Madeleine Harstall: Das Geheimnis der Gräfinnen

c 2004 by Knaur Taschenbuch

COVER:

Im Sommer 2004 reisen Richard und Zilla von Genf nach Zingst in Nordvorpommern, wo Zillas Mutter, die Gräfin Rosalie, ein Trakehnergestüt leitet. In der Ehe der beiden kriselt es, und Zilla ahnt nicht, dass Richard ein düsteres Familiengeheimnis vor ihr verbirgt. Zillas Verhältnis zu ihrer Mutter ist schwierig, denn Zilla hat ihr nie verziehen, dass sie ihre Tochter in den 80er-Jahren in den Westen geschmuggelt hatte, so dass diese nicht nur ihre Mutter, sondern auch ihre Kindheit an der Ostsee zwischen Dünen, Meer und Wolken verlor. Und nun hat ihre Mutter vor, ihrem Schwiegersohn die Leitung des Gestüts anzuvertrauen. Dieser aber wehrt sich zunächst. Der Grund: Richards Großvater hat in Ostpreußen ein furchtbares Verbrechen begangen…

Madeleine Harstall wurde 1958 in Genf geboren. Sie studierte Germanistik und Sprachen und lebt in Wangen im Allgäu.

REZENSION:

Die im Klappentext angekündigten Themen: dunkles Familiengeheimnis und Mutter-Tochter-Konflikt lassen eine spannende Lektüre erwarten. Als Leser freut man sich auf eine Geschichte, die auf zwei Ebenen – Gegenwart und Vergangenheit – erzählt wird, und die sich erst nach und nach wie ein Puzzle zusammensetzt, so dass man das Buch erst wieder aus der Hand legen möchte, wenn man das ganze Bild kennt. Im Prinzip trifft das auch auf diesen Roman zu, allerdings wird die Geduld des Lesers streckenweise doch auf eine ziemlich harte Probe gestellt, denn bevor man zum nächsten Puzzle-Teil kommt, muss man – teilweise ziemlich langatmige – Ausführungen über die Landschaft (Nordvorpommern) und die Pferdezucht über sich ergehen lassen. Vielleicht habe ich mich aber auch nur deshalb durch diese Exkurse so ausgebremst gefühlt, weil diese Themen mich persönlich nicht unbedingt fesseln. Doch damit nicht genug, der Leser wird zudem noch mit jeder Menge geschichtlicher Daten und Details zum 2. Weltkrieg überschüttet, Stoff genug für einen eigenen – wahrscheinlich sogar ziemlich interessanten – Roman. Aber ich wollte ja eigentlich einem Familiengeheimnis auf die Spur kommen und diesen Mutter-Tochter-Konflikt verstehen, und nicht meine Geschichtskenntnisse erweitern. Man hat das Gefühl, dass Frau Harstall befürchtet haben könnte, dass sie in ihrem ganzen Leben nur ein einziges Buch schreiben kann oder wird, und deshalb in diese 414 Seiten alles hineinpacken muss, was sie auf dieser Welt für wichtig, interessant und erzählenswert hält. Dem Leser wird dadurch einiges an Flexibilität und Toleranz abverlangt. Kaum glaubt man aus diesem Informationswust ein weiteres Puzzle-Teil herausgepickt zu haben, muss man erkennen, dass alles dann doch ganz anders ist, als man – und auch die Protagonisten des Romans – gedacht hat. Irgendwie gelingt es der Autorin aber dennoch, immer wieder gerade noch rechtzeitig zur „eigentlichen“ Geschichte zurückzukommen, so dass man dann doch bis zum Ende dabei bleibt.
Fazit: Für meinen Geschmack wäre weniger auf jeden Fall mehr gewesen. Doch trotz der epischen Abschweifungen ein ziemlich spannendes Buch.
Susanne Mayer für Hysterika, 28.09.2006

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