C.K. McDonnell: The Stranger Times

Originaltitel: The Stranger Times
Übersetzung aus dem Englischen von André Mumot
©2021 by C.K. McDonnell
Für die deutschsprachige Ausgabe:
©2021 by Bastei Lübbe AG, Köln
ISBN 978-3-8479-0090–0
ca. 462 Seiten

COVER:

Dunkle Kräfte sind am Werk – und The Stranger Times geht ihnen auf den Grund. Die Wochenzeitung ist Großbritanniens erste Adresse für Unerklärtes und Unerklärliches. Zumindest behauptet sie das …
Gleich in Hannahs erster Arbeitswoche bei der Zeitung kommt es zu einer skurrilen Tragödie, und The Stranger Times muss tatsächlich investigativen Journalismus betreiben. Hannah und ihre Kollegen sind schockiert: Einige der Geschichte, die sie zuvor selbst als Unsinn abgetan hatten, sind furchtbar real.

The Stranger Times ist der Auftakt zu einer furiosen Trilogie. Feinster britischer Humor gepaart mit einer mysteriösen Spurensuche, angeführt von einer jungen Frau, die ihr altes Leben hinter sich lassen will.

REZENSION:

The Stranger Times ist eine Wochenzeitung, die sich mit den Unerklärlichen Dingen befasst. Somit kann man hierin etwas über die kuriosesten Erlebnisse lesen. Dabei schreckt die Zeitung weder von einem in einen Menschen hineingefahrenen David Bowie ab, um ein neues Album aufzunehmen, noch von irgendwelchen Außerirdischen oder eine um die Häuser ziehende Nessie. Eine Wochenzeitung also, die sicherlich viel Spaß beim Lesen bereitet, es aber bestimmt mit der tief gehenden Recherche nicht ganz so ernst nimmt.
Hannah – in Trennung lebende Frau, die sich nun selbst um ihren Unterhalt kümmern möchte – bewirbt sich dort und wird am Ende eines sehr irritierenden Einstellungsgesprächs prompt genommen. Sie ist nun stellvertretende Chefredakteurin und muss sich gemeinsam mit dem verrückt wirkenden Vorgesetzten namens Banecroft um die Zukunft der Zeitung kümmern.
Eines Tages wird ein ihnen bekannter Journalistenanwärter tot aufgefunden. Die Polizei geht von Selbstmord aus – die Kollegen der Stranger Times sehen das anders. Somit sind sie nun auf ernsthafte Journalistentätigkeit angewiesen, um den ihrer Meinung nach vorherrschenden Mord aufzuklären. Interessanterweise scheinen die Umstände des Mordes jedoch uneingeschränkt in die Welt der Geschichten der Stranger Times zu passen …
Man erkennt sehr deutlich, dass The Stranger Times von einem Stand-up-Comedian geschrieben worden ist. Die Geschichte macht von Anfang an Spaß, konnte bereits den ersten Pflock im Prolog einsetzen und spätestens nach dem ersten Kapitel war es um mich geschehen. Sämtliche Mitarbeiter der Stranger Times sprechen für sich und stellen sich als rundum kuriose Geschöpfe dar, die man aufgrund deren individualistischen Auftretens einfach nur ins Herz schließen kann. Ganz vorne dabei natürlich die Hauptdarstellerin Hannah, die sich gegenüber dem verrückt wirkenden Banecroft behaupten muss und dies auch recht schnell zu schaffen scheint. Banecroft selbst zeigt sich als Chef, den man sicher nicht haben möchte – im Laufe der Story zeigt sich dennoch, dass er auch ein Herz zu haben scheint.
McDonnell’s The Stranger Times ist ein Buch vollgepackt mit Ironie, kuriosen Gegebenheiten und einem durchgehenden Augenzwinkern. Ein Buch, welches von Anfang an schlicht und einfach Freude bereitet und sich selbst dabei nicht allzu ernst nimmt.
In meinen Augen ein wahrer Pageturner mit einer rasanten Geschichte, eingängig erzählt und voller sympathischer Teilnehmer, deren Auftreten sehr ungewöhnlich ist. The Stranger Times ist ein Buch, welches mich erfreulicherweise überraschen konnte. Insbesondere zu Anfang glänzt es ganz deutlich und ich kann mir nur schwer vorstellen, wie McDonnell in den beiden noch folgenden Bänden dieses Niveau aufrechterhalten möchte. Insbesondere, da nun der anfängliche Überraschungseffekt abgehakt ist und die Personen ihre Rollen eingenommen haben. Ich lasse mich jedoch gerne davon erneut überraschen und freue ich dementsprechend auf die nächsten beiden Bücher dieser sehr kuriosen und humorvollen Trilogie.
hysterika.de / JMSeibold / 01.01.2022

Hallo Weiss, Michael E. Harter, Thomas Dietz: Das Achtsamkeitsbuch

©2010/2019 by J.G. Cotta’sche Buchhandlung Nachf. GmbH, gegr. 1659, Stuttgart
ISBN 978-3-608-96458–5
ca. 346 Seiten

COVER:

Achtsamkeit bereichert unser Leben durch mehr Balance, Erfüllung und das Glück der Zufriedenheit. Auf der Basis langjähriger Erfahrung zeigen die Autoren praxisnah, wie Achtsamkeit im täglichen Leben zu einem freundlicheren, mitfühlenden und fürsorglichen Umgang mit sich selbst beitragen kann. Die Neuausgabe enthält für beratende und heilende Berufe wertvolle neue Forschungsergebnisse und ein Kapitel über ethische Aspekte der Achtsamkeitspraxis.

REZENSION:

„Das Achtsamkeitsbuch“ der Autorengruppe Weiss, Harrer und Dietz zeigt sich als umfangreiches Standardwerk mit einer Vielzahl an Übungen und einem umfangreichen Einsatzspektrum. Das Buch ist geteilt in „Achtsamkeit im täglichen Leben“, „Achtsamkeit im Umgang mit der Innenwelt“ und „Achtsamkeit in Psychotherapie und Coaching“. Dementsprechend zeigt es sich beinahe als Werk für Studierende in diesem Bereich. Durch die geschickte Einfügung nachvollziehbarer und lebendiger Beispiele wird dies erfreulich geschickt aufgelockert. Der letztgenannte Bereich ist dabei für Personen ohne Bezug zur Psychotherapie eher als trocken zu betrachten, dennoch ergeben sich auch hier interessante Aspekte.
Als Einstiegswerk in diese Thematik würde ich das Buch nicht unbedingt empfehlen, da es dazu andere Werke gibt, die sich leichter herunterlesen lassen und somit geschickter als Einstiegsdroge in die Welt der Achtsamkeit sind. Ist man über diesen Status hinaus und man möchte stärker in die Tiefe der aktuellen Erkenntnisse zum Thema Achtsamkeit eintauchen, ist man hier genau richtig. Darüber hinaus sind sehr viele Übungen aufgeführt, wodurch das Buch auch nach dem Lesen weiterhin als Nachschlagewerk fungieren kann.
Alles in allem ein Buch für den Personenkreis, der sich im Detail mit diesem sehr wertvollen Thema befassen möchte. Insbesondere, wenn einem die westliche Sichtweise wichtig zu sein scheint. Diese ist zwar nicht allzu weit von den östlichen Ursprüngen entfernt, jedoch etwas weniger sinnstiftend aufgeladen und somit vielleicht für den ein oder anderen Leser besser greifbar als die Welt des mythologisch aufgeladenen Zen, welches mir wiederum besser gefällt.
hysterika.de / JMSeibold / 27.12.2021

Stuart Turton: Die sieben Tode der Evelyn Hardcastle

Originaltitel: The Seven Deaths of Evelyn Hardcastle
Aus dem Englischen von Dorothee Merkel
©2018 Raven Books
Für die deutsche Ausgabe:
©2019 by J.G. Cotta’sche Buchhandlung Nachf. GmbH, gegr. 1659, Stuttgart
ISBN 978-3-608-50421–7
ca. 605 Seiten

COVER:

Familie Hardcastle lädt zu einem Ball auf ihr Anwesen Blackheath. Alle Gäste amüsieren sich, bis ein fataler Pistolenschus die ausgelassene Feier beendet.
Evelyn Hardcastle, die Tochter des Hauses, wird tot aufgefunden. Unter den Gästen befindet sich jemand, der mehr über diesen Tod weiß, denn am selben Tag hat Aiden Bishop eine seltsame Nachricht erreicht: „Heute Abend wird jemand ermordet werden. Es wird nicht wie ein Mord aussehen, und man wird den Mörder daher nicht fassen. Bereinigen Sie dieses Unrecht, und ich zeige Ihnen den Weg hinaus.“ Tatsächlich wird Evelyn nicht nur ein Mal sterben. Bis der Mörder entlarvt ist, wiederholt sich der dramatische Tag in Endlosschleife. Doch damit nicht genug: Immer, wenn ein neuer Tag anbricht, erwacht Aiden im Körper eines anderen Gastes und muss das Geflecht aus Feind und Freund neu entwirren. Jemand will ihn mit allen Mitteln davon abhalten, Blackheath jemals wieder zu verlassen.

REZENSION:

Nach dem grandiosen „Der Tod und das dunkler Meer“ von Stuart Turton entschied ich mich dazu, seinen an mir vorbeigegangenen Debütroman noch nach zu holen. Immerhin zeigte bereits ein Blick auf die Storyline von „Die sieben Tode der Evelyn Hardcastle“, dass es sich hier wohl nicht um einen typischen Allerweltskrimi zu handeln scheint.
Im Gegenteil: Der Plot ist außergewöhnlich interessant und zeugt von einem sehr hohen und kreativen Einfallsreichtum des Autors. Gut, ähnliche Ideen gab es schon in anderen Ausführungen – nichts desto trotz kann ich mich nicht daran erinnern, diese hier entstandene Mischung bereits anderseits gelesen zu haben. Das vorliegende Buch zeigt die Jagd nach einem Mörder. Der Jäger ist jedoch alles andere als ein typischer Ermittler, denn es geht vielmehr darum, diesen Fall zu lösen, damit Aiden Bishop das täglich wiederkehrende Szenario beenden darf. Solange dies nicht geschieht, befindet er sich in einer Endlosschleife und ist sich dessen vollumfänglich bewusst.
Erschwerend kommt hinzu, dass er sich nicht nur alleine auf die Suche macht, sondern auch in anderen Körpern/Personen aktiv werden muss. Eine interessant klingende Möglichkeit, die jedoch in der Fülle zu Problemen und gedanklichen Irritationen führt.
„Die sieben Tode der Evelyn Hardcastle“ ist durchweg geschickt und hochinteressant konstruiert – dennoch konnte mich „Der Tod und das dunkle Mehr“ eher für mich begeistern. Dies liegt vor allem an der komplizierten Bauweise des Romans, für den man sich zum einen am Besten gleich mehrere Lesestunden pro Session Zeit nimmt und noch besser: man sich ein Notizbuch daneben legt, damit man noch nachvollziehen kann, wo und in wem man sich gerade befindet. Turton springt stark in seinen Zeitfenstern umher und somit befindet man sich urplötzlich nach Tag 7 wieder in Tag 2 und zurück.
Somit definitiv kein Roman zum kurz mal weg lesen – vielmehr ein hochwertig konstruierter Plot, der ein wenig den Flair alter Agatha Christie Romane verströmt und nebenbei phantastische Elemente zu integrieren weiß. Ein Buch für Kenner mit der Möglichkeit, konzentriert einem Plot folgen zu können.
hysterika.de / JMSeibold / 27.12.2021

Jussi Adler-Olsen: Natrium Chlorid

Originaltitel: Natrium Chlorid
Aus dem Dänischen von Hannes Thiess
Originalausgabe 2021
2021 dtv Verlagsgesellschaft mbH & Co. KG, München
©2021 Jussi Adler-Olsen / All rights reserved / J.P. / Politikens Forlagshus A/S, Kopenhagen
ISBN 978-3-423-28280–2
ca. 528 Seiten

COVER:

Der Selbstmord einer Frau an ihrem 60. Geburtstag führt zur Wiederaufnahme eines ungeklärten Falls aus dem Jahr 1988, der Marcus Jacobsen damals mit seinem besten Ermittler Carl Mörk zusammengebracht hat. Seit über drei Jahrzehnten fallen Menschen einem gerissenen Killer zum Opfer, der tötet, ohne dass ihm ein Mord nachgewiesen werden kann. Er wählt Opfer und Todeszeitpunkt mit Bedacht und Präzision.
Hinrichtungen werden als Unfälle oder Suizide getarnt, doch auch Selbstjustiz ist nicht auszuschließen, sein Motiv scheint jedes Mittel zu rechtfertigen. Sollte Carl die Logik des Killers richtig deuten, ist mit dem nächsten Mord schon binnen weniger Tage zu rechnen.

Und währen die Corona-Maßnahmen die Ermittlungsarbeiten des Sonderdezernats Q zusätzlich erschweren, bewegt sich ein alter Fall auf Carl zu wie eine Giftschlange, die Witterung mit ihrer Beute aufgenommen hat …

REZENSION:

„Natrium Chlorid ist nun bereits der neunte Fall für das Sonderdezernat Q, welches sich seit band 1 von Jussi Adler-Olsen um längst vergessene Fälle kümmert. Da die Bücher zumindest auf der persönlichen Ebene der Dezernatsmitglieder aufbauen, sind einem Leser der ersten Stunde natürlich alle Eigenheiten des Teams bekannt. Neueinsteigern könnte es ein wenig schwer fallen, hier ausreichenden Zutritt bekommen zu können – es spricht aber nichts dagegen, einfach mit Fall 1 anzufangen.
Das Team ist mittlerweile sehr eng zusammengewachsen und jeder steht wie eine Front für den anderen ein. Auch im neuesten Band zeigt sich der herausragende Ideenreichtum Adler-Olsens dar, denn seine Fälle sind nahezu alle aus vergangenen Zeit, jedoch mit der Gegenwart verwoben. Dadurch ermittelt das Team nicht nur in längst vergessenen Akten, sondern schafft es das durch zumeist auch einen aktuellen Fall mit zu lösen.
Der Schreibstil ist weiterhin herausragend und sehr eingängig. Man fühlt sich sofort wieder mitten drin in der Sonderdezernat-Tätigkeit – dies, obwohl es nun doch einige Zeit bis zum neunten Fall gedauert hat. Der Fall selbst ist ebenfalls sehr eigenständig und geschickt konstruiert. Lediglich in der Ausarbeitung hinkt Band neun den vorangegangenen Bänden nach. Bisher gab es sehr viele Spannungseffekte, tief gehende Erlebnisse und geschickt platzierte Thriller-Elemente. Natrium Chlorid ist gut erzählt, lässt diese hohe Qualität dennoch etwas missen. Somit zeigt sich das aktuelle Werk von Adler-Olsen als sehr guter Krimi, der jedoch im Fahrwasser anderer Standardkrimis diese lediglich begleitet – seine anderen Werke übernahmen das Steuer und zeigten der Konkurrenz, wie man spannend erzählte Krimis konstruiert und erzählt. Natrium Chlorid ist natürlich weiterhin ein ganz guter Kriminalroman – nichts desto trotz in Hinblick auf die Sonderdezernat Q-Reihe einer der Schwächeren davon.
hysterika.de / JMSeibold / 11.12.2021

Robin S. Sharma: Der Mönch, der seinen Ferrari verkaufte

Originaltitel: The Monk Who Sold His Ferarri.
Aus dem Amerikanischen von Bernardin Schellenberger
Neuausgabe 2019
©1997 by Robin S. Sharma
©2007 by Knaur Verlag, München
ISBN 978-3-426-87840–8
ca. 208 Seiten

COVER:

Nach einer schweren Herzattacke trennt sich der Staranwalt Julian Mantle von seinem hart erarbeiteten Luxusleben.
Statt nach einer Kur in den Alltag zurückzukehren, reist Julian in den Himalaya, um sich in einem Kloster den Grundfragen des Lebens zu stellen. Eine Gruppe von Mönchen lehrt ihn dort das Geheimnis des Glücks: durch Selbstdisziplin den eigenen Geist zu kultivieren, seine Träume in die Tat umzusetzen und jeden Tag die Fülle des Lebens auszukosten.

REZENSION:

Wenn man sich mit Achtsamkeit beschäftigt und selbst vermehrt die Gedanken in diese Themenwelt zu richten beginnt, kommt man fast nicht an „Der Mönch der seinen Ferrari verkaufte“ vorbei. Robin S. Sharma erzählt anhand einer Geschichte, was den Inhalt im Gegensatz zu klassischen Sachbüchern sehr greifbar und nachvollziehbar macht. Im vorliegenden Buch erzählt er die Geschichte eines Staranwalts, der plötzlich einen Herzinfarkt bekommt und danach sein Leben komplett umkrempelt. Dabei landete er im Kloster und fand das Geheimnis zum Glück. Über das direkte Klosterleben erfahren wir nur wenig, da die Geschichte hauptsächlich die Weitergabe des Wissens von Julian an seinen damaligen Kollegen John, da sich dieser noch auf der falschen Fährte befindet und sein Leben dem Working-around-the-clock widmet.
Die Wege zum Glück sind dabei nachvollziehbar und mit ein wenig Achtsamkeit und persönlicher Anstrengung auch erreichbar. Man muss es nur wollen und sich dementsprechend verhalten. Das eigene Wohl ändert sich auch nach diesem Buch  nicht, da der Genuß eines Buches dies nicht leisten kann. Was dieses Buch aber leisten kann, ist die Darstellung der Möglichkeiten und wenn man sich darauf einlässt und man sich dementsprechend verhält, dann entwickelt sich auch eine andere Perspektive. Im nächsten Schritt erkennt man urplötzlich, dass die tägliche Hetze nur partiell Sinn macht und es in jedem steckt, dort etwas ändern zu können.
Man kann Konzepte wie dieses in diesem Buch ignorieren und verteufeln – funktionieren werden sie nur, wenn man sich ihnen stellt und man es selbst möchte. „Der Mönch, der seinen Ferrari verkaufte“ kann hier eine Hilfestellung anbieten und diese wiederum ist in diesem Buch sehr gut verpackt. Ein zum Nachdenken und eben auch zum Umsetzen anregendes Werk, dessen Inhalt im schlimmsten Fall bei Umsetzung für eine bessere Welt sorgt, da gewisse Dinge einfach weniger Wertigkeit besitzen und das persönliche Mehrwert gewinnt.
Eine Fundgrube für alle, die sich dem Pfad der Achtsamkeit zuwenden wollen oder sich darauf bereits befinden.
hysterika.de / JMSeibold / 08.12.2021

Joe Keohane: Strangers

Strangers von Joe Keohane

Originaltitel: The Power of Strangers. The Benefits of Connecting in a Suspicious World.
Ins Deutsche übertragen von Jürgen Neubauer
Deutsche Erstauflage November 2021
© 2021 by Wilhelm Goldmann Verlag, München
ISBN 978-3-442-31557–4
ca. 414 Seiten

COVER:

Als Joe Keohane eines Nachts mit einem Taxifahrer ins Gespräch kam, überraschte es ihn selbst, als wie bereichernd er diese Begegnung empfang. Und er fragte sich: Warum rede ich eigentlich so ungern mit Fremden? Aus Angst oder Schüchternheit, aufgrund von Vorurteilen?

In „Strangers“ liefert Keohane eine hochspannende Kulturgeschichte des Fremden, von den alten Griechen bis ins Mittelalter, von der Industrialisierung zu erstarktem Rassismus und Nationalismus heute. Was passiert, wenn wir mit Unbekannten in Kontakt treten und Brücken bauen, statt Gräben zu vertiefen?
Die gelingende Gemeinschaft ist eine der größten gesellschaftlichen Herausforderungen unserer heutigen Zeit. Nach Gesprächen mit Experten und intensiven Recherchen ist Keohane überzeugt: „Miteinander zu sprechen ist nicht nur eine Frage dessen, wie wir leben wollen – sondern wie wir überleben können.“

REZENSION:

Joe Keohane legt mit “Strangers“ eine interessante Abhandlung vor, die sich vordergründig mit einem einfachen Thema beschäftigt – gleichzeitig ist sich sicher fast jeder über die Schwierigkeit der Kontaktaufnahme mit „Fremden“ bewusst.
Mit „Fremden“ sind hier in diesem Werk nicht Ausländer gemeint, sondern einfach eine uns unbekannte Person – somit gänzlich unabhängig von Hautfarben, Herkunftsländern, Status, etc. Hierdurch bekommt das Buch eine gewisse Stärke, da es über Grenzen hinweg hilft und kein Lernwerk für angehende Rassisten darstellt. Einfach mit nicht bekannten Menschen reden? Es klingt so einfach und kann dennoch so schwer sein. Bereits beim normalen Grüßen fremder Menschen bekommt man oft genug verwirrend wirkende Gesichter zu sehen. Ab und an erhascht man jedoch ein zaghaften „Hallo“ oder „Grüß Gott“, gepaart mit einem Lächeln. Allein dafür lohnt es sich schon mal – dennoch gibt es den Gegenpart an Menschen, bei denen man während einer Kontaktaufnahme bereits das Gefühl bekommt, die Person klappt schon vorsorglich das Messer in der Hosentasche auf. Aus diesem Grund halte ich viele angesprochenen Vorgänge in „Strangers“ für mindestens schwierig oder mutig in ihrer Umsetzung. Der Erfolg scheint aber für den Autoren zu sprechen und ich denke, bereits einige wenige Schritte in diese Richtung mit einer gewissen Abschätzung des Gegenübers können sehr interessante Gespräche zur Folge haben.
Joe Keohane zeigt jedoch nicht nur Möglichkeiten der Kontaktaufnahme, sondern geht auch oft auf eine philosophische Ebene, die sehr interessant dargeboten wird.
„Strangers“ ist gut lesbar und hinterlässt zumindest einige spannende Ansätze. Darüber hinaus regt es zum Nachdenken an und lässt einen selbst ein klein wenig über verloren gegangene Kommunikation philosophieren. So weit ich mich erinnere, grüßten meine Großeltern grundsätzlich jeden, der ihnen entgegen kam. Allein an dieser Kleinigkeit könnte man bereits arbeiten und die Welt wäre ein klein wenig schöner.
Einige Aspekte halte ich für etwas abwegig – dennoch werden sie vom Autor gut dargelegt und scheinen zu funktionieren. Alles in allem ein recht interessantes Buch mit spannenden Impulsen, die das „Fremde“ abbauen möchten und können, falls man ein klein wenig die genannte Richtung einschlägt. Darüber hinaus besitzt das „Fremde“ nicht wirklich viel Gefahr – man muss nur offen sein und Vorurteile beiseite schieben.
hysterika.de / JMSeibold / 06.12.2021

Theresa Leisgang und Raphael Thelen: Zwei am Puls der Erde

Originalausgabe Mai 2021
© 2021 by Wilhelm Goldmann Verlag, München
ISBN 978-3-442-31596–3
ca. 316 Seiten

COVER:

Eine Reise um die Welt und zu sich selbst

Die Angst vor der Klimakrise überschattet immer mehr ihren Alltag. Deshalb brechen Theresa Leisgang und Raphael Thelen zur größten Reise ihres Lebens auf: von Südafrika bis zum nördlichen Polarkreis, 20.000 Kilometer über Land, einmal quer durch alle Klimazonen. Sie wollen herausfinden: Wie gehen Menschen schon heute mit der Klimakrise um? Und was können wir tun? Doch bald zwingt die Pandemie sie zur Einsicht, dass nicht nur das Klima kollabiert, und die beiden begreifen, dass sie selbst Teil des patriarchalen Systems sind, das so viele globale Krisen verursacht. Ein Weiter-so ist keine Option mehr, stattdessen entdecken sie auf ihrer Reise neue Handlungsmöglichkeiten und kehren schließlich mit einer Antwort zurück, die ihr Leben für immer verändert.

REZENSION:

„Zwei am Puls der Erde“ stellte sich mir als Erlebnisbericht da und dementsprechend gespannt war ich auf den Inhalt dieses Werkes von Theresa Leisgang und Raphael Thelen. Ich dachte an eine Weltreise zu den Schauplätzen der Klimakrise mit unmittelbaren Liveberichten über das Leben und Leiden an diesen Plätzen. Somit ein Buch, welches den satten und klimakrisenverweigernden Menschen der oberen Planetenhälfte von den bereits bestehenden Krisen erzählt und bestenfalls davon überzeugt, dass er sich bewusster zu verhalten beginnt.
Genau diesen Ansatz konnte mir das Buch jedoch leider nicht vermitteln. Gut, zu Beginn startete es sogleich sehr interessant und auf dieser Ebene – von Corona gestört, verlagerte sich das Geschehen schnell zurück nach Deutschland und man begleitete die beiden Erzähler eher bei ihren Versuchen, die negativen Erlebnisse und Nachrichten zu bewältigen, da sie sehr von allen Umständen berührt worden zu sein scheinen.
Prinzipiell spricht nichts gegen so eine Vorgehensweise und die erzählerische Darbietung ist auch recht eingängig und locker – dennoch hatte ich mir definitiv erheblich mehr erwartet. Wie gesagt, hätte ich gerne die beiden auf ihren Reisen begleitet und dabei eine Menge über die Krise aus anderen Sichtweisen gelernt. Der Ansatz war vorhanden, das Durchhaltevermögen in diese Richtung leider nicht. Schade, da ein Buch dieser Art definitiv notwendig wäre, um einige weitere Menschen von der Klimakatastrophe überzeugen zu können.
hysterika.de / JMSeibold / 05.12.2021

Nancy Kline: Time To Think

Originaltitel: Time to Think. Listening to Ignite the Human Mind
Aus dem Englischen von Renate Graßtat
© 2016 der deutschsprachigen Ausgabe by Rowohlt Verlag GmbH, Reinbek bei Hamburg
© 1999 by Nancy Kline
ISBN 978-3-499-63179–5
ca. 318 Seiten

COVER:

BESSER KOMMUNIZIEREN,
ANDERS ZUHÖREN,
MEHR ZIELE ERREICHEN!

NANCY KLINE hat eine Methode entwickelt, mit deren Hilfe wir unsere Art zu denken und zu kommunizieren radikal verbessern können – und damit auch unsere Art zu leben und zu arbeiten. Gutes, aktives Zuhören ist der Kern dieser Methode. In ihrem Buch zeigt sie, wie wichtig es in einer Zeit stetigen Wandels ist, Menschen dabei zu unterstützen, unabhängig und selbständig zu denken und in Teams eine wertschätzende Kommunikationsatmosphäre zu schaffen.
Mit ihren praxisnahen Strategien, die in beruflichen ebenso wie in privaten Situationen angewendet werden können, kann jeder neue Möglichkeiten der Zusammenarbeit und des Zusammenlebens schaffen.

REZENSION:

TIME TO THINK ist ein sehr eingängiges Buch über etwas sehr banal wirkendes: Die Kommunikation. Nahezu jeder ist in der Lage zu kommunizieren – dennoch scheint eine nicht unerhebliche Zahl an Personen exakt diese Grundfähigkeit komplett falsch vorzunehmen und somit aus Sicht der Kommunikationsempfänger den falschen Weg einzuschlagen.
Kommunikation besteht nicht nur aus der verbalen Attacke sondern sollte gefüttert sein mit Mut zum Schweigen, Mut zum Zuhören und ganz besonders dem Mut, einfach mal vorher nach zu denken. Die Welt wäre definitiv eine bessere…
Nancy Kline erfindet das Rad nicht neu – dennoch ist es absolut notwendig, abermals die Grundlagen der menschlichen Kommunikation gesammelt dargereicht zu bekommen. Die Umsetzung ist relativ einfach – man muss sich dem nur stellen und damit beginnen.
Ihre Komponenten sind nachvollziehbar und sollten eine ganz natürliche Eigenschaft inne haben. Dennoch werden sie von einer Vielzahl an Menschen schlicht missachtet, wodurch Irritationen, wenn nicht gar Feindschaften entstehen. Kline spricht von „Eigenständig denken“, „Aufmerksamkeit“, Incisive Questions“, „Gleichheit“, „Wertschätzung“, „Gelassenheit“, „Ermutigung“, „Gefühle“, „Information“, „Ort“ und „Diversität“. Die meisten dieser Punkte wünscht man sich für sich selbst – gibt man sie auch?
Umsetzbar beziehungsweise erlernbar sind sie alle, man muss sich nur darauf einlassen und damit beginnen. TIME TO THINK kann hier sehr unterstützend zur Seite stehen und sorgt für die geschickte Erarbeitung der Autorin für eine erfrischende und dabei lehrreiche Lektüre. Ein Buch, welches man am Besten mehrmals zur Hand nimmt, um die Möglichkeiten durch erneutes Lesen verstärkt aufnehmen zu können.
Schlußendlich ein empfehlenswertes Buch, welches sich problemlos in allen Lebensbereichen als Ratgeber offenbart – unabhängig davon, ob man es für Beruf oder Privatleben verwenden möchte. Denken schadet sicher niemandem…
hysterika.de / JMSeibold / 29.11.2021

Stephen King: The Stand

©1978 by Stephen King
This revised edition first published in Great Britain in 1990 by Hodder and Stoughton
ISBN 978-1-444-72073–0
ca. 1.325 Seiten

COVER:

First come the days of the plague. Then come the dreams.

Dreams that warn of the coming of the dark man. The apostate of death, his worn-down boot heels tramping the night roads. The warlord of the charnel house and Prince of Evil.

His time is at hand. His empire grows in the west and the Apocalypse looms.

REZENSION:

Stephen Kings THE STAND ist eines der frühen Werke des Schriftstellers, der den literarischen Soundtrack meines Lebens geschrieben hat. Stephen King begleitet mich nun schon einen Großteil meines Lebens und ich freue mich auch heute noch immer wie ein kleines Kind auf ein weiteres Werk von ihm.
THE STAND ist dabei ein apokalyptisches Meisterwerk, welches mit dem Ausbruch einer unfassbar schnell tötenden Seuche beginnt und sein Finale in einem beinahe klassisch anmutenden Gut-gegen-Böse-Kampf endet. Dazwischen begegnen wir einer Vielzahl an Persönlichkeiten, die uns von Stephen King mit all ihren Facetten offenbart werden. Dabei lernen wir nicht nur die üblichen Protagonisten kennen, sondern auch sehr detailliert alle Gegenspieler. Kenner des Kingschen Universums werden viele Verknüpfungen zu anderen Werken (insbesondere dem Dunklen Turm) erkennen und somit noch tiefer in seine Welten eintauchen können.
Es hat lange gedauert, bis ich bereit genug war, mich endlich dem englischsprachigen Original widmen zu können. Immerhin benötigt man in einer Fremdsprache erhöhte Konzentration und bei über 1.300 Seiten kommt das erfolgreiche Ziel auch nur langsam in Sichtweise. Nichts desto trotz hat es sich gelohnt und somit konnte mich dieses Werk nach vielen Jahren abermals überraschen, überzeugen und mich für sich begeistern. Gut, mein Lieblingsbuch bleibt unangefochten ES, welches bereits in seiner Originalfassung auf meinem SuB liegt. THE STAND ist dennoch ein großangelegtes Meisterwerk, bei dem sich das Lesen definitiv lohnt. Natürlich gibt es auch hier ein klein wenig zu meckern, da so etwa ab Seite 700 oder 800 gewisse Längen vorhanden sind, die sich erst einige 100 Seiten später wieder zu Gunsten des Antriebs auflösten. Gut, für mich war das der Beweis, dass es nun mit dem Englischen zu funktionieren scheint, denn diesen Gedanken hatte ich bereits damals bei der deutschen, ungekürzten Fassung.
Alles in allem ist es jedenfalls ein durchweg zu empfehlendes Buch, welches mit Sicherheit für eine nicht gerade geringe Anzahl an apokalyptischen Endzeitromanen Pate stand.
hysterika.de / JMSeibold / 28.11.2021

Nicola Bardola: Mercury in München

©2021 by Nicola Bardola
©2021 by Wilhelm Heyne Verlag, München
ISBN 978-3-453-27352–8
ca. 432 Seiten

COVER:

„Ich haben einen Ort gefunden, der sich München  nennt, in dem ich mich unauffällig bewegen kann. Das ist für mich die reinste Entspannung.“
Freddie Mercury

Farrokh Bulsara, besser bekannt als Freddie Mercury, wurde als Komponist und Leadsänger der Rockband Queen zu einem der berühmtesten Frontmänner der Musikgeschichte, dessen Leben auch dreißig Jahre nach seinem viel zu frühen Tod die Menschen fasziniert.

Das Buch Mercury in München legt den Fokus auf die außerordentlichen Jahre in der Isarmetropole von 1979 bis 1985, die für Freddie Freiheit und Lebenslust bedeuten. Nirgendwo sonst kann der geniale Popstar so sehr er selbst sein.
Ohne von den Medien und Verehrer*innen belästigt zu werden, lebt Freddie in München seine Sexualität aus und lässt sich gleichzeitig zu seinem einzigen Soloalbum Mr. Bad Guy inspirieren. In den legendären Musicland Studios in Bogenhausen entstehen neben diesem Album auch mehrere Bandklassiker.

In München lernt er Barbara Valentin kennen. Dieser wichtigen Beziehung wird im Buch nicht weniger Aufmerksamkeit geschenkt als Freddies Münchner Amour fou mit Winnie Kirchberger. Auch das atmosphärisch bedeutende Dreieck München-Montreaux-London wird beleuchtet.

Der Autor Nicola Bardola hat viele Archive durchstöbert und eine ganze Reihe Zeitzeug*innen für das Buch interviewt.
Entstanden ist ein umfassendes Porträt von Mercurys Münchner Jahren, in vielerlei Hinsicht wohl die besten in seinem Leben.

REZENSION:

Schon mal vorneweg: Ich bin zwar ein sehr großer Musikfan, jedoch trafen meine persönlichen Vorlieben eher selten Bands, die sich im Genre Queens befanden. Dementsprechend kannte ich Queen lediglich oberflächlich – insbesondere durch die typischen 80er-Jahre-Songs, die damals im Radio rauf- und runtergespielt worden sind.
Auch wenn ich heute mit einer etwas älter gewordenen Sichtweise verstehen kann, warum Bohemian Rhapsody für sich steht, war es mir damals nicht nur nicht bewusst, nein, ich konnte das Lied auch nicht ausstehen.
Nichts desto trotz sah ich dieses Buch und ich dachte mir, der Bezug auf München könnte ganz interessant sein und das Leben Mercurys etwas anders darstellen, als es übliche, breit angelegte Biografien üblicherweise vornehmen.
Exakt dies war auch der Fall, denn Nicola Bardola geht sehr umfangreich und detailliert auf die Jahre in München ein. Es ist erstaunlich, welches Sog diese Stadt damals hatte und insbesondere, wie offen sie scheinbar für freie Entfaltung auf allen Ebenen stand.
Das Buch ist eine tiefgehende Hommage an diesen sagenhaften Leadsänger und Komponisten, darüber hinaus auch ein Zeugnis über die heutzutage etwas verschlafen wirkende Hauptstadt Bayerns mit ihren verruchten und gleichzeitig spannenden Vierteln, wie man sie heute wohl nur noch schwer zu finden in der Lage ist.
In München konnte sich Freddie unbeschwert auslassen und musste sich nicht dauernd vor allen möglichen Fans, Journalisten und anderen Personenkreisen der aggressiven Art verstecken. Hier konnte er problemlos mit einigen wenigen Leuten zum Chinesischen Turm gehen, zu Fuß in die Bar gehen, mit Freunden und Freundinnen ohne darauf folgende Pressemeldungen die Nächte genießen.
Hier gab es Liebe, Drogen, Alkohol, Freundschaften und ein legendär werdendes Studio, in dem einige der bekanntesten Lieder dieser Band entstanden sind.
Für mich war es absolut neu zu erfahren, dass die Schwulen- und Lesbenszene in München so präsent war – damals war man wohl seiner Zeit voraus, wobei ich mich frage, was geschehen ist, dass man sich da heute so schwer damit tut, dies einfach akzeptieren zu können.
In Bardolas Buch kommen sehr viele Zeitzeugen zu Wort, dabei gibt es nur wenig negatives zu lesen, was für die Präsenz Freddie Mercurys spricht. Bardola hat ein sehr intensives Werk entwickelt, welches nicht nur die Zeit Freddies in München seinem Leser nahebringt, sondern auch den Menschen Freddie Mercury selbst. Darüber hinaus befinden sich im Buch nicht nur dazugehörige Bilder mit Freddie, sondern auch detaillierte Angaben über alle relevanten Örtlichkeiten. Am Anfang des Buches ein kleiner Stadtplan mit Detailansicht und Nennung der wichtigsten Örtlichkeiten, Dadurch lässt sich das Buch auch als Hilfe verwenden, um wahrlich in die Fußstapfen Mercury zu treten – sicherlich sehr interessant, auch wenn es die ein oder andere Bar nicht mehr gibt.
Alles in allem ein Buch, dass auch mich als Nicht-Queen-Fan überzeugen konnte – ich bin mir sicher, dass Queen-Fans hier viel Neues offenbart wird und sie auch den ein oder anderen Platz persönlich besuchen werden. Für Fans ein absolutes Muss, für Interessierte gleichwertig lohnenswert, da es eine Epoche darstellt und nebenbei die Persönlichkeit eines der wichtigsten Frontmänner des Rockbusiness zu zeigen versucht.
hysterika.de / JMSeibold / 14.11.2021

Christian Montag: Du gehörst uns! – Die psychologischen Strategien von Facebook, TikTok, Snapchat & Co – und wie wir uns vor der großen Manipulation schützen

©2021 by Christian Montag und Karl Blessing Verlag, München
ISBN 978-3-89667-706-8
ca. 415 Seiten

COVER:

Die großen Internetunternehmen tun alles, damit wir als Nutzende im Netz versinken. Wir unterschätzen regelmäßig unsere Verweildauer auf den Online-Plattformen und hinterlassen eine Unzahl digitaler Fußabdrücke, die die Tech-Firmen reich machen.

Online-Plattformen wie auch Computerspiele haben jedes natürliche Ende abgeschafft, umgekehrt wird unser Lebensalltag durch die digitalen Dauerunterbrechungen zunehmend fragmentiert.

Als Psychologe erörtert Christian Montag die Frage, welche Persönlichkeitseigenschaften mit problematischem oder suchtähnlichem Nutzungsverhalten einhergehen. Aus wissenschaftlicher Perspektive diskutiert er neueste Entwicklungen wie „Internet der Dinge“ oder den Einsatz von digitalen Plattformen und Künstlicher Intelligenz im Gesundheitswesen. Machen uns Digital Phenotyping, elektronische Patientenakte und Künstliche Intelligenz zu gläsernen Patienten?

Detailliert geht er aber auch auf aktuell besonders dringliche Themen wie Filterblasen und Fake News ein, die eng mit dem Daten-Geschäftsmodell der Tech-Unternehmen verknüpft sind. Seine Vorschläge, wie wir digital unsere Selbstständigkeit wahren können, sind ebenso neu wie praktikabel.

REZENSION:

Prof. Dr. Christian Montags Schwerpunkte seiner Forschungstätigkeiten liegen bei den biologischen Grundlagen der Persönlichkeit sowie beim Feld der Psychoinformatik. Sein neuestes Werk „Du gehörst uns!“ befasst sich hauptsächlich mit den Auswirkungen der sozialen Medien und dem Versuch, den Leser eine Hilfe an die Hand zu geben, wie er sich diesen Strategien entziehen kann.
Die psychologischen Werkzeuge der Internetunternehmen sind sehr lesefreundlich dargelegt und offenbaren deutlich, dass es nicht darum geht, uns auf sinnvolle Art zu informieren oder zu unterhalten – nein, es geht lediglich um Aufenthaltsdauer und Daten.
Christian Montag bringt es mit einem Statement auf simpelste Weise auf den Punkt: Es gibt nur zwei Branchen, die ihren Kunden User (Nutzer) nennen, der Drogenhandel und die Social Media-Unternehmen.
Ich denke, damit ist bereits alles gesagt, leider scheint dies nur partiell bekannt zu sein, da die Nutzungszeiten steigen und die Verstärkung der Fake News und anderer oberflächlichen Meinungen dies nur widerspiegeln. Es ist jedesmal spannend zu sehen, wie Personen diese Medien für sich nutzen. Meiner Meinung nach kann man sie gezielt nutzen und dafür sorgen, dass sie einen weiter bringen. Dazu muss man jedoch den Schwenk schaffen und selbst für Inhalte sorgen oder sinnvoll Wissen aus den Tiefen des Webs anhand von sinnvollen Artikeln, Büchern, Berichten, etc. saugen. Aus diesem Grund lässt sich die Nutzungszeit nicht pauschal als Negativ betrachten – dies erkennt man auch deutlich im vorliegenden Buch, da dem Autor diese Schwierigkeit natürlich ebenfalls bewusst ist. Nichts desto trotz ist die Masse der User nichts weiter als Empfänger, die sich schlicht berieseln lassen und dabei nicht merken, dass sie rundum ausgenutzt werden. Die Strategien sind vielfältig und trotzdem recht einfach zu durchschauen, wenn man sich einfach mal darüber ein wenig Gedanken macht.
Eine Reduzierung der Zeiten, ein Abschalten von Meldungen um mehr Selbstbestimmung zu bekommen und der Weg in sinnvolle Achtsamkeitsregeln kann dafür behilflich sein. Hinzu kommt die klare Aussage, dass man NIE(!) Nachrichten über Social-Media-Plattformen konsumieren sollte. Dem kann ich mich anschließen, da hier die Gefahr zu groß ist, das man unbewusst gelenkt wird und man sich nicht durch den Empfang von mehreren echten Nachrichtenkanälen selbst eine eigene, dafür nachhaltige Meinung bilden kann. Schade, dass die Masse der Menschheit so leicht beeinflussbar scheint – das Buch von Christian Montag deckt einiges auf, schafft jedoch auch nur partiell gezielte Lösungen darzubieten. Dies ist aber mit Sicherheit nicht der vordergründige Ansatz, da ein Leser dieses Buches sicher bereits offen für eine Veränderung ist und eher die Mechanismen kennen lernen möchte. Dies wird in diesem Buch auch sehr gut vermittelt. Wie man jedoch den Rest der menschlichen Herde vom unsinnigen und zeitfressenden Berieseln abhalten kann ist die Frage; jedoch: Kann man das noch?
Davon abgesehen lohnt sich jedenfalls „Du gehörst uns!“, um persönlich ein wenig in dieses Thema der Psychologie eintauchen zu können und darüber hinaus ein Verständnis für die Vorgehensweise und die Ziele dieser Unternehmen entwickeln zu können.
Professor Dr. Montag versucht dies auf nicht zu theoretische Art und Weise, was auch – bis auf einige wenige Kapitel – herausragend gelungen ist.
„Du gehörst uns!“ war für mich persönlich der Versuch, aufgrund eines Buches ein wenig in die Psychologie dieser Welt eintauchen zu können. Da ich keinen psychologischen Studiumsbackground inne habe, erhoffte ich mir eine gut konsumierbare Darlegung, die ihren Leser nicht mit Details konfrontiert, mit denen nur Psychologen etwas anfangen können. Dies ist Christian Montag perfekt gelungen und ich bin froh, mich diesem Buch gewidmet zu haben. By the way sind nun einige Hinweistöne mehr als bereits vorher abgeschaltet…
Selbstbestimmt handeln ist das Ziel!
hysterika.de / JMSeibold / 14.11.2021

Kim Stanley Robinson: Das Ministerium für die Zukunft

Originaltitel: The Ministry For The Future
Aus dem Amerikanischen von Paul Bär
Deutsche Ausgabe 10/2021
©2020 by Kim Stanley Robinson
©2021 dieser Ausgabe und der Übersetzung by Wilhelm Heyne Verlag, München
ISBN 978-3-453-32170-0
ca. 717 Seiten

COVER:

Indien, fünf Jahre in der Zukunft. Eine Hitzewelle lässt die Temperaturen auf weit über 50° C steigen. Der junge Arzt Frank May versucht alles, um die Menschen in seinem Stadtviertel zu retten, doch vergeblich: Binnen einer Woche sterben Millionen.
Zürich, wenige Jahre später. Mary Murphy leitet eine UN-Behörde, die als das Ministerium für die Zukunft bekannt ist. Sie soll den Klimawandel aufhalten, doch ihr Ministerium kann nur Empfehlungen aussprechen, die von Industrie und Politik geflissentlich ignoriert werden. Eines Abends trifft Mary auf Frank, der ihr vorwirft, ihre Organisation könne auf legalem Wege nicht das tun, was wirklich nötig wäre. Doch rechtfertigt eine Katastrophe, die ohnehin nicht mehr aufzuhalten ist, den Einsatz von Gewalt?

REZENSION:

Kim Stanley Robinson ist in meiner persönlichen Lesewelt ein sehr durchwachsener Autor. Einige Werke liebe ich, andere Werke können mich beinahe gar nicht beeindrucken oder gar überzeugen. Nichts desto trotz versuche ich mich immer wieder an diesem ideenreichen und hochwertigen Autor, somit auch an diesem neuesten Werk.
„Das Ministerium für die Zukunft“ ist im Gegensatz zu anderen Werken Robinsons kein Science-Fiction-Werk der fernen Zukunft, sondern beinahe Gegenwart, da wir uns hierin lediglich einige Jahre in der Zukunft befinden und die Welt sich wie aktuell durch beinahe jeden Wissenschaftler vorhergesagt darstellt.
Somit ein kleiner Schritt in die Zukunft des Klimawandels und wie sollte es anders sein: Wir steigen sogleich mit einem dramatischen Temperaturanstieg in Indien ein. Bei Temperaturen um die 50° C ist klar, dass dies Millionen von Opfern kostet und man stellt sich bereits beim Lesen die Frage, ob wir dem noch entgehen können.
Der Einstieg konnte somit bereits absolut überzeugen und ich freute mich auf einen durchweg spannenden Plot im Fahrwasser des vorangeschrittenen Klimawandels. Dies auch in der Hoffnung, noch mehr über die jeweiligen Abhängigkeiten und auch die auftretenden Risiken beziehungsweise Gefahren zu lesen.
Robinson legt zwar einen wahrlich tiefgründigen und bedeutenden Roman vor – gleichzeitig ließ die Überzeugung jedoch nach, da sein Plot nach und nach eher wie ein Bericht zu klingen scheint und die handelnden Personen – wenn sie denn auftreten – nur als Beiwerk fungieren und nur oberflächlich gezeichnet sind.
Ja, die im Buch enthaltenen Informationen sind interessant und offenbaren die Dramatik des Klimawandels – Leugner beziehungsweise Zweifler werden jedoch eher mit einem spannenden und nervenaufreibenden Plot zu fangen und zu überzeugen sein, als mit einem tiefgründigen darbieten der Daten, Entwicklungen und politischen Missstände; natürlich nur, wenn diese Leute überhaupt mit dem geschriebenen Wort zu fangen sind…
Der Ansatz von Robinson ist nachvollziehbar, notwendig und die Darbietung nicht nur glaubhaft, sondern fundiert vorgelegt. „Das Ministerium für die Zukunft“ wirkt dadurch jedoch leider wie ein Sachbuch über den Klimawandel denn wir ein hochkarätiger Roman, wodurch er mich in seiner Überzeugungsarbeit verloren hat. Man kann wissenschaftliche und hochkarätig wichtige Themen auch dementsprechend transportieren: Entweder sogleich als Fachbuch ohne handelnde Personen oder als anspruchsvollen Roman, jedoch dann natürlich in seiner kompletten Ausarbeitung, was eine voranschreitende und im besten Falle spannende Storyline bedingt. Schätzings „Der Schwarm“ konnte dies ganz gut beweisen und sorgte trotz seiner Darbietung als Thriller für viele ökologische Erkenntnisse und Aha-Effekte in der Leserschaft. Ein ähnliche Vorgehensweise hätte diesem vorliegenden Buch sicher ganz gut getan. Schade, da ich mich wirklich extrem auf einen Robinson mit einbezogenem Klimawandel in der erzählerischen Qualität wie bei „New York 2140“ gefreut habe.
hysterika.de / JMSeibold / 07.11.2021

Jonathan Carroll: Das Land des Lachens

Originaltitel: Land of Laughs
Aus dem Amerikanischen von Rudolf Hermstein
Überarbeitete Neuausgabe 10/2021
©1980 by Jonathan Carroll
©2021 dieser Ausgabe by Wilhelm Heyne Verlag, München
ISBN 978-3-453-32104-5
ca. 366 Seiten

COVER:

„Mein Traum war es, eine Biografie von Marshall France zu schreiben, dem wunderbaren und sehr mysteriösen Autor der schönsten Kinderbücher der Welt. Bücher wie Das Land des Lachens und Der Sternenteich, die mir im Laufe meines dreißigjährigen Lebens immer wieder geholfen hatten, nicht den Verstand zu verlieren …“

Nach vier Jahren als Englischlehrer an einer Privatschule in Neuengland erfüllt sich Thomas Abbey diesen Traum und macht sich gemeinsam mit seiner Freundin Saxony – eine ebenso glühende Marshall-France-Verehrerin wie er selbst – auf den Weg in die kleine Stadt Galen in Missouri, wo France bis zu seinem frühen Tod ein zurückgezogenes Leben geführt hat.

In Galen angekommen, werden Thomas und Saxony von den Bewohnern ausgesprochen herzlich aufgenommen. Vor allem Anna, die schöne Tochter von Marshall France, scheint Gefallen an Thomas zu finden, und so erlaubt sie ihm nicht nur die Biografie ihres Vaters zu schreiben, sondern gewährt ihm auch Zugang zu dessen persönlichsten Aufzeichnungen.
Thomas wird immer tiefer in die Welt und die Geschichten Marshall Frances hineingezogen, sodass er lange nicht bemerkt, dass es in Galen nicht mit rechten Dingen zugeht. Und als er dem Geheimnis schließlich auf die Spur kommt, ist es bereits zu spät …

REZENSION:

Der Englischlehrer Thomas Abbey ist der Sohn eines berühmten Schauspielers. Dieser Umstand führt dazu, dass er regelmäßig als nichts weiter wahrgenommen wird, da jeder nur nach seiner Beziehung oder Erinnerungen zu seinem bereits verstorbenen Vater fragt. Thomas fühlt sich dadurch regelmäßig in den Hintergrund gedrängt und dementsprechend schlecht sieht es mit seinem Selbstbewusstsein aus.
Durch ein Buch des Schriftstellers Marshall France, welches er als Kind schlicht nicht mehr losgelassen hatte, versuchte er dieser Realität zu entfliehen und in die Welt der Literatur abzutauchen. Im Zuge dessen wurde er zu einem glühenden Verehrer des Schriftstellers France und begegnet dabei der ebenfalls recht kuriosen Saxony, die er beim Kauf einer seltenen France-Ausgabe in einem Buchantiquariat kennen lernt.
Beide machen sich auf den Weg nach Galen, um eine Biografie über ihren literarischen Meister zu schreiben. Galen ist eine kleines Städtchen in Missouri und dort lebt unter anderem auch Anna, die hübsche Tochter des verstorbenen Autors Marshall France.
Thomas und Saxony leben sich recht schnell dort ein und werden in die frühere Lebensumgebung Frances nicht nur aufgenommen, sondern tauchen auch tief hinab in die Gedankenwelt des Autors durch eine Vielzahl an Schriftstücken, Fragmenten, Notizen, Journalen aus der Hinterlassenschaft des Autors.
Nach und nach erkennt Thomas, dass sich scheinbar erheblich mehr hinter der oberflächlichen Kleinstadtfassade verbirgt und dies alles auch mit dem Erbe Frances verknüpft zu sein scheint…
„Das Land des Lachens“ als auch der Schriftsteller Jonathan Carroll waren mir trotz meiner umfangreichen Leseleidenschaft bis dato absolut kein Begriff. Das Buch selbst ist aus dem Jahre 1980 und wohl sein erster Roman, wie es der hintere Klappentext als auch kurze Recherchen im Web offenbaren. Selten recherchiere ich nach Autoren, doch in diesem Falle war es mir wichtig, da ich nach Beenden dieses Werkes nicht glauben konnte, dass dieser Künstler an mir Vorüberging. Wie sich zeigen sollte, war mir nicht ein einziges seiner Werke ein Begriff – ich bin mir aber leider sicher, dass es wohl mehreren Personen so gehen wird.
„Das Land des Lachens“ sollte jedoch in einer ähnlichen Riege stehen, wie andere Klassiker der Weltliteratur und darüber hinaus auch noch Pflichtlektüre in den Schulen werden.
Meine Meinung entsteht aufgrund der Vielfältigkeit im vorliegenden Buch, dem interessanten Nicht-beachten von Genregrenzen und gleichzeitigem Verwenden von nahezu jedem Genre, sei es Liebesroman, Fantastik, Mystik und ein Touch Thriller. Jonathan Carroll bedient dies alles und noch viel mehr. Seine Geschichte besitzt das Potenzial, Menschen die wahren Gründe des Lesens beizubringen. Menschen, die es gewohnt sind, in Bücher und deren Welten abzutauchen, wissen sicher, was ich damit meine. „Das Land des Lächelns“ kann es dem Rest der Welt auf eine sehr eingängige und unglaublich bildhafte Art und Weise nahebringen. Ein literarischer und phantastischer Roman, der die Freude am Lesen am Brennen hält oder eben neu zu entfachen weiß. Eine Geschichte, die geschickt Realität mit dem geschriebenen Wort vermengt und ineinander verwebt, um dann wieder mit einer weiteren Pointe für den nächsten sagenhaften Touch zu sorgen.
Ein Buch, das jeder Freund des geschriebenen Wortes gelesen haben soll – ein Buch, das aus Freundschaft zur Literatur entstanden ist – ein Buch, welches in seiner erzählerischen Kraft für sich alleine spricht…
hysterika.de / JMSeibold / 02.11.2021

R. Goscinny, A. Uderzo (Jean-Yves Ferri & Didier Conrad): Asterix und der Greif

Originaltitel: Astérix et le Griffon
Übersetzung aus dem Französischen: Klaus Jöken
Textbearbeitung: Markus Iking, Wolf Stegmaier, Karoline Westermeyer Benz
©2021 Les Éditions Albert René
© der vorliegenden Ausgabe und der deutschen Übersetzung:
©2021 Les Éditions Albert René , Verlegt von Egmont Ehapa Media GmbH
ISBN 978-3-7704-2439-9
ca. 48 Seiten

COVER:

Wir befinden uns im Jahre 50 v. Chr.
Ganz Gallien ist von den Römern besetzt …
Ganz Gallien? Nein! Ein von unbeugsamen Galliern bevölkertes Dorf hört nicht auf, dem Eindringlich Widerstand zu leisten.

REZENSION:

Es ist natürlich ein unglaublich schweres Erbe, welches Jean-Yves Ferri und Didier Conrad angenommen haben. Die Fangemeinde ist weltweit unzählbar und die Erwartungen bei jedem neuen Band ohnegleichen.
Im Nachgang an diese vorliegende Geschichte, bin ich nun erfreulicherweise der Meinung, dass die beiden nun so langsam richtig gut in die Fußstapfen getreten und diese auch mehr und mehr ordnungsgemäß und passend auszufüllen beginnen. „Asterix und der Greif“ ist ja nicht der erste Band der Post-Goscinny-Uderzo-Phase – dennoch in meinen Augen der Erste, der beweist, dass das Erbe wohl angenommen wurde und die vorherigen Bände eher die ersten Schritte auf diesem schwierigen Pfad darstellten. Somit der Weg in die Reife…
Kurzum ist „Asterix und der Greif“ der beste Band dieser neuen Generation an Geschichten über die beiden wichtigsten Gallier seit dem Jahre 50 v. Chr.
In „Asterix und der Greif“ blitzt der ursprüngliche Humor recht oft durch und es zeigen sich viele schöne neue Ideen, die eigenständig, teils sehr modern sind und sich dennoch problemlos im Asterix-Kosmos breit machen ohne störend zu wirken.
Aus Protagonistensicht ist „Asterix und der Greif“ eher ein Obelix/Idefix-Band, da diese beiden auf humorvolle Art die Hauptrollen übernehmen und den Leser gezielt durch die Story treiben.
Alles in allem ein wundervoller Comic, der durchweg überzeugen konnte, viel Freude bereitet und mir beweist, dass es sich weiterhin lohnt, diesen beiden Galliern und ihren Abenteuern treu zu bleiben.
hysterika.de / JMSeibold / 02.11.2021

Thomas Olde Heuvelt: ECHO

Originaltitel: Echo
Aus dem Niederländischen von Gabriele Haefs
Deutsche Erstausgabe 10/2021
©2019 by Thomas Olde Heuvelt
©2021 der deutschsprachigen Ausgabe und der Übersetzung by Wilhelm Heyne Verlag, München
ISBN 978-3-453-32098-7
ca. 717 Seiten

COVER:

Nick Grevers hat alles, was man sich vom Leben wünschen kann: Er sieht gut aus, kommt viel in der Welt herum und hat keine Geldsorgen. Seit drei Jahren ist er mit seinem Freund Sam zusammen, gemeinsam leben sie in Amsterdam. Es könnte also alles wunderbar sein, wäre da nicht Nicks Leidenschaft für alpine Hochtouren. Sam teilt Nicks Passion für die Berge ganz und gar nicht, und so ist es wieder einmal Augustin Laber, mit dem Nick in den Schweizer Alpen unterwegs ist. Eines Tages entdecken die beiden einen Gipfel, den sie nicht kennen. Auch die Einheimischen scheinen nichts darüber zu wissen, außer, dass der Berg Le Maudit heißt. Nicks und Augustins Neugierde ist geweckt, spontan beschließen sie, dem mysteriösen Gipfel zu erklimmen. Eine Tour de Force, die zu einem Trip durch die Hölle wird …

Als Sam Avery einen Anruf der Schweizer Polizei erhält, ist ihm sofort klar, dass das eingetreten ist, was er immer befürchtet hat: Nick ist in den Bergen verunglückt. Er liegt schwer verletzt im Krankenhaus, Augustin ist tot. Was ist auf dem Maudit geschehen? Warum verhält sich Nick in den darauffolgenden Wochen zusehends unheimlicher? Hat er gar etwas mit Augustins Tod zu tun? Noch während Sam versucht, Antworten auf diese Fragen zu finden, wird Nick zur tödlichen Gefahr für jeden, der ihm begegnet.

REZENSION:

Obwohl mich Heuvelts HEX nicht wirklich überzeugen konnte, entschied ich mich dazu, seinem umfangreichen neuen Werk mit dem Titel ECHO dennoch eine Chance zu geben. Vielleicht lohnt es sich gar und ich kann mich der Meinung vom De Telegraaf anschließen, die Thomas Olde Heuvelt als den neuen Stephen King titulieren.
Nun, knapp über 700 Seiten später würde ich mich dem zwar nicht anschließen – nichts desto trotz schaffte es Heuvelt auf eine sehr interessante Art und Weise mich überzeugen zu können.
Heuvelt macht es jedoch seinem Leser nicht einfach – sein Schreibstil ist eher als  ungewöhnlich zu betrachten, und er scheut auch nicht davor zurück, recht sprunghaft zu agieren. Dennoch liebt er die Details und lässt seinen Leser tief in die Geschichte eintauchen, was dazu führt, dass man selbst die Kälte der Bergwelt zu spüren scheint – gleichzeitig wird es einem aber auch ab und an ein wenig zu viel des Guten und somit wäre es für die Geschichte ganz gut gewesen, wenn sie nur etwa 500 statt 700 Seiten beansprucht hätte.
Dies ist aber bereits der einzige kleine Haken, da die Story erfrischend neu ist und eine ähnliche Gruselthematik nur schwer zu finden sein wird. ECHO wirkt als Idee herausragend und scheut sich auch nicht, dies offen zu legen.
Der Wahnsinn beginnt recht schleichend, wird jedoch im Laufe der Storyline immer intensiver und drängender. Die Spannungselemente sind hervorragend eingebaut, können unter Umständen jedoch nicht jeden Horrorfan überzeugen, da dieses Werk trotz der mystischen Begebenheiten in der Machart doch eher einem übernatürlichem Thriller entspricht. Teilweise wirkt ECHO wie ein früher Horrorroman, was ihn umso sympathischer macht, da hier bekannte Anleihen verwendet werden und trotzdem perfekt in ihre Umgebung eingebettet sind. Man nehme nur die wütenden, beziehungsweise ängstlichen Dorfbewohner, die ähnlich eines Lynchmobs vor dem Chalet erscheinen und ihr Opfer zu holen gedenken. Diese symbolischen Szenen sorgen für die Lesefreude an diesem umfangreichen Werk. Heuvelt ist dabei sehr ausschweifend, detailversessen und lässt somit nichts missen – was jedoch auch ein wenig die persönliche Fantasie nimmt und dadurch filmhaft zu wirken scheint.
Nichts desto trotz hat Thomas Olde Heuvelt mit diesem Werk ein deutliches Zeichen gesetzt und meiner Meinung nach sein vorheriges Werk deutlich übertroffen.
Ein neuer Stephen King ist er trotzdem noch nicht – er könnte aber so langsam den gleichen Weg einschlagen, wenn er weiterhin auf einem zumindest ähnlichem Niveau zu haften gedenkt.
hysterika.de / JMSeibold / 01.11.2021