Jeff VanderMeer: Auslöschung – Southern-Reach-Trilogie

Originaltitel: Annihilation
Aus dem Englischen von Michael Kellner
Vollständige Taschenbuchausgabe März 2017
© 2014 VanderMeerCreative, Inc.
© 2014 der deutschen Taschenbuchausgabe: Knaur Verlag
ISBN 978-3-426-51804-5
ca. 234 Seiten

COVER:

Geheimnisvolle Flora und Fauna, ebenso makellos wie verstörend, hat ein Gebiet an der amerikanischen Küste übernommen, und die entfesselte Natur dehnt sich unaufhaltsam immer weiter aus. Nur, was geschieht dort? Elf Expeditionen haben vergeblich versucht, Antworten zu finden. Ihre Teilnehmer kehrten entweder gar nicht zurück oder auf eine unheimliche Weise verändert. Jetzt entsendet das Southern Reach-Institut eine zwölfte Expedition – doch was hat sie der Faszination und dem Grauen von Area X entgegenzusetzen?

REZENSION:

Die Southern Reach-Trilogie von Jeff VanderMeer konnte sich eine Vielzahl namhafter Literaturpreise ergattern – darunter en Hugo, den Nebula, den BSFA und auch den World Fantasy Award. Somit bleibt einem prinzipiell ja schon fast nichts anderes mehr übrig, als auch in dieses Buch die eigene Nase zu stecken.
Auslöschung ist dabei der erste Band der Trilogie – wirkt mit seinen knapp über 200 Seiten aber nicht gerade ausschweifend.
Geschrieben ist dieser erste Band in der Ich-Form, die sowohl Vor- als auch Nachteile in sich hat. Mir persönlich wäre bei diesem ersten Band wohl die Sicht aus der dritten Person etwas lieber gewesen – gleichzeitig wird einem beim Lesen aber auch sehr schnell bewusst, dass der Autor diesen Stil mit Sicherheit absichtlich verwendet hatte, da eine Geschichte bestehend aus Tagebucheinträgen den Leser unter Umständen auf eine falsche Spur bringen kann – liest man doch ausschließlich aus der Sicht einer einzigen Protagonistin.
Wir begleiten in AUSLÖSCHUNG eine Anthropologin, eine Landvermesserin, eine Psychologin und die dieses Tagebuch schreibende Biologin auf ihrer Expedition in die Area X – ein Areal, dass von der Natur auf geheimnisvolle Art übernommen worden ist und sich immer weiter ausbreitet. Hierbei handelt es sich bereits um die zwölfte Expedition – alle bisherigen führten weder zu einem Ergebnis noch zu einem einigermaßen erfolgreichen Ende. Im Gegenteil: Entweder kamen die Teilnehmer nicht mehr zurück und blieben verschollen oder aber sie waren nicht mehr sie selbst und konnten sich auch an nichts relevantes mehr erinnern.
Sehr schnell bekommt man mit, dass hier einiges nicht so zu sein scheint, wie es sich zuerst darstellt. Dies betrifft auch die Teilnehmer dieser kleinen Expedition.
Nachdem AUSLÖSCHUNG anhand von Tagebucheinträgen seine Geschichte erzählt bleibt einem nur der Glaube an die hoffentlich vorhandene Ehrlichkeit der Biologin. Gleichzeitig werden dadurch aber auch eine Vielzahl an Fragen eröffnet, die sich leider – hier im ersten Band – nicht auflösen. Darüber hinaus würde man sich sehr über tiefergehende Details freuen, worauf die Tagebuchschreiberin aber verzichtet.
Der Vergleich zu dem Serienblockbuster LOST ist somit gegeben und ich kann nur hoffen, dass man nach  den beiden Folgebänden nicht weiterhin mit ungelösten Fragezeichen auf der Strecke bleibt.
Für mich persönlich war es etwas schwierig, in dieses Buch eintauchen zu können. Irgendwie konnte ich mich mit der Protagonistin nicht identifizieren – nichts desto trotz wollte ich der Geschichte weiter folgen, da man sich doch treiben lässt und dadurch das Interesse an Area X – wie die Pflanzen – zu wachsen beginnt.
Spannung lässt die Story dabei leider ein wenig missen – muss man aber wohl auch dem Stil zuschreiben, da selten jemand einen Tagebucheintrag im Stile eines spannungsgeladenen Romans schreibt.
Alles in allem hinterließ mich der erste Band recht zwiespältig zurück – nichts desto trotz bleibt der Drang nach den Folgebänden und ich hoffe sehr, dass diese dem ersten Band etwas draufsetzen können, da sonst die Geschichte meine Erwartungen nicht erfüllen kann. Meines Wissens ist im Folgeband die Ich-Form wohl kein Thema mehr und somit könnte ich mir gut vorstellen, dass der Autor dann etwas mehr ausholt. Nun, ich werde mich überraschen lassen…
Jürgen Seibold/30.04.2017

 
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