Islington, James: Das Erbe der Seher – Die Licanius-Saga 1

Originaltitel: The Shadow Of What Was Lost
Aus dem Englischen übersetzt von Ruggero Leò
Deutsche Erstausgabe Mai 2017
©2016 James Islington
©2017 Knaur Verlag
ISBN 978-3-426-52095-6
ca. 784 Seiten

COVER:

„Niemand wusste je genau, wozu die Auguren imstande waren, außer den Auguren selbst. Sie waren immer geheimnisvoll, und zu keiner Zeit herrschte mehr als ein Dutzend von Ihnen.“

Vor zwanzig Jahren gelang es den vereinigten Reichen in einem blutigen Krieg, die tyrannischen Auguren, mächtige Seher mit scheinbar unbegrenzter Macht, zu vernichten. Jene, die ihnen dienten – die Begabten -, wurden nur verschont, weil sie sich dem neuen Gesetz unterwarfen, das ihre Macht beschränkte. So wachsen der junge Begabte Davian und seine Freunde in einer Welt auf, die sie verachtet und strengstens überwacht. Doch als Davian herausfindet, dass er über die bei Todesstrafe verbotene Macht der Auguren verfügt, steht nicht nur sein eigenes Leben auf dem Spiel: Denn im Norden regt sich ein Feind, den man zu lange besiegt glaubte.

REZENSION:

Ein Autor ist begeistert von Fantasybüchern. Dabei sogleich von sehr großen Vorbildern angetan und für dieses Genre überzeugt, entscheidet er sich für die eigene Entwicklung eines fantastischen Romans. Als Debüt liegt nun „Das Erbe der Seher“ vor und ich bin nach Genuß dieses Werkes sichtlich überrascht, welch Ideenreichtum und Qualität sich hinter dieser Entscheidung befindet.
„Das Erbe der Seher“ enthält sehr viele dem Genre entsprechende Versatzstücke und kann somit das Genre nicht neu erfinden, aber ihm dennoch einen außerordentlich erfrischenden und hochwertigen Stempel aufdrücken.
Auch Islington arbeitet mit einer „Coming-Of-Age-Handlung“ –  und irgendwie kann ich davon einfach nicht genug bekommen.
Entsprechend der Dicke seines Debütromans baut er geflissentlich seine Welt auf und beginnt mit einer Vielzahl an Handlungssträngen. Interessanterweise verliert er sich dabei nicht ein einziges Mal und somit bleibt einem nichts weiter übrig, als den Erlebnissen Davians ungebremst zu folgen.
Wie so oft im Genre ist auch die Welt Islingtons nicht gerade harmlos. Davians Rolle wird einem recht schnell klar, dennoch ist er mit all seinen Höhen und Tiefen gezeichnet. Gleiches trifft für seine Gefährten als auch Antagonisten zu. James Islington spart nicht mit Details – wird dabei gleichzeitig nicht zu ausschweifend, wodurch keine Müdigkeit auftreten kann.
Trotz der über 800 Seiten entwickelten sich meiner Meinung nach nahezu keine Längen in der Geschichte. Im Gegenteil: Endlich wieder ein Werk, in welches man ungebremst eintauchen kann und die Gefahr besteht, die Umwelt zu vergessen.
Von Seite zu Seite gewinnt man das Gefühl, dass die Qualität der Geschichte steigt und steigt. Der Autor schafft es dabei, diese Steigerung aufrecht zu erhalten und seinen Leser nicht zu enttäuschen.
Die Geschichte spitzt sich natürlich immer mehr zu, um dann – wie es bei einem Band 1 üblich ist – mit einem fulminanten Cliffhanger zu enden. Der Drang nach dem zweiten Band ist beim Beenden dieses Werkes groß und man kann es fast nicht aushalten, hierauf zu warten. „Das Erbe der Seher“ ist wahrlich ein herausragendes Werk mit einer düsteren Atmosphäre, die dennoch immer ein kleines Lichtlein am Ende des Horizonts aufweisen kann.
Der Schreibstil ist sehr eingängig, wodurch man trotz der Vielzahl an Handlungssträngen niemals den Faden verliert. Seine Welt ist gefühlt ein wenig an manche Größen des Genres angelehnt, dennoch eigenständig genug, um für ausreichend Abwechslung zu sorgen.
In meinen Augen ein absolutes Highlight im Genre und ich hoffe doch sehr, dass der Folgeband nicht allzu lange auf sich warten lassen wird.
Jürgen Seibold/01.03.2018

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