Philip José Farmer: Die Verkörperung des Bösen / Ausser Atem / Fleisch

c 2005 by area verlag gmbh, Erftstadt
Titel der Originalausgaben:
Die Verkörperung des Bösen: The Image of the Beast
Ausser Atem: Blown
Fleisch: Flesh
Übersetzung von Ronald M. Hahn

COVER:

Ein “Exorzismus in drei Ritualen” – drei erotische Fantasy-Romane von Philip José Farmer.

Sie gelten als die Enfants terribles des Science-Fiction-Genres: die Episoden um Detektiv Herald Childe, der einer grausamen Horde Außerirdischer anheimfällt, und die Abenteuer des Sonnenhelden Peter Bock, der in einem Fruchtbarkeitsritual unversehens zum Sexprotz mutiert..
Ende der sechziger Jahre erschienen, gehören die drei legendären Romane Philip José Farmers bis heute zu den Klassikern der Science-Fiction- und Fantasy-Literatur und bestechen nach wie vor durch verblüffende Tabu- und Respektlosigkeit genauso wie hintergündigen Humor und Satire.

REZENSION:

Der Band “Fleisch” der Fantasyreihe des Area-Verlages beinhaltet die drei Romane “Die Verkörperung des Bösen”, “Ausser Atem” und “Fleisch” von Philip José Farmer aus den Jahren 1968 und 1969.
Diese Jahreszahlen sollte man sich noch mehrmals auf der Zunge zergehen lassen, denn Farmer erzählt in einer brutalen und schamlosen, sowie vor sexuellen Eskapaden strotzenden Art und Weise, wie es für diese Zeit sicherlich noch nicht üblich wahr. Es gibt bestimmt genug Menschen in der heutigen Zeit, die damit noch Probleme haben würden.
Viele würden dieses Werk somit schlicht und einfach als Pornographie abtun und in dieser Ecke abstellen. Dies würde jedoch weder dem Autor noch den Geschichten gerecht werden.
“Die Verkörperung des Bösen” und “Ausser Atem” sind zwei zeitlich aufeinander folgende Episoden im Leben des Detektivs Herald Childe, der sich auf der Suche nach Mördern durch so ziemlich alles schlagen muss, was man einem nur entgegensetzen kann: Außerirdische, abgrundtiefe Bosheit, sexuelle und orgiastische Ausschweifungen, Vampire, Wolfsmenschen, und und und.
Und ich muss uneingeschränkt sagen: Diese Tour macht irre Spass!!
Herald Childe ist ein Mensch wie du und ich – bzw. wie ein John McClane in “Stirb langsam”: zur falschen Zeit am falschen Ort.
Philip José Farmer erzählt rasend schnell und trotzdem eingängig, sehr detailliert und glaubhaft. Seine mit einer übertriebenen Offenheit dargelegten sexuellen Abgründe sind sehr regelmäßig aber auch geschickt und passend in die Erzählstränge eingebaut und legen sich problemlos zur Handlungsauflösung gehörend dar.
Man fühlt sich wie auf einer durchgeknallten Geisterbahn, bei deren Ausfahrt man mit offenem Mund herauskommt und nur noch ein “WOW!” ausstossen kann.

Ein kleines Manko muß ich lediglich trotz der Lobpreisungen loswerden:
Erstens ist man bei dieser Tour de Force sehr stark auf die Figur Herald Childe fixiert (was sicherlich auch an der erzählerischen Qualität des Autors liegt), der leider bei der dritten Geschichte nicht mehr mitspielt, da diese eine Science-Fiction-Story losgelöst der vorangegangenen Romane darstellt.
Dadurch verspürt man eine gewisse Enttäuschung, die sich durch die nicht mehr so stark überzeugende dritte Geschichte auch leider nicht mehr gänzlich abstreifen lässt. Ich denke, hier wäre weniger mehr gewesen und es hätten die beiden Episoden um Herald Childe als Doppelband sicherlich auch gereicht.
Zweitens fehlt mir ein wenig der Bezug zur Fantasy und ich kann nicht ganz nachvollziehen, warum der Area-Verlag diese Romane unter dem Label Area-Fantasy veröffentlicht. “Fleisch” ist Science-Fiction und die beiden genialen Romane um Herald Childe spielen in der “heutigen” Zeit und sind nach meinem Empfinden eher in die mystische Thrillerecke mit Horrorelementen einzuordnen. Ich bin zwar kein großer Freund zu detaillierten Schubladendenkens, aber in diesem Fall befindet sich die Leserschaft wohl eher in der “grausamen” Ecke. Somit hätte ich mir diesen Band auch ganz gut in der Horror-Reihe des Area-Verlages vorstellen können.
Ich möchte aber nun die Qualitäten dieses Buches nicht schmälern und finde, dass es einen Buchtipp des Monats verdient hat. Diesen “Preis” verleihe ich aber ausschließlich den beiden Herald-Childe-Romanen!
Aber Vorsicht: Man muß ein sehr aufgeschlossener Leser sein, um dies alles ohne Probleme zu verkraften….;-)
Jürgen Seibold/01.01.2006

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