Margaret Skjelbred: Die Perlenkönigin

Originaltitel: Gulldronning, Perledronning
Übersetzung: Sigrid Engeler
Deutsche Erstausgabe Januar 2006
c 2004 Tiden Norsk Forlag, Oslo
c 2006 der deutschsprachigen Ausgabe: Deutscher Taschenbuch Verlag GmbH & Co. KG, München
ca. 239 Seiten / € 14,–
 

COVER:

Er weiß, es ist an der Zeit. Seine Geschichten können das Kind nicht länger beschützen … Die kleine Signhild wächst auf dem Hof ihres Großvaters Havard auf. Noch ahnt sie nichts von dem dunklen Familiengeheimnis. Doch sie wird es erfahren. Und ihr Großvater weiß, dass es nur ihm gelingen kann, sein kleines Mädchen von einer schrecklichen Erinnerung zu befreien und ihm so einen Weg ins Leben zu bahnen

“Die Perlenkönigin” erzählt die Geschichte einer jungen Frau. Schon ganz früh hat sie Dinge erlebt, die in Sprache zu fassen weh tut. Aber sie findet den Weg zurück ins Leben und schafft es schließlich zu sagen: “Ich bin.”
Auf eindringliche Weise erzählt Margaret Skjelbred von menschlichen Schicksalsschlägen: von verschmähter Liebe und Tod, von Gewalt in der Familie und von der versöhnenden Kraft der Liebe.

Margaret Skjelbred hat sich in Norwegen mit ihren Gedichtsammlungen als populäre Lyrikerin etabliert. 1997 debütierte sie erfolgreich mit dem ersten Teil einer Romantrilogie, „Lerchenherzen“. 1998 folgte der zweite Teil „Windgesang“, 2000 der dritte und letzte Teil der Trilogie „Elfenecho“. 2004 erschien der Roman „Die Perlenkönigin“, der in Norwegen sofort nach Erscheinen die Bestsellerliste stürmte.

REZENSION:

„Ich heiße Signhild. Meine Mutter hat meinen Stiefvater mit einem Messer getötet, aber ich kann nichts dafür.“ – Signhild sitzt am Sterbebett ihres geliebten Großvaters und erinnert sich an ihren achten Sommer, den Sommer, in dem sie erfährt, dass sie eine eigene Geschichte hat. Mit wachen Augen und kindlichem Staunen erzählt Signhild von ihrem Leben mit ihrem Großvater auf einem abgelegenen Hof. Auf der Welt scheint es nur sie beide zu geben, und die Figuren aus den Geschichten, die sich der Großvater unermüdlich für die kleine Signhild ausdenkt. Doch die Idylle der beiden wird gestört durch die „Nachtbilder“ von Signhild, die wie dunkle Schatten immer wieder in ihren Träumen auftauchen. Erst nur vage und verschwommen, aber gleichzeitig beklemmend und quälend, da Signhild die Bilder nicht zu deuten weiß. Doch mit der Zeit werden die Bilder deutlicher und setzen sich ganz allmählich wie ein Puzzle zusammen. Das vollständige Bild des schrecklichen, zwei Jahre lang vom Großvater sorgsam gehüteten Familiengeheimnisses, erschließt sich dem Leser erst in dem Moment, in dem Signhild mit der Beschreibung jenes Sommers und der Großvater mit der der Familiengeschichte zu Ende kommt. Die unglaubliche Spannung dieses Romans entsteht durch den „alten Trick“, dass mehrere Geschichten gleichzeitig erzählt werden und immer im spannendsten Moment von einer in die nächste gewechselt wird. Nicht nur, dass man das Buch nicht aus der Hand legen möchte, weil man unbedingt wissen „muss“ wie diese Geschichte weitergeht, man wird auch einem wahren Wechselbad der Gefühle ausgesetzt. In einem Moment, taucht man ein in die behütete Kindheit von Signhild, die eingebettet ist in die grenzenlose – schon fast beneidenswerte – Liebe ihres Großvaters. Im nächsten Moment wird man jäh herausgerissen und befindet sich mitten in der Familiengeschichte, in der Schicksalsschläge dominieren und wenig Platz für Liebe ist. Dann wieder befindet man sich plötzlich in der verstörenden Welt von Signhilds „Nachtbildern“. Bei aller Betroffenheit angesichts der tragischen Ereignisse, bleibt am Ende doch die Hoffnung, dass es möglich ist, sich von der Hypothek vorangegangener Generationen zu befreien.
Die Perlenkönigin ist ein eindringliches, intensives und unglaublich fesselndes Buch, wie ich schon lange keines mehr gelesen habe.
Susanne Mayer für Hysterika, 26.04.2006

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