Richard Laymon: Die Show

Originaltitel: The Travelling Vampire Show
Aus dem amerikanischen Englisch von Thomas A. Merk
©2000 by Richard Laymon
©2008 der deutschen Ausgabe und der Übersetzung by Wilhelm Heyne Verlag, München
ISBN 978-3-453-67512-4
ca. 525 Seiten

COVER:

Es ist der Sommer 1963, und die Show ist in der Stadt! Begeistert stehen der sechzehnjährige Dwight, sein Kumpel Rusty und die hübsche Slim vor dem Plakat, das eine “Große Vampirshow” ankündigt – angeblich mit einem echten Vampir. Pech nur, dass die Show erst um Mitternacht beginnt und Minderjährigen der Zutritt untersagt ist. Doch das spornt die drei Freunde gerade an, hinter das Geheimnis dieser Show zu kommen. Ist das alles Humbug – oder sind tatsächlich echte Vampire nach Grandville gekommen? Für Dwight, Rusty und Slim beginnt das Abenteuer ihres Lebens …

REZENSION:

DIE SHOW von Richard Laymon ist eine Geschichte ganz im Stile der früher sehr oft erzählten “Coming-of-age”-Romane. Ich denke da besonders an Stephen Kings “Die Leiche”, “ES”, aber auch neuere Werke wie “Swans Song” und weitere.
Man begleitet hierbei als Leser meistens eine überschaubare Gruppe an heranwachsenden, die sich zeitlich zwischen dem Ende ihrer Kindheit und dem Aufblühen des Erwachsenseins befinden. Man erkennt langsam, welchen Reiz das andere Geschlecht auf einen machen kann, gleichzeitig findet man aber auch noch vermeintlich “kindische” Themen nicht wirklich uninteressant.
Interessanterweise haben solche Geschichten sehr oft – wenn sie gut erzählt worden sind – einen ganz besonderen Reiz für den Leser. Der Grund liegt meiner Meinung nach daran, dass man sich beim Lesen außerordentlich gut mit den darin befindlichen Personen identifizieren kann. Gleichzeitig wirft einen eine solche Geschichte gedanklich in die eigene erlebte Zeit auf dem Weg zum Erwachsenen.
Ebenso wie bei Stephen Kings “ES” schafft es auch Laymon, dass die Erlebnisse der Kinder, die nichts mit dem eigentlichen Ziel zu tun haben, den Sinn und Zweck des Romans darstellen. Ob die Kinder es zur Vampirshow schaffen und ob sie dabei auch noch auf einen echten Vampir treffen, wird beinahe zur Nebensächlichkeit. Man ist vielmehr daran interessiert, wie die erste Liebe aufflammt und welche Episoden die Kinder aus ihrer eigenen Vergangenheit zum Besten geben.
DIE SHOW spielt lediglich an einem einzigen Tag. Die drei Freunde sehen das Plakat zur mitternächtlichen Vampirshow und versuchen alles nur erdenkliche, um es irgendwie dorthin zu schaffen.
Dabei stehen sie sich mit ihren eigenen Ängsten oft selbst im Weg – und allein dafür verneige ich mich bereits vor Laymon, der es wahrlich geschafft hat, diese alltäglichen Begebenheiten spannend und rundum glaubhaft zu erzählen.
Natürlich ist Laymon hautsächlich ein Horrorautor und dementsprechend wird er mit diesem Buch einige seiner Fans ein wenig frustriert zurücklassen. Trotz der immer wieder aufkehrenden Spannungselemente verfolgt man halt nur drei Kids über besagten Tag. Man zittert mit, ob ihre Pläne funktionieren und sie sich als Zuschauer der finalen Show widmen können werden.
Laymon wäre aber wohl nicht Laymon, wenn er am Ende dann nicht doch noch seine fantastische Daumenschraube herausgeholt hätte. Er wird dann seinem Ruf gerecht und verteilt großzügig sexuelle und blutige Elemente.
Ich bin mir dabei nicht ganz sicher, ob es das noch unbedingt gebraucht hätte. Mir hat die Geschichte bereits vorher außerordentlich gut gefallen und ich war froh, auf einem einigermaßen spannenden Niveau drei Teenagern auf dem Weg zum Erwachsenenalter folgen zu können. Ähnlich wie bei “Die Leiche” von Stephen King hätte das wohl sicherlich schon ausgereicht. Dennoch konnte das fulminante Ende den Gesamteindruck nicht mehr wirklich schmälern – insbesondere, da ich dabei über die Unbarmherzigkeit und Boshaftigkeit des Autors schon wieder schmunzeln musste.
In meinen Augen ein absolut gelungener Coming-Of-Age-Unterhaltungsroman. Das Ende ist dabei etwas zu aufgesetzt, schliesst aber dennoch diese Geschichte eines namhaften Horrorautors mit einem deutlichen Stempel.
Jürgen Seibold/25.06.2017
Die Show: Roman – KAUFEN BEI AMAZON

Matthew Delaney: Dämon

Originaltitel: Jinn
Aus dem Amerikanischen von Axel Merz
© 2003 by Matthew B.J. Delaney
© für die deutschsprachige Ausgabe 2005 by Verlagsgruppe Lübbe GmbH & Co. KG, Bergisch Gladbach
ISBN 3-404-15264-6
ca. 764 Seiten

COVER:

Als Meeresforscher ein im Zweiten Weltkrieg gesunkenes Schiff entdecken und bergen, können sie nicht ahnen, welche Gefahren sie damit heraufbeschwören. Denn in dem Wrack befindet sich ein Wesen, das nur ein Ziel kennt: zu töten. Mit der Überführung des Schiffes nach Boston beginnt für die Bewohner der Stadt eine Phase des Schreckens. Bizarre Morde, verstümmelte Leichen und kryptische Zeichen halten die Polizei in Atem, und alles scheint auf eine Verbindung zwischen den Gewalttaten und dem Wrack hinzudeuten. Bei ihren Ermittlungen stoßen die Kriminalbeamten auf ein Geheimnis, das weit in die Vergangenheit zurückreicht.

REZENSION:

Matthew Delaney holt in seinem beinahe achthundert Seiten starkem Werk recht weit aus. Bereits im ersten Kapitel, welches eher als Prolog zu betrachten ist, fragt man sich, warum er in seinem ersten Roman sogleich soviel zu erzählen hat. Interessanterweise fühlt man sich dabei nicht gestört und somit liest man erst einmal sehr lange über die Begebenheiten einer US-Amerikanischen Truppe bei ihrem Einsatz gegen die Japaner auf einer nicht wirklich kriegsentscheidenden Insel. Nach und nach erkennt man dabei jedoch, dass sich auf dieser Insel eine weitere Gefahr befindet.
Hierdurch sehen sich die Kontrahenten – zumindest teilweise – dazu gezwungen, ihre Kampfhandlungen gegeneinander einzustellen um sich gemeinsam dem mächtigen Gegner zu widmen.
Als nächstes nehmen wir als Leser bei einer Bergungsmission im Ozean teil – weiterhin bleibt der lockere Faden zu den Geschehnissen im Zweiten Weltkrieg bestehen. Als Leser kann man sich spätestens jetzt diesem Werk nicht mehr entziehen, da Delaney diese Mission außerordentlich interessant, wahrheitsgetreu und spannend vor des Lesers Augen entfaltet.
Erneut vergehen einige Jahre, bis wir auf die ersten Todesfälle in Boston treffen. Ab diesem Augenblick könnte man beinahe von einem reinen Krimi sprechen, wäre da nicht die noch nicht greifbare und wohl übernatürliche Komponente des Bösen.
Delaney bleibt sich treu und erzählt und erzählt. Ab und an fragt man sich, ob weniger nicht etwas mehr gewesen wäre – man ist aber dennoch weiterhin an die Geschichte gefesselt und versucht, über manchen Logikfehler und auch Nutzung des ein oder anderen Zufalls hinweg zu sehen.
Die Fäden finden im Laufe des Romans immer näher zusammen und bis zum Ende schafft es der Autor auch problemlos, alle zu einem relativ plausiblen und gemeinsamen Ergebnis zusammenlaufen zu lassen.
DÄMON ist wahrlich ein Roman im Stile eines gut erzählten Thrillers, wie man ihn sich auch im Kino vorstellen könnte. Trotz seines Ausschweifens fühlt man sich nicht verlassen – im Gegenteil, man sieht über manche Handlungskleinigkeit hinweg und folgt einfach dieser spannenden Geschichte.
Sicher hätten dem Roman einige Seiten weniger wohl recht gut getan – nichts desto trotz macht er in seiner Gänze trotzdem ausreichend Spaß, um ihn mit einem guten Gefühl zu Ende zu lesen. Ein purer Unterhaltungsroman mit sehr guten Ideen und Ansätzen.
Jürgen Seibold/25.06.2017
Dämon: Thriller – KAUFEN BEI AMAZON

A. K. Benedict: Die Seelen von London

Originaltitel: Jonathan Dark or the Evidence of Ghosts
Aus dem Englischen von Alice Jakubeit
Deutsche Erstausgabe Juni 2017
©2016 by A.K. Benedict
©2017 der deutschsprachigen Ausgabe Knaur Verlag
ISBN 978-3-426-52055-0
ca. 396 Seiten

COVER:

Die blinde Maria ist Schatzsucherin, sie durchkämmt den Schlamm des Londoner Themseufers nach verborgenen Kostbarkeiten. Eines Tages macht sie einen unheimlichen Fund, garniert mit einer Zeile in Braille-Schrift: “Willst du mich heiraten, Maria?”
Detective Inspector Jonathan Dark ist höchst beunruhigt – er sucht unter Hochdruck nach einem Stalker, der sein letztes Opfer mit ähnlichen Botschaften beglückte, bevor er die junge Frau tötete.
Die Suche nach dem Psychopathen scheint aussichtslos – da wächst dem Kommissar Hilfe aus unerwarteter Quelle zu: Das Bestattungsinstitut in Jonathan Darks Nachbarschaft ist ein Ort, an dem sich Seltsames abspielt. Bestatter Frank scheint mit seinen verstorbenen Kunden in bestem Einvernehmen, hilft ihnen, sich in ihrer neuen Welt zurechtzufinden und auf die Lebenden einzuwirken.
Und auf einmal taucht das junge Mordopfer auf – voll schwarzer Rachegedanken …

REZENSION:

“Die Seelen von London” strotzt förmlich voll interessanter Protagonisten. Man fühlt sich relativ schnell angetan von der wunderschönen Idee, einen beinahe normalen Stalker-Krimi mit den in unserer Welt befindlichen Geistern zu verknüpfen.
Die junge Maria wirkt unglaublich dominant trotz ihrer Behinderung. Der Ermittler wartet mit einer Vielzahl persönlicher Probleme auf und steht sich damit ab und an selbst im Weg. Der Bestatter wirkt außerordentlich wissensreich und hilfsbereit. Selbst der Stalker bekommt von der Autorin seine Rolle glaubwürdig übergestülpt und von der hilfsbereiten Taxifahrerin aus der Geisterwelt möchte ich gar nicht reden – eine unwahrscheinlich sympathische Figur.
Nichts desto trotz hatte ich Anfangs ein wenig Probleme, die unterschiedlichen Ebenen greifen zu können. Im Nachgang betrachtet scheint dies vor allem den Absatzwechseln geschuldet, die innerhalb eines Kapitels in der Handlung beziehungsweise Erzählebene springen und man selbst sich gedanklich noch im Absatz davor befand. Vielleicht hätte man hier ein klein wenig mehr machen sollen, als lediglich eine doppelte Zeilenschaltung.
Sobald man jedoch die Vorgehensweise der Autorin in sich aufgesogen hat, eröffnet sich ein guter Krimi mit einer erfrischenden Idee.
Die Verknüpfung von mystischen Elementen mit der realen Welt halte ich sehr oft für eine wunderbare Art, genreübergreifend eine Erzählung zu offenbaren. Sicher, in diesem Werk war dann doch das Ende hierdurch recht vorhersagbar, nichts desto trotz hat mir wirklich jede teilnehmende Person in ihrer Rolle sehr gut gefallen.
Ab und an bekommt man das Gefühl, dass ein wenig mehr detaillierte Zeichnung manch einer Person etwas besser getan hätte – gleichzeitig könnte ich mir aber vorstellen, dass die Autorin hier noch weitere Bücher folgen lassen wird und dadurch hoffentlich mehr personenbezogene Details vom Stapel lässt.
Alles in allem ein recht erfrischender und ausreichend gut gelungener, Grenzen überschreitender Krimi mit interessanten Ideen. Teilweise noch ein wenig holprig in seiner Ausführung, aber dennoch ein Garant, um damit einige unterhaltsame Lesestunden zu haben.
Jürgen Seibold/17.06.2017
Die Seelen von London: Roman – KAUFEN BEI AMAZON

HYS084 – Selbstentwicklung

Die neue Podcastfolge:

Stephen Leather: Brut des Teufels

Originaltitel: Midnight
Aus dem Englischen von Barbara Ostrop
©2011 by Stephen Leather
© der deutschsprachigen Ausgabe 2012 by Verlagsgruppe Random House GmbH, München
ISBN 978-3-442-37813-5
ca. 480 Seiten

COVER:

“Deine Schwester holt der Teufel, Jack Nightingale.” Wie ein Damoklesschwert schwebt dieser mysteriöse Spruch seit jeher über dem Leben des ehemaligen Polizeiermittlers. Dieses Mal vernimmt er die unheilvollen Worte aus dem Mund einer Frau, die tot über einer Treppe baumelt, aufgehängt mit einer Wäscheleine. Doch Jack kennt seine Schwester nicht, denn mit dem Tag ihrer Geburt ist sie aus seinem Leben verschwunden. Wie kann er jemanden retten, dem er noch nie begegnet ist?
Jack Nightingale macht sich auf die Suche, doch jeder, mit dem er über seine Schwester spricht, stirbt einen grauenvollen Tod. Jemand – oder etwas – scheint mit aller Macht verhindern zu wollen, dass die beiden Geschwister zusammenkommen. Sollte Jack sie retten wollen, muss er eine Fähigkeit einsetzen, die er einst bei der Polizei lernte und seitdem blind beherrscht: Er muss verhandeln. Doch jede Verhandlung mit den dunklen Mächten hat ihren Preis, und so muss Jack sich fragen: Ist es jede Seele wert, dass man sie rettet?

REZENSION:

Stephen Leathers “Brut des Teufels” ist ein Thriller, der mit einer Vielzahl an übersinnlichen beziehungsweise satanischen Elementen angereichert worden ist. Allein dadurch fühlt man sich beinahe in einen rasanten Film hineingezogen, der einem keine Ruhe lässt.
Jack Nightingale ist auf der Suche nach seiner Schwester, die – ebenfalls wie er – am Tage ihrer Geburt zur Adoption freigegeben worden ist.
Nach und nach bekommt man als Leser von “Brut des Teufels” heraus, dass bereits Jacks Seele durch seinen Vater an den Teufel verschachert worden ist. Dies scheint auch auf die Seele seiner Schwester zu zu treffen.
Nachdem es in meinen Augen dadurch einige auftretende Fragezeichen gab und diese auch nur durch kleine Hinweise beantwortet worden sind, wurde ich das Gefühl nicht los, dass es hier noch eine Vorgeschichte zu geben scheint. Wie sich herausstellen sollte: “Brut des Teufels” ist die zweite Story mit Jack Nightingale in der Hauptrolle. Somit wäre es unter Umständen eventuell hilfreich, mit “Höllennacht” zu beginnen. Nichts desto trotz wagte ich mich weiter durch die Seiten dieses Werkes und verzichtete auf den Genuß des ersten Bandes.
Schade jedoch, dass man weder auf dem Cover noch im Buch vom Verlag darauf aufmerksam gemacht wird.
Die Geschichte selbst ist absolut eingängig geschrieben und Jack selbst ist kurios genug, um beim Leser als geeigneter Protagonist anzukommen.
Geschickt baut der Autor kleine aber feine Horrorelemente ein, die zwar beinahe vor lauter Klischee tropfen, dabei aber dennoch Spaß beim Lesen machen.
Von der Thematik her fühlt man sich ein wenig in die Geschichten und Filme der 80er Jahre zurück versetzt – damals gab es nach meinem Empfinden eine unglaubliche Vielzahl an Geschichten, die Teufelsbeschwörungen in irgendeiner Art und Weise zum Thema hatten.
Auf der Suche nach seiner Schwester gibt es ausreichend Action für Jack Nightingale, eine Vielzahl an kuriosen Todesfällen, sowie eine ganze Palette an satanischen Lebewesen, die Jack das Leben recht schwer machen.
Ab und an lässt der Autor den Zufall ein wenig arg stark zu seinen eigenen Gunsten wirken – dennoch führt das nicht zu irgendeiner Abwertung, da diese klischeebeladene Geschichte durchweg eingängig, rasant und spannend erzählt worden ist und gerade deswegen für einen hohen Unterhaltungswert sorgt.
Einfach mal ein satanischer Thriller zur reinen Unterhaltung ohne besonderen Anspruch auf Tiefgang.
Jürgen Seibold/03.06.2017
Brut des Teufels: Thriller – KAUFEN BEI AMAZON

Johannes Ulbricht: Sumerland – Band1: Prinzessin Serisada

© 2016 Noon Gmaes Augmented Reality GmbH & Co KG, Johannes Ulbricht
Erschienen bei Panini Verlags GmbH, Stuttgart
ISBN 978-3-8332-3355-5
ca. 349 Seiten

COVER:

Nur wenige Eingeweihte wissen, dass unsere Zivilisation nichts als eine kollektive Illusion ist, in der die Menschen gefangen gehalten werden.
In Wahrheit tobt ein geheimer Krieg in der phantastischen Realität hinter der Scheinwelt unseres Alltags. Auf der einen Seite steht der babylonische Stadtkegel von Waylhaghiri, in dem alle Zivilisationsepochen der Menschheit übereinander geschichtet sind. Diese einzige Stadt auf der Welt lebt von der Perfektionierung der zivilisatorischen Ästhetik. Glamour, Moden und kalkulierte Manipulation sind bis in die Intimsphäre allgegenwärtig. In diesem System müssen die Bewohner ihren sozialen Status jeden Tag aufs Neue verteidigen. Auf der anderen Seite steht die umgebende Wildnis des Sumerlandes, in der Tiermenschen leben, die verspielt und kindlich, aber auch unberechenbar und grausam sind. Die jahrhundertealten, doch ewig kindlichen Herrscher beider Reiche, Prinz Zazamael und Prinzessin Serisada, kämpfen erbittert um die Vorherrschaft.
Zazamael benötigt für die endgültige Dominanz seines Reiches – die in Form einer Emulsion von Traum und Wirklichkeit namens „große Fusion“ erfolgen soll – den „wilden Wein“ als rettendes Elixier. Auf der Suche nach dem „wilden Wein“ dringt er unter ständiger Bedrohung durch die sumerländischen Tiermenschen ins Herz von Serisadas Reich vor. Auf dieser Reise werden alle seine Gefährten einer nach dem anderen hingemeuchelt, wobei der Prinz das eigentliche Ziel des Attentäters zu sein scheint. Erst einen Schritt vor dem Ziel angekommen erkennt Zazamael, wer der Mörder ist. Währenddessen gelingt es Serisada, als Spionin in Waylhaghiri einzudringen. Dort hat sie die schwierige Aufgabe, sich in der Zivilisation zu behaupten, ohne enttarnt zu werden. Zunächst gelingt ihr eine beachtliche Karriere als Designerin, bis es zu einem der regelmäßigen Zusammenbrüche der ästhetischen Muster in Waylhaghiri kommt, wodurch – wie jedes Mal – ein Teil der Stadt untergeht, indem er von dem tödlichen Silber bedeckt wird.
Leider ist es der Teil der Stadt, den Serisada designt hat und in dem sie lebt.

REZENSION:

Aufgrund der Beschreibung und der interessanten Idee, die Geschichte durch ein Augmented Reality Game als zusätzliche Ebene zu erweitern, nahm ich die Herausforderung zu diesem gut designten Buch gerne an.
Insbesondere die beschriebene Mischung aus Fantasy und realer Welt hat es mir sehr angetan. Entstehen hierdurch sehr oft außerordentlich interessante Romane, deren Wechsel beziehungsweise Interaktion zwischen den Welten zu einer besonderen Note führen. Man kann damit erheblich leichter in unterschiedliche Gedankenwelten abdriften.
Im vorliegenden Band wechselt hierbei die Vorgehensweise des Autors je nachdem, wo man sich befindet: Innerhalb Sumerlands erzählt J. Ulbricht recht interessant die darin auftauchenden Begebenheiten. Befinden wir uns jedoch in der realen Welt, schwenkt der Autor in eine Ich-Form um und wir lauschen den Gedanken einer nicht benannten Person, die in einer Marketing-Agentur arbeitet und geistig immer wieder nach Sumerland abdriftet.
Dieser Ich-Erzählung konnte ich leider nur sehr schwer folgen. Irgendwie war es mir leider in keinster Weise möglich, mich in diese Dame hinein zu versetzen.
Sobald man sich wieder in der fantastischen Ebene – in Sumerland – befand, fühlte man sich als Leser  ein wenig besser aufgehoben.
Durch diese relativ vielen Schwenks zwischen diesen beiden Erzählstrukturen, ergab sich jedoch kein ausreichend durchgehender Faden, um der Geschichte eingängig folgen zu können.
Gleichzeitig wirkte manches etwas unausgegoren und die Protagonisten wirken relativ kindlich. Insbesondere auf die Prinzessin trifft das zu und ich kann mich definitiv nicht wirklich darauf einlassen, wenn diese zwar jung an Gestalt ist, jedoch mehrere hundert Jahre lange schon lebt.
Die Dialoge wirken somit sehr oft recht naiv und eine Identifizierung als Leser mit irgendeiner der wenigen auftretenden Personen findet nicht statt.
Es fällt mir grundsätzlich sehr schwer, ein Buch nicht bis zur letzten Seite zu lesen. Im Gegenzug dazu bin ich aber auch der Meinung, dass ein Buch seinen Leser innerhalb der ersten fünfzig Seiten an die Hand nehmen muss, damit er nicht abspringt. Diese Meinung haben auch sehr viele Autoren und insbesondere Vielleser, deren Buchstapel ausreichend Alternativen bietet. In diesem Fall war ich sogar – wohl in Hinblick darauf, dass es zwei Bände sind – so freundlich, dem Buch eine zusätzliche Chance zu geben. Leider fand ich aufgrund der sprachlichen Sprünge, den weiterhin nicht ganz ausgereiften Erzählsträngen und der fehlenden Identifizierung bis einschließlich Seite 136 keinen wirklichen Zugang zu dieser Geschichte. Somit leider nach langer Zeit mal wieder ein Buch, welches von mir unbeendet zugeklappt worden ist.
Die grundsätzliche Idee hätte jedenfalls ihren Charme und ich bin mir sicher, dass sie auch manch einen Anhänger finden wird.
Jürgen Seibold/03.06.2017
Sumerland 1: Prinzessin Serisada – KAUFEN BEI AMAZON

Andreas Brandhorst: Das Arkonadia-Rätsel

©2017 Piper Verlag GmbH, München/Berlin
ISBN 978-3-492-70426-7
ca. 536 Seiten

COVER:

Omni ist ein mächtiger, uralter Bund, in dem sich die herrschenden Völker der Milchstraße zusammengeschlossen haben. Jasper und seine Tochter Jasmin gehören zu den wenigen Auserwählten, die in den Diensten Omnis stehen. Ihr Auftrag führt sie zu dem fernen Planeten Arkonadia. Seit Jahrtausenden stranden dort wieder und wieder Raumschiffe unter dem Einfluss einer unerklärlichen Raumzeit-Anomalie. Zudem bewirkt das geheimnisvolle Nerox, das alle 453 Jahre auftritt, technologischen Stillstand. Niemand kennt den Ursprung des Phänomens. Jasper und Jasmin setzen alles daran, das Rätsel von Arkonadia zu lösen.
Doch dabei stoßen sie auf eine Wahrheit, die das Schicksal aller Zivilisationen der Galaxis verändern wird…

REZENSION:

In den letzten Monaten hat es sich immer wieder ergeben, dass ich mich einem Werke des Science Fiction Autors namens Andreas Brandhorst widme. Dabei ergaben sich in meinen Augen jeweils zwei Punkte, die ein wenig konträr gegeneinander laufen: Seine Bücher haben mir von der Thematik jedesmal uneingeschränkt gefallen. Im Gegenzug hatte ich aber bei seinen Werken auch oft das Gefühl, dass Herr Brandhorst ein wenig zu detailverliebt ist und seine Zukunftsvisionen in aller Breite und Tiefe vor des Lesers Augen ausbreiten und erklären möchte. Das war mir dann doch ab und an ein wenig zu viel – hier wäre in meinen Augen oft etwas weniger etwas mehr gewesen.
Mir ist bewusst, dass es eine große SF-Fan-Gemeinde gibt, die in erster Linie auf die Visionen eines Autoren Wert legen. Für mich ist ein Roman in erster Linie ein Mittel zum Zweck: Er muss es schaffen, mir eine ausreichende Unterhaltung zu bieten. Je mehr ich eintauchen kann beziehungsweise gefesselt bin, desto mehr Wertigkeit bekommt die Geschichte aus meiner rein privaten Lesesicht.
Beim Vorgängerband zu “Das Arkonadia-Rätsel” namens “OMNI” konnte mich der Autor auf Basis seiner Idee und seinem philosophischen Ansatz durchweg überzeugen – nichts desto trotz war dort ebenso etwas viel Technik, die mir keine großartige Hilfe auf dem Weg zur Geschichte gab.
Nun also “Das Arkonadia-Rätsel”, welches unbedingt auf meinem Lesestapel landen musste, da ich unbedingt wissen wollte, wie es im “Omniversium” weitergehen wird.
Bei diesem Werk ist mir dann zum ersten Mal in meinem Leben etwas passiert, worüber ich normalerweise nur schmunzeln konnte: Ich war in das Buch vertieft und verpasste meine U-Bahn-Station. Das allein spricht schon für dieses Werk.
Im Arkonadia-Rätsel hatte ich uneingeschränkt das Gefühl, dass Andreas Brandhorst seinen Fokus auf die Geschichte legte. Sicherlich ist die Technik notwendig – hier scheint sie jedoch einfach vorhanden zu sein und es wird nicht zu viel davon integriert. Genau deshalb scheint diese Episode aus der Welt von Omni bei mir so gut zu funktionieren; mir ist es nämlich als Nicht-Techniker fast egal, wie z.B. ein iPhone funktioniert und gerade deswegen würde es mich auch in einem Roman, welcher in der heutigen Zeit spielt, sehr nerven, wenn mir die Technik ausschweifend dargelegt werden würde. Ich bin mir sicher, dass in 10.000 Jahren oder noch später jemand eher an der Technik eines alten iPhones im Museum interessiert wäre, als an der dann aktuell vorhandenen Technik.
Aber ich schweife ab: Bei “Das Arkonadia-Rätsel” ist dies ja nicht der Fall! Hier hat es der Autor geschafft, eine sehr rasante Geschichte zu entwickeln, die durch die nicht zu langen Kapitel und die jeweils auftretenden Wechsel der Protagonisten sehr schnell geschnitten wirkt, was lediglich dazu führte, dass man schlichtweg einfach weiter lesen musste.
Im Laufe des Bandes wurde ich weit in die Zukunft hineingezogen und ich bin wirklich durchweg von diesem Buch überzeugt.
Sicher, es wäre hilfreich und auch angeraten, sich vorher dem ersten Buch namens “OMNI” zu widmen – dadurch lernt man Brandhorsts Welten kennen und vielleicht ist das Buch auch der Grund, warum der Autor etwas weniger ins Detail gehen musste oder wollte.
“Das Arkonadia-Rätsel” ist jedenfalls ein absoluter Tipp aus der Welt der anspruchsvollen, philosophischen und angenehm unaufgeregt erzählten Science Fiction; gleichzeitig trotzdem spannend und in meinen Augen das beste Buch, welches ich bisher von Andreas Brandhorst gelesen habe – und das waren dann doch schon einige.
Absolut gelungen und ich würde mich freuen, wenn der Autor erneut seinen Weg in Richtung Omniversum sucht und findet.
Jürgen Seibold/28.05.2017

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Fred Ink: Der Untergang von Godly Gulch

©2017 Fred Ink
ISBN 978-1544809519
ca. 138 Seiten

COVER:

Ein Schatten liegt über dem Westernstädtchen Godly Gulch. Die Ernte verdorrt auf den Feldern, das Wasser in den Brunnen ist verdorben und blutrünstige Apachen überfallen die Bewohner.
Der kleine Ben kann sich all das nicht erklären, immerhin halten er und seine Mutter sich streng an die Gebote, die der Pastor der Gemeinde predigt. Und den Lehren Gottes kann doch gewiss nichts Böses entspringen.
Als ein schwarzgekleideter Fremder in der Stadt auftaucht, erkennt Ben, dass er sich in vielem getäuscht hat. Was er bislang erdulden musste, verblasst angesichts des Horrors, der bald ganz Godly Gulch erfasst.

REZENSION:

“Der Untergang von Godly Gulch” ist erneut eine von Fred Ink erstellte Hommage an H.P. Lovecraft. Wir befinden uns in diesem neuesten und lediglich etwa 138 Seiten umfassenden Werkes des Autors in einer sehr kleinen Westernstadt irgendwo in den Staaten. Durch die Abgeschiedenheit gehen die dort auftretenden Geschehnisse nahezu unbehelligt vor sich und wir folgen als Leser einer Gesellschaft, die durch und durch auf religiöse Weise ausgebeutet wird.
Die Einwohner müssen sich an die Regeln ihres Pastors halten und versuchen durch Opferungen ihres letzten Hab und Guts den Zorn Gottes zu vermeiden und wieder ihren Weg in Richtung Wohlstand zu finden. Ist doch das Leben durch Dürre, verdorbenem Wasser und auftretenden Angriffen der ansässigen Apachen gebeutelt.
Der junge Ben wirkt bereits am Anfang der Geschichte etwas zweifelhaft und lässt sich somit schnell und gerne auf den Fremden ein, der urplötzlich bei seines Mutters Hof auftaucht.
Erneut ist es Fred Ink relativ gut gelungen, dem Stile Lovecrafts Gerecht zu werden. Erfreulicherweise macht er das ohne die alte Sprache seines Vorbildes zu verwenden. Lediglich das Setting und die dann auftretende Gottheit scheint förmlich aus einer Lovercraftschen Geschichte entsprungen zu sein.
In seinen 138 Seiten geht der Autor stringent vor und stellt dabei auch sogleich einige religiöse Fragestellungen in den Raum – man kann die auftretende Philosophie sehr gut auf verschiedene Bereiche bzw. verschiedene Religionen ummünzen, wodurch die Geschichte einen geschickten Tiefgang erhält und man sich dabei ertappt, eigene Gedanken religiöser Art kreisen zu lassen.
Gleichzeitig ist “Der Untergang von Godly Gulch” aber nicht der größte Wurf des Autors. Sicher, es lässt sich unglaublich eingängig und rasant lesen – aber wohl gerade deswegen hätte in diesem Falle  mehr epische Breite dieser Story sicher positiv geholfen. Manche Vorgänge sind ein wenig zu schnell abgehandelt, bei anderen fragte man sich, warum sich jemand so schnell auf etwas einlässt. Aber verständlicherweise sind hierfür knappe 140 Seiten einfach zu wenig. Nichts desto trotz ist dieses kleine Häppchen eine schöne Geschichte, die erneut zeigt, dass nach etwa 100 Jahren das Erbe Lovecrafts weiterhin ungebremst lebt.
Jürgen Seibold/28.05.2017
Der Untergang von Godly Gulch: Eine Horrornovelle auf H. P. Lovecrafts Spuren – KAUFEN BEI AMAZON

Mario Reading: The Nostradamus Prophecies

© 2009, Mario Reading
ISBN 978-1-84887-124-3
Atlantic Books, London
ca. 428 Seiten

COVER:

NOSTRADAMUS WROTE A THOUSAND PROPHECIES.
ONLY 942 HAVE SURVIVED.
What happened to the missing verses?
And what secrets did they contain?

This mystery drives two very different men. Adam Sabir is a writer desperate to revive his flagging career; Achor Bale is a member of an ancient secret society that long ago dedicated itself to the support of the ‘Three Antichrists’ foretold by Nostradamus – Napoleon, Adolf Hitler, and the ‘one still to come’…
As Sabir is drawn into the hidden world of France’s gypsies, Bale is on his trail. A terryfying hunt begins…

REZENSION:

Nach einer gefühlten Ewigkeit wollte ich mich mal wieder einem Werk in seiner Originalsprache widmen. Mein Weg führte mich in die örtliche Bibliothek, auf der Suche nach irgendeinem spannenden Buch, dessen Inhalt nicht zu hochtrabend ist und somit von mir hoffentlich sehr gut verstanden werden würde.
Innerhalb kürzester Zeit hielt ich dabei “The Nostradamus Prophecies” von Mario Reading in meiner Hand. Das klingt doch mal spannend und interessant – in meinen Augen entstand bereits die Ahnung einer Schnitzeljagd, wie man sie sonst nur von Dan Brown kennt.
Eine rasante Jagd nach irgendwelchen mysteriösen Gegenständen, Informationen oder Verschwörungen macht üblicherweise sowohl im Film- als auch (oft noch detaillierter) im Buchgenre sehr viel Freude. Strotzen diese Geschichten doch zumeist von einer rasant abgewickelten Idee und geschickt eingeschobene, reale Begebenheiten oder Informationen aus längst vergangenen Zeiten.
Nostradamus ist dazu sicher ein Garant für spannende Romane – insbesondere, wenn man sich den verschollenen Versen an nimmt und dabei auch noch die Vorhersage des dritten Antichristen aufs Tablett bringt.
Naja, eine Idee reicht leider nicht immer, um damit auch einen Roman wie erwartet zu füllen. Mario Readings “The Nostradamus Prophecies” geht ehrlicherweise so gut wie gar nicht auf diese Prophezeiungen ein. Irgendwie scheint das alles ein Nebenrolle in dieser Geschichte zu spielen.
Okay, man lernt sehr viel über die Interna von Zigeunern. Sprachlich kam ich außerordentlich gut mit – stellt sich nur die Frage, ob es dementsprechend leicht geschrieben worden ist, oder meine Englischkenntnisse nun endlich auf einem ausreichenden Niveau zu stehen scheinen.
Aber darum geht es ja nicht – nur kurz angemerkt: Ich konnte der Story sehr gut folgen. Dadurch entstand aber auch die Enttäuschung, die sich immer mehr breit machen sollte.
Mario Reading hätte eine richtig gute Dan-Brown-Schnitzeljagd entstehen lassen können. Aber nein, wir begleiten hauptsächlich Sabir, der sich mehr und mehr bei Frankreichs Zigeunern einnistet, dabei ab und an etwas von seinem Widersacher gestört wird. Nostradamus? Wollen wir mal nicht so sein: Manchmal konnte man auch davon was lesen.
Alles in allem ein leidlich nettes Buch, um mal wieder in die Sprache eintauchen zu können, dabei jedoch auch eine kleine Enttäuschung, dass sich nicht mehr dahinter befand.
Werde dennoch noch öfter etwas im Original lesen – hoffe dabei jedoch auf erheblich mehr Spannung oder eben Inhalt.
Jürgen Seibold/27.05.2017
The Nostradamus Prophecies – KAUFEN BEI AMAZON

HYS083 – Cicero und so

Die neue Podcastfolge:

Jeff VanderMeer: Autorität – Southern-Reach-Trilogie II

Originaltitel: Authority
Aus dem Englischen von Michael Kellner
Vollständige Taschenbuchausgabe Mai 2017
Knaur Taschenbuch
© 2014 VanderMeer Creative, Inc.
© 2015 der deutschen Ausgabe: Verlag Antje Kunstmann GmbH, München
© 2017 der Taschenbuchausgabe: Knaur Verlag
ISBN 978-3-426-51805-2
ca. 365 Seiten

COVER:

Nach der katastrophalen zwölften Expedition, die Area X erkunden sollte, befindet sich die verantwortliche Organisation Southern Reach in Auflösung. John Rodriguez, der neu ernannte Kopf von Southern Reach, muss sich durch eine Reihe frustrierender Verhöre, einen Berg verschlüsselter Notizen und Stunden verstörender Videoaufnahmen arbeiten, um die Geheimnisse von Area X vielleicht doch noch zu lüften. Aber jede neue Entdeckung konfrontiert ihn mit bestürzenden Wahrheiten – über sich selbst, seine Kollegen und die Organisation, der er die Treue geschworen hat.

REZENSION:

Nach dem Lesen vom ersten Buch dieser Trilogie – mit dem Titel “Auslöschung” – blieb ich relativ verwirrt zurück. Zum Einen lag das daran, dass der Autor den ersten Band in der Ich-Form geschrieben hatte und man sozusagen ein Tagebuch liest. Hierbei hatte ich einfach Probleme, so richtig einzutauchen. Darüber hinaus wirkte es – was aber bei einem Tagebuch auch wieder logisch ist – wie eine sehr subjektive Erzählung einer einzelnen Person. Dadurch ergab sich der zweite Umstand, denn es entstanden eine Reihe von Fragezeichen in meinen Gedankengängen – somit blieb ich etwas unbefriedigt und zwiespältig zurück.
Nichts desto trotz war es dadurch unbedingt notwendig, mich auch dem zweiten Band zu widmen – vor allem in der Hoffnung, ein wenig mehr Klarheit zu bekommen.
Im Gegensatz zum ersten Band ist “Autorität” in der dritten Person geschrieben, was mir persönlich etwas besser liegt. Gleichzeitig spielt der Roman fast durchweg innerhalb der Mauern von Southern Reach. Die ominöse Pflanzenwelt namens AREA X wird nicht betreten.
Das Buch geht dadurch gänzlich andere Wege, als man es im Vorhinein beim Lesen der Rahmenhandlung auf dem Cover erwartet.
Wir begleiten John – hauptsächlich “Control” genannt – auf seiner internen Erforschung der bisherigen Begebenheiten. Dadurch entstehen neue Fragezeichen; gleichzeitig muss ich zugute halten, dass sich auch manch kleines Fragezeichen auflöst.
Sehr gelungen halte ich die Integration der Biologin, die im ersten Band das Tagebuch geschrieben hatte. Nachdem man sie gefunden hatte, hat man sie in Buch 2 innerhalb der Organisation in Gewahrsam genommen. Sie muss sich dabei in recht regelmäßigen Abständen von Control verhören lassen. Hierbei lässt sie nur sehr wenig heraus, was auch ein weiterer Grund ist, warum Control nicht wirklich weiter kommt und lediglich Mutmaßungen trifft. Hier ist man als Leser definitiv im Vorteil, da man ja das Tagebuch bereits kennt und somit sehr schön beobachten kann, ob Control auf dem richtigen Wege ist.
Ebenso wie in Band 1 fehlt es der Geschichte etwas an Spannung. “Autorität” ist eher ein Psychogramm von John Rodriguez. Dadurch bleibt der Ton ruhig, wird ab und an thematisch verstörend und wie ein Spanner beobachtet man Control, wie er immer mehr abzudriften scheint.
Über die Geheimnisse von Area X erfährt man nicht wirklich etwas neues – man stochert somit genauso im Trüben, wie alle namhaften Wissenschaftler, Expeditionen und Organisationen. Prinzipiell auch wieder nachvollziehbar: Wie soll der Leser mehr wissen, als die Personen im Buch?
Zum Ende hin hat die Story in meinen Augen ein klein wenig nachgelassen. Dies lag aber vor allem daran, dass man endlich Antworten oder Spannung bekommen möchte. Ein reines Psychogramm auf Dauer ist dann doch etwas anstrengend und für manchen auch langweilig – ist ja eine Fiktion.
Alles in allem geht die Story jedenfalls voran und ich hoffe wirklich sehr, dass sich im Abschlussband alles bisher aufgeworfene auflösen wird. Dies dann auch noch so, dass man als Leser auch überzeugt ist.
Sollte dies der Fall sein, ist die Trilogie sicher eine sehr nennenswerte Trilogie – verliert er mich im dritten Band, könnte es genau das Gegenteil sein. Ich will es mal nicht hoffen und freue mich bereits auf die Lüftung der Area X-Geheimnisse.
Jürgen Seibold/13.05.2017
Autorität: Buch 2 der Southern Reach Trilogie – KAUFEN BEI AMAZON

Brandon Sanderson: Schatten über Elantel – Ein Nebelgeborenen-Roman

Originaltitel: Shadows Of Self. A Mistborn Novel
Aus dem Amerikanischen von Karen Gerwig
© 2015 by Dragonsteel Entertainment, LLC
Deutschsprachige Ausgabe: © Piper Verlag GmbH, München/Berlin 2017
ISBN 978-3-492-70435-9
ca. 517 Seiten

COVER:

In der Stadt Elantel ziehen nach der Magie nun auch Industrie und Technik ein, und mit dem Erstarken von Religion und Politik immer mehr gesellschaftlicher Zündstoff: Bei einem Treffen der bekanntesten Kriminellen Elantels richtet ein Killer ein Blutbad an. Wax und Wayne sollten sich freuen, dass ihnen jemand die Arbeit abgenommen hat.
Doch dies ist erst der Anfang. Denn finstere Kräfte machen sich die zunehmende Feindschaft zwischen den gesellschaftlichen Schichten zunutze. Es liegt an den Gesetzeshütern Wax, Wayne und Marasi, eine dunkle Verschwörung aufzudecken, die Elantel in den Abgrund zu reißen droht. Und für Wax wird der Fall zu einem ganz persönlichen Rachefeldzug …
Mit seinem Epos “Schatten über Elantel” begeistert Brandon Sanderson erneut mit der hochexplosiven Mischung aus High Fantasy, Western und feinem Humor, die seine Fans lieben.

REZENSION:

Seit langer Zeit befindet sich der Fantasyzyklus “Das Rad der Zeit” von Robert Jordan bereits auf meiner persönlichen Wunschliste. Gleichzeitig habe ich immer ein wenig Angst, diesen groß angelegten Zyklus zu beginnen, da er ja so gut sein könnte, dass mit nichts anderes übrig bleiben würde, als alle Bände zu lesen.
Doch was hat “Das Rad der Zeit” in dieser Rezension verloren? Nun, ganz einfach: Als Robert Jordan leider von uns gegangen ist, übernahm ein Autor namens Brandon Sanderson die eigentlich undankbare Aufgabe, Jordans Zyklus zu einem erfolgreichen Ende zu bringen.
Meine Recherchen ergaben dabei, dass Sanderson dabei wohl einen ausgezeichneten Job erledigt hatte. Immer noch ein wenig in Richtung “Das Rad der Zeit” schauend, dachte ich mir also, ich versuche es mit Sandersons neuestem Werk. Wenn mir sein Stil nicht gefällt, brauche ich mir auch keine weiteren Gedanken mehr über das Werk von Jordan machen.
Dummerweise habe ich bei diesem Werk versäumt, eine kleine Recherche vor zu nehmen. Es handelt sich nämlich nicht um einen alleinstehenden Band und auch nicht um einen ersten Band einer neuen Fantasyreihe. Nein, Sanderson hat schon öfter Nebelgeborenen-Romane geschrieben.
Nichts desto trotz traute ich mich an “Schatten über Elantel”.
Erfreulicherweise schaffte es Sanderson dabei, auch mich als Einsteiger sehr gut zu überzeugen.
Zum Einen halte ich seine Welt für außerordentlich interessant. Es handelt sich nämlich um eine Mischung aus Fantasy, Western und dem Beginn der Industrialisierung. Somit gibt es erste Autos, die sich neben Pferdefuhrwerken auf den Straßen tummeln. Gäbe es die magischen Elemente nicht, könnte man fast meinen, man wäre im Europa zu Beginn des Industriezeitalters.
Zum Anderen ist seine Schreibstil absolut eingängig und schwenkt zwischen dem notwendigen Ernst, den detaillierten Beschreibungen und einer gehörigen Portion Humor. Damit konnte er auch bei einem Neuleser wie mich, das Interesse ausreichend hoch halten, dass ich dem Werk bis zum Ende folgen musste. Wäre dem nicht so gewesen, hätte die Gefahr bestanden, dass ich “Schatten über Elantel” frustriert zur Seite gelegt hätte. Es dauert nämlich einige Zeit, bis ich das Prinzip der Allomantischen und Ferrochemischen Kräfte verstanden habe. Davon abgesehen stellten sich mir einige Fragen, die sich sicherlich durch das Lesen vorangegangener Bücher überhaupt nicht gestellt hätten.
Aber wie gesagt, ich konnte relativ problemlos darüber hinwegsehen und hatte trotz der ein oder anderen Wissenslücke richtig viel Spaß mit diesem Werk.
Schon wieder ein Autorenname, den ich mir merken muss – darüber hinaus weiß ich nun immer noch nicht, ob ich mich an den gesamten Zyklus von “Das Rad der Zeit” wagen soll.
Jürgen Seibold/05.05.2017
Schatten über Elantel: Ein Nebelgeborenen-Roman (Die Nebelgeborenen, Band 5) – KAUFEN BEI AMAZON

Lucas Grimm: Nach dem Schmerz

© Piper Verlag GmbH, München/Berlin 2017
ISBN 978-3-492-05778-3
ca. 316 Seiten

COVER:

David Berkoff, Ex-Kriegsreporter, Ex-Familienvater, Ex-Starjournalist, versucht seit Jahren, ein gefährliches Komplott aufzudecken. 1989 verschwanden 381 CD-Rom aus der Berliner Stasi-Zentrale. Darauf die berüchtigten Rosenholz-Dateien mit den Namen westdeutscher Politiker, Journalisten und Unternehmer, die für die Stasi spioniert haben. Der finanzielle Wert? Das hängt davon ab, was ein Betroffener bereit ist zu bezahlen. Das Ziel? Erpressung. Der Täter? Vermutlich Walter Gold, Staatssekretär im Wirtschaftsministerium der DDR.
Aber der ist doch tot – denkt Berkoff. Bis Gold nach 27 Jahren wieder auftaucht. Jetzt sieht Berkoff die Chance seines Lebens gekommen und wird in einen Strudel hineingezogen, der ihn fast das Leben kostet. Denn nicht nur eine alte Stasi-Connection, sondern auch der BND ist hinter den Dateien her. Und da ist auch noch Hannah, Walter Golds Tochter, die mehr weiß, als ihr bewusst ist.

REZENSION:

Lucas Grimm ist das Pseudonym eines Drehbuchautors und “Nach dem Schmerz” ist dessen Thriller-Debüt.
In diesem Werk kommen zwei sehr unterschiedliche Protagonisten zusammen: Zum einen der doch mittlerweile recht abgehalfterte Journalist Berkoff und zum anderen Hannah Gold, eine gefeierte Cellistin und gleichzeitig Tochter Walter Golds, der ehemalige und für tot erklärte Staatssekretär der früheren DDR.
“Nach dem Schmerz” beginnt bereits im Prolog sehr rasant – bereits im ersten Satz befinden wir uns mitten in einer Folterszene. Dabei lernen wir auch kurz die junge Hannah Gold kennen, um dann ab dem ersten Kapitel einen Zeitsprung in unsere heutige Gegenwart vor zu nehmen.
Lucas Grimms Debüt ist außerordentlich gut recherchiert und sehr eingängig erzählt. Natürlich handelt es sich um einen Thriller, der den üblichen Wegen des Genres folgt und dabei keinen Ausbruch in seitliche Pfade versucht. Nichts desto trotz macht “Nach dem Schmerz” ziemlich viel Spaß beim Lesen. Grimm hat dabei nicht nur auf sehr glaubwürdige und teils reale Begebenheiten der früheren DDR geachtet, sondern – insbesondere – die Cellistin inklusive ihrer Musik und ihrer Auftritte zu einem wahren Leben innerhalb zweier Buchdeckel verholfen. Als Leser kann man fast nicht mehr anders, als klassische Musik erklingen zu lassen – insbesondere Bach wäre der Tipp zu diesem Buch – und damit klanglich untermalt über die Seiten dieses rasanten Thrillers zu hetzen.
Man kann nicht sagen, dass “Nach dem Schmerz” ein absolutes Thrillerhighlight ist. Nein, aber es ist ein sehr unterhaltsames und recht spannend erzähltes Debüt, dessen Inhalt besonders bei Personen, die noch die Zeit vor und nach 1989 kennen gelernt haben, seine Wirkung entfaltet. Nebenbei fügt Grimm seine musikalischen Elemente aus der Klassik wie einen roten und dabei detailliert ausgebreiteten Faden durch seine komplette Geschichte. Hierdurch erhielt dieser klassisch erzählte Thriller eine kleine Besonderheit, die wahrlich Freude bereitet und für unterhaltsame Stunden sorgt. Dadurch kann man getrost ab und an das ein oder andere Auge mal zudrücken und der Entwicklung sowie der Auflösung dieses spannenden Katz- und Mausspiels folgen.
Kurzum: Ein recht interessanter und guter Thriller für einige spannende Lesestunden. Gleichzeitig ein sehr gutes Debüt – mal sehen, ob der Autor weiterhin von sich hören lässt.
Jürgen Seibold/30.04.2017
Nach dem Schmerz: Thriller (David Berkoff, Band 1) – KAUFEN BEI AMAZON

Patrick S. Tomlinson: The Ark – Die letzte Reise der Menschheit

Originaltitel: The Ark
Aus dem Englischen von Markus Mäurer
Deutsche Erstausgabe April 2017
© 2016 Patrick S. Tomlinson
© 2017 Knaur Verlag
ISBN 978-3-426-52048-2
ca. 416 Seiten

COVER:

Seit 100 Jahren ist das gewaltige Generationenraumschiff “The Ark” mit den letzten 50.000 Menschen unterwegs ins Sonnensystem Tau Ceti. Das Leben an Bord ist streng reglementiert, jeder Bewohner über ein Implantat jederzeit zu orten. Dennoch verschwindet der brillante junge Wissenschaftler Edmond Laraby spurlos – und wird kurz darauf tot an der Außenhülle des Schiffs gefunden. “Selbstmord” heißt es von offizieller Stelle, doch Detective Bryan Benson entdeckt mehr und mehr Ungereimtheiten: Was hat es mit den Aufnahmen von Tau Ceti auf sich, die Laraby ausgewertet hat? Und wie hängt eine geheime Organisation, deren Mitglieder sich der Überwachung entzogen haben, in der Sache mit drin?

REZENSION:

Die grundsätzliche Idee – die Menschheit befindet sich auf dem Weg in ein anderes Sonnensystem – gibt es ja bereits in einer nicht mehr zu zählenden Vielfalt im Genre der Science Fiction-Bücher. Interessanterweise können viele Autoren dem immer wieder etwas neues abgewinnen und somit auch den Leser einige Stunden in ferne Welten entführen.
Bei Tomlinsons THE ARK erhoffte ich erneut genau dieses Gefühl – der Plot scheint ja ausreichend interessant zu sein.
Wie sich dabei herausstellte, handelt es sich bei THE ARK eigentlich um einen recht normalen Krimi, der einfach nur in die Weiten des Weltraums verlagert worden ist. Nun bin ich nicht gerade dafür bekannt, Krimis recht gerne zu mögen – durch die interessante Umgebung war ich dennoch ausreichend motiviert, dieser Story bis zum Ende zu folgen.
Tomlinson schreibt dabei sehr flüssig und eingängig. Sein Detective bleibt dennoch etwas oberflächlich und manchesmal macht es sich der Autor doch recht einfach in der Lösungsfindung. Eine Wissensvermittlung z.B. per “Das hab ich mal in einer Doku gesehen” ist doch etwas dünn in seiner Ausarbeitung – oder soll ich öfter Dokus anschauen, um auch ein guter Detective zu werden?
Nun ja, die Geschichte treibt dennoch einigermaßen unterhaltend voran und ich könnte mir sehr gut vorstellen, dass hiermit einige Krimifans auch ihren ersten Schritt in die Welt der Science Fiction machen könnten. THE ARK bietet aber auch nicht wirklich mehr – ein klassischer Krimi mit einem kuriosen Todesfall in einer interessanten Weltraumumgebung und dem stringenten Weg zur Auflösung.
Nicht schlecht, aber auch kein Werk der besonderen Art.
Jürgen Seibold/30.04.2017
The Ark – Die letzte Reise der Menschheit: Roman – KAUFEN BEI AMAZON

Robert Corvus: Feuer der Leere

© Piper Verlag GmbH, München/Berlin 2017
ISBN 978-3-492-70439-7
ca. 495 Seiten

COVER:

Der Weltraum der Zukunft kennt keine Gnade. Die letzten Menschen ziehen in Großraumschiffen durch die Galaxis, ihr Leben geprägt vom ständigen Kampf um Ressourcen mit anderen Spezies. Ihre größten Feinde, die Giats, jagen sie erbarmungslos.
Rila und Starn sind Geschwister, aber außer ihrem Wunsch, das Überleben ihrer Spezies zu sichern, verbindet sie wenig. Während sich Rila als Kampfpilotin einen Namen macht, hat sich Starn von seiner Militärkarriere abgewandt. Als Xenofarmer versorgt er die Flotte mit Nahrungsmitteln. Dazu müssen die Menschen auf Cochada zwischenlanden, einem Planeten, der überraschende Ähnlichkeit zur Erde aufweist. Doch was bedeutet dieser Kontakt für die Bewohner des Planeten – ihren Untergang oder eine Blüte ihrer Zivilisation? Und noch während die Menschen um ihre Existenz kämpfen, ereignet sich auf der SQUID, dem einzigen außerirdischen Raumschiff der menschlichen Flotte, Unglaubliches. Denn die SQUID ist eine riesige Lebensform und Ugrôn, ein Besatzungsmitglied und Jünger des Void, lauscht auf den Gesang des Schiffes in seinem Fleisch. Er betritt einen Pfad, den niemals zuvor ein Mensch bestritten hat.

REZENSION:

FEUER DER LEERE von Robert Corvus startet bereits am Anfang mit einer detailliert beschriebenen Raumschlacht zwischen den Menschen und ihren Widersachern, den Giats. Bereits hier lernt man die erste Protagonistin kennen und man ist erfreut ob ihres Wagemuts.
Bereits hier erkennt man die Liebe des Autors zum Detail. Davon lässt er auch nicht los und lässt eine unwahrscheinlich interessante Welt vor des Lesers Augen entstehen. Man ist schier geplättet von dieser liebevoll und bis ins kleinste Detail gezeichnetem Umgebung in den tiefen Welten des Universums.
Sämtliche Raumschiffe und ganz besonders die SQUID – ein von den Menschen genutztes, außerirdisches und lebendes Raumschiff – zeugt von dem Ideenreichtum Robert Corvus.
Dies trifft auch auf seine wichtigsten Darsteller zu. Interessanterweise handelt es sich dabei hauptsächlich um drei Personen: Die wagemutige Rila, ihr Bruder Starn, der sich vom Militär abgewandt hatte und Ugrôn, ein Passagier auf der SQUID, der auf nahezu unbeschreibliche Weise eine ganz besondere Rolle in Verbindung mit dem Raumschiff eingeht.
Nebenbei handelt es sich bei dem aus mehreren Raumschiffen bestehenden Schwarm um die kläglichen Reste der gesamten Menschheit, die durch die Welten reisen, um ihr eigenes Überleben zu sichern.
Prinzipiell somit ein sehr interessanter Plot mit allen notwendigen Zutaten, die man dafür benötigt: Weltraumkämpfe, verschiedene Lebensformen, unterschiedlichste Welten, atemberaubende Raumschiffe und immer auf der Suche nach einer Möglichkeit, der eigenen Spezies eine Zukunft zu bieten.
Nun ist es aber leider so, dass Robert Corvus zwar diese genialen Zutaten entwickelte und sehr detailliert in diesem beinahe 500 Seiten langen Plot einbaut – dabei aber ein wenig zu sehr seine Personen auf der Strecke lässt. Die Geschichte wird somit zu einer Geschichte ohne wirklichem Antrieb durch seine Protagonisten und deren Erlebnissen. Sicher, es ist sehr interessant zu lesen, welchen Einfluss die SQUID auf Ugrôn nimmt – hier könnte man durch den dezenten Touch einer Religion auch den auf dem Buchrücken befindlichen Vergleich zu dem fulminanten Klassiker DER WÜSTENPLANET ziehen. Nichts desto trotz hatte DER WÜSTENPLANET trotz seines starken philosophischen Ansatzes erheblich mehr Drive in der eigentlichen Geschichte. FEUER DER LEERE würde man abbrechen, wäre da nicht die detailreiche Zeichnung der jeweiligen Umgebung. Irgendwie konnte mich diese immer wieder dazu antreiben, dieses Buch weiter zu lesen und gar zu beenden. Es blieb aber trotzdem ein leeres Gefühl, den irgendetwas fehlte einfach, um eine in sich treibende Story zu erkennen.
Man könnte fast sagen, eine Geschichte ohne wirkliche Geschichte, die aber interessanterweise wohl trotzdem bei manchem funktionieren könnte.
Ich persönlich bin immer noch ein wenig irritiert, denn zum einen ziehe ich vor diesem Autor wahrlich meinen Hut, denn der Schreibstil und das großartige Ausschweifen und die sehr detaillierte Zeichnung ist auf einem sehr hohen Niveau und lässt den Leser in die beschriebene Welt problemlos eintauchen – zum anderen fehlte mir einfach der wirkliche Plot, um dieses Werk in gebührender Erinnerung zu behalten.
Hier wäre somit etwas weniger Detail, dafür mehr Story sicher besser gewesen.
Jürgen Seibold/30.04.2017
Feuer der Leere: Roman – KAUFEN BEI AMAZON