Ruocchio, Christopher: Das Imperium der Stille

Originaltitel: Empire Of Silence – Sun Eater, Book One
Aus dem Amerikanischen von Kirsten Borchardt
Deutsche Erstausgabe 11/2018
©2018 by Christopher Ruocchio
©2019 der deutschsprachigen Ausgabe by Wilhelm Heyne Verlag, München
ISBN 978-3-453-31828-1
ca. 989 Seiten

COVER:

„Das Licht der gemordeten Sonne verbrennt mich noch immer. Ich weiß, was ich bin. Man gab mir viele Namen, und ich bin vieles gewesen – Adliger und Diener, Gladiator und Soldat, Gelehrter und Held. Alles aber beginnt mit meinem Namen: Hadrian Marlowe.“

In einer weit entfernten Zukunft hat die Menschheit die Galaxie besiedelt und ein gewaltiges Sternenreich errichtet. Seit Jahrhunderten befindet sich das Imperium nun schon im Krieg gegen die außerirdische Zivilisation der Cielcin, die mit ihren Eisschiffen bereits Tausende Planeten zerstört und Milliarden von Menschen getötet und versklavt haben. Weder die genetisch optimierten Adligen noch die Imperiale Legion haben die Cielcin besiegen können, und niemand weiß, woher sie überhaupt kommen und was sie wollen. Als der jungen Adlige Hadrian Marlowe dem Schicksal entfliehen will, das sein grausamer Vater für ihn vorgesehen hat, verschlägt es ihn an den Rand des Imperiums. Verraten und von allen verlassen, muss er sich als Diener und Gladiator durchkämpfen – bis er eines Tages in den uralten Ruinen auf einer fremden Welt eine Entdeckung macht, die sein Schicksal und die Zukunft des Imperiums für immer wenden wird. Dies ist die Geschichte von Hadrian Marlowe, dem Sonnenfresser.

RESENSION:

„Das Imperium der Stille“ von Christopher Ruocchio ist der erste Band einer Reihe über den Sonnenfresser Hadrian Marlowe.
Die Geschichte findet in einer weit entfernten Galaxie statt und schafft es nahezu problemlos des Lesers Gedanken an eine Vielzahl bekannter Romane des Genres aufblitzen zu lassen. Ruocchio scheint eine Vorliebe zu haben für das Römische Reich oder das unerreichbare Werk Herberts mit dem dezenten Titel „Dune“.
Den dabei eingeschlagenen Weg beschreitet der Autor nahezu problemlos. Sein Stil ist sehr eingängig und die Erlebnisse Marlowes glaubwürdig dargelegt. Gleichzeitig ist Christopher Ruocchio aber auch ein schreibender „Schwätzer“ und dementsprechend verliert er sich in seiner Erzählung.
Sein Worldbuilding ist nahezu perfekt und gefällt durch und durch. Seine Hauptfigur ist aber dermaßen selbstverliebt, dass seine Tätigkeiten nur noch unsympathisch wirken. Hier ist dem Schriftsteller ein Fauxpas unterlaufen und er verliert den geneigten Leser, der mitleidend die Erlebnisse erleben möchte. Nichts ist schlimmer, als ein in der Ich-Form erzählender Hauptdarsteller mit dessen Charakter man nicht wirklich etwas anfangen kann. Darüber hinaus gibt es keine echten Gegner und Bedrohungen. Hadrian Marlowe tappst von Erlebnis zu Erlebnis ohne richtungsweisenden Blick auf das Ziel.
Darüber hinaus verliert sich der Autor in Darstellungen und Erzählungen – ich bin mir sicher, dass dieses Werk bei weitem besser funktionieren würde, wenn der erste Band eben keine 1.000 Seiten benötigen würde.
Schade, da die grundsätzliche Idee wirklich außerordentlich interessant ist und die Vorbilder stets erkennbar sind. Nichts desto trotz muss auch eine lange Geschichte den Leser von Anfang an bei der Hand nehmen und dafür sorgen, dass er sich mit den Geschehnissen identifizieren kann. Dies fehlte mir hier leider.
Jürgen Seibold/21.07.2019

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