Stephen King: Mind Control

king_mindOriginaltitel: End Of Watch
© 2016 by Stephen King
© der deutschsprachigen Ausgabe by Wilhelm Heyne Verlag, München
ISBN 978-3-453-27086-2

COVER:

In Zimmer 217 ist etwas aufgewacht. Etwas Böses. Brady Hartsfield, verantwortlich für das Mercedes-Killer-Massaker mit vielen Toten liegt seit fünf Jahren in einer Klinik für Neurotraumatologie im Wachkoma. Seinen Ärzten zufolge wird er sich nie erholen. Doch hinter all dem Sabbern und In-die-Gegend-Starren ist Brady bei Bewusstsein – und er besitzt tödliche neue Kräfte, mit denen er unvorstellbares Unheil anrichten kann, ohne sein Krankenzimmer je zu verlassen. Ex-Detective Bill Hodges, den wir aus Mr. Mercedes und Finderlohn kennen, kann die Selbstmordepidemie in der Stadt schließlich mit Brady in Verbindung bringen, aber da ist es schon zu spät.

REZENSION:

Ich denke, dieses Buch benötigt sicherlich keine Werbung, denn der Autorenname ist bereits Werbung genug.
Nachdem Stephen King seit nunmehr etwas über 30 Jahren mein absoluter Lieblingsautor ist, bin ich natürlich einerseits euphorisch und andererseits skeptisch, ob er mich erneut problemlos unterhalten kann.
Mit Mind Control liegt nun der letzte Band einer Krimitrilogie des immer noch „Meister des Horrors“ genannten Autors vor. Die Vorgänger mit den Titel Mr. Mercedes und Finderlohn sorgten dafür, dass einer wie ich, der nicht allzu viel von Krimis hält, den Weg in dieses Genre gefunden hat und dabei durch und durch überzeugt worden ist.
Mind Control ist nun der Abschluss, dessen Ende sogleich für Wehmut sorgt und sehr emotional die Trilogie beendet.
Stephen Kings Geschichte ist in diesem Fall ein kleines Anlehnen an den typischen King, denn es kommen – im Gegensatz zu den beiden ersten Bänden – parapsychologische Elemente hinzu. Dies schadet der Story nicht, könnte aber unter Umständen nicht jedermanns Sache sein. Ich glaube aber, dass King-Anhänger damit kein Problem haben.
Wir erleben sämtlich Höhen und Tiefen der Protagonisten und somit ist Mind Control ein gelungener Abschluss einer nicht zu verachtenden Trilogie. Ich persönlich halte Mind Control nicht mehr ganz so stark wie die beiden Bücher davor – nichts desto trotz ist es passend, überzeugend und konnte für einige spannende und unterhaltsame Stunden sorgen.
Alles in allem ein würdiger Abschluss einer, im Ganzen betrachtet, starken Krimitrilogie eines Autoren, der erneut seine Wandlungsfähigkeit bewiesen hat und von dem noch hoffentlich viele weitere Romane erscheinen werden.
Jürgen Seibold/27.09.2016
Mind Control: Roman (Bill-Hodges-Serie, Band 3) – KAUFEN BEI AMAZON

Arthur C. Clarke: Die Stadt und die Sterne

clarke_stadtOriginaltitel: The City And The Stars
Deutsche Übersetzung von Tony Westermayr
© 1956 by Arthur C. Clarke
© 2011 der deutschen Ausgabe und der Übersetzung by Wilhelm Heyne Verlag, München
ISBN 978-3-453-53397-4

COVER:

In ferner Zukunft hat sich das Antlitz der menschlichen Gesellschaft radikal verändert. In Diaspar, der riesigen, durch eine Kuppel hermetisch abgeriegelten letzten Stadt auf der Erde, leben die Menschen tausend Jahre, speichern ihre Erinnerungen und werden danach wiedererweckt. Doch als ein Kind ohne Erinnerungen geboren wird und alles hinterfragt, gerät eine scheinbar perfekte Gesellschaft ins Wanken…

REZENSION:

Wir befinden uns in einer sehr fernen Zukunft. Die Menschheit hat sich in einer riesigen Stadt zurückgezogen. Die Menschen haben eine Lebensspanne, die seinesgleichen sucht: Man lebt nahezu tausend Jahre, um dann erneut mit den gleichen Erinnerungen wiedergeboren zu werden. Gesteuert wird dies alles von hochentwickelten Maschinen, wodurch sich die Menschen einfach ihren Interessen widmen können, ohne jegliche Sorgen zu haben.
Ab und an kommt jedoch ein Mensch auf die Welt, dessen Erinnerungen noch nicht gefüllt sind. Bei diesen Menschen handelt es sich um Kuriositäten, die – wie bei uns üblich – alles erst erlernen müssen.
Clarkes Protagonist Alvin gibt sich jedoch mit den vorhandenen Verhältnissen zufrieden – er ist durch und durch wissbegierig und möchte die Welt außerhalb der Stadtmauern kennen lernen.
Hier beginnt sogleich die Stärke Clarkes, der keine Weltraumschlachten aufbaut, sondern seine Geschichten auf ruhige und tiefgehende Art – beinahe sachlich – zu erzählen weiß.
Arthur C. Clarkes Geschichte spielt in einer fernen Zukunft – nichts desto trotz baut der Autor abermals eine visionäre Metapher zu unserer Gegenwart auf. Er zeigt dabei auf sehr philosophische Art und Weise, wie wichtig ein gesunder Wissensdrang sein kann. Er geht sogar noch einen Schritt weiter und zeigt uns, dass durch Akzeptanz auch Brücken abgerissen werden können.
Man darf dabei nie vergessen, in welcher Zeit Clarke diese Geschichte bereits geschrieben hat. Dadurch ist man manchmal ein wenig irritiert, da Clarke viele Millionen Jahre in die Zukunft geht, jedoch einige technische Errungenschaften teils stehen geblieben sind. Andere wiederum entwickelte Clarke selbst und somit entsteht eine kleine Diskrepanz, wenn man die Geschichte mit der Sichtweise unseres Jahrhunderts betrachtet.
Dies ist aber kein Vorwurf, denn diese Problematik wird jeder SF-Autor haben, wenn man dessen Geschichte mit einem Abstand von 50 bis 60 Jahren betrachtet.
Ich persönlich glaube aber, dass der Ideenreichtum Clarkes trotzdem außerordentlich war und dies eigentlich nicht der eigentliche Fokus der Story sein sollte. Vielmehr ist es – wie bereits erwähnt – eine wunderschöne Geschichte, deren Moral nichts an seiner Notwendigkeit verloren hat. Schade eigentlich, dass sich in diesem Bereich 60 Jahre später fast nichts entwickelt hat.
Alles in allem ein sehr interessanter, ruhiger und nachdenklich stimmender Plot, der noch nichts an seiner Wirkung zu verloren haben scheint.
Jürgen Seibold/27.09.2016
Die Stadt und die Sterne: Roman – KAUFEN BEI AMAZON

HYS072 – Fotografie – Apple – Filme

die neue Podcastfolge:

Will Hofmann: Lebensnacht

Hofmann_Lebensnacht© 2016 by Fabulus-Verlag, Tanja Höflinger, Fellbach
ISBN 978-3-944788-06-7

COVER:

Menschen sterben weltweit in großer Zahl, ihre Leichname lösen sich in Pfützen auf, nur Knochen und Kleidungsstücke bleiben übrig. Und der Geruch nach Benzin. Der nicht für möglich gehaltene Super-GAU stellt selbst die Auswirkungen der Atombombe in den Schatten und wird Realität: Die Menschheit steht vor dem Aus.
Professor Harry Kauffmann, Träger des Chemie-Nobelpreises und weltweit anerkannte Koryphäe auf seinem Gebiet, versucht mit seinem Team, den Schaden einzudämmen, der ihm bei seinen Experimenten unterlaufen ist. Er wollte Benzin mithilfe genetisch veränderter Bakterien herstellen. Um die tödlichen Folgen seiner Forschungen zu bekämpfen, fehlen aber die adäquaten Mittel. Ein dramatischer Wettlauf mit der Zeit beginnt. Wie wird dieser enden?

REZENSION:

Die Idee hat zumindest ihren gewissen Charme: Einfach mit Hilfe von Gentechnik das Problem der Endlichkeit des Öls zu lösen. Sicher, Öl ist nicht gerade ein umweltschonender Kraftstoff – aber lassen wir das hier einfach mal außen vor, denn bei Will Hofmanns Thriller Lebensnacht handelt es sich um einen Wissenschaftsthriller, der mit den Gefahren der als Innovation verpackten Forschungsergebnisse spielt.
Will Hofmann führt sehr geschickt in seine Geschichte ein und lässt dabei die entstehende Problematik noch beiseite beziehungsweise nur langsam auftreten.
Mehr und mehr Menschen sterben und lösen sich auf. Dabei verströmen sie einen starken Benzingeruch. Hierdurch wird sehr schnell klar, dass die neue Technik wohl Auslöser des Ganzen zu sein scheint. Doch warum werden plötzlich Menschen mit dieser viralen Krankheit konfrontiert?
Wie bei einer Apokalypse steigen die gemeldeten Zahlen der Todesfälle ins Unermessliche, handelt es sich doch um eine virale Vorgehensweise der Bakterien.
Harry Kauffmann, anfangs durch seine Entwicklung ein sehr angesehener Nobelpreisträger sieht sich nun konfrontiert mit der Suche nach einer schnellen Lösung und darüber hinaus mit den Gedanken und der öffentlichen Wahrnehmung, hierfür der allein Schuldige zu sein.
Will Hofmann legt einen sehr rasanten Thriller vor, der relativ gut ins Detail geht und dabei auch nicht davor zurückschreckt, einige Todesfälle haarklein zu beschreiben.
Teilweise wirkt die Geschichte ein klein wenig zu sehr konstruiert – dies stört jedoch nicht wirklich, da der Anspruch dieses Romans (neben seiner grundsätzlichen Botschaft) komplett auf der Unterhaltungsschiene liegt und hier auch einwandfrei funktioniert.
Das wissenschaftliche Thema als auch die millionenfachen Todesfälle hätte der Autor bestimmt auch zu einem apokalyptischen Roman mit weit über 1.000 Seiten ausbauen können – stellt sich dabei aber die Frage, ob das notwendig wäre. Lebensnacht ist jedenfalls ein sehr guter und rasant erzählter Thriller mit interessant dargelegten Protagonisten und sorgt uneingeschränkt für einige Stunden gute Unterhaltung. Ich denke, das ist auch der Anspruch dieses Werkes. Falls ja, erfüllt es diesen auch problemlos.
Jürgen Seibold/26.08.2016
Lebensnacht: Roman – KAUFEN BEI AMAZON

BiomAlpha 1 – Die Ankunft

biomalphaAutoren und ©:
Uwe Post, Frank Lauenroth, Niklas Peinecke, Frederic Brake, Merlin Thomas, Uwe Hermann und Christian Weis

BoD – Books on Demand, Norderstedt
ISBN 978-3-7412-3831-4
ca. 346 Seiten / 9,99€

COVER:

Im Jahr 2025 entdecken die gefeuerte NASA-Mitarbeiterin Dr. April Reignar und der Hobbyastronom Jimmy MacPeale, was Ufologen schon immer wussten: Wir sind nicht allein!

Ein riesiger Schwarm von Flugobjekten nähert sich der Erde. Fieberhaft versuchen sich Regierungsvertreter wie Ufo-Jünger auf den Erstkontakt vorzubereiten, während die Aliens bereits in verschiedenen Regionen der Erde landen.
Nicht alle kommen in Frieden!

Unabhängig voneinander fliegen zwei Menschengruppen auf Einladung der Besucher zu den Schwarm-Schiffen im Erdorbit. Vor ihnen tut sich eine biologische Wunderwelt auf.
Doch sehr schnell müssen sie erkennen, dass sie etwas Fremdem gegenüberstehen, dem sie kaum gewachsen sind. Schon bald gibt es erste Opfer…

Dieser Sammelband enthält die Episoden 1 bis 3 der Serie.

REZENSION:

Bei Biom Alpha handelt es sich um eine Gemeinschaftsarbeit unterschiedlicher SF-Autoren, die hiermit eine Serie erschaffen haben, deren erste drei Folgen sich in diesem Sammelband befinden.
Wir befinden uns relativ nah in der Zukunft – im Jahre 2025 – und entdecken plötzlich, dass sich Flugobjekte auf dem Weg zur Erde befinden. Verschiedene Gruppen versuchen sich fieberhaft auf den Erstkontakt vor zu bereiten. Gleichzeitig landen schon einige Außerirdische auf unserem Planeten. Wie sich dabei recht schnell herausstellt, haben sich nicht alle davon mit rein friedlichen Absichten auf den Weg zu uns gemacht.
Nichts desto trotz fliegen zwei Menschengruppen auf Einladung zu den Schiffen im Orbit und entdecken eine für sie unglaubliche und sagenhafte Welt. Gänzlich andersartige Lebensformen als sie auf unserem Planeten gewohnt sind.
Biom Alpha: Die Ankunft lässt uns teilhaben an den ersten drei Folgen dieser in mehreren Folgen ausgerichteten Science-Fiction-Reihe. Mir persönlich stellt sich bei einem Konglomerat verschiedener Autoren immer wieder die Frage, wie so eine Zusammenarbeit sauber und eingängig von statten geht, ohne dabei zu unterschiedlich in der Schreibweise zu klingen oder gar den Faden zu verlieren.
Nun, die beteiligten Herren haben es jedenfalls geschafft, denn der gesamte Band klingt wie aus einem Guss. Die Geschichte selbst beginnt sehr verwirrend und ich fragte mich bereits nach einigen Seiten, ob ich mir dieses Werk denn wirklich antun soll. Irgendwie befindet man sich am Anfang in etwas unverständlichem, mit noch nicht nachvollziehbaren Figuren. Erfreulicherweise blieb ich aber dran und sobald sich die Geschichte den Erdlingen zuwendet, schafft man es auch, den Faden aufzunehmen und die anfänglichen Verwirrungen lösen sich auf. Im Nachhinein bin ich mir aber immer noch nicht ganz sicher, ob der Einstieg glücklich gewählt war, da er sicher etwas abschreckend wirkt – andererseits wirkt es dann im Laufe des Buches stimmiger und jeglicher Nebel im eigenen Verstand löst sich in Wohlgefallen auf.
Biom Alpha ist irgendwie anders als übliche SF-Romane. Sicher, der grundsätzliche Plot ist relativ typisch aufgebaut. Der Ideenreichtum und die in meinen Augen komplett neu entwickelten Spezies auf rein biologisch aufgebauter Basis ist sehr interessant und lässt einen lediglich staunen.
Die Story macht wirklich Spaß beim Lesen durch die Zusammenfügung dreier Bände hat man nach jeweils einem Drittel einen Cliffhanger für die nächste Episode – leider auch am Ende, da mir die Folgebände noch nicht vorliegen, ich aber gerne wissen möchte, wie es denn nun weitergeht.
Alles in allem ein sehr erfrischender und außerordentlich interessanter SF-Roman der mich rundum sehr gut unterhalten konnte.
Jürgen Seibold/15.09.2016
Biom Alpha: Die Ankunft – KAUFEN BEI AMAZON

FG000 – FILMGESCHICHTEN

Hier die Folge “Null” des neuen Podcasts FILMGESCHICHTEN zur Einstimmung:

Feedback bitte an filmgeschichten@hysterika.de

HYS071 – Urlaubsbücher und Filmgeschichten

die neue Podcastfolge:

Mac P. Lorne: Der Pirat – Ein Francis-Drake-Roman

lorne_PiratOriginalausgabe Juli 2016
© 2016 Knaur Taschenbuch
ISBN 978-3-426-51748-2
ca. 654 Seiten

COVER:

DER KÖNIG DER MEERE

England im 16. Jahrhundert: Der berühmt-berüchtigte Pirat der Königin, Francis Drake, kehrt von seiner Weltumseglung zurück. Nach fast drei Jahren läuft die Golden Hind als einziges von ursprünglich fünf Schiffen wieder in den Hafen von Plymouth ein.
Während die anderen Mitglieder der Mannschaft voller Freude von ihren Frauen begrüßt werden, steht Drake ein schwerer Gang bevor: Er muss seiner Frau Mary mitteilen, dass er in Patagonien Thomas Doughty, einen seiner Kapitäne, aus einem vorgeschobenen Grund hinrichten ließ. Mary hatte sich vor seiner Abreise von Doughty verführen lassen und wird von Drake fortan aus seinem Leben verbannt, da er den Gedanken an die Schmach nicht erträgt. Doch lange kann der Pirat nicht bei seinen privaten Angelegenheiten verweilen, denn seine Königin schickt ihn erneut auf große Fahrt – die zu seiner größten Mission werden soll …

REZENSION:

Von historischen Romanen habe ich in letzter Zeit vermehrt Abstand genommen. Das lag vor allem daran, dass die (aus meiner Sicht) meisten Romane dieses Genres den historischen Zeitrahmen nur noch als Hintergrund für eine erfundene Geschichte verwenden. Dabei geht es auch sehr oft um reine Liebesgeschichten vor historischer Kulisse.
Selbst „Der Pirat“ hätte mich beim Lesen des Covers abgeschreckt, da auch hier – wohl aus Marketinggründen – erneut auf ein Beziehungsthema hingewiesen wird.
Nun, ich habe mich trotzdem diesem Buch gewidmet, da ich davon ausging, dass eine Lebensgeschichte über Francis Drake sicher nicht nur eine reine Liebesgeschichte sein kann.
Was für ein Glück, denn Mac P. Lorne legt mit seinem Werk eine authentische Geschichte über diesen sagenumwobenen Freibeuter der Majestät vor und schafft es dabei nahezu problemlos den Leser in die Zeit Elisabeth I. zu entführen.
Mac P. Lorne bewegt sich geschickt durch den zeitlichen Rahmen und versucht anhand der vorhandenen Informationen ein umfangreiches Bildnis Francis Drakes zu erstellen. Dies gelingt ihm auch ohne dabei nach trockenem Geschichtsbuch zu klingen – vielmehr handelt es sich bei „Der Pirat“ um einen beinahe biographischen Roman, bei dem einem der Wind um die Ohren säuselt. Francis Drake bekommt von Mac P. Lorne ausreichend Ecken und Kanten, um nicht zu einer reinen Lobpreisung dieser Gestalt zu werden. Seine Darstellung und Erklärung der Schiffe als auch der Städte (insbesondere Venedig) ist liebevoll und detailliert gezeichnet, ohne dabei den nicht wissenden Leser mit zu vielen Fachbegriffen zu langweilen.
Bei dem ein oder anderen Charakter hätte Lorne ruhig noch ein wenig mehr ausholen können – manche davon würden sicher Stoff für ein eigenes Buch geben. Aber gut, es soll hier ja hauptsächlich über das Leben Francis Drake‘ gehen.
Die am Cover – wohl zum Leserinnen-Fang –  avisierte Liebesthematik ist im Buch recht schnell abgehandelt und somit könnte man diesen Verweis auch einfach weglassen um vielleicht einfach mehr männliche Leser zu animieren.
„Der Pirat“ ist definitiv kein Liebesroman sondern bleibt eine sehr gut und eingängig lesbare sowie historisch authentisch wirkende Beschreibung des Lebens dieses Freibeuters. Solche historischen Romane sollte es erheblich öfter geben, da hier die Kulisse nicht nur Mittel zum Zweck ist sondern der Lebenszeit der besprochenen Person geschuldet ist.
Geschichtsunterricht kann somit auch wirklich Spaß machen und es war wirklich schön und außerordentlich unterhaltsam mit diesem Buch in das lebendig dargestellte 16. Jahrhundert abzutauchen.
Nebenbei erwähnt: Die Aufmachung des Romans ist sehr gelungen. Was mir persönlich noch gefallen hätte, wäre eine bildliche Darstellung der verschiedenen verwendeten Schiffe, damit man als Seefahrer-Laie noch etwas mehr Informationen über diesen nicht unerheblichen Teil der Geschichte bekommt.
Jürgen Seibold/30.08.2016
Der Pirat: Ein Francis-Drake-Roman – KAUFEN BEI AMAZON

Kiki Blu (Daniela Rohr): runDREIse (Kaffeesucht, Sex und ein Ticket ins All 3)

blu_rundreise© 2016 Daniele Rohr
www.danielarohr.de

COVER:

Ein Tagebucheintrag mit einer düsteren Voraussage, ein bedrohliches Weltraumphänomen, das die Titanicus aus ihrer Flugroute zerrt – und dann verebbt auch noch das Wifi-Signal! Aber zum Glück ist noch Kaffee da … zumindest vorerst.

In der dritten Episode der humorvollen Space-Opera schlägt sich Kiki Blu nicht mehr nur mit ihren eigenen Problemen herum. Stattdessen müssen sie und ihr pessimistisches Handgepäck – der Androide Max – gemeinsam mit dem inkompetenten Piloten nach einer Lösung suchen, um ihrer Irrfahrt zu entkommen. Kiki versucht, trotz ihrer prekären Lage, zuversichtlich zu bleiben – wären da nur nicht diese mysteriösen Zeitgeister, die sie ständig beobachten.

REZENSION:

Beinahe hätte ich vergessen, dass sich auf meinem Lesegerät noch der dritte Teil der sagenhaften Reise Kiki Blus befindet. Beim Durchblättern gerade noch gesehen und sogleich als Häppchen zwischendurch geöffnet. Wer Kiki Blu noch nicht kennt: Die nette Dame hatte im ersten Teil einen interessanten One-Night-Stand mit einem Alien, dieser wiederum ließ ihren geliebten Vibrator mitgehen und verschwand sang- und klanglos in den Weiten des Universums.
Kiki Blu, ob dieser Frechheit angefixt, machte sich sofort auf den Weg, ließ alles hinter sich und versucht nun ihren kurzzeitigen Lover wieder zu finden. Ob es sich dabei um einen Selbstfindungstrip, eine Jagd nach ihrem – wohl überall erhältlichen – Vibrator oder gar um Liebe handelt? Wer weiß? Kiki scheint sich da selbst nicht wirklich sicher zu sein.
Nun also der dritte Teil und wir begleiten Kiki und ihr Handgepäck – den Androiden Max – weiterhin auf ihrer kuriosen Reise durch den Weltraum.
Dabei bleibt auch in Folge 3 kein Auge trocken und man lässt sich höchstens durch immer wiederkehrende Lust nach einer Tasse frisch aufgebrühten Kaffees vom Weiterlesen abhalten.
Kiki rast in diesem Teil gleich durch mehrere Universen und trifft dabei auf skurrile Gestalten und Wesen – sieht sich sogar mit sich selbst konfrontiert.
Kiki Blus Geschichte ist wahrlich ein sehr interessantes Highlight für einen durchweg unterhaltsamen Lesezeitraum von knappen zwei Stündchen. Vollgestopft mit Kuriositäten und Ideen, die jedoch gleichzeitig rundum durchdacht und in sich stimmig zu sein scheinen.
Erneut hat sie es geschafft, mich dem Alltag entfliehen zu lassen und mit hochgezogenen Mundwinkeln von Wort zu Wort zu fliegen.
Wer Kiki Blu und ihre Erlebnisse noch nicht kennt und kein Problem mit skurrilen Geschehnissen a‘la Douglas Adams hat, der kann sich diese Reihe ruhig einmal gönnen. Sie scheint wirklich von Folge zu Folge interessanter, skurriler und besser zu werden. Ich werde jedenfalls kaffeetrinkend auf die nächste Folge warten und hoffen, dass diese in nicht allzu ferner Zukunft das Licht der Welt erblicken wird.
Jürgen Seibold/30.08.16
Rundreise (Kaffeesucht, Sex und ein Ticket ins All 3) – KAUFEN BEI AMAZON

Connie Willis: Die Jahre des schwarzen Todes

willis_schwarzenTodesOriginaltitel: Doomsday Book
Übersetzung von Walter Brumm
Überarbeitete Neuausgabe 12/2011
© 1992 by Connie Willis
© 2011 der überarbeiteten Neuausgabe by Wilhelm Heyne Verlag GmbH & Co. KG, München
eISBN 9783641074890
ca. 784 Seiten

COVER:

Es sollte das größte Abenteuer ihres Lebens werden: Die junge Kivrin wird aus dem Jahr 2054 ins mittelalterliche England geschickt. Doch bei der Übertragung kommt es zu Problemen, und so landet die Geschichtsstudentin nicht wie geplant im Jahr 1320, sondern im Jahr 1348 – dem Todesjahr, in dem die Pest England entvölkerte. Und eine Rückkehr in die Zukunft scheint unmöglich zu sein …

REZENSION:

Wir befinden uns im Jahre 2054 und es besteht die Möglichkeit der Zeitreisen. Verwendet werden diese jedoch ausschließlich zur historischen Forschung. Mit Hilfe dieser Möglichkeit werden Historiker in unterschiedliche Zeiten geschickt, um direkt vor Ort ihre Feldforschung vornehmen zu können.
Das Mittelalter ist dabei jedoch noch nicht berücksichtigt worden, da diese Epoche für den Zeitreisenden als zu gefährlich eingestuft worden ist. Doch auch in dieser Universität gibt es diverse Machtkämpfe und so nutzt der stellvertretende Dekan Mr. Gilchrist die Abwesenheit seines Vorgesetzten, um seine Studentin Kivrin eben doch in die dunkle Zeit des Jahres 1320 zu senden. Dem gegenüber steht ihr Mentor, Mr. Dunworthy, der die schützende Hand auf Kevrin legt und sich dagegen ausspricht.
Die Reise findet natürlich trotz aller Vorbehalte statt und dabei geschieht ein fataler Fehler: Kivrin landet nicht im geplanten 1320 sondern im Jahre 1348. Grundsätzlich wäre das wohl kein großer Lapsus, wäre das nicht exakt die Zeit, in der sich die Pest ausbreitet und dabei die halbe Bevölkerung Europas zu Tode kommen lässt.
Nebenbei erwähnt ist Kivrin von einem Virus befallen worden und landet bewusstlos in besagtem Jahr des Mittelalters. Sie wird dabei von jemandem gefunden und zu einem Landsitz verbracht.
Man kümmert sich dort sehr gut um sie, jedoch weiß sie durch ihre Bewusstlosigkeit ihren Ankunftsort nicht mehr – benötigt diesen aber zu einer bestimmten Zeit, um wieder vom „Netz“ zurückgeholt werden können.
Kivrin versucht sich nun erst einmal zurecht zu finden und geht dabei noch lange davon aus, im ursprünglich geplanten Jahr zu sein.
Während sie sich im Mittelalter befindet plagt sich ihr Mentor mit ganz anderen Problemen: Er möchte Kivrin so schnell wie möglich zurückholen, wird dabei aber nicht nur von Mr. Gilchrist angehalten sondern auch noch von einem plötzlich aufgetretenen Virus, der zur Folge hatte, dass die gesamte Stadt unter Quarantäne gestellt worden ist…
Connie Willis Roman ist durch diese beiden zeitlichen Ebenen etwas zwiespältig in meiner Betrachtungsweise. Sämtliche Begebenheiten im Mittelalter fesselten mich ungemein und ich war jedesmal froh, wenn in ihrem Werk ein Kapitel in der Zukunft von einem in der Vergangenheit abgelöst worden ist. Die Geschehnisse bei Kivrin waren sehr detailliert beschrieben und scheinen bis auf wenige Ausnahmen auch durchweg historisch korrekt dargestellt zu sein. Man liest hier von einem ehrlichen und dreckigen Mittelalter ohne jegliche Beschönigung oder Romantik. Das Jahr 1348 ist dreckig und düster. Gleichzeitig vollgestopft mit Vorurteilen, Meinungen bis hin zum religiösen Wahn. Connie Willis kommt dabei gänzlich ohne die typischen mittelalterlichen Themen wie zum Beispiel Ritter, Turniere, Burgen etc. aus – nein, wir befinden uns immer in dem kleinen Dorf und lernen die dort befindlichen Personen im Detail kennen.
Dieser Bereich ist absolut fesselnd und berührend. Jedes einzelne Wort kann man fast als so geschehen hinnehmen und es hat mir wirklich jeder einzelne Part darin gefallen.
Im Umkehrschluss jedoch der andere, sich mit den Mittelalter-Kapiteln abwechselnde Part: die Geschehnisse in der Zukunft: Rasant und leicht zu lesen, jedoch wirkt das alles sehr stark konstruiert. Los geht es dabei mit dem plötzlichen Virus, bei dem ich noch ein Auge zudrücken konnte – aber, dass Mr. Dunworthy gefühlte tausendmal durch ein Besetztzeichen am Telefon ausgebremst worden ist, strengte dann doch sehr an. Die „Hatz“ Dunworthys ließ sich zwar leicht und sehr eingängig lesen, die Kraft des Buches liegt jedoch im Mittelalter. Nichts desto trotz ist die Genreverknüpfung im Großen und Ganzen sehr gut gelungen. Fans des SF-Genres werden zwar wenig technisch Originelles finden, da das Jahr 2054 – bis auf die Möglichkeit der Zeitreisen – sehr stark unserem ähnelt. Durch Verwendung von Smartphones wirkt unser aktuelles Jahr sogar moderner. Technische Details des Genres hat sich die Autorin sogleich komplett gespart, was ich positiv fand, manchen Fan des Genres aber wohl nicht ausreichend sein dürfte. Fans des Historik-Genres können mit diesem Buch ganz sachte an das SF-Genre zugeführt werden. Selbst wenn ihnen dieser Teil nicht gefallen sollte: Die Erlebnisse Kivrins werden das wieder wettmachen.
Alles in allem ein schöner Brückenschlag zwischen zwei sehr weit auseinander stehenden Genreabgrenzungen, mit einem sehr detailliertem, pestgeladenen Mittelalter und einem etwas arg konstruiertem Ursprung in der Zukunft. „Die Jahre des schwarzen Todes“ hat aber in seiner Gänze trotzdem außerordentlich gut funktioniert, mich unterhalten und dabei mit wenigen Abstrichen durchweg überzeugt.
Jürgen Seibold/30.08.2016
Die Jahre des schwarzen Todes – KAUFEN BEI AMAZON

Philip Kerr: Game Over

Kerr_GameOverOriginaltitel: Gridiron
© 1996 by Rowohlt Verlag GmbH, Reinbeck bei Hamburg
“Gridiron” © 1995 by thynKER ltd
ISBN 978-3-499-22400-3
ca. 544 Seiten

COVER:

Ein High-Tech-Hochhaus in Los Angeles wird zur tödlichen Falle, als der Zentralcomputer plötzlich verrückt spielt. Mit dem ersten Toten beginnt für den Stararchitekten Ray Richardson ein wahrer Alptraum, mit jedem weiteren Toten steigert sich der Horror.

REZENSION:

Als ich die Beschrreibung des Buches Game Over von Philip Kerr gelesen hatte, dachte ich sogleich an frühere Horrorfilme wie zum Beispiel “Fahrstuhl des Schreckens”. Diese spielten schon vor langer Zeit mit einer kleinen Verschiebung der Normalität: Die Technik macht nicht nur, was sie machen soll.
Philip Kerr geht noch einen Schritt weiter und bringt uns in ein komplett neu konstruiertes Hochhaus vor seiner eigentlichen Eröffnung. Die letzten Vorbereitungen werden durchgeführt, jedoch kommen nach und nach einzelne Personen ohne anzunehmende Fremdeinwirkung ums Leben.
Sehr schnell stellt sich dabei heraus, dass die Menschen zum Spielball des hochentwickelten Computersystems werden, welches in diesem Haus sämtliche Versorgungseinrichtungen vollautomatisch steuert und dabei selbstlernend funktioniert.
Philip Kerr legt dabei einen sehr gut durchdachten und für das Entstehungsjahr bereits sehr visionären und immer noch zum größten Teil technisch passenden Thriller vor, der sich durchweg flüssig und eingängig lesen lässt. Seine Charakter bestehen aus sehr unterschiedlichen Persönlichkeiten, die gut vom Autor gezeichnet werden.
Die Allmacht des Computersystems wird plausibel dargelegt und man springt bereits nach kurzer Einführungszeit von Geschehnis zu Geschehnis. Ein durchweg gut strukturierter Roman mit einer einfachen aber dennoch klaren Botschaft. Gleichzeitig ein typischer Thriller, den man sich sehr gut auch als abendfüllenden Unterhaltungsfilm vorstellen könnte.
Kurzum: Ein sehr gut durchdachter und spannender Unterhaltungsroman für einige angenehme Lesestunden voller Spannung in einem atemberaubenden Gebäude.
Jürgen Seibold/27.08.2016
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Joe R. Lansdale: Drive-In (Die Trilogie)

Lansdale_DriveinOriginaltitel: The Complete Drive-In
© 2009 by Joe R. Lansdale
© 2015 der deutschsprachigen Ausgabe by Wilhelm Heyne Verlag, München
ISBN 978-3-453-67672-5

COVER:

Stellt euch ein Autokino vor, das groß genug ist, viertausend Autos zu fassen. Dann habt ihr eine Idee vom Orbit, dem größten Drive-in von Texas. Jeden Freitag gibt es dort die All-Night-Horror-Show. Genau hier sind wir jetzt, alles ist perfekt. Aber plötzlich taucht aus dem Nichts dieser blutrote Komet auf. Schlagartig ist das Orbit von der Außenwelt isoliert, eingeschlossen von einer tödlichen Leere. Es gibt kein Entrinnen. Die Nahrungsmittel werden knapp. Erste Fälle von Totschlag und Kannibalismus treten auf. Doch das Schlimmste steht uns erst bevor …

REZENSION:

Der Name Joe R. Lansdale verfolgte mich schon sehr lange, da ich irgendwie jedesmal, wenn ich auf der Jagd nach neuem Lesestoff war, auch über das ein oder andere Lansdale-Buch stolperte. Jahrelang ließ ich diesen Autor aber aus nicht nachvollziehbaren Gründen trotzdem links liegen. Woran das gelegen haben mochte, entzieht sich leider meiner Kenntniss.
Irgendwann las ich aber die Coverbeschreibung von Drive-In und war von dieser Idee – Menschen werden in einem Autokino von der Außenwelt isoliert – sehr angetan, wenn nicht gar absolut angefixt.
Natürlich griff ich dann sogleich zur kompletten Trilogie, in der Hoffnung, hier einen absoluten Blockbuster vor mir zu haben.
Diese Hoffnung sollte sich auch beim Genuss des ersten darin enthaltenen Buches aufrecht erhalten bleiben und ich befand mich urplötzlich mitten drin im abgeschnittenen Autokino und folgte den Geschehnissen nahezu ungebremst.
Lansdale lässt dabei nichts aus und legt einen sehr trashigen und unverblümten Roman vor, der für eine sehr gute und interessante Unterhaltung problemlos sorgen konnte.
Gegen Ende des ersten Bandes steigt der Trashfaktor – bleibt aber noch in einem annehmbaren und sogar witzig anmutenden Rahmen.
Jedoch hätte ich wohl danach aufhören sollen, denn die beiden Folgebände hinterließen einen sehr widersprüchlichen Geschmack. Die Protagonisten verlassen das Autokino und finden sich einer gänzlich neuen und abstrakten Welt wieder. Dies wäre noch nicht das Problem, da mir so etwas grundsätzlicher weise sehr gut gefällt. Irgendwie kam ich aber nach dem fulminanten Start nicht mehr richtig in die Geschichte herein, konnte aber gleichzeitig das Buch nicht einfach schließen und als abgebrochen betrachten.
Somit fristete es sein Dasein als Lückenfüller: Ich begann mit anderen Büchern und widmete mich immer mal wieder – so als Zwischendurchhäppchen – einigen Kapitel dieses Werkes.
Allein dabei wurde mir schon klar, dass ich mir nicht ganz sicher bin, ob es mir nun gefällt oder eben nicht. Einerseits musste ich mich zum Weiterlesen zwingen, andererseits wollte ich auch wissen, wie es denn nun weitergeht.
Dies zog sich durch das gesamte zweite Buch und wurde anfangs beim Start des Finalstückes nur latent besser. Nichts desto trotz konnte mich Buch 3 wieder etwas näher an die Geschichte heranführen und ich erkannte, dass ich mich nun plötzlich wieder öfters diesem Werk widmete.
Das dritte Buch wirkt dabei sogleich noch trashiger und lässt Horrorelemente mehr und mehr ins Hintertreffen geraten. Störte jedoch nicht, denn die abgedrehte Story mit vielen Anteilen im Bauch eines Fisches(!) hatte irgendwie ihren Reiz.
Ich hoffte sehr auf ein starkes Ende, damit meine sehr lange Mühe mit diesem Band nicht umsonst gewesen sein sollte.
Erfreulicherweise sorgt Lansdale für einen sehr nachdenklichen und philosophischen Schluss, wodurch er mich wieder überzeugen konnte.
Nichts desto trotz handelt es sich bei dieser Trilogie um ein Werk, zu dem ich mich einfach zu oft zwingen musste. Dementsprechend schwer fällt es mir, ein durchweg positives Statement abzugeben, viel zu Durchwachsen ist meine Meinung über dieses Werk. Das schwenkt wirklich über die gesamte Range von Genial bis absoluter Quatsch.
Vielleicht hätte ich auch einfach erst mit anderen Werken dieses Autors anfangen sollen…
Jürgen Seibold/26.08.2016

Drive-In: Die Trilogie erstmals in einem Band – KAUFEN BEI AMAZON

Peter Lancester: Die eiserne Hand (Die Chroniken der Anderwelten 4)

Lancester_Hand© 1988: Peter Lancester
© 2016 der deutschsprachigen Ausgabe: Eldur Verlag
ISBN 3-937419-09-X
ca. 500 Seiten

COVER:

Der vorliegende Band führt die Handlungsstränge der vorangegangenen zusammen.

Eva studiert Kunst in Köln, verarbeitet ihre Erlebnisse in einem Comic und hält sich mit Schwertübungen fit. Als sie einen unkonventionellen Engländer kennenlernt und sich Hals über Kopf verliebt, scheint sie für einen kurzen Moment ihren Platz in der Welt gefunden zu haben.

Doch Obersdorf, der Mona immer noch gefangen hält, streckt seine Hände nun auch nach Eva aus. Die Konsequenzen sind verheerend. Und je näher der Alte seinem Ziel kommt, desto seltsamer werden sowohl er als auch die Welt in seiner Umgebung.

REZENSION:

Sichtlich erfreut war ich, als ich in den sozialen Medien erfuhr, dass Peter Lancester den vierten Band seiner auf 5 Bände ausgerichteten Reihe über die Anderwelten weiter fort zu führen gedachte und schlussendlich nun auch herausbrachte.
Gleichzeitig fragte ich mich jedoch auch, ob die Geschichte noch funktionieren kann und ob ich selbst überhaupt noch in der Lage sein werde, erneut eintauchen zu können. Ein Blick in meine früheren Rezensionen zeigte mir jedenfalls, dass ich die ersten drei Bände in den Jahren 2005 und 2006 rezensierte und ich deshalb leider schon davon ausging, dass diese Reihe wohl nie mehr zu ihrem Ende finden wird.
Dementsprechend zwiespältig waren auch meine Gedanken während der ersten Seiten im vorliegenden vierten Band mit dem Titel „Die eiserne Hand“.
Nur grob konnte ich mich an Lancesters Protagonisten erinnern – und hätte mich jemand nach etwas detaillierteren Inhaltsangaben gefragt, ich hätte wohl passen müssen.
Wie sich aber erfreulicherweise herausstellten sollte, scheint sich während dem Lesen ein Tor in meinen Gedankenwelten geöffnet zu haben, denn mehr und mehr weitete sich der eigene gedankliche Horizont und schon stellte sich plötzlich keine Frage mehr nach vermeintlich vergessenen Begebenheiten.
Wie mit Zauberhand öffneten sich scheinbar einige Schubladen in meinem Kopf und ich wusste auf einmal wieder, welche Rollen in etwa Mona, Eva, Otto, Lesly und Silvana gespielt hatten. Dementsprechend war es auf einen Schlag wieder möglich, in dieses Buch ein zu tauchen. Was ich auch sehr gerne erneut tat.

Peter Lancester geht – wie auch in den ersten drei Bänden – sehr rasant vor. Sein eingängiger und unverblümter Schreibstil scheint unverändert und konnte mich erneut problemlos überzeugen. Manch einem könnte die teils derbe anmutende Sprache aufstoßen – ich persönlich gehe jedoch nach dem Prinzip, dass dies am ehrlichsten klingt, wenn eben die „Kacke“ am dampfen ist.
Wenn ich mich recht erinnere, dann spielte der dritte Band überwiegend im sagenhaften Unterhessen, dementsprechend nachvollziehbar ist es in diesem Buch, dass uns Peter Lancester hier nur partiell dorthin führt. Hierdurch fehlt der eisernen Hand zwar der bekannte und außerordentlich interessante Part in der Anderwelt – gleichzeitig ist es aber nachvollziehbar und wenn ich mir so das Ende durch den Kopf gehen lasse, werden wir dort als Leser noch ausreichend genug im nächsten, finalen Band erleben.
Alles in allem ist es absolut erfreulich, dass sich der Autor diesem Werk wieder angenommen hat und es nicht unvollendet in Vergessenheit geraten ließ.
Zehn Jahre sind natürlich eine verdammt lange Zeit und es wird mit Sicherheit manch einem schwer fallen, wieder in diese interessante Geschichte abzutauchen. Nichts desto trotz lohnt es sich abermals und weiterhin, den Personen und ganz besonders dem sagenhaften Unterhessen weiterhin die Stange zu halten und treu zu bleiben. Wollen wir dabei einfach mal hoffen, dass wir bis zum nächsten Band nicht erneut eine ganze Dekade lang warten müssen.
Für Kenner der ersten Bände erneut und ohne Einschränkungen durchweg zu empfehlen – wer diese nicht kennt, wird es aber mit diesem Buch als Einsteiger sehr schwer haben, da der Autor nicht explizit auf frühere Begebenheiten eingeht. Dies ist zum einen positiv, da für den Kenner nur störend, zum anderen könnte er aber dadurch einige Leser eventuell vergraulen oder nicht bekommen.
Diesen sei aber einfach der simple Hinweis gegeben: Fangt mit Band 1 an und genießt die Geschehnisse in diesem Fantasy-Thriller – ihr müsst dann auch keine so lange Wartezeit einplanen.
Jürgen Seibold/08.8.2016
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Claire North: Die vielen Leben des Harry August

North_AugustOriginaltitel: The first fifteen lives of Harry August
© 2014 by Claire North
© 2015 für die deutschsprachige Ausgabe by Bastei Lübbe AG, Köln
ISBN 978-3-431-03930-6

COVER:

MANCHMAL IST EIN LEBEN NICHT GENUG, UM DIE WELT ZU RETTEN! Harry August stirbt. Mal wieder. Es ist das elfte Mal, dass Harrys Leben ein Ende findet. Und er weiß genau, wie es weitergehen wird: Er wird erneut im Jahr 1919 geboren werden ― mit all dem Wissen seiner vorherigen Leben. Harry hat akzeptiert, dass er in dieser Zeitschleife festhängt, auch wenn er nicht weiß, wieso … Doch dann steht plötzlich ein junges Mädchen an seinem Sterbebett und überbringt ihm eine erschütternde Botschaft: Der Untergang der Welt steht bevor! Und das auslösende Ereignis findet vermutlich zu Beginn des 20. Jahrhunderts statt. Harry, der bald wieder im Jahr 1919 sein wird, muss nun nicht weniger tun, als diese Zukunft zu verhindern …

REZENSION:

Vorweg gesagt: Dieses Buch begleitete mich als Hörbuch und somit ist die Wahrnehmung mit Sicherheit ein wenig anders, als beim Lesen der gedruckten Wörter.
Bezogen auf das Hörbuch ziehe ich sogleich meinen Hut vor der großartigen Lesung Stefan Kaminskis, der es problemlos geschafft hat, diese Geschichte unter Berücksichtigung aller Facetten vor zu tragen. Man fühlt sich beinahe wie in einem Hörspiel mit verschiedenen Sprechern, da der Leser jeder Person seinen eigenen Stempel aufgedrückt hat und geschickt auf die jeweilige Stimmung achtete. Hierdurch konnte eine ausreichende Stimmung erzeugt werden, die mich sicherlich mit davon abhielt, nicht zum Ende zu kommen.
Zum Buch: Zeitreise-Romane beziehungsweise Zeitschleife-Romane gibt es mittlerweile einige auf dem Markt. Mal mehr, mal weniger gut. Ich konnte es mir dadurch auch nicht wirklich vorstellen, wie Claire North diesem Thema einen neuen Stempel aufdrücken möchte.

Der Plot ist dennoch außerordentlich interessant und zeugt von einer herausragenden Idee. Claire North schreibt sehr eingängig, legt aber dennoch ein sehr hohes und gut durchdachtes sprachliches Niveau vor. Ihre unterschiedlichen Themen sind sehr gut recherchiert und absolut jeder Satz sinnvoll dort platziert, wo er auch hingehört.
Leider springt sie recht oft zwischen den einzelnen Leben hin und her, was es einem in einem Hörbuch nicht gerade leicht macht, hier noch zu folgen. Darüber hinaus gibt es einige langatmige Stellen und man fragt sich in manchem Leben, warum Harry August so passiv wirkt. Sicher, er versucht das Problem seiner Wiedergeburten zu verstehen. Dennoch lässt er sich einige Leben zu viel vom Nichtstun treiben. Hier hätte die Autorin bestimmt etwas stringenter vorgehen können und eventuell die Thematik mit weniger Leben abhandeln können.
Wie bei vielen Zeitreise- oder Zeitschleifenromanen versucht man selbst gedanklich der Thematik haarklein zu folgen. Dabei entdeckt man sehr oft die berühmten Paradoxien, über die man geflissentlich philosophieren kann oder als gegeben hinnimmt. In diesem Buch stellt man sich diese Frage jedoch sehr oft, denn Harry August erfährt zum Beispiel, nicht gravierend einzugreifen in der Weltgeschichte. Ich glaube, eine Person, die immer wieder am exakt gleichen Tag mit dem gesamten Wissen auf die Welt kommt, würde doch nach einigen Leben doch das ein oder andere ausprobieren. Ist ja egal, man kommt ja wieder auf die erste Spur und hat lediglich eine Erfahrung mehr hinter sich.
Bei diesem Thema stellen sich somit sehr viele Fragen, was per se ja positiv für ein Buch ist. Aber wie gesagt: Etwas weniger wäre vielleicht mehr gewesen.
Natürlich bleibt die Geschichte trotzdem faszinierend – jedoch hätte ich mir persönlich etwas mehr Spannung und etwas weniger „durch die Leben springen“ gewünscht.
Sprachlich gibt es absolut gar nichts an der Autorin aus zu setzen: Sehr eingängig, philosophisch angehaucht und jeder Satz gut durchdacht und passend.
Das Ende war mir dann leider ein wenig zu schnell und zu konstruiert. Hier eröffnete sich erneut eine Vielzahl an Fragen, die schlussendlich leider nicht alle beantwortet worden sind.
Jürgen Seibold/02.08.2016
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HYS070 – Zeitalter der Deppen

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