Luc Deflo: Nackte Seelen

Originaltitel: Naakte zielen
Übersetzung: Stefanie Schäfer
Deutsche Erstausgabe August 2007
c 1999 by Uitgeverij Manteau / Standaard Uitgeverij nv en Luc Deflo
c 2007 der deutchsprachigen Ausgabe by Knaur Taschenbuch
ca. 362 Seiten / 8,95 €

COVER:

”Was war mit dem Blut im Flur? Hatte er es aufgewischt und den Putzlappen mitgenommen? War das durchtränkte Tuch seine Beute? Saß er jetzt in einem dunklen Winkel und roch oder leckte daran?”

Fieberhaft versucht Polizeipsychologe Dirk Deleu, sich in die kranke Gedankenwelt jenes brutalen Killers hineinzuversetzen, der in Mechelen ganze Familien auslöscht. So sehr vergräbt er sich in den Fall, dass er die Parallelen zwischen seinem eigenen Leben und dem der Opfer übersieht. Dabei plant der Täter bereits sein nächstes blutiges Ritual…

REZENSION:

Luc Deflo erklimmt in seinem Heimatland regelmäßig die Bestsellerlisten. Nun erschien sein Debütroman NACKTE SEELEN auch in Deutschland.
Das Buch handelt in erster Linie von Dirk Deleu – Polizeipsychologe mit genug privaten Problemen, um seinen Job an den Nagel zu hängen. Dirk Deleu’s Stärke liegt in der “Hineinversetzung” in die kranken Gedankenwelten der mordenden Psychopathen. Dies wird von Luc Deflo auch in virtuoser Weise dargestellt – lässt er doch den Leser an den gedanklichen und teils kranken Spielereien des Ermittlers teilhaben.
Dadurch führt er seine Leser in einen Sog, der voller Blutrünstigkeit strotzt – hinzu kommt die Brutalität des Mörders, dessen Rituale ebenfalls sehr detailreich präsentiert werden. Dieser Umstand lässt sicherlich die Meinungen der Leser auseinander driften – gibt es doch genug, die bei einem Thriller nicht mehr als einen spannenden Krimi erwarten. Deflo geht aber hierin darüber hinaus und zeigt jede Kleinigkeit in farbenfroher und dadurch um so erschreckenderen Art und Weise.
Nach etwa 150 Seiten führt er den Mörder vor und man ist zwar überrascht über die Person, aber auch ein wenig enttäuscht über dieses vorzeitige Wissen. Wie sich aber herausstellt, lässt er es nicht dabei, sondern zeigt uns auch die Krankhaftigkeit und das Entstehen des Monsters.
Das Ende wird einige Leser mit offenem Mund sitzen lassen – ist aber nichts desto trotz nachvollziehbar.
Alles in allem bleibt ein recht spannender aber auch brutaler Thriller, der zu gefallen weiß und als Debütroman sehr überzeugend wirkt. Es gibt sicherlich noch einiges an Potenzial – insbesondere, was die Spannung betrifft – aber dies wird Luc Deflo hoffentlich in seinen Folgebändern zu erfüllen wissen.
Jürgen Seibold/19.10.2007

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