Cherith Baldry: Der venezianische Ring

Originaltitel: The Reliquary Ring
Übersetzung: Irene Bonhorst
Deutsche Erstausgabe Juni 2005
c der deutschsprachigen Ausgabe: 2005 Piper Verlag GmbH, München

COVER:

In einer namenlosen Stadt der Zukunft, einem apokalyptischen Abbild Venedigs: Der Wasserspiegel ist gestiegen, und die Gebäude verfallen zusehends. Religiöse Fanatiker, Grafen und Herzöge feiern rauschende Feste und schmieden dunkle Intrigen. Sie beherrschen die Genics, genetisch manipulierte Menschen, deren Schöpfer längst vergessen sind. Da taucht der geheimnisvolle Graf Dracone auf, der auf der Suche nach einer alten Reliquie ist – einem Ring, der angeblich ein Haar des “Christos” enthält. Umgeben von einer Schar Genics, einem skrupellosen Wissenschaftler und intriganten Adligen ersinnt Dracone einen aberwitzigen Plan: Aus dem Haar will er einen Klon Christos’ erzeugen, ihn kontrollieren und dadurch absolute Macht erlangen. Doch im Meer vor den Toren der Stadt leben die letzten freien Genics, und auf ihnen ruht alle Hoffnung…
Ein phantastischer okkulter Thriller in der Tradition Dan Browns.

Cherith Baldry, geboren in Lancaster, England, studierte an der Universität von Manchester und arbeitete als Lehrerin, bevor sie sich der Schriftstellerei widmete. Nach zahlreichen Büchern für Jugendliche ist “Der venezianische Ring” ihr erster düster-phantastischer Roman. Cherith Baldry lebt verwitwet mit ihren zwei Söhnen in Surrey.

REZENSION:

Cherith Baldry’s erster Roman “Der venezianische Ring” ist eine Mischung aus Science-Fiction, Mystery und Fantasy.
Die Handlung findet in einer namenlosen Stadt der Zukunft dar, die sich wie ein apokalyptisches Abbild Venedigs darstellt. Dies ist aber leider auch schon das erste Manko dieses Romans: Cherith Baldry verzichtet unglücklicherweise auf nähere, detailliertere Beschreibungen dieser doch ziemlich interessant wirkenden Stadt.
Davon abgesehen erschuf sie jedoch einen sehr spannenden, dichten Plot der den Leser größtenteils zu überzeugen weiß und das Leseinteresse wach hält.
Sie spielt mit sehr vielen unterschiedlichen Elementen aus den diversen oben genannten Genrebereichen: Man findet genmanipulierte Menschen, die Genics, aus der SF-Tradition genauso vor, wie Fantasyelemente durch die herrschenden, skrupellosen Fanatiker, Grafen und Herzoge, als auch das bereits mehrfach verwendete Mysteryelement – dem Klonen des “Christos” aus einem Haar in einer alten Reliquie. Dieses Mysteryelement entwickelt sich aber positiverweise  immer mehr zu einem Nebenschauplatz. Dies hilft dem weiteren Handlungsverlauf sehr, da Cherith Baldry ihren Fokus eher auf rassistische und somit verwerfliche Elemente – der Beziehung Mensch/Genic – setzte und uns damit einen Spiegel vorhält und zum Nachdenken bringt.
Der letztendlich ein wenig negative Punkt in ihrer Geschichte ist die zu einfache charakterliche Zeichnung aller beteiligten Individuen. Man weiß dadurch leider von Anfang an, wen man in die “Gute”- und wen in die “Böse”-Kategorie einzuordnen hat.
Davon abgesehen liegt mit “Der venezianische Ring” ein unterhaltsamer, genreübergreifender und spannender Roman vor, der den Leser bei der Stange hält und – wie es sich für ein gutes Buch gehört – für ein paar schöne, zeitvertreibende Stunden sorgt.
Jürgen Seibold/30.08.05

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