Weitze, Torsten: Nebula Convicto – Grayson Steel und der Verhangene Rat von London

©acabus Verlag, Hamburg 2017
ISBN 978-3-86282-525-7
ca. 400 Seiten

COVER:

„Mr. Steel, hören Sie mir jetzt gut zu. Das Wesen, das Sie angegriffen hat, war eine Banshee.“

Detective Grayson Steel bearbeitet im modernen London die unbequemen Fälle des Scotland Yard. Als der den rätselhaften Tod einer jungen Frau untersucht, stößt er auf Geheimnisse, die normalen Menschen verborgen bleiben.

Er wird in eine Gesellschaft hineingezogen, die verborgen neben der menschlichen Welt existiert; die Nebula Convicto ist durchsetzt von geheimen Räten, magischen Attentaten und Wesen, die eigentlich nur in Fabeln und Mythen existieren sollten. In der magischen Gemeinschaft soll Steel die Rolle eines Sonderermittlers übernehmen und binnen kürzester Zeit ein entführtes Mädchen finden. Rettet er das Kind nicht, bevor ein neuer Anführer der Nebula Convicto gewählt wird, droht die gesamte Welt in einem zweiten Mittelalter zu versinken.

Nur mittels seiner Fähigkeiten als Ermittler und seiner neu entdeckten Kraft, Magie widerstehen zu können, kann sich Steel im Londoner Untergrund zwischen Ghulen, Vampiren und anderen magischen Wesen zurechtfinden.

REZENSION:

Als ich das Cover von diesem Buch zum ersten Mal betrachtete, entwickelte sich bei mir der Gedanke, dass es sich wohl um ein eher für Jugendliche geschriebenes Buch handelt.
Interessanterweise klang aber die Coverbeschreibung interessant und ich war hin- und hergerissen.
Das Buch fand aber dennoch seinen Weg in meine Gefilde und eines Tages nahm ich es somit mit dem Inhalt auf.
Es dauerte nur wenige Seiten und es war um mich geschehen. Nebula Convicto trägt zwar ein jugendlich wirkendes Cover und irgendwie auch einen langatmigen, komisch klingenden Titel – nichts desto trotz ist der Inhalt unglaublich gut durchdacht und hochwertig geschrieben. Hinzu kommt eine außerordentlich interessante Geschichte, wie sie mir schon seit langem nicht mehr untergekommen ist. Die Idee, einen Krimi im heutigen London unter Verwendung von nahezu sämtlichen mystischen Wesen hat ihren Reiz. Dennoch kann genau dieser Umstand auch dazu führen, dass sich der Autor verzettelt oder ins Absurde abtaucht. Im Gegensatz dazu jedoch Torsten Weitze! Er schafft es virtuos, eine sagenhafte Geschichte mit einem mehr oder weniger kuriosen Ermittler zu kreieren, die neben ihrer hohen Qualität auch noch mit einigen Twists aufwarten kann.
Von Seite zu Seite machte mir das Lesen immer mehr Freude und ich war sehr angetan von der Ideenvielfalt Torsten Weitzes. Die Geschichte selbst entwickelte sich teilweise kurios, aber immer sehr unterhaltsam und ausreichend spannend. Der gesamte Plot geht zwar zielstrebig zu einem bestimmten Ende – der Leser wird davon aber über lange Strecken im Dunkeln gehalten.
„Grayson Steel und der Verhangene Rat von London“ ist ein Krimi – ich selbst kein großer Krimifan – aber in dieser Zusammenstellung unter Verwendung dieser Verknüpfung von verschiedenen Genres konnte Weitze absolut für Begeisterung sorgen. Sollte er noch weitere Ideen für diesen nun bekannten Ermittler haben: Nur her damit!
Grayson Steel könnte eine wundervolle Krimiserie der besonderen Art darstellen und ich würde mich wirklich freuen, wenn der Autor noch einiges in Petto hat.
Davon abgesehen schreibt Weitze sehr eingängig und scheint keine Probleme zu haben, seinen Leser an der Hand zu führen. Dieser Umstand allein sorgt schon dafür, dass man sich diesen Namen merken sollte und er hoffentlich noch für viele Veröffentlichungen sorgen kann.
Jürgen Seibold/17.05.2018

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Williams, Tad: Die Hexenholzkrone 2 – Der letzte König von Osten Ard 1

Originaltitel: The Witchwood Crown. The Last King of Osten Ard Volume 1
Aus dem Amerikanischen von Cornelia Holfelder-von der Tann und Wolfram Ströle
©2017 by Tad Williams
Für die deutsche Ausgabe:
©2017 by J.G. Cotta’sche Buchhandlung Nachfolger GmbH, Stuttgart
ISBN 978-3-608-96196-6
ca. 555 Seiten

COVER:

Die Nornenkönigin streckt ihre Hand nach der sagenumwobenen Hexenholzkrone aus und der Schatten eines aufziehenden Krieges legt sich über Osten Ard. Eine Gesandte der Sithi, die mit einer Nachricht für den König Simon und Königin Miriamel unterwegs war, wurde schwer verwundet im Wald nahe dem Palast gefunden. Und ein Attentat auf einen alten Gefährten innerhalb der Palastmauern sorgt für noch größere Unruhe. Der Angreifer erwähnt immer wieder die Morriga, eine uralte Kriegsgöttin. Um mehr über die Bedrohung durch die Nornen herauszufinden, schickt das Herrscherpaar schweren Herzens Prinz Morgan zu dem alten Volk der Sithi. Wird er wohlbehalten zurückkehren von seiner Mission? Ist ein Krieg gegen die Nornen noch abzuwenden?

REZENSION:

Beim zweiten Band mit dem Titel „Die Hexenholzkrone“ handelt es sich weiterhin um den ersten Band der neuen Tad Williams-Saga „Der letzte König von Osten Ard“.
Auf dem deutschen Markt wurde der erste Band in zwei Teilen veröffentlicht. Ohne großartig nachzudenken, könnte man jetzt dem Klett-Cotta – Verlag Geldmacherei vorwerfen. Ich würde aber definitiv nicht so weit gehen, denn zum einen handelt es sich um zwei sehr schön wirkende Bände und zum anderen wäre der Verlag dann gezwungen gewesen, bei einem Gesamtumfang von ca. 1.300 Seiten erheblich dünneres Papier zu verwenden, um ein einigermaßen noch händelbares Gewicht bieten zu können.
Ich persönlich halte erheblich mehr von guter Lesbarkeit und dementsprechend gutem Papier. Somit lohnt sich in diesem Fall definitiv der Kauf von zwei separaten Bänden.
Wie bereits in meiner Rezension zum ersten Band beschrieben, fühlt man sich als Kenner der früheren Saga, als ob man wieder nach Hause gekommen wäre. Einfach ein durchweg wohliges und heimeliges Gefühl, während man einer atemberaubenden und sehr interessanten Geschichte aus der Welt Osten Ards folgt.
Wie bei Tad Williams oft üblich, fängt er sehr detailliert und somit für manchen etwas langatmig wirkend an. Wie meiner letzten Rezension zu entnehmen, konnte ich mich aber dennoch dem Sog des ersten Bandes nicht entziehen. Nun, in der zweiten Hälfte, wird das Tempo vom Autor erheblich beschleunigt, somit spannender und somit nicht weniger interessant – im Gegenteil.
Bevor ich hier in der Rezension zur zweiten Hälfte der neuen Saga um Osten Ard erneut weit aushole, verweise ich lieber auf meine erste Rezension und möchte nur noch hinzufügen, dass sich mit der Hexenholzkrone eine sagenhafte Geschichte vor dem Leser ausbreitet, die nichts geringeres leistet, als das gesamte Fantasy-Genre zu feiern und dabei beinahe nebenbei mit einer durchweg hochwertigen schriftstellerischen Qualität glänzt.
Der einzige Wermutstropfen: Es dauert nun leider einige Zeit, bis die Geschichte fortgeführt wird. Man würde ja am liebsten einfach ungebremst weiterlesen…
Jürgen Seibold/16.05.2018

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HYS095 – der April macht was er will

Die neue Podcastfolge:

Vieten, Michael E.: Christine Bernard – Die Legende vom bösen Wolf

©acabus Verlag, Hamburg 2018
ISBN 978-3-86282-566-0
ca. 291 Seiten

COVER:

Von der Angst und der Gier. Eine junge Kommissarin ermittelt unter Lämmern und Wölfen.

Ein feuchtkalter Morgen im Nebel. Menschliche Überreste in einem Wolfsgehege. Sind die Wölfe blutrünstige Killer oder ist alles nur Mythos und diese brillanten Jäger und nächsten Verwandten unserer liebsten Haustiere sind harmlos?

Eine zweite Leiche mit Fraßspuren wird im Hunsrücker Hochwald gefunden. Ist der über Jahrhunderte gefürchtete Angstgegner des Menschen wieder da und streift bereits auf der Suche nach beute durch unsere Wälder? Ist er eine Gefahr oder ist der Mensch selbst des Menschen Wolf?

Die Trierer Kommissarin Christine Bernard ermittelt und stößt auf ihrer Suche nache dem Mörder auf ein Umfeld voller Vorbehalte, Mythen und Legenden.

REZENSION:

Als ich im Jahre 2013 einen Kurzgeschichtenband eines mir bis dato unbekannten Autors mit dem Titel „Unheimliche Begegnungen – Aus der Zwischenwelt“ positiv rezensiert hatte, behielt ich den Namen des Autors locker im Gedächtnis. Kurzgeschichten sind ein Genre für sich und viele Roman-Autoren scheuen sich, dieses „Genre“ zu bedienen. Ist es doch extrem schwierig, auf begrenztem Raum einen durchweg überzeugenden Plot zu kreieren.
Vieten ist es damals gelungen und somit wollte ich den Namen des Autors nicht gänzlich vergessen.
Ein Jahr später kam Vieten mit einem Kriminalroman ums Eck – es handelte sich dabei um „Der fall Siebenschön“, in dem die Kommissarin Christine Bernard die Ermittlungen aufnimmt.
Kriminalromane sind nicht wirklich mein Steckenpferd – durch den oben kurz angerissenen Kurzgeschichtenband widmete ich mich dennoch diesem Fall und war erneut sehr angetan.
Michael E. Vieten entwickelte mit Christine Bernard eine Krimireihe, die sicherlich interessant ist. Aber es sind nun mal Kriminalromane und hierdurch widmete ich mich mit meiner begrenzten Zeit eher meinen normalen Lieblingsgenres.
Letztes Jahr erreichte mich „Handbuch zur Rettung der Welt“, ich las, rezensierte und war schon wieder ausreichend überzeugt, um nun dann doch dem Wunsch des Autors nach zu kommen, ein Auge auf den neuesten Fall Christine Bernards zu werfen.
Ich überlegte kurz, ob ich mich einem Krimi widmen sollte – ich glaube, die Wölfe überzeugten mich dann, da dieses Thema ausreichend interessant klang.
Erfreulicherweise war es dabei absolut kein Problem, die bisher erschienen Fälle über diese Kommissarin nicht zu kennen. Im Gegenteil, man findet sich sofort zurecht und kann sich uneingeschränkt diesem sehr gut erzählten Plot widmen.
Als sehr positiv erachte ich die Verknüpfung aktueller Themen mit einem Mordfall. In diesem Werk sind es die Wölfe inklusive einer Vielzahl an Pro- und Contra – ebenso, wie es gerade durch die Medien wabert.
Nachdem ich persönlich eher auf der Seite der Wölfe stehe, sind meine Fronten in diesem Buch sogleich geklärt.
Im Laufe des Kriminalfalls lernt man sehr viel über diese Tierart – ab und an wirkt das ein wenig aufgesetzt, nichts desto trotz hat dieser Umstand das Buch für mich interessant gemacht. Ähnlich wie in seinem „Handbuch zur Rettung der Welt“ versucht Vieten uns auf Missstände aufmerksam zu machen und dabei dennoch seinen Leser gut zu unterhalten.
Erneut ist es ihm gelungen und ich bin fast ein bisschen traurig darüber, nicht alle Bernard-Fälle gelesen zu haben.
Alles in allem ein gelungener, sehr eingängig erzählter Krimi mit einer sympathischen Ermittlerin, einem brisanten Thema und einem rundum interessanten Plot. Liebhaber des Genres sollten definitiv ein Auge auf diesen Autoren werfen.
Jürgen Seibold/27.04.2018

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Williams, Tad: Die Hexenholzkrone 1 – Der letzte König von Osten Ard 1

Originaltitel: The Witchwood Crown. The Last King of Osten Ard Volume 1
Aus dem Amerikanischen von Cornelia Holfelder-von der Tann und Wolfram Ströle
©2017 by Tad Williams
Für die deutsche Ausgabe: ©2017 by J.G. Cotta’sche Buchhandlung Nachfolger GmbH, Stuttgart
ISBN 978-3-608-94953-7
ca. 745 Seiten

COVER:

Osten Ard ist in Aufruhr. Seit dreißig Jahren regieren König Simon und Königin Miriamel mit Weisheit und Güte über ihr Land. Doch die dunklen Mächte sammeln sich um die Nornenkönigin und wollen sich Osten Ard untertan machen. Vor allem Prinz Morgan ist in Gefahr, denn die Feinde wollen seine Thronbesteigung verhindern und selbst die Macht erlangen. Da ruft König Simon seine alten Freunde zu Hilfe und Binabiq, Tiamak, Eolair und Jeremias treten gemeinsam mit ihm gegen die Nornen und andere Widersacher an. Wird es einen gerechten Kampf geben? Können die Freunde Osten Ard verteidigen? Und wird Prinz Morgan unversehrt aus der Schlacht zurückkehren?

REZENSION:

Es sind mittlerweile einige Jahrzehnte vergangen, seitdem ich mich nach Osten Ard gewagt habe. Damals war ich übermäßig begeistert von den Erlebnissen des Küchenjungen Simon Mondkalb, der in der Saga um den Drachenbeinthron auf interessante und spannende Weise seinen Weg zur Regentschaft erklimmen sollte.
Die Drachenbeinsaga (heutzutage: Das Geheimnis der Großen Schwerter) ist auch immer noch Gegenstand meines Bücherregals, da diese großangelegte Saga einfach nicht weggegeben werden kann, sondern allein durch das Betrachten immer wieder an eine wunderschöne Lesezeit erinnert.

Als dann im letzten Jahr Tad Williams mit seinem Roman „Das Herz der verlorenen Dinge“ erneut seine Leser nach Osten Ard entführen wollte, war ich mir ob der langen Abstinenz nicht sicher, ob damit ein neuer Zugang möglich sein kann. Gleichzeitig ist man auch noch – ähnlich wie Simon – älter und vielleicht sogar ein wenig reifer geworden.
„Das Herz der verlorenen Dinge“ war aus meiner Sicht zwar ein guter Fantasyroman, konnte aber durch seine lediglich locker vorhandenen Fäden zu Simon nicht mehr gänzlich überzeugen. Irgendwie fühlte man sich zwar wieder daheim, aber der erwartete Besuch wollte partout nicht an der Tür anklopfen.
Mir war aber bewusst, dass „Das Herz der verlorenen Dinge“ nur eine Schnittstelle sein sollte. Der Autor hat sich wohl damit auf geschickte Weise einen eigenen erneuten Zugang nach Osten Ard kreiert.
Wir können darin ein wenig durch Osten Ard wandeln und lernen, dass Simon mit seiner Frau Miriamel weiterhin regiert und diese Regentschaft seinem damaligen Charakter entsprechend wohl im Großen und Ganzen positiv für sein Volk vollzogen wurde.
Nun sollte mit „Hexenholzkrone“ die Tür zu Simon komplett geöffnet werden und Tad Williams bittet uns freundlich, erneut einzutreten und den weiteren Erlebnissen des nun gealterten Königspaars zu folgen.
Bereits beim Betrachten des Buches stellt sich die Frage, ob das Durchschreiten dieser Tür nach etwa 30 Jahren noch funktionieren kann. Hinzu kommt der Umstand, dass man sich gefühlt nur noch rudimentär an die damaligen Erlebnisse Simons erinnern kann. Tad Williams geht auch in seinem Vorwort auf diese Problematik ein und versucht seinen Leser mit der Information zu beruhigen, dass er notwendige Dinge locker erklären wird und somit sein neues Epos ohne das Wissen um die früheren Bücher funktionieren kann und soll.
Nun gut, ganz kann ich ihm dabei nicht zustimmen, denn ich glaube, ein absoluter Neuling wird es schon ein wenig wenig schwerer haben, als jemand, dessen Erinnerungen im Laufe der Seiten des vorliegenden Buches immer weiter aufgefrischt werden und somit für eine nicht unerhebliche Anzahl an Aha-Effekten sorgen.
Nichts desto trotz möchte ich niemanden abschrecken, denn rein vom Verständnis her funktioniert die Hexenholzkrone natürlich auch ohne die früheren Bücher. Gleichzeitig könnte es aber sein, dass ein Neueinsteiger diesen ersten Band ein wenig langweilig findet. Kenner der früheren Bände sind einfach froh, wieder in Osten Ard zu sein und diesem königlichen und dennoch sympathischen Ehepaar zu folgen. Das etwas lange Ausholen und die dafür notwendige, detaillierte Ausschmückung jeglicher Szene kennt und liebt man bereits seit Anbeginn dieser Saga – somit hatte Tad Williams mich bereits nach wenigen Seiten rundum überzeugen können. Über die Seiten hinweg erwachten alte Erinnerungen und man tauchte immer tiefer in dieser Welt ab. Das schöne Gefühl breitete sich wieder aus, zu Hause angekommen zu sein.
Tad Williams blieb sich in diesem Buch abermals durchweg treu und schaffte es auf virtuose Weise, allen Wünschen des Lesers gerecht zu werden.
Kurzum: Hier wird Fantasy wahrlich gefeiert und somit mit einer absolut hochwertigen Qualität vor des Lesers Augen ausgebreitet. In sämtlichen Bereichen sehr liebevoll und detailliert ausgearbeitet.

Tad Williams hat laut seinen eigenen Worten lange mit sich gehadert (erkennt man ja schon an der langen Zeitspanne), ob er sich erneut diesem Blockbuster widmen soll. Ich bin jedenfalls froh, dass er dieses Abenteuer eingegangen ist und auch mich als Leser daran teilhaben lässt.
Nachdem es sich bei der Hexenholzkrone erst um den Anfang eines – wieder einmal – groß angelegten Epos handelt, bin ich schon jetzt  gespannt, wie es weitergehen wird und ob Williams es schafft, dieses Niveau durchgehend aufrecht zu halten.
Jürgen Seibold/27.04.2018

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Laymon, Richard: Das Ende

Originaltitel: Among The Missing
Aus dem Amerikanischen von Marcel Häußler
Vollständige deutsche Erstausgabe 04/2018
©1999 by Richard Laymon
©2018 der deutschsprachigen Ausgabe by Wilhelm Heyne Verlag, München
ISBN 978-3-453-67714-2
ca. 304 Seiten

COVER:

„Bass ging weiter, Faye dicht an seiner Seite. Das fremde Paar lag noch ein gutes Stück entfernt und rührte sich nicht. Der Mann trug eine Jeans, aber kein Oberteil. Er lag auf der Seite zusammengerollt und verdeckte die Frau teilweise. Die Beine der Frau waren jedoch zu sehen. Sie war offensichtlich nackt. Eine Brust war zu erkennen, aber die andere blieb hinter der Schulter des Mannes verborgen. Bass und Faye blieben stehen, unschlüssig, wie sie sich verhalten sollten. Da bewegte der Mann einen Arm. Er drehte sich auf den Rücken und gab den Blick auf die Frau frei. Sie hatte keinen Kopf mehr …“

REZENSION:

Richard Laymon ist vielen Fans der etwas härteren Gangart mit Sicherheit ein Begriff. Der leider bereits verstorbene Autor konnte sehr oft mit seiner schnellen und auf den Punkt kommenden Art des Schreibens den Leser mit spannenden, eingängigen und ab und an ziemlich brutalen Geschichten überzeugen.
Dementsprechend freute ich mich auch auf das bei Heyne erschienene „Das Ende“ – lockte doch die Beschreibung des Buches mit ähnlichen Superlativen.
Es ist jedoch nach Genuss des nicht allzu dicken Buches notwendig, hier einige Abstriche zu machen. „Das Ende“ ist sicherlich ein handwerklich gut erzählter Plot mit einigen interessanten Wendungen. Gleichzeitig aber nichts weiter als ein Thriller, erzählt in manchmal etwas deftigerer Sprache. Zu wenig jedoch für einen echten Laymon.  Er schafft es dadurch nicht, seine eigentliche Klientel rundum überzeugen zu können. Nichts desto trotz hat die Geschichte für ausreichend Unterhaltung gesorgt. Ich wäre aber dennoch – insbesondere durch die eigene Erwartungshaltung – zufriedener gewesen, wenn es sich auch bei diesem Werk um einen reinrassigen Horror gehandelt hätte. „Das Ende“ ist ein Thriller – flüssig, gut aufgebaut und für einen Thriller ausreichend spannend erzählt. Somit ein ganz guter und auch interessanter Plot zur Unterhaltung zwischendurch.
Mehr gibt es in meinen Augen nicht her, vor allem, wenn man es mit anderen, weitaus besseren Werken des Autors vergleicht.
Jürgen Seibold/27.04.2018

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Grumley, Michael: Breakthrough

Originaltitel: Breakthrough
Aus dem Amerikanischen von Wally Anker
Deutsche Erstausgabe 10/2017
©2013 by Michael Grumley
©2017 der deutschsprachigen Ausgabe by Wilhelm Heyne Verlag, München
ISBN 978-3-453-31875-5
ca. 382 Seiten

COVER:

Mitten in der Karibik muss die Triton II, ein U-Boot der US-Marine, von einer Sekunde auf die andere ihre Mission abbrechen. Dann verschwindet sie spurlos. Die Besatzung bleibt verschollen, die näheren Umstände des Vorfalls sind ungeklärt. In ihrer Verzweiflung kontaktieren die beiden Navy-Sonderermittler John Clay und Steve Caesare die Meeresbiologin Alison Shaw, der das scheinbar Unmögliche gelungen ist: Sie hat einen Weg gefunden, mit Delfinen zu sprechen. Clay und Caesare setzen Alisons Schützlinge im Meer aus, in der Hoffnung, die hochintelligenten Tiere könnten etwas über den Verbleib der Triton II herausfinden. Doch was sie stattdessen auf dem Grund des Ozeans entdecken, wird die Menschheit in ihren Grundfesten erschüttern …

REZENSION:

Der Wissenschaftsthriller von Michael Grumley ist der erste Teil einer Geschichte, die sich nach aktuellem Stand über drei Bücher ausbreiten wird.
Aus unerfindlichen Gründen muss ein amerikanisches U-Boot seinen Auftrag abbrechen. Der Grund ist auf den ersten Blick nicht gerade als dramatisch zu betrachten: Sie sind urplötzlich laut ihren Geräten über 15 Seemeilen vom Kurs abgekommen. Nachdem dieser Vorgang trotz aller Nachforschungen jedoch nicht auflösbar ist, versuchen sie durch den Einsatz eines Tauchbootes einen greifbaren Grund heraus zu finden. Dieses Boot verschwindet jedoch und somit scheint sich doch mehr als eine reine technische Panne dahinter zu verbergen.
Die Ermittler versuchen Hilfe durch das Meeresbiologenteam um Alison Shaw zu bekommen. Diese hat gemeinsam mit ihrem Team eine Möglichkeit entwickelt, um mit Delphinen sprachlich zu kommunizieren. Gemeinsam versucht man nun, die Geschehnisse auf dem Meeresboden in der Karibik zu ergründen und das verschollene U-Boot zu finden.
Michael Grumleys Thriller ist sehr rasant erzählt und fühlt sich beinahe wie ein Film an. Wenn man daran denkt, dass BREAKTHROUGH erst der Auftaktband ist, könnte man sich auch ganz gute eine Serie vorstellen. Diese würde auch problemlos dem Buch entsprechen, da Grumley kein allzu großes Risiko eingeht und nahezu alle notwenigen Mittel verwendet, die den Leser wie auf der Couch sitzend und in den Kasten sehend zur Hand nimmt.
BREAKTHROUGH funktioniert aber wohl auch gerade deswegen ausreichend gut. Sicher, es ist kein herausragendes Werk aus dem Genre der Wissenschaftsthriller – dennoch sorgt es problemlos für unterhaltsame und spannende Stunden.
Am stärksten funktionieren dabei die Delphine und man frägt sich ohne Unterlass, ob die Tiere wohl in Wirklichkeit eine ähnliche Empathie und Nachdenklichkeit aufweisen, wie in diesem Buch beschrieben. Ich würde es jedenfalls sehr begrüßen.
Die Behörden – allen voran die US-Army und Regierung – spielt die klassische Serien-Rolle: Hier befinden sich die machthungrigen und über Leichen gehenden Menschen, deren einziges Ziel die Vernichtung von unbekannten Begebenheiten ist. Koste es, was es wolle.
Mir stellt sich da die Frage, ob es nicht ab und an sinnvoll sein könnte, dass diese Klientel einfach auch mal den ein oder anderen Thriller mit Verwendung von Behörden lesen sollte.
Naja, ob die das noch lernen werden, ist eine andere Frage und hat nichts mit dem Buch zu tun.
BREAKTHROUGH macht jedenfalls recht viel Spaß und lässt einen auf unterhaltsame Art und Weise an den Begebenheiten teilhaben. Ein typisches Buch für den Weg in die Arbeit oder das gemütliche Abschalten im Flieger bzw. ähnlichen Zeitvernichtungsplätzen. Allzu stark braucht man sich als Leser nicht konzentrieren – nichts desto trotz sind solche Bücher auch immer wieder notwendig und dementsprechend freue ich mich bereits auch die Fortsetzung.
Jürgen Seibold/15.04.2018

Breakthrough: Roman (Breakthrough-Serie, Band 1) – KAUFEN BEI AMAZON

Ryan, Anthony: Das Erwachen des Feuers – Draconis Memoria 1

Originaltitel: The Waking Fire. Book One oft he Draconis Memoria
Aus dem Englischen von Sara Riffel & Birgit Maria Pfaffinger
©2016 by Anthony Ryan
Für die deutsche Ausgabe:
©2017 by J.G. Cotta’sche Buchhandlung Nachfolger GmBh, Stuttgart
ISBN 978-3-608-94974-2
ca. 724 Seiten

COVER:

Im riesigen Gebiet von Mandinorien gilt Drachenblut als das wertvollste Gut. Rote, grüne, blaue und schwarze Drachen werden gejagt, um an ihr Blut zu kommen.
Das daraus gewonnene Elixier verleiht den wenigen Gesegneten übernatürliche Kräfte.
Kaum jemand kennt die Wahrheit: Die Drachen werden immer weniger und schwächer. Sollten sie aussterben, wäre ein Krieg Mandinoriens mit dem benachbarten Corvantinischen Kaiserreich unausweichlich.

REZENSION:

Anthony Ryan war mir bis zu seinem Rabenschatten-Epos absolut kein Begriff. Sein Lied des Blutes konnte mich aber rundum zufrieden zurücklassen und somit konnte ich bei diesem neuen Start einer Trilogie natürlich nur zugreifen.
DAS LIED DES BLUTES war eine Geschichte, die zwar herausragend erzählt worden ist, dennoch dem normalen Schema eines Fantasyromans entsprach. In seinem aktuellen Werk geht Anthony Ryan auf eine sehr interessante Weise gänzlich anders vor. DAS ERWACHEN DES FEUERS ist zwar ebenso ein Fantasyroman unter Verwendung einer selbst erfundenen Welt. Gleichzeitig aber auch gewürzt mit Steampunkelementen und darüber hinaus eine Piratengeschichte als auch ein Spionageroman.
Diese geschickte Nutzung verschiedenster Elemente unter Verwendung von nur wenigen Hauptcharakteren, macht zwar unglaublich viel Spaß beim Lesen, sorgt aber auch für einen etwas schwierigen Einstieg in die Geschichte. Dies mag auch dem Umstand geschuldet sein, dass bereits der erste Band mit nicht gerade wenigen Seiten aufwartet. Dementsprechend weit holt Ryan aus und dementsprechend detailverliebt lässt er seine Geschichte langsam auferstehen.
Seine verschiedenen Drachenarten und die dazugehörigen Fähigkeiten durch Nutzung des Blutes sind eine sehr interessante Idee, die etwas Neues zum Drachengenre beitragen kann.
Sobald man einigermaßen die Fäden aufgenommen hat, kann man problemlos in die jeweiligen Erzählstränge abtauchen und sich dem reinen Genuss widmen.
Erneut erzählt Ryan literarisch hochwertig – etwas stärker sogar, als in seiner Rabenschatten-Trilogie – wodurch es unbedingt notwendig ist, immer konzentriert dabei zu bleiben. Nach und nach öffnet sich aber sein erzählerischer Fluss und es wird immer einfacher den weiteren Erlebnissen der Protagonisten zu folgen.
Es bleibt einem nach dem holprigen Start plötzlich nichts anderes mehr übrig, als dem weiteren Fortgang der Geschichte ungebremst zu folgen.
Anthony Ryan hat bereits sein Talent bei seiner Rabenschatten-Trilogie bewiesen – erstaunlich, dass er hier noch einen draufsetzen kann.
Alles in allem ein sehr empfehlenswerter Roman mit einer Vielzahl an erfrischenden und neu wirkenden Ideen. Man kann nur noch gespannt sein, wie sich die Geschichte weiter entwickeln wird. Band 1 wirkt ja beinahe – bis auf wenige Ausnahmen – wie ein abgeschlossener Roman. Aber wie man weiß, sollen ja noch zwei weitere folgen…
Jürgen Seibold/08.04.2018

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Krebber, Nils: Keine Helden – Piraten des Mahlstroms

©2017 Amrûn Verlag, Jürgen Eglseer, Traunstein
ISBN 978-3-95869-296-1
ca. 303 Seiten

COVER:

Eberhart Brettschneider ist Händler, Abenteurer und Entdecker – wenn man ihm glauben möchte. Tatsächlich jedoch ist er einer der erfolgreichsten Betrüger Kammerbads. Gemeinsam mit seiner Partnerin Aurelia schwindelt er sich durch die Straßen seiner Heimatstadt.
Als Eberhart glaubt, den großen Coup gefunden zu haben, geraten die beiden durch eine Intrige mitten in die Suche nach dem Schatz des Schreckenskapitäns. Durch Piraterie und Hexerei werden sie bis in die Tiefen des Mahlstroms getrieben, wo Eberhart Sturmgeborene, Magier, Totenbeschwörer und die Götter selbst hereinlegen muss, um zu überleben.

„Aber was soll schon passieren?“

REZENSION:

Nils Krebber legt mit KEINE HELDEN seinen ersten Roman vor. Dabei macht er trotz der nicht gerade epischen Seitenzahl einen wahren Rundumschlag. Er erzählt nicht nur eine Piratengeschichte mit interessanten Akteuren, sondern geht darüber hinaus auch noch tief in die Bereiche der Fantasy und schreckt vor keiner fantastischen Herausforderung zurück.
Ganz besonders interessant hielt ich in diesem Werk seinen wichtigsten Protagonisten: Eberhart Brettschneider. Dieser ist wahrlich mit allen Wassern gewaschen und seine geschickten Verhandlungen sind das absolute i-Tüpfelchen in dieser Geschichte.
Die Story von Krebber ist sehr stringent in seiner Vorgehensweise. Hierdurch verliert man niemals den Faden – womit man sich getrost einer gepflegten Unterhaltung widmen kann. Demgegenüber steht natürlich der fehlende Tiefgang, was aber in diesem Plot keineswegs als negativ zu betrachten ist. KEINE HELDEN ist einfach eine durchweg interessant aufgebaute Geschichte, die gut erzählt worden ist und somit für einige interessante Stunden sorgen kann.
Sehr deutlich erkennt man die Affinität des Autors zu Rollenspielen. Die Geschichte treibt sehr ähnlich voran und schweift nur selten in Bereiche außerhalb der eigentlichen Storyline ab. Für einen Erstling ein recht gut gelungenes und unterhaltsames Werk mit erfrischenden Charakteren und einer ebenfalls erfrischenden sowie interessanten Idee.
Einen kleinen Vorwurf muss ich aber an das Korrektorat machen: Je weiter man im Buch vorankommt, desto häufiger treten Fehler in der Rechtschreibung auf. Diese sind sehr oft allein durch Rechtschreibkorrekturhilfen auf Softwareseite nicht zu erkennen, da das fehlerhafte Wort meistens für eine Software ein richtig geschriebenes Wort darstellt (z.B.: „eine“ – „einen“, …). Hier hätte noch ein klein wenig mehr Detailarbeit nicht geschadet, da es doch etwas zu viele Fehler dieser Art waren – teilweise störte das den Lesefluss.
Nichts desto trotz ein passabler Roman, der einem guten Debüt entspricht und zeigt, dass einiges in Nils Krebber steckt. Wie gesagt: Kein spitzenmäßiger Plot, aber ein guter, teils witziger und somit ausreichend unterhaltsamer Plot.
Jürgen Seibold/06.04.2018

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Shusterman, Neal: Scythe – Die Hüter des Todes

Originaltitel: Scythe – Arc of a Scythe
Aus dem Amerikanischen von Pauline Kurbasik und Kristian Lutze
©2016 by Neal Shusterman
Für die deutschsprachige Ausgabe:
©2017 S. Fischer Verlag GmbH, Frankfurt a.M.
ISBN 978-3-7373-5506-3
ca. 516 Seiten

COVER:

Die Scathe sind auserwählt, um zu töten. Sie entscheiden, wer lebt und wer stirbt. Sie sind die Hüter des Todes in einer fast perfekten Welt.
Als Citra und Rowan – gegen ihren Willen – für die Ausbildung zum Scythe berufen werden, bleiben ihnen nur zwei Dinge: ihre Freundschaft, die vielleicht mehr als Freundschaft ist, und die hohen moralischen Regeln der Scythe, die das Töten irgendwie erträglich machen. Doch nicht alle Hüter des Todes halten sich noch an die uralten Regeln der Gilde, und aus einem Grund, der für Citra unbegreiflich bleibt, fühlt Rowan sich von diesen dunklen Scythe angezogen.

Bald stehen Citra und Rowan auf unterschiedlichen Seiten und kämpfen doch um das Gleiche: das perfekte Leben, das richtige Sterben, ihre Liebe.

REZENSION:

Wir befinden uns bei diesem Buch von Neal Shusterman in einer nahezu perfekten Welt in einer nicht allzu weit entfernten Zukunft. In dieser nahezu perfekten Welt gibt es keine Kriege und als Sahnehäubchen: Man stirbt nicht mehr! Als Mensch altert man zwar ganz normal, man kann sich aber in gewissen Intervallen zu einem Wunschalter zurück resetten lassen. Man wird somit älter, ohne irgendwelche körperlichen Gebrechen zu bekommen. Sollte man zum Beispiel überfahren und somit getötet werden, kommt man einfach in ein besonderes Krankenhaus, welches einen wieder zurückholt. Regierungen sind abgeschafft – lediglich eine übergeordnete künstliche Intelligenz wacht über die Menschheit. Diese ist autark, human und ausgesprochen sozial.
Wie gesagt: Eine nahezu perfekte Welt.
Selbstverständlich spricht das Bevölkerungswachstum gegen das unendliche Leben. Aus diesem Grund gibt es eine Gilde mit dem Namen SYTHE, deren Mitglieder dafür zuständig sind, Menschen „nach zu lesen“ – das heißt, diese Gildenmitglieder sind die einzigen Menschen, die die Macht haben, andere Menschen zu töten. Dies allein, um dem Bevölkerungswachstum entgegentreten zu können.
Dies entspricht dem früheren Sensenmann, der sich um das ordnungsgemäße Ableben von Menschen kümmerte. In Scythe ist es eine weltweit aufgestellte Gilde.
Natürlich ist es auch für eine Gilde dieser Art notwendig, für Nachwuchs zu sorgen. Aus diesem Grund werden Citra und Rowan als Auszubildende berufen – beide hatten dies ehrlich gesagt nicht wirklich vor…
Während ihrer Ausbildung kommen die beiden sich nach und nach näher – sie wissen aber auch, dass nur einer von beiden am Ende ausgewählt werden wird. Die erste Amtshandlung des dann neu Ausgewählten soll dabei darin bestehen, den anderen hinzurichten.
Allein diese kurze Beschreibung hätte schon ausreichend Potenzial für einen Roman. Neal Shusterman lässt es aber dabei nicht bewenden und führt uns auch die unterschiedlichen Ströme der Scythe vor. Die Einen sind sehr konservativ und hassen selbst das Töten. Dementsprechend vorsichtig und umsichtig gehen sie vor. Die Anderen wiederum sehen im Töten eine Art Sport oder gar Spiel und sorgen skrupellos und nach eigenem Gutdünken für das Ableben einer Vielzahl von Menschen, bleiben dabei aber immer haarscharf den Regeln der Scythe treu – beugen diese aber so weit es geht.
Recht viel mehr sollte hier nicht gesagt sein – man möchte ja nicht zu viel verraten.
Scythe ist vom erzählerischen Stil Shustermans her sowohl als Jugend- wie auch Erwachsenenbuch einzuordnen. Für Erwachsene ist der Schreibstil dementsprechend als leicht und überaus eingängig zu empfinden. Nichts desto trotz funktioniert die Geschichte bravourös und ich konnte mich ihr einfach nicht mehr entziehen. Im Gegenteil, sofort nach Beendigen des Buches musste ich es meinem gesamten Umfeld altersunabhängig empfehlen.
Es handelt sich einfach um einen absoluten Pageturner mit einer sehr interessanten und erfrischenden Geschichte. Darüber hinaus eine ausgesprochen tolle Idee, die aus einer Dystopie eine Utopie macht und dennoch eine perfekte Welt ein klein wenig unperfekt macht.
Das Buch funktioniert sehr gut als Einzelband, auch wenn ich davon ausgehe, dass man sich unbedingt auch die beiden noch folgenden Bände zu Gemüte führen möchte. Man kann dabei nur hoffen, dass der Autor dabei dieses extrem hohe Level auch weiterhin einhalten kann und somit mit seiner gesamten Trilogie zu überzeugen weiß.
Scythe ist jedenfalls in meinen Augen ein absolutes Highlight für nahezu jede Altersgruppe ab etwa 16 Jahren. Man kann nur hoffen, dass die Hüter des Todes nicht zu schnell zu einem selbst kommen und man somit noch viele hochwertige Bücher wie dieses genießen kann.
Kurzum: Eine absolute Empfehlung!
Jürgen Seibold/29.03.2018

Scythe – Die Hüter des Todes – KAUFEN BEI AMAZON

Golden, Christopher: Snowblind – Tödlicher Schnee

Originaltitel: Snowblind
Ins Deutsche übersetzt von Stephanie Pannen
©2014 by Christopher Golden
©2017 für die deutsche Ausgabe by Amigo Grafik GbR.
ISBN 978-3-95981-194-1
ca. 455 Seiten

COVER:

Das kleine Städtchen Coventry in Neuengland hat schon Tausende Schneestürme erlebt … aber noch keinen wie diesen, Menschen gingen in das Unwetter und kamen nie mehr zurück.

Jetzt, zwölf Jahre später, zieht ein weiterer Sturm herauf und die Bewohner von Coventry erinnern sich an diejenigen, die sie im Schnee verloren haben. Ein Fotograf trauert um seinen kleinen Bruder – auch heute Nacht wird wieder ein kleiner Junge vermisst. Der Tod der Frau eines Gelegenheitsdiebs hat tiefe Narben in seinem Leben hinterlassen. Und auf der anderen Seite des Landes erhält eine junge Frau einen Anruf … von einem Mann, der seit zwölf Jahren tot ist.

Dieser Sturm wird sich als noch schrecklicher als der letzte erweisen. Und die Erkenntnis bringen, dass der Albtraum gerade erst anfängt.

REZENSION:

Innerhalb kürzester Zeit befindet sich mit SNOWBLIND bereits das dritte Buch von Christopher Golden auf dem deutschen Markt. Scheinbar macht er sich mehr und mehr einen Namen in unseren Gefilden.
Im Gegensatz zu seinen Büchern „Der Fährmann“ und „Sieben Pfeifer“ nimmt er sich im vorliegenden Werk keine alte Legende als Grundlage für seine Geschichte vor, sondern ließ wohl ausschließlich sein Gehirn als Ideengeber arbeiten.
In SNOWBLIND geht es sofort rasant los und wir lernen bereits in den ersten Kapiteln einige der wichtigsten Protagonisten kennen. Diese werden von einem unglaublich starken Blizzard mit irren Mengen an Schnee überrascht. Während dieses Blizzards sterben einige Menschen auf sehr untypische Art – zumindest wir Leser wissen dies. In den Augen der Verwandten/Bekannten handelt es sich schlicht um Opfer dieses Unwetters.
!2 Jahre später spielt in Goldens Buch die eigentliche Geschichte – und erneut stehen wir vor dem Eintreffen eines ähnlich starken Blizzards. Die Menschen sind bereits im Vorfeld sehr angespannt – insbesondere, wenn diese von den damaligen Erlebnissen und Todesfällen beeinflusst waren.
Dass sich hinter den Todesfällen mehr verbirgt als einfache Schneeunfälle müsste ja jedem Leser bereits nach dem Intro klar sein. Dementsprechend rechnet man mit ähnlichen Vorkommnissen beziehungsweise dem Herausfinden der Ursache und der dazugehörigen Lösung, um das Grauen zukünftig abwenden zu können.
Hierdurch ist das Buch natürlich ein wenig vorhersehbar – nichts desto trotz macht es Spaß, endlich mal wieder ein einigermaßen gut konstruiertes Buch aus der mystisch angehauchten Horrorecke lesen zu können. In diesem Genre lassen momentan viele Verlage – insbesondere große – aktuell sehr stark zu wünschen übrig. Dabei wäre doch sicher der Markt vorhanden. Aber vielleicht kommt ja irgendwann wieder eine neue Horrorwelle, die dafür sorgt, dass auch Publikumsverlage sich diesem Thema wieder annehmen: Oder noch besser, die kleineren Verlage schwappt es dadurch hoch.
Aber zurück zum Buch:
Goldens SNOWBLIND sorgt für kurzweilige und angenehme Unterhaltung für den Zeitvertreib. An sein erheblich tiefgehender erzähltes „Der Fährmann“ kommt SNOWBLIND leider nicht ganz heran. Dennoch kann man da ein Auge zudrücken und sich einfach dieser Story widmen. Langweilig wird es einem dabei nicht und eingängig sowie ausreichend plausibel erzählt ist sie auch.
Einige Protagonisten sind liebevoll detailliert aufgebaut, andere etwas dünn dargestellt. Dies ist aber kein Vorwurf, da es sonst wohl zu viel des Guten werden würde. Alles in allem ein wunderbarer und spannender Unterhaltungsroman, der aber der Aussage des Stephen King auf dem Cover nicht ganz gerecht werden kann. Wie gesagt, gefallen hat es aber trotzdem und ich bin bereits sehr darauf gespannt, mit welchen Ideen Golden auf unserem Markt noch aufwarten wird.
Jürgen Seibold/29.03.2018

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Iggulden, Conn: Darien – Die Herrschaft der Zwölf

Originaltitel: Darien – Empire of Salt
Aus dem Englischen von Kirsten Borchardt
Deutsche Erstausgabe 09/2017
©2017 by Conn Iggulden
©2017 der deutschsprachigen Ausgabe by Wilhelm Heyne Verlag, München
ISBN 978-3-453-31880-9
ca. 413 Seiten

COVER:

Die Stadt Darien ist das Zentrum und die Hauptstadt des gleichnamigen Königreiches. Ihre beste Zeit hat sie allerdings schon hinter sich. Mit einer schwachen, willenlosen Marionette auf dem Königsthron liegt die eigentliche Macht in den Händen von zwölf Familien, die ihre Herrschaft über die Stadt und das Reich untereinander aufgeteilt haben – was sie jedoch nicht daran hindert, einander auszuspionieren, zu kontrollieren und zu bekämpfen. Das Volk von Darien lässt eine Intrige nach der anderen über sich ergehen. Als jedoch der König gestürzt werden soll, werden drei Personen in den Strudel der Ereignisse gezogen, die unterschiedlicher nicht sein könnten: Elias, der Jäger, ist eigentlich nur auf der Suche nach einem Heilmittel für seine todkranke Familie. Doch seine magische Gabe, die er bislang geheim gehalten hat, macht ihn für einen machthungrigen General zum wichtigsten Instrument seines Plans. Arthur, der Junge, taucht eines Tages unvermittelt bei der Schar von Straßenkindern auf, denen der alte Soldat Tellius ein Zuhause gibt. Der Junge spricht zwar nicht, aber er hütet ein Geheimnis, welches das Gleichgewicht der Macht der Stadt durcheinanderbringen wird. Und dann ist da noch Nancy, eine selbstbewusste junge Frau, die nicht an Magie glaubt – aber deren Kräfte ganz Darien zerstören könnten. Als das Mordkomplott beginnt, treffen alle drei in der Stadt aufeinander. Werden sie mit Darien untergehen, oder wird ihr Schicksal eine neue Zukunft für Stadt und Reich offenbaren?

REZENSION:

Bei Conn Igguldens DARIEN – Die Herrschaft der Zwölf ging ich aufgrund der Beschreibung am Rücken des Buches von einem absolut durchschnittlichen und typischen Fantasy-Roman aus. Einfach eine Geschichte, die vielleicht gefallen könnte, aber eben nichts Neues darlegen kann.
Nun, nach Genuss des Buches zeigt sich mir, dass Iggulden eine geschickt erzählte Story entwickelt hat, die mit sehr interessanten Figuren lebt und insbesondere deren Erlebnisse darstellt. Im Gegensatz zu anderen Romanen sind sich die drei hauptsächlichen Protagonisten untereinander absolut unbekannt. Jeder folgt seinem eigenen Weg – manch einer gezwungen, andere aus nicht nachvollziehbaren Motivationen oder durch eigene Begehrlichkeiten. Jede Figur besitz eine gewisse Fähigkeit, über die ich hier nichts sagen möchte. Prinzipiell klingt das schon sehr nach Rollenspiel als Vorlage für dieses Buch. Dies ist aber kein negativer Aspekt, da sich diese beiden unterschiedlichen Lebensarten bzw. Hobbies doch sehr oft die Hand geben.
Igguldens Schreibstil hat mir außerordentlich gut gefallen, da man sich ohne große Konzentration schlicht auf die Geschichte einlassen kann. Dies heißt aber nicht, dass die Story allzu einfach geschrieben wäre – nein, sie ist lediglich sehr eingängig und ohne große literarische Ansprüche als auch ohne eine Vielzahl an Handlungssträngen erzählt. Wie gesagt, einige Figuren, keine allzu detaillierte Zeichnung der ersonnenen Welt, dennoch eine durchweg fesselnde Geschichte zur Unterhaltung des Lesers. Oft möchte man ja nicht mehr und somit freute ich mich sehr über die Entwicklungen in diesem Buch. Darien hat einfach Spaß gemacht! Sehr erfrischend die drei verschiedenen Protagonisten, die absolut nichts miteinander zu tun haben, ihre jeweilige Rolle erfüllen und dann am Ende auch nur locker miteinander verwoben werden. Ebenfalls sehr interessant die untypische Vorgehensweise zum Ende des Buches hin, als die Stadt angegriffen wird. Hier entsteht eine Dynamik aus dem Volk, die ich nicht weiter ausführen möchte, da ich sonst etwas verraten müsste.
Alles in allem ein wunderschöner fantastischer Roman, der als Einzelband bereits ausreichend sein könnte – wie so oft in diesem Genre kommt aber noch etwas nach.
Jürgen Seibold/25.03.2018

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Benson, Amber & Golden, Christopher: Sieben Pfeifer

Originaltitel: The Seven Whistlers
Aus dem Amerikanischen von Bernhard Kleinschmidt
Deutsche Erstausgabe
©2018 Buchheim Verlag, Olaf Buchheim, Grimma
www.buchheim-verlag.de
ISBN 978-3-946330-05-9
ca. 168 Seiten

COVER:

In alten Legenden heißt es, man höre in stürmischen Nächten manchmal ein seltsames Pfeifen, gefolgt vom Erscheinen riesiger schwarzer Hunde. Aber dies sind keine gewöhnlichen Kreaturen, sondern dämonische Wesen, entfesselt von der wilden Jagd auf verlorene Seelen. Nur selten sieht man mehr als einen von ihnen zur selben Zeit, doch wenn alle sieben gemeinsam erscheinen sollten, sei das Ende der Welt gekommen.

In der malerischen Stadt Kingsbury mitten in Vermont betrauert Rose Kerrigan den Tod ihres Großvaters, eines liebenswürdigen, aber seltsamen alten Mannes. Schon bald wird sie von der Legende der Sieben Pfeifer erfahren, denn die gespenstischen Hunde sind nach Kingsbury gekommen und jagen eine Seele, die man vor ihnen verborgen hat. Zuerst ist es nur einer, doch es werden mehr, je länger sie nicht finden, wonach sie suchen.

Und wenn alle sieben Dämonen zusammenkommen …

REZENSION:

Kurz vor Weihnachten des vergangenen Jahres widmete ich mich einem Buch namens DER FÄHRMANN von Christopher Golden. Der Name des Autors war mir bis dato interessanterweise absolut kein Begriff – sein Fährmann konnte mich aber zu einhundert Prozent überzeugen und ich nahm mir vor, mir diesen Namen für eventuelle, zukünftige Veröffentlichungen auf dem deutschen Markt zu merken.
Kurz vor der Leipziger Buchmesse erhielt ich dann als Vorbereitung zu einer geplanten Moderation eine frisch veröffentlichte Novelle mit dem Titel „Sieben Pfeifer“.
Diese gerade einmal etwas über 160 Seiten kurze Novelle wurde von Christopher Golden in Zusammenarbeit mit Amber Benson entwickelt.
Ebenso wie im Fährmann, nimmt sich das Autorengespann hier eine alte Legende vor und erweckt diese zum Leben. Die Legende um die Sieben Pfeifer ist nach meiner Information britischen Ursprungs und man sollte geflissentlich darauf hoffen, dass die Pfeifer, welche verborgene Seelen holen müssen, nicht in ihrer Gesamtheit von sieben Pfeifern zu sehen sind. Denn dann ist unsere Welt dem Untergang geweiht.
Die Geschichte ist rundum eingängig von den beiden Autoren geschrieben. Trotz der geringen Seitenzahl schaffen sie es, den agierenden Personen ausreichend Detailtiefe zu verpassen und somit in keiner Weise oberflächlich zu wirken.
Der Vorteil der geringen Seitenzahl zeigt sich natürlich in der Notwendigkeit, dass die Geschichte sehr rasant fortschreiten muss, da sich das Ende des Werkes recht schnell nähert. Aber auch dies scheint für die beiden Autoren absolut kein Hindernis zu sein und dementsprechend zielstrebig gehen sie vor und bauen ihren Plot unglaublich geschickt und dennoch sehr ausführlich und tiefgehend auf.
SIEBEN PFEIFER ist ein durchweg gelungener Mystik-Horror-Roman mit einer absolut interessanten Idee unter Verwendung einer Legende, bei der ich froh bin, das es sich dabei nicht um eine aus meiner Region handelt – beinhaltet doch jede Legende irgendwo einen wahren Kern.
Ebenso wie auch DER FÄHRMANN ein absolut zu empfehlendes Werk, dem ich mich noch stundenlang hätte widmen können, wäre da nicht die etwas begrenzte Seitenzahl, welche aber der Geschichte definitiv nicht schadet.
Des weiteren muss man sich hier auf dem deutschen Markt wohl den Namen Golden hinter die Ohren schreiben und hoffen, dass sich die Verlage weiterhin diesem US-amerikanischen Horrorautoren annehmen werden. Momentan sieht es ja ganz danach aus…
Jürgen Seibold/25.03.2018

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