Peter Lancester: Dämonentränen – Die Chroniken der Anderwelten 3

vollständige Taschenbuchausgabe 2005
c 1990: Peter Lancester
c 2005 der deutschsprachigen Ausgabe: Eldur Verlag, Aachen
ca. 385 Seiten / 9,95 €

COVER:

“Dämonentränen” schlägt ein neues Kapitel der Anderwelten-Chroniken auf. Es ist die Geschichte von Mona, die versucht, in unserer Welt ein normales Leben zu führen. Dazu gehört auch die Verdrängung ihrer unrühmlichen Vergangenheit. Doch eben diese holt sie ein, als eine namenlose Organisation sie entführt, um eine bestimmte Information aus ihr herauszupressen: Die Lage eines der Portale, die in die Anderwelt führen.

Dazu müssen zunächst Monas verschüttete Erinnerungen reaktiviert werden. Allerdings geht dies nicht ohne Nebenwirkungen vonstatten. Schon bald zahlen die Entführer einen hohen Preis.

Das dritte Buch der fünfteiligen Reihe ist ein Buch der Extreme. Düster, blutig und erotisch weckt es Mitleid und Sympathien für ein Wesen, das eigentlich weder das eine noch das andere verdient. Sollte man meinen.

Zum Autor:
Peter Lancester schreibt vorwiegend Horrorgeschichten, doch es ist schwer, für diese einen Verleger zu finden, denn jeder, der sie liest, erkrankt alsbald an einem grünlichen Hautausschlag und stirbt nach einer Woche.

REZENSION:

Wie bitte? – Die Chronik der Anderwelten geht in die dritte Runde und es gibt keine Eva, keinen Friedrich oder Otto?
Sämtliche ins Herz geschlossene Protagonisten der ersten beiden Bände sollen nun im vorliegenden Buch keine Rolle spielen? Wo ich mich im ersten Band noch über die neunmalkluge und ein wenig übertrieben “jugendlich und pubertierend” gezeichnete Eva geärgert, im zweiten Buch aber glaubhafter und nun langsam erwachsen werdend dargestellt und somit von mir fieberhaft begleitet worden ist?
Naja – wende ich mich halt trotz sämtlicher Vorbehalte und Bedenken diesem Buch zu und laß mich einfach mal überraschen:
Der Autor breitet vor dem Leser die Geschichte von Mona aus und bewegt sich dabei in einem zeitlichen Wechselspiel, betritt aber so gut wie nie die Anderwelten, sondern hält sich überwiegend “bei uns” auf.
Man springt in seinem Buch zwischen zwei (etwa 30 Jahre auseinander liegenden) unterschiedlichen Zeiten und man hat dabei positiver weise das Gefühl, dass Peter Lancester die jeweils spannendsten Erlebnisse aus diesen beiden unterschiedlichen “Epochen” hervorholt um den Leser in virtuoser Art an das Buch zu fesseln.
Er vermeidet dabei anfangs auch sehr geschickt die zu frühe Offenbarung, um was es sich bei Mona handelt und man wäre dadurch erstmal sehr verwirrt und danach auch sehr überrascht, würde man nicht schon aufgrund des Buchcovers die richtigen Schlüsse ziehen.
Ich denke, ohne diesem Wissen würde das Buch noch mehr wirken – aber ich kann natürlich auch das sehr gute Cover verstehen, da nunmal Coverbilder ebenfalls zum Kauf verleiten. Eine “Geheimhaltung” der wahren Mona würde aber nichts desto trotz die Geschichte noch intensiver machen.
Somit kann man hier verraten, dass es sich bei Mona eigentlich um einen Flugteufel handelt, der aus nachzulesenden Gründen sozusagen bei uns “gestrandet” ist und mit Sicherheit keinerlei Mitgefühl des Lesers verdient hätte, nun aber in unserer Welt mehr und mehr menschliche Erfahrungen sammelt und den Leser dadurch erobert.
Es geht sogar weiter: Man ist versucht, die anderen beteiligten Menschen zu verfluchen, da diese Mona aus egoistischen Gründen festhalten und in übelster Weise behandeln bzw. misshandeln. Nebenbei schafft es Lancester in seiner Geschichte sogar, eine sehr glaubhafte Liebesgeschichte mit einzubauen, die die menschlichen Züge Monas noch mehr hervorholen.
Peter Lancester dreht somit im vorliegenden Werk die Leserbeziehung Mensch – Monster gänzlich um und erzählt uns eine Lebensgeschichte mit einer neuartigen Intensität und ungeahnten Dramaturgie, die nicht nur thematisch sondern auch schriftstellerisch ein neues Kapitel dieser Chroniken aufschlägt.
Dämonentränen ist somit für mich der absolute Höhepunkt des bisher veröffentlichten Teils des Anderwelten-Epos und lässt sich sicherlich nur noch schwer toppen!
Jürgen Seibold/24.06.2006

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