Jeff VanderMeer: Autorität – Southern-Reach-Trilogie II

Originaltitel: Authority
Aus dem Englischen von Michael Kellner
Vollständige Taschenbuchausgabe Mai 2017
Knaur Taschenbuch
© 2014 VanderMeer Creative, Inc.
© 2015 der deutschen Ausgabe: Verlag Antje Kunstmann GmbH, München
© 2017 der Taschenbuchausgabe: Knaur Verlag
ISBN 978-3-426-51805-2
ca. 365 Seiten

COVER:

Nach der katastrophalen zwölften Expedition, die Area X erkunden sollte, befindet sich die verantwortliche Organisation Southern Reach in Auflösung. John Rodriguez, der neu ernannte Kopf von Southern Reach, muss sich durch eine Reihe frustrierender Verhöre, einen Berg verschlüsselter Notizen und Stunden verstörender Videoaufnahmen arbeiten, um die Geheimnisse von Area X vielleicht doch noch zu lüften. Aber jede neue Entdeckung konfrontiert ihn mit bestürzenden Wahrheiten – über sich selbst, seine Kollegen und die Organisation, der er die Treue geschworen hat.

REZENSION:

Nach dem Lesen vom ersten Buch dieser Trilogie – mit dem Titel “Auslöschung” – blieb ich relativ verwirrt zurück. Zum Einen lag das daran, dass der Autor den ersten Band in der Ich-Form geschrieben hatte und man sozusagen ein Tagebuch liest. Hierbei hatte ich einfach Probleme, so richtig einzutauchen. Darüber hinaus wirkte es – was aber bei einem Tagebuch auch wieder logisch ist – wie eine sehr subjektive Erzählung einer einzelnen Person. Dadurch ergab sich der zweite Umstand, denn es entstanden eine Reihe von Fragezeichen in meinen Gedankengängen – somit blieb ich etwas unbefriedigt und zwiespältig zurück.
Nichts desto trotz war es dadurch unbedingt notwendig, mich auch dem zweiten Band zu widmen – vor allem in der Hoffnung, ein wenig mehr Klarheit zu bekommen.
Im Gegensatz zum ersten Band ist “Autorität” in der dritten Person geschrieben, was mir persönlich etwas besser liegt. Gleichzeitig spielt der Roman fast durchweg innerhalb der Mauern von Southern Reach. Die ominöse Pflanzenwelt namens AREA X wird nicht betreten.
Das Buch geht dadurch gänzlich andere Wege, als man es im Vorhinein beim Lesen der Rahmenhandlung auf dem Cover erwartet.
Wir begleiten John – hauptsächlich “Control” genannt – auf seiner internen Erforschung der bisherigen Begebenheiten. Dadurch entstehen neue Fragezeichen; gleichzeitig muss ich zugute halten, dass sich auch manch kleines Fragezeichen auflöst.
Sehr gelungen halte ich die Integration der Biologin, die im ersten Band das Tagebuch geschrieben hatte. Nachdem man sie gefunden hatte, hat man sie in Buch 2 innerhalb der Organisation in Gewahrsam genommen. Sie muss sich dabei in recht regelmäßigen Abständen von Control verhören lassen. Hierbei lässt sie nur sehr wenig heraus, was auch ein weiterer Grund ist, warum Control nicht wirklich weiter kommt und lediglich Mutmaßungen trifft. Hier ist man als Leser definitiv im Vorteil, da man ja das Tagebuch bereits kennt und somit sehr schön beobachten kann, ob Control auf dem richtigen Wege ist.
Ebenso wie in Band 1 fehlt es der Geschichte etwas an Spannung. “Autorität” ist eher ein Psychogramm von John Rodriguez. Dadurch bleibt der Ton ruhig, wird ab und an thematisch verstörend und wie ein Spanner beobachtet man Control, wie er immer mehr abzudriften scheint.
Über die Geheimnisse von Area X erfährt man nicht wirklich etwas neues – man stochert somit genauso im Trüben, wie alle namhaften Wissenschaftler, Expeditionen und Organisationen. Prinzipiell auch wieder nachvollziehbar: Wie soll der Leser mehr wissen, als die Personen im Buch?
Zum Ende hin hat die Story in meinen Augen ein klein wenig nachgelassen. Dies lag aber vor allem daran, dass man endlich Antworten oder Spannung bekommen möchte. Ein reines Psychogramm auf Dauer ist dann doch etwas anstrengend und für manchen auch langweilig – ist ja eine Fiktion.
Alles in allem geht die Story jedenfalls voran und ich hoffe wirklich sehr, dass sich im Abschlussband alles bisher aufgeworfene auflösen wird. Dies dann auch noch so, dass man als Leser auch überzeugt ist.
Sollte dies der Fall sein, ist die Trilogie sicher eine sehr nennenswerte Trilogie – verliert er mich im dritten Band, könnte es genau das Gegenteil sein. Ich will es mal nicht hoffen und freue mich bereits auf die Lüftung der Area X-Geheimnisse.
Jürgen Seibold/13.05.2017
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