Rita Falk: Rehragout-Rendezvous

Originalausgabe 2021
©2021 dtv Verlagsgesellschaft mbH & Co. KG, München
ISBN 978-3-423-26273-6
ca. 301 Seiten

COVER:

„Ich kenn den Steckenbiller Lenz jetzt seit siebenundvierzig Jahren“, keift mir die Mooshammer Liesl daher. „Seit siebenundvierzig Jahren verbringt der Lenz jedes Weihnachtsfest daheim. Und seit siebenundvierzig Jahren …“
„Ja, versteh schon“, muss ich sie hier unterbrechen. „Aber nochmals, Liesl: Der Steckenbiller Lenz, der ist erwachsen. Es gibt keine Vermisstenanzeige. Und ohne Vermisstenanzeige keine Ermittlungen.“

Zefix! Daheim hockt der Leopold und jammert, weil seine Familie in Thailand festsitzt wegen so einem depperten Virus. Im Rathaus herrscht Zickenkrieg, seit der Bürgermeister sich die Hax’n gebrochen hat, weil die Susi, die macht jetzt einen auf Möchtegern-Bürgermeisterin. Die Oma tritt in den Kochstreik, und der Steckenbiller Lenz bleibt ums Verrecken verschwunden. Als dann auf dem Steckenbiller-Acker ein Goldzahn auftaucht, heuert der hyperaktive Rudi den pensionierten Leichenspürhund Wilhelm an. Und vorbei ist’s mit der Ruhe für den Franz. Denn der Goldzahn war nur der Anfang …

REZENSION:

Rita Falks Erfolgsserie geht nun bereits in die elfte Runde. Zwischendurch stellte ich mir die Frage, ob sich das Thema nicht nach und nach selbst auflösen wird. Insbesondere durch den ein oder anderen Hänger in manchem Vorgängerband stellte sich mir diese Frage. Interessanterweise konnte Rita Falk jedoch immer wieder zur rechten Zeit die Kurve bekommen und dem Thema etwas Neues abgewinnen.
Nun also ein Buch ohne erkennbaren Mordfall – dafür im Gegenzug ein sehr intensives Eintauchen in die direkte Umgebung des Eberhofers: Oma streikt und kommt ihren Pflichten nicht mehr nach, die Susi macht das Gegenteil und kommt mehr Pflichten nach, als sie wohl sollte – immerhin nimmt sie ohne große Nachfrage das Amt des Bürgermeisters als Stellvertreterin ein, da der Meister selbst sich seinen Hax’n gebrochen hat und somit bis auf Weiteres ausfällt.
Dabei entstehen neue Erkenntnisse über die jeweiligen Persönlichkeiten der Mitbürger von Franz. Oma chillt ihr Leben, Essen gibt es halt dann für die verwöhnte Truppe nicht. Susi lässt die Managerin heraushängen und kleidet sich auch dementsprechend adäquat ein.
Nur der Franz bleibt der Franz und steht beinahe kopfschüttelnd und fast hilflos daneben.
Hinzu schleicht sich nach und nach ein Fall ein, der hauptsächlich durch den Rudi in den Vordergrund gedrängt wird.
Prinzipiell beinahe wie gehabt, dennoch abermals interessant und zum Schmunzeln anregend.
Grundsätzlich hätten der Geschichte noch einige Schenkelklopfer gut getan – alles in allem scheint es der Story aber auch ganz gut zu tun, hier mehr auf die Persönlichkeiten Wert zu legen.
Rehragout-Rendezvous lässt sich salopp lesen, macht erneut viel Freude und sorgt für witzige Provinzunterhaltung, an der ich mich einfach nicht satt lesen kann. Die gesamte Reihe um den Eberhofer Franz ist bei mir der einzige Blick in eine komplett andere Leserichtung und auch dieser Band sorgte schlussendlich dafür, dass ich ebenfalls hoffe, noch sehr lange und sehr viel über die Bewohner Niederkaltenkirchens lesen zu können.
hysterika.de / JMSeibold / 11.10.2021

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