Stephen King: Love

Originaltitel: Lisey’s Story
Übersetzung: Wulf Bergner
C 2006 by Stephen King
c der deutschsprachigen Ausgabe by Wilhelm Heyne Verlag, München in der Verlagsgruppe Random House GmbH
ca. 733 Seiten / € 22,95

COVER:

Lisey ist seit zwei Jahren Witwe. Bereits lange vor seinem Tod hat ihr Mann Scott Landon – ein hochangesehener Romanautor – für sie eine Spur mit Hinweisen ausgelegt, die sie nun immer tiefer in seine von Dämonen bevölkerte Vergangenheit führt. Stück für Stück werden sorgsam verdrängte Erinnerungen in ihr wach: an eine andere Welt, die sie einst mit Scott besucht hat, tagsüber ein märchenhaftes Paradies, während nachts überall das Böse lauert. Ob Scott dort auf sie wartet, damit sie ihn ins Leben zurückholt? Plötzlich tritt ein Verrückter auf den Plan, der sich Zack McCool nennt und es auf Scotts schriftstellerischen Nachlass abgesehen hat. Und um seine Forderungen zu bekräftigen, verletzt er Lisey auf bestialische Weise…

In Stephen Kings vielleicht dichtestem und persönlichstem Roman geht es um die Geheimsprache der Liebe und die Allgegenwart des Wahnsinns.

REZENSION:

Was soll man von diesem Buch halten? Kennt man doch King in erster Linie als Horrorautor par excellence – zumindest sein Ruf spricht von nichts anderem. Seine literarischen Fähigkeiten werden von Nichtkennern schlichtweg nicht akzeptiert – schreibt er doch vermeintlich leichte Kost für blutrünstige Leser…
Warum aber gibt es auch Werke wie z.B. Dolores, Das Bild, … um nur zwei zu benennen, deren Inhalt nicht mit einem ES, Shining oder gar Friedhof der Kuscheltiere zu vergleichen sind.
Alle Nichtkenner sind teilweise verwundert, wenn sie sich Filme mit einer Oscarprämierten Kathy Bates als Dolores anschauen – ganz zu schweigen von “Die Verurteilten” oder gar “Stand by me”. Alle mir bekannten Leute hielten mich für einen Märchenerzähler, wenn ich sie anhand dieser Beispiele auf die Qualitäten eines King hinweisen wollte.
Nun erhielt dieser Autor auch noch einen Literaturpreis in den Staaten und viele der Nichtkenner waren schlichtweg sauer – schreibt dieser Mensch doch nur Horror….
Tja, vielleicht sollten diese Leute mal versuchen, das Phänomen King selbst zu ergründen, dann werden sie sicherlich feststellen, dass selbst seine gruseligsten Werke mit mehr Eleganz und literarischem Anspruch geschrieben worden sind als so manches als Literatur festgelegtes Werk anderer Autoren.
Wollen wir nun zu dem vorliegenden Buch kommen: Auch hier werden sich erneut die Geister sehr scheiden:
King-Horror-Fans werden ein wenig enttäuscht sein – King-Kenner werden erneut die Kraft in diesem Buch erkennen – und King-Hasser werden es erneut nicht lesen und weiterhin der Meinung sein er wäre ein reiner Horror-Autor.
LOVE war auch für mich sehr zwiespältig: Selbst Fan der bösen Geschichten, aber trotzdem Kenner seiner gesamten Werke – aus diesem Grund zwar ein klein wenig enttäuscht, dass King mich nicht erneut mit einem fiesen Blockbuster überrascht hat, aber trotzdem erstaunt, welche sprachliche Gewandtheit und Stärke er in einem gänzlich anderen Werk aufbauen kann.
Aus meiner Sicht werde ich LOVE zwar nicht in einem Atemzug mit meinen Lieblings-King-Büchern nennen – aber nichts desto trotz zeigt LOVE sehr deutlich, dass eine Geschichte auch allein durch die Geschichte leben kann.
Sicherlich schweben einige King-Elemente vorbei und er startet sehr ruhig in diesem Buch – hat man aber einige Seiten überwunden und das Interesse beibehalten, eröffnet sich eine Beinahe-Liebesgeschichte, deren Kraft seinesgleichen sucht und auch nicht als klassisch zu bezeichnen ist. Vielmehr zeigt King wie die Liebe den Tod überwindet und führt den Leser damit in eine Gedankenwelt außerhalb jeder Klischees, wie sie sonst die Bezeichnung “Liebe” so mit sich trägt.
Seine Sätze lassen den Leser durch die geniale Sprachgewandtheit teils schmunzeln, teils mitfiebern und führen den Autor erneut an literarische Höhen, an denen manch andere nur hochblicken können.
Man muss sich diesem Buch auf jeden Fall hingeben, ist es doch gänzlich anders als die Erwartung so mit sich bringt.
Es schadet aber keineswegs, da eine sehr dicht gewobene Geschichte voller Liebe und Erkenntnis übrig bleibt, in der King mit Sicherheit einiges an Herzblut eingewoben hat.
Also: Einerseits uneingeschränkt zu empfehlen, andererseits sehr von der Erwartungshaltung des Lesers abhängig.
Jürgen Seibold/19.05.08

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