El-Bahay, Akram: Bücherstadt

©2017 Bastei Lübbe AG, Köln
ISBN 978-3-404-20883-8
ca. 365 Seiten

COVER:

EINE RIESIGE UNTERIRDISCHE BIBLIOTHEK.
HALLENDE BÜCHERSCHLUCHTEN.
GEHEIMNISSE IN JEDEM BAND …

Sam ist ein Dieb – aber mit einer List gelingt es ihm trotzdem, in die Palastwache von Mythia aufgenommen zu werden. Er träumt von einem neuen Leben, von großen Aufgaben. Von Ruhm und Ehre als Wächter des Weißen Königs.
Diese Träume zerplatzen, als er erfährt, wo er Dienst tun soll: in der riesigen Bibliothek unterhalb der Stadt. Sam stellt sich auf tödliche Langeweile ein. Schließlich gibt es dort unten nichts als alte, staubige Bücher. Er ahnt nicht, wie sehr er sich irrt …

REZENSION:

Sam ist ein Dieb – und diese Fähigkeit lernen wir als Leser zugleich in den ersten Seiten virtuos kennen. Man erkennt sofort, dass Sam ein ausgezeichneter Dieb zu sein scheint – nichts desto trotz ist er dieses Lebens überdrüssig und möchte als anständiger Mensch neu anfangen und nicht weiter ein Lakai der Diebesgilde sein.
Er lässt alles hinter sich und heuert bei der Palastwache an. Er hat dabei die Rechnung ohne den Wirt gemacht, denn eine dem König zugeteilte Stadtwache nimmt natürlich nicht sofort jeden, um den König zu beschützen. Jeder Neuling muss sich erst einmal dorthin arbeiten. Sam wird somit aufgenommen, jedoch entgegen seines Wunsches als Wächter in der Bibliothek unterhalb der Stadt eingesetzt. Was könnte langweiliger sein, als auf Bücher aufzupassen?
Akram El-Bahay erschafft in seinem ersten Band über die Bibliothek der flüsternden Bücher ein Setting, wie ich es schon lange nicht mehr erleben durfte. Im Gegensatz zu anderen Fanatsybüchern wandeln wir hier nicht durch unendliche Weiten in atemberaubenden Welten – nein, bei El-Bahay befinden wir uns fast ausschließlich in den Grenzen einer atemberaubenden Stadt. Diese Stadt hat dabei noch eine Besonderheit in sich: In den Tiefen befindet sich eine dermaßen riesige und uralte Bibliothek, das man sich problemlos mehrere Tage, wenn nicht gar Wochen darin verirren kann.
Recht schnell stellt sich darüber hinaus heraus, dass viele der dort aufbewahrten Werke Geheimnisse in sich tragen und darüber hinaus, dass viele lediglich aus Geschichten und Sagen bekannte Figuren in den Tiefen dieser Bibliothek ein echtes Leben fristen…
Akram El-Bahay schreibt wunderbar eingängig und führt den Leser auf eine wunderschöne und atemberaubende Art in seine Welt ein. Natürlich ist man als Buchliebhaber sofort von den Dimensionen der Bibliothek erschlagen – sehr oft ertappt man sich dabei, wie es wohl wäre, in so einer Bibliothek ein wenig zu schmökern.
Genau dort packt er seinen Leser und vermischt geschickt westliche und orientalische Stilistik, um seine Geschichte ungebremst voran zu treiben.
So gebannt wie ich von Seite zu Seite jagte, hatte ich am Ende ein wenig das Gefühl, dass es dort etwas zu hektisch geworden ist. Bevor aber dieser Gedanke zu sehr auftauchen konnte, schaffte El-Bahay immer noch rechtzeitig die Kurve.
Darüber hinaus wirkt das Buch erstaunlich abgeschlossen und öffnet keinen schmerzhaften Cliffhanger für den Folgeband. Somit ist man zwar schon in freudiger Erwartung auf das nächste Buch aus der Welt dieser Bibliothek, dennoch nicht verärgert, weil es schlicht noch nicht auf dem Markt ist.
Alles in allem ein wirklich leidenschaftliches Buch über Bücher und fabelhaften Wesen, die diesen entsprungen zu sein scheinen. Darüber hinaus sehr interessante und detailliert gezeichnete Figuren mit allen Ecken und Kanten. Ein wahrhaft interessantes Buch voller Ideen und einem atemberaubenden Setting – sowohl oben als auch in den Tiefen Mythias.
Sehr empfehlenswert.
Jürgen Seibold/11.03.2018

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