Thráinn Bertelsson: Walküren

Originaltitel: Valkyrjur
Aus dem Isländischen von Tina Flecken
Deutsche Erstausgabe Februar 2008
c 2008 Deutscher Taschenbuch Verlag GmbH & Co. KG, München
ca. 365 Seiten / 9,95 €

COVER:

Den Spuren nach zu urteilen, hätte es gar nicht eindeutiger sein können. Selbstmord. Die Frau hatte einen Staubsaugerschlauch auf den Auspuff gesteckt und das andere Ende durch das Fenster in den Wagen geführt. Doch schon bald finden Víkingur und Gudrún von der Kripo in Reykjavík erste Hinweise, dass die Frauenpolitikerin Freyja Hilmarsdóttir ermordet worden ist. Irgendjemand schien ein enormes Interesse daran zu haben, die Veröffentlichung ihres jüngsten Buches zu verhindern. Denn nach ihrem gewaltsamen Tod ist das Manuskript spurlos verschwunden – und taucht schon bald unter ominösen Umständen wieder auf…
Es ist eine ganz eigene Welt, in die uns die Ermittlungen der Kripo Reykjavík führen. Eine Welt, in der es fast mehr Gletscher, Vulkane und Wasserfälle als Einwohner gibt, in der ein Mörder an Außerirdische glaubt, mit einem Hauptkommissar, der eigentlich Theologe ist, und einer Polizeichefin, der schon mal die Faust ausrutscht. Das ist Island: ein Land, wo jeder jeden kennt und nichts schwerer ist, als ein Geheimnis für sich zu behalten.

REZENSION:

Die Frauenrechtlerin und Skandalautorin Freya Hilmarsdottir hat viele gegen sich aufgebracht, gehörnte Ehemänner, hochkarätige Politiker, Polizisten, … Die Liste der Tatverdächtigen ist lang, viele haben viel zu verbergen und noch mehr zu verlieren, wenn ihr geplantes Buch veröffentlicht wird. Vikingur und Gudrun haben viel zu tun.
Thrainn Bertelsson entführt den Leser in eine andere Welt, in der die Leute an Außerirdische und Elfen glauben, in der jeder mit jedem verwandt ist oder zumindest kennt, in der man sich mit Vornamen und „du“ anspricht, und in der Wahnsinn zum alltäglichen Leben gehört.
Es gibt neben der Haupterzählung noch zahlreiche Nebenschauplätze: Gudruns Ehekrise, Vikingurs Depressionen, ein Mann behauptet, seine Frau sei von Außerirdischen entführt, ein hochrangiger Politiker wird auf das Abstellgleis verfrachtet, die Gründung einer „Sicherheitsabteilung“ oder besser als Geheimdienst bezeichnet.
Den Schluss fand ich recht enttäuschend. Es ist zwar sehr überraschend, wer letztendlich der Täter ist, aber das Motiv bleibt unklar. Dennoch ist „Walküren“ sehr spannend erzählt und macht Appetit auf mehr.
Diana Becker / 02.03.2010

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