Robinson, Kim Stanley: Roter Mond

Originaltitel: Red Moon
Aus dem Amerikanischen übersetzt von Jakob Schmidt
Deutsche Erstausgabe 09/2019
©2018 by Kim Stanley Robinson
©2019 der deutschsprachigen Ausgabe und der Übersetzung by Wilhelm Heyne Verlag, München
ISBN 978-3-453-32010-9
ca. 621 Seiten

COVER:

Dreißig Jahre in der Zukunft: Der Mond ist kolonisiert. Am lunaren Südpol, wo die Sonne niemals untergeht, haben Amerikaner und Chinesen ihre Basen in den Kraterwänden eingerichtet. Für Fred Fredericks ist es der erste Flug zum Mond. Im Auftrag von Swiss Quantum Works soll er einen Quantenkommunikator, mit dem sich absolut abhörsichere Gespräche führen lassen, an die chinesische Mondbehörde liefern und installieren. Doch bei der Übergabe wird Chang Yazu, der ranghöchste Verwaltungsbeamte, vergiftet, und Fred wird bei dem Anschlag schwer verletzt. Als er wieder zu sich kommt, steht er im Verdacht, der Mörder zu sein. Um seine Unschuld beweisen zu können, muss Fred aus der Mondbasis fliehen – und trifft dabei auf eine unwahrscheinliche Verbündete: Chan Qi, die Tochter des chinesischen Finanzministers. Sie ist aus persönlichen Gründen auf den Mond gekommen, und das, was sie dort erlebt, wird den Lauf der Geschichte verändern – auf Luna ebenso wie auf der Erde …

REZENSION:

Nach dem unglaublich interessant erzählten Buch von Kim Stanley Robinson mit dem Titel New York 2140, konnte ich es beinahe nicht mehr erwarten, mich wieder diesem mir bis dorthin unbekannten Autoren wieder zuwenden zu können. Dementsprechend erfreut war ich, als der neue mit Roter Mond betitelte Roman das Licht der Welt erblickte.
Ein kurzes Verweilen bei der knappen Inhaltsbeschreibung tat sein Übriges und so freute ich mich auf einen gelungenen Plot voll thrillerhaften Intrigen auf unserem erdnahen Trabanten.
Erstaunlicherweise schaffte es Kim Stanley Robinson in diesem Fall jedoch nicht, mich mit dem gleichen Sog an die Seiten und somit an seine Geschichte zu heften, wie bei dem gerade erwähnten Werk. Roter Mond wirkt einfach zu langatmig und eintönig ausschweifend erzählt. Robinson wollte in diesem Werk anscheinend ein wenig zu viel auf einmal vermitteln – seine klar als Metaphern verpackten Szenen verlieren sich dabei beziehungsweise ihren Leser beim Versuch, den eigentlichen Handlungsfaden aufrecht zu halten. Die Verknüpfungen als auch seine zu Grunde liegende Message wird einem recht schnell klar – dennoch würde sich viel besser auch unter Verwendung von erheblich mehr integrierter Spannung und erheblich weniger nichtssagenden Dialogen eine kritische Nachricht an die politisch interessierten Leser vermitteln. In diesem Fall siegte trotz meiner anfänglichen Euphorie die Belanglosigkeit als auch die nicht vorantreibenden Dialoge und es blieb mir nichts anderes übrig, als mich diesem Werke zu entziehen. Es fiel mir wahrlich schwer, da ich New York 2140 nahezu „gefressen“ hatte und den grundsätzlichen, sozialpolitischen Hintergedanken des vorliegenden Romans auch recht schnell verstand und zu akzeptieren gewillt war. Nichts desto trotz ist es auch oder gerade bei Romanen mit eingebauten Botschaften wichtig, den Leser bei der Hand zu nehmen und umfänglich zu überzeugen. In diesem Fall hat es bei mir jedenfalls leider nicht funktioniert.
Jürgen Seibold/15.01.2020

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