Anthologie – Bernd Rothe (Hrsg.): Rattenfänger (Magic-Edition Band 8)

Originalveröffentlichung
c 2005 by BLITZ-Verlag GmbH
ca. 395 Seiten

COVER:

Diese Novellen – in der Tradition des Rattenfängers von Hameln – lehnen sich weniger an die klassische Sage an, sondern grenzen sich phantasievoll davon ab. “Fänger” aller Art sind nicht nur auf Ratten aus. Dieser von Pat Hachfeld reich illustrierte Band wirft ein völlig neues Licht auf das interessante Thema.
Marc-Alastor E.-E. bringt die Frage auf: Was treiben Vampire aus Siebenbürgen am Mäuseturm von Bingen? Alisha Biondas MEPHISTO gibt Goethes Faust eine erotische Note und greift die scheinbar unvereinbaren Werte “Weltprinzip und lüsternes Geschöpf” des Klassikers auf. Armin Rößlers SF-Variante DER VERLORENE spielt gar auf einem fernen Planeten. Dirk Taeger fabuliert aus der Sicht der Ratten – ungewöhnlich in Form und Sprache, dem Werk Sir Thomas Malorys “König Artus” nachempfunden. Und Christian von Aster bietet eine ganz besonders moderne und technische Variante.

Inhalt:
Stefanie Bense: Schattenschläger
Alisha Bionda: Mephisto
Marc-Alastor E.-E.: Nicht ohne Wut, sei vom Lamm das Blut
Christian Schönwetter: Die Rattenfänger sind in der Stadt!
Marlies Eifert: Lenas Wege
Frank W. Haubold: Der Puppenmacher von Canburg
Dominik Irtenkauf: Der Lichtfänger
Barbara Jung: Die Königin und ihr Gardist
Monique Lhoir: Das Rattenmädchen
Markus K. Korb: Rattentod GmbH
Armin Rößler: Der Verlorene
Dirk Taeger: Die Stadt der Riesen
Stefanie Hübner-Raddatz: Die Flöte des Spielmannes
Christian von Aster: Niederfrequenzmanipulation oder Des großen Rattenfänger Trick
Veruka Aniko: Canard – Liebling
Volly Tanner: Ein leises Lied vom Verschwinden…
Martin Skerhut: Der Rattenkönig
Alexander Amberg: Die Wege des Herrn

REZENSION:

Anthologien die ein Thema vorschreiben gibt es wie Sand am Meer. Normalerweise ist dieses Thema jedoch sehr weit gefächert: Drachen, Monster, Grusel, Vampire, ….
Somit kann man sich als Autor jedesmal eigentlich innerhalb eines extrem umfangreichen Bereiches austoben und man trifft trotzdem das vorgegebene Thema.
Nun erreichte mich ein Buch des Blitz-Verlages, in dem als Thema “Der Rattenfänger von Hameln” vorgegeben wird.
Diese Thema ist sehr eng begrenzt und ich konnte mir nur schwer vorstellen, wie die Autoren damit umgehen und diese Grenzen sogar noch einzureissen in der Lage sind.
Aber es hat funktioniert!
Es befinden sich in diesem Buch 18 Kurzgeschichten, wie sie unterschiedlicher kaum sein können. Man schwenkt darin zwischen “klassischen” Erzählungen der Rattenfänger-Saga – aus unterschiedlichen Sichtweisen (sehr schön auch mal die Sichtweise der Ratten!) und gänzlich anderen Inhalten, die sich lediglich das Prinzip des Rattenfängers zu eigen machten und komplett neu erzählten.
Durch diese Vielfalt ist sicherlich für jeden etwas dabei und es kann jeder selbst beurteilen, welche dieser Geschichten seine Favoriten sind und welche sich lediglich als Durchschnitt darstellen. Dies möchte ich auf keinen Fall alleine beurteilen, da die Geschichten sehr abwechslungsreich und unterschiedlich erzählt sind und somit nicht jede einzelne Story jeden Geschmack des Lesers treffen kann.
Dies soll jetzt nicht negativ klingen – es liegt oft in der Natur der Sache: Anthologien sind nun mal unterschiedlich in Erzählweise und Schreibstil.
Auf jeden Fall ist “Rattenfänger” eine sehr interessante Idee, die auch dementsprechend gut umgesetzt wurde. Besonders lobenswert ist der Umstand, dass die Autoren nicht nur die Sage neu erzählten, sondern auch mit gänzlich anderen Ideen aufwarten konnten und den Rattenfänger lediglich als Metapher benutzten.
Sehr erwähnenswert sollen auch die sehr gut passenden Zeichnungen sein, die den Leser in die folgende Geschichte einführen. Ebenso auch die Vorstellung aller Autoren (und des Herausgebers) am Ende des Buches – so fällt es einem leichter, einen Autor weiter zu betrachten (…und zu verfolgen.)
Des weiteren gibt es auch noch eine kurzen Überblick über die Sagenentstehung und über Hameln selbst – was sich sehr gut in das Gesamtbild des Buches einfügt.
Jürgen Seibold/01.05.06

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