HYS090 – Im Gespräch mit Krimimimi

Im Rahmen der Veröffentlichung von Stefán Mánis neuestem Buch „Der Stier und das Mädchen“ ergab sich für mich die Gelegenheit, einige Worte mit der Radio-Moderatorin Krimimimi zu wechseln.
Es ergab sich ein sehr interessantes Gespräch und man merkt relativ schnell, dass sich mit ihr ein leidenschaftlicher Profi in der Leitung befand.
Gegen Ende gab es einige kleine technische Problemchen, dennoch lohnt es sich definitiv, diese Folge zu genießen.
Wenn jemand eine sinnvolle und einfache Alternative zu Skype kennt, würde ich mich sehr über eine diesbezügliche Info freuen.

Ich bedanke mich noch einmal sehr herzlich bei allen Beteiligten und natürlich im Besonderen Krimimimi für dieses tolle Gespräch.

 

 

Michael E. Vieten: Handbuch zur Rettung der Welt

©2017 Vieten, Michael E..
ISBN 978-3740733766
ca.286 Seiten

COVER:

„Schaue nicht nach Westen, schaue nach Osten. Dort geht jeden Morgen eine neue Sonne auf.“

Was erwartet die Menschheit, wenn sie weitermacht, wie bisher?
Anthropozän 2050. Ende des Industriezeitalters.
Es ist genau das passiert, was jeder Mensch hätte wissen müssen. Die Menschen haben die Erde der Gier, der Selbstsucht und der Ignoranz geopfert. Die Umwelt ist größtenteils zerstört. Unbesiegbare Keime, Kriege, Hungersnöte und eine verheerende Pandemie haben den überwiegenden Teil der Menschheit dahingerafft. Der Rest kämpft allein oder in kleinen Gruppen ums Überleben. Jeder ist sich selbst der Nächste. In dieser feindlichen Umgebung lebt die junge Mila in der Hoffnung auf ein fernes Hochtal, in dem die Natur noch intakt sein soll. Mit dem alten Josh macht sie sich auf den gefährlichen Weg und kämpft mit den schrecklichen Folgen des Unterlassens und der Ignoranz der Menschen des 21. Jahrhunderts.

Ein Roman über ein großes Abenteuer, verzweifelte Hoffnung, grenzenlose Zuversicht und aufrichtige Freundschaft.

REZENSION:

Es gibt eine schier unermessliche Vielzahl an dystopischen Romanen. Man begegnet dabei vor allem Zombies, Seuchen, Aliens oder gar Vampiren. Die Ursachen sind zumeist nicht konsequent geklärt, dennoch schwingt oft ein kleines Unbehagen bei diesen Stories mit, die einen irgendwie andauernd darüber nachdenken lassen, ob wir als Menschheit dabei nicht gerade eine unerhebliche Rolle auf dem Weg zur beschriebenen Dystopie hatten.
Nachdem es aber meistens lediglich Überlebensromane sind, kann man da relativ simpel darüber hinwegsehen. Die Spannung allein reicht und warum es plötzlich Zombies gibt, ist doch egal.
Jede Geschichte möchte aber nicht nur etwas erzählen, sondern auch oft etwas vermitteln. Sehr häufig leider gut versteckt und deswegen macht man sich keine großartigen Gedanken als Leser eines typischen Dystopie-Spannungsromans.
Michael E. Vieten legt ebenfalls mit „Handbuch zur Rettung der Welt“ einen kleinen, knackigen Dystopie-Roman vor. Wir begleiten die junge Mila auf ihrem Weg durch eine karge Welt. Sie trifft dabei auf den über 70jährigen Josh, der sich als hilfreicher Zeitgenosse herausstellt und somit bleiben beide zusammen und suchen ein traumhaftes Tal, welches Mila lediglich auf einer alten Postkarte gesehen hat.
Im Gegensatz zu Mila kennt Josh aufgrund seines Alters die Welt, wie wir sie kennen – also: Vor dem Untergang. Diese Verknüpfung nimmt der Autor, greift sich einen Spiegel und lässt uns Menschen der heutigen Zeit nicht nur hineinschauen, sondern haut ihn uns förmlich in die Fresse. Genau so kann es geschehen, wenn wir nicht endlich unseren Allerwertesten hochbekommen und etwas tun.
Die Geschichte selbst lebt exakt von diesem immer wieder auftretenden Vergleich beziehungsweise den Erzählungen Joshs. Mila selbst – Kind der Neuzeit – kann diese Ignoranz nicht verstehen, geschweige denn nachvollziehen.
Michael E. Vieten möchte mit diesem Buch exakt diesen Umstand vermitteln und versucht uns ganz geschickt und nebenbei einiges klar zu machen.
Die Wanderung und der Überlebenskampf der beiden Protagonisten ist dabei lediglich Beiwerk und in meinen Augen eher Mittel zum Zweck.
Würde man „Handbuch zur Rettung der Welt“ auf die eigentliche Wanderschaft in einer dystopischen Welt reduzieren, müsste ich sagen, hier gibt es erheblich bessere Werke, mit erheblich mehr Spannung und anspruchsvollerem Überlebenskampf. Aber: Man darf dieses Buch nicht darauf reduzieren. „Handbuch zur Rettung der Welt“ ist unglaublich lehrreich und versucht, das ein oder andere Auge zu öffnen. Allein deshalb lohnt es sich bereits und somit bleibt mir nichts Anderes übrig, als dieses eingängig und einfach geschriebene Werk zu empfehlen. Lässt man es zu, kann man sehr viel daraus lernen und man bekommt auf unterhaltsame Art und Weise die Fehler unserer aktuellen Generation vorgelegt.
Es muss somit nicht immer ein Fachbuch sein, um jemanden aufrütteln zu können.
Jürgen Seibold/07.12.2017

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Frenz, Bernd: Der Groll der Zwerge

©2017 S. Fischer Verlag GmbH, Frankfurt a.M.
ISBN 978-3-10-4037578
ca. 480 Seiten

COVER:

Nach dem Großen Krieg herrschte dreißig Jahre lang Frieden im Lande Garon – doch damit ist jetzt Schluss. Als Steinmetze in der Zwergen-Nekropole Felsheim neue Grabkammern in den Berg schlagen und einen heiligen Fluss der Elfen zum Versiegen bringen, lebt der alte Zwist wieder auf. Dass just zu diesem Zeitpunkt der Ork Grimm aus dem Exil zurückkehren will, um mit alten Feinden abzurechnen, macht es nicht besser. Und auch die Menschen beweisen jeden Tag aufs Neue ihre Arglist. Und so heißt es schon bald: Elfen gegen Zwerge; Trolle gegen Orks; und alle gegen die Menschen.

REZENSION:

Die Heilige Quelle der Elfen versiegt eines Tages. Der Grund ist dafür schnell gefunden: Das kann nur das Volk der Zwerge gewesen sein.
Hiermit ist der grundsätzliche Konflikt genannt und Bernd Frenz nimmt diese Grundidee, um seine Fantasy-Saga zu beginnen. DER GROLL DER ZWERGE ist dabei mit sehr interessanten Personen und Begebenheiten gewürzt. Dabei sind aber diese leider nicht mit einer sehr tiefen Detailverliebtheit gewürzt. Nichts desto trotz kann man sich der Story nicht wirklich entziehen und somit bleibt einem nichts übrig, als ihr weiter zu folgen.
Frenz benutzt nahezu jedes genretypische Element und schreibt sehr eingängig. Manchmal zu eingängig, bzw. einfach gehalten. Dies macht es einfach, wenn man dieses Buch als lockeres Werk für eine gute Fantasyunterhaltung verwendet. Als High-Fantasy würde ich es jedoch nicht unbedingt betrachten, da diese Werke doch sehr viel mehr in die Tiefe gehen.
Interessanterweise schafft es Frenz, die jeweiligen Völker nicht einfach ziwschen Gut und Böse aufzuteilen: Irgendwie hat jeder einen negativen Punkt und somit Dreck am Stecken. Mir selbst waren die Zwerge im Gegensatz zu den Elfen in diesem Buch irgendwie sympathischer – mag wohl an der Selbstherrlichkeit und dem „wir-sind-was-besseres“ der Elfen liegen. Dadurch ergriff ich relativ schnell für das Zwergenvolk.
Die Story im Ganzen ist gut durchdacht und stimmig erzählt. Die Auflösung interessant und plausibel für so eine Geschichte.
Alles in allem ein unterhaltsamer Fanatsyroman für sehr unterhaltsame Stunden. Sehr oft reicht einem das ja schon…
Jürgen Seibold/07.12.2017

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Stefán Máni: Der Stier und das Mädchen

Aus dem Isländischen von Karl-Ludwig Wetzig
©2015 by Stefán Máni
© der deutschsprachigen Ausgabe 2017 by Karl-Ludwig Wetzig
Edition M Verlag
ISBN 978-1-542-04969-6
ca. 240 Seiten

COVER:

In einer verlassenen Ecke Islands, wo der weite Himmel bis zur Erde reicht und nur das Brausen des fernen Meeres zu hören ist, haben zwei junge Touristinnen eine Autopanne. Zu Fuß erreichen sie einen einsamen Bauernhof. Auf ihrer Suche nach den Bewohnern entdecken sie in der Scheune zwei Tote, grausam zugerichtet. Auch im Wohnhaus machen sie einen ähnlich entsetzlichen Fund. Aber bevor sie fliehen können, merken sie, dass sie nicht allein auf dem Hof sind …

REZENSION:

Als ich das erste Kapitel dieses doch recht düsteren Thrillers gelesen hatte, dachte ich, es handelt sich ganz schlicht und einfach um einen typischen „da-sind-zwei-junge-Damen-zur-falschen-Zeit-am-falschen-Ort“-Thriller. Somit schweiften die Gedanken gleich in Gefilde, die bereits durch eine Vielzahl an Horrorthrillern ausgelutscht worden sind. Interessanterweise verlässt man diese beiden Freundinnen, denn urplötzlich ändert sich die Perspektive und man kann als Leser nicht mehr richtig greifen, wo man sich denn nun eigentlich in dieser Story befindet.
Der Autor springt beinahe bei jedem Kapitel nicht nur innerhalb verschiedener Zeiten sonder wechselt dabei auch regelmäßig die Perspektive. Lange Zeit dachte ich, was will Stefán Máni mir denn nun eigentlich sagen? Wie sich jedoch herausstellen sollte, löst sich der gedankliche Knoten in den Lesers Hirn (bei ausreichender und notwendiger Aufmerksamkeit) nach und nach auf. Teilweise – vor allem, wenn man zeitlich begrenzt nur Häppchen lesen kann – fällt es schwer dran zu bleiben und eine gewisse Zeit war ich mir deshalb nicht wirklich sicher, ob mir das Buch denn nun gefallen soll oder eben nicht.
Aber wie gesagt, der Knoten löst sich nach und nach auf und die jeweiligen Kapitel allein sind bereits ausreichend interessant, um am Ball bleiben zu können.
Im Laufe der Seiten verdichtet sich die Story unter Verwendung dieser verschiedenen Ebenen mehr und mehr und man erkennt die Zusammenhänge. Diese wiederum sorgen dafür, dass die Geschichte eine gewisse Tiefe erreicht, der man sich auch nicht mehr wirklich entziehen kann. Man möchte einfach wissen, wohin das alles führen soll.
Die Story funktionierte immer besser, dennoch war ich noch lange am Überlegen, ob sie lediglich in einem guten Mittelfeld landen soll. Stefán Máni schafft es aber zum Ende einen gewissen Twist einzubauen, denn ich lange nicht vorhergesehen hatte, mich aber mit seiner Deftigkeit sehr gut überzeugen konnte.
Kurzum: Man rechnet mit etwas ganz Anderem zum Anfang der Story, versucht lange Zeit Sinn und Zweck der Geschichte zu folgen, erkennt plötzlich die Hintergründe und Motivationen, um dann ungebremst in eine gänzlich andere Richtung und neue Motivation geschubst zu werden.
Somit ein doch recht gut zu empfehlender Thriller, bei dem man sich nebenbei auch noch gefühlt in einem wunderschönen Land befindet, über das der Autor sich meiner Meinung nach noch erheblich mehr hätte auslassen können.
Jürgen Seibold/07.12.2017

Der Stier und das Mädchen – Ein Island-Thriller – KAUFEN BEI AMAZON

Tad Williams: Das Herz der verlorenen Dinge

Originaltitel: The Heart of What was Lost
Aus dem Amerikanischen von Cornelia Holfelder-von der Tann
©2017 by Tad Williams
Für die deutsche Ausgabe: ©2017 by J.G. Cotta’sche Buchhandlung Nachfolger GmbH, Stuttgart
ISBN 978-3-608-96144-7
ca. 380 Seiten

COVER:

Nach dem Tod des Sturmkönigs Ineluki flohen die Nornen hinter die schützenden Mauern ihrer Burg Nakkiga im Norden, um dort erneut Kräfte zu sammeln. Viyeki, ihr Herresvormann, sucht verzweifelt nach einer Möglichkeit, sein Volk vor der endgültigen Auslöschung durch Herzog Isgrimnur und seinen Truppen zu retten. Den Truppen Isgrimnurs haben sich zwei einfache Soldaten angeschlossen, Porto und Endri, deren Freundschaft angesichts der Grausamkeit der Kämpfe auf eine harte Probe gestellt wird. Und unter den Elben spielt ein Amulett eine immer wichtigere Rolle: Es trägt den Namen „Das Herz der verlorenen Dinge“ und erinnert an das einstige Paradies dieses uralten Volkes.

REZENSION:

Es gibt nicht viele Bücher, die einen Leser noch lange Zeit nach dem Lesen des letzten Wortes noch beschäftigen. Es gibt auch nicht viele Bücher, die man ohne dem geringsten Zucken uneingeschränkt weiter empfehlen kann. Es gibt auch nicht viele Bücher, die selbst beim großzügigsten Ausmisten von Regalen weiterhin wie in Stein gegossen dort stehen bleiben.
In meinem Fall trifft dies auf die gesamte Drachenbeinthron-Saga von Tad Williams zu: Immer noch stehen diese wunderschönen Bücher im Regal und werden in unregelmäßigen Abständen liebevoll betrachtet. Weder Umzüge noch notwendige Maßnahmen, um der Vielzahl an Büchern Herr zu werden, konnten ihnen etwas anhaben. Sie stehen da und beglücken einfach mit ihrer Anwesenheit.
Nun hat also ihr höchstpersönlicher Autor ein Buch mit dem sagenhaften Titel „Das Herz der verlorenen Dinge“ geschrieben – das allein wäre noch kein Problem, ist er doch seines Zeichens ein Autor und somit sollte er so etwas auch tunlichst tun. Von irgendwas muss auch ein Tad Williams leben. In diesem Falle legt der Autor jedoch nicht einfach irgendeinen neuen Roman oder eine neue Sage vor, sondern er betritt damit erneut seine damalige Welt: Osten Ard.
Kann das funktionieren? Mehr als zwanzig Jahre sind bereits vergangen. Somit stellt sich nicht nur die Frage, ob ich als Leser den erneuten Zugang zu einer vor langer Zeit gelesenen Welt finde, sondern auch, ob sich der Autor damit überhaupt einen Gefallen machen kann – immerhin ist die Saga um Simon ein in meinen Augen nahezu unerreichbarer Fantasyroman mit allem, was so dazu gehört.
„Das Herz der verlorenen Dinge“ setzt fast nahtlos an die damalige Sage an und genau dies schien Anfangs mein Problem zu sein. Nur langsam konnte ich in die Geschichte finden. Vor allem, weil mir vom Ursprung lediglich noch im Kopfe hängen geblieben ist, dass Simon nun Herrscher über Osten Ard ist – mir aber partout sonst nicht mehr wirklich tiefgehendes einfallen wollte. Nun lässt Williams aber Simon nahezu außen vor: Man „hört“ nur manchmal, dass er eben der neue, junge König ist.
Es war somit wirklich schwer, in diese Geschichte ein zu tauchen. Nach und nach hat es dennoch funktioniert und erneut blieb mir nichts weiter übrig, als dieser schönen Geschichte zu folgen.
Tad Williams bleibt sich treu und erfreut seinen Leser mit einer gut durchdachten Geschichte und sehr interessanten als auch detailliert gezeichneten Personen.
Nichts desto trotz kommt „Das Herz der verlorenen Dinge“ nicht an seine Vorgänger heran. Aber das ist auch schon ein gewaltiges Jammern auf sehr hohem Niveau.
Kurzum ist „Das Herz der verlorenen Dinge“ eine doch recht interessant und gut gelungene Nahtstelle zwischen dem Drachenbeinthron und den mittlerweile auf dem Markt befindlichen Werken mit dem Obertitel „Die Hexenholzkrone“, auf die ich mich bereits unwahrscheinlich freue.
Stellt sich schlussendlich die Frage, ob man „Das Herz der verlorenen Dinge“ benötigt: Nun, als Freund Osten Ards stellt sich die Frage gar nicht – einem Neueinsteiger sei geraten, entweder die Hexenholkrone-Bücher zu lesen oder einfach mit dem Drachenbeinthron zu beginnen. Zeitlos sind die Bücher jedenfalls.
Jürgen Seibold/30.11.2017

Das Herz der verlorenen Dinge: Ein Roman aus Osten Ard – KAUFEN BEI AMAZON

Richard Laymon: Das Auge

Originaltitel: ALARMS
Aus dem Amerikanischen von Sven-Eric Wehmeyer
Vollständige deutsche Erstausgabe 10/2017
©1992 by Richard Laymon
©2016 der deutschsprachigen Ausgabe by Wilhelm Heyne Verlag, München
ISBN 978-3-641-17654-9
ca. 352 Seiten

COVER:

Pen öffnete die Augen. Sie lag eingerollt auf der Seite, die Beine leicht ausgestreckt. Das obere Bein war eingeschlafen. Die enge Jeans hatte die Blutzirkulation abgebunden. Sie erinnerte sich nicht daran, sich auf die Seite gewälzt zu haben. War sie eingeschlafen, so wie ihr Bein? Sie spähte zum erleuchteten Zifferblatt des Weckers hinüber. Halb vier. Sie machte die Augen wieder zu. Und hörte Schritte. Die Wucht ihres Herzschlags raubte ihr den Atem. Sie vernahm nichts anderes als das Hämmern ihres Herzens. Dann einen neuerlichen leisen, kratzenden Schritt. Nicht innerhalb des Apartements, sondern auf dem Asphalt direkt vor ihrem Fenster. Das Fenster befand sich über ihrem Gesicht. Zitternd zog sie den Vorhang beiseite. Ihr gefror das Blut in den Adern …

REZENSION:

Der im Jahre 1947 geborene und leider bereits im Jahre 2001 gestorbene Richard Laymon wurde mit einer Vielzahl seiner Werke zu einem Garant für gelungene, blutige und spannende Horrorliteratur.
Seine Büchern schwanken dabei jedoch recht stark von absoluten Kultwerken zu Romanen, die ganz nett zum Lesen sind, dennoch sich nicht unbedingt in das Gehirn des Lesers einfräsen.
DAS AUGE liegt irgendwo dazwischen. Gleichzeitig darf man aber auch nicht vergessen, dass es sich dabei um ein Buch aus dem Jahre 1992 handelt. Wenn man dies im Hinterkopf behält, wird einem recht klar, dass zu dieser Zeit sehr viele Romane dieses Genres recht ähnlich aufgebaut waren und trotzdem ausreichend für Unterhaltung sorgen konnten.
DAS AUGE ist dabei – vor allem im Vergleich zu anderen Werken des Autors – recht harmlos. Dennoch sorgt es für eine funktionierende Unterhaltung mit ausreichend Spannungselementen. Sehr oft leider stark vorhersehbar, dennoch eine interessante Idee und ganz in Ordnung für einige Stunden zum Abschalten. Schlichtweg ein kurzweiliger, nicht zu tiefsinniger Thriller mit interessanten Protagonisten und in der eingängigen Sprache Laymons geschrieben. Sicherlich hätte er noch stärker auf das Gas drücken können, was wohl auch dafür sorgt, das DAS AUGE sicherlich harte Laymon-Fans nicht umfassend überzeugen kann.
Kurzum ein netter kleine Thriller für Zwischendurch – ähnlich einem Film aus dem Abendprogramm, dessen Hintergedanke nichts weiter als die kurzweilige Unterhaltung ihres Konsumenten darstellen möchte.
Jürgen Seibold/29.11.2017

Das Auge: Roman – KAUFEN BEI AMAZON

Bonner, Stefan / Weiss, Anne: Planet Planlos

Originalausgabe Oktober 2017
©2017 Knaur Verlag
ISBN 978-3-426-21432-9
ca. 317 Seiten

COVER:

Gestatten, Generation Weltuntergang.

In den Nachrichten herrscht Daueralarm: Das Wetter schlägt Kapriolen, der Meeresspiegel steigt, die Pole schmelzen, und Millionen sind auf der Flucht. Unterdessen wettern Scharfmacher und gut bezahlte Lobbyisten gegen die Klimawissenschaft, Politiker hangeln sich von einer Umweltkonferenz zur nächsten – und eiern planlos um echte Lösungen herum. Und mittendrin wir. Geboren im vergangenen Jahrhundert zwischen Mondlandung und Mauerfall, waren wir die Generation, für die alles besser werden sollte. Wir waren hautnah dabei, als Greenpeace sich ums Waldsterben, die maroden Meere und die Luftverschmutzung kümmerte. Als alle UN-Staaten beschlossen, FCKW den Garaus zu machen, weil das Ozonloch unsere Welt bedrohte. Und als der Technikboom für die Zukunft verhieß: Nichts ist unmöglich.
Unversehens stehen wir vor der drohenden Klimakatastrophe. Und uns ist schleierhaft, wo wir in den letzten Jahrzehnten die falsche Abfahrt genommen haben. Was wissen wir über die globale Erwärmung? Wie schlimm ist es wirklich? Sind wir vielleicht die letzten unserer Art – oder hat eventuell einer einen Plan, die die Menschheit noch zu retten ist?

“In einigen Jahrhunderten werden wir möglicherweise menschliche Kolonien im All haben, aber derzeit haben wir nur diesen einen Planeten, und wir müssen alle zusammen daran arbeiten, ihn zu bewahren.” Stephen Hawking

REZENSION:

Normalerweise schreibe ich Rezensionen über Fantasy, Science Fiction, Thriller und Horror. In diesem Fall mache ich nur oberflächlich betrachtet eine Ausnahme und widme mich einem Sachbuch. Oberflächlich? Ja, denn “Planet Planlos” ist zwar leider beileibe kein Fantasy, aber Science leider ohne Fiction und darüberhinaus ein waschechter gruseliger Horrorthriller. Somit passt dieses Sachbuch perfekt zu den von mir bevorzugten Genres.
Nachdem die beiden Autoren aber keine Geschichte erzählen, sondern die blanke Wahrheit gemäß dem aktuellen Wissensstand, ist der Horror und Thrill erschreckender als ein erfundener Roman je sein könnte.
Immerhin handelt es sich um nichts geringeres als um unseren wunderschönen blauen Planeten.
Dennoch befinden wir uns auf dem besten Wege, diesen mitsamt unserer Spezies in den Müll zu treten. Wobei: Er wird am Ende nahezu ungerührt übrig bleiben – wir sind es, die sich dabei selbst vom Antlitz dieser Kugel tilgen. Die Erde wird sich dann schon wieder nach und nach regenerieren…
Wenn man nur die Augen ein klein wenig offen hält, kann man die Missstände auf ganz simple Art und Weise im normalen Leben betrachten: Früher musste man bei einer Autoreise bei JEDEM Tankstopp die Scheibe putzen, da man fast nichts mehr sehen konnte. Donnerten doch auf unserem Weg über die Autobahn eine Vielzahl an unschuldigen Insekten ungebremst dagegen.
Achtet mal drauf, ob das immer noch der Fall ist. Ihr werdet überrascht sein und dann nicht nach weiteren Studien rufen, die lediglich den Zweck dazu haben, Zeit für irgendwelche Lobbies heraus zu schinden.
Bienen? Tja, als ich ein Kind war, musste man am See und im heimischen Garten extrem auf die kleinen Brummer achten. Die Gefahr war groß, aus Versehen von einer gestochen zu werden.
Gestochen werden war zwar kein nachhaltigen Drama, hat trotzdem weh getan. Heute? Nun, wenn man überhaupt noch irgendwo ein Blumenwieslein finden sollte – Bienen? Nur mit viel Glück.
Ich habe bei der Lektüre dieses Buches auch sehr oft darüber nachdenken müssen, wo verdammt nochmal wir die Ausfahrt verpasst haben. Denn es war – wie von den Autoren beschrieben – wirklich so, dass wir bereits mit einer Vielzahl an Umweltthemen aufgewachsen sind. Diese wurden nach meinem Gefühl irgendwie gemeinsam behoben. Aber nach den 80ern war das alles plötzlich weg. Es kam die Industrie ums Eck, die Generation hatte plötzlich nicht nur mehr Geld zur Verfügung, als die erste Nachkriegsgeneration, es machten sich auch alle möglichen Innovationen auf den Weg, unseren Geldbeutel zu erleichtern. Ich glaube, dabei sind wir definitiv zu weit gegangen.
Nun kann man sich natürlich fragen, was man dagegen tun kann. Sollen wir auf die Regierungen warten? Ich denke nicht, den hier scheint mir der Lobbyismus doch sehr stark vertreten zu sein.
Warum also nicht einfach sich ein wenig schlau machen? Solche Bücher lesen wäre ein Schritt, könnte aber eventuell nicht jedem liegen. Dennoch kann man problemlos nach Alternativen suchen. Sei es der verstärkte Blick auf Bio-Ware, auf Firmen, die es mit der Nachhaltigkeit versuchen, Unternehmen, die unsere Bedürfnisse ohne Einsatz von Chemie oder anderen schadenden Inkredienzen zu befriedigen in der Lage sind. Kurzum: Bewusster durch das Leben gehen.
Dabei muss man auch keineswegs Enthaltsam werden. Vielleicht einfach nur einen Weg zurück in die Zeiten unserer Kindheit, als die Menschen noch ihren Sonntagsbraten machten, die Reste dann die Tage darauf verzehrten. Somit eben nicht unbedingt jeden Tag das billige Massentierhaltungsfleisch für 1,50, sondern bewusst einkaufen und wieder als etwas Besonderes genießen (wer möchte, kann natürlich auch ganz darauf verzichten).
Möglichkeiten gibt es viele und nur wenn sich viele daran beteiligen, kann damit viel bewirkt werden. Politiker bewegt man nur mit großem Zusammenhalt. Wenn wir das hinbekommen, hilft ihnen auch der nette Lobbyist von nebenan nichts mehr.
Denkt einfach darüber nach und versucht den gesunden Menschenverstand wieder zurück in euer Leben zu bringen.
Dieses Buch ist ein wunderbarer Einstieg dazu. Die beiden Autoren schaffen es durch ihre Sprache, dieses dramatische Thema zwar fundiert, dennoch auf recht eingängige, beinahe ab und an witzige Art zu vermitteln. Dabei gehen sie auf eine Vielzahl an bedrückenden Beispielen ein und öffnen einem wirklich geballt die Augen. Sehr plastisch halten sie dem Leser den eigenen CO2-Ausstoß vor Augen und wer dann immer noch nicht an einen Klimawandel glauben möchte, dem kann man wohl nicht mehr wirklich helfen. Der soll dann mit seinem Wegwerfbecher vom Coffe-To-Go-Laden glücklich und zufrieden werden. Alle anderen werden mit Sicherheit sehr viel interessantes und selbst bewegbares in diesem Buche erfahren.
Nachdem das hier ein Rezi ist, die etwas davon geschwebt ist, hier noch der Hinweis, dass dieses Buch sehr empfehlenswert ist und eigentlich zu einer Pflichtlektüre in den Schulen werden sollte. Am Besten sofort, denn es könnte schneller zu spät sein, als man denkt.
Jürgen Seibold/26.11.2017

Planet Planlos: Sind wir zu doof, die Welt zu retten? – KAUFEN BEI AMAZON

Timo Leibig: Fang den Tod

© Timo Leibig
www.timoleibig.de
ISBN 978-3-9817076-7-0
ca. 269 Seiten

COVER:

Fünf Tage. Fünf Tote.
Wer kann den Tod stoppen?

Eine Männerleiche wird entdeckt – das Herz durchbohrt, die Innereien entnommen und offenbar verspeist. Schnell findenWalter Brandner, Cahide Pfeiffer und Gregor Schanzer den vermeintlichen Kannibalen. Doch dann taucht eine zweite Leiche auf, und drei weitere werden angekündigt. Für Walter, sein Team und Privatdetektivin Goldmann beginnt ein perfides Spiel, dessen Regeln nur der Täter kennt.

Fang den Tod ist der fünfte Fall der Thrillerserie um das Ermittlerteam Goldmann und Brandner.

REZENSION:

Timo Leibig reiht sich in eine sehr geringe Anzahl an Autoren ein, deren Werke ich von Anfang an al Leser begleite. Ich kann mich noch sehr gut an meine erste Rezension zu seinem ersten Buch erinnern. Bereits damals hielt ich die darin enthaltene Story für außerordentlich erwähnenswert und hoffte, dass der Autor damit nicht einfach nur eine weitere Eintagsfliege im Kosmos der “Kleinautoren” darstellt, sondern noch das ein oder andere nachkommt.
Erfreulicherweise sollte genau dies geschehen und wir blicken nun auf bereits 8 Bücher zurück, die sich gegenseitig nahezu in nichts nachstehen. Als achtes Buch nun erneut ein Fall, in dem das mir mittlerweile sehr ans Herz gewachsene Ermittlerduo Goldmann und Brandner seine Jagd nach einem oder mehreren Mördern aufnimmt.
Abermals schafft es Leibig geschickt, eine Brücke zwischen Krimi- und Thrillerlesern zu schaffen. Sicherlich für manchen Krimileser ein wenig harter Tobak, dennoch immer noch gerade so, dass damit keiner wirklich ein Problem haben sollte. Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass Timo Leibig dadurch seine Fangemeinde weiterhin stetig ansteigend vorfinden wird.
Die grundsätzliche Idee in “Fang den Tod” ist sehr interessant – aufgrund der Gefahr, relativ schnell zu spoilern, vermeide ich aber hier näher darauf ein zu gehen.
Der Schreibstil Leibigs ist sehr eingängig und die Geschichte rasant erzählt. Seine Personen sind ausreichend tief gezeichnet und bekommen beim Kennen aller Werke immer mehr Kontur. Nichts detso trotz würde “Fang den Tod” auch bei Neueinsteigern funktionieren, da Leibig dezent Informationen aus vorangegangenen Werken einbaut. Das komplette Gefühlswesen und die dazugehörigen Eigenheiten lernt man natürlich nur nach der kompletten Lektüre aller Fälle kennen.
Kurz hatte ich die Sorge, dass Leonore Goldmann auf das Abstellgleis geschoben wird. Glücklicherweise ist das nicht der Fall – im Gegenteil: Durch die Hinzufügung weiterer Ermittler und Nutzung Leonores als Detektivin bekommt das gesamte “Netzwerk” der Gruppe erheblich mehr Möglichkeiten.
“Fang den Tod” ist unwahrscheinlich schnell gelesen, was ja grundsätzlich bereits für das Buch spricht. Ich hätte mir trotzdem noch weitere Seiten gewünscht. Zum einen, weil mir die Story einfach gut gefallen hat und zum anderen, da der Autor dann vielleicht noch erheblich mehr ausholen hätte können.
Weiterhin sind zwei andere Fälle aus dieser Reihe immer noch meine Favoriten – aber das zusammen ist lediglich Jammern auf sehr hohem Niveau.
Kurzum: Erneut ein sehr interessanter und empfehlenswerter Fall und ich freue mich schon enorm auf weitere Erlebnisse im Kosmos dieser Truppe um Goldmann und Brandner.
Jürgen Seibold/24.11.2017

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Elea Brandt: Opfermond

Deutsche Erstauflage
©2017  Mantikore-Verlag Nicolai Bonczyk
Text ©Elea Brandt
eISBN 978-3-945493-37-3
ca. 330 Seiten

COVER:

In der Stadt des Blutigen Gottes herrscht das Recht des Stärkeren. Als der Assassine Varek angeheuert wird, einen Mord aufzuklären, klingt das nach einer willkommenen Abwechslung von seinem verhassten Tagewerk. Doch die einzige Zeugin, das Freudenmädchen Idra, weiß mehr, als sie preisgeben will. Um an ihre Informationen zu gelangen, geht Varek ein Bündnis mit ihr ein, das ihn schmerzhaft an bessere Zeiten erinnert. Die Spur des goldenen Skarabäus führt ihn schließlich zu einem grausamen Kult, der mehr als nur ein Blutopfer verlangt …

REZENSION:

Der Assassine Varek wird üblicherweise angeheuert, um gezielt dafür zu sorgen, dass irgendjemand vom Auftraggeber Unerwünschter das Zeitliche segnet. Varek beherrscht sein Handwerk gleichermaßen, wie er es auch hasst. Eines Tages bekommt er den Auftrag, einen Mord aufzuklären. Abwechslungsreicher kann es ja beinahe nicht gehen, und somit nimmt Varek diesen Auftrag hochmotiviert an.
Als zweiten Erzählstrang lernen wir bereits ganz am Anfang das Freudenmädchen Idra kennen. Mit ihr fängt auch dieses Buch an und wir begleiten sie durch die düsteren Gassen dieser dreckigen Stadt und schauen ihr über die Schulter, als sie einen Mord beobachtet.
Beide Protagonisten sind von Elea Brandt rundum lebendig dargestellt. Gleichzeitig sind beide nicht gerade als anständige Menschen zu betrachten – dennoch betrachtet man sie recht schnell als die positiven Pole in diesem Buch und fiebert ihren jeweiligen Auftritten und Tätigkeiten entgegen.
Die Stadt des Blutigen Gottes ist alles andere als ein Ort der Behaglichkeit. Im Gegenteil: Man hat das Gefühl, wenn man irgendwohin auswandern möchte, dann sicherlich nicht dorthin. Es herrscht Brutalität, eine unbarmherzige Regierung und ausschließlich das Recht des Stärkeren.
Idra beisst sich durch und findet nur wenig Personen, die man als Freund betrachten könnte. Varek ist zwiespältig ob seines bisherigen Lebens und versucht das Beste aus seinem Auftrag zu machen.
Nach und nach kreuzen sich die Wege der beiden und man merkt als Leser deutlich den Schwenk in tiefere Ebenen der phantastischen Literatur.
Ein Ewachsenen-Fantasy-Thriller, der es wahrlich in sich hat. Die Geschichte ist brutal – dennoch exakt so brutal, wie man es auch vorfinden würde, wäre die Geschichte ein Tatsachenbericht. Dementsprechend glaubwürdig wirkt der gesamte Plot. Elea Brandt schreckt weder vor expliziter Sprache noch vor detailliert dargestellter Gewalt zurück. Sexuelle Ausbeutungen werden nicht mit einem rosa Schleifchen dargestellt, sondern finden unverblümt ihren Weg in des Lesers Gehirnwindungen.
Varek als auch Idra sind nicht gerade Sympathieträger. Trotzdem der einzige positive Anker in dieser verruchten und brutalen Welt.
Genau dafür verneige ich mich vor der Autorin: Wir sprechen hier von einem Debütroman und es gibt prinzipiell absolut nichts negatives darüber zu sagen.
Eine sehr interessante Welt bzw. Stadt, gefüllt mit vielen Details trifft auf einen beinahe typischen Thrillerplot – hebt diesen aber dadurch über typische, genrespezifische Romane hinaus. Einfach ein nahezu perfektes Fantasyerlebnis mit guten Ideen.
Am Ende wurde die Geschichte ein wenig hektisch und schnell abgeschlossen – hier hätte ein klein wenig mehr Ruhe vielleicht noch für das ein oder andere interessante Detail sorgen können. Nichts desto trotz ein sehr empfehlenswerter Roman.
Ich bin sehr gespannt, ob es sich dabei um eine Eintagsfliege handelt, oder ob wir mit Elea Brandt das Entstehen einer neuen Perle im Genre der Fantasy kennen lernen durften.
Jürgen Seibold/19.11.2017

Opfermond – Ein Fantasy-Thriller – KAUFEN BEI AMAZON

Matthias Oden: Junktown

Originalausgabe 06/2017
©2017 by Matthias Oden
©2017 dieser Ausgabe by Wilhelm Heyne Verlag, München
ISBN 978-3-453-31821-2
ca. 400 Seiten

COVER:

Diese Zukunft ist ein Schlaraffenland: Konsum ist Pflicht, Rauschmittel werden vom Staat verabreicht, und Beamte achten darauf, dass ja keine Langeweile aufkommt. Die Wirklichkeit in »Junktown«, wie die Hauptstadt nur noch genannt wird, sieht anders aus. Eine eiserne Diktatur hält die Menschen im kollektiven Drogenwahn, dem sich niemand entziehen darf, und Biotech-Maschinen beherrschen den Alltag. Als Solomon Cain, Inspektor der Geheimen Maschinenpolizei, zum Tatort eines Mordes gerufen wird, ahnt er noch nicht, dass dieser Fall ihn in die Abgründe von Junktown und an die Grenzen seines Gewissens führen wird. Denn was bleibt vom Menschen, wenn der Tod nur der letzte große Kick ist?

REZENSION:

Wir befinden uns in einer Welt der nicht allzu fernen Zukunft. Die gesamte Gesellschaft ist dazu gezwungen, dem Konsumwahn zu frönen. Müll wird nicht mehr weggeschmissen, sondern geschickt vor den Wohnungen drapiert, um jedem zu zeigen, was man sich so alles leisten kann. Es gibt sogar extra Firmen, die Müll für diesen Zweck anbieten. Somit ist jeder gezwungen, dieser Gesellschaft zu folgen, da er sonst denunziert wird.
Gleichzeitig sind Drogen nicht nur eine Möglichkeit, dem Alltag zu entfliehen – nein, sie sind sogar Pflicht und müssen konsumiert werden.
In dieser Welt gibt es nur noch wenige natürlich geborene Menschen. Vielmehr setzt sich die gezielte, industrielle Entwicklung der Menschen durch. Je nach zukünftigem Einsatzort werden diese genetisch geplant und entwickelt.
In dieser Welt geschieht nun ein sehr untypischer Mord: Es wird ein Maschinenwesen – eine Gebärmutter – getötet. Diese Wesen sind mehrstöckig und dienen dem Staat zum Austragen der bestellten Kinder.
Dieses Wesen ist auch so ziemlich das einzige in Odens Buch, welches ich nur wenig greifen konnte. Hier muss man schon sehr stark seine Fantasie aktivieren, um dies zu akzeptieren und zu verstehen. Gibt es doch im realen Leben absolut keine Ähnlichkeit, die man zum besseren Verständnis als Vergleich heranziehen könnte. Man stellt sich immer wieder die Frage, wie ein Beziehungsdrama unter Einbeziehung eines künstlichen Wesens stattfinden kann. Hat man sich dem jedoch gestellt, kann man dieser utopischen Krimi-/Thrillermischung problemlos folgen.
Matthias Odens Junktown baut eine sehr interessante und beängstigende Welt auf, der man nach einigen Anfangsschwierigkeiten recht gut folgen kann. Sein Schreibstil ist flüssig und eingängig. Sein Ideenreichtum lässt absolut nichts zu wünschen übrig.
Gäbe es die detailliert erzählte Welt nicht in diesem Maße, wäre Junktown wohl nichts weiter als ein weiterer Krimi, der ganz gut zu unterhalten weiß. Erfreulicherweise schafft es Oden jedoch, seiner Story eine Umgebung zu widmen, die seinen Krimi eine Stufe höher legt.
Sehr stark erinnert sein Plot an Orwells Klassiker “1984” und durch die abschließende Befragung seines Protagonisten bleibt dieser Vergleich bis zum Ende bestehen.
Oden erzählt somit nicht nur einen Krimi in einer gesellschaftlich beängstigenden Welt sondern hält uns auch einen gesellschaftlichen Spiegel vor. Es entsteht somit – wie auch in “1984” – eine Zukunftsvision, die wir tunlichst vermeiden sollten.
Alles in allem ein sehr gut gelungener Roman mit einem außergewöhnlichen Plot und Setting. Die Figuren könnten noch ein klein wenig lebendiger und facettenreicher wirken, dennoch führt dies nicht wirklich zu einer Abwertung dieser spannenden Story.
Jürgen Seibold/19.11.2017

 

Kiki Blu (Daniela Rohr): SelbstzerstörungsaktiVIERung (Kaffeesucht, Sex und ein Ticket ins All 4)

© 2017 Daniele Rohr
www.danielarohr.de

COVER:

Kein Sprit, kein Kaffee und keine Rettung in Sicht. Auf halber Strecke zum nächsten Ziel geht der Titanicus der Saft aus und die provisorische Crew – bestehend aus Kiki, Max und Pieh – muss improvisieren, um nicht wochenlang durchs All zu driften.

Ein abenteuerlicher Plan zur Selbsthilfe ist schnell gefasst. Alles, was es dazu braucht, sind eine selbstmörderische Außenmission und die Bereitschaft, reihenweise Gesetze zu brechen. Ein bisschen Sachverstand, Erfahrung und Besonnenheit wären mindestens genauso wichtig, doch Kiki und ihre Gefährten müssen sich wohl einfach auf ihr Glück verlassen.

REZENSION:

Im August letzten Jahres schrieb ich eine Rezension zur dritten Folge der geplant 11 Folgen andauernden Odyssee Kiki Blus. So langsam konnte ich gar nicht mehr wirklich daran glauben, dass diese schräge und überaus witzige Reise weiter fortgesetzt wird. Viel zu oft gibt es Autoren, denen urplötzlich die Luft ausgeht.
Nun hatte das Warten jedoch glücklicherweise ein Ende und ich konnte mich weiteren 100 Seiten dieser bisher unglaublichen und witzigen Reise widmen.
Kiki Blu ist dabei weiterhin auf der Suche nach ihrem One-Night-Stand des ersten Bandes. Dieser hatte – ihrer Meinung nach – rotzfrech ihren Vibrator mitgehen lassen. Nun befindet sie sich auf der Jagd nach ihm. Klar, dass sich hier wohl eher eine versteckte Liebe befindet, denn es wäre sicherlich einfacher, einen neuen Vibrator zu kaufen, als sich den Mühen und Kosten einer Weltraumodyssee anzunehmen.
Aber das ist ja genau das Prinzip dieser Reihe: Hier ist einfach nichts normal. Kiki Blu ist somit auf dem Weg durch die unendlichen Weiten des Weltraums, trifft diesmal sogar kurz auf ihren One-Night-Stand.
Nebenbei geht ihnen der Sprit aus und sie macht sich auf die Suche nach einem Ersatz auf einem fremden und nicht erschlossenen Planeten. Hier gibt es sogleich das ein oder andere Malheur und ihr Leben befindet sich nur noch auf sehr dünnem Eis. Kiki wäre aber nicht Kiki, wenn sie dafür nicht eine Lösung finden würde…
Erneut handelt es sich natürlich bei den etwa 100 Seiten nur um ein weiteres Häppchen im Kosmos um Kiki Blu – dennoch hat sich die Wartezeit definitiv gelohnt! Konnten mich die ersten drei Teile bereits sehr gut unterhalten und überzeugen, scheint dies mit dem vierten noch erheblich besser funktioniert zu haben. Erneut konnte ich mir manch Schmunzeln nicht mehr aus dem Gesicht entfernen und weiterhin macht es einfach irre viel Spaß, diesen Trip als Leser zu begleiten.
Selbstzerstörungsaktivierung ist erneut voller schräger Typen, einem enormen Witz und diesmal eine sehr eingängige und in sich geschlossene Handlung. Dadurch wirkt Teil 4 etwas besser konstruiert als die Vorgänger. Dennoch sind diese weiterhin notwendig, um den gesamten Kosmos zu verstehen und gebührend begleiten zu können.
Ich bin weiterhin froh, dass ich die Gelegenheit zu dieser abstrusen Story hatte, denn sie macht einfach und immer noch extrem viel Spaß und durch die geringe Seitenzahl kann man sich damit eine nette kurze Unterhaltungsauszeit nehmen. Ich kann es somit erneut nur empfehlen – insbesondere für Leser, die kein Problem mit SF im Stile eine Douglas Adams, etc. haben – und freue mich schon sehr auf die weiteren Episoden, die hoffentlich nicht erneut so lange auf sich warten lassen.
Jürgen Seibold/17.11.2017

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Ezekiel Boone: Die Brut – Die Zeit läuft

Originaltitel: Skitter
Aus dem Amerikanischen von Rainer Schmidt
©Ezekiel Boone 2017
Für die deutschsprachige Ausgabe: ©2017 S. Fischer Verlag GmbH, Frankfurt a.M.
ISBN 978-3-596-03583-0
ca. 426 Seiten

COVER:

Sie sind da und vermehren sich rasend schnell …
Doch das ist erst der Anfang.

Fleischfressende Spinnen haben Los Angeles, Oslo, Delhi, Rio de Janeiro und weitere Städte befallen. Millionen von Menschen sind weltweit gestorben, und China gleicht einem nuklearen Wasteland. Da gibt die Wissenschaftlerin Melanie Guyer Entwarnung. Die Spinnen sterben, die Plage scheint überstanden. Doch hat sie damit recht? Als in Japan ein Kokon gefunden wird, der Spinneneier gigantischen Ausmaßes enthält und Überlebende in Los Angeles die Quarantänezone mit Waffengewalt verlassen, müssen die Regierungen einsehen: Der Ausnahmezustand kann nicht aufgehoben werden. Jetzt muss die Präsidentin der USA mit einer schrecklichen Nachricht an die Presse: Jeder ist auf sich allein gestellt – denn die Spinnen haben sich Wirte gesucht, menschliche Wirte.

REZENSION:

Bereits mit dem ersten Band dieser Trilogie konnte Ezekiel Boone ausreichend unterhalten und überzeugen. Sein auf Spinnen basierendes Grauen ist eine Analogie zu allgemeinen Ängsten der heutigen Zeit. Man kann die menschenfressenden Achtbeiner ganz leicht mit Viren, Seuchen und Kriegen austauschen. Nichts desto trotz wirken Spinnen für viele Leser sicherlich eingängiger und greifbarer. Jeder hat doch im tiefsten Inneren Angst vor diesen Killermaschinen, die unseren Planeten schon nahezu seit Anbeginn bevölkern.
In seinem Fortsetzungsband “Die Zeit läuft” ist die Gefahr bereits bekannt und ich fragte mich wirklich, ob Ezekiel Boone nun lediglich weitere spinnenhaften “Eroberungen” gegenüber den Menschen zu erzählen hat oder doch mit weiteren Ideen aufwarten kann.
Wie sich herausstellen sollte, legt er seinen Fokus verstärkt auf die agierenden Menschen – was irgendwie sogleich beängstigender wird, als die schwarz behaarte Gefahr.
Neben Überlebenskünstlern und Familiendramen lässt er uns sehr stark an den Begebenheiten im Weissen Haus teilhaben. Und genau hier liegt das größte Drama, welches sich meiner Meinung nach auch mit Sicherheit so oder so ähnlich bei einer realen Gefahr abspielen könnte:
Es gibt die militärischen Befürworter, die am Liebsten halb Amerika mit ihrem Atom-Arsenal dem Erdbogen gleich machen würden. Im Gegenzug dabei glücklicherweise eine Präsidentin, die erstaunlich kompetent und anständig wirkt. Dennoch muss sie einen weitreichenden Befehl geben, der zur Folge hat, dass die Menschen in ihrem Staat eingegrenzt und auf sich allein gestellt werden. Millionen Tote sind im Zuge dessen leider nichts weiter als ein Kollateralschaden zugunsten der allgemeinen Menschheit.
Dieses Schema macht vorliegenden Roman so erschreckend, denn man kann sich einfach nicht von dem Gedanken befreien, dass dies der Realität entsprechen wird.
Der Schreibstil von Boone ist auch im zweiten Buch unverändert eingängig und mit kurz gehaltenen Kapiteln rasant erzählt. Die Spinnengefahr ist beinahe als Sekundär zu betrachten, dennoch weiterhin nicht vernachlässigbar.
Alles in allem eine gelungene Fortsetzung eines bis jetzt sehr geschickt aufgebauten und spannenden Unterhaltungsromans. Ich bin schon ganz auf den finalen Band gespannt und lass mich davon überraschen, ob die bereits etwas dezimierte Menschheit noch auf einem einigermaßen sauberen Weg die Kurve bekommt – oder gewinnen gar die Kolonien der menschenvernichtenden, achtbeinigen, Jahrtausende überlebenden Spinnentiere?
Ich lasse mich gerne überraschen…
Jürgen Seibold/10.11.2017

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John Gwynne: Bosheit (Die Getreuen und die Gefallenen 2)

Originaltitel: Valour – The Faithful and the Fallen 2
Aus dem Englischen von Wolfgang Thona
©2014 John Gwynne
© der deutschsprachigen Ausgabe by Blanvalet in der Verlagsgruppe Random House GmbH, München
ISBN 978-3-7341-6120-9
ca. 832 Seiten

COVER:

Der Krieg ist ausgebrochen und hat die Verfemten Lande in Chaos gestürzt. Während der fehlgeleitete Hochkönig Nathair sich für den Avatar des Schöpfergottes Elyon hält, muss Corban aus seiner Heimar fliehen.
Denn der Hochkönig glaubt, in dem jungen Krieger die Schwarze Sonne zu erkennen – den Paladin des dunklen Gottes Asroth. Corban kümmert all das wenig – schließlich hat er seine Familie verloren und trauert. Doch seine Schwester Cywen hat überlebt. Sie ist allerdings in die Hände Nathairs gefallen, der sie nun einsetzt, um Corban aus der Deckung zu locken. Schließlich würde ihr Bruder jeden Preis bezahlen, um Cywen zu retten.
An der Seite der Woelven Sturm und seiner treuen Gefährten reist Corban seiner Bestimmung entgegen – durch ein dunkles Land, voller Giganten, Monster und dunkler Mächte.

REZENSION:

Nach dem wahrlich fulminanten Beginn der Saga um “Die Getreuen und die Gefallenen”, bleibt einem wirklich nichts übrig, als sich auch dem nächsten Band mit dem Titel “Bosheit” zu widmen.
Schon mal eines vorweg: Wer Band 1 (Macht) nicht kennt, sollte sogleich die Finger vom zweiten Band  lassen und sich zuerst seinem Vorgänger widmen. Man hat sonst definitiv keine Chance dieser Geschichte einigermaßen folgen zu können. Viel zu viele Personen wurden in ihrer Detailtiefe bereits im ersten Buch eingeführt und Handlungsstränge werden in “Bosheit” lediglich weiter fort geführt.
Hat man “Macht” gelesen und für gut befunden, wird man sowieso keine andere Möglichkeit haben, als sich diesem Buch zu widmen.
Nahezu nahtlos geht es in “Bosheit” weiter. Corban befindet sich auf der Flucht, was aus seiner Schwester geworden ist, entzieht sich seiner Kenntnis. Vielmehr geht er von ihrem Tode aus und füllt sich dementsprechend schlecht in seinen weiteren Zukunftsgedanken.
Es ist erstaunlich, wieviele Charaktere John Gwynne detailliert vorgestellt vom Stapel lässt – gleichzeitig ist erstaunlich, wieviele er davon auch relativ schnell wieder hopps gehen lässt.
Sicher, dadurch blinzelt ein klein wenig die Vorgehensweise beim momentanen Blockbuster Game Of Thrones durch – dennoch entwickelt sich “Die Getreuen und die Gefallenen” zu einer hochwertigen und durchgehend gut durchdachten Fantasysage, der man sich schlicht nicht entziehen kann.
Sicher, im Gegensatz zu seinem ersten Band wirkt Buch 2 ein wenig wie der Drache, der vor seinem Angriff erst einmal Luft holen muss. Dennoch kann man weiterhin mit den Figuren mitfiebern und sie auf ihren jeweiligen Reisen begleiten.
Herrscher werden machthungriger als sie bereits waren, Intrigen werden ungebremst weiter gesponnen. Manchmal scheinen die Fäden nicht mehr greifbar zu sein – kurz danach werden sie jedoch wieder aufgenommen und knotenfrei dargelegt.
Wie sehr oft in zweiten Bänden einer längeren Saga steht auch “Bosheit” seinem Vorgänger etwas nach. Dies liegt aber wohl im Besonderen daran, dass in “Macht” für einen Leser noch alles neu und bereit zum Entdecken war. Nun geht die Story weiter – die Personen sind bekannt. Dennoch wusste ich bald gar nicht mehr, wer denn nun gegen wen kämpft, wer noch nicht gekämpft hat und warum überhaupt. Aber da sind wir wieder bei den Fäden: Alles löst sich nach und nach und man ist als Leser plötzlich wieder mittendrin in einer mittelalterlich wirkenden, fantastischen Welt.
John Gwynnes Geschichte entspricht beinahe dabei nahezu sämtlichen Fantasy-Klischees – aber verdammt: Das macht trotzdem richtig viel Spaß beim Lesen und es muss ja nun wirklich niemand andauernd versuchen, ein etabliertes Genre neu zu erfinden.
Auch wenn ich mich zwischendurch fragte, wann denn nun alle gegeneinander gekämpft haben, wer noch nicht dem Wahnsinn verfallen ist, welche Rolle X, welche Rolle Y spielt, wer bei dieser Vielzahl an Toten eigentlich noch übrig bleibt, wer nun mit wem paktiert – lässt sich auch Buch 2 problemlos empfehlen und ich freue mich schon sehr auf den Folgeband, der demnächst erscheinen wird.
Jürgen Seibold/05.11.2017

Bosheit – Die Getreuen und die Gefallenen 2: Roman – KAUFEN BEI AMAZON

HYS089 – Insektensterben

Die neue Podcastfolge:

Danny King: Das Haus der Monster

Originaltitel: The Monster Man of Horror House
Übersetzung: Heike Schrapper
©2017 LUZIFER-Verlag
ISBN 978-3-95835-184-4
ca. 328 Seiten

COVER:

Es gibt ihn in jeder Kleinstadt: Den verrückten alten Sonderling, der allein in einem unheimlichen Haus lebt, das fast so heruntergekommen ist wie er selbst.
In dem englischen Städtchen Thetford ist sein Name John Coal. Aber als die Jungen aus der Nachbarschaft anfangen, dem eigenbrötlerischen Alten immer dreistere Streiche zu spielen, müssen sie feststellen, dass sie sich mit dem Falschen angelegt haben. Denn John Coal hat mehr als eine Leiche im Keller. Zu den dunklen Geheimnissen, die er bewahrt, zählen seine Abenteuer mit Serienmördern, Werwölfen, Dämonen, Geistern und manisch-depressiven Vampiren. Und es wäre ein Fehler, einen Mann zu unterschätzen, der all dies überlebt hat …

REZENSION:

Danny King ist nach meinem Kenntnisstand mittlerweile ein recht bekannter Autor aus UK. Dennoch hat sich noch kein deutscher Verlag seinem Werk angenommen und in unseren Gefilden angeboten.
Erfreulicherweise nahm sich der Luzifer-Verlag dem an, und bringt mit “Das Haus der Monster” ein Buch Danny Kings auf den deutschen Markt. Wie sich dabei herausstellen sollte: Es wird sicherlich weder Danny Kings noch des Verlags Schaden sein – im Gegenteil: Nehmt euch doch bitte auch noch die anderen Bücher Kings zur Brust und bringt diese über den kleinen Teich.
Doch worum geht es eigentlich?
Nun, Danny King entführt uns in ein kleines Nest, in dem ein verschrobener Alter lebt. Wie so oft, wird dieser nicht nur schräg angesehen, sondern auch zum Opfer der örtlichen Möchtegern-Halbstarken.
Eines Tages dreht John Coal jedoch den Spieß herum und stellt den Jugendlichen eine Falle. Natürlich tappen diese nahezu ungebremst hinein und finden sich plötzlich im Keller Johns auf einer Couch wieder.
Eher vor Angst zitternd lauschen sie den Worten John Coals – der die Jugendlichen anhand einiger Erzählungen seines Lebens bekehren möchte.
Danny King macht es sich beinahe ein wenig einfach, denn er nimmt sich vier Kurzgeschichten, baut eine Rahmenhandlung darüber und schwupps, schon hat er einen handfesten Roman entwickelt. Siehe da: Dabei funktioniert das Ganze auch noch.
Die Geschichte mit den Kids, die den Worten John Coals lauschen müssen bleibt dabei eher nebensächlich und leider auch dementsprechend oberflächlich. Hier hätte ich wirklich noch viel mehr Liebe zum Detail erwartet. Insbesondere der Umstand, dass John Coal längere Zeit drangsaliert wird und nun zum letzten Mittel greift, wird in einigen wenigen Seiten abgehandelt.
Zwischen seinen Geschichten ist die jeweilige “Kellersequenz” lediglich Mittel zum Zweck und dient nur als schmale Brücke zur nächsten Erzählung.
Die Erzählungen selbst machen ausreichend Spaß und treffen verschiedene Genre. Über deren Inhalt möchte ich nicht wirklich etwas erzählen – aber mit einem Serienmörder, einem Monster, einem Werwolf und einem Vampir ist doch zumindest ein sehr breites Spektrum abgedeckt.
DAS HAUS DER MONSTER ist somit ein sehr abwechslungsreich gestalteter Roman – oder besser: Kurzgeschichtenband, als Roman verkleidet – der einfach Spaß beim Lesen bereitet. Ein Blockbuster wäre es geworden, wenn Danny King sich noch sehr viel detaillierter dem aktuellen Leben John Coals gewidmet hätte. Ein klein wenig blitzt es wie ein zarter Lichtstrahl durch (insbesondere am Ende), aber das Leben Coals hätte da sicherlich mehr Detail verdient.
Aber wollen wir nicht auf einem hohen Niveau meckern, denn DAS HAUS DER MONSTER sorgt für eine perfekte Unterhaltung und lässt auf weitere Veröffentlichungen auf dem deutschen Markt hoffen.
Jürgen Seibold/22.10.2017

Das Haus der Monster: The Monster Man of Horror House – KAUFEN BEI AMAZON