Peter Lancester: Die eiserne Hand (Die Chroniken der Anderwelten 4)

Lancester_Hand© 1988: Peter Lancester
© 2016 der deutschsprachigen Ausgabe: Eldur Verlag
ISBN 3-937419-09-X
ca. 500 Seiten

COVER:

Der vorliegende Band führt die Handlungsstränge der vorangegangenen zusammen.

Eva studiert Kunst in Köln, verarbeitet ihre Erlebnisse in einem Comic und hält sich mit Schwertübungen fit. Als sie einen unkonventionellen Engländer kennenlernt und sich Hals über Kopf verliebt, scheint sie für einen kurzen Moment ihren Platz in der Welt gefunden zu haben.

Doch Obersdorf, der Mona immer noch gefangen hält, streckt seine Hände nun auch nach Eva aus. Die Konsequenzen sind verheerend. Und je näher der Alte seinem Ziel kommt, desto seltsamer werden sowohl er als auch die Welt in seiner Umgebung.

REZENSION:

Sichtlich erfreut war ich, als ich in den sozialen Medien erfuhr, dass Peter Lancester den vierten Band seiner auf 5 Bände ausgerichteten Reihe über die Anderwelten weiter fort zu führen gedachte und schlussendlich nun auch herausbrachte.
Gleichzeitig fragte ich mich jedoch auch, ob die Geschichte noch funktionieren kann und ob ich selbst überhaupt noch in der Lage sein werde, erneut eintauchen zu können. Ein Blick in meine früheren Rezensionen zeigte mir jedenfalls, dass ich die ersten drei Bände in den Jahren 2005 und 2006 rezensierte und ich deshalb leider schon davon ausging, dass diese Reihe wohl nie mehr zu ihrem Ende finden wird.
Dementsprechend zwiespältig waren auch meine Gedanken während der ersten Seiten im vorliegenden vierten Band mit dem Titel „Die eiserne Hand“.
Nur grob konnte ich mich an Lancesters Protagonisten erinnern – und hätte mich jemand nach etwas detaillierteren Inhaltsangaben gefragt, ich hätte wohl passen müssen.
Wie sich aber erfreulicherweise herausstellten sollte, scheint sich während dem Lesen ein Tor in meinen Gedankenwelten geöffnet zu haben, denn mehr und mehr weitete sich der eigene gedankliche Horizont und schon stellte sich plötzlich keine Frage mehr nach vermeintlich vergessenen Begebenheiten.
Wie mit Zauberhand öffneten sich scheinbar einige Schubladen in meinem Kopf und ich wusste auf einmal wieder, welche Rollen in etwa Mona, Eva, Otto, Lesly und Silvana gespielt hatten. Dementsprechend war es auf einen Schlag wieder möglich, in dieses Buch ein zu tauchen. Was ich auch sehr gerne erneut tat.

Peter Lancester geht – wie auch in den ersten drei Bänden – sehr rasant vor. Sein eingängiger und unverblümter Schreibstil scheint unverändert und konnte mich erneut problemlos überzeugen. Manch einem könnte die teils derbe anmutende Sprache aufstoßen – ich persönlich gehe jedoch nach dem Prinzip, dass dies am ehrlichsten klingt, wenn eben die „Kacke“ am dampfen ist.
Wenn ich mich recht erinnere, dann spielte der dritte Band überwiegend im sagenhaften Unterhessen, dementsprechend nachvollziehbar ist es in diesem Buch, dass uns Peter Lancester hier nur partiell dorthin führt. Hierdurch fehlt der eisernen Hand zwar der bekannte und außerordentlich interessante Part in der Anderwelt – gleichzeitig ist es aber nachvollziehbar und wenn ich mir so das Ende durch den Kopf gehen lasse, werden wir dort als Leser noch ausreichend genug im nächsten, finalen Band erleben.
Alles in allem ist es absolut erfreulich, dass sich der Autor diesem Werk wieder angenommen hat und es nicht unvollendet in Vergessenheit geraten ließ.
Zehn Jahre sind natürlich eine verdammt lange Zeit und es wird mit Sicherheit manch einem schwer fallen, wieder in diese interessante Geschichte abzutauchen. Nichts desto trotz lohnt es sich abermals und weiterhin, den Personen und ganz besonders dem sagenhaften Unterhessen weiterhin die Stange zu halten und treu zu bleiben. Wollen wir dabei einfach mal hoffen, dass wir bis zum nächsten Band nicht erneut eine ganze Dekade lang warten müssen.
Für Kenner der ersten Bände erneut und ohne Einschränkungen durchweg zu empfehlen – wer diese nicht kennt, wird es aber mit diesem Buch als Einsteiger sehr schwer haben, da der Autor nicht explizit auf frühere Begebenheiten eingeht. Dies ist zum einen positiv, da für den Kenner nur störend, zum anderen könnte er aber dadurch einige Leser eventuell vergraulen oder nicht bekommen.
Diesen sei aber einfach der simple Hinweis gegeben: Fangt mit Band 1 an und genießt die Geschehnisse in diesem Fantasy-Thriller – ihr müsst dann auch keine so lange Wartezeit einplanen.
Jürgen Seibold/08.8.2016
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Claire North: Die vielen Leben des Harry August

North_AugustOriginaltitel: The first fifteen lives of Harry August
© 2014 by Claire North
© 2015 für die deutschsprachige Ausgabe by Bastei Lübbe AG, Köln
ISBN 978-3-431-03930-6

COVER:

MANCHMAL IST EIN LEBEN NICHT GENUG, UM DIE WELT ZU RETTEN! Harry August stirbt. Mal wieder. Es ist das elfte Mal, dass Harrys Leben ein Ende findet. Und er weiß genau, wie es weitergehen wird: Er wird erneut im Jahr 1919 geboren werden ― mit all dem Wissen seiner vorherigen Leben. Harry hat akzeptiert, dass er in dieser Zeitschleife festhängt, auch wenn er nicht weiß, wieso … Doch dann steht plötzlich ein junges Mädchen an seinem Sterbebett und überbringt ihm eine erschütternde Botschaft: Der Untergang der Welt steht bevor! Und das auslösende Ereignis findet vermutlich zu Beginn des 20. Jahrhunderts statt. Harry, der bald wieder im Jahr 1919 sein wird, muss nun nicht weniger tun, als diese Zukunft zu verhindern …

REZENSION:

Vorweg gesagt: Dieses Buch begleitete mich als Hörbuch und somit ist die Wahrnehmung mit Sicherheit ein wenig anders, als beim Lesen der gedruckten Wörter.
Bezogen auf das Hörbuch ziehe ich sogleich meinen Hut vor der großartigen Lesung Stefan Kaminskis, der es problemlos geschafft hat, diese Geschichte unter Berücksichtigung aller Facetten vor zu tragen. Man fühlt sich beinahe wie in einem Hörspiel mit verschiedenen Sprechern, da der Leser jeder Person seinen eigenen Stempel aufgedrückt hat und geschickt auf die jeweilige Stimmung achtete. Hierdurch konnte eine ausreichende Stimmung erzeugt werden, die mich sicherlich mit davon abhielt, nicht zum Ende zu kommen.
Zum Buch: Zeitreise-Romane beziehungsweise Zeitschleife-Romane gibt es mittlerweile einige auf dem Markt. Mal mehr, mal weniger gut. Ich konnte es mir dadurch auch nicht wirklich vorstellen, wie Claire North diesem Thema einen neuen Stempel aufdrücken möchte.

Der Plot ist dennoch außerordentlich interessant und zeugt von einer herausragenden Idee. Claire North schreibt sehr eingängig, legt aber dennoch ein sehr hohes und gut durchdachtes sprachliches Niveau vor. Ihre unterschiedlichen Themen sind sehr gut recherchiert und absolut jeder Satz sinnvoll dort platziert, wo er auch hingehört.
Leider springt sie recht oft zwischen den einzelnen Leben hin und her, was es einem in einem Hörbuch nicht gerade leicht macht, hier noch zu folgen. Darüber hinaus gibt es einige langatmige Stellen und man fragt sich in manchem Leben, warum Harry August so passiv wirkt. Sicher, er versucht das Problem seiner Wiedergeburten zu verstehen. Dennoch lässt er sich einige Leben zu viel vom Nichtstun treiben. Hier hätte die Autorin bestimmt etwas stringenter vorgehen können und eventuell die Thematik mit weniger Leben abhandeln können.
Wie bei vielen Zeitreise- oder Zeitschleifenromanen versucht man selbst gedanklich der Thematik haarklein zu folgen. Dabei entdeckt man sehr oft die berühmten Paradoxien, über die man geflissentlich philosophieren kann oder als gegeben hinnimmt. In diesem Buch stellt man sich diese Frage jedoch sehr oft, denn Harry August erfährt zum Beispiel, nicht gravierend einzugreifen in der Weltgeschichte. Ich glaube, eine Person, die immer wieder am exakt gleichen Tag mit dem gesamten Wissen auf die Welt kommt, würde doch nach einigen Leben doch das ein oder andere ausprobieren. Ist ja egal, man kommt ja wieder auf die erste Spur und hat lediglich eine Erfahrung mehr hinter sich.
Bei diesem Thema stellen sich somit sehr viele Fragen, was per se ja positiv für ein Buch ist. Aber wie gesagt: Etwas weniger wäre vielleicht mehr gewesen.
Natürlich bleibt die Geschichte trotzdem faszinierend – jedoch hätte ich mir persönlich etwas mehr Spannung und etwas weniger „durch die Leben springen“ gewünscht.
Sprachlich gibt es absolut gar nichts an der Autorin aus zu setzen: Sehr eingängig, philosophisch angehaucht und jeder Satz gut durchdacht und passend.
Das Ende war mir dann leider ein wenig zu schnell und zu konstruiert. Hier eröffnete sich erneut eine Vielzahl an Fragen, die schlussendlich leider nicht alle beantwortet worden sind.
Jürgen Seibold/02.08.2016
Die vielen Leben des Harry August: Roman KAUFEN BEI AMAZON

HYS070 – Zeitalter der Deppen

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Timo Leibig: Totenschmaus

leibig_totenschmaus© Timo Leibig
www.timoleibig.de

COVER:

Ein Restaurantkritiker verschwindet nach einem Streit in der Sterneküche spurlos. Unter den Gästen des Dreierlei befindet sich auch Kommissarin Leonore Goldmann. Sie ist überzeugt: Etwas Schlimmes ist passiert, und die drei Köchinnen haben irgendetwas damit zu tun.
Doch die Ermittlungen führen in eine Sackgasse, und bald schon stellt sich für Goldmann und ihren Kollegen Walter Brandner die Frage: Wie unterscheidet man zwischen Gut und Böse, wenn Gut nicht weiß und Böse nicht schwarz ist, sondern alle Verdächtigen sehr weiße Kochjacken tragen?

REZENSION:

Nach “Mädchendurst” und “Fußabschneider” legt Timo Leibig mit “Totenschmaus” seinen dritten Roman um das Ermittlerduo Brandner und Goldmann vor und führt uns zu sehr kreativen Köchinnen, die keine großen Probleme zu haben scheinen, ihre vermeintlichen Widersacher mal eben so aus dem Weg zu räumen.
Im Gegensatz zu den beiden ersten Fällen scheint Timo Leibig in seiner bösen Welt etwas braver geworden zu sein – waren doch seine bisherigen “Bösen” regelrechte Psychopathen, deren krankhafte Taten vom Autor sehr detailliert beschrieben wurden. Genau aus diesem Grund konnte er mich mit diesen Werken durchweg überzeugen, da er virtuos das Krimigenre in Richtung Thriller hievte. Bei “Totenschmaus” wiederum hinterlässt er mich ein wenig zwiespältig. Sicher, die Geschichte ist erneut sehr schön zu lesen und der Ideenreichtum des Autors lässt nichts zu wünschen übrig. Durch die schnellen Schnitte und die Erzählung innerhalb kürzester Zeitspannen wird die Story auch sehr rasant voran getrieben. Nichts desto trotz hat mir eine Kleinigkeit gefehlt im Vergleich zu den beiden ersten Fällen.
Wenn ich so darüber nachdenke, scheint es wohl die Boshaftigkeit zu sein, die ich in den anderen Werken lieben gelernt habe. “Totenschmaus” ist ein sehr gelungener und recht spannender Krimi von einem Autoren, dessen Schreibstil absolut eingängig ist und mich auch hier überzeugen konnte. Nichts desto trotz muss ich den Vergleich zu den anderen Werken ziehen und hierbei verliert “Totenschmaus” etwas.
Die Geschichte um Goldmann und Brandner wird geschickt weiter erzählt, der Kriminalfall ist interessant und nicht leicht zu lösen. Trotzdem ein klein wenig zu konstruiert und zu “nett”.
Empfehlenswert ist es für Fans des Ermittlerduos trotzdem – ich hoffe aber, das Timo Leibigs “Boshaftigkeit” wieder seinen Weg zwischen zwei Buchdeckel finden wird. Treu bleiben werde ich diesem Autor jedenfalls und enttäuscht fühle ich mich auch von dieser Geschichte nicht.
Jürgen Seibold/17.07.16
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David Bielmann: Freedom Bar

bielmann_Freedom© Riverfield Verlag, Basel
ISBN 978-3-9524523-4-9

COVER:

“Freedom Bar” entwirft eine modern-urbane Welt voller eigenwilliger und liebenswürdiger Alltagshelden, deren Wege und Sehnsüchte sich immer stärker kreuzen:

Der junge Bert Bucher sieht sich als künftiger Rockstar. Da kommt ihm der Tod seiner Großmutter gerade gelegen, so kann er in ihre leer stehende Wohnung in Freiburg ziehen und seine Karriere vorantreiben. Ein Vorhaben, das bald von der schönen Studentin Lana gestört wird.

Johann B. Grab ist Inhaber einer Buchhandlung und sehnt sich zurück in die Welt ohne Internet. Seine griechische Frau hingegen wünscht sich ein Kind, und der zeugungsunfähige Johann ist bereit, zu diesem Zweck einen Mann für sie zu suchen.

Henry Schweizer wohnt in seiner Bar, die er zu seinem persönlichen Sehnsuchtsort gemacht hat. Hier verwässern sich Sorgen im Rausch, abstruse Ideen reifen zu Taten heran und Verlierer werden zu Gewinnern.

REZENSION:

Normalerweise würde ich von einem Buch wie diesem die Finger lassen. Viel zu sehr bin ich in meinen Genre-Abgrenzungen unterwegs und lasse somit beim Schmökern lieber die Finger weg von Büchern, die keine Spannung zu garantieren scheinen.
Nun ist es jedoch so, dass ich bereits vor einigen Jahren etwas von David Bielmann gelesen habe und dabei von seiner Geschichte und dem darin befindlichen Witz sehr angetan war. Gleichzeitig überzeugte mich der Autor mit seinem schriftstellerischen Talent und eingängigen Schreibstil. Aus diesem Grund habe ich mich auch auf dieses Buch eingelassen – obwohl es doch absolut nichts interessantes zu beinhalten scheint. Geht es doch wohl lediglich um die persönlichen Erlebnisse einer Hand voll Protagonisten.
Tja, es geht tatsächlich nur um persönliche Erlebnisse einiger Personen. Diese Personen scheinen auf den ersten Blick auch nicht wirklich interessant zu sein: Ein Möchtegern-Rockstar, der viel zu oft seine Akkorde vergisst; ein Buchhändler, dessen Laden mehr schlecht als recht läuft und darüber hinaus zeugungsunfähig dem Kinderwunsch seiner geliebten Frau entgegensteht und der Inhaber der amerikanisch angehauchten “Freedom Bar” und seinem Traum der großen, weiten Welt, ohne jedoch den Schneid zu haben, den Fuß außerhalb Freiburgs zu setzen.
Klingt alles sehr langweilig: Keine Mörder, keine Psychopathen, kein Science Fiction, kein Horror.
Aber: David Bielmann schaffte es erneut mit seinem intensiven Stil das Leben dieser Personen außerordentlich interessant zu gestalten und ich war erstaunt, wie sehr mich dieses Werk von ihm gefesselt hat. Man taucht in sehr persönlich wirkende Leben unterschiedlicher Personen ein und lernt deren Gedanken und Intentionen bis ins Detail kennen. Ein sehr außergewöhnliches Werk voll Dramatik und Liebe zum Leben. Gleichzeitig eine unterschiedliche Darstellung auf der Suche nach dem täglichen Sinn.
Wahrlich ein absolut eingängiger, interessanter und doch spannend scheinender Geheimtipp, dessen Inhalt ohne jegliche Klischees auskommt und wohl gerade deshalb den Leser fesseln kann. Diesmal eben ohne Kriminalfall, Mörder und Ähnlichem – einfach eine rundum glaubwürdige Darstellung der Sehnsüchte, Träume und Erlebnisse verschiedener Charaktere, deren einziger gemeinsame Nenner das Wohnen unter einem Dach ist.
Dieses Werk kann definitiv nur empfohlen werden.
Jürgen Seibold/17.07.16
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Scott McLeary: In die Finsternis

Leary_Finsternis© 2015 Scott McLeary
epubli GmbH, Berlin
ISBN 978-3-7375-4238-8

COVER:

Als die Anomalie am Himmel erschien, ahnten die Gambrianer nicht, dass viele von ihnen dem Tod geweiht waren. Aus welcher Welt die Bestie stammte, vermochte niemand zu sagen, doch sobald sie ihren Fuß auf die Planetenoberfläche gesetzt hatte, begann das Sterben.
Die Streitkräfte Gambrias erlitten schwerste Verluste, und letztendlich mussten sie erkennen, dass sie niemals zuvor einem Feind wie diesem gegenübergestanden hatten. Erst als die gesamte gambrianische Zivilisation am Rande der Auslöschung stand, gelang es in einer verzweifelten Operation, die Bestie gefangen zu nehmen.

Jahrmillionen später – auf der Erde tobt der Erste Weltkrieg – wird eine französische Spezialeinheit in Marsch gesetzt, um das Geheimnis einer deutschen Ausgrabung zu ergründen.
Wonach haben die Deutschen gesucht, und warum sind sie so plötzlich verschwunden?
Nachdem die Spezialeinheit durch die Hölle der Schlacht von Verdun gegangen ist, erreicht sie schließlich die Grabungsstätte. Hier stößt sie auf einen Tunnel, der zu einem tief unter der Erde verborgenen Tor führt. Dutzende grausam verstümmelte Leichen liegen vor den weit geöffneten Torflügeln.
Die Deutschen haben etwas freigelassen. Etwas, das nie mehr das Licht der Sonne hätte sehen dürfen. Eine furchtbare Bestie, die von einer technologisch hochentwickelten Zivilisation nur unter großen Opfern gefangen genommen werden konnte.
Getrieben von einer unbändigen Gier nach Blut wütet diese Kreatur nun über das Angesicht der Erde und lässt nichts als Tod und Zerstörung hinter sich zurück.

Gambria war stark. Die Menschheit jedoch … ist schwach.
Aber sie steht nicht allein.

REZENSION:

Bei Scott McLeary handelt es sich um einen neuen Autoren, der mit diesem Titel seine ersten Fußstapfen hinterlassen möchte. Ich könnte jetzt gleich enden und schlicht sagen: Ja, er hinterlässt seine ersten Spuren und diese sind tief genug, um Bestand zu haben.
McLeary führt uns nach seiner Science-Fiction-Einleitung ungebremst zur Schlacht von Verdun und lässt diese deutlich vor des Lesers Augen erscheinen. In der sicheren Umgebung eines historischen Romanes fragt man sich recht schnell, was der Autor mit seiner Einleitung bezwecken wollte und ganz besonders: Wie bekommt er die Kurve vom realen Weltkrieg zu den bereits kurz angerissenen Aliens?
Interessanterweise schafft er das nahezu problemlos und es entsteht ein absolut gelungener Genre-Mix aus historischem Roman, Science-Fiction-Roman und last but not least einem Horror-Roman. Klingt irrsinnig, funktioniert aber und macht einfach nur Spaß.
Natürlich kann man jetzt darüber philosophieren, ob Leser mit einem Genre-Mix klarkommen. Andererseits stellt man sich die Frage, ob es somit auch ein Genremix wäre, wenn plötzlich Aliens auf unserem Himmelzelt erscheinen würden. Ich persönlich finde es immer wieder sehr interessant, wenn sich Autoren verschiedener Genre annehmen und aus diesen einen Crossover-Roman entstehen lassen. Manchmal geht sowas daneben – manchmal funktioniert es. Bei Scott McLeary jedenfalls hat es funktioniert.
Gleichzeitig sind seine Protagonisten detailliert erzählt und jeder bekommt einen glaubwürdigen und eigenen Charakter ohne Übertreibungen. Die realen Geschehnisse wirken gut recherchiert und sind glaubwürdig erzählt. Gut, die Deutschen waren wieder einmal ein wenig dämlich – aber anders gehört es uns ja irgendwie auch nicht; erinnerte ein klein wenig an die dümmlichen Nazis der Indiana-Jones-Reihe.
Schlussendlich hat es mir persönlich jedenfalls außerordentlich gut gefallen und ich hatte definitiv viel Spaß beim Lesen dieser Geschichte. Ich bin wirklich gespannt, mit welchen Ideen Scott McLeary noch so ums Eck kommen wird – bis dahin kann ich jedenfalls schon einmal dieses Buch ohne jeglichen Vorbehalt empfehlen. Für ein Debüt absolut gelungen.
Jürgen Seibold/17.07.16
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Arthur C. Clarke: Die letzte Generation

Clarke_GenerationOriginaltitel: Childhood’s End
Übersetzung von Else von Hollander-Lossow
Neu durchgesehen und vollständig überarbeitet von Bernhard Kempen
© 1953, 1990 by Arthur C. Clarke
© 2002 des Vorworts by Peter F. Hamilton
© 2003 der deutschsprachigen Ausgabe by Wilhelm Heyne Verlag, München
eISBN 978-3-641-10041-4

COVER:

Gigantische Raumschiffe erscheinen über den Städten der Erde. Die Außerirdischen, die “Overlords”, sind den Menschen technisch und moralisch weit überlegen, stehen jedoch ihrerseits im Dienst einer übergeordneten Macht. Sie haben den Auftrag, die Menschheit auf eine höhere Entwicklungsstufe zu führen. Als Erstes verbieten sie gewalttätige Auseinandersetzungen und erzwingen die Bildung einer Weltregierung. Die Overlords halten die Fäden in der Hand – doch sie weigern sich beharrlich, sich den Menschen zu zeigen. Viele Jahre später ist auf der Erde ein neues, utopisches Zeitalter angebrochen. Und es kommt der Tag, an dem sich die Overlords zu erkennen geben …

REZENSION:

Arthur C. Clarkes “Die letzte Generation” mauserte sich problemlos zu einem Klassiker der Science Fiction Literatur und es gibt so gut wie keine SF-Liste, die nicht auch diesen Titel mit aufführen würde.
Man erkennt auch in einer Vielzahl danach entstandener Werke und Filmen als auch Serien, dass eine nicht unerhebliche Zahl an kreativen Köpfen sich von diesem Werk beeinflussen ließen.
Arthur C. Clarkes Geschichte ist aus dem Jahre 1953 – zeigt aber sehr deutlich einen sehr philosophischen Wunsch des Autors nach einer besseren und friedvollen Weiterentwicklung der Menschheit. Über 60 Jahre später scheinen wir noch immer keinen Schritt näher gekommen zu sein. Im Gegenteil: Auf der einen Seite huldigen wir Menschen diversen technischen Errungenschaften und vergessen dabei den Blick auf das Wesentliche und auf der anderen Seite scheinen gewalttätige und herrschsüchtige Vorgänge keinen Millimeter näher an ein ruhiges und friedvolles Miteinander gerückt zu sein.
Man könnte in Clarkes Werk die Aliens auch als eine Gottheit betrachten, die uns den richtigen Weg weisen und dabei sehr sachte vorgehen. Stellt sich natürlich die Frage, warum wir Menschen nach einer höheren Macht streben, die uns den richtigen Weg weisen soll: Ist dieser doch vom Prinzip her absolut offensichtlich und könnte mit etwas weniger Machthaberei auch nach und nach erreicht werden.
“Die letzte Generation” lässt einen sehr viel über aktuelle Begebenheiten philosophieren und allein dadurch erkennt man bereits den Wert dieser Geschichte – hat sie doch immer noch kein Jota an Glaubwürdigkeit bzw. visionärer Überzeugungskraft verloren.
Eine Geschichte, deren Sog man sich schlichtweg nicht entziehen kann und die allein durch ihre erzählerische Stärke den Leser überzeugt. Sicher, es befinden sich Raumschiffe über den Städten und man denkt sogleich an Schlachten und Explosionen a’la “Independence Day” – “Die letzte Generation” stand dafür zwar sicherlich Pate, jedoch befinden wir uns in einer ruhigen aber tiefgehenden Erzählung.
Alles in allem ein echter Klassiker der SF-Literatur mit sehr vielen philosophischen Anregungen, die einen noch länger darüber Nachdenken lassen.
Jürgen Seibold/17.07.2016
Die letzte Generation: Roman KAUFEN BEI AMAZON

HYS069 – gewaltige Fotografie

die neue Podcast-Folge:

Dan Simmons: Die Hyperion-Gesänge

Simmons_HyperionOriginaltitel:
Hyperion
The Fall Of Hyperion
Deutsche Übersetzung von Joachim Körber
© 1989, 1990 by Dan Simmons
© 2013 der deutschsprachigen Ausgabe und der Übersetzung by Wilhelm Heyne Verlag, München
eISBN 978-3-641-10054-4
ca. 1.407 Seiten

COVER:

Auf den Spuren der Zeit

In den Weiten des Alls hat sich die Menschheit über unzählige Sonnensysteme ausgebreitet. Während technischer Fortschritt und Dekadenz Unmögliches wahr machen, suchen sechs Menschen Antwort auf die größte aller Fragen: Was ist das Leben, was ist der Tod?
Dazu begeben sie sich auf eine Pilgerfahrt nach Hyperion, wo das Shrike herrscht, ein rätselhaftes, halb organisches, halb mechanisches Wesen, der Inbegriff von Schmerz und Qual. Es bewacht die Zeitgräber, und genau dort erfüllt sich das Schicksal der Pilger – und der Menschheit in der Zukunft.

REZENSION:

Nach vielen Romanen der unterschiedlichsten Genre juckte mich es mal wieder, ein Buch zu finden, in dem man als Leser so richtig abtauchen kann. In diesem Fall konnte ich aber nicht erneut zu einem meiner Lieblingsbücher aus dem Horrorgenre greifen, da die persönliche Lust lautstark nach einem Roman aus der Welt der Science Fiction rief.
Selbst nicht sehr sattelfest in diesem Genre studierte ich diverseste Listen auf der Jagd nach einem umfangreichen und dabei auch noch möglichst herausragendem Werk.
Immer wieder stieß ich unter anderem dabei auf Frank Herberts DUNE und Dan Simmons Hyperion-Gesänge. Nun, von DUNE ließ ich mich bereits vor vielen Jahren ausreichend fesseln – somit griff ich in diesem Fall zum 1.400 Seiten-Werk Dan Simmons und versuchte mich einfach davon überraschen zu lassen.
Rein theoretisch kann man nicht wirklich von einem 1.400-seitigen Werk sprechen, da es sich bei den Hyperion-Gesängen um zwei Bücher handelt, die mit einem Abstand von lediglich einem Jahr vom Autoren veröffentlicht worden sind. Beide Werke geben sich aber nahezu nahtlos die Hand und somit lassen sie sich problemlos als ein einziges Werk lesen. Wären diese beiden nicht in diesem Doppelband, so würde einem sowieso nichts anderes übrig bleiben, als den Blick nach dem Sturz Hyperions zu widmen.
Hyperion, ein Planet am Rande eines Universums, welches von uns Menschen auf unterschiedlichsten Planeten besiedelt worden ist. Hyperion, gleichzeitig der Hort eines sagenumwobenen Wesens, welches Dreh- und Angelpunkt  einer Religion darstellt. Hyperion, der Sitz der Zeitgräber, die sich in der Zeit rückwärts bewegen und somit eines Tages von selbst öffnen werden.
Nun begleiten wir als Leser eine Gruppe unterschiedlichster Menschen, die gemeinsam aber doch aus eigenem Antrieb eine Pilgerreise auf Hyperion antreten, um zu den besagten Zeitgräbern zu kommen und daraus ihr persönliches Lebensheil zu finden oder nach persönlichen Antworten zu suchen.
Diese Pilger wiederum erzählen in der ersten Hälfte des Doppelbandes ihre jeweilige Motivation und Lebensgeschichte, mit dem Ziel, dem jeweils anderen zu erklären, warum man sich die Strapazen dieser Pilgerreise annimmt.
Die dabei erzählten Geschichten kann man als Kurzgeschichten im Roman betrachten. Jede einzelne sehr umfangreich und detailliert dargelegt. Dabei offenbart sich zu jedem Pilger der persönliche Hintergrund und wir rücken sehr nahe an die jeweilige Person heran. Mehr noch: Man lernt ihn (oder sie) auf einer sehr interessanten und persönlichen Ebene kennen.
Sämtliche dieser Geschichten konnten mich durchweg überzeugen und ich war gebannt von der erzählerischen Dichte Dan Simmons. Bereits alleine für die erste Hälfte lohnt sich der Genuß auf Hyperion.
Die zweite Hälfte (Der Sturz Hyperions) entspricht dann eher einem “normalen” Roman und lässt uns noch tiefer in die politischen Probleme dieses Zeitalters eintauchen. Die Menschheit steht vor einem Krieg gegen einen übermächtigen Gegner, die Pilgerer sind immer noch auf dem Weg und die Präsidentin dieser Weltenvereinigung befindet sich kurz vor ihrer Entmachtung.
Ein wenig hat man hier noch das Gefühl, etwas zu vermissen – war man doch vorher noch geplättet ob der psychologischen Betrachtung der pilgernden Gruppe und nun befindet man sich in einem fast als üblich zu bezeichnenden SF-Roman.
Lässt man sich dabei jedoch ein, merkt man sehr deutlich, dass alle jeweiligen Gegebenheiten zusammenhängen und in irgendeiner Art und Weise interagieren.
Dan Simmons schafft es dabei sogar noch, weit über 1.000 Seiten zu erzählen und trotzdem zum Ende hin für einen Auflösungseffekt zu sorgen, mit dem man schlichtweg nicht wirklich gerechnet hat.
Die Hyperion-Gesänge sind somit durchweg geeignet, seinen Leser einfach mal wieder gedanklich abtauchen zu lassen. Oft sehr philosophisch angehaucht, was zum Nachdenken anregt, und dennoch darüber hinaus ein Science Fiction Werk, dessen Vielzahl an verschiedenen Ebenen einem gar nichts anderes mehr übrig lässt, als von Seite zu Seite zu hasten. Eines dieser Werke, bei denen man das Ende erfahren möchte und dennoch traurig ist, dass es dann eben zu Ende ist.
Nun gut, als Nachfolgemöglichkeit gibt es ja noch Dan Simmons Endymion.
Jürgen Seibold/19.06.2016
Die Hyperion-Gesänge: Zwei Romane in einem Band – KINDLE-Edition KAUFEN BEI AMAZON

Agatha Christie: Und dann gab’s keines mehr

christie_keinesOriginaltitel: And Then There Were None
Aus dem Englischen von Sabine Deitmer
© 1939 by Agatha Christie
Für die deutschsprachige Ausgabe: © 2014 by Hoffmann und Campe Verlag, Hamburg
ISBN 978-3-455-17024-5

COVER:

Zehn Männer und Frauen aus ganz unterschiedlichen Kreisen bekommen eine Einladung, die sie auf eine abgeschiedene Insel vor der Küste Devons lockt. Der Gastgeber, ein gewisser U. N. Owen, bleibt unsichtbar. Erst als die Gesellschaft beim Dinner zusammensitzt, ertönt seine Stimme aus einem alten Grammophon und verheißt Unheil. Ein Gast nach dem anderen kommt zu Tode, während die Verbleibenden verzweifelt versuchen, den Mörder zu enttarnen …

REZENSION:

Agatha Christie ist sicher immer noch eine unangefochtene Königin des Krimi-Genres und nachdem ich vor vielen Jahren diese berühmte Geschichte – basierend auf dem Zählreim “Zehn kleine Negerlein” – schon mehrmals als S/W-Film als sehr interessant empfunden hatte, entschloss ich mich eines Tages zum Lesen dieses Klassikers.
Prinzipiell ist die Geschichte recht einfach aufgebaut: Sie beinhaltet 10 Protagonisten, aus unterschiedlichen Kreisen zusammen gewürfelt und doch irgendwie mit losen Fäden verbunden. Diese werden mit verschiedenen Argumenten auf eine abgeschiedene Insel gelockt. Nach und nach reduziert sich die Zahl der Gäste und somit bleibt den jeweils verbliebenen nichts weiter übrig, als im Angesicht des eigenen Todes den Mörder zu finden.
Und dann gab’s keines mehr ist eine recht kurze Geschichte der Autorin, nichts desto trotz fiebert man mit und fragt sich, wer das nächste Opfer sein wird und wer von ihnen wohl der Mörder ist.
Für eine bereits im Jahre 1939 entstandene Geschichte funktioniert sie heute noch immer erstaunlich gut und es macht eine wahre Freude, die Gäste auf Nigger Island gedanklich zu begleiten.
Mit dem Blick der heutigen Zeit merkt man sehr deutlich den Einfluss der Autorin auf aktuellere Geschichten – bis hin in das Horrorgenre, in dem auch des öfteren diverse Gruppen nach und nach dezimiert werden.
Alles in allem kann man dieses Buch trotz seines hohen Alters uneingeschränkt empfehlen, da es durchweg immer noch funktioniert und einen wahren Klassiker des Genres darstellt.
Als einzigen Negativpunkt nahm ich das Vorwort des Verlages wahr, in dem sie darauf hinweisen, dass in diesem Werk – aus heutiger Sicht – diskriminierende Wörter (das N-Wort) vorkommen, der Verlag es aber zu Gunsten der Geschichte nicht ändern wollte.
Es ist erfreulich, dass der Verlag keine Änderungen an diesen Wörtern vorgenommen hat, würde doch dabei der ganze Plot darunter leiden. Gleichzeitig finde ich es aber erschreckend, dass man sich darüber zumindest Gedanken macht und wohl den Versuch startete, das Werk auf die heutige Correctness ab zu ändern. Diese Diskussion kann man in vielen Fällen diskutieren, hat man jedoch das Entstehungsdatum vor Augen, entspricht es einfach einer anderen Zeit und Gedankenwelt und unter diesen Umständen handelt es sich um ein Kulturgut, welches – wie bei allen anderen auch – nicht geändert werden sollte.
Wenn ein Autor Geschichten aus vergangenen Zeiten erzählt oder gar – wie Agatha Christie – in einer anderen Zeit ihre Geschichten schrieb, dann kann man eventuell kurz auf das Entstehungsdatum hinweisen oder auf den historischen Sprachgebrauch, man sollte aber tunlichst Änderungen vermeiden, da wir sonst in Zukunft nur noch politisch korrekte Geschichten zu lesen imstande sein werden und dabei mehr und mehr den normalen Werdegang der Sprache verlieren werden.
Kurzum: Lasst Literatur einfach so, wie es sich der Autor während seines Schreibprozesses dachte und achtet einfach auf den Inhalt und eventuell noch auf die Entstehungszeit dieser Story. Dann sollten auch keine Diskriminierungsgedanken auftreten. Ich würde mich jedenfalls diskriminiert fühlen, wenn ich nur noch “bereinigte” Geschichten lesen dürfte.
Jürgen Seibold/19.06.2016
Und dann gab’s keines mehr – KINDLE EDITION KAUFEN BEI AMAZON

HYS068 – Neros Bonsai

die neue Podcast-Folge:

Anthologie: Fleisch 3

Fleisch3© Eldur Verlag, Aachen
ISBN: 978-3-937419-20-6
ca. 216 Seiten

COVER:

Warnung!

Bevor Sie dieses Buch in die Hand nehmen, sollten Sie sicher sein, dass Sie einiges verkraften können. Sie könnten hierin Dinge vorfinden, die Sie am liebsten gleich wieder vergessen möchten – aber das wird dann leider nicht mehr möglich sein.

Wieder einmal servieren Ihnen deutschsprachige Horror-Autoren ein extremes Menu aus Fleisch, Blut, Sex und Tod. Der Name der Reihe ist Programm.

Psychisch labilen Persönlichkeiten wird vom Genuss abgeraten!

REZENSION:

Mit „Fleisch 3“ führt der Eldur-Verlag seine erfolgreiche Kurzgeschichtenreihe fort, die mich bereits in den beiden ersten Bänden problemlos überzeugen konnte. Wie so oft, gibt auch diese Anthologie den Autoren ein Thema vor: In Fleisch können sich die Autoren schlicht und einfach austoben.
Erneut ergab sich dabei eine außerordentlich ausgewogene Sammlung an hochwertigen Kurzgeschichten, die absolut nichts missen lassen.
Im Vergleich zu den beiden Vorgängern scheint mir Buch 3 dabei etwas tiefgehender und anspruchsvoller zu sein, da der Fokus ein wenig vom “splatterhaften” Darstellen von Handlungen weggeht und dafür die Geschichten sehr oft eine tiefere Bedeutung in sich tragen. Hierdurch muss man als Leser zwar immer noch jederzeit damit rechnen, dass urplötzlich Blut aus den Seiten tropft – darüber hinaus hinterlässt aber beinahe jede Geschichte eine dezente Moral beziehungsweise die Fragestellung, ob das Gelesene reine Fiktion sein kann oder doch möglich werden könnte.
„Fleisch 3“ ist dadurch jedoch nicht mehr so durchgehend blutrünstig wie seine Vorgänger, was sicherlich den einen oder anderen Fan dieser Reihe ein wenig abschrecken wird.
In meinen Augen ist jedoch der dritte Band mit der Beste in dieser Reihe, zeigt sich der Inhalt doch sehr unterschiedlich, ideenreich und lädt fast immer zum Nachdenken an.
Jede darin enthaltene Geschichte ist eine kleine Perle in sich. Natürlich trifft dadurch manche Story den persönlichen Geschmack etwas besser als eine andere.
Beim Schließen des Buches ist mir dennoch aufgefallen, dass sich darin kein einziger “Blindgänger” befindet. Wie gesagt: Jede Geschichte eine Perle, mal etwas größer, mal etwas kleiner, aber immer einwandfrei unterhaltend.
Die Auswahl des Herausgebers lässt absolut keine Wünsche offen – es werden Newcomer genauso berücksichtigt, wie bereits etablierte Autoren. Dabei zeigte Markus Kastenholz ein geschicktes Händchen in der Auswahl und der Reihenfolge, wodurch das Gesamtpaket nichts zu wünschen übrig lässt.
In meinen Augen immer noch eine der besten Kurzgeschichtensammlungen, die es in diesem Genre gibt und ich hoffe, dass auch in Zukunft noch genug hochwertiges Material zur Verfügung gestellt wird, damit die Reihe noch viele Folgebände aufweisen kann.
Ich werde ihr jedenfalls sehr gerne und mit großer Freude treu bleiben.
Jürgen Seibold/29.05.2016
Fleisch 3 KAUFEN BEI AMAZON

HYS067 – Konfliktlösungspoppen

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HYS066 – Nachdenken lohnt sich

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HYS065 – Das N-Wort

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