Kristoff, Jay: Nevernight – Das Spiel

Originaltitel: Godsgrave
Aus dem Englischen von Kirsten Borchardt
©2017 Neverafter PTY LTD.
Für die deutschsprachige Ausgabe:
©2018 S.Fischer Verlag GmbH, Frankfurt a.M.
ISBN 978-3-596-29759-7
ca. 697 Seiten

COVER:

Kein Licht ohne Schatten.
Keine Rache ohne Schmerz.
Kein Leben ohne Tod.

Die epische Rachegeschichte geht weiter. Nachdem Mia einen der Männer umgebracht hat, die für die Zerstörung ihrer Familie verantwortlich sind, bleiben noch zwei übrig: Kardinal Duomo und Konsul Scaeva. Beide sind jedoch vor der Öffentlichkeit abgeschirmt und für Mia unerreichbar. Schlimmer noch: Die Rote Kirche selbst scheint Scaeva zu schützen, und allmählich beschleicht Mia ein furchtbarer Verdacht …

Um an Scaeva heranzukommen, geht Mia ein großen Risiko ein: Sie kehrt der Kirche den Rücken und begibt sich selbst in die Sklaverei, um als Gladiatorin an den Großen Spielen in Gottesgrab teilzunehmen. Denn dem Gewinner, so heißt es, wird eine private Audienz beim Konsul gewährt. Doch Mia merkt schnell, dass sie diesmal zu weit gegangen ist, denn auf dem blutigen Sand der Arena gibt es keine Gnade und nur eine Regel: Ruhm und Ehre – oder Tod.

REZENSION:

Der erste Band mit dem Titel „Nevernight – Die Prüfung“ konnte mich schon außerordentlich gut unterhalten. Nun also der zweite Band dieser als Trilogie angelegten Geschichte. Ehrlich gesagt hatte ich aus diesem Grund keine hohen Erwartungen in dieses Werk gelegt. Viel zu oft sind zweite Bände eher Mittel zum Zweck und verknüpfen im Besten Fall als Talabschnitt zwei Berge.
Gleichzeitig begeisterte mich der Schreibstil von Jay Kristoff und somit dachte ich mir zumindest, dass es nicht schaden kann, auch dieses Buch zu öffnen.
Bevor ich nun meine persönliche Meinung ausbreiten werde, möchte ich einen kleinen Schritt zurücktreten und ein wenig auf die Geschichte eingehen:
Wir treffen hier erneut die nun zur Assassine ausgebildete Mia auf ihrem weiteren Rachefeldzug. Mia möchte die Mörder ihrer Eltern zur Strecke bringen und macht dafür alles, was ihr irgendwie auf diesem Wege behilflich sein könnte. Im vorliegenden Buch lässt sie sich als Sklavin verkaufen, um in einem Gladiatorenstall ihren Weg fortsetzen zu können. Sie hörte nämlich, dass einer ihrer Feinde eine nahezu ungeschützte Audienz demjenigen gibt, der den finalen Kampf lebendig überlebt. Wie in einer Liga ist der Weg dorthin jedoch hart und jeder einzelne Kampf kann ihr letzter sein.
Wie man nun bereits ein wenig herauslesen kann, handelt Mia doch ein wenig blauäugig – aber genau das macht sie sympathisch und persönlicher. Sie schwenkt immer wieder zwischen hartgesotten, rücksichtslos, zielorientiert und langsamem Aufbau tiefer Freundschaften. Mia ist eigentlich eine dramatische Figur – und wohl aus diesem Grund schließt man sie sofort ungebremst in das eigene Herz.
Der Stil Kristoffs lässt erneut nichts missen und bereits nach wenigen Seiten tauchte ich in eine sagenhafte und tiefgründige Geschichte ab. Das eigentliche Rachethema zeigt sich erfreulicherweise eher als loser Faden, um der Figur ein Ziel auf den Weg zu geben. Somit muss man nicht über positive oder negative Auswirkungen von Rache diskutieren bzw. nachdenken – man kann sich trotz dieses Themas einfach dieser wunderschönen und rundum gut durchdachten Geschichte widmen.
Darüber hinaus ist sie erfreulicherweise mit Inhalten gewürzt, die dafür sorgen, dass „Nevernight“ bei jeder Altersklasse funktionieren sollte: Kristoff nimmt kein Blatt vor den Mund und konfrontiert uns Gewalt, Düsternis sowie spritzendem Blut ebenso wie mit lang ausschweifenden und bis in das kleinste Detail beschriebenen Sex-Szenen.
Diese gesamte Melange sorgt uneingeschränkt für einen Lesegenuss der besonderen Art.
„Nevernight – Das Spiel“ ist somit eines meiner absoluten Highlights, die ich in der letzten Zeit gelesen habe. Ich hoffe sehr, Kristoff hat noch genug Ideen und Pulver für den abschließenden Band, da die Latte durch diesen außerordentlich genial erzählten, zweiten Band von ihm unglaublich weit hoch gehängt worden ist.
Ein absolut zu empfehlendes Werk, dass noch eine Schippe besser ist als bereits sehr gute erste Band.
Jürgen Seibold/23.02.2019

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