Stephen Chbosky: Der unsichtbare Freund

Originaltitel: Imaginary Friend
Aus dem Amerikanischen von Friedrich Mader
©2019 by Stephen Chbosky
©2019 der deutschen Ausgabe by Wilhelm Heyne Verlag, München
ISBN 978-3-453-27243-9
ca. 912 Seiten

COVER:

Die alleinerziehende Kate muss mit ihrem siebenjährigen Sohn Christopher dringend untertauchen. Das beschauliche Örtchen Mill Grove, Pennsylvania, scheint dafür ideal zu sein. Eine Straße führt hinein, eine hinaus. Ringsum liegt dichter Wald. Doch kurz nach ihrem Umzug beginnt der kleine Christopher eine Stimme zu hören. Und merkwürdige Zeichen zu sehen. Zeichen, die ihn in den Wald locken.
Sechs Tage lang bleibt er dort verschollen. Als er wieder auftaucht, kann er sich nicht erinnern, was geschehen ist. Aber plötzlich hat er besondere Fähigkeiten. Und einen Auftrag: ein Baumhaus mitten im Wald zu errichten. Wenn er es nicht bis Weihnachten schafft, so die Stimme des unsichtbaren Freundes, wird der ganze Ort untergehen. Ehe sie sichs versehen, befinden sich Christopher, seine Mutter und alle Einwohner von Mill Grove mitten im Kampf zwischen Gut und Böse.

REZENSION:

Davon mal abgesehen, dass mir der Name Stephen Chbosky absolut gar nichts gesagt hatte, sorgte das gelungene Cover dennoch dafür, mein Interesse zu wecken. Üblicherweise finde ich das gar nicht so gut, denn ein Buch sollte natürlich nur auf Basis seiner sinnvoll zusammengefügten Buchstaben bewertet werden. Nichts desto trotz sorgte diese dezente Umsetzung für Aufmerksamkeit. Als ich dann auf dem Rücken gelesen habe, dass dieses Buch an die epischen Romane meines Lieblingsautors Stephen King erinnert, stieg jedoch meine Skepsis, da es sehr viele Bücher mit ähnlichen Verweisen gibt, diese jedoch lediglich für Enttäuschung sorgen konnten. Da ist wohl oft lediglich der Wunsch Vater des Gedankens.
Erfüllt mit diesen Gedanken entschied ich mich trotzdem, mich diesem Werk von knapp über 900 Seiten zu widmen. Die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt…
Die Geschichte um Christopher fühlt sich bereits nach einigen Seiten wie ein Roman von Stephen King an: Wir befinden uns in einer Kleinstadt, der Personenkreis wird abgesteckt und plötzlich geschieht etwas in kleinbürgerlicher, heimischer Umgebung. Hier ist es so, dass der mit seiner alleinerziehenden Mutter in Mill Grove lebende Christopher eines Tages im naheliegenden Wald verschwindet und urplötzlich nach sechs Tagen wieder auftaucht. Ab diesem Zeitpunkt besitzt er einige Besonderheiten, über die ich hier nicht näher eingehen möchte.
Sämtliche Dorfbewohner werden tiefgehend beleuchtet und wie so oft, hat selbst die ordentlichste und „normalste“ Familie irgendeine „Leiche“ im Keller. Nicht alles ist golden, was glänzt. Diese Darbietung ähnelt komplett dem literarischen Vorbild Stephen Chboskys – gleichzeitig entwickelt er ausreichend eigene Ideen, um sich ein wenig davon abgrenzen zu können. Chboskys Schreibstil ist sehr lebendig und rundum eingängig gehalten. Es lässt sich problemlos jede Seite genießen und die Story selbst entwickelt sich von Seite zu Seite immer mehr in Richtung „das-könnte-ein-Highlight-werden-Buch“.
Problemlos wechselt Chbosky die erzählerischen Ebenen und somit muss seinem Leser natürlich auch klar sein, dass hier auch die eigene Fantasie gefordert wird, denn mit dem Eintritt in den Wald treibt es uns ab und an auch in andere Welten.
Interessanterweise schafft er es dabei nicht nur, den Leser auf eine phantasievolle, hervorragende und spannende Art zu unterhalten, sondern auch einen über 300 Seiten andauernden Show-Down hinzulegen, wie man ihn nur selten sieht. Dabei zusätzlich gewürzt mit einer Wendung, die man zwar ahnen, jedoch nicht wirklich vorhersagen kann. Chapeau!
In der Danksagung des Autors wird sein großes Vorbild erneut erwähnt, darüber hinaus gibt es noch den Vermerk auf die Serie „Stranger Things“ auf dem Buchrücken. Gut, das Vorbild passt und auch die Anleihen in Richtung „Stranger Things“ sind nicht von der Hand zu weisen – alles in allem jedoch eher eine Art „Stranger Things“ auf Speed. Insbesondere die phantastischen Bereiche haben eher etwas von einem Neil Gaiman und gehen somit tiefer als die bisherigen Berührungen der Serie mit der anderen Seite.
Schlussendlich eines der Werke, die mir klar machen, warum ich so gerne meine Bücher in der Welt der Phantastischen Literatur aussuche. Einfach nur: Perfekt!
Jürgen Seibold/23.04.2020

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