Thomas Finn: Weisser Schrecken

Originalausgabe November 2010
c 2010 Piper Verlag GmbH, München
ca.492 Seiten / € 9,95

COVER:

Der aufregende Mystery-Thriller aus der Feder des preisgekrönten Autors Thomas Finn – für alle Fans von Stephen King und Dan Wells: Das kleine Dorf Perchtal im Berchtesgadener Land wird eingeschneit und von der Außenwelt abgeschnitten. Und plötzlich geschehen merkwürdige Dinge. Inmitten des Schneesaturms müssen die Jugendlichen des Dorfs einen Mord an einer Unbekannten aufklären, die einer der ihren wie aus dem Gesicht geschnitten gleicht. Doch eine uralte und zutiefst bösartige Macht steckt dahinter und diese setzt alles daran, ihre Entdeckung zu verhindern…

REZENSION:

Bei den Verkaufspreisen von Büchern sage ich mir immer, dass ein Buch überhaupt gar nicht teuer sein kann, da man damit ja einige Zeit Freude hat – jeder Film ist schneller angesehen, als ein Buch gelesen.
Es gibt aber auch Bücher, die sind eher als teuer zu betrachten. Hierzu gehört WEISSER SCHRECKEN von Thomas Finn! Man hat beim Lesen dieses Buches nämlich recht wenig, was den zeitlichen Aufwand betrifft: Einen so starken Zwang zum Umblättern hatte ich schon länger nicht mehr. Glücklicherweise hinkt der Vergleich, da man mit diesem Buch in Wirklichkeit doch sehr viel hat: Einen absolut genialen Gruselthriller, der den von mir prinzipiell doch eher gehassten Vergleich mit Stephen King nicht zu scheuen braucht.
Somit wird dieses Buch für den Leser doch erneut teuer – und zwar lieb und teuer!
Thomas Finn schnappte sich auf unnachahmliche  Weise eine bzw. mehrere alte Sagen und geschichtliches Material eines “Nikolaus-Mitspielers”, den hier bei uns in Bayern jedes Kind kennt: der Krampus (auch bekannt als Knecht Ruprecht).
Um diese Figur erschuf Finn eine durchweg spannende und sehr glaubwürdig erzählte Mystery-Geschichte mit sehr sympathischen Darstellern und einem fiktiven Ort, wie man ihn in Bayern genauso anzutreffen erwartet. Selbst die bayerischen Eigenheiten, was die Sprache der älteren Mitbürger betrifft hat der norddeutsche Autor sehr gut eingebaut. Ich als Bayer könnte mir gut vorstellen, dass dafür der Rechercheaufwand nicht unbedingt geringer war, als die Nachforschungsarbeiten für den Rest des Romans.
Ich persönlich hatte als Kind auch ”Alle Jahre wieder” Angst vor dem Krampus – immerhin wurde uns mit ihm alljährlich gedroht. Vielleicht sind wir in Bayern deshalb eher brave und gemütliche Menschen, da wir den Schrecken hinter der normalen Fassade kennen und fürchten.
Nun ist mir als Erwachsenem diese ganze Angst erneut klargemacht worden und ich frage mich, was ohne die Arbeit der Freunde noch auf uns zukommt…
Der oft angesprochene Vergleich zu Stephen Kings “ES” ist auch eher weit hergeholt und findet seinen Ursprung sicherlich in den dezent eingebauten Zeitsprüngen der Hauptprotagonisten. Der Vergleich mit einem der größten Horrorautoren schadet natürlich auch nicht – Thomas Finn benötigt ihn jedoch im vorliegenden Werk keineswegs – dafür ist sein Werk viel zu eigenständig erzählt.
Ich bin jedenfalls sehr froh, erneut einen sehr hochwertigen, gruseligen und spannenden Roman mit vielen Mysteryelementen gelesen zu haben. Was mich ein wenig stört: Wie sollen es die nächsten Bücher in meinem zu lesenden Stapel schaffen, diesen Status zu erreichen?
Egal, dafür kann Thomas Finn ja nichts…
Somit bleibt mit WEISSER SCHRECKEN ein absolut empfehlenswertes Buch und ich bin sehr auf die weiteren Ideen dieses Autors gespannt.
Jürgen Seibold/15.12.2010

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