Daniel Suarez: Control

suarez_controlAus dem Englischen von Cornelia Holfelder-von der Tann
© Rowohlt 2014
496 Seiten
ISBN 978-3-499-26863-2

COVER:

1969 eroberte der Mensch den Mond. Und was ist die größte Errungenschaft unseres Jahrhunderts? Facebook? Was wurde aus den Visionen der Vergangenheit? Warum gibt es keine großen Erfindungen mehr? 

Als dem Physiker Jon Grady die Aufhebung der Schwerkraft gelingt, hofft er auf den Nobelpreis. Doch statt Gratulanten kommen Terroristen, Grady stirbt. Das melden zumindest die Medien. Tatsächlich erwacht der Wissenschaftler in Gefangenschaft: Das hochgeheime «Bureau of Technology Control» entführt seit Jahrzehnten die brillantesten Wissenschaftler. Zum Schutz der Menschheit, angeblich, denn für Kernfusion und andere Erfindungen sei der Homo Sapiens noch nicht weit genug. Für die Gefangenen gibt es nur eine Wahl: Entweder Kooperation – oder eine türlose Zelle im Fels, tief unter der Erde. Doch die neuen Herren der Welt haben die Rechnung ohne Grady gemacht.

REZENSION:

Daniel Suarez konnte bereits durch seinen Daemon sehr gut überzeugen und somit war es nur noch ein kleiner Schritt, auch ein weiteres Werk von ihm zu lesen.
Hierbei handelt es sich um einen Wissenschaftsthriller namens CONTROL mit einer durchweg interessanten Idee: Sobald ein Wissenschaftler etwas bahnbrechendes zu entdecken scheint beziehungsweise entdeckt, kommt eine geheime staatliche Organisation und lässt dieses Genie schlichtweg verschwinden. Sollte dabei der Wissenschaftler kooperativ gegenüber des BTC (Bureau of Technology Control) sein, kann er in deren Obhut weiterforschen – gibt er sich jedoch keineswegs kooperativ, bleibt er in einem verborgenden Geheimgefängnis und wird dort mit allen Mitteln durchleuchtet und als Forschungsinstrument missbraucht.
Der Grundgedanke dieser Geschichte lässt einen wahren Blumenstrauß an möglichen weiteren Begebenheiten entstehen – Daniel Suarez schnappt sich dabei aber leider die simpelste davon und vermeidet dadurch eine tiefgehende Betrachtung einer Welt, der Errungenschaften vorbehalten werden. Schade, da somit CONTROL nichts weiter ist als ein typischer Thriller mit starkem wissenschaftlichem Touch.
Durch Suarez‘ Sprache verliert er auch sehr schnell den nicht wissenschaftlich angehauchten Leser – schmeißt er doch mir physikalischen und allen weiteren möglichen Fachbegriffen einfach so um sich. Mag sein, dass Wissenschaftler somit leichter in dieses Buch eintauchen können. Mich hat er dabei ein wenig verloren, da es schlicht zu viel Wissenschaft geworden ist und er darüber hinaus Instrumente zur Lösung seiner Geschichte verwendet, die es in der heutigen Zeit natürlich noch nicht gibt. Das wäre natürlich kein Problem, aber dadurch macht er es sich ein wenig einfach in der Umsetzung.
Wäre er eher in Richtung Unterhaltungsroman für den „normalen“ Bürger gegangen, könnte dieses Buch erheblich mehr bewirken und dabei auch Fragen eröffnen, in denen der oder die Leser sich Gedanken über so eine Utopie machen könnten. Leider wird er dem nicht gerecht, da es sich ziemlich schnell nur noch um ein Katz-und-Maus-Spiel handelt und man sich sehr schnell ein Bild über das endgültige Ergebnis machen kann. Somit stark vorhersehbar und dabei auch noch unter Verwendung hochmodernster Mittel, die man beinahe eher im Comicgenre zu erwarten gedenkt.
Schade eigentlich, die Geschichte an sich hätte ein enormes Potenzial für sozialkritische Themen gehabt – übrig bleibt jedoch nur ein normaler Thriller mit einer Unmenge an herumgeworfenen Fachbegriffen.
Jürgen Seibold/13.02.2015
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