Durfee, Brian Lee: Der Mond des Vergessens – Die fünf Kriegerengel 1

Originaltitel: The Forgetting Moon. The Five Warrior Angels Book 1
Aus dem Amerikanischen von Andreas Heckmann
©2016 by Brian Lee Durfee
Für die deutsche Ausgabe: ©2018 by J.G. Cotta’sche Buchhandlung Nachf. GmbH, Stuttgart
ISBN 978-3-608-96141-6
ca. 888 Seiten

COVER:

Von immer schlimmeren Wahnvorstellungen besessen, regiert Jovan, der älteste Sohn des gefallenen Königs, über Gul Kana. Verzweifelt versuchen seine Schwestern Jondralyn und Tala, die tyrannische Herrschaft zu beenden. Kann das Königreich die Bedrohung durch die näher rückende Armee, die alles bislang Dagewesenen an Grausamkeit übertrifft, überstehen?
Kann es sich gegen die neue Religion Raijaels behaupten? Und hat das Schicksal des jungen Nail etwas mit einer uralten Prophezeiung zu tun? Mit seinen Freunden, die ihn begleiten, gerät er in immer größere Gefahr.

REZENSION:

Ein Buch, schwer wie ein Ziegelstein. Dann auch noch der erste Ziegelstein einer Reihe.
Über 800 Seiten und dennoch gerade mal der Start eines neuen fantastischen Epos?
Gleichzeitig ein Coverbild, welches voller Klischees den Leser gedanklich an Fantasybücher der 80er/90er Jahre erinnern lässt? Kann das sein? Soll der für Qualität und nicht für Quantität bekannte Klett-Cotta-Verlag dermaßen danebengegriffen haben? Ich kann es mir fast nicht vorstellen.
„Der Mond des Vergessens“ musste trotzdem immer wieder auf meinem Stapel ungelesener Bücher etwas nach unten weichen und einem anderen Buch den Vortritt lassen.
Dafür gab es mehrere Gründe, die sich aus den oben genannten Gedanken ergaben:
Es ist extrem dick.
Das Bild wirkt sehr klischeehaft.
Die Coverbeschreibung klingt in ihrem Versuch, den Inhalt dieses Wälzers zu erklären, etwas verwirrend beziehungsweise dünn wie jede andere Coverbeschreibung.
Und nochmal: Es ist extrem dick und dabei erst Band 1! Soll ich mich wirklich einem weiteren Epos-Start widmen? Gibt es nicht schon genug noch nicht zu Ende geführte Epen dieses Genres?
Tja, eines Tages war es soweit und ich widmete mich mit zwiespältigen Gefühlen diesem Werk.
Wie so oft bei umfangreichen Werken, strotzt auch dieses von einer Vielzahl an teilnehmenden Personen. Hierfür ist – wie oft in diesem Genre – extra ein Anhang integriert. Ich bin aber der Meinung, ein Autor sollte so gut erzählen können, dass man als Leser eben nicht für Erläuterungen oder Familienbeschreibungen immer wieder nach hintern blättern muss.
Schon mal vorweg: Interessanterweise hatte mich das Buch bereits nach dem Prolog fest im Griff. Trotz des eher langsamen Einstiegs Brian Lee Durfees in seine Welt und trotz der noch unbekannten, dafür in hoher Zahl auftretenden Personen, schaffte er es, mich durch seine Lebendigkeit an die Seiten zu fesseln.
Vorab ein kleines Fazit: Endlich mal wieder ein absoluter Blockbuster im Bereich der Fantasy!

Durfee liefert einen High-Fantasy-Roman mit einer Vielzahl an verschiedenen Handlungsebenen und einer daraus resultierenden Komplexität, die sich jedoch durch seine Art des Erzählens beinahe gänzlich aufzulösen scheint. Man wird das Gefühl nicht los, in diesem Werk mehreren verschiedenen Geschichten zu folgen.
Jede einzelne für sich absolut interessant – aber: scheinbar auch lange Zeit voneinander losgelöst.
Nach und nach schafft es Durfee nahezu virtuos, diese Stränge zu einem Netz zusammen zu fügen, wie es nicht schöner sein könnte.
Sprachlich bleibt er sehr eingängig und überzeugt mit Handlungen und eben nicht mit langen, ausschweifenden Erklärungen und Umschreibungen, wie es leider zu oft in diesem Genre vorzukommen scheint. Im Gegenteil, er überzeugt schlicht durch seine Geschichte und umschreibt oder erklärt nur, wenn es seiner Meinung nach absolut notwendig wird.
Man erkennt dabei deutlich: Es funktioniert! Man taucht als Leser viel stärker in die Welt ein – vielleicht liegt das an dem Umstand, dass man bis zu einem gewissen Grade, die Welt selbst in den eigenen Gedanken entstehen lassen kann und man vom Autor nur eine gewisse Richtung präsentiert bekommt.
Durfee kümmert sich einfach auf liebevolle und sehr detaillierte Weise um seine Story – dabei ist zu beachten: Er scheut auch nicht vor Gewalt zurück und stellt diese auch uneingeschränkt dar. Ich halte das für notwendig, ehrlich und passend. Wer damit nicht klar kommt, sollte aber von solchen Werken die Finger lassen.
Alles in allem handelt es sich bei „Der Mond des Vergessens“ um einen absolut und uneingeschränkt zu empfehlenden Start einer neuen Reihe. Auch wenn es mich ärgert, dass Fantasyautoren scheinbar nur noch im großen Maßstab Bücher schreiben können – hier stört es mich nicht, denn ich freue mich wirklich sehr auf die Fortsetzung und hätte diese gerne nahtlos zur Hand genommen.
„Der Mond des Vergessens“ ist schlussendlich eines meiner Jahreshighlights in diesem Genre!
Jürgen Seibold/28.09.2018

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