir selbst erschaffenen Erwartungen bei weitem nicht befriedigt. Es ging sehr gut los – und ich hoffte, bzw. dachte sogar, meine eigenen Erwartungen werden erfuellt.
Am Ende des Buches war ich bitter enttaeuscht. Das Buch hat einen furiosen Start und ein Ende das das genaue Gegenteil darstellt.
Ich dachte nach dem ersten Lesen es waere einfach ein schlechtes Buch. Nachdem ich mir jedoch so hohe Erwartungen aufgebaut habe, wollte ich nicht so streng sein. Aus diesem Grund habe ich das Buch zwei Jahre spaeter mit einer nun nicht mehr vorhanden Erwartungshaltung noch einmal gelesen.
Was blieb?
Ein furioser Start und ein enttaeuschendes Ende. Es ist fast so, als ob Hohlbein am Ende die Lust verloren zu haben scheint.
Das ist ja auch meistens die Crux an Hohlbeins Buechern: Viele sind genial, wiederum andere einfach lieblos und schwach in der Ausfuehrung.
Das Druidentor steht irgendwo dazwischen. Es ist ein spannendes Buch, mehr jedoch nicht.

Horst Hoffmann: Die galaktische Rallye (Magic-Edition Band 9)

Originalveröffentlichung
c 2006 BLITZ-Verlag GmbH
ca. 225 Seiten

COVER:

Alles Leben beginnt im Meer – jedenfalls auf den meisten Planeten. Eines Tages fällt ihm dann ein, aufs Land zu kriechen und sich erst mal zu sonnen. Irgendwann entwickeln sich die Menschen oder noch gräßlichere Ungeheuer. Sie erfinden das Rad, wählen sich einen Anführer, gründen Ich-AGs, praktizieren Safer Sex und tun andere nützliche Dinge – und ganz logischerweise entdecken sie die Raumfahrt.

In der Evolution der Arten ist das vielleicht der wichtigste Schritt überhaupt. Konsequenterweise treffen die Rassen der Galaxis aufeinander – im Ringen um die Vorherrschaft in der Milchstrasse. Das Universum hält den Atem an, das Verhängnis nimmt seinen Lauf. Es ist nicht mehr zu stoppen, wenn die GALAKTISCHE RALLYE beginnt!

REZENSION:

Mit “Die galaktische Rallye” veröffentlichte der Blitz-Verlag einen Science-Fiction-Roman eines deutschen Autors namens Horst Hoffmann, der zumindest in seiner Idee zu überzeugen weiß. Horst Hoffmann gibt in seinem Buch auch gleich Gas und zeigt, daß wohl nun auch Deutschland endlich einen Autor vorweisen kann, der mit dem Humor zu spielen weiß, der bisher nur Größen des Genres vorbehalten war.
Die Rallye beginnt sehr temporeich und wahnwitzig – mit der Betonung auf witzig…
Leider nutzen sich die Pointen im Laufe der Lektüre sehr stark ab, da diese durch ihre häufigen Wiederholungen nicht mehr in der Lage sind, die Mundwinkel des Lesers zu heben. Durch diese Problematik und dem Umstand, dass leider die Figuren ein wenig zu oberflächlich betrachtet werden und man als Leser somit keinerlei Bezug zu der ein oder anderen Person aufbauen kann, verliert leider die Spannung als auch die Geschichte erheblich.
Dies ist sehr schade, da ich mich wirklich freuen würde, wenn nun endlich mal ein geeigneter Kandidat der deutschsprachigen Literaturszene das Zepter eines z.B. Douglas Adams übernehmen und weiterführen könnte.
Horst Hoffmann hätte sicherlich das Potenzial dazu – er müsste jedoch stärker auf den Plot und den darin befindlichen Personen eingehen und seine humorvollen Ideen gezielter einbauen. Eine Überarbeitung des vorliegenden Buches hätte dabei bereits um einiges geholfen, da die grundsätzliche Idee genug Dramatik und Potenzial dafür hergeben würde.
Nachdem dies nicht der Fall ist, bleibt leider “Die galaktische Rallye” unter den bisherigen Veröffentlichungen des Blitz-Verlages zurück – zeigt aber, das Horst Hoffmann mit etwas mehr Aufwand sicherlich ein zu merkender Name sein könnte.
Jürgen Seibold/11.04.2007

James Herbert: Totentanz

Originaltitel: The Ghosts of Sleath
Übersetzung: Walter Bodemer
c der deutschen Ausgabe 1996 by Verlagsgruppe Lübbe GmbH & Co.KG, Bergisch Gladbach.
vorl. Exemplar: Lizenzausgabe für Verlagsgruppe Weltbild GmbH, Augsburg

COVER:

Sleath ist ein kleines, abgelegenes Dorf in den Chilton Hills, nordwestlich von London. Vergessen von der modernen Zeit, scheint hier die Welt noch in Ordnung zu sein. Doch plötzlich häufen sich schreckliche und bizarre Ereignisse. David Ash wird nach Sleath geschickt, um den Dingen auf den Grund zu gehen. Obwohl seine eigene Vergangenheit von dunklen, unerklärlichen Vorkommnissen überschattet ist, sieht er sich selbst eher als Skeptiker. Aber bald muß auch er erkennen, daß in Sleath übernatürliche Kräfte wirken: Er sieht Dinge, die es nicht geben kann, und hört Stimmen, die einen alten Choral singen, doch der Text ist seltsam verändert. Er handelt vom Tanz der Toten – denn die Toten finden in Sleath keinen Frieden.
Seit Generationen wird das Dorf von einer alten Familie beherrscht, in der Gegenwart vertreten durch Reverend Edmund Lockwood und dessen Tochter Grace. Als Vikare des Ortes haben die Lockwoods stets ihre Aufgabe darin gesehen, die Menschen vom Diesseits ins Jenseits zu geleiten. Doch hinter ihrem Dienst als Begleiter der Seeln steht ein tieferer, düsterer Zweck…

James Herbert, geboren 1943, ist nicht nur der erfolgreichste britische Horrorautor der Gegenwart, sondern einer der bekanntesten modernen Unterhaltungsschriftsteller überhaupt. Seine sechzehn bisher veröffentlichten Romane haben eine weltweite Gesamtauflage von über 32 Millionen Exemplaren. Zwei seiner Romane, darunter Haunted, der Vorgänger von Totentanz, wurden für das Kino verfilmt.

REZENSION:

James Herbert legt mit “Totentanz” einen Horrorroman vor, der mit so ziemlich allen klassischen Elementen des Horrors spielt. Er spielt hierbei mit gruseligen Elementen genauso virtuos wie mit echten Horror-Elemten, die blutig aber trotzdem real anmutend dargestellt werden. Dadurch ist ein Roman entstanden, der von leichten Gemütern vermieden werden sollte. Dem Fan der Horror-Literatur wird jedoch wieder einmal ein Buch das zum Weiterblättern zwingt vorgelegt. Einzig die Auflösung lässt ein wenig zu Wünschen übrig, da sicherlich jeder mehr über die Ursprünge des Grauens in Sleath erfahren möchte. Hier hätte der Autor noch etwas weiter ausschweifen müssen, damit die sicherlich interessante Entstehungsgeschichte der Familie Lockwood besser ausgeleuchtet wird.
Davon abgesehen weiß diese Geschichte den Leser zu fesseln und James Herbert zeigt wieder einmal das er zu den großen Autoren der echten Horrorliteratur gehört.
Jürgen Seibold/22.08.04

Heinz Herbert: Kontakt Ülkü – Ein Harry Bieber Roman

c Heinz Herbert im Ines Herbert Verlag, Offenbach/Main

COVER:

Das Aufeinanderprallen von Kulturen, religiöser Fundamentalismus, ausländische Jugendliche in einer deutschen Großstadt, bilden den Hintergrund für ein weiteres Abenteuer des Offenbacher Rechtsanwalts Harry Bieber. Der lässt sich auf diese Eskapade nur allzu bereitwillig ein, denn es ist die undercover agierende Kriminalbeamtin Jasmin Ülkü, die “Mondauge” jagt. Und für die riskiert Bieber alles.

REZENSION:

“Kontakt Ülkü” handelt von dem Offenbacher Anwalt Harry Bieber, der sich als Kontaktperson für die undercover agierende Polizeibeamtin Jasmin Ülkü zur Verfügung stellt. Diese Aufgabe ist für ihn mehr als schwierig, da er mit Jasmin Ülkü eine lockere, aber trotzdem von Liebe geprägte Beziehung führt. Jasmin Ülkü ist auf der Jagd nach einer Untergrundorganisation um den berüchtigten Führer “Mondauge”, welche von fundamentalistischen Grundzügen durchzogen ist.
Nebenbei gibt es noch einen zweiten Fall, um den sich Harry Bieber als Anwalt kümmern muss.
Beide Fälle, insbesondere der Fundamentalismus, werden von Heinz Herbert spannend und in flüssiger Weise dargestellt und erzählt. Er schafft es hierbei sehr geschickt, die Leichtgläubigkeit der Anhänger Mondauges darzustellen und legt dar, wie leicht Jugendliche zu besonderen “Aktionen” zu überreden sind. Insbesondere, wenn diese ihren Platz in der Welt suchen und im von Arbeitslosigkeit und unterschiedlichen Kulturen geprägten Offenbach von einer Erfolglosigkeit in die andere tappen.
Sehr geschickt werden diese Gruppierungen und Probleme der ausländischen Jugendlichen, sowie deren Leichtgläubigkeit im Angesicht eines rethorisch sehr geschickt agierenden “Führers” dargestellt und vom Leser ohne Probleme als glaubhaft, wenn nicht sogar als “wahr” empfunden.
Heinz Herbert arbeitet teilweise konventionell, in dem er einen beinahe klassischen Kriminalroman ablieferte, bekommt durch die Aktualität zur heutigen Zeit jedoch viel Tiefgang und präsentiert einen extrem unkonventionellen Schluss, der den Leser beinahe die Tränen aus den Augen drückt.
Alles in allem ein Kriminalroman mit vielen aktuellen Bezügen und geschickt pendelnd zwischen ironischer, ehrlicher und von der jugendlichen Ausdrucksweise geprägten Ausführungen, die die Glaubwürdigkeit noch erheblich unterstreichen. Man fühlt sich beinahe mittendrin und in der Versuchung, die Jugendlichen auf ihre Irrwege und Leichtgläubigkeit aufmerksam zu machen.
Jürgen Seibold/01.05.2005

Mina Hepsen: Unsterblich wie die Nacht

Verlag: Goldman Fantasy; 8,95 €
Deutsche Erstveröffentlichung © 2009
Originalausgabe: „Under the Blood Red Moon“, © 2008

COVER:

Wenn Vampire sich verlieben und zwei Seelen sich finden, ist die Nacht unsterblich
Eigentlich hätte Angelica nichts dagegen, ihre Zeit weiterhin mit Büchern zu verbringen. Doch seit sie in London ist, muss sie sich in der Gesellschaft zeigen. Aber ihre Gabe, Gedanken lesen zu können, verunsichert sie. Bis sie jemandem begegnet, der sie ohne Worte zu verstehen scheint. Könnte der mysteriöse Alexander ihr Seelenverwandter sein? Oder stellt er eine tödliche Gefahr dar? In London gehen plötzlich Gerüchte über grausame Vampire um, und Alexanders Name fällt dabei immer öfter …

REZENSION:

Nach der Beschreibung im Cover-Text hatte ich eigentlich einen trivialen Herz-Schmerz-Drei-Groschen-Roman erwartet, aber nach dem Lesen war ich doch froh, dass sich meine Erwartung nicht erfüllt hatte, gleichzeitig aber auch enttäuscht, dass das Buch schon zu Ende war …
London, im 19. Jahrhundert: Alexander soll eine Reihe von Mordfällen aufklären, in die Angelica offensichtlich verwickelt ist. Vampire sind zwar stark und brauchen Blut zum Leben, aber die vielen Geschichten über grausame und lichtscheue Blutsauger, die Menschenblut trinken und deswegen viele Menschen töten, sind nur Gerüchte, die die Vampire selbst in die Welt gesetzt haben. In Wahrheit wollen sie einfach nur unauffällig ihr viele Jahrhunderte langes Leben führen, ohne von den Menschen behelligt zu werden. Als Angelica erfährt, dass ihre neuen Bekanntschaften Vampire sind, stürzt sie in eine tiefe Sinnkrise, bis ihr schließlich klar wird, dass sie selbst eine von ihnen ist.
Mina Hepsen beschreibt die Figuren in vielen Facetten und bis in tiefe seelische Abgründe, ohne dabei schwülstig oder langweilig zu werden. „Unsterblich wie die Nacht“ fängt zwar an wie eine billige Liebesschnulze, gewinnt jedoch mit jeder Seite immer mehr an Schwung und Tiefe. Sowohl Angelica als auch ihre Vampir-Freunde haben sehr viel Witz und Charme, es gibt zahlreiche sarkastische Wortgefechte zwischen Angelica und einigen ihrer Verehrer. Dabei sind viele, Menschen wie Vampire, undurchsichtig und geheimnisvoll. Wem kann man vertrauen? Wer verfolgt welche Absichten? Gleichzeitig führen Alexander und Angelica bis zum Schluss einen Eiertanz, obwohl sie sich lieben, aber keiner dies vor dem anderen zugeben will.
Jetzt weiß ich: Vampire gibt es wirklich!
Diana Becker / 15.04.2010

Markus Heitz / Bruno Kramm / Rebecca Jeltsch / Anne Delseit: DAS ICH

(c) 2010 bei New Ground Publishing GmbH, Berlin
Dieser Titel wird unter Lizenz von Knaur Taschenbuch veröffentlicht.
Illustration: Rebecca Jeltsch
Text: Anne Delseit (Koma), Markus Heitz (Erwachen)
Redaktion: Anne Delseit
ca. 150 Seiten / € 6,95

COVER:

Teufelskreis aus Wahn und Realität

“Warum bin ich überhaupt aufgestanden?”, fragt sich Christian, ahnend, dass dieser Tag nicht anders wird als die üblichen – verseucht durch Wahnsinn und Dunkelheit. Auch Soschas Zustand scheint nicht der Realität entsprungen. Oder doch? Was ist Wahn, Traum, Wirklichkeit?
Beide verlieren sich in ihren Geschichten, in den surrealen Welten ihrer Persönlichkeiten.

Zwei faszinierend düstere Geschichten, mit der Kult-Gothic-Band “Das Ich” als einzig realer Konstante.

REZENSION:

Es ist erfreulich, aber auch erstaunlich, zu erkennen, wie sich doch manchmal in einem Leben ein Kreis schließt.
War es mir doch erlaubt, durch meine Tätigkeit als Herausgeber des Gothic-Magazins “HysterikA” die sympathischen Personen hinter der düsteren Band “Das Ich” kennen zu lernen. Damals (tatsächlich schon 20 Jahre her!) noch ganz frisch im Geschäft und gerade mit ihrem Tanzflächenknaller “Gottes Tod” auf der Jagd nach Liebhabern, die sich mit dieser neu klingenden Musik identifizieren konnten.
Dies ist ihnen wahrlich gelungen – sind sie doch nun eine Band, die jeder Hörer dieses Genres beim Aufzählen auf den Lippen hat.
Nun, lang ist es her – und plötzlich liegt vor mir ein Comic mit dem Titel “Das Ich” und bereits ohne Blättern konnte ich durch die Nennung von Bruno Kramm erkennen, dass es sich wohl auch um diese Band zu drehen scheint.
Wie bei Comics so üblich, blättert man einfach mal durch um die Zeichnungen ohne jegliche Inhaltsberührung wirken zu lassen. Diese sind absolut genregerecht und legen durch ihre Darstellung bereits die Latte recht hoch.
Im Buch befinden sich zwei Geschichten verstörender Art, die sehr stark zum Nachdenken anregen:
Die erste Story nennt sich KOMA und wurde – wie auch der noch folgende Strip – von Rebecca Jeltsch gezeichnet.
Der sehr kurze, aber stimmige Text wurde von Anne Delseit den bedrückenden Zeichnungen hinzugefügt.
Man verliert sich bereits in dieser Geschichte sehr stark im Geschehen und die Grenzen zwischen Realität und wahnhaften Gedanken des Protagonisten verschwimmen mehr und mehr. Einzig die drei auftauchenden Bandmitglieder scheinen als feste Konstante aufzutauchen.
Leider ist diese Geschichte viel zu schnell beendet – somit folgt der nächste Streich: Ein Werk, bei dem niemand Geringerer als der aktuell sehr erfolgreiche Autor Markus Heitz als Geschichtenerzähler mitwirkt und dies neben den Zeichnungen von Rebecca Jeltsch auch in seiner ihm bekannten Weise virtuos durchführt. Hier geht leider ein klein wenig der Comicgedanke verloren, da es sich bei der zweiten Story eher um eine Kurzgeschichte mit “Hintergrundbildern” handelt – glücklicherweise wurde dies aber ziemlich geschickt gelöst und die Bilder fungieren eher als eine Art “Steigerung” der Irrealität. Erneut treten hier DAS ICH auf und beweisen somit, das sie die auftretende Konstante sind – wie bereits anfangs gedacht.
Mit dem vorliegenden Buch ist somit ein verstörendes, zum Nachdenken anregendes Werk entstanden, das sicherlich nicht nur von Szenekennern gelesen werden sollte. Einzig das etwas sparsame Auftreten der Band könnte ich bemängeln – es passt zwar jeweils sehr gut zu den Geschichten, aber als Namensgeber für  dieses Buch erwartet man als Leserdoch etwas mehr als eine geschickt eingebaute Nebenrolle.
Nun, dies ist jedoch das einzige Manko und es fällt sicherlich auch nur Kennern dieser Band auf – diese sind jedoch auch die als Erstes angesprochene Klientel.
Das Buch bleibt trotzdem (oder gerade deshalb?) sehr empfehlenswert und es war mir eine Freude, dadurch mal wieder einen Kontakt (wenn auch virtuell) zu dieser Band gehabt zu haben.
Jürgen Seibold / 24.08.2010

Markus Heitz: Judassohn

c 2010 by Knaur Verlag
ca. 680 Seiten / € 14,95

COVER:

Ich habe mir alles genommen, mich selbst darum gebracht.

Kein Raubtier vermag solche Wunden zu schlagen und so zu verstümmeln wie ich. Mein Glück ist unwiederbringlich verloren.
Zerfetzt.

Doch bin ich schuldlos an dem, was ich tat. Mein Wesen veränderte sich zweifach, mit jedem meiner Tode.

Ich kenne die Frau, die wahre Täterin, die mich zum Opfer dieser Mächte werden ließ, anstatt mich davor zu bewahren.

Jetzt habe ich sie gefunden. Endlich gefunden!

Und ich werde ihr rauben, was ihr am Herzen liegt, damit sie mein Leid nachempfindet! Bevor ich auch sie auslösche …

Im Frankreich des ausgehenden 18. Jahrhunderts, im tiefsten bretonischen Sumpfland, liegt der Geburtsort einer Gestalt, die ihre tödlichen Fänge bis in die Gegenwart streckt. Das Böse ergriff ganz langsam Besitz von ihr – in einer Verkettung von Zufällen, Wandlungen, Bündnissen. Und durch einen unauslöschlichen Fluch, der über allem liegt …

Markus Heitz erzählt die Geschichte der Judaskinder weiter – von ihrer teuflischen Jagd nach Unsterblichkeit und Erlösung, einst und jetzt.

Rezension:

Vampirromane sind zur Zeit ja in – erstaunlich, dass durch eine Hinzufügung von viel Liebe und Romantik auch die weibliche Leserschaft endlich “gekidnappt” werden konnte.
War nicht schon immer viel Liebe und Romantik in den frühen Werken der Vampirliteratur?
Ich habe mir jahrelang den Mund fusselig geredet, um festgefahrene Mitbürger (meist weiblichen Geschlechts) vom Kosmos des Vampirismus zu überzeugen. Leider vollführte ich dies durchweg ohne jeglichen Erfolg. Nun ja, vielleicht war das auch ganz gut so – immerhin konnte ich mich lange Zeit mit dem “echten” Vampirismus beschäftigen und dafür hielt ich auch durchweg die Lanze hoch.
Heutzutage verlieben sich Vampire ja nicht nur, sondern gehen wohl auch tagsüber in die High School – ich denke, bei Unsterblichkeit würde ich das wohl bleiben lassen…
Wie man merkt, bin ich eher ein Kind des ursprünglichen Vampirismus – ganz oben steht bei mir immer noch unangefochten Bram Stokers DRACULA als literarisches Kunststück und Christopher Lee als dessen filmische Personifizierung.
Dadurch sind meine Grenzen doch recht eng gesetzt – egal, wenden wir uns nun dem neuen Werk von Markus Heitz zu:
Will er auch auf dieser neumodischen Welle mitschwimmen?
MITNICHTEN!
Ich habe eher das Gefühl, Markus Heitz besitzt eine ähnliche Grundlage und schafft es sogar, dem Vampirtum glaubwürdig neue Rassen als auch neue Fähigkeiten zuzuschreiben um trotzdem in keinster Weise den Blick auf den Ursprung zu verlieren und ihn dadurch in eher lächerliche Ecken zu treiben.
Judassohn ist Band 2 seiner Saga und erneut unglaublich interessant, spannend und glaubhaft erzählt – warum nur werden solche Werke nicht ebenso hoch gelobt wie manch andere Autorenergüsse, die einen 300jährigen, fürchterlichen Ruf mehr zerstören als ihn weiter zu erzählen.
Nun, genug gemeckert: Judassohn spielt bei einer ganz besonderen Riege mit: gab es für mich doch bisher nur DRACULA von Bram Stoker (sehr intensives Werk!) und Stephen Kings SALEM’S LOT (eine gelungene Hommage an Stoker) als die großen Vertreter des Genres.
Nun scheint es eine weitere Reihe geschafft zu haben.
Herr Heitz – Ich danke Ihnen!!!
Jürgen Seibold / 19.09.2010

Markus Heitz: Die Legenden der Albae – Gerechter Zorn

c Piper Verlag GmbH, München 2009
ca. 585 Seiten / € 15,00

COVER:

Die Albae sind gefährlich, grausam und scheuen keinen Krieg. Ihre Feinde fürchten sie, und ihre Sklaven folgen ihnen bedingungslos. Doch die dunklen Geschöpfe bergen ungeahnte Geheimnisse und ihre Macht ist nicht unbegrenzt. Das Reich der Albae ist bedroht, und die ungleichen Krieger Sinthoras und Caphalor erhalten den Auftrag, einen mächtigen Dämon für ihr Volk zu gewinnen. Es stellt sich aber schnell heraus, dass jeder der Albae eigene Pläne verfolgt. Der Kampf um Ehre, Leidenschaft und Macht bringt sie in höchste Gefahr – und das Schicksal ihres Volkes steht auf dem Spiel…

REZENSION:

Markus Heitz wird scheinbar immer aktiver – anders kann ich mir die aktuelle Anzahl an Veröffentlichungen schlichtweg nicht erklären. Sehr oft führt jedoch ein rasant aufeinander folgender Output eines Autors zu einer Verschlechterung seiner Geschichten. Gibt es doch sehr viele Autoren, die regelmäßig Bücher veröffentlichen, jedoch in ihren Werken absolut nichts Neues mehr zu erzählen haben.
Nun erreichte mich also ein neuer Markus Heitz – und abermals eröffnet er eine neue Serie über die sehr interessanten Albae – ein Stamm, der jedem Zwerge-Leser bekannt sein müsste. Der Umschlag sieht klassisch nach Fantasy aus – wollen wir mal sehen, was der Inhalt so her gibt…
Fünfhundertvierundachtzig Seiten später musste ich notgedrungen ein Fantasybuch schließen, wie ich es leider schon lange nicht mehr lesen konnte. Hat mich doch die Geschichte über die relativ bösartigen Albae zutiefst gefesselt, berührt und überzeugt. Sicherlich, sie könnten noch etwas bösartiger sein – nichts desto trotz wird Markus Heitz in meinem Augen mehr und mehr zum Godfather der deutschen Fantasy- und Horrorliteratur.
Scheinbar spielerisch lässt er die Welt der Albae aufleben, geht hierbei sehr detailliert zu Werke und führt seine Protagonisten sehr lebendig ein, ohne den Blick auf das Wesentliche zu verlieren. Man erkennt förmlich die Liebe des Autors zur Schriftstellerei und insbesondere zu den Genrebereichen, in denen er sich aufhält.
„Die Legenden der Albae“ ist ein absolut überzeugender Dark-Fantasy-Roman, der nicht eine einzige Seite ohne Sinn und Zweck vorzuweisen hat – man muss wirklich stark aufpassen, nicht den Bezug zur Realität zu verlieren – ist es doch schier unmöglich, aus den Tiefen Ishím Voróo’s wieder aufzutauchen.
Alles was dem Leser bleibt ist ein zombieartiger Gang zum nächsten Buchhandel, um auf die Veröffentlichung des nächsten Bandes – gleich einem Drogensüchtigen auf Entzug – zu warten, um dann dieses dem Händler aus den Händen zu reißen…
Buchtipp des Monats Juni bei Hysterika.de
Jürgen Seibold / 30.05.09

Markus Heitz: Blutportale

ca. 666 Seiten / € 14,95
Originalausgabe Dezember 2008
c 2008 bei Knaur Verlag.

COVER:

„Du kannst nicht jeden retten“, sagte sie ernst. „Es scheint dir im Moment vielleicht unerträglich zu sein, dass du ihn geopfert hast, aber glaub mir, es war die richtige Entscheidung.“

Genau wie Will führt auch Saskia, eine leidenschaftliche Fechterin, ein ganz normales Leben. Das ändert sich, als sie bei einem Turnier gegen den geheimnisvollen Maitre antritt: Mit seinem Rapier fügt er ihr tiefe Schnitte zu, die bald danach zu Brandzeichen werden. Saskia ahnt nicht, dass ihr Gegner bereits seit Jahrhunderten nach ihr sucht – denn in ihr schlummert eine Gabe, die er sich nun zunutze machen will. Doch niemand hat die junge Frau auf ihr dunkles Talent vorbereitet, und so stößt sie unbeabsichtigt Türen auf, die nie geöffnet werden sollten.
Bevor sie weiß, wie ihr geschieht, ist Saskia gemeinsam mit Will auf der Flucht vor Dämonendienern, die sie zu ihren Zwecken missbrauchen wollen. Die beiden müssen alles, was sie bisher für real, für gut und für falsch gehalten haben, vergessen, um überleben zu können – und bekommen ebenso unerwartete wie ungewöhnliche Hilfe …

Dunkle Geheimnisse, rasante Action und ein Wiedersehen der besonderen Art: Der neue Bestseller von Markus Heitz!

Markus Heitz, geboren 1971, studierte Germanistik und Geschichte. Seit er mehrfach mit dem Deutschen Phantastikpreis ausgezeichnet wurde, gilt er zu Recht als Großmeister der deutschen Fantasy. Mit seiner Bestsellerserie um Die Zwerge setzte er einen neuen Standard im Bereich der klassischen Fantasy und eroberte mit dem Werwolf-Zweiteiler Ritus und Sanctum sowie dem Vampirthriller Kinder des Judas auch die Urban Fantasy. Markus Heitz lebt mit seiner Familie in Zweibrücken.

REZENSION:

Markus Heitz ist einer meiner deutschen Lieblingsautore – konnte er doch durch eine hohe Zahl an Büchern uneingeschränkt überzeugen. Dementsprechend gefreut habe ich mich, als Blutportale seinen Weg zu mir fand.
Erneut handelt es sich um ein nicht gerade dünnes Buch – dies hat in der Vergangenheit regelmäßig für den Autor gesprochen, da er sich in dickeren Büchern eher wohl gefühlt hatte und vor dem Leser wahre Symphonien ausbreitete.
Bei Blutportale scheint dies jedoch eher nicht gelungen zu sein. Es ist jedoch schwer zu greifen, woran das liegen mag. Erneut lässt er seinen Hauptprotagonisten durch spannende Begebenheiten laufen – insbesondere die Idee mit der geheimen und illegalen „Fechtbruderschaft“ finde ich sehr ansprechend und hat am Anfang unwahrscheinlich viel Spaß gemacht. Ich denke, alleine darüber würde sich ein Buch schon lohnen.
Im Laufe der Geschichte erklomm mich jedoch mehr und mehr das Gefühl, dass sich Markus Heitz etwas verzettelt hat – dadurch schwand in meinen Augen mehr und mehr der Faden, der den Leser durch das Buch geleitet.
Somit ist bei mir etwas einmaliges geschehen: Ich legte zum ersten Mal ein Buch von Markus Heitz unbefriedigt und unabgeschlossen auf die Seite. Nichts desto trotz wird auch Blutportale sicherlich auch viele Freunde finden – aus meiner Sicht ist es leider ein etwas unausgegorenes Werk, das Anfangs mit hoher Geschwindigkeit startet und dann leider zu lange dieses Tempo nicht mehr aufrechterhalten kann. Schade – ich freue mich aber trotzdem auf seine weiteren Werke.
Jürgen Seibold/22.01.2010