Daniel H. Wilson: Robocalypse

Originaltitel: Robocalype
Aus dem Amerikanischen von Markus Bennemann
(c) 2011 by Daniel H. Wilson
(c) 2011 der deutschsprachigen Ausgabe bei Droemer Verlag.
ISBN 978-3-426-22600-1
ca. 462 Seiten / € 16,99

COVER:

Mobiltelefone, Verkehrsampeln, Navigationssysteme – was geschieht, wenn sich diese stummen Diener mit tödlicher Präzision gegen uns wenden?

Der Wissenschaftler professor Wasserman experimentiert mit einer überlegenen künstlichen Intelligenz – bis zu dem Tag, an dem sie sich nicht mehr löschen lassen will: ARCHOS entkommt aus dem Labor und übernimmt die Kontrolle über sämtliche Maschinen auf der Welt.
Zunächst gibt es nur wenige Anzeichen dafür, in welcher Gefahr die ahnungslose Menschheit schwebt, doch schon nach kurzer Zeit regieren Chaos und Vernichtung. Und doch gibt es Hoffnung, denn selbst der überlegenste Computer kann nicht berechnen, zu was Menschen fähig sind, wenn sie mit dem Rücken zur Wand stehen: Sie formen neue Allianzen. Sie wachsen über ihre Grenzen hinaus. Sie formieren sich zum Gegenschlag. Zu ihnen gehören ein Hacker aus London, eine mutige Mutter aus Amerika, ein Soldat in Afghanistan und ein alter Japaner, dessen stille Trauer um seine Frau ungeahnte Folgen hat …

REZENSION:

Bücher, in denen künstliche Intelligenz die Macht zu ergreifen sucht, gibt es sicherlich mittlerweile wie Sand am Meer – zeigt dieses Thema doch die Ur-Angst des Menschen, der schon des öfteren gezeigt hat, das seine Rasse der Ursprung für manches Übel ist. Da liegt es nur nahe, dass diese Angst auch auf die Erschaffungen des technischen Zeitalters übergreift und manch Autor dies thematisiert.
Als mich Robocalypse erreichte, dachte ich sogleich an ein sehr spannendes Werk aus den 90ern, das bei uns leider eher nicht beachtet worden ist: Die Deus Maschine des französischen Autors Pierre Ouellette, in dem unter anderem bereits ein Rechner das Zepter übernehmen wollte.
Glücklicherweise ist Daniel H. Wilsons Buch kein Abklatsch – weder des oben genannten Buches, noch eines anderen. Wilson geht in seiner Erzählung gänzlich anders vor. Zum Einen spielt er zeitlich in einer nicht näher datierten Zukunft, womit er sich die Freiheit nehmen kann, technologisch auf einem höheren Niveau zu arbeiten – zum Anderen erzählt er in Rückblenden, was der Geschichte nur noch mehr Dramatik verleiht.
Seine Erzählung beginnt am Ende des Widerstandes der Menschen gegen die Maschinen: Der Soldat Cormack Wallace, ebenfalls Widerstandskämpfer, findet eine Datenbox mit den Aufzeichnungen, die zur gesamten Sicht des Widerstandes. Durch diese Vorgehensweise kennt man zwar bereits das Ergebnis des Widerstandes – jedoch kann der Autor dadurch mit Leichtigkeit unterschiedlichste Erzählstränge ausbreiten und muss sich nicht auf einzelne Protagonisten fixieren. Diese Vorgehensweise führt jedoch auch zu einer sehr “kalten” Art des Erzählend – was jedoch den Inhalt der Story nur noch verstärkt – wer ist kälter, als eine rücksichtslose Maschine auf der Jagd nach der endgültigen Herrschaft?
Interessanterweise lässt der Autor aber auch der Maschine einige Türen offen und man ist versucht, sie das ein oder andere Mal zu verstehen: Ist doch ihr Ursprung von Menschenhand erschafft und ihr Ziel doch auch prinzipiell von einer positiven Grundsubstanz geleitet – möchte sie doch einfach nur die Welt von den zerstörerischen Menschen retten und der Natur die Erde zurückgeben.
Dieser latente, ökologische Touch sorgt zwar ein wenig für Verständnis, doch was ist mit den Vernichtungswellen, die die Maschine dafür übernimmt? Hat der Mensch trotz seiner Eigenheiten nicht doch das Recht, die Erde ebenfalls zu bewohnen? Kann man ihm wirklich nicht anders helfen als mit der völligen Zerstörung?
Nun, ich möchte hier nicht philosophisch werden – nichts desto trotz handelt es sich in Wilsons Roman um einen ironischen Seitenhieb auf die Menschen, deren Kreativität zur eigenen Vernichtung führte.
Dieser bedrückende Umstand dreht sich natürlich im Laufe des Buches. Man möchte den Widerstand begleiten und es ist erstaunlich unter wie viel verschiedenen Facetten und unter Zuhilfenahme unterschiedlichster Personen der Autor diesen formiert. Alles führt zum Endkampf in der Kälte des Eises und man erkennt sehr schön das technische Wissen des Autors und seine eigene Affinität zur Robotik.
Alles in allem ein Thriller, der sehr kalt erzählt ist und nur vereinzelt den Fokus auf sympathische Personen wirft. Trotzdem – oder gerade deswegen – ein sehr spannend erzählter Plot, der uns abermals die Gefahren vor Augen legt.
Jürgen Seibold/06.12.2011

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