Cixin Liu: Kugelblitz

Originaltitel: Qiúzhuáng shandiàn
Aus dem Chinesischen von Marc Hermann
Deutsche Erstausgabe 06/2020
©2000 by Cixin Liu
©2020 der deutschsprachigen Ausgabe und der Übersetzung by Wilhelm Heyne Verlag, München
ISBN 978-3-453-32030-7
ca. 537 Seiten

COVER:

China in der nahen Zukunft. An seinem vierzehnten Geburtstag muss der junge Chen miterleben, wie seine Eltern vor seinen Augen getötet werden. Ein mehrere Tausend Grad heißer Feuerball fährt in ihr altes Haus und verwandelt alles in Asche – ein Kugelblitz. Fortan hat Chen nur noch ein Ziel im Leben: Er will diesem rätselhaften Naturphänomen auf den Grund gehen und es erforschen. Der Weg dorthin führt ihn weit weg von seiner Heimat in der chinesischen Provinz über sturmgepeitschte Gebirge bis in die Hauptstadt und tief hinab in die Geheimlabore des Verteidigungsministeriums. Dort trifft Chen, inzwischen ein anerkannter Wissenschaftler, auf die Waffensystementwicklerin Lin Yun, die genauso wie er von Kugelblitzen besessen ist.
Für ihr gemeinsames Ziel müssen sie nicht  nur politische und technische Hürden überwinden, sondern auch ihre Beziehung zueinander auf den Prüfstand stellen. Nach endlosen Versuchsreihen und vielen Rückschlägen machen die beiden schließlich eine atemberaubende Entdeckung, die Chen an die Grenzen der Physik führt und ihn vor eine Entscheidung stellt: Wem gilt seine Loyalität – seiner Obsession mit Kugelblitzen, seiner Partnerin Lin Yun, seinen Auftraggebern aus dem Ministerium – oder allein der Wissenschaft?

REZENSION:

Cixin Liu konnte mich durch seine großangelegte Trisolaris-Reihe nicht nur im Genre Science Fiction mit einer neuen prosaischen Art überzeugen, sondern auch mit den darin befindlichen philosophischen Ansätzen zu interessanten persönlichen Gedankengängen animieren.
Dementsprechend euphorisch widmete ich  mich dem bei uns in Deutschland vor kurzem veröffentlichten Werk mit dem Titel „Kugelblitz“.
Etwas später erfuhr ich, dass es sich dabei eher um ein Frühwerk des Autors handelt – nichts desto trotz klang der Inhalt außerordentlich interessant.
Bereits einige Seiten später schaffte es Cixin Liu durch seine geschickte Einführung und den daraus resultierenden Begebenheiten, mich abermals mitzunehmen. Liu startet außerordentlich spannend und man entwickelt als Leser von Seite zu Seite ein absolutes Eigeninteresse an den kuriosen Kugelblitzen. Leider kann dieses hohe Niveau durch den Autor nicht durchgehalten werden und man erkennt nach und nach, dass die beteiligten Personen relativ oberflächlich gezeichnet sind und sich die Geschichte mehr und mehr zu einem extremen Hard-SF-Plot entwickelt, der gefühlt nur noch auf Basis der wissenschaftlichen Diskussionen seinen Antrieb findet.
Als Einstieg in die Welt von Cixin Liu kann somit „Kugelblitz“ nicht empfohlen werden – als interessanter Blick auf die persönliche Entwicklung eines mittlerweile grandiosen Autoren funktioniert es relativ gut. Wer somit in die Welt dieses Schriftstellers eintauchen möchte, sollte sich unbedingt „Die drei Sonnen“ zulegen und somit mit der Trisolaris-Trilogie starten. „Kugelblitze“ steht ein gutes Stück unter dessen Niveau und ist eher für Kenner der Materie beziehungsweise absolute Freunde wissenschaftlicher Diskussionen innerhalb der Welt von tiefgehender Hard-Science-Fiction vorbehalten. Als antriebsvoller Unterhaltungsplot konnte es mich leider nur partiell überzeugen.
Hysterika.de/JMSeibold/13.02.2021

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