Guse, Juan S.: Miami Punk

@2019 S. Fischer Verlag GmbH, Frankfurt a.M.
ISBN 978-3-10-397393-8
ca. 634 Seiten

COVER:

Der Atlantik hat sich von der Küste Miamis zurückgezogen. Über Nacht legt sein Verlust unsichtbare Abhängigkeiten offen, hinterlässt überall klaffende Lücken – im Alltag, in Familien, in den Institutionen. Es fehlt an Arbeit, an Utopien. Und so breitet sich zwischen leerbleibenden Hotels und dem ausgetrockneten Hafen eine seltsam traurige Atmosphäre aus. Mittendrin: Radikale Pilger, ein spiritualistischer Kongress, die Behörde 55, eine Indie-Game-Programmiererin, eine Arbeiterfamilie, eine Soziologin und ein E-Sport-Team aus Wuppertal.

REZENSION:

Mit „Miami Punk“ wollte ich mich einem Werk widmen, welches trotz der relativ nichtssagenden Beschreibung außerordentlich und erfrischend neu geklungen hat. Das Setting wirkte sehr interessant und konnte mich durch die kunstvolle, surrealistische Anmutung bereits vor Öffnen des Buches überzeugen.
Die kargen Beschreibungen über das Buch weckten meine Neugierde – was nur noch verstärkt wurde durch die sehr positiven Meldungen aus der Presse. Scheint sich doch hier etwas gänzlich Neues im literarischen Markt der phantastischen Literatur aufgetan zu haben.
Juan S. Guse besitzt auch einen sehr schönen Schreibstil und eine Interessante Art des Erzählens, mit der er mich zumindest zu Beginn überzeugen konnte. Dabei schwenkt er seine Herangehensweise beim Erzählen je nach darstellender Figur, was dem Inhalt einige Zeit zu Gute kommt.
Wie gesagt, anfangs wirken diese Elemente wirklich herausragend und gut. Leider relativiert sich dies durch notwendige aber hierin fehlende Spitzen.
Sicher, die Trostlosigkeit wird unglaublich gut dargestellt – ich bin mir aber nicht sicher, ob ich diese Trostlosigkeit als Leser wirklich auch rundum empfinden möchte, um einer dementsprechenden Geschichte folgen zu können.
Als Leser muss man wahrlich sehr viel Aufwand betreiben, um der Geschichte auf längere Zeit genug Interesse entgegenbringen zu können. Mir ist es leider nicht gelungen, da trotz des prinzipiell sehr gelungenen Settings und der Grundidee die Ausarbeitung doch zu viel zu wünschen übrigließ, um mich bei der Stange halten zu können. Den prinzipiellen Handlungsfäden fehlte schlichtweg die notwendige Zugabe an Dramatik, Spannung oder zumindest interessanten Ebenen, um den Leser bei der Hand zu nehmen und ihn mit nicht sinkendem Interesse von Seite zu Seite zu tragen.
Schlußendlich lediglich ein zwar sprachlich herausragender, dennoch nur dezent dystopischer Gesellschaftsroman, der in seiner Gänze zu kompliziert erzählt worden ist. Damit machte es der Autor seinem Leser leider nahezu unmöglich, die darin enthaltene – sicher sehr tiefgehende – Botschaft zu erkennen und als ausreichend interessant zu empfinden..
Jürgen Seibold/17.09.2019

King, Stephen: Das Institut

Originaltitel: The Institute
Aus dem Amerikanischen von Bernhard Kleinschmidt
©2019 by Stephen King
© der deutschsprachigen Ausgabe by Wilhelm Heyne Verlag, München
ISBN 978-3-453-27237-8
ca. 768 Seiten

COVER:

In einer ruhigen Vorortsiedlung von Minneapolis ermorden zwielichtige Eindringlinge lautlos die Eltern von Luke Ellis und verfrachten den betäubten Zwölfjährigen in einen schwarzen SUV. Die ganze Operation dauert keine zwei Minuten. Luke wacht weit entfernt im Institut wieder auf, in einem Zimmer, das wie seines aussieht, nur dass es keine Fenster hat. Und das Institut in Maine beherbergt weitere Kinder, die wie Luke paranormal veranlagt sind: Kalisha, Nick, George, Iris und den zehnjährigen Avery. Sie befinden sich im Vorderbau des Instituts. Luke erfährt, dass andere vor ihnen nach einer Testreihe im „Hinterbau“ verschwanden. Und nie zurückkehrten. Je mehr von Lukes neuen Freunden ausquartiert werden, desto verzweifelter wird sein Gedanke an Flucht, damit er Hilfe holen kann. Aber noch nie zuvor ist jemand aus dem streng abgeschirmten Institut entkommen.

REZENSION:

Der neueste Roman von Stephen King trägt den Titel „Das Institut“ – und diese knappe Bezeichnung klärt bereits das hauptsächliche Setting der Geschichte.
Allein auf Basis der hohen Seitenzahl war ich mir sicher, dass King wieder seiner Rolle treu bleibt und somit seiner ausschweifenden und doch interessanten Erzählweise entsprechend vorgehen wird. Dies lässt sich auch problemlos bejahen, da er sichtlich losgelöst von seiner grundsätzlichen Idee das Buch beginnt und uns durch eine unaufgeregte Weise einen Protagonisten vorstellt, den man dann erst wieder zum Ende des Buches treffen wird. Dennoch ist bereits dieser Part außerordentlich interessant und schon bleibt einem nichts weiter übrig, als ungebremst der Geschichte zu folgen. Kings Stärke zeigt sich stark in diesem ersten Part, da er hier nichts weiter macht, als ein Kleinstadtleben vor dem Leser auszubreiten. Ohne jegliche Dramatik oder Spannung ist man an die Wörter fixiert. King stellt uns unaufgeregt einen Protagonisten vor: Tim Jamieson. Bevor man sich jedoch die Frage nach dessen weitere Rolle in der eigentlichen Geschichte stellt, schwenkt der Autor zu Luke und zieht dabei die Daumenschrauben an.
Luke wird gekidnappt und wacht wieder in einem Institut auf. Spätestens jetzt kann man sich dem Buch nicht mehr entziehen: Jegliche Handlung wirkt glaubwürdig, spannend und rundum gut durchdacht. Man erkennt sehr deutlich, dass King hier auch eine kleine Hommage an die erfolgreiche Serie „Stranger Things“ vornehmen wollte. Darüber hinaus zeigt sich wieder einmal, dass King ein unerreichbares erzählerisches Händchen hat, wenn Kinder die Hauptrolle bei hm spielen. In diesem Fall ist es zwar keine klassische „Coming-of-age“-Geschichte, dennoch sind in „Das Institut“ die Kinder nicht nur Opfer, sondern auch dazu gezwungen, ihrem eigenen Schicksal entgegen zu treten.
Der parapsychologische Touch erinnert etwas an Geschichten aus den 80er Jahren, wodurch der Gedanke an eine Hommage lediglich verstärkt wird. Das Setting spielt zwar in der heutigen Zeit – der Flair lässt sich jedoch nicht verleugnen.
Beinahe nebenbei führt er uns den Wahnsinn eines geheimen Instituts vor Augen und schreckt auch vor Vergleichen zu Konzentrationslagern nicht zurück. Kings Geschichten waren schon immer etwas mehr als reine Geschichten zur Unterhaltung. Auch wenn er oberflächlich betrachtet nur reine Unterhaltungswerke zu erschaffen scheint, schwingt immer sehr viel Zusätzliches mit. King möchte aufzeigen, dass der wahre Horror in der Wirklichkeit liegt und dabei auch das kleinbürgerliche nicht davor zurückschreckt. Im Gegensatz zu manch anderen Werken entlädt sich das Grauen im vorliegenden Buch nicht unter Verwendung eines Monsters oder ähnlichem – nein, in „Das Institut“ ist das Grauen greifbar und gelebt von Personen, die ihre Machtposition ausleben und dabei vor nichts zurück schrecken. Dies macht den Plot noch erschreckender und fühlbarer, denn der größte Feind der Menschheit ist und bleibt der Mensch.
„Das Institut“ ist jedenfalls ein abermals herausragendes Werk eines Autors, der routiniert Geschichten erzählt, dabei aber immer wieder zu überraschen weiß. Eine absolute Empfehlung und sicher auch ein Werk, welches bei manchem Leser die persönliche Bestenliste der King-Bücher neu durchschütteln wird.
Jürgen Seibold/15.09.2019

HYS109 – belgischer Biss

Die neue Podcastfolge:

Wilson, Daniel H.: Die Dynastie der Maschinen

Originaltitel: Clockwork Dynasty
Aus dem Amerikanischen von Oliver Plaschka
Deutsche Erstausgabe 02/2019
©2017 Daniel H. Wilson
©2019 der deutschsprachigen Ausgabe Knaur Verlag, München
ISBN 978-3-426-52100-7
ca. 413 Seiten

COVER:

Sie wissen alles, sie beherrschen alles – und sie sterben nicht. Sie sind awtomat, uralte menschenartige Roboter. Seit Jahrtausenden leben sie unerkannt unter uns. Doch ihre Zeit läuft ab: Sollte es ihnen nicht gelingen, eine neue Energiequelle zu finden, droht ihnen der Untergang. Noch dazu sind die beiden mächtigsten awtomatin einen Machtkampf verstrickt. Mitten in diesen mörderischen Konflikt gerät die Archäologin June: Beim Versuch, etwas über die Herkunft eines mysteriösen Artefakts herauszufinden, macht June eine ebenso sensationelle wie tödliche Entdeckung …

REZENSION:

Wenn man sich den bisherigen Output von Robert H. Wilson ansieht, erkennt man deutlich seine schriftstellerische Leidenschaft: Er widmet sich nahezu ausschließlich dem Erfinden von Geschichten mit Robotern jeglicher Art.
Im aktuellen Buch mit dem Titel „Die Dynastie der Maschinen“ wechselt er jedoch die Vorgehensweise und man findet sich plötzlich keineswegs mehr im Genre der Science Fiction. „Die Dynastie der Maschinen“ wirkt eher wie ein historischer Roman. Insbesondere durch die interessante Erzählweise und den dabei verwendeten Zeitsprüngen gibt der Autor dem gesamten Werk eine historische Tiefe, die man dem Autor beinahe komplett abzunehmen bereit ist. Natürlich handelt es sich dennoch um Fiktion – Roboter dieser Art scheinen ja nicht vorhanden zu sein. Nichts desto trotz wirken diese trotz ihres „Alters“ erstaunlich erfrischend und neu. Es handelt sich nämlich keinesfalls um Roboter der üblichen Art, die plötzlich in ihrer Software austicken und den Menschen bedrohen; nein, hierin lesen wir von Robotern, die es bereits seit tausenden von Jahren gibt. Dementsprechend sind sie auch hauptsächlich durch Zahnräder und weiteren alten Zutaten entstanden. Ihre Möglichkeit zum Leben entspringt eher dem fantastischen und mystischen Genre. Hier spielt irgendeine Software schlicht keine Rolle.
Viele kenne sicherlich den sagenhaften Schachroboter, der sich erst im Laufe der Jahre als Fake herausstellen sollte. Interessanterweise dachte ich an diesen als erstes – jedoch ohne den dabei verwendeten Schwindel.
„Die Dynastie der Maschinen“ ist durch die von Wilson entwickelte Idee ein rundum neuartiges Werk im Bereich der Literatur über beziehungsweise mit Robotern.
Es ist eher eine Art Abenteuerroman, dessen rasanter Trip zum Umblättern anregt. Ganz besonders überzeugend wirken die Episoden in vergangenen Zeiten – hier trifft auf sehr interessante Art und Weise reale Geschichte auf reine Fiktion. Absolut überzeugend und glaubhaft dargestellt.
Die gesamte Geschichte lebt vom Flair des Vergangenen. Leider konnte Wilson dass nicht zu einhundert Prozent aufrecht erhalten. Somit gab es etwa in der Mitte einen kleinen Hänger, der fast zur Langatmigkeit führte. Durch auftretende Spannungselemente konnte der Autor wieder etwas Fahrt aufnehmen – was aber zu einem etwas hektischen und schnell abgewickelten Ende führen sollte.
Nichts desto trotz sorgt „Die Dynastie der Maschinen“ für eine sehr unterhaltsame Zeit und darüber hinaus konnte der Autor damit dem Roboter-Genre einen weiteren Aspekt durch Verwendung einer erfrischend neuen Idee hinzufügen. Allein dafür hatte sich der Genuss dieses Werkes bereits gelohnt.
Jürgen Seibold/01.09.2019

Cawdron, Peter: Habitat

Originaltitel: Retrograde
Aus dem Englischen übersetzt von Bernhard Kempen
Deutsche Erstausgabe 02/2019
©2016 by Peter Cawdron
©2019 der deutschsprachigen Ausgabe und der Übersetzung by Wilhelm Heyne Verlag, München
ISBN 978-3-453-31963-9
ca. 350 Seiten

COVER:

Die Menschheit hat ihren Fuß auf den Mars gesetzt. Die neue Habitatsiedlung „Endeavor“ wird als Triumph des menschlichen Forscherdrangs gefeiert. Einhundertzwanzig Wissenschaftler, Techniker und Astronauten aus aller Herren Länder arbeiten hier. Eine von ihnen ist die junge und engagierte Mikropaläobiologin Liz, die sich wie ihre Kollegen dazu verpflichtet hat, zehn Jahre auf dem Mars zu leben und zu forschen, um den Roten Planeten für die Menschheit bewohnbar zu machen. Doch dann bricht auf der Erde Krieg aus, die Funksignale verstummen und die Versorgungslieferungen zum Mars werden unterbrochen. Nun sind die Kolonisten auf sich alleine gestellt. Misstrauen macht sich unter den verschiedenen Nationen breit. Wer hat den Krieg auf der Erde begonnen? Welches Land ist schuld, dass die Forscher nun auf dem Mars gefangen sind? Liz stößt schon bald auf erste Ungereimtheiten, und dann gibt es einen ersten Toten …

REZENSION:

In Peter Cawdrons neuestem Science-Fiction-Roman befinden wir uns auf dem Mars. Dort befindet sich seit einiger Zeit eine Kolonie, deren Sinn und Zweck die Erforschung und Vorbereitung des unwirtlichen Planeten auf weitere Siedler des Planeten Erde ist.
Die gesamte Forschungseinrichtung besteht aus mehreren Modulen, die gleichzeitig aus unterschiedlichen Nationen bestehen. Der Ursprung ist natürlich die Zusammenarbeit der jeweiligen Institutionen auf der Erde, um ein solches Projekt überhaupt stemmen zu können.
Die Module sind zwar alle miteinander verbunden, dennoch spiegeln sie eine gewisse Trennung wieder – dies wirkt leider analog zu unserem Planeten: Es gibt in der Kolonie somit Eurasien, China, Russland und die Vereinigten Staaten.
Diese Vorgehensweise ist der einzige Kritikpunkt, die ich dem Autor vorwerfen muss  obwohl: Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass dies auch exakt so vorgenommen wird. Ganz unabhängig, wie umfangreich das Gesamtprojekt ist und dass dieses auch nur gemeinsam gestemmt werden kann.
Cawdron macht es sich damit ein wenig einfach, damit er seine Geschichte, die recht schnell Fahrt aufnehmen wird, in der dafür vorgesehenen Spur laufen lassen kann.
Wie die Bewohner auf dem Mars erfahren müssen, zerfleischt sich die Erde durch einen weltweit großangelegten Atomkrieg. Die Bewohner auf dem Mars bekommen nur rudimentäre Informationen und sind dann von weiteren Nachrichten des blauen Planeten abgeschnitten. Die Kommunikation als auch die weitere Versorgung ist eingestellt oder nicht mehr vorhanden, die eigenen Gedanken übernehmen das Zepter.
Da die Kolonisten keine genauen Informationen haben, sind sie sich auch nicht über verlorene Familienmitglieder, Freunde, etc. sicher. Dementsprechend beginnen sie auf menschliche Art zu spekulieren. Darüber hinaus beginnt eine teilweise Abschottung, da sich jeder die Frage stellt, wer diesen Krieg auf der Erde begonnen hat.
Der dezent aufkommende Rassismus in der engen Enklave lässt den Leser mit dem Schlimmsten rechnen. Peter Cawdron führt dies auch geschickt und etwas länger aus. Bereits jetzt würde der Roman ganz gut für eine gepflegte Unterhaltung sorgen – auf Dauer aber wohl etwas zu vorhersagbar, da sich wohl die Einwohner immer mehr mit Vorurteilen beschimpfen und wohl dann mit gegenseitigem Bekriegen beginnen.
Erfreulicherweise dreht sich jedoch der Plot zugunsten der Story. Hierzu möchte ich nichts weiter sagen, da der Twist doch ein klein wenig überraschend ist und der Feind sich doch als etwas anderes darstellt.
Peter Cawdron führt sehr viele technische Details in seine spannende Geschichte ein. Dies aber rundum auf eine absolut glaubwürdige und plausible Art und Weise. Ob das alles möglich ist, entzieht sich meiner Kenntnis – nichts desto trotz konnte ich jedem einzelnen Aspekt trotz fehlendem technischen Know How in diesem Sektor absolut problemlos folgen und somit auch als gegeben hinnehmen.
Übrigens kann man dem Nachwort entnehmen, dass sehr wohl alles plausibel ist und einem technischen Stand entspricht, der sich in spätestens 50 Jahren darstellen würde, wenn man dem Ziel der Marsbesiedelung weiter mit Nachdruck folgt.
Der Plot selbst ist eine gelungener Unterhaltungsroman, der insbesondere durch die Drehung des Plots seine Kraft zieht. Dieser Drall entsteht genau zum richtigen Zeitpunkt und somit ist man als Leser weiterhin voller Euphorie bei den Erlebnissen auf dem fernen Planeten dabei.
Habitat ist ein gelungener und recht spannender SF-Roman mit einem sehr interessanten Setting und einer darüber hinaus glaubwürdigen Geschichte.
Jürgen Seibold/25.08.2019

Laufhütte, Andreas: Das ewige Spiel

Deutsche Erstausgabe 07/2019
© Eldur verlag, Aachen
ISBN 978-3-937-41929-9
ca. 188 Seiten

COVER:

Mein Name ist David Riemschneider. Ich bin 48 Jahre alt, 1,85 Meter groß, und ich habe einen Hirntumor.

Mit diesen Worten beginnt eine zunächst gewöhnlich anmutende Schicksalsgeschichte, die aber im weiteren Verlauf zunehmend groteskere Züge annimmt, insbesondere, was die Halluzinationen des Icherzählers angeht.

Und irgendwann stellt einer der behandelnden Ärzte die Frage aller Fragen: Was, wenn das gar keine Halluzinationen sind?

Ist dann aber stattdessen das ganze bisherige Leben Davids eine Einbildung, inklusive seiner über alles geliebten Frau? Die nächtlichen Schreie, die er während seines Klinikaufenthaltes aus einem Nachbarzimmer hört, sagen ihm etwas anderes.

Dieser Roman ist eine hochspannende Mixtur aus Horror, Thriller und Science Fiction. Von dieser gibt es nicht viele, es lohnt sich also auf jeden Fall, einen Blick zu riskieren.

REZENSION:

Es gibt sie wahrlich immer noch: Bücher, die einen überraschen. Bücher, deren Inhalt und Ausgang so ganz anders ist, als man beim Öffnen des Werkes gedacht hatte.
Gut, der Eldur Verlag konnte mich bisher mit einer Vielzahl an Werken überzeugen – dennoch hatte ich keinerlei besondere Erwartung zum oben genannten kleinen Buch.
Andreas Laufhütte ist mir nicht wirklich ein Begriff. Meines Wissens trat er bisher lediglich als Kurzgeschichtenschreiber in besagtem Verlag auf. Seine Teilnahme bei „Fleisch“ kannte ich somit, aber wie so oft bei Kurzgeschichten: Selbst unter Folter hätte ich weder den Titel noch den Inhalt nennen können. Ist doch schon einige Zeit her…
Nun also eine etwa 180 Seiten starke Geschichte, deren Cover ein klein wenig die Richtung vor zu geben scheint.
Beim Lesen stellt man sich dann dennoch die Frage, wer auf die dumme Idee des Covers kam? Hat doch so gar nichts mit der Geschichte zu tun. Nach und nach wandelt sich der Inhalt der gewöhnlich beginnenden Geschichte jedoch – und so langsam öffnet sich das Verständnis für das Bild auf der Vorderseite des Buches.
„Das ewige Spiel“ ist eine absolute Überraschung. Hier ist nichts, wie es scheint. Der Autor schafft es immer wieder, falsche Fährten auszulegen, plötzlich wieder zurück zu kommen, um dann doch wieder komplett wo anders zu landen. Dabei auch noch ohne Rücksicht auf irgendwelche Genregrenzen. Nein, wir treiben haltlos mit und versuchen herauszubekommen, wie denn eigentlich dieser ganze Reigen enden soll.
Das Ende kommt natürlich unweigerlich – bei gerade mal 180 Seiten auch noch viel zu schnell, aber: es ist erneut eine kleine Wendung und man wird nachdenklich und leicht geplättet zurückgelassen.
„Das ewige Spiel“: Bizarr, wirr, irreführend, genresprengend, ergreifend, ab und an sehr verwirrend. Nichts desto trotz ein absoluter Geheimtipp!
Jürgen Seibold/24.08.2019

Tremblay, Paul: Das Haus am Ende der Welt

Originaltitel: The Cabin At The End Of The World
Aus dem Amerikanischen übersetzt von Julian Haefs
Deutsche Erstausgabe 07/2019
©2018 by Paul Tremblay
©2019 der deutschsprachigen Ausgabe und der Übersetzung by Wilhelm Heyne Verlag, München
ISBN 978-3-453-31999-8
ca. 351 Seiten

COVER:

Eine abgelegene Ferienhütte am See in den Wäldern New Hampshires: Hier wollen Eric und Andrew gemeinsam mit ihrer siebenjährigen Adoptivtochter Wen ein paar Tage Urlaub machen. Kein Stress, kein Internet – nur Ausspannen, Lesen und Zeit mit der Familie verbringen. Mit der Idylle ist es dann aber schnell vorbei, als eines Tages der etwas unheimliche Leonard auftaucht und darauf besteht, mit der Familie zu sprechen. Eric und Andrew versuchen alles, um ihn abzuwimmeln, doch Leonard ist nicht alleine gekommen. Mit einem Mal tauchen noch drei weitere bis an die Zähne bewaffnete Gestalten aus den Büschen auf. Sie sagen, dass sie der jungen Familie nicht wehtun wollen. Sie sagen, dass Eric und Andrew eine wichtige Entscheidung zu treffen hätten, vorher könnten sie sie nicht gehen lassen. Für Eric, Andrew und Wen beginnt der schlimmste Albtraum ihres Lebens …

REZENSION:

Die Coverbeschreibung geht ziemlich unverblümt auf die eigentliche Geschichte ein. Recht viel mehr lässt sich fast nicht sagen – gut, ganz so schlimm ist es dann doch auch wieder nicht…
„Das Haus am Ende der Welt“ ist ein fast klassisches Ensemble, wie man es schon sehr oft im Horrorgenre lesen als auch sehen konnte: Eindringlinge zerstören auf eine unmenschliche Art nicht nur die Ordnung des eigenen Lebens, sondern dringen in den persönlichsten Bereich ein: das eigene Heim.
Auch im Roman von Paul Tremblay finden wir dieses Setting wieder: Ein einsames Haus, eine Familie, die einfach nur Urlaub machen möchte und eine Gruppe an vermeintlich irregeleiteten Individuen, die vor Gewaltakten keine Scheu haben – im Gegenteil!
Die Geschichte Tremblays ist oberflächlich betrachtet auch nicht wirklich mehr und sorgt somit nur zaghaft für die Hinterlassung eines eigenen Abdrucks im weiten Reigen ähnlich aufgebauter Romane.
Nichts desto trotz ist „Das Haus am Ende der Welt“ doch ein klein wenig mehr: Tremblay versucht einige Klischees abzuschütteln. Zum einen „beglücken“ die Psychopathen eine in der heutigen Zeit leider immer noch als untypisch betrachtete Familie: Wen und ihre zwei Väter. Ich halte von solchen simplen Mechanismen außerordentlich viel, da nur dadurch diese Thematik endlich ihren Weg in die Normalität finden kann.
Zum anderen versucht Tremblay seinen Psychopathen ein wenig Philosophie mit auf den Weg zu geben. Dies sorgt doch tatsächlich für ein klein wenig Nachdenken auf des Lesers Seite. Anfangs ging ich noch davon aus, dass die Eindringlinge schlicht etwas gegen Homosexualität haben – gut, dieser Ansatz kommt latent vereinzelt vor – aber weit gefehlt, der Ansporn liegt in der Vermeidung von nichts Geringerem als dem Weltuntergang. Klar, dass dafür Opfer gebracht werden müssen…
„Das Haus am Ende der Welt“ sorgt für eine ausreichende Unterhaltung, versucht dabei etwas mehr, kann dies aber nicht einlösen. Alles in allem dennoch gute Unterhaltung im etwas härteren Genre für einige Stunde des Abschaltens. Gleichzeitig aber auch nichts herausragendes – muss aber auch nicht immer sein.
Jürgen Seibold/24.08.2019

Jones, Diana Wynne: Fauler Zauber

Originaltitel: The Dark Lord of Derkholm
Überarbeitete Neuausgabe Januar 2019
©1998 by Diana Wynne Jones
©2019 der deutschsprachigen Ausgabe Knaur Verlag, München
ISBN 978-3-426-52290-5
ca. 480 Seiten

COVER:

Ausnahmslos alle – die Zauberer, Soldaten, Bauern, Drachen und Elfen – haben die Nase voll von Mr. Chesneys Pilgerfahrten. Jahr für Jahr fallen Touristengruppen aus einer benachbarten Welt in Derkholm ein, um ein klassisches Fantasy-Abenteuer zu erleben – mit allem, was dazu gehört: bösen Magierinnen, gefährlichen Drachen und dem furchteinflößenden Dunklen Fürsten. Stets werden andere Bewohner des Reiches dazu auserwählt, diese Rollen zu übernehmen.

Aber dieses Jahr reicht es den Leuten. Mr. Chesney mag einen mächtigen Dämon an seiner Seite haben, doch ein Orakel weiß Rat. Nun ist es an Zauberer Derk und seiner Familie aus Menschen und Greifen, den Verwüstungen Einhalt zu gebieten und ihre Welt zu retten.

REZENSION:

Die leider schon von uns gegangene Autorin Diana Wynne Jones veröffentlichte bereits im Jahre 1998 den vorliegenden Roman mit dem deutschen Titel „Fauler Zauber“.
Ich bin mir nicht ganz sicher, ob der Roman schon vor einiger Zeit auf dem deutschsprachigen Markt erhältlich war – laut Beschreibung im Impressum handelt es sich jedenfalls um eine überarbeitete Neuausgabe.
Nun, mir ist er bisher jedenfalls noch nicht untergekommen und somit widmete ich mich gänzlich vorbehaltlos dieser Ausgabe.
Die von Diana Wynne Jones ersonnene Geschichte strotzt vor Einfallsreichtum. Man stelle sich nur vor: Wir befinden uns in einer Fantasy-Welt und diese wiederum wird als Touristenziel ausgebeutet. Dabei ist es jedoch keineswegs so, dass sich schlicht Touristen in diese Welt aufmachen – nein, die Bewohner der Fantasywelt müssen dabei auch noch sämtliche Klischees befriedigen und spielen somit trotz ihrer eigentlichen Eigenschaft als fantastisches Wesen eine aufgesetzte Rolle, um den Erwartungen gerecht zu werden. Somit müssen alle nur erdenklichen Klischees bedient werden – bis hin zum Endgegner, dem Dunklen Fürsten, der gegen die Touristen antreten muss, damit deren teures Erlebnis zu einem gelungenen Ende führt.
Diese Ausbeutung ist den Einwohnern ein Greuel und somit versuchen sie sich immer wieder dagegen zu stellen. Bisher ohne jeglichen Erfolg – doch nun scheint auch das Orakel auf ihrer Seite zu sein…
Der Inhalt dieses Werkes ist wahrlich fantastisch. Eine rundum gelungene Idee, die trotz der klischeebehafteten Ausarbeitung innerhalb des Genres problemlos unserer Gesellschaft einen Spiegel vorhält. Allein dafür kann man vor dieser Autorin den Hut ziehen. „Fauler Zauber“ ist zwar zu Anfang ein wenig langatmig und man findet nur nach und nach den Zugang zur Geschichte – sobald man sich jedoch auf dem von der Autorin eingeschlagenen Weg befindet, machen die Erlebnisse in dieser Welt einfach nur noch Spaß.
Die sprachlichen Feinheiten zeugen von hoher Qualität und der darin befindliche Witz ist geschickt eingewoben.
Eine wohltuende und wundervolle Geschichte, die trotz ihrer sympathischen und humorvollen Ausarbeitung ein klein wenig Nachdenklichkeit hinterlässt. Somit eine Story, die nicht nur zu unterhalten weiß, sondern eben auch seinem Leser etwas mitgeben möchte. Mehr lässt sich doch nicht wünschen…
Jürgen Seibold/24.08.2019

Orgel, T.S.: Terra

Originalausgabe 12/2018
©2018 by Tom & Stephan Orgel
©2018 dieser Ausgabe by Wilhelm Heyne Verlag, München
ISBN 978-3-453-31967-7
ca. 508 Seiten

COVER:

In der Zukunft hat sich die Erde in ein ökologisches Wrack verwandelt. Der Mond ist ein einziges Bergwerk, und alle Hoffnungen liegen nun auf der Besiedlung des Mars. Dessen Terraforming ist in vollem Gange, und mit Raumfrachtern werden die Rohstoffe des roten Planeten abtransportiert. Jak ist Mechaniker an Bord eines vollautomatischen Frachters, der gerade mit zwei Millionen Tonnen Erz auf dem Weg zur Erde ist. Was er nicht weiß: Einer der Container ist vollgestopft mit Bomben. Und auch Jak hat ein paar Geheimnisse zu verbergen. Für ihn und seine Schwester Sal, die als Marshal auf dem Mond stationiert ist, beginnt ein gnadenloser Wettlauf gegen die Zeit, bei dem es um nichts weniger geht als um das Schicksal des Planeten Erde …

REZENSION:

Die beiden Brüder Tom und Stephan Orgel sind sicherlich den Lesern bisher als Erschaffer fantastischer Welten ein Begriff. Nachdem sie sich ausgiebig den Orks und Zwergen widmeten, scheinen sie wohl den Drang bekommen zu haben, die unendlichen Weiten zu entdecken. Anders kann es nicht sein, da es sich bei ihrem neuesten Roman mit dem Titel „Terra“ um einen reinrassigen Science-Fiction-Roman handelt.
Die von den beiden verwendete Spielwiese ist jedem ein Begriff: Wir befinden uns auf dem Mond, dem Mars oder eben auf dem Weg vom dort zu unserem Planeten.
Interessanterweise schaffen die beiden es dabei nahezu problemlos einen spannenden Plot abzuliefern, der so klingt, als ob sie bisher noch niemals ein anderes Genre bedient hätten.
Das interessante bei „Terra“ ist nicht nur das Setting und das prinzipielle Problem der Frachter auf ihrem Weg zur Erde – nein, irgendwie schaffen es die Autoren, dass man die beiden Hauptdarsteller sofort akzeptiert und jegliche Handlung dieser ungebremst zu verfolgen gewillt ist. Interessant deshalb, da Jak in seinem bisherigen Leben nicht wirklich ein reinrassiger Sympathieträger gewesen ist.
Die Geschichte geht zwar ohne besondere Überraschungen voran, nichts desto trotz macht es einfach richtig viel Freude, dem Inhalt vorbehaltlose zu folgen.
„Terra“ läuft ähnlich eines Filmes ab und somit kann man sich auch mit dem Inhalt zwischen den Buchdeckeln ohne Probleme auf eine einigermaßen spannende Art berieseln lassen.
Die Richtigkeit der technischen Belange spielen dabei für mich eher eine nachgelagerte Rolle – bei mir zählt die Geschichte und der Unterhaltungswert. Dies haben die beiden Brüder ausreichend gut erfüllt. „Terra“ ist somit ein gelungener Unterhaltungsroman, der nicht nur SF-Fans vorm Ofen hervorlocken sollte – im Gegenteil, er funktioniert einfach in sich selbst und sollte somit nicht explizit als Genrewurf eingetütet werden. Mir hat die Geschichte jedenfalls Spaß gemacht.
Jürgen Seibold/24.08.2019

Oden, Matthias: Die Krone der Elemente

Originalausgabe 01/2019
©2019 by Matthias Oden
©2019 dieser Ausgabe by Wilhelm Heyne Verlag, München
ISBN 978-3-453-31956-1
ca. 731 Seiten

COVER:

„Knie“, sagte er. „Du bist auf heiligem Boden.“ Sie tat wie geheißen. Lyndemans Hände verwehrten ihr den Blick auf das, was im Erdreich steckte, aber sie sah, dass es leicht schimmerte. „Ist es das?“, fragte sie. Der Hüter gab ihr keine Antwort, zu versunken war er in den Anblick des Reifs in seinen Händen.

Viele Jahrhunderte wuchs das Heilige Reich Salischer Völker, bis es beinahe ganz Elyrdan umschloss. Nun ist der Vormarsch seiner Armeen zum Erliegen gekommen. Sein Herrscher, der alte Kaiser, ist gebrechlich, die Fürsten streiten sich um ihre Pfründe, und die Seher kehren immer öfter ohne Antworten von den Traumfeldern zurück. Doch die eigentliche Gefahr ahnt noch niemand. Denn unbemerkt hat die ehrgeizige Oberbefehlshaberin des Nachbarlandes Chimrien ein Artefakt erlangt, das ihr unbegrenzte Macht zu verheißen scheint – eine seltsam schimmernde Krone. Als sie mit ihrem Heer über den Grenzfluss Tern zieht und das Kaiserreich angreift, ist niemand dort auf diesen Überfall vorbereitet, erst recht nicht auf die gewaltigen Kräfte, die sie mithilfe der Krone entfesselt. Eine Stadt nach der anderen fällt, und schon bald brennt der Chimmgau, die Westgrenze des Salenreiches. Und während die Fürsten eilends Truppen mobilisieren, droht von einer ganz anderen Seite neue Gefahr – denn auf den Traumfeldern, wo die Seher nach den Ewigen Wispern der Prophezeiung suchen, mehren sich unheilvolle Zeichen. Das Ende eines Zeitalters dämmert herauf …

REZENSION:

Matthias Oden, bekannt als Autor des sehr interessanten und recht ungewöhnlichen Romans „Junktown“ wechselt mit „Die Krone der Elemente“ das Genre und möchte auch in der Fantasy seinen Abdruck hinterlassen.
Laut einem Zitat des Autors in der Presseinformation hält Matthias Oden die Zeit simpler Fantasy als vorbei. Das platte „Schwarz-Weiß-Schema“ hält er für ausgelutscht und möchte somit in seiner Fantasy Themen unserer Zeit mit aufnehmen.
Dieser Gedanke des Autors ging mir auch schon des Öfteren durch den Kopf. Immer mehr enttäuscht mich die übliche Fantasy-Quest – viele Geschichten nur noch eine andere Darbietung relativ gleicher Vorgehensweisen.
Matthias Oden scheint jedenfalls tatsächlich dieses Konzept zu verlassen und somit einen eigenen Weg zu beschreiten.
Seine Art des Schreibens lässt an der bereits in „Junktown“ kennengelernten Virtuosität und Eingängigkeit nichts missen. Der qualitative Maßstab ist weiterhin angenehm hoch und anspruchsvoll angesiedelt. Dennoch fiel es mir außerordentlich schwer, der eigentlichen Geschichte uneingeschränkt folgen zu können. Ich befürchte fast, dass Oden in seinem ersten Band ein wenig zu weit mit dem Ausholen begonnen hatte und somit den prinzipiell notwendigen Weg der Handlung zu oft aus den Augen verlor.
Diese Vorgehensweise kann bei Lesern mit einem langen Atem wahrlich funktionieren – ich persönlich halte es auch durch die Darbietung einer interessanten Sprache recht lange aus – aber ab einem gewissen Punkt treibt es mich doch vorwärts beziehungsweise zurück auf den Weg. Sehe ich diesen nicht, so fühle ich mich verloren und finde keinen Halt mehr in der interessant anmutenden Geschichte.
Nichts desto trotz bin ich überzeugt, dass Oden seine Geschichte gelungen weitererzählen wird und dabei auch manche neue Tür des Genres öffnet. Ein etwas kürzerer Start mit etwas weniger Ausschweifungen hätten dem ersten Band meiner Meinung nach gut getan und es wäre dann ein leichtes gewesen, sich auf die Geschichte einzulassen und die Freude auf den nächsten Band auftauchen zu lassen. Mir fiel es leider etwas zu schwer und somit bin ich ganz hin- und hergerissen, werde dennoch vorerst die Finger davonlassen.
Jürgen Seibold/24.08.2019

 

Ehrhardt, Dennis: Sinclair – Dead Zone

Fischer Tor 02/2019
©2019 Dennis Ehrhardt und Sebastian Breidbach
© Deutsche Erstausgabe
S. Fischer Verlag GmbH, Frankfurt a.M.
ISBN 978-3-596-29994-2
ca. 461 Seiten

COVER:

London, Dezember 2018: An einem abgelegenen Kai des Londoner Hafens explodiert die Baltimore. Eines der Opfer an Bord: Detective John Sinclair, der zum Zeitpunkt des Unglücks in einem Mordfall ermittelte.

Sinclairs Tod wirft Fragen auf: Befand sich der Killer ebenfalls an Bord? Was hat Sinclair auf der Baltimoreentdeckt? Sinclairs Partner Detective Sergeant Gan Zuko führt die Ermittlungen fort, zusammen mit Sinclairs Nachfolgerin Shao Sadako. Bald häufen sich die Widersprüche, und die Grenzen der Realität scheinen zu verwischen …

REZENSION:

Geisterjäger John Sinclair ist ein Phänomen der Groschenromanwelt, welches mich bereits in sehr jungen Jahren immer mal wieder begeistern konnte. Die damaligen Heftchen waren überwiegend so aufgebaut, dass man nahezu problemlos (vor allem aus Mangel an notwendigem Taschengeld) immer mal wieder eines auslassen konnte. Dies zwar ungern, aber ab und an blieb einem nichts anderes übrig. Die Geschichten waren zum großen Teil abgeschlossen – leidglich einige wenige übergeordnete Fäden gab es im Auge zu behalten. Dies hat jedoch immer problemlos funktioniert.
Ähnlich wie andere Reihen der damaligen Zeit ist auch Sinclair eine nicht sterben wollende Figur und begeistert somit nicht nur mehrere Generationen, sondern auch generationsübergreifend.
Wie der damalige Titel „Geisterjäger…“ bereits aufwirft, handelt es sich um eine Krimiserie, mit vielen übernatürlichen Fällen. Aus diesem Grund konnte ich sie auch problemlos in mein Herz schließen und es war eine geschickte Möglichkeit, die ersten Eindrücke in spannungsgeladene und am Horror angelehnte Segmente zu sammeln.
Dennis Ehrhardt versuchte nun gemeinsam mit Sebastian Breidbach einen Neustart Sinclairs innerhalb einer wohl gerade am Entstehen befindlichen Romanreihe und gleichzeitiger Veröffentlichung als Hörbuch.
Wie man bereits der Coverbeschreibung entnehmen kann, spielt Sinclair die meiste Zeit im ersten Band mit dem Untertitel „Dead Zone“ keine Rolle. Der Fokus wird stark auf die Nebenfiguren gelegt, ohne dabei dem Detective ungerecht zu werden.
Die Handlung ist nur teilweise mystisch angelehnt und lässt noch unglaublich viel Potenzial nach oben. Ich hoffe sehr, dass die Autoren hier noch etwas stärker in die Trickkiste der früheren Heftchen greifen und die parapsychologische Truhe öffnen, um die ganzen alten Feinde heraus zu lassen – eventuell taucht dabei auch der ein oder andere neue Feind aus den Tiefen auf.
Sinclair – Dead Zone ist in meinen Augen ein sehr gelungener Re-Start. Gleichzeitig könnte die Spannungsschraube noch erheblich fester angezogen werden – dies trifft auch auf den phantastischen Teil der Geschichte zu, dabei glaube ich aber, dass dieser Punkt eher dem weiteren Plan entsprechend noch ein wenig zurückgehalten worden ist.
Alles in allem ist der als „neuer Anfang“ beworbene Titel ein doch recht gut gelungener Neustart. Ich als sehr lockerer und nicht regelmäßiger Sinclair-Leser der damaligen Zeit habe nicht mit dem vorliegenden Buch recht wohl und ziemlich gut unterhalten gefühlt. Aus meiner Sicht können sie gerne auf diesem Wege weiter machen.
Jürgen Seibold/22.08.2019

McGuire, Seanan: Der Atem einer anderen Welt

Originaltitel: Every Heart a Doorway
Aus dem amerikanischen Englisch von Ilse Layer
Fischer Tor 02/2019
©2016-2018 Seanan McGuire
Für die deutschsprachige Ausgabe: ©2018 S. Fischer Verlag GmbH, Frankfurt a.M.
ISBN 978-3-596-29884-6
ca. 462 Seiten

COVER:

Kinder und Jugendliche sind zu allen Zeiten in Kaninchenlöcher gefallen, durch alte Kleiderschränke ins Zauberland vorgestoßen oder mit einer Dampflok in magische Welten gereist.
Aber… was geschieht eigentlich mit denen, die zurückkommen?
Mit Nancy, die die Hallen der Toten besucht hat und den Rest ihres Lebens am liebsten still wie eine Statue verbringen würde.
Und mit Christopher, dem Jungen mit der Knochenflöte, der die Toten für sich tanzen lassen kann.
Mit Sumi, die das Chaos braucht wie die Luft zum Atmen, weil sie aus einer Unsinnswelt kommt, oder mit Jack & Jill, die mit Vampiren und Wissenschaftlern unter einem blutig-roten Mond aufgewachsen sind.
Als sie sich in „Eleanor Wests Haus für Kinder auf Abwegen“ treffen, ahnen sie nicht, dass ihnen ihr größtes Abenteuer noch bevorsteht…

REZENSION:

Es gibt eine unglaubliche Vielzahl an Geschichten, in denen Kinder durch Türen schreiten und dabei andere Welten entdecken. Wenn ich mich nicht ganz täusche, ist Alice im Wunderland einer der ganz alten Klassiker. Die folgende Zeit ließ dabei aber keineswegs nach und somit wurden wir mit fantastischen Geschichten beglückt, die dieses Thema aufgriffen und neu erzählten.
Seanan McGuire geht mit ihrem fantastischen Werk „Der Atem einer anderen Welt“ auf diese verschiedenen Welten ein. Sie versucht dabei jedoch keineswegs eine neue Welt zu erschaffen und ein weiteres Kapitel in diesem Genre aufzuschlagen – nein, sie widmet sich den Kindern, die aus diesen Welten zurückgekommen sind.
Der Besuch anderer Welten führt oft zu einem parallelen Leben. Die Zeit scheint voranzuschreiten, bei einer Rückkehr ist aber nur ein Teil davon vergangen. Je nach Ziel verändern sich die Kinder. Die einen waren in Zuckerwelten, Nancy zum Beispiel in der Welt der Toten. Das Internat von Eleanor nimmt sich diesen von ihren Eltern nicht verstandenen Kindern an und hilft ihnen, einigermaßen in der „normalen“ Welt klar zu kommen. Dies führt selbstverständlich zu diversen Komplikationen – insbesondere, da nahezu jedes Kind gerne wieder in die besuchte Welt abtauchen möchte, nur momentan den Zugang nicht zu finden in der Lage ist.
McGuires „Der Atem einer anderen Welt“ ist ein Episodenroman mit drei Geschichten, die locker zusammen hängen. Ihr Schreibstil und besonders ihre fantastische Idee sprechen für sich und lassen nicht wirklich viel missen.
Dennoch konnte mich das Werk nicht rundum überzeugen. Dies ist aber wohl dem Umstand geschuldet, dass meine eigene Erwartung in eine andere Richtung abgedriftet ist und mehr Verknüpfungen zu bekannten literarischen Klassikern gewünscht hätte.
Darüber hinaus gehöre ich mit meinem Literaturgeschmack sicher nicht mehr zur eigentlichen Zielgruppe für einen Wohlfühlroman dieser Art. Somit bin ich mir absolut sicher, dass dieser prinzipiell grandios geschriebene Roman einer nicht gerade geringen Anzahl an Lesern gefallen wird.
Jürgen Seibold/20.08.2019

Fforde, Jasper: Eiswelt

Originaltitel: Early Riser
Aus dem Englischen von Kirsten Borchardt
Deutsche Erstausgabe 12/2018
©2018 by Jasper Fforde
Für die deutschsprachige Ausgabe: ©2018 Wilhelm Heyne Verlag, München
ISBN 978-3-453-31969-1
ca. 654 Seiten

COVER:

Die Eiswelt ist unserer zum Verwechseln ähnlich – nur dass hier die Eiszeit niemals aufgehört hat. Deshalb hat die Menschheit die Fähigkeit entwickelt, Winterschlaf zu halten, um jedes Jahr die schlimmsten drei Monate zu überstehen. Temperaturen von minus vierzig, minus fünfzig Grad, schneidender Wind und Tiere, die in der Dunkelheit Jagd machen auf alles, was sich bewegt – das sind nur einige der Gefahren, die im Winter draußen lauern. Um zu überleben, ziehen sich die Menschen in große Dormitorien genannte Schlaftürme zurück. Einzig die Winterkonsuln bleiben wach und beschützen die Schlafenden. Der junge Charlie Worthing ist einer dieser Winterkonsuln. Er hat dieses harte Los zwar gewählt, aber auf das, was er gleich in seinem ersten Winter erlebt, hat ihn niemand und nichts vorbereitet. Denn seltsame Träume gehen um, Träume, die schlafende Menschen in seelenlose Untote verwandeln. Und es ist bei allen derselbe Traum. Zunächst hält Charlie das für eine der typischen Wintergeschichten – bis er selbst anfängt, diesen Traum zu träumen. Doch Charlie ist aus härterem Holz geschnitzt, als er ahnt …

REZENSION:

Jasper Fforde ist ein Garant für außerordentlich interessante Ideen. Auch in diesem Werk steht er dem in nichts nach:
Wir befinden uns in einer Welt, die es durch ihre harten Bedingungen notwendig gemacht hat, dass sich die Menschheit während der extrem kalten Wintermonate eine Auszeit nehmen muss und sich dem Winterschlaf widmet, um überhaupt eine Überlebenschance zu haben.
Einige wenige Ausgewählte müssen eine Art Wacht übernehmen. Diese als Winterkonsul betitelte Rolle ist sehr angesehen, dennoch führt sie bei oft zu psychischen Problemen, wenn nicht gar einige Schritte weiter…
Die Erschaffung dieser Welt ist wahrlich grandios und dies war auch der Grund, warum ich mich unbedingt diesem Werk widmen wollte. Scheinbar endlich eine neue erfrischende Idee.
Leider konnte mich die Vorgehensweise des nicht gerade unbekannten Jasper Fforde abermals nicht uneingeschränkt überzeugen.
Sicher, Ffordes Schreibstil ist in Ordnung und recht eingängig. Hier lässt sich wirklich nichts Negatives sagen – gleichzeitig plätschert er jedoch sehr lange in seiner Erzählung vor sich hin. Ein klein wenig Würze durch Spannungselemente hätte da einiges beheben können. Spannung war auch mein erster Gedanke beim Lesen der Buchbeschreibung. Gedanklich fast ein Horrorroman zeigte sich aber nicht einmal ein kleines Pflänzchen dieses wichtigen Elements.
Ffordes virtuos kreierte Sätze konnten diese fehlende Essenz nicht mehr füllen, um mich als Leser rundum zufrieden zu stellen.
Sehr nachteilig im vorliegenden Buch sind die vielen Fußnoten, die leider zusätzlich dafür sorgen, dass ein aufkommender Lesefluss wieder ins Stocken gerät.
Eiswelt war somit ein Buch, mit dem ich nicht wirklich warm geworden bin.
Der guten Ordnung halber möchte ich aber anmerken, das dies auch schlicht am gesamten Vorgehen beziehungsweise Konzept des Autors liegen könnte, denn Eiswelt war nach dem ersten Thursday-Next-Roman mein zweiter Versuch, mich diesem Autoren zu widmen. Bereits zu Thursday Next fand ich keinen Bezug und wurde nicht überzeugt.
Somit scheint wohl Jasper Fforde meinen Geschmack nicht treffen zu können. Schade, da seine Ideen wirklich herausragend klingen.
Jürgen Seibold/20.08.2019

Valente, Catherynne M.: Space Opera

Originaltitel: Space Opera
Aus dem Amerikanischen von Kirsten Borchardt
Fischer Tor 05/2019
©2018 Catherynne M. Valente
Für die deutschsprachige Ausgabe: ©2019 S. Fischer Verlag GmbH, Frankfurt a.M.
ISBN 978-3-596-70444-6
ca. 346 Seiten

COVER:

Vor knapp hundert Jahren hat sich die Galaxis entzweit – ein Krieg löschte beinahe sämtliches Leben aus. In der Folge erfand man eine gemeinschaftsbildende Tradition. Etwas Schönes und Unterhaltsames, um den Frieden, die Liebe und das Leben zu feiern. Und so wurde der metagalaktische Grand Prix geboren, in dem alle empfindungsfähigen Zivilisationen friedliche gegeneinander antreten. Seitdem muss jede neue Spezies, die Mitglied der kosmischen Gemeinschaft werden will, an der Show teilnehmen.
Das Ganze ist ein Riesenspaß, das Problem ist nur: Auf dem letzten Platz wartet die völlige Vernichtung – und die Aliens haben ganz eigene Vorstellungen davon, wer für die Erde antreten soll ….

REZENSION:

Die grundsätzliche Idee von Space Opera – der neueste Roman der bereits mit mehreren Auszeichnungen honorierten Autorin Catherynne M. Valente – ist sehr erfrischend und herausragend. Man verlegt den doch auch teils etwas politisch angehauchten Grand Prix unseres Planeten in die ferne Zukunft, vermischt dies mit verschiedenen Zivilisationen aus unterschiedlichen Galaxien und schon lässt sich eine humorvoll angehauchte Geschichte erzählen.
Bei diesem Setting ist mir ungebremst bewusst, dass der Gedanke an den Großmeister Douglas Adams nicht weit ist und somit überraschte mich seine Namensnennung auf dem Cover nicht wirklich. Gleichzeitig sind dessen Fußstapfen natürlich nur schwer zu füllen – und genau so geht es auch der Autorin mit dem vorliegenden Werk.
Space Opera ist prinzipiell eine sehr schöne Idee und beginnt auch dementsprechend. Leider versucht die Autorin zu häufig diesem Vorbild gerecht zu werden und verliert sich dabei in langen, verschwurbelten Sätzen. Diese sind geschickt eingesetzt sehr witzig und ihr einzeln betrachteter Inhalt zeugt von einer hohen schriftstellerischen Qualität der Autorin. Mir ist es jedoch durch die zu häufige Verwendung dieser langen Sätze etwas zu viel geworden und somit ließ die anfängliche Begeisterung leider nach.
Schade, da der grundsätzliche Gedanke dieser Geschichte sehr viel Unterhaltungspotenzial hat – bei mir jedoch nach einigen Seiten jedoch nicht mehr zünden konnte. Hier scheint der verwendete Humor bei mir wohl nicht mehr zu greifen. Ich bin mir aber sicher, dass es für diese Geschichte auch Fans geben wird – der Rahmen ist interessant und eine schöne Allegorie, wodurch Space Opera ein klein wenig Nachdenklichkeit mit auf den Weg gegeben wird. Man muss sich halt darauf einlassen können.
Jürgen Seibold/19.08.2019

Eames, Nicholas: Könige der Finsternis

Originaltitel: Kings of the Wyld
Aus dem Amerikanischen von Michael Siefener
Deutsche Erstausgabe 03/2019
©2017 Nicholas Eames
©2019 der deutschsprachigen Ausgabe und der Übersetzung by Wilhelm Heyne Verlag, München
ISBN 978-3-453-31887-8
ca. 636 Seiten

COVER:

Einst war Clay Cooper ein Held, eine lebende Legende. Als Mitglied der berühmt-berüchtigten Söldnertruppe Die Saga erlegte Clay gemeinsam mit seinen Gefährten Gabe, Ganelon, Matrick und dem Zauberer Moog Drachen, kämpfte gegen Riesen und brach reihenweise die Herzen der Frauen. Nun, beinahe zwanzig Jahre später, hat Clay grau meliertes Haar, arbeitet bei der Stadtwache in Decktal und führt mit seiner Frau Ginny und seiner Tochter Tally ein ruhiges, bescheidenes Leben. Doch mit der Idylle ist es schnell vorbei, als eines Abends sein alter Freund Gabe vor Clays Tür steht und ihn um Hilfe bittet: Im fernen Königreich Castia wütet ein grausamer Krieg, und ausgerechnet dort hält sich Gabes Tochter Rose auf. Gabe ist fest entschlossen, sie zu retten, und dazu möchte er Die Saga wieder zusammenbringen. Werden sich Clay und die alten Gefährten auf diese Herausforderung einlassen, die riskanter ist, als jedes Abenteuer, das sie bisher bestehen mussten? Schließlich führt der Weg nach Castia direkt durch das Herzwyld – ein undurchdringliches Dickicht voller magischer Kreaturen und tödlicher Gefahren -, und ab einem gewissen Alter ist es nicht mehr so leicht, ein Held zu sein …

REZENSION:

Nicholas Eames legt mit Könige der Finsternis sein Debüt vor und möchte somit auch im dicht besiedelten Wald der Fantasy eine Rolle spielen.
Seine Idee, Helden nicht wie gewohnt entstehen zu lassen, sondern diese etwa 20 Jahre nach ihrer Blütezeit erneut losmarschieren zu lassen spricht bereits für sich. Die Saga ist dabei ein eher witziger Haufen alter Herren, die sich zur Rettung der Tochter eines ihrer Gefährten aufmachen. Alle fünf sind dabei bereits über den Zenit ihres Lebens geschritten. Die Haare grau meliert, das Familienleben in Ordnung, ein bescheidener Job als Stadtwächter – dies allein würde Clay Cooper ausreichen und er fühlt sich sichtlich wohl in dieser konservativen Rolle.
Dennoch lässt er sich nicht lange bitten und schon befinden sich die ersten Mitglieder der sagenhaften Gruppe auf der Reise, um die anderen drei ebenfalls von der Notwendigkeit der Rettung Roses und somit dem erneuten Aufleben der Söldnertruppe DIE SAGA zu überzeugen.
Vom Leben gelangweilt, lassen sich die anderen nicht bitten – okay: Einer musste dabei gerettet werden, aber davon mehr im Buch.
Eames Story ist sehr witzig erzählt und lebt von ihrer herausragenden Idee, einfach mal die Jahre nach den großen Heldentaten zu beleuchten. Sein Trupp ist ausreichend interessant aufgestellt, um überzeugend zu wirken und für erfrischende Abwechslung zu sorgen.
Nicholas Eames scheint sich lange durch Recherchetätigkeiten im Fantasygenre vorbereitet zu haben; also: er hat wohl viele Bücher gelesen und sicherlich auch manches Rollenspiel ausprobiert. Denn genau das merkt man diesem Debütroman deutlich an: Es ist liebevoll geschrieben, gespickt mit einer Vielzahl an sagenhaften Gestalten, gleichzeitig aber auch ein wenig zu geradlinig und vorhersehbar erzählt. Kommen die Helden an eine Leistungsgrenze, zieht der Autor buchstäblich eine Karte und sorgt somit für den nötigen Drall, um den Helden nicht nur als Erschaffer beizustehen, sondern ihnen gar ein wenig behilflich zu sein.
Sehr positiv sei anzumerken, dass Nicholas Eames einen abgeschlossenen Roman in diesem Genre hinterlassen hat und nicht auf den Trilogie-Zug mit aufspringen musste.
Könige der Finsternis ist eine locker erzählte Geschichte mit interessanten Protagonisten, die von der Midlife-Crisis deutlich geschüttelt werden. Ein somit ganz ordentlich erzählter, humorvoller Roman ohne großartige Überraschungen.
Jürgen Seibold/19.08.2019