Stefán Máni: Der Stier und das Mädchen

Aus dem Isländischen von Karl-Ludwig Wetzig
©2015 by Stefán Máni
© der deutschsprachigen Ausgabe 2017 by Karl-Ludwig Wetzig
Edition M Verlag
ISBN 978-1-542-04969-6
ca. 240 Seiten

COVER:

In einer verlassenen Ecke Islands, wo der weite Himmel bis zur Erde reicht und nur das Brausen des fernen Meeres zu hören ist, haben zwei junge Touristinnen eine Autopanne. Zu Fuß erreichen sie einen einsamen Bauernhof. Auf ihrer Suche nach den Bewohnern entdecken sie in der Scheune zwei Tote, grausam zugerichtet. Auch im Wohnhaus machen sie einen ähnlich entsetzlichen Fund. Aber bevor sie fliehen können, merken sie, dass sie nicht allein auf dem Hof sind …

REZENSION:

Als ich das erste Kapitel dieses doch recht düsteren Thrillers gelesen hatte, dachte ich, es handelt sich ganz schlicht und einfach um einen typischen „da-sind-zwei-junge-Damen-zur-falschen-Zeit-am-falschen-Ort“-Thriller. Somit schweiften die Gedanken gleich in Gefilde, die bereits durch eine Vielzahl an Horrorthrillern ausgelutscht worden sind. Interessanterweise verlässt man diese beiden Freundinnen, denn urplötzlich ändert sich die Perspektive und man kann als Leser nicht mehr richtig greifen, wo man sich denn nun eigentlich in dieser Story befindet.
Der Autor springt beinahe bei jedem Kapitel nicht nur innerhalb verschiedener Zeiten sonder wechselt dabei auch regelmäßig die Perspektive. Lange Zeit dachte ich, was will Stefán Máni mir denn nun eigentlich sagen? Wie sich jedoch herausstellen sollte, löst sich der gedankliche Knoten in den Lesers Hirn (bei ausreichender und notwendiger Aufmerksamkeit) nach und nach auf. Teilweise – vor allem, wenn man zeitlich begrenzt nur Häppchen lesen kann – fällt es schwer dran zu bleiben und eine gewisse Zeit war ich mir deshalb nicht wirklich sicher, ob mir das Buch denn nun gefallen soll oder eben nicht.
Aber wie gesagt, der Knoten löst sich nach und nach auf und die jeweiligen Kapitel allein sind bereits ausreichend interessant, um am Ball bleiben zu können.
Im Laufe der Seiten verdichtet sich die Story unter Verwendung dieser verschiedenen Ebenen mehr und mehr und man erkennt die Zusammenhänge. Diese wiederum sorgen dafür, dass die Geschichte eine gewisse Tiefe erreicht, der man sich auch nicht mehr wirklich entziehen kann. Man möchte einfach wissen, wohin das alles führen soll.
Die Story funktionierte immer besser, dennoch war ich noch lange am Überlegen, ob sie lediglich in einem guten Mittelfeld landen soll. Stefán Máni schafft es aber zum Ende einen gewissen Twist einzubauen, denn ich lange nicht vorhergesehen hatte, mich aber mit seiner Deftigkeit sehr gut überzeugen konnte.
Kurzum: Man rechnet mit etwas ganz Anderem zum Anfang der Story, versucht lange Zeit Sinn und Zweck der Geschichte zu folgen, erkennt plötzlich die Hintergründe und Motivationen, um dann ungebremst in eine gänzlich andere Richtung und neue Motivation geschubst zu werden.
Somit ein doch recht gut zu empfehlender Thriller, bei dem man sich nebenbei auch noch gefühlt in einem wunderschönen Land befindet, über das der Autor sich meiner Meinung nach noch erheblich mehr hätte auslassen können.
Jürgen Seibold/07.12.2017

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