Abbott, James: Höllenkönig

Originaltitel: The Never King
Deutsch von Ole Johan Christiansen
©2017 by James Abbott
©2018 der deutschsprachigen Ausgabe by Penhaligon in der Verlagsgruppe Random House GmbH, München
ISBN 978-3-7645-3199-7
ca. 602 Seiten

COVER:

Die Höllenfest ist ein schreckliches Gefängnis: Auf dem Gipfel eines Berges gelegen, umgeben von einer feindlichen Wildnis, die mit übernatürlichen Gefahren gespickt ist, war es bislang unmöglich, aus der Höllenfeste auszubrechen. Einem Gefangenen muss es nun gelingen: Xavir Argentum, dem gefeierten Kriegshelden von einst. Seit Jahren sitzt er freiwillig in Haft, um Sühne zu leisten für die dunklen Taten seiner Vergangenheit. Als der Meisterspion Landrill die Höllenfeste erreicht und Xavir eine unheilvolle Nachricht überbringt, beschließt der Höllenkönig, sein Schicksal zu wenden. Doch das größte Hindernis ist noch nicht genommen: Xavir muss aus dem Gefängnis entkommen – und ist dabei auf die Hilfe von Mördern, Verbrechern und Schurken angewiesen…

REZENSION:

Bereits nach diesem Satz in der Coverbeschreibung hatte mich das Buch: „Die Höllenfest ist ein schreckliches Gefängnis: Auf dem Gipfel eines Berges gelegen, umgeben von einer feindlichen Wildnis, die mit übernatürlichen Gefahren gespickt ist, war es bislang unmöglich, aus der Höllenfeste auszubrechen.“
Das klingt doch mal richtig nach einem tollen Gefängnisroman. Dann auch noch innerhalb des Genres Fantasy und somit mit allen möglichen, tiefgehenden Gefahren gespickt und durch die Seitenzahl von 600 auch noch detailliert ausgearbeitet.
Das kann doch nur funktionieren, dachte ich bei mir und freute mich auf den Genuss dieses Werkes von James Abbott.
Tja, es tut mir wahnsinnig leid, aber nach 89 Seiten war es vorbei mit dem weiteren Lesen dieses Werkes.
Doch was ist geschehen?
Klappentexte sind dafür bekannt, ab und an etwas zu übertreiben. Dennoch kann man sich zumeist ein einigermaßen gutes Bild über den Inhalt des Buches machen. Ein Klappentext erweckt dadurch gewisse Erwartungen und man möchte sich diesen stellen.

Bei „Höllenkönig“ passt jedoch in Bezug auf diesen Text absolut gar nichts, denn bereits nach 80 Seiten ist der Höllenkönig aus diesem Hochsicherheitsgefängnis ausgebrochen.
Natürlich würde ich weiterlesen und auf den Text des Covers einfach verzichten. Leider geht das in diesem Buch nicht, da auf jeder Seite das Gefühl auftritt – und stärker wird -, dass hier ein zwar sehr ideenreicher Autor unterwegs war, dieser sich aber nicht ausreichend Zeit für seine Erzählung gegeben hat.
Es ist einfach nicht glaubwürdig, dass der bereits 5 Jahre im Knast sitzende „Höllenkönig“ seine Gang leitet und dabei eines Tages ganz locker zu seinem einzigen Erzfeind innerhalb des Gefängnis geht und ihn darum bittet, gemeinsam den Ausbruch zu wagen. Beide durften bisher aufgrund ihres gegenseitigen Hasses nicht einmal gemeinsam in den Gefängnishof – nun ein simples Gespräch und schon agieren sie als Partener? Hallo? Das nimmt keiner ab.
Okay – drücken wir ein Auge zu und gehen weiter: Wir befinden uns in dem sichersten Gefängnis aller Zeiten – aber: auf Seite 80 sind wir schon erfolgreich ausgebrochen? Ach ja, der noch folgende Hexen-Zauber-Sicherheitsgürtel wird auch durch ein nettes Gespräch von den Hexen aufgelöst. Man will den Ausbrechern ja nicht im Wege stehen, hatte der Höllenkönig doch so nett danach gefragt, bzw. ein wichtiges Steinchen dabei, auf das die Hexen schon lange wieder hofften.
Nun, hier passt es einfach nicht – grundsätzlich ein tolle Idee, jedoch zu oberflächlich dargelegt. Der Autor hat viele Ideen, die sicher in einer guten Ausarbeitung den Leser fesseln könnten – leider spielt er damit nicht und lässt alles absolut blass in seiner Aufarbeitung.
Nun, weiter möchte ich gar nicht mehr ins Detail gehen, da es dem Buch nicht wirklich gerecht wird. Vielleicht könnte es als einfachstes Jugendbuch funktionieren – obwohl ich das auch nicht glauben kann, da die Jugendlichen in meinem Leseumkreis oft noch kritischer sind als ich selbst.
Jürgen Seibold/07.03.2019

Klein, Tal M.: Der Zwillingseffekt

Originaltitel: The Punch Escrow
Aus dem Amerikanischen von Bernhard Kempen
©2017 by Tal M. Klein
Deutsche Erstausgabe 05/2018
©2018 der deutschsprachigen Ausgabe und der Übersetzung by Wilhelm Heyne Verlag, München
ISBN 978-3-453-31928-8
ca. 414 Seiten

COVER:

Im Jahr 2147 hat sich die Welt radikal verändert: Innovative Nanotechnologie hat die klassische Medizin ersetzt, genmanipulierte Mücken halten die Luft in den Großstädten sauber, und der mächtige Weltkonzern International Transport hat mit der Erfindung der Teleportation das Reisen monopolisiert. Es ist die Welt von Joel Byram, einem durchschnittlichen New Yorker mit durchschnittlichen Problemen – sein Job als KI-Coach langweilt ihn, und aus seiner Ehe mit der hünschen Physikerin Sylvia ist die Luft raus. Um ihre Beziehung zu retten, wollen die beiden Urlaub in Costa Rica machen. Dorthin lassen sie sich natürlich teleportieren. Doch während Sylvia problemlos in San José ankommt, geht bei Joel alles schief. Erst gibt es einen Anschlag auf das Teleportationszentrum, und dann wird er selbst versehentlich dupliziert. Nun existieren zwei Joels – einer in Costa Rica bei Sylvia und einer in New York! Kurz darauf überschlagen sich die Ereignisse: Sylvia wird entführt, die beiden Joels geraten ins Visier einer religiösen Sekte und werden von International Transport verfolgt. Und bald kommen Joel und Joel einem dunklen Geheimnis rund um das Wunder der Teleportation auf die Spur. Ein Geheimnis, bei dem es um Leben und Tod geht …

REZENSION:

Teleportation kommt in der literarischen Welt schon seit gefühlten Ewigkeiten vor. Von der filmischen Welt möchte ich gar nicht reden. Nun widmete sich der Schriftsteller Tal M. Klein in seinem Science Fiction Roman „Der Zwillingseffekt“ ebenfalls diesem Thema.
Sein Roman spielt dabei in unserer Welt – jedoch befinden wir uns bereits im Jahre 2147. Klein lässt seiner Fantasie bei der Ablichtung dieser Zeit einen nur begrenzt freien Lauf und bringt keine unglaublich wirkenden Errungenschaften zur Sprache. Dies ist als positiv zu betrachten, da seine Welt zwar erst in fernen 100 Jahren spielt, dennoch so möglich sein könnte.
Kleins Kreativität bleibt im Nachvollziehbaren und stellt eine recht gelungene Welt dar. Natürlich ist auch seine Zukunft lediglich ein Gedankenspiel – es klingt aber plausibel und darüber hinaus lässt er sich nicht dazu herab, diese in jeglichem Detail zu erklären: Sie ist einfach, wie sie eben ist.
Teleportation als zukünftiges Mittel zum Reisen klingt schon außerordentlich verlockend. Sollte jemals eine Firma dafür ein Monopol innehaben, könnte ich mir ebenfalls ganz gut vorstellen, dass diese bei technischen Problemen ähnlich vorgehen, wie die Firma IT in diesem Buch.
Kleins Figuren wirken gut durchdacht und man fiebert sogleich mit den beiden Joels mit – gleichzeitig schafft es Klein aber nicht, seinem Thriller einen besonderen Dreh zu verleihen. Somit liefert er zwar einen gut durchdachten und relativ spannenden SF-Thriller ab, der ganz gut zu unterhalten weiß – aber darüber hinaus wird es dem Genre keinen neuen Stempel aufdrücken. Es ist einfach zwischen den beiden Buchdeckeln doch einiges zu leicht vorhersehbar – nichts desto trotz bleibt man dem Buch durch die witzige Erzählweise bis zu dem leider etwas gehetzten Ende treu.
Einige kleine Punkte innerhalb des Romans führten mich zum Schmunzeln: Die Idee um die Musik der 80er ebenso wie zum Beispiel die Verwendung von Songtiteln als Absatzüberschriften. Dies ist wirklich eine nette Idee des Autors und neben dem dezent eingefügten Witz wirkt auch Kleins Schreibstil außerordentlich erfrischend. Somit ein interessanter, unterhaltsamer aber trotzdem durchschnittlicher Thriller für einige Stunden des lockeren Abschaltens.
Jürgen Seibold/07.03.2019

Lockwood, Todd: Der Sommerdrache

Originaltitel: The Summer Dragon
Aus dem Amerikanischen von Franca Fritz und Heinrich Koop
©2016 Todd Lockwood
Für die deutschsprachige Ausgabe:
©2018 S.Fischer Verlag GmbH, Frankfurt a.M.
ISBN 978-3-596-29860-0
ca. 654 Seiten

COVER:

Der Sommerdrache ist ein mythisches Wesen, fast ein Gott. Wann immer er auftaucht, kündigen sich große Veränderungen an – für das ganze Reich und alle seine Bewohner.

Als Maia und ihr Bruder auf einem Ausflug in die Wildnis dem Sommerdrachen begegnen, versetzt ihr Bericht davon nicht nur die Familie in Aufregung, sondern auch die hohen Gäste aus der Hauptstadt, die zum Nesttag in den Drachenhorst angereist sind: Die religiösen und militärischen Autoritäten streiten darüber, wie der Sommerdrache gedeutet werden soll.

Maia hat an all dem wenig Interesse. Genau wie ihr Bruder Darian wartet sie gespannt auf den Tag, an dem sie ihr eigenes Drachenjunges bekommen wird. Doch sie hat Pech: Eine Delegation des Kaisers requiriert sämtliche Jungtiere für das Militär, und auch die Sichtung des Sommerdrachen ändert daran nichts. Schlimmer noch: Der angereiste Priester besteht darauf, dass Maia ihn in die Hauptstadt begleitet. Maia beschließt, sich erneut in die Wildnis aufzumachen – denn sie hat dort noch etwas gesehen, das sie niemandem verraten hat.

REZENSION:

Ehrlich gesagt hatte ich dieses Buch einige Zeit schlichtweg links liegen gelassen. Dies lag insbesondere daran, dass es im Genre der Fantasy sicherlich nichts klischeehafteres geben kann als Drachen. Dem Klischee entsprechend ging ich von einer typischen Geschichte aus und somit musste das Werk einige Zeit auf das gelesen werden warten.
„Der Sommerdrache“ von Todd Lockwood geht aber erfrischend anders vor: Hier sind die Drachen keine bösartigen Wesen, die feuerspeiend für Dezimierung während Schlachten oder ähnlichem sorgen – nein, Lockwood führt uns zu einer Familie, die Drachen züchtet und somit mit ihnen zusammenlebt. Die Vorgehensweise hat sehr viel Ähnlichkeit mit einer Pferdezucht – in diesem Falle sind es aber Drachen und dementsprechend interessant entwickelt sich Lockwoods Geschichte.
Er baut dabei seine Story einerseits dem Genre entsprechend auf und wird dadurch etwas vorhersagbar – andererseits ist aber sein Schreibstil außerordentlich eingängig und die dazugehörige Geschichte durchweg erfrischend, wodurch man eventuell aufkommende, negative Punkte als irrelevant betrachtet und man einfach die Geschichte zu genießen beginnt.
„Der Sommerdrache“ sorgt für eine ideenreiche und erfrischend neu wirkende Unterhaltung. Zum Ende hin verliert sich Todd Lockwood ein klein wenig in der Abarbeitung dem Fantasy-Klischee entsprechend, sorgt aber dafür, dass man als Leser dennoch an der weiteren Entwicklung interessiert bleibt.
„Der Sommerdrache“ lässt sich somit nahezu problemlos empfehlen und man wünscht sich beim Blättern jedesmal ebenfalls diese tolle Möglichkeit, einen Drachen als „Haustier“ halten zu können.
Sehr gut erzählt und ein guter Einstieg in „Die ewigen Gezeiten“.
Jürgen Seibold/02.03.2019

HYS103 – Jahreswechsel

Die neue Podcastfolge:

Kristoff, Jay: Nevernight – Das Spiel

Originaltitel: Godsgrave
Aus dem Englischen von Kirsten Borchardt
©2017 Neverafter PTY LTD.
Für die deutschsprachige Ausgabe:
©2018 S.Fischer Verlag GmbH, Frankfurt a.M.
ISBN 978-3-596-29759-7
ca. 697 Seiten

COVER:

Kein Licht ohne Schatten.
Keine Rache ohne Schmerz.
Kein Leben ohne Tod.

Die epische Rachegeschichte geht weiter. Nachdem Mia einen der Männer umgebracht hat, die für die Zerstörung ihrer Familie verantwortlich sind, bleiben noch zwei übrig: Kardinal Duomo und Konsul Scaeva. Beide sind jedoch vor der Öffentlichkeit abgeschirmt und für Mia unerreichbar. Schlimmer noch: Die Rote Kirche selbst scheint Scaeva zu schützen, und allmählich beschleicht Mia ein furchtbarer Verdacht …

Um an Scaeva heranzukommen, geht Mia ein großen Risiko ein: Sie kehrt der Kirche den Rücken und begibt sich selbst in die Sklaverei, um als Gladiatorin an den Großen Spielen in Gottesgrab teilzunehmen. Denn dem Gewinner, so heißt es, wird eine private Audienz beim Konsul gewährt. Doch Mia merkt schnell, dass sie diesmal zu weit gegangen ist, denn auf dem blutigen Sand der Arena gibt es keine Gnade und nur eine Regel: Ruhm und Ehre – oder Tod.

REZENSION:

Der erste Band mit dem Titel „Nevernight – Die Prüfung“ konnte mich schon außerordentlich gut unterhalten. Nun also der zweite Band dieser als Trilogie angelegten Geschichte. Ehrlich gesagt hatte ich aus diesem Grund keine hohen Erwartungen in dieses Werk gelegt. Viel zu oft sind zweite Bände eher Mittel zum Zweck und verknüpfen im Besten Fall als Talabschnitt zwei Berge.
Gleichzeitig begeisterte mich der Schreibstil von Jay Kristoff und somit dachte ich mir zumindest, dass es nicht schaden kann, auch dieses Buch zu öffnen.
Bevor ich nun meine persönliche Meinung ausbreiten werde, möchte ich einen kleinen Schritt zurücktreten und ein wenig auf die Geschichte eingehen:
Wir treffen hier erneut die nun zur Assassine ausgebildete Mia auf ihrem weiteren Rachefeldzug. Mia möchte die Mörder ihrer Eltern zur Strecke bringen und macht dafür alles, was ihr irgendwie auf diesem Wege behilflich sein könnte. Im vorliegenden Buch lässt sie sich als Sklavin verkaufen, um in einem Gladiatorenstall ihren Weg fortsetzen zu können. Sie hörte nämlich, dass einer ihrer Feinde eine nahezu ungeschützte Audienz demjenigen gibt, der den finalen Kampf lebendig überlebt. Wie in einer Liga ist der Weg dorthin jedoch hart und jeder einzelne Kampf kann ihr letzter sein.
Wie man nun bereits ein wenig herauslesen kann, handelt Mia doch ein wenig blauäugig – aber genau das macht sie sympathisch und persönlicher. Sie schwenkt immer wieder zwischen hartgesotten, rücksichtslos, zielorientiert und langsamem Aufbau tiefer Freundschaften. Mia ist eigentlich eine dramatische Figur – und wohl aus diesem Grund schließt man sie sofort ungebremst in das eigene Herz.
Der Stil Kristoffs lässt erneut nichts missen und bereits nach wenigen Seiten tauchte ich in eine sagenhafte und tiefgründige Geschichte ab. Das eigentliche Rachethema zeigt sich erfreulicherweise eher als loser Faden, um der Figur ein Ziel auf den Weg zu geben. Somit muss man nicht über positive oder negative Auswirkungen von Rache diskutieren bzw. nachdenken – man kann sich trotz dieses Themas einfach dieser wunderschönen und rundum gut durchdachten Geschichte widmen.
Darüber hinaus ist sie erfreulicherweise mit Inhalten gewürzt, die dafür sorgen, dass „Nevernight“ bei jeder Altersklasse funktionieren sollte: Kristoff nimmt kein Blatt vor den Mund und konfrontiert uns Gewalt, Düsternis sowie spritzendem Blut ebenso wie mit lang ausschweifenden und bis in das kleinste Detail beschriebenen Sex-Szenen.
Diese gesamte Melange sorgt uneingeschränkt für einen Lesegenuss der besonderen Art.
„Nevernight – Das Spiel“ ist somit eines meiner absoluten Highlights, die ich in der letzten Zeit gelesen habe. Ich hoffe sehr, Kristoff hat noch genug Ideen und Pulver für den abschließenden Band, da die Latte durch diesen außerordentlich genial erzählten, zweiten Band von ihm unglaublich weit hoch gehängt worden ist.
Ein absolut zu empfehlendes Werk, dass noch eine Schippe besser ist als bereits sehr gute erste Band.
Jürgen Seibold/23.02.2019

Stephens, Anna: Wächter und Wölfe – Das Ende des Friedens

Originaltitel: Godblind
Aus dem Amerikanischen von Michaela Link
©2017 by Anna Stephens
Copyright der deutschsprachige Ausgabe ©2018 by Blanvalet in der Verlagsgruppe Random House GmbH, München
ISBN 978-3-7341-6130-8
ca. 511 Seiten

COVER:

Die junge Sklavin Rillirin flieht vom Hofe König Liris von Mirak, bevor die Hohepriesterin der roten Götter sie als nächstes Menschenopfer erwählen kann. Sie erreicht das Nachbarkönigreich Rilpor und erhält Unterschlupf bei den Grenzwächtern. Diese misstrauen ihr zwar, doch der junge Seher Dom verbürgt sich für sie. Er glaubt Rillirins Warnung, dass sich die Barbaren von Mirak auf einen Krieg vorbereiten.
Die Wächter erbitten von König Rastoth Unterstützung gegen die Invasion. Doch der einstmals gütige König ist seit der Ermordung seiner Frau ein vom Verfolgungswahn besessener grausamer Herrscher geworden, der die Grenzwächter nicht erhört. Denn auch am Hof von Rilpor huldigen mächtige Männer den roten Göttern und hintertreiben die Bemühungen der Wächter, das Reich zu schützen.
Plötzlich sind Dom, Rillirin und ihre Gefährten nicht nur auf sich allein gestellt, sondern in ihrem Rücken wächst darüber hinaus eine zusätzliche Bedrohung heran.

REZENSION:

Wächter und Wölfe ist ein Buch, welches ich interessanterweise einige Zeit vor mich hingeschoben habe. Irgendwie wollte beim regelmäßigen Lesen des Covers der Drang zum Lesen nicht richtig aufkommen. Wie so oft kam dann doch der Tag, an dem ich nicht mehr anders konnte oder wollte und somit widmete ich mich einigermaßen vorbehaltlos diesem Buch. Dabei stellte sich heraus, dass die mir bis dato unbekannte Autorin Anna Stephens ein einigermaße gutes Händchen beim Erzählen ihrer Geschichte hatte.
Gut, es ist kein absolutes Highlight im Genre der Fantasy. Nichts desto trotz eine durchweg gelungene Geschichte, die ausreichend für Unterhaltung sorgen kann und somit ihrem Ziele gerecht wird.
Natürlich erkennt man auch einige Anleihen aus berühmteren Werken – Stephens schaffte es aber auch, diese nicht platt zu kopieren, sondern den dezenten Anleihen ihren eigenen Stempel aufzudrücken.
Die Handlung ist durchweg interessant, die handelnden Personen detailliert und eingehend beschrieben. Ich selbst konnte mich am Besten auf den Seher Dom einlassen – alle weiteren Teilnehmer stehen ihm aber nicht wirklich irgendwie nach.
Wächter und Wölfe ist somit ein gut gelungenes Fantasy-Handwerk zur lockeren Unterhaltung seiner Leserschaft. Dies gelingt perfekt – mehr scheint aber nicht gefordert gewesen zu sein. Der Stil Anna Stephens ist sehr eingängig und gut zu lesen. Somit ein rundum gut gelungener Roman mit einem interessanten Plot für einige angenehme Lesestunden.
Jürgen Seibold/19.02.2019

Newitz, Annalee: Autonom

Originaltitel: Autonomous
Aus dem Amerikanischen von Birgit Herden
©2017 by Annalee Newitz
Erschienen bei Fischer Tor, April 2018
Für die deutschsprachige Ausgabe:
©2018 S. Fischer Verlag GmbH, Frankfurt a.M.
ISBN 978-3-596-70258-9
ca. 351 Seiten

COVER:

Zacuity ist eine neue Droge, der ganz heiße Scheiß. Wenn man sie nimmt, wird die Arbeit zu einer wahren Freude. Die Nebenwirkung: Man will nicht mehr aufhören zu arbeiten. Man arbeitet sich buchstäblich zu Tode.
Jack ist eine Patentpiratin, die Medikamente der Pharmaunternehmen kopiert und auf dem Schwarzmarkt verkauft, auch Zacuity. Als die ersten Opfer auftauchen, gibt man ihr die Schuld. Jack ist sich sicher, dass nicht ihre Kopien, sondern schon das ursprüngliche Präparat zu Suchterscheinungen und massiven gesundheitlichen Schäden führt. Sie nimmt Kontakt zu einigen alten Bekannten auf, idealistischen Pharmaforschern, mit denen sie studiert hat, und gemeinsam machen sie sich an die weitere Erforschung des Medikaments.
Doch die Zeit wird knapp: Denn inzwischen wird sie von dem Pharmakonzern Zaxy als Terroristin gejagt. Ein Agent der International Property Coalition hat sich mit einem Kampfroboter an ihre Fersen geheftet. Stück für Stück rekonstruieren die beiden das Netzwerk, in dem sich Jack bewegt. Die Schlinge zieht sich langsam zu …

REZENSION:

Die Idee hinter der Geschichte besitzt tiefgehendes Potenzial und kann sicherlich mit Leichtigkeit als umfassende Basis für das Beschreiten unterschiedlichster, erzählerischer Pfade verwendet werden. Die Dystopie gibt somit genug Stoff, um ebenso an die Seiten gepresst zu werden, wie die Süchtigen an die Arbeit.
Leider taucht hier das Fundament nicht auf und dementsprechend oberflächlich wirkt die Umgebung innerhalb dieser in der Zukunft aufgebauten Geschichte. Hier hätte ich definitiv mehr Informationen über die Verwandlung der Welt von unserer Bekannten in diese doch recht düstere Zukunft. Nichts desto trotz könnte man darüber noch hinwegsehen, doch es gibt leider zu viele Punkte, die dafür sorgten, dass die Story keinen durchgehenden Drall bekommen wollte. Es gab leider zu viele langatmige Stellen, die sich kaugummiartig hinzogen und nicht wirklich die Story voran zu treiben versuchten. Dem anschließend wirken auch die handelnden Personen trotz dem tiefgründigen Wunsch in der Geschichte zu flach und schafften es nicht die tolle Idee des Plots zu vermitteln.
Natürlich gibt es ab und an kritische Anhaltspunkte – diese schafften es aber nicht mehr, mich wieder an Bord holen zu können. Schade, da mich die Beschreibung des Buches ähnlich der im Buch genannten Droge wirklich angefixt hatte.
Jürgen Seibold/17.02.2019

Taylor, Dennis E.: Ich bin viele

Originaltitel: We Are Legion
Aus dem Amerikanischen von Urban Hofstetter
©2016 by Dennis E. Taylor
Deutsche Erstausgabe 08/2018
Für die deutschsprachige Ausgabe:
©2018 by Wilhelm Heyne Verlag, München
ISBN 978-3-453-31920-2
ca. 459 Seiten

COVER:

Kaum hat der erfolgreiche Jungunternehmer Bob Johansson seine Software-Firma verkauft und einen Vertrag über das Einfrieren seines Körpers nach dem Tod unterschrieben, da ist es auch schon vorbei mit ihm. Er wird beim Überqueren der Straße vom Auto überfahren. Als Bob hundert Jahre später wieder aufwacht, ist er geschockt: Er ist kein Mensch mehr, sondern eine künstliche Intelligenz, die noch dazu der Regierung gehört. Prompt bekommt er auch gleich seinen ersten Auftrag: Er soll als Schiffscomputer einer Raumschiffflotte neue bewohnbare Planeten für die Menschheit finden. Weigert er sich oder versagt er, wird er abgeschaltet. Für Bob beginnt ein grandioses Abenteuer zwischen den Sternen – und ein gnadenloser Wettkampf gegen die Zeit …

REZENSION:

Die grundsätzliche Idee dieses Romans von Dennis E. Taylor klingt unglaublich interessant und reif für spannende, kurzweilige Unterhaltung. Wie ich dann beim Lesen innerhalb kürzester Zeit feststellen musste, wird der Roman diesem dezenten Anspruch sicherlich auch gerecht. Mir persönlich war es aber ein wenig zu dünn und etwas zu schnell konstruiert.
Bereits bei der menschlichen Komponente hatte ich schon Schwierigkeiten: Wenn ich mir vorstelle, ich bin gerade frisch aufgewacht, 100 Jahre später, muss viele Neuigkeiten kennenlernen inklusive einer komplette neuen sozialen Struktur, gehöre plötzlich der Regierung und noch viel schlimmer: Ich bin lediglich ein Datensatz in einem System – dies alles steckt der Protagonist absolut problemlos weg. Den Menschen möchte ich mal sehen, der sich absolut problemlos mit einer solchen Situation ungebremst anfreundet.
Nun gut, gehen wir darüber hinweg. Ehrlich? Nein, trotz meines dann etwas reduzierten Anspruches konnte ich den Draht in diese interessant klingende Geschichte nicht finden. Viel zu sehr lässt sich Bob auf alle Begebenheiten ein und viel zu sehr klingt jegliches auftretende Problem arg konstruiert.
Ich möchte dennoch nicht allzu negativ klingen, denn Taylor erzählt relativ interessant und möchte schlichtweg nur für eine Popcorn-Unterhaltung sorgen. Ich bin mir sicher – insbesondere, da es noch einige Nachfolge-Bände gibt – dass dies auch gut funktioniert hat. ICH BIN VIELE wird problemlos Leser, die eine leichte Kost bevorzugen, uneingeschränkt befriedigen. Bei mir hat es leider nicht funktioniert.
Jürgen Seibold/17.02.2019

Shusterman, Neal: Scythe – Der Zorn der Gerechten

Originaltitel: Thunderhead – Arc of a Scythe
Aus dem Amerikanischen von Kristian Lutze und Pauline Kurbasik
©2017 by Neal Shusterman
Für die deutschsprachige Ausgabe:
©2018 S. Fischer Verlag GmbH
ISBN 978-3-7373-5507-0
ca. 524 Seiten

COVER:

In einer fast perfekten Welt entscheiden die Scythe nach festen Regeln, wer sterben muss – zum Wohle aller Lebenden.
Scythe sind hochgeehrt, doch nicht alle sind gerechte Richter. Die Scythe der neuen Ordnung sind kaltblütige Mörder, die Spaß am Töten haben …

Citra und Rowan haben die Ausbildung zum Scythe absolviert. Aus Citra ist die ehrenwerte Scythe Anastasia geworden, aus Rowan der gefürchtete Scythe Luzifer.
Im Untergrund macht er Jagd auf die Scythe der neuen Ordnung. In Citras Augen ist er deswegen zum Mörder geworden. Als ein Anschlag auf sie verübt wird, fällt der Verdacht sofort auf ihn. Doch Citra weiß es besser: Niemals würde Rowan sie in Gefahr bringen, oder?

REZENSION:

Der zweite Band der Scythe-Trilogie knüpft nahezu nahtlos an die Vorgänge des ersten Buches an. Die beiden Protagonisten sind fertig ausgebildete Scythe, gehen jedoch – wie bereits im ersten Buch dargelegt – ziemlich unterschiedliche Wege.
Während Citra sich gänzlich ihrer Tätigkeit verschrieben hat, hält sich Rowan im Verborgenen auf und bekämpft als im Untergrund wirkender Streiter die Scythes der Neuen Ordnung. Diese nehmen es mit den ursprünglichen Regeln nicht sehr ernst, sind machtbesessen und wirken egoistisch, um den eigenen Ruhm zu steigern.
Die beiden Lager sind mittlerweile streng getrennt und dienen dem Autor zur Bildung der notwendigen Fronten.
Die Strukturtrennung lässt es gleichzeitig zu, dass Shusterman philosophischer werden darf. Die Scythe besitzen trotz der fehlenden Staatsstruktur eine ungeheure Fülle an Macht – sie sind es ja, die über Leben und Tod in einer nicht-sterbenden Gesellschaft entscheiden.
Bereits der erste Band – mit der Ausbildung der Beiden als grundsätzliches Thema – konnte einwandfrei überzeugen. Hier im zweiten Band lässt Neal Shusterman nun noch etwas mehr die Zügel los und schreibt sehr befreit seine Geschichte weiter.
Dabei gewinnt einiges in dieser Geschichte: Die Spannung steigt, die Action wieder verstärkt, die politischen Strukturen werden in Frage gestellt und ausreichend Gedanken werden dem Umstand von allumfassender Macht gewidmet.
Dennoch bleibt Scythe – Der Zorn der Gerechten ein rundum gut funktionierender Unterhaltungsroman, der generationenübergreifend funktioniert und Lust auf den dritten Band macht.
Jürgen Seibold/17.02.2019

Anthologie: Fleisch 5

©Eldur Verlag, Aachen
ISBN 978-3-937419-24-4
ca. 195 Seiten

COVER:

Bevor Sie dieses Buch in die Hand nehmen, sollten Sie sicher sein, dass Sie einiges verkraften können. – Den Spruch kennen unsere Altleser schon auswendig. Zu trifft er dennoch.

Zum fünften Mal servieren Ihnen ausgewählte deutschsprachige Horror-Autoren ein extremes Menu aus Fleisch, Blut, Sex und Tod.

FLEISCH – die Königin der deutschsprachigen Horror-Anthologien. Oft kopiert, nie erreicht.

REZENSION:

Als ich mir den vierten Band der fulminanten und nahezu alleinstehenden Kurzgeschichtenreihe mit dem stilgebenden Namen „Fleisch“ einverleibte, war ich ein klein wenig enttäuscht. Diese Enttäuschung beruhte aber im Nachhinein betrachtet eher auf einem etwas höheren Niveau, denn „Fleisch“ ist nun mal die Königin der grenzenlosen Horrorkurzgeschichten unseres Landes.
Dennoch konnte mich der vierte Band nicht mehr gänzlich überzeugen und ich sah die Serie geistig schon sterbend danieder liegen.
Nun also der fünfte Band und die Gedanken an Band 4 krochen still und leise in den Vordergrund meiner Gehirnwindungen.
Können die neuen 15 Geschichten den etwas schwächeren vierten Band ungebremst beiseite wischen oder reihen sie sich dort ein und wir Leser warten auf den Todesstoß einer sehr beliebten Reihe?
Das Ergebnis lässt sich nur durch den lesenden Selbsttest herausfinden und somit blieb mir nichts anderes übrig, als mich dem fünften Band zu widmen, um mir eine eigene Meinung bilden zu können.
Ein Blick in das Inhaltsverzeichnis zeigt erneut einige sehr bekannte Namen und – zumindest aus meiner Sicht – wieder einige Neuentdeckungen. Die Länge der Geschichten variiert von knappen 2 Seiten bis zu etwa 20 Seiten.
Moment…
Knappe 2 Seiten? Das ist doch sicher ein Druckfehler…
Nein, das Buch beginnt mit einer Geschichte von Stefan M. Fischer mit dem Titel „Vom Baum abgestoßen“ und hat tatsächlich gerade mal 1,5 Seiten Platz in diesem Buch bekommen.
Mir kam sogleich der Gedanke eines recht bekannten Schriftstellers in den Sinn, der lautete, dass er sehr ungern Kurzgeschichten schreibt, da diese erheblich schwerer umzusetzen sind als Romane mit mehreren hunderten Seiten.
Er erklärte mir dabei auch den Grund und der liegt ganz einfach im Umstand begründet, dass eine Kurzgeschichte innerhalb kürzester Zeit (daher ihr Name) überzeugen, fesseln und mit einer Pointe aufwarten muss.
Nun also ein neuer Fleisch-Kurzgeschichtenband mit einem Opener wie er wohl kürzer nicht mehr möglich ist.
Aber was für ein Start!!! Allein für diesen kleinen Opener hat sich Fleisch bereits gelohnt. Ich habe in meinem gesamten lesereichen Leben noch niemals eine so kurze und dennoch dermaßen intensive Geschichte vor meinen Augen gehabt. Chapeau!
Nun hat mich Fleisch bereits vollumfänglich überzeugt und ich war wirklich auf die folgenden 14 Geschichten gespannt.
Ohne auf jede einzelne eingehen zu wollen, ist Fleisch 5 definitiv wieder ein anderes Kaliber als der Vorgängerband.
Gut, es kann nicht jede Geschichte überzeugen – aber dieses Problem hat wirklich jeder Kurzgeschichtenband; sogar, wenn es ein Band eines Lieblingsautors ist.
Wenn ich aber meine, es kann nicht jede überzeugen, dann fallen mir da höchsten 1 bis 2 Geschichten ein, die mich sprachlich oder geschmacklich nicht zu 100% überzeugen konnten. Aber: keine dieser insgesamt 15 Geschichten war in meinen Augen ein Fehler – nein, jede Geschichte ist grandios und eben ein bis zwei lediglich meinem Geschmack entsprechend nicht ganz „befriedigend“.
Es ist mir immer noch rätselhaft, wo diese ganzen grandiosen Erzähler herkommen. Vielleicht liegt es aber auch nur an dem Umstand, dass ihnen diese Reihe nichts vorschreibt und somit ihren Gedankengängen freie Entfaltung überlässt.
Fleisch 5 ist somit angetreten, meinen hohen Erwartungen gerecht zu werden und hat dabei in voller Linie gewonnen.
Einziges kleines Manko: Auch in diesem Band gibt es sehr viele sexuelle Auswüchse. Nicht, dass mich das stören würde – dennoch wäre mir gepflegter Horror etwas lieber und würde meiner Meinung nach auch mehr hergeben, als der ewige Drang nach sexuellen Befriedigungen und/oder Ausschweifungen mit anschließendem Schwenk zum Horror. Hier sollten die Autoren lieber wieder etwas mehr für das eigentliche Genre tun, da sonst die Gefahr des Abdriftens zu groß werden könnte.
Aber: Das ist nun schon Meckern auf sehr hohem Niveau.
Jürgen Seibold/11.02.2019

Phantastik Bestenliste Januar 2019

Unglaublich wie schnell die Zeit vergeht. Schon wieder ist ein Monat vergangen und somit gibt es eine neue phantastische Bestenliste.
Ein Klick auf das Bild führt Euch direkt zur offiziellen Webseite. Ich bin mir sicher, es gibt wieder viele spannende Informationen für alle Lesebegeisterten.

Einige der genannten Bücher liegen bereits neben meinem Nachtkästchen. Ich freue mich schon darauf.

Hamannt, Michael: Die Dämonenkriege

©2018 by Michael Hamannt
©2018 dieser Ausgabe by Wilhelm Heyne Verlag, München
ISBN 978-3-453-31838-0
ca. 751 Seiten

COVER:

Ryk starrte in die Schwärze unter dem Portal. Nichts. Nur die dumpfe Vorahnung, dass dort etwas lauerte. Er griff nach seinem Seelenfeuer. Die Magie loderte auf, jagte durch seinen Körper und berauschte ihn für einen Moment wie ein Schluck hochprozentiger Branntwein. Er kniff die Augen zusammen und konzentrierte sich auf das Portal. Seltsam. Trotz seiner Magie vermochte er die Dunkelheit nicht zu durchdringen. So etwas war noch nie vorgekommen …

Einst herrschte Krieg zwischen Dämonen und Menschen. Nur durch ein besonderes Opfer der Ersten Magier konnte eine Barriere zwischen den Welten errichtet werden, und seitdem herrscht Frieden in den Schwebenden Reichen. Fast scheinen die Menschen ihre wahren Feinde vergessen zu haben – Fürsten schmieden Ränke, die einen Prinzen den Vater und den Thron kosten. Und eine Assassine macht sich in einem fernen Königreich auf den Weg, mächtige Gegenspieler zu töten.

in dieser unsicheren Zeit wird der Dämonenjäger Ryk bei einem scheinbar ganz gewöhnlichen Auftrag urplötzlich von einem Humanos angegriffen. Menschendämonen wie ihn dürfte es in den Schwebenden Reichen gar nicht geben. Magie verhindert ihren Übertritt durch die Barriere. Dennoch ist er da und tötet Ryks Jagdgefährten. Getrieben von dem Wunsch nach Rache schwört Ryk, den Dämon zu finden und zu vernichten. Zusammen mit seiner ehemaligen Komplizin macht er sich auf die Suche nach dem dunkelsten Geheimnis der Schwebenden Reiche …

REZENSION:

„Dämonenkriege“ von Michael Hamannt legte sich auf meinen Stapel ungelesener Bücher und wurde von mir einige Zeit mit Missachtung bestraft. Sehr oft hatte ich es in der Hand, legte es jedoch wieder zur Seite, da die Lust auf einen Roman mit Dämonen irgendwie nicht aufkommen konnte. Hier spielte auch die eigene, wohl fehlgeleitete, Erwartungshaltung ebenfalls eine nicht geringe Rolle: Dämonen? Das wird doch sicherlich nur alle möglichen Klischees treffen. Ob das funktioniert?
Nun, eines Tages war es dann doch so weit: Ich öffnete das Werk von Michael Hamannt (wer ist das überhaupt?) und wollte ihm eine etwa 50seitige Chance geben.
Tja, weit gefehlt: Das Buch hatte mich in seinen dämonischen Klauen und es war mir die reinste Freude, mich hungrig von Seite zu Seite satt zu lesen.
Michael Hamannt (nochmal: Wer ist das?) legt hier einen Fantasyroman vor, der mit nahezu sämtlichen Superlativen spielt und dabei dennoch erfrischend neu wirkt.
Sicher, die Dämonen sind zumindest teilweise – unseren ursprünglichen Vorgaben – geschuldet dargestellt; dennoch sieht man darüber hinweg und folgt einer Geschichte, deren gesamter stringenter Verlauf den Leser bei der Hand nimmt und über die Schwebenden Lande gleiten lässt.
Die wichtigsten Protagonisten sind ausgezeichnet dargelegt und können vom Leser trotz ihrer unterschiedlichen Charaktere auf einfachste Weise ins Herz geschlossen werden. Man folgt ihnen und kann sich gar nicht satt lesen.
Ebenfalls vollziehen sie einen persönlichen Weg, der nicht plötzlich auftaucht, sondern auch eine gewisse Entwicklung beinhaltet. Ich denke da insbesondere an den naiven Prinzen, dessen Charakter sich erst im Laufe der Geschichte eigenständig entwickelt und dabei immer stärker wird.
Allzu tief möchte ich durch die bereits vergangene Zeit (ich hinke etwas mit meinen Rezensionen nach) nicht in dieser Kritik eintauchen. Ich kann aber immer noch voller Überzeugung auf dieses Buch verweisen und hoffe sehr, mehr von Michael Hamannt in nächster Zukunft noch lesen zu können. Allein „Die Dämonenkriege“ ist ja erneut nur der Start einer Reihe. Ich finde diese Vorgehensweise zwar aufgrund der Masse nicht mehr sehr positiv – in diesem Fall werde ich aber wohl zugreifen müssen. Ich hoffe dabei aber sehr, dass Hamannt nicht auch vom Sog der nichtssagenden Verlängerungen erfasst wird und diesem dezenten Denkmal dann einen Stoß versetzt. Ich wünsche es ihm jedenfalls in keiner Weise und hoffe, dass er mit dem Folgeband mindestens genauso gut für eine fantastische Unterhaltung sorgen kann. Noch besser wird ja bereits schwierig.
Jürgen Seibold/27.12.2018

Strandberg, Mats: Das Heim

Aus dem Schwedischen von Nina Hoyer
©2017 Mats Strandberg
© für die deutschsprachige Ausgabe: S. Fischer Verlag GmbH
ISBN 978-3-596-70367-8
ca. 426 Seiten

COVER:

Ein Altersheim ist kein schöner Ort. So viel ist Joel klar, als er seine demente Mutter nach einem beinahe tödlichen Herzinfarkt in ein Seniorenheim bringt. Dass es allerdings so schlimm wird, überrascht ihn dann doch.

Seine Mutter, zeitebens eine sanfte Person, wird aggressiv und traktiert mit ihren boshaften Anfällen die Mitbewohner. Noch seltsamer ist, dass sie dunkle Geheimnisse ihrer Mitpatienten ausplaudert, von denen sie eigentlich nichts wissen kann. Manche der Alten halten sie deshalb für einen Engel, andere für einen Dämon – und auch das Pflegepersonal kriegt es auf Station D langsam mit der Angst zu tun.

Und als sich die beklemmenden Vorkommnisse im Heim häufen, findet Joel ausgerechnet in seiner Jugendfreundin Nina eine Verbündete, um dem Grauen entgegenzutreten.

REZENSION:

Bereits auf dem Cover des ersten Buches von Mats Strandberg mit dem Titel „Die Überfahrt“ zeigte sich ein Vermerk auf den erfolgreichsten Horrorautoren der heutigen Zeit: Stephen King. Marketingabteilungen versuchen natürlich mit Superlativen den Käufer zum Kauf zu animieren. Bei Büchern wird aber auch eine Erwartungshaltung gesetzt, die dann oft nur schwer erreicht werden kann.
Strandbergs Erstling war dabei noch ein Vampirroman. Das Setting auf einer Fähre, wodurch eine simple Flucht schlicht unmöglich ist. Die Idee war ganz nett – die Erwartung wurde aber in keiner Weise erfüllt und übrig blieb lediglich ein ganz netter Roman mit einigen Spannungselementen.
Nun wagte ich mich dennoch, Strandbergs neuestes Werk mit dem Titel „Das Heim“ zu lesen. Jeder hat eine zweite Chance verdient und auch hier klingt das Setting außerordentlich interessant. Erneut der leuchtend gelbe Aufkleber mit dem Hinweis, dass es sich hier um den schwedischen Stephen King handelt. Na, wollen wir doch diesmal versuchen, gänzlich unvoreingenommen zu sein.
„Das Heim“ spielt in einem Altersheim und lässt uns neben den Pflegekräften auch viele Insassen näherkommen. Erneut ist das Setting geschickt gewählt und Strandberg hat auch ein außerordentlich gutes Händchen uns die jeweiligen Bewohner detailliert und teils liebevoll gezeichnet nahe zu bringen. Nach und nach nähert sich das Grauen – wodurch der Verweis zu Stephen King zumindest rudimentär passen würde. Auch dieser ließ sich früher lange Zeit, bis das Böse seinen Zugang in die Alltäglichkeit gefunden hatte.
Strandberg wirkt aber in seiner zweiten Geschichte erneut ein wenig konstruiert und schafft es leider nicht, mich rundum zu überzeugen.
Insbesondere beim Spannungsaufbau bleibt er zu zaghaft und scheint wohl kein Risiko eingehen zu wollen, um den Mainstreamleser nicht zu vergraulen. Dem frühen Stephen King ging das buchstäblich am Arsch vorbei und ich wette, gerade deshalb war und ist er so erfolgreich. Strandberg erzählt prinzipiell sehr eingängig und lässt uns als Leser nichts missen. Dennoch fehlt schlichtweg der echte Horror, wenn nicht gar bereits der echte Thrill. Alles im Heim erlebte war irgendwie schon einmal da. Ab und an eine klein wenig an der Spannungsschraube gedreht – dennoch immer so, dass man definitiv kein Problem damit hätte, das Licht auszumachen. Schade, denn vom Erzählerischen her scheint Strandberg gut aufgestellt zu sein. Vielleicht sollte er einfach mal die Zügel loslassen und versuchen, seine Geschichte vollkommen befreit zu erzählen. Es kann natürlich sein, dass Strandberg eine Klientel dazwischen zu erreichen versucht – ich befürchte auch, dass dies sein Ansatz sein könnte. In diesem Fall wäre es schade, aber zu akzeptieren.
Ich möchte das Buch jetzt aber auch nicht zu sehr schlecht reden – immerhin konnte es mich bis zum Ende einigermaßen unterhalten. Somit ist „Das Heim“ ein Unterhaltungsroman ohne Ecken und Kanten, der für einige ganz nette Stunden sorgen kann. Etwas darüber hinaus gibt es leider nicht her – obwohl ich mir durch den Aufkleber exakt dies erneut erwartet hätte. Ob ich dem Autor eine dritte Chance geben werde? Da muss ich noch stark in mich gehen…
Jürgen Seibold/27.12.2018

 

Brooks, Mike: Dark Run

Originaltitel: Dark Run
Aus dem Englischen von Simon Weinert
©2015 Mike Brooks
Deutsche Erstausgabe Mai 2018
©2018 der deutschsprachigen Ausgabe Knaur Verlag
ISBN 978-3-426-52208-0
ca. 429 Seiten

COVER:

DU KANNST VOR ALLEM DAVONLAUFEN – NUR NICHT VOR DEINER EIGENEN VERGANGENHEIT

Eigentlich hat Ichabod Drift, Captain des Raumfrachters Keiko, kein Problem mit Aufträgen, die sich am Rande der Legalität bewegen – oder auch darüber hinausgehen. Mit seiner eingeschworenen Crew aus Schmugglern, Glücksrittern und Abenteurern hat er schon so manchen Coup gelandet. Dass sein neuer Auftraggeber ihn erpresst, schmeckt Ichabod allerdings gar nicht. Und dass er nicht das Geringste über die Ladung wissen darf, die er auf die Erde schmuggeln soll, riecht nach Ärger. Wie groß die Gefahr jedoch nicht nur für das Schiff, sondern für den ganzen Blauen Planeten ist, ahnt allerdings noch niemand auf der Keiko …

REZENSION:

Bereits nach einigen Seiten und dem darauffolgenden Kennenlernen von Ichabod Drift und seiner sehr durchwachsenen und aus den unterschiedlichsten Persönlichkeiten als auch Lebensformen bestehenden Crew fühlt man sich an gewissen Persönlichkeiten und Serien des leichten Science-Fiction-Genusses erinnert.
DARK RUN bleibt bei diesem ersten Eindruck und dementsprechend unterhaltsam ist die Story auch. Natürlich auch nichts weiter, da man in diesem Genre-Bereich wahrlich auch nicht wirklich mehr erwartet. Somit sind sämtliche Erwartungen erfüllt und ich könnte zufrieden diese Rezension beenden.
Nun gut, einige Worte kommen doch noch: Zum einen ist der Schreibstil von Mike Brooks auch eingängig genug, um der gerade erwähnten Erwartung gerecht zu werden. Leider wirkt dadurch die Geschichte ein klein wenig zu stark konstruiert und man ist nicht wirklich von den Begebenheiten überrascht. Interessanterweise möchte man aber dennoch nicht mit dem Lesen aufhören. Hier befinden wir uns wieder bei der etwas niedrig aufgebauten Erwartungshaltung und meiner Meinung nach muss es solche reinen Unterhaltungsromane auch unbedingt geben. Simple Unterhaltung für den Freund von einigermaßen spannender Science Fiction. Somit zielgruppengerecht und in dieser Ebene makelfrei.
Um noch einen Serienvergleich für den noch unentschlossenen Leser zu machen: Beim Genuss dachte ich die ganze Zeit an die Geschehnisse auf der Firefly. Selbst die Crew wirkte sehr stark davon inspiriert – von Ichabod Drift gar nicht zu reden.
Bei DARK RUN standen diese mit Sicherheit Pate und auch bei anderen Größen des Genres bediente sich Brooks schamlos. Aber vielleicht ist das auch der Grund, warum man bei dieser recht simpel konstruierten Geschichte dranbleibt und den weiteren Geschehnissen unbedingt folgen möchte. Meines Wissens sollen die Erlebnisse in weiteren Bänden fortgesetzt werden – ob ich diese noch unbedingt lesen möchte? Da bin ich noch unschlüssig – aber vielleicht braucht es auch einfach eines Tages mal wieder einen simplen SF-Roman zur lockeren Unterhaltung. Dafür kann Brooks scheinbar problemlos sorgen.
Jürgen Seibold/23.12.2018